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Verfasst: Sonntag 3. Februar 2013, 18:01
von Gast
03. Eisbruch 256

Zwiesprache mit einem Gott, wie spricht man ihn an ohne ihn zu erzürnen und wird man jemals Antworten erhalten können? Mit ernster Miene starrte Althan schon seit eine ganze Weile in die dunkelroten glühenden Augen der Statue, als suche er dort die Antworten auf seine vorhergegangenen Gebete.
War er Seiner würdig gewesen, das Streben ausreichend um ihm Sein Wohlwollen zukommen zu lassen? War er bemerkt worden? Durfte er ihn um Antworten oder um ein Zeichen bitten?
Selten sprach er direkt zu ihm, es sei denn, wenn er sich in einem Gebet an Ihn wandte heute war es anders... unruhig ging Althan vor dem Alatar auf und ab, Ruhe hatte er in der letzten Zeit kaum gefunden.

„Selten spreche ich direkt mit Dir Herr, vieles beschäftigt mich in diesen Tagen. Ereignisse auf die ich keine Antworten habe, nicht dort draußen und nicht im Tempel oder durch die Templerschaft. Dennoch fahre ich fort in meinem Tun, ein jeder Faden wird gesponnen, und jener Faden wird zu einem allumfassenden Netz.
Gefallen wurden verteilt... Gefallen werden wenn es an der Zeit ist eingefordert werden. Einer nach dem Anderen zur passenden Zeitpunkt, die Vorbereitungen haben begonnen. Erfahrungen aus meiner Vergangenheit haben sich bewährt, meine Heimat mir so fern wie seit langem nicht mehr. Der Tempel ist meine Familie, meine Heimat geworden und gefordert die Vergangenheit loszulassen kann ich sie nicht vergessen, sie verfolgt mich. Sie verlangt, fordert nicht zu vergessen.
Ein zweischneidiges Schwert... scharf.

Das Kloster beschäftigt meine Gedanken, Herr... Ketzer haben die schweren Kriegsgeräte zerstört. Ich zweifle nicht die Höheren an man lies sich zuviel Zeit. Sie wussten davon... woher?

Wie sollen wir Mauern zerstören, wenn uns die Mittel dazu fehlen sie niederzureißen?
Du sagst ein Wort ist mächtiger als ein Schwert, mächtiger als die gesamte Armee.
Doch wie... öffnen wir die Tore des Klosters? Mit Worten? Wohl gewählten Worten?
Das Tor öffnet sich nicht so einfach wir müssten jemand im Kloster haben... der es uns öffnet.
Er ist noch ein Junge, ein Welpe in Deinen Augen kann man ihn mit solch Wichtigem betrauen?
Die Zeit ist knapp, zu knapp.
Alles von einem Jungen abhängig machen... Wahnsinn?
Oder von jemand die Schlüssel des Klosters entwendet?
Zwei von nur vielen Gedankengängen... ich will dieses Kloster brennen sehen, brennen Herr in Deinem Namen. Kein Stein soll auf den Anderen bleiben.

Das Gespräch mit der Ahad, meinen Vorschlag... wird er ihr Gehör erreicht haben? Es ist nicht die Sache des Tempels sich in militärische Belange einzubringen, doch ein Einfall ein Impuls in die richtige Richtung? Beratend ihr zur Seite stehen?
Verschiedene Pfade, Herr...
So viel was es alles zum Scheitern bringen kann...“


Die Zwiesprache wurde unterbrochen als Gläubige den Tempel betraten. Althan hatte keine Antwort auf seine Worte erhalten...

Gen Abend hielt er im Tempel Glaubensgespräche ab, viele besuchten den Tempel es war ein Kommen und Gehen. Gemeinsam wurde gebetet bevor sie den Tempel verließen.

„Kniet nieder, damit ich euch segnen kann.
Herr und Gott, der du den Zorn in unseren Herzen hell lodern lässt,
lass uns Deine Nähe spüren.
Segne uns mit Deiner Stärke, segne uns mit Deinem Hass und segne uns mit Blut.
Was Ihm dient, kann niemals sterben.
Was auch fällt, es wird sich erheben, es wird härter und stärker werden.
Er gab uns Augen, um zu sehen.
Er gab uns Ohren, um zu hören.
Eine Stimme, um Sein Wort zu verbreiten.
Die Wahrheit verkünden, auf dass sie nie vergessen werde!“


Er sah einige Fremde deren Namen er erfragte, doch ihre Stimme in seinen Gedanken hätte er unter tausenden Anderen erkannt.
"Ich bin mir sicher du hast ganz andere Namen für mich."
Wieder eine Handlung die er seiner Liste hinzufügte und sie wurde immer länger, verfluchtes Weib... spielt mit dem Feuer. Es war an der Zeit den Krieg zu ihm zu bringen, in sein Haus und zu seinen Bedingungen. Er zog die Brauen zusammen und sah finster zu der Türe welche sich geschlossen hatte.

Der Abschied

Verfasst: Mittwoch 13. Februar 2013, 06:07
von Gast
13. Eisbruch 256

An diesem Abend in dieser Nacht hatte sich der Kreis geschlossen, es war ein Abschied geworden, für immer. Düster blickte er hinab auf das tobende Meer unter ihm, spürte die Wärme der Raubkatze neben sich, die ihn begleitete und lies den Wind ungehindert hoch oben auf dem Leuchtturm an seinen Kleidern zerren.
Kälte durchdrang ihn, eine schreckliche Kälte, welche er hinnahm und dennoch hasste. Hier ist es kalt, verflucht kalt. Anders als in seiner Heimat, die weiten Grasebenen Tetharions, der Hexenwald, der Dschungel von Yahirania und die angrenzende Wüste, die klaren Nächte mit einer Frau im Arm, deren Namen er längst vergessen hatte... süße Erinnerung an eine weit zurückliegende Vergangenheit.
Er schloss die Augen und horchte auf seinen Herzschlag, lauschte auf das Donnern der Wellen, die sich an den schwarzen Klippen brachen und versuchte sich nicht von seiner kalten Wut und dem hell lodernden Zorn verbrennen zu lassen.
Man kann nicht gegen das Meer ankämpfen, niemals wird man es schaffen gegen diese Wellen zu bestehen. Ein Versuch sich oben zu halten, nicht unter zu gehen, doch wie lange ging jenes, bis die Kraft einen verlässt und man schlussendlich doch das Wasser über sich zusammenschlagen lässt, um unter zu gehen und in die tiefe Dunkelheit einzutauchen. Zu leicht... ohne Kampf... er hatte versagt, sie war unbelehrbar.
Sie waren sich in manchen Dingen so ähnlich und in Anderen so verschieden. Er hatte zugelassen, dass sie ihre Spuren hinterlassen hatte, Spuren die nicht sichtbar waren, aber im Augenblick mehr schmerzten als seine geprellten Rippen.

Wahnsinn hatte sie es genannt, das Unternehmen dem er sich vorletzte Nacht angeschlossen hatte. Er hatte die Übermacht gesehen, doch festgehalten an seinem Schwur niemals wieder vor Ketzern zu fliehen und den Kampf gesucht. Er sah wie die Seinen nach und nach überwältigt wurden, bis nur noch er auf seinem Pferd sahs.
Flucht? Niemals wieder... eher würde er versuchen den einen oder anderen noch mit sich zu nehmen, bevor er wie ein Feigling davonrannte. Er spürte die Anspannung des Pferdes, als er es umdrehte und mit einem groben Ruck der Zügel davon abhielt zur Seite zu springen, ob seines abrupten Handelns. Er lies die Zügel fallen und gab ihm die Hacken in die Seite es sprang vor und direkt auf die Gruppe der Regimentler zu, die ihn verfolgten. Waffen, Schilde und Pferdeleiber prallten aufeinander der Kampf dauerte nicht lange, Althan war umzingelt und sein Reittier brach zusammen. Der Aufprall war hart und raubte ihm den Atem, er spürte wie das Gift durch seine Adern kroch ihn langsam lähmte. Wut loderte hell in ihm auf, dennoch konnte er gar nichts mehr tun, als es schwarz um ihn wurde. Er dämmerte dahin, Schmerzen, ein schweres Gewicht auf seiner Brust dass ihm die Luft abschnürte, dann ein Zerren und er war wieder frei. Er wollte leben! Gierig sog er Luft in seine Lungen und gedämpft bekam er alles nur mit. Vaughain hatte ihn unter dem Pferdeleib herausgezerrt, er richtete sich mehr oder minder mit seiner Hilfe auf, gezogen und folgte ihm zu den Anderen, sich einfach mitzerren lassend. Sein Blick suchte nach den Frauen Thanaya und Florentine, dann Cha, Ahad Drugar, Korlay... wo waren die anderen?
Er verfolgte das Gespräch was der Ahad mit dem Paladin führte nur beiläufig, sondern beobachtete dafür seine Feinde schweigend, sich jeden einprägend. Was er an diesem Abend sah brachte ihn zu einer neuen Erkenntnis Bajarder die sich als neutral bezeichneten zogen gemeinsam mit den Ketzern los. Selbst wenn sie die Seinen nicht angegriffen hatten, etwas was er nicht beurteilen konnte, da es im Getümmel unterging. Ab heute würde nichts mehr so sein wie es war. Dann sah er sie, sah sie beten, sah ihr Tun und Handeln und erkannte in diesem Augenblick, dass sie niemals Freunde sein konnten, nicht einmal für einen kurzen abgeschiedenen Moment auf einer kleinen Insel.

Seine Gedanken kehrten zurück zu den heutigen Abend, sein Haus war zum Taubenschlag geworden und sie mitten drin! Er war wütend gewesen, wollte sie anschreien anklagen, doch was hielt ihn zurück sie nicht zu verraten? Sie war seine Sache, ja das war es... es ging keinen etwas an. Er musste es aus der Welt schaffen, irgendwie ohne dass er als Verräter dastand.

Immer noch starrte er hinaus auf die dunkle umwölkte See fest im Griff eines Sturms wurde die aufgepeitscht und schlug mit brachialer Macht gen die Felsen. Gischt spritzte hoch und er schmeckte das Salz.

