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Verfasst: Mittwoch 21. November 2007, 22:11
von Jolinn Hinrah
Es fühlte sich an wie Muskelkater, aber es war kein Muskelkater. Man konnte doch nicht innerlich Muskelkater bekommen? Immer und immer wieder zog es in ihrer Leistengegend. Ein wirklich unangenehmes Gefühl, was sie da verspürte. Es war ein so ungewohntes Gefühl. So ungewohnt, dass sie zeitweise einfach auf den Boden liegen musste und ihre Beine strecken und beugen musste, um die Schmerzen ein wenig unter Kontrolle zu bringen. Sie hatte schon gehofft, dass es mit der Übelkeit getan wäre, aber zur Übelkeit kam noch so viel mehr dazu. Dieser ewige Brechreiz, den sie hatte und diese ständige und stark ausgeprägte Müdigkeit machte sie noch halb wahnsinnig. Aber irgendwo war ihr das klar, so oft wie sie nachts wach wurde und ihre Heißhungerattacken stillte. Fleisch in Apfelmus mit Dattelscheiben, kalte Kartoffeln mit Erdbeermarmelade oder doch ein wenig Wassermelone mit Winterbrot und dazu vielleicht noch Dattel- oder Apfelmus. An Skorpionsfleisch hatte sie ja auch einen Narren gefressen. Und teilweise ging sie sich in der letzten Zeit selbst so dermaßen auf den Zeiger, dass sie sich wirklich wunderte, wie Falk es mit ihr aushalten konnte. Auf der einen Seite war sie so zutraulich wie ein kleines Kätzchen und dann fuhr sie ihre Krallen wieder aus, im nächsten Moment lachte sie aus ganzem Herzen und dann war sie an einem Punkt, an dem sie fast nur weinen konnte und das wegen den banalsten Dingen. Sie verstand sich langsam selbst nicht mehr. Man hätte ihr aber auch mal sagen können, was das für eine Anstrengung war ein Kind auszutragen. Aber nein, ein Sprung ins kalte Wasser. Wenigstens Evja konnte sie verstehen, schließlich war auch sie schwanger. Auch wenn Falk versuchte, sie immer und immer wieder zu beruhigen, Jolinn war in den letzten Tagen unzufrieden, meist mit sich selbst. Stimmungsschwankungen, denen sie Tag für Tag unterlag. Es war zum verrückt werden. Sie legte den Kopf zurück und sah an die Zimmerdecke. Schlafen tat gut, aber egal, wieviel sie schlief, sie war noch immer müde. "Mey, was ich mit dir jetz schon alles mitmachen muss!" Sie streichelte über den Bauch, schloss die Augen und schlief erneut nach einem harten Tag ein.
Verfasst: Freitag 23. November 2007, 10:31
von Jolinn Hinrah
Erschöpft lies sie sich ins Gras sinken. Sie hatte schon vorher immer bemerkt, dass so eine Offenbarung der Seele und eine Reise durch diese sehr anstrengend war. Durch Rahal waren sie gehetzt, hatten die Arkorither in die Enge getrieben und immer und immer wieder weiter getrieben. Und jetzt saß Jolinn letztendlich wieder zuhause unter dem heiligen Baum, ihr war übel, sehr übel. So übel, dass sie sich einfach schwach fallen ließ. Falk kam umgehend zu ihr, sah sie an, vielleicht auch ein wenig besorgt.
"Geht es euch gut?"
Euch. Aye, Jolinn fand diese Frage meist zu schön. Sie war nicht mehr alleine, sie trug Falks Sohn unter ihrem Herzen. Und das machte sie glücklicher denn je. Sie nickte nur und erklärte ihm, dass ihr nur ein wenig schlecht wäre. Systra trat auf die Beiden zu.
"Euch... ist ein gutes Stichwort!"
