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Verfasst: Montag 5. Mai 2014, 14:08
von Helisande von Alsted
"Schnaps!"
Diese Worte waren der Anfang vom Ende und sie kamen aus Knappenmunde. Der elende blonde Schleifer war nervöser als eine Jungfrau vor der Hochzeitsnacht, so viel stand fest. Aus kammeradschaftlichen Gründen war es natürlich unmöglich den Feldwebel alleine trinken zu lassen, also griffen Ernst und die Rostbraune beherzt zu den ausgeschenkten Pinnchen.
An sich hatte man im Bunten Kessel nur die Rüstungen aufarbeiten lassen wollen für den nächsten Tag, der große Schatten voraus warf. Eigentlich wollte man nur ein harmloses Gespräch führen um dem Mann ein wenig die Zeit zu verkürzen auf den letzten Schritten und ihn abzulenken. Und im Grunde war das alles ganz kammeradschaftlich gemeint.
Es lief völlig aus dem Ruder.
Das Resumee des Abend bildeten eine leere Flasche Schnaps, ein mit Ziegenmilch getaufter Korporal in zivil, eine weitere Korporal mit einer soliden Beule am Kopf, eine Rauferei, korrekte Reflexe und ein verschrecktes Mädchen. Nicht zu vergessen: Daske.
Dumpf im Sumpf der Erinnerung der Rosthaarigen war vergraben, dass sie den Knappen noch irgendwo hingeleitet, oder eher: getragen hatte. Auf den ersten Metern schien sie noch besser in Schuss gewesen zu sein als er, was sich aber schnell als Trugschluss erwies. Kaum im Heim des Blonden angekommen ging bei ihr die Laterne endgültig aus und sie erwachte erst im Morgengrauen des nächsten Tages. Vom Knappen keine Spur, dafür war sie zugedeckt worden und ein Eimer stand in ihrer Nähe.
"Pah, als ob ich..."
Da passierte es auch schon und sie lies sich so einiges des letzten Abends noch mal durch den Kopf gehen. Hoffentlich ging es Fjalon besser, es wäre nicht auszudenken wenn an diesem Tage seine Verfassung der ihren ähneln würde.
Irgendwer machte da die Palastüren aber höllisch laut auf und zu. Diesen Ruhestörer sollte man direkt in den Kerker verbannen. Mit einem Kopf der so wirklich vorerst durch keine Pforte passen wollte schlich sie sich dann hinaus an die frische und überraschend kalte Morgenluft. Ein Lauf würde gut tun, der Dienst würde gut tun.
Weniger Schnaps die nächste Zeit würde noch besser tun. Der verknitterte Blick rutschte zu den Sonnenstrahlen des jungen Morgens hin und sie musste doch entgegen ihrer erbärmlichen Verfassung lächeln.
"Immer treu, Thorn. Immer treu."
Verfasst: Dienstag 24. Juni 2014, 11:18
von Gast
Seemann und Söldner,
Soldat und Ausbilder,
Knappe - dann Ritter.
Ja, aus mir ist etwas geworden. Vater wäre stolz.
Er hatte viel erreicht, seit er seinen Dienst zur See beendet hatte. Es war ein langer Weg von den matten Planken der Goldesel hin zu den glänzenden Böden aus Marmor und Granit in den Palästen Lichtenthals. Tief in seinem Herzen hatte Fjalon zum ersten Male wirklich verstanden, dass sein Ehrgeiz ihn weiter gebracht hatte, als er jemals zu träumen gewagt hatte. Heldentum hatte er als Jungspund erhofft, Ritterlichkeit hatte er als Mann erlangt.
Erfrischend umwehte der Wind den blonden Ritter auf seiner hohen Wacht hinter den grauen Zinnen des Westtores der Hauptstadt. Er liebte diesen hochgelegenen Ort, seit Adoran nach einer Käferplage wiederaufgebaut wurde, die einem Weltenende nahegekommen war. Einem Weltenende mit fiesen Mandibeln, Fühlern und sechs Beinen.
