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Verfasst: Dienstag 14. Februar 2006, 11:32
von Aalina Yazir
Ja, sie war nur eine Händlerin. Eine Händlerin, die nicht als Beraterin an die Seite eines Omars passte. Wie Recht Aasim doch hatte. War das der Dank? Sie waren zurückgekehrt und wieder landete sie in der Gosse, dort, wo sie hingehörte. Wie dreckig sie sich fühlte. Als ob sie zu nichts fähig wäre. Aasim ging es immer um die Politik, immer nur darum. Wie sehr musste sie sich nicht zusammenreissen um einfach das zu sagen, was ihr im Kopf herumging? Stattdessen flüchtete sie. Sie flüchtete, als Mukhtaar zurückkam. Sie konnte nicht mehr, sie wollte nicht mehr. Den ganzen Tag hatte sie schon schlechte Laune, weil Raakin sich nicht sehen ließ. Langsam schien ihr alles über den Kopf zu wachsen. Sie hatte sich gefreut, Beraterin von Mukhtaar zu werden, so konnte sie vielleicht verhindern, dass er nicht ganz so politisch angehaucht wurde, wie Aasim es immer war. Aber jetzt? Sie hatte keine Kraft mehr. Sie wollte sich ihrer nicht wieder beweisen müssen. Jeder aus dem Hause Ifrey wurde besser behandelt als sie. Ihre Wege sollten geebnet werden, ihre Wege sollten zu den Omar in den Palast führen. Waren denn alle komplett lebensmüde geworden? Mukhtaar redete auf sie ein, versuchte sie zu trösten. Aber Aalina wollte längst nicht mehr. Zu sehr war ihr Stolz und ihre Ehre verletzt. Zu sehr hatten sie die Worte verletzt, die aus Aasims Worte drangen, wo er ihr doch so viel zugesprochen hatte, wo sie doch diejenige war, die alles erzählt hatte um einen Aufstand zu unterbinden. Aber dies schien alles vergessen. Sie waren zurückgekehrt und alles schien wieder 'normal' zu sein. Normal?
Für Aalina war nichts mehr normal. Sie würde sich zurückziehen. Hatte sie sich zu viel versprochen? Hatte sie wenigstens ein bisschen Dankbarkeit erwartet? Ja. Das hatte sie. Und sie wurde mit Füßen getreten. Mukhtaar hatte ihre Tränen entdeckt, er hielt ihr Gesicht fest, doch sie wandte es ab. Sie wollte nicht mehr, absolut nicht mehr. Sie hatte endlich kapiert, was sie in den Augen anderer war - Nichts. Und dann nahm er sich auch noch heraus zu behaupten, Raakin würde sie nicht genügend lieben? Nur, weil er nicht jeden Tag bei ihr war? Sie war wütend über die Aussage, warf eine kleine Flasche gegen die Wand, als er sich umdrehte und ging. Wie konnte er nur? Sie wusste, Raakin würde sie lieben, sie wusste, er würde zu ihr halten, allein er erkannte in ihr mehr, wenn der Rest sie schon für eine "Händlerin" hielt. Sie war ja nichts weiter als eine solche, aber sie war zu hoch geflogen... und sehr tief gefallen.
Wütend, gekränkt und traurig stand sie vor dem Markt, wischte sich ihre letzten Tränen weg ehe sie ihren Entschluss gefasst hatte. Es war nicht mehr nötig, vieles hier zu tun. Sie würde ihrem Händlerdasein nachgehen, würde sich zurückziehen, nur noch die nötigsten an sich heranlassen. Als sie Schritte im Sand hörte, schaute sie auf. Raakin. Vom Einen auf den Anderen Moment hob sich ihre Laune, ein Lächeln legte sich auf ihre Lippen und all das, was vorgefallen war, wurde in den Hintergrund geschoben. Er war da, das war das, was sie sich gewünscht hatte. Und es war das, was ihre Laune steigern ließ und für einen Moment zu vergessen. Sie konnte gut schauspielern und das nutzte sie nun aus. Sie war am Boden zerstört, doch sie war im gleichen Moment auch so glücklich ihn endlich wieder zu sehen.
Verfasst: Mittwoch 15. Februar 2006, 08:56
von Aalina Yazir
Der Tag hatte sich schnell verabschiedet. Sie war noch kurz mit Raakin jagen gewesen, ehe sie sich in ihr Bett fallen ließ und einschlief. Der nächste Morgen sollte ihr vielleicht mehr Glück bringen, vielleicht ein wenig Zuversicht. Doch sie blieb weg, diese Zuversicht, dass sie je etwas anderes werden könne als eine Händlerin zu sein.
Sie ging jagen. Ein wenig Übung tat ihr gut. Wenigstens Raakin sollte mit ihr zufrieden sein, wenigstens er. Und er würde es als gut ansehen, wenn sie immer schneller immer besser wird. Es fiel ihr nicht schwer die Skelette und Zombies umzuschlagen, es kam ihr vor wie eine Leichtigkeit. Vielleicht war es ihr innerlicher Zorn, der sie so aufblühen ließ. Nach einer Weile gab sie auf. Sie war geschwächt, hatte Hunger und Durst. Und ihr Arm tat ihr weh, hatten sie doch die Pfeile eines Skelettschützen zu sehr getroffen. Aber sie war stark, sie biss die Zähne zusammen und machte sich auf den Weg nach Hause. Dort würde sie erstmal ihren Arm verbinden.
Den Tag empfand sie an und für sich selbst als recht sinnlos. Es gab nichts, was sie hätte tun können, was sie hätte erbauen können. Sie gönnte sich ein entspannendes Bad zuhause, doch irgendwie hatte sie keine Lust. Keine Lust aus dem Haus zu gehen, keine Lust irgendwas zu schneidern, keine Lust nochmal jagen zu gehen. Nichts. Einfach keine Lust. Und dennoch raffte sie sich auf, ging zum Stall, zog ihr Lama heraus und ritt auf diesem durch die Wüste. "Laaangweilig!" Immer wieder grummelte sie das Wort vor sich hin, ehe sie auf das Festland fuhr. Eigentlich war sie nur ihre Stellen abgeklappert, an denen sie in Bajard immer Ruhe fand und dann stand er da. Mukhtaar. Eigentlich wollte sie ihn heute doch gar nicht sehen. Eigentlich wollte sie ihn die nächsten Tage überhaupt nicht sehen. Aber dennoch, sie stand da, beobachtete ihn. Ein normaler, junger Mann. Würde sie es nicht wissen, dass er ein Omar war, würde sie ihn garantiert nicht als solchen einordnen. Vielleicht würde sie sogar ihre Hand dafür verwetten, dass er keiner war. Aber sie wusste: Er trug diesen Nachnamen und das verlieh ihm Macht. Macht, Anerkennung und eine jede Frau würde sich im Normalfall um ihn reißen. Sie stand da, sah ihn an. Doch schwieg sie. Die ganze Zeit über schwieg sie. Es war ihr nicht möglich zu sprechen. Das wort blieb in ihrem Hals stecken, selbst als sie es versuchen wollte. Zu sehr brannten die Wunden auf ihrem Herz, Wunden, die ihr zugefügt wurden. Wunden, die sie selbst wieder richten musste. Wer auch sonst?
