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Verfasst: Montag 28. Juli 2025, 12:57
von Viktoria Hamberg


  • Adoran, 24. Cirmiasum 268,
    Nerium Oleander Apotheke

    Manchmal offenbaren sich Geschichten nur in Schatten, im Schweigen zwischen den Worten, in dem, was nicht ausgesprochen wird. Heute ließ sich ein stiller Wanderer einen Teil seiner Vergangenheit entlocken: Jene Zeit, als er noch ein Jünger eines Kronritters war, dessen Name wie ein ferner Stern nur schwach leuchtet, fast vergessen von den Ufern dieser Insel.

    Zwölf Jahre sind vergangen, seit er die vertrauten Mauern verließ, getrieben von einer unsichtbaren Kraft, die schwerer wog als Pflicht und Ehre. Ein Gefühl, das ihn festhält, nicht nur Wehmut, sondern eine leise Scham, die wie ein kalter Nebel zwischen den Erinnerungen liegt. Seine Miene verhärtet sich, als trüge er eine unsichtbare Last, die er kaum zu tragen wagt.

    Wir wanderten gemeinsam durch das halbdunkle Gewand der Dämmerung, unsere Schritte führten uns zu einem Ort, wo vergangene Kämpfer ruhen, eine stille Grotte aus Stein und Erinnerung. Dort, hinter knarrenden Toren, zwischen kalten Sarkophagen und eisernen Zeugen vergangener Tage, spürte ich die Last seiner Worte und das zarte Beben seines Herzens.

    Seine Hand suchte meine, ein stummer Ruf nach Trost. Worte, die kaum über die Lippen kamen, sprachen von Versäumnis, von einem Abschied ohne Blick zurück, von einem Fliehen, das er selbst nicht recht begreifen mag. Doch ich spürte auch seine Sehnsucht nach Heimkehr, nach Versöhnung und ich erwiderte diese Geste, still und voller Mitgefühl.

    Zwischen den Reihen der Toten flüstert die Zeit von Treue, Verlust und von der Hoffnung, dass selbst die tiefsten Narben einst heilen können. Er sprach von Gefährten, die vor mir ruhen, und von denen, die das Leben weiter tragen, unterschiedlich, doch vereint im Geist.

    Es war ein Tanz aus Schatten und Licht, aus Schweigen und leisen Geständnissen. Ein Schritt hin zu etwas, das nicht mehr nur Bedauern ist, sondern ein leises Verstehen. Ein Gefühl, das uns verbindet, nicht durch Worte, sondern durch das geteilte Wissen um Verlust und Neubeginn.

    Und so blieb ich an seiner Seite, bereit, die Schatten zu teilen, und die Last, die auf seinen Schultern ruht, leichter zu machen.

    – V.H.
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  • Adoran, 25. Cirmiasum 268,
    Nerium Oleander Apotheke

    Der Abend war ein einziger, flüchtiger Zauber. Wie Tautropfen auf Rosenblättern, bevor die Sonne sie küsst.

    Ein lauer Sommerwind strich durch die offenen Arkaden des Ballsaals, trug den Duft von Nachtjasmin und reifen Pflaumen in die Lüfte, während über uns die Sterne wie stumme Zeugen flimmerten.

    Der Maskenball - ein lebendig gewordenes Märchen. Jede Gestalt ein Sinnbild, jede Bewegung ein Vers, der leise zwischen den Melodien der Streicher zu Boden sank.

    Ich kam mit einem leisen Druck in der Brust, einem Echo vergangener Nähe. Er fehlt mir mit jener stillen Kraft, die nur Abwesenheit hat - schwer wie nasser Samt. Doch ich trug ihn bei mir, wie ein verborgenes Medaillon unter Spitze und Seide.

    Arenvir begleitete mich - in silbernen Federn, ein Gerfalke unter Maskierten. Anmutig, verlässlich, mit diesem feinen Sinn für das rechte Maß zwischen Nähe und Schweigen. Wir teilten Lächeln und Gedanken, betrachteten gemeinsam die wunderlichen Wesen, die zwischen Lichtern und Laternen tanzten.

    Mehrere Hirsche schritten durch den Saal, stolz und aufgerichtet, als trügen sie den Wald selbst zwischen ihren Schulterblättern. Ihre Geweihe waren kunstvoll verziert mit Blattgold, filigranen Bändern, leuchtenden Edelsteinen. Sie maßen sich mit Blicken, scharrten beinahe mit den Füßen, als stünde ein uralter Tanz bevor, ein stummes, schönes Duell, das nie begann und doch in jedem Herz Widerhall fand. Man hätte beinahe einen Geweihkampf erahnen, ja, gar ersehnen können.

    Da war eine weiße Hirschkuh, grazil wie ein Hauch aus Winterlicht, ihr Kleid schimmerte perlmuttfarben, als wäre es aus Nebel gewebt. Neben ihr schritt ein Hirsch, dessen goldverziertes Geweih funkelte wie die Sterne über uns, sie trugen den Wald in sich, das uralte Märchen von Stille und Stolz.

    Ein Eichhörnchen mit feuerrotem Fell wirbelte durch den Saal, trug Eicheln aus Glas an einer Schärpe und lachte mit klingender Stimme.

    Ein Dachs, ganz in Schwarz und Weiß, tanzte überraschend leichtfüßig mit einer Waldohreule, deren Schleier mit leuchtenden Motten bestickt war.

    Ein Fuchs, listig und charmant, erzählte Geschichten in Rätseln, die nur halb wahr sein wollten.

    Zwischen all dem Glanz hüpfte ein kleiner Marienkäfer, mit aufgenähten Punkten und einem Lächeln, das selbst den Mond erweicht hätte.

    Die Froschkönigin thronte auf einem Seerosenkissen aus Satin, ihr Kleid in Smaragd und Gold war ein Augenzwinkern an alle, die noch an Wunder glauben wollten.

    Die Musik war wie geatmeter Traum:
    Auf einer kleinen Galerie über dem Tanzparkett saßen die Elfendamen, in Gewändern aus Licht und Schatten. Ihre Hände streichelten Saiten, Flöten, kleine silberne Glocken - als sprächen sie mit dem Wind selbst. Ihre Stimmen waren dünn wie Nebel, hell wie Vogelruf im Morgengrauen, und trugen Lieder von längst verklungenen Sommern in die Welt.

    Über allem schwebten Lichter - in Lampions gefangene Glühwürmchen, oder doch nur das Spiel des Windes mit dem Feuer?

    Es war ein Fest der Sinne, der Sehnsucht, der Verwandlung. Und ich - ich war Teil davon, getragen von Musik und Erinnerung, von sanften Händen und schweigsamen Blicken.

    Wehmut und Freude teilten sich an jenem Abend einen Platz in meinem Herzen.

    – V.H.
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  • Adoran - Adelsviertel, 27. Cirmiasum 268
    Anwesen derer von Dynal

    Es war einer dieser seltenen Abende, an denen die Worte zwischen mir und ihm mehr Gewicht trugen als sonst. Antarian. Der sonst so standhafte, in sich geschlossene, ließ einen Blick zu, der weniger prüfte als suchte. Vielleicht war es Neugier, vielleicht der Wunsch nach einem Fenster, durch das er einen Moment lang nicht allein sehen muss.

    Er sprach von Dingen, die Männer selten ansprechen, und noch seltener gegenüber einer Frau, der sie Vertrauen schenken. Von jenen Fragen, die nicht bloß den Stand oder das Tun betreffen, sondern das Herz. Zuerst im Scherz verpackt, doch mit jedem Satz wich das Spiel einem leiseren Ernst. Ich spürte, dass es nicht darum ging, was ich antwortete, sondern dass ich antwortete.

    Offen.
    Wahrhaftig.

    Es ging um das Herz - nicht meines, nicht seines - sondern um das, was Herzen in Bewegung versetzen kann. Um alte Wunden, geschlossene Kapitel, und das leise Erstaunen, wenn ein längst verstauter Teil der Seele doch wieder zu flüstern beginnt.

    Manchmal öffnen sich Türen, die lange verschlossen schienen, nur einen Spalt breit und doch genügt ein Hauch Licht, um Schatten zu erahnen, die darunter lauern. Ein prüfender Blick, ein vorsichtiges Fragen, das mehr sucht als die Antwort selbst.

    Warum blieb das Herz bislang unberührt?

    Er sprach von Mauern, die einst errichtet wurden, aus Notwendigkeit, aus Schmerz vielleicht, und wie nun ein Haar-Riss durch ihren Mörtel zieht. Dass ein Lächeln, ein Blick, eine Gegenwart etwas in ihm berührt, das längst vergraben war. Und dass er sich, erschrocken und zugleich erleichtert, dabei ertappt, wie der Stein zu bröckeln beginnt.

    Zwischen uns liegt kein heimliches Versprechen, kein unausgesprochener Wunsch. Nur das stille Einverständnis zweier Menschen, die einander Achtung schenken, weil sie sich kennen - in Stärke wie in Schwäche. Ich trug meine Wahrheit mit ruhiger Stimme in diesen Moment hinein, und sie wurde angenommen, nicht hinterfragt.

    Die Wahrheit liegt nicht in einfachen Worten. Es gab viele, die versuchten, an jene Mauer zu klopfen, jeder mit seinem eigenen Schlüssel, doch nur einer fand die Schwachstelle, die den Stein verschieben ließ. Ein leises Geheimnis, das in jenem Moment zwischen uns schwebte und nicht ausgesprochen werden musste.

