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Verfasst: Mittwoch 30. März 2011, 01:09
von Anveena Midame
Langsam ging Sie die Stufen hinab, hinter ihr das klackern der Knochen, die Schritt für Schritt den steinernen Boden berührten, gefolgt von etwas dumpfen, dass bei jeder Stufe hinabfällt.
Ein kurzer Wink zu der Zelle und das Skelett wirft den Gefangenen unsacht hinein.
Achja...wie amüsant immer diese Worte waren.
"Sei vorsichtig Anveena, draussen sind Banditen."
"Oh bitte Anveena, ich bringe dich zur Kutsche."
"Anveena, im Wald lauern Wölfe oder gar Panther."

Narren, wussten Sie denn nicht, dass das einzig gefährliche, was auf ihren Wegen lauern konnte, Sie selber war?
Doch was sollte Sie tun, um die Tarnung aufrecht zu erhalten?
Eine, mit Blitzen um sich schiessende und untotenbeschwörende Frau würde unter den lichten Ketzern nicht nur auffallen, sondern auch negativ aufgenommen werden.
Also liess Sie sich sicher Heim bringen, ging nie Abseits der Wege, wenn jemand in der nähe war und liess sich notfalls auch verletzen.
Ihr Blick lugte zu dem bewusstlosen Körper.
Achja...Banditen waren die besten Opfer.
Erst dieses wilde herumfuchteln mit ihren Waffen, dann die entsetzten Schreie und das panische Flüchten.
Doch Sie alle sahen Sie....die Frau, wie das Rabenkleid ihren Körper verdeckte. Sie konnten und durften nicht übereben. Keiner.
Selbst flehend und bettelnd, weinend und drohend...keiner überlebte...bis auf diesen einen, nun bewusstlosen Gefangenen.
Ein neues Spielzeug, etwas zum experimentieren, erforschen der menschlichen Anatomie und ihrem Verhalten gegenüber pestiziden Fremdstoffen.
Ja. Er war kräftig, ein idealer Kandidat.
Ein leichtes lachen kam aus dem dunklen Eck der Zelle. Nur wenige Schritte vom Bewusstlosen entfernt.
Wie konnte Sie ihn vergessen. Ihren Liebling.
"Serra....meine teuerste.", krächzte der Mann, als er in den Lichtkegel trat. Verunstaltet an jeder Ecke. Nichts weiter, als eine Laborratte für Anveena.
Ein Arm fehlte ihm, ebenso waren seine Augen zugenäht. Die Nase entfernt, ein Fuß abgetrennt und der Körper über und über geflickt mit Hautfetzen anderer, unglückseeliger Gefangener, die in der Gruft ihr Ende fanden. Er war eine missgestalt, ein Experiment. Einige Dinge tat Anveena ihm an, aus Wissensdurst, andere aus Neugierde....doch das meiste aus langerweile.
Es war wirklich erstaunlich, wie sehr dieser Mann leben wollte. Andere glitten ihr in den Operationen ohne ein Narkotikum leblos aus den Händen, doch er....er schrie und wimmerte ja....aber er lebte danach.
Sie lehnte sich an den Tisch. Solange war er schon blind, dass er Sie erhören konnte. Andererseits kamen nicht oft Diener her.
Wielange er wohl nichts gegessen hat....oder getrunken.
Ja, ein armseeliger Mann, dem der Schmerz und die Folter den Verstand raubten, solange unter der Grausamkeit der Diener, dass er began, sich mit ihnen zu identifiieren.
Hm....ein interessantes, neues Thema, dachte Anveena.
Sie griff langsam an das Messer auf dem Tisch, liess es über eben jenen schleifen, welches ein krachzendesm quitschendes Geräusch von sich gab.
Er kannte es, der arme Mann...er wusste, was Sie sich nahm...er wusste, was es für ihn bedeuten würde.
"Ihr wisst, dass ihr sterben werdet. Ihr werdet nie lebend diese Zelle verlassen. Und eure Seele wird hinabgeführt zu Krathor, dem wahren Gotte, wo Sie in ewigen Qualen die Verdammnis erlebt."
Es war keine Frage, nein, es war Folter, was Anveena betrieb. Sie wusste, dass ihm die Antwort bekannt war, es sollte nur eine schmerzende Erinnerung an seine Situation sein, die er einzig mit einem nicken quittierte.
Ohja, Anveena würde sich austoben an ihm. Verdient hatte Sie es.
Soviel beschäftigte Sie....soviel lief gerade seinen Wegen. Die Sache mit dem Alka, das paktieren mit dem alatarischen Reich, die Planung eines Angriffes.
Früher fiel ihr dies alles leicht. Sie lebte und diente nur für Krathor. Doch auch Anveena musste erkennen, wie dieses Doppelleben began, an ihrer Substanz zu reissen.
Neben dem modrigen Gestank von verwesten Leichen, dem anblicken von verfaultem Fleisch, dass an Knochen hingen, welches die Ratten noch nicht abgenagt haben und dem Planen der anstehenden Apokalypse der Welt, mühte Sie sich mit Liebesproblemen ihrer besten Freundin und einem Verlobten ab, dessen Verpflichtungen und Treue zu dem Feindgott soweit stiegen, dass er sogar in der Öffentlichkeit viel Zuneigung nicht zeigt....oder nicht zeigen kann.
Und diese Frustration, dann nicht wenigstens in der Nacht im Bette entlohnt zu werden, darüber wollte Sie nicht nachdenken.
Wie sollte bloß die Zukunft aussehen?
Kocht Sie sein Essen mit dem Messer, mit welchem Sie zuvor Menschen tötete?
Geht Sie mit dem Säugling auf dem Arm zu mitternächtlichen Todesritualen mit Opferdreingabe, nur weil sich kein Kinderhüten finden lässt und Niel wieder seinen Verpflichtungen nach geht?
Essen Sie mit den Nachbarn, die Sie Tage später grausam hinrichtet?
Sie seufzte sachte.
Diese überdimensionierte Freundlichkeit und das Vertrauen zu ihr, dass Sie zeigten, zog an ihrer Substanz. Und Sie musste spielen. Sie musste es trennen, anderes von ihr Abprallen lassen. Nie ihre Schandtaten zeigen in irgendwelchen Regungen oder Gefühlen, klar wissend, wer in ihr existiert und wer nicht. Klar wissend, wer das wahre Ich war und welches das gespielte.
Doch wusste Sie es wirklich? War ihr bewusst, welche Seite Sie spielte? Und welche Anveena ist….die wahre Anveena?
Sie strich sich durchs Haar. Kaylem…sie redete mit Kaylem über Lilian….einen Bürgerbrief soll er beantragen, als Beweis, dass er kein Verräter seie. Wie närrisch. Lebte eine Dienerin, inmitten der Ketzer, bereit, einen Ordensbruder zu ehelichen, unter deren Segen ihrer Hurengöttin und Kaylem, ein Windpfiff auf der Welt und ein Funken in der Magie im Vergleich zu Anveenas, ihr von Krathor gegebenen Macht, soll sich beweisen, dass er keine Informationen stehlen würde?
Sie musste ungewollt lachen. Wie gerne würde Sie Lilian einfach alles sagen und ihr aufweisen, wie närrisch ihr handeln war. Aber gut, was hier aus ihr sprach, mag der Frust gewesen sein. Als Sie da war, Anveena in der Taverne traf, die noch ein wenig säuerlich auf Niel war, weil er wieder seinen Pflichten nachkam…sich dazu gesellte, wissen wollte, wie Sie sie aufheitern könnte und dann diesen Dämonenmist von Aram an den Tisch lud, nur um selber dann kurz danach zu entschwinden.
Was war Anveena sauer. Ja….sauer…
Sauer…
Auf….
Sie hob beide Augenbrauen. Sie war sauer für nichts. Sie kritisierte ihr Törrichtes Verhalten, spottete innerlich über deren Probleme…und war sauer, wegen soetwas….
Warum war es nur so schwer, ihre menschliche Seite zu unterdrücken….erkannte Sie doch gerade, was Sie tat. Anstatt zu spielen und keinen Zwist aufkommen zu lassen, tat Sie, was jede Freundin tun würde….sauer sein.
Und Anstatt zu begrüßen, dass ihr Verlobter oft weg war, damit Sie selber umherwandern konnte, war Sie sauer für die wenige Zeit….die er ihr gab…und die wenige Zuwendung.
Ja sie erkannte, dass mehr und mehr ein normales Leben in Sie einzug nehmen würde. Sie ertappte sich, nicht nur, dass Sie Niel lieben würde, nein, das wusste Sie vorher, aber, dass ihr das Umfeld, in welchem Sie ihre Fassade aufbaute, ihr wichtig wurde.
Sie seufzte, schüttelte den Kopf und rann nach Konzentration, das Messer wieder fest umschliessend und auf den Käfig zugehend. Langsam, jedes Schritt von dem Gefangenen wahrnehmend.
„Was….was habt ihr jetzt mit mir vor Serra?“, sagte er, mit zitternder Unterstimme.
„Deine Knochen untersuchen.“
„Wieso?“