Wahnsinn hatte sie es in dieser Nacht genannt und für eine kurze Zeit war es so wie früher gewesen, die Wortspiele, sie versorgte seine geprellten Rippen, leise vorwurfsvolle Worte mehr auf sich zu achten, Blicke die sich trafen, flüchtige Berührung und doch war es anders, er wusste was er zu tun hatte... tun musste, doch er schwieg. Er würde verlieren, was ihm nie wirklich jemals gehört hatte.

Er lauschte ihren Worten und erkannte, dass es ihr wichtig zu sein schien was aus ihm wurde, dass er auf seine Art glücklich wurde. Seine Nia, die Last der Welt auf ihren Schultern, meinte mit die Verantwortung für sein Leben und sein Glück wie sie es nannte, auch mit zu tragen. Er musste sie beide von dieser Last befreien, also machte er es ihr leicht und tat ihr diesen Gefallen. Seine Worte waren beruhigend und ruhig, viel zu ruhig. Sicherlich wusste sie, dass er sie anlog... zum ersten Mal.
Es war ein Abschied für immer und damit besiegelten sie ihrer beider Schicksal. Er wusste, dass sie ihm aus dem Weg gehen würde, doch nicht einmal sie hatte die Macht dazu, er wusste dass sie sich wieder sehen würden. Die Umstände würden nun, nach heute Nacht nur weitaus unerfreulicher sein.

Alles was zwischen ihnen den Hauch von Bestand gehabt hatte, war hinfällig geworden...
… sie war seine Feindin.
… eine Ketzerin.
… unbelehrbar.
… unbekehrbar.
… dafür musste sie gerichtet werden.

"Ich glaube völlig an das, was ich tue. Ich bin überzeugt, dass meine Seite die Richtige ist, obwohl sie doch so offensichtlich falsch erscheint in den Augen Anderer."

Verfasst: Mittwoch 13. Februar 2013, 10:14
von Gast
Das Gewissen ist die Wunde, die nie heilt und an der keiner stirbt.
~ Friedrich Hebbel

Der böige Wind in dieser Nacht spielte mit einem einzelnen weißen Blütenblatt, immer wieder überschlug es sich, bis es aus dem Sichtfeld irgendwo in der Dunkelheit verschwand.

Kurz darauf folgte schon das Zweite, es purzelte und tollte, berührte fast das feuchte Gras, um dann auch schon wieder herumgewirbelt zu werden und ebenso wie das Erste in der dunklen Nacht zu verschwinden.
Eine ganze Weile gab sie dem Spiel neue Nahrung, dann zogen sich die kalten Finger zurück in die Tiefen der Tasche, der Blick der bernsteinbraunen Augen wanderte einmal über den kleinen Hügel und sie ließ sich im Gras nieder.

Wieder zupfte sie eines der Blätter, aber dieses Mal beließ sie es zwischen den Fingern.

Wie lange hatte sie leben dürfen?
Drei Mondläufe?
Zwei?
Einen halben Jahreslauf..?

Sie war sehr viel länger mit Leben gefüllt gewesen, als es überhaupt vorgesehen war. Eigentlich.. war sie mehr hinein gestolpert, als dass es einen wirklichen Plan dahinter gegeben hätte.


`Ich habe dich gestern beobachtet.. das war eine ganz andere Frau... die die du bist?‘
‚Liegt vielleicht am Gold..‘
‚Die die du für das Regiment und die Gräfin sein musst, ist es das wegen dem Gold?`
‚Es gibt Dinge die kann man ablegen, wenn man die Rüstung zurück lässt.`
`du bist eine kleine Lügnerin..`

Nein, wir alle können mehr haben, als nur eine Facette, auch wenn es tief im Inneren vergraben liegt, dennoch ist da mehr, als auf den ersten Blick zu sein scheint.
Irgendwo in ihr hatte sie lange geruht, das junge naive Mädchen, das noch wusste, wie es war, an einem warmen Sommertag mit bloßen Füßen über das Gras zu wandern, die Sonnenstrahlen im Gesicht zu genießen und sich dann dort hin treiben zu lassen, wohin die nackten Füße sie trugen.

Weit entfernt von der Verantwortung für Andere, der Pflichten, des Krieges, einfach einmal.. den lauen Sommertag genießen. Fern davon, dass hier Jemand mehr sehen würde, als eine junge Frau, die über die Freuden des warmen Sommertages, wohl alles andere vergessen hatte.

Aber wie alles was man tat, gleich eines kleinen Steines, der im Wasser untertaucht, zieht kleine Kreise nach sich, Wellen, die ohne den kleinen Störenfried nie entstanden wären.
So schien es auch mit den Dingen zu sein, bei denen man gar nicht vor hatte, etwas anzustoßen. Vielleicht schlugen gerade dann die Wellen besonders weit.
In diesem ganz speziellen Fall, hatten die kleinen seichten, Wasserwellen den Kiesel nicht gefragt, bevor sie sich ausbreiteten und unaufhaltbar etwas anstießen.

Es war wohl ein sehr tiefer See gewesen, denn erst am heutigen Abend war der Grund gefunden. Fast lautlos hatte das Kieselchen das Ende seiner Reise erreicht, um sich dort nieder zulassen, bis vielleicht eines Tages ein starker Sturm dafür sorgt, dass es erneut in Bewegung geriet. Aber das lag wohl längst nicht mehr in der Macht des Steines…

Die angezogenen Beine eng umschlungen, verweilte sie noch sehr lange auf dem kleinen Hügel, den Blick in die Ferne gerichtet, wartet sie bis die ersten Sonnenstrahlen die Landschaft berührten und in ein ganz eigenes warmes Licht tauchten, um die trostlose Dunkelheit der Nacht zu vertreiben.


`Besser so, als irgendwann vielleicht auf dem Schlachtfeld.`

‚Dort werden wir uns wieder sehen... was bisher Bestand hatte ist ab heute hinfällig‘


Am 13. Eisbruch in den frühen Morgenstunden hatte eine junge Frau, die nur selten wagte den Blick zu heben, das Haar feuerrot, die Füße stets schmutzig und frei vom Schuhwerk, ihr Leben ausgehaucht..
Nur wenige hatten Nia in ihrem kurzen Leben kennen lernen dürfen.

Verfasst: Dienstag 2. April 2013, 17:00
von Gast
02. Wechselwind 256

So viel war in letzter Zeit geschehen und wo er meinte keinen Gedanken mehr an sie zu verschwenden, wusste er dass er sich selbst nur belog. Die Wunde die gerissen worden wahr, die Wunde die er meinte, dass die Zeit sie heilen würde schien immer noch in seinem Innern zu schwären und ihn unempfindlich für andere Gefühle zu machen, außer dem wilden Hass und lodernden Zorn.
Oh ja, er pflegte sie jene Wunde zeigte sie ihm seine eigene Schwäche nur zu deutlich jeden Tag seines Lebens auf.

Er ballte seine Hand zur Faust und sah in die ersterbenden Flammen der Feuerstelle, in seinem Haus war es still... wieder hatte er im Namen des Alleinen etwas geopfert an dem er, es sich selbst niemals eingestehend, gehangen hatte... Askavi, die junge Pantherin, wieder einen Teil seiner Vergangenheit den er abstreifte, was er Ihm bereitwillig gab.

„Erst wenn man alles aufgegeben hat was man liebt, ist man unangreifbar für Andere“, murmelte er düster.

Sein Gesicht lag im Schatten und gab nichts von den Gefühlen preis, welche ihn aufwühlten. Das Gespräch mit Anastasia war wieder einmal in einem Streit geendet, beide hatten ihre Standpunkte, ihre Vorstellungen und keiner schien auch nur einen Fingerbreit nachzugeben, um jene durchzusetzen.
Es war wieder ein zähes Ringen gewesen und er wusste, gab er ihr auch nur einen Hauch nach, würde sie ihren Willen bekommen, zu ihren Bedingungen und genau das würde niemals geschehen. Wieder war jenes Gespräch an einen Punkt angelangt wo ein Wort des Nächste gab und er hatte es vorzeitig beendet, sie im Zorn verlassend.

Er beugte sich vor verschränkte die Hände ineinander und sah grimmig in die tanzenden Flämmchen. Verfluchtes Weib, ich werde nicht dein Spielzeug sein, schwor er sich nicht zum ersten Male.
Das Holz knackte leise... es geht nicht um mich, nicht um sie... wenn sie unbedingt ein Kind austragen wollte, war es gleich wer der Vater war. Egal welcher Mann, er würde nur die zweite Wahl hinter einem Letharen sein... er lehnte sich zurück und musste flüchtig schmunzeln, abwarten und beobachten.
Tage würden ins Land gehen, Wochen und Monate, wenn nicht Jahre und was sie dann nicht haben würde wäre... Zeit.

Still war es in seinem Hause, er hasste die Stille und jenes Gefühl, wenn die Wände näher zu rücken schienen und er sich vorkam wie ein eingesperrtes Tier. Er stemmte sich in die Höhe und ging unruhig umher, keine Gefährtin an seiner Seite die seine unstete Wanderung mit ihm aufnahm. Keine Berührung in warmes seidiges Fell und das Gefühl nicht so allein zu sein... selbstgewählte Einsamkeit, hatte es sein Bruder genannt.

So war er wutschnaubend und voller Zorn gen Tempel maschiert, um dort auf Catula Ysarja zu treffen. Sie sprachen miteinander, etwas schien sie zu beschäftigen und er lies nicht locker bis er es erfuhr. Er musste schwören, dass er 3 Wochen lang nichts unternehmen würde, obwohl ihm eher anders zumute war.
Deavon kam noch hinzu in Begleitung von Katharina und wenige Zeit später tauchte auch Ahad Swynedd wieder auf. Auch wenn er nach außen hin unbewegt und unnahbar wirkte, als er sie sah, konnte er jenes Gefühl von neu auflodernden Zorn nur schwer kontrollieren. Doch hier draußen war alles anders, nicht Mann und Frau die zähe Verhandlungen führten, sondern Klericus und Ahad.

