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Verfasst: Sonntag 27. Januar 2013, 14:45
von Malaika Leyla Ifrey
Hochzeitsvorbereitungen

1: Wir überspringen alles und kommen zum Thema „Wie wird man nicht schwanger?“

Seitdem Rasin mir erzählt hatte, dass man sich in und mit einer Schwangerschaft so verändern würde, war mir mulmig zumute. Ich hatte zuvor tatsächlich den unsagbaren Wunsch, einen kleinen Sohn oder eine kleine Tochter zu bekommen, aber jetzt? - Ich wollte gar nicht weiter darüber nachdenken. Ich wollte mich nicht zu einem der Tiere verändern, von denen er gesagt hatte, dass Natifahs in ihrer Schwangerschaft so werden.

Oh bei Eluive, ich hatte nun wirklich panische Angst. Also musste ich etwas finden, was dagegen helfen würde. Zuhause angekommen suchte ich ein paar Bücher zusammen und setzte mich damit in die Oase, dort war es schön ruhig. Meine innere Göttin hatte sich in ihre Badekleidung geworfen und genoss die Sonnenstrahlen, während mein Unterbewusstsein neugierig mit in meine Bücher blickte. Irgendeine Lösung musste es doch geben. Ich blätterte hastig durch die Buchseiten und überflog die Worte. Währenddessen sah ich mich bildlich schon in ein Lama verwandeln. Und anschließend in einen Drachen.

Aber ich musste mich damit auseinandersetzen, immerhin war er enttäuscht darüber, als ich letztendlich meinte, ich wolle doch kein Kind, wenn es mich so verändern würde. Ich blätterte weiter, während ich in eine Banane biss und diese sorgsam zerkaute. Vielleicht stand auch irgendwo etwas zu diesen.. Veränderungen.

Während ich das Buch so durchblätterte, machte ich mir Gedanken zu allen weiteren Hochzeitsvorbereitungen. Bei Eluive, ich hatte so etwas doch noch nie gemacht. Wie also sollte ich das bitte anstellen? Allein beim Essen stand ich vor einem Problem. Und die Gäste? Bei ein paar war ich mir sicher. Oh, das würde noch ein Spaß werden. Ich seufzte und nahm nochmal ein Stück der Banane in den Mund und vertiefte mich wieder in das Buch. Irgendwas ließ sich bestimmt finden.

Verfasst: Mittwoch 6. Februar 2013, 11:18
von Malaika Leyla Ifrey
Die donnernden Hufe lenkten mich zumindest zeitweise davon ab, dass mein Herz sich halb zerriss. Umso weiter ich mich von ihm und von zuhause entfernte, desto unerträglicher wurde das Gefühl in mir. Ja, man sagte, die Liebe würde Berge versetzen. Ich hielt Djadi an und sah in den Nachthimmel. Eluive, egal, wo du bist. Hilf mir.

Ich saß lange an der Stadtmauer. Ich sah zu den Lichtern der Stadt zurück und das unsagbar schlechte Gefühl in meinem Magen machte mich fertig. Ich konnte ihn doch nicht alleine zurück lassen? Oder doch?

Es dauerte eine Weile, bis tief in die Nacht hinein, bis ich mich aufraffen konnte, um zurück zu reiten. Ich gab Djadi beim Stall ab und schlich mich durch die dunkle Nacht. Warum fühlte ich mich auf einmal so fremd hier? Ich sah, dass das Haus dunkel war. Ich wusste nicht, ob er zuhause war oder nicht. Ob er schlief oder nicht. Ich ging hinein. Das Chaos war überwältigend. Er hatte in dem Haus tatsächlich fast alles zerlegt, was man so finden konnte. Ich ging die Stufen zum Schlafzimmer empor und sah, dass er gekrümmt und gebrochen im Bett lag und schlief. Man sah seinem Gesicht an, dass er gebrochen war. Ein gebrochener Mann, der alles verloren hatte, was ihm wichtig war. Ich sah seinen Hände, die blutig waren. Ich traute mich gar nicht, sie zu berühren. Stattdessen streichelte ich ihm sanft über die Stirn, einige verirrte Haarsträhnen aus dem Gesicht. Irgendwie sah er doch so friedlich aus, wie er dort lag. Ich presste die Lippen aufeinander, um mir weitere Tränen zu verkneifen. Was war nur passiert? Was war nur mit uns geschehen? Ich deckte ihn vorsichtig zu und blieb eine ganze Weile an seinem Bett sitzen und streichelte ihn nur. Ich liebe dich doch...

Dann ließ ich ihn einen Augenblick allein und räumte die kaputten Sachen leise beiseite, um ihn nicht zu wecken. Ich brachte wieder ein wenig Ordnung zurück und setzte mich dann, nach vollendetem Aufräumen, wieder zu ihm. Ich hatte ein wenig Tinktur für seine Hände und Verbände auf den Tisch neben dem Bett gelegt. Und auch einen Krug mit Wasser. Ich streichelte wieder vorsichtig seine Stirn und seine Wangen und fragte mich gleichzeitig, ob er das im Schlaf spüren konnte und vielleicht sogar in seine Träume einbaute. Bei dem Gedanken musste ich kurz lächeln. Doch das Lächeln starb dann wieder, als ich daran dachte, dass er mich angefleht hatte zu bleiben. Und ich war doch gegangen. Weil ich gebrochen war, weil mein Stolz verletzt war. Ich hatte tatsächlich in Erwägung gezogen, ihn im Stich zu lassen.

Als ich spürte, dass er unruhiger wurde, ging ich. Er würde bald erwachen und dann würde ich nicht an seinem Bett sitzen. Ich ging die Treppen leise runter und öffnete die Türe. Einzig und allein das Einrasten des Schlosses war im Haus zu hören. Ich zog stattdessen weiter durch die Straßen zu den Stadttoren hin. Ich musste einen Ort der Ruhe finden für mich. Und den Weg wollte ich nun erstmal beschreiten.

Verfasst: Mittwoch 6. Februar 2013, 17:28
von Rasin Kalil Yazir
Was war nur mit mir los? Was war nur mit mir geschehen?
Malaika sagte mir ich hätte mich verändert.. ich war nicht mehr.. der alte..
War mir die Sache mit dem Oberhauptsposten etwa wirklich zu viel geworden? Ist mir das ganze über den Kopf gewachsen? War ich nicht fähig genug das ganze unter einen Hut zu bekommen? Ich hatte wirklich versucht ein gutes Oberhaupt zu sein.. all die unerledigten Probleme der vorherigen Oberhäupter welche ich erledigen musste.. ich versuchte mich darauf zu konzentrieren und die Dinge so schnell wie möglich aus dem Weg zu schaffen..
Doch ich hatte sie verletzt, und das sehr.. ihre Gefühle nicht beachtet.. anstatt zu erkennen was ich ihr angetan habe und auch noch angetan hätte.. habe ich nur das gesehen was ich in dem Moment anscheinend einfach sehen wollte: Ihr widersetzen gegen meine Bitte und gegen meine Befehle.. ich war in dem Moment offensichtlich viel zu sehr darauf konzentriert ein gutes Oberhaupt zu sein und eine Entscheidung in der Sache mit Shaymaa zu treffen, als an die Gefühle meiner Verlobten zu denken.. Ich habe nicht beides hinbekommen.. nicht im geringsten.. nicht in dem Moment..
Anstatt dies zu erkennen, selbst nachdem das ganze schon geschehen war, habe ich sie zur Rede gestellt und auf mein Recht als Oberhaupt gepocht, ihr das ganze zum Vorwurf gemacht, ihr erzählt sie hätte sich einfach meinem Befehl widersetzt und das das definitiv Falsch gewesen wäre.. nicht einen Moment hatte ich dabei an Sie gedacht.. wie sie sich dabei fühlt und warum sie das eigentlich überhaupt getan hat.. viel zu sehr war ich in diesem Moment.. Oberhaupt..
Wir hatten ein kurzes Gespräch.. sonderlich viele Worte haben wir nicht gewechselt.. doch alles was ich gesagt habe, war das falsche..
Ich habe sie sehr verletzt und dadurch am Ende verloren. Sie ist.. gegangen, entgültig. Ich wollte sie aufhalten, ich habe sie angefleht nicht zu gehen, mich nicht zu verlassen.. doch hätte ich sie nicht einfach gehen lassen, hätte sie sich einen anderen Weg gesucht um gehen zu können. Beinahe hätte ich sie so dazu getrieben vom Balkon zu springen, ehe ich schließlich nachgegeben habe und ihr den Weg frei machte und sie gehen ließ.
Ich hatte meinen Fehler längst erkannt.. ich habe mich entschuldigt, mehrfach, sie angefehlt das wir das klären.. sie gebeten nicht zu gehen.. doch das kann das geschehene natürlich niemals rückgängig machen.. Sie sagte ich hätte mich verändert, ich wäre nicht mehr.. ich..
Dann ging sie schlussendlich.. sie verließ mich um zu ihren Eltern zurückzukehren.. ich hatte.. ich hatte einen riesen Fehler, nein... den größten Fehler meines Lebens gemacht und sie dadurch nun verloren.. ohne die Gelegenheit zu haben, das wieder gut machen zu können.. doch das konnte ich von ihr nach dem geschehenen nun auch definitiv nicht mehr verlangen..
Es machte mich fertig.. sie hatte sich abgewendet und ist gegangen... mit den Worten das es das beste sei.. wie konnte sie so etwas sagen?! Das ganze machte mich fertig.. ich.. ich habe alles verloren was ich hatte, alles was mir wichtig war! .. und das soll das beste sein?!
Zuerst sank ich weinend auf die Knie, ich konnte nicht mehr, es machte mich fertig..
ich war sauer auf mich selbst.. auf das was ich getan hatte.. ich schlug auf den Boden, immer und immer wieder.. meine Hände bluteten.. ich versaute den gesamten Boden.. aber das war mir total egal.. ich war nur.. sauer.. verzweifelt..
Nachdem die Hände nur noch schmerzten und ich nicht einmal mehr zuschlagen konnte, hatte ich mich um den Rest des Hauses gekümmert, voller Wut und Verzweiflung hatte ich nahezu die gesamte Einrichtung auseinander genommen.. ich rempelte die Regale um, trat die Holzpfosten der Baldachine durch.. nichts war mehr vor mir sicher..
erst nachdem mir dann alles schmerzte und ich einfach nicht mal mehr stehen konnte.. sank ich auf dem Bett zusammen und lag eine ganze Weile wach.. weinend dachte ich noch einmal über das geschehene nach.. über meine mehr als dummen Fehler.. ehe mir.. nach einer ganzen Weile.. die Augen zufielen..

