*Nach dem Mittagsgeläut wird er ein Schreiben an den Wachhabenden der
Faustler nahe der Kutschstation zu Junkernsteyn abgeben. Es wird die Bitte
geäußert es dem Herrn Oberst Aren von Sturmpass zu überbringen.*
"Der Herrin Segen mit euch, Herr Oberst von Sturmpass.
Ich ersuche euch um die Möglichkeit ein Gespräch mit den Geweihten der
Herrin in eurem Lager zu führen und um auf diese Weise einen regen
Austausch stattfinden zu lassen.
Angeregt wurde jenes von der Geweihtenschaft des Klosters zu
Schwingenstein.
Ich hoffe jener Wunsch von meiner Seite, als ein Abgesandter des
Klosters zu Schwingenstein und ein Diener der Herrin finden eure
Zustimmung.
So bedanke ich mich im Voraus für eine rasche Antwort und möge die
Herrin euch behüten und leiten.
gez.
Priester der Herrin Temora"
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Zuletzt geändert von Antorius am Samstag 3. Juni 2017, 13:44, insgesamt 1-mal geändert.
"Der Adler fliegt allein, der Rabe scharenweise;
Gesellschaft braucht der Tor, und Einsamkeit der Weise."
Friedrich Rückert
Ein Zwischenspiel Eirensee, Königliches Heerlager...
Die kleine, auf einer Anhöhe gelegene Wehrburg, die nur über einen schmalen, sich windenden Pfad zu erreichen war, und die Vielzahl sich rundum an den Fuß des Hügels anschmiegender, mit bunten Bannern und Fahnen geschmückter Zelte, zwischen denen Pferde grasten und Soldaten in der Mittagshitze dösten, boten dem Auge einen beinahe malerischen Anblick. Zwischen Burg und Lager war ein reger Pendelverkehr zu beobachten und es verging kaum eine Stunde, in der sich nicht irgendein Reiter den verschlungenen Weg empor kämpfte oder eine kleine Gruppe von Personen von der Anhöhe aus in Richtung des Lagers aufbrach.
Die Burganlage selbst war von beschaulichen Ausmaßen und hatte außer dem Bergfried, einem befestigten Wohnhaus sowie einem kleinen Wirtschaftsgebäude, die sich fließend in die umgebende Burgmauer fügten, wenig zu bieten. Die zwischen den Steinen des gepflasterten Innenhofes hoch empor schießenden Gräser und der grüne Moosbesatz in den feuchten Ritzen der Mauerwände verrieten, dass die Anlage in den letzten Jahren wenig genutzt worden war und die neuen Bewohner noch keine Gelegenheit gefunden hatten, dem Ort ihr eigenes Gepräge zu geben. Im Winkel des Burgfrieds hatten die Bediensteten einen roten Baldachin gespannt. Ein schlichter Reisethron in Rotgold sowie eine Garnitur an Stühlen und Hockern boten ausreichend Platz für König, Beraterstab und etwaige Gäste, die Seine Majestät, sofern das Wetter es erlaubte, bevorzugt im Freien empfing, vielleicht um dem Charakter des Feldlagers und den besonderen Umständen des Aufeinandertreffens Rechnung zu tragen.
Augenblicklich befanden sich Seine Majestät im Gespräch - oder besser gesagt in einer leicht hitzigen Debatte - mit einem jungen blonden Mann, dessen scharf geschnittene Gesichtszüge die adlige Herkunft nur schwer verbargen, und dessen mit Kerben und Schrammen gezierter Küriss den Eindruck erweckte, er sei direkt aus einer nahen Schlacht zur Audienz geeilt, zumal er den Mantelhelm mit heruntergeklapptem Faltenvisier noch unter dem Arm trug, als rechne er jederzeit damit, den Kriegsakt an Ort und Stelle fortsetzen zu müssen.
"Ich fürchte, ich verstehe Euren Punkt nicht ganz, Christoph", erklang die ungehaltene Stimme des Königs, "Euer Vater möchte von UNS wissen, wie sich die Lage derart entwickeln konnte? Wenn ich mich recht entsinne, dann ist es Euer Vater gewesen, der mit seinem überhasteten Angriff auf Rabenau die Eskalation erst provoziert hat?" - "Mit allem Respekt, Euer Majestät", erwiderte der junge Mann mit angespannter Miene, "aber Rabenau hätte schon vor Jahren fallen müssen. Das Königreich wird niemals vollständig genesen, wenn wir jedes verborgene Geschwür im Stillen wuchern lassen, weil wir nicht den Mut aufbringen, es zu entfernen. Die Besetzung Lichtenthals, der Aufruf zum Widerstand gegen die Krone und der feige Mord an Eichward von Falkentann waren Grund genug."
Mit etwas süffisanter Stimme erhob da ein etwas älterer, dunkelhaariger Mann, der in einen aufwändig verzierten goldenen Kürass gekleidet war und bisher nicht in das Gespräch eingegriffen hatte, das Wort. "Eine interessante Herleitung, Durchlaucht. Klärt mich doch bitte auf: Seit wann interessiert sich das Herzogtum Alrynes so brennend für das Schicksal Lichtenthals? Ist es nicht sogar Euer Vater gewesen, der die Verlegung des Hofes nach Lichtenthal als 'größten Fehler in der Geschichte Alumenas' bezeichnet hat?" Kaum waren die Worte gesprochen, verstummten schlagartig alle anderen Gespräche, die im Beraterstab bis dahin geführt worden waren. Der junge Adlige bedachte den Sprecher mit einem unterkühlten Blick. "Ich hatte übersehen, dass Seine Majestät Besuch aus dem hohen Norden haben. Ich nehme an, Hochwohlgeboren haben Seine Majestät bereits mit silberner Zunge davon überzeugt, dass ein Eingreifen Winterfalls und Aschenfelds zu diesem Zeitpunkt gänzlich undenkbar ist, auch wenn man diesen Umstand selbstverständlich außerordentlich bedauert?" Eine gewisse Zornesröte stieg dem Brüskierten ins Gesicht. "Ich verbitte mir solche Respektlosigkeit!", erwiderte er energisch, "Haben Durchlaucht vergessen, mit welchem Gold die Reichskassen gefüllt sind, aus denen Eure Kriegsabenteuer bezahlt werden?" Der junge Mann verzog auf die Replik hin verächtlich die Lippen und betrachtete sein Gegenüber mit einer solchen Geringschätzung, dass dieser vor Empörung eine fast purpurne Farbe annahm. "Da Euresgleichen bei jeder Gelegenheit darauf hinweisen, fällt es schwer solche Dinge außer Acht zu lassen, Hochwohlgeboren", intonierte er dann mit ungewöhnlich scharfer Stimme, "Ich verspreche Euch, dass sich das Haus Alrynes äußerst genau daran erinnert, wer Seine Dienste am Reich in Gold entschuldet und wer seinen Tribut in Blut zollt. Ich hoffe Ihr kommt nicht in die Verlegenheit, Eure Paraderüstung beschmutzen zu müssen. Es wäre ein trauriger Anblick, Euch wie einen goldenen Käfer auf dem Rücken liegen zu sehen."