    Und doch gibt es Räume, die man für abgeschlossen hält, Akten, die man glaubte zu schließen, nur um zu merken, dass der Geist manchmal stolpert, wenn das Herz zu laut ruft. So gesteht ein Mund, der selten so offen war, dass eine neue Regung sich anbahnt, verborgen hinter höflicher Fassade, ein Flüstern, das inmitten der Pflicht verweilt.

    Er sprach von einem anderen Herz - einer Begegnung, die etwas in ihm regt, das er längst zu Grabe getragen glaubte. Ich erkannte mich wieder in seinen Worten. In jenem leisen Beginn, der keinen Lärm macht, aber tief reicht. Mein Weg war ein anderer, doch ich konnte ihn verstehen. Nicht als Frau, nicht als mögliche Gefährtin - sondern als Mensch - der das gleiche Licht gesehen hat.

    Ich habe mein eigenes Bündnis geschlossen, langsam, zaghaft und echt, verborgen in sanften Augenblicken, die nur wenige kennen. Dieses Wissen verbindet, auch wenn wir unterschiedliche Wege gehen. Es ist die leise Einladung, das Herz nicht zu verschließen, das Vertraute zu hegen und den Mut zu finden, Risse im Schutz zuzulassen, damit Wärme einziehen kann.

    Es ist das Gespräch selbst, das heilt - Worte, die getragen werden von Vertrauen und dem stillen Versprechen, immer ein offenes Ohr zu bieten. Und so endet der Abend nicht nur mit Sorgen, sondern auch mit Hoffnung, mit einem leisen Licht, das am Horizont der Seele aufgeht.

    Ich glaube, manchmal ist genau das die seltenste Nähe: zu wissen, dass man gehört wird, ohne dass etwas gefordert wird. Eine Freundschaft, die ohne Bedingungen auskommt, aber nicht ohne Tiefe.

    Und ich liebe ihn.
    Antarian.

    Nicht mit dem Herzen, das Nähe sucht.
    Nicht mit der Sehnsucht derer, die einander berühren wollen.

    Ich liebe ihn so, wie man einen Menschen liebt, der ein Teil des eigenen Lebens geworden ist. Fest verankert, aber nicht besessen. Jemanden, der einen Raum im Innersten bewohnt, ohne je beansprucht zu haben, dort zu wohnen.

    Es ist ein stilles, warmes Licht, kein Feuer.
    Und das genügt.

    – V.H.

Verfasst: Donnerstag 31. Juli 2025, 01:18
von Renold Breg
Sieben Tage.
Unterwegs. Die Gedanken kreisten.


Er hatte Adoran und Gerimor hinter sich gelassen, war für eine Woche mit dem Schiff auf das Festland gereist. Pflichtbewusst erfüllte er diesen Auftrag – kein Anflug inneren Widerstands, kein Zögern. Er war Soldat durch und durch.

Und doch hatte sich in ihm etwas verändert. Etwas Neues war gewachsen, wie ein zarter Setzling, der in nahrhaftem Mutterboden Wurzeln schlägt. Gedanken, die nicht der Pflicht galten, sondern der Nähe zu jemandem, die er nie gesucht und nicht erwartet hatte – bis sie in sein Leben trat.

Er erinnerte sich an die ersten Blicke, die sie im Kastell gewechselt hatten, an die heimlichen Nachrichten, die sie einander zusteckten. An den Spaziergang, bei dem sie gemeinsam am Lagerfeuer gesessen hatten, dicht nebeneinander, das Licht der Flammen in ihren Augen. Und schließlich an jenen Augenblick kurz vor seiner Abreise – den ersten Kuss, still und heimlich, wie ein Schwur, den niemand hören durfte.

Die Tage auf See verrannen wie feiner Sand, der zäh durch den schmalen Isthmus einer Sanduhr rinnt. Oft griff er in die Innentasche seiner Uniform, wo eine kleine Feder verborgen lag – leicht genug, dass der Wind sie hätte forttragen können, und doch schwer genug, um seine Gedanken immer wieder zu ihr zurückzuführen.

Am letzten Tag der Reise, der Rückweg fast geschafft, stieg in seiner Brust eine Leichtigkeit auf – wie diese Feder selbst, die der Wind sanft heimwärts trug. Jeder Ruderschlag, jedes Knarren des Schiffsrumpfes brachte ihn näher zu ihr. Er fragte sich, ob sie manchmal zum Hafen blickte, ob sie an ihn dachte, so wie er an sie.

Als er zurückkehrte, verlief der Alltag wie gewohnt. Kein großer Empfang, keine Umarmung am Kai – nur der Rhythmus des Regiments, der ihn sofort wieder einholte. Das erste Wiedersehen geschah unter den Blicken der Kameraden, sachlich, wortlos. Erst als die Sonne untergegangen war und die Kaserne still wurde, fanden sie Zeit für sich.

Sie führte ihn durch Adoran, zeigte ihm ihre Apotheke. Der Duft von Kräutern, das Klingen von Glas, die sorgsam aufgereihten Fläschchen – all das sprach von Bodenständigkeit und Hingabe. Später, als der Abend die Stadt verschluckte, gingen sie weiter, bis sie an dem kleinen Flusslauf mit dem Wasserfall standen, nahe dem Konvent. Dort, in einem leerstehenden Haus, das er gemietet hatte, traten sie ein. Die Räume lagen im Halbdunkel, nur das fahle Licht des Mondes fiel durch die Fenster und legte helle Streifen auf den Holzboden. Sie sprachen leise über das, was daraus werden könnte, und schließlich, in einem dieser leeren Zimmer, fanden sie einander wieder – ein Kuss, vorsichtig und doch voller Gewissheit.

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Leiser als zuvor, fast zögerlich, gestand er:
„Am Wochenende … ich kann nicht beim Maskenball sein. Ich muss wieder fort.“

Sie nickte nur, ohne Vorwurf, mit jenem Verständnis, das ihm mehr bedeutete als jede Entschuldigung.

Nur wenige Tage später hieß es erneut Abschied nehmen. Der zweite Aufbruch war leiser als der erste. Kein heimlicher Kuss, keine letzte Gelegenheit, ihre Hand zu halten. Nur ein kurzer Blick, als er die letzten Befehle entgegennahm – ein Blick, der sagte: „Ich warte.“

Auf dem Schiff war es stiller geworden. Die Männer sprachen wenig, die Arbeit ging mechanisch vonstatten, und so blieb viel Raum für Gedanken. Oft glitt seine Hand unbewusst zur Innentasche, wo die kleine Feder noch immer verborgen lag. Sie war sein stilles Band zu ihr – leicht, unscheinbar, und doch schwer genug, um ihn in jeder Stunde an sie zu erinnern.

Er wusste, mit wem sie an diesem Wochenende das Fest besuchen würde, und er war einverstanden damit. Nichts daran schmerzte ihn, denn er wusste, dass ihr Herz nur für ihn schlug – so sicher, wie der Anker ein Schiff hält, selbst wenn die Strömung es fortzureißen droht.

Die Nächte waren lang, die Wellen schwarz wie Tinte, nur der Mond zeichnete silberne Linien über das Meer. In solchen Momenten sah er nicht mehr das endlose Wasser, sondern den warmen Schimmer von Kerzenlicht, das in einem vertrauten Fenster brannte, und er hörte leise Worte, die sie ihm bei ihrem Spaziergang erzählt hatte. Er erinnerte sich daran, wie sie ihm ihre Welt gezeigt hatte, wie sie nebeneinander am Wasserfall standen und wie sich ihre Lippen im Halbdunkel seines Heimes gefunden hatten.

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Am letzten Abend dieser zweiten Reise stand er lange an der Reling, den Blick auf die ferne Küstenlinie gerichtet. Der Wind spielte mit seinem Mantel, und er schwor sich, dass er, wann immer er zurückkehrte, keinen weiteren Tag verlieren wollte, ohne ihre Nähe zu suchen.

Die nächste Rückkehr verlief anders. Der erste Blickwechsel im Kastell war nicht mehr nur heimlich, nicht mehr ein verstohlener Funken inmitten der Kameraden. Sie hatten gelernt, dass sich Gefühle nicht ewig hinter eiserner Disziplin verbergen lassen.

Als sie an diesem Abend gemeinsam den Hof verließen, blieben einige Blicke länger als sonst auf ihnen liegen. Niemand sagte ein Wort, doch unter den Soldaten und in den Straßen Adorans begann es sich zu flüstern – nicht mit Spott, sondern mit dem leisen Respekt, den man zwei Menschen entgegenbringt, die trotz Pflicht und Härte der Kaserne etwas gefunden hatten, das größer war als Uniform und Befehl.

Auch die Bürger bemerkten bald, dass er sich nach Dienstschluss häufiger am Fluss oder in der Nähe der Apotheke aufhielt. Kein verstecktes Schleichen mehr, keine heimlichen Zettel – stattdessen zwei Soldaten, die Seite an Seite durch die Straßen gingen, die Wache hinter sich lassend, und für einen Abend nichts weiter sein wollten als Mann und Frau.

Er erwischte sich immer öfter dabei, wie er die Stunden bis zum Ende des Dienstes zählte, nicht mehr für die Ruhe nach dem Marsch, sondern für den Moment, in dem er ihre Stimme hören und ihr Lächeln sehen konnte.

