Im Namen der Faust [Lichtenthal - Quest]

Der Erzähler

Beitrag von Der Erzähler »

Ein Zwischenspiel
Seefels, eine unbedeutende Insel, Königreich Alumenas
Mit bangem Blick beobachtete Catrinia Manijn von Seefels den Aufgang der Sonne über den Wipfeln der Bäume. Sie hatte früher stets ein wenig bedauert, dass dieses Spektakel von ihrem Zimmer nicht über dem Meereshorizont zu erblicken war. Doch nicht heute. Sie erblickte in der Ferne die Pfahlbausiedlung von Seefels, die einzige wirkliche Siedlung der kleinen, unbedeutenden Insel.
Selbst von hier aus konnte sie ihre Armut sehen, die teils löchrigen Dächer und Wände. Sie wusste um die Untertanen ihres Vaters, dem Freiherrn von Seefels, wusste um ihre Entbehrungen und ihre harte Arbeit alles mit Mühe und Kampf diesem kargen Eiland abzutrotzen. Und dennoch waren es herzliche Menschen, bereit alle Pflichten der Gastfreundschaft und Höflichkeit zu erfüllen. Warum konnte sie dies sehen und ihr Vater nicht? Ihr Vater Tharon von Seefels verwaltete mit harter Hand. Er blieb niemals eine Steuer schuldig, mühte sich gar mehr einzutreiben, wobei Catrinia vermutete, dass ein guter Teil dieser zusätzlichen Zahlungen eher in dem Keller der Feste verschwand, als in die Hände des Königs zu fließen. Als Kind hatte sie es noch genossen, dass ihr Vater sie mit Geschmeiden schmückte und wertvolle Damast- und Seidenstoffe vom Festland hatte kommen lassen, um die Familie zu staffieren. Heute jedoch wusste sie, mit wessen Blut dieses Gold und Garn bezahlt worden war. Und sie war nicht mehr bereit diesen Blutpreis zu zahlen.
Die Menschen dieser Insel waren ihre Freunde, ihre Familie. Eine Amme hatte sie aufgezogen und genährt, eine Heilerin hatte sie in die Geheimnisse der Natur eingeführt, ein Bauer hatte ihr beigebracht wie sie Pferden begegnen und mit ihnen umgehen konnte, selbst nach ihrem Unfall, ein Fischer erklärte ihr die Strömungen um die Küsten von Seefels. Die Schneiderin hatte ihr den Perlstich beigebracht, der Fleischer hatte ihre Hand gehalten, als ihr erstes Pferd geschlachtet werden musste, und ein junger Wachmann des Leuchtturms hatte ihr ihren ersten Kuss geraubt. Ihre Namen waren in ihr Herz gebrannt, niemals würde sie einen von ihnen vergessen können: Olvina, möge Temora ihrer Seele gnädig sein, Lysand, die erst vor kurzem ihr Kind geboren hatte, Agomar, dessen Kinder ihn allmählich zu übertrumpfen begannen mit ihrem Tierverständnis. Alaney, die schönste Frau von Seefels, und ihr Mann Iann, der sie vergötterte. Adair, der grimmige Riese. Die Schwestern Manheyn und Amhar, der finstere Dorfbüttel mit einem Herzen aus Gold.

Nur wenige Jahre hatte Catrinia auf dem Festland verbracht, doch reichten alle erlernten Künste der Täuschung aus, um ihre Eltern in dem Glauben zu lassen eine wohlerzogene und gefügige Tochter zu haben. Die Jahre davor hatte sie stets offen gegen die Haltung und Politik ihres Vaters rebelliert und sich so viele Stunden in ihrer Kammer eingebracht. Insofern hatte ihre "Verbannung" auf das Festland für ihre Eltern durchaus die gewünschte Wirkung der Zähmung erzielt, doch ahnten diese nicht, dass Catrinia nur erlernt hatte ihre Ziele verborgener und geschickter zu verfolgen.
Und ihre Ziele waren klar für sie: Die Menschen von Seefels hatten einen würdigen Verwalter verdient. Nicht diesen versoffenen, selbstgefälligen Freiherrn, der annahm, dass es die Erfüllung seiner Existenz war in der großen Burg zu sitzen, sich auf Kosten seiner Untertanen den Wanst vollzuschlagen und ab und an Gericht zu halten. Allein bei dem Gedanken daran wurde es Catrinia übel... Möge Temora meiner Seele gnädig sein, doch dem werde ich nicht länger tatenlos zusehen!

Wie so oft verfasste Catrinia Manijn von Seefels einige kurze Nachrichten an diesem Morgen und ließ die Tauben ihren Weg antreten. Sie selbst verwunderte es nicht wirklich, als letztlich die königliche Nachricht an ihren Vater erging, dass Seefels für eine politische Konferenz ausgewählt worden sei und er entsprechende Vorbereitungen zu treffen habe; - ihn umso mehr. Alle sollen es sehen…


Der ritterliche Mensch nimmt auch schreckliches Schicksal an und verzagt
nicht im Angesicht der Not. An ihm wollen sich die wirklich Schwachen anlehnen,
er soll sie im Namen der Göttin aufrichten, nicht einer der ihren werden.

~ Kodex der Ritterlichkeit aus den Lehren Temoras



[img]http://www.bilder-upload.eu/upload/1b7c4b-1499355247.jpg[/img]
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Thancred Dynar
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Beitrag von Thancred Dynar »

Der Geruch des tranigen , harzigen Peches begann langsam aus seinen Kleidern zu schwinden; Jetzt nach dem vierten Mal im Zuber, sogar die Blütenduftseife hatte er genommen - ja so wars!
Lange Tage und Wochen hatte das HHG damit zugebracht, die von Rittern und Obristen herbeigesehnte Pechverteidigung zu ermöglichen;
Amelie und Jakop, Ogi, Shyra und sogar der Zausel waren mehr im Walde beim schlagen von Birken zu sehen, als im Kontor selbst. Des Nachts noch verbreitete der Schwelofen den fettig-schweren Geruch und die beissenden Dämpfe hatten Thancreds Augen gerötet, so dass Nathelia ihre liebe Mühe hatte, eine Salbe zu mischen die ihm Linderung verschaffte, während Shyra fleissig an Kesseln gearbeitet hatte, die zum erhitzen des Peches dienten.
Doch Mitsammen hatten sie es hinbekommen. Jeder hatte seinen Schweiss und sein Wissen dazugegeben und sie hatten nicht das Handtuch geworfen.
Er war stolz auf die fleissigen Leut im HHG, die er seine Freunde nannte, und war sicher die Gemeinschaft hatte Cirmias auch diesmal keine Schande gemacht.

Genüsslich nahm er einen Schluck aus dem hohen Glas in dem das dunkle
Weizenbier kühl schäumte.
Oh ja! das tat gut. Heut erst wars geliefert worden das gute Fass. Und keinen Tag zu früh. Hatten sie doch vor wenigen Tagen mit der Gardistin und Ritter Alsted die schweren Fesser und Kessel mit dem Pech verteilt. Gut dass sie damals, Im letzten Krieg um Varuna, als Berchgards Verteidigung unter tatkräftiger Mithilfe des HHG gebaut wurde schon eine Gusskammer und Pechnasen eigerichtet hatten. Selbst Adoran hatte solch eine nicht zu bieten. Das verwunderte den Zausel etwas doch hatten sie es geschafft Maschikulis, und geeignete Orte für das Siedendmachen des Pechs zu finden. Ein Agriff würde nun in ein paar böse Überraschungen laufen.
"Und doch währs mir lieber wenns nit sein müsst. Bei des Schmiedevaters
stählernen Locken! Es müsset doch einen Weg geben dem beizukommen, ohne dass wieder die Erde mit Blut getränkt werde."
Sinnierte er so bei sich als er hinterm Kontor sein kühles Dunkles genoss.

Der Blick wanderte immer wieder gen Nordwesten, wo der Heerhaufe lagerte und nur der Unheilsberg selbst zwischen ihnen, Eirenseer Renegaten und wie er erfahren hatte diesen ominösen Schwarzwasser-Söldnern noch lag.

Sonderlich erbaut schienen die Herren Ritter, Barone und Damen Obristin und Maga nicht zu sein, von der Idee, eine Bürgerabordnung dorthin gehen zu lassen, um in Erfahrung zu bringen was nun werden sollt. Der Waffenstillstand ward verstrichen, nun hing alles wieder in der Schwebe.
Wie eine Dachenklaue an einem Elfenhaar. Das machte den alten Zausel fuchsig, aber so richtig.

S´ war nicht gut fürs Geschäft, nicht gut für die Menschen Berchgards, die Menschen Kronwaldens das sie schon seit über einer Woche evakuiert hatten, und des Reiches im Ganzen diese untätige Ungewissheit.

Auch hatte er nichts gehört von neuen Verhandlungen über einen weiterführenden Waffenstillstand, oder sowas.
Ganz übel mussts wohl für die Leute in Junkersteyn sein, die besetzt und unter der Fuchtel der Invasoren ihr Leben fristen mussten.
Auch da wollt er wissen ob sie jenen helfen konnten.