So sprachen sie über Ehrfurcht und welche Prüfungen der Alleine uns auferlegt. Er wollte Ysarja einer Prüfung unterziehen, wobei jene Anwesenden die Zeugen sein würden, wie das Urteil des Alleinen ausfallen würde. Wie also verschaffte er jener jungen Catula zu mehr Selbstbewusstsein, dass ein Höherer so zerstört hatte nur weil sie ihre Meinung vertreten hatte?
Sie war eine Templerin und sie war seine Schwester im Glauben. Nicht, dass er heute schon genug mit sturen und halsstarrigen Weibern zu tun gehabt hätte, ging es natürlich mit Ysarja weiter.
Sie wollte nicht gegen einen Panther kämpfen den Althan mit der Macht des Alleinen zu sich gerufen hatte und so ging er und holte seinen Panther, Askavi.
Er hatte sich entschlossen jenen Weg bis zum Ende zu gehen und erkannte nun, dass der Alleine auch ihn damit zu prüfen schien. Wie weit bist du bereit zu gehen, Althan... gibst du etwas dafür, was du liebst? Askavi folgte ihm, ihm vertrauend... ihm gehorchend, nie hatte sie seine Entscheidungen in Frage gestellt... nie gezögert.
Sie war ein Teil von ihm, er hatte sie ausgebildet und ja, sie bedeutete ihm etwas. Anders als eine Frau hatte sie ihn nie verraten, nie enttäuscht und ihn geschützt, ohne etwas zu fordern. Sie war auch nicht so stur, wiedersprach nie... die perfekte Gefährtin.
Auf seine Geste hin griff dann Askavi Ysarja an. Der Kampf war zäh und die Raubkatze bohrte ihre Krallen tief in Ysarjas Fleisch, wenn sie eine Lücke in der Deckung fand und in die Rüstung eindrang. Das Blut beider vermischte sich und am Ende unterlag die Raubkatze und hauchte auf dem Boden des Tempels ihr Leben aus.

Unbewegt sah Althan zu, nur ein Muskel zuckte auf seiner Wange, er hasste sich selbst dafür, dass er jenen Pfad bis zum Ende gegangen war, doch er wusste dass er beobachtet wurde.
Spürte ihre Blicke auf sich forschend, ihn versuchend zu analysieren. Die Raubkatze war nur Mittel zum Zweck gewesen, vielleicht trat nun auch Erkenntnis ein bei Anastasia.
Er sprach die Worte, die ein Klericus sprechen würde und stellte sich Ysarjas lodernden Zorn der in ihren Augen deutlich zu sehen war. Sie umarmte den leblosen Leib und trug ihn hinaus aus dem Tempel, woher ihr magerer Leib die Kraft dazu nahm, wunderte ihn... wahrscheinlich geschah es ihm einfach nur zum Trotz.
Wieder einen Schritt weiter gegangen, der in seinem Leben Konsequenzen nach sich ziehen würde, doch heute nicht nur in seinem... auch Ysarjas Leben würde sich bald mehr ändern als ihr lieb sein würde.


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Verfasst: Mittwoch 3. April 2013, 15:43
von Ira Lisarias
“Blödes Arschloch“murrte die junge Frau als sie sich deutlich nach Verstreichen der Mittagszeit aus dem Bett rollte und unsanft auf dem Fell vor dem Bett aufschlug. Sie könnte hier den ganzen Tag verbringen, aber irgendwas trieb sie raus und während sie selbst in einem schizophren anmutenden Kampf mit sich selbst rang, dachte sie an den gestrigen Tag. „Wer von den beiden war der größere Bastard“ – sie wusste es nicht genau, umbringen wollte sie am liebsten beide. Und warum überhaupt dachte sie an die beiden noch vor dem Frühstück … Mittagessen … was auch immer es gerade gab. Wieder diese Gesichter vor ihren Augen. Hrathen und Althan. Schweinepriester! – Murrend und mit einem Anflug von Hass blieb sie träge liegen. Die Beine noch im Bett, der Oberkörper unten auf dem Fell.

Geistig waren beiden zwar mehr als die anderen in Rahal auf der Höhe aber trotzdem noch grauenhaft. Religionstheorie als ein hohes Gut zu betrachten … Armseelige Gestalten. Sie selbst wäre eine großartige Templerin, sie kannte den elendigen Glauben der anderen und konnte ihn besser Argumentieren als diese selbst. Sie brauchte keine erbärmlichen Gebote die nur eine unzureichende Verkürzung und Komprimierung der Theologie für die geistig armen darstellte. Gebote – das waren Glaubensbrocken für jene die nicht mehr begreifen. Eine nette Idee, aber ein deprimierendes Eingeständnis Rahals an sich selbst.

„Eigentlich müsste dieser Dreckspriester feuchte Träume bei dem Gedanken an mein Genie bekommen.“ Aber dafür bräuchte es sowas wie ausreichende Selbstwahrnehmung wie genial sie war – aber das hatte er sicher nicht. Und er hatte noch ihre Schnapsflasche. Und ihr Krautetui. „Verdammt“da waren sie wieder … die Probleme des Alltags. Sie blieb noch einen Moment liegen.

Verfasst: Donnerstag 4. April 2013, 11:35
von Gast
04. Wechselwind 256

Allen Vorstellungen zum Trotz hatte Althan alles andere als feuchte Träume in Erinnerung an die geistigen Ergüsse jener jungen Suchenden im Glauben. Bedauerlich, dass seine Zeit so begrenzt war, um jenem Fräulein mehr auf den Zahn fühlen zu können, immerhin behauptete sie, dass die Erhabene Tetrarchin Aliyahna eine Abhandlung ihrer Gedanken bekommen hatte. Er hoffte jene sich zu Gemüte führen zu können.. irgendwann, doch ansonsten verschwendet er keinen Gedanken mehr an jene junge Frau... genug hatte er um den Ohren und alles was ihn persönlich oder seine Rachegelüste betraf trat immer mehr, schon seit langer Zeit, in den Hintergrund.
Er öffnete die kleine Schatulle und betrachtete die beiden Gegenstände, welche er der kleinen Kröte damals entwendet hatte. Er schien flüchtig enttäuscht, dass die Dinge scheinbar keinen Wert für sie zu haben schienen, um ihren Weg bis zu ihm zu finden. Auch etwas Unerledigtes, diese Jagt... er hasste unerledigte Sachen.
Die Truhe wurde wieder zugeklappt und er sah hinaus in die Nacht.

Ganz weit im Osten brach schon die Dämmerung herein, wieder hatte er in dieser Nacht keinen Schlaf gefunden, Gedanken die ihn beschäftigten und ihn nicht zur Ruhe kommen lassen wollend.
Freundschaft, was bedeutete jene Freundschaft, wenn man nicht offen sagen durfte was man dachte? War jene Freundschaft und Respekt für ihn nur eine Illusion gewesen? Wenn man bisher glaubte, dass derjenige den man als Freund und Vorbild gesehen hatte, sich auch nur hinter seiner Mauer aus einem Rang in der Hierarchie zurückzog? Jenes Bild hatte Kratzer bekommen und er war enttäuscht, ob seiner Worte.
Enttäuscht, wie wenig er ihm zu vertrauen schien, sondern es schlussendlich nur auf eine Reduzierung der Bedürfnisse einer Gemeinschaft gewesen war, die sich ausgegrenzt vorkam. Er schüttelte langsam das Haupt und sein Mundwinkel zuckte flüchtig. Er war derer so müde geworden, dieser Gespräche, die sich nur um die Bedürfnisse Anderer zu drehen schienen und sich mehr um das zu kümmern schienen was sie glaubten zu sehen oder zu verstehen, im Namen der Einigkeit im Reich.
In seinem Hause sah er ihn als Freund an, auch als Ahad und doch musste er enttäuscht sich eingestehen, dass jener auch nicht anders war und sich hinter seinen Titel zurückzog, um ihm mit der Tetrarchin zu drohen. Selbst seine Zustimmung, dass ihn zwei der Prätorianer begleiten konnten, um ihrer Pflicht nachzukommen, es aber von ihm aus nicht notwenig war schien ihn nicht mehr zu erreichen.
„Die Prätorianer sind zum Schutz des Tempels und damit auch dem Schutz der Tetrarchin befohlen, Clericus.“
„Richtig... und sofern sie mich beschützen wollen.“ Eine einladende Geste unterstreicht seine Worte.
„Doch es ist nicht notwendig. Sie kennt meine Meinung .. wer sich nicht selbst schützen kann, ist zu schwach... doch ich unterstütze sie in ihrem Wunsch.“
„Das rate ich euch auch an, Clericus.“
„Was meint ihr? Ahad Drugar? Droht mir nicht...“
„Richtet ihr nochmals in dieser Form Wort an mich. Werde ich euch an eurer Kutte vor die Tetrarchin zerren, Clericus. Findet euren Platz und besinnt euch eurer Position als Glaubensdiener“
„Wenn ihr meint euch wegen meinem Verhalten als Glaubensdiener bei der Erhabenen zu beschweren macht jenes. Wenn ihr meint euch wegen meinem Verhalten als Mitglied der Pranke zu tun... macht auch jenes.“
Ein Wort gab das Nächste er war offen und ehrlich, wieder etwas was ihm Ärger einbringen würde.
Anastasia dazwischen hatte er fast vergessen, bis zu dem Zeitpunkt wo sie sie beide anherrschte. Er hielt sich unter Kontrolle, die Maske tragend von der sie wusste, was sich dahinter verbarg. Der Mann der einfach jemand aufs Maul hauen wollte, der Mann der er früher einmal war. Früher war manches einfacher gewesen eine Prügelei und dann ging man zusammen einen trinken, so einfach war es hier leider nicht. Er dachte an die Seinen, an die Mitglieder der Pranke, an Arion und Keyra... so lies er Anastasia sprechen.

„Es wird Zusammenarbeiten mit den Prätorianer geben, mit der Stadtwache, mit dem Tempel
Aber der Pranke steht genauso eine gemeinschaftsinterne Veranstaltung zu, wie den anderen Gemeinschaften! Niemand kommt zu kurz, niemand wird ausgeschlossen! Es kommen Veranstaltungen, die wir gemeinsam mit den Prätorianern, oder sonst einer Gemeinschaft bestreiten.
Und ich habe Dir bereits das letzte Mal zugestimmt, Eloriahus. Dein Wunsch stößt nicht auf taube Ohren. Doch es sollte sich niemand angegriffen fühlen, wenn wir als Gemeinschaft einmal etwas unternehmen. Ich weis nicht, was Herr Amon sagte und in welchen Zusammenhang, Eloriahus. Du kennst aber meine Worte und auch die Worte des Clericus. Niemand verschließt sich. Wir sind EIN Reich und verfolgen EIN Ziel.“


Er reichte ihm die Hand in Freundschaft, welche nicht ergriffen wurde. Er nahm es hin, wie so vieles in letzter Zeit. An einem anderen Tag würde er es erneut versuchen, doch heute nicht.