Und so wurde ihre Nähe kein heimliches Band mehr, sondern ein stilles Versprechen, das alle sehen konnten – gewachsen zwischen Kameradschaft, Pflichterfüllung und jenen seltenen Stunden, in denen sie die Welt draußen ließen und nur für sich waren.

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Verfasst: Donnerstag 31. Juli 2025, 23:34
von Viktoria Hamberg


  • Adoran, 31. Cirmiasum 268,
    Nerium Oleander Apotheke

    Vergangene Tage, Dienste. Abschied. Heute Abend.

    Es war nur ein kurzer Augenblick, das Lächeln, das ich schenkte, war nicht mehr als Höflichkeit. Ich hörte meinen Namen, drehte mich um, erkannte das Gesicht. Ein Freund vergangener Zeilen, ein flüchtiger Schatten von Damals. Seine Stimme freundlich, sein Blick vielleicht ein wenig mehr als das. Und da - da war Renold. Neben mir. Seine Hand wie selbstverständlich in meiner, sein Arm ein vertrauter Anker an meiner Taille. Es war kein Zwang, keine Fessel. Es war wie eine Antwort, auf Blicke, auf Gesten, auf unausgesprochene Absichten. Eine feine, liebevolle Linie, gezogen zwischen mir und all jenen, die glauben, Freundlichkeit sei ein Angebot. In solchen Momenten wusste ich, dass ich nicht allein war.

    Er sagte nichts. Schaute. Hörte. Ließ mich sprechen. Und doch war er gegenwärtig. Ruhig, wie ein Fels im Strom. Als ich schließlich deutete - ergriff er das Wort. Nicht zu früh. Nicht zu spät. So wie er es immer tut. Der Moment war klein. Doch ich fühlte mich frei und dennoch sicher. Ein seltsamer Luxus, wenn man es gewohnt ist, sich selbst zur Grenze machen zu müssen.

    Ich erinnere mich kaum mehr an ihre Namen, die einst kamen mit flammenden Gesten, die mich suchten wie einen verlorenen Schatz. Wie oft standen sie dort, mit zu viel Mut und zu wenig Maß, glaubten, das Herz sei ein Schloss, das man mit dem richtigen Schlüssel, dem lautesten Bekenntnis oder dem weichsten Lächeln öffnen könne. Doch meines lässt sich nicht erzwingen. Es öffnet sich nicht für Ruhm, nicht für Versprechen, nicht für Stärke allein. Die Zahl verschwimmt wie Spuren im Schnee, die von zu leichtem Schritt und zu lautem Wort gezeichnet wurden. Manche klopften höflich, andere traten Türen ein. Und alle verkannten sie das Wesentliche:

    Man kann einen Ort nicht einnehmen, der nur seine Tore öffnet, wenn niemand belagert.

    Was mein Herz birgt, ist weder Festung noch Beute. Es ist ein Hort und es wählt selbst, wem es Licht spendet. Es verlangt nicht nach Eroberung. Es sucht keinen Sturm. Es antwortet auf Stille. Auf Gleichklang. Auf den Blick, der nicht fragt, sondern versteht.

    Und da ist er - einer, der nie nach mir griff, sondern neben mir ging. Der nichts forderte, nichts versprach, und doch alles sagte, was gesagt werden muss - ohne Worte. Einer, der die Stille kennt und sie nicht füllt, sondern mitträgt. Der nicht fragt, was ich ihm geben will, sondern wartet, bis ich es ihm reiche.

    Und ich tat es.
    Nicht auf einmal.
    Nicht dramatisch.
    Stück für Stück.

    Wie man etwas Kostbares einem anderen in die Hände legt, nur weil man weiß, dass er es bewahrt. Mein Herz hat gewartet, vielleicht sogar gefürchtet und erst als es nicht mehr gesucht wurde, fand es jemanden, der es sah, ohne es zu fordern.

    Seine Art, die Welt zu tragen, ist still und doch spürbar wie ein ferner Sturm, der nie droht, aber schützt. Seine Stimme ist kein Befehl, doch sie wird gehört. Seine Hände schaffen Ordnung, ohne zu herrschen, und seine Gedanken... seine Gedanken... sie fließen klar und wach wie Wasser in tiefen Brunnen. Nie ist da Hast in seinem Urteil, nie ein Wort zu viel. Und dennoch entgeht ihm nichts.

    Ich sehe, wie andere ihm folgen, nicht aus Pflicht, sondern aus Achtung. Weil er führt, ohne sich über andere zu erheben. Weil er das Wohl aller im Blick hat, nicht nur den eigenen Pfad. Was er sagt, hat Gewicht, nicht durch Lautstärke, sondern durch Überzeugung. Er könnte mit Härte regieren, doch er wählt die Güte. Und ich bewundere ihn dafür mehr, als ich es je aussprechen könnte. Es ist nicht nur das, was er für mich ist. Es ist, was er für die Welt um sich herum ist. Für jene, die ihm anvertraut sind. Für jene, die zu ihm aufblicken, und selbst für die, die seine Größe noch nicht erkennen.

    Und doch, wenn wir allein sind, wenn niemand schaut, ist da diese andere Seite. Die Weiche. Die Zärtlichkeit, die nur ich kenne. Dann ist da kein Schild, kein Rang, keine Pflicht. Nur er, der die Stirn an meine legt, als wolle er all das Schweigen der Tage von mir nehmen. Der mir zuhört, auch wenn ich nicht spreche. Der mich ansieht, als hätte ich ein Licht in mir, das ich selbst manchmal vergesse.

    Manchmal reicht ein Blick. Ein leichtes Heben der Augenbraue. Ein winziges Lächeln, das nur für mich gedacht ist. Und ich weiß: Er sieht mich. Ganz. Nicht nur das, was ich zeige, sondern auch das, was ich zu verbergen versuche. Und er bleibt. Nicht aus Schwur, nicht aus Pflicht - sondern weil er will. Was zwischen uns ist, schreit nicht nach Namen. Es braucht keine Bühne. Keine Zeugen. Kein Gefühlsbekennung in großen Lettern. Es ist dort, wo Worte still werden. Wo Nähe nicht greift, sondern hält. Wir haben uns erkannt, vielleicht schon bevor wir wussten, dass es so sein würde.

    Ich gebe mich nicht leicht. Habe mich oft zurückgezogen, wenn man mehr wollte, als ich geben konnte. Aber bei ihm... ich muss nichts abgrenzen. Muss mich nicht schützen. Denn er ist mein Schutz. Er gibt mir kein Schild - er ist eines. Nicht gegen die Welt, sondern mit mir darin. Ich muss mich nicht hinter ihm verbergen. Ich kann vor ihm stehen, neben ihm, oder ihn aus dem Blick verlieren, und weiß doch, dass ich nie allein bin.

    Und ich? Ich bin dankbar. Tiefer, als ich es je sein konnte. Nicht nur dafür, dass er mich gewählt hat. Sondern dass ich ihn erkennen durfte - in all seiner stillen Kraft.

    Was wir teilen, ist nicht laut.
    Es ist kein Trommelschlag.
    Eher ein ruhiger Puls.
    Und wer ihn nicht kennt, hört ihn nicht.

    Der Abend riecht nach Aufbruch. Schon beim ersten Licht der Abendsonne lag dieser feine Hauch von Abschied in der Luft, wie er sich manchmal einstellt, wenn die Tasche bereits gepackt ist, noch bevor das Herz es ganz begreifen will.

    Diesmal bin ich es, die fort muss. Befehl zum Grenzritt, vier Tage fern vom Schutz der Mauern, fern von allem Vertrauten. Adoran wird ohne mich auskommen müssen - und ich ohne ihn.

    Es ist ein sonderbares Gefühl. Ich kenne den Weg, das Ziel, die Pflicht. Und doch bleibt da dieses leise Ziehen, kaum hörbar für andere, aber für mich unüberhörbar. Ein Flüstern im Innersten, das mir sagt, dass ich ihn vermissen werde. Seine Ruhe, seine Art, mit wenigen Worten mehr zu sagen als manch anderer mit einem ganzen Buch. Sein Blick, der mich manchmal länger begleitet als seine Schritte.

    Ich werde meine Pflicht tun, wie es erwartet wird. Mit aufrechtem Sitz und scharfem Blick. Aber in den stillen Momenten zwischen den Hufen der Pferde und dem Rascheln des Windes in den Bäumen, da wird er bei mir sein. Nicht mit Namen, nicht mit Stimme. Aber in Gedanken.

    Ich hoffe, dass er bleibt.
    Dass er wartet.
    Und dass er da ist, wenn ich zurückkehre.

    - V.H.

Verfasst: Montag 4. August 2025, 01:53
von Viktoria Hamberg
  • Gerimor, 02. Ashatar 268
    Feldlager - Grenzpatrouille

    Drei Tage.

    Drei Tage auf dem Rücken dieses störrischen Braunen, der meint, jedes Schlagloch mitnehmen zu müssen. Mein Rücken fühlt sich an, als hätte mich ein Troll als Fußabtreter benutzt. Und meine Beine - von elegantem Auf- und Absteigen kann nun wirklich keine Rede mehr sein. Wenn das hier der glanzvolle Teil des Soldatenlebens sein soll, hab ich ihn wohl verpasst.

    Und doch ... es war nicht nur Schmerz. Nicht nur Pflichterfüllung, Marschieren, Kartenlesen und müde Feuerwachen. Es war echt. Lebendig.

