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Verfasst: Dienstag 1. Oktober 2013, 19:18
von Gast
Suchend blicken die Augen durch die Gassen von La Cabeza, die Unterlippe wird nach vorne geschoben und ein Seufzen ist zu vernehmen. Matrose Petz wird wieder fester an sie gezogen und langsam macht sie sich wieder auf den Weg nachhause.
Wo waren sie nur? Erst war Papa weg...dann Mama...zum Glück war Onkel Carlos noch da. Aber das änderte nichts daran das die kleine ihre Eltern mehr als vermisste. Umso interessanter wurde auch immer der Steg der zum Festland führte....umso mehr musste sie dagegen ankämpfen mit Stubbsi und Matrose Petz auf suche zu gehen, vielleicht würde ihr ja Niklas helfen, er kannte sich aus er war ja schon groß! Andererseits würde sie dann ziemlichen ärger bekommen, von Mama, Papa und Onkel Carlos.....

Verfasst: Mittwoch 2. Oktober 2013, 21:19
von Svetlana Ethered
2. Goldblatt 256

Zu Hause…
Sie waren zu Hause. Alle drei.
Ruhig wanderte ihr Blick durch die Küche, während sie darauf wartete, das das Teewasser endlich vor sich hin blubberte.
Der Tisch war gedeckt, die kleine spielte mit dem Hund und dem Teddy, Severin schlief noch.
Die Nacht war kurz gewesen, fast schon nicht existent.
Die Anspannung war gefallen, gänzlich.
Keiner der beiden hatte mit einem wirklich sauberen Abschluss gerechnet, aber es war doch tatsächlich so gekommen.
Der Tag war ereignisreich gewesen. Erst das Gespräch mit Vaughain, dann das mit Raindri.
Es taten sich wieder neue Möglichkeiten auf.
Ein kurzes grinsen huschte über ihre Züge.
Unterbrochen durch Schwester Aurea, die das Ergebnis der langen Wartezeit überbrachte und damit gleichsam das Ende dessen setzte.
„Ein Gardist steht vor der Türe, ihr sollt mit ihm gehen, und das Reich verlassen… alleine, ohne Kind“
Lana verzog die Mundwinkel.
Knapp, kaum merklich. Eine eisige Mine legte sich auf ihre Züge.
Die leisen Worte, geflüstert, raubten Lana für einige Momente die Sprache, so entschied sie sich, einfach ganz den Mund zu halten und die gebrochene Frau vor zu geben.
Letztlich hatte es, offenbar doch recht gut geklappt.

„Beehrt uns nicht wieder…“, so ein überheblicher Kerl, was glaubte dieser Gardist eigentlich, wer er ist?
Leise schnaufend, schritt Lana gen Bajard, die letzten Meter alleine, ohne Begleitung von Raindri und dem arroganten Mistkerl.
Sie musste sich weiter das grinsen verkneifen.
Der Plan war aufgegangen.
Lange genug das arme, geknickte Mütterchen spielen und sie glaubten einem.
Der Gardist sollte nach Adoran zurück kehren, um zu berichten, das Lana ohne Kind das Reichsgebiet verlassen hat, damit Severin auch frei gelassen werden konnte.

Sie wartete am Hafen, es konnte nicht allzu lange dauern.
Die Zeit zog sich, wie alter, zäher, Honig.
Die Tabackröllchenstummel sammelten sich auf dem Boden, die Rumflasche leerte sich zusehends, während sie auf die Ankunft ihres Mannes wartete.
Die kurze war vermutlich irgendwo mit Carlos unterwegs.

