Verfasst: Freitag 19. Dezember 2008, 12:46
Es war an der Zeit sich auf die richtige Seite zu schlagen...
Schon seit Tagen konnte man die Spannung fühlen, die Nervosität, die sich wie eine dunkle Wolke über die Stadt legte und jeden Bürger betraf. Langsam kroch sie vorwärts und am Ende konnte sich niemand ihrem Einfluss entziehen, nein, in den letzten Tagen war sie so greifbar geworden, dass nicht einmal die ignorantesten der Bürger diese dunkle Wolke der Anspannung leugnen konnte.
Levyn hatte sie schon viel früher wahrgenommen. Die Nachrichten, Gerüchte, Lügen und Wahrheiten, die Niederstauffenbach erreicht hatten und vom Krieg berichteten, einem Krieg der grausam und blutig war. Die Söldner des Panthers schnitten die Baronie systematisch vom Umland ab, fielen in die kleinen Weiler ein und töteten jeden der Widerstand leistete. Immer seltener wurden in der Hauptstadt die Tore für Flüchtlinge geöffnet und somit drangen von Tag zu Tag weniger Nachrichten durch die dicken Mauern, doch um so weniger Neuigkeiten eintrafen desto dichter wurde die Wolke, die das drohende Unheil verkündete.
Er, Levyn, selbst wurde ebenfalls immer aufgebrachter und konnte sich dieser Anspannung nicht entziehen, nur das sie bei ihm eine andere Richtung hatte. Nicht den Tod oder die Unterwerfung brachte diese Wolke für ihn, sondern die Freiheit, die Freiheit endlich seinen Glauben zu praktizieren, endlich offen den Zielen Alatars folgen zu können und nicht mehr den Schein des Adlers wahren zu müssen.
Zunehmend paranoid wurden die Bürger, viel zu groß war die Angst, dass die Diener des Panthers schon irgendwie Einlass in die Stadt gefunden haben oder der ärmliche Nachtbar den Verlockungen des Goldes nicht widerstehen könnte und Informationen an die Späher des Söldnerheeres verkaufen könnte.
Levyn allerdings hatte diese Angst nicht, er hoffte sogar, dass jeder der festgenommen wurde ein treuer Anhänger Alumenas war und jeder der die Wachen verständigte insgeheim ein lockerer Verbündeter war. Er selbst genoss noch an einigen Stellen großes Vertrauen, wie zum Beispiel bei der Bäckerfamilie, die ihn, seit er im Alter von 16 Sommern in dieses Viertel gestoßen war, mit Nahrung und ab und an einem warmen Platz am sich abkühlenden Ofen geholfen haben.
Zehn Jahre waren seit ihrem ersten Treffen vergangen und so war der Besuch, den er ihnen an einem Tag am Ende der Woche abstattete weitestgehend Routine. Er begrüßte das Ehepaar, kratzte seine zwei oder drei Münzen zusammen und bekam viel mehr als er bezahlen könnte, doch dieses Mal blieb er nicht, um einen freundlichen Plausch mit den beiden zu halten, aber in diesen Zeiten viel die Nervosität Levyns nicht weiter auf, die ihn schnellstmöglich aus dem Laden trieb, zurück zu der schäbigen Hütte, die er in der Nähe der Bäckerei bewohnte.
Die Tür war nur behelfsmäßig verschlossen. Diebe hätten ohnehin nicht viel mehr vorgefunden als ein Bett, einen Stuhl und einen wackeligen Tisch, auf welchem eine kleine Laterne stand, die beinahe immer zu wenig Öl beinhaltete, um auch nur einen Funken Licht in diesen Raum zu tragen. Er schloss die Tür hinter sich und griff dann unter sein Bett. Dort hatte er einen kleinen Rucksack platziert, der vollkommen leer war. Das Essen wurde verpackt und der Rucksack neben der Tür platziert. Alles war bereit, bereit für den kleinen Ausflug, den er für diese Nacht geplant hatte.
Die Tore waren seit 4 Tagen geschlossen und kein Flüchtling hatte für die gleiche Zeit um Einlass gebeten. Der Strom an Personen war vollkommen versiegt und das konnte nur eines bedeuten: Sie waren angekommen! Überall begannen die Menschen sich in ihren Häusern einzuschließen, schließlich konnte es jeder Zeit zu einem Übergriff des Heeres kommen.