Systras Blick konnte man nicht zuordnen, er war neutral, sie blickte Falk an, der nun vor ihr stand. Systra sprach, ... ney eine Seele barg sich unter Jolinns Herzen. Jolinn schluckte. Sie wusste, was dies zu bedeuten hatte. Entweder hatte sie ihr Welpen verloren oder die Seele war auf der Reise abhanden gekommen. Tausend Gedanken schossen ihr durch den Kopf. "Nicht mein Welpe... nicht mein Welpe!" flehte sie gedanklich. Falk sah sie fassungslos an. "Meinem Welpen geht es gut!" herrschte er. Systra wiederholte ihre Worte nochmals.
"Ney eine Seele birgt sich unter dem Herzen von Jolinn..."
Aye, soviel wussten sie nun ja schon. Jolinn konnte nicht einmal weinen. Da hatte sie die letzten Monate so viel Glück gehabt, erst fand sie ihren Dah wieder, dann auch noch die Liebe zu Falk. Ihre Schwester war wieder da und dann kam auch noch das Handfasting und ihre Schwangerschaft. Und jetzt sollte man ihr das Welpen einfach wieder genommen haben? Sie verstand die Welt nicht mehr. Sie sah, wie Falk die Tränen in die Augen stiegen. Systra sah beide an, eine Weile, erst dann erhellte sich ihr Blick.
"Ney eine Seele birgt sich unter ihrem Herzen... es sind zwey!"
Zwei? Zwei Seelen? Das bedeutete.. sie würde Zwillinge bekommen. Zwei Welpen. Es war ja naheliegend, wegen Svenja und ihr, weil sie ja auch Zwillinge waren, aber das sie dieses Glück auch hatte? Sie war fassungslos. Zwei Welpen. Zwei weitere Seelen für den Clan, die sie unter ihrem Herzen trug. Als Systra sie in ihre Arme zog liefen ihr nur noch die Tränen vor Fassungslosigkeit. Zwei Welpen - Wo würde das nur hinführen? Falk strahlte sie an. Er ging zu ihr, piekste in ihren Bauch, sprach mit dem Bauch, drückte und streichelte ihn. Auch die Nachricht, dass Kadlin Welpen - ebenfalls... zwei... - bekommen sollte, war eine freudige Überraschung.
Und so zogen sich Falk und Jolinn zurück. Jolinn brachte Falk in die Felle, ging es ihm gesundheitlich momentan gar nicht so gut. Sie hatte schon die Blässe bemerkt, die ihn umgeben hatte und sein Husten klang auch nicht unbedingt gesund. Am besten sollte er sich eine Weile ausruhen, bis es ihm wieder besser ging.
Sie selbst ging nochmal nach oben, unterhielt sich mit Tanos über die freudige Botschaft, dass sie Zwillinge erwartete und nachdem auch dieser in den Fellen verschwand, setzte sie sich an den Tisch und schrieb einen Brief an ihren Dah. Schließlich sollte er umgehend erfahren, dass seine Tochter ihm zwei Enkel schenken würde.
Verfasst: Sonntag 2. Dezember 2007, 21:33
von Jolinn Hinrah
Sie schlug die Augen auf und sah den weißen Wolf durch das Schlafzimmer huschen. Wahrlich ein schönes Tier. Freki, so hatten sie ihn benannt. Oder eher sollte man sagen: Falk hatte ihn so benannt. Jener lag neben ihr in den Fellen und schnarchte vor sich hin. Kein Wunder, schließlich wurde er nicht gesünder. Egal, was sie ihm brachte, ob Tee, ob einen Erkältungstrank, es schlug nichts an. Und wenn er dann einigermaßen fit war hatte er nicht wirklich Zeit für sie sondern nur für Pergamente und Kriegserklärungen. Wie deprimierend für eine werdende Mutter.