"GENUG JETZT, Christoph! Ihr ebenfalls, Baron! Ich dulde keine weiteren Provokationen!" Mit einem kräftigen Faustschlag brachte der König die Gläser und Becher auf einem kleinen Beistelltisch zu Fall und fixierte die beiden Männer mit solcher Strenge, dass diesen, in leichte Verlegenheit geraten, nichts anderes blieb als ihren Blick zu senken. "Baron, Ihr seid entschuldigt", fuhr der König mit gemäßigterer Stimme fort und wies auch die restliche Gesellschaft mit einem ungeduldigen Handwink an: "Ihr alle, lasst mich mit Seiner Durchlaucht allein."
"Ich bitte um Euer Majestät Nachsicht, es war nicht meine Absicht abzuschweifen", erhob der junge Mann wiederum die Stimme, nachdem sich der restliche Hofstaat in aller Eile zurückgezogen hatte. "Mein Vater ist selbstverständlich nicht überrascht, dass Carisan erneut sein verräterisches Naturell bewiesen hat, und wir sehen ein, dass er sich durch unser Vorgehen herausgefordert gefühlt hat. Ich bin völlig überzeugt, dass die Hexe, wäre sie uns in die Hände gegangen, nicht gezögert hätte, die Mitwirkung des Herzogs an den Plänen zur Ermordung meiner Schwester zu gestehen. Leider findet eine alte Ratte immer ein Loch, in dem sie sich verstecken kann. All das erklärt jedoch nicht, weshalb wir uns in Eirensee mit einer offenen Rebellion konfrontiert sehen. Die Viktorianer haben keine Höfe geplündert und keine Mühle niedergebrannt, trotzdem sehen wir uns von allen Seiten angegriffen. Wären wir frühzeitiger unterrichtet worden, dass der Eirenseer Adel ein solch miserables Regiment führt, hätten wir einen anderen Weg gewählt, um die Hexe zu stellen. Mein Vater verlangt zu erfahren, wer für diese Zustände verantwortlich zu machen ist und welche Lösung Seine Majestät für diese Lage vorsehen?"
"Ich entnehme Euren Worten, Christoph, dass ich Zeuge eines der seltenen Augenblicke werde, in denen Euer Vater nicht der Ansicht ist, die Lösung für alle Probleme Alumenas' bereits zu kennen?" Der junge Mann geriet ins Stocken ob der durchaus zutreffenden Charakterisierung seines Vaters, die ihn auf dem falschen Fuß erwischt hatte. "Die Viktorianer werden sich der Sache selbstverständlich annehmen und die Söldner Schwarzwassers zurück in die Grotten und Höhlen treiben, aus denen sie gekrochen sind. Aber solange die Seeblockade gegenüber Nharam und Gerimor aufrecht erhalten wird und die Bevölkerung rebelliert, können die Truppen nur unzureichend versorgt werden." Der König bedachte diese Worte mit einem zustimmenden Nicken: "Und die Dinge könnten weit einfacher sein, wenn Euer Vater dem Herzog von Schwarzwasser nicht eine so offene Einladung ausgesprochen hätte, sich in die Angelegenheiten Eirensees und Greifenhains einzumischen."
Mit schmalen Lippen betrachtete der junge Erbe des Hauses Alrynes seinen König. "Ich will nicht spitzfindig sein, Euer Majestät, aber wenn ich richtig unterrichtet bin, haben sowohl Andurion als auch Anselm Euch wärmstens empfohlen, eine engere Bindung Dorwachts an die Krone in Erwägung zu ziehen und in diesem Zuge Himmelsfels zu einem weiteren Standort der Kriegsflotte auszubauen. Es wurde immer als äußerst riskant angesehen, die Flotte weitgehend im Einflussbereich eines bekannten Verräters zu belassen." - "Ein Vorwurf gegenüber Carisan, für den Euer Vater weiterhin einen Beweis schuldig ist. Vergesst das nicht, Christoph", erinnerte der König mahnenden Blickes. "Mein Vater wird den Beweis finden. Und wenn es das letzte ist, was er tut. Darauf können sich Seine Majestät verlassen." Mit einem leisen Seufzer lehnte sich der König in seinen Reisethron zurück. "Das ist es ja, was ich befürchte, Christoph."
Bevor die beiden Gesprächspartner ihre Debatte fortsetzen konnten, platzte ein Dienstbote recht aufgeregt in die Auseinandersetzung. "Majestät! Durchlaucht! Nachricht aus Lichtenthal, wir haben Nachricht aus Lichtenthal...", keuchte er schnaufend und völlig erschöpft hervor. Und beide Männer staunten nicht schlecht, als kurz darauf Alfaran Eibenbruch, der Verwalter des Konzils, aus dem Schatten des Burgfrieds trat. Nicht eine einzige Schweißperle stand auf der Stirn des alten Mannes, als hätte er den ganzen Weg friedlich schwebend auf einer Wolke zurückgelegt.
Wacht und Wehr Temoras mit Euch Volk des Herzogtums!
Nach wie vor steht der Krieg vor unserer Haustür und für viele von uns ist bereits über die Schwelle getreten. Das Regiment der Faust unter dem Befehl Oberst a.D. Arens von Sturmpass hält Junkersteyn und damit den größten Teil der Grafschaft Tiefenberg in seiner goldenen Faust umklammert.
Treu und tapfer halten die Truppen des Herzogtums, unterstützt durch Euch alle ihre Stellungen an der Brücke von Junkersteyn und schöpfen dringend benötigte Kraft während des anhaltenden Waffenstillstandes.
Wir alle waren überrascht zu erfahren, gegen wen wir da eigentlich kämpfen. Es sind nicht die Diener des Brudermörders oder die Seelenfledderer Krathors, die uns heimsuchten, sondern unsere eigenen Landsleute. Teils aus Eirensee, teils aus anderen Orten Alumenas´ haben sie sich unter einem Banner zusammengeschart um das Herzogtum unter ihre Kontrolle zu bringen. Sollten wir kapitulieren, so können die Würdenträger ihre Posten behalten, mit einer Ausnahme soll es keine Standgerichte geben.