Sie wollte nach Hause, sie ging nach Hause. Auf dem Festland war es immer noch so fürchterlich kalt. Also fuhr sie zurück. Es tat gut, wieder auf Menek'Ur zu sein. Vielleicht hatten sie wirklich Glück und bald war alles wieder so, wie es einmal war. Jeder hat dann vergessen, dass Sayid Ifrey damals den Säbel gegen den Emir erhoben hat und so weiter und so weiter. Aalina fragte sich zum ersten Mal, warum sie sich in Gefahr gegeben hatte und alles erzählt hatte, was sie über den Aufstand wusste, wenn der Dank so ausgeteilt wurde. Sie wusste, warum sie es getan hatte. Schließlich verehrte sie ihn - den Emir. Und dieser konnte nichts dafür, was ihr gesagt wurde - eine Händlerin war sie, jawohl. Sie ritt mit ihrem Lama von dem Schiff Richtung Kontor und sah ihn dort sehen - Raakin. Sie freute sich, sehr. Doch kam immer und immer wieder ihre schlechte Laune hervor, so nahm sie seine Worte auf einmal zu ernst, wo sie doch wusste, dass er sie nicht ernst meinte. Und doch tat sie es. Schnell ritt sie mit ihrem Lama zu ihrem Haus, schlüpfte in ihre Rüstung, griff nach ihren Waffen und zog mit Raakin los. Wieder einmal zur Jagd. Es machte ihr Spaß, so konnte sie ihm wenigstens zeigen, dass sie mehr und mehr dazulernte. Stück für Stück, was auch ihm aufzufallen schien. Seine Worte weckten den Stolz in ihr, seine Worte beruhigten sie und ließen sie hoffen, dass sie doch mehr konnte, als nur eine Händlerin zu sein.
Als sie zuhause war setzte sie sich abermals an eines ihrer Fenster, drehte den Ring - den Siegelring der Omar - immer wieder in ihren Fingern. Sie hätte ihn Aasim längst geben können, doch hatte sie ihn vom Emir und auch diesem wollte sie den Ring zurückgeben. Nachdenklich drehte sie ihn immer wieder im Kreis. Warum scherte sie sich eigentlich so um die Worte? Immerhin war sie als Beraterin "akzeptiert" worden, das sollte das einzige sein, was für sie zählt. Und sie war glücklich. Sie hatte einen Mann, den sie über alles liebte, einen Mann, der dies genauso tat - auch wenn andere dies anzweifeln wollten. Sie war verlobt, sie würde heiraten, sie war Meisterin ihres Handwerks, übte sich in der Verteidigung von Raakin und sich selbst.
Was also wollte sie mehr?
Nichts. Sie war glücklich. Einfach nur glücklich. Und das wurde ihr immer wieder bewusst, wenn sie in seiner Nähe war und diese genießen konnte.
Verfasst: Mittwoch 15. Februar 2006, 11:58
von Mukhtaar Omar
Auf dem Festland konnte man eigentlich auch ganz gut leben, der Omar fühlte sich sicher, obwohl keine Leibwache bei ihm war. Hier konnte er in Ruhe genießen, sich ab und an ein Gläschen Wein gönnen. Seiner liebsten Freizeitbeschäftigung, dem Angeln nachgehen. Er saß einfach Stunden da, las nebenher ein gutes Buch, welche ihm gute Freunde empfahlen und auch Lektüren, bei denen es sich einfach lohnte, sie mehrmals zu lesen. Das Festland war interessant, trotz dem, dass er jahrelang mit einem Schiff unterwegs war, zwar dort auch mehrmals das Festland besichtigt hatte, aber niemals wirklich die Zeit fand, alles so zu betrachten, wie er es nunmal für notwenid empfiehl.
Ein Seufzen hörte er hinter sich, Aalina hatte ihn hier gefunden. Ob sie ihn überhaupt gesucht hatte? Sie sprach kein Wort mit ihm, die Begnung war kurz - ein Omar hätte sich gekränkt gefühlt, aber Mukhtaar wollte einfach nicht mehr auf ihr Spiel eingehen. Er war es leid, er hatte es satt. Immernoch war sie in seinen Gedanken, doch er bekämpfte sie, zeigte sich freundlich, aber nicht mehr so idiotisch. Versuchte sie wenig zu beachten, wenn sie wieder Trost brauchte, aber es half ihm nichts. Er musste sie wiedermal in den Arm nehmen. Es schien als würde ihr das einfache Leben das sie führte gar nicht recht zu sein. Vielleicht kam der Gedanken dann auch erst, als er sie zur Beraterin gebeten hatte und Aasim sich mit derben Worten an ihr ausgelassen hat.
Mukhtaar versuchte diese Gedanken zu verdrängen. Aalina war auch genauso schnell wieder verflogen, wie sie gekommen war. Er erhob sich von seinem Platz, blickte auf das, was sie ihm einmal in sein kleines Büchlein geschrieben hatte und schüttelt nur unwiderruflich den Kopf. Dann wanderte er doch eine ganze Weile durch das kleine Dorf, bis er von einem einfachen Bürger angesprochen wurde. Der Mann stellte sich als Silwan heraus und arbeitete am örtlichen Bauernhof, als Knecht. Er war freundlich und schien anfangs gar nicht erst zu merken, welchen Posten der junge Menekaner inne hatte. Mukhtaar freute sich, dass er so einfach behandelt wurde. Schliesslich zeigte Silwan den schönen Hof, auf dem der Knecht lebte. Dann traf sein Blick die junge Bäuerin, eine Frau, die Respekt verlangte, mit Schönheit geschmückt war und freundlich war, wie man es von keiner Festländerin erwarten konnte. Sie schien so viele verschiedene Eigenschaften zu haben, dass ihm ganz wirr wurde. Beide begrüßten sich förmlichst und begangen eine kleine Unterhaltung, bei der sich Silwan eher abseits hielt. Sie war ihm sympathisch und er fragte sie sogleich, ob er denn eine Weile hier bei ihr die Pflanzenwelt und die Tiere erforschen dürfe, da er ja das Festland erst noch untersuchen wolle - sie stimmte ihm zu. Er war froh darüber, hier auf dem Festland etwas zutun zu haben, die nette Bäuern Leanne kennenlernen zu dürfen und auch ihrem Knecht vom wunderbaren Menek'Ur erzählen zu können, der scheinbar völlig wild darauf war, alles über das ferne Land zu erfahren.
Er lächelte und er lächelte zufrieden. Nicht immer das Lächeln, dass er beinahe standardmäßig aufsetzte. Hier fühlte er sich zwar soweit ganz wohl, hier wollte man ihm sogar eine Wache abstellen, die ihn allein beschützt, aber das war ihm zuviel. Er dachte aber, dass es eher an den Menschen war, die er jetzt kennengelernt hat. Hier würde er wohl eine Weile die Beine hochlegen.