Immerhin gab es das Wort der Renegaten, Bürgern kein Leid zuzufügen kämen Diese ohn Waffen und Arg. Die Idee im Rahmen eines Lichterzuges dort nach dem Rechten zu sehen, und die Renegaten beim Wort zu nehmen, schien ihm vernünftig. Sie konnten so viel erfahren, den Junkersteynern vielleicht helfen und setzten "nur" ihre eigne Haut aufs Spiel.

Doch nun hatte die Obristin ihnen auferlegt verkleidete Gardisten, und noch schlimmer eine Fuchtlerin mitzunehmen. Das war jedoch grad jene Arglist, wes sich die Renegaten verbeten hatten. Würde ein Gespräch zustande kommen wenn jene aufflögen? Selbst der Ritter und Frau Oberst hatten zugeben müssen, sie könnten einen Soldaten wohl an Haltung und Gebaren erkennen. - Und der Oberst der Renegaten oder die Eirenseer Wachleut konnten das nicht?


Und die Magirin? Wenn jene so erklärte ihm der Baron, stille bliebe, würde man sie für eine Bürgerin halten können
Aber Diese Person und still???
Bei der hatte er ohnehin so seine Zweifel ob bei Dieser nicht von der ein oder andren Verwandlung was hängen geblieben war, spätestends nachdem sie beim Ende der Bürgerversammlung das Gackern angefangen hatte nachdem sie des Freiherrn Arenvir angesichtig wurde. Was wenn sie da plözulich anfing ihnen ein Ei zu legen, das würde seitens der Renegaten dann doch komische und schwer zu beantwortende Fragen geben.

Mit all solchen Gedanken verbrachte er so den Abend,
Obs überhaupt noch eine Aussicht auf Erfolg hätte so? - das Wagnis unter diesen Prämissen oder vielmehr Hemmschuhen einzugehen?
Zuletzt geändert von Thancred Dynar am Freitag 7. Juli 2017, 15:55, insgesamt 1-mal geändert.
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Helisande von Alsted
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Beitrag von Helisande von Alsted »

Ein Schreiben wird an Vogtin Taliara Levar überbracht. Es trägt das Siegel des Regimentes und scheint eher offizieller Natur zu sein.

  • Wolffenbrück, 08. Cirmiasium 260

    Kron und Reich zur Ehr, Vogtin Levar!

    Nach einem längeren Gespräch mit Eurem Lehnsherren über Euer Ansinnen ein Gespräch mit der Faust zu führen, möchte ich Euch zunächst nochmals für Eurer Engagement und Eure Überlegungen danken.
    Seine Hochgeboren von Kronwalden hat sich sehr dafür ausgesprochen Euch und Euren Mitstreitern freie Hand in dieser Angelegenheit zu lassen, da Ihr bisher als Vogtin über jeden Tadel erhaben seid.
    Daher will ich nun auch mit diesen Schreiben jegliche an Euch mitgeteilte Auflagen bezüglich des Gespräches zurücknehmen. Führt wie Ihr es für richtig haltet Eure Gruppe in dieses Gespräch und schaut, was Ihr in Erfahrung bringen könnt. Jedoch eine kleine Bedinung Bitte möchte ich äußern: Bitte teilt umgehend mit, dass Ihr alle von diesem Ausflug zurück gekehrt seid und gebt einen kurzen inhaltlichen Bericht bei uns ab.

    Temora beschützt!

    v. Gipfelsturm
    Oberst des Lichtenthaler Regimentes
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Taliara Levar
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Beitrag von Taliara Levar »

Nachdem sie das Pergament von Frau Oberst gelesen hatte, zieht ein Schmunzeln in ihr Gesichtszüge, sie setzt sich hin und schreibt ein Antwortschreiben.

Werte Frau Oberst,

es erfreut mich zu hören, das es Einsicht gab und dem Volk eine kleine Chance eingeräumt wird, vielleicht etwas zu erreichen. Dafür möchten wir alle Danken. Wir werden einen Bericht abgeben über das Erfahrene, sobald wir gesund heim gekehrt sind.

freundliche Grüße

Taliara Levar
Vogtin Kronwaldens
Kila Rabbe

Beitrag von Kila Rabbe »

Die Zeltdecke wackelt leicht, als die warme Brise darüber hinwegstrich. Kilas Mundwinkel hoben sich zu einem amüsierten Grinsen, als ihr auffiel, dass sich die Zeltplane im gleichen Rhythmus bewegte wie das Schnarchen im Zelt erklang. Sie rollte sich auf die Seite, beugte sich auf ihre Unterarme und schaute in das Bett unter sich. Der hünenhafte Kamerad zerlegte anscheinend einen ganzen Wald und das mit großem Geschick.
Es musste noch sehr früh sein, da die Sonne noch nicht aufgegangen war aber sich draußen bereits die Vögel zu ihrer morgendlichen Unterhaltung versammelt hatten. Seufzend ließ sich Kila zurück in die durchgelegene Matratze sinken und sah nach rechts, wo Sandor eineinhalb Meter von ihr entfernt lag. Noch einen Moment gönnte sie ihm, ehe sie ihn wecken würde, damit sie die Frühwacht übernahmen und den, sicher bereits eingenickten Kameraden am Vorwerk ablösen würden. Bevor sie ihn aber erlösten, würden sie sich einen Rekruten schnappen und zur Patrouille aus reiten.
Kila fragte sich, ob sich wieder nichts verändert hatte. Die Faust verweilte so still und friedlich in Junkersteyn, dass es schon eine gewisse Ironie annahm und man glauben konnte, dass sie dabei zu Statuetten erstarrt waren. Es regte sich nichts im Norden, wirklich rein gar nichts. Und es war dennoch ihre Pflicht, die die Kameraden und sie im Feldlager hielten. Täglich auf Patrouillen ritten, das Schnarchen der Riesen ertrugen und sich Abends für ein paar Stunden auf einen Grillabend verdrückten. Nur um wieder in voller Montur ihren Eid zu erfüllen. Eine Geduldsprobe und für manch einen die Feuerprobe, ob sie nach der Besatzung noch im Regiment bleiben würden.

Kila rollte sich erneut auf die Seite, ließ sich lautlos aus dem Bett auf die kleinen Füße sinken und reckte sich zum Hochbett um Sandor an zu stupsen. Keine Regung. Sie stupste ihn erneut an und er brummte. Immerhin ein Lebenszeichen. Abermals stupste sie ihn an, diesmal energischer und flüsterte seinen Namen. Ohne die Augen zu öffnen hob er eine Hand an und zeigte ihr einen gewissen Finger. Kila seufzte und gab ihm einen Knuff in die Seite. „Steh auf, Sandor! Oder ich trinke deinen Biervorrat weg!“ flüsterte sie ihm energisch zu. Er murrte und setzte sich langsam in Bewegung. „In fünf Minuten in voller Montur vor dem Zelt, Gardist!“ sagte sie abermals etwas lauter und und sah beim ankleiden wie er mit halb geöffneten Augen einen saloppen Salut vollbrachte und sich endlich aus dem Bett schwang.

Wieder keine Veränderungen. Die Patrouillen wurden zur reinen Routine und langsam zerrte es an den Nerven. Kila erinnerte sich daran, dass Heinrik ihr gesagt hatte, dass es eine Taktik des Gegners sein kann um damit die Moral und Nerven der Soldaten und Angehörigen im Feldlager zu drücken. Jetzt hieß es Stand halten und den Nachwuchs fördern und bei Laune zu halten. Auch wenn sie selber manchmal einfach keinen Nerv mehr hatte und sich etwas Privatsphäre wünschte. Ein Soldat war ein Soldat, Geschlechtslos und alle waren gleich. Und doch wünscht man sich Normalität, Alltag und gemütliche Abende im Garten. Eine wahrliche Zerreißprobe für die Gemüter. Es gab Momente wo sie sich schon fast mit Kameraden geprügelt hatte, nur weil sie anderer Meinung waren. Aber sie mussten Etikette bewahren, ein Vorbild sein und man stand immerhin als Soldat für das gesamte Regiment. Sie erfüllte ihre Pflicht, auch wenn ihr manch eine Aufgabe, Entscheidung und Bürde nicht in den Kram passte, sie schwieg und salutierte.

„Melde drei Regimentler zurück!“ Rief der Rekrut, der Kila und Sandor begleitet hatte. Sie hatte ihm die Meldepflicht beim Aus- und Rückritt beigebrachte und war zufrieden. Er machte sich gut und war nicht so frech wie die meisten Rekruten. Sie hoffte ihm ein gutes Vorbild zu sein und durch ihre Tatkraft seine und die Moral der anderen Kameraden zu unterstützen.
Nachdem die Pferde angebunden waren, wurde die Wacht auf dem Vorwerk angetreten. Eine, gefühlt endlose Wacht, die nur dazu diente machthungrigen Adel zu belustigen. Kila betete still, dass Temora dieser Farce ein Ende setzte und Normalität einkehrte.
Zahrak Salberg

Beitrag von Zahrak Salberg »

*Im Lager bei Wolffenbrück wird ein kurzer Aushang angebracht. Das Schriftbild ist recht unästhetisch, aber soweit leserlich..*

Krone und Reich zur Ehr,

am Abend des 15. Cirmiasum fiel der Schimmel "Demento" einem durch die Auslösung des Zaubers auf der nahe gelegenen Schatzkiste einem Pulk Untoter zum Opfer. Die Aulöserin jenes Missgeschickes entschuldigt sich aufrichtig für den Verlust. Demento muss nicht hinreichend angebunden gewesen sein, sodass er sich vom Kampfeslärm hat aufschrecken lassen und damit in die Gefahrenzone hinein geriet.