Verfasst: Mittwoch 13. Februar 2013, 09:02
von Malaika Leyla Ifrey
Hochzeitsvorbereitungen

2: Frau sein

Ich hatte die Vermutung, dass man sich tatsächlich veränderte, sobald einem bewusst wurde, dass die Hochzeit bald anstehen würde. Es war nun der 13. Eisbruch. Ich hatte noch 10 Tage, dann würde ich verheiratet sein. Eine Ehefrau. Gut, ich hatte kein Problem damit, mich von meinem Namen verabschieden zu müssen, denn ich würde ihn behalten. Aber dennoch: Wir waren dann eine Familie. Eine eigene Familie. Es war so ungewöhnlich, sich an all das gedanklich schon gewöhnen zu müssen. Auf der einen Seite freute ich mich so riesig, dass ich beinahe Purzelbäume schlug. Auf der anderen Seite wurde mir schlecht bei dem Gedanken daran. Warum? Weil ich Angst hatte. Riesige Angst. Es würde so viel mehr auf mich zukommen als nur einen Ring am Finger zu tragen. Ich wurde die Frau von einem Mann. Und dazu war dieser neuerdings auch noch Familienoberhaupt. Ich musste mich also zu allem schon entstandenen Übel in Zurückhaltung üben. Ich war nach der Hochzeit die Frau des Familienoberhauptes. Das bedeutete für mich gesellschaftlich gesehen nicht viel mehr. Aber man erwartete von mir dennoch, dass ich als gutes Vorbild voranging. Ich. Als gutes Vorbild. Ich musste lachen. Blieb zu hoffen, dass ich das tatsächlich hinbekommen würde.

3: Wie bekommt man Kinder?

Oh bei Eluive. Was für ein Thema. Ich war ja nicht auf den Kopf gefallen und Mutter hatte ein recht offenes Verhältnis zu der Thematik gehabt. Aber so richtig vorstellen konnte und wollte ich es mir noch nicht. Natürlich wusste ich, was dazu notwendig war, um ein Kind in Empfang zu nehmen. Irgendwie freute ich mich auch auf diesen Moment. Auf der anderen Seite hatte ich allerdings so wahnsinnig große Angst vor einem Kind. Und das wusste Rasin auch. Er war immerhin der Auslöser dafür, er hatte mir Angst gemacht. Nur war er sich sicher, dass wir das Ganze schon schaukeln würden. Er hatte ja auch gut reden. Er wurde nicht dick, er wurde nicht zum Tier, er hatte keine merkwürdigen Gelüste mitten in der Nacht und er war auch nicht derjenige, der all die Schmerzen aushalten musste. Das musste alles ich übernehmen. Natürlich, wenn es nach ihm ginge, würde es ein Junge werden. Mutter hatte mir einmal gesagt, es würde helfen, zuvor einen kleinen Schluck Wein zu trinken, dann würde es mit großer Sicherheit ein Mädchen werden. Andere wiederum sagten, man solle zuvor in Efeu und Kakteenblüten baden. Das würde sicherer sein als ein Schlückchen Wein. Vielleicht sollte ich Rasin aber auch einfach in der Mittagssonne etwas hinausschicken. Khalida hatte gesagt, das würde reichen, da dann alles verbrannt wäre, was Kinder erzeugen konnte. Wie auch immer, letzten Endes würde ich alles auf mich zukommen lassen müssen.


Was auch immer es alles war: Ich machte mir definitiv zu viele Gedanken. Ich musste unbedingt noch nach Adoran, immerhin fehlte mir mein Geschenk noch. Eine Idee hatte ich schon. Aiwa, ich war nervös. Das wurde mir jede Nacht wieder bewusst, als ich wach wurde und mein Herz schlug und schlug und schlug. Und das in einer Heftigkeit, die ich zuvor noch nie gespürt hatte.

Verfasst: Dienstag 19. Februar 2013, 20:11
von Malaika Leyla Ifrey
Fünf Tage vor der Hochzeit:

Ein paar Tage zuvor

Ehegelübde, Ehegelübde. Es musste doch ein paar Worte geben, die mir einfallen würden. Aber wie sollte man etwas beschreiben, was so intensiv war? Ich raufte mir die Haare und zum ersten Mal verfluchte ich alles. Ich konnte diese Liebe zu ihm doch nicht in Worte fassen.
Ich nahm ein Pergament und setzte an. Setzte wieder ab, setzte die Feder wieder an. Und bekam einen Schreikrampf, zerknüllte das Pergament und warf es in einem hohen Bogen durch den Raum. Es war zum Mäuse melken. Ich lehnte mich zurück und pustete mir eine Locke aus dem Gesicht. Nach einer Weile begann ich wieder und schrieb und schrieb. „Ich könnte versprechen, dich zu lieben und zu ehren.“ Ich überlegte weiter. „Ich brauche keinen Optimismus...,“, ich seufzte wieder. Konnte ich das so schreiben? Die Feder rauschte weiter über das Pergament. „Ich verspreche dir, mein Herz...“. Als ich den letzten Punkt setzte, lächelte ich zufrieden und nickte. Genau das war es. Das war ich, das waren meine Worte. Und das traf alles auf den Punkt.


[...]

Meine Güte, was für ein Wirbel so eine Hochzeit doch machte. Das Essen stand fest und ich wollte am liebsten gleich alles auf einmal essen. Dann allerdings hätte Rasin vermutlich mehrere Lamas benötigt, um mich zuhause über die Schwelle zu tragen. Ich musste lachen – allein die Vorstellung brachte mich dazu, in schallendem Gelächter auszubrechen.

Gedanklich ging ich alles nochmal durch. Ich hatte mein Ehegelübde geschrieben, ich hatte einige Rückmeldungen auf unsere Einladungen bekommen. Ich hatte mein Brautkleid. Was musste ich noch erledigen? Das Geschenk für Rasin. Und die Gewandung für Khalida.

Das Geschenk.. musste noch ein wenig warten. Hingegen das Gewand für Khalida für die Taverne war schnell angefertigt. Ich konnte bloß hoffen, dass es ihr gefiel. Rasin war davon auf jeden Fall begeistert. Ich atmete tief durch. Umso näher der Tag kam, desto aufgeregter war ich.

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Verfasst: Freitag 22. Februar 2013, 09:43
von Malaika Leyla Ifrey
Sind unsere Gedanken und Gefühle
ein Herz und eine Seele, hat unsere
Liebe Hand und Fuß.


Mutter, wie recht du hattest mit diesen Worten, die du mir immer mit auf den Weg gegeben hast. Ich stand immer noch da und betrachtete mich in der Umkleide im Spiegel. Ich hatte nicht zugenommen, mein Kleid passte also noch. Ich atmete tief ein und wieder aus. Sollte das nun wirklich wahr sein?
Heute Abend würde der Hennaabend sein und all meine Liebsten würden mir meine Hände bemalen. Wir würden zusammensitzen und lachen und reden und es würde einfach wundervoll werden. Ich lächelte. Es war ein anderes Lächeln als dieses fröhliche Lächeln, welches man sonst auf meinen Lippen sah. Ich lächelte froh, zuversichtlich und stolz.