Aber wenn sie genauer darüber nachdachte, sie war ganz froh, dass sie momentan einiges an Zeit für sich selbst hatte. Schließlich musste sie selbst auf sich aufpassen. Manchmal kitzelte es in ihren Fingerspitzen und sie war Nahe dran, nach dem Bogen zu greifen, aber dann besonn sie sich eines Besseren und lehnte ihn wieder an die Wand. Von Alliestra hatte sie jenen geschenkt bekommen, in die Enden waren jeweils Wolfsköpfe eingeschnitzt. Sie schlich sich aus dem Schlafzimmer durch das Bad die Treppen hinauf in das Arbeitszimmer und von diesem hinaus in die große Halle. Es war ruhig in Grimwould. Man hörte das Holz knacksen und die Kerle schnarchen. Die Tiere blöken, quieken, fauchen. Die Gelüste trieben sie wieder in die Küche. Spezialität des Hauses: Fleisch in Apfelmus mit Dattelscheiben. Köööstlich.
Nachdem sie sich eine Weile in ihrem Thron ausgeruht hatte und schon wieder müde wurde, stapfte sie zurück ins Fell, um ihre Augen wieder zu schließen. Die Müdigkeit machte ihr zu schaffen und trotzdem hoffte sie immer mehr darauf, dass sie endlich ein paar Bewegungen spüren konnte. Wie schön es doch war, die Veränderungen des Körpers wahrzunehmen.
Verfasst: Montag 10. Dezember 2007, 11:48
von Jolinn Hinrah
Es war schwer für sie, Falk ziehen zu lassen. Gerade jetzt. Er hatte sich gerade von seiner Erkältung erholt. Eine Pilgerfahrt. Aber Jolinn wusste, dass es sein musste. Wie schwer würde es für sie werden, allein in den Fellen zu liegen und den Mann, den sie so liebte, an ihrer Seite vermissen zu müssen? Die Felle würden kälter werden ohne ihren Liebsten. Nicht nur vom Gefühlten, auch die emotionale Wärme fehlte ihr jetzt schon. Der letzte Kuss, den ihre Lippen benetzt hatten, behielt sie in Gedanken. Sie versprach Falk, sich um Ulfarr zu kümmern, wie sie es auch sonst tat. Und sie war froh, das Ulfarr wenigstens bei ihr blieb. Sie hatte ihn in ihr Herz geschlossen wie ihren eigenen Sohn, wenn es auch nicht ihr Fleisch und Blut war.
Emotional war es sehr schwer für Jolinn. Gerade jetzt drohte eine Welt der Gefühlseindrücke über ihr zusammen zu brechen. Nachdem Falk Grimwould verlassen hatte ging sie zurück in das Schlafzimmer der beiden und setzte sich an die Kommode. Sie sah auf das Armband, ihre Fingerspitzen suchten sanft den Weg darüber. Weinen, kreische, schreien könnte sie nun. Einige Tränen kullerten, dann raffte sie sich auf und schlich durch Grimwould. Mit Falks Abschied fehlte etwas in Grimwould. Auch, wenn alle irgendwo umherschlichen - irgendetwas fehlte. Vielleicht tat es auch gerade deswegen so gut, dass wenigstens ihr Dah nun da war und sie stärkte. Allein mit seiner Anwesenheit. Gerade jetzt fühlte sie sich wie ein kleiner Welpe, der daran drohte zu zerbrechen, weil man ihm das liebste Spielzeug nahm. Manchmal verfluchte sie die Schwangerschaft und die Emotionalität, welche sie dadurch bekam. Aber sie würde stark bleiben und alles durchstehen. Und ihr blieb nur die Hoffnung, dass Falk zurückkehrte, bevor sie ihre Welpen bekam. Es war noch einige Zeit hin bis zu jenem Tag, aber keiner von ihnen hatte eine Ahnung, wie lange seine Reise dauern würde. Bis er das gefunden hatte, wonach er suchte. Im Herzen war sie bei ihm und sie würde sich auf den Tag freuen, an dem er wieder zurückkam.
