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Gedanken über den Krieg
Verfasst: Donnerstag 17. Februar 2011, 03:58
von Niowe Adela Aireth
Krieg! Ich habe mir darüber keine Gedanken gemacht, aber nun seit dem Tag an dem der Herzog und mein Ritter jenen Umstand erwähnt hatten, war er da. Immer gegenwärtig. Wie ein schwerer Schatten hängt er im Raum und nimmt mir die Luft zum atmen.
Wir sind im Krieg mit Rahal. Noch immer.J
a, ich weiß es und doch habe ich es mit viel Geschick wie jeder andere im Reich verdrängt. Wie töricht von mir. Ich habe Angst. Sonderbarer Weise nicht um mich, was mich ein wenig erschüttert, wenn ich über die Dinge nachdenke, die Micheil mir über den Krieg erzählt hat. Gräueltaten, Schmerz und Leid und Tod. Nein, ich habe schreckliche Angst um meinen Ritter. Bei dem Gedanken ihn zu verlieren, droht mein Herz still zu stehen. Ich kann und will es mir nicht vorstellen.
Nicht auch noch er! Bitte Temora nicht er, flehe ich leise. Wenn dann mein Leben für das seine, auch wenn Du es vielleicht nicht in Erwägung ziehst, aber das Reich braucht ihn. Mich weniger. Wer weint schon Knappen nach? Sie kommen und gehen wie Sonnenschein nach dunklen Regenwolken. Aber mein Ritter, er darf nicht….
Ich kann das Wort in meiner Panik nicht aussprechen, noch es in Gedanken fassen, so weh tut es mir.
Ich weiß es ist unrecht Temora zu bitten, sein Leben zu verschonen, aber vielleicht würde sie es als eine Art Tausch für das meine annehmen. Ich lebe gerne und bin glücklich, das ist gewiss, aber wenn meinem Ritter etwas zustoßen würde, dann würde wie bei Micheil etwas Wichtiges in mir verloren gehen. Ich weiß nicht, ob ich noch einmal damit umgehen könnte. Wie vor allem? Darauf finde ich keine Antwort. Da fällt mit der Priester Aaron ein. Ich vermute, er wäre entsetzt darüber, was ich eben denke. Es wäre vielleicht in seinen Augen unrecht.
Ist es das wirklich? Ich bin mir da nicht so sicher. Wie kann es unrecht sein, sein Leben für andere zu geben? Vielleicht wäre das sogar richtig? Oder nicht? Würde die Herrin das akzeptieren? Der Priester Aaron hätte sicherlich eine Antwort darauf. Ich jedoch müsste ihm meine Antwort verweigern für wenn ich mein Leben tauschen würde. Er würde dies sicherlich erfragen, dessen bin ich mir ganz sicher.
Ich kann es nicht verhindern, darüber nachzudenken. Immer wieder. Eine Knappin ohne ihren Ritter ist wie eine Blume ohne Wasser. Sie würde verwelken und sterben. So würde es mir ergehen. Nie mehr sein Lachen vernehmen, nie mehr den Duft seiner Pfeife, den ich so sehr liebe, wenn er nach und nach den Raum füllt, nie mehr all seine Aufgaben erfüllen, oder ab und zu von ihm mit Recht getadelt zu werden. Sogar den ernsten Blick würde ich vermissen, wenn wieder ein Stück seines Porzellans am Boden zerschellt, und vor allem seinen trockenen Humor, den nur er besitzt und der mich ständig zum Lachen reizt. Was in vornehmer Gesellschaft eher unangenehm und nicht sehr gefragt ist. Mit viel Mühe habe ich gelernt es in derartigen Situationen zu unterdrücken, und wenn es gar nicht mehr geht, dann lache ich ganz leise verstohlen hinter vorgehaltener Hand. Wenn wir aber alleine sind, dann darf ich lachen so wie ich will, und tue es auch.
Ich kann es mir einfach nicht vorstellen, ein weiteres Mal alleine zu sein. Er ist meine Familie. Ich lebe in seiner Residenz und nach anfänglichen Gewöhnungsschwierigkeiten ist sie nun zu meinem Heim geworden. Er ist mein Vorbild. Wie sollte das Leben weitergehen ohne ihn? Darauf habe ich keine Antwort und wenn ich keine habe, dann heißt das für mich, es geht nicht. Es darf einfach nicht sein.
In letzter Zeit betrachte ich die Dinge nun anders. Versuche jeden
einzelnen Augenblick, der mir an seiner Seite vergönnt ist, mir einzuprägen. Sollte es wirklich in naher Zukunft der Krieg erneut entbrennen, dann habe ich etwas, woran ich mich erinnern kann. Etwas Schönes in Zeiten des Schreckens.
Micheil hat mir einmal davon erzählt. Wenn es ganz schlimm wird einmal, Niowe, dann denke an schöne Zeiten und sei Temora dafür dankbar, dass du jene erleben durftest.
Ich wünsche mir jetzt so sehr, dass ich dann auch dankbar bin, und nicht verzweifle. Ich hoffe es! Sollte ich darauf vergessen, bitte ich Dich, meine Herrin, jetzt darum es mir zu verzeihen.
Ich bin dankbar für die vielen Aufgaben, die meinen Tag randvoll füllen. Sie nehmen mich in Anspruch und vertreiben diese Gedanken. Ich bin rastlos wie früher, treibe mich bewusst hin bis zur Erschöpfung, um nicht nachzudenken. Dennoch, wenn es Nacht wird, die Laternen in den Straßen Adorans die Dunkelheit durchbrechen, die Stille nur durch das Gebell von Hunden und den hallenden Schritten von Nachtschwärmern, die wie ich noch wach sind durchbrochen wird, dann kommen sie. Dabei sollte ich dieses Buch für meinen Ritter noch mit würdigen Worten füllen.
Konzentriere dich, Niowe, ermuntere ich mich. Du musst stark sein, das ist deine Pflicht und wird erwartet. Ich werde es auch sein, gewiss! Auch dann, wenn er verletzt wird oder noch schlimmeres passiert?
Das solltest du, gerade dann, Niowe, er würde es von dir verlangen und erwarten!
Während ich mir die aufsteigenden Tränen von den Wangen wische, schiebe ich entschlossen meine widerspenstige Strähne aus dem Gesicht und halte sie mit einer Hand zurück, während ich langsam und nun konzentriert Worte und Sätze in dem Buch mit meinem Federkiel niederschreibe.
Etikette und was keine ist
Verfasst: Sonntag 27. Februar 2011, 23:21
von Niowe Adela Aireth
27. Eisbruch 254
Ich sitze da vor einem Stapel Bücher und schreibe so etwas wie eine Abhandlung zu Etikette für mich nieder. All das, was mich mein Ritter in vielen Stunden vor dem Kamin gelehrt und mit mir geübt hat.
Was ist eigentlich Etikette. Etikette ist ein Verhaltensregelwerk das allgemein übliche Erwartungen innerhalb der höfischen und adeligen Kultur beschreibt, und zwar nur dort. Also……
Betrete ich ein Adelshaus habe ich gemäß den Sitten meinen Mantel oder Umhang dem Dienstpersonal zu überreichen und darauf zu warten, dass ich von dem obersten im Rang der Dienerschaft dem Hausherrn oder der Dame namentlich dem Hausherrn oder der Hausdame oder beiden, falls es ein Ehepaar ist, angekündigt werde, dann erst betrete ich den Raum und folge dem üblichen Begrüßungsritual.
Widersinnig wäre es diese Art von Etikette in einer Taverne anzuwenden. Ja sogar fatal in gewisser Weise. Erstens würde das dortige Dienstpersonal in Gelächter ausbrechen und womöglich meinen Umhang in einer dunklen Ecke verschwinden lassen oder sie würden mich anstarren und dann einfach lachen. Einen guten Eindruck würde es auf keinen Fall machen Etikette in diesem Rahmen anzuwenden.
Das Gleichsetzen von Etikette mit einfachen menschlichen Umgangsformen ist wie man in diesem Falle bemerkt unratsam, unerwünscht und untragbar.
Etikette findet ihre Wirkungsweise beim Adel und zu Hofe. Hier läuft sie genau nach einer Art Protokoll ab, welches man genauestens studieren sollte. Also wer vor wem begrüßt werden muss. In welcher Art und wie tief und angemessen die Verbeugung des Herrn und der Knicks der Damen bei derartigen Anlässen sein sollten. Charme und Schmeicheleien sind gefragt und besonderes Augenmerk sollte man darauf legen, wie die Unterhaltung in diesem Rahmen ablaufen sollte. Wäre es nun ein Ball dann würde leichte, unterhaltsame Unterhaltung gefordert sein. Ein guter Einstieg ist hier immer das augenscheinlich wunderbare Kleid der Hausherrin, welches man mit Entzücken bewundert und dies mit höflichen aber keineswegs aufdringlichen Komplimente an die Hausherrin weitergibt. Die, gemäß der Etikette errötend ob des Kompliments sich in aller Bescheidenheit dafür bedankt. Ein weiterer üblicher Gesprächseinstieg ist der prachtvolle Rahmen in dem diese Gesellschaft stattfindet und einem unvergesslich bleiben wird. Auch hier wird die mühevolle und exquisite Wahl herausragenden Blickfängen, wie Speisen, Dekoration, etc.. dem Hausherrn oder der Hausdame dargelegt und mit schmückenden Worten als einer der Höhepunkte dieses gesellschaftlichen Ereignisses beschrieben und die Dankbarkeit für all die Mühe und Sorgfalt des Gastgebers ausgedrückt.
Durchaus üblich ist in solchen Kreisen, dass die Herren des Adels sich in ein sogenanntes Herrenzimmer zurückziehen, wo man auch seine Pfeife rauchen darf und bei einem guten Glas Cognac über dies und das sich unterhält. Wobei auch in diesem Rahmen die Regeln der Etikette ablaufen. Die Rangordnung innerhalb dieser Etikette regelt genau wer wen ansprechen darf oder eher warten sollte bis er angesprochen wird. Ist man in dieser Runde Rangmäßig gleichgestellt kann es durchaus zu heiteren und lockeren Gesprächen mit damit verbundenen Scherzen kommen. Wie es eben unter Männern üblich ist. Fatal wäre es und sehr unmanierlich in Gegenwart der herzoglichen Hoheit dies zu tun. Es sei denn jene würde strikt dazu auffordern, ja sogar den Befehl dazu geben. Aber auch hier sei Vorsicht eher geboten, denn weder Volltrunkenheit oder derbes ungehobeltes Benehmen wird erwünscht sein und kann schlimme Folgen nach sich ziehen. Die Grenzen der Etikette sind sehr streng abgegrenzt. Wer sich nicht dieser Verhaltensstruktur unterwirft, ist verpönt und wird ausgeschlossen. Dies gilt auch für die Sprachweise und dem kultivierten Klang der Stimme. Schrill und laut ist entsetzlich und gar nicht gefragt. Brüllen kann man auf dem Schlachtfeld, wo es auch angemessen und eher notwendig, ob des Lärms rundum ist. Mit einer erlesenen, möglichst Wortwahl entspricht man genau den Vorstellungen, die man in höheren Kreisen hat.
Was ich bei all den Fragen und Studieren der Etikette mit meinem Ritter noch gelernt habe, man wird anders. Diese Übungen haben mich deutlich verändert. Meine Stimmlage ist nun wärmer und deutlich ruhiger geworden. Ich achte auf meine Wortwahl und nur bei Freunden bin ich gelöst und völlig ich selber, aber auch da achte ich darauf ja nicht aus dem Rahmen zu fallen. Den Eilschritt und das Springen über Treppen hinweg habe ich unter Kontrolle, nur dann wen keiner hin sieht, dann tue ich es und ja es macht mir noch immer unbändige Freude.
Was mir noch an mir aufgefallen ist, dass ich Schimpfworte und Quängeleien schon immer nicht bei anderen mochte, ich selber habe das nie getan, da Micheil schon immer bei einer Frau entsetzlich fand und er mich in diesem Sinne jenes zu unterlassen, erzogen hatte. Das Merkwürdige nun ist aber, dass sich zu dem Missfallen von derartigen Dingen ein deutliches körperliches Unbehagen hinzu gekommen ist, welches sich in Bauchschmerzen ausdrückt. Auch bei Unhöflichkeiten und Manieren, die gegen jegliche Etikette sind, tritt es ein. So wie damals bei meiner ersten Greifenrunde, da ist es zum ersten Male aufgetreten. Zuerst erstarre ich, dann kommen die Magenschmerzen und dann wird mir übel. Aber so richtig übel.
Aber zurück zu dem Thema.
Bei einem Treffen der Ritter, wo es um taktische Besprechungen geht, wäre diese leichte, unterhaltsame Unterhaltung wie vorhin bei gesellschaftlichen Anlässen beschrieben nicht gerade passend, wobei nach der Besprechung dann wiederum doch, weil sie als Auflockerung gilt und den Heimweg ein wenig leichter macht, und die Sorgen ein wenig verdrängt.
Von Etikette spricht man auf keinem Fall, wenn man Kirschenkerne über ein Brückengeländer ausspuckt und dabei ertappt wird. Eher ist dieses Benehmen eine Frage der allgemein menschlich üblichen Umgangsformen. Anders wäre diese Umgangsform aber bei Zwergen zu erwarten. Sie wären erfreut und würden sogar einen Wettstreit im Kirschkernspucken beginnen. Dieses Verhalten aber wieder würde in der Öffentlichkeit eher verpönt sein. Also bleibt hier nur die eine Schlussfolgerung….mit Zwergen so jene dies anregen, die Tätigkeit des Kirschkernspuckens an einen entlegenen Ort verlegen, nicht gerade auf einer der Brücken Adorans, und dann viel Spaß dabei haben.
Für heute wäre dies genug zu dem Thema. Tief einatmend schließe ich mein Buch und lege es in meine Truhe. Dann lösche ich die Kerze und begebe mich zur Ruhe. Spät wie immer ist es geworden und morgen ist ein neuer Tag mit weiteren Aufgaben.
Freie Tage und harte Arbeit als Knappin
Verfasst: Dienstag 8. März 2011, 17:39
von Niowe Adela Aireth
8. Lenzing 254
Ab heute werde ich die Tage bis zu dem Krieg der noch schlummert, aber bald wieder erneut ausbrechen wird, zählen. Mir jeden einzelnen einprägen, um nie zu vergessen wie schön das Leben ist, und wie schwer es sich die Menschen gegenseitig machen anstatt diese Schönheit, die Temora uns schenkt zu genießen und sich dafür zu bedanken.
Stimmt ich sollte in die Kirche und mich dafür bedanken, fällt mir ein. Ich habe nun einige Tage frei als Gardistin. Die anderen des Regiments sind nun eingesetzt, danach bin ich wieder an der Reihe.
Endlich ein wenig Zeit um aufzuatmen. Zuerst kamen diese Wasserwesen, nun die Feuerfliegen danach denke ich werden es Wesen der Erde sein oder der Luft. Nur welche? Warum? Ist die Mutter Temoras böse auf uns Menschen? Und wenn, was haben wir getan? So viele Fragen.