Nur noch ein einziges Mal schlafen, dann war ich die Frau von Rasin. Ich überlegte, was sich groß ändern würde. Ich durfte als verheiratete Frau die Haare zusammentragen. Mein Name änderte sich nicht, immerhin war er mein Cousin und trug den gleichen Namen wie ich. Ein Segen für mich, denn ich wollte meinen Familiennamen nie hergeben. Ich betrachtete mich nochmal im Spiegel. Würde man sich äußerlich auch verändern, wenn man geheiratet hatte? Ging man aufrechter, wacher durchs Leben? Oder wurde man schlagartig – erwachsener? Ich gluckste leise. Ich und erwachsen. Neda, vollkommen ausgeschlossen.
Ein weiterer Punkt, der sich offiziell ändern würde, war mein Wohnsitz. Oh bei Eluive. Die kommende Nacht würde ich zuhause verbringen und dort schlafen. Ich hoffte, ich würde ein Auge zubekommen. Wieder hörte man ein tiefes Atmen. Mir war klar, was mit dem morgigen Abend noch passieren würde. Ich wollte gar nicht dran denken. Irgendwie freute ich mich auf diese eine Nacht, aber auf der anderen Seite war ich so nervös und auch so ängstlich. Ich wusste ja nicht, was zu tun war. Wie sich all das anfühlen würde. Oh bei Eluive, steh mir in dieser Nacht bei. Ich seufzte wieder schwer. Für einen Moment ging ich gedanklich nochmal alles durch. Ich hatte mein Kleid. Ich hatte die Accessoires dafür. Ich hatte mein Gelübde fertig. Ich hatte das Geschenk für Rasin. Die Taverne war dekoriert. Der Tempel war mit ausreichend Kissen ausstaffiert worden. Meine Haare hatte ich auch beinahe wieder im Griff. Meine Fingernägel waren sauber und schön gefeilt. Ich atmete durch, öffnete die Augen und ging alles nochmal durch: Kleid, Accessoires, Gelübde, Geschenk, Taverne, Tempel. Khalida würde die Bedienung übernehmen und die Gastgeschenke verteilen. An was musste ich noch denken? Ich nickte mir selbst zu.

Die Liebe verlangt nicht von uns,
dass wir sie verstehen,
sondern nur, dass wir zu ihr stehen.


Ich war bereit. Ja, war ich das? Aiwa, ich war es. Ich hatte Calanithels Rat befolgt und mir in der letzten Zeit viel Zeit für mich selbst genommen. Auf mein Herz und meine Seele gehört. Und ich wusste, dass all das, was ich in der letzten Zeit getan hatte im Einklang mit Herz und Seele geschah. Ich hatte keine negativen Energien mehr an mich herangelassen und merkte deutlich, wie mein Gesundheitszustand besser und besser wurde. Ich hoffte dennoch sehr, dass sie an der Hochzeit anwesend war. Vielleicht, ja… vielleicht war sie heute Abend beim Hennaabend auch anwesend. Es war faszinierend, wie intensiv man sich mit sich selbst und den eigenen Gedanken beschäftigen konnte. Nichts anderes tat ich gerade. Ich dachte über alles nach. Ich war gespannt, wer zur Hochzeit alles kommen würde. Einige Abwesenheiten würden mich bitter enttäuschen. Aber Mutter hatte immer gesagt, an einer Hochzeit bleibt keine Zeit für Enttäuschungen. Egal, wer fehlt: Die wichtigste Person wird da sein – Rasin. Und mehr, ja.. mehr braucht man nicht zum heiraten. Naja gut, abgesehen von Nazeeya und dem Segen der Schöpferin.

Was also blieb noch übrig? Was musste ich noch tun?
Ich trug die Liebe in meinem Herzen.
Ich spiegelte sie wider über meine Augen.

Benötigte ich tatsächlich mehr für eine Hochzeit?
Nein, mehr würde ich vermutlich nicht benötigen. Die Liebe war ausreichend, sie war vorhanden. Sie war der Bestandteil, der es gelingen ließ Berge zu versetzen. Wir hatten so viel gemeistert, so viel überstanden. Und es würde allein in der Ehe noch der ein oder andere zusätzliche Berg kommen, den wir gemeinsam versetzen würden. Ich war bald die Frau von Rasin, dem Oberhaupt der Familie. Bald. Sehr bald. Und allein das erfüllte mich mit einer Glückseligkeit, die ganz Menek’Ur zum leuchten bringen könnte.

Verfasst: Montag 25. Februar 2013, 10:31
von Malaika Leyla Ifrey
Heiraten ist einfach, oder?
Rückblickend gesagt: Ja, es war tatsächlich einfach. Wäre da nicht die Aufregung, die einem förmlich die Luft nimmt. Umso näher die fünfzehnte Stunde des Tages kam, desto mulmiger wurde mir. Es war kein negatives mulmig sein. Es war eher die Angst vor dem Ungewissen. Natürlich würde sich nichts an der Liebe von ihm und mir ändern. Unsere Bindung allerdings, die war nun für immer.

Für immer. Eine lange Zeit, oder nicht? Man sollte meinen, dass man diese locker überstehen würde. Das alles würden wir jetzt, in unserem neuen, gemeinsamen Leben, feststellen. Ich denke, ich muss nicht beschreiben, wie glücklich ich bin. Ich habe den besten Mann an meiner Seite. Einen Mann, den ich mehr liebe als alles andere auf dieser Welt. Kleine Dinge würden sich nun verändern, woraus Großes resultieren würde.
Auf die Frage, ob man sich nach einer Hochzeit anders fühlte: Ja, das tat man. Ich war stolzer, tatsächlich ein Stück erwachsener und irgendwie fühlte ich alles intensiver. Ich war eine Ehefrau. Und ich durfte endlich meine Haare zusammengebunden tragen. Und natürlich hatte ich gleich alle möglichen Arten an Hochsteckfrisuren und Zöpfen ausprobiert. Daran hatte ich sehr viel Spaß. Und auch so hatte sich einiges mehr verändert. Man fühlte sich noch näher miteinander verbunden, weil man sich endlich nah sein durfte. Alles in allem war es ein großartiges Geschenk. Und der Tag der Trauung würde unvergessen bleiben. Ich war so stolz und so erfreut, dass so viele den Weg in den Tempel gefunden hatten. Es erfüllte mein Herz mit einer Glückseligkeit, die kaum zu ertragen war. Wir hatten das Richtige getan. Die Schuhe der Ehe waren bequem – bis jetzt. Ob sich Steinchen darin verheddern würden, das würde sich zeigen. Aber dann konnte man die Schuhe nehmen und ausschütteln, das Steinchen beseitigen. Und dann würde es weitergehen.

Verfasst: Dienstag 26. Februar 2013, 08:32
von Malaika Leyla Ifrey
Die Hauptsache im Leben ist, dass die Liebe keine Nebenrolle spielen darf.
  • “Mara, Radeh. Lange habt ihr nichts von mir gehört. Ich habe meine Sachen gepackt und bin geflohen von zuhause. Ihr wisst, wie nah ich meinen beiden Schwestern stehe und es war für mich kaum noch aushaltbar. Dennoch ist es an der Zeit euch mitzuteilen, dass ich gut angekommen bin. Ich wurde herzlich aufgenommen, habe eine intensive Wärme und Geborgenheit verspürt. Ich habe meine Liebe gefunden und kann euch auch voller Stolz mitteilen, dass ich geheiratet habe. Rasin Kalil, einen meiner Cousins. Ich trage unseren Namen also weiter – nicht nur im Herzen. Vielleicht kommt ihr uns einmal besuchen. Ich liebe euch, Malaika.“
Mit leisen Sohlen schlich ich über den erwärmten Boden der Stadt. Noch vor ein paar Tagen war hier einiges los. So viele Menschen waren gekommen. Ich lächelte. Ach Schöpferin, wie sehr ich diesen Tag genossen habe. Dhabir, dass er so schön werden durfte. Ich atmete kurz die frische, morgendliche Luft ein und eilte weiter über die samtig warmen Fliesen. Glück, bist du denn zu fassen? Es trieb mich voran, ließ mich gleiten wie einen Schmetterling durch den Wind. Und ich lächelte immerzu.
Mein Liebster schlief noch. Er befand sich im Land der Träume, hatte mich in seinen Armen und wollte mich kaum freigeben. Und dennoch: Ich schälte mich aus seinem schützenden Griff, zog mir einen Sari über und verhüllte mein Gesicht. Ich schlich mich hinfort. Nicht lange, nur für einen Moment. Ich wollte den Tag willkommen heißen und Eluive danken, dass sie mir dieses eine, wundervolle Leben geschenkt hatte. Ich spürte die Veränderungen, die so eine Ehe mit sich brachte, deutlich. Ich hatte mir das nicht einmal im Ansatz vorstellen können.