Verfasst: Donnerstag 16. Februar 2006, 11:07
von Mukhtaar Omar
Ehe er sich versah, holten ihn die Aufgaben wieder ein. Er schreitete in aller Ruhe durch Bajard, den Stab fest mit seiner Rechten umschlossen. Dann blickte er auf eine Gruppe von Menekanern: Khalida, Nadeeda und Saheeb. Saheeb stand abseits und blickte auf die Frauen, während Khalida und Nadeeda hitzig miteinander diskutierten. Er ahnte schon etwas. Ein komisches Gefühl stieg in seinem Magen hoch und blieb dort wie ein schwerer Kloß hängen. Er begrüßte die Menekaner beiläufig, setzte sich dann alsbald auf eine danebenstehende Bank. Khalida deutete auf ihn und meinte, dass er sich nun Nadeedas Anliegen anhören solle.
Nadeeda war darüber wenig begeistert und stellte ihm klar auf, was sie von der Sache hielt, dass sich ein gewisser Falk Hinrah auf Menek'Ur aufhielt. Er habe sie und ihre Schwester beim Baden gesehen, gestarrt soll er haben. Während dann Sharie von dem Mann erzählte, als sei er höchst ehrenhaf und stolz, jemand der so etwas nicht nötig hätte. Nadeeda verurteile den Festländer, nannte ihn einen Barbaren und er solle sich doch persönlich bei ihr entschudligen. Sicherlich verlangte sie hier einfach zu viel, sie benahm sich äußerst kindisch dabei, war sich wohl der Wichtigkeit der Politik zum Festland bewusst. Ja, sie hatte nur Augen für ihren eigenen Stolz. Als sie jedoch dann noch über ihr eigenes Volk herzog, dass man weniger ihr glaube, als einem Festländer der mit einem ganzen Sack Gold baumelte. Wie weit wollte sie ihren eigenen Stolz denn noch in den Dreck ziehen? Mukhtaar war merklich wütend, es kochte in ihm innerlich und er sah mit Spott auf die Frau. Er deklarierte sie als geistig verwirrt, dass sie nicht mehr im Stande war korrekte Sätze zu bilden. Er bat Sharie darum, sie zurück nach Menek'Ur zu bringen, ebenso sollte Saheeb mitgehen. Er bedankte sich bei Khalida, dass sie sich für die Omar so eingesetzt hatte, während dem Gespräch, sprach ihr dafür Dank aus, dass sie ihn mit Nadeedas Problem aufsuchte. Nadeeda musste sich wieder unter Menekaner mischen, erfahren, wie wertvoll Menek'Ur ist und die alten Traditionen wieder durchleben dürfen.
Sobald suchte er dann Leanne auf, die zierliche, liebliche Frau schwirrte ihm etwas in seinen Gedanken herum. Er vermisste sie fast schon etwas. Wieder waren ein ganzer Haufen Leute vor ihrem Bauernhof anzutreffen. Eine gewisse Shanna war mit einem Knaben da, der scheinbar fröhlich mit einer Katze spielte. In Varuna schien es ein Waisenhaus zu geben. Mukhtaar überlegte sich, ob er denn diesen Leuten nicht was Gutes tun konnte, doch galt es erst, sich um andere Belange zu kümmern. Er schob sich an einigen Leuten Richtung Türe durch, wo ihn auch bereits Silwen begrüßte, Mukhtaar kämpfte sich immernoch durch, bis er dann endlch vor Leanne stand und sie anlächelte. Er grüßte sie, sah ihr in das hübsche, runde Gesicht und sprach dann leise:"Es ist von enormer Wichtigkeit, dass Ihr mit mir kommt...". Nach einigem Hin und Her folgte sie ihm auch. Sie suchten sich ein stilles Plätzchen, wo Mukhtaar eine Flasche Rotwein entkorkte und zwei einfache Holzbecher mit diesem befüllt. Sie stießen auf ihre Freundschaft an und unterhielten sich eine ganze Weile, während sein Blick nicht von ihr schweifen wollte. Offenbar gefiel sie ihm und er behandelte sie mit allerhöchstem Respekt. Wie sie zu ihm stand, konnte er noch nicht genau einschätzen.
Aalina sah er diesen Tag nicht.
Verfasst: Donnerstag 16. Februar 2006, 13:47
von Der Erzähler
Reges Treiben auf dem Basar in Menek’ur.
Und hinter vorgehaltener Hand.. nie würde sich einer erlauben, solcherlei laut zu äußern, schon gar nicht nach den letzten Geschehnissen.. wird gemunkelt.
„Salam, wie ist das Befinden des ehrenwerten Hauses? Sind Eltern und Kinder wohlauf?
Die Wasserschläuche gut gefüllt? Das läßt mein Herz vor Freude lächeln, wo es doch genügend gibt, was es zum Weinen bringt. Ach? Dem Haus ist nicht bekannt..? Ihr hörtet noch nicht..? Ja, ja, der junge Omar.. möge Eluive ihm immer kühlenden Schatten auf seinem Haupte schenken.. war er doch viele Jahre auf dem Festland.. und kaum hier, scheint es ihn auch dort schon wieder hin zu ziehen.. man sagt, er würde mit einer Bäuerin des Fischerdorfes liebäugeln, so man seine Blicke richtig deute.. möge er immer frisches Wasser finden, um seinen trockenen Gaumen zu feuchten.. aber Wasser zu finden ist auf dem Festland sicher seine kleinste Sorge.
Wie gehen die Geschäfte? Ja, ja, die Zeiten sind wie immer, aber Dank derer die das weiße Gold aus den Minen holen, können wir voller Hoffnung sein, denn bis auf die Festländer, die glauben, sie könnten sich an unseren Früchten laben, ohne dafür zu bezahlen, gibt es ja keine Gäste mehr.
Oh, ihr habt einen Gast aus dem Hause Sameehad? Erlaubt mir, dem ehrenwerten Haus eine Flasche meines besten Kaktusschnapses zu schenken, auf dass es ein angenehmer, fröhlicher Abend werde.. ja, ja, das muß nicht wundern, nachdem was sich im Badehaus zu trug... es heißt, es hätte einen Streit gegeben im Fischerdorf, wo sich der junge Omar.. Eluive schenke ihm ein langes Leben... dazu hinreißen ließ, eine aus dem Hause Bashir als geistig verwirrt hinzustellen, anstatt alle Seiten zu betrachten, wie es weise gewesen wäre.. ist, nach den fürchterlichen Geschehnissen, unsere Heimat.. möge Eluive ihre schützende Hand über sie halten... nicht im Aufschwung begriffen? Im Besinnen auf die alten Werte? War der junge Omar... möge er immer in Frieden leben... zu lange auf dem Festland gewesen, als dass er sich auf Kultur, Bräuche und Sitten nicht mehr besann?