Wieder erinnerte er sich an die Worte des letzten Alkas, nein... es würde nie leichter werden und jeden Tag merkte er es deutlicher als zuvor. Er war kein Schaf, dass in der Herde ging ohne nachzudenken er hatte einen Mund und auch einen Verstand, er würde nicht schweigen, sondern die Konsequenzen tragen so wie bisher. Er wurde mit jedem Tag wohl weiser und klüger, würde andere Dinge nun anders handhaben... doch war er immer noch klar bei Verstand.

Dann am Abend die Abholung des neuen Alkas... ein bedeutender Augenblick, der dennoch an den Rande seiner Aufmerksamkeit trat. Alkas kommen und gehen, er fragte sich wie lange jener regieren würde.

Die ersten Vögel begannen ihr Lied zu singen und kündeten den anbrechenden Tag, immer noch hielt er den Blick gen Osten gerichtet und hing seinen Gedanken nach.
Deavon und Katharina, beide junge Suchenden im Glauben und beide ein Teil jener Gemeinschaft, in die er sich eingegliedert hatte. Es war ein langes Gespräch an jenem Abend gewesen und nur langsam hatte er die Maske, die er trug abgelegt und ihnen gezeigt welcher Mann sich dahinter verbarg.
Ein Mann der jede Entscheidung auf seinem Weg hinterfragte und die Handlungen seines Tuns streng beurteilte, um ein gutes Vorbild zu sein und das Vertrauen, dass jene in ihn steckten zu verdienen und sie nicht zu enttäuschen.
Wieder ein tiefer Atemzug, ein neuer Tag und dennoch hatte sich die Welt um ihn herum erneut verändert. Man konnte es nicht allen recht machen, man verlor Freunde und gewann neue, doch würde er seinen Pfad weiter verfolgen und am Ende würde nur Er allein seine Taten beurteilen, über ihn richten... in dieser Welt, vertraute er den Entscheidungen der Höheren, alles andere würde sich zeigen.
Mit einem Schmunzeln fragte er sich im Stillen wie lange es dauern würde, bis er bei der Tetrarchin zu einem Gespräch erscheinen dürfe. Das letzte Mal nach nur sechszehn Stundenumläufen...

Verfasst: Mittwoch 22. Mai 2013, 11:03
von Gast
22. Eluviar 256

Manchmal kann man einfach keine gute Wahl treffen, sondern nur eine die weniger schmerzhafter ist. Er hatte eine Wahl getroffen, eine Entscheidung die ihre Kreise zog eine Entscheidung, die sie dazu verlassen hatte im Zorn sein Haus zu verlassen. Ihre Worte hatten sich unauslöschlich in sein Gedächtnis eingebrannt... Du, brauchst niemanden!... und ihr Ausbruch hatte ihm gezeigt, dass sie es nicht verstanden hatte... ihn nicht verstanden hatte.

So waren die nächsten Tage mit Strebsamkeit erfüllt, um zu vergessen, so viel zu tun, so viele Verpflichtungen und junge Suchenden im Glauben, denen er zur Seite stehen wollte. Doch in den Nächten... wenn er nicht schlafen konnte, wenn er über seinen Büchern sahs, um sein Wissen zu Papier zu bringen für kommende Generationen im fahlen Schein der Kerzen, fühlte er sich allein. Es war nur ein Raum, eine leere Hülle ohne Leben, der in der Dunkelheit sich vor ihm ausbreitete, als ein Zuhause hatte er nie wieder empfunden, nicht seitdem Nia gestorben war.

Seine Vögelchen hatten ihm berichtet, dass die Ketzer sich in Bajard sammelten und jemand gesucht wurde, der im Reich oder dem Fischerdorf vermutet wurde. Das würde seine Pläne deutlich erleichtern, er wusste wo sie waren und so würde er sein Werk an anderer Stelle vollziehen können, ohne gestört zu werden. So packte er seine Sachen und zog gen Osten nachdem die Sonne unter gegangen war, sein Weg führte ihn zum Wegekreuz, am neuen Dorf der Gesellschaft Kompass und Schwert vorbei gen Dunkelmoor.
Nichts hätte ihn mehr überraschen können, als jene verwahrloste Gestalt dort am Feuer, er musste zweimal hinsehen, um sich zu überzeugen, dass es wirklich Sophie war. Sie trug die Robe ihrer Akademie und starrte in die Flammen des kleinen Lagerfeuers. Er setzte sich zu ihr, betrachtete sie und sprach lange mit ihr, nahm die Gelegenheit wahr die sich bot.
Worte, viel stärker als eine andere Macht, Erkenntnis erschaffend, was sie zu ängstigen schien. Sie kam ihm vor wie seine junge Pantherin, stark und dennoch zögernd ihre Kräfte einzusetzen, davor zurückschreckend und sich in Fesseln legen lassend, anstatt sich fauchend zu erheben und zu sein. Seine Worte darauf ausgelegt sie zu verführen sich auf Seinen Pfad sich zu begeben.
Worte mit soviel Wissen, gewoben ein Netz jeder einzelne Faden ein Strang, so fein doch fest an dem sie entlang streifen würde, um ihr zu helfen zu erkennen. Freunde, die keine waren. Demütigung, welche sie wachsen lassen würde. Schmerzen, die ihr zeigen würden, dass sie stärker war als Andere dachten.
Der hell lodernde Zorn in ihr, welcher ihr Seine macht und Nähe demonstrierte. Er gab ihr das Gefühl nicht allein zu sein, er teilte einen Teil seiner Vergangenheit mit ihr und als er sie verließ schien er zu spüren, dass sie Saat in ihr war und die Zeit zeigen würde, ob sie aufging. Lies sie zurück mit der Erkenntnis, dass er sie als Templer immer begleiten würde, wen sie es zuließe.
So machte er sich auf weiter gen Osten, seinem Ziel entgegen.

Schweigen, wohltuend die Geräusche der Nacht... in der Nähe hörte man das leise Murmeln eines Baches. Die Lichtung war verlassen und ein warmer Wind strich durch die Blätter der Bäume. Althan hob langsam das Haupt als er jene Stelle betrachtete, ein dunkler Schemen nur, das tiefe rot der Robe verschwamm zu einem dunkelgrau, als die Sonne untergegangen war.
Er umkreiste den Platz und schien alle äußeren Einflüsse auszublenden, die Geräusche der Nacht, die Gerüche nach Sommer und feuchter warmer Erde. Er schloss die Augen, legte den Kopf in den Nacken und sprach mit leiser intonierender Stimme.

„Allmächtiger, ich, der Dir stets treu ergeben bin,
erbitte Dich um Deine Macht.
Fülle meinen Geist und Körper damit.
Damit ich Deinen Willen mit mehr Effektivität
ausführen kann und sie Dich erkennen.

Auf das Deine Ziele mit meinen Händen,
in Deinem Namen erreicht werden können.
Bereichere mich der ich Dir treu ergeben bin,
erfülle mich mit Deinem lodernden Zorn.

Nimm meinen Körper als Gefäß für Deine Macht.
Sieh auf meine Taten und Handlungen,
die ich in Deinem Namen ausführe.
Oh Allmächtiger, erhöre mich und lasse mich
an Deiner Macht teil haben.“

Als er die Augen öffnete erschienen sie verändert, tief dunkelgrau von einem inneren Glühen beseelt. Er hob die Hände an und ein tiefes Grollen kam aus seiner Kehle. Er bewegte seine Handfläche und wandte sie gen Boden, spürte wie ein heller Schmerz in ihr brannte, doch alles was man von Ihm erbat hatte einen Preis und er hieß die Schmerzen willkommen.
Zischend lies er die Luft über seine Lippen entweichen und er vollführte eine allumfassende Bewegung vor sich auf den Boden. Das Gras fing Feuer und gierig suchten sich die Flammen, die doch keine waren, Nahrung und breiteten sich aus. Zischend verdorrte das Gras, verschrumpelte zu grauen Fäden, die der Westwind mit sich nahm.
Asche stieg empor und umhüllte den Templer. Der Boden, Blumen, Gräser und kleine Insekten, wurden von dem unheimlichen Feuer verschlungen, welches er unter Kontrolle hielt. Groteske Schatten bildeten sich und die Gestalt wurde einer von ihnen, wurde umhüllt von der Glut und aufstiebenden Funken, die ihm nichts anzuhaben schienen.

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„Allmächtiger, ich, dein Diener rufe dich an!
Wir führen einen Krieg, einen heiligen Krieg!
Wir sind auserwählt Dein Ziel in dieser Welt zu erreichen.
Zu zerstören was Eluive hier wachsen lies.

Berühre dieses Land mit Deiner Macht.
Lasse sie wissen, dass Du jenes Land beanspruchst.
Lasse mich Dein Werkzeug sein,
sie jenes erkennen zu lassen.

Ein Zeichen soll gesetzt werden,
dass von Deiner Macht und Größe kündet!
Auf, dass sie erkennen dass sie lernen
zu sehen, zu hören und zu verstehen.

Es gibt keinen anderen Gott neben dir!“


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Das klerikale Feuer schuf einen übergroßen Abdruck einer Pantherpfote. Es hatte den Anschein als ob Alatar jenes Land berührt hatte und ihm Sein Zeichen aufdrücken wollte, jenes Zeichen, dass man in der heiligen Stadt Rahal im Tempel, auf den Plätzen und vor dem Tempel fand. Die Umrisse waren exakt nachgebildet und die Ränder scharf. Der Pfotenabdruck selbst jetzt noch rotglühend vom Feuer zerstörte alles Leben was dort existiert hatte, die Erde war tot und ausgelaugt. Die aufsteigenden Funken wurden vom Westwind erfasst und hoch in die Luft getragen, sie umspielten einen Baum, tauchten ihn in einen unheiligen Schein, ehe das Feuer Nahrung fand und begann die Blätter zu mit einer rasend schnellen Gier zu verzehren. Dunkelrote Flammen leckten an den Ästen und Rinde, grauer Rauch stieg auf, durch das feuchte lebendige Holz. Die Züge des Templer waren hart und bar jeden Gefühls, wie er den Todeskampf jenes Baumes beobachtete, die Flammen würden ihn verzehren... suchend nach Nahrung... kein normales Feuer, sondern Seine Flammen. Dann langsam, als der Baum umgeben war von Seinen Flammen ein zufriedenes Lächeln was der Templer sich doch erlaubte... es war vollbracht. Erschöpft lies er die Hände sinken.
Der Herr gibt und er nimmt... er war erschöpft, fühlte sich all seiner Kraft beraubt und ausgelaugt. Ein trockener Geschmack machte sich in seinem Mund breit, als er auf ein Knie sank und sein Haupt senkte.