Meine Füße trugen mich weiter zur Oase. Ich hatte nichts weiter mit mir, nur mein Herz und meinen Glauben. Meine Liebe und mein Glück. Aber das allein reichte aus. Vollkommen. Von Weitem schon sah ich die Palmenblätter und das Grün der Oase und ich rannte ein wenig schneller. Es war noch nicht ganz hell. Die Wüste war am Tage schon gefährlich, aber nachts und zur Dämmerung unberechenbar. Und ich wollte ja nicht unachtsam sein. Ich ging zum Wasser und wählte mir einen versteckteren Platz. Ich wollte für einen Moment, nur für einen Augenblick alleine sein. Mit mir. Und mit ihr. Leise murmelte ich die Worte, versank im Gebet.
  • Schöpferin, Mutter aller Anfang. Ich danke dir für das, was du mir geschenkt hast. Ich danke dir für jede Sekunde, die ich hier verbringen und mit ihm genießen darf. Unterstütze uns, hilf uns, wenn wir fallen. Mein Glaube an dich, Eluiv‘, ist stark und fest. Führe mich durch aufkommende Dunkelheit und zeige mir Wege aus der Nacht. Abee, Eluive.
Einen Moment noch blieb ich sitzen. Dann sammelte ich die reifen Früchte auf und nahm sie mit nach Hause. Rasin würde immer noch schlafen und ich würde mich wieder zurück in das Bett schleichen. Solange, bis wir beide von den ersten Sonnenstrahlen wachgeküsst wurden.

Verfasst: Mittwoch 27. Februar 2013, 19:20
von Rasin Kalil Yazir
Es war ein wunderschöner Morgen, der Himmel war klar und die ersten Strahlen der Sonne ließen die Stadt in wundervollen Farben erstrahlen. Einige Strahlen bahnten sich ihren Weg durch die Fenster unseres Hauses und weckten mich mit einer lieblichen Wärme auf meinem Gesicht. Mit meiner geliebten Frau im Arm wachte ich auf, es war ein mehr als schönes Gefühl, es war überwätigend, sogar mehr als das, es war einfach unbeschreiblich. Endlich war sie meine Frau, wir hatten geheiratet und konnten uns endlich so nahe sein wie wir wollten, es war definitiv eines der schönsten Gefühle mit ihr in meinem Arm einzuschlafen und auch wieder aufzuwachen, wenn ich könnte wäre ich ihr am liebsten den ganzen Tag so nahe, ich liebe sie wirklich, über alles, ich kann mein Glück immernoch nicht so recht fassen, sie nun endlich meine Frau nennen zu können. Mit ihr in meinen Armen spielte ich nachdenklich ein wenig an meinem Ring herum, es war der Ehering, grinsend und überglücklich dachte ich an die letzten Tage, gar Wochen, zurück, es war so unfassbar schön, vor allem diesen einen Tag, den Tag der Hochzeit, werde ich niemals vergessen.

Hochzeitsvorbereitungen und Hochzeit:
Die Wochen der Vorbereitungen, Planungen und Organisation waren schon nicht ohne.. es gab mehr als genug zu erledigen.. es war schwer alles im Kopf zu behalten und rechtzeitig zu erledigen, doch letzten Endes kann ich nur sagen, das es mehr als erfolgreich war..
Allerdings mussten wir auch an eine ganze Menge dinge denken:
  • - Die Taverne musste dekoriert und alles für die Feier vorbereitet werden und der Tempel musste mit einigen weiteren Kissen ausgestattet werden, damit es auf jedenfall genügend Sitzgelegenheit gab
    - Wir mussten jemanden als Bedienung für die Feier finden, ohne wäre immerhin.. doof!
    - Wir brauchten möglichst noch ein paar Freiwillige, mindestens einen bis zwei, die während der Messe zusätzlich als Wache vor dem Tempel Stellung beziehen würden, damit auch definitiv für ausreichende Sicherheit gesorgt ist
    - Den Schmuck für Malaika, welchen ich ihr für die Hochzeit schenken wollte und natürlich die Eheringe.. die mussten auch noch her!
    - Außerdem musste ich noch unbedingt zum Kalifen, mich als Oberhaupt vorstellen, ihm den Stand der Dinge erklären und den Brautpreis bezahlen
    - Ich brauchte noch unbedingt die passende Kleidung zur Hochzeit, die hatte ich total vergessen .. !
Ich glaube das war sogar schon alles.. zumindest alles was mir gerade einfällt! Aber es war auf jedenfall mehr als genug um das ganze innerhalb von einem und einem halben Wochenlauf zu erledigen!
Aber natürlich waren wir mit den Vorbereitungen mehr als rechtzeitig fertig..
  • - Die Taverne war wirklich schick hergerichtet. Essen, Trinken und Gastgeschenke standen ebenso bereit, es war alles für die Feier vorbereitet!
    - Die Kissen waren im Tempel schnell verteilt, nun konnte auf jedenfall jeder der zur Messe erscheint einen Platz finden, da waren wir uns sicher!
    - Dank Khalida hatten wir dann auch recht schnell jemanden gefunden der die Bedienung im Singenden Kaktus übernehmen würde, als dank dafür hatten wir ihr sogar direkt eine schicke Kleidungskombination zusammengestellt, sie würde auf jedenfall gut aussehen! Und... das tat sie auch.. finde ich!
    - Auch als Wachen hatten sich schnell zwei Cousins und eine Cousine gefunden, Khalid, Saman und Natisha hatten sich dazu bereit erklärt diese Aufgabe zu übernehmen, auch das war zum Glück also geschafft!
    - Für den Schmuck suchte ich Tharin, einen meisterlichen Feinschmied der Bergwächter auf, er war gern bereit mir bei diesem Anliegen zu helfen und fertigte mir wahre meisterstücke, es war einiges an Schmuck für Malaika, damit sie diesen an der Hochzeit tragen konnte, dazu zwei Ketten und natürlich die Eheringe.. alles aus feinstem Gold und bestens verarbeitet und noch dazu meisterhaft beschmückt und graviert, ich bin froh dafür einen Bergwächter aufgesucht zu haben, besser hätte ich es mir nicht aussuchen und niemand sonst es besser machen können als Tharin. Für den Schmuck und die Ringe war nun also auch gesorgt, sehr gut!
    - Beim Kalifen war ich auch.. zwar hatte ich die von ihm vorgeschriebene Zeit für die Meldung um wenige Tage überschritten, aber anders ging es nunmal leider nicht.. Ich hatte mich als neues Oberhaupt vorgestellt und ihm berichtet das es im Hause wieder ordentlich läuft.. er brauchte sich fortan also keine Sorgen mehr um die Situation im Hause machen. Selbstverständlich hatte ich ihm auch den Brautpreis gezahlt, denn mir selbst hab ich den nunmal schlecht zahlen können, daher ging dieser natürlich an das Hause Omar, nun stand der Hochzeit nicht mehr das geringste im Wege!
    - Obwohl doch.. die Kleidung! So ein mist aber auch.. aber auch dafür hatte ich selbstverständlich schnell eine Lösung gefunden, Tarya, Meisterschneiderin im Bunten Kessel in Adoran, ich lernte sie auf dem Markt der Bergwächter kennen, sie war es, die mich wahrlich schick für die Hochzeit einkleidete und die Ohnehin schon wirklich gut aussehende Kleidung noch mit edlen Ornamenten und dem Familienwappen bestickte, in dieser Kleidung konnte ich auf jedenfall zur Hochzeit erscheinen, die Vorbereitungen waren also abgeschlossen! Zumindest der Teil den ich erledigen musste..
Malaika hatte, sobald die Zeit dazu war, ein mehr als nur wunderbares Essen gezaubert, wenn ich mehr hätte in mich reinstopfen können, hätte ich es getan! Es war wirklich zum.. reinlegen.. insgesamt waren es 3 Gänge..
Die Vorspeise:
bestehend aus zwei Möglichen Gerichten, einmal ein Dattelschaumsüppchen mit dezenter Sahnehaube, dazu kann ich nur sagen: WOW Lecker! Ich hätte mich auch durchaus alleine davon ernähren können, und das mindestens 2 Wochenläufe! Aber das war natürlich noch nicht alles.. für wen das Süppchen nichts war, der hat natürlich auch die Maultaschen gefüllt mit Ziegenkäse, Gurken und Zwiebeln essen können.. ich musste natürlich beides mal probieren, immerhin musste ich doch wissen was meine Rani da leckeres gezaubert hat.. ich muss sagen, das Süppchen hat mir etwas besser geschmeckt.. aber auch die Maultaschen waren wirklich verflucht lecker! Ich muss zugeben ich war fast überrascht was Malaika da gezaubert hat, erwartet hätte ich es ehrlich gesagt nicht so wirklich, wo sie doch sonst immer sagt sie könne nicht kochen.. sie wollte mich sicher nur hinter das Licht führen, denn das sie Kochen kann hat sie mehr als bewiesen! Und das war erst die Vorspeise!
Der Hauptgang:
dieser bestand aus insgesamt 4 verschiedenen Gerichten, für jeden Geschmack etwas dabei! Angefangen bei einem Salta aus leckerem Skorpionfleisch über ein verflucht gut schmeckenden in Bananenblättern gedämpften Fisch bis hin zur perfekt knusprigen Schlange flambiert in Kokosschnaps an menekanischem Gewürzgemüse.. Es war SO verflucht lecker! Und zwar... ALLES! Aber auch für die nicht Fleisch essenden hatte Malaika natürlich etwas gemacht.. und zwar Kaktusblüten im Blätterteig.. Ich habe keine Ahnung wie man das noch groß beschreiben soll.. ich konnte natürlich nicht anders als auch hier alles einmal zu probieren.. nach der zweiten Speise des Hauptganges war ich bereits mehr als vollgefressen, aber ich konnte das gute Essen immerhin nicht einfach stehen lassen! Das Essen war wirklich zum verrückt werden gut.. unfassbar was für eine meisterhafte Köchin ich zur Frau genommen habe.. ich dachte bisher schon das ich sie niemals gehen lassen könnte, doch wenn sie mich nun auch noch mit so einem Essen durchfüttert, dann laufe ich ihr bis ans Ende unserer Zeit hinterher, egal wie oft wir um die gesamte Welt laufen, mich wird sie nicht mehr los.. Aber selbst nach diesem mehr als grandiosen Hauptgang war natürlich noch nicht Schluss!
Die Nachspeise:
diese Bestand aus zwei kleinen leckereien und einer leckeren Süßigkeit.. Nummer eins waren wirklich vorzügliche Gebackene Bananen in Kokossirup, wow, die haben definitiv die letzten nicht mehr vorhandenen Löcher gestopft, hätte ich das eher gewusst hätte ich glatt den Hauptgang weglassen können! Wobei.. Nein! Es war ALLES einfach viel zu lecker! Ich hoffe meine Rani wird mir solch ein leckeres Essen öfter auftischen, dann kriegt sie von mir wonach auch immer es ihr beliebt..
Auch für die Kinder unter uns.. also.. für uns alle, war natürlich eine leckere Kleinigkeit dabei, unglaublich gut schmeckende Honignüsschen, es ist wirklich unfassbar was man sich alles in seinen Bauch stopfen kann, wenn man nur den Willen dazu hat.. und den hat das Essen auf jedenfall geliefert! Aber das beste natürlich zum Schluss.. am liebsten hätte ich mich direkt hineingeworfen und darin gebadet, ich könnte einen ganzen Jahreslauf nur darin verbringen.. QUARK! Ausgerechnet zum Schluss! Das letzte das ich in die Finger gekriegt habe.. aber bei Eluive.. dieser Quark.. er war herzzerreissend lecker! Malaika hatte karamellisierte Datteln unter den Quark gemischt, ohh verflucht, ich habe niemals etwas leckeres gegessen als diesen Quark! Hätte ich die Wahl gehabt den Quark zu heiraten.. ohh es wäre schwer für Malaika geworden.. gut das wir an dieser Stelle bereits verheiratet waren!
Aber auch die Getränke waren mehr als überragend, ich glaube es hätte nicht im geringsten besser sein können, weder das Essen noch die Getränke, also genau richtig für unsere Hochzeit.. es war von vorne bis hinten einfach nur perfekt!