Anveena antwortete nicht, Im Kopfe noch im Bilde dieser 2 Leben, die Sie lebte. Die Erbarmungslose, kalte Dienerin…und die verletztliche, nach Wärme und Liebe sehnende Frau und der Versuchung und dem Willen, jene voneinander zu trennen.
„Ich brauche einen neuen Schreibfedergriff für Hochzeitseinladungen, die ich in Zukunft schreiben muss.“, entgegnete sie knapp, als sei es selbstverständlich, wozu Sie den Manne nun einen Knochen entnehmen würde, ehe nur noch Schreie zu vernehmen sind durch die modrigen Hallen der Gruft.

Verfasst: Dienstag 19. April 2011, 19:16
von Niel Finrias
"Heute Abend werden wir uns wohl nicht mehr sehen, weil..."
"…du noch so viel zu tun hast. Du wirst in der Ordensburg auf der Heilerpritsche schlafen."


Niel war es nicht entgangen, wie ungern Anveena die Tatsache hinnahm, und bei jedem Abschied schon voraus ahnte, dass er wieder einmal tagelang keine Zeit für sie haben würde.

In diesen Augenblicken - wenn sie seine Sätze beendete, und dennoch nur widerstrebend ihre Hände aus seinen löste - spürte er überdeutlich, wie beide Seiten seines Lebens an ihm zerrten: der Glaube, die Pflichten die er für den Orden ausübte, seine Überzeugungen als lernender Heilkundiger… sowie auch das für ihn noch immer Neue, die Frau in seinem Leben, die Angelegenheit "geplante Ehe".
Es war dem jungen Mann ein stetiger Grund für Kopfzerbrechen, umso mehr, da es auf beiden Seiten Dinge gab, die seine volle Kraft für sich in Beschlag nehmen wollten…

Scheinbar immer häufigere Bilder auf der einen Seite:
Anveena, die allein trüben Gedanken nach hängt.
Anveena, die in sich zusammengesunken in einem Sessel sitzt.
Anveena mit einer Schnapsflasche in der Hand.
Anveena, wie sie allein den Weg entlang schlendert.

Ihr nur zufällig zu begegnen, völlig unerwartet aus den Gedanken gerufen zu werden durch den Anblick des bekannten dunklen Haarschopfs am Wegrand, machte es nicht gerade besser.
Eben noch war er unterwegs auf einem abendlichen Ritt, um in Bajard noch vor Abbau der letzten Marktstände nach einem neuen Fass Tinte und einigen Schreibfedern zu fragen... im nächsten Moment war er auf dem Weg in die entgegengesetzte Richtung, sein Pferd am Zügel führend mit seiner Verlobten auf dessen Rücken. Er überlegte hin und her, während er dabei war, sie nach Hause zu komplementieren: Sie war immerhin seine Verlobte.

Nahm er sie ernst genug?
Hatte er zwei offene Ohren für ihre Sorgen?
Machte er sie glücklich?
Machte er ihr Mut?
Musste er sich mehr Zeit für sie nehmen?
Musste er auf sie acht geben?


Innerlich bejahte er alle diese Fragen. Aber so wenig er manchmal verstand, warum Anveena sich so verhielt, wie sie es tat … so wenig sah er Möglichkeiten, es ernsthaft zu verhindern.
Es konnte schließlich nicht nur alles davon abhängen, ihr mehr Zeit einzuräumen. Er wollte sie nicht überwachen, nicht von oben herab behandeln. Als erwachsene Person musste sie selbst entscheiden, was richtig und was falsch war.

Im Gegenteil. Er war darauf angewiesen, dass sie selbstständig war, dass sie sich selbst Aufgaben vornahm und Ziele setzte. Dass sie ihr Leben ohne ihn zu regeln imstande war. Denn gerade in letzter Zeit begann die Seite, die sein bisheriges Leben weitaus stärker geprägt hatte, sich mit ihrem unausweichlichen Vorrang zu Wort zu melden. Und letztlich tat er nichts anderes als einzustehen dafür, wovon er überzeugt war.

Niel ließ die vergangenen Wochenläufe Revue passieren, dachte …

… an die Kranken, allen voran Tarnya, denen er so gut es möglich war versucht hatte zu helfen. Er hoffte, da er sie lange nicht gesehen hatte, sie würde sich wirklich einmal eine Weile schonen.

… an einen dunklen Fremden, der ihm von seinem schwarzen Pferd fast entgegen fiel, so schwer verwundet er war. Der die Hilfe - eine halbwegs geschickte Naht und einen Verband - mit viel mehr Interesse zu vergelten schien, als es Niel lieb war.

… an die Verletzungen, die er zuletzt behandelt hatte. An einen gestandenen Ritter des Reiches, der mit Tränen in den Augen ein Fräulein Lisarias auspeitschte. An den unbekleideten Oberkörper dieser vielleicht hübschen jungen Frau, der sich vor seinen Augen zu einem Etwas verwandelte, dessen fünf blutige Striemen einfach versorgt werden mussten, damit sie nicht zu viel bluteten oder sich entzündeten.
An ein Etwas, das wieder zu einer Bestraften wurde, die um Linderung für ihre Schmerzen bat.

… an die so unerwartet gefallene Burg der Allianz. An eine Frau namens Anele mit einer Kopfverletzung und Gedächtnisverlust, für die er das Möglichste getan hatte - bei der ihm jedoch die Erinnerung an ein blutverschmiertes dunkles Kinn und einen seltsam entrückten Blick immer noch unwillkürliche Schauer über den Rücken jagte. Bis zurück zu den Schafen reichte ihre Erinnerung. Vielleicht würde der Rest wiederkehren, doch für manches wünschte er ihr andauernde, verschwommene Unwissenheit.

… an die Schreiben, die er für den Orden verfasst hatte. An das nun wirklich fast leere Tintenfass. An die kurzfristige Ablehnung des letzten Terminvorschlags von der angeschriebenen Dame.

… an das Gesicht des Ordenspaters, das ihm in einem ernsten Gespräch gegenüber stand.

… an Bruder Quarius und Sir Mandred, die lange Tage im Kloster verbrachten. Im Stillen beschloss er, mit einigen Fragen bald die beiden aufzusuchen, doch nicht nur mit Fragen über ihre Anliegen, sondern auch einigen ganz eigenen im Sinn.


Er wollte zum Beispiel gern wissen, ob es einen Weg gab. Es Zwiespalt zu nennen, konnte dem nicht gerecht werden, vielmehr fand er es eine Doppelseitigkeit. Als versuchte er so wie er war, als eine Person - mit der einer Person nur zustehenden Zeit - zwei Leben zu vollbringen.

Und er fand bisher keine Lösung. Nur eine Rechnung.
Auf der einen Seite standen viele Menschen, an denen ihm mehr oder weniger gelegen war. Auf der anderen Seite stand nur sie.
Nur… ein Wort, das die Rechnung völlig auf den Kopf zu stellen schien.

Wenn das Leben vor eine Wahl stellt, welches Opfer wir erbringen, so wähle den schwereren Weg. Denn wer den leichten Weg geht, der bringt kein wahres Opfer.