Nun, wir werden sehen, wie der Großwesir darauf zu reagieren vermag..
ja auch ich muß nun weiter, die Sonne steht hoch und nur im Haus ist es angenehm kühl.. möge euch das Wasser nicht ausgehen und die Familie bei guter Gesundheit bleiben.. inshallah.“
Verfasst: Freitag 17. Februar 2006, 10:37
von Mukhtaar Omar
Seine Gehilfin kam auf dem Festland an, suchte ihn stundenlang, ehe sie ihn in seinem Gasthaus fand, wo er untergebracht war. Sie erzählte ihm, dass sie sich unter das Volk mischte, ihre Stimmen und das Geplapper vernahm. Sie klärte ihn darüber auf, dass es das Volk nicht gerne sah, wenn er es sich auf dem Festland gemütlich machte, kaum wo er doch wieder auf Menek’Ur angekommen war. Mukhtaar nickte nur während ihrer ausführlichen Auflistung der Sachlage. Noch den gleichen Abend fuhr er mit dem Schiff nach Menek’Ur zurück. Dort angekommen traf er als Erstes auf die Oberste Heilkundige und Weise Najiya.
Diese beschäftige sich auch gleich mit Mukhtaar, grüßte ihn ehrenvoll, war freundlich und zuvorkommend. Als dann auch eine junge Salzschürferin herantrat und sich diesem als Yannah, Tochter der Asif vorstellte, wurde ihm wieder etwas schlechter um den Magen herum. Wo er doch wusste, dass ihr nächster Verwandter vor wenigen Tagen gestorben war.
Er wollte es ihr noch nicht sagen, eher wollte er etwas mit ihr reden, sie erst einmal kennen zu lernen, um zu wissen, wie er mit ihr umzugehen hatte. Doch kam es nicht dazu, denn als er fragte, ob er sie und Najiya ausfragen dürfe, huschte Yannah plötzlich davon, sie habe etwas Wichtiges zutun. Mukhtaar fragte sich, was er hier nur falsch machte. Dann drehte er sich zu Najiya um, lächelte knapp und verabschiedete sich von ihr. Für heute hatte er keine Lust mehr jemanden zu sehen.
Verfasst: Freitag 17. Februar 2006, 14:35
von Yannah Asif
Den ganzen Tag tat sie nichts anderes. Sie hämmerte mit ihrer Picke auf den Boden ein, schuf das Salz zur Salzmühle um es zu mahlen und in Säcken zu verstauen. Doch heute hatte sie sehr baldig genug. Der feine Salzstaub hatte sich auf ihre Haut gelegt und sie würde die Säcke nun noch zur Bank bringen und den Abend dann ausklingen lassen. Mühevoll wuchtete sie die Säcke auf den Tresen der Bankiersfrau, nickte ihr zu, sagte ihr die Nummer ihres Bankfaches und trat nach draußen. Warm war es, angenehm warm. Der Sand rieselte durch ihre Sandalen, ehe sie vor zwei Menekanern stehen blieb. Ein junges, hübsches Mädchen und ein junger, noch hübscherer Menekaner. Er stoch ins Auge, war sein Blick so leer und geheimnisvoll, dass Yannah sich fast in seinen Augen verlieren konnte. Er stellte sich vor, genauso wie das Mädchen neben ihm. Als sie sein Namen vernahm, verneigte sie sich viel tiefer vor ihm wie es sich für einen Omar ziemte. Er trat an sie heran, schien wohl für einen Moment an ihren türkisen Augen zu hängen und fragte sie dann, ob sie nicht mit ihm etwas sprechen wollen würde. Sie nickte hastig. Doch schon als sie genickt hatte, war ihr mulmig geworden. Nicht, dass sie Angst hätte oder sonstiges. Sie war doch gerade wieder angekommen. Aber sie wusste, was passieren würde, wenn sie sich zu sehr mit irgend jemandem anfreunden würde. Sie würde dann beginnen, ihre Arbeit zu vernachlässigen. Und wollte sie das? Nein, das wollte sie nicht. Also trat sie hastig zur Seite, verabschiedete sich so schnell wie sie zugestimmt hatte und rannte davon.
Aber warum hatte sie das nun wirklich getan?
Verfasst: Montag 20. Februar 2006, 14:03
von Mukhtaar Omar
Die letzten Tage vergingen schnell. Kaum hatte er Zeit sich weitere Gedanken über die Zukunft zu machen, wenn alles so schnell an ihm vorbeiflog. Gerade so konnte er sich auf die kommende Unterrichtsstunde vorbereiten, eine Thesis zu seiner Hausaufgabe aufstellen. Sie war ihm selbst noch nicht plausibel genug. Dennoch war es für ihn nicht daran, sich den ganzen Stoff selbst begreiflich zu machen, oder aus den eigenen Gedanken herauszulernen. Es war immernoch Aufgabe der Lehrer und Zweigleiter ihm das so zu erklären, dass er sich seine Anwendungen
selbst zurechtlegen konnte. Es fehlte einfach der Funke, der überschlug.
Hatte er wirklich Zeit übrig, verbrachte er sie mit Yannah, der Tochter der Asif. Sie war ein nettes Mädchen, nicht geblendet von seinem Adelsgeschlecht. Sie war einfach und erfrischend. Ihr konnte sich der junge Omar offenbaren, ohne zu bedenken dass im nächsten Augenblick die Gerüchteküche zu brodeln beginnt. In der momentanen Lage war er völlig zufrieden, liess als geschehen wie es kam. Ging auf die Menekaner
jetzt aber deutlich distanzierter zu, so wie man es ihm er "alten Schule" beibrachte. Es gefiel ihm nicht, er war nicht der Mann dafür. Aber as Licht sollte positiv über dem Adelshaus erstrahlen und den guten Ruf behalten. Die Mittel waren da, deren er sich bemächtigen konnte, es war sogar sehr einfach, denn er hatte die Richtlinien in Aasims Person vor sich. Der eigene Bruder, das eigene Vorbild.
Die freie Zeit, in der Yannah schlief, oder in der Salzmine arbeitete, verbrachte Mukhtaar mit seinen Übungen. Najiya, Tochter der Masari und oberste Heilkundige Menek'Urs war im dabei hiflreich. Er pflegte mit ihr die Techniken seines Nahkampfes, wurde dabei schneller und ausdauernder. Wo vorher keine Muskeln waren, spannte sich sein Körper die dunkelbraune hat war lebendiger und fester, hatte einen besonderen Glanz. Seine Hände waren jedoch etwas verbraucht, die Knöchel rot und wund. Überall hatte er kleine blaue Flecken, die er Najiya natürlich des Stolzes wegen nicht meldete.
Und dann, dann kam die Unterrichtsstunde...in der Una die Scolari unterrichtete.