    Am zweiten Tag, kurz vor Einbruch der Dunkelheit, stießen wir im südwestlichen Hügelland auf Rauch. Kein Lagerfeuerrauch - nein, dichter, rußiger Qualm, wie er von nassem Holz aufsteigt, das hastig entzündet wurde. Wir zogen die Pferde in Deckung und krochen weiter vor. Zwischen halbverfallenen Ruinen und überwachsenen Mauern fanden wir sie: ein Dutzend Strauchdiebe, dreckig, bewaffnet, und betrunken genug, um laut zu singen, aber nüchtern genug, um gefährlich zu sein.

    Wir warteten bis zur Abenddämmerung.
    Dann griffen wir an.

    Ich weiß nicht mehr, wer zuerst rief. Vielleicht war es der Kamerad neben mir, vielleicht war es mein eigener Ruf - auf einmal waren wir mittendrin. Stahl klirrte, Stimmen schrien. Einer der Diebe kam auf mich zu mit einer Keule, groß wie ein Kinderbaumstamm. Ich wich zurück, parierte knapp, spürte den Aufprall bis in die Schulter. Dann der Gegenschlag - mein Streitkolben fuhr durch den Nebel wie durch Wasser, fand Fleisch. Der Mann sackte zusammen. Aber er lebte.

    Am Ende war das Lager niedergerungen. Zwei unserer Leute wurden verletzt, aber keiner fiel. Die Diebe? Einige flohen, zwei schwer verletzt - die anderen nahmen wir fest. Wir fanden gestohlenes Gut, zerschlissene Banner von Händlern, ein paar zerschlagene Wappenringe. Und ein kleines Medaillon mit einem Namen eingeritzt, vielleicht hatte jemand gehofft, vermisst zu werden. Ich steckte es ein. Vielleicht finde ich heraus, wem es gehörte.

    Jetzt sitze ich unter einer Plane, das Feuer ist fast heruntergebrannt - alle Wunden versorgt. Die Nacht ist still, nur das Schnaufen der Pferde und das Knacken von brennendem Holz. Und inmitten all dessen: der Gedanke an ihn.

    Ich vermisse ihn. Nicht laut, nicht verzweifelt. Sondern wie man etwas vermisst, das Teil von einem geworden ist. Wie ein vertrauter Geruch, der fehlt, oder ein Lied, das aufhört, bevor es zu Ende ist.

    Ich greife in die kleine Seitentasche meines Gepäcks, dort, wo ich sie sicher verwahrt habe - die kleine schwarze Daunenfeder. Leicht wie der Atem einer Amsel, kaum mehr als ein Hauch. Er hat sie mir vor dem Aufbruch gegeben, wortlos, mit diesem Blick, der mehr sagt als jedes Versprechen. Ich halte sie in der Hand und spüre, wie ein Stück von ihm hier ist, bei mir, zwischen Stille, Nachtgeräusche und Müdigkeit.

    Morgen Abend reiten wir zurück.
    Noch ein letzter Tagesmarsch.
    Und dann ... dann werde ich ihn wiedersehen.

    - V.H.

Verfasst: Donnerstag 7. August 2025, 02:08
von Viktoria Hamberg


  • Adoran, 06. Ashatar 268,
    Nerium Oleander Apotheke


    Es hat sich etwas verändert.
    Zwischen uns.
    Es ist nicht mehr nur das flüchtige Spiel aus Blicken,
    nicht mehr nur das heimliche Austauschen von Worten auf zerknittertem Papier,
    nicht mehr nur das leise Lachen hinter vorgehaltener Hand.

    Es ist mehr geworden.
    Fester.
    Gewachsener.
    Wir sprechen von Später, von Zukunft.
    Es wird ernst und das ist gut so.

    Dort, wo andere wanken, geben wir einander Halt.
    Dort, wo Misstrauen wachsen könnte, schenken wir Vertrauen.
    Dort, wo andere Lärm machen würden, genügt uns die Stille.

    Mein moralischer Kompass hat Bestand.
    Er trägt uns, wenn der Nebel sich senkt, wenn kein Stern am Himmel steht,
    wenn selbst unsere Augen blind sind,
    solange wir einander an der Hand halten, finden wir den Weg.

    Ich halte die dunkle Daunenfeder in den Händen.
    Seine Feder.
    Leicht und doch von Bedeutung.
    Ein stilles Versprechen, geflüstert zwischen den Zeilen, zwischen Herzschlägen.

    Ein unumstößliches und aufrichtiges Gefühl der Zuneigung - mit fünf Buchstaben.

    __________


    Der Dienst von gestern Abend kommt mir in den Sinn.

    Es fällt mir schwer, die Last meiner Überzeugungen mit dem zu vereinbaren, was das Tragen dieser Uniform manchmal von mir verlangt.
    Ich weiß, dass wir im Dienst Entscheidungen treffen müssen, die nicht nur hart wirken, sondern es auch sind, Maßnahmen, die nicht auf Gnade, sondern auf Ordnung fußen, auf Verantwortung, auf Konsequenz.
    Aber trotzdem verfolgt mich das Bild dieses Mannes: seine gebrochene Nase, das Blut, das an meiner Uniform klebte, die Schramme auf meiner Wange, und Vincents Stirn, aufgerissen und schimmernd vor frischem Schmerz.
    Diese Bilder lassen mich nicht zur Ruhe kommen, nicht in der Nacht und kaum am Tag.

    Nach dem Dienst habe ich mit Renold gesprochen.
    Er sagte, Mitgefühl sei wichtig, aber im rechten Maß.
    Ich weiß, dass er recht hat.
    Seine Worte waren ruhig, fest, voller Verständnis.
    Und doch nagt es an mir, dass ich den Verwundeten zurücklassen musste, ohne mich in jedem Detail seiner Verletzungen zu widmen, ohne zu prüfen, ob sein Atem regelmäßig blieb, ob sein Bein noch hielt, ob sein Geist, so zerrüttet er auch schien, irgendwo noch Zuflucht finden konnte.
    Ich habe ihn versorgt, so gut es in diesem Moment ging. Aber nicht vollständig. Nicht mit der Ruhe und Sorgfalt, die ich sonst in meiner Arbeit suche.

    Und das ist es, was mich quält.

    Er ist ein Freier.
    Ohne Rechte, ohne Pflichten, zumindest im Blick unserer Ordnung.
    Aber er ist ein Mensch.
    Ein Herz, das schlägt.
    Eine Geschichte, die ihn hierher geführt hat.
    Ein Leben, das es - aus meiner Sicht - zu bewahren gilt.

    Doch er hat sich diesen Weg selbst gewählt.
    So wie Grann es tat.
    Auch er hatte eine Entscheidung.
    Er traf sie.
    Und der Preis folgte auf dem Fuße.
    Oder Nacken...

    Einsicht, das sehe ich mehr und mehr, kommt oft zu spät.
    Oder sie kommt gar nicht.

    __________


    Heute Morgen bin ich mit einem stechenden Dröhnen im Kopf aufgewacht, als würde mein Schädel unter einem zu schweren Gewicht zerbrechen.
    Ich hatte das Gefühl, als würde mich jeder Gedanke, jede Bewegung zerreißen.
    In taumelnden Schritten schleppte ich mich in die Küche, griff nach dem Becher, nach dem Tee, den ich nur im äußersten Fall trinke: Mohnsamentee, stärker als nötig, zu schnell getrunken.
    Die Wirkung ließ nicht lange auf sich warten. Ich schlief ein, schwer und tief, versank für Stunden in einen traumlosen Zustand, der mir weder Ruhe noch Trost schenkte. Als ich aufwachte, war der Tag schon halb vorbei, mein Körper fühlte sich alt an, verwundet, müde, meine Gedanken schwach und träge, als würde mein Geist selbst unter Verbänden liegen.

    Vielleicht nehme ich mir nur heute diesen einen Tag.
    Einen Tag ohne Befehl, ohne Marschbefehl, ohne Blick auf die Rangliste.
    Einen Tag, an dem ich einfach nur die Apotheke öffne, wie früher,
    die Tür ein Stück offen lasse, die Kräuter neu ordne, die Mörser klopfen höre und das Gefühl habe, dass etwas in mir heil bleibt, während ich anderen helfe.

    Ich komme kaum noch hinterher.
    Alles strömt auf mich ein.
    Verantwortung, Zweifel, Müdigkeit.
    Ich weiß, dass ich stark bin, aber auch Stärke hat Grenzen.
    Und heute… heute bin ich einfach nur müde.
    So müde.

    __________



    Der restliche Tag war dennoch gut, wie ein Sonnenstrahl der durch die schweren Schleier der letzten Zeit fiel. Es war nichts Großes, kein lautes Ereignis, kein Fest, kein Trommelwirbel. Und gerade deshalb war es kostbar.

    Ich habe Ida wiedergesehen.
    Ein vertrautes Gesicht, ein Lächeln, das ich kannte, bevor alles komplizierter wurde.
    Wie sehr sie mir gefehlt hat, merkte ich erst, als wir beieinander standen und miteinander lachten, nicht gezwungen, nicht pflichtbewusst, sondern einfach… leicht.
    Ein Lachen, das aus dem Bauch kam, ein Blick, der ehrlich war.
    Sie ist wie eine kleine Erinnerung an die Zeit, als alles noch einfacher war, ein wenig ungestümer, aber voller Herz.

    Und dann: Innes.
    Wie froh ich bin, dass sie gleich nebenan wohnt.
    Heute haben wir das Du miteinander gefunden.
    Es kam beiläufig, unaufgeregt, aber es fühlte sich richtig an.
    Wie ein Pflänzchen, das aus dem Boden schaut, das man behutsam gießt.
    Ich mag ihre ruhige Art, ihre klugen Augen, ihren Sinn für das, was unausgesprochen bleibt.
    In ihrer Nähe ist es leicht zu atmen.