Verfasst: Donnerstag 28. April 2011, 17:30
von Anveena Midame
Langsam glitt Sie durch den Wald. Nur das leichte bersten einiger Stöcker unter ihr verriet, dass die verhüllte Gestalt wirklich auf festem Boden wandelte.
Der Nebel war dicht, wie das tanzen verroteter Seelen, umwandelte er die Bäume, während das Mondlicht ihn glitzern liess.
Fest war Sie in Gedanken verstrickt, sovieles geschah im Leben der Dienerin. Soviel...neues...was ihr befremdlich vorkam, sie dennoch nicht missen möchte. Und soviel feindliches.
Der Gegenfluch gegen die Hexen zerrte an ihrer Kraft. Sie hatte Probleme, vor anderen Menschen gefasst darzustehen und nicht vor Erschöpfung zusammen zu brechen. Doch dies war es wert. Niemand durfte je erfahren, wer die Frau war....mit allen Mitteln würde Sie es verhindern...vielleicht...gar eher sterben.
Doch was Sie früher zum eigenen Schutze tat, tat Sie nun für ihn. Ihr war klar, diese Wahrheit zu erfahren, würde den Mann, den Sie liebte, womöglich brechen lassen. Schmerz zufügen, den die Foltermeisterin niemals mit physischen Methoden erreichen könnte.
Sie stoppte in ihrem Gehen, horchte auf.
Soviel bedrohliches umgab Sie, wie ein Reh in der Panthergruppe. Doch war meist Sie eher der Drachen dort und erwehrte sich gegen die Rolle des Beutetieres. Und dennoch, die Gefahr umstreifte ihre Züge nicht nur durch die ketzerischen Krieger des Lichtes, nein, auch ihresgleichen ist oft verführt, für Macht und die Gunst des Rabengottes verrat an den Schwächeren auszuüben. Sie selber ist nicht besser. Böte sich ihr eine Chance, einen Nebenbuhler zu beseitigen, so tut Sie es. Wie einst mit ihrer Meisterin.
Ihr Blick wendet sich leicht um, eine schwarze Sillhouette stand im dichten Nebel, langsam auf Sie zutretend.
Wer hätte gedacht, dass Sie diese jämmerliche Gestalt jemals wieder erblicken würde. Alleine an der Haltung und des Ganges erkannte Sie ihn...selbst wenn er nicht mehr so gebückt, so schüchtern, so schwach vorranschritt. Nein, es war ein wenig Stolz in dieser...Zuversicht...oder gar Hochmut.
"Schwester...", raunte die kühle Stimme des Mannes hervor. "...soviele Jahre sind ins Land gezogen."
Anveena blieb ruhig stehen, doch ein Bein unter dem langen Saum der Robe nach hinten legend, wie ein Tier, das sich bereit macht, angegriffen zu werden.
"Hätte nicht gedacht, dass du dich jemals wieder nach Gerimor traust."
Ihre Stimme war ruhig, doch Menschen, die Sie kannten, hörten aus der vermeintlichen Emotionslosigkeit die Abscheu heraus,. die Sie dem Manne entgegen warf.
"Aber wieso? Weil du unseren Meister getötet hast? Weil du mich verjagd hast?"
"Du warst Schwach...und eine stetige Gefahr für alle Diener des Landes. Das man dich ergreift, wäre nur eine Frage der Zeit gewesen und selbst die subtilen Methoden der Ketzer hätten gereicht, dich zum singen zu bringen. Es ist dein Glück, dass ich dich nicht getötet habe. Ein Versäumnis, dass ich diese Nacht sicher wieder nachholen kann."
"Aber aber....liebe Schwester...warum so feindseelig?"
"Das du mir auflauerst, hat sicherlich keinen guten Willen in dir. Ich weiß, warum du hier bist. Dein Stolz wird genährt durch Rache, Rache, wegen deiner verschmähten Schwäche, die du weder annerkennst, noch dir eben jene zuweist. Du warst immer ein Narr, du wirst es immer bleiben."
"Schwäche? Ha...ich habe gelernt. Soviele Jahre gelernt, während meiner Reisen. Und der Gedanke, an dich, war mein Antrieb. Besser werden, mächtiger werden. Hunderte Seelen opferte ich, um mehr Macht zu bekommen. Und der Rabenvater war aufmerksam und liess mich seine Macht spüren, sie in mich aufsaugend. Anveena, Schwester...gegen mich bist du ein Windhauch in der kühlen Nacht. Ich werde nun beweisen, wer der Stärkere ist."

Ein leichtes lachen ging von ihr aus, als der Gegenüber die Hand hob und einen brennenden Schädel gen Anveena warf, der direkt vor ihr in einer Explosion ausufert und Sie einige Meter zurück wirft.
Langsam erhebt Sie sich, nur um dann einen Schlag mit einem Stab auf den Kopf zu bekommen, der Sie wieder hinabwirft.
Keuchend und hustend, reisst Sie sich die Maske und die Kaputze vom Gesicht, Blut läuft ihrer Stirnseite hinab, ihre Hand auf den Bauch haltend, robbte und zieht sie sich langsam mit der anderen fort.
"Siehst du Schwester. Du bist nichts. Ihr alle seit nichts gegen meine Herrlichkeit.Du, Simoen, Joanna, Savea....ihr alle seit niedere Kreaturen unter Krathors Macht, die mich durchfliesst."
Knochrige Hände ragen aus dem Boden, packen die liegende Frau und halten Sie fest, während langsam 2 Skelettköpfe emporragen, den Dreck aufwühlend, bis Sie empor gestiegen Anveena hochheben.
"Und das ist noch nicht alles. Ich habe dich beobachtet. Als Rabe bin ich dir gefolgt. Ich weiß alles. Was du tust, wo du lebst....auch...deinen Verlobten. Dieser Ketzer. Ein Diplomat und Heiler des Ordens. Wie jämmerlich, selbst für dich Schwester."
Der Kopf gesenkt, die blutigen Haare baumelnd ihr im Gesicht, während das Blut langsam zu Boden tropft. Gehalten durch die Skelette.
"Doch interessanter finde ich. Dass die kleine, kalte Anveena, fühlt. Oh Schwester, ich entsinne mich an deine Diskussionen mit Simoen und dann, scheint Sie doch zu lieben. Ihr kleines, verkümmeltes Herz schlagen lassend...für einen Feind."
Ein leichtes, lachendes Schnauben geht von der gebeutelten Frau aus.
"Du hast wie immer keine Ahnung, du Narr."
"Oh, der Trotz, wie konnte ich den vergessen Schwesterchen. Sicher, klar, Tarnung und Infiltration und sowas. Erzähl keine Märchen. Ein Blinder würde erkennen, dass kein Mensch solche Gefühle so nachspielen kann. Und weißt du was das schönste ist? Wenn ich mit dir fertig bin, besuche ich deinen Liebsten. Ich werde ihm deine Leiche vor die Füße werfen, ihm sagen, wer du bist und danach...langsam....und genüsslich foltern. Er wird im Gnade winseln, er wird um den Tod betteln, ehe am Ende seine Seele gen Krathors wandert. Und du...du kannst nichts dagegen tun."