Es schmerzt uns tief in Herz und Seele, gegen die eigenen Brüder und Schwestern in Volk und Glaube antreten zu müssen. Doch haben wir den Krieg nicht begonnen, wir haben nicht darum ersucht, in unserer Heimat, die schwer genug daran zu tragen hat, Rahal in Schach zu halten, von unseren eigenen Leuten angegriffen zu werden. Doch genau dies ist passiert. Man wirft uns vor, wir wären nicht entschlossen genug mit Rahal. Man hält uns für schwach. Ja manche von uns sollen gar mit Rahal selbst im Bunde stellen, so wie man es mir vorwirft.
Es ist im höchsten Maße anerkennswert, dass diese Leute für ihre Familien, ihre Heimat und das undankbare Los, das ihnen beschieden ward in den Kampf ziehen wollen. Es ist lobenswert, dass sie den Verlust von Menschenleben so weit begrenzten, wie ihnen das möglich war. Es findet unsere größte Zustimmung, das ihr Regime auf Ehre und nicht auf Terror aufgebaut ist.
Und dennoch ist dies hier unsere Heimat. Wo sollen wir hin? Wem sollen wir in die Augen blicken, wenn wir, weil es einmal schwer für uns wird sie zu halten, die Eide die wir geschworen haben brechen? Viele von uns stehen mit Eid und Schwert vor einer unlösbaren Forderung. Wir sind keine Verräter, egal was man uns vorwirft und wir stehen zu Ador, unserem rechtmäßigen König.
Waffengewalt vermag vielleicht uns zu schlagen uns auf die Knie zu zwingen und zu unterwerfen, doch alle Ansinnen des Regiments der Faust werden dadurch nicht zu erreichen sein, aus welch herem Ideal sie auch entstanden sein mögen. Noch nie in der Geschichte von Alumenas hat Waffengewalt oder der gewaltsame Niedergang gegen unsere Königinnen und Könige etwas anderes produziert als weitere Gewalt und mehr Leid, das auf den Schultern abgeladen wird, die doch eigentlich befreit werden sollen. Und wer mir nicht glaubt, der entsinne sich daran was Alatars Schicksal war, als er Getares erschlug, weil er diesem seine Bestimmung neidete. Daraus erwächst nie etwas gutes!
Ihr treuen Bewohner unseres Herzogtums, lasst Euch gesagt sein, welchen Stolz wir empfinden auf all Eure bisherigen Anstrengungen. Selten sah man so engagierte und selbstlose Bürger, Leute die nicht des Königs Rock, den Panzer eines Ritters oder das Gewand eines Magiers tragen, welche dennoch zur Verteidigung ihrer Heimat an der Front oder dahinter so tatkräftig unterstützten. Egal wie das hier ausgehen mag, dieses Euer Opfer wird nicht vergessen werden! Und eure Hilfe und Kraft werden wir in der kommenden Zeit noch dringender denn je benötigen.
Diejnigen von Euch, die von Unsicherheit geplagt werden und sich fragen wie es weitergeht: Seid eingeladen, am morgigen Tage eine Viertelstunde nach der Achten auf dem Appellplatz des Regimentes in Adoran zu erscheinen. Dort wird man Euch und Euren Fragen, Sorgen und Nöten Rede und Antwort stehen.
Im Namen des Adels von Lichtenthal und persönlicher tiefer Dankbarkeit Eurer Tugenden
-Freiherr von Kronwalden-
*Das persönliche Siegel des Freiherren ziert die Botschaft*
OOC: Montag, 05.06.2017 Frage-/Antwortstunde auf dem Appelplatz Adoran, 20:15 Uhr
Es blieb dabei.
Keylon konnte sich nicht mit diesem ... „Krieg“ abfinden.
Bruder gegen Bruder ? Sie glaubten doch alle an Temora. Sie wollten doch alle nur das Selbe, das Volk schützen.
Aber genau das war ja der Ansporn der Faust. In ihrem Herzogtum stimmte es nicht mehr.
Der Adel sollte das Volk ausbeuten, hieß es, und wenn es so wäre? Wie würde er handeln?
Die Gesetzte waren klar definiert.
§2. Gesetze den Adel betreffend:
§2.1 Der König/die Königin steht über allem.
Durch diese gefällte Entscheidungen sind nicht anzuzweifeln.
§2.2 Es ist verboten die Königsfamilie oder den Adel durch Wort oder Tat zu beleidigen noch ihren Widersachern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.
§2.3 Die Lehensinhaber gelten als örtliche Vertreter des Königs in ihren Ländereien. Von ihnen getroffene Entscheidungen können nur von ihnen oder den ihnen jeweils übergeordneten Lehnsherren rückgängig gemacht werden.
§3.1 Den Anweisungen des Adels, den Reichstruppen, sowie den hierzu durch den Lehnsherrn ermächtigten Personen ist unmittelbar Folge zu leisten, sofern sie überprüfbar dem Schutz des Reiches und seiner Bürger dienen. Eine solche Weisung kann nur durch höher stehende Instanzen aufgehoben werden.
§3.2 Ein Angriff auf ein Mitglied des Adels oder deren Leibwächter sowie der Reichstruppen führt zur sofortigen Festnahme sowie einer Klage bei Gericht.
Mit jedem Angriff, mit jedem Wort brach die Faust diese Gesetze.
Aber was wenn ?
Wie würde er handeln.
Er war Soldat. Er stand nicht nur durch seinen Eid hinter den Leuten die hier auf Gerimor regierten, sondern auch durch ihr Tun. Sie waren alles aufrechte zu ihrem König und Land stehende Leute. Keylon kam überhaupt nicht einmal auf den Gedanken sie könnten etwas verwerfliches tun.
Angefangen von Sir Thelor, Baron von Gipfelsturm, bis hin zu Freiherr von Kronwalden, Freiherrin von Thronwall.
Er schüttelte den Kopf. Er wäre nicht einmal auf den Gedanken gekommen es könnte so sein.
Sicher hatte der Herzog von Eirensee eng mit dem Oberst von Sturmpass zusammen gearbeitet, und die nach dessen Tod, neu eingesetzten Adeligen hatten ihn abgesetzt.
Der Oberst musste dort wohl hilflos zusehen was dort weiter geschah.
Was immer es auch war.
Das nun hier in Lichtenthal an ihnen aus zu tragen war in Keylons Augen eher unklug.
Schwächten sie damit doch die Kräfte die hier gebraucht wurden im Kampf gegen den Westen.
Ja, sie wollten damit auf sich aufmerksam machen. Aber egal ob sie im Recht oder Unrecht waren, die Art und Weise wie sie dabei vorgegangen waren, empfand Keylon als absolut falsch und so würde er sie niemals als wahre Brüder sehen können.