Nicht zu vergessen aber auch die Messe.. ich war sonst eigentlich nie aufgeregt.. ich kannte dieses Gefühl kaum, doch an diesem Tage.. bei Eluive ich war noch nie in meinem Leben so aufgeregt.. ich holte Malaika am Familienhause ab, mit Pferd natürlich, wie es sich gehört, dafür hatte ich meine Jalisa genommen, sie hat sich übrigends auch sehr gut gemacht, ich bin froh die richtige Entscheidung getroffen zu haben..
Ich holte Malaika also am Familienhause ab.. ich führte Jalisa hinter mir her bis in den Innenhof des Hauses, durch den durchscheinenden Vorhang konnte ich Malaikas Umrisse bereits ein wenig sehen, alleine da fand ich sie schon umwerfend.. aber als sie dann durch den Vorhang in den Innenhof trat.. bei Eluive mir blieb die Luft weg.. sie war tatsächlich noch schöner, noch überwältigender als sonst, sie war wirklich... unbeschreiblich gut aussehend. Ihr Kleid war absolut überragend.. besser hätte es tatsächlich niemals sein können.. ich brauchte einen Augenblick, ich betrachtete sie und musste mit ihrer Überragenden Schönheit klarkommen, es war sprichwörtlich überwältigend..
Ich half ihr dann also hoch auf Jalisa und führte sie langsam und vorsichtig rüber zum Tempel.. immerhin würde gleich die Messe beginnen, ich glaube wenn man es genau nimmt waren wir sogar bereits etwas zu spät, aber ich denke wir konnten sicher sein, das auf uns gewartet wird.. wir waren beide auf dem Weg schon bereits tierisch aufgeregt.. doch auch mindestens ebenso glücklich.
Über die Messe selbst will ich auch gar nicht viele Worte verlieren.. sie war einfach überwältigend.. ich war unfassbar froh und glücklich, ich musste Tränen der Freude unterdrücken und habe das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht bekommen können, immerhin war es endlich so weit.. ich heiratete gerade die Liebe meines Lebens, nicht mehr lange und ich konnte sie endlich meine Ehefrau nennen.. wir gingen nach und nach die Traditionen und Gebräuche durch und nicht sehr viel später wurden uns auch schon die Schuhe der Ehe überreicht, ich glaube es war einiges an Zeit vergangen, doch mir kam es gerade mal wie ein kurzer Augenblick vor.. aber nur zu gerne hatte ich mir diese Schuhe angezogen und ging mit ihr, mit meiner Frau an meiner Seite wieder aus dem Tempel, es war tatsächlich geschafft.. wir waren nun Mann und Frau, im Bund der Ehe vereint. Endlich war die Frau, die ich über alles liebte, die ich immer an meiner Seite wissen und dessen Nähe ich spüren wollte.. tatsächlich meine Ehefrau.. ein unbeschreibliches Gefühl.. es fühlt sich in jeglicher Hinsicht einfach nur gut.. und.. schön an.. wie als wäre es der perfekte Traum, aus dem man tatsächlich nicht wieder aufwacht.

Gerne dachte ich an die letzten Tage zurück.. es war zwar anstrengend gewesen, also die Hochzeitsvorbereitungen meine ich.. aber diese Anstrengungen hatten sich auch mehr als nur gelohnt! Immerhin war sie nun meine Ehefrau.. ein wahrlich schöner Gedanke, er zaubert mir immer wieder ein lächeln auf das Gesicht.. und natürlich ist auch die Hochzeitsnacht nicht außer acht zulassen.. wow.. alleine dafür hätten sich auch all die Bemühungen schon gelohnt.. doch werde ich nun für den Moment nicht weiter nachdenken.. ich muss aufstehen..

Verfasst: Freitag 1. März 2013, 09:03
von Malaika Leyla Ifrey
Achtsamkeit heißt das erste Wort im Wörterbuch der Liebe

Dass ich ein Problem mit dem Essen hatte, das wusste Rasin, seit er mich das erste Mal bewusst gesehen hat, als ich eine Mahlzeit zu mir nahm. Für ihn wäre es vielleicht ein kleiner Happen gewesen, für mich war es eine vollwertige Mahlzeit. Bestehend aus ein paar Früchten, die ich mir aufgeschnitten hatte. Mein Essverhalten war begründet durch die Angst des Zunehmens. Ich aß nie viel, hatte mir dies als Kind schon abgewöhnt. Für mich war es normal. Er hingegen versuchte weiterhin, mich zum Essen zu animieren. Was er nicht wusste: Sein Plan scheiterte kläglich.

