Seite 3 von 3

Verfasst: Sonntag 11. Mai 2025, 18:38
von Tarin Voss
Seitn 44 - Papier und Fragen

Heut Wache gehalten.
Treppe von unten nach oben.
Unten wir. Oben die Ost’ler.
Zwischen uns 'ne Barrikade.

War ruhig. Erst.
Dann 'ne Gestalt oben.
Fuchtelt mit den Händen.
Konnte nix erkennen.

Dann fliegt was runter.
Papier, zerknüllt.
Ich heb’s auf.

Handschrift.
Ragai.

Sie schreibt, ich soll in Sicherheit.
Überall böse Leute.
Was meint sie damit?
Denkt sie, ich bin ein Ostler?

Dann stellt sie Fragen.
Was geplant ist.
Wie viele Leute wir haben.
Wo die Truppen sind.

Ich hab nix gesagt.
Nur geguckt.
Bin doch nicht blöd.

Will sie mich zum Spion machen?
Zum Verräter?
Oder ist sie selber einer?

Dann kam der Ritter.
Und einer mit ’nem großen Bogen.
Sie hat auf mich gezeigt, als sie mit denen geredet hat.
Will Die mir was?

Bin in Deckung.
Schleich weg.

Was ist das hier?
Was macht sie da oben?
Sie gehört nach Bajard.

Da is kein Krieg.

-Tarin

Verfasst: Montag 12. Mai 2025, 23:40
von Tarin Voss
Seitn 45 - Verkohlt

Die Stadt is gefallen.
Selbst haben sie’s zerschossen.
Die Ostler.. mit Katapulten.
und Steinen aus Feuer.
Eigene Mauern, eigene Häuser.
Wie besoffen.

Dann kamen sie.
Aus allen Löchern.
Ritter in goldenem Stahl.
Thyren mit Äxten, gross wie Wagenräder, Masken wie Bestien.
Elfen - glatt, kalt, perfekt.
Zu viele. Zu schnell.

Wir standen.
Weil’s nix anderes gab.
Umzingelt.
Pfeile, Gebrüll, Blut.
Ich hab gekämpft.
Bis es nicht mehr ging.

Dann: Licht.
Blitz.
Ein Schrei - meiner. Oder von wem anders.

Ich weiß nur noch:
Körper steif.
Alles taub.
Boden.

Dann Kriechen.
Nicht denken. Nur weiter.
Arme, Beine, vor... irgendwie.

Irgendwann war ich vor’m Tor.
Verkohlt.
Haut offen.
Augen wie Asche.
Haare fort.

Aber: lebendig.

Die anderen auch.
Ein paar.
Krumme Rücken, blutige Gesichter.
Rückzug nach Rahal.
Schweigen.
Keiner fragt. Nichtmal ich.

Dann der Lethar.. am Platz - wo wir losgezogen war’n,
Sagt, das war Alatar.
Sagt, der Hass in den Ostlern kommt von ihm.
Sagt, wir haben gewonnen.

Ich weiß nich.

Aber ich leb.
Und ich hätt’s nich sollen.

Vielleicht war das kein Zufall.
Vielleicht wollt Alatar was von mir.

Vielleicht...
Vielleicht hat er was vor mit mir.

-Tarin

Bild

Verfasst: Mittwoch 14. Mai 2025, 21:43
von Tarin Voss
Seitn 46 - Viel Pflichten

Heute war Unterricht.
Lust hab ich nicht.. Alles tut weh.
Aber die haben gesagt ich solls tun, für diesen Brief.
Also bin ich hin.
Gesetze. Regeln. Lange Reden.
Hat in Rahal stattgefunden, geführt von Lingor.
Oder wie er sich nennt - Hauptmann Melia.

Hat gleich wieder gesagt, ich soll ihn nicht duzen.
Darf ich erst, wenn wir mal trinken.
Aber trinken will er ja auch nicht.
Obwohl ich ihm schon oft Bier angeboten hab.
Und dass wir zusammen gekämpft haben, zählt wohl nicht.

Er hat geredet von Rechten und Pflichten.
Wer wem was darf. Wer sich wo zu melden hat.
Dann hat er uns durch die Stadt geführt,
und den Palast der Alkas gezeigt.
Vor denen soll man sich hinknien, hat er gesagt.
Passt mir nicht.