Denn statt zu versuchen die Bürger von Anfang an gegen den Adel hier auf zu bringen, und das Lichtenthaler Regiment als unfähig dar zu stellen, hätten sie sich vielleicht erst einmal selber ein Bild machen sollen.
Statt sofort den Bürgern zu sagen wie falsch der Adel ist, sie fragen wie es hier auf Gerimor ist.
Der letzte Kampf gegen sie war sehr schwer und verlustreich gewesen.
Keylon hatte gehört das sie gestern gegen Rahal gingen.
Fast empfand er es als Genugtuung das sie wohl von Rahal zurück gedrängt worden waren.
Denn so würden sie wohl ihre Meinung über das Lichtenthaler Regiment ein wenig revidieren müssen, was den Kampf gegen den Westen anging.
Meinten sie doch das wir dahin gehend schluderten und nicht gut genug wären.
Jetzt hatten sie es am eigenen Leibe erfahren müssen und sich somit wohl, zu Lichtenthals Hoffnung, einen Zwei Fronten Krieg heran gezogen.
Fein.
Nun musste Rahal an ihnen vorbei wenn sie zu uns wollten, und Keylon glaubte das Rahal es sich nicht gefallen lassen würde, das ihre Häuser brannten.
Egal was kommen würde.
Er glaubte fest daran das der Kronritter und sein Stab die richtigen Entscheidungen treffen würden, und er würde ihnen, wenn nötig auch bis in die Hölle folgen.
Jetzt aber hieß es erst einmal sich von den Strapazen der letzten Tage erholen.
Eine Notbesetzung war auf den Palisaden und man war soweit bereit jederzeit und sofort in den Einsatz zu reiten.
Junkernsteyn war zum Glück nicht weit, und so genoss Keylon es, jeweils 2 Tage im Einsatz zu sein und dann wieder zwei Tage Ruhe.
Bald ...
Bald war die Waffenruhe vorbei, und dann würde es sich zeigen wie es weitergehen würde.
Obgleich die Sonne bereits den Kampf gegen die Nacht verloren hatte, war der Himmel über dem Westen Gerimors hell erleuchtet. Flammen zündelten sich über der Siedlung Grenzwarth in die Höhe und verbargen das Firmament unter einer schweren, schwarzen Rauchwolke die vom Wind unheilsverkündend bis nach Rahal gezogen wurde. Dem Kampfeslärm, der den ganzen Abend über angehalten hatte und weit bis nach Bajard hin hörbar war, folgte eine düstere Stille die sich über den Wald und die immernoch glimmende Siedlung legte. Einzelne Schreie hallten über die Wipfel der Bäume, deren Ursprung in der Finsternis kaum mehr festzustellen war.
Zwischen den Kämpfen um Grenzwarth und dem Aufeinanderprallen der Heere an der Angurenfestung war die Siedlung nahe der Küste wie leer gefegt. Lediglich das Knistern des Feuers und das Brechen der Holzbalken hätte vernommen werden können. Doch nur die Toten, die auf den Straßen und in den Gassen des Dörfchens lagen, waren verblieben. Kaum ein Meter weit, an dem nicht ein Soldat in Rot oder Blau lag. Die Straßen rot verfärbt im Schimmer des sich ausbreitenden Feuers. Ein einsamer, dunkler Schild lag neben einer Hauswand, dessen Träger wenige Meter weiter sein Ende gefunden hatte. Gleich daneben, im Tode beinahe in einträchtiger Gemeinsamkeit, lag ein junger Mann in blauer Uniform der sein Schwert mit der erkaltenden Hand noch fest umklammert hielt. Was blieb war Feuer, Tod und der Geruch nach Blut und Asche.
"Sadana ... die Boote sind verloren." erklang die dunkle Stimme eines stämmigen Mannes, der zwar das Blau der Faust trug und ebenso eine brosche in selbiger Form an seiner Brust angeheftet hatte, ansonsten aber eine eher wild zusammengewürfelte Ausrüstung trug, die dennoch zu seinem Erscheinungsbild passte. In seinem Gesicht zeigte sich ein gewisser Unmut. "Dann sind sie eben verloren. Wir sind hier. Wir kämpfen hier. Wir brauchen keine Boote." stellte die Frau mit stoischer Stimme fest und blickte dabei auf die Pantherstatue die in der Angurenfestung auf einem kleinen Altar aufgestellt war. "Die werden noch erkennen mit wem sie es zu tun haben. Sag den Leuten es gibt keinen Rückzüg. Wer weicht, stirbt." - Vincent, der das Abzeichen eines Korporals trug hob die Mundwinkel und schnaubte einmal schwer, einem Bär ähnlich. "Aye ... das gefällt mir. Sind harte Hunde, die Rahaler. Ich hab die Listen. Haben einen ganzen Haufen von uns ins Land von Milch und Honig befördert." - Aus seiner Brusttasche zog er einige zerknitterte Pergamente auf denen unordentlich mit Kohlestiften einige Notizen gemacht wurden. Die Frau mit den langen, zum Zopf gebundenen Haaren nahm sie entgegen und überflog die Zeilen ehe sie mit ruhiger Stimme antwortete "Gleiches Prozedere wie immer. Namen notieren. Sold und Entschädigung geht an die Familien, wenn keine Familie auffindbar ist, wird der Rest unter den Landsknechten aufgeteilt." wobei sie ihm die Pergamente ordentlicher zusammen gefaltet wieder zurück reichte. "Aye aye!" war Vincents Erwiderung, während er die Pergamente so unordentlich wie zuvor wieder in seine Tasche stopfte. Sadana verdrehte kurz die Augen und schnaubte gespielt verächtlich "Ich hasse deine Unordnung." warf sie ihm mit kurzem Grinsen zu das dennoch nicht über einen recht erschöpften Ausdruck in ihren Augen hinwegtäuschte. Vincent hob seinen massigen Arm und deutete mit einem Finger auf sie. "Und ich hasse deine Kleinlichkeit." Beide lachten für einen Moment.
Jäh unterbrochen wurden sie erst von einer jungen Frau in schwarzem Leder, die sich eine blaue Weste übergeworfen hatte und einen weiten Federhut trug. An ihrer Brust ebenso ein kleines Abzeichen einer goldenen Faust. Sie trat die Stufen des Kellers der Festung hinauf und blickte zu den beiden hin. Ein Salut blieb aus, stattdessen deutete sie lediglich mit dem Daumen über die Schulter. "Wir haben da unten noch ein paar von denen festgesetzt." meinte sie fragenden Tonfalls, wobei ihre Stimme so hell und klar war, dass sie ohne Zweifel eine gute Karriere als Bardin vor sich gehabt hätte, wenn das Schicksal sie nicht in diese Festung verschlagen hätte. "Einzeln rausführen. Draußen gibt's einen hübschen Baum. Den dekorieren wir." brummte Vincent, und nickte der jungen Frau auffordernd gen Tür. "Keine Gnade den Gnadenlosen." stellte er dann schlicht fest. "Keine Gnade den Gnadenlosen." folgten Sadana und die junge Frau am Kellerabgang fast im Chor, als wäre dieser Satz ihnen in Fleisch und Blut übergegangen.