Aber mein Ritter würde da sagen, zerbrich dir nicht den Kopf Niowe, es sind genügend andere Aufgaben für eine Knappin da, die noch erledigt werden müssen. Eigentlich hat er recht, aber all diese Wesen werfen eben viele Fragen in mir auf. Während ich die Stiefel meines Ritters putzte wirbeln meine Gedanken nur so im Kopf herum. Noch schneller als diese Feuerfliegen. Zum Glück sieht mein Ritter nicht wie ich drauf spucke und dann poliere wie verrückt, aber nur so glänzen sie perfekt. Etwas, was jeder, der seine Stiefel penibel sauber und glänzend hält wie ich, eben weiß. Sicher auch mein Ritter, als Krieger, aber sehen muss er es dennoch nicht oder? Zufrieden stelle ich die Stiefel an den Platz im Vorraum der Residenz, wo sie sein sollten. Ich bin mir sicher, mein Ritter erkennt sogleich, dass sie nun im perfekten Zustand, wie es eben einem Sire wie er ist gebührt, sind. Erwähnen wird er es dennoch mit keinem Wort, was ich auch nicht erwarte, denn es gehört zu meinen Pflichten.
Ich frage mich, wie der junge Kronprinz wohl aussieht? Hat er dunkles Haar wie ich oder helles wie Delarus? Ist er groß, oder eher klein? Eines ist sicher, er hat einen Kammerdiener, der seine Kleidung und auch die Stiefeln in perfektem Zustand hält. Ich würde ihn gerne einmal sehen! Schließlich diene ich ja auch für ihn im Regiment und als Knappin meines Ritters. Mein Sire hat mir einmal einiges über ihn berichtet, aber genaueres, das was eine Frau eben wissen will, konnte er auch nicht sagen.
Vielleicht bekomme ich ihn zu Gesicht, wenn der Krieg erneut ausbricht? Ein denkbar schlechter Zeitpunkt, um einen echten Prinzen einen anzusehen. Sollte mein Sire die Gnade haben, einmal vor ihn vortreten zu dürfen, dann werde ich ihn bis sein Geduldsfaden reißt, mit meinen Fragen belästigen. Er muss einfach verstehen, dass ich wissen will, wie die Person aussieht und spricht und denkt, für die ich bereit bin im Kampf mein Leben zu geben. Ich hoffe mein Sire versteht das.
Nachdem ich all meine in den letzten Tagen meines Einsatzes als Gardisten vernachlässigten Pflichten in der Residenz erfüllt habe, trainiere ich mit den Steinen. Es sind schon einige dazu gekommen und ich bin richtig stolz nun, weil ich die Wirkung des Trainings im Kampfeinsatz nun deutlich spüre. Mein Sire weiß eben genau, was seine Knappin trainieren muss und was nicht. Ich bewundere ich dafür aufrichtig. Er ist eben genau der Ritter, den ich mir immer gewünscht habe. Meine Anforderungen an mich sind genauso hoch wie seine. Nein, sogar höher noch. Ich will ihm mit jedem Tag aufs Neue beweisen, dass er stolz auf mich sein kann. Da er dies bisher mit keinem Wort erwähnt hat, werde ich mich noch mehr bemühen bis ich in seinen Augen würdig bin. Das wünsche ich mir so sehr! Nur einmal das Gefühl zu haben, er ist stolz auf mich.
Inzwischen ist der Tag bereits zu Ende gegangen. Wie schnell die Zeit immer vergeht. Ich muss noch Amra abholen, um mit ihr ein wenig am See umher zu laufen.
Wie ich da zu gewohnter Zeit des Nachts vor dem See sitze, Amra hat sich an der Feuerstelle zusammengerollt und schläft wirbeln erneut die Gedanken wild in meinem Kopf umher. Sie ist so klein noch bald wenn sie größer ist, werden wir gemeinsam die Wälder durchstreifen. Vielleicht. Wer weiß ob es sie dann noch gibt. Krieg ist etwas Schreckliches. Er hat mir alles genommen, was ich geliebt habe, und hier doch so vieles geschenkt. Ich fühle mich schuldig, weil ich lebe und so viele geliebte Menschen in meinem Leben nicht mehr. Dennoch trage ich Temoras Hoffnung in mir vielleicht mit meinem Schwert diese Schuld zu tilgen, vielleicht andere Leben zu retten, das ergäbe einen Sinn. Ich darf diese Gedanken bei keinem aussprechen, mein Ritter würde mich in den Pferdetrog befördern, um abzukühlen und klar zu denken. Aber das sind doch klare Gedanken?
Ich diene dem Reich und Temora, meine Aufgabe besteht darin die Menschen in diesem Reich zu beschützen, wenn sein muss mit meinem Leben. Darauf kommt es doch an, auch wenn es keiner aussprechen würde. Ich tue es. Es ist die Tatsache. Wir werden dafür vorbereitet alles in unserer Macht stehende zu geben. Das beste Training, stundenlange Quälereien mit dem Anheben von Steinen. Verzweifelte Versuche das Fass mit der Lanze endlich einmal genau an dem Punkt zu treffen, der mir vorschwebt. All das dient dazu, um das Reich zu beschützen. Wofür wir all das auf uns nehmen? Für die Menschen in dem Reich, Menschen wie Fräulein Shaya oder Savea oder Ihre Erlaucht von Dornwald oder Lady Darna und ihre Zwillinge, für die schwangere Zwergin Tarin, Freund Balir oder geliebte Freundin Kunna, oder Tjark den Knaben, der mir ans Herz gewachsen ist. So viele sind es so viele Gesichter und Schicksale. So viel Leben und Freude. Mein Ritter, den ich um nichts auf dieser Welt je verlassen würde. Dafür lohnt es sich.
Apropos jetzt wo ich an ihn denke, fällt mir ein dass die Trauerzeit bereits vorbei sein sollte. Wieso erwählt er keine neue Gefährtin? Es würde ihm gut tun. Auch wenn ich es täglich schaffe ihm ein Lachen zu entlocken, er ist viel zu ernst. Eine entsprechende Frau des Adels an seiner Seite wäre gut für ihn. Auch wenn ich verstehen kann, dass er den Verlust seiner ersten Frau noch immer nicht überwunden hat. Ich hätte sie gerne kennengelernt. Sie muss eine wunderbare Frau gewesen sein. Wenn er von ihr spricht höre ich gerne zu und stelle sie mir in Gedanken mit ihrer Harfe vor. Wie war ihre Stimme? Dunkel oder eher wie meine warm und hell? Zu gerne hätte ich ihren Liedern gelauscht während der Pfeifentabak meines Ritters im Raum schwebt. Vielleicht würde die neue Frau dann ein Fest geben? Ich liebe Feste mit dem Kerzenschein, den Klängen von Musik und den Gesprächen. Klug wäre so ein Fest erst dann wenn ich meine Tanzschritte geübt habe. Seit dem Tag als ich in dieser meiner neuen Heimat ankam, habe ich das nicht getan. Dabei tanze ich für mein Leben gerne. Also mit dem Fest, das sollte noch ein wenig warten, bis ich geübt habe. Das wäre einfach besser.
Wie wunderschön es hier ist. Mein Ort zum Träumen und ein geeigneter Ort um zu zweit diese Schönheit zu genießen.
Dabei fällt mit der Tag, also eher die Nacht ein, als ich zufällig an der Botschaft der Zwerge wie immer im Laufschritt vorbei geeilt bin. Eigentlich wollte ich zu Amra um sie nach dem Training zu einem Wettlauf um den See abzuholen. Aber als mein Blick auf die Botschaft der Zwerge fiel sah ich das Licht in den Fenstern. Insgeheim hoffte ich dass Kunna und Balir da waren. Es war schon eine Weile her seitdem wir uns gesehen haben. Aber auch diesmal waren sie nicht hier. Dafür aber die Verlobte Thorgrims oder so ähnlich. Ich habe keine Ahnung, ob Zwerge überhaupt heiraten, oder etwas Ähnliches tun. Jedenfalls war Tarnimoxa da, der Einfachheit halber nenne ich sie Tarni. Deutlich konnte man schon das heranwachsende Kind an ihrer Bauchwölbung erkennen und sie trank Bier. Was ich überhaupt nicht mag. Alleine der Geruch lässt mich erschaudern. Aber Zwerge mögen eben Bier und das akzeptiere ich. Dass schwangere Zwerginnen dem auch deutlich zusprechen, wusste ich aus Erzählungen Balirs. Aber etwas gesagt bekommen und es dann mit eigenen Augen zu sehen ist ein deutlicher Unterschied. Insgeheim machte ich mir Sorgen um das Wohl dieses Kindes. Wobei, auch das hat mir Balir einst in der Stadt der Zwerge berichtet, es ist üblich den Zwergen nachwuchs mit Bier anstelle von Milch zu füttern. Nur mit Bier. Entsetzlich. Eigentlich für mich unvorstellbar. Als dann noch eine Elfe sich zu uns in der Niederlassung gesellte kam das Gespräch auf Männer. Wie sollte es anders sein? Stolz zeigte uns dann Tarni das Nudelholz, welches sie ständig in Reichweite hatte. Wie ich hier erfahren habe, dient es der Züchtigung der männlichen Zwerge, wenn sie den weiblichen nicht gehorchen. Bei dem Gedanken daran muss ich jetzt sogar noch lachen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses Nudelholz auch bei den Menschenfrauen Verwendung findet. Eher ist es da umgekehrt, wenn ich an meinen Ritter denke. Er benutzt zwar kein Nudelholz aber die drohende Pferdetränke bei etwaigen Vergehen ist auch nicht harmloser. Zwerge sind wirklich sonderbare Wesen. Während ich dem Gespräch der beiden über Männer gelauscht habe, ist Thorgrim neben mir aufgewacht.
Und wie sollte es anders sein, er holte sogleich unzählige Bierkrüge um sie dann rasch einem nach dem anderen zu leeren. Irgendwie zwischen den Bierkrügen kamen wir dann auf den Krieg und Ahads zu sprechen. Gut zu wissen, meinte Thorgrim als ich ihm von jenen berichtet habe, dann kann ich die auch hassen und bekämpfen. Ich für meinen Teil bin mir nicht sicher, ob ich sie hasse. Bekämpfen werde ich sie, wenn der Befehl kommt aber hassen? Ich kenne sie nicht, nur vom Hörensagen und sonderbarer Weise so schrecklich sie auch sein mögen, hassen kann ich sie nicht. Eher bemitleiden, weil sie auf der falschen Seite stehen. Was sie ja auch von uns behaupten werden. Nur der große Unterschied ist, dass ich an Temora glaube und sie Gnade gewährt. Sogar einem Ahad, sollte er, was eher unwahrscheinlich ist, sich ihr zuwenden. Aber Wunder geschehen immer wieder.
Während ich hier am See sitze, denke ich über das Gespräch in der Zwergenbotschaft nach und darüber wie sehr ich das Reich mit all seinen schönen verborgenen Plätzen, wie diesen See hier, liebe. Eigentlich sollte man so schönes mit dem Mann, den man liebt teilen. Aber in meinem Fall war das nicht möglich. Der Mann, den sie aus tiefstem Herzen liebewird mich nie lieben. Das ist mir bewusst und es stört mich nicht. Dennoch das Gefühl in mir für ihn war stark und schön...und einseitig.
Ist es nicht besser jemand zu lieben, auch wenn er das Gefühl nicht erwidert, als nie geliebt zu haben?“ „ Ist jene selbstlose Liebe, die nichts erwartet, nichts erhoffen kann, nicht die schönste und reinste von allen?“Ich bin glücklich so wie es ist, das ist doch das entscheidende daran. Vielleicht darf ich sogar einmal, wenn die Zeit reif ist, an der Hochzeit meines Ritters teilnehmen. Ich wünsche mir so sehr, dass er wieder glücklich wird und die passende Dame an seiner Seite findet. Tief atme ich auf und erhebe mich um Amra nach Hause zu tragen. Ein schöner Gedanke so eine Hochzeit, ich war noch nie auf einer. Vielleicht wird einmal die Hochzeit meines Sires die erste Gelegenheit sein, sich so eine Veranstaltung in den oberen Kreisen anzusehen, aus der Ferne versteht sich. Knappen würden da wie gewohnt angeordnete Dienste wohl verrichten, aber beobachten kann man dabei immer. Das wird mir keiner verwehren können!
Ein Zimmer mit Aussicht und mein Lieblingsplatz See
Verfasst: Montag 14. März 2011, 16:16
von Niowe Adela Aireth
13. Lenzing 254
Ich nenne es Freiheit und Glück da, hier an meinem See, an meinem Lieblingsort wieder sein zu dürfen. Endlich sind die Wasserwesen dorthin zurück gekehrt, wo sie sein sollten und ich atme hier auf. Einigen musste ich noch den Weg aus dem Wald hin zum See zeigen, bis sie es begriffen haben. Nun ist Ruhe eingekehrt. Ich betrachte meine Seerosen und mein Streitross grast zufrieden neben mir, ein warmes Kribbeln in meinem Bauch deutet mir an, dass ich glücklich bin, glücklich weil ich wieder hier an meiner Stelle sein darf, glücklich weil ich die Sterne im See betrachten darf, glücklich weil ich das Donnerrollen höre und Regentropfen auf mein Gesicht fallen, glücklich weil ich hier meinem Bruder nahe bin und den vielen Toten, denen ich an dieser Stelle Blüten geschenkt habe und zugesehen habe wie sie schaukelnd im See dann in der Dunkelheit verschwunden sind. So vieles bindet mich an diese eine Stelle. Es ist ruhig hier des Nachts. Nicht einmal der Regen stört uns beide. Wie aus dem Nichts bricht neben uns die Erde auf und zarte tiefrote Blätter wachsen aus dem Erdreich empor und Blüten so unbeschreiblich schön, glühend golden wie die Sonne des Mittags umgeben von tiefroten Blättern vibrieren leicht im Regen. Was für ein wunderbarer Anblick. Ich höre schon die Worte meines Sires, wenn ich ihm davon erzähle:
"Niowe höre auf zu träumen. Aber Sire, sie sind wirklich da, ich kann sie Euch zeigen. Bitte glaubt mir doch! Dann sehe ich, während ich die Blüten zart mit meinen Fingerspitzen berühre seinen Gesichtsausdruck, der mir deutlich zu sagen scheint: „ Mein Gott, wann hört sie auf mit ihren Tagträumen!“ Und nur zu deutlich vernehme ich sein Seufzen, wie gewohnt, wenn er mich gar nicht verstehen kann, was ab und an vorkommt. Aber er ist ja nicht hier und die Blüten sind es und ich bin einfach nur glücklich, so sehr dass ich schreien könnte. Tue ich aber nicht. Wer weiß, wenn der Schrei aus den Wäldern herbei rufen könnte. Nach Stunden und völlig durchnässt, reite ich dann nach Hause zur Residenz, wo ich ein neues Zimmer erhalten habe. Eines mit Balkon und einem eigenen Kamin! Vor Freude könnte ich heute zerspringen, käme da nicht noch viel Arbeit auf mich zu. Das Zimmer einrichten, meine Truhen samt Amra hierher aus der Herberge übersiedeln, es wohnlich zu gestalten mit vielen Blumen und den Kissen von Kunna, die sie mir bei meinem Einzug in der Herbergszimmer geschenkt hat. Außerdem muss ich mich noch von dem Herbergswirt verabschieden und ihm zu versprechen, dass ich ab und an meinen Tee noch hier trinken werde, so wie ich es anfangs immer getan habe. Er ist ein guter Mann und hat immer ein wachsames Auge auf mich geworfen. Ich bin mir nun sicher, dass mein Ritter ihn dazu verpflichtet hat. Schließlich hat er mir ja damals als ich hier ankam geholfen, dieses Zimmer zu finden. Zu der Ausstattung meines Zimmers und dem Umzug, kommen noch meine alltäglichen Aufgaben und Pflichten als Gardistin und Knappin, die ich ja weiterhin gewissenhaft erfüllen muss. Besser ich schlafe nun. Morgen wird der Tag und die Nacht entsetzlich lange werden.