Mit sehnsüchtigem Blick stand sie auf einem der Aussichtstürme, nachts, der Wind peitschte um ihre Ohren. Sie sah in die Nacht, sah durch die Bäume, durch welche Falk verschwunden war. Sie brauchte nun Kraft und jetzt war es an ihr, die Kraft alleine aufzubringen. Kurz blickte sie in den Himmel. 'Ich liebe dich, Falk Hinrah!' - Sie schickte die Worte gedanklich auf eine Reise und sie hoffte, dass der Empfänger sie in seinen Gedanken empfangen konnte.
Verfasst: Mittwoch 9. Januar 2008, 15:34
von Jolinn Hinrah
Die Zeit verging, der Winter trat herein und mit dem Winter auch der Schnee. Die Landschaft bedeckte sich mit dem weißen, weichen aber auch eiskalten Schnee und färbte sie in ein immer wieder zu bewunderndes Farbenspiel. Die Sonne reflektierte sich in den unterschiedlichsten Farben in den kleinen Kristallen. Wie so oft saß Jolinn in der großen Halle vor dem noch größeren Feuer. Grimwould war kalt und leer geworden. Alle hatten sich in den wärmenden Fellen verkrochen oder waren auf der Jagd, im Wald, sonstwo. Jolinns Bauch wuchs immer weiter. Es war schön für die junge, werdende Mutter mit anzusehen, wie ihr Bauch immer und immer größer wurde und sich auch so noch einiges mehr veränderte. Anfangs, so um den dritten Monat herum, war nur ganz leicht etwas zu erkennen. Jolinn konnte es dort noch relativ gut vertuschen mit dem weiten Stammeskilt, welcher eh am bequemsten war. Aber irgendwann ging auch das nicht mehr und man sah ihr die deutliche Rundung wirklich an. Ein Bauch, der sich langsam zu einer schönen Rundung verformte. Größer als ein normaler Schwangerschaftsbauch im fünften Monat, schließlich bekam sie auch Zwillinge und die brauchten bekanntlich Platz. Liebevoll strich sie immer wieder über ihren Bauch, gerade wenn sie in den Fellen lag. Manchmal erwischte sie sich sogar dabei, wie sie anfing mit den beiden Welpen zu sprechen. Namen hatte sie sich bis jetzt noch keine überlegt. Sie hatte ja nicht einmal eine Ahnung, ob es zwei stattliche Kerle wie Falk oder zwei Weiber wie sie werden würden. Oder gar ein Junge und ein Mädchen. Aber ein wenig Zeit hatte sie ja noch, bis sie sich darüber Gedanken machen musste und sie hoffte, sie hoffte sehr, dass Falk bis zu diesem Zeitpunkt wieder da war und mit ihm gemeinsam entscheiden konnte.
Ulfarr hatte auch recht schwer daran zu knabbern anfangs, dass sein Dah nicht mehr da war. Immer wieder erklärte Jolinn ihm, dass Falk wieder zurückkommen würde, wenn es an der Zeit war. Gemeinsam saß sie oftmals mit ihm im Schlafzimmer, spielte mit den hölzernen Figuren, über die sie nachts schon so oft gestolpert war. Aber immer wieder tauchte die Frage auf, wo Dah denn war. Und jedes Mal erklärte sie es dem Jungen erneut, strich ihm durchs Haar. Und auch Ulfarr bemerkte, dass sie rundlicher wurde. Es war unterschiedlich, manchmal freute er sich auf seine Halbgeschwister, manchmal nicht. Jolinn erklärte ihm all das, was er wissen wollte. Das es Zwillinge waren, dass sie nicht wusste, ob er zwei Brüder oder zwei Schwestern bekommen würde. Was passieren würde, wenn sie auf die Welt kamen. Ulfarr verstand. "Darf ich mal fühlen, Jolinn?" Jolinn lächelte sanft und nickte. Natürlich durfte er, wenn er auch noch nicht viel fühlen würde. Ulfarr legte die Hand auf den Bauch und wieder durchzog ein Kribbeln ihren Körper. Manchmal war es so stark, das es fast schon unangenehm wurde, aber sie wusste, ihre Welpen lebten und sie waren mehr als quirlig. Sie merkte auch deutlich, wie ihre Welpen im Bauch auf visuelle Reize von außen reagierten. Auf ihren Dah zum Beispiel reagierten sie sofort, sobald er zu sprechen begann, begannen auch die Kleinen sich zu bewegen, ebenso bei Hedwig. Und womöglich würden sie es bei Falk am allermeisten tun, wenn er da wäre und mit ihnen sprechen würde, wenn er ihren Bauch berühren würde. Ulfarr nahm die Hand wieder weg. "Wann beginnen die mit strampeln, Jolinn?" Jolinn erklärte Ulfarr, dass sie längst strampelten, nur nicht so stark, dass man es auch außen spüren konnte. Lange konnte es also nicht mehr dauern. "Sagst du mir dann, wenn man das spürt? Mey, ich will das auch man spüren!" Wieder lächelte sie und nickte, streichelte dem kleinen Jungen durch den blonden Wuschelkopf.