Draußen hörte man den Wachtmeister Pinrod, der einige Soldaten einteilte und auf die Mauer scheuchte während er das verbliebene Kriesgerät begutachtete. In üblich 'freundlicher' Art und Weise brüllte er in den Innenhof "Wenn hier nicht gleich drei Schützen auf den Zinnen steh'n, setzt's was!". Sadana und Vincent blickten sich einen Moment an und traten durch die schweren Eisentüren in den Innenhof um zu den Zinnen hinauf zu schauen. "Pinrod! Ich will dass die Festung bis zum Morgengrauen sicher ist! Wir haben einen Ruf zu verteidigen!" rief sie dem Mann auf der Mauer zu während sie das hektische Treiben der anderen Kämpfer auf der Mauer beobachtete. Pinrod indes versuchte sie in der Dunkelheit auszumachen und lachte einmal rauer auf. "Ich verwette deinen fetten Hintern darauf, dass einer von uns drei von denen mitnimmt wenns soweit ist!" erwiderte er rufend ehe er sich wieder den Kämpfern auf der Mauer zuwandte. "Ich hasse diesen Kerl..." flüsterte Sadana leise, obgleich die Tonlage vermuten ließ, dass es beinahe ein Kompliment sein könnte. "Ich liebe diesen Kerl." antwortete Vincent ebenso leise, grinste dabei jedoch fast diebisch, während vor der Mauer der Festung mehrere dumpfe Aufschläge zu hören waren, als die gefallenen Verteidiger in Garderot von der neuen Besatzung der Festung beinahe präsentierend über die Zinnen geworfen wurden. Sadana lenkte den Blick kurz in Richtung des Geräuschs, ehe sie sich der Festungswand neben ihr zudrehte. Aus der Tasche zog sie einen abgewetzten Kohlestift und zog ihn mit zwei Bewegungen über die Mauer, auf der kurz darauf eine schwarze Sieben prangte. Zufrieden steckte sie den Kohlestift wieder ein und passierte auf ihrem Weg zurück ins innere der Festung einen der überlebenden Rahaler Gardisten der erhobenen Hauptes und mit beinahe hasserfülltem Blick zu ihr hinsah während er gefesselt zum Tor geführt wurde. "Harte Hunde..." murmelte sie leise, als sie ihn hinter sich gelassen hatte, ehe sie wieder in der Festung verschwand.
Als sie aufwachte spürte sie ein fast vergessenes, aber vertrautes Schmerzen in ihren Gliedmaßen und Muskeln. Ihre Mimik verzog sich mürrisch und sie begrüßte die angebrochene Morgenstunde mit einem trockenen Husten. Ihre schmutzigen Finger tasteten nach der Feldflasche und ein Schwall Wasser ergoss sich in ihrer staubigen Mundhöhle. Nach den ständigen Wachwechseln hatte sie nun endlich die Zeit gehabt ein paar Stunden am Lagerfeuer zu schlafen, vielleicht zwei wenn es hoch kam. Als die Scharfschützin sich aufstützte und versuchte hoch auf den Baumstamm zu rutschen, der ihnen als passable Bank diente, glaubte sie um etliche Jahre gealtert zu sein. Doch war es lediglich der Schmerz, ausgelöst durch die Pfeilwunde, die es ihr schwer machte wie ein junges Reh auf die Beine zu springen. Nach wenigen Momenten war sie wieder gänzlich orientiert und nahm von den Wachen, die von den Rashar und Letharen abgestellt wurden, die Berichte über die letzten zwei Stunden entgegen. Es hatte sich wenig getan, bis auf einige Wachwechsel auf Feindesseite und die Ahnung von Stimmen oder Gebrüll. Über Nacht hatte Fann zwei Personen ausgewählt, die abwechselnd zwischen dem Nord- und Westlager reisen sollten, damit der Informationsaustausch gewährleistet bliebe.
Die gestrige Schlacht hatte zwar Spuren hinterlassen, aber die Armee des heiligen alatarischen Reiches hatte mal wieder bewiesen, dass sie den rechtem Pfad folgten. Aller Zwist war in dem Moment vergangen, als der Alka zum Kampf aufrief. Kein Zweifel an seinen Befehlen, kein Zweifel an den Kämpfern, welche die Truppen des Feindes in den Wäldern einem Gemetzel gleich niedergemacht hatten. Fann war die erste Zeit mit zwei Letharen durch die Wälder gezogen, die sie eher zufällig getroffen hatte. Fraglich, ob die Adoraner auch nur im Ansatz diese Fähigkeit besaßen, sich gemeinsam durchzusetzen.
An Grenzwarth verschwendete Fann persönlich keinen Gedanken. Sie hatte keinen Bezug zu diesen paar abgelegenen Hütten. Es waren materielle Werte, die sich ersetzen ließen, und sorgte bei ihr weder für Demotivation oder höheren Respekt vor dem Feind. Feuer zu legen war nicht schwer, keine große Kunst. Sie hatten selbst mitten in der Nacht das Wasser zum Leuchten gebracht, als sie die Beiboote in Flammen aufgehen ließen. Allerdings waren die größeren Schiffe durchaus ein Problem. Und einige der offenen Fragen:
Wieso tat die Faust das? Noch in der Nacht gab es eine leise Diskussion, was die Ambition hinter diesem Vormarsch sein könnte. Immerhin riskierten sie einen Zweifrontenkrieg, falls sie sich nicht schon längst im Geheimen mit Adoran verbündet hatten. Aber keiner der Toten trug den Wappenrock Lichtenthals. Eines musste man diesem dreckigen Haufen Verblendeter lassen: Sie hatten Eier im heiligen alatarischen Reich aufzukreuzen. Aber das würde sie nicht bewahren.
Es gab Dinge im Leben, derer man sich nicht entziehen konnte. Der Krieg stand vor der Tür und scharrte mit gespitzten Fingernägeln an dessen Holz. Dabei hinterließ er verschieden tiefe Kerben und formte die Bürger Lichtenthals auf skurrile Weise.