Temora beschützt!
gez. Z.Salberg
Lucien de Mareaux

Beitrag von Lucien de Mareaux »

„Wenn es nur ein kleines Schiff ist, wird’s ruppig.“

Ich verdammte alles, die Götter, die Welt, die Mitreisenden, mein Leben, den Sturm, den Wellengang, die See vor allem anderen und nicht zuletzt das verflixte Schiff auf dem ich mich befand. Es war klein, winzig geradezu, stickig, eng, sehr arm an Bewegungsfreiheit. Eine Nacht und ein Tag. Das musste doch auszuhalten sein. Das war der Gedanke, bevor ich unter Deck ging und feststellte, dass wir uns gegenseitig massiv auf die Füße treten würden.
Wo vor der Abreise die Laune noch rosig war, gepaart mit einer leichten inneren Aufregung und Spannung positiver Natur, änderte sich diese schon mit jedem Schritt hinab unter Deck. Also sah ich zu, dass ich wenigstens meinen Ballast in Form eines Seesacks möglich zügig loswurde. Danach zwängte ich mich aus der für mich viel zu engen Kabine hinaus und machte mich auf den Weg nach vorn zurück, um mir einen möglichst nicht so beengten Platz zu suchen. Ein Ding der Unmöglichkeit. Irgendwann saß ich auf dem Boden, in einer Ecke, fast unmittelbar unterhalb der Luke, bewaffnet mit einem Eimer. Für die nächsten Stunden sollte der mein bester Freund und Weggefährte werden.

Als der Sturm losging, war der Magen soweit entleert, der Eimer inzwischen ausgetauscht, dass ich das immer ruppigere Schlingern, Kränken und Rollen mit allem gebotenen Elend, Ingwer kauend, durchstand. Ich war dankbar um die Ablenkung seitens Johanna, die zumindest ein Weilchen anhielt und noch dankbarer, als sich alle anderen nach und nach in ihre Hängematten verzogen, um Schlaf zu finden, nachdem der Sturm dann rum und das Rollen des Schiffs etwas weniger heftig ausfiel.
Ich hielt mich durchaus für einen geselligen Mann, aber wenn es mir so elend ging, wie in den ersten Stunden auf einem Schiff, war ich froh einfach meine Ruhe zu haben, oder jemanden nah bei zu haben, der für Ablenkung sorgte. Betüddelt werden, gehörte allerdings nicht zu den Dingen, die ich bevorzugte, obgleich ich selbiges kaum verhindern konnte – und ich wollte dafür auch keinen anraunzen. Gelang mir nur mäßig, aber immerhin. Am Ende würde ich mich vermutlich wieder bei etlichen Menschen zu entschuldigen haben für meine ausnehmende Höflichkeit, die ich irgendwo zwischen Adoran und hier über Bord geworfen hatte, vermutlich mit dem Inhalt des ersten gefüllten Eimers.

Ich zog es auch vor die Nacht direkt auf meinem Platz zu verbringen, den ich mir als Reiseörtchen ausgesucht hatte. Er beinhaltete nicht viel Platz, erst recht keinen Komfort, war zwischenzeitlich reichlich feucht, aber beinhaltete eindeutig die frischeste Luft, die man bekommen konnte, solang die Luke offen stand. Die Wolldecke, die ich bekommen hatte, war binnen kürzester Frist genauso durchnässt, wie ich selbst, aber das kümmerte mich wenig.
Tatsächlich erinnerte mich dieser Ausflug stellenweise an meine Flucht nach Gerimor vor nunmehr über zehn Jahren. Auch da hatte ich mit meinen Problemen zu kämpfen gehabt, allerdings auch den Vorteil an Deck sein zu können, was die Platzangst wenigstens enorm eingeschränkt hatte. Und es hatte geholfen den Horizont anzustarren, um die Kotzerei einzudämmen. Immerhin wusste ich, dass nach ein paar Stunden der Spuk zur Seekrankheit schon soweit ausgestanden war, dass ich sogar wieder etwas bei mir behalten konnte. Manch arme Seele hatte ganze Wochen „Freude“ daran.

Irgendwann in den Morgenstunden wachte ich auf, nass, oder vielmehr recht klamm von der Feuchtigkeit, mit steifen Gliedern, einem Geschmack im Maul, der stark danach schmeckte wie nasser Pelz roch, und die leisen pochenden Kopfschmerzen kündeten davon, dass ich entschieden zu wenig getrunken hatte. Also rappelte ich mich mühsam und mit krachenden Knochen auf, konnte mir dabei ein leises Aufstöhnen nicht verbeißen. „Ich werde alt“, murrte ich vor mich hin. Als ich mich gen Wasserfass bewegte, um einen Becher daraus zu schöpfen, hatte ich das Gefühl mehr zu torkeln wie ein Betrunkener, als koordiniert zu laufen. Verdammtes Meer, verdammtes Schiff, verdammte Reise!
Ich ließ mich auf eine der Bänke fallen, wickelte mich dabei in meine feuchte Decke und trank das abgestandene Wasser in kleinen Dosierungen, in der Hoffnung es so bei mir zu behalten. Wenn ich es zu eilig anging, das wusste ich aus leidvoller Erfahrung, würde ich wieder im Elend versinken, und das hatte ich beim besten Willen nicht vor.

Irgendwann, als ich sicher war, gerade laufen zu können, vielleicht auch mit einem letzten Rest an Würde bis zur Kabine zu gelangen, stand ich auf und ging hinüber, um mir trockene Klamotten anzuziehen und die nassen hinzuhängen zum Trocknen. Ich bemühte mich möglichst leise zu sein, damit ich keinen weckte, und auch darum, niemanden aus den Hängematten zu rempeln.
Danach holte ich mir mein frisches Notizbüchlein heraus, ebenso meinen Kohlegriffel, und verzog mich wieder nach vorne, wo ich mich hinsetzte und anfing mir Gedanken darüber zu machen, was ich sagen konnte oder was ratsam war herunter zu schlucken, sollte wider jeder Erwartung von mir eine Aussage zum Dilemma gefordert werden.
Generell ging ich davon aus, dass wir nur Zeuge des Ganzen werden würden, und damit hatte es sich. Welchen Nutzen das haben mochte, wussten die Politiker für sich vermutlich am Besten. Ich ärgerte mich im Stillen darüber, mich noch immer nur mäßig auszukennen, aber zu ändern war das nicht. Nicht unter den für mich gegebenen Voraussetzungen. Aber ich fand allmählich Gefallen daran, an den Voraussetzungen etwas ändern zu wollen. Die Frage war nur, wie konnte ich das am besten angehen? Aber das war auch eine Frage, die ich auf später verschob. Relevanz hatte jetzt erstmal das unmittelbar vor uns liegende.
So setzte ich meine kleinen Notizen weiter fort. In der Regel hielt sich ohnehin nichts an die eigenen gefassten Vorsätze, erst recht nicht in so einer Verhandlung, also war davon auszugehen, dass ich mir sowieso vor Ort einiges noch spontan überlegen musste. Schwierig, aber ich war von dem Ehrgeiz gepackt es gut zu machen, sofern ich überhaupt gefragt wurde.
Also galt es daran eben auch zu arbeiten, so gut es in Vorbereitung möglich war.
Zuletzt geändert von Lucien de Mareaux am Montag 17. Juli 2017, 15:49, insgesamt 1-mal geändert.
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Taliara Levar
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Beitrag von Taliara Levar »

Am Hafen angekommen schien alles in Ordnung zu sein, ich hoffte auf ein großes prächtiges Schiff mit etwas an Komfort, musste jedoch schnell feststellen als ich den ersten Schritt auf die Planken tat, das es doch wohl ein kleines war und ohne auch nur einen Blick hinunter in die Kajüte getan zu haben, wusste ich, es wird kuschelig werden mit so vielen Leuten.
Nachdem man uns also nach unten verfrachtet hatte, galt es sich zusammen zu tun um die Kabinen zu belegen. Amelie, Nathelia, Hochwürden Hohenhain und ich nahmen gleich die Erste. Je weiter vorne, je besser, so merkt man weniger vom Schlingern und auf und ab rollen. Die Reisetaschen abgesetzt und so schnell es ging verließ ich auch wieder die Kabine, so ohne Bullauge oder gar Fenster, war es mir vier Leuten recht stickig.

Also versammelten sich so nach und nach alle wieder vorne im Bug oder Mitteldeck. Einigen schien es nicht besonders rosig zu gehen, nachdem das Schiff abgelegt hatte und wir immer weiter hinaus aufs Meer kamen. Die wellen wurden stärker und die Würge- sowie die Geräusche vom erbrechen, drang aus allen Ecken. Einige waren nur grün im Gesicht und ließen sich ihre Essen lieber nicht mehr durch den Kopf gehen. Zunehmend wurde die See rauer und kaum merklich zog ein Sturm auf, die Luke, die bis dahin noch etwas Frischluft in die Kajüte gebracht hatte wurde mit einmal heftig klatschend geschlossen.
Man hörte die schnellen Schritte auf Deck und die gellenden Rufe die gegen den Sturm versuchten anzuschreien, das Rollen und schlingern, das auf und ab des Schiffes wurde zur Tortur für so manch einen, der sowieso schon arg gebeutelt war und nun umso mehr den Eimer umklammern musste.