Die Tag zog sich langsam dahin, die Sonne schien für Levyn an diesem Tag doppelt so lange für ihren Weg zu brauchen. Ständig starrte er durch die kleinen Lücken in seinem Dach und prüfte ihren Stand, er konnte kaum still stehen und wanderte von einer Wand zur anderen, wie eine gefangene Raubkatze.
Endlich, es war soweit, der Sonnenuntergang war vollkommen vollzogen und draußen war es tiefe Nacht, doch dieser Zustand würde nicht all zu lange anhalten, dass wusste der junge Mann, denn als der Augenblick seines Aufbruchs gekommen war, schien es, als sie die Raubkatze aus ihrem Käfig befreit worden, hungrig und mit einem Ziel vor Augen.
Den Rucksack befestigte er gut am Rücken und die Tür wurde nur eilig wieder angelehnt, was kümmerten ihn die letzten Reste seines Hab und Guts, wer konnte ihm schon garantieren, dass der Krieg seine Behausung außer Acht lassen würde.
Von Gasse zu Gasse huschte, schlenderte, rannte und schlich er. Gedeckt im Schatten oder offen im Mondschein, er passte seine Fortbewegungsart den jeweiligen Straßenverhältnissen an, immer Richtung Stadttor, immer Richtung Ausgang. Als er die Mauer erreichte schaut er an ihr herauf, die Waffen schoben ihren Wachdienst auf dem Wehrgang, doch bestand ein Muster. Levyn stand an einer zwischen sein eng nebeneinander stehenden Häusern und beobachtete diesen Zyklus einmal, wobei er langsam die Sekunden zählte, die es brauchte, bis eine weitere Wache auf der Mauer auftauchte.
Die nächste Wache verschwand und ohne zu zögern hastete Levyn los, schnell auf die alte Mauer zu, einen Herzschlag später befanden sich seine Finger- und Fußspitzen bereits in den maroden Fugen der Mauer und er zog sich Stück für Stück hoch. Er traute sich nicht nach unten zu schauen und erst Recht nicht nach Rechts oder Links, von wo die Wachen auf dem Wehrgang erscheinen könnten.
Leise zählte er in seinem Kopf die Sekunden herunter, während er Handbreit um Handbreit die Mauer erklomm und er war sich bewusst, wie klein das Zeitfenster war, welches ihm noch blieb.
Endlich hievte er sich in einem letzten Kraftakt auf den zwei Meter breiten Vorsprung, welcher von den Wachen genutzt wurde, um die Umgebung des Tores zu sichern. Sofort blickte er sich um, seine Gedanken rasten, als er eine Möglichkeit suchte auf der anderen Seite der Mauer herabzuklettern. Ohne ein Hilfsmittel konnte er sich selbst nicht versprechen nicht einfach abzustürzen, denn er hatte den Aufstieg massiv unterschätzt. Seine Arme waren lahm und die Muskulatur zitterte, ebenso hatte er das Gefühl, dass ein paar seine Zehen bluteten, da er langsam ein feuchtes Gefühl in seinen Stiefeln bekam.
Die nun etwas unsicheren Schritte trieben ihn in die Richtung, in der die Wache vor seinem Aufstieg verschwunden war, in der Hoffnung, dass die Wachsoldaten eine Runde gingen und nicht den Wehrgang auf und ab. Vor ihm baute sich ein kleiner Unterstand auf, den er schnell inspizierte und als sei es göttliche Vorsehung befand sich dort ein Seil.
Tief atmete er durch, doch fokussierte er sich schnell wieder auf sein Vorhaben, als er ein langsames, gleichmäßiges und unheilvollen Stiefelgeräusch vernahm, welches sich in seine Richtung bewegte. Er knotete das Seil an seinen Pfeiler des Unterstandes, wobei er beinahe die Geduld verloren hätte, da seine Finger so sehr in Mitleidenschaft gezogen worden waren, dass er seinen typischen Knoten nicht in wenigen Sekunden anfertigen konnte.