Er wusste nicht, inwieweit auch das Osttor, für dessen Vervollständigung er von seiner Majestät beauftragt worden war, tatsächlich auch nach seinen Plänen und Skizzen erbaut wurde. Seine Vorschlage, die er in seiner Zeit der Bettlägerigkeit ausgearbeitet hatte, sahen ganz ähnlich aus und doch war es natürlich möglich, dass ihm jemand anderes die Lorbeeren gestohlen hatte. Oder aber.. man hatte seine Ratschläge, Skizzen und Planungen stillschweigend mit einbezogen.
Auch gut. Es wird neue Prüfungen geben, in denen ein Ritter seinen Wert offenbaren kann.
Es knackte laut, als Fjalon in einen frischen, hellgrünen Apfel biss. Genüsslich ließ er den klebrigen Saft in seinen Bart rinnen. Hier gab es niemanden, der einen Mann von Stand dabei beobachten könnte, wie er ebenso anmutig aß wie ein gewöhnlicher Soldat. Wie der Soldat, der Fjalon auf eine gewisse Art und Weise stets war und bis zu seinem Ende bleiben würde. Dennoch erfüllte es ihn mit Freude, sich diesem Apfel gütlich zu tun und keine Rechtfertigung parat haben zu müssen.
Während er im rauschenden Wind die grüne Ebene von Thronwall betrachtete, lehnte er sich, die Reste des Apfels vertilgend, an die Zinnen und ließ seine Gedanken weit schweifen…
Seit ihre Hoheit und ihr hochgeborener Bruder das Herzogtum verlassen hatten, war ein durchaus veritables Machtvakuum entstanden, das noch immer nicht gefüllt wurde. Insgesamt erschien es dem blonden Ritter im dunklen Gewand, als verlöre das Reich nach und nach tragende Pfeiler der herrschenden Gruppe. Er tippelte mit den Fingerspitzen auf den kalten Stein der Zinne, während er weiter nachdachte. Es fehlte allüberall an Grafen und Baronen, die das recht zerstückelte Herzogtum leiten mochten, an Führungspersonen.
Falsch! Führungspersonen haben wir genug. Es fehlt an solchen, die die Legitimation zur Führung haben!
Vielleicht würde es seinem verehrten einstigen Lehrmeister gelingen, einen Teil dieses leeren Raumes auszufüllen - Fjalon hoffte darauf, denn Thelor war nicht nur ein verdientes Mitglied des Reichsadels, sondern auch ein Musterbeispiel an Ritterlichkeit und Ehre. Ein Mann, der führen musste!
Ihre Hochgeboren von Nebelpass? Sie hatte sich seit langem in ihrem Freiherrentum und dessen ergiebigem Bücherreservoir verkrochen, wenngleich sie einst als vortreffliche Anführerin des Regimentes gedient hatte und die nötigen Qualitäten besaß. Eine weitere Kandidatin, das Vakuum auszufüllen.
Eine Edle? Sie hätte einen langen Weg vor sich, doch Nyome war wohl die versierteste aller Kandidatinnen, mehr als nur eine politische Funktion auszuüben (was sie ohnehin seit langem äußerst akkurat tat), sondern auch einen entsprechenden Rang zu bekleiden. Sie war Vogtin, doch - so dachte der bärtige Ritter - zu weit Höherem berufen.
Und dass die Qualitäten des Obersts van Nordwind über jeden Zweifel erhaben waren, stand nicht einmal zur Debatte.
Dennoch.. Lichtenthal fühlte sich als bestünde es nur aus Fundament - Fjalon hoffte, dass jene, die es verdienten, ein Haus darauf bauen durften. Oder eine Burg.
Obgleich er seit langem schon keine Uniform mehr getragen hatte, führte er die alte Feldflasche aus seiner Zeit als Feldwebel noch immer mit sich. Während er trank, kam ihm ein unbequemer Gedanke..
Wer glaubt etwas zu sein, hat aufgehört etwas zu werden.
Was ist meine neue Aufgabe? Wohin gehe ich von hier? Ist das jetzt das Ende? Muss ich jetzt etwa in eine Ritterrentenkasse einzahlen?
Die kurzfristige Antwort war recht klar. Zu Tarya, sich den noch immer schmerzenden Rücken behandeln lassen, ohne sich über die wahre, höchst delikate und peinliche, Herkunft dieser Malaise zu verplappern.
Eine langfristige Antwort ward ebenso rasch gefunden. Ein jeder Ritter erwartete den Tod auf dem Schlachtfeld.