Verfasst: Sonntag 3. Februar 2008, 18:07
von Jolinn Hinrah
Die Zeit strich dahin. Der Winter ging auf sein Ende zu, langsam und schleppend. Bald würden sie das Frühjahr wieder begrüßen können. Sie schlich durch die große Halle. Aye, mit Falk war ein Stück von ihrem Leben gegangen. Sie vermisste ihn noch immer und sie quälte sich trotz Kugelbauch noch immer auf den Aussichtsturm um in die eisige und dunkle Nacht zu starren. Wenigstens ihre Gedanken und ihre Liebe wollte sie ihm so schicken.
Aber ihre Hoffnung ging dahin, dass Falk zurück war, wenn sie ihre Welpen auf die Welt brachte. So sehr wünschte sie es sich, aber sie spürte, dass er noch eine Weile fort sein würde. Und allzu lang würde es nicht mehr dauern. Es ging dem Ende zu und langsam fühlte sie sich wirklich nur noch rund. Das ständige auf dem Rücken liegen machte alles auch nicht einfacher, die Tritte, die ihr die Welpen verpassten, schmerzten. Aber die letzten Wochen würde sie nun auch vorbei bekommen. In der Freude darauf, dass sie bald zwei quirlige Welpen um sich herum haben würde.
Verfasst: Donnerstag 14. Februar 2008, 23:56
von Jolinn Hinrah
Ankunft in Grimwould - Zuwachs für die Wölfe der Hinrah
Sie stand in der Küche und war auf der Suche nach etwas zu Essen, als sie auf einmal ein unsagbarer Schmerz überkam. Was genau es war, war ihr nicht bewusst. Sie hatte so etwas schließlich noch nicht gespürt. Ärgerten sich die zwei Welpen in ihrem Bauch wieder? Sie zog die Luft ein. Ihre Hand wanderte reflexartig zu ihrem Bauch, um die beiden zu beruhigen. Und es schien zu funktionieren. Aber als sie sich aufrichten wollte, spürte sie erneut diesen Schmerz in sich. Wieder zog sie die Luft ein, bis sich letztendlich ihre Augen weiteten. Ihre Hose - nass. 'Oh nein, bitte nicht jetzt. Nicht hier!' Sie sah auf den Boden. Unter ihr war es nass.
"SYSTRAAAAAAAAAA!" - Der kreischende Schrei durchzog Grimwould.
Rasch tauchte Systra in der Küche auf und sorgte dafür, dass Jolinn in die Felle gebracht wurde. Sie musste liegen. Aber die Welpen konnten doch nicht jetzt schon zur Welt kommen. Falk war nicht da und er sollte doch da sein. Er sollte doch hier sein, wenn seine Welpen das Licht der Welt erblickten. Argos legte sie sanft in den Fellen ab. Er selbst war frischgebackener Vater eines Welpen. Systra kam mit heißem Wasser nach.