Die Schritte kamen immer näher und Levyn dachte, er könnte schon den dunklen Schatten in der Nacht wahrnehmen, der sich mit einer blitzenden Klinge auf ihn zu bewegte. Also streifte er hektisch über seine Rechte einen Handschuh, wickelte das Seil um den Unterarm und warf sich über die Brüstung der Mauer.
Ein schmerzvoller Ruck ging durch Arm und Schulter und beinahe hätte der junge Mann aufgeschrien, doch biss er die Zähne zusammen und beließ es bei den Tränen, die sich vor Schmerz in seinen Augen sammelten. Flink ließ er sich an dem Seil herunter, den Schmerz in seiner Schulter dabei weitestgehend ignorierend, bis er feststellte, dass er die Länge des Seils wohl falsch eingeschätzt hatte, denn seine Füße fanden nicht den erwünschten Boden, als das Seil bereits soweit ausgereizt war, wie er es sich selbst erlaubte.
Seine dunkelblauen Augen starrte nach unten in die Dunkelheit und er schätzte den Rest auf ungefähr eineinhalb Meter.
Als er das Seil losließ hoffte er inständig, dass er dieses Mal richtig lag.
Durch die Mauer etwas aus dem Gleichgewicht gebracht prallte er hart auf dem Boden auf, seine Knöchel schmerzten und sein Rücken beschwerte sich ebenfalls, doch konnte er keine Zeit verlieren. Er raffte sich auf und schleppte sich in die Dunkelheit.
Als er genügend Abstand zu Stadt hatte gönnte er sich und seinem zerschundenem Körper eine Pause und dachte über seinen Ursprünglichen Plan nach, die Truppen zu finden, seinen Dienst anzubieten und sich wieder in die Stadt zu schleichen. Ein kurzes, ironisches Schmunzelt deutete sich auf seinen Lippen an, als er sich gezwungen sah, den letzten Teil seines Planes wohl zu verwerfen, wenn er den Krieg überhaupt noch lebend erleben wollte.
Doch eines war ihm klar, er würde auf der richtigen Seite stehen und sein Wissen um die Straßen der Stadt würde dem Heer sicher von Nutzen sein.
Er hatte das Richtige getan.
Schon seit Tagen konnte man die Spannung fühlen, die Nervosität, die sich wie eine dunkle Wolke über die Stadt legte und jeden Bürger betraf. Langsam kroch sie vorwärts und am Ende konnte sich niemand ihrem Einfluss entziehen, nein, in den letzten Tagen war sie so greifbar geworden, dass nicht einmal die ignorantesten der Bürger diese dunkle Wolke der Anspannung leugnen konnte.
Levyn hatte sie schon viel früher wahrgenommen. Die Nachrichten, Gerüchte, Lügen und Wahrheiten, die Niederstauffenbach erreicht hatten und vom Krieg berichteten, einem Krieg der grausam und blutig war. Die Söldner des Panthers schnitten die Baronie systematisch vom Umland ab, fielen in die kleinen Weiler ein und töteten jeden der Widerstand leistete. Immer seltener wurden in der Hauptstadt die Tore für Flüchtlinge geöffnet und somit drangen von Tag zu Tag weniger Nachrichten durch die dicken Mauern, doch um so weniger Neuigkeiten eintrafen desto dichter wurde die Wolke, die das drohende Unheil verkündete.
Er, Levyn, selbst wurde ebenfalls immer aufgebrachter und konnte sich dieser Anspannung nicht entziehen, nur das sie bei ihm eine andere Richtung hatte. Nicht den Tod oder die Unterwerfung brachte diese Wolke für ihn, sondern die Freiheit, die Freiheit endlich seinen Glauben zu praktizieren, endlich offen den Zielen Alatars folgen zu können und nicht mehr den Schein des Adlers wahren zu müssen.
Zunehmend paranoid wurden die Bürger, viel zu groß war die Angst, dass die Diener des Panthers schon irgendwie Einlass in die Stadt gefunden haben oder der ärmliche Nachtbar den Verlockungen des Goldes nicht widerstehen könnte und Informationen an die Späher des Söldnerheeres verkaufen könnte.