„Ich kniee vor Dir in Ehrfurcht, Deinen Segen erbittend.
Herr und Gott, der du den Zorn in meinem Herzen hell lodern lässt,
lass mich Deine Nähe auf ewig spüren!
Segne mich mit Deiner Stärke, segne mich mit Deinem Hass
und segne mich mit dem Blut Deiner Feinde.

Was Ihm dient, kann niemals sterben.
Was auch fällt, es wird sich erheben,
es wird härter und stärker werden.

Er gab mir Augen, um zu sehen.
Er gab mir Ohren, um zu hören.
Eine Stimme, um Sein Wort zu verbreiten.
Die Wahrheit verkünden, auf dass sie nie
vergessen werde...
… es gibt keine anderen Götter neben Ihm!“

Er fühlte sich gestärkt, doch er wusste in einer Konfrontation würde er sich nur auf seine Fähigkeiten als Kämpfer verlassen können, Alatar hatte alles von ihm gefordert und nichts Seiner Macht ihm gelassen. Er war geschwächt und sollte nicht länger hier verweilen, der Rauch und Geruch ebenso wie die unheimliche seltsame Glut würde bald jene anlocken, denen er im Augenblick nicht begegnen wollte.
So stolperte er durch den Wald... gen Süden, dann irgendwie weiter gen Westen, so war der Plan.

Im Dunkel tat sich ein Gebäude auf, ein Name eine Erinnerung, die Gewissheit, dass er nicht hier sein sollte. Sein Blick senkte sich auf die Stufen, ein Schmunzeln als er sich an die Worte des Alkas Isidor erinnerte... Bei den Büchern ich hätte es mir denken können... und er trat ein. Irgendwann wären Bücher nochmal sein Tod, wenn man ihn sucht, schaut man am besten in einer Bibliothek nach.
Viele Monde hatte er sie nicht gesehen, versucht zu vergessen und ein Leben in Rahal zu leben nur eine Hülle seiner Selbst, Sein Werkzeug, dass zuverlässig seinen Dienst tat. Nicht viel wurde gesprochen, Gedanken die Gleichen, Worte die Selben und dann Schweigen dass sich ausbreitete, welches er als wohltuend empfand. Zuhause... Erinnerung an vergangene Zeit, ohne Bedauern.
Sie waren einander so ähnlich und auf ewig getrennt durch die Reiche und den Glauben. Er musste fort von hier, der Gedanke huschte durch seinen Geist, doch seine Füße versagten ihm den Dienst. Als sie gegangen war, gab es für ihn keinen Grund mehr zu bleiben.
Ein Schatten verließ zu später Stunde die Bibliothek ohne sich umzublicken und wurde dann eins mit der Nacht.


(Danke an meinen Helfer-GM <3)

Verfasst: Montag 27. Mai 2013, 13:25
von Gast
"Wirst du nun ein böses Mädchen?"

Sie hatte die Demütigungen über sich ergehen lassen. Kürzlich wurde sie an den Pranger gefesselt, und Schaulustige bewarfen sie mit faulem Obst, Eiern und stinkendem Fisch. Verspotteten sie, nannten sie eine "Ketzerin". Selbst ihre sich durch die zahlreichen Geschosse entblößende Haut störte sie weniger, als die schmerzenden Zurufe. Dazen sprach mit ihr, und sie erklärte sich: "Ich habe den Krieg nicht anfangen wollen, da ich Freunde auf dieser Seite habe." Zorn keimte in ihr auf, und sie fügte fauchend hinzu: "Nur, weil sich irgendein Arschloch aus der Gesellschaft nicht zurückhalten konnte, und einen Pfeil auf den Letharen abfeuern musste, krieg' ich nun alles ab!" Wie eine Raubkatze in Fesseln rüttelte sie knurrend an den Ketten. Unter Rage ließ sie ihrem Temperament freien Lauf, wurde ausfallend vulgär, und gar nicht ihrem Stand einer hohen Magistra entsprechend. Sie wollte kein Teil des Krieges mehr sein, nicht frühzeitig sterben, und sich weiterhin um Tochter und Akademie sorgen. "Dann wäre es sinnvoller, die Gesellschaft zu verlassen", riet man ihr. Tatsächlich verkörperte die Vereinigung alte Werte nicht mehr: Einst ein offenes Gasthaus für jedermann, das Neulingen - ungeachtet ihrer Abstammung, Glauben und Gesinnung - half, wurde mehr und mehr zu einem parteiischen Zwischen- und Stützpunkt im Lichten Reich. Parteiisch - das wollte Sophie eigentlich nie sein. Und dennoch traf sie vermehrt der Schlag: Ein Lethar, der sie blutig niedergeschossen hatte, einen zweifelhaften Dienst als Übungspuppe fürs Bogenschießen, nachdem man sie zum Donnerholm brachte, und glühender Hass, der selbst vor Freundinnen keinen Halt machte: Obgleich Samisha einen Platz in ihrem Herzen gefunden, und Alin sie am Donnerholm vor weiteren Geschossen schützen wollte, warf sie wutentbrannt einen Feuerball nach der ersten, beschimpfte und beleidigte sie aufs Schlimmste, und die zweite wurde von mannshohen Feuerwesen lebensbedrohlich in Brand gesteckt.

"Hörst du mich, Eluive!? Du widerliches Stück Scheiße!", fauchte Sophie, kurze Zeit vor dem bevorstehenden Pranger, in der Nähe einer östlichen Lichtung. "Erst hat mich Temora verlassen, und nun du! Ich hasse dich. Gottverdammt! Ich hasse dich, wie die Pest!, schrie sie ungehalten ins vermeintliche Nichts. Die Stimme war alkohol- und wildkrautgeschwängert, rauchig, kehlig, und mehrere Male musste sie kräftig husten, um weitere Hasstiraden erfolgen zu lassen: "Ich werd's euch zeig'n! Euch all'n! Verfluchter Mist! Erst nehmt ihr mir Domarr weg, dann verreckt mir Serra! Und fast hättet ihr mir Alin wegsterben lassen! Ich reiß' euch in Stücke!" Das ansonsten gutmütige, junge Gesicht formte sich zu einer widerwärtigen Fratze. Die Mundwinkel hoben sich an, die grünen Augen funkelten wie die einer Schlange - ihrer Rückentätowierung alle Ehre machend - und die wilden, ungepflegten Haare ihrer hüftlangen Flut hingen ihr ins Gesicht. Althan hatte sie ermutigt. "Lasst die Demütigung über Euch ergehen, Fräulein Tangran, sie wird Euch stark machen." Seine Stimme spendete ihr Trost, und sie vertraute ihm - auf eine Weise, die sie sich selbst nicht erklären konnte.

Ein Tag, nachdem alles vorbei war, dachte sie in ihrem Zimmer an der Academia Arcana nach. Tatsächlich sollte ihr Leben eine drastische Wendung nehmen. Sie wurde von Alin zu einem Bad eingeladen, da nach dem Pranger ihr Gestank nach fauligen Eiern und altem Fisch unerträglich war, ehe Dazen mit ihr über den Glauben sprach. Sie konnte keinen Hehl aus ihrem Interesse machen, und wollte mehr über die Lebensweise des westlichen Reiches und den Glauben erfahren. Ihr Magen verkrampfte sich bei dem Gedanken, von Eluive und Temora gleichermaßen verlassen worden zu sein, und kurz ballte sie die Hand zur Faust, aufkeimende Wut unterdrückend. Ein flüchtiger Blick schweifte zur Seite; sowohl Althan als auch Dazen hatten ihr Bücher geliehen. In diesem Sinne wich auch Sophie nicht vor dem Klischee eines akademischen Bücherwurms zurück. Und die grünen Augen ließen Sophies Stimme im Kopf widerhallen, während sie lautlos den Titel des obersten gestapelten Buches nachlas: "Gebote Alatars".

Verfasst: Mittwoch 29. Mai 2013, 10:06
von Gast
29. Eluviar 256

Wie beginnt man eine Bekehrung bei Sophie Tangran? In den vergangenen Monden hatte er sich jene Frage öfters gestellt und die Begegnungen hatten sich in den vergangenen Wochen gehäuft. Sie würde nur von Dauer sein, wenn sie aus freien Stücken erkannte, dass sie Hilfe benötigte. Hilfe das Unbekannte zu verarbeiten, zu wissen und zu kontrollieren.
In ihrem Umfeld musste es Veränderungen geben, die sie in ihrem Entschluss bestärkten und erkennen lassen würden wo jene waren die ob ihrer Situation helfen konnten sich weiter zu entwickeln oder das was in ihr als Seine Saat angelegt war zu kontrollieren. Hatte sie es unter Kontrolle?
Nein, zu jenem Entschloss war Althan schon vor einigen Tagen gekommen... er hatte ihren Kampf lange beobachtet ihren Konflikt und ihr angeboten sie zu führen und es zu lernen, zu erkennen und zu kontrollieren.
Der Meinungswandel hatte stattgefunden, er hatte ihr die Augen geöffnet, dass Jene die sich Freund nannten nicht unbedingt Freundschaft im Sinne hatten, vor allem dann nicht wenn es unbequem wurde oder lästig. Anders die Gläubigen, die sich unter Seinem Namen sammelten, um Sein Ziel in dieser Welt zu verwirklichen. Stark im Glauben, der gelebt wurde und lebte. Stark in der Einigkeit gegen die Ketzer, ein jeder Gläubige stand neben dem Anderen, wenn es zu einem Konflikt kam ohne es zu Hinterfragen oder die Entscheidung des führenden Höheren anzuzweifeln.

Der erste Schritt getan, von vielen die noch folgen würden...