Verfasst: Donnerstag 2. März 2006, 14:30
von Aalina Yazir
Es schien, als würde sich alles langsam wieder ebnen. Aalina ging voller Tatendrang ihrer Arbeit nach, übte sich in der Kampf- und Bogenkunst, reiste umher, besuchte Bekannte auf dem Festland, lebte vor sich hin. Sie hatte sich ein wenig mehr zurückgezogen, als man sie damals kannte - bevor dieser Aufstand war. Manchmal, wenn sie nach draußen vor die Tür trat um Raakin zu besuchen oder mit ihm gemeinsam den Turm umzubauen, verstand sie nicht, wie alle einfach normal weiter machen konnten. Es gab Momente, da vergaß auch sie, was passiert war. Aber dann wurde sie meist sofort wieder daran erinnert. Sie war Sayid nur ein mal auf Menek'Ur begegnet, im Kontor der Kinder der Wüste, er stand dort mit Raakin. Sie wusste nicht, was sie gesprochen hatten, denn sie war erst gegen Ende des Gespräches dazugekommen und da hatte Raakin fluchtartig das Gebäude verlassen und sie ihm hinterher. Auch lernte sie Inaya kennen. Sie wusste nicht, wie Inaya zum Emir stand, doch Inaya war ihr symphatisch. Die Tage schlichen dahin, Raakin bekam sie kaum zu Gesicht, so viel war zu tun, so viel war zu klären. Die Wege mussten geebnet werden, um die Rückkehr des Emirs vorzubereiten. Und so viel war in den Wochen geschehen. Ihre Wut, die sie gegenüber Mukhtaar aufgebaut hatte, nachdem er sie so schäbig im Turm von Raakin behandelt hatte hielt sie in Grenzen, es war ihr fast nicht anzumerken, dass sie ihm am liebsten nur noch aus dem Weg gehen wollte. Er hatte sie gedemütigt, ihr weh getan mit seinen Worten. Sie nahm seine Entscheidung hin, dass er sie doch nicht als Beraterin haben wollte, denn das war auch besser für Raakin und sie. Im Grunde war sie auch recht erleichtert. Und Stück für Stück schien alles normal zu werden. Für sie nicht, für sie nicht... sie sah zwar drüber hinweg, doch tief in ihr war immer noch der Hass gegen jeden einzelnen Anwesenden am Tage, als der Emir ins Exil geschickt wurde, der seine Worte und seine Sinne gegen den Emir erhob. Ob sich dies ablegen lies, ihr Hass, den sie innerlich ausbrütete, wusste sie nicht. Zeit heilt Wunden, so sagte man ihr immer wieder. Aber ob diese Wunden jemals zu heilen waren? Man würde es sehen.
Es war ein sonniger Tag auf Menek'Ur, als Aalina das erfuhr, was sie am meisten erschütterte. Der Emir war tot. Sie brach in Tränen aus, schlug gegen die Wände ihres Hauses, vergrub ihr Gesicht in ihren Händen. Sie schluchze, weinte, schrie. Sie wollte niemanden sehen, sie wollte allein sein. Sie wusste nicht wie und warum, sie wusste nur, dass er nicht umgebracht wurde. Ihr war bewusst gewesen, dass ihr Emir krank wurde, schließlich wurde er auf Gerimor immer dünner und kränklicher. Es hatte ihm im Herzen wohl zu sehr weh getan, was seine Kinder vollzogen hatten. War das ihr Dank dafür, dass der herzensgute Said Omar in seiner Macht zurücktrat um kein Menekenleben zu opfern? Musste er nun selbst sein Leben für sie lassen? Hätten sie ihn nicht vertrieben würde er jetzt noch leben. Aalinas Gedanken drehten sich im Kreis. Sie konnte und wollte nicht mehr. Tränen liefen über ihre Wangen, perlten nur noch an ihrer Nase und an ihrem Kinn ab, als würde sich süsser Regen über Menek'Ur ausbreiten. Krampfend windete sie sich auf dem Boden, ihr war übel, ihr war wirklich übel. Doch ihre Übelkeit steigerte sich in Hass und Trauer und damit ihre Lust, allen ihre Abneigung und Trauer zu zeigen. Sie schneiderte sich Kleidung und anstatt sie Farbenfroh zu färben, wie man es von ihr gewohnt war färbte sie diese Pechschwarz. Jeder sollte spüren, dass sie trauerte. Jeder.
Und so zogen die weiteren Wochen durch Menek'Ur. Sie sprach nicht viel, sie wollte nicht viel sprechen. Und dann war noch die Krönung. Aasim sollte Emir werden, er wurde Emir. Und Aalina bekam den Posten der leibeigenen Schneiderin des Emirs und des Palastes. Sie fühlte sich geehrt. Sie hatte Hoffnung, Hoffnung, das endlich wieder Ruhe nach Menek'Ur kam mit der neuen Führung, wenn sie auch weiter trauerte. Sie würde nie vergessen, wie sie mit Said Omar, ihrem ehemaligen Herrscher über das Land Menek'Ur auf das Schiff stieg und mit ihm von Menek'Ur ging. Wie sie ihm mit den weiteren Getreuen zur Seite stand. Und auch freute sie sich darüber, das Raakin den Posten des Großwesirs bekam. Sie freute sich für ihn und das sehr.
Verfasst: Montag 6. März 2006, 10:46
von Mukhtaar Omar
Seine Übungen waren ihm wichtig und das Ahnengrab eignete sich hervorragend dafür seine Theorien in die Praxis umzusetzen. Seinen neuerworbenen Kampfstab wollte er auch gleich an den „Mistdingern“ ausprobieren. Was freute er sich, als der Kampfstab mit der harten Bleispitze gegen den Kopf des Skeletts vor ihm einschlug, die Knochen brachen und das Gestell zusammenklappte. Er packte die Knochen sorgsam in seine Manteltasche, um sie für spätere Untersuchungszwecke aufzubewahren. Gerade hörte er dann Schritte hinter sich, packte schon mit beiden Händen den Stab und wirbelte herum, als er dann Aalina, Raakin und Amany sah. Eigentlich wollte er allein jagen gehen, sich einmal explizit mit seinen Fähigkeiten beschäftigen. Es sollte wohl aber einfach nicht der Tag dafür sein. Sie luden ihn ein, sie bis und das untere Stockwerk zu begleiten. Es konnte nicht viel schief gehen, Raakin war ein Magus, würde ihn beschützen können.
Mukhtaar war erstaunt, mit welcher Leichtigkeit sich Aalina in den Kampf stürzte. Sie war Schneiderin und konnte ein Wesenschneller niederschlagen, als er jemals zuvor gebraucht hatte. Desto tiefer sie nun hinabstiegen, umso schlechter konnte er bei den anderen mithalten. Er fühlte sich immer nutzloser. Als sie dann auch noch auf Fadi und Madeeha trafen, war es ganz um ihn geschehen. Die beiden Magier riefen ihre Elementare herbei, beschossen die Feinde mit allerlei Energiebällen und ein wahres Lichtspektakel war zu erkennen. Nur er, er stand da, hatte seinen Stab in der Hand und konnte nur zuschauen. Selbst mancheine Frau war im Kämpfen deutlich begabter als er, das sah er vor allem an Aalina. Kopfschüttelnd wendete er sich von ihnen ab. Es würde ihn nur weiter deprimieren, dort zuzuschauen. Niemand bemerkte, dass er weg war.