Aber auch das ging vorüber, die See beruhigte sich wieder, die Luke wurde wieder geöffnet und als kleine Aufmunterung gab es für alle einen Schnaps.

Hochwürden Johanna versucht durch etwas Musik und Gesang die Stimmung etwas zu lockern, selbst Frau Oberst stimmte mit ein und für eine kleine Weile vergaß so manch einer sein Unwohlsein.

Baron Thelor ging es gar nicht gut, er hatte sich frühzeitig schon in seine Kabine zurück gezogen und auch dort blieb er nicht verschont vom Sturm und küsste wohl etwas unsanft die Planken des Schiffes, außer einer Beule jedoch geschah ihm nichts weiter, er würde es überleben.

Sir Ernst war schon lange in seiner Kabine, er schien so Menschenmengen nicht sonderlich zu mögen.

Dann wurde es ruhiger in der Kajüte, Frau Oberst legte sich schlafen, jedoch hatte man das Gefühl gleich versinkt das Schiff, so sehr sägte sie.

Auch ich zog mich zurück in die Kabine und hoffte eine erholsame und ruhige Nacht zu verbringen, sofern das möglich war....
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Thancred Dynar
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Beitrag von Thancred Dynar »

So im Nachhinein gesehen schmeckten Shyras Lippen doch nach Kirschen,..
und besonders der letzte Kuss des Abschiedes hatte eine bittre Süße, die der Alte Schmied noch lange in Gedanken hegen und pflegen würde. Und überhaupt waren es viel zuwenige Küsse gewesen welche sie einander gaben. Und doch war die Stunde gekommen zu welcher er aufbrechen musste. Pepackt mit Werkzeug und allerlei mehr oder weniger nützlichem fühlte er sich wie ein Packgaul, fehlte nur noch der Futtersack vorn dran.

So traf der Zausel dann ein wenig wehmütig in Adoran ein, und stapfte gen des Hafenviertels, wo der würzige Duft der See ihn an Zeiten erinnerte da auch Berchgard einen Hafen am Ende des Fjordes hatte; und das Postschiff sowie die Windsbraut, der eher kleine Handelsholk des Kontores unter Kaptän Stoerrenbrandt das Bergmannsstädtchen mit der Weiten Welt verband. Lange war der Fjord nun schon verschüttet, und so machte sich
einzig Adoran noch als Überseehafen einen Namen.
Bald schon waren Reisegefährten ausgemacht und man unterhielt sich über das Ziel der Reise.
Bald darauf ward auch schon Zeit an Bord zu gehen. Nicht viel kleiner als die Windsbraut war ihr neues Gefährt doch nur einen Mast gab es Das Schiff dürfte also langsamer sein als der alte Holk aber unter Deck ganz anders gebaut
Mehr Kabinen hatte es und nur einen eher überschaubaren Laderaum.
Schlanker gebaut war es auch, so dass es weniger Platz unter Deck hatte. Doch schiens Ihm eine ganz solide Konstruktion.

RAUS! geh eins Weiter. Schnell duckte er sich aus der Flugbahn von Kissen und was die vier Grazien in der Kabine seinem Gesicht sonst noch per Luftpost zu schenken gedachten.
Ganz schön Rabiat die Frau Vögtin, und hatte Nathelia nach einer Haarbürste gegriffen und Ziel genommen? Er hatte dioch selber eine!
Schliesslich fad er seinen Platz in der Letzten Kabine des Ganges. Immerhin eine Kabinemit Hängematten und allem! Sas hatte schon mal was. Warum war er eigentlich nicht öfter mit dem Kaptän nach Drachenfels und in die andren Häfen mit gefahren?

Oh - ja Jetzt fiel es ihm wieder ein,
Das Schiff, eine Otta glaubte er, nannte man diesen elenden rollenden und hüpfenden Kahn, glitt ins Nächste Wellental, Die See sei "etwas rauh" meinte die Mannshaft, Die Untertreibung des Jahres! Denn jedes Mal wenn das Schiff ins nächste Wellental fiel konnte sein Magen seiner Kappe ganz genau erzählen wie es sich so am Gummiseil der Kehle schaukelte. Insgeheim dankte er Nathelia still für das medizinplätzchen und dem Seemann für den Ingwer, an dem er wie eine Biesamratte nun schin eine geraume Zeit er nagte.
Er versuchte sich so gut es ging am Niedergang in eine Ecke zu keilen und das bisschen frische Luft zu geniessen. Mit etwas Werkeleien udn einigen Gesprächen konnt er sich dann halbwegs ablenken.
Die Vögtin Nathelia Amelie selbst Hochwürden taten das Ihrige um jene glücklosen Gesellen wie den Zausel aufzuheitern. Und Cirmias hatte wohl bei Temora ein gutes Wort eingelegt. Denn die Damen schafften das sogar
UNd witklich als Das Gesicht des schmieden shon beinahe orkisch grün war, legte sich die elende Rollerei und sogar Frau Oberst war zum Singen aufgelegt. Der von der Besatzung ausgegebene Schnaps tat sein Übriges dazu, dass der Abend lebhafter wurde und der Magen sich beruhigte.
So tappte der Zausel dann gerädert und doch noch am Leben gen der heimeligen Hängematte.
Zuletzt geändert von Thancred Dynar am Montag 17. Juli 2017, 19:43, insgesamt 1-mal geändert.
Amelie von Salberg
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Beitrag von Amelie von Salberg »

Unruhig wälzte Amelie sich in ihrem Bett im Zelt hin und her. Was sie hier in Seefels an diesem einen Tag schon erlebt hatte, war wirklich schrecklich. Dass man sie als Nur-Bürgerin nicht besonders freundlich behandelte, das berührte sie eigentlich nicht, es war ihr schlichtweg egal. Es gab für sie alle nichts zu essen und Amelie begann sofort die Angel auszuwerfen und Fisch zu braten, Hochwürden Antorius und die Gardistin Kila Rabbe gaben noch ihre Vorräte dazu und so war sich Amelie sicher, dass sie bestimmt nicht Hunger leiden würden. Sie konnte sich in solchen Lebenslagen immer gut helfen, sie hatte schon so vieles erlebt, so leicht bekam niemand Amelie unter.
Ihre Tochter Nathelia marschierte drauflos die Insel zu erkunden und als Amelie nach einer Weile keine Rückmeldung von ihr bekam, machte sie sich unruhig auf die Suche nach ihr. Obwohl Nathelia immer dachte, auf Amelie aufpassen zu müssen, so war es in ihren Augen doch umgekehrt, ihre Tochter war für sie das Wichtigste.
So machte sie sich auf die Suche nach ihr, durchstreifte den Wald und kam an einen kleinen Bauernhof. Dort sah sie Taliara und Thancred im Gespräch mit einem Mann, der hier wohl wohnen dürfte.
Amelie blieb eine kurze Weile stehen und lauschte, und erschrak zutiefst. Wie ausgehungert der Mann aussah, er hat wohl schon sehr, sehr lange nichts mehr Ordentliches zu Essen bekommen.
Da bemerkte sie auch schon ihre Tochter, die ihr zurief, mitzukommen, und so folgte sie hastig.
Das kleine, ärmlich aussehende Haus des Bauernhofes wurde betreten und drinnen war eine kleine Familie, der Bauer, die Bäuerin und ein süsses, kleines Mädchen.
Aber man merkte auch ihnen an, dass sie grosse Not litten.
Nathelia untersuchte die kranke Frau und Amelie lief raus zu Thancred und Tali um zu fragen ob auch sie Speisen hätten zum beisteuern und so packten sie alles zusammen, was sie an Vorräten erhalten in ihren Taschen fanden und übergaben es der hungernden Familie. Inständig in der Hoffnung, dass auch Hochwürden Antorius und Kila damit einverstanden sein würden. Es war wohl alles was sie momanten tun konnten.
Amelie war zutiefst berührt von dem Schicksal der Menschen hier auf der Insel. Wie konnte jemand so etwas zulassen? Es war für sich einfach nur unfassbar.
Und...sie schämte sich, sie schämte sich dafür, dass es ihr so gut ging, dass sie nicht soviel Weitblick hatte, dass es im Lichten Reich Menschen gab, denen es viel, viel schlechter ging als ihr. Sie erhob sich ziemlich leise und ging ins Freie, ihren Seesack hinter sich herschleppend. Dann nahm sie die vielen viel zu edlen Kleider heraus und warf sie in eine Ecke.
Wie dumm konnte sie nur sein, das alles mitzuschleppen statt etwas für die Kinder und Erwachsenen dieser Insel. Wie kurzsichtig war sie nur?
Zum Glück hatte Nathelia Briefbögen dabei und sie ihr gestern bei der Schifffahrt übergeben. So setzte sie sich hin und schrieb hastig einen Brief nach Berchgard ans Handelshaus und einen nach Kronwalden zu Zahrak und Moira und bat in diesem um rasche Zusendung von ordentlicher Kleidung, Werkzeugen und haltbaren Speisen und Getränken nach Seefels.
Sorgfältig versiegelt und mit einem Stossgebet an Temora lief sie zum Hafen und überbrachte dem Maat den Brief mit der Bitte, doch rasch eine Möglichkeit zu finden, dass der Brief sehr eilig sei und schnell nach Lichtenthal gebracht werden müsste.
Nun einfach fest daran glauben, dass Temora keinen in Stich lassen würde!
Zuletzt geändert von Amelie von Salberg am Dienstag 18. Juli 2017, 19:09, insgesamt 2-mal geändert.
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Taliara Levar
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Beitrag von Taliara Levar »

Die Begrüßung auf der Insel...tja was gab es da zu sagen, wir das Volk wurden übersehen, ignoriert von diesem feisten Freiherrn, der über allem erhaben schien. Aber trügt nicht manchmal der Schein? Dieses voll gefressene Etwas schien sich für etwas besseres zu halten und wie sich später noch herausstellen sollte war es wohl an dem auch so.