Aber dann kam der Satz:
Alatar selbst hat die Alkas geschickt.
Wenn das stimmt...
Dann knie ich eben.

Er hat viel erzählt, was man alles tun muss.
Was man darf. Was man lassen soll.
Und dass ich vielleicht Landsknecht werden kann -
aber da kommt noch mehr dazu.
Mehr Arbeit, mehr Regeln, mehr Pflicht.

Ich frag mich:
Mach ich das für die Münzen?
Oder fürs Buch?
Oder... weil Alatar das will?

Will ich überhaupt, was Alatar will?

Der Rabendiener hat mal gesagt,
wenn einem das egal ist,
dann kommt nach dem Tod nichts.
Gar nichts.
Nur Leere.
Oder schlimmer.

Ich weiß nicht, ob ich das glauben will.
Aber Leere will ich nicht.
Und schlimmer erst recht nicht.

-Tarin

Verfasst: Donnerstag 22. Mai 2025, 21:37
von Tarin Voss
Seitn 47 - Ragai

War heut bei Ragai.
In Bajard.
Hat nix gesagt zuerst, nur gedeutet.
Runter, in den Keller.

Ich war vorsichtig.
Weiß nie, wer wo steht.

Sie hat mich verarztet.
Kopf. Haut.
Hat gebrannt wie Feuer.
Aber sie hat’s gut gemacht.

Und geredet.
Wegen dem Haus - Arnos Haus, sagt sie.
Ich soll drin gewesen sein - in Berchgard.
Hab nix kaputt gemacht.
Hab nur gegessen.. und mich kurz ins Federbett gelegt.
Weil’s hieß, wir dürfen.

Sie war wütend.
Richtig.
So mit Faust auf Stein und allem.
Ich hab gezuckt.

Und dann -
Hat sie erzählt.
Von früher. Von ihrem Vater.
Von Tod, Lügen, Drohungen.
Von Alatar. Von nichts.

Ich hab zugehört.
Vieles nicht verstanden.
Aber einiges gespürt.

Hab ihr gesagt, ich hab auf Sayd'nhain geschossen.
Vielleicht war ich’s, vielleicht nicht.
Sie hat gesagt:
Er lebt.

Ich hab kurz nichts gesagt.
Dann gesagt:
„Das ist… besser.“

Ich hab gesagt, ich will niemanden umbringen.
Nicht mit Absicht.
Nicht, wenn’s nicht sein muss.

Und dann hat sie mich gefragt,
ob Bork noch lebt.
Ich weiß es nicht.
Er redet nicht mehr mit mir.
Nur Alatar tut das.

Dann -
eine Umarmung.
Zuerst gezögert.
Dann gemacht.
Steif wie ein Besenstiel.
Aber gemacht.

Sie hat mir zwei Schlüssel gegeben.
Zu ihrem Haus.
Ich hab gefragt, ob sie keine Angst hat.
Sie hat gesagt: Nein.

Und ich?
Ich hab’s nicht verstanden.
Aber ich hab den Schlüssel behalten.
Und draußen lange draufgestarrt.

Ich hab gesagt, ich schlaf lieber draußen.
Bei Dorn. Bei Lauch.
Weil die mich brauchen.

Vielleicht… brauch ich sie auch.

- Tarin

Verfasst: Montag 26. Mai 2025, 17:56
von Tarin Voss
Seitn 48 - Einfach raus

Ich war im Wald unterwegs, auf der Suche nach Wachteln.
War einfach los, ohne groß zu schauen, wohin die Füße tragen.
Der Kopf war schwer, die Luft klar -
so klar, dass ich irgendwann aus dem Schatten trat
und auf einmal am Rand von Kronwalden stand.

Ich hab den Ort erkannt.
Zu weit im Osten.
Hier sollte ich nicht sein.
Nicht mit dem Steckbrief, der irgendwo noch hängt.

Ich wollte schon umdrehen,
zurück ins sichere Dickicht,
doch dann hab ich das Licht gesehen -
im Haus der Schneiderin.

Gefährlich war’s.
Aber die Rüstung hing mir halb zerschlissen am Leib,
Schnallen locker, Leder eingerissen,
der Schutz kaum mehr als Hoffnung.
Ich dachte mir, wenn ich vorsichtig bin,
wenn ich schnell bin,
dann wird es schon gut gehen.