    Ich durfte auch Greya kennenlernen, eine Begegnung, die mich überrascht und erfreut hat.
    Sie bringt etwas Eigenes mit, etwas Unverwechselbares, das zwischen all den Stimmen nicht untergeht.
    Ich glaube, in ihr steckt mehr, als man auf den ersten Blick sieht.
    Ich freue mich darauf, mehr zu erfahren, wenn sich Gelegenheit bietet.

    Kathrina von Winterwacht kam heute ebenfalls zu mir in die Apotheke.
    Anfangs war ich ein wenig angespannt, es ist immer etwas anderes, wenn jemand aus einem großen Haus vor einem steht. Aber sie war warm, offen, interessiert.
    Sie betrachtete meine Duftwasser mit einer Neugier, die ehrlich war, und ich spürte, wie mir das Herz aufging, als ich den Damen eine kleine Auswahl an feinen Essenzen überreichen durfte.
    Lavendel, Veilchen, Rosen, mit einem Hauch von Jasmin im Hintergrund.
    Nur eine Kleinigkeit, und doch - ihre Freude war so spürbar, dass sie sich in mir spiegelte.

    Ich kann mich kaum erinnern, wann zuletzt so viele Frauen um mich waren, bei denen ich einfach ich selbst sein durfte, ohne mich zu verstellen, ohne mich erklären oder behaupten zu müssen. Freundschaften, die nicht laut entstehen, sondern sanft und Schritt für Schritt wachsen, wie feine Fäden, die sich zu einem Band verweben. Und dieses Band trägt - still, aber spürbar. Es macht mich leise froh, und ein wenig dankbar.
    Es gibt noch vieles, das schwer ist, vieles, das mich fordert, das mich zehrt,
    aber heute, heute war ein Tag, der mein Herz leichter gemacht hat.

    Und das ist mehr, als ich zu hoffen gewagt hätte.

    - V.H.

Verfasst: Montag 11. August 2025, 05:17
von Viktoria Hamberg
  • Adoran, 11. Ashatar 268,
    Nerium Oleander Apotheke - In den frühen Morgenstunden

    Die Schreinreisen füllen meine Tage, und jede einzelne, die ich bisher begleitet habe, hat etwas in mir zurückgelassen, nicht wie ein flüchtiger Abdruck im Sand, der vom nächsten Windstoß verweht wird, sondern wie eine Spur im Stein, die sich nur mit der Zeit und unter stetiger Berührung tiefer eingräbt.

    Ich erinnere mich an das gleichmäßige, beruhigende Knirschen der Schritte auf den schmalen Wegen, an das beständige Murmeln der Pilger, das wie ein leiser Bach dahinplätschert, an den schweren Duft von Rauch und Harz, der sich wie ein unsichtbarer Schleier in Kleidung, Haut und Haaren festsetzt. Und ich sehe die gedämpften Gesten der Gläubigen vor mir, wie sie ihre Opfergaben ablegen, mit einer Sorgfalt, die keinen Zweifel daran lässt, wie viel diese Momente ihnen bedeuten.

    Ich stehe nicht dort als Pilgerin, sondern als Soldatin, eine Gestalt in Rüstung, Schild an der Seite, Blick wachsam. Und doch... der Sinn und die stille Schönheit dieser Reisen sind nicht an mir vorübergegangen. Im Gegenteil, sie sind mir näher gerückt, als ich je vermutet hätte, fast so, als hätte ich unbemerkt einen Faden aufgenommen, der mich mit dieser alten, ehrwürdigen Tradition verbindet.

    Die letzte Reise steht noch bevor.

    Ich weiß, dass ich wieder wachen, beobachten und jederzeit bereit sein werde; dass mein Blick den Horizont absucht, während andere ihre Augen senken, um in Andacht zu verharren. Und doch ist es mehr als eine bloße Pflichterfüllung. Ich habe begriffen, dass meine Anwesenheit jenen Menschen etwas gibt, das weit über das Offensichtliche hinausgeht: Sicherheit, Vertrauen, den stillen Trost, dass jemand da ist, der auf sie achtgibt. Meine Haltung, mein aufrechter Stand, mein Schild - sie sind nicht nur Werkzeuge der Verteidigung, sondern ein unausgesprochenes Versprechen.

    Es überrascht mich immer wieder, wie sehr ich in dieser Rolle aufgehe.

    Wie selbstverständlich mir das Gewicht der Rüstung geworden ist, wie ruhig und klar mir Entscheidungen von der Hand gehen, wie fest mein Platz sich anfühlt - als wäre er immer schon meiner gewesen. Innerlich wie äußerlich bin ich mehr zur Soldatin geworden; nicht aus Pflichtgefühl allein, sondern aus einer tiefen, unerwarteten Überzeugung. Es ist keine Maske, die ich für den Dienst anlege, sondern ein Teil von mir, der stetig wächst, stärker wird und ich bereue nicht einen einzigen Schritt auf diesem Weg.

    Vielleicht ist es mit mir wie mit den Schreinen selbst:
    Sie trotzen Wind und Wetter, Jahr für Jahr, und bleiben ein Ort, an dem Menschen, die sonst keinen Halt finden, für einen Augenblick Frieden spüren dürfen. So möchte auch ich sein - standhaft und verlässlich, ein fester Punkt in einer Welt, die allzu oft ins Wanken gerät.

    Die letzte Schreinreise wartet.
    Ich bin bereit.

    __________


    Gestern Nachmittag habe ich Arjen und Greya die Toreinweisung gegeben, und es war einer dieser Dienste, bei denen man schon währenddessen spürt, dass sie mehr bedeuten, als sie auf dem Papier wirken.

    Wir standen gemeinsam am Tor, der Wind trug den Geruch von Salz und altem Holz von den Hafenkais herüber, und ich erklärte ihnen die Abläufe, die so unscheinbar wirken, aber in Wahrheit ein kleines Stück Ordnung im großen Geflecht der Stadt darstellen: Personenkontrollen, die richtige Art, jemanden anzuhalten, die kurzen, klaren Fragen, die eine Menge verraten können, wenn man genau hinhört; die Torschließung, mit allen Handgriffen und dem Blick dafür, wann sie notwendig wird; und natürlich die Kurzform der Rüstrechte und die Gesetze, die an diesem Ort gelten und nicht nur auf Pergament, sondern in jedem Augenblick des Dienstes gelebt werden müssen.

    Ich hätte ihnen diese Dinge in Ruhe erklären können, ohne dass ein Fremder den Platz betritt, ohne dass ein Wagen rumpelnd heranrollt oder eine Familie den Durchgang passieren will - aber das Leben hielt sich, wie so oft, nicht an meinen Plan. Es kamen Zivilisten, einer nach dem anderen, Händler, Reisende, ein paar neugierige Kinder, die versuchten, an den schweren Torflügeln vorbeizulinsen.

    Was für mich Routine ist, war für die beiden die direkte, praktische Feuerprobe. Keine Zeit, sich lange auf das Gelernte vorzubereiten, keine Proben im sicheren Abstand, sondern sofort das, wofür sie hier sind.

    Und ich könnte nicht stolzer sein auf die beiden.

    Greya, die sich zuerst vielleicht noch ein wenig unsicher in ihrer Haltung wirkte, stand nach den ersten Worten so fest und klar, als hätte sie das schon Dutzende Male getan.

    Arjen, dessen ruhige Art und klare Stimme sofort Respekt weckte, fand genau den Ton, der bestimmt ist, ohne unnötig hart zu wirken.

    Sie achteten auf meine Hinweise, setzten sie um, passten sich an, reagierten auf das, was kam und das alles, während sie den ungewohnten Dienstposten erst seit Minuten innehatten. Ich erinnere mich, wie ich ihnen zusah, wie sie sich bewegten, wie sie miteinander stumm abstimmten, wer welchen Teil übernahm, und wie sie mit einer Selbstverständlichkeit arbeiteten, die mich daran erinnerte, wie sehr man über sich hinauswachsen kann, wenn man einfach ins kalte Wasser geworfen wird.

    Ich habe schon Soldaten gesehen, die in einer solchen Situation den Faden verlieren und ich habe gestern zwei Rekruten gesehen, die den Faden nahmen und ihn zu einem festen Knoten banden.

    Ja, es war nur ein Nachmittag am Tor.
    Aber es war auch der Moment, in dem ich wusste: aus den beiden kann etwas Großes werden, wenn sie den Weg weitergehen.

    __________


    In den letzten Wochen durfte ich so viele liebe Menschen kennenlernen, dass mein Herz oft vor Freude fast überzugehen scheint. Jeder von ihnen hat auf seine eigene Weise einen kleinen, besonderen Platz in mir eingenommen - manche mit einem fröhlichen Lachen, andere mit einer stillen, tiefen Vertrautheit, die sich ganz leise einschleicht und dann nicht mehr gehen will. Es ist erstaunlich, wie facettenreich das Leben plötzlich geworden ist, wie viel Freude und Vertrautheit sich in kleinen Gesten, in einem Blick oder einem geteilten Lachen verbergen können. Es fühlt sich an, als würde mein Leben mit jedem neuen Gesicht ein bisschen bunter und wärmer werden, und ich bin dankbar für all diese Begegnungen, die mir zeigen, wie wundervoll Freundschaft sein kann.

