Die Rückkehr
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Die Luft in der Zelle war schwer, fast erstickend. Der sanfte Duft des Weihrauchs legte sich wie ein Schleier um meine Sinne, während die Priester sich um mich sammelten. Der Kronritter platzierte sich in der Ecke, ich spürte den geschulten, starren Blick auf meiner Haut, aber auch die Blicke aller anderen die sich im selbigen Raum befanden. Die Ritter Alumenas und der Adel meines Bruders Ador von Alumenas. Ein Teil von mir wollte lachen - diese lächerliche Vorsicht, als ob sie mich in meinem Zustand fürchteten. Ich, der kaum wusste wer ich wirklich war und dessen Gedanken ein schallendes Karussell aus zersplitterten, immer wiederkehrenden Erinnerungen bildete. Ich war mir sehr wohl bewusst was sie sich erhofften zu finden, was sie alle schon dachten zu wissen. Sie wollten sehen ob das, was ich einst war, der Verräter, der Alka, noch existierte oder ob ich nur ein gebrochener Mann war, dessen Seele vielleicht noch zu retten war.
Als die Stimmen der Priester langsam einsetzten und sie ihre Gebete an die Schwertmaid richteten, schloss ich die Augen. Ich versuchte mich der Trance hinzugeben, was sollte schon geschehen, schlimmer als es war, konnte es kaum werden. Die Worte, fremd und doch vertraut, berührten etwas in mir, tief in meinem Innersten. Sie drängten sich nicht an meine Ohren, sondern gruben sich direkt in meinen Verstand, wie ein Schwert, das durch die Nebel meiner Gedanken schnitt. Ich spürte wie sie etwas in mir rührten, etwas das ich lange begraben geglaubt hatte. Wärme verdrängte die Dunkelheit, zerrte an den Schatten und mein Körper reagierte, bevor ich es verhindern konnte. Mein Herz begann schneller zu schlagen, meine Finger krallten sich ineinander bis die Knöchel weiß hervortraten.
Dann brach die Vision über mich herein.
Ich sah mich klar und unmissverständlich. Ein schwarzes Ross, die Zügel in meinen Händen und ein Heer vor mir, das bereit war auf mein Kommando hin in den Kampf zu ziehen. Überall flattern die Banner des alatarischen Reiches im Wind, durchzogen von den Symbolen unseres Herrn, Alatar, dessen Name mich wie aus dem Nichts mit einer unendlichen Vertrautheit erfüllte. Ich war der Alka. Ich war ein Werkzeug, ein Prophet, ein Diener des All-Einen, der durch mich sprach. Stolz und Macht durchfluteten mich, aber auch die Last dessen, was ich getan hatte. Meine Vergangenheit. Das Blut das an meinen Händen klebte brannte heiß auf in der Vision.
Die Vision verschwand so plötzlich wie sie gekommen war und ließ mich zurück, keuchend, bebend, die Hände noch immer verkrampft. Doch bevor ich diesen Moment fassen konnte brach eine Flutwelle von Erinnerungen über mich herein, unaufhaltsam und überwältigend. Es war, als würde ein Damm brechen, alles was jemals war, alles was ich jemals gewesen bin, brach über mich ein. Ich sah Ador, meinen Bruder. Ich hörte unser Lachen, spürte die sanften Hände unserer Mutter, die uns einst hielt. Doch dann kamen die Schreie, das Blut – mein Verrat. Mein Herz zog sich zusammen, als die Bilder sich veränderten, dunkler wurden, klarer. Ich sah die Konsequenzen meiner Taten, das Leid, das ich gebracht hatte, und dennoch – inmitten all dessen – war da auch Macht. Stolz.
Als wäre es noch nicht genug gewesen spürte ich, wie der Sog in mir abermals auch den letzten Nebel zu entfernen versuchte. Die letzte Enthüllung brach hervor. Ich spürte wie ein Schrei meine Lippen verließ. Ein Schrei, der voller Schmerz war und gleichsam eine Erleichterung in mir hinterließ. Eine weitere Version zerrte sich vor mein inneres Auge.
Meine Hände liegen auf den Armlehnen, deren Krallen in den Stein gemeißelt waren. Symbole des Panthergottes. Vor mir kniet mein innerer, vertrauter Kreis. Mein Glaube kehrte mit einer Wucht zurück, die fast körperlich spürbar war. Dunkel, unverrückbar füllte er mich aus und verdrängte jeden Rest von Unsicherheit.
Ich war nicht für diese Zelle bestimmt Mein Platz war bei Ihm. Ich öffnete die Augen. Mein Atem war ruhig, mein Blick gefestigt. Ich weiß wer ich bin, ich weiß wohin ich gehöre. Ich ließ die Augen über die Anwesenden gleiten, dies war nicht der richtige Ort um sich nun in einem törichten Kampf zu verlieren. Mein Bruder würde sein Urteil fällen müssen. Nicht über meinen Tod an sich, nein dessen war ich mir gänzlich bewusst. Mein Bruder würde ein Urteil fällen müssen. Doch ich wusste bereits, dass es nicht um Leben oder Tod ging. Es ging darum, ob ich es wert war zu überleben. Ob Alatar mich noch für seinen Zweck wollte oder ob dies meine Strafe war: zu existieren, mit klarem Verstand und der Last meiner Taten. Ich hob das Kinn, ließ meinen Blick durch den Raum schweifen.
Die Freundlichkeit, die Ismael einst gezeigt hatte war verschwunden. Zurück blieb Isidor - der Alka, der wusste, wer er war.
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