Mit jedem Moment der verging, wurde sie nervöser.
Was war da los?
Warum kam er nicht?
Hatte der Gardist nichts gesagt?
Würden sie ihm trotzdem den Kopf abschlagen?
Immer wieder verlagerte sie das Gewicht von einem auf’s andere Bein.
Als das Schiff anlegte, atmete sie tief durch.
Severin stieg aus, und kam langsam den Steeg entlang gewandert.
Eingefallene Wangen, hängende Schultern und als er sie sah, ein gesenktes Haupt und der Blick auf den schmutzigen Straßen Boden geheftet.
Ein elendiger Anblick ihres Mannes, der kaum wagte, zu ihr hoch zu sehen.
Das erste was passierte war, das es klatschte.
Auch wenn die Ohrfeige nicht ganz so feste war, wie vielleicht erwartet, schallerte das Geräusch und verklang mit dem Cabezianischen Wind.
Das zweite was folgte, war, das sie ihm um den Hals fiel, glücklich ihren Mann wieder in die Arme schließen zu können.
Er schlang direkt die Arme um den Leib der Piratin, die Worte die folgten, waren kaum mehr als Geflüster.
„Du Idiot“
„Ich Idiot“, erklang die Bestätigung.
„Ich hab so Angst um dich gehabt“
„Es… Es tut mir Leid…. Ich… Wenn du mich abknallen willst, nur zu“
„Weil du ein Idiot warst und dich gestellt hast?“
Ein sachtes nicken seinerseits. „Weil ich dich vor die Wahl gestellt habe“
„Wäre ich deine Frau, wenn ich nicht andere Lösungsmöglichkeiten gefunden hätte?“
Die Aussage verunsicherte ihn, also erklärte sie ihm ruhig, was passiert war, und das das Kind, das nun im Kloster war, nicht ihres war.
Im ersten Moment konnte er es kaum fassen, sackte auf die Knie und sah hoch zu ihr.
Es dauerte eine ganze Weile bis er begriff was sie getan hatte, und das alles in Ordnung war.
Erleichterung legte sich auf seine Züge, und als er sich erhoben hatte, legte er beide Hände an ihre Wangen und küsste sie.
Endlich wieder zu Hause, endlich wieder vereint.


Wenig später….

Sie saßen zu viert am Esstisch, es war schnell etwas warm gemacht, das die Bäuerin vorgekocht hatte.
Das herzliche, sehnsüchtige und vor allem Tränenreiche wiedersehen zwischen Eltern und Tochter war fantastisch gewesen.
Zum Schluss hatte Lana nur noch auf dem Boden gekniet und ihrem Mann und ihrer Tochter dabei zu gesehen, wie sie sich im Arm hielten und Inola keine 5 Minuten später von allen, von Severin verpassten, Geschehnissen erzählte.
Carlos, der die kurze heim gebracht hatte, hatte sich während des Wiedersehens und der Freude darüber vor die Türe verkrümelt um eine seiner Zigarren zu rauchen.
Aber Lana hatte nicht vor, ihn sich vor dem Essen drücken zu lassen.
Erstens, als einzelner Pirat isst man selten gut, es sei denn man geht in die Taverne, und zweitens war Onkel Carlos für Inola aber auch für Lana ein fester Bestandteil geworden.
Während die drei aßen, lehnte sich Lana zurück an den Stuhl.
Wirklich Hunger hatte sie nicht, war sie doch im Kloster gut versorgt worden, vielmehr betrachtete sie glücklich ihre Familie.


  • Zwei Dinge sollten Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel...

Johann Wolfgang von Goethe

Niemand hatte gesagt, es würde einfach werden.
Niemand hatte behauptet, das nicht zu Ärger und Konflikten kommen würde.
Niemand hatte gesagt, dass sie sich nicht doch Schwierigkeiten einhandeln würden.
Und doch waren sie hier.
Alle vereint, alle gemeinsam.


Verfasst: Mittwoch 2. Oktober 2013, 21:20
von Severin Ethered
Wiedergeburt

Nur kurz hatte er den Weg unter Deck angetreten, um die Überfahrt zu bezahlen. Wenige Münzen wechselten den Besitzer ehe er sich wieder ans Deck begab. Die Nussschale schaukelte sanft auf den Wogen und die frische Brise wehte ihm um die Nase. Eine Szene, wie aus einem Bild, stand er doch an der Reling und betrachtete sich den ergrauten Himmel. Die Finger materten das Holz und wenn er nun die gerade gewonnene Freiheit feiern sollte, so konnte er es nicht. Das Schiff fuhr nach La Cabeza, seine neue Heimat. Zurück zu seiner Geliebten, die ihn höchst wahrscheinlich standrechtlich erschießen würde.

Langsam rückten die Berge über den Horizont und präsentierten die Insel. Die wilde Vegetation wurde erst beim umrunden des Eilandes deutlich. Hier und da ein utopischer Vogel, der über das dichte Blattwerk des Dschungels huschte. Die Schatten zeichneten sich gegen den Horizont ab und allmählich kamen die ersten Lichter der Stadt in Sicht. Die Anspannung wuchs mit jeder einzelnen Sekunde, in der das Schiff näher heran glitt. Zum Glück, gab es von diesem Gefährt kein Entrinnen. Nichts lies einen Zweifel an der Entscheidung oder eine Idee zur Flucht.