Wieder ein lachen.
"Hochmut. Du bist ein Narr, nicht weil du erkannt hast, dass ich einen Menschen liebe...", sie macht einen Ruck mit dem Arm. Das Skelett schreit auf, sein Arm zerfällt zu staub. Es torkelt zurück, ehe es rückwärts auf den Boden fällt und zerbricht. Dann der Ruck mit dem anderen Arm, eben das selbe mit diesem Skelett. Ihre Beine tragen Sie, langsam hebt sich ihr Kopf, die Augen blicken direkt auf ihn. Er scheint sprachlos, er hatte nicht damit gerechnet, dass Anveena noch steht. Und mehr, der Blick, dieser Hass, diese Boshaftigkeit, die ihn förmlich durchbohrt, in seine Seele blickend, sagend, dass es nun keine Gnade geben wird.
"...nein, sondern weil du wiedereinmal meine Kraft unterschätzt hast. Du hast die nächste Stufe der Diener erreicht. Doch auf diesen Stand waren Simoen...Joanna...Savea....und Ich....schon vor Jahren. Hättest du mehr Bücher gewälzt, als schwache Dirnen den Rabengotte zu opfern, wüsstest du, dass es viel mehr gibt. Dass die Macht Krathors in seiner Gunst mehr beherbergt, als eine Rabenverwandlung oder das Beschwören einiger Skelette."
Der Mann reisst die Augen auf, er taumelt einen Schritt zurück. Fassungslosigkeit in seinem Gesicht, gepaart mit Unsicherheit und der Frage, ob Anveena nicht doch ein falsches Spiel hier treibt.
"Das....das ist unmöglich.", er hebt die Hand, wieder ein Schädel, welcher mit einem Handwink von Anveena direkt zu ihm zurückgeschleudert wird und ihn gegen den Baum hinter ihn fliegen lässt, wo er keuchend und hustend auf den Boden liegt.
"Kleiner Narr, du hättest in deinem Loch bleiben sollen und weiter die Ratten fressen."
Langsam kam Sie näher, ihr blutiges Gesicht im Mondlicht klar erkennbar machen, bis Sie durch den Schatten eines Baumes gleitet, dieser ihr Gesicht in die Schwärze der Nacht hüllt und danach, als Sie vor ihm steht, wieder im Mondlicht, all die Wunden und das Blut aus Gesicht und Haaren entschwunden ist.
Sie kniet sich vor ihm, Panik und Angst macht sich in seinem Gesicht breit, ehe Sie nahe mit dem Gesicht an sein Ohr kommt.
"Niemand...", flüstert Sie ihm leise zu. "...fügt meinem Verlobten Schaden zu. Weder Diener, noch Alataris, noch Temorianer. Niemand."
Die schreie, die durch den Wald hallen in jener Nacht, lassen die Tiere aufschrecken, während man am morgen, an jener Stelle nur noch die entstellte Leiche eines Rabendieners findet, dessen Merkmale darauf deuten liess, dass er lange litt und quallvoll zugrunde ging.

Verfasst: Samstag 7. Mai 2011, 22:50
von Niel Finrias
Einmal umdrehen.
Die zuvor untere, nun obere Seite des feuchten Tuchs auf ihrer Stirn war unüblich warm. Fieber - es durfte nur nicht zu hoch werden.
Anveena schlief fest, leise und ruhig atmend, das dunkle Haar floss über das Kopfkissen. Ihr rechter Arm lag - geschient und bandagiert wie er war - neben ihr auf einem weiteren Kissen. Nachdenklich lehnte der junge Mann am Bettpfosten und beobachtete die Verwundete beim Schlafen.
Nochmal das Tuch wenden.
Er dachte an ihr Gespräch, an Anveenas Frage zurück.

"Darf ich dich etwas fragen, Niel?
Glaubst du... Menschen können sich ändern... so gravierend, dass sie Fehler erkennen und sich bessern wollen und, wenn ja... denkst du, jene haben eine zweite Chance verdient?"


"Ja, ich glaube fest daran", hatte er erwidert. Aber wie kam Anveena darauf?
"Egal, was ein Mensch getan hat?"
"Nun, das wäre nur meine eigene Meinung. Aber keiner hat Anspruch auf eine zweite Chance."


Anveenas Kopf begann sich im Schlaf ein wenig hin und her zu regen, scheinbar träumte sie. Das Tuch rutschte seitlich aufs Kissen hinab:
Einmal aufheben.

Laut hatte sie weitergedacht, eine Situation beschrieben, von einem hochrangigen Rahaler, einem Alatargläubigen, der selbst wenn er sich zu ändern wünschte, keine Chance erhielte... sondern stattdessen bestraft und gerichtet würde.
"... so würde keiner auf den Gedanken kommen, sich ändern zu wollen", stellte sie schließlich fest.
"Das mag wahr sein. Ich hab so etwas jedoch noch nie erlebt - denn ich fühle selbst, wie stark man sich dem eigenen Glauben verbindet. Niemand wird dies leichthin aufgeben oder bereit sein, Fehler darin zu sehen, auch nicht einer, der eben den nach unserem Dafürhalten irrigen Weg geht."
"Ja, da hast du wahrscheinlich recht."

Ihre Stimme hatte matt und leicht betrübt geklungen, erschöpft vom Reden. Nun, wenn auch zunehmend unruhig, schlief sie wenigstens.
Erneut das Tuch wenden.
Es war schon fast trocken und wurde gedankenverloren in die Wasserschüssel geworfen und wieder ausgewrungen.
Zurück auf das von blauen, teils langsam violett und grünlich werdenden Flecken bevölkerte Gesicht.
Er lehnte sich dann zurück und zauste sich kurz mit beiden Händen durchs abstehende Haar.
Bettwache...

Klapp. Raschel. Das von ihr geschenkte Buch aufschlagend, blätterte er willkürlich einige Seiten vor.
Giftkunde und Giftneutralisierung: Von A wie Alraune bis Z wie Zink. Das war es nicht wert...
Klapp. Nachdem die Buchdeckel wieder geschlossen waren, starrte Niel eine Weile lang den Einband an. Der Einband starrte förmlich zurück, unnachgiebig und hart wie eine Mauer. Er war aus blauem Leder, fast vom gleichen Farbton wie die Blutergüsse neben Anveenas Jochbein. Der junge Mann mochte es ebenso wenig zurückgeben wie es lesen - wissend, was die Beschaffung des Fachbuchs diese ihm so wichtige Frau gekostet hatte - und so hielt er es einfach unschlüssig in den Händen.

"Aaaah!!!"

Mit einem markerschütternden Schrei fuhr neben ihm Anveena aus dem Schlaf hoch, das ohnehin verschwollene Gesicht mit dem Ausdruck von Angst und Schmerz gezeichnet. Unvermittelt schluchzte sie dann kurz auf, weil sie den gebrochenen Arm reflexartig mit sich gezogen hatte.
Nach dem ersten Schreckmoment wandelte sich seine entgeisterte Miene zu einem besorgten Ausdruck.
"Ein schlechter Traum?" Mehr Feststellung als Frage, und Niels auf einmal schneller schlagendes Herz strafte den ruhigen Klang seiner Stimme Lügen.
Ein Nicken.
Das herabgefallene Tuch von der Decke aufheben.
"Ja, der Vorfall bei Varuna... die Grausamkeit der Letharen...", flüsterte sie und rieb sich mit dem linken Handrücken über die Augen.
Der Oberkörper sank sogleich ermattet zurück ins Kissen, und sie blickte seitlich zu dem jungen Mann an der Bettseite, der ihr noch den dick verbundenen und ungelenken Arm wieder auf das Kissen komplementierte und die Decke zurecht zog.

Es wieder auf die Stirn legen.
Ihre heile, linke... zu warme Hand ergreifen.
Festhalten.

"Versuch weiterzuschlafen, Anveena. Ich bleibe hier."