Eine Burg voller Narren - 15. Lenzing 254
Verfasst: Dienstag 15. März 2011, 18:39
von Niowe Adela Aireth
Entfuhr es mir unwillkürlich als mein Sire und die Festung betraten. Hoch oben am Wehr sang ein Mann, dann brüllte er. Vor mir eine sonderbare Gestalt eines alten Mannes, der wirres Zeug sprach und mich verbrennen wollte.
Verbrennt die Frau!, rief er doch tatsächlich immer wieder. Da sonst keine Frau hier war, meinte er wohl mich. Sir Cedric stand da und erkannte weder mich noch meinen Ritter. Was er ihm da leise zusprach, lies mich erröten. Ich die Knappin, die hinter ihrem Ritter stand war ein wenig überfordert. Dann kam noch dieser Mann von der Wehr herab übergab sich an der Mauer, dabei hat mein Magen deutlich Regung gezeigt, nur meinem Willen war es zu verdanken, dass ich in diesem Augenblick mich nicht auch gleich übergeben habe.
Was für ein Sauhaufen ist das hier? , so hätte es wohl Herr Oberst von Tannhoeh bei dem Anblick dieser Gestalten innerhalb der Mauern gesagt und ich sprach es laut aus. Wobei er, der Herr Oberst von Tannhoeh hätte es wohl so laut geschrien, dass die Mauern wackeln. Zum Glück war er nicht hier und ich habe nur laut gesprochen. Sir Cedric schien nun doch meinen Ritter zu erkennen, aber er ließ nicht davon ab, dass ich die neue Frau desselbigen wäre, nannte ihn sogar alter Haudegen, was mich zur Verzweiflung brachte. Mein Ritter hatte in diesem Augenblick nichts anderes im Sinne, als zu scherzen, und Sir Cedric Kund zu tun, dass er mich, also mich die Knappin, am Markt von Menekur gekauft hätte. Würde ich seinen trockenen Humor, der selbst in schier ausweglosen Situationen, wie dieser wohl jetzt, hervorbricht nicht kennen, dann wäre ich wohl vor Scham im Erdreich versunken. Aber ich stand das tapfer durch. Fügte noch an, ich Idiot hätte wohl besser den Mund gehalten, dass der Sire nicht nur mich sondern die anderen drei Frauen auch dort gekauft hätte. Was in aller Welt ist mir da eingefallen? Wenn Sir Cedric nach diesem Wahnanfall hier sich genau das nur merkt, was soll ich dann tun?
Durchstehen, Niowe! Was sonst! Ich habe bereits auch den trockenen Sinn für Humor meines Sires angenommen.
Nachdem die beiden, Sir Cedric und der andere sich auf ihre Pferde hochgeschwungen haben, was eher ein übertriebener Ausduck für das mühsame Hochziehen und über den Sattel dann fallen, ist, nahm mein Ritter alles in die Hand. Die beiden sollten nach Hause gebracht werden von dem alten Mann und morgen dann würde er nach einem Heiler suchen. Ist das Tollwut? Ich habe keine Ahnung, noch weniger Ahnung, dass Schafe diese mit Bissen verbreiten könnten.
Jedenfalls konnte ich viel später nicht gleich zu Bett gehen ich musste einfach für Sir Cedric beten. Das Gebet half mir immer und in der Kirche fand ich meine Ruhe.
Nach dem eher verzweifelten Gebet zu Temora, und dem Erbitten Sie möge Sir Cedric seinen Verstand wieder wohlbehalten zurück geben, und ihn gesund werden lassen, kniete ich da noch eine Weile vor dem Altar als ein helles Licht mich aufblicken ließ. Hell wie die gleißende Sonne des Morgens strahlten die Kerzen am Alatar gleich einer Antwort auf, und ich war glücklich. Einfach nur glücklich, weil Temora meine Gebet erhört hat. Voller Demut und Liebe zu der Herrin aber auch mit einem Glücksgefühl und der Sicherheit, dass Sir Cedric wieder gesund werden würde, begab ich mich dann endlich zu Bett.
Der Tjost - 95 von 100 das ist die Aufgabe
Verfasst: Donnerstag 17. März 2011, 18:44
von Niowe Adela Aireth
16. Lenzing 254
Lanzentraining wie befohlen.
Wenn Du von 100 Ritten 95-mal triffst Niowe, dann erschweren wir die Übung! Wir, das ist wohl ein wenig übertrieben ausgedrückt, denke ich bei den Worten meines Sires. Er, mein Ritter wird jenes mit der gleichen Sicherheit tun, mit der er jeden Gramm Gewichtsverlust an meinem Körper erkennt. Wie er das macht, ich habe keine Ahnung. Ich ziehe nun schon drei Hemden übereinander an und die etwas dickere Weste, um so ein wenig fülliger zu wirken, damit nichts auffällt, aber seine Argusaugen haben es bemerkt. Was soll ich noch tun zehn Hemden anziehen und darüber zwei dicke Jacken?
Essen, Niowe! Genau, wie ich es erwartet habe, tönt es aus seinem Mund. Das leidliche Thema.
Aber Sire ich esse doch! Tue ich wirklich, des Morgens Tee und einige Früchte und dann irgend wann im Laufe des Tages, wenn ich mich dessen besinne oder mein Magen deutlich sich bemerkbar macht, dann esse ich irgend etwas , was ich gerade bei mir habe und mich nicht lange aufhält. Ein Stück Brot und Käse dazu getrocknete Früchte oder einen Apfel.
Nicht genug, Niowe! Damit war es erledigt und ich stand da wie ein begossener Pudel. Wenn ich da an diesen vermeintlichen Professor denke der für 3 Krieger nach einer Schlacht gegessen hat, wird mir übel. Na gut essen aber heute trainieren, dann essen.
Mein Streitross sieht mich heute so an als würde es grinsen, als ich das Fass am Sattel befestige. Hm, ich wusste bis zu dem Augenblick nicht, dass Streitrösser grinsen, also blickte ist es nun eingehend musternd an während es da steht und so tut als wäre nichts geschehen. Vielleicht habe ich mich getäuscht. Schließlich ist es spät nachts und das Licht der Laternen in dem Hof der Residenz kann so manche Täuschung hervor rufen.
95 aus 100 liegt wie ein Damoklesschwert über uns, also mir eher gesagt, und zum ersten Male wird mir bange. Aber auch das hilft nicht, wir trainieren.
Entschlossen kommen wir am See an. Dort habe ich dann die Fackeln in den Boden gesteckt und angezündet. Daneben dann mein Übungsfass aufgestellt und los kann es gehen. Im Galopp stürmen wir auf das Fass zu, der Nachtwind am See lässt die Fackeln flackern, aber ich und mein Streitross kennen nur eines, das Ziel, das Fass in diesem Fall. Ich konzentriere mich auf das Fass und steche mit der Kurzlanze zu. Das ist mein Gegner heute und noch für einige Zeit. Er wackelt, also das Fass wackelt. Gut so, ich schöpfe Mut. Zurück und wieder ein Angriff. Mein Streitross hat begriffen worum es geht, ich muss ihm nicht mehr die Sporen geben. Es galoppiert sogleich los. Mit fliegendem Haar, diesem stört mich keine Strähne, stürmen wir auf das Fass des Nachts zu. Es muss wohl ein erschreckender Anblick für jeden, den zufällig seine Schritte an unserem Trainingsort führen, sein. Wie eine wilde Horde der Finsternis stürmen wir auf unser Ziel zu. Ich verbissen diesmal das Fass zu treffen mit meiner Lanze, die es genau anfokussiert, mein Streitross genauso verbissen das Tempo gleichmäßig und rasch zu halten, so als wolle es mir zeigen, wir schaffen das gemeinsam. Ja, und wir treffen, treffen wunderbar sogar. Das Fass rollt davon. Fast wie ein Kopf. Bei dem Gedanken wird mir kurz übel. Also eigentlich ist das Lanzenstechen ja nicht dazu gedacht, dass Köpfe fliegen, wie komme ich nur auf so einen sonderbaren Vergleich? Die Turniere sind Kampfspiele an denen man seinen Mut unter Beweis stellen kann und Turniere bedeuten eine große Ehre. Sicher war der Tjost, ein Teil dieser Turniere, nicht gerade ungefährlich, aber ich habe noch nie davon vernommen, dass ein Kopf dabei gerollt ist.
Das muss wohl an dem Krieg liegen, der mir nun ständig seit dem Tage an dem die Greifenrunde statt fand, gegenwärtig ist. Ich steige von meinem Streitross ab, versuche dabei rollende Köpfe und Kriegsgedanken für diese Stunden des Trainings zu vergessen.
Ich rolle das Fass an seinen Platz, rücke die Fackeln zurecht und steige wieder auf. Auf ein Neues! Einige Zeit verbringen wir da am See, galoppieren auf das Fass zu, ich steche mit der Lanze, versuche genau die Mitte zu treffen, dann reiten wir wieder zurück. Vier Male von unzähligen Versuchen, die ich in meinen Augen nicht gelten lasse, treffe ich genau so wie es sein sollte. 4 aus 15 Versuchen. Nicht so entsetzlich schlecht eigentlich.
Übung macht den Meister, würde mein Sire sagen. Wir werden weiter üben. Aber nicht jetzt, mein Ross und ich haben Ruhe verdient. Der Tag begrüßt bereits den See. Ein goldener Streif am Horizont zeigt mir, dass die Sonne bereits die Nacht vertrieben hat. Eine Apfelhälfte teile ich mit meinem Streitross noch, während mein Blick verträumt dieses Schauspiel betrachtet. Ich bin glücklich und ich danke Temora für diesen Anblick! Ein wunderbarer neuer Tag kündigt sich an und ich sollte ein wenig ruhen, denn dieser Tag bringt unzählige Aufgaben mit sich, die erfüllt werden müssen. Noch einen letzen Blick werfe ich auf den See und versenke den Apfelbutzen darin, dann schwinge ich mich auf mein Ross und reite heimwärts, um dort erschöpft in mein Bett zu fallen.
Nur für einen Augenblick
Verfasst: Samstag 26. März 2011, 14:52
von Niowe Adela Aireth
25. Lenzing 254
...an dem ich an dich dachte, Bruder, geschah es.
Ich lehne jetzt da über den Tisch und versuche mich nicht zu bewegen. Alles schmerzt und ich habe Durst und doch kann ich nichts trinken. Der zerbrochene Wasserkrug liegt am Boden. Die blutschmierte Weste habe ich noch an. Es fehlt mir an Kraft sie abzulegen. Der Verband drückt und ich fühle mich so elendig wie nie zuvor. Nicht wegen der Schmerzen, sondern wegen meines Leichtsinns, da wo ich meinte sicher zu sein, geträumt habe. Ich habe Schuldgefühle, die tun mehr weh als diese Wunde. Keine Narben werden bleiben. Wer, zum Henker schert sich um Narben, wenn man kämpft? Ich muss lachen, weil an dererlei nur ein Heiler denkt, sicher keiner, der mit dem Schwert vertraut ist. Das Lachen vergeht mir rasch, die Wunde brennt und spannt. Das ist gut sie heilt.
Zum Glück ist der Sire nicht da, kurz nur auf Reisen.
Dem Heiler habe ich nichts anvertraut. Er hat mich verbunden. Das reicht. Mir auch für den Augenblick. Ich habe keine Ahnung, wer, wie viele und warum sie mich niedergestreckt haben. Ich habe keinen gesehen. Nur dann den Sternenhimmel am See über mir und die Pfeile am Boden und das Blut, welches langsam warm sich über meine Weste gelegt hatte.
Nur einen Augenblick lang fühlte ich mich sicher, habe vertraut, diesem Ort, den ich nur allzu gut kenne. Jeden Winkel, jeden Grashalm, jeden Baum.
Nur einen Augenblick habe ich dort, an diesem Ort, deinen Atem auf meinem Haar gespürt, deine Hand, die mit einer Leichtigkeit, die keiner vermutet würde, wenn er je sah wie du mit dem Schwert zuschlagen konntest.
Nur einen Augenblick lang fühlte ich mich losgelöst und frei. Ein Fehler. Ich hätte nicht träumen dürfen. Nicht einmal hier, Vater hätte mich sicherlich gescholten, nicht mit Worten aber mit seinen Blicken, die mehr weh taten. Habe ich dich so erziehen lassen, Tochter, dass du hier träumst? In freier Wildbahn? Dann hätte er sicherlich nur den Kopf geschüttelt und seine Akten, die auf dem Tisch verstreut lagen, zur Hand genommen. Ein Zeichen damals für mich, dass ich mich zu entfernen hätte. Ich unwürdig wäre weitere Zeit an meiner Präsenz zu verschwenden. Ich schäme mich. Verzeiht bitte, Vater, ich werde mir keinen Augenblick mehr für Träumereien gönnen. Ich versuche es. Vertraut mir.
Nur für einen Augenblick sehe ich dann deinen Blick Micheil, der mir sagt, es ist nicht so schlimm, alles wäre in Ordnung. Ist es das wirklich? Du bist nicht hier, und keiner sonst würde es wagen, mir das zu sagen.
Nur für einen Augenblick, möchte ich dein Lächeln sehen, dass mir Kraft gibt, immer wieder, jeden Tag aus Neue, das zu tun wofür ich geborenen wurde, dass mich glücklich macht, wofür ich mich im Gegensatz zu dir entschieden habe. Ich durfte wählen, du nicht. Dennoch warst du auch glücklich, weil du wie ich in jedem neuen Tag die Herausforderung angenommen hast die Schönheit des Lebens zu erkennen. Temoras Liebe und Güte.Wenn auch manchmal nur für einen Augenblick, aber der ist es wert. Das wussten wir beide. Das ist Glück, nichts anderes.
Nur einen Augenblick möchte ich deine Stimme vernehmen, die immer so voller Wärme war, sogar dann, in jenem Augenblick als du das tun musstest, was wohl das schwerste für dich in deinem Leben war, mich fort zu schicken. Ich bin dir dankbar.
Nur einen Augenblick dich hoch zu Ross sehen, mit der Hoffnung im Herzen du kehrst zurück. Ich habe Angst, nicht so sehr um mein Leben, aber vor dem Augenblick dies könnte sich wiederholen. Jenen Augenblick, wo ich meinem Ritter ein letztes Mal davon reiten sehe. Ich weiß, das sagt mir mein Verstand, dass ich auch diesen Augenblick ertragen werde. Nur wie? Was tut eine Knappin dessen Ritter in der Schlacht fällt? Am besten nicht daran denken! Wunderbar, guter Rat, aber wie geht man damit um? Darauf hast du mich nicht vorbereitet!
Niowe, denk nicht so viel nach!
Wir richtig doch die Worte meines Sires sind. Nicht nachdenken, einfach das tun, was getan werden muss. Gut. Aber das löst noch nicht die Frage, was kommt danach?
Nur noch einen Augenblick würde ich gerne in deine Augen sehen, die voller Güte immer auf den meinen geruht haben, die meine Ratlosigkeit und meine Gedanken, wie der Lufthauch an dem See, einfach fort geweht haben. Ich könnte deinen Blick ab und an brauchen, Bruder.