Gemächlich, geübt, zielstrebig, schob sich das Schiff in den Hafen an den Pier und wenig später schritt er über die Planken. Ein tiefer Atemzug, hatte er sich doch selten so darüber gefreut, dieses Loch zu sehen. Den salzigen Geruch, dass knattern der Segel im Wind, dass peitschen der Gischt vor die Kaimauer. Während die Gedanken ihn noch einige Sekunden im Griff hielten, erkannte er sie schon. Da stand sie.. für ihn vollkommen. Das Haar glitt ihr ungebändigt bis über die Schultern und eine lange Robe hüllte ihren schlanken Leib ein. Er wusste das, so vornehm dieser Aufzug auch war, darunter ein Sammelsurium an Waffen schlummerte. In der Rechten eine Rumflasche, würde er diesmal kein Argument gegen das Gesöff finden.
Mit gesenktem Blick, wie ein gescholtener Hund, schritt er auf sie zu. Die Schultern straff, die Statur aufrecht, harrte er erst einen Schritt vor ihr. Er wollte etwas sagen, hatte er doch die ganze Überfahrt sich die passenden Worte zurecht gelegt. Doch jetzt, erschien alles Falsch. Dafür reagierte sie prompt, sie wusste diese Leere gleich zu füllen. Die Hand fuhr ihm zum Schlag ins Gesicht und noch ehe er den schwarzen Schleier und die tanzenden Sterne abschütteln konnte, spürte er ein Gewicht an seinem Leib. Die Arme hatte sie um ihn geworfen, um sich in einer sehnsüchtigen Umarmung an ihn zu klammern.
„Du Idiot..“ waren die ersten Worte die er seit Wochen von ihren Lippen vernahm.

Wenige Worte fielen und er war sich unsicher, wie er dieses Thema anschneiden sollte. Den Verlust der eigenen Tochter. Doch sie half ihm, ohne Furcht und Angst. Mit einem Lächeln auf den Lippen, sicher und gewinnend.


Nein, Carlos passt die ganze Zeit auf Inola auf“

Ihm wurde schwindelig, die Beine versagten ihm und ganz langsam sackte er vor ihr zu Boden. Wie oft hatte er diesen Gedanken durchgespielt und jetzt? All die Fesseln die sich um seinen Körper gelegt hatten, fielen mit einem mal ab. Er verweilte dort, dass Haupt auf ihrer Hüfte während sich die ersten Regentropfen einen Weg zu Boden suchten. Ihre Finger streichelten zärtlich durch sein Haar, schenkte sie ihm doch für einen Augenblick einfach einen Ort um sich anzulehnen. Tief schnaufte er durch, vor Erleichterung, vor Glück, purem Glück.

Eine Minute war vielleicht vergangen, ehe er ihre Hände ergriff und sich nach oben drückte.
„Lass uns nach Hause gehen Severin… „ und er konnte gar nicht beschreiben wie sehr ihm diese Worte gefielen. Zu Hause war nicht länger Adoran. Es war nun La Cabeza, der Ort an dem seine Familie lebte, an dem er fortan leben würde. Ohne Reue, ohne Angst und ohne Gewissensbisse.

Noch nie war er in seinem Leben so gerannt. Als er das Geschrei seiner Tochter hörte, ihre schnellen Schritte im Erdgeschoss vernahm, kannte er kein Halten mehr. So schnell ihn die Füße trugen, stürmte er die Stufen aus dem Keller hinauf um das Mädchen in die Arme zu schließen. Erst jetzt, mit ihr im Arm, konnte er endlich seine Spannung weichen lassen. Freudentränen fanden ihren Weg die Wangen hinab, als er dem Mädchen in die verschieden farbigen Augen sah. Sollte es einen Tag geben, an dem man sich wie neu geboren fühlt, so war es der heutige !

Verfasst: Mittwoch 16. Oktober 2013, 23:06
von Severin Ethered
Der Tag war anstrengend gewesen und so schoben sich beide glücklich in ihr Bett. Einen Arm um ihre Taille geführt, die Brust an ihrem Rücken, spürte sie die ruhigen Atemzüge auf ihrer Schulter. Das Gesicht halb verborgen in ihrem Haar, hatten sie noch einige Worte ausgetauscht ehe beide einschliefen. Selbst im Keller vernahm man noch die Regentropfen die prasselnd zu Boden jagten. Die Jahreszeit sorgte für immer öfter wechselndes Wetter. Pfeifender Wind und Gewitter die sich häuften, so das bald schon das dumpfe Grollen ertönte. Hier doch eher fern und ganz so als wüsste es nicht den Ort dieser Ruhe zu erreichen.