Er hatte erkannt, dass es etwas gab, dass ihr mehr bedeutete als ihr eigenes Leben, ihre Tochter. Doch wie wolle sie ihre Tochter vor dem schützen was noch kommen würde? Ihren sogenannten Freunden vertrauen, den Mitgliedern der KuS, die sie schon einmal so sträflich im Stich gelassen hatten?
Sophie wusste, dass jene Ketzer Reichsfeinde waren... die Entwicklung könnte sich als interessant erweisen.
So malte er ihr aus, dass sie ihre Tochter nur beschützen könne, wenn sie ihren lodernden Zorn unter Kontrolle hatte und ihn auch dazu einsetzen würde, das was zu ihr gehörte zu bewahren und zu beschützen.

Eine Bekehrung, aus freiem Willen zu der Erkenntnis kommen, dass Alatar über ihr Tun und Handeln wachen wird. Eine Entscheidung, die von ihr getroffen wurde aus freiem Willen ohne das Althan Zwang aus sie ausüben durfte. Etwas was er beherrschte, die Sprache und die Rhetorik was er seit Monaten übte und versuchte zu perfektionieren. Ein Wort zur rechten Zeit konnte mächtiger sein als eine ganze Armee.

An jenem Abend gab er ihr ein kleines zerfleddertes Buch, es war sein Buch über die zehn Gebote des Herrn, jenes Buch, was er mit Eintritt in den Tempel überreicht bekommen hatte. Dieses Buch war schon durch viele Hände gegangen und immer wieder zu ihm zurückgekehrt. So würde er warten... er hatte Sophie auf den Pranger vorbereitet, ihr die Augen geöffnet warum sie jenes zu bestehen habe und verlangt, dass sie eine Lehre daraus zog.

Als er sich von ihr verabschiedete, dann mit dem Wissen sie bald schon wieder zu sehen. Er wartete auf sein Buch und er wartete darauf, dass Sophie ihm mitteilte, was sie an Erkenntnis gewonnen hatte.
Die Templerschaft war dafür da, den Suchenden im Glauben und den Gläubigen den Weg des Alleinen zu weisen, sie zu führen und stärken, indem sie als Vorbild lebten und wirkten. Die Bekehrung würde dann weitergehen, wenn sie freiwillig ihn aufsuchen würde, er würde sie nicht suchen... sie musste allein nun den Weg in den Tempel und zu den Gläubigen finden.
Einiges würden jene bewirken können die sie in ihrem unkontrollierbaren Zorn verletzt und angegriffen hatte, Alin und Sam, der Kontakt mit der Templerschaft musste gefestigt werden, in ihren ersten Schritten benötigte sie Anleitung und Führung, denn Fehler die sie in Unwissenheit begang, würden sie nicht vor einer Strafe schützen... das hatte sie schon gelernt.
Es folgten auf jede Handlung Konsequenzen...

Verfasst: Sonntag 2. Juni 2013, 05:04
von Gast
Abermals führte Sophie der Weg zu Althan. Er gewährte ihr einen Einblick in die Hierarchie Rahals und fasste grob die Pläne Alatars zusammen. Intrigen, Schattenlauf und hinterhältiges Handeln begrüßte der symbolische Panther mit Wohlwollen, sofern sie richtig eingesetzt wurden. Ebenso sollte bei einer Konfliktbegegnung mit dem Feind darauf geachtet werden, zu schweigen, wenn der Ranghöhere sprach - nicht nur, um ein Durcheinander zu vermeiden, sondern der Gebotseinhaltung wegen: Gleich drei Geboten drohte bei Missachtung der Verstoß. Die Achtung, Vorgesetzten und Älteren gegenüber, die durch ihre Erfahrung eine tiefere Einsicht in die Pläne des Herrn genossen, erachtete die schwarzhaarige Magierin jedoch bereits als selbstverständlich. "Statthalter Menos Goldblum", hörte sich Sophie Namen und Titel murmeln, als es in der Unterhaltung mit dem Clericus um Gesellschaftssäulen, Zuständigkeiten und Titeln ging. "Hat es weit gebracht."

Mit den Worten, dass Sophie eine Abschrift ihrer Notizen, die sie während des Gesprächs in ein Büchlein niedergeschrieben hatte, erstellen und abgeben sollte, war die Einführung in die Theorie des rahalischen Alltags beendet. "Meine Kehle ist trocken, lasst uns etwas trinken gehen", sagte Althan zu der interessierten Schülerin. Die Hafenschenke sollte das Ziel sein, und im Inneren wurden einige Worte mit Neyla gewechselt. Lange hatte sie die Freundin nicht gesehen, und von der herzlichen Umarmung seitens ihrer blauhaarigen Vertrauten war sie positiv überrascht, sogar sprachlos. Hatten sie die wenigen Tage, die sie nun in Rahal verbracht hatte, unempfänglich für solche herzlichen Gesten gemacht? Sie hoffte es nicht.

Unerwartet ruhig schien der Abend zu verlaufen. Sie genoss die Gespräche, bestellte einen Kaffee, und fühlte sich heimisch. Ungewöhnlich, in Anbetracht der Tatsache, dass sie noch vor wenigen Tagen am Pranger stand, und man ihr mit der Schale eines faulen Eis ein Auge fast erblindet hätte. Im Laufe ihres Lebens hatte Sophie gelernt, pessimistisch zu denken. Im Falle einer Bestätigung war die Enttäuschung immerhin zu erwarten. Und die zahlreichen Bestärkungen ließen sie keinen Moment daran zweifeln. So dachte sie auch während des vermeintlich gemütlichen Tavernenabends an einen Haken - und er zeigte sich nur wenige Augenblicke später in der Form eines Letharen; ihr Peiniger aus der Bajarder Mine, der sie fast zu Tode geschossen hatte, betrat die Szenerie. "Ich frage mich, wer Euch diese Gabe geschenkt hat. Ein Baum, vermutlich", spottete er, und Sophie spürte Wut aufkeimen. Schlagfertig war sie nicht. Zumindest nicht mit Worten. Lieber ließ sie Blitze sprechen - was in Anbetracht der Situation erneut unangebracht war. Und so verkniff sie sich, zähneknirschend, sowohl jegliche beleidigende Antworten, oder gar aggressive Eingriffe ins Lied Eluives.
"Ich habe Macht; Macht, die Euch und Eurem Vater nützlich sein wird. Gebt mir die Zeit, die ich benötige, und Ihr werdet es nicht bereuen", sprach sie mit vor Zorn zitternden Fäusten. Die Gardistin, der sie den ganzen Abend über eine unheimliche Antipathie zugesprochen und sich zu dem dunkelhäutigen Elfen gesellt hatte, ließ den Wunsch, am liebsten beide aufzuspießen und über ihrem magischen Feuer schmoren zu lassen, bis ihnen die Haut von den Schädeln wegschmelzen würde, umso dringlicher in ihrem Inneren pochen. Aber sie beherrschte sich, sinnierte über Althans Worte, und kontrollierte ihren Zorn, sammelte ihn. Es fühlte sich gut an. Der Gedanke, ihn zu befreien, und sämtliche Widersacher durchs Höllenfeuer in den Tod zu führen, bereitete ihr Lust. Sadismus und Masochismus waren Teile ihres kranken Hirns, die sie genoss, dies jedoch zu verdrängen versuchte, um sich möglichst gewöhnlich und normal zu geben. Alatar gab ihr nun jedoch die Möglichkeit, ihren unbändigen Hass zu entfachen. Mit dem Anflug eines fratzengesichtigen Lächelns murmelte sie: "Abwarten, Sophie, abwarten."

Verfasst: Dienstag 4. Juni 2013, 19:30
von Gast
Ein dunkler Raum. Langsam öffnet Sophie die Augen und schaut sich um. "Wo bin ich?" Sie tastet sich ab. Ihre Hände berühren eine unsichtbare Wand. Mit einem lauten Schlucken wird ihr gewahr, dass es kein Entkommen gibt. Ihre Wangen erröten, ihr Herzschlag gewinnt an Tempo hinzu. "Ich sehe nichts. Ich will hier raus", haucht sie ängstlich, geht auf die Knie und schaut sich abermals um. Langsam wird ein schwaches, flackerndes Licht sichtbar, als würde jemand eine Kerzenflamme in ihrer Nähe wogen. Sie sieht an sich herab, und ihr kniender Schatten verlässt den Körper, manifestiert sich zu einer Gestalt, die aussieht, wie... "Ich? Mein Spiegelbild? Was... Wer bist du?" Eine Figur in pechschwarzer Robe richtet sich auf. Der Blick ihres zweiten Ichs wirkt starr. Die Pupillen fehlen, und lassen keine Emotion erahnen. Bloß die Lippen verziehen sich zu einem fratzenhaften Grinsen.