Also bin ich hin, bei Amelie.. das stand da.
hab geklingelt wie ein ganz normaler Kunde.

Sie kam raus -
gepflegt, ordentlich,
wie frisch aus einem Bild.
Roch nach Seife.
Sah aus, als hätte sie noch nie Dreck unter den Nägeln gehabt.

Sie hat gefragt, wie ich heiß, wo ich herkomm.
Und ich hab das Erste gesagt,
was mir eingefallen ist.
"Fork."
Aus "Bajard."

Hat sie so hingenommen.
Keine Stirn gerunzelt, kein Blick zu lang.

Sie hat die Rüstung repariert,
sauber und schnell,
mit Händen, die wussten, was sie tun.

Ich hab mich bedankt,
Keine Münzen wollte sie haben.
Dann bin ich wieder raus.

Nichts passiert.
Keiner hat gerufen.
Keiner hat mich erkannt.

Kein Blut.
Kein Streit.
Kein Rückschlag.

Nur ein paar neue Nähte an alter Rüstung
und eine Tür, die sich hinter mir schloss.

Es war kein großer Moment.
Aber es war was, das funktioniert hat.
Etwas, das nicht schief ging.

Ein kleiner Sieg.
Nicht für Fork.
Den gibt’s nicht.
Aber für Tarin.

Und das reicht für heute.

-Tarin

Verfasst: Freitag 30. Mai 2025, 22:56
von Tarin Voss
Seitn 49 - Fragen über Fragen

Heut war ich im Rathaus.
Rahal.
Großes Haus, voller Papier und Stühle.

Wurde da reingerufen -
von nem Schreiberling, Tschündrah hieß er.
Und so ’ner mit Locken… Schackeline oder so.

Haben mich gleich ausgefragt,
warum ich Bürger werden will.
Als ob das nicht klar wär.
Hab gekämpft fürs Reich, mit Blut und Pfeilen.
Die zwei da?
Ham bestimmt keinen Dreck an den Stiefeln.

Der Schreiberling -
große Worte, kleine Schultern.
Tat so, als wär er wichtig.
Aber bei der Schlacht?
Nirgends geseh’n.

Fragen über Fragen.
Ob ich Alatar diene.
Ob ich treu bin.
Ob ich versteh, was das Reich braucht.

Hab genickt, gesagt, was sie hören wollten.
Was soll man machen?

Am Ende hab ich den Brief gekriegt.
„Bürger von Rahal“ - steht da.
Klingt gut.

Aber dafür muss ich wieder in den Unterricht.
Nochmal hören, wie groß Alatar ist.
Wie man richtig kniet.
Was man darf, was nicht.

Mach ich.
Wenn's hilft, mein Buch zurückzubekommen,
dann knie ich auch dreimal.

Aber merken soll'n sie sich:
Ich bin nicht wegen ihnen hier.
Nicht wegen Zetteln oder Mützen oder Regeln.

Ich will was von Alatar.
Oder er von mir.
Weiß nicht genau.

Vielleicht krieg ich mein Buch.
Vielleicht krieg ich was Größeres.
Vielleicht auch nix.

Aber ich geh hin.
Weil irgendwas ruft.
Und weil Bork leise is.
Und Alatar laut.

-Tarin

Verfasst: Dienstag 3. Juni 2025, 22:30
von Tarin Voss
Seitn 51 - Krüppelbürschchen

War heut bei Ragai. Sie hat eingeladen.
Dachtest erst, das wird’n ruhiger Abend. Vielleicht ein Trank. Vielleicht was Gutes.

Doch dann: Zwei Leute vorm Haus.
Eine Frau mit zu freundlichem Grinsen.
Und einer mit Rüstung und Schwert.
Sagten, es sei alles in Ordnung.
Aber wann war’s das je?

Bin runter... Ragai hat gesagt, alles ist gut.
Aber dann: Der Kerl am Tisch - Mikh.
Jung. Bein fehlt. Redet klug. Zu klug.

Und dann:
Er weiß, wer ich bin. Sagt, er kennt mein Buch. Weiß, wo es ist.
WILL, dass ich mit ihm rede. Ruhig.
Fragt, warum ich mit Rahal bin. Ob ich’s ernst mein oder nur tu, wegen dem Buch.
Ob ich nur was will - oder wirklich dazugehöre.