Verfasst: Dienstag 7. März 2006, 02:12
von Aalina Yazir
Aalina machte sich Tag für Tag daran, in ihrer Kampfkunst besser zu werden. Sie war selbst stolz auf sich, wie sie langsam aber sicher immer mehr konnte. Sie wollte sich verteidigen können, andere verteidigen können. Mit dem Bogen ging sie mittlerweile auch weitaus geschickter um, ebenso wie mit ihrer Klinge oder der Keule. Sie fuhr aufs Festland um dort Rehe zu jagen. So kam sie auch an Fleisch und Leder, sowie an Blut. Sie tat alles dafür, um das zu werden, was sie sich in den Kopf gesetzt hatte. Eine Frau mit ein wenig ansehen. Eine Frau, der man Bewunderung schenken konnte. Und welche diese Bewunderung auch verdient hatte.
Und genau dieser Gedanke und dieser Wunsch ließ sie so ehrgeizig wirken. Und schließlich ging es ihr nur darum, einen Menekaner glücklich zu machen: Raakin. Er würde sicher sehr stolz auf sie sein, wenn sie immer besser wurde.
Und als sie an diesem Nachmittag Mukhtaar im Ahnengrab sahen, war sie anfangs nicht sonderlich begeistert gewesen. Doch war es nur eine Jagd. Sie wollten gemeinsam jagen, das war für sie in Ordnung. Noch lange nicht hatte sie ihm seinen Auftritt in Raakins Turm verziehen. Sie war sauer, innerlich. Sie kochte, innerlich. Aber wie gut, dass sie sehr gut spielen konnte. Ein freundliches Lächeln - es gab nichts leichteres. Und immer wieder fragte sie sich, ob er es nicht sehen wollte, dass sie immer noch sauer war oder ob er es einfach nicht spürte. Im Grunde war es ihr egal, solange sie nicht übertrieben viel Zeit mit ihm verbringen musste. Und es war triumphierend für sie, die Bewunderung in seinen Augen zu sehen, wie sie sich einfach in den Kampf stürzte, ohne jegliche Art Angst in ihren Augen.
Verfasst: Dienstag 7. März 2006, 02:56
von Yannah Asif
Immer wieder hatte sie an den Tag zurückgedacht, als sie Mukhtaar kennenlernte. Zu schüchtern war sie gewesen, um bei ihm zu bleiben. Schnell wollte sie von ihm weg. Wollte ihre Ruhe haben, doch schon bald darauf sah sie ihn wieder. Sie wusste nicht, warum sie sich so verhalten hatte. Warum sie weggelaufen war. Doch, im Grunde wusste sie, was ihr Problem war. Seine Augen, seine Art, sein Wesen - all das hatte er unmerklich genutzt um sie für sich zu gewinnen. Wahrscheinlich war das nicht einmal ihre Absicht, doch er hatte es getan. Seit dem ersten Zeitpunkt, als sie ihm gegenüberstand wusste sie, dass er etwas besonderes war. Und das, ohne seinen Namen zu wissen. Hätte sie gewusst, dass er ein Omar ist hätte sie sich von ihm Ferngehalten. Aber da war es zu spät gewesen, längst war sie ihm verfallen.
Sie hatte in den letzten beiden Jahren zu viel miterleben müssen. Der Tod ihres Vaters, dann die Nachricht über den Verlust ihres Bruders Mujaahid. Der Schmerz brannte auf ihrer Seele. Vielleicht war sie genau deswegen so unzufrieden mit sich selbst, mit allem um sie herum. Und vielleicht war sie auch deswegen oftmals gemein zu Mukhtaar, zeigte ihm die kalte Schulter und war im nächsten Moment doch wieder so herzlich zu ihm. Sie liebte ihn, daran gab es keinen Zweifel. Doch mit ihrer Liebe wuchs die Angst. Angst, verletzt zu werden. Angst, wegen einem Mann Schwäche zu zeigen. Angst, wegen einen Mann kaputt zu gehen. Er kümmerte sich um sie, rührend. Er holte sie von der Arbeit, er umsorgte sie. Und sie fühlte sich so wohl. Wieder einmal legte Yannah ihre Hand an ihre linke Seite. Wohl spürte sie dort immer noch die Narbe. Sie war für kaum jemanden sichtbar, doch sie spürte sie. Als würde sie innerlich aufglimmen, als sie darüber fuhr. Niemals würde sie diese Augenblicke vergessen. Sie war 17 Jahre, sie hatte geliebt. Das erste Mal in ihren Leben hatte sie geliebt. Damals war sie schüchtern, sie war jung und sie erzählte ihm nicht davon. Und doch wusste sie, auch er würde sie ehren und schätzen. Und dann sah sie ihn, wie er sich traf, dort, mit einem Mann, den sie nicht kannte. Leise schlich sie sich damals aus dem Haus, hatte sich nur eine Toga übergeworfen, die durch ihre Beine peitschten. Langsam ging sie näher, sie hörte Wortfetzen, die Männer stritten sich. Er schien nicht aus ihrer Heimat zu kommen, so sprach er zumindest nicht in ihrer Sprache. Sie verstand nichts, was sie sprachen, das einzige, was sie sah war ein Dolch in der Hand des Mannes. Ihre Augen begannen wild zu flackern. Sekundenbruchteile vergingen, ehe sie den Dolch in ihrer Seite stecken hatte und zu Boden ging. Sie wollte ihn schützen, den Mann, den sie verehrt hatte. Sie hätte fast ihr Leben für ihn gegeben. Und er kniete über ihr, fragte sie, warum sie das getan hätte. Yannahs Augen weiteten sich, sie war vor Schreck gelähmt. Und im nächsten Moment ging ihr Geliebter zu Boden. Nie würde sie die Augen des fremden Mannes vergessen, wie er sie anstarrte, wie sie dort lag, Blut durchtränkt. Sie war in dieser fremden Welt, weit weg von zuhause, sie kannte sich nicht aus und doch musste sie sehen, wie sie nun zurechtkam. Tränen liefen über ihre Wangen, keuchend lief sie durch die kalte Nacht, ging zurück in die Unterkunft, in welcher sie untergebracht war. Ab diesem Zeitpunkt hatte sie sich geschworen, nie wieder zu lieben. Nie wieder lieben zu wollen. Zu sehr schmerzten Verluste, zu sehr. Und dann kam er - Mukhtaar. Er trat in ihr Leben, sie vergötterte ihn. Sie wollte nichts sehnlicher als an seiner Seite zu sein. Das Glück schien perfekt.. sie gab sich ihrer Liebe hin, sie gab sich ihm hin. Und dann kam der Tag des Abschieds, der Tag, an dem sie für eine längere Reise auf das Festland ging. Sie wollte sich dort erkundigen, sich weiterbilden, lernen. Es war schwer für sie, Mukhtaar alleine zurückzulassen. Doch sie musste. Schließlich hatte sie Ehrgeiz. Die Woche verging schnell dort, sie hatte viel zu tun, sie war sehr im Stress, fühlte sich abens müde und geschwächt. Oftmals fiel sie einfach nur ins Bett, ihr Bauch schmerzte, sie wusste nicht warum. Der letzte Tag vor ihrer Rückfahrt sollte ihr jedoch ziemliches Kopfzerbrechen bereiten. Kaum war es ihr möglich aus dem Bett zu kommen. Vor Schmerzen stöhnte sie auf, ließ eine Heilerin zu sich kommen. "Ihr habt euer Kind verloren!"