    Ich freue mich auf all die kleinen Schritte, die noch kommen werden, auf die Momente, in denen ich wieder mutig genug bin, mein Herz ein Stück weiter zu öffnen, und auf die Menschen, die mich genau so sehen, wie ich bin - mit all meinen Ecken und Kanten, meinen Stärken und Schwächen. Ich bin dankbar für das Licht, das ich jetzt schon in meinem Leben spüre, und gespannt darauf, wie viel heller es noch werden kann.

    Freundschaft ist für mich wie ein stilles Versprechen - ein sicherer Hafen, der uns auffängt, wenn die Welt um uns zerbricht, und ein leises Licht, das selbst in den dunkelsten Nächten nie erlischt.

    __________


    Renold fehlt mir.

    Unsere Zeit miteinander ist rar, so rar wie ein stiller Morgen nach einem langen, stürmischen Tag. Oft genug reißen uns die Pflichten auseinander, und doch sind es gerade diese wenigen Augenblicke, in denen ich neben Renold stehe oder seine Hand spüre, die mir das Gefühl geben, angekommen zu sein, als würde die Welt für einen kurzen Moment ihren Atem anhalten und nur noch wir zählen.

    Ich sauge diese Sekunden mit allen Sinnen auf, als wären sie ein Schatz, den ich tief in meinem Herzen bewahre. Ein flüchtiges Lächeln, ein kurzes Berühren, ein Blick, der mehr sagt als tausend Worte - all das reicht mir, um Kraft zu schöpfen und mich daran zu erinnern, warum ich all die Strapazen auf mich nehme.

    Manchmal denke ich, dass gerade die Kürze dieser Momente sie so kostbar macht. Sie lassen mich die Bedeutung von Nähe und Vertrauen auf eine Weise spüren, die viel intensiver ist als lange Stunden nebeneinander. Es ist das Wissen, dass egal wie laut die Welt draußen tobt oder wie schwer die Last auf unseren Schultern liegt, wir diese Insel der Geborgenheit in uns tragen, die niemand nehmen kann.

    Er ist für mich mehr als ein Gefährte im Dienst und im Leben - er ist mein sicherer Hafen, mein stilles Zuhause, zu dem ich immer wieder zurückkehren darf. Und obwohl unsere Zeit zusammen oft knapp bemessen ist, genügt mir jeder Augenblick mit ihm, um meinen Weg mit neuer Zuversicht und Hoffnung weiterzugehen.

    Und so halte ich jede Sekunde mit ihm wie einen zerbrechlichen Funken fest, wissend, dass gerade diese flüchtigen Momente mein Herz am Leben halten, wenn die Dunkelheit um mich hereinbricht.

    - V.H.

Verfasst: Sonntag 17. August 2025, 01:55
von Viktoria Hamberg
  • Adoran, 17. Ashatar 268,
    Wehrmauer - Nachtdienst

    Es ist merkwürdig still ohne Renold. Der Dienst hält ihn fern, und unsere Wege kreuzen sich kaum noch. Ich vermisse die Gespräche, die wir früher führten, das gemeinsame Nachdenken über all das, was wir erlebt haben. Auch seinen Rat im Dienst entbehre ich - so oft wünsche ich mir, er stünde an meiner Seite, um mir mit einem Wort oder nur einem Blick Gewissheit zu geben. Am meisten aber fehlt mir sein Lächeln. Es war oft das Einzige, das mich nach einem langen Tag wieder aufrichtete.

    Und doch halte ich an dem Gedanken fest, dass es nicht immer so bleibt. Irgendwann werden unsere Wege sich wieder öfter kreuzen, und bis dahin will ich stark sein. Vielleicht ist es genau das, was uns verbindet: dass wir, auch wenn die Zeit uns trennt, immer wieder zueinander finden. Dieser Gedanke schenkt mir Trost und Hoffnung.

    So vergehen meine Tage und Nächte in endlosen Diensten: Ich helfe bei der Rekrutenausbildung, schreibe Dienstberichte oder verliere mich gedankenverloren in die Ferne und manchmal frage ich mich, ob das alles nicht auch eine Art Abenteuer ist.

    Die Nächte auf der Mauer dehnen sich, wie ein endloses Band aus Dunkelheit, das sich um die Stadt legt und nur hin und wieder von dem matten Schimmer der Sterne durchbrochen wird. In diesen Stunden, in denen die Welt ringsum still geworden scheint, vertreibe ich mir die Zeit mit den Schritten der Kameraden neben mir, mit gedämpften Worten und schweigendem Lauschen, mit dem Blick hinaus in das weite Schwarz, das wie ein ungeschriebenes Buch vor mir liegt. Es ist, als legte sich die Nacht wie ein schweres Tuch über die Welt, und während ich so wache, spüre ich, dass ich mich immer mehr in die Gestalt der Soldatin wandle.

    Die Rüstung, die ich einst nur für die Pflicht anlegte, ist längst kein fremder Panzer mehr. Sie schmiegt sich mir an, als wäre sie mein zweites Gewand, und kaum noch trage ich etwas anderes. Früher hätte ich wohl geglaubt, es sei ein Opfer, dieses stete Gewicht auf meinen Schultern, dieses kalte Eisen an meiner Haut - doch nun weiß ich, dass es mir nicht Last ist, sondern Stärke schenkt. Ich fühle mich darin geborgen wie in einem Mantel, der mich fest umschließt und mich an die Verantwortung erinnert, die ich trage. Es macht mich nicht unglücklich, nein - vielmehr erfüllt es mich mit einer leisen, stolzen Ruhe, die mir zeigt, dass ich in dieser Rolle nicht verloren gehe, sondern mich darin finde.

    Wenn ich dann aber, nach all den Schichten, nach den Nächten voller Dunkelheit und Wachsamkeit, den Schlüssel zu meiner Apotheke in der Hand halte, spüre ich ein anderes Licht in mir erwachen. Dort, zwischen den Regalen voller Kräuter und den Fläschchen, in denen Heilung ruht, kehrt eine andere Seite von mir zurück. Ich liebe es, wieder Gäste und Patienten zu empfangen, das leise Klirren der Gläser zu hören, den Duft getrockneter Blüten und frisch gemörserter Wurzeln zu atmen. Wie sehr erfüllt es mich, wenn ich mit einem Rat oder einem Trank Linderung schenken darf, wenn ich sehe, wie die Sorgen in den Gesichtern weichen und Freude ihren Platz einnimmt. In diesen Momenten wird mir bewusst, dass ich nicht nur mit Waffe und Schild diene, sondern auch mit Wort und Heilkunst, und dass beides gleich wichtig ist.

    So ist mein Leben geworden wie ein Gewebe aus zwei Fäden - der eine stark und fest, geschmiedet aus Eisen, Pflicht und Kameradschaft; der andere zart und leuchtend, gewoben aus Fürsorge, Heilung und dem Glück, Menschen Hoffnung zurückzugeben. Und während die Nächte auf der Mauer lang und dunkel sind, weiß ich, dass in mir ein Licht brennt, das nicht verlöscht: das Wissen darum, dass ich in beiden Rollen lebe, als Soldatin wie als Heilerin - und dass beides mich erfüllt.

    In der Einsamkeit meines Hauses klingt tief in mir ein Satz nach, den ich vor nur wenigen Stunden gehört habe: dass die Überzeugung, das Richtige tun zu wollen, keine Schwäche ist, sondern eine Quelle der Stärke.

    Und daran halte ich fest.

    - V.H.

Verfasst: Dienstag 19. August 2025, 13:25
von Viktoria Hamberg

  • Adoran, 19. Ashatar 268,
    Nerium Oleander Apotheke

    Die Nächte sind lang.

    Ob ich auf der Mauer wache, beim Tordienst stehe oder in der Amtsstube in Bereitschaft sitze, die Stunden dehnen sich wie ein schier endloser Faden. Und doch, so müde ich am Morgen auch sein mag, halte ich fest an meinem kleinen Ritual: ich gehe pünktlich mit meinen Badesachen zum Rittersee. Dort, wo das Wasser stiller ist als die launische See, finde ich Ruhe, und jede Bewegung, jeder Schwimmzug wird zu einer Übung in Geduld und Beharrlichkeit. Der See trägt mich sanft, ohne Sturm und Gischt, und ich kann meine Technik verfeinern, so, wie man einen Gedanken langsam glättet, bis er rund und klar in einem ruht. Bevor der Sommer sich neigt, wollen Antarian und Vincent noch ihr Versprechen einlösen, den Wettstreit im Schwimmen mit mir auszutragen. Noch weiß ich nicht, wer mein Herausforderer sein wird und gerade diese kleine Ungewissheit lässt mich schmunzeln und die Vorfreude wachsen.

    Heute Morgen habe ich mir einmal frei genommen und sitze nun an meinem Arbeitsplatz in der Küche. Der Blick aus dem Fenster ist nicht mehr derselbe wie einst - keine weite Grünfläche, keine Bäume, die sich sanft zum Meer hin neigten, wie es in Schwingenstein war. Stattdessen fällt mein Blick auf graue Steinmauern, auf einen wachsamen Kameraden, den ich manchmal mit einer dampfenden Tasse Tee am Morgen beschenke. Wir verstehen uns gut; doch wundert mich das kaum, denn im Regiment habe ich gelernt, wie schnell Kameradschaft Brücken baut, wo früher Fremdheit stand.