Ich hab gesagt:
In Rahal hat keiner auf mich gespuckt.
Ich hab dort Arbeit. Keiner hat mich geschlagen.
Die Ostler schon.
Vielleicht nicht er. Aber die Seinen.

Und er?
Redet wie’n Gelehrter. Stellt Fragen wie’n Richter.
Sagt, er könnt helfen.
Mein Buch zurückholen. Das Kopfgeld löschen.
Wenn ich... mich "bewähre".

Was glaubt der, wer er ist?

Ich hab ihn angeschrien.
Wollt wissen, wo das Buch ist.
Er sagt nichts. Fragt weiter.
Ich wurde laut. Drohend.
Er blieb ruhig.
Aber Ragai... die hat’s ernst gemeint.
Hat gesagt: Keine Drohungen. Nicht hier.

Also bin ich raus.
Wütend. Ohne Buch. Ohne Antwort.

Mikh. Einer von den Ostlern.
Die glauben, sie könnten richten.
Aber ich steh nicht vor seinem Tisch wie'n Sünder.

Wenn das Spiel so läuft -
dann spiel ich mit.
Aber zu meinen Regeln.

Und einer wie Mikh?
Der soll sich gut überlegen,
wie viel ihm sein zweites Bein wert ist.

Ich will mein Buch.
Mehr nicht.
Und wenn sie nicht helfen -
find ich’s allein.

-Tarin

Verfasst: Sonntag 8. Juni 2025, 23:24
von Tarin Voss
Seitn 52 - Zwei Orte, ein Buch

Ragai hat mir heut was gegeben.
Etwas, das ich längst verloren glaubte.
Etwas, das sie nicht hätt’ haben sollen.
Etwas, das Mikh nie hätt’ anfassen dürfen.

Mein Buch.
Borks Buch.

Er hat’s ihr gegeben.
Sie hat’s mir gereicht.
Ohne Worte, einfach so.
Ich hab’s genommen.
Hände gezittert wie’n Blatt im Herbst.
Hab geblättert. Gelesen.
Da war alles.
Dreck. Blut. Gedanken.
Ich.

Aber auch das, was ich vergessen wollt.
Was ich war.
Was ich bin.
Was ich vielleicht wieder werd.
Oder nie mehr sein will.

Und dann das Zweite:
Sie hat mir ein Zimmer gezeigt.
Ein Ort zum Bleiben.
Weiche Decke. Türe zum Zumachen.
Ein Platz, wo mein Name was zählt.

Hab genickt. Gedankt.
Aber bin am nächsten Morgen raus.
Weit raus.
In den Wald, wo nur Dorn und der Lauch mich finden.
Hab mir was gebaut.
Aus Ästen, Stein, Moos.
Kein Schild. Kein Weg. Keine Spur.

Denn so sehr ich Ragai trau -
ich brauch was,
was mir allein gehört.
Ohne Blick von außen.
Ohne Fragen.
Ohne Mikh.
Ohne Alatar.
Nur… ich.

Zwei Orte also.
Einer hell, einer versteckt.
Und das Buch dazwischen.
Ich weiß noch nicht,
wo ich das lassen soll.

Vielleicht…
brauch ich beides.

-Tarin

Verfasst: Donnerstag 26. Juni 2025, 22:40
von Tarin Voss
Seitn 53 - Lösesalz

War jagen heut. In der Wüste.
Wollt Harpyien. Fett. Gross. Guter Preis.
Hab auch welche erwischt - drei an der Zahl.
War schon auf dem Rückweg, da kamen sie.

Zwei von den Sandleuten. Menekaner-Mädels.
Zöpfe, Tücher, ernste Blicke.
Reden von Lizenz.
Von Gesetzen in der Wüste.
Und von Auspeitschen, wie bei dem Ron.
Hah.

Hab kurz überlegt. Dann war’s klar.

Wenn wir Salz wollen -
und die kein'n Handel mit dem Reich mach'n -
dann muss man eben selbst den Preis bestimmen.

Hab die zwei mitgenommen.
Die eine garstig wie nasser Sand in den Stiefeln,
die andre hat kaum was gesagt.
Gekämpft haben sie - bisschen.
Aber am Ende war'n sie im Sack.
Wirklich.
Auf'n Dorn geschnallt, einer links, einer rechts.