„Du hast Kaktusschnaps getrunken?“
Ich hätte besser meinen Mund gehalten. Wie so oft. Aber natürlich, brave Natifah wollte ehrlich sein. Immerhin gab es ja auch etwas zu feiern. Der darauffolgende Vortrag mit der ständigen Erwähnung, dass er das nicht erwartet hätte und ab sofort darüber in Kenntnis gesetzt werden möchte und gefragt werden möchte, hing mir nach der ersten Wiederholung wirklich zum Hals raus. Es nervte mich, dass er mich hinstellte, als wäre ich ein kleines Kind. Ungezogen und trotzig. Das war ich nicht. Er musste wohl damit leben, dass auch ich hier und da einen Fehler machen konnte. Er erklärte mir, dass ich mich genauso an Regeln zu halten hatte, wie jeder andere auch. Und auch das erwähnte er mehrfach. Manchmal glaubte ich, er dachte einfach, ich sei dumm. Natürlich musste ich mich an Regeln halten. (Auch hier nochmal: Mist, ich hätte einfach meinen Mund halten sollen!) Ich war nicht wirklich sehr begeistert davon, dass er es so aussehen ließ, als würde ich mich nie an Regeln halten. Irgendwie machte es mich wütend. Auch, weil er das vorherige Thema gar nicht mehr ernst nahm. Das allerdings brachte mich zum Nachdenken und bereitete mir Bauchschmerzen.

Nachdem er mit seinem Vortrag fertig war, bat ich darum, das Haus verlassen zu dürfen. Er meinte, es wäre in Ordnung. Ich packte daraufhin ein wenig Proviant zusammen und ging in die Oase. Eigentlich totaler Blödsinn, da es in der Oase mehr als genug Früchte gab. Nichts desto trotz setzte ich meinen Weg fort. Ich hatte noch kurz einen Zettel für Aaminah geschrieben. Sie war meine Freundin, mit ihr konnte ich reden. Dass ich Angst hatte, das sah man mir an. Der Brief wanderte schnell in den Briefkasten der Familie Ifrey und schon trugen mich meine Füße weiter.

In der Oase suchte ich mir ein ruhiges Plätzchen in der Nähe des Wassers. Ich lehnte mich an die Palme und schloss die Augen. Ich konnte nicht einmal weinen, ich war einfach nur leer. Die Angst vor dem, was kommen würde, war zu groß. Natürlich, vielleicht war nichts passiert. Aber allein so dumm zu sein, nicht daran zu denken, um genau diese Ängste auszuschließen. Neda, wie konnte ich nur so dumm sein. Ich hatte mir das nun selbst eingebrockt.
Ich sah in den Himmel und versuchte, meine Gedanken zu sortieren. Ins Reine zu bringen und mir selber Mut zuzusprechen. Vielleicht war es nicht so. Es musste ja wegen einmal nicht gleich etwas passiert sein. Vielleicht aber ja doch. Oh Eluive, diese Gedanken zerfraßen mich. Ich wollte das nicht. Nicht jetzt. Neda, eigentlich nie. Also schon, irgendwie. Aber nicht unter den Umständen, die meinen Körper zu einem Ballon aufblasen ließen. Und ich stand alleine vor einem riesen Problem. Ohne meinen Mann, der geschworen hatte, immer für mich da zu sein. Aber woher sollte er es auch erahnen, er hatte nur mit einem Satz meine ganze Welt zum Wanken gebracht.

„Amali?“, ich hörte seine Rufe, allerdings reagierte ich nicht gleich. Ich wollte eigentlich meine Ruhe haben, mit mir alleine sein. Und all die Problematik mit mir alleine klären. „Amali, da bist du ja.“ Scheinbar hatte er mich gesucht. Ich sah zu ihm, schwieg allerdings für ein Weiteres. Er kam zu mir. „Du bist weggelaufen. Bist du böse wegen dem Kaktusschnaps?“ Als ob der Schnaps mein einziges Problem war. Ich schüttelte den Kopf. Natürlich war das nicht mein Problem. Er setzte sich zu mir in den Sand. Ich sprach zum ersten Mal mit ihm über das, was mich belastete. Was mich immer schon belastete: Die Angst vor dem Zunehmen. Mein verschobenes Essensverhalten machte für ihn endlich einen Sinn. Er versuchte mir zu erklären, dass er doch auch normal aß und nicht zunahm. Ich erinnerte ihn jedoch daran, dass er als Ausgleich die Jagden hatte. Ich wiederum saß während meiner Arbeit die ganze Zeit. Er wäre nicht er gewesen, wenn nicht umgehend ein sehr unpassender Spruch kam: „Aber Amali, du hast dafür doch das Bett…“; es war ein Klassiker und typisch für ihn. Ein kläglicher Versuch, mich aufheitern zu wollen – der maßlos in die Hose ging. Denn genau das, ja, genau das war das Problem. „Hayati, nicht nur Essen macht dick…“ – Es brauchte eine Weile, aber er verstand. Er verstand wirklich, was ich meinte. Er versuchte mir die Angst zu nehmen, aber er konnte nicht. Er konnte nicht nachvollziehen, was es bedeutete, panische Angst davor zu haben, dick zu werden. Er tat so, als würde er verstehen, aber er konnte es niemals, wirklich niemals, so nachempfinden wie ich. Aber er konnte meine Angst verstehen. Er verzichtete mir zu liebe auf Kinder. Er wollte keine. Er wollte nur mich. Was aber, wenn es durch diesen einen falschen Fehler in der Hochzeitsnacht längst zu spät war? Er beruhigte mich und lachte dabei. Ich würde mich selbst mit der Angst verrückt machen, es musste nicht einmal was passiert sein. Ich atmete ein wenig durch. Im Grunde hatte er recht. Aber ich wollte auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. Er sah mich an und meinte, selbst wenn es so wäre, würde sich sicherlich ein Mittel dagegen finden lassen. Es war rührend von ihm, dass er sogar das in Kauf nahm. Allerdings: Wenn etwas passiert war, dann musste ich es hinnehmen. Mit all dem Gräuel und all der Angst, die dann auf mich einprasseln würde. Er sagte mir, wie sehr er mich liebte und das ich alles sei, was er sich je gewünscht hatte. Alles. Das wusste ich. Ich wusste es, tief in meinem Herzen. Und ich wusste auch, dass ich nicht die einfachste Natifah war, die auf Menek’Ur herumlief. Aber aus irgendeinem Grund hatten wir zueinander gefunden. Ich lehnte mich an seine Schulter und seufzte. Mit ihm an meiner Seite würde alles – wirklich alles – irgendwie und irgendwann gut werden.

Verfasst: Dienstag 5. März 2013, 10:13
von Malaika Leyla Ifrey
Der köstliche Duft von frisch gebratenem Skorpion machte sich in unserem Haus breit. Vermischt mit dem süßen Geruch von Karamell und dem einzigen, unvergleichlichen Duft frischer Früchte. Ich hatte für den Abend gekocht. Auch, wenn ich selbst wenig Hunger hatte - Rasin würde sicherlich alles essen. Immerhin war seine Lieblingsspeise dabei: Quark.

Der Tisch war gedeckt, jetzt musste er nur noch nach Hause kommen. Ich hatte den Satz noch nicht einmal zuende gedacht, da stand er im Vorhang und lächelte. Ich deutete auf das Essen und bat ihn, sich zu setzen. Nur noch kurz den Saft eingießen, dann war alles fertig.

Aber was war das? Mir wurde auf einmal so flau im Magen. Alles zog sich zusammen und wurde doch wieder so weit und das in einer Geschwindigkeit, die kaum auszuhalten war. Ich spürte, wie meine Adern kochten und hielt mich reflexartig am Rand des Waschbeckens fest. Im nächsten Moment sah ich die Bilder nicht mehr vor meinem Auge, alles wurde schwarz und ich verlor den Halt. Meine nächste Erinnerung, als ich die Augen öffnete: Rasin war über mir und sah mich mit sorgenvoll-geweiteten Augen an. Ich wusste gar nicht so recht was passiert war. Ich musste von der Jagd tatsächlich so erschöpft gewesen sein, dass ich umgekippt war. Vielleicht sollte ich tatsächlich anfangen, mehr zu essen. Er brachte mich ins Bett und ich schlief unmittelbar danach ein.