Dafür wusste es jemand anderes….

Die Türklinke drehte sich und mit der sich öffnenden Tür fiel Licht und Schatten in den Raum. Stubbsi, die Ohren angelegt und den Kopf gesenkt, schritt zügig zum Bett um sich so dicht wie möglich in der Nähe der beiden niederzulassen. Der Schäferhund zuckte nur kurz beim nächsten Donner und fühlte sich dann aber doch schon deutlich sicherer zu Füßen seiner Besitzer. Inola hatte gezögert bis zu genau jedem erneuten rumoren. Flink und geschickt eroberte sie das Bett um sich rasch zwischen die beiden zu drängen.
Gerade noch weggedämmert, strich er dem Mädchen eine Strähne aus dem Gesicht. Ein Kuss auf die Wange genügte um sie zu beruhigen. Die vertraute Stille der Gemüter, warf sich schützend über sie.

„Matrose Petz hat Angst..“ Wisperte sie nur leise zur Erklärung während sie den Stoffbären fest an sich klammerte. Der Griff entspannte sich und umgeben von ihren Eltern wich die Anspannung.
Auch sie konnte nach dieser Unterbrechung endlich wieder ans schlafen denken. Ein teures Gut in diesen Tagen.

Dachte er zurück an Adoran, so war das Haus trotz seiner Schönheit, einsam und leer gewesen. Einzig durch ihn und Lana als Gast, belebt. Das neue Heim war lebendig und wild, ein Abenteuer, jeden Tag.
Und er wollte es nicht mehr missen…

Verfasst: Mittwoch 23. Oktober 2013, 14:42
von Gast
Die erste Fahrt!

Das rauschen des Meeres gleitet zum Ohr
die Wogen der Wellen betören dich nur.
Der Duft der Freiheit bricht jeden Willen,
keiner der Seelen wird dem Lied entrinnen.
Zu sehen der Nebel, ein Segel ihn durchbricht,
da kommt es auf uns zu das Geisterschiff.
Gelenkt von den ewig verdammten es scheint,
welch Seelen eintreiben für Krathors dunkles Reich.



[img]http://up.picr.de/16249917dx.jpg[/img]



Ihre erste Schiffsfahrt, aufgeregt drückt sie Matrose Petz an sich in der anderen Hand die Finger der Mutter umgreifend. Liebevoll streichen deren Finger über die kleine zierliche Hand doch vermag auch Inola die leichte Anspannung ihrer Eltern verspüren. Fast schwebend gleitet das kleine Boot über die Wogen der See und führt die Familie als auch die restlichen Piraten zu der Toro. Das erste mal sollte nun auch sie den Weg auf das berüchtigte Schiff finden und das erste mal sollte auch sie die merkwürdige und geheimnisvolle Ausstrahlung der Sagenumwobenen Toro de Muerte erfühlen. Immer wieder hatte sie Geschichten über das Schiff erzählt bekommen und eben jene ließen der Spannung kaum Luft um all das wahrzunehmen was außerhalb ihres Blickwinkels geschah.
Riesig ragt das Schiff über das Meer hinaus, ewig viele metallene Stufen führten hinauf zum Deck. Ein leichter Nebel umspielte das Schiff doch verdeckte es jenes nicht sondern verlieh eben diesem noch einen viel geheimnisvolleren Schein. Die Algen die sich an dem Holz festgefressen hatten umspielten die kleinen Kratzer der Oberfläche des Holzes. Von oben schallten hier und da einige Befehle zu ihnen hinunter, leicht schwabt das Wasser an das Schiff. Doch scheint es so als würde es die Toro nicht aus ihren eigenen festen Bewegungen bringen können, unbeindruckt jedes Windstoßes und jeder Welle schien es als würde sie sich ihren eigenen Weg durch jegliche Hindernisse graben.

Hier und da hingen neben den Algen noch Muscheln und aus einem für Inola nicht erklärenden Grund schien es als würde das Schiff selbst sich bewegen...atmen...oder aber ihre Augen spielten ihrem phantasievollen Geist einen Streich.

Sie war so von all dem Abgelenkt das sie nicht mitbekam das ihr Vater sie nach oben trug, Stufe für Stufe erklimmten die beiden das Deck, dort angekommen weiteten sich die Augen der kleinen noch mehr. Kanonen die so groß waren wir ein Pferd, Segel sie fast ein Haus verdecken konnten, der Mast reichte fast bis in die Wolken hinauf, das Schiff war so groß wie der gesamte Strand von La Cabeza. Perfekt um sich verstecke zu suchen!