Nur noch einen Augenblick möchte ich dich in dem schweren Ledersessel neben dem Kamin betrachten, wie du mit dem Holzspan dir deine Pfeife anzündest, und dabei die Augen schließen und den Duft des Tabaks tief einatmen.
Nur noch einen Augenblick Vaters Stimme vernehmen, wie sie klar und deutlich überall im Haus zu hören war. Wissen er ist wieder da, wohlauf und ich habe noch einmal die Gelegenheit ihm zu zeigen, dass es mich gibt, und ich alles tun werde, alles so wie heute und jetzt, um seinem strengen Vorgaben würdig zu sein, damit er stolz auf mich sein kann.
Nur noch einen Augenblick indem man alles wieder heil ist wie zuvor, den es nicht gibt. Ich weiß es, dafür gibt es andere, die ich festhalten kann, sogar den hier und jetzt, wo ich den Verband abnehmen darf, um mich endlich nach den Tagen der Müßigkeit erneut meinen Aufgaben zu stellen. Ein schöner Augenblick.
Drei Tage des Grauens und doch immer wieder ein Licht in Sic
Verfasst: Dienstag 29. März 2011, 17:50
von Niowe Adela Aireth
27. Lenzing 254
Die letzten Tage waren mehr als genug als mein Körper und auch meine Seele ertragen konnten. Zuerst das Gespräch mit Herr Narus. Dieser Mann kostete mir sehr viel Kraft, so nett und höflich er auch sein kann, er ist oftmals unberechenbar. So unberechenbar wie bei diesem Mann von dem Orden, den wir zuerst höflich begrüßten, dann plauderte Herr Narus noch ein wenig mit ihm, soweit war alles in Ordnung. Noch! Alles lief in einem sehr höflichen und noch freundlichen Tonfall ab. Als dieser sich dann entschuldigte und sich verabschiedete, weil er eine Schülerin unterrichten musste, was wir, also ich und ich dachte auch Herrn Narus, sehr gut verstanden haben, bricht es aus Herrn Narus heraus. Was immer dieses „Es“ ist, es ist erschreckend, so plötzlich und unerwartet, wie das Wort *Lustmolch*, das er diesem Ordensmann hinter her wirft. Zum Glück so leise, dass nur ich an seiner Seite es verstehen kann. Aber ich erstarrte vor Schreck in diesem Augenblick. Wie kommt er nur auf so etwas, so aus heiterem Himmel? Ich begreife den Zusammenhang nicht, aber ich begreife sehr wohl in diesem Augenblick eines. Niowe, du musst auf Herrn Narus aufpassen, damit ihm kein Leid geschieht. Im Reich ist dies mir möglich, da kann und da werde ich es auch mit all meiner Kraft versuchen, die Gemüter beruhigen und Streit schlichten. Aber ich kann nicht ständig an seiner Seite sein, ich habe genügend Aufgaben im Regiment und auch als Knappin, die ich erfüllen muss. Gemüter beruhigen und Streit zu schlichten, genau so hätte auch mein Bruder verfahren. Ruhig bleiben, und die Wogen glätten.
Nur zu gut kann ich mir vorstellen, wie andere auf derartiges reagieren würden. Genau das aber will ich Herrn Narus ersparen, denn, mit all seinen Eigenheiten, Verwirrungen, diesem plötzlichen „Es“, anders kann ich es leider nicht beschreiben, dass immer wieder auch mir gegenüber ausbricht, sogar mit diesem Fehler in seiner Jugend, so nannte er ihn, der für mich unverständlich und ja auch abstoßend ist, Herr Narus ist ein Mensch und ein Bürger Adorans. Es ist meine Pflicht dies zu tun, denn ich liebe die Bürger Adorans.
Diesmal gingen wir zwar knapp an einer Katastrophe vorbei, der Ordensmann hat nichts mitbekommen und ich atme einfach nur tief auf. Was an den Tagen danach noch folgen sollte, wusste ich zum Glück nicht in diesem Augenblick.
Unvorbereitet und eigentlich in meiner besten Laune folgte der nächste Schlag dann Tags darauf. Ich traf erneut auf Herr Narus, das Schicksal hat wohl unsere Wege eng verschlungen. Bei seinem Anblick stockte mir das Herz und hörte für einen kurzen Augenblick vor Schreck auf zu schlagen. Bei Temora, so habe ich nicht einmal nach dem ersten Training mit meinem Sire ausgesehen, als mich sein Schlag unerwartet damals getroffen hatte.
Man hatte ihn geschlagen, das war offensichtlich. Sein Gesicht spiegelte alle Farben wieder und er sah einfach erbärmlich und bemitleidenswert aus. Die aufgesprungene Lippe musste auch sehr weh tun. Warum man ihm das vielleicht angetan haben könnte, das ahne ich, möchte es aber sicherlich nicht genauer in Erfahrung bringen. Was ich dann aber tat, einen Tag danach.
Als er dann so da stand in diesem Augenblick und die Wolfsstatue der Thyren auf den Sockel stellte und diese hin und her rückte, wohl um zu prüfen, ob sie nun fest sitze oder nicht, ließ den Schlag meines Herzens für einen kurzen Augenblick aussetzen, als ein Thyre, ein baumlanger Mann durch die Tür kam. Temora sei dank war dieser Mann sehr freundlich als er die Fürsorge von Herr Narus bemerkte.
Und dann wie wenn „Es“ abermals aus Herrn Narus hervorbricht, dann
Dann noch dieses sonderbare Verhalten des Fräuleins Nemok. Ich mag sie eigentlich, wenn man das von einem Menschen behaupten darf, den man nur einmal zu Gesicht bekam.
Auf meinem Rundritt als Gardistin im Reich hatte ich diese Mal bei weitem genügend zu tun, zu viele Räuberbanden waren unterwegs. Jede einzelne Gruppe habe ich zerschlagen und in die Flucht gejagt, rundum Adoran aber auch in der Nähe von Berchgard waren sie. Eigentlich sonderbar so viele Gruppen an diesem Tag hatte ich bisher noch nie erlebt. Aber es gehörte zu meinen Pflichten die Wege für die Bürger ein wenig sicherer zu machen. Ständig musste ich auf der Hut sein und aufmerksam die Gegend mit meinen Blicken absuchen. Das Fräulein hat mich wohl gegrüßt, was ich nicht vernommen habe, zu meinem Bedauern. Als ich ihr am Tor von Berchgard erneut begegnete, entschuldigte ich mich. Was sie kaum zur Kenntnis nahm und es mir abermals vorwarf. Als sie sich dann in einem nahezu lächerlichen Tonfall über meinen Salut mit dem Schwert gegenüber einer Rekrutin äußerte, die hinzu kam, ritt ich davon. Irgend wann wurde es zu viel, Die Menschen, so kam es mir nun deutlich vor, wurden langsam aber stetig aggressiver, so als hätte man ihnen etwas in ihr Trinkwasser geschüttet. Es gab mir zu bedenken, denn etwas stimmte da nicht. Außerdem würde ich gerne ein Mal diesen Salut mit dem Schwert zeigen. Es ist ein durchaus ehrenvoller und bei Reitertruppen üblich eher. Es gibt noch eine Variante, die aber nur dem König und dessen Familie zusteht. Vielleicht, es wäre schön, darf ich ihr diesen Salut einmal zeigen.
Eigentlich waren die Bürger Gerimos immer drauf bedacht gewesen, hilfsbereit und freundlich zueinander zu sein. Aber in den letzten Tagen kam dies mir nun nicht mehr so vor.
Wenn ich darüber nachdenke, wie Herr Narus vor Zorn gebebt hat gestern und ich ihm dabei nur mitfühlend angesehen habe, was diesen Zustand noch erheblich gesteigert hat und ihn in seiner Rage dann, die ich noch weniger verständlich ist für mich war als sein Zorn, etwas tun wollte, was Herr Narus dann sicherlich bereut hätte, fühle ich mich nicht sehr wohl. Nur meinen Worten gelang es, die zum Glück mir in diesem Augenblick eingefallen sind, ihn ein wenig zur Räson zu bringen. Der Priester Aaron, den ich sehr schätze, eigentlich ist er nun Diakon, tat sprach dann zum Glück alleine mit dem mir in die Kirche folgenden wutentbrannten Herr Narus. Dafür werde ich ihm ewig dankbar sein.
Ich kann nicht umhin zu behaupten, etwas stimmt in diesem Land nicht. Alle verhalten sich sonderbar und ich stehe da und betrachte diese Emotionen wie ein Zuseher den Akteuren auf einer Bühne. Nur ich finde es bei weitem nicht entspannend, wie es üblicherweise bei einem Theaterstück ist.
Ich habe dann zu Temora gebetet. Ihr die Fragen gestellt, die ich natürlich selber beantworten muss. Irgendwann. Ich bin mir sicher, dass wie bei all den anderen Fragen, die Antwort eines Tages einfach da ist. So wie der Vogel Ihrer Erlaucht. Ein Lichtblick ist diese kleine Silberlerche. Wie schön sie ist und ich habe Angst um sie, wenn mein Sire sie unerwartet antrifft, ohne dass ich ihm erkläre wem diese Silberlerche gehört, lässt er sie in der Küche von dem Personal braten. Das würde ich nie überwinden. Erlaucht von Dornwald wohl auch nicht. Ich habe ihr doch versprochen auf sie aufzupassen, bis ihre Diener sie holen, und irgendwie hängt mein Herz nun auch an diesem Vogel, den ich Regelmäßig füttere und beobachte und vor allem diesem wunderbaren Gesang lausche.
Um weit fort von all dem dann ein wenig zu entspannen, packte ich mein Streitross und meine Satteltaschen mit all dem, was für eine Reise mir wichtig erschien und ritt davon. In der Wildnis von Lameriast hoffe ich ein wenig auf Ruhe.
Von wegen Ruhe.
Als ich vergnügt nun durch die Wälder ritt, stand abseits mitsamt Pferd Herr Katuri. Oh, nein wollte ich schon ausstoßen. Wieso Herr Katuri und hier, wo ich doch hoffte keinem zu begegnen. Doch er war es und traurig auch noch. Seine üblichen Scherze und auch der ironische Ton in seiner Stimme blieben aus.
Gut, dann reden wir, höre ich meine Stimme. Was in aller Welt hat mich in diesem Augenblick nun dazu gebracht das zu sagen?
Ja, und wir redeten bei einem Becher Tee, den ich auf dieser Feuerstelle zubereitet habe. Wobei Wir redeten übertrieben war, Er sprach. So habe ich ihn noch nie erlebt, und bei seinen Worten wurde mir übel. Auch das noch! Die Reinheit vor der Ehe nicht gewahrt. Ich musste mich zurückhalten. In was für einen Lasterpfuhl bin ich da geraten? Alle scheinen mit einer Leichtigkeit und Unverfrorenheit über diese Angelegenheit, ich habe es auch ihm gegenüber so genannt, zu sprechen als wäre es nichts. Gibt es denn keinen Menschen, der rein und unbefleckt ist? Sich diese Angelegenheit für die Hochzeitsnacht aufhebt und vor allem mit mir nicht über diese Angelegenheit spricht?
Es ist passiert!
Wunderbar Herr Katuri! Gut gemacht, ich dachte Ihr wäret wenigstens ein Mann von Verstand und bewahrt das, was man eben für diese eine Nacht bewahrt. Nein, er musste es ja tun und schiebt dann noch die Schuld seiner Verlobten zu, was mich fassungslos macht.
Augenblick Herr Katuri, dazu gehören immer zwei, wie man mir erzählt hat!
Noch bin ich ruhig! Ich weiß nicht woher ich diese Ruhe noch nehme. Aber ich bin deutlich nun am Ende meiner Kräfte. Wie einfach machen es sich die Menschen, wie Herr Katuri oder auch……nein den Namen will ich heute und hier nicht erwähnen, ich muss abschalten, vergessen hier. Das wollte ich doch eigentlich tun! Dann diese Aufgabe, er lässt seine Verlobte einfach ohne etwas zu unternehmen ziehen, will mir sogar dieses Schwert reichen. Jetzt reicht es wirklich! Er will mir seine Verantwortung übergeben! Ich soll an seiner Statt, das tun was richtig ist? Wie kommt er dazu? Er ist der Mann! Leah ist seine Verlobte.
Nun spreche ich, klar und deutlich das aus was ich denke, gehe dabei hastig auf und ab, was mir dabei hilft.
Ein wenig Zurückhaltung hätte ich schon von Euch erwartet! Leicht funkeln dabei meine Augen, ich kann es nicht verhindern.
Ihr seid der Mann oder?
Sonst wisst Ihr genau damit umzugehen, aber wenn es darum geht, setzt Euer Verstand aus! Verzeiht, Herr Katuri, aber so ist es! Also stellt Euch dem! Tut endlich Eure Pflicht im Sinne Temoras und bringt Leah ins Kloster. Denn das ist nicht meine Aufgabe, sondern die Eure, Ihr seid der Verlobte, Ihr liebt sie und sie Euch! Helft ihr!
Zu meinem Erstaunen steckte er die Klinge dann in die Scheide, springt auf und reitet davon.
Und ich bin endlich alleine und kann mich ein wenig um mich selber kümmern, mich wappnen gegen all das, was da noch auf mich zukommen mag.
Ein vertrockneter Blumenstrauß macht so richtig froh
Verfasst: Dienstag 29. März 2011, 19:44
von Niowe Adela Aireth
28. Lenzing 254
Ich bin zurück gekehrt nach Adoran. Noch immer ein wenig angeschlagen, aber wohlauf. Wobei sich das ändern sollte, so rasch wie der Wind sich an der Küste der Stadt dreht.
Der Priester Aaron, so nenne ich ihn insgeheim, hat mich gebeten, ihn zu seinem Schutze in den Order zu begleiten. Ich ahne bereits, das, was da auf uns wohl zukommen mag. Auf den langen Fußmarsch dahin, muss ich mir die Frage nun beantworten, bin ich als Knappin sein Begleitschutz oder als Gardistin des Regiments? Ich entscheide mich, für das letztere.
Auf den Weg dahin überlege ich, wie ich Kamerad Katuri begegnen sollte, würde ich es tun.
Schweigen darüber, was er und du gesprochen habt, Niowe! Gut das fällt mir leicht und das hätte ich sowieso getan. Vergessen werde ich es auch, denn es ist nicht meine Angelegenheit. Schon wieder das Wort. Nein, vergessen werde ich DIESE Angelegenheit nicht, es ist mir peinlich alleine der Gedanke daran. Aber, ich sollte meine Scham unterdrücken, denn Katuri ist ein Kamerad, als solcher zu betrachten. Mehr nicht.
Aber der Knappin wird es dennoch immer peinlich bleiben. Die hat nun Angst davor ein Gespräch mit Herrn Katuri anzufangen.
Besser wir lassen ein wenig Zeit darüber streichen und solltest du ihn treffen Niowe, sprich vom Wetter. Frage ja nicht mehr, was mit ihm los ist oder anderes. Aber, das kann ich nicht. Ich meine, wenn ich sehe wie schlecht es jemandem geht, dann muss ich doch Fragen stellen?
Nein, musst du nicht!
Doch, muss ich!
Unwillkürlich atme ich bei dem Marsch auf. Ich habe Aaron gar nicht zugehört! Was hat er eben gefragt?
Wie fühlt Ihr Euch heute?