Wir wurden also zu unserem behelfsmäßigen Lager aus Zelten geführt, eingepfercht zu in einem kleinen Zelt harrten Amelie, Nathelia, Kila und ich dann dort aus.

Der feiste Freiherr jedoch benahm sich äußerst zuvorkommend zum Adel, der Ritterschaft und den Kirchenleuten, sie wurden alle sehr zuvorkommend behandelt und zum Essen eingeladen, wir waren schlichtweg der Dreck unter seinen Füßen, so schien es zumindest. Und schon wurden uns Verbote um die Ohren gehauen, aber da kannte er das Lichtenthaler Volk schlecht. Das Lager darf nicht verlassen werden haltet Euch an die Regeln dann wird euch nichts geschehen. Behandelte man so Gäste? Unser aller Hälse schwollen zum zerbersten an. Auf unsere Frage hin nach Essen, wurden wir einfach überhört. Gut das ich mehr Essen als sonst etwas mitgenommen hatte, eine Angel hatten Amelie, Thancred auch dabei, also angelten wir uns unser Essen selbst. Sollte der Fettwanst doch an seinem Essen ersticken.

Etwas später nachdem wir sicher waren, das die Wachen anderweitig beschäftigt waren, machten wir uns, so schien es jedenfalls, unbemerkt auf die Insel trotz Verbotes zu erkunden. Das Lager der Faust war schnell ausgemacht, ebenso ein kleines Dorf mit armselig verhungert aussehenden Menschen darin. Nathelia kümmerte sich als erstes um eine kleine Familie, Lucien um einen wohl etwas misshandelten, wie ich so am Rande mitbekam.

Und dann grüßte mich Thancred mit Frau Vögtin, oh ich hätte aus der Haut fahren können als ich daraufhin die Reaktion der Metzgers sah, unterwürfig, voller Angst, seine Worte waren einstudiert und er zitterte am ganzen Leib. Meine Erklärungen schienen nicht zu helfen, das ich nichts besonderes war, lediglich eine Bäuerin die ein Lehen hilft zu verwalten. Die Angst wich nicht aus seinem Gesicht, ich konnte einfach sagen was ich wollte, ich steckte ihm etwas Essen zu, seine Augen weiteten sich als hätte er solch ein Essen schon ewig nimmer gesehen. Langsam wurde uns allen klar, ohne auch nur ein Wort darüber geredet zu haben, was hier auf der Insel passierte.

Hatte die Faust recht, gab es da jemanden der das Volk ausbeutete, hier bestimmt, jetzt galt es noch die Faust zu überzeugen, das es nicht von unserem Adel ausging und erst recht nicht von unserem König. Sie sollten sich doch mal diesen Fettwanst vorknöpfen, da würden sie wohl eher fündig werden, wenn sie seine Speisekammern kontrollierten.

Aber noch merkwürdiger wurde es, als ich Hochwürden Antorius mit einem doch sehr dunkelhäutigen reden sah, angeschlichen hatte ich mich und hoffte nicht bemerkt worden zu sein.

Später noch wurde bekannt, das noch andere gestrandete auf der Insel waren. Aber das genialste war Sir Heinrik, er hatte wohl mitbekommen wie man uns, das Volk behandelte, er verschwand plötzlich mit einem der Wachen, was sie redeten konnte ich nicht verstehen, lediglich das wilde gestikulieren der Wache und seinen mürrischen Gesichtsausdruck durfte ich freudestrahlend mit erleben und etwas später schleppte dieser unfreundliche Kerl von einem Wachmann eine Kiste herbei und stellte sie mit einem noch mürrischeren Blick gen Heinrik am Boden neben jenem ab.

" Wer Bier mag hier ist ne Kiste" am liebsten hätte ich lauthals drauf los gelacht, jedoch verkniff ich mir das lieber.

Was für eine sehr merkwürdige Insel, meine Kehle schnürte sich immer mehr zu und überall schien der Freiherr seine Spitzel zu haben. Denn schon bald wurde uns gesagt, das wir die Regeln gebrochen und das Lager verlassen hatten. Ohjee was war nur hier los, was wollte man vor uns verbergen.....
Zuletzt geändert von Taliara Levar am Dienstag 18. Juli 2017, 12:27, insgesamt 4-mal geändert.
Lucien de Mareaux

Beitrag von Lucien de Mareaux »

„Land in Sicht!“

Bei den Göttern, tat es gut frische Luft zu schnuppern und festen Boden unter den Füßen zu haben! Die Freude darüber hielt allerdings nur begrenzt lange an. Trotzdem, der erste Moment, der erste Schritt auf den Anlandungssteg war eine wahre Wonne. Der Empfang verlief sehr förmlich, was mich aber zu dem Zeitpunkt weder überraschte noch kümmerte. Wir wurden hiernach zu den Unterkünften gebracht, in ein kleines Zeltlager direkt vor der kleinen Festung derer von Seefels.
Es verwunderte mich genauso wenig, als die Geweihten und der Adel zum Essen geladen wurden, während der Rest einfach wortlos übergangen wurde. Der Bodensatz der Gesellschaft musste eben selbst sehen, wo er blieb. So war es doch meist und das Rad auch hier nicht neu erfunden werden. Für kurzweilige Erheiterung sorgte hierzu sorgte nur die Tatsache, dass es andere Mitreisende tatsächlich überraschte oder gar ärgerte, wie wir angesehen und behandelt wurden.
Eigentlich, so fand ich, hatten wir es noch gut getroffen, immerhin mussten wir nicht im freien Schlafen bei Wind und Wetter. Und wir hatten welche dabei, die sich aufs Kochen verstanden. Eine Angel hatten wir ebenfalls, also würden wir schon nicht verhungern.

Kaum dass die Wache des Freiherrn sich verzogen, tat ich selbiges – und nicht nur ich, wie ich später feststellte. Nach der Auskunft, wo sich das Lager der Faust aufhielt, strebte ich zunächst in diese Richtung davon, einfach um zu sehen, wie gut sie hier aufgestellt waren, und wie es sich um ihre Haltung bei diesen Menschen verhielt, die hier anzutreffen waren.
Es überraschte mich wenig, fast schon ähnliche Verhältnisse vorzufinden, wie in Junkersteyn. Das kleine Wasserdorf war besiedelt worden von der Faust. Dort tummelten sich in etwa genauso viele Streiter, wie in Junkersteyn, und der Unteroffizier, der mich begrüßt hatte, war ausnehmend höflich, gar freundlich, gleichwohl ich feststellte, ihm fehlte irgendwas, was ich bei oder in Alfred hatte finden können. Nicht, dass ich das in Worte fassen könnte, aber es war eben so ein kleines Gefühl, das sich regte. Die Einladung seitens des Unteroffiziers nahm ich mit und zog schließlich weiter.

 Ich hatte noch ein wenig Eiland vor mir, und fand so auch nach einer kleinen Weile das ziemlich armselige Dörfchen südlich an der Küste.
Hierher hatten sich offenbar auch die anderen ausgeladenen Gäste unserer Reisegesellschaft hin verirrt und waren schon emsig dabei mildtätiges Werk zu verrichten. Eine kranke Ziege, ein verletzter Dörfler, eine Frau, frisch aus dem Wochenbett, irgendwie bekam ich das Gefühl nicht los, dass es hier mehr als genug zu tun gab für uns alle. Sämtliche Dörfler schienen in einem generell ärmlichen, unterernährten Zustand zu sein. Und allgegenwärtig war die Angst vor dem Freiherrn. Wenn ich an den Rücken des Mannes dachte, den ich behandelt hatte, wunderte mich das gar nicht.
Als sie dann noch hörten, dass wir eine Vogtin unter uns hatten, fürchteten sie, sie müssten noch mehr Abgaben leisten. Dieser Mann schröpfte seine Untergebenen aus, wo er nur konnte. Auch das war keine Überraschung, wenn man sich den Gesamteindruck vor Augen führte.