Sie hatte ihr Kind verloren? Welches Kind? "Ihr wart schwanger..!" Yannah hielt sich die Hand vor den Mund. Schwanger? Sie wusste, es konnte nur Mukhtaar gewesen sein. Sie war.. schwanger gewesen? Eine Träne lief über ihre Wange. Wie oft hatte sie sich schon gewünscht Mutter zu werden? Auch, wenn sie wusste, dass sie doch selbst fast noch ein Kind war. Sie dachte an Mukhtaar. Auf der einen Seite konnte sie froh sein, dass sie das Kind verloren hatte. Schließlich waren sie weder versprochen noch verheiratet. Und es war unehrenhaft sich vor einer Ehe dem anderen hinzugeben. Und doch, es tat ihr im Herzen weh. Sie weinte bitterlich, doch machte sie sich auf den Rückweg. Sie wollte nach Hause. Sie wollte in seine Arme.
Wochen schlichen dahin. Yannah schien langsam darüber hinwegzukommen, dass sie ihr Kind verloren hatte. Sie hatte mit niemandem darüber gesprochen. Zu schwer fiel es ihr, zumal niemand davon wissen sollte. Sie hatte zu niemandem Vertrauen, außer zu Mukhtaar. Er wusste es. Er war genauso betrübt gewesen, wie Yannah es war. Doch schien er schnell zu vergessen. Eine Eigenschaft, die Yannah oftmals an ihm schätzte - da ihr das nie gelang.
Und dann war da Anisha. Sie mochte die Kleine. Und Anisha hatte Mutterinstinkte in Yannah geweckt. Wer weiß, vielleicht hatte sie die Möglichkeit, die Kleine in ihre Obhut zu nehmen. So, wie Mukhtaar es vorhatte.
Doch nun saß Yannah da, wie ein kleines Häufchen Elend saß sie an dem Tisch. Mukhtaar schlief. Er schlief tief und fest. Immer wieder sah sie durch die Vorhänge zu ihm. So süß und wundervoll sah er aus, halb zusammengerollt auf dem Bett. Sie umklammerte sich, als würde sie an sich selbst festhalten wollen. Warum hatte er ihr das angetan? Er hatte sie belogen und betrogen. Sie fühlte sich schlecht, sehr schlecht. Niemals hatte sie gedacht, dass auch er ihr solche Schmerzen zufügen konnte. Tränen liefen abermals über ihre Wangen und sie hielt sich schnell an dem Bücherregal in ihrem Haus. Ihr wurde fast schon schwarz vor Augen. Sie fühlte sich innerlich so zerrissen, ihr Herz schmerzte. Sie liebte ihn, sie hatte ihm vertraut. Und er kam nach Hause, erzählte ihr, dass er das Laken in der letzten Nacht mit einer anderen Frau geteilt hatte? Wenn sie ihn nicht so lieben würde, wäre sie im selbigen Augenblick zum Palast, hätte versucht, den Emir persönlich zu sprechen. Doch sie liebte ihn und sie wusste, was ihm blühen würde, wenn jemand davon erfahren würde. Sie hatten den Abend lange geredet. Yannah war im Gespräch die Hand ausgerutscht, sie konnte nicht anders. Sie war so verletzt, so gedehmütigt. Er hatte ihr Herz in zwei Teile gebrochen. Immer wieder sagte er ihr, dass er sie lieben würde, dass er nicht wusste, was mit ihm los war. Sie wusste nicht mehr, was sie glauben sollte. Alles drehte sich. Alles drehte sich und schmerzte so. Und doch, sie liebte ihn, sie gab ihm noch eine Chance. Auch, wenn ihr Herz nun voller Missmut war. Sie setzte sich wieder zurück an den Tisch, kramte in ihrem Rucksack, welcher danebenstand. Sie hatte Schmerzen, diese Schmerzen mussten gestillt werden. Langsam zog sie einen spitzen Gegenstand aus ihrer Tasche, drehte ihn im Kerzenschein, blickte abermals über die Schulter zu Mukhtaar. Er schlief, immer noch. Und sie setzte an und schnitt. In kleinen, feinen Abständen schnitt sie sich tief ins Fleisch an ihrem Gelenk. Blut rinnte ihren Arm hinab, tropfte auf den Tisch. Oftmals hatte sie schon zu dieser Methode gegriffen, wenn es ihr schlecht ging. Und nun wieder. Sie legte den Dolch auf den Tisch, welcher etwas bedeckt von Blut war - Dolch wie auch Tisch - und eilte hinaus, eilte zur Bank, verband sich ihren Arm mit ein paar üppigen Bandagen, ehe sie sich in den peitschenden Schneesturm setzte und auf den Morgen wartete. In der Taverne brannte noch Licht. Sie wusste nicht, ob sie dort hingehen sollte. Sie wusste es nicht, hatten die Schmerzen ihr Gemüt betäubt.