Schrecklich, gebe ich ehrlich zur Antwort. Er nickt und lässt es auf sich beruhen. Danke Aaron! Weitere Fragen wären jetzt und hier zu viel gewesen für mich.
Erneut widme ich ihm meine Aufmerksamkeit bis wir bei dem wehrhaften Gebäude des Ordens ankommen.
Nach dem Läuten an der Glocke, strömten Menschen aus dem Orden. Einige kannte ich, andere nicht. Männer und Frauen standen um uns.
Diakon Aaron hat dann der Knappin Tarnya hat nach den üblichen Förmlichkeiten der Begrüßung dann den Wunsch geäußert mit wem er sprechen wolle, dem Ritter Mandred Louisan und dann sagte er etwas von einem Herrn, der sich gefallener Paladin betitelt. Das habe ich noch nie vernommen, aber wie dem auch sei, ich würde sicherlich in Diplomatie von Diakon Aaron heute etwas lernen können. Er war nebst meinem Sire bestens ausgerüstet mit einer ruhigen, sachlichen Wortwahl, die Dinge höflich auf den Punkt brachten. Ich war zuversichtlich. Leider konnte ich dann der versammelten Mannschaft nicht in die Burg des Ordens folgen, denn ich überlasse sicherlich nicht der Knappin Tarnya die Klinge des Sires, die in der Scheide an meiner Seite steckt, jene, die er mir anvertraut hat und mit welcher ich trainieren darf. So galt es nun als beschlossen, dass ich da vor dem schweren Gittertor der Burg verweilte, während alle anderen auf der anderen Seite im Hof standen. Wenn man aufmerksam war, so konnte man die Sprechenden vernehmen und sogar durch die Gitterstäbe die Gestalten erkennen. Ich fragte mich unwillkürlich in dem Augenblick, wieso eine wehrhafte Burg ein Gittertor hat. Eigentlich hatte ich ein solches nur bisher in Kombination mit einem schweren Holztor bisher gesehen. Sicher Holz brennt gut, aber danach schützt das Gitter. Beides zu überwinden kostet Zeit. Beides zusammen hat seine Berechtigung. Aber eines alleine? Gleichgültig, Niowe, es gehört nicht zu deinen Aufgaben sich über Bauweisen einer Burg Gedanken zu machen.
Das Gespräch dauerte eine Weile, also ging ich vor dem Tor auf und ab. Endlich kam Diakon Aaron. Ich begleitete ihn noch zu den Klosterpforten, dort wechselten wir noch einige Worte, danach begab ich mich gen Adoran. Meine Achtung vor Aaron steigt an diesem Tag noch ein wenig mehr an. Ich beneide ihn keineswegs um das schwere Amt und die oftmals damit verbundenen Bürden, die auf seinen Schultern lasten. Möge Temora ihm beistehen, jetzt und in Zukunft.
Tags drauf stieß ich dann auf den Heiler, der meine Wunde verbunden hatte. Ich freute mich richtig ihn wiederzusehen. Als er mir dann noch einen vertrockneten Blumenstrauß überreicht hat, den er wohl in einem Krug mit Bier gefüllt, frisch halten wollte, war ich gerührt. Noch nie hatte ich einen Blumenstrauß erhalten. Ich war richtig glücklich an diesem Tag gen Abend habe ihn dann diesen armseligen Strauß, der jedoch für mich das schönste und warmherzigste war, was ich bisher erhalten hatte, in die Residenz in mein Zimmer gebracht, wo er vertrocknet in einer Vase steht. Als Mahnmal für mich, dass es immer und jeden Tag aufs Neue Augenblicke gibt, die wunderschön sind, und für diese kleinen Momente des Glücks und der Freude wir einfach dankbar sein sollten, und sie vor allem nie vergessen. Vielleicht sollte ich Aaron auch einen Blumenstrauß schenken, damit er sich freut?, überlege ich.
Nein, das wäre für eine Knappin nicht angemessen, für eine Gardistin noch weniger, befürchte ich. Aber Niowe könnte ihm doch einfach nur einen Blumentropf schenken oder?
Noch ein Blumenstraß und Lektion 11,nie aus der Tür springen
Verfasst: Samstag 2. April 2011, 18:02
von Niowe Adela Aireth
1.Wechselwind 254
Der Tag hatte wunderbar begonnen. Das Steinheben war richtig gelungen. Mehr als ich erwartet hatte, konnte ich mitsamt Säcken heben. Ein Glückstag dachte ich, dass er es nicht war, wusste ich in diesen Augenblicken noch nicht. Meine Armmuskulatur sah richtig gut aus bereits. Wohlgeformt und hart zugleich. Nicht übertrieben, aber kein Gramm Fett war nun an meinem Körper zu sehen. Alles war fest und durchtrainiert, und einen weiteren Vorteil bemerkte ich noch. Ich saß gerade, ging gerade und auch beim Reiten tat, die nun mehr richtige, aufrechte Haltung mir gut. Mein Streitross und ich sind inzwischen eng miteinander verbunden. Es gehorcht mir nun bei jeder Aktion bedingungslos ohne Zögern oder sich verwehren. Sogar durch die seichten Stellen am See hin zu der Insel mitten im See schafften wir es, was mir noch immer Überwindung kostete muss ich gestehen, meinem Streitross weniger. Mit Leichtigkeit überquerte es die durchquerbaren Stellen im See. Unsere täglichen Trainingsläufe mit allen auch noch so erdenklichen Hindernissen, hat Erfolg gezeigt. Auch wenn meine Lederhose durch das, von den mächtigen Hufen aufgewirbelte Wasser, bis zu den Schenkeln hoch nass war, wir waren ein Team, so wie es sein sollte. Und Lederhosen trocknen. Schwimmen kann ich leider noch immer nicht so richtig. Dafür macht mir das zweimalige Baden sogar mit Untertauchen Spaß und den zarten Duft der Blütenseife, der nun mein ständiger Begleiter geworden war, den liebe ich. Da fällt mir ein Herr Narus wollte mir schwimmen beibringen. Von wegen Schwimmen, das kann er sich vergessen! Schwimmen ist eine sehr sehr heikle Sache, für mich zumindest und seit dem Vorfall mit Herr Narus bin ich sehr vorsichtig geworden, ihm gegenüber. Wer weiß was ihm noch alles einfällt. Aber Schwimmen wird er mir sicherlich nicht beibringen! Das ist gewiss.
Voller Tatendrang öffne ich die Haustür und will wie gewohnt über die Stufen springen. Bleibe aber an etwas hängen und lande bäuchlings auf dem Rasen. Verflixt noch mal, wer hat da etwas auf die Stufen gestellt. Rasch richte ich mich auf, streife dabei die Grashalme von meiner Hose und sehe mir den Grund meines Aufpralls auf den Rasen an. Noch ein Blumenstrauß, diesmal habe ich ihn beschädigt. Zerrupft und geknickt sieht er nun aus, eigentlich richtig armselig und bemitleidenswert sehen die einst prachtvollen Blüten nun aus. Behutsam habe ich ihn dann aufgenommen und in mein Zimmer in eine Vase gestellt.
Ich sehe schon die Augen meines Ritters vor Freude blitzen.
Niowe hat einen Verehrer, endlich!
Am besten ich verschweige ihm das. Ich muss es ja gar nicht erwähnen. Das wäre wohl am besten so. Sonst wird er mich ausfragen und ich weiß ehrlich gesagt nichts. Weder von wem die Blumen sind, wieso und warum gerade ich sie bekommen habe.
Also erwähnen wir es einfach nicht! Nachdenklich betrachte ich die beiden Sträuße. Einer vertrocknet, der andere sehr lädiert. Ich habe irgendwie in den letzten Tagen kein Glück mit Blumen.
Auch diese wunderschöne Blüte, die ich nur für Erlaucht gefunden hatte, ist vor ihren Augen zerfallen. Wie peinlich war das nun! Erlaucht waren aber so gnädig mir zu sagen, nur der Gedanke zählt und dieser hätte sie erfreut. Aber mich nicht! Noch nie war ich so beschämt wie in jenem Augenblick. Ich hatte mich so gefreut, ihr diese wundervolle Blüte in der Farbe von hellem Honig mit weißen Blütenspitzen gefunden zu haben. Genau das Richtige für Erlaucht, dachte ich bei dem Anblick sogleich. Und dann das. Jedenfalls werde ich in Zukunft wirklich nur Blumentöpfe verschenken, die halten wohl ein wenig länger. In der Residenz meines Sires jedenfalls gedeihen sie prächtig.
Außerdem werde ich mit Sicherheit nicht mehr über die Stufen der Residenz meines Sires springen, das ist nun beschlossen. Wer weiß, was dieser heimliche Verehrer dann noch so alles da hin stellt. Auch die kleine Lerche Ihrer Erlaucht scheint dies für besser zu befinden, denn sie sitzt da oben auf meinem Regal nun und ihr Gesang klingt wie leises Lachen. Wüsste ich es nicht besser, dann könnte ich meinen sie macht sich über mich lustig. Naja soll sie, ich habe sie ins Herz geschlossen.
[b]Genesungswünsche und Knappenalltag[/b]
Verfasst: Montag 4. April 2011, 01:46
von Niowe Adela Aireth
4.Wechselwind 254
Bei dem Anblick dieses riesigen Blumenstocks mit Blüten, deren Duft berauschend wie die Luft ihm Frühling ist, dachte ich sogleich an Diakon Aaron. Herr Narus und ich haben Tags zuvor vernommen, dass ihm Übles angetan worden war und er im Kloster danieder lag. Dieser Blumenstock würde ihm sicherlich aufheitern dachte ich, was ich auch Herrn Narus Kund tat und er, was mich sehr überraschte sich anbot mich dahin zu begleiten.
Ich habe wie immer am heutigen Tage, Temora zu Ehren eines meiner Kleider angezogen. Eigentlich das zweite an dem Tag, denn das erste war völlig durchnässt durch den Regen, der wie immer auf Adoran nur kurz niederprasselte.
Frisch umgezogen machten wir uns auf den Weg gen Kloster. Herr Narus ging voran mit seiner Laterne, die so verbunden mit ihm zu sein scheint, wie Blitze an ein Donnergrollen. Ich ging hinterher dem Licht folgend, alles andere entzog sich meinem Blick, der durch den üppigen Blumenstock äußerst eingeschränkt war. Eigentlich sah ich nur die Blüten, sogar wenn ich seitlich vorbei blickte, was beschwerlich war auf Dauer, konnte ich mit viel Glück das Licht der Laterne wahrnehmen. Gerechnet habe ich nicht damit, dass Herr Narus, plötzlich stehen bleibt, und ich mitsamt Stock in seinen Rücken knalle.
Der arme Mann, dachte ich mir voller Schreck. Nicht genug, dass man ihn vor einigen Tagen in den Schlamm befördert hatte, nun das. War es der Schmerz oder das nun mächtige Schwanken des Blumenstocks, den ich vor Schreck nun kaum mehr halten konnte, das ihn bewegte zu tauschen. Also ich die Laterne, er nahm den Blumenstock und weiter ging es. Diesmal ich voran, er hinter mir. Ein wenig keuchte er, aber ich habe das höflich übergangen.
Wobei bei seinem Seufzen, weiß ich eigentlich nie so recht was gemeint ist. Er seufzt in meiner Gegenwart sehr oft, was ich einmal als Missbilligung deuten könnte, oder aber auch ein „das Leben ist so schwer“- Seufzen oder auch ein „ ich muss mich beherrschen, denn sie ist Knappin* -Seufzen. Was auch immer es sei, ich werde auf ihm nicht klug. Aber, und das ist ein Fortschritt, er spannt die Kiefer nicht mehr an und streckt sein Kinn nach vorne, was immer ein übles Zeichen dafür ist, dass „Es“ aus ihm hervorbricht. Zumindest tat er das heute nicht, nicht einmal dann als ich den Blumentopf in seinen Rücken stieß, und ich durch die Blütenpracht hindurch ihn besorgt angeblickt habe. Nicht zu sehr besorgt und vor allem nur mit einem Hauch von Mitgefühl, denn das mag er überhaupt nicht, einen Schluss, den ich aus Diakon Aarons Worten gezogen habe.
Nach einigen Seufzern hinter mir, standen wir schließlich vor dem Kloster.
Würdet Ihr bitte läuten, keuchte er neben mir.
Natürlich würde ich das tun, was sonst, die Posaune blasen, die ich nicht besitze?
"Schon geschehen!", antworte ich ihm während ich wild an dem Glockenstrang ziehe.
Also das Tor geöffnet wird, steht Diakon Aaron vor uns und ich wünsche ihm gute Besserung und erkläre ihm, was es mit dem Blumenstock auf sich hat; während Herr Narus den Blumenstock auf die Bank, auf der ein Mönch sitzt, eher unsanft fallen lässt. Der arme Kerl ist vor Schreck beinahe von der Bank dabei geschleudert worden.
"Wehe Ihr tut ihnen etwas, Herr Narus!", sage ich vor Schreck bei dem Anblick. Durch die Erschütterung des Aufpralls zittern bereits alle Blüten, wie Blätter im Sturm. Zum Glück ist keine abgefallen!
Der Mann hat so viel Gefühl, wie ein Oger in einem Laden mit zerbrechlichem Porzellan. Was ich nicht laut sage, sondern mich erneut Diakon Aaron zuwende.
"Sie sollte Euch Freude schenken", stoße ich sichtlich verwirrt gen Aaron aus, der mich noch zum Verweilen eingeladen hat, aber ich war mir in dem Augenblick gar nicht sicher, ob er sich darüber gefreut hätte. Also habe ich aus Höflichkeit abgelehnt und bin sogleich gegangen.
"Es bedeutet mir viel"……hat er noch leise zu mir gesagt. Was ist mir unklar? Dass ich Herr Narus im Kloster zurück gelassen habe? Oder doch die Blumen? Oder vielleicht meine Genesungswünsche? Ich habe keine Ahnung. Zuhause angekommen, widme ich mich den Rüstungen und reinige sie und reibe sie dann mit dem Rüstungsöl vom Schmied ein. Ich tue das immer mit einem Eifer, der bereits früher meinen Bruder verwundert hatte. Man kann dabei über so vieles nachdenken, das ist auch einer der Gründe, weshalb ich es einfach gern tue. Außerdem mag ich glänzende Rüstungen. Danach poliere ich sie noch und bin stolz darauf wie sie nun strahlen. Der Sire wird prachtvoll darin aussehen. Ich in meiner auch, aber das ist bei weitem nicht so wichtig.
Todmüde schaffe ich es noch in meiner Zimmer, wo Amra mich bereits sehnsüchtig erwartet. Wie immer darf sie neben mir auf ihrer Decke schlafen, was wir dann auch beide nach einem diesmal eher kürzer gehaltenem Gebet zu Temora getan haben.
Wenn Knappen vom Himmel fallen…..
Verfasst: Samstag 9. April 2011, 01:43
von Niowe Adela Aireth
7.Wechselwind 254
Mein Sire hat mich zwecks Bewachung des Klosters auf das Ansuchen von Herrn Katuri ausgeliehen. So könnte man das jedenfalls nennen. Für einige Tage zwar, aber das war in Ordnung so wie es war.