Mit starrem Blick stand Kaleya am Ofen und backte gefühlt das hundertste Kräuter-Honig-Brot. Man hätte meinen können es gab in ganz Lichtenthal keine Brote mehr, sodass der Eisdrache sich so leidenschaftlich jenem Tagewerk hingab. Es darf keine Hungersnot ausbrechen. Wenn das geschieht, sind alle verloren. Jener eine Gedanke trieb Kaleya an und ließ sie zu Höchstform auflaufen. Egal ob es die Brote waren oder aber eingeweckter Apfelmus. Ob getrocknetes Obst oder geräuchertes Fleisch. Es gab beinahe nichts an lange haltbaren Lebensmitteln, die Kaleya nicht herstellte. Die Sachen waren einfach aber sie würden satt machen und das war der entscheidende Punkt. Ohne solche Lebensmittel würde die Kampfmoral während der Belagerung sinken, und was danach passieren würde, konnte man sich ausmalen. Nahezu den gesamten Tag stand die blonde Schneiderin so beschäftigt in Andras Küche, bis die Sonne unterging. Erst als sie durch das fehlende Licht gezwungen wurde eine Pause einzulegen, um Kerzen zu entzünden, merkte sie ihre Erschöpfung.
Mit einem tiefen Seufzen gönnte Kaleya sich eine Verschnaufpause und setzte sich an den Küchentisch. Dabei hing sie ihren Gedanken nach und überlegte was sie an Schneiderwaren alles hier in Adoran hatte. Die Liste in ihrem Kopf war erstaunlich kurz, und das führte zu einem tiefen Murren. Gleich morgen... Nadeln schmieden, Garne herstellen, Stoffe weben, Ledervorräte anlegen. Vorsichtig rieb sich der Eisdrache die Stirn, es war soviel zu tun und gefühlt so wenig Zeit. Ein leises Wimmern holte die Blonde aus ihren Gedanken. In der Wiege, die Kaleya am Morgen in die Küche hinaufverfrachtet hatte, wand Anneen sich protestiernd. Umgehend sprang Kaleya auf und packte sich das Würmchen behutsam. Mit einem leisen Summen wiegte sie den wimmernden Nachwuchs in ihren Armen, dabei ein Lied aus ihren eigenen Kindertagen anstimmend.
Tief, tief in dunkler Nacht,
steht ein einzelnes Männlein und hält Wacht.
Ganz sicher hat er Angst und Wehmut,
doch ein Gedanke tut ihm immer gut.
Wenn Funken sprühen, das Feuer ist entfacht,
wird er weiter stehen mit aller Kraft.
Dunkel sind diese eingekehrten Zeiten,
Gefahren lauern von so manch unerwarteten Seiten.
Wenn des Drachens Fauchen ist zu vernehmen,
wird das Männlein alles für seinen König geben.
Eines Tages werden sie gemeinsam siegen,
lassen sich niemals unterkriegen.
Keiner von ihnen wird rennen,
selbst wenn ihre Häuser am Ende brennen.
Auch wenn die Heimat ist zerstört,
man in vielen Ecken Gebete zu den Lichten Göttern hört.
Zusammen stehen sie für ihre Freiheit ein,
ob groß oder klein, es wird ihre Rettung sein.
Drum ist selbst der kleinste Mann,
am Ende der, welcher siegen kann.
Die Hoffnung darf niemand aufgeben,
in jedem erwacht dann ein Held zum Leben.
Als Anneen endlich wieder eingeschlafen war, legte Kaleya die Kleine zurück in ihre Wiege und arbeitete dann bis spät in die Nacht weiter. Auch wenn sie Furcht hatte ihr Heim nie wieder betreten zu können... Es musste Hoffnung geben, denn sonst war der Kampf schon verloren, bevor er überhaupt geschlagen war.
Am Tage nach der öffentlich Sitzung würden einige Abschriften eines Protokolls ihren Weg
an das Lichtenthaler Feldlager, das Adoraner Rathaus, dem Schwingenstein Kloster
sowie den Regimentsvorhof gelagen um dort entweder aufgehangen oder ausgelegt
jedem Bürger Lichtenthals frei und öffentlich zugänglich zur Einsicht zu sein.
Hiermit sei verkündet, dass es am fünften Tage der Schwalbenkunft im Jahre 260 eine
öffentliche Sitzung im Regiment gab, an dem ein jeder Bürger, der dem Rufe durch
einen Aushang folgte, herzlich eingeladen war um sowohl Fragen in Bezug auf die
momentane Lage des Herzogtumes zu stellen und durch klare Antworten über selbiges
und den weiteren Schritten durch das Regiment und dem Adel informiert zu werden.
In diesem Aushang wird ein jeder, der Lichtenthal als sein Zuhause, seine Heimat und
Wohnort ansieht, über die wichtigsten Punkte des Informationsabend aufgeklärt und im
weiteren Sinne über das weitere gemeinsame Handeln gegen die Faust informiert.
Niederschrift / Protokoll des Informationsabends für
das Volk von der 5ten Schwalbenkunft im Jahre 260
Den Auftakt machte unsere ehrenwerte Lady Helisande von Gipfelsturm,
Oberst des Regimentes mit einer guten Nachricht. Trotz der Seeblockade
durch die Faust ist es uns möglich durch einen komplexmagischen Wege
Nachrichten vom und zum Festland hin und her zu befördern.
Die letzte Nachricht vom Festlande, welche das Konzil an der vierten
Schwalbenkunft erreichte brachte indes keine guten Nachrichten.
Das Königreich Alumenas befindet sich im Bürgerkrieg.
Das Zentrum dieser Aufstände scheint Eirensee zu sein und deren
verstörende Ansichten wirken sich diesbezüglich auf ganz Gerimor,
insbesondere Lichtenthal und seinen Verbündeten aus.
Einige Adlige sollen in Eirensee die Bevölkerung ausgebeutet haben,
dies wird als Grund für diesen Aufstand seitens der Faust benannt.
Es wurde angemerkt, dass niemand der Adligen aus Lichtenthal einer
Schreckensherrschaft gemein sei oder die Bürger ausbeutet. Es gibt
hierzu die Befürchtung, dass Lichtenthal als Prestigeobjekt gilt um seiner
Majestät und seinem Gefolge größtmöglichen Schaden zuzufügen.
Was die Faust will: Unsere Kapitulation und die Entmachtung Seiner Majestät.
Der Adel Lichtenthals lässt verlautbaren, dass er diesbezüglich als Spielball
für größere Machtpolitische Bestrebungen von Adligen missbraucht wird und
der Lichtenthaler Adel jene unbekannte Adelige vom Festland weder in Person
noch beim Namen kennt.
Freiherr Arenvir von Kronwalden ergriff das Wort mit einer Rede:
Die heiligsten Stätten unseres Glaubens ruhen auf dieser Insel.
Sie ist nicht nur ein Herzogtum. Sie ist ein Symbol!