Verfasst: Dienstag 7. März 2006, 06:00
von Yannah Asif
Sie trat in die Taverne. Yashira und Tenaya waren dort. Yannah bestellte sich umgehend 3 Kaktusschnäpse. Sie hielt es nicht länger aus, sie musste irgendetwas tun. Tenaya sah sie fragend an. "Ist etwas, Yannah?" Yannah seufzte nur, trank den Kaktusschnaps hastig aus. Er ekelte sie eigentlich an, doch war das momentan das einzige, was sie beruhigte. Und sie sah zu Tenaya, dann zu Yashira, ehe sie erzählte. Sie musste reden, ansonsten würde sie platzen. Tenaya war geschockt. Yannah weinte. Sie konnte nicht mehr. So sehr liebte sie ihn, doch warum konnte sie ihn nicht einfach gehen lassen, wenn es sie innerlich so zerfraß? Sie wollte ihm noch eine Chance geben. Vielleicht hatte sie ja wirklich Glück und er würde bei ihr sesshaft werden, würde mit ihr eine Familie haben wollen. All das. Vielleicht... Yashira verabschiedete sich und begab sich zur Nachtruhe und Yannah sprach weiter mit Tenaya. Immer wieder sprach sie über Mukhtaar, über die Liebe zu diesem. Und immer wieder stach es in ihr Herz. Tenaya konnte genauso wenig wie Yannah verstehen, warum Mukhtaar ihr nicht sagen wollte, mit wem er sich das Laken geteilt hatte. Yannah war im einen Moment so wütend, im anderen Moment so geschwächt. Gab es auf Menek'Ur überhaupt ein Paar, dass sich wirklich glücklich nennen konnte? Tenaya nannte zwei Namen: Raakin und Aalina. Scheinbar sollten die beiden ein glückliches Paar sein, liebten sich ohne wenn und aber und schienen alles füreinander zu tun. Von so etwas konnte sie wohl nur träumen. Eine perfekte Beziehung zu dem Menschen zu haben, den sie am meisten liebte. Wenn es nach ihr gegangen wäre, wäre es auch so gewesen. Aber nunja, sie konnte es nicht mehr ändern, das Mukhtaar fremdgegangen war. Es war sein Leben, sie würde ihm da nicht reinreden. Und es war seine Entscheidung, wie er weiter verfahren wolle. Yannah merkte, wie sie langsam alles etwas klarer sah. Nicht mehr so von Gefühlen durchtränkt. Vielleicht war auch Tenaya 'Schuld' daran, immerhin hatte sie lange mit ihr geredet. Sie hatte Yannah anvertraut, dass sie sich in Mukhtaar verguckt hatte als sie bei Raakin im Turm stand und ihn das erste Mal sah. Yannah wusste nicht um Tenayas Gefühle und im nächsten Moment tat sie ihr irgendwie leid. Doch Tenaya lächelte und meinte, dass sie wohl nicht wüsste, ob sie Mukhtaar nach dem, was sie nun von Yannah gehört hatte, überhaupt noch irgendwie trauen konnte. Vertrauen. Was hieß das jetzt schon noch? Konnte sie ihm vertrauen, wenn er sagte, dass er eine Nacht lang nicht zuhause schlafen würde, dass er dann nicht wieder zu 'ihr' gehen würde? Die Zeit wird es zeigen. Da war sich Yannah sicher. Auch war sie sich ihrer Liebe zu Mukhtaar sicher, doch irgendetwas ließ sie innerlich erzittern. Irgendetwas war da, was sie zweifeln und bangen lies. Irgend etwas war, was sie ein kleines Stück gefühlskalt machte. Für was Männer? Für was, wenn sie einem eh nur weh tun? Sie stellte Tenaya ebenso diese Frage und sie mussten beide schmunzeln. Und irgendwie kamen sie dann darauf, über die Erfahrungen mit beiden Geschlechtern zu reden. Yannah hatte Tenaya von ihrem verlorenen Kind von Mukhtaar erzählt. Yannah hatte alles von A bis Z erzählt. Irgendwie hatte sie sich bei ihr wohl gefühlt. Einfach geborgen. Erst recht, nachdem Tenaya Yannah umarmt hatte. "Hast du schon einmal eine Frau geküsst, Tenaya?" Sie nickte. "Und wie fühlt sich das an?" Tenaya schmunzelte und meinte, sie solle es doch ausprobieren.
Es war spät. Die Sonne ging fast schon wieder auf, als sie aus der Taverne ging, die Türe hinter sich schloss und leise seufzte. Sie liebte Mukhtaar, das wusste sie. Und sie würde nun nach Hause gehen, sich zu ihm legen und dort verweilen, bis er aufwachte.
Verfasst: Dienstag 7. März 2006, 11:19
von Mukhtaar Omar
Er hätte heute gut schlafen können. Das Herz hatte er sich bei Yannah frei gemacht. Endlich wusste er, dass er sie wirklich brauchte und mit ihr über alles reden konnte. Selbst die Fehler, die er beging und um die sich beide sorgen mussten. Irgendwann musste jemand den Schlussstrich ziehen, er hoffte es mit dem gestrigen Tage getan zu haben. Eigentlich dachte er von sich, dass er kein schlechter Menekaner ist, aber nach den Aktionen, die er die letzten Tage so trieb, war er sich wirklich nicht mehr sicher. Irgendetwas in ihm, wollte ihm das Glück nicht schenken. Als wäre er zwiespältig, hätte zwei Wesen, würde sich selbst nicht mal kontrollieren können geschweige denn, dass er andere Kreaturen befehligen soll, oder gar einen ganzen Staat voller Menekaner.
Darüber machte er sich jetzt keine Sorgen. Er schlief ausgiebig, zufrieden, hatte die Geborgenheit, die er sich auch gewünscht hatte. Nachts wachte er dennoch auf, sehnte sich nach seiner Yannah, vielleicht würde auch nur ein Kuss reichen, dass er sich besser fühlen würde. Dem war nicht so, denn sie war nicht da. Stand sie wieder in der Mine? Hatte sie ihn doch verlassen, wie sie es andeutete? Nein, sie hatte keinerlei Sachen zusammengepackt. Er kratzte sich kurz am Hinterkopf, stapfte dann zum Dach des Hauses hoch, lediglich von seinem Hüftuch und dem Morgenmantel bekleidet. Zog die frische Luft tief ein, die vom Meer aus heranwehte und ihm die Nasenspitze kitzelte. In der Taverne brannte noch Licht, er überlegte sich tatsächlich sich dort noch mal blicken zu lassen, aber dann würden wieder Fragen kommen, auf die er heute schlichtweg keine Lust hatte. Dann riss er ein Blatt aus seinem Buch und schreib fein leserlich darauf:
„Meine schönste Yannah,
bitte wecke mich doch, solltest du wieder Zuhause ankommen.
Ich vermisse dich gerade unheimlich und würde gerne dein Gesicht sehen, bevor ich Morgen früh wieder meinen Aufgaben nachgehen muss.
Dein Liebster
Mukhtaar“
Diesen Brief schob er halb unter das Kopfkissen, so dass sie ihn wohl erst sehen sollte, wenn sie sich niederlegen würde, um neben ihm einzuschlafen.
Verfasst: Dienstag 7. März 2006, 15:56
von Sharie Ifrey
Es waren nun einige Wochen vergangen, und Sharie ging es mittlerweile wieder etwas besser. Der Schmerz, über den Verlust von Mujaahid, saß nicht mehr so tief. Die Wunden begannen sich langsam zu schließen, wenn auch nur schwerlich und mit starker Narben Bildung. Die Trauer, die die ganze Zeit ein Begleiter von ihr war und die Oberhand ihrer Gefühle beherrschte, schwand nun langsam und wandelte sich in eine Mischung aus schöner Erinnerung und Wut um. Ja Wut. Denn sie wußte immer noch nicht wer ihren Geliebten so hinterhältig auf Gerimor gemeuchelt hatte. Im Inneren schwor sie sich damals, nicht mit der Suche nach dem Mörder aufzugeben. Und auch jetzt war sie davon nicht abgekommen. Doch die Suche stellte sich als weit schwierig heraus als gedacht, denn der Mörder hatte seinen Spuren sehr gut verwischt, und so tappte sie immer noch im dunklen und im Unwissen darüber, wer diese schändliche Tat begangen hatte.
Den Turban und den Schleier, den sie seither zum Zeichen der Trauer trug, legte sie nun ab und an wieder ab und zeigte, wenn auch nur wenigen, ihr Gesicht. Die tiefen Augenringe, die nicht nur von durchzechten Nächten zeugten sondern auch von viel Leid und Tränen, schwanden wieder und sie wirkte nicht mehr so ausgezehrt und gleichgültig, wie es die Wochen zuvor war. Neue Hoffnung schöpfte sich in ihr Leben, und es gab noch einige Dinge die bereinigt werden mußten. Zum einen die Ehre ihrer Familie wieder herzustellen, und zum andren dem neuen Emir die Treue erneut zu beweisen. Doch bis dahin war noch ein schwerer Weg zu beschreiten.