Und dazwischen? Dazwischen lagen ja nur ein paar Jahre.. oder Jahrzehnte…
Oder Sekunden - Während er süffisant schmunzelnd, vornübergebeugt den vertikalen Abstand zwischen sich und dem Boden unter ihm abschätzte.
Wir finden schon eine Beschäftigung.
Zufrieden lächelnd stieg er von den Zinnen des Westtores, grüßte die Wachmannschaft auf das Freundlichste und machte sich auf, die Stadt zu durchqueren.
Auf zu einer Portion Rückensalbe!
Fjalon fühlte sich plötzlich so schrecklich alt... und doch gut!
Verfasst: Donnerstag 11. September 2014, 18:34
von Gast
Die Lider waren ihm schwer geworden. Die Tinkturen der Feldscher wirkten nur noch leidlich gegen den Schmerz. Quälender Lärm tausender Trompeten hallte in seinem Kopf wider, unzählige kribbelnde Schlangenbisse brannten in seinen Adern, kaltes Feuer quälte seine aufgequollenen Gliedmaßen. Die Augen umrandet von einer schwärzlichen Bläue, die jedem Letharen eben jene aus dem Gesicht getrieben hätte. Das Weiße seiner Sphären war zu einem gelbroten Schimmer um seine einst strahlend bersteinfarbenen Pupillen geworden.
Einzig das graublonde Haar glänzte noch immer ritterlich. Der Rest - ein sterbender Haufen Mann in seinen einst besten Jahren.
Sein alter Kamerad Veit hatte sie ausfindig gemacht. Jene Piraten, die ihm dereinst ein Stück Menschlichkeit raubten. Jene, die viele freundliche Gesichter auf ihren verdammten Gewissen hatten. Der Drang nach Rache erstirbt nie. Erst recht nicht in einem impulsiven Geist wie jenem, den Fjalon sein eigen nannte. Am Ende des Tages hatte er sie bitter bezahlen lassen, doch ließ das Schicksal selten eine Rechnung unbeglichen, selten ein Urteil unausgesprochen...
Zum Tode verurteilt durch Rachsucht und Eigensinn. Kein schneller Tod auf dem Schlachtfeld, wie er ihn einst ersehnte.
Dampfende Tropfen von Gift, die sich durch den dünnen Faden fraßen, an dem sein endendes Leben noch hing.
Eine blutgetränkte Träne rann ihm über das längst von blonden Stoppeln übersäte Gesicht, angetrieben von Kummer um jene, die er nie wieder sehen würde. Freunde und zur Familie gewordene Vertraute. Verbundene Seelen in Verstand, Ehrverständnis und Königsstreue. Der Blondschopf wusste, dass ihm nicht mehr viel Zeit blieb.
So ließ er sich Federkiel und Tinte reichen, um ein allerletztes Gefecht zu schlagen.
z. Hd. seiner Hochgeboren von Schwertfluren sowie meiner Knappin Helisande Senheit.
11. Searum
Geschätze Freunde,
Seiner königlichen Majestät Ador I. zur Ehr' und der strahlenden Ritterlichkeit Temoras zum Gruße,
Mein Weg endet hier. Die Heiler sagen, dass mir nur noch Stunden, vielleicht ein Tag mehr, bleibt, bis meine Seele ihren letzten Weg antreten wird. Das Gift wirkt langsam und doch ist es wirksamer als alles, was die Heiler hierzulande je gesehen haben. Ich habe mein Leben verwirkt.
Es war Egoismus, der mich davonzog, alte Wunden zu rächen.
Es war Eigensinn, nicht auf das zu hören, was man mich einst lehrte.
Es war Eitelkeit, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen.
Aber es war mein Wunsch und ward meine Nemesis.
Das erste und einzige Mal in meinem Leben werde ich keine großen Worte mehr an euch richten und mich in Monologen ergehen.
Mit meinem Leichnam... werdet ihr die Insignien meines einstigen Standes erlangen. Über den Verbleib jener kann und wird allein seine königliche Majestät entscheiden. Ich bitte darum dass du, Thelor, dich darum kümmerst. Niemand hat je eine bessere Ausbildung zum Ritter durchlaufen dürfen als jene, die sich rühmen können, Ritter aus der Schule derer von Schwertfluren gewesen zu sein!
Danke für Alles. Danke.