Levyn allerdings hatte diese Angst nicht, er hoffte sogar, dass jeder der festgenommen wurde ein treuer Anhänger Alumenas war und jeder der die Wachen verständigte insgeheim ein lockerer Verbündeter war. Er selbst genoss noch an einigen Stellen großes Vertrauen, wie zum Beispiel bei der Bäckerfamilie, die ihn, seit er im Alter von 16 Sommern in dieses Viertel gestoßen war, mit Nahrung und ab und an einem warmen Platz am sich abkühlenden Ofen geholfen haben.
Zehn Jahre waren seit ihrem ersten Treffen vergangen und so war der Besuch, den er ihnen an einem Tag am Ende der Woche abstattete weitestgehend Routine. Er begrüßte das Ehepaar, kratzte seine zwei oder drei Münzen zusammen und bekam viel mehr als er bezahlen könnte, doch dieses Mal blieb er nicht, um einen freundlichen Plausch mit den beiden zu halten, aber in diesen Zeiten viel die Nervosität Levyns nicht weiter auf, die ihn schnellstmöglich aus dem Laden trieb, zurück zu der schäbigen Hütte, die er in der Nähe der Bäckerei bewohnte.
Die Tür war nur behelfsmäßig verschlossen. Diebe hätten ohnehin nicht viel mehr vorgefunden als ein Bett, einen Stuhl und einen wackeligen Tisch, auf welchem eine kleine Laterne stand, die beinahe immer zu wenig Öl beinhaltete, um auch nur einen Funken Licht in diesen Raum zu tragen. Er schloss die Tür hinter sich und griff dann unter sein Bett. Dort hatte er einen kleinen Rucksack platziert, der vollkommen leer war. Das Essen wurde verpackt und der Rucksack neben der Tür platziert. Alles war bereit, bereit für den kleinen Ausflug, den er für diese Nacht geplant hatte.
Die Tore waren seit 4 Tagen geschlossen und kein Flüchtling hatte für die gleiche Zeit um Einlass gebeten. Der Strom an Personen war vollkommen versiegt und das konnte nur eines bedeuten: Sie waren angekommen! Überall begannen die Menschen sich in ihren Häusern einzuschließen, schließlich konnte es jeder Zeit zu einem Übergriff des Heeres kommen.
Die Tag zog sich langsam dahin, die Sonne schien für Levyn an diesem Tag doppelt so lange für ihren Weg zu brauchen. Ständig starrte er durch die kleinen Lücken in seinem Dach und prüfte ihren Stand, er konnte kaum still stehen und wanderte von einer Wand zur anderen, wie eine gefangene Raubkatze.
Endlich, es war soweit, der Sonnenuntergang war vollkommen vollzogen und draußen war es tiefe Nacht, doch dieser Zustand würde nicht all zu lange anhalten, dass wusste der junge Mann, denn als der Augenblick seines Aufbruchs gekommen war, schien es, als sie die Raubkatze aus ihrem Käfig befreit worden, hungrig und mit einem Ziel vor Augen.
Den Rucksack befestigte er gut am Rücken und die Tür wurde nur eilig wieder angelehnt, was kümmerten ihn die letzten Reste seines Hab und Guts, wer konnte ihm schon garantieren, dass der Krieg seine Behausung außer Acht lassen würde.
Von Gasse zu Gasse huschte, schlenderte, rannte und schlich er. Gedeckt im Schatten oder offen im Mondschein, er passte seine Fortbewegungsart den jeweiligen Straßenverhältnissen an, immer Richtung Stadttor, immer Richtung Ausgang. Als er die Mauer erreichte schaut er an ihr herauf, die Waffen schoben ihren Wachdienst auf dem Wehrgang, doch bestand ein Muster. Levyn stand an einer zwischen sein eng nebeneinander stehenden Häusern und beobachtete diesen Zyklus einmal, wobei er langsam die Sekunden zählte, die es brauchte, bis eine weitere Wache auf der Mauer auftauchte.
Die nächste Wache verschwand und ohne zu zögern hastete Levyn los, schnell auf die alte Mauer zu, einen Herzschlag später befanden sich seine Finger- und Fußspitzen bereits in den maroden Fugen der Mauer und er zog sich Stück für Stück hoch. Er traute sich nicht nach unten zu schauen und erst Recht nicht nach Rechts oder Links, von wo die Wachen auf dem Wehrgang erscheinen könnten.