Spät des Nachts kam ich dann beim Kloster an mit meinen Sicherheitsvorkehrungen an. Jegliche Art von feurigen Wurfgeschossen und Phiolen, die bei Aufprall explodieren habe ich in unzähligen Taschen sorgfältig verpackt, die mein Streithengst und ich gen Kloster nun brachten. Es war eine ziemliche Ladung, die beinahe das gesamte Kloster sprengen konnte. Was zwar ein wenig übertrieben war, aber die vorderen Mauern und das Tor würden sie schaffen. Herr Katuri half mir sogleich beim Abladen und brachte meine feurige Ladung zusammen mit den Knappen des Klosters an einen Ort, wo sie nicht allzu viel Schaden anrichten konnten.
Wenn uns Rahal angreift, dann werden wir sie gebührend empfangen und zwar so dass ihnen hören und sehen vergeht. Das habe ich mir geschworen.
Während Katuri sich ausruht, habe ich die Wache übernommen bis gen Morgen. Etwas ungewohnt und mulmig war mir bei dem Fehlen einer Stützmauer da oben. Ich musste verdammt aufpassen um nicht da runter zufallen. Also habe ich das einzig richtige getan, mich kaum bewegt. Nur dann wenn die Beine müde wurden, hastete ich die Leiter herab und lief kurz auf und ab um munter zu werden. Ab und zu habe ich mir kaltes Wasser aus dem Schlauch ins Gesicht geschüttet. Eine Gewohnheit, die sehr wirksam ist, wenn man länger Wache schieben muss. Da oben konnte ich gut nachdenken.
Was in aller Welt ist da Katuri eingefallen mir ein Geschenk zu machen! Ein verheirateter Mann schenkt einer Knappin etwas. Mein Sire hat es zwar gestattet, aber er wusste ja nicht, was genau dieses Geschenk war.
Brauchbar auf jeden Fall! dachte ich als ich es betrachtete. Aber zu wertvoll und daher wider die Sitten. Ich werde es ausleihen, habe ich beschlossen, da oben, während mir der Nachtwind ums Gesicht bläst. Ich liebe es auf Wehrtürmen und Mauern Wache zu schieben. Man ist da oben dem Himmel ein Stück näher und kann so es der Dienst zulässt die Sterne betrachten. Im Regiment habe ich immer liebend gerne diesen Dienst angenommen. Irritierend ist nur das Fehlen der Stützwehr hier.
Am Morgen wurde ich abgelöst, ich habe dann in meiner Klosterzelle einige Stunden geschlafen und dann Pater Cassian geholfen einige reife Früchte von den Obstbäumen zu pflücken. Danach gab es in der Klosterküche die Klostersuppe mit frischem, duftendem Brot. So deftig, dass alle Lebensgeister mit einem Schlag in mir wach wurden. Ich muss gestehen ich habe noch nie des Morgens so eine Suppe gegessen. Mein Sire hätte seine Freude daran gehabt mich mit einem solchen Appetit essen zu sehen. Er fehlt mir. Ich bin es nicht gewohnt von ihm getrennt zu sein. Es ist etwas anderes, ihn auf Reisen zu wissen, dann stelle ich die Residenz auf den Kopf und achte darauf, dass alles, so er zurück kommt, seinem strengen, prüfenden Blick gerecht wird. Angefangen von dem Reinigen und Pflegen der Rüstungen bis hin zum Haushalt, der in tadellosem Zustand zu sein hat, wie es meinem Ritter gebührt. Aber nun hier, alleine, bekam ich Heimweh.
Zu meinem Glück war Diakon Aaron auch bereits dann wach. Im Gegensatz zu Katuri, der den ganzen Tag verschlafen hat, dieser Faulpelz. Man sollte ihn mal gründlich antreiben und in Schwung bringen. Ich denke, dass sollte ich einmal seiner Frau deutlich sagen.
Rasch wurden diese Gedanken vertrieben, denn es läutete am Tor. Mit Mühe konnte ich Diakon Aaron davon abhalten es zu öffnen. Während ich die Stufen hoch eile, rufe ich ihm zu, er möge zur Sicherheit damit warten, bis ich ein Zeichen gäbe, dass der Besuch ungefährlich wäre.
Oben angekommen stockt mir der Atem und mein Herz klopft vor Aufregung. Es ist mein Sire. Vor Freude rufe ich meinen Gruß gen ihn herab und winke dazu. Diakon Aaron, der dies, da ich sehr laut war, mitbekomme hat, öffnete das Tor. Während die beiden über dies und jenes in dem Besprechungszimmer des Klosters sich niedergelassen habe, richte ich Teller mit Obst her und fülle Krüge mit dem klaren Brunnenwasser, was ich dann beiden serviere.
Nein, mir stockt der Atem. Nun will auch Diakon Aaron sich nach einem geeigneten Mann für mich umsehen. Wieso tut er das? Wieso muss er heute und jetzt mit meinem Sire darüber sprechen? Ich erröte, werde blass und gegen meine Gewohnheiten fehlen mir wie immer bei diesem Thema die Worte.
Ich wende mich an Euch, sobald mit ein Mann unterkommt, der zu ihr passt! Erstarrt blicke ich auf Aaron. Das hat er doch nicht wirklich nun gesagt? Doch hat er! Während ich vor Verlegenheit nun an meiner Lederhose nicht vorhandene Fusseln abzupfe, höre ich meinen Sire wie er zu Aaron spricht.
Allerdings bin ich der Meinung, dass momentan ihr Bestreben bei der Ausbildung liegen sollte. Ich atme auf und halte den Atem dann abermals an, als mein Sire sich zu mir wendet.
Also keine Angst. Niowe, momentan nichts in Aussicht.Gut. Danke Sire, denke ich, auch wenn mich das Gespräch nun nicht wirklich beruhigt hat. Was ist nur in Diakon Aaron gefahren, dass er genau auf dieses Thema die Aufmerksamkeit meines Sires lenken musste. Ich dachte immer Priester, wären weit davon entfernt über derartiges zu sprechen. Dazu noch meinen Sire daran zu erinnern, war unfair von Aaron. Auch wenn ich ihm nicht böse sein kann, denn irgendwie ist er mir ans Herz gewachsen. So schwer es mir auch anfangs gefallen war, mit ihm zu reden, nun liebe ich die Gespräche mit ihm. Sie regen mich an nachzudenken und oftmals Antworten auf meine Fragen, die tief in mir ruhen, zu finden.
Nach der Besprechung planen wir gemeinsam einen Spaziergang zu unternehmen. Erneut schallt die Glocke am Tor und ich in meiner Eile, springe abermals die Stufen hoch, um nachzusehen, wer da die klösterliche Ruhe stört. Herr Bernau! Ich freue mich und in genau diesem Augenblick als ich hastig die Stufen herab springen will um das Tor zu öffnen, stolpere ich und falle von der Mauer herab.
Lande genau vor Herr Bernau Füssen und noch im Schock, kaum begreifend, was da wirklich vorgefallen ist, erhebe ich mich und klopfe wie von Sinnen den Staub von meiner Kleidung. Was Besseres ist mir in dieser Peinlichkeit nicht eingefallen.
Alles in Ordnung, das war ein tiefer Sturz? , meint ein sichtlich besorgter Herr Bernau.
Ja, ich scheine heil zu sein, erwidere ich und fahre durch mein Haar. Als ich auf die Hand blicke ist sie voller Blut. Woher kommt das nun?, überlege ich.
Während Herr Bernau nun meinen Sire und Diakon Aaron begrüßt, stehe ich da noch immer im Schock und betrachte meine Hand, während mein Kopf heftig nun anfängt zu schmerzen. Ich vernehme die Worte, auch die meines Sire „ Niowe, was hast du getan?“.
Eure Knappin fiel von der Mauer, höre ich Herrn Bernau aber irgendwie ist alles so weit weg. So als ginge es dabei nicht um mich, sondern um eine andere Person.
Das war nicht so schlimm, murmle ich während Herr Bernau mich stützt.
Du bist immer noch viel zu zappelig, Niowe.
Ich blicke meinen Sire an und sehe nur Umrisse. Du meine Güte ich werde doch nicht blind nun? Schweigend versuche ich mich zu konzentrieren, während Diakon Aaron meine Platzwunde am Kopf behandelt.
Das hätte dem Feind gefallen, ich falle wie ein Apfel vom Baum in seinen Schoss, versuche ich zu scherzen, auch wenn nun jeder Knochen in meinem Körper weh tut. Aber gebrochen ist nichts, ich kann gehen, alles noch bewegen nur denken tut weh und reden und vor allem umher blicken und den Kopf bewegen.
Eher wie ein Sack Kartoffeln vom Karren, höre ich Herrn Bernau dann.
Danke Ihr seid ein Charmeur!, kann ich noch sagen und lache. Was mir sogleich vergeht, denn bei dem Schmerz wird mir übel, was ich unterdrücke. Wir wollten ja Spazierengehen, was wir dann auch taten und ich nicht sehr viel davon mitbekommen habe. Wie ein Nebel ist alles an mir vorbei gezogen. Die Gespräche, die Rückkehr zum Kloster. Der Ritt an Seite meines Sires gen Adoran dann, wo ich mich über meinem Streitross hinweg, was es mir verzeihen möge, übergeben habe.
Du legst dich sogleich nieder, Niowe und morgen kommt ein Heiler ins Haus.
Ich habe gehorcht, unfähig mich zur Wehr zu setzen, stütze ich mich an meinem Sire ab und lasse mich in mein Bett verfrachten. Mein Sire hat mir dann noch einen Eimer neben das Bett gestellt und einen kalten Umschlag auf Stirn und Augen gelegt. Was sehr gut tat. Den Eimer habe ich in dieser Nacht noch häufig aufgesucht. Auch wenn inzwischen jegliche Nahrung meines Magens den Weg in den Eimer fand, ich übergab mich immer wieder. Inzwischen werden meine Kopfschmerzen heftig, nur das kalte Tuch bringt ein wenig Linderung. Ich habe keine Ahnung, wann ich dann endlich eingeschlafen bin, aber ich hörte bereits die Vögel in den Bäumen des Gartens zwitschern.
Der Sire verschweigt mir etwas…..
Verfasst: Samstag 9. April 2011, 18:08
von Niowe Adela Aireth
8.Wechselwind 254
Ich öffne die Augen, und denke mir: nein, lieber wieder schließen. Die Schmerzen sind nun unerträglich bei dem Sonnenlicht, das von dem Balkon in mein Zimmer scheint. Nur nicht bewegen. Wobei genau das der Punkt ist, der mir am meisten weh tut. Ich bin es gewohnt mich zu bewegen, mehr als jeder andere Mensch. Ständig bin ich im Eilschritt unterwegs, um die spärlich verfügbare Zeit, ein wenig zu erweitern und zu strecken. Was Unsinn ist, aber das Gefühl ist gut es vielleicht doch einmal schaffen zu können. Vorsichtig tastet meine Hand nach dem Tuch in der Schüssel mit eiskaltem Wasser neben mir. Der Sire hat das Wasser gewechselt! Er darf das doch nicht tun, mich bedienen. Ich schäme mich und während die Schamesröte meine blassen Wangen überzieht, ich kann es deutlich fühlen, drücke ich das kalte Tuch auf mein Gesicht. Die Kälte vertreibt die Hitze auf meinen Wangen.
Es ist ruhig in der Residenz. Der Sire geht wohl seinen Geschäften nach. Nicht einmal Amra bellt neben mir, fast scheint es mir, als wüsste die kleine, dass es mir nicht gut geht. Ruhig liegt sie neben meinem Bett in ihrer Kuscheldecke. Sanft, tastend gleitet meine freie Hand herab, um sie zu streicheln. Einen leisen Seufzer vernehme ich. Es tut gut das weiche Fell zu berühren, es beruhigt mich.
Als ich Schritte im Haus vernehme, richte ich mich wackelig auf und werfe das Tuch in die Wasserschüssel zurück. Endlos langsam dauert es für mich bis meine Beine über das Bett schwingen und den Boden berühre. Die Schritte kommen näher. Ich lasse mich auf mein Kissen vor dem Kamin fallen, das Stehen fällt mir schwer.
Wer ist das? Die Schritte meines Sires kenne ich in und auswendig, ja unter tausenden würde ich sie mit geschlossenen Augen erkennen, aber da ist noch jemand!
Verwundert betrachte ich die beiden nun, meinen Ritter und die Dame. Freundlich begrüße ich beide und lächle die Dame an.
Wo ist mein Bruder?, frage ich dann. Der Ausdruck in dem Gesicht von meinem Sire macht mir Angst. Er verschweigt mir etwas. Ich fühle da stimmt etwas nicht.
Wer seid Ihr ?, frage ich die Dame, um das Schweigen in dem Raum zu durchbrechen.
Ich bin Heiler, sagt sie dann. Ach ja stimmt, denke ich, der Sire wollte ja einen Heiler her beordern, der mich ansieht.
Sie sieht irgendwie aus wie Lili, denke ich und betrachte die Frau, muss aber dann die Augen schließen, als die Gestalt der Frau vor mir zu schwanken beginnt und ein stechender Schmerz in meinem Kopf wie rasend nun pocht.
Ich dachte Ihr seid auf Reisen! Wieso seid Ihr hier Lili? Ist Vater mit Euch gekommen? Mein Bruder?
Helft mir bitte aufzustehen, Vater kann es nicht ertragen, wenn man ihn nicht sogleich begrüßt. Ich versuche aufzustehen aber es will mir nicht gelingen. Die Stimme der Heilerin beruhigt mich, es ist aber nicht jene von Lili. Ich bin verwirrt. Was hat Lili mit ihrer Stimme gemacht frage ich mich, während mein Kopf untersucht wird.
Leicht zucke ich zusammen als sie die Beule berührt. Ich habe doch gesagt, da ist eine Beule, wieso hört keiner auf mich? Wieso sagt mir mein Sire nicht, wo Vater und Micheil sind? Meine Verzweiflung wächst nun und dieses Gefühl in meinem Bauch, dass da etwas nicht stimmt, steigt. Die Hände von Lili mit der anderen Stimme sind sehr vorsichtig, als sie jede Stelle auf meinem Kopf berühren.
Der Schädelknochen scheint intakt zu sein, höre ich diese so andere Stimme von Lili. Sie nennt sich nun auch anders. Wieso das denn? Vielleicht eine Vorsichtsmaßnahme? Aber wieso hier in der Residenz meines Sires, hier ist sie doch sicher? Durch die Berührungen dreht sich mein Magen erneut und ich muss mich übergeben, gerade noch schaffe ich es zu meinem Eimer. Lili ist sonderbar geworden, so anders. Irgendwie vermisse ich diesen so typischen Befehlston. Jetzt leuchtet sie mir mit der Kerze in die Augen, was ich nicht lang ertrage und rasch Linderung suche, indem ich mein kaltes Tuch auf sie presse.
Wenigstens sehe ich nun wieder. Nur ab und zu verschwimmen ein wenig die Gestalten.
Aber mein Sire hat mir noch nicht meine Fragen beantwortet. Mein Vater hättest es als oberste Pflicht angesehen mich bei meinem Ritter zu besuchen, um nachzufragen, ob es Klagen gebe oder alles zur Freude meines Sires von mir erledigt wird. Ich weiß das hätte er getan! Aber wo ist er? Wieso sieht mich mein Sire so seltsam an? Wo ist Micheil? Er hätte sicherlich sogleich nach mir gesehen! Die Angst schnürt mir nun meine Kehle zu, ich befürchte das Schlimmste nun. Wieso spricht Lili mit dem anderen Namen und mein Sire nicht zu mir? Was verbergen sie?