Der nächste Tag begann entspannter für mich. Bis zum Abend hatte ich nichts weiter gemacht außer Früchte gepflückt und mir selbst ein paar neue Kleider genäht. Mir fiel es nicht schwer, mich mit Unwichtigem zu beschäftigen. Immerhin wollte ich meine innere Ruhe nicht stören. Am Abend war Wahid zu Besuch, er kam genau richtig zum Essen, welches Zia aufgewärmt hatte. Lammkeulen und Fladenbrot. An und für sich recht köstlich, ich nahm mir auch etwas davon. Drei Bissen schaffte ich zu essen, dann schob ich das Essen wieder von mir. Das war genug für mich. Zia meinte, ich solle mehr essen, zu dürre Frauen seien nicht hübsch. Innerlich sah ich kurz an mir hinab. Ich war nicht dürr, in meinen Augen zumindest nicht. Rasin musste nochmal kurz fort und bat mich darum, nochmal etwas zu essen. Ich lächelte und nickte, hatte ich doch kein großes Interesse daran, wieder zu streiten. Als er weg war schlich ich mich zur Palme, vergrub das Essen in der Erde und erfreute mich daran, dass er mir glaubte, dass ich gegessen hatte. Wahid schmunzelte nur, er hatte das Ganze mit verfolgt. Ich tauschte mit ihm die Schnittmuster und dann sollte der Abend langsam gen Ende neigen. Ich fühlte mich schon wieder sehr erschöpft und mir fielen die Augen beinahe zu. Nichts desto trotz räumte ich die Küche noch auf. Rasin befahl mir noch, langsam zu machen, als es klingelte. Er ging hinaus, während ich weiter sortierte und das Essen auf sparsamem Feuer warm hielt. Wer wusste schon, wer später noch aus der Arena zurück kam und Hunger hatte. Khalida bestimmt. Ich räumte die letzten Gläser zurück in den Schrank und im nächsten Moment wurde mir wieder schwarz vor Augen.

"Das ist nicht normal, Amali." Rasin sah mich wieder an. Ich blinzelte, mittlerweile saß oder lag wieder am Tisch auf den Kissen. Ich würde vermutlich die Tage einfach Celine aufsuchen. Oder hoffen, das Calanithel wieder einmal den Weg nach Menek'Ur finden würde. Ich brauchte aber vermutlich einfach nur Ruhe, um mich vor der Belastung durch die Jagd zu erholen. Die Wärmeunterschiede hatten mich schlicht und ergreifend aus den Latschen gehauen.

Verfasst: Mittwoch 6. März 2013, 08:44
von Malaika Leyla Ifrey
Ich hatte den Tag ohne große Zwischenfälle überlebt. Ich fühlte mich zwar immer noch ein wenig erschöpft, aber nicht mehr so, dass ich jederzeit umkippte. Die Hochzeit war nun schon eine Weile her und langsam kam es mir so vor, als hätte ich mich als Ehefrau gut eingelebt. Khalida meinte, ich sei nun erwachsen. Im Gespräch mit ihr hatten wir auch ziemlich schnell festgestellt, was ich hatte: Ich war einfach nur… faul? Ich musste lachen. Das war mit Sicherheit das, was mir fehlte. Neda, ganz ehrlich: Ich machte mir keine Sorgen mehr darüber, da dieser Tag vollkommen normal verlief. Ich war weder müde, noch irgendwie schlecht gelaunt, noch sonst etwas. Es gib mir einfach gut.

Am Abend hatte ich einige Schnittmuster wieder eintauschen können. Es war mir immer eine sehr große Freude, an neue Schnittmuster zu gelangen und meine Mustermappe füllte und füllte sich. Die neuen Schuhe waren perfekt und das neue Oberteil ebenso. Herr Goderer und auch Tarya hatten noch das eine oder andere Stück, welches mir fehlte und auch Eveliina musste ich noch mehrmals besuchen. Bedauerlich, dass gerade die beiden Damen in Adoran saßen. Ich mochte Adoran nicht. Wegen der Garde und wegen Lilian. Der Vorfall von damals war für mich immer noch nicht vom Tisch. Wobei ich sagen musste, dass mir Renold noch immer in positiver Erinnerung blieb. Wenn ich daran dachte, was passiert wäre, hätten sie Rasin tatsächlich in den Kerker geworfen. Hätte ich gekonnt, hätte ich ihre langen Haare einzeln ausgerupft. Man kann jedem drohen, nur nicht den mir Nahestehenden. Aber leider – leider – war ich nur eine einfache, schwächliche Schneiderin.

Eine weitere erfreuliche Sache: Ich hatte Post von meinen Eltern bekommen. Sie beglückwünschten mich in ihrem Schreiben und man hörte doch die Enttäuschung heraus, dass ich sie nicht zur Hochzeit eingeladen hatte. Wie man es machte, es war falsch. Ich wollte ihnen den Weg nach Menek’Ur nicht zumuten, aber es war in Ordnung für mich, dass sie so reagierten. Vermutlich wäre ich enttäuscht gewesen, wenn es nicht so gewesen war. Sie ließen in ihrem Schreiben Natisha und Fahima grüßen. Ich würde es ihnen bei Gelegenheit einfach ausrichten, denn allzu oft sah ich sie gerade nicht. Den Brief verstaute ich sorgsam in einem meiner Bücher.

Am Abend, nach dem Besuch bei Tarya und wieder zuhause angekommen, verbrachten Rasin und ich noch einige Stunden zuhause. Es war schön, die wenigen Stunden am Tag gemeinsam zu nutzen und es erfüllte mich von Glück und Freude, wenn ich ihn nur für mich alleine hatte. Erst, als er eingeschlafen war, schlich ich mich wieder aus dem Bett und setzte noch ein Schreiben auf. Khalida wollte eine Sklavin, also sollte sie eine Sklavin bekommen. Allerdings würde sie das Schreiben erst am nächsten Morgen einem Boten mitgeben, der die Schriftstücke verteilen ließ.

Verfasst: Sonntag 10. März 2013, 17:54
von Malaika Leyla Ifrey
Was ist es, was hier in mir heranwächst? Was, sag mir, was bist du? Glaubst du, ich kann dich irgendwann akzeptieren? Als einen Teil von mir? Weißt du, ich habe nur Angst davor. Aber was für eine Angst ist es? Dass ich zunehme? Nein, glaube mir. Ich hab vor so viel mehr Angst. Du bist so klein, so zerbrechlich. Eine falsche Bewegung und ein Sturz und ich hätte Angst, dich zu verlieren. Ich glaube, die größte, allergrößte Angst ist es, dich zu verlieren.

Noch bist du so klein. Du wächst in mir heran. Ich ernähre dich. Du wächst. Noch spüre ich dich kaum. Aber irgendwann wirst du treten. Irgendwann wirst du Schluckauf bekommen und es wird mich in Angst versetzen, was mit dir los ist. Bis ich das Gefühl kenne und weiß, dass nichts schlimmes ist. Irgendwann wirst du mir starke Schmerzen bereiten. Du wirst meinem Körper signalisieren, dass du nicht mehr in meinem Bauch bleiben möchtest. Aber dann, nach stundenlangem Kampf werde ich dich in meinen Armen halten. Dich beschützen und dich lieben. Und von einem auf den anderen Moment werde ich dich akzeptieren und dich lieben. Und von einer Minute auf die andere wirst du das Wichtigste in meinem Leben sein: Mein eigen Fleisch und Blut. Du wirst mir nach Wochen das erste Lächeln schenken und mein Leben wird sich um dich drehen. Nur um dich. Du wirst einen Platz einnehmen, der bisher unerfüllt ist.

Aber bis all diese Gefühle auf mich einprasseln werden, ja, bis dahin werde ich Angst haben. Angst vor mir, vor all den Veränderungen, vor dir und vor einem Verlust. Ich werde mit der Angst leben müssen, sie bewältigen müssen, sie akzeptieren müssen.

Die Worte von Celine waren eindeutig. Und sie zerschmetterten meine heile Welt. Sie lächelte mir zärtlich und liebevoll zu, aber ich konnte mich nicht freuen. Nicht darüber. In mir krampfte auf einmal alles zusammen. Ich hatte keine Möglichkeit mehr, meine Gedanken zu sortieren. Ich spürte, dass Rasin meine Hand nahm. Vermutlich freute er sich über die Nachricht ein wenig, auch, wenn er genau wusste, wie ich damit umging. Ich hatte so gehofft, dass nichts passiert war. Aber es war passiert. In mir würde ein weiteres Leben heranwachsen. Das musste ich erstmal verarbeiten. Allein.

Verfasst: Samstag 16. März 2013, 20:37
von Malaika Leyla Ifrey
Mein Leben hatte sich schlagartig geändert. Ich war nun nicht nur eine Ehefrau. Ich war auch noch eine werdende Mutter. Und ich hatte gar keine Wahl. Ich durfte mich nicht mehr entscheiden, die Entscheidung war mir genommen worden. Natürlich, es gab immer Mittel und Wege, um etwas zu beenden. Aber hier ging es um ein Menschenleben. Es gab Tage, da bildete ich mir ein, schon etwas zu spüren. Aber so weit war ich noch nicht. Man sah noch nicht einmal etwas. Es blieb nur dieses mulmige Gefühl mitten im Bauch, dass da etwas Unbekanntes war. Etwas, das in mir heranwachsen, in mir reifen würde. Ich wusste nicht, warum. Aber ich war mir sicher: Eluive hatte sich etwas dabei gedacht. Sie hatte mir diese Prüfung auferlegt um daran zu wachsen, zu gedeihen.