Selbst Matrose Petz war aufgeregt, sogleich seilte sie sich während ihre Eltern mit den restlichen Matrosen sprachen, von ihnen ab und durchstreifte mit ihrem Bären das Deck des Schiffes. So vergingen die ersten Stunden und die Nacht brach hinein, in der Kajüte angekommen ließ sie sich nach einem guten Mahl von den seichten Bewegungen des Schiffes in den Schlaf schaukeln.



Der Traum über die verliebte Nixe....


Die Meerjungfrau

Ihr Muschelhäuschen, klein und bunt,
steht glitzernd auf dem Meeresgrund.
Ihr Blumengarten ist das Riff,
der Spielplatz das Piratenschiff.

Sobald die kleine Nixe singt,
wird sie von Fischlein schnell umringt
und wo sie spricht, im Schlaf und Traum,
entsteht ein Blubberblasenschaum.

Es glänzt ihr Haar im Mondenschein
als fiel ein goldner Stern hinein
und ihre Tränen in der Nacht
verwandeln sich zur Perlenpracht.
Von Reinhold Haselberger (2005)


[img]http://up.picr.de/16249916xo.jpg[/img]


Leise war das plätschern des Wassers zu hören und der Mond erstrahlte zusammen mit den Sternen in voller pracht. Hier und da vermochte er dem Meer einige Schemenhafte Gestalten verleihen. Weiter vorne am Bug konnte man den Delphinen beim springen zusehen, sie glitzerten fast und die Wellen welche gegen die Wände schlugen sahen aus als wären sie aus Kristallen oder tausend wunderschöne Einhörner lebten in ihnen.

Nicht allzuweit weg erklang das leise wunderschöne singen einer dort sitzenden Nixe, die Hand hierbei leicht hebend schenkte sie Inola ein zauberhaftes Lächeln und winkte ihr zu. Inola selbst stand mit neugierigen Augen an der Reling und lauschte dem Gesang der Nixe.


"So war die Geschichte der jungen Nix, die liebte nen Seemann und nahm ihn zu sich.
Sie erblickte ihn eines schönen Tags als dieser am Bug eines Schiffes lag, sein Haar war so schön seine Augen so klar. Ihr Herz weinte laut als sie ihn nicht mehr sah.
So wartete sie viele Jahr darauf immer sang sie des Nachts die lieder und wünschte sich die selbigen Glieder um zu ihn an Land zu gehen und ihn als ihren Mann zu nehmen. Doch wie das Schicksal ihr spielte zu kam das Schiff bald wieder hinzu, es zeigte den selbigen hübschen Mann der jedoch gerade küsste ein Weibe vom Land.
So wurde sie zornig die junge Nix und Hass glühte in ihrem Gesicht. Kurz darauf ergriff sie die Wut und sie rammte mit voller Kraft das schwankende Boot.
Der Seemann über die Reeling fiel, hinein in aufschäumende See, die Nixe ergriff sich sofort ihren Mann und riss ihn mit dem trauernden Herzen in die tiefe hinein. So hatte sie ihn bei sich...ob lebend oder tod, sie hatte ihren Willen so erzählt es das Lied."


Langsam kroch der Duft von gebratenen Eiern in ihre Nase, die Augen schlugen auf und aufgeweckt rutscht sie in der schon leeren Hängematte hin und her. Ihre Mutter und ihr Vater waren wohl schon auf Deck, so tappsten die kleinen Füsschen zum nächsten Abenteuer, die erkundung der Decks wer weiß was sie noch alles entdeckt.

Verfasst: Donnerstag 24. Oktober 2013, 16:30
von Svetlana Ethered
24.Goldblatt 256

Die erste längere Fahrt mit der Toro, mit Severin und Inola, war beendet.
Offensichtlich glücklich wieder Land unter den Füssen zu haben, waren beide, und doch hatte sich Severin gut geschlagen.
Zumindest für eine Landratte.

Der harsche Ton auf dem Schiff war nichts, was ihn abschreckte, war er doch solcherlei gewöhnt. Aber sie wusste um seine frühere Abneigung gegen Schiffe, wenn auch die Toro, stolz und unbeugsam, nicht mit einem kleinen Fischkutter oder dem Boot vergleichbar war, dass zwischen Bajard und Cabeza hin und her fuhr.
Die erste Zeit schien er noch ein wenig unsicher, doch je länger die Fahrt ging, desto sicherer wurde er.
Hatte es also geholfen, dass er sie vorher schon genervt hatte, was die Schiffsbefehle und den Aufbau anging.