Lili, die sich nun Vanya nennt reicht mir Teekräuter. Sie riechen bitter. Was soll’s ich will ja gesund werden.
Ja ich werden so oft als möglich diesen Tee trinken, verspreche ich ihr, dabei wird mir Angst und Bange als ich an den weiten Weg quer durch das Haus mit unzähligen Stufen bis hin zur Küche, denke. Gut, ich werde das schon schaffen, irgendwie.
Du bleibst hier, Niowe und schreist, wenn du Tee wünschst.
Ich kann doch nicht meinem Sire herum kommandieren, denke ich vor Schreck und spreche es auch aus.
Ich werde es überleben, Niowe! Ja wird er, aber es ist dennoch nicht richtig. Nur er hat das Recht mich herum zu kommandieren.
Mein Sire begleitet noch Lili mit dem anderen Namen hinaus. Ich höre noch die Stimmen der beiden, kann aber nicht verstehen, was sie sagen. Erschöpft lege ich mich auf mein Bett. Nach einer Weile kommt mein Sire mit dem Tee und einem Korb mit allerlei Früchten. Der Tee riecht schrecklich bitter aber gehorsam trinke ich ihn aus. Ich will ja meine Pflichten wieder bald erfüllen. Zwei Tage muss ich ruhen, das habe ich meinem Sire versprochen einzuhalten. Er will mir Bücher besorgen. Während ich meinen Tee schlürfe betrachte ich meine nackten Zehen, die auf und ab wippen.
Ihr habt doch Micheil gesehen, Sire? Er und seine herzogliche Hoheit ist doch wohlauf oder?Meine Augen suchen nach einer Antwort in seinem Gesicht. Nichts vermag ich darin erkennen. Wieso sagt er nichts?
Seine herzogliche Hoheit ist mit Sicherheit wohlauf, Niowe! Ich bin erleichtert. Aber was ist mit Micheil? Wieso erwähnt er ihn nicht?
Der Tee, dessen bitterer Geschmack mir jegliche Lust nimmt die eine oder andere Frucht aus dem Obstkorb zu vernaschen, macht mich müde. Etwas seltsam wird mir auch dabei, nur ich kann es nicht genauer definieren. Meine linke Hand umfasst den Ankh um meinen Hals. So schlafe ich ein, während die Tasse aus meiner rechten gleitet und zu Boden fällt.
Ein erfreulicher Besuch und ein wenig erfreulicher…..
Verfasst: Sonntag 10. April 2011, 16:54
von Niowe Adela Aireth
9.Wechselwind 254
Heute geht es mir viel besser. Ich wage es sogar auf wackeligen Beinen auf den Balkon zu treten, um auf das Wasser zu blicken. Ich vermisse „meinen See“. Während ich da sitze und so vieles mir wieder einfällt, meine Familie, die allesamt tot sind, möchte ich am liebsten weinen. Ich will ausreiten, trainieren, meine Pflichten erfüllen auch im Regiment und vor allem meinen Sire zum Lachen bringen, was mir in den letzten Tagen gelang. Essen will ich auch. Ich habe einen Mordshunger, was mir bisher nie aufgefallen ist. Nun ja ich habe ja seit 2 Tagen eigentlich nichts gegessen, denn die gute Klostersuppe landete auch im Eimer. An den Geschmack des bitteren Tees habe ich mich gewöhnt, ich trinke ihn sogar ohne Honig.
Du musst standhaft sein und nicht verweichlichen, Tochter! Ja, genau deshalb, um den Worten meines Vaters, die mich wohl ein Leben lang begleiten werden, nehme ich keinen Honig in den Tee. So grässlich er auch schmeckt. Nur nicht verweichlichen. Ich vermisse Koras, meinen Freund den Heiler der Zwerge. Wieso hat der Sire nicht ihn aufgetrieben? Wobei der Tee mit Biergeschmack wäre wohl noch unerträglicher gewesen, aber ihm zuliebe hätte ich ihn brav getrunken. Was tut man nicht alles für einen Zwergenfreund. Ich vermisse Kunna und Balir. Wann werde ich sie wieder sehen? Wir sind mitten im Krieg. Ich mache mir Sorgen, um die beiden. Sogar Herr Narus fehlt mir, stelle ich hier auf dem Balkon fest. Auch Herr Katuri mit seiner sturen Art, die bei weitem meiner gleichkommt. So etwas habe ich bisher in meinem jungen Leben noch nie gefunden. Sein Dickkopf und meiner zusammen würden reichen um den Rest der Welt in Verzweiflung zu versetzen. Wie dankbar wäre ich für ein Gespräch mit ihm. So verschieden wir auch sein mögen. Er kennt keine Pflichten, mein Leben besteht nur aus Pflichten, er ist in seiner Direktheit unüberlegt oftmals, ich hingegen überlege mir, was ich wem sage. Worte haben Folgen, man kann sie nicht zurücknehmen. Gut, dass er nun verheiratet ist, und diese Angelegenheit hiermit bereinigt wurde. Die Ehe ist heilig und alles Unkeusche davor, mit jenem Schwur getilgt. Ich hoffe, dass seine Frau ihn ein wenig in den Griff bekommt und ihm lehrt, was Disziplin ist, denn die fehlt ihm. Aber ich mag ihn. Er könnte ein Freund werden, auf den ich mich mit Sicherheit ein Leben lang verlassen kann. Vielleicht schaut er sich noch ein wenig Diplomatie von Diakon Aaron ab, das würde sein Leben und das seiner Frau ein wenig erleichtern.
Mir ist entsetzlich langweilig. Ich darf nichts tun! Ich sollte nicht einmal hier sitzen, sondern im Bett liegen. Das ist Folter! Mein Körper schreit nach Bewegung. Ich bin dieses Nichtstun nicht gewohnt. Jeder Tag ist erfüllt mit Aufgaben und Pflichten, alles läuft streng nach einem von mir gesetzten Plan ab, um ja allem gerecht zu werden.
Niowe? Ein Schrei, der wohl in ganz Adoran zu hören ist. Katuri! Ich muss lächeln. Temora schickt mir ein wenig Abwechslung. Ich schreie, was nicht sehr damenhaft ist aber in diesem Falle notwendig, vom Balkon herab.
Ich bin hier oben Herr Katuri, ich lasse Euch die Tür öffnen! Zu meinem Erstaunen bringt er mir eine Adlerstatue samt Sockel. Leider keinen Ankh, aber gut, den trage ich ja um meinem Hals. Jedenfalls war ich gerührt über diese warmherzige Geste. Er hat sie sogleich in meinem Zimmer aufgebaut, während ich ihm die Leviten lese.
Euch fehlt jegliche Disziplin, Herr Katuri und Ihr seid viel zu lasch!Erstaunlicher Weise lachte er und gab mir sogar recht! Was mich ein wenig erschüttert aber zugleich erfreut hat, die Ehe scheint ihm gut zu bekommen. Hut ab vor seiner Frau, sie scheint auf ihn positiv einzuwirken!
So gerne ich mich von Euch maßregeln lasse; Niowe, ich muss zurück! Weg war er. Er lässt sich gerne Maßregeln? Gut kann er haben! Freunde sollten sich alles ohne Umschweife sagen können, und ich habe das Gefühl Katuri wird einer. Wir sind auf dem besten Weg dahin. Ich hoffe nur, dass er dann nicht zimperlich wird, und mir auch alles ins Gesicht sagt, vor allem die Wahrheit. Wir werden sehen…
Während ich auf dem Balkon nun wieder sitze und meinen Gedanken nachgehe, fällt mir Diakon Aaron ein. Er fehlt mir auch. Ich sollte beichten! Bisher habe ich es vor der Herrin während des Gebets immer getan, aber vielleicht wäre es nun an der Zeit einmal, dies vor einem Priester der Herrin zu tun. Meinem Sire habe ich dies auch angeraten, als er mein Zimmer betreten hat. Natürlich hat er geschimpft.
Ab ins Bett, Niowe du musst dich ausruhen.
Das tue ich doch Sire auf dem Balkon, da kann ich frische Luft schnappen!
Hätte die Heilerin frische Luft gut geheißen, dann hätte sie es gesagt!
Sie sagte aber, im Bett bleiben, Niowe!
Ich kenne den Blick nun und gehorsam, auch wenn alles in mir nun schreit „NEIN, laufen, reiten und trainieren will ich!“, lege ich mich auf mein Bett, wie könnte ich ihm je einen Wunsch abschlagen, oder seinen Befehl missachten, denke ich während ich ihn ansehe und mein Magen nun deutliche Zeichen seines Missfallens ob der fehlenden Nahrung gibt. Was mein Sire freudestrahlend veranlasst mir ein Tablett mit Speisen zu bringen. Ausgehungert mache ich mich über die Fleischspeisen her bis der Teller leer geputzt ist. Die Kräutersuppe blicke ich verachtend an, sie reicht kaum an die Klostersuppe heran, aber ich hätte sie auch brav aufgegessen, wenn ich nicht satt nun war.
Die Suppe esse ich später Sire! Was ich dann auch mitten in der Nacht getan habe. Sie war gut, sehr gut sogar.
Mein Sire hat sich sichtlich gefreut, das habe ich an seinem Blick der deutlich sagte „Sie isst und gibt zum ersten Mal zu, dass sie Hunger hat! Sogar Fleisch und der Teller ist leer!! und dem Lächeln gesehen. Sonderbar womit man Menschen Freude machen kann, dachte ich. Gut, dann werde ich dem Sire öfter mal Freude bereiten, aber nicht zu oft, sonst wird es zur Gewohnheit. Alleine das Lächeln in seinem Gesicht, war es wert!
Leider kam dann die Edle de Winter, um meinem Sire mitzuteilen, dass das Kloster angegriffen wird.
Verdammt und ich bin nicht dabei! Ich habe genügend Phiolen und nützliche Dinge ins Kloster gebracht, um jeglichen Angriff zu widerstehen! Seufzend falle ich in mein Kissen zurück.
Wieso werde ich so bestraft? Endlich ein Angriff und ich liege hier, untätig. Zu allem Überfluss lässt der Sire die Edle de Winter noch bei mir. Warum ist mir schleierhaft! Vielleicht aus Angst, dass ich wieder frische Luft schnappen gehe.
Man merkt deutlich, was für ein Unterschied zwischen der Edlen und Erlaucht von Dornwald besteht, nicht nur was den Stand angeht oder die Sittsamkeit. Bei Erlaucht geht die Sonne für mich auf. Ihr Charme, ihre dezente doch äußerst elegante Kleidung, die Wortwahl, das Lächeln, die Eleganz. Von Ihr kann man lernen, und ich bin bemüht von ihr so viel wie möglich zu lernen. Ja ich trage sogar nun Kleider bewege mich mit einer Weiblichkeit darin wie zuhause was Micheil immer erfreut hat. Er liebte es, wenn ich sie trug. Und ständig hat er mich mit neuen Kleidern überrascht. Die Edle de Winter ist da völlig anders. Sicher sie hat nicht die Erziehung genossen wie Erlaucht von Dornwald. Auch ist sie in meinen Augen bei weitem nicht so schön und viel älter, wie Erlaucht und ich, aber dennoch man kann sich doch bemühen und das Beste aus sich machen, oder? Ein wenig schockiert war ich dann schon über die ungeschliffene Wortwahl der Edlen, die mir über die dahin geschiedene Frau meines Sires Dinge anvertrauen wollte, die ich nicht wissen will.
Es geziemt sich nicht schlecht über Tote zu sprechen, Edle de Winter, sagte ich dann, um dem Ganzen ein Ende zu bereiten und ihr ein Zeichen zu setzen bis hier hin und nicht weiter.
Dann kommt eine in meinen Augen sehr dümmliche Frage:“ werdet Ihr Adlerritterin?“ Wie kommt sie auf das nun? Ich bin Knappin eines Kronritters und NATÜRLICH diene ich dann dem Reich, vor allem auch als Gardistin im Regiment!
Nun ein Reichsritter hat strikt dem Lehnsherr und dem Reich zu folgen, meint sie dann. Wie wenn ich das nicht wüsste? Was sonst tue ich als Gardistin des Regiments und Knappin meines Sires? Was soll das? Was will sie von mir?
Höflich gebe ich zur Antwort, dass mir jenes bewusst ist, und Temora auch Bescheid wüsste, umso mehr Die Herrin mir selber angeraten hat, MEINEN Weg zu erwählen, nicht den der anderen. Dann erzählt sie mir dass sie Witwe ist und Mann und Kinder verloren hat. Ich für meinen Teil spreche aber nicht aus, was sie nun ist. Eine Mätresse. Ihr Sohn ein Bastard. Ja, ich habe den strikten Kodex meines Vaters für mich auch angenommen. Reinheit und Unbeflecktheit bis zur Ehe. Ewige Liebe und vor allem keine Liebe, die nicht sein darf. Sie tut mir aufrichtig leid und ihr Sohn noch mehr. Was für ein Leben kann das sein? Er wird einmal älter sein und dann Fragen stellen. Wird sie jene aufrichtig ohne Umschweife und der Wahrheit entsprechend beantworten, so wie es ihre Pflicht vor Der Herrin wäre? Ich weiß es nicht, ob sie stark genug dafür ist. DIE Edle de Winter ist nett und ja bemitleidenswert auch, aber lernen kann man von ihr nichts. Ich halte mich da lieber an Erlaucht von Dornwald.
Doch scheint Ihr zu urteilen, sagt sie während mir all diese Dinge durch den Kopf gehen.
Ich urteile nicht, das ist nicht meine Aufgabe hier und jetzt, gebe ich höflich mit einem Lächeln zur Antwort. Urteilen kann nur ein Priester in diesem Falle, denke ich.
Naja, wenn ich von meinem Sohn spreche, kommt ihr mit Reinheit und Unbeflecktheit?, höre ich sie, während ich nun erschöpft in mein Kissen zurück sinke. Ich sehe das Gespräch als Prüfung für meine Schmeicheleien, wobei im Kreise des Hochadels wäre wohl nie so eine Frage gestellt worden, geschweige denn so ein sonderbares Gespräch geführt worden.
Das bezieht sich auf mich Edle de Winter und ich denke das Gespräch ist zu persönlich., antworte ich ruhig. Ist es auch. Was geht mich eine Knappin des Reichs an wie das Vorleben der Edlen de Winter ausgesehen hat? Was hat es mich zu interessieren? Vor allem, das überlege ich nun, wie alt ist die Edle? Ziemlich alt muss sie sein, sie hatte bereits zwei Kinder und einen Mann, die alle leider verstorben sind. Nun das dritte. Mich geht das Leben der Edlen de Winter nichts an, entscheide ich für mich. Wieso erzählt sie es mir dann? Ich bin ein wenig verzweifelt nun, als sie nicht aufhört von ihrem Sohn Rhys zu sprechen, Geschichten, die sie mir bereits erzählt hat bei Kunnas Fest. Schrecklich, wenn Menschen sich wiederholen, ich mag das gar nicht, denn es ist reine Zeitverschwendung. Aber ich höre geduldig zu, nicke ab und an, lächle sogar und füge ein Ah hinzu, nur sehr interessiert zeige ich mich nicht, das muss ich gestehen.
Wie geht es Elisabeth inzwischen?, fragt sie unvermittelt. Elisabeth?, denke ich. Wer ist nun damit gemeint. Ah, die Tochter meines Sires, vermute ich. Ihr Name lautet, wenn man es genau nimmt Marie Elisabeth von Reensdorf.