Immer und immer wieder presste sie, so gut es ihr gelang. Sie hatte das Gefühl, dass sie nicht mehr konnte, dass sie sterben müsste. Dieser unendliche Schmerz. Sie verfluchte Falk dafür, dass er sie geschwängert hatte. Am liebsten hätte sie ihm in diesem Moment was abgerissen, sie verfluchte ihn, er konnte froh sein, dass er in diesem Moment nicht anwesend war. Das erste Welpe erblickte nach einiger Zeit das Licht der Welt, ein kleiner Klapps auf den Hintern genügte und das Kleine begann zu quäkeln. Es wurde gesäubert und Hedwig nahm es auf den Arm um darauf aufzupassen. "Ich schaff das nicht mehr...!" keuchte Jolinn, die schweißnass in den Fellen lag. Die Anstrengung zeichnete sich in ihrem Gesicht ab. "Du schaffst das! Pressen!" Und wieder begann sie von Neuem, als die nächsten Wehen einsetzten. Sie atmete, sie presste. Sie hatte das Gefühl, ohnmächtig zu werden, der Schmerz war ungemein. Während das geborene Welpen immer noch rumquakte lag sie weiter in den Wehen, um das zweite Welpe zur Welt zu bringen. Aber auch das zweite Welpe sollte folgen und nachdem sie gereinigt und versorgt wurden, bettete Hedwig die beiden gesunden Jungen in ihren Armen. Sie hatte Falk zwei Jungen geschenkt. Sie hätte fast weinen können vor Glück, allerdings war sie dazu viel zu schwach. Sanft wiegte sie die Welpen in ihren Armen. "Jetzt musst du ihnen nur noch Namen geben...!" Sie musste nicht allzu lange überlegen, recht schnell hatte sie die Namen für ihre Söhne.
- Ansgar und Vrái Hinrah. Sie hatte ihnen ihr Leben geschenkt, sie hatte die Frucht der Liebe ausgetragen. Sie war glücklich, sehr glücklich und dennoch hatte sie auch wahnsinnige Angst. Sie war nun Mutter zweier Welpen, für die sie die Verantwortung hatte. Mit liebevollem Blick legte sie beide Welpen in die Felle, die sie um den Körper der beiden Kleinen wickelte. Schützend legte sie sich vor sie, wie eine Wölfin vor ihre Jungen.
Verfasst: Dienstag 1. April 2008, 20:36
von Jolinn Hinrah
Die Zeit zog dahin und mit der Zeit teilweise auch ihre Kraft. Manchmal hatte sie das Gefühl einfach die Nerven zu verlieren und genau in einem solchen Moment griff sie zu ihrem Bogen, den sie damals von Alliestra zu ihrem Handfasting bekommen hatte und ging in den Stall, um ihre Stute zu rüsten.
Anfangs war es schwer gewesen, sich davonzuschleichen und die Welpen allein zu lassen, aber sie wurden größer und größer. Und selbstständiger. Es war ihr klar, dass sie selbst jetzt in einem zarten Alter von drei Wintern noch nicht komplett eigenständig waren, aber im Vergleich zu den Kindern von Städtern waren ihre Welpen wirklich weit entwickelt.
So gerne erinnerte sie sich an die Tage zurück als sie durch die Zimmer krabbelten. Als erstes war es verzweifeltes herumrutschen auf dem Bauch, aber irgendwann hatten sie es entdeckt, wie es funktionieren sollte. Und recht bald folgte auch der erste Schritt. Es war schön, so schön zu sehen, wie sie immer größer wurden und auch die ersten Worte recht bald sprechen konnten. Die Zeit flog nur so dahin. Irgendwann würde Jolinn sicher aufwachen und die beiden Welpen waren keine Welpen mehr sondern auch noch größer als sie.