Verfasst: Sonntag 8. Mai 2011, 23:39
von Anveena Midame
Leise atmete Sie.
Der Schmerz ging durch ihren Körper, fresste sich wie ein Parasit durch ihre Innereien. Und dennoch, es fühlte sich gut an. Sicherlich nicht der reine Schmerz, aber die Tatsache, dass da ein Mensch war, besorgt um Sie und all seine Kraft investierte, um sich um diesen Menschen zu kümmern.
Sicher, sie hätte sich den Letharen offenbaren können, zeigen, wen Sie dort angriffen und Schaden zufügen. Doch warum?
Wenn diese Fürsorge,diese Aufmerksamkeit doch so wundervoll ist.
Ja, der Schmerz war nichts. Er war nicht spürbar in seiner nähe. Da konnte man diese paar blauen Flecken, die kleine Narbe und den gebrochenen Arm verkraften.
Denn schliesslich, wenn Sie wollte, wären zumindest die äusseren Makel schnell behoben.
Langsam schloss Sie die Augen, seine nähe geniessend und dann einschlafend.
"RENN", hallte es durch ihren Kopf. "Anveena RENN VERDAMMT."
Wo war Sie?
Was passierte hier?
Sie blickte sich um.
"RENN.", hiess es abermals. Ein Mann stand dort, mit gezückter Klinge, Er erkannte ihn nicht, sein Gesicht war wie verhüllt durch einen Schleier.
"NICHT OHNE DICH.", kam es aus ihrem Mund herausgepresst. Sie schaute verwundert. Warum hat Sie dies nun gesagt?
Der Mann mit der Klinge ging auf Sie los und griff ihre Schulter. Sie begannen zu rennen.
Langsam verschwand die Sillhouette, es war Nacht...
doch so hell wie am Tage.
Leise, immer lauter werdend, als würden Sie aus dem nichts auftauchen, hörte man Schreie und das kreuzen von Metall, wie es aufeinanderprasselte.
Häuser standen lichterhoch in Flammen, andere Menschen, wie Geister, tauchten neben ihr auf und rannten ebenfalls vor etwas.
"Sie dürfen euch nicht kriegen.", sagte der Mann wieder. "Bei der Göttin, ich werde das verhindern."
Wo war Sie nur? Dieser Mann, diese Stimme, sie klang verzerrt.
Irgendetwas explodierte, es schien ein Schiff gewesen zu sein und die Menschen zuckten zusammen.
"Beeil dich.", der Mann griff unter ihren Arm, als Sie durch die Explosion zusammen zuckte und ob des Knalls den Kopf schüttelte.
Sie wollte seine Hand greifen, sich an ihm hochziehend, doch Sie konnte nicht. Die Hand war schon besetzt und Sie blickte hinab.
Es war ein Bündel, was Sie trug. Sie blickte erschrocken hinab, als Sie erkannte, was dieses Bündel beinhaltete.
"Nie werden Sie euch kriegen. NIE.", sagte wieder der Mann.
Sie liefen auf ein Beiboot am Hafen zu.
"Los rein da.", schrie der Mann und drückte dem Fährmann eiligst einen Beutel in die Hand.
"Assgeier, dass du die Not der anderen scharmlos ausnutzt.", sagte er, als er das Boot wegstiess und sich dann hinsetzte, den Blick auf das brennende Dorf gerichtet.
Sie kannte es nicht, dieses Dorf. Es wirkte erst, als sei es Bajard oder Berchgard, doch es gab viele Gebäude, die dort sonst nicht waren.
Beunruhigender, quälender aber war die Frage, was dort passierte.
Es war ein Angriff, ja, doch wer griff an.
Ehe Sie es schaffte, irgendeinen Feind aus der Ferne erkennen zu können, sprach der Mann abermals.
"Elendiges Rabenpack."
Sie schreckte auf. Es war ein Angriff der Diener?
Sie blickte dann von den Flammen hinab auf das Bündel. Ruhig lag dieses.....Wesen in ihren Armen.
War es ihr Kind?
"Oberst Finrias hatte Recht. Es tut mir leid, dass ich nicht früher da war. Er wartet am Anlegestrand unseres Zielortes. Von dort planen Sie den Gegenschlag. Er wird froh sein, dass es euch beiden gut geht. Er sprach nur von euch...und dass er euch nicht alleine lassen sollte. Nun gut, es hat keiner geahnt, dass dieses Pack ausgerechnet dort angreifen....nur euer Gemahl...sicher intuition...das ist echt..." ...der Kerl redete und redete, doch Anveena hörte nicht zu. Sie war völlig verwirrt.
Wo war Sie nur? Was war das hier?
Sie blickte ins Mondlicht hinein, leise dem Wellen zuhörend und das Rudern des Botes, während das Kind auf ihrem Arm schlief.
Dann blickte Sie auf das Wasser.
Sie atmete einmal tief erschrocken ein. Was Sie sah, konnte nicht Sie sein.
Sie war Alt...sicherlich...nicht wie eine Großmutter...doch Sie hatte einige graue Strähnen in ihr glanzloses Haar bekommen und Falten zeichneten sich unter ihren Augen ab...während....und das war das merkwürdigste, zwei Narben ihre Wange zierten.
Alt werden?
Wie bei....doch Sie konnte den Namen ihres Gottes nicht einmal in ihren Gedanken fassen.
Die Welt um sie herum begann wieder zu verschwimmen...
nur Bruchstückhaft nimmt Sie schemenhafte Gestalten wahr.
Ein Militärlager, wo an jeder Ecke Soldaten standen und Waffen sich aufhäuften.
Ein Lazarett, aus dem das Jammern der Verwundeten zu hören ist.
Ein Mann, dessen kantige Gesichtszüge auf Sie zugehen, mit Narben übersät und dessen Blick erleichterung wiederspiegeln, doch ebensp Hass und Wut auf etwas.
Sie erkannte Niel nicht wieder. Jegliche Güte, jegliche Wärme ist aus ihm gewichen. Was mag nur passiert sein?
Doch ehe Sie mit ihm sprechen konnte, nachdem er dem Kind auf ihrem Arme einen erleichterten Kuss auf die Stirn geben konnte, dreht es sich um Sie. Wie ein Wirbelsturm, den nur Sie wahr nimmt.
Und sie landet auf den Boden, unsanft mit einem Tritt in den Rücken.
"Wo izzt ezzzzz?", faucht die Stimme des Letharen. Sie blickt sich um. Ein Wald, düster und nebelig.
Sie dreht sich, 5 Gestalten offenbaren sich vor ihr. Der Lethar hebt abermals sein Bein und tritt ihr in den Magen.
"WOOOOOO?", schreit er. Die Wut in sich brennt sich förmlich durch seinen Körper. Er ist ausser sich. Anveena will ihren Arm heben, will diesem Monstrum ihre Macht entgegen schleudern. Doch sie kann nicht. Ihr Kopf verwehrt es ihr, sagt ihr innerlich, das dies nicht möglich seie.
Der Lethar schreit einmal auf und hebt seinen Arm, auf welchen eine lange, dunkel schimmernde Klinge durch seine Hand gehalten wird. Und als diese hinabrasselt auf Anveenas Bein, durchleuchtet ein Blitz den Wald und schleudert den Pantherbrütler fort.
"Vage es, Tot bringt Sie mir nichts."
Es ist eine Stimme, wie Tausend Stimmen zusammen, die von der Sechsten Person im Hintergrund zu hören ist.
Langsam kommt Sie vorwärts. Die anderen machen ihr Platz und senken den Blick.
Sie musste kein Gesicht erkennen, um zu wissen, dass eine Dienerin vor ihr stand.
"Wo ist Sie? Wo ist euer Kind? Gib es mir. Es gehört dem wahren Gotte Krathor. Du weisst es und du wirst sein Recht ihm nicht verwehren können."
Anveena bleibt Stumm. Und wendet den Blick ab. Was war das bloss?
Letharen, die auf eine Dienerin Krathors hörten? Und eine Dienerin, die sie so offenkundig angriff? Mehr noch....mein Kind forderte?
"Gut...wie du willst", ein Schnipp mit dem Finger und 2 weitere kommen hervor. Keine Letharen, nein, sie tragen das Wappen Rahals. Doch es ist leicht verändert, eine Rabenfeder schmückt dieses Wappen.
Doch ehe Sie weiter einen Gedanken verschwendete, erkannte Sie, was diese Männer brachten. Einen dritten Mann, den Kopf gesenkt, getragen an den Armen von jenen, während seine Füße auf dem Boden schliffen.
Gekleidet in einer weiß, glänzenden Rüstung und einem himmelblauen Umhang.
"Er wollte nicht reden. Er wird nicht reden. Was für ein teurer Ehemann. Er ist nutzlos für mich. Vielleicht bist du gesprächiger Verräterin."
Verräterin? Anveena wollte hoch, doch Sie konnte nicht. Nicht imstande, etwas zu sagen.
Die Dienerin ging zu einem der Mannen und zog langsam das Schwert aus der Scheide, ehe ihre andere Hand, eine blutrote, knochrige Hand, langsam die Kaputze und schwarze Maske hinab schob.
"DUUUUUUUUUUUUUUU?", schrie Anveena heraus, entsetzt, als Sie erkannte, wer da vor ihr stand. Doch die umstehenden vernahmen kein Geräusch.
Die Dienerin hebte den Kopf Niels an. Blutunterlaufen blickten die Augen direkt zu Anveena, ein seichtes, und dennoch schmerzverzerrtes Lächeln, formte er die Worte "Ich liebe dich", ehe die Dienerin die Klinge über seinen Hals laufen liess und die beiden Männer den toten Körper fallen liessen.