Mit versonnenem Lächeln musste sie daran denken, wie sie das erste Mal die Toro betreten hatte.
Damals, gerade gerettet vor den Medusen, vorne am Schiffsbug hatte sie als erstes eine Flasche Rum und was „ordentliches“ zu essen bekommen, und war irgendwann, unter dem Sternenhimmel in den Armen Djar's eingeschlafen.
Was für Erinnerungen.

Heute schlief sie mit Severin und Inola ganz unten im Schiff, in einem kleinen abgetrennten Räumchen.
Wie viel sich doch geändert hatte.

Die Mannschaft…
Neue Gesichter, alte Gesichter, Chaos an Deck (wie immer).
Bartos und sie zum zweiten und dritten Maat ernannt.

Wie immer, hatte sie viel Zeit im Krähennest verbracht, teilweise mit Bartos, teilweise alleine.
Die Nacht, als sie alleine oben hockte, der Blick nach vorne gerichtet, eine Laterne an die Seite gebunden und das kleine glimmen des Tabakröllchens als einzige Lichtquellen, war weniger von Aufmerksamkeit geprägt, als es hätte vielleicht sein sollen.
Nachts aufs Meer zu sehen war anstrengend.
Die Toro war ein stolzes Schiff, sie barg so viele Geheimnisse in sich.
Lanas Finger waren so oft über die Holzbohlen, die den Boden des Krähennestes darstellten gestrichen, oder über das Seil, das um den Ausguck gespannt war.
Was ihre Bereitschaft anging, etwas für die Toro und den Käpt'n zu tun, musste sie nicht viel darüber nachdenken.
Ihr war klar, was passieren würde, würde sie dem Ruf widerstehen wollen.
Damals konnte sie Severin nicht erzählen, warum genau sie jederzeit gehen würde, wenn der Käpt'n ein lohnendes Ziel vor Augen hatte.
Heute, wo er ein Teil Cabezas geworden war, sah die Welt anders aus.
Wenngleich er kein Teil des Schiffes war.
Und eigentlich war das genau gut so.


Nun waren sie wieder auf Cabeza, die nächste Reise vorbereiten.
Was die Insel wohl beherbergen würde?
Die letzte große Suche nach Gold und anderen Schätzen war eine Weile her, und war in 5 Jahren Gefangenschaft geendet, ehe sie, genau wie Meha, Jose und Sim, vor die Wahl gestellt wurde.
Lana hasste es.
Hatte lange rebelliert, bis sie sich endlich damit abfinden konnte.
Von Gefangenschaft zu Gefangenschaft.
Aye, und heute, ganz und gar freiwillig, als 3. Maat.

Trotz der Tatsache, dass sie wieder auf Cabeza waren, führte sie oft ihr Weg wieder auf die Toro.
Sehen ob alles in Ordnung war, und vor allem, ein wenig die Ruhe genießen.

Das Meer funkelte glitzernd im Licht des Mondes, als dieser sich seinen Weg durch die Wolkendecke erarbeitet hatte.
Die Geräusche des Dschungels, der nicht weit entfernt des Hafens war, das leise plätschern des Meeres, das gegen die Hafenmauern brandete, der leichte Wellengang, der die Toro kaum in Bewegung brachte.
Der Blick wanderte hoch, und ein Lächeln legte sich auf die Züge der Piratin.

[URL=http://www.pic-upload.de/view-21118091/gotheborg3.jpg.html][img]http://www7.pic-upload.de/24.10.13/l8o858qneyz3.jpg[/img][/URL]

Aye, die stolze Toro und ihre Geheimnisse.
Sie würden sehen, was die fremde Insel bergen würde.

Verfasst: Mittwoch 13. November 2013, 02:17
von Svetlana Ethered
13. Rabenmond 256


[URL=http://www.pic-upload.de/view-21289301/Toro.jpg.html][img]http://www7.pic-upload.de/thumb/10.11.13/r5jezu7fhbbo.jpg[/img][/URL]

Die Toro...
Groß und mächtig, jedoch ebenso wendig und schnell.
Wieder einmal eine erfolgreiche Fahrt. Wenngleich die Piratin dieses mal nicht sonderlich glücklich vom Schiff stieg, sondern schnell, hetzend, nach Hause eilend.
Warum?
Ganz einfach, diese Fahrt hatte sehr an ihren Kräften gezehrt.
Sie waren zu dieser Geisterinsel gefahren, um die Geister, die bis nach Cabeza gekommen waren, irgendwie zurück zu schlagen.