Manchmal erfüllte sie der Neid, wenn sie Argos und Evja sah, wie sie gemeinsam im Gras saßen und mit ihrem Welpen spielten. Oder Leif und Kadlin, die sich so rührseelig trotz des Rudels um ihre eigene kleine Familie kümmerten. Und dennoch, sie war stark. Sie war eine starke Wölfin und sie konnte sich schon damals durchsetzen als sie durch die Tür bei Bunjams trat, auch wenn ihr das nie bewusst geworden war. Sie hatte sich damals mit ihrer Art und Weise, mit ihren Kulleraugen, aus einer ganzen Reihe von Weibern herauskristallisiert und nun - ja - nun war sie verhandfastet mit dem Mann, den sie so sehr liebte. Falk.
Falk... So oft sehnte sie sich nach ihm. Nach seiner Nähe, danach, seinen Herzschlag zu hören, zu fühlen. In seine unnatürlich blauen Augen zu blicken, ein Lächeln zu ergattern, das Leuchten in seinen Augen zu sehen. Ihr fehlte seine Art, seine freche und dennoch so ruhige Art. Ihr Fell war leer, so verdammt leer ohne ihn und sie wünschte sich nichts sehnlicher, als das er endlich nach Hause kam. Aber sie wusste, er würde kommen. Genau dann, wenn er all das erledigt hatte, was er erledigen musste. Sie fühlte sich im Herzen allein, obwohl sie auch weiterhin nicht alleine war. Die Liebe in ihrem Herzen starb nicht - niemals. Nie im Leben. Sie hatte sich damals in ihn verliebt und aus dieser Verliebtheit war aufrichtige Liebe gewachsen. Liebe, die nicht mit der Liebe zu ihrem Dah vergleichbar war. War sie intensiver? Jolinn konnte es nicht sagen. Sie würde beide mit ihrem Leben verteidigen. Aber es war eine andere Art von Liebe. Genauso wie die Liebe zu ihrer Schwester. Die einzige Liebe, die alles andere übertraf, war die Liebe zu ihren Welpen. Zu ihrem Eigen Fleisch und Blut. Sie lächelte, als sie die Beiden in die Felle brachte und bis zum Hals mit Fellen zudeckte. Eine Gute-Nacht-Geschichte sollte sie noch erzählen und ja, sie erzählte. Jolinn erzählte ihnen viel, sehr viel. Sie erzählte ihnen beispielsweise von damals - damals, als sie ihren Dah kennenlernte...
"... Ich kam von einer Jagd zurück und da in Grimwould niemand mehr war, ging ich zu Bunjams. Ich hatte den Jarl der Hinrah zuvor nie gesehen, obwohl ich doch schon eine Weile da war. Aber ich hatte mich versteckt gehalten, schließlich war ich lange Zeit in den Wäldern, gemeinsam mit Svenja und Svenja hatte ich auch noch verloren... teilweise war ich sogar noch ein wenig verstört, aber irgendwann bin ich aufgetaut und dann hab ich die Türe aufgestoßen - ja. Und dann saßen sie alle da und haben gelacht und gelacht und gelacht. Anfangs hab ich nicht einmal verstanden, dass sie über mich gelacht haben oder über das, was sie zuvor sagten, was nun unmittelbar mit mir zu tun hatte. Aber dann wurde ich herzlich begrüßt und da war ein fremder Kerl, er sah wahnsinnig gut aus, und er stand auf und sah mich an. Mir war nicht bewusst, dass es der Jarl der Hinrah war. Ich wusste nicht, dass ich vor Falk stand. Kadlin hatte den Platz neben Falk längst geräumt und meinte irgendwas von wegen es wäre nun mein Platz. Und dann haben wir uns hingesetzt. Die Haare hat er mir abgeschnitten, weil sie zu lang waren. Ich hatte in der ganzen Hektik vergessen, die Haare wieder zu schneiden. Immer war ich jagen und jagen und jagen, damit ich die Sehnsucht nach Svenja vergess. Aber an dem Abend war alles irgendwie anders und der Abend