Hier wurde Temora geboren, versteckt und im Götterberg aufgezogen.
Hier ist der Sitz des Alkas des Alatarischen Reiches. Der Baum des Lichtes.
Wenn Lichtenthal fällt ist es ein Prestigeobjekt, dass man nicht einfach
so weg argumentieren kann. Und ob das für uns alles nachvollziehbar
ist oder nicht ändert nichts an den Tatsachen. Sie wollen uns erobern.
Diejenigen von Euch die nicht kämpfen leben, sollten wir verlieren unter
neuer Flagge und neuem Herrscher.
Diejenigen von uns die kämpfen oder gar keine andere Wahl haben als
zu ihren Eiden zu stehen werden dann Tod sein.
Oder fristen ihr Dasein als gejagte Rebellen. Darauf läuft es hinaus.
Über den allgemeinen Zustand Lichtenthals:
- Junkernstey ist weiterhin durch die Faust besetzt.
- Der Seeweg zum Festland wird durch eine ungewisse Anzahl an Schiffen blockiert.
- Es herrscht eine Waffenruhe zwischen dem Reich und der Faust bis zur 19ten
Schwalbenkunft. Dies wurde nach einem Gespräch zwischen dem Oberst der Faust
Aren von Sturmpass, Sir von Gipfelsturm, Hochwürden Hohenhain und Lady Helisande
seitens der Faust verkündet. Der Grund sei eine Prüfung unsererseits bezüglich der
verwerflichen Lage in Eirensee. Seitens der Faust wurde zudem zugesichert, dass
keinem Bürger Lichtenthals eine Gefahr während dieser Waffenruhe droht.
- Jeder Bürger kann seinem gewohnten Tagwerk nachgehen und solange ein jener
nichts gegen die Faust unternimmt oder sich auffällig verhällt, ist er sicher.
- Die Sturmheuler stehen zu uns.
- Die Kaluren haben schon Stellung bezogen und helfen Berchgard zu halten.
- Die Menekaner stehen uns auf Abruf beiseite.
- Die Elfen sind als Volke neutral und halten sich aus diesem Konflikt raus.
- Für Flüchtige Junkernsteyns und im Ernstfall weiterer umliegender Lehen
gibt es in Adoran mehrere Notunterkünfte und Quartiere. Diese befinden sich
im Glaubenshaus, im Klostergästehaus sowie im ehemaligen Kesselgebäude. Was können wir als Volk und Bürgertum dieses Landes nun am besten tun?
- Lichtenthal muss befestigt werden!
- Ein jeder sei aufgerufen sich am Wohle Lichtenthals zu beteiligen.
- Die unbefestigten Lehen und Bauernhöfe werden gebeten sich
auf eine Evakuierung vorzubereiten.
- Lebenswichtige Güter sollen gehortet und in den Städten sicher untergebracht werden.
- Holzfäller, Pechkocher, Handwerker um Sperren zu errichten.
- Haltbarer Proviant, Lebensmittel und Trinkgut sollte erstellt und gehortet werden.
- Alles an Obst was reif aussieht muss eingelagert werden können.
- Vorräte an Stroh und Heu um das Vieh innerhalb der Mauern versorgen zu können.
- Alle die sich darauf verstehen sollten Bären und Wölfe zähmen und zu Wachtieren abrichten.
Gardisten Kila Rabbe übernimmt die Position der zivilen Koordination
und gilt somit als offizieller Ansprechpartner für jegliche Belange.
Da waren sie also. Ich versuchte mich an die Worte der Ahad bei der letzten Kapitelversammlung zurück zu erinnern. Irgendwie waren wir alle säumig gewesen? Oder ich hatte den Punkt offenen Auges verschlafen, bei dem es um Vorbereitungen zur möglichen Verteidigung ging, was durchaus möglich war. Es war entschieden Zeit aus meinem Tran zu erwachen und den schläfrigen Geist zu wecken.
In den ersten Stunden der Erkenntnis den Feind mitten im eigenen Land stehen zu haben, arbeitete es noch so träge, wie ein alter Lindwurm, der nach einem Winterschlaf erwachte, wobei ich zugestehen musste, dass ich wirklich erst durch den Bericht meiner eigenen Frau davon erfuhr. Kinder sind der Dämon. Bevor ich also aufbrechen konnte, wurde der Nachwuchs möglichst sicher untergebracht. So sicher eben, wie es in der gegenwärtigen Situation nötig und richtig erschien. Da ich davon ausging, dass beide Cousinen ihren Teil dabei ebenfalls zu tun bekamen, wurde kurzerhand ein Kindermädchen beauftragt, die mit klaren Anweisungen und Nachwuchs und Zecke zurückgelassen wurde.
Als ich im provisorischen Lager eintraf, bemühte ich mich zunächst einmal auf den aktuellen Stand zu bringen. Es fühlte sich sonderbar an, wie ein Teil des langsamen Erwachens des besagten Lindwurms. Als hätte es etwas Schmackhaftes zu fressen gerochen, das seine Aufmerksamkeit erregte, und zwar so sehr, dass es ihn zum Aufstehen anregte und die Instinkte gleich ebenso weckte, die es für die Jagd benötigte.
Dummerweise waren wir hier im Moment die Gejagten, was aber nicht hieß, dass sich das nicht ändern ließ. Der Stand der Dinge gefiel mir nicht, aber wem bei klarem Verstand konnte das auch zusagen? Noch weniger gefiel mir die derzeitige Abwesenheit der Ahad, was war ich doch für ein bequemer Lindwurm geworden…
Nun, dann übernahmen die Ritter die Vertretung der General und Ahad, wie vom Alka vorgesehen. Das war der Lauf der Dinge, das war unser Weg, das war unser Los. Wir kamen damit zurecht, und steckten entsprechend die Köpfe zusammen – und bevor irgendwer auf eine andere Idee kam, fand sich mein geheimer Stolz von Waffenbruder in der Rolle dessen wieder, der die Befehle ausgab an alle. Ich hatte damit gerechnet, dass er versuchen würde, es bei mir belassen zu wollen, so wie schon einmal, aber auch dahingehend hatte sich offenbar einiges geändert, was ich durchaus als erfreuliche Entwicklung verbuchte. Kein Zögern, sicheres Auftreten. Ich hatte verdammt nochmal keine Ahnung, woher das in dieser resoluten Fassung plötzlich kam. Vielleicht war es schon immer da gewesen, ich hatte es nur wegen meiner eigenen Sturm und Drang-Phase völlig übersehen? „Verdammt Dazen. Das hätte wirklich nicht passieren dürfen.“
Nun zurück zu unserem Problem in der Festung. Darin hockten angeblich etwa zwei Dutzend von den lästigen Schmeißfliegen, die sich zur Faust zählten. Zwei Dutzend ehrlose Schmeißfliegen. Was war nur mit den Alumenern los? Oder anders gefragt, wo hatten sie diesen Haufen aufgefegt? Irgendwie beschlich mich der Verdacht, dass da jemand sein Nest ausscharrte und den Unrat bei uns abzuladen gedachte. Verdammte Brut.