Es trafen noch weitere Männer ein, einer davon hatte offenbar zu unserem Schmied schon näheren Kontakt aufgenommen, zumindest kannten sie sich dem Namen nach. Allerdings wirkten diese Kerle wesentlich selbstbewusster auf mich. Auch wirkten sie besser im Futter, wie man so schön sagt. Es fehlte auch die übliche Unterwürfigkeit, die Angst haftete nicht an ihnen. Für mich war eindeutig, dass sie entweder nicht von hier stammten oder vom Freiherrn protegiert wurden.
Gegen die zweite Annahme sprachen am Ende deren Aussagen von Schiffbruch, Handelsrouten erschließen und ähnlich seltsamen bis widersprüchlichen Dingen, die wir zu hören bekamen. Wohin wir sie stecken sollten, wussten wir indes nicht. Piraten? – Der ein oder andere hielt diese Leute für zu organisiert, um Piraten zu sein. Ich für meinen Teil widersprach im Stillen dem Eindruck, der den Piraten gegenüber geäußert wurde, denn diese Leute waren äußerst diszipliniert und organisiert, zumindest wenn es um die Seefahrt ging. Aber Piraten hatten eine andere Art sich auszudrücken, sich zu geben, sie waren einfach von einem ganz anderen Schlag als diese Männer, und die Frau, die ich gesehen hatte. Ich schon die Gedanken dazu dennoch erst einmal zur Seite.

Auf dem Rückweg zum Lager, zusammen mit dem Rekruten, wurden wir von einer Wache auf halber Strecke mitten im Wald aufgegabelt, wo wir erfuhren, dass wir das Lager gar nicht hätten verlassen sollen. Auch nicht überraschend, immerhin hatten wir so Dinge gesehen, die für die Leute auf dem Eiland hier sehr unbequem in den Verhandlungen werden konnten. Eine höfliche Entschuldigung, die Zusicherung direkt ins Lager zurückzukehren und das ausgedrückte Verständnis, dass hierüber Meldung zu machen wäre, später, kehrten wir dann auch schon im Lager ein. Genau passend und just kaum einen Moment vor den hohen Herrschaften.
Und natürlich ließ die Wache auch nicht lange auf sich warten. Die höfliche Nachfrage, ob die übrigen Gäste ebenfalls zu essen bekämen, wurde dann mit einer sehr deutlichen Antwort quittiert, die der Gardistin Gewitterwolken ins Gesicht trieb. Sonderbarerweise hinterließ die Aussage bei mir nur leise Erheiterung.
„Ihr seid nicht die Gäste des Freiherrn, Ihr seid Gäste dieser Marodeure…“ und danach verlor sich der Gute in wüste Beschimpfungen über die Faust und bemühte sich redlich zu verdeutlichen, dass er die, die die Faust bei den Verhandlungen sehen wollte, ebenfalls für Verräter hielt.
Allein an seinem Gebaren, seiner Haltung und anhand seiner Worte erahnte ich, dass dieser Wachhabende die Gunst des Freiherren genoss. Er war es vermutlich auch, der die Dörfler schlagen ließ, die nicht genug Abgaben entrichteten und nicht spurten. Meine Vermutung wurde sogar noch am gleichen Abend zumindest was die Gunst betraf bestätigt. Nun, ein Arschloch gewährte einem anderen Mann nicht seine Gunst, wenn der nicht bereit war mindestens ein genauso großer Drecksack zu sein. So lief das nun einmal in dieser Welt.

Später besuchte uns noch die Tochter des Freiherren im Lager. Sie wirkte aufrichtig, auch aufrichtig besorgt um die Dörfler, schien sich aber selbst auch für genauso machtlos zu halten. Eine gute Tochter stellte sich nicht offen gegen ihren Vater.
Da ich allerdings auch von Natur aus einen dezent misstrauischen Charakter besaß, könnte sie auch genauso gut ein Spitzel ihres Vaters sein. Ich erlaubte mir skeptisch zu bleiben, auch noch, als ich mich dann zum Zelt verzog, um wenigstens noch zwei Stunden vor Wachantritt zu schlafen.

Das war ohnehin leichter geplant als getan. Bei jedem Geräusch wachte ich wieder auf, so dass sich die zwei Stunden nicht sonderlich erholsam darstellten. Ich stand auf, bevor ich überhaupt geweckt werden konnte und trat leise wieder aus dem Zelt hinaus. Der erste Blick ging zu der Silhouette des Herrenhauses, die sich finster vor dem etwas helleren Nachthimmel abhob. Wir bewegten uns auf Neumond zu, so dass die Nächte nicht ganz so hell waren. Einzig ein paar Fackeln oder Laternen erleuchteten den Wehrgang.
Eigentlich juckte es mich ja, mir das Gebäude anzusehen, allerdings würde ich kein Risiko eingehen. Irgendwie hatte dieser Drecksack auch mitbekommen, dass ich bei der Faust gewesen war, obschon ich mir nahezu sicher war keinen von den Leuten des Freiherrns gesehen zu haben. Allerdings kannte ich nicht alle Gesichter und es war sicher leicht sich unter die Faust zu mischen, wenn man denn wollte. Und Magier hatten da noch ganz andere Möglichkeiten.
Stattdessen wandte ich mich der Wache zu, wobei ich mir erlaubte noch eins der Bierflaschen zu mopsen, die am Lagerfeuer hingestellt worden waren. Weizenbier aus Alrynes. Es mochte nichts bedeuten, oder aber auch ein Hinweis auf etwaige Verbindungen sein.
Mein misstrauischer und unruhiger Geist spann sich so seine Verschwörungstheorien zusammen, während ich mit meinem Rundgang begann und Keylon im Vorbeigehen zunickte, der mit mir zusammen Wachdienst schob.

Immerhin, an einem Punkt war ich doch ganz zufrieden mit mir. Ich hatte mir vorgenommen, mich möglichst vorbildlich vor den Gastgebern zu verhalten, und bislang waren mir kein grober Schnitzer unterlaufen. Das hoffte ich jedenfalls, und war mir dahingehend auch keiner Schuld bewusst. Ich sparte mir sogar meine Abneigung offen zur Schau zu tragen und verlegte mich auf freundlich Lächeln und ein netter Gesell zu sein.
Ich erkannte so ganz allmählich, in was für Schwierigkeiten wir wirklich steckten, vor allem die, die die Faust eingeladen hatte. Vermutlich war es sinnvoll Kriegsrat unter Bürgern zu halten. Äußerst sinnvoll. Hier war wirklich allerhöchste Vorsicht geboten, denn ich war mir sicher, dass wir sonst allzu schnell des Hochverrats angeklagt werden würden, und da wir uns nicht im eigenen Hoheitsgebiet befanden, konnte das auch schon mal ganz schnell den Kopf kosten. Verdammt, Alfred…
Wahrlich und wahrlich, jeder der zuhause geblieben war, konnte sich äußerst glücklich schätzen. Das was vor uns lag, war eine ordentliche Herausforderung. Nun, dann wollten wir mal sehen, dass wir unsere Hausaufgabe machten, anfangen mit einer ordentlich durchgeführten Wache, auf die ich mich nunmehr auch versuchte ganz und gar zu konzentrieren.
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Helisande von Alsted
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Beitrag von Helisande von Alsted »


Sie hatte sich auf die blaue und raue See gefreut, auf einen Himmel in ihrer Augenfarbe. Stürmisch, grau und gewaltvoll. Doch stattdessen wurde die kleine Reisegesellschaft unter Deck eingepfercht. Einnerungen an die Überfahrt nach Gerimor auf dem Seelenverkäufer vor Jahren sprangen sie an. Die Gedanken wurden zurück geschoben, weit weg hinter den Horizont. Es würde alles gut gehen.
Die Uniform lag sicher in ihrem Seesack verstaut, ebenso führte sie Waffen und andere Kampfausrüstung mit sich. Sicher ist sicher. Wobei Sicherheit ein schwankender Begriff war, nahezu eben so schwankend wie das Schiff auf dem sie reisten. Hinter ihr lagen nach den letzten Tagen recht fordernde Situationen, die sie noch nicht alle verarbeitet hatte. Ganz zu oberst unter ihrer Oberfläche noch die Verletzungen und Kratzer durch den Streit. Ein Streit, der geführt werden musste und von ihr selbst ausging. Der Schaden blieb dennoch und würde Zeit brauchen um sich als nicht ehebedrohlich zu erweisen. Er war ihr Gatte, der Kronritter und der Oberbefehlshaber der lichtenthaler Streitkräfte und er war schlicht in Sturheit und Starrheit gefangen. Auch wenn sie gegen die Befehle, die er aussprach kaum etwas würde tun können - es blieb ein Befehl.
Wie passend dass sie vergessen hatte dem Praeceptor diese Befehle weiter zureichen. Wie würde Lilian sagen? "Ups."
Die Faust stand gegen den König und hatte lichtenthaler Boden besetzt, was sie zu Besatzern machte. Natürlich konnte man ihnen weder Land überlassen, noch sie zum nächsten Herbstball einladen in dieser Situation. Aber es musste möglich sein zwei Heere, deren Soldaten vom Herumstehen schon kurze Beine bekamen sinnvoll zu beschäftigen. Ihre Taktik war eine einfache: Wir linksrum, die rechtsrum. Wir das weiche taktische Ziel, die Faust das harte taktische Ziel. Temora mit uns.
"Nicht solange ich hier Oberbefehlshaber bin. Bis Seine Majestät etwas anderes sagt, gilt die Faust als Feind und mit Feinden arbeite ich nicht zusammen."
Ihre Argumente, dass die Faustler als Alumenen in dieser Situation zwar Gegner seien, aber sicherlich keine Feinde verhallte in einem.
"Dann beantrage beim Kanzler doch meine Absetzung als Oberbefehlshaber!"