Im Nachhinein betrachtet, war das ganze ihre eigene Schuld.
Immer und immer wieder mussten sie auch auf Schatzsuche gehen, und dabei in die ungünstigsten Lagen geraten.
Aye, wie die Medusen-Höhle, dieser Dreck.
Was hatte es gebracht?
Nicht sonderlich viel. Ausser... 5 Jahre verschenkt.
Und die Geister?
Keine Beute, dafür die Erfahrung, dass Nel offensichtlich vor Haien Angst hatte, und dieses Abbild...
Diese Szene...
Wenn Severin nicht gewesen wäre, wer weiss, wie sie sich darin fest gehangen hätte.
Sie war zusammen gebrochen, und Sev war kurz davor gewesen, ihr eine kräftige Ohrfeige zu verpassen.
Und das sogar zurecht.
Der Heimweg war furchtbar, sie hatte nicht schlafen können, aber Rum war auch kaum an Bord.
Die eine Flasche, die sie der Mannschaft und sich erlaubt hatte, war was für den hohlen Zahn.
Dabei war der einzige Wunsch, sich so voll laufen zu lassen, um schlafen zu können.
Und nicht an diesen Schrei denken.
Der Schrei...
Das war wie ein Dolch in ihrem Herz.
„Maaaamaaaaa“, und das gluckernde Ende dessen.
Der Gardist, der süffisant lächelnd das Blut von der Helebarde tropfen lies.
„Scheisse nochmal...“, murrte sie immer wieder.
Severin war irgendwann erschöpft neben ihr eingeschlafen.
Vorher einige male nur kurz gesehen, danach war er schon wieder auf Pilgertour, die Schifffahrt gemeinsam, dann wieder seine übliche Pilgertour.
Seine Ablenkung und seine Art mit allem möglichen um zu gehen.
Sie kannte das.
Früher hatten sie sich auch wochenlang kaum gesehen, irgendwann würde er schon wieder länger da sein.
Wie es immer war.
'Zu gleichen Teilen, Liebe und Freiheit'
Wie oft sie sich gegenseitig daran erinnerten. Fast war dieser Spruch, den sie in seinen Ehering hatte gravieren lassen, eine Art Credo geworden.
Sie indes war allerdings ebenso Teil einer „Vision“ gewesen.
Seltsam eigentlich.
Manchmal verlor man sein Herz, schneller als man gucken konnte. Sie hatte es. Nicht in Form von Liebe als Beziehung sondern auf eine gänzlich andere Art und Weise.

Was war geblieben von der Fahrt?
Einige Grünschnäbel, die angeleitet werden mussten, Zusammenhalt der geschaffen und vor allem erhalten werden musste, und noch viele kleine Dinge die erledigt werden mussten.
Aber erstmal war anderes wichtig.

Nicht mehr über diese Szene nachdenken.
Nicht mehr an das 'was wäre wenn“ denken.
Einfach machen wie bisher.





Verfasst: Mittwoch 12. Februar 2014, 22:51
von Svetlana Ethered
12. Eisbruch 257

Als ich die Türe zugezogen hatte, lehnte ich mich mit dem Rücken an diese.
Das Gesicht vergrub ich in den Händen und atmete einige male tief durch.
Mein Gefühl hatte mich nicht getäuscht.
Dieses quälende Gefühl, diese Unsicherheit, ob ich mir das ganze nicht nur eingebildet hatte.
Kleine Gesten, der Blick. Vor allem die Augen.
Ja, es war schon so, dass ich durchaus einen Verdacht hatte. Nur für Möglich gehalten, hatte ich es nicht.
Nie.
Nicht in dieser Form.

Und er hatte es gewusst. Er hatte mich ins Messer laufen lassen.
Dreckskerl.
Ich musste dann doch einen Mundwinkel heben.
Naja, jetzt würde sich zeigen müssen, wie es weiter ging.
Die Frage nach dem: „Wie war das Möglich“ blieb.
Wie bei allen verdammten und verfluchten Göttern war das nur Möglich?
Es warf viel mehr auf an Fragen, als das es klärte.
Das einzige, was es für mich klärte, war dieses bohrende, drängelnde Gefühl, das ich empfand, kaum das er in meiner Nähe war.
Und vor allem, nicht zu vergessen, klärte es, warum er sich in der Gegenwart gewisser anderer Personen so verhielt, wie er es tat.
Das Beste war: Mund halten und einfach nicht drüber nachdenken.
Ich hatte mir schon oft genug den Kopf zerbrochen und letztlich war nichts dabei raus gekommen.
Alleine weil wir die Angewohnheit hatten, so zu sein, wie wir sind.