Das hieß darüber hinaus auch sicherlich nicht, dass es sich hier um unfähigen Unrat handelte, ganz und gar nicht.
Nachdem wir das provisorische Lager im Norden verloren hatten, lag es nun an uns das Hindernis anderweitig wieder aufzustellen. Ich sammelte einige Leute dafür zusammen, und wir machten uns auf dem Weg. Was wir da entdeckten, gefiel mir überhaupt nicht. Auf einander geworfene Tote, die wir selbst dem Feuer übergaben, waren eines. Aber der Leichenbaum mit den eigenen Leuten war etwas völlig anderes. Es hätte mich zornig machen müssen, ich vermutete, irgendwo in meinem Inneren begann sich auch hier der Lindwurm zu regen, aber nur leise bis jetzt.
Das hier diente der Demoralisierung und Abschreckung. Das war unverkennbar. Gleichzeitig ging ich davon aus, dass dieser Haufen Unrat darauf hoffte, dass wir uns darüber zu blindem Zorn verleiten ließen, der unseren Verstand benebelte. Ich spürte die Kälte in mir hochkriechen. Wieder regte sich der alte Lindwurm in mir leise, und wir setzten den Weg fort, ohne dem Baum weitere Beachtung zu schenken fürs Erste. Wir hatten unsere Aufgabe und umrundeten in Folge dessen die Festung weiträumig, um zur Furth zu gelangen.
Wir wählten dieses Mal die gegenüberliegende Seite der Furth aus, und mir kam darüber hinaus die Idee im Wasser eine kleine Überraschung bereit zu stellen. Neben den von mir ausgewählten Leuten, brachte der Provost vom Norden her noch einige Handwerker aus Rahal heran. Ja, mein ehemaliger Knappe war tatsächlich gewachsen. Sehr gewachsen. Wann, zur Hölle?
Die kleine Gruppe tat also alles, um in kurzer Zeit bestmögliche Arbeit zu leisten und das zu schaffen, was in selbiger möglich war. Am Ende stand ein Hindernis, das wohl zumindest ein wenig aufhalten dürfte und der Teil im Wasser war auch nicht so einfach abflammbar, wie der Rest. Die Maestra sorgte für einen geordneten Rückzug ins Lager nach getanem Werk.
Ich verweilte noch einige Momente, prüfte noch einmal rasch alles nach und war durchaus zufrieden mit der getanen Arbeit. Als ich hiernach von der Furth abzog, gönnte ich mir das kindische Vergnügen einer unflätigen Geste gen Angurenfestung. Manchmal musste man sich eben ein wenig Luft verschaffen, war es auch nur im Kleinen, wenn mehr gerade nicht ging.
Da ich am Folgetag mit anderen Pflichten, als denen im Lager belegt worden war, bekam ich den erneuten Ausfall bei Rückkehr berichtet. Innerlich knirschte ich mit den Zähnen, zum einen, weil wieder unser Blut geflossen war, zum anderen weil ich selbst nicht dazu gekommen war, einiges der Fäuste zu vergießen. Aber so war das eben. Der Krieg wartete nicht auf einen, und die eigene Aufgabe war nicht weniger wichtig gewesen. Es machte keinen Sinn sich deshalb zu grämen.
Also ließ ich mich vom Knappen auf Stand bringen, während er seinen Arm versorgen ließ. Die getroffenen Entscheidungen waren sinnvoll, gut gewählt, noch besser umgesetzt – meiner Meinung nach. Der verdammte Stolz wuchs. Wann war das gleich nochmal passiert? „Da hast du jetzt aber wirklich zu ackern, um wieder aufzuholen, du Trottel.“ Ja, hatte ich tatsächlich, aber nun, es war eine Herausforderung, der ich mich mit Vergnügen stellen konnte, die mich nicht ärgerte, die mir tatsächlich so etwas wie Aufschwung gab, und ich fühlte mich ein bisschen alt, aber noch nicht zahnlos. Das war tatsächlich der Moment, wo der Lindwurm ganz und gar erwachte und sämtliche Trägheit abschüttelte. Genug gefaulenzt, genug geflucht. Perspektive schaffen.
Erst viel später, als der Knappe und die stellvertretene Statthalterin, als die Heilerin und auch der Rabe fort waren, der es wirklich vortrefflich verstanden hatte, für einen kleinen Zwist zwischen Heilerin und mir zu sorgen, stand ich an der Palisade und starrte zur Angurenfeste hinüber. Ich hatte mir eine bessere Sicht erbeten, um nicht nur dunkle Umrisse zu sehen – ein Vorzug für den ich dem All-Einen (neben vielen anderen Vorzügen) wirklich dankbar war.
Gedanklich versuchte ich unsere größten Probleme mit diesem Trüppchen zu erfassen, gleichzeitig aber auch einige Schritte weiter zu denken. Irgendwie wollte ich nicht glauben, dass das alles war, womit sie uns belästigen würden. Ich rechnete fest mit weiterem Ärger aus Junkersteyn, oder von der Seeseite aus her. Dummerweise hat so eine verdammte Insel mehrere solcher Seiten. Das galt auch für unser Stück Land.
Genau das war es gewesen, was mich ferngehalten hatte vom Lager. Ich war die Küste abgeritten, vollständig, hatte nach fremden Segeln Ausschau gehalten. Natürlich konnte das auch jemand anders übernehmen, es würde auf längere Sicht wer anders übernehmen müssen, aber die Zeit hatte mir auch geholfen mich zu sortieren und den Lindwurm etwas wacher zu rütteln.
Ich atmete tief durch. Die Begleiterscheinungen eines Krieges waren nicht als schön zu bezeichnen, aber hiervon verstand ich etwas. Auch wenn der Tod ein steter Begleiter war hier, begann ich mich allmählich wieder lebendiger – und schmutziger – zu fühlen. Hier gehörte ich entschieden hin. Die ruhigen Zeiten würde ich sicher bald wieder vermissen, das war mir bewusst, aber das hier, war genau das, worauf ich im Grunde gewartet hatte. Wenn ich einen Wunsch frei gehabt hätte, wären allerdings wir wieder die Angreifer gewesen. Angreifer waren meistens besser vorbereitet, wenn sie einfielen, Verteidiger dahingehend leicht im Nachteil.
„Wir werden den Nachteil zu unserem