Helisande Senheit, Baronin von Gipfelsturm, Oberst des Lichtenthaler Regimentes und Ritter Alumenas mochte viel sein, wirklich viel aber sicherlich keine Verräterin. Allerdings durfte sich der Kronsturkopf noch anhören, dass er zu festgefahren, vorsichtig und stagnierend agierte. Lieber einen Ehestreit vom Zaun gebrochen als aus dem eigenen Herzen eine Mördergrube gemacht.
"Du wirst gehorchen, Frau Oberst."
Natürlich würde sie - auf die berühmte und bekannte senheitsche Art. Vor allem da es schon feststand, dass man nach Seefels würde reisen dürfen. Direkt am nächsten Tag wurden dem Oberstleutnant der Faust einige Mitteilungen gemacht und Abschied genommen. Beim Praeceptor würde dank der immensen Vergesslichkeit der Ritterin alles in guten Händen sein.

Die Überfahrt nach Seefels verlief bis auf einen kleinen Sturm und die üblchen Anfälle von Seekrankheit unspektakulär. Sir von Gipfelsturm lies sich zwar mehrere Mahlzeiten wieder durch den Kopf gehen und auch Lucien schien sehr nachdenklich gestimmt, doch der Rest hielt sich tapfer. Hochwürden Hohenain überbrückte das Schaukeln mit Liedern, Hochwürden Antorius verteilte großzügig Proviant und Sir Heinrik arbeitete an der Stabilisierung der diplomatischen Beziehung zu den Elfen. Insgesamt eine muntere Reisegesellschaft. Die Munterkeit und das Vertrauen in die Herrin der Mitreisenden wurde auch bei der Ankunft direkt auf eine harte Probe gestellt.

Der Freiherr von Seefels erwies sich als dominanter Despot. Er bildete den Mittelpunkt seiner Welt und seiner Insel, der Rest war nur Zierde. Ob es seiner Gattin gefiel eine hübsche Dekoration zu sein? Oder seiner Tochter passend verheiratet zu werden bei nächster Gelegenheit? Binnen dreier Atemzüge hatte sich die junge Baronin entschieden sich erstmal selbst als Beutestück und Dekoration zu präsentieren. Das um einiges jüngere Weib des Kronritters, das entweder schwieg oder im leichten Ton plauderte. So unbedarft in allem, dass sogar die kleinen Fallen, die sie bei Tisch gestellt hatte im Gespräch eher wie Versehen oder gar Anerkennung wirken mochten. Die Unterbringung in den Zelten war zweckmäßig, aber nicht üppig. Die Verpflegung war mäßig. Selbst bei dem gemeinsamen Abendessen im Herrenhaus gab es nur schlichte Kost und ihre mitgereisten Bürger erhielten gar nichts. Welch Glück hatte Hochwürden Antorius Proviant dabei und die Damen Salberg und Levar verstanden sich aufs Fischen und Kochen.
An der adligen Tafel gab es außer den einfachen Speisen eine ganz und gar nicht einfache Konstellation in der Familie zu beobachten. Die Tochter wirkte gebildet und war offensichtlich an einem größeren Hof in Benimm unterwiesen worden. Die Freifrau wirkte die meiste Zeit versteinert. Der Freiherr wirkte bemüht jovial und hielt die Fäden der Konversation fest in der Hand. In Lichtenthal würde dies die Hausherrin, sofern es eine gab, als ihre Aufgabe ansehen mit jedem Gast ein wenig zu plaudern und auch die Tochter ermuntern sich mit den jüngeren der Gäste zu unterhalten.
Schweigen.
Nur auf Aufforderung durch den Freiherren einige Worte oder bei direkter Ansprache.
Gesenkte Blick.
Gruselig.

Noch gruseliger waren die Erkenntnisse, die der Sack Flöhe vorzuweisen hatte. Natürlich waren die Bürger und Regimentler ausgeschwärmt und hatten sich umgesehen und Kontakt mit Bewohnern aufgenommen. Gardist Rabbe und Rekrut Flammenschlag hatten gekonnt die Aufmerksamkeit der Seefelser Wachen gebunden um den Bürgern den Weg frei zu machen. Auf Lichtenthaler war einfach Verlass, egal welchen Standes.
Die Bevölkerung Seefelsens wurde offensichtlich ausgebeutet und misshandelt. Die Gemeinen unterernährt, der Freiherr fett. Aber genug Gold für sehr teure Pferde und eine eigene Zucht war vorhanden.
Ihr Gatte war schon zur Ruhe gegangen, jedoch erwies sich die Lage in Seefels - abgesehen von der Faustproblematik - als ein Fall für den Kronritter. Dieses Treiben des Freiherren, sofern es sich erhärten lies war eine Handlung, die sich für Adel nicht ziemte.

Dann war da noch der Säugling im Lager der Faust, den Fräulein Nathelia untersuchen wollte. Wenn möglich würde sie die junge Heilerin begleiten. Seefels war ein denkbar ungünstiger Ort für Verandlungen mit der Faust. Hier zeigte sich das hässliche Gesicht des alumenischen Adels. Wasser auf die Mühlen der Faust, man konnte es drehen wie man wollte. Seine Majestät würde auch nicht persönlich kommen, sondern einen Greifenhainer Diplomaten schicken, was sicherlich noch mehr Konflikt hervorrufen würde.
Die Frage, die sich ihr jetzt stellte, war wie sie ihre eigenen Bürger schützen konnte auf dieser Insel. Das war ihre Aufgabe, sich um die Ungereimtheiten hier zu kümmern, war die Aufgabe ihres Gatten. Er war zu gerecht und mitfühlend um hier auch in Stagnation und Duldung zu versinken. Ausbeutung, Misshandlung und persönliche Bereicherung verstieß gegen alle Grundideale Seiner Majestät. Dieses Wissen hatte sie aus erster Hand und würde jederzeit dafür eintreten.

Für das Erste würde ein Befehl reichen müssen. "Niemand bewegt sich hier noch allein oder unbewaffnet." Wachen wurden eingeteilt. Gebete gesprochen. Trotz aller Sorge und Aufregung und der Notwendigkeit präsent und haltgebend sein zu müssen, liefen die Überlegungen hinter der blassen Stirn auf schneller als der Flug eines Mauerseglers. Wie könnte man einen Brief nach Lichtenthal bringen von hier aus und das zügig? Wie nur?


Keinen Stand beanspruchen,
auf Kosten der anderen besonders
bevorzugt zu werden. Des Landesherrn
Aufgabe ist es, die Interessen
aller Stände gegeneinander abzuwägen
und miteinander zu vermitteln, damit
as allgemeine Interesse
des großen Vaterlandes dabei gewahrt bleibe.


Wilhelm II.
(1859 - 1941), letzter deutscher Kaiser und preußischer König von 1888 bis 1918
Nathelia Salberg

Beitrag von Nathelia Salberg »

Die Schiffsreise war, bis auf den Sturm für die junge Heilerin eigentlich recht angenehm. Als der Sturm böse tobte, betete sie fortwährend um Temoras Schutz, dass das Schiff nicht untergehen möge. Sie konnte immer noch nicht schwimmen, weil sie sich bisher immer geweigert hatte es zu lernen. Auch ihr Freund bot es ihr in den letzten Jahren mehrfach an, aber sie hatte es einfach nicht als wichtig empfunden. Bis zum Zeitpunkt auf dem Schiff und dem Sturm. Sie hatte sogar angeboten, das Schwimmen auf Gerimor sofort zu lernen wenn sie nur wieder heil ankäme. Aber vielleicht würde sie das dort auch einfach wieder vergessen. In der restlichen Zeit kümmerte sie sich um die Seekranken und sprach mit dem Maat oder verteilte Ingwerschnitze die sie gereicht bekam.

Wie jeder andere war auch sie dann froh, endlich an Land zu sein und sie betrachtete den Adel der sie empfing noch mit Neugier und Freundlichkeit, ehe sie die Insel auf Befehl hin erkundete. Das was sich ihr dort bot, liess das Herz der jungen Frau sehr schmerzen. Die Menschen hatten große Angst. So große Angst, dass sie erst nicht mit ihr sprechen wollten. Sie hatten Angst vor der freundlichen ehrlichen Hilfe die sie ihnen anbot und sie hatten Angst für alles was Nathelia ihnen gab, bestraft zu werden.

Bemüht darum, den Kummer, der Leute, der sich stetig mehr und mehr in ihr ansammelte, zu sehr zu zeigen, machte sie einfach ihre Arbeit. Angefangen bei einer Ziege, die eine wichtige Milchquelle war, bishin zu einem der Bauern der mehrfach geschlagen worden war, aber nur eine erfundene Geschichte erzählte. Als Lucien diesen Mann dann versorgte ging sie in eine der anderen Hütte zu einer Familie die noch ängstlicher war. Und einer Frau die vor zwei Mondläufen ein Kind geboren hatte, es jedoch vor lauter Unterernährung nicht schaffte das Kind zu versorgen und es abgeben musste. Die Mutter klagte noch über Bauchschmerzen, auch nach den zwei Mondläufen, doch lag es nicht an der Niederkunft sondern allein an der Tatsache, dass sie hungerte. Nathelia konnte die Frau dazu bringen, sich von ihr untersuchen zu lassen. Sie war sehr ausgemergelt, hatte keinen Milchfluss mehr und wie hätte sie da noch einen Säugling versorgen können? Nathelia half mit ihrer Mutter gemeinsam all diesen Leuten, so gut sie konnten. Sie untersuchte und versorgte sie mit allem, was sie bei sich hatten und mit aller Hilfe die sie geben konnten, an diesem ersten Tage. Nathelia gab der verzweifelten Frau auch das Versprechen, nach dem Säugling zu sehen, das laut der Mutter deutlich schwach gewesen sei. Und sie versprach es zu versorgen, sodass Mutter und Kind vielleicht endlich wieder vereint werden konnten.