"AAHHHHH", schrie Anveena auf. Schwer atmend, als eine Hand sie packte, die andere ihren Arm stabilisierte und der Schmerz des gebrochenen Armes durchfuhr ihren Körper und liessen Sie erkennen, wo Sie war.
Niel sprach etwas, doch sie vernahm nicht seine Worte. Instinktiv sprach sie von einem Alptram wegen den Letharen vor Varuna...wegen ihrer Grausamkeit, während Schweiß ihrer Stirn hinabrinn.
Sie erinnerte sich nicht mehr, je aufgewacht zu sein. Noch, was danach kam. Doch dieser Traum, er krallte sich an ihrem Herzen fest wie eine Krankheit, die nur darauf wartet, hinauszubrechen.
Und stetig die Frage:
"War es ein Traum, wenn sovieles so Real schien und sovieles so abstrakt?"
Denn eines, das wusste Anveena. Viele Dinge könnten sich so nicht entwickeln. Oder etwa doch?

Verfasst: Dienstag 7. Juni 2011, 13:53
von Anveena Midame
Ruhig stand Sie vor dem Mannsgroßen Spiegel, sich betrachtend, die Hände in die Hüften stemmend, sich leicht drehend, den Kopf nach hinten rückend und alles von hinten begutachtend.
Dann griff Sie nach dem Stuhl, auf welchem ein Berg weißer Fetzen lag. Lilian brachte ihr die ganzen Muster vorbei. Ja, sie schien in die Rolle ihrer Trauzeugin so langsam aufzugehen. Euphorisch berichtete Sie immer, was Sie für Trauzeremonien in Büchern gelesen hat, was man machen könnte, wie man das alles dekorieren sollte und so weiter und so fort.
Anveena musste leicht lachen bei dem Gedanken, ihr Blick auf das erste Kleid gelegt.
Heiraten....Sie....dieser Gedanke war so abstrakt, so unwirklich....
Wie gerne würde Sie all die Menschen einladen, die vor langer Zeit auf Sie spuckten, sie verhöhnten und als Monster beschimpften. Wie gerne würde Sie die Kinnlade all der Männer sehen, wenn diese wunderschöne Frau in strahlendem Weiß gen Altar trat, im Arme einen Grafen, der Sie dorthin führte und sie ihrem zukünftigen Ehegatten übergab.
Ja, sie würde es geniessen, diese hemmische Freude....schade nur, dass Sie alle Tot waren. Wirklich, sehr schade. Sie war dann doch vielleicht ein wenig zu vorschnell.
Nun gut, ändern liesse sich daran nun nicht. Zumindest würde es auffallen, wenn ein paar zerfleterte Leichen in feinen Dress unter den Gästen stünden, mit herabklappernden, abfallenden Kiefern und Maden, die sich durch das letzte Stück verwestes Fleisch fressen, während die Seelen ihrer Peiniger in diesen Containern des Fleisches gefangen waren.
Ja, es wäre wohl sehr schwer zu erklären.
Sie hielt sich das erste Kleid an den Körper, drehte leicht den Kopf von einer Seite zur anderen. Es war ein wenig müheselig mit der Schlinge, die ihren Arm noch hielt.
Er musste noch gestützt werden, empfahl ihr Niel. Natürlich hörte Sie auf ihn, er war ja der Heiler des Hauses. Und einige blaue Flecken zierten dazu noch ihr Gesicht.
Sie seufzte leicht.
So wird das ja auch nichts. Wie solle Sie ihr Kleid aussuchen, wenn Sie noch diesen geschändeten Körper besass.
Sie drehte sich um, blickte zu den Stufen. Niel war wieder weg, im Orden vermutete Sie. Jetzt, wo es ihr besser ging, sie wieder alleine gehen und sich bewegen konnte, auch längere Reisen überstehen konnte, musste Sie ihn förmlich zu seinem Dienst prügeln.
Er ist so fürsorglich, so lieb und zart. Sein Blick verrät viel, diese Liebe, aber auch diese Sorge, wenn er Sie verlassen muss.
Das schlechte Gewissen schien ihn immer noch zu plagen, selbst wenn er akzeptieren muss, dass er nie immer auf Anveena aufpassen könne.
Zumindest liess sich ein Kompromis finden. Sie meidete Reisen zur Abenddämmerung, benutzte nur noch die Kutsche und ging nie des Weges ab. Nunja, wenn es ihn beruhigt, hält sich Anveena daran.
Sie glitt einmal mit der Hand über ihren Körper, die Augen schliessend, leise Worte murmelnd, ehe die blauen Flecken verschwanden, ihre Haut glänzte und der Arm aus der Schlinge genommen werden konnte.
Ja, so war Sie doch eindeutig schöner.
Dann bemusterte Sie das Kleid, leise einen Hochzeitsmarsch singend und sich im Kopfe vorstellend, wie Sie den Weg entlang ging...den Weg zum Altar, wo er stehen würde. Seine Augen glänzend, sein Geist förmlich durch ihre Schönheit umgeworfen und jeder in der Kirche...oder im Zelt oder wo auch immer, ihre Blicke auf sie hefteten, leise seufzten und murmelten, wie wunderschön Sie seie und wieviel Glück Niel doch habe mit ihr.
Ja, es wäre ihr Tag, sie würde ihn auskosten und sich an dieser Aufmerksamkeit ergötzen und nähren.
Und es sollte keiner auf die Idee kommen, ihn zunichte machen zu wollen.
Denn eine erzürnte Braut ist weit gefährlicher, als jede Barbarenarmee...zumal, wenn diese Frau auch noch eine mächtige Dienerin ist.
Und noch stand Sie den Tag vor dem Spiegel, jegliches Kleid probierend und mit den Gedanken fern in der Zukunft sein. Bis gegen Abenddämmerung sie den Arm in die Schlinge wieder legte, die Hand über den Körper gleiten liess und mit einem seufzen wieder die letzten Überbleibsel der Blessouren begutachtete, ehe Sie sich hinauf begebte um dort zu warten. Auf den zukünftiger Ehegatten der Anveena Midame.