Mit meinen Habseligkeiten... werdet ihr eine Truhe empfangen. Der darin enthaltene Umhang und die beiden Klingen sind für dich, Helisande. Eine Wiedergutmachung für den entsetzlich anzusehenden Wappenrock und Spielzeuge für den gefährlichsten Drachen Adorans. Es grämt mich, deine Ausbildung nicht fortsetzen zu können und doch weiß ich genau, dass dein Erfolg so sicher ist wie mein Tod. Es ist ein grauer Stein aus zehntausenen, der einen ungeschliffenen Edelstein jener ritterlichen Qualität birgt. Mach' unserem König, dem Adel und zuletzt vielleicht auch mir... Ehre.
Immer treu.
Temora beschützt.
Jenen Brief mit fast letzter Kraft vollendet und versiegelt, bat er um seine letzte Mahlzeit.
Die letzte und vermutlich beste Hühnersuppe seines Lebens.
Verfasst: Donnerstag 25. September 2014, 21:30
von Thelor Reensdorf
Am Ende einer guten Geschichte und noch größerer Taten steht der Tot.
Wie trauert man um einen Freund, einen Weggefährten , einen Waffenbruder?
Ein Flaues Gefühl im Magen, die Halbwirklichkeit im Kopf, das wissen das es Wahr ist und die geistige Verläumnung es nicht wahrhaben zu wollen.
Bleich war sein Gesicht wie er nun hier lag, das Blonde Haare ohne Glanz.
Im Leben ein Bär, ein kräftiger Mann, ein Mann wie ein Baum, wie konnte er nun hier so liegen, immer noch groß an Statur aber Kraftlos und Schlaff.
Der Gemeinsame Weg begann einst, als ein junger Rekrut des Regiments eine Leibwächterstellung suchte um sich zu Profilieren. Voller Tatendrank, absolute Bereitschaft und doch war an diesem Jungen Kämpen etwas besonderes, etwas das in ihm Verborgen lag.
Ein Edelstein der noch aus der steinernen hülle gelöst und Geschliffen werden musste und so wurde er Knappe.
Und im Regiment stieg er ebenfalls die Leiter empor, mittlerweile war er Gardist, er war sogar der Gardist mit den ‚’’ unwiderstehlichsten und schönsten Augen’’ für die Frauenwelt.
Selten hatte Thelor in seinem Ritterdarsein einen gelehrigere Knappen .
Fjaon der jede Einheit beinahe Aufzusaugen schien und sich jeder noch so schwierigen Aufgabe stellte.
Gut manche Aufgabe, vertrieb Katzen und Hunde aus der Statt , wie hatte die damalige Akoluthin Aurea den Vortrag nur ausgehalten, nun ja zumindest hatte sie Überlebt.
Im Regiment kamen ebenfalls neuer Rang und neuer Ruf, ’’ der Blonde Schleifer ’’, ein Interessanter Werdegang und Liegestützen scheinen einem doch Respekt einzubringen.
Nagut um Ehrlich zu sein, die Halbe Orangenschale als Barret als Feldwedel im Regiment, die war Grässlich und dann der Abschied aus der Truppe und sein Ritterschlag.
Stolz war Thelor wirklich als er ihm zur Seite stand als des Königs Schwert sein Schultern berührte und er sich als Sir Fjalon von Thorn erheben durfte.
Die Kämpfe vor Bajard, Düstersee, Schwingenstein, stets konnte man sich der Klinge Fjalons an der Seite gewiss sein, wer würde nur diese Lücke füllen können. Nur eine Schwachstelle und die Phalanx fällt und dies ist wahrlich nun eine Bresche die aufgerissen wurde.
Kein Feind konnte ihm etwas anhaben und nun schlussendlich war es Heimtücke und Ehrlosigkeit die ihn zu fall brachte. Heimtückisches Gift. Kein Feind der ihn Ehrhaft besiegen konnte, kein Tod dem sich ein Ritter ersehnt, aber ein Tod im Siege.
Nun stand der Sarg vor ihnen, am Hafen übergeben in die Hände des Regimentes.
Ein Ehrengeleit damit ein jeder noch einmal Abschied nehmen kann. Eine letzte Salut, ein letzter HA, ROOO , eine letzter Ehrbekundung,
Das Ende eines gemeinsames Weges
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