Nathelia war sehr froh ihre eigene Mutter die ganze Zeit an ihrer Seite bei sich zu haben. Sie schenkte ihr allein schon durch ihre Anwesenheit Kraft, all das durchzustehen und die Traurigkeit über die Situation der Seefelser Bürger zu unterdrücken. Taliara wurde hinzugebeten und sie konnte die Familie mit einer ordenlichen Mahlzeit versorgen. Medizin und Seife schenkte Nathelia der Familie ebenfalls und alles wurde dankbar aber leider auch mit Angst im Blick entgegen genommen. Alle versprachen sie den Bürgern dem Freiherren von Seefels nichts zu sagen und das sie sich nicht zu sorgen brauchten, dass einer von ihnen sie verraten würde. Nathelia erklärte noch, das die Bürger die Sachen die sie bekommen hatten, verstecken sollten. Würde einer der Wachen entdecken was sie alles bekommen hatten, würde es sicher wieder mehr Striemen auf den Rücken der Bürger geben.

Als Nathelia mit ihrer Mutter das kleine Dorf und den Hof verliess, war ihr zum weinen zumute. Ihrer Mutter ging es ähnlich. Sie trösteten sich gegenseitig und Nathelia erstattete Lucien Bericht. Die Traurigkeit blieb noch lange in der jungen Heilerin haften. Die Bürger erklärten ihr, das sie noch nie einen Priester gesehen hatten, oder jemanden der ihnen half, sie hatten noch nie irgendeine Hilfe bekommen, ehrliche Hilfe ohne Gegenleistung. Sie hatten alle für wichtige Leute gehalten die Abgaben wollten, die sie nicht leisten konnten und Nathelia musste ihnen mehrfach erklären, dass sie auch nur eine einfache Heilerin war und nur weil sie in anderen Farben gekleidet waren oder Rüstungen trugen, nicht wichtiger waren als diese Bürger. Diese Angst der Leute machte Nathelia nicht nur traurig sondern auch wütend. Doch sie durfte darüber nicht allzuviel nachdenken, weil sie sonst Fehler machen würde. Als sie am Feuer stand und darüber nachdachte, hätte sie die Verantwortung am liebsten einfach abgegeben, an jemanden der ales wieder hinbog. Der hinbog, dass es den Bürgern sofort und auf Dauer besser gehen würde. Sie erzählte Helisande von dem Auftrag und sie bot ihr an, sie am nächsten Abend zur Faust zu begleiten. Auch Sir Ernst würde am Folgetag ins Lager der Faust müssen, erklärte er ihr, als sie ihm in seine Rüstung half. Mal sehen wer sie am Ende begleiteten konnte. Insgeheim hoffte Nathelia, dass es den Bürgern bei der Faust besser erging, als im eigenen Haus und Lehen unter der Knechtschaft des fiesen Freiherren.

Viel Schlaf fand sie in der Nacht nicht, doch reichte es aus um den nächsten Tag zu bestreiten. Sie hatte einige Blüten gesammelt und Kräuter für Medizin. Jedes kleine bisschen half und sie hatte auch noch Sir Ernst versprochen, den Impftrank ein wenig geschmackvoller zu machen. Ansonsten blieb sie in der Nähe des Lagers und schob aufmerksam Wache wie die meisten, seit dem ersten Tage. Denn abgesehen von dem Elend der Bürger der Insel war da noch etwas anderes, das auf der Insel, das Unbehagen auslöste. Auch wenn man dies noch nicht genau in Worte kleiden konnte, wusste jeder: Auf Seefels war höchste Vorsicht geboten.
Johanna Hohenhain

Beitrag von Johanna Hohenhain »

  • Die Reise war für alle zehrend und viele Worte mussten über die Umstände nicht mehr verloren werden. Nein, Johanna war es von Geburt an nicht gewohnt gewesen unter solchen Umständen zu reisen, noch hatte sie je eine Nacht eingepfercht mit einer Gruppe verbracht, die zu dreiviertel über einem Eimer oder einer Schüssel hing. Die Tugenden des ritterlichen Kodex ließen es jedoch nicht zu, dass sie sich vor den Augen anderer entmutigen ließ und Temora war ihr gnädig, schenkte ihr einen starken Magen, der die Übelkeit unter Kontrolle hielt. Gebete, Zuversicht, Fürsorge und Ablenkung stellten sie selbst in den Hintergrund – und es war gut so, denn andere brachten dafür die Kraft nicht auf.
    Die Insel selbst war beschaulich und erinnerte die Priesterin zunehmens an Grauklipp, das sie viele Jahre zusammen mit ihrem Mann verwaltet hatte. Vermutlich war es das, diese Erfahrung, warum sie einen anderen Blickwinkel auf das Gesamtkonstrukt warf. Auch in Grauklipp gab es Fischereien, von denen man leben, aber nicht reich werden konnte. Es war die Schafszucht gewesen, das kostbare Fleisch der Deichlämmer und die reichen Batzen an Wolle, die ihrem Lehen den Ertrag brachten. Fruchtbares Marschland. Woran jedoch der Freiherr von Seefels verdiente blieb noch unersichtlich und wurde am ersten Tage nicht aufgelöst. Da ihr Zeltmitbewohner wenig entscheidungsfreudig war, kümmerte sie sich zunächst um die Verteilung der Klosterwache und traf entsprechende Absprachen mit Lucien, der im und am Zelt der Priesterschaft bleiben sollte. Es dauerte nicht lang, bis die Leibwache des Freiherrn die hohe Gesellschaft ins Anwesen bat und dabei doch recht abwertend mit dem Bürgertum verfuhr. Es war eine Art an ihm, die seinen Herrn wiederspiegelte, und entsprechend unwohl und unbehaglich war es ihr diesem Treffen beizuwohnen. Aber an ihr war es nicht am ersten Abend für Unruhe zu sorgen. Johanna hatte sich entschieden demonstrativ das Ornat der Priesterschaft einem Abendkleid vorzuziehen, gab sich jedoch allen erlernten und praktizierten Konventionen hin. Geleitet am Arm von Sir Ernst fand sie an der Seite der Tafel einen Platz, verfolgte die Konversationen und merkte auch alsbald, wer der Ritterschaft ihrer vertraut war und wer sich schwer damit tat. Der Freiherr suchte und nahm sich sehr viel Raum für Präsenz und Selbstdarstellung, gepaart mit höflichen Fragen, die doch auch dem selbigen dienten. Er empfand Ablehnung gegenüber Eirensee und der goldenen Faust, betonte die tiefe Gläubigkeit der Inselbewohner und schwärmte von seinem Pferdegestüt. Ohne Fettnäpfchen blieb es jedoch nicht. Vermutlich ohne es zu wissen war die Vielzahl der lichtenthaler Adeligen bürgerlich geboren. Seine Frau und Tochter hingegen blieben sehr still, zurückhaltend, neben seinem wuchtigen Leib und seiner präsenten Stimme nicht mehr als steife Randfiguren.
    Johanna war der Greifenhainer Wein aufgefallen, kostbare Tropfen, aber das Essen war sehr einfach: Graupensuppe und Fisch.
    Während der Freiherr möglichst geschickt durch diverse Anmerkungen zu verschleiern versuchte, dass er es nicht wünschte, wenn die Besucher sich auf der Insel bewegten, konnte er Johanna die angekündigten Besuche bei seinem Volk nicht verwehren. Und sie hatte vor das am nächsten Tag einzulösen.
    Ihr unbestimmtes Gefühl bestätigte sich bei Nacht, als Lucien ihr von dem hungernden, gebeutelten Volk erzählte, und von der Faust, die sich eines kranken Kindes annahm.
    Was hatte sie sich in den letzten Wochen und Monaten den Mund fusselig geredet im Versuch diese anhaltenden Konflikte zwischen Lichtenthal und der Faust aufzuklären und auch die Situationen verständlich zu machen. Ein Nicken, ein Zustimmen und dann wurde doch anders entschieden, anders gesprochen, anders gehandelt. Vielleicht sollte das hier herrschende Unglück eine Art Fügung sein, um denen, die es sich im Herzogtum Lichtenthal gut ergingen ließen zu zeigen, wie Ohnmacht, Hunger und Leid aussahen und sich anfühlten. Das gleiche sollte für die Abgesandten des Königs gelten. Vielleicht würden sie dann auch diesen Funken spüren, den die Faust dazu getrieben hatte aufzubegehren und das, was man nur hörte, Realität werden zu lassen. Temora sah und sie fügte. Und so eine Realität sollte nicht bestehen bleiben.
Zuletzt geändert von Johanna Hohenhain am Dienstag 18. Juli 2017, 17:03, insgesamt 1-mal geändert.
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