Verfasst: Mittwoch 29. Juni 2011, 14:34
von Anveena Midame
Lächelnd saß Anveena über dem Päckchen, die Finger glitten über den feinen Stoff des Kleides.
Sie bekam im Leben oft Geschenke von Männern...doch ein Geschenk in den Händen zu halten, was von jemanden war, den man selber liebte, war etwas völlig anderes.
Ein Gefühl, so fremd, doch so warm. Zu wissen, obwohl er es nicht müsste, obwohl er nicht seine Zuneigung zeigen musste, er nicht um Sie werben muss, dass er an Sie denkt, war so unbeschreiblich.
Und dennoch kam Wehmut in ihr auf. Er ist viel unterwegs, ständig im Orden. Ja, es sind seine Pflichten, doch Sie vermisste ihn so sehr. Die wenige Zeit, die Sie miteinander verbrachten, füllten bei Zeiten nicht das aus, was Sie gerne wollte.
Doch Sie verstand ihn...und würde sich hüten, ihn wählen zu lassen, zwischen Ihr und seinen Pflichten.
Im Moment, schien es auch gut so zu sein.
Sie blickte in die Flammen des Kamins, als Sie seufzend ihren Kopf auf den Tisch legte, nur unscharf das Päckchen direkt vor ihren Augen anblickend, dass es förmlich weh tat. Sovieles ist in ihrem Leben geschehen. Dinge, für die Sie beneidet wurde. Und dennoch erfreute Sie sich nicht daran.
Sicher, dieses Doppelspiel in ihrem Leben war ihr von dem ersten Kuss bewusst. Sie ahnte bloss nicht, wie sich beide Seiten entwickeln würde.
Kaum vorstellbar, gar naiv war damals der Gedanke, Anveena könne nicht mehr empfinden für einen Menschen, als Abscheu, Hass oder Gleichgültigkeit. Sie lief in ihre eigene Falle, die sie sich stellte, blauäugig, wie ein Kaninchen, nur fixiert auf die Möhren über der Grube und der Sturz war tief und schmerzhaft.
Und dennoch, sie würde in jeder Grube liegen bleiben, solange ER bei ihr liegen würde. Seine Hand spürend und sein Gesicht berührend. Dieses Lächeln.
Welch abscheuliches Geschöpf Sie war. Sie begann, sich zu hassen, ihre Taten zu verabscheuen.
Was war das bloß?
Empfand Sie Sympathie für den Feind? Konnte Sie ihre Beweggründe so langsam nachvollziehen?
Sie betrog ihn auf ganzer Linie. Nicht durch Untreue der Fleischeslust, nein, andere Männer rührte Sie nicht einmal mehr an, selbst wenn es dem Rabengott dienlich wäre. Sie betrog ihn auf der Weise, die für Niel das wichtigste in seinem Leben ausmachte: Seinem Glauben.
Sie agierte mit den Menschen, die er bekämpfte. Sie wandelte in der Stadt, die die Lichten brennen sehen wollen.
Es würde ihm am Boden zerreissen, könne er sehen, was Sie sieht. Wenn die Dienerin wanderte, als würde Anveena aus dem Schatten heraus diese Seite ihres Ichs beobachten.
Gekrümt mit verhülltem Gesicht, auf einem Stab stützend, wie eine alte Frau. Mit krächzender Stimme, die auf den Namen Serra hört. Fern die Eleganz und Geschmeidigkeit, der Sexappeal und das Bewusstsein für das Äussere. Nein, dort wandelte die wahre Gestalt. Äusserlichkeiten spiegelten nur ihr verdorbenes Inneres wieder. Ein Körper, durchflutet mit der schwarzen Macht des großen Rabens.
Würde er sehen, wie Sie da stünde, als Krathor sich in seiner vollen Gestalt offenbarte. In der toten Stadt, die vielen Tausenden das Leben entriss. Er das mächtige Wort erhebte und SIE erwählte...als jene, die die Diener führen würde.
Wüsste er, dass die oberste, menschliche Instanz der Rabendiener SIE wäre, die Frau, mit der er das Bett teilte.
Sehe er, dass Sie am Tische mit dem Manne sitzte, den sein Orden, ja das ganze, alumenische Reich an oberste Stelle ihrer Liste der Menschen hätte, die sterben müssten, dem Alka, so nah, das es nur einen Dolch bräuchte, und die Lichten Sorgen wären von einer Last befreit.
Höre er, wie diese krachzende, schmerzverzerrte Stimme den Anhängern des alatarischen Reiches erklärt, was vor sich ginge. Wie es geschehen würde, dass sich eine Armee aus dem Totenreich erhebt und gen unserer Heimat streift.
Sie seufzte.
Wo sollte das enden? Adoran steht nur wenige Schritte vor der kompletten Zerstörung. Ihr Verlobter würde auf dessen Seite bis zum letzten Atemzug kämpfen. Von den Zinnen her über das riesige Heer auf eine alte Frau blickend, die ihren knochrigen Stab in die Höhe ragte, neben dem Alka stehend und soviel Hass auf die Nexa der Diener Krathors bekommen, dass sein größter Wunsch die Vernichtung jener Führer der Diener ist: Die Abscheulichkeit, die seine Frau wird.
Es gab keine 2 Seiten, nur eine Entscheidung. Die eine Seite hat ihre Versprechen gehalten, ihr gegeben, was Sie einst begehrte: Macht und Schönheit. Doch die andere zeigte ihr etwas, was all die Wünsche vorher wie Staub erscheinen lassen und selbst den Tot, der ihr dadurch zuteil wird, als unwichtig erscheinen lassen.
Sie schloss kurz die Augen, im inneren erblickte Sie den Mann, dessen schöne Augen Sie mit einem verspielten Lächeln auf den Lippen anfunkelten. Sie konnte nur an ihn denken und wüsste Sie eine Lösung, sie würde es sofort versuchen.
Sie erhob sich, atmete einmal tief durch und blickte auf das feine Kleid.
Mag aller Probleme zum Trotze geltend, es war so schön und es wäre törricht, dies nicht sofort anzuprobieren.
Mag das Ende kommen, Feuer vom Himmel Regen und die Todesreiter über die Erde wandelnd...verdammt, dann sollte man wenigstens gut aussehen.

Verfasst: Samstag 2. Juli 2011, 19:41
von Niel Finrias
Einmal mehr schlug Niel schon früh morgens den Weg in die Ordensburg ein. Anveena hatte er schlafen lassen, entgegen ihrer eigenen Beteuerungen schien sie manchmal doch recht mitgenommen von den kurzen Nächten.
In den letzten Wochenläufen hatte er stets schon in den dämmrigen Morgenstunden das Haus verlassen und war erst weit nach Sonnenuntergang wieder zurückgekehrt. Er freute sich, wenn sie noch gewartet hatte, manchmal kochte sie sogar, ohne dass er je darum bitten würde.
Selbst wenn sie einfach noch aufgeblieben war, tat es gut, mit jemandem zu reden, der ihn so gut kannte und verstand. Oftmals machte er sich leise Vorwürfe, dass er sich so wenig Zeit für seine Verlobte nahm. So eine schöne Frau wie Anveena konnte leicht einen anderen finden, dessen war Niel sich sicher. Umso glücklicher machte es ihn, wie beharrlich sie ihn, statt ihm ihrerseits ein schlechtes Gewissen einzureden, so weit es ging unterstützte.
Die Schritte führten ihn an diesem wie an jedem Morgen zunächst ins Allerheiligste der Ordensmauern. Nachdem er den säulenumstellten Kirchengang schleichend zurückgelegt hatte, zeichnete er ein gehenkeltes Kreuz vor seiner Brust und ließ sich auf die Knie sinken.

"Oh Temora, hohe Herrin,
die unsere Hoffnung trägt,
erleuchte unsere Herzen und erfülle unsere Seelen.
Steh uns bei, für jene Menschen
um uns das Beste zu tun, einem jeden zu helfen
und den rechten, tugendhaften Weg stets zu wählen..."


Eine Weile verbrachte der junge Mann so im Gebet und anschließend in stiller Andacht, während es auf dem Hof der Ordensburg erst richtig hell wurde. Langsam begannen sich die Tiere im Stall bemerkbar zu machen und erste Stimmen so mancher Ordensmitglieder wurden hörbar, die unter sich Aufgaben aufteilten und den Tagesablauf besprachen.

Er erhob sich und im Verlassen des Kirchschiffes listete er seine eigenen Pläne im Kopf auf: Die Hühner füttern, die Kiste vor dem Burgtor kontrollieren und mögliche Briefe und Lieferungen entnehmen. Briefe beantworten. Die Reagenzien durchsehen, ob welche verdorben seien. Einige ganz bestimmte zur Vorbereitung abwiegen, die getrockneten Henkerskappen in Salzlösung einweichen. Mittags nochmals in die Kirche mit Schwester Althea, damit sie noch einige weitere Weisheiten Temoras kennenlernt - wie lang her kam es ihm vor, dass er selbst von diesen gehört hatte... Etwas essen.
Danach nochmals den Briefkasten überprüfen, die Pferde versorgen, …
Abends dann hatte er vor, nochmals das Rezept auszuprobieren für das starke Arzneimittel gegen Fieber und Krämpfe… es wollte ihm einfach nicht richtig gelingen: Entweder brannte etwas an oder die Farbe stimmte nicht, oder noch schlimmer, das Ergebnis gerann zu einer untrinkbaren, klumpigen Masse. Diesmal musste es klappen, sonst hätte er für einen zweiten Versuch nicht mehr genug Nachtschatten.
Zuerst hatte er sich über diese Zutat gewundert, doch nur ein schwaches Extrakt sollte davon hinzugegeben werden - und er erinnerte sich an die Worte Tivias, als er von ihr einige grundlegende Unterweisungen erhielt: "Ein Gift kann in geringer Dosierung heilende Wirkung haben."