Der Brief, der für Rasin gekommen hatte, schmetterte mich erst recht zurück auf den Boden der Tatsachen. Am liebsten hätte ich ihn versteckt. Irgendwo in der Wüste vergraben oder gar verbrannt. Aber die Nachricht las sich äußerst wichtig. Ich presste die Lippen aufeinander und legte diesen einen Brief auf den wichtigen Stapel. Ich wusste, was das bedeuten würde. Manchmal hasste ich es, dass er Oberhaupt war. Er hatte so viele Verpflichtungen. Bis er nach Hause kam, kümmerte ich mich um den Haushalt. Seit Tagen hatte ich das Haus nicht mehr verlassen, auch, wenn er so darauf bestand. Ich wollte für mich sein. Mit den Umständen alleine klarkommen. Bevor ich mich nicht mit diesem Zustand anfreunden konnte würde ich die Straßen Menek'Urs nicht mehr betreten.

Zwei Tage nach dem Lesen des Briefes veränderte sich mein Leben nochmal. „Amali, ich werde eine Weile verreisen müssen.“ - Die Worte brannten in meinem Herzen und ich wollte sie mit all den Tränen, die über meine Wangen flossen, löschen. Aber die Worte brannten weiter und riefen nur noch mehr Tränen hervor. Rasin nahm mich in den Arm, drückte sich an mich und ich vergrub mich mit dem Gesicht an seiner Schulter. „Ich will nicht, dass du gehst.“ Er drückte mir einen Kuss auf die Haare und mich fest an sich. „Ich weiß, Amali. Ich weiß. Aber ich werde nicht allzu lange fort sein.“
Ich brachte ihn zur Tür und quälte mich zu einem Lächeln. Ich wollte ihn nicht gehen lassen, aber ich wusste, es würde nichts helfen. Er würde erst mal gehen müssen. Diese Sache hatte definitiv Priorität. „Pass auf euch auf. Und achte mir bitte auf das Haus. Ich liebe dich, Amali.“
Als er um die Ecke verschwunden war schloss ich die Tür und ließ mich an dieser hinab sinken und begann bitterlich zu weinen. Ich vergrub mein Gesicht in meinen Händen und ich verfluchte diesen Brief. Ich wusste nicht, wie ich die Zeit bis zu seiner Rückkehr überleben sollte. Der Weg war zudem gefährlich und ich hoffte, dass er heil wieder zu mir zurückkommen würde. Auf einmal war mir mein Zuhause so fremd, das Haus so leer. Ich wischte mir die Tränen erneut aus die Augen, was allerdings nicht viel brachte. Die nächsten Tränen standen schon in den Startlöchern, um weiter über meine Wangen zu kullern. Ich führte meine Hand zu der Kette, die er mir geschenkt hatte und ich sah zum Ehering. Ob es Tag für Tag leichter wurde? Ich seufzte, schluchzte und wusste nichts mit mir anzufangen. Ich würde ins Bett gehen. Das würde sicherlich helfen. Aber das Bett war leer. Seine Seite war fein säuberlich zusammengelegt. Ich lag im Bett und mir war kalt. Ich fror und ich vermisste. Ja, auf einmal war alles so unendlich leer. Im Haus. Und auch in mir.

Zu denken, die nächsten Tage würden vielleicht ein wenig leichter werden, war absoluter Humbug. Ganz im Gegenteil, die nächsten Tage wurden schwerer und schwerer, die Sehnsucht größer und größer. Vermengt mit der Sorge, dass ihm etwas passiert sein konnte. Ich versuchte mich mit Büchern und dem Frühjahrsputz abzulenken. Ich begann, eine neue Kollektion zu entwerfen. Ich war sogar versucht, einen Spaziergang durch die Straßen zu wagen, was ich letztendlich doch wieder ließ. Ich war schwanger, kam damit immer noch nicht zurecht und mein Mann hatte mich zurückgelassen mit all meinen Sorgen und Ängsten. Meine Gefühle schwankten zwischen Wut bis hin zu Trauer, Angst, Einsamkeit. Ich wollte schreien, stattdessen stiegen mir jedoch nur wieder die Tränen in die Augen. Bittersüße Tränen, die ich kaum noch zurückhalten konnte.

Wirklich leichter wurde es erst nach etwa einem Wochenlauf. Diese tiefschwarze Traurigkeit hatte mich langsam aber sicher aus ihren Fängen entlassen und zwischen all den grauen Gewitterwolken traten doch noch ein paar Sonnenstrahlen hinaus. Hier und da konnte ich mir bei dem Buch, welches ich gerade las, ein Lächeln abringen. Und ich konnte anfangen, mich auf seine Rückkehr zu freuen. Und immerhin hatte sein Fortgang etwas Gutes: Ich hatte angefangen, meine Umstände zu akzeptieren. Immerhin hatte er mir einen Teil von sich zurückgelassen. Durch unser gemeinsames, heranwachsendes Kind hatten wir eine so starke Verbindung zueinander. Und dennoch kamen auch die dunklen Wolken immer wieder. Wenn ich ihn brauchte, wenn ich mich nach ihm sehnte. Wenn ich im Bett lag und seine Seite leer war. Kalt war. Ich seinen Atem und seine Wärme nicht spüren konnte.

Eine Hand, die so häufig wie nie ins Leere greift.
Still verwandt, doch so meilenweit entfernt voneinander.
Und deswegen lauf ich planlos durch die Nacht.
Meinetwegen so weit es eben geht.

Verfasst: Montag 25. März 2013, 10:38
von Malaika Leyla Ifrey
Was uns Zuversicht schenkt, gewinnt an Bedeutung.

Er kam früher zurück als erwartet. Auf einmal stand er hinter mir und flüsterte mir ins Ohr, dass er wieder da sei. Die Zeit der Einsamkeit war also vorbei. Die Freude, die ich empfand, konnte ich kaum widerspiegeln. Geschweige denn, jetzt noch einmal in Worte fassen. Er sah mich aufmerksam an, ob ich mich verändert hatte. Aber man sah noch nichts. Nicht einmal eine klitzekleine Wölbung war bei seiner Rückkehr zu sehen. Er versicherte sich, ob es mir – uns – gut ging und ich nickte lächelnd. Vermutlich war er stolz darauf, dass ich es endlich geschafft hatte, mich „damit“ auseinanderzusetzen und es zu akzeptieren. Nein, um ehrlich zu sein: Ich freute mich mittlerweile sogar auf das, was bevorstand.

Die Rückkehr Rasins war nun auch wieder ein paar Tage her. Nein, sogar schon beinahe zwei Wochenläufe. Wenn ich in meine Notizen sah, dann hatte ich noch ein paar Tage und ich hatte das erste Trimester hinter mir gelassen. Diese paar wenigen Wochen waren die gefährlichsten Wochen einer Schwangerschaft. Mittlerweile sah man eine klitzekleine Wölbung, wenn man genau hinsah. Die Übelkeit hatte glücklicherweise nachgelassen, die Gelüste allerdings wurden stärker und stärker. Und ich wurde wählerischer. Die Dinge, die ich früher so gern mochte, konnte ich jetzt in der Schwangerschaft nicht mehr sehen. Auch hatte ich immer mal wieder Albträume. Nicht von dem ungeborenen Kind, nein. Ganz wirre Träume über Krieg, Verlust und über irgendwelche merkwürdigen Monster. Alles in allem war so eine Schwangerschaft verwirrend. Erzählt hatte ich bisher auch noch niemandem davon. Nicht einmal Aaminah und sie war meine beste Freundin. Ich hatte mir sagen lassen, dass man in den ersten drei Monaten niemandem etwas davon berichten sollte. Denn die Gefahr war zu groß, dass der Körper einen Fötus abstoßen würde. Aber nun war alles in Ordnung. Beim nächsten Familienabend würden wir vermutlich verkünden, wie es um mich stand.

Familienabend. Da war doch was. Rasin hatte irgendwas gemurmelt, dass er demnächst einen Familienabend abhalten wollte. Mit ihm als neuem Oberhaupt würde neuer Wind in die Reihen kommen. Wind, der dem einen oder anderen vielleicht nicht passen würde. Aber feste Regeln mussten ausgesprochen werden. Und es würden auch keine Ausnahmen mehr gemacht werden. Ich seufzte. Das konnte ja was werden, aber ich sah dem Ganzen zuversichtlich entgegen. Sobald ein Termin feststand, würde ich das Essen vorbereiten. Die Frage war nur: Was. Alles, was mir einfiel, wollte ich nicht mehr essen. Und alles, was ich essen wollte, konnte man keinem anderen zumuten.

Fragen über Fragen. Und irgendwann würde mir sicherlich eine Lösung einfallen.