Leise zählte er in seinem Kopf die Sekunden herunter, während er Handbreit um Handbreit die Mauer erklomm und er war sich bewusst, wie klein das Zeitfenster war, welches ihm noch blieb.
Endlich hievte er sich in einem letzten Kraftakt auf den zwei Meter breiten Vorsprung, welcher von den Wachen genutzt wurde, um die Umgebung des Tores zu sichern. Sofort blickte er sich um, seine Gedanken rasten, als er eine Möglichkeit suchte auf der anderen Seite der Mauer herabzuklettern. Ohne ein Hilfsmittel konnte er sich selbst nicht versprechen nicht einfach abzustürzen, denn er hatte den Aufstieg massiv unterschätzt. Seine Arme waren lahm und die Muskulatur zitterte, ebenso hatte er das Gefühl, dass ein paar seine Zehen bluteten, da er langsam ein feuchtes Gefühl in seinen Stiefeln bekam.
Die nun etwas unsicheren Schritte trieben ihn in die Richtung, in der die Wache vor seinem Aufstieg verschwunden war, in der Hoffnung, dass die Wachsoldaten eine Runde gingen und nicht den Wehrgang auf und ab. Vor ihm baute sich ein kleiner Unterstand auf, den er schnell inspizierte und als sei es göttliche Vorsehung befand sich dort ein Seil.
Tief atmete er durch, doch fokussierte er sich schnell wieder auf sein Vorhaben, als er ein langsames, gleichmäßiges und unheilvollen Stiefelgeräusch vernahm, welches sich in seine Richtung bewegte. Er knotete das Seil an seinen Pfeiler des Unterstandes, wobei er beinahe die Geduld verloren hätte, da seine Finger so sehr in Mitleidenschaft gezogen worden waren, dass er seinen typischen Knoten nicht in wenigen Sekunden anfertigen konnte.
Die Schritte kamen immer näher und Levyn dachte, er könnte schon den dunklen Schatten in der Nacht wahrnehmen, der sich mit einer blitzenden Klinge auf ihn zu bewegte. Also streifte er hektisch über seine Rechte einen Handschuh, wickelte das Seil um den Unterarm und warf sich über die Brüstung der Mauer.
Ein schmerzvoller Ruck ging durch Arm und Schulter und beinahe hätte der junge Mann aufgeschrien, doch biss er die Zähne zusammen und beließ es bei den Tränen, die sich vor Schmerz in seinen Augen sammelten. Flink ließ er sich an dem Seil herunter, den Schmerz in seiner Schulter dabei weitestgehend ignorierend, bis er feststellte, dass er die Länge des Seils wohl falsch eingeschätzt hatte, denn seine Füße fanden nicht den erwünschten Boden, als das Seil bereits soweit ausgereizt war, wie er es sich selbst erlaubte.
Seine dunkelblauen Augen starrte nach unten in die Dunkelheit und er schätzte den Rest auf ungefähr eineinhalb Meter.
Als er das Seil losließ hoffte er inständig, dass er dieses Mal richtig lag.
Durch die Mauer etwas aus dem Gleichgewicht gebracht prallte er hart auf dem Boden auf, seine Knöchel schmerzten und sein Rücken beschwerte sich ebenfalls, doch konnte er keine Zeit verlieren. Er raffte sich auf und schleppte sich in die Dunkelheit.
Als er genügend Abstand zu Stadt hatte gönnte er sich und seinem zerschundenem Körper eine Pause und dachte über seinen Ursprünglichen Plan nach, die Truppen zu finden, seinen Dienst anzubieten und sich wieder in die Stadt zu schleichen. Ein kurzes, ironisches Schmunzelt deutete sich auf seinen Lippen an, als er sich gezwungen sah, den letzten Teil seines Planes wohl zu verwerfen, wenn er den Krieg überhaupt noch lebend erleben wollte.
Doch eines war ihm klar, er würde auf der richtigen Seite stehen und sein Wissen um die Straßen der Stadt würde dem Heer sicher von Nutzen sein.
Er hatte das Richtige getan.