So kam es ihm in den Sinn, dass es mit der Behandlung einer geschätzten Person ebenso sein mochte. Eine kleine Menge von etwas konnte heilend wirken, wo es in massiger Anwendung vielleicht vergiften würde.
So setzte er einen Besuch bei seiner Ordensschwester auf seine gedankliche Auflistung, um bei ihr ein Geschenk für seine Verlobte zu besorgen. Sonst gab er nicht viel um Äußerlichkeiten, die Frau, die er liebte, gefiel ihm ohne jeden Schmuck. Aber er wusste, dass Anveena sich freuen würde - und umso passender schien es ihm, da seine neue Schwester nicht nur eine meisterliche Schneiderin war, sondern auch einen wesentlich besseren Geschmack als er selbst hatte. Alexa würde ihm sicher etwas raten können.

So schlenderte Niel am Abend, es war schon wieder dunkel geworden, die hölzernen Stufen zu seinem Haus hinauf. Drinnen schaute er sich um, alles war still, seine Verlobte schien ausgegangen zu sein. Das kleine Päckchen, das er ihr am Nachmittag im Haus zurückgelassen hatte, war verschwunden, also hatte Anveena es wohl gefunden.
Wenn wir uns schon nicht viel sehen können, so möchte ich doch wenigstens, dass sie in meiner Abwesenheit lächelt.

Verfasst: Montag 1. August 2011, 17:06
von Anveena Midame
Lachend sassen die Diener am Steinkreise. Entspannt, redeten Sie über ihre Erlebnisse der vergangenen Tage. Über kleine Scharmützel in der Interna und darüber, wie man Abenteurer aus Varuna verjagte.
"Und dann, dann hielt die Nexa ihr die Klinge direkt ans Auge. Ihr hättet sehen sollen, wie Sie gewimmert und gejammert hat.", sprach einer voller Heiterkeit heraus.
"Du hättest Sie für diese Dreistigkeiten töten sollen.", entgegente der andere mit einem Schmunzeln.
Doch Anveena hob nur die Mundwinkel und schüttelte den Kopf.
"Du wirst zu weich Nexa.", brüllte der andere hervor.
"Vielleicht macht es ja das Alter? Die biologische Uhr tickt", frohlockte der andere.
"Ohja, die Nexa bekommt Muttergefühle. Sie wird sicher eine grandiose Mama.", kicherte eine Frau aus den hinteren Reihen.
Schlagartig verfinsterte sich ihre Miene. Ein Gesichtsausdruck, der jeden dazu brauchte, still zu sein. Doch im Gegensatz zu den Taten, die sonst auf diese Vorwarnung kamen, winkte Sie leicht ab und lächelte wieder.
Man hielt es für Spaß, man scherzte und feierte weiter die Siege, die die Diener verbuchen konnte, Anveena selber wollte sich die Blöße nicht geben und einen Gedanken offenbaren, der wirklich in ihrem Kopfe existierte.
Es war schon spät, als Anveena durch die Tür ins Haus trat, in den Keller hinab zu einem leeren Bett blickte, sich entkleidete und dort hinein legte.
Sacht streichelte ihre Hand über die andere hälfte des Bettes, wo noch der Abdruck einer liegenden Person den Bezug aufraunte. Ein leises seufzen. Niel war wieder zum Nachtdienst eingeteilt. Sie sahen sich nur noch so selten. Die Lichten verdoppelten die Schichten, ironischerweise wegen der Rabendiener in Altvaruna.
So war in letzter Zeit nicht mehr als ein Gutenmorgenkuss und eine flüchtige Umarmung drin. Wenn Sie Glück hatten, konnten Sie einmal entspannt frühstücken.
"Besuche doch Lilian?", schlug er einmal vor. Doch Lilian...war beschäftigt. Es gab immer irgendetwas anderes, was Sie zu tun hatte. Sogesehen, wusste Sie nicht einmal, was bei ihr gerade so vorfiel, ob Sie es endlich geschafft hatte, mit Kaylem ein Paar zu werden...gar ob Sie noch das Haus in Berchgard bezogen hatte.
Sie war irgendwie nie da.
Doch die Einsamkeit war in den Tagen nicht ihr Feind. Sie war kein Mensch, der Freundschaften hegen und pflegen konnte. Warum auch Freunde haben, die ihr wahres Ich abgrundtief hassen würde. Dessen Nähe nur existierte, als Schein, Lug und Trug...um eine falsche Identität zu bewahren.
Sie schloss die Augen und atmete einmal tief ein.
"Sie wird sicher eine grandiose Mama.",hämmerte es wieder durch ihren Kopf und raubte ihr den Schlaf.
Mama...Mutter...eine Frau, die ein Kind gebahr...ihr eigenes Kind...
Dieser Gedanke...
Sie hatte nie daran gedacht, dass Sie Kinder kriegen könnte...eine Mutter werden.
Sie drehte sich um, weg von der leerliegenden Bettseite.
Niel wird sich sicher irgendwann Kinder wünschen...eine Familie gründen. Doch...kann Sie soetwas?
Einen Mann zu bezirzen um eine falsche Identität zu wahren, war eine Sache. Doch ein Kind zu gebähren, eine andere.
Sie überlegte fest. Sie kann sich an keinen Diener entsinnen, der ein Kind gebahr...doch...eine Pärchen der Diener...aber sie waren es beide. Wie sieht es aber bei ihr aus? Eine Dienerin, die ein Kind mit einem Temorianer hätte? Wie sollte man es erziehen? Wie sollte man es schützen?
Würde Krathor es vielleicht einfordern?
Und würde Sie es ihm geben?
Ein Schauer lief ihr über den Rücken.
Soweit hat Sie nie gedacht.
Sie...als Mutter...der Gedanke...war so abstrus, so unrealistisch...doch es sprach nichts dagegen...zumindest kein Argument, dass Sie irgendwann Niel entgegen bringen könnte.
Sie seufzte...
Denn auf der anderenseite, offenbarte sich ihr ein Bild. Wie Sie da stand, in diesem schönen Kleid, dass Niel ihr Geschenkt hatte, ein kleines Wesen vor sich, dass langsam die ersten Schritte tabste gen eines stattlichen Mannes, der lachend es mit offenen Armen empfang und in einer Kreisbewegung hochhebte.
Er kam näher, drückte ihr einen Kuss auf die Wange und flüsterte ihr etwas ins Ohr. Sie wurde ganz Rot, die Hand strich sacht über das lachende, kleine Etwas auf seinem Arme.
Der Gedanke...war so schrecklich...so absolut schrecklich....schön...
Sie riss wieder die Augen auf. Glaubte für einen Moment, geschlafen zu haben, und war dennoch orientierungslos. Sie konnte nicht abschätzen, ob eine Sekunde oder ein Tag vergangen sind, als Sie langsam ihren Oberkörper aus dem Bett hob und sich mit einer Drehung auf die Bettkannte setzte. Das Gesicht in die Hände vergraben und einmal laut ausstöhnend.
Sie blickte in die Ecke, wo die Fackel leicht den Keller erhellte, ehe ihre Hand hinabwandert an ihren Bauch und diesen sacht streicheln würde.
Eine Mutter? Sie?
Sollte irgendein Gott wirklich diesen Sinn für Humor haben, dass Sie der Frau ein Kind schenken würden, die wahrscheinlich der letzte Mensch auf Erden wäre, der soetwas wie ein Kind erziehen sollte.
Denn das, so wusste Anveena, würde Sie auf einen Pfad bringen, für welchen Sie mehr als nur ihren Tot zahlen müsste.
Und sie ist schon zu weit weg von ihrem alten Wegen...und hat zuviel in ihrem Leben hineingelassen.