    Und doch liegt, wenn ich hinaussehe, ein leiser Schleier von Melancholie über meinem Herzen. Ich erinnere mich an mein Haus in Schwingenstein, an die Abgeschiedenheit, die Ruhe, das Meer, das mit jeder Welle Geschichten an den Strand spülte. Es ist ein stiller Stich, der mich trifft - aber er schmerzt nicht. Er erinnert mich nur daran, wie reich ich bereits gewesen bin, und wie sehr ich all das in mir trage.

    Etwas zu vermissen ist nicht immer Last, manchmal ist es ein kostbarer Schatz, den man im Herzen bewahrt.

    Und trotzdem - ich möchte die Nähe zu Renold, zu meinen Kameraden, zum Regiment, ja zum ganzen Haus Dynal, nicht mehr missen. Hier bin ich eingebunden, hier schlägt mein Herz im Gleichklang mit vielen anderen. Die Botengänge, die Dienste, sie sind kürzer, leichter zu bewältigen als aus der Ferne, und sie schenken mir Zeit für all die anderen Dinge, die mein Leben nun reicher machen.

    Vielleicht schenkt mir die Zukunft eines Tages wieder einen anderen Ausblick aus meinem Fenster, vielleicht wieder grün und weit - doch bis dahin ist es gut so, wie es ist.

    Das Turnier rückt mit schnellen Schritten näher, und doch empfinde ich die Organisation nicht als Bürde, sondern als ein lebendiges Gewebe, in dem jeder seinen Faden beisteuert. Antarian gibt sich die größte Mühe, den Turnierplatz festlich auszuschmücken, Julius feilt mit gewohnter Präzision an den Regeln, und ich selbst füge die übrigen Teile dieses bunten Puzzles zusammen. Mein Weg führte mich in diesen Tagen auch zu Luisa, damit die Verköstigung allen so mundet wie bei dem kleinen Probeessen mit den Kameraden, das uns nicht nur satt, sondern auch fröhlich gestimmt hat.

    Nach dem Turnier jedoch öffnen sich wieder andere Wege vor mir. Ein Gespräch steht an, das still in meinem Herzen nachklingt, eines, das manches in Bewegung setzen wird, vielleicht sogar mehr, als ich jetzt überblicken kann. Doch dieser Weg wird nicht hastig beschritten, sondern mit Bedacht und leisen Schritten. Hindernis für Hindernis will ich prüfen, mich sammeln, innehalten, ehe ich weitergehe. Kein schneller Sprung in unbekannte Gassen, sondern ein vorsichtiges Wandeln auf Wegen, die ich mit klarem Blick und festem Herzen wähle.

    Und während all dies seinen Platz in meinen Gedanken findet, gehört mein Herzblut weiterhin der Ausbildung unserer Rekruten. Ark macht seine Aufgabe mit großem Geschick, und ich darf meinen kleinen Teil dazugeben. Es erfüllt mich, wenn ich die Soldaten begleite, sie fordere und zugleich ermutige. Ob auf der Mauer bei nächtlicher Wache, bei Ausritten oder langen Marschgängen - stets frage ich sie ab, lehre und prüfe sie, bis die Begriffe und Regeln so selbstverständlich von ihren Lippen kommen wie das Atmen selbst.

    Lehenskunde, Adelstitel, Gesetze.
    Immer und immer wieder.
    Wie ein Refrain, der ihnen Halt gibt.

    Vielleicht ist es auch für mich selbst eine Übung, damit ich, so lange ich Soldatin bin, nichts aus den Augen verliere. Führen liegt mir nicht von Natur aus und doch spüre ich, dass ich es kann, wenn es darum geht, die Rekruten anzuleiten, sie hinauszufordern, sie über ihre eigenen Schatten springen zu lassen. Ich sehe in jedem von ihnen ein verborgenes Potential, das nur geweckt werden will. Ein Geist, der beschäftigt ist, wächst; einer, der in Untätigkeit verfällt, schrumpft zurück in eine Zeit, die nichts Gutes versprach.

    Und so treibt mich die Gewissheit an, dass wir mit jedem Schritt, jeder Übung und jeder Wachstunde nicht nur Soldaten formen, sondern Charaktere, die fähig sind, das Banner des Regiments mit Stolz und Stärke zu tragen.

    Vielleicht ist das die wahre Schönheit unseres Dienstes: dass wir im steten Üben, im Fordern und Fördern nicht nur Soldaten heranwachsen sehen, sondern Menschen, deren Stärke sich nicht allein in Schwerthieben zeigt, sondern in Mut, Güte und dem festen Band der Kameradschaft.

    __________


    Vor wenigen Tagen führte uns der Weg nach Bajard. Ein neutrales Gebiet, ein schlichtes Fischerdorf, das von Westlern besucht wird, die dort ihre ketzerische, fanatische Glaubensweise predigen. Ich frage mich noch immer, warum wir dort waren. Warum wir unsere Präsenz gerade an diesem Ort zeigen mussten.
    Ich hinterfrage den Befehl nicht - es liegt nicht an mir. Und doch verlangt mein Verstand manchmal nach einem Sinn, nach einem greifbaren Grund, damit mein Herz im Einklang mit meiner Pflicht schlagen kann.

    Dieser Gedanke kam mir, als er plötzlich zwischen unseren Reihen auftauchte.
    Der Kerl in der schwarzen Robe - hochgewachsen, ein leichtes Ziel, kaum zweihundert Finger breit entfernt. In diesem Augenblick existierte nur noch die Frage:

    Gefahr oder keine Gefahr?

    Ich war bereit, ihn niederzustrecken. Nicht aus Hass, nicht aus Willkür, sondern aus einem unerschütterlichen Instinkt: Renold zu schützen, meine Kameraden zu schützen, all jene zu bewahren, die ich in meinem Herzen trage.

    Es war nicht der Mann, der vor mir stand, der das Zittern in meiner Hand hervorrief, sondern die Erkenntnis, dass ich ihn ohne weiteres zum Schweigen hätte bringen können - endgültig. Meine Finger ruhten fest an der Sehne, die Spitze des Pfeils genau auf ihn gerichtet. Ich sah ihn nicht als Mensch, nicht als Gestalt, die man noch befragen oder verstehen könnte, sondern als Schatten, als Bedrohung, die es zu beseitigen galt. Und in diesem Augenblick war ich mir so sicher, dass dies der einzig richtige Weg wäre, dass kein Zweifel mehr zwischen meinen Entschluss und die Tat hätte treten können.

    Cecilias Stimme war es, die mich hielt - nicht ihre Worte, sondern das Zittern darin, das Flehen, das zwischen den Zeilen lag, wie ein unsichtbares Band, das sich um meinen Arm schlang und mich hinderte, die Sehne zu lösen. Ihr Tonfall war durchtränkt von nackter Angst, nicht vor jenem hochgewachsenen Mann, der zwischen unseren Reihen wandelte wie ein Schatten, sondern vor mir - vor der Härte, die sie in meinen Augen gesehen haben musste.

    Vor meiner Reaktion.
    Vor meiner Skrupellosigkeit.
    Vor meiner ungewohnten, kalten Ernsthaftigkeit.
    Vor meiner unbeirrbaren Entschlossenheit, den Pfeil von der Sehne schnellen zu lassen.

    Sie sagte mir nicht, wer er war.

    Sie flüsterte.
    Kein Name.
    Keine Erklärung.

    Sie tat nichts, als mich zurückzuhalten - schlicht, aber mit einer Kraft, die stärker war als jeder Befehl. Wie eine Hand, die im Sturm nach der anderen greift, damit man nicht ins Dunkel gerissen wird. Und so senkte ich den Bogen, nicht weil die Bedrohung verschwunden war, sondern weil sie meine Kameradin ist, weil ich ihr im Dienst bedingungslos vertraue. Jederzeit.

    In mir brennt die unausgesprochene Gewissheit, dass ich für Renold, für Cecilia, für all meine Liebsten und Kameraden jede Grenze überschreiten würde, wenn es sein muss. Und wenn es die letzte Tat meines Lebens wäre - für ihn, für sie, für uns alle -, würde ich ohne Zögern mein Herz, meinen Leib und meinen letzten Atemzug hingeben, ein Opfer, das nicht fällt, sondern getragen wird von Liebe, Treue und dem unerschütterlichen Band, das uns verbindet.

    Solange ich atme, solange mein Herz schlägt, werde ich wachen, schützen und alles geben, was ich bin, damit denen, die ich liebe, kein Leid widerfährt.

    Für Krone, Reich und Glauben.

    - V.H.

    __________


    Für sie würde ich durch die dunkelsten Nächte gehen und mein Herz der Welt schenken, jederzeit, ohne Zögern, ohne Reue. - V.H.


Verfasst: Sonntag 31. August 2025, 18:38
von Viktoria Hamberg
  • Adoran, 24. -31. Ashatar 268,
    Nerium Oleander Apotheke

    Der Morgen beginnt, wie er immer beginnt: noch ehe die Sonne das Pflaster von Adoran erwärmt, bin ich wach. Ich streife mir die Stiefel über, binde das Haar zurück und gehe hinunter zum Wasser. Das Schwimmen im kalten Strom ist mein erster Sieg des Tages. Jeder Zug, jeder Atem, der mir die Brust brennen lässt, erinnert mich daran, dass der Körper nicht nur Hülle ist, sondern Werkzeug. Danach laufen, rennen, dehnen - die Muskeln schreien, doch ich schweige. Die Stille des Morgens trägt mich.