"Dummes Mädchen. Ich bin du", spottet ihr Schatten mit verzerrter, kehliger Stimme und bewegt sich langsamen Schrittes um die kniende Frau herum; sie abschätzig, fast angewidert, unter ihrer tief ins Gesicht gezogenen Kapuze, musternd. "Mutig, mutig. Endlich zur Vernunft gekommen, hm?" Die schwarze Kutte kichert kehlig, und streichelt der ängstlichen Magierin über die Wange. "Fürchtest du dich?" Ihre Stimme gleicht einem Hauchen, ihr Atem in Sophies Ohr lässt sie zucken, fühlt sich beängstigend real an. "Das solltest du nicht. Ich bin du. Dein unterdrücktes Ich. Jeder Mensch hat eine Seite, die er anderen nur ungern zeigt." Sie grinst ihr Gegenüber fratzenhaft an, und ihre Nasenspitze befindet sich keine Fingerbreite von der ihres Spiegelbilds entfernt. Das Herz bebt, sie spürt Schweiß über ihre Stirn laufen, und Angst starrt dem Schatten entgegen. "Du magst es, Leute zu quälen. Sie in Brand zu stecken. Und zu sehen, wie ihnen langsam das Fleisch von den Knochen schmilzt, habe ich Recht!?" Ein tiefes Schlucken erklingt aus Seiten der Gepeinigten. "Nein", antwortet sie hauchend leise, verunsichert. Der Schatten kichert abermals kehlig, zur Antwort: "Nein. Damit meine ich nicht diejenigen, die du deine 'Freunde' nennst." Das Wort 'Freunde' wird beiläufig, gelangweilt, betont, als wäre es etwas Lästiges. "Sondern alles andere. Du bist ein Sadist, Sophie." Abermals klatschen die Hände der Angesprochenen hektisch gegen die unsichtbare Wand und sie schnappt nach Luft. Ihr zweites Ich gluckst amüsiert. "Willst du vor dir selbst fliehen? Wie dumm. Sieh' es endlich ein, Sophie: Neben deiner friedlichen, kuscheligen Welt, in der du Namehas, Luninaras und Kätzchen schmust, gibt es eine weitere, die du unterdrückst." Der Schatten beugt sich zu ihr und schließt das blasse Gesicht der hektisch atmenden Magierin zwischen den Händen ein. "Die Welt ist beschissen, Sophie. Hart, dreckig und ungerecht. Wen versuchst du, zu belügen? Dich selbst, offensichtlich. Freundlichkeit ist für den Arsch. Grausamkeit und Hinterlist wird irgendwann belohnt. So läuft das eben." Abermals zeichnet das pupillenlose Gesicht eine Fratze. Die Augen sind weit aufgerissen und das schaurige Grinsen lässt das Blut sprichwörtlich gefrieren. "Sei still", kreischt die Magierin und schleudert dem Schatten zähneknirschend einen routiniert geformten Feuerball entgegen. Dieser verschwindet schlicht, lässt ein spottendes, verzerrtes Lachen durch den abgesperrten, dunklen Raum vernehmen, und taucht, mit den Armen um Sophies Bauch, wieder hinter ihr auf. Die Magierin weitet die Augen, hält keuchend den Atem an, und schaut langsam über die Schulter. "Dummes Mädchen. Akzeptieren sollst du mich, nicht bekämpfen! Ich bin du. Schon vergessen? Du kannst nicht ohne mich existieren." Wieder erklingt die verführerisch leise Stimme in Sophies Ohr. Während ihr Schatten ein herrisches Lachen vernehmen lässt, fühlt die schwarzhaarige Liedkundige ihr Bewusstsein schwinden.

Im nächsten Moment schnappt sie nach Luft, beugt den blanken Oberkörper nach vorne und reißt die Augen auf. Schweißgebadet liegt sie im Bett des Rahaler Gasthauses, bemüht sich um einen ruhigeren Atemrhythmus und drückt sich eine Hand an die Stirn. Es war bloß ein Traum. Langsam schlüpft sie in ihren Mantel und in die Sandalen auf dem Boden, um gedankenverloren nach unten zu tapsen. Es ist früher Morgen, die Stühle sind leer, nur der Wirt schaut missmutig über die Schulter und serviert ihr ein Schnapsglas, als sie sich an die Theke setzt. "Schlecht geträumt?", fragt er sie, wie beiläufig, während er Gläser trocknet. "Ja. Verzeiht. Es war nur ein Traum", antwortet Sophie mit einem bemühten Lächeln, trinkt rasch den Inhalt des Schnapsglases und starrt nachdenklich ins Nichts.

"Nur... Ein Traum...?"

Verfasst: Mittwoch 5. Juni 2013, 18:53
von Gast
Erneut ein dunkler Raum. Schwaches Licht scheint auf Sophie, die sich verwundert umsieht. "Nicht schon wieder", merkt sie mit einer Mischung aus Angst und Zorn an. "Wie ich sehe, hast du nichts dazugelernt", seufzt die bekannte Stimme ihres zweiten Ichs. "Hör' auf! Ich habe keinen besserwisserischen Doppelgänger", sagt Sophie zischend zu ihrem exakten Spiegelbild mit pupillenlosen Augen und einem Furcht erregenden, selbstsicheren Gesicht. Der Schatten seufzt erneut und wirkt genervt: "Du hast wirklich nichts dazugelernt."
Sophie neigt nachdenklich den Kopf, schließt kurz die Augen, und spricht leise: "Es kann sein, dass ich gelegentlich wütend bin, und jemandem wehtun möchte, um mich abzureagieren...", der Schatten unterbricht sie mit einem lauten, spöttischen Lachen: "Du sprichst von 'gelegentlich' und 'abreagieren'. Was für 'n Haufen Scheiße, Sophie. Dir geht das Leben auf die Nerven. Du hasst dich. Du willst es allen recht machen, weil du scharf auf Anerkennung bist, die du von deinen Eltern nie gekriegt hast. Eine Tochter unter fünf Brüdern. Und auch noch Magierin. Ach, du Scheiße!" Der Atem der jungen Zauberin wird schneller. Sie knirscht mit den Zähnen, ballt die Fäuste, und schreit: "Sei endlich still!" Eine runde Flammenwolke manifestiert sich über dem Kopf ihres lebenden Spiegelbilds, und droht als Feuerblitz niederzuschlagen. Der Schatten sieht mit einem Grinsen hoch, und pustet die rot glühende Wolke fort. "Was!? Das ist doch...", keucht Sophie, starrt ihren Schatten an, und sinkt auf die Knie.

"Möchtest du das nun wissenschaftlich erklären? Geht dir dieses ganze Lernen, Studieren und Forschen nicht auf die Nerven? Du möchtest doch lieber erfahren, wie du das Lied quälen kannst, oder? Eluive hat dich allein gelassen" Die schwarzhaarige Zauberin reißt mit Tränen in den Augen ihren linken Arm hoch, deutet mit der Handfläche auf ihre Peinigerin in der pechschwarzen Robe und eine Flammenwelle schießt auf sie zu. "Schweig' endlich", kreischt sie mit weit aufgerissenen Augen, doch ihr zweites Ich weicht der Feuerflut elegant aus, als hätte sie den Angriff vorhergesehen. Ihr boshaftes, amüsiertes Kichern ist im durch unsichtbare Wände abgesperrten Raum zu hören, wie ein penetrantes Echo. "Du willst scheinbar nicht akzeptieren, wie beschissen das Leben wirklich ist. Freundschaften sind keine Herzenssache, oder Gefühlsduselei. Sie haben einen Nutzen. Sie bringen Anerkennung. Jeder Mensch ist ein Egoist. Warum hilfst du anderen, Sophie? Aus Gutmenschlichkeit? Schwachsinn! Ist es nicht schön, wenn du dir bei einem 'Danke' denkst, wie toll du bist? Wenn du mich akzeptiert hast, wird dem Herrn gefallen, was Er sieht. Wenn nicht..." Die Gestalt schwebt wenige Zentimeter über den Boden, schließt die Augen, um sich kurz zu konzentrieren, und sammelt elementare Energie. Die Eingriffe ins Lied erklingen für Sophie ungewöhnlich rabiat, als würde man es zerreißen. "Dann stirb." Ein regelrechter Feuerhagel trifft die kniende Magierin, und sie sieht, wie sich das Feuer durch ihre Haut frisst.

"Nein!" Die Decke schlägt sie zur Seite, der Körper rückt in eine sitzende Position. Sophie greift sich an die Stirn, schließt die Augen, und versucht ihren raschen Atem zu beruhigen. Ihr Körper ist schweißnass, und sie schaut aus dem Fenster des Rahaler Gasthauses. Die Wachen haben sich bereits zum Dienst versammelt und ein bekanntes Gesicht patrouilliert um das Rathausgebäude. Es war wieder nur ein Traum...

Verfasst: Sonntag 9. Juni 2013, 04:02
von Gast
"Derzeit läuft es für Euch gut. Aber die ersten Hürden werden bald kommen, Fräulein Tangran." Adrians Worte schwebten über ihrem Kopf wie ein Damoklesschwert. Unter dem Gefühl von Euphorie hatte Sophie negative Gedanken verdrängt. Das Gespräch in der Arkoritherburg setzte ihr die ersten Hindernisse, von denen der Schneider Düstersees sprach, in den Weg. Keine geringen, wie sich herausstellte. Schließlich sollte die Obhut ihres Kindes ein völlig Fremder übernehmen. In Rahal war kein Platz für Emotionen. "Lasst mich Euch vom Gegenteil überzeugen. Ich werde kämpfen. Und ich werde alles tun, was notwendig ist." Äußerlich wirkte sie stark, aber in ihrem Inneren tobte ein Sturm. "Ihr lügt!" Sie erinnerte sich an ihre Zeit als Discipula - derart energisch hatte sie den Magister des Ordens nicht erlebt. Er ließ Furcht in ihr aufkeimen. Es ging darum, Schwäche zu unterdrücken. Allerdings hatte man ihren wunden Punkt rasch entdeckt, sie konnte nicht anders, als sich um Larissas Wohl zu sorgen. Dies musste sie sich eingstehen: Ihre Tochter machte sie schwach. Ganz offensichtlich.

Aufgewühlt vom Gespräch in der schwarzen Burg führte Sophie der Weg nach Rahal zurück. Lessaja, Adrian und Linejra standen im Handwerkshaus. Der Anblick der Rothaarigen entlockte ihr ein flüchtiges Lächeln. Neben Neyla und Leona sah sie nach langer Zeit ein bekanntes Gesicht. Der Abend ging schnell vorbei, Lessaja konnte sie von ihren erdrückenden Gedanken, und dem Gefühl, dass ihr irgendwas die Luft zuschnüren würde, ablenken. Angekommen, und an den Schreibtisch des Rahaler Gasthauses gesetzt, griff sie nach einem Moment des Nachdenkens nach Federkiel und Tintenfass. Ein Nicken; dann ließ sie die Federspitze übers Pergament rascheln. Die beiden Bedingungen des Ordens wollten erfüllt werden...

Verfasst: Sonntag 9. Juni 2013, 06:09
von Gast
07. Schwalbenkunft 256

Warum war es ihm so wichtig, dass er ihrem Wunsch nachkam und auf sich aufpasste? Er gab sich nicht der Illusion hin, dass er sie wiedersehen würde, bei den Ihren war sie beschützt und sicher und in seiner Welt erwartete sie jetzt nur noch Leid und Tod. Die die ihm etwas bedeutete konnte er nur so schützen, dass er ihr fern blieb. Tage, Wochen, Monate und Jahre die spärlichen Informationen bekommend was sie trieb und dass sie noch am Leben war, flüchtige Begegnungen ohne auch nur ein Wort zu wechseln, ohne sich anzusehen. Die Jahre hatten ihn an Erfahrung beschert ihn weiser, klüger werden lassen und klar bei Verstand.