Jetzt war so oder so alles zu spät.
Was heißt zu spät?
Es konnte ein guter Neuanfang sein. Für ihn.
Auch wenn einige Verhaltensmuster, wie schon gesagt, die gleichen waren.

Als meine Tochter mit einem Korb in den kleinen Armen wieder nach Hause kam, wischte ich mir übers Gesicht, und lächelte.
Sie musste und durfte nichts davon mitbekommen.
Auch war es besser, vor Severin den Mund zu halten, auch wenn er mich durchaus als schlechte Lügnerin kannte.
Oh, nicht das die Lügen als solches ein Problem für mich waren, immerhin war ich Piratin und hatte von klein auf gelernt, das Lügen meine Freunde waren.
Aber Severin hatte diesen Blick. Er kannte mich, und wirklich wichtige Dinge, die mich beschäftigten, erkannte er.
Er erkannte meine Lüge. Mein Schweigen als Lüge.
Eine weitere Probe meiner Selbstbeherrschung war also nun mal wieder gefragt.

Nameha hatte mit Inola Kuchen gebacken.
Die kleine war morgens mit nahezu euphorischer Laune (was ich morgens so gar nicht ertragen kann), losgestürmt zu Tante Meha und jetzt plapperte sie und plapperte und erzählte was sie wie, wann wo und warum mit Tante Meha alles gemacht hatte.


Verfasst: Sonntag 2. März 2014, 23:19
von Severin Ethered
Dieser reine, unberührte Glanz in ihren Augen, als sie auf seinem Schoß saß und ihn ansah. Etwas das nur die unversehrte Seele eines Kindes besaß. Sie strahlte förmlich während sie ihr Spielzeug zum Leben erweckte und seinen Schlaf vertrieb. Er hatte daran gezweifelt hier, an diesem Ort, jemals ein Kind groß ziehen zu können. Ein Kind überhaupt, zu dem noch mit dieser Frau!
Es waren nicht einfach nur Bedenken gewesen, Bedenken gegenüber Umständen. Es war Angst gewesen, Angst zu versagen, Angst unterzugehen. Angst davor Träume nicht verwirklichen zu können. Eine Angst die ihn letzten Endes lähmte und in ein kaltes, gemauertes Viereck brachte. Viele Dinge hatten sich verändert und dies einzig aus dem Umstand, dass es kein Zurück mehr gab. Keine Alternative, keine zweite Lösung.
Jetzt blickte er in das Ergebnis…

Auch wenn dieser Morgen nicht ganz wünschenswert begonnen hatte, so verspürte er keine Unruhe, keinen Unmut. Kein engendes Gefühl in der Brust, kein rasendes Herz – geplagt von Träumen der Nacht. Kein Wehmut, keine Sehnsucht – Dinge die gehen mussten aber nicht sollten. Einfach unbeschwert..

Das Gefühl von Freiheit, wenn Angst nicht länger lähmt sondern einzig unsere Sinne schärft. Wenn nichts mehr zu groß, zu schwer oder zu schrecklich ist. Ein Gefühl das wir ein Leben lang suchen, für das wir uns verbiegen, verraten, stehlen oder töten.

Das und so viel me.. Der letzte Gedanke, vertrieben von einer Bärentatze. Matrose Petz war schon längst wieder auf See, in einem Kampf mit einem Seeungeheuer. Moment! Er war das Ungeheuer?! Naja.. es war eben noch wirklich früh und zu jener Zeit war er stets etwas "mürrisch"

Jene Erlebnisse die uns verletzen, kommen ungefragt und unerwünscht. Jene die unsere Seele heilen, uns die Erfahrung geben die es für ein Leben braucht, genau für diese Erfahrung müssen wir etwas riskieren - alles riskieren.
Er war einen seltsamen Weg gegangen, doch letzten Endes hatte er ihn genau an diesen Ort geführt. Hier hin, wo er sich Frei fühlte.



"Wer seinen Kinderglauben sich bewahrt,
in einer reinen, unbefleckten Brust -
und gegen das Gelächter einer Welt zu leben wagt,
- wie er als Kind geträumt - bis auf den letzten Tag:
das ist ein Mann!"


- Henning von Tresckow