Ihr meint Marie, die Tochter meines Sire oder?, frage ich nach.
Sie ist wohl bei ihren Großeltern, Edle de Winter, aber danach solltet Ihr mit Verlaub den Sire fragen und nicht mich die Knappin. Wie gesagt, der Sire wird mit Euch gerne darüber sprechen, so Ihr ihn fragt.
Ich bin nicht bereit über persönliche Angelegenheiten des Hauses, dem ich diene, zu sprechen. Sicher nicht! Meine Worte sollte das höflich aber klar der Edlen nun verständlich gemacht haben. Taten sie auch, nur die nächste Frage hat mich sehr verwundert.
Ich frage mich gerade, was ich Euch irgendwann einmal tat?, spricht sie nun aus. Wie bitte? Was meint sie nun?
Verzeiht, Edle de Winter erklärt mit es bitte genauer und verzeiht, dass ich hier krank liege und den Worten nicht so gut folgen kann.
Ich meine eine Frau, die Freunde hatte und sie ablegt wie alte Kleider, den Grund wüsste ich gerne, erwidert sie. Hat sie nun den Verstand verloren? Verwirrt blicke ich sie an. Ich stehe zu meinen Freunden. Kunna und Balir besuche ich regelmäßig so wie die anderen, die ich zu meinem Freundeskreis zähle. Was soll das nun?
Wieso behauptet Ihr das nun Edle de Winter?, frage ich.
Ich besuche, wie ich Euch vorhin erklärt habe, meine Freunde regelmäßig, soweit es meine Pflichten erlauben.
Oh einen Edin scheint Ihr nicht mehr zu kennen und auch mich lieber von weitem zu sehen, spricht sie nun aus.
Ah daher weht der Wind! Ich unterdrücke ein Schmunzeln. Erstens hat die Edle de Winter nie zu meinen Freunden gehört, was ich nicht ausspreche, aber der Wahrheit entspricht. Zweitens weiche ich ihr nicht aus, ich komme meinem Pflichten nach und Gespräche suche ich eben in der kargen Freizeit , die mir zur Verfügung steht mit jenen, die mir in schlimmen Zeiten und auch in den guten immer zur Seite standen. Das sind Freunde. Dazu gehört aber sicherlich nicht die Edle de Winter mit der ich nur wenige Male, die man an einer Hand aufzählen kann, kurz nur gesprochen habe, und nach diesem Gespräch es auch weiterhin so halten werde. Höflich und kurz.
Und Herrn Aldo, ich denke er hat andere Damen gefunden, die ihm wohl wichtiger sind, erwidere ich. Herrn Aldo habe ich lange nicht mehr gesehen. Ich grüße ihn und er erwidert meinen Gruß, mehr nicht. Freunde waren wir nie. Woher die Edle de Winter das nun hat? Wir hätten Freunde werden können. Vielleicht ja. Aber ihm lang wohl kaum etwas daran, mehrmals wollte er mit mir ein Gespräch führen, tat es aber nie und im Laufe der Zeit habe ich es akzeptiert so wie es ist, und wohl seinem Wunsch entspricht. Freunde im Leben eines Menschen sind wertvoll, manche gehen, andere kommen, aber nur die wahren bleiben ein Leben lang.
Zum Glück höre ich das Streitross meines Sires im Hof nun. Er kommt zurück! Wohlauf! Ich bin erleichtert und glücklich.
Ich bedanke mich noch bei der Edlen de Winter für den Tee und da Gebäck, welches ich mir für später aufheben. Nach dem Gespräch mit meinem Sire schlafe ich dann erschöpft ein. Das war wirklich ein wenig viel heute für mich.
Bergauf, bergab…das Leben ist manchmal so
Verfasst: Mittwoch 13. April 2011, 00:06
von Niowe Adela Aireth
12.Wechselwind 254
Ich fühle mich prächtig! Was für ein wunderbarer Tag! Schnell habe ich Amra gefüttert, dann mein Streitross und dabei kam mir der befreiende Gedanke. Raus! Nichts wie weg und rasch zum See reiten.
Pech, Pech und nochmals Pech. Beinahe war ich schon aus der Stadt, da versperrte mir den Weg mein Sire, Koras und Feli.
Oh je, das bedeutet nichts Gutes. Der Sire schweigt, was ein übles Zeichen ist. Koras spricht, was besser ist. Nun ja, ich werde sie fröhlich begrüßen, und dann unauffällig, soweit das mit einem mächtigen Streitross gehen mag, davon reiten.
Gesagt, getan. Aber die Begrüßung war ein wenig einseitig. Feli hat geschwiegen. Der Sire nur gesagt, was in seiner Deutlichkeit einem Trommelwirbel gleich kam:
Du durftest zwei Tage nicht aus dem Bett, das heißt nicht, dass du herum hüpfen sollst wie ein junger Floh!“
Aber ich bin ein junger Floh, meinte ich noch leise lachend nicht ahnend was da noch auf mich zukommen wird.
Ich weiß, Niowe! Puh, heute ist er aber streng. Kein Lächeln, kein Grinsen. Das bedeutet, Achtung Niowe, etwas ist hier im Busch.
Nur du, Niowe, landest auf der Nase, nicht auf den Beinen! Zum Glück, Sire, denke ich, war es nicht die Nase, sondern mein Po, dann der Rücken und zuletzt der Kopf, der auf geknallt ist. Aber das habe ich nun nicht ausgesprochen. Irgendwie lag Spannung in der Luft. Warum, war mir unklar.
Trinken! Nur das Wort sprach Koras zu mir und reicht mir einen Krug mit Bier. Das darf doch nicht wahr sein! Ich hasse Bier! Alleine bei dem Geruch dreht sich mein Magen um. Mit Bier kann man mich vertreiben!
Während ich entsetzt auf den Krug blicke und ihn vorsichtig halte, dabei muss sich wohl meine Abscheu sehr deutlich in meinem Gesicht abgezeichnet haben. Was ich sonst unter Kontrolle habe, denn ich will ja Koras weder beleidigen noch unhöflich sein. Außerdem weiß er ja, dass ich Bier nicht mag und bietet es mir sonst eigentlich nie an.
Da mein Sire nichts sagt, halte ich mir die Nase zu und schließe die Augen. Also wenn ich den Bittertee Fassweise zu mir genommen habe, überlebe ich das hier auch.
Wieso das denn, Koras?, frage ich während meinen Finger die Nase heftig zudrücken, damit ja nichts von dem Geruch zu ihr dringt.
Ganz einfach, weil ich das sage! Jetzt ist der auch noch streng zu mir, was ist heute nur los? Dann hat er Thelor angesehen und ich geseufzt und das Zeug in einem Zug geleert. Innerlich habe ich mich geschüttelt, wie ein nasser Hund nach dem Bad, nur diesmal es nicht gezeigt und ganz leise „ Temora, gütige Herrin“, gehaucht. Als könnte sie den Biergeschmack mir aus dem Mund vertreiben, der nun entsetzlich deutlich spürbar da ist. Dabei habe ich die Augen verdreht, weil der Geschmack für mich so ekelig war, was nichts mit der wunderbaren Brauerei der Zwerge zu tun hat, aber ich mag weder Zwergenbier noch irgend eine andere Art von Bier. Dann habe ich Koras den Krug herab gereicht, und bin dabei auf meinem Streitross auf wundersame Weise zum liegen gekommen. Sonderbar schon wieder sind alle verschwommen. Koras, mein Sire, Feli!
Ich werde doch nicht blind! Verzweifelt schließe ich die Augen, das müssen die Nachwirkungen von dem Sturz sein. Oder nicht? Ich öffne sie und die Gestalten vor mir bleiben weiterhin verschwommen.
Wunderbar und ich wollte noch trainieren gehen!, spreche ich laut aus.
Du gehst nirgendwo hin, Niowe, schon gar nicht trainieren! Danke Sire! Somit ist mein Tag im Eimer!
Verschwommen blicke ich nun durch zwei Finger auf die Runde. Nein sie werden nicht besser, sie bleiben einfach verschwommen!
Sach mal willst du dich mit mir anlegen? Koras baut sich neben dem Streitross auf. So kenne ich ihn doch gar nicht! Außerdem habe ich keinen Mucks von mir gegeben. Irgendwie wird mir wieder übel.
Du hast gerade ganz eindeutig mein Bier beleidigt! Hm, sonderbar. Habe ich das? Ich kann mich nun nicht mehr erinnern, was genau ich gesagt oder nur gedacht habe. Ich versuche nun meine Gedanken zu ordnen, und die stetig ansteigende Übelkeit einfach zu übergehen, was ja bei manchen Dingen wirken soll, so habe ich vernommen.
Aber ich mag kein Bier, Koras! Temora, bitte lass mich nun jetzt nicht rülpsen, weil dann ist es aus mit der Beherrschung, denke ich. Ich verabscheue Menschen, die solche Geräusche von sich geben und sich nicht scheuen es vor anderen in der Öffentlichkeit zu tun. Ich rülpse zwar nicht, aber dafür dreht sich mein Magen deutlich einmal um die eigene Achse. Ich kenne das. Mir wird gleich speiübel und dann sollte ich sicherlich nicht hier in den Straßen Adorans sein, und vor allem ein Publikum, welches aus meinem Sire, Koras und Feli bestand, damit beehren.
Da war Zeug drinnen, das dich aufbaut, sagt nur Koras sehr laut zu mir. Nicht so laut bitte. Mein Kopf!
Das heißt nicht, dass du rumlaufen darfst, trainieren und sonst was, aber es verkürzt den Heilprozess!Gütiger Himmel ich habe nun zwei Herren hier, meinen Sire und Koras! Der eine schweigt nun, aber der andere wird immer zorniger. Wieso er das wird verstehe ich, aber in meinem Zustand, will ich einfach nur schnell weg!
Und du beleidigst das Bier! Oh weh, auch das noch!
Also ab ins Haus und morgen werden wir sehen, ob du trainieren darfst! Die Stimme meines Sires, wie lieblich sie nun klingt! Ich darf nach Hause und endlich mich meinem Magen widmen, der nun wie ein wildes Tier sich gegen das Bier in mir aufbäumt.
Jawohl Sire, sage ich benommen und wende mein Streitross.
Was muss ich noch alles in mich hinein schütten, Bittertee, Bier und morgen vielleicht Schnaps?, grummle ich während mein Ross langsam antrabt. Habe ich das nun wirklich ausgesprochen? Ich weiß es nicht genau, aber ich weiß, wenn ich das gesagt habe, nichts wie weg, bevor mich der Sire noch vom Ross zieht und übers Knie legt. Das wäre nun wirklich sehr sehr übel.
Noch ein Wort, Niowe und ich köpfe entspannt dein Pferd, ruft mir Koras hinterher. Mir egal, geht nur alle auf mich los mit dem Bier, dann mein Ross köpfen. Es ist mir nun egal! Ich muss rasch und zwar sehr sehr rasch zu meinem Eimer, der nun deutlich nach mir schreit.
Wenn es nötig ist, um dir den Floh auszutreiben, ja Niowe! Danke Sire, das habe ich nun gebraucht. Der Gedanke an Schnaps gibt meinem Magen den Rest. Ich schaffe es gerade noch gen Residenz zu gelangen, vom Ross, nur Temora weiß wie, herab zu kommen und mich über dem Geländer in den Fluss zu übergeben. Das wars mit dem Bier und den Heilzeug drinnen, denke ich während mein Mund, wie ein tobender Vulkan anstelle von Feuer nun Bier von sich gibt. Als es vorbei ist, und ich mich wackelig umdrehe, sehe ich noch Koras und meinen Sire und irgendwie dann wurde es dunkel um mich. Als ich aufblicke sehe ich wieder Koras und den Sire über mir. Kommt ja nicht auf dumme Gedanken ihr beide. Mir geht es blendend, denke ich! Erhebe mich schwankend wie ein Schiff im Sturm und versuche irgendwie den Griff der schweren Tür zu erwischen. Sonderbar, der war doch da irgendwo. Irgendwann habe ich ihn erwischt und gelacht. Geht doch! Beinahe bin ich über einen Stuhl gestolpert, der einfach da im Weg stand, während ich einer Ente nachgeblickt habe.
Eine Ente in der Residenz? Tatsächlich da watschelt etwas. Ente oder Gans ich habe keine Ahnung.
Sire wir haben eine Ente oder Gans, rufe ich zurück durch die offene Tür.
Redest du von dir, Niowe? Das wusste ich schon! Lachend habe ich den Stuhl umrundet und mich tänzelnd dem Tisch genähert, dabei war mir nun nach Singen. Was ich eigentlich noch nie vor dem Sire getan habe. Mitten unter dem Gesang ist mir eingefallen, dass ein Schnaps mir gut tun würde, obwohl ich in meinem Leben noch keinen getrunken habe. Aber der Gedanke daran nun, war sehr verlockend.
Ich glaube ich brauche einen Schnaps nun, Sire!Während ich das ausspreche, bin in dem Raum herum gestolpert.
Ich glaube du brauchst etwas zu essen, Niowe! Mein Sire ist der beste, den es je geben wird, aber mit dem Essen hat er eindeutig ein gewaltiges Probleme, nicht ich. Ich habe eben jegliche Substanzen aus meinem Magen von mir gegeben, und er spricht von essen. Momentan jann ich es ihm nicht übel nehmen. Ich bin so beschwingt, so leicht und so gut gelaunt. Sogleich versuche ich einige Tanzschritte und lande auf dem Stuhl. Mit Schwung lege ich meine Beine, die noch immer in den Reiterstiefel stecken, auf den Tisch. Ein gutes Gefühl irgendwie! Ich fühle mich rundum nun wohl! So wohl dass ich mit dem Stuhl nun zu wippen beginne, während mein Sire ohne Koras, den Raum betritt. Wo hat er den nun gelassen?
Hier, Niowe ich habe einen Schnaps mit Erdbeeren, der ist recht stark, aber gut. Wahnsinn! Mein Sire gibt mir Schnaps, ohne zu überlegen schütte ich den Inhalt der roten Phiole in mich und werde aber so etwas von schläfrig! Gestützt an meinem Sire, schaffe ich es auf mein Bett und lasse mich darauf fallen. Als ich gen Decke blicke, die nun hin und her schwankt, fällt mir ein, wir sind auf einem Schiff.
Wohin geht die Reise, Sire? Ich habe gar nicht gepackt!, murmle ich nun sehr leise während mir die Augen zufallen und ich mich am Bett festhalte, weil das Schiff nun heftig schwankt.
Mir wird übel, Sire, meine ich leise.
Mach die Augen zu und ruhe dich aus. Die Schiffsreise dauert ein wenig.
Aber wohin, Sire?, frage ich noch schwach nach.
Wohin wohl Niowe? Von Adoran, einmal rund um Gerimor und wir ankern nahe am See dann!Wie schön, denke ich. Am See!
So und nun schlafe, Niowe, höre ich die Stimme meines Sires.
Und wenn du Morgen ohne meine Erlaubnis aus dem Haus gehst oder das Schiff verlässt, dann gibt es wirklich einen auf den Allerwertesten.
Ich bleibe auf dem Schiff, Sire, sage ich noch, nicht einmal die Drohung mich übers Knie zu legen beunruhigt mich nun. Zufrieden schlafe dann unter dem Schaukeln und mit der wundervollen Aussicht am See vor Anker zu gehen ein.