Keiner wusste wie es in seinem Innern aussah, bekam den Kampf mit den er Tag für Tag mit sich selbst führte. Wie viel Kraft es kostete, das zu sein was er war und das in den Hintergrund stellte was ihm selbst wichtig war. Sie war bisher die Einzige gewesen, die ihn so angenommen hatte wie er war und auf ihre Art das Gute in ihm gesehen hatte. Ihn dadurch zu einem besseren Menschen vielleicht gemacht hatte, für eine kurze Zeit nur. Schüchterne Berührung, ihr leises Summen und nackte verdreckte kleine Füße die einfach so vor Jahren in sein Leben traten und alles durcheinanderbrachten. Er wartete immer noch darauf, dass sie eines Tages durch diese Türe kommen würde, als wäre nichts dazwischen geschehen was alles verändert hatte.

Bald würde er erneut in die Schlacht ziehen, die Verbrannten bedrohten die Grenzen des Reiches. Es würde zum Kampf kommen, Blut würde fließen es würde Tote und Verletzte geben, er gab sich nicht der Illusion hin, dass dies nur auf Seiten der Ketzer geschehen würde. Er fürchtete nicht die Schmerzen oder die Niederlage vielleicht fürchtete er heute einfach nur zu sterben ohne sie nochmal zuvor gesehen zu haben. Doch jene Gefühle würden ihn nur behindern und so verbannte er sie tief in seinem Innern als er sich aufmachte um Sophie zu suchen...



Der Abend war anstrengend gewesen und dennoch hatte er es für sie getan, selten war es geworden, dass sein Wissen so gefordert wurde. Er eröffnete ihr eine neue Welt, Seine Welt an deren Oberfläche sie beide nur kratzen konnten, denn das Wissen war viel und lag wie ein riesiger Berg vor ihr. Erneut war sie zu ihm gekommen, um zu lernen, erfahren zu wissen und zuzuhören. Zuhören war jenes was ihn besonders begeisterte und so entführte er sie in die Welt Altars und dem Leben und Seinem Ziel hier im rahalischen Reich.

Er erklärte die Gebote, erklärte ihr die Hierarchie des Reiches, was Ehrfurcht Ihm gegenüber bedeutete und, dass man seine Feinde respektieren sollte, für Althan einer der wichtigsten Aspekte überhaupt. Wie leicht gab man sich der Überheblichkeit hin und traf falsche Entscheidungen nur weil man annahm einen schwachen Feind vor sich zu haben?

So plätscherte die Zeit dahin, diesmal hatte er nicht den Tempel erwählt für jene Unterredung, nein und so waren sie etwas durch Rahal gegangen bis zu einem versteckten kleinen Park mit einem Wasserspeier. Nicht unbedingt wegen der Schönheit und Ruhe die jener Ort auszustrahlen schien hatte er ihn ausgesucht, eher um sich voll und ganz auf sein Gegenüber konzentrieren zu können und sie zu studieren. Sophie hatte sich verändert, ihre Kleider waren höher geschlossen und sie strahlte einen gewissen Ernst aus und auch die Neugier mehr zu erfahren, alles was er ihr an diesem Abend erzählte fand seinen Weg in ein kleines Buch in dem sie sich Notizen machte.

Als die Sonne langsam hinter den Bergen im Süden versank erhob er sich. Es würde Zeit brauchen bis sie alles wissen würde und er wusste, dass ihre nächste Prüfung es sein würde zu sehen wie sie jenes Wissen anwenden würde. Doch heute war er erschöpft, sein Hals war trocken geworden und was selten vorkam es zog ihn in Neylas Taverne, wohl auch deswegen, um die junge Magierin wohl mit den Gläubigen näher bekannt zu machen. Neyla umarmte sie wie eine alte Freundin, interessant, dass hatte er nicht einmal gewusst.

So zog er sich in den Hintergrund bestellte sein übliches Getränk und beobachtete die Unterhaltung die folgte eine Weile... ja es war ein guter Einfall gewesen die Taverne aufzusuchen. Während sein Interesse für das Gespräch nach und nach weniger wurde schweiften seine Gedanken ab und er nutze, dass ihn niemand beachtete, um nachzudenken...

"Wenn du einen Bauern willst,
dann werd ich für dich säen,
ein Feld voll Mohn, ein Feld voll Korn,
für dich und für die Krähen."

In diesen Tagen hatte es ihn öfter zur Handelszunft getrieben nicht um eine Rüstung zu reparieren oder eine Bestellung abzugeben und dann zu verschwinden, nein... er war zu einen gekommen um zu lernen. Konstantin war der Erste gewesen, den er mit jenem Wunsch überrascht hatte.
Anders als in einen Bauern nur einen Erschaffer von Nahrungsmitteln zu sehen nahm er sich die Zeit, um sich genau das Bierbrauen erklären zu lassen. Wo anfangs von Konstantin eine gewisse Zurückhaltung ausging taute er mit der Zeit mehr und mehr auf und schilderte mit zunehmender Begeisterung die einzelnen Schritte, während Althan ihm dabei zur Hand ging und in die Rolle eines Hilfesarbeiters schlüpfte.
Irgendwie schien er sich dabei wohl zu fühlen, einfach einmal etwas mit seinen eigenen Händen zu erschaffen und seine Gedanken dabei schweifen zu lassen, während er ein entspanntes Gespräch mit Konstantin führte. Einige Tage später würde er wieder zu ihm kommen, um das Bier zu kosten und ihm zu helfen ein Feld mit Erdbeeren zu pflanzen...

"Wenn du einen Krieger willst,
werd ich mich für dich schlagen,
ich werde Schwert und Schild aus Stahl
und Rüstung für dich tragen."


Dass jene Ruhe nicht lange anhalten würde war ihm klar gewesen. Der Emir hatte wohl die Geduld an den zäh anlaufenden und ins Stocken geratene Verhandlungen verloren. Althan versuchte in seine Denkweise einzutauchen und dennoch gelang es ihm nicht gänzlich, schlussendlich war es ihm gleich geworden. Menekaner hatten Gläubige des Reiches angegriffen und streckten ihre dreckigen Finger gen Grenzwarth aus. Eine Verbrannte war ihm entwischt.. nunja er hatte sie entwischen lassen und schmunzelnd zugesehen wie ihre kleinen Füße sie hastig in die Wüste zurücktrugen.
Ein Kind noch und so voller Zorn auf die Seinen, wie leicht wäre es gewesen jenes Leben auszulöschen und dennoch hatte er es nicht getan. Jenes Kind würde vielleicht eines Tages zu einer bedeutenden Persönlichkeit heranwachsen können und vielleicht würde sie sich an jenen Tag erinnern. Etwas hatte sich in ihm verändert, langsam fast schleichend er ging mehr und mehr dazu über nur mit den Worten zu kämpfen als die Waffe zu ziehen. Dennoch trug er wieder die Rüstung, die ihm schon vorkam wie eine zweite Haut... die Zeit des Erntens und Angelns war nur kurz gewesen, der Schrei des Falken war zu vernehmen und so brach er nachdem sie sich gesammelt hatten mit den Seinen auf gen Grenzwarth.

Verfasst: Samstag 15. Juni 2013, 13:17
von Gast
15. Schwalbenkunft 256

Der Entschluss war rasch gefasst er würde aufbrechen gen Düstersee, seine Schritte führten ihn eilig doch ohne Hast zu seinem Haus. Ein Haus was nie wieder ein zuhause gewesen war, die junge Pantherin näherte sich ihm, doch war sie weniger zutraulich als Askavi geworden, immer hielt sei einen Schritt Abstand zu ihm auch wenn sie ihm folgte. Geschäftig räumte er umher packte eine Satteltasche mit dem Nötigsten und legte die Rüstung an.

Ein letzter Blick ging über seine Bücher, eine Bibliothek die er nie ganz beendet hatte, doch wenn er ehrlich war, wann war so etwas jemals vollendet. Stück für Stück hatte er sie ergänzt jedes Buch ein kostbarer Schatz, den er hier mit niemanden teilen konnte.
Sie waren geordnet und irgendjemand würde sich irgendwann darin zurechtfinden, er lies Unerledigtes zurück und solches behagte ihm gar nicht.
Selten viel zu selten konnte er der Mann sein der er hinter der Robe dennoch war, selbst Anastasia war es nicht gelungen ihn bis auf wenige Momente hervorzulocken, meist hielt er sich verschlossen gefangen in Gehorsam und Pflicht.
Manchmal kann man einfach keine gute Wahl treffen, nur eine die weniger schmerzlicher zu sein scheint. Lange schon hatte er feststellen müssen, dass man einiges ertragen konnte ohne zu zerbrechen, wenn man muss und einem keine Wahl gelassen wurde.

Er sah auf seinen Schreibtisch, ein Buch was er gestern Nacht vollendet hatte „Die Geschichte vom ersten Alka Gabriel und Anara von Hohenfels“ noch vor kurzem so sicher gewesen ihr bald jene Geschichte zu erzählen, strich er nun über die Lettern ehe er es entschlossen in einen Beutel steckte.
War sie noch am Leben? Der ausgebrochene Krieg mit den Menekanern hatte ihn sie aus den Augen verlieren lassen. Er wusste nicht, ob sie verstand was er ihr damit sagen wollte, eine Warnung, ein Versprechen... ein Abschied. Ein weiteres Buch wurde hineingelegt eines was bis dahin immer neben seinem Nachtlager gelegen hatte und dann noch ein zusammengerolltes Pergament. Jener Beutel fand auch seinen Weg in die Satteltaschen.

Ja, er hatte sie vor langer Zeit gebraucht, inzwischen gelernt ohne sie zu leben. Ihr zu begegnen war die Hölle und der Himmel in seinem Leben hier gewesen. Eine Zeitlang, kurze Momente nur in denen er glücklich war und nun wo er wusste, was es bedeutete, glücklich zu sein, fiel es ihm an manchen Tagen schwer, ohne jenes Glück zu leben. Doch hatte er jemals Zeit gefunden sich damit zu befassen, nicht wirklich, denn erneut musste er Stärke zeigen und eine gewisse Distanz wahren. Er würde nach Düstersee aufbrechen.
Er löschte die Kerzen und verließ das Haus.