hat mein Leben verändert. Irgendwann kamen sie drauf, dass ich seine Wäsche waschen müsse, ich weiß gar nicht mehr genau warum, ich glaube es war zur Strafe, dass ich so lange Haare hatte. Lange Haare sind ja ein Zeichen von Eitelkeit oder Schlampigkeit. Ist nicht so gern gesehen bei den Tiefländern. Und dann saß ich da und hörte zu und hörte zu und hörte zu. Und irgendwann schlief ich ein - ja, ich schlief ein. Und irgendwie bin ich wohl zur Seite gekippt. Aufgewacht bin ich nämlich in einer ganz anderen Position und ich wirkte wohl ein wenig verstört, als ich aufblickte und Falk sah. Ja, ich bin auf seinem Schoß eingeschlafen. Kadlin hat mir dann erzählt, dass das wohl der Moment war, in welchem einiges passiert ist. Falk habe man angesehen, dass ihn das berührt hatte. Ich hab im Schlaf nicht gespürt, wie er mir eine Strähne aus dem Gesicht gestrichen hat. Aber irgendwie war da irgendwas und ich fühlte mich anders. Beflügelter. Ja, und dann passierte es einfach so - mir wurde klar, dass ich mich in ihn verliebt hatte. Wir verbrachten viel Zeit miteinander. Er zeigte mir Grimwould, weil mir niemand zuvor Grimwould ausführlich gezeigt hatte. Ich kämpfte gegen ihn und wir hatten einige lustige Abende in der Halle. Bis zu dem Abend, als mir eine Antwort beim Flaschendrehen auf den Magen schlug. Dann bin ich raus vor die Tür, ich hab frische Luft benötigt. Aber er kam recht bald nach und sah mich an. Ich hatte das Gefühl das meine Knie weich werden, - ein Gefühl, welches ich nie zuvor hatte. Es war so unbeschreiblich. Und dann kam ein Moment, den ich nicht vergessen werde ... Nie."
Sie blickte auf ihre Welpen die längst schliefen. Sie hatte vor lauter erzählen ganz vergessen darauf zu achten ob sie schon die Augen geschlossen hatten oder nicht. Als sie aufstand blinzelte Ansgar kurz. "Mah?" Sie sah zu ihm, schenkte ihm ein Lächeln und streichelte über seine Stirn, während sie mit der anderen über Vrais Rücken strich. "Kommt Dah wieder?" Sie lächelte gequält und nickte. "Aye, ihr müsst beide nur ganz fest daran glauben, dann kommt Dah auch ganz bald wieder!" Ansgar nickte und schloss seine Augen, um im Land der Träume zu versinken. Jolinn zog ihren Mantel an und ging hinaus. Die Nacht war kalt, sie war stürmig, sie war so, wie Jolinn sich in diesem Moment fühlte. Hin und hergerissen von dem, was sie innerlich trieb. Wenn sie doch nur einen kurzen Moment hätte, nur eine Berührung von Falk, nur einen Augenblick, einen kurzen Moment. Aber das einzige was ihr blieb war die dunkle und kalte Nacht. Es war windstill, aber kalt. Frostig kalt, für eine Frühjahrsnacht nicht unbedingt selten. Mit einer Fackel setzte sie sich auf einen der Wachtürme der Festung und blickte in den Westen. Irgendwann würde sie die donnernden Hufe hören und er würde zurückkehren. Irgendwann ... "Komm wieder, Liebster, komm wieder... du fehlst mir so." Sie flüsterte die Worte leise in die Nacht. "Du fehlst und so ... wir lieben dich doch." Sie presste die Lippen aufeinander und schloss die Augen. In dem Moment umhüllte sie kurz eine Windböe, als habe Falk gehört, was sie gesagt hatte, als hätte er ihr diesen Gruß geschickt um zu sagen, dass er da war. "Du fehlst mir so..." Mit geschlossenen Augen blieb sie so stehen, eine Träne lief ihre Wange hinab. "Komm zurück zu mir... du bist doch alles, was ich brauche." ...