    Dann zum Haus Dynal. Dort stapeln sich die kleinen und großen Aufgaben: die Post sortieren, Briefe entgegennehmen, Anweisungen prüfen. Ich gehe die Termine mit Anataria durch, ordne, verschiebe, notiere. Ein ruhiger Teil meines Dienstes, doch nicht weniger wichtig - es ist das Rückgrat, das den Tag zusammenhält.

    Wenn der Vormittag vergeht, ziehen meine Schritte durch Adoran. Wachrundgänge, das Auge wachsam, die Hand bereit. Manchmal nur Begegnungen mit Bürgern, ein Gruß, ein kurzer Blick. Doch jeder Schritt auf den Straßen ist ein Versprechen, dass wir da sind, sichtbar, standhaft.

    Zurück im Kastell schreibe ich die Berichte. Tinte, Feder, Pergament - nüchterne Worte, die doch das Leben der Stadt abbilden. Ordnung, schwarz auf weiß. Brief um Brief, um Brief.

    Das Mittagsmahl bringt kurze Ruhe. Brot, Suppe, ein Moment, den Körper zu stärken.

    Am Nachmittag wieder ins Haus Dynal. Botengänge, Listen, kleine Absprachen, die doch alle Zahnräder in Gang halten. Ich kenne die Wege so gut, dass ich sie kaum noch bewusst wahrnehme und doch liegt in jeder Tür, die ich öffne, Pflicht.

    Wenn der Abend naht, rufe ich die Kraft zurück in meine Glieder. Der Dienst im Regiment beginnt. Rüstung, Barett, das Blau. Jeder Handgriff ist sorgfältig, fast feierlich. Und wenn die Nacht über die Stadt sinkt, weiß ich: der Tag war erfüllt. Von Arbeit, von Pflicht, von Bestimmung.

    Mit einem Mal begreife ich: Ich bin nicht nur Soldatin aus Überzeugung. Ich bin es mit Leib und Seele, mit der Tiefe meines Herzens. Ein Zustand reiner Zufriedenheit umfängt mich, sobald ich daran denke, das Blau anzulegen, die Rüstung zu schultern. Jede Schnalle, die ich schließe, bindet mich enger an das, was ich bin. Jede Bewegung, mit der ich das Barett aufsetze, ist ein Bekenntnis.

    Meine Muskeln brennen, und doch renne ich weiter.
    Die Rüstung drückt und wird schwer, doch ich renne weiter.
    Der Regen peitscht mir ins Gesicht wie die Gischt an einem Fels, und ich renne weiter.

    Immer weiter.

    Bis mein Körper formt, was mein Geist schon längst ist:

    Stärke.
    Hingabe.
    Marine.

    __________


    Ich stand heute das erste Mal vor ihr, und mir ist, als würde ich in das Antlitz eines Lebewesens blicken. Noch riecht alles nach Pech und Harz, nach Schweiß und Arbeit, und doch scheint sie zu atmen. Die Brigg. Ein Schiff. Kein Bau mehr, keine Bretter und Balken, sondern etwas, das den Himmel berührt.

    Die Masten ragen empor wie stolze Boten, und für einen Augenblick wage ich kaum, näherzutreten. Ich fürchte fast, das Bild zu stören - dieses stille Versprechen, das in der Luft liegt. Ein Versprechen von Fahrt, von Sturm, von fernen Küsten.

    In mir selbst flammt etwas auf, das ich kaum bändigen kann. Schon lange wusste ich, dass ich hinaus will, dass ich nicht an den Kai gebunden bleiben kann. Ich habe es Arjen und Vincent gesagt - beinahe leichtfertig, wie ein Gedanke, den man teilt. Doch jetzt ist es mir Gewissheit. Kein Wunsch, kein Plan - sondern mein Schwur.

    Mein Versprechen an die Mannschaft.

    Mein Herz schlägt so heftig, dass ich unwillkürlich die Hand auf die Schließe meines Mantels lege, als könnte ich es festhalten. Aber es gehört mir nicht mehr. Es schlägt für das Meer. Für dieses Schiff. Für die Männer und Frauen, die sich ihm anvertrauen werden.

    Für die Marine.

    Ich weiß, dass ich mit hinausgehe. Nicht als Zuschauerin, nicht als Fremde am Ufer - sondern als Teil der Besatzung, als Heilerin, als jemand, der Leben bewahrt, während das Meer prüft.


    Bild


    Heute beginnt ein neuer Abschnitt meines Lebens, und ich kann kaum in Worte fassen, wie sehr mein Herz vor Aufregung schlägt. Ab heute habe ich mich als Schiffsheilerin der Marine gemeldet, und schon der Gedanke, an Bord zu gehen, erfüllt mich mit einer Energie, die ich lange nicht gespürt habe. Von allen Momenten, die ich in meinem Leben aneinanderreihen durfte, ist dies einer der ehrlichsten und aufregendsten, die ich je erlebt habe.

    Ich weiß, dass mein Dienst nicht leicht sein wird. Doch wer bin ich, mich mit dem Schicksal zu streiten? Ich habe gelernt, dass Pflicht mehr ist als ein Wort - sie ist eine Verantwortung, ein Schwur, den man in jedem Atemzug spürt. Ich würde den Kameraden folgen. Bis in den Tod. Jeder an Bord wird wissen, dass ich nicht nur ihre Kameradin und Heilerin bin, sondern auch bereit, für sie einzustehen, wenn es darauf ankommt.

    Heute, beim Anlegen der Uniform, spürte ich zum ersten Mal die Wirkung, die sie entfaltet. Es ist nicht nur die Offenheit, Herzlichkeit und Freundlichkeit, die ich trage, sondern die Disziplin, die Willensstärke, die notwendig ist, um die Werte unserer Heimat zu verteidigen. Ich sah es in den Augen derer, die mich beobachteten - ein leiser Respekt, eine Ahnung, dass die Pflicht in mir lebt. Gleichwohl strahle ich nicht nur Stärke aus; ich trage auch das Herz derer, die mir anvertraut werden, und die Wärme, die notwendig ist, um Vertrauen zu schenken.

    Als ich vor der hölzernen Maid stand, spürte ich, wie all das, was ich im Regiment gelernt habe, sich in mir vereinte. Ich habe es geahnt, doch nun ist es greifbar: Wenn es nur diese eine Soldatin gibt, die sich das bewahren kann, die das verkörpern kann, dann gibt es einen Weg nach vorne - für das Regiment, für die Marine, für uns alle.

    Ich werde diesen Weg beschreiten mit festen Schritten, aufrecht und bereit. Jeder Moment, jede Wache, jeder Einsatz wird zeigen, dass Pflicht und Herz keine Gegensätze sind. Ich freue mich darauf, an Bord zu gehen, meine Hände einzusetzen, die Verletzten zu heilen, die Kameraden zu stützen und jeden Tag meine Pflicht an der Krone zu erfüllen.

    Heute habe ich verstanden: Mein Schicksal liegt nicht mehr an Land. Es liegt dort draußen, wo der Wind die Segel füllt und die See entscheidet.

    Für Krone, Reich, Glaube... und Marine.

    So lege ich das Band nieder, das uns einst verbunden hat. Nicht aus Kälte, nicht, weil mein Herz ihn nicht mehr liebt, sondern weil der Weg, der nun vor mir liegt, Opfer verlangt, die schwerer wiegen als Worte. Renold bleibt in meiner Erinnerung wie ein leiser Gesang, der einst mein Leben erfüllte. Doch ich kann nicht länger in dieser Melodie verweilen, wenn der Ruf der Krone und der Pflicht mich weiterträgt.

    Es schmerzt, als hätte man mir ein Stück Seele entrissen, und doch weiß ich: Manche Liebe darf nicht in Ketten liegen, wenn die Welt anderes von uns verlangt. Ich lasse ihn zurück - ohne Bitterkeit, ohne Klage. Wir gehen nicht entzweit. Wir bleiben Kameraden, Freunde fürs Leben, die einander ohne Groll den Rücken freihalten, auch wenn die Wege auseinanderführen.

    Und während ich die Flügel meiner Pflicht ausspanne, trägt mich der Schmerz zugleich fort - hin zu einem neuen Morgen, den ich im Herzen allein beschreiten muss.

    - V.H.



    - Der Rotmilan hat lange neben dem Amselhahn gesessen, Flügel an Flügel, und sein Lied war einst der Klang, der ihr Herz trug. Doch allmählich wurde sein Gesang leiser, verflog im Wind wie Schatten, bis nur noch Stille blieb. Sie wartete, das Gefieder still und sehnsüchtig, doch der Amselhahn sang nicht mehr wie früher.

    Nun weiß der Rotmilan: Er darf nicht länger am Boden verharren, darf nicht an Zweigen klammern, die längst verwelkt sind. Mit schwerem Herzen spannt er die Schwingen, lässt die letzte Rose aus den Fängen gleiten und erhebt sich in die Weite. Der Schmerz ist groß - als würde die Luft selbst das Herz zerreißen, und doch liegt in diesem Flug eine stille Gewissheit.

    Der Amselhahn bleibt zurück, nicht als Feind, nicht als verlorener Schatten, sondern als Kamerad, als Freund für das Leben. Kein Groll färbt den Himmel zwischen ihnen. Nur die Erinnerung an Lieder, die einst beide trugen.

    So fliegt der Rotmilan weiter, dem Horizont entgegen, wissend: Was einst Liebe war, ist nun Freundschaft und ein stiller Segen auf getrennten Wegen. -
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