Der Weg raus?
Heiß. Staubig.
Ein falscher Blick, und ich wär hinüber.
Aber ich bin’s nich.
Weil ich clever bin.
Weil ich weiß, wann man bückt, wann man beißt.

Im Versteck hab ich sie losgebunden.
Kein Schwein findet uns hier.
Dort sind sie jetzt.
Hab Wasser hingestellt.
Kein Grund, sie zu ruinieren -
sind ja noch was wert.
Dann war ich weg. Erstmal schmor'n lass'n die beid'n.

Jetzt wart ich.
Auch die Sandleute soll'n erstmal schmor'n.

Und bald, dann steh ich da -
Tarin Voss, der Held, der das Salz brachte.

- Tarin

Bild

Verfasst: Sonntag 13. Juli 2025, 16:09
von Tarin Voss
Salz ist Salz – Tarins letzter Tausch

Der Wind stand still, als Tarin das Ende des Tals erreichte.
Hier, wo die letzten Dünen wie Wellen gegen das erste Grün der Täler brandeten, hatte er sich postiert – hinter einem Felsen, Dolch im Gürtel, die zwei Säcke neben sich.
Flachs. Stopfweich, nichts als Pflanze. Kein Körper, kein Leben.

Er wartete.

Ein einzelner Menekaner kam.
Mit einem Lama, voll bepackt.
Salz. Kokosnüsse. Kaffeebohnen.
Bedächtig, gerüstet... gefährlich – Sand im Bart, Dolch im Gürtel, Wut im Blick.

„Ich tu dir nichts, wie versprochen.“ sagte der Sandfuchs.

Tarin trat aus dem Schatten.

Sie sprachen.

„Ging es den Mädchen gut?“ erkundigte sich Tarin.

Der Sandmann erwiderte, er hätte Mitleid mit ihm.
Als würde er es brauchen.
Er war nun reich.
Der Kerl warf die Säcke auf den Boden, packte die Flachsbeutel ein – und ging.

Ein Geschäft war ein Geschäft.

Tarin packt es. Führt es hinter den Felsen, wo sein treuer Dorn wartet.
Zwei Säcke. Einer voll mit Kokosnüssen und Kaffeebohnen, der andere mit feinem, schneeweißem Salz.
Er greift hinein.
Fühlt es.

„Schön,“ murmelt er.
„Jetzt haben sie doch gezahlt.“

Er schaut nicht zurück.
Nicht zum Menekaner, nicht zum windenden Pfad in die Wüste.
Dann zieht er Dorn mit sich, den schmalen Pfad hinab in Richtung seiner Höhle.

Drei Nächte später:

Das Feuer knistert. Das meiste Salz schon lang verkauft.
Die Mädchen sind längst fort.

Tarin löffelt Eintopf, trinkt billigen Schnaps, schleudert eine Dattel gegen die Höhlenwand.

Dann zuckt er.

Ein Wind geht durch den Gang. Trocken.
Dann: Hitze. Keine normale.
Eine, die aus dem Stein selbst zu kommen scheint.

Er steht auf.
Tritt zum Salz.
Berührt es mit bloßer Hand.

Die Haut zerspringt.

Er schreit – doch der Laut erstickt sofort.
Sein Hals brennt. Seine Zunge klebt am Gaumen. Der Wasserschlauch?
Er trinkt ihn leer – doch es schmeckt nach Meer.

Die Höhle: Lichtdurchflutet, obwohl draußen Nacht ist.

Er taumelt ins Freie.
Die Sterne? Fort.
Nur die Sonne – zu nah, zu grell, zu falsch.

„Du bist nicht willkommen,“ flüstert der Sand, der ihm aus den Schuhen rieselt.

Seine Füße verbrennen.
Der Boden lässt ihn nicht mehr los.

Er kriecht.
Betet.
Flucht.

Dann bricht er zusammen.

Und während sein Körper verdorrt, kristallisiert sich Salz auf seinen Lippen.
Die Haut fällt ab.
Und mit ihr alles, was je an ihn geglaubt hat – auch er selbst.

So starb Tarin Voss, auch bekannt als Bork.
Nicht durch Dolch, nicht durch Rache.
Sondern durch einen Handel, den er längst verloren hatte.
Denn das Salz war echt.
Und der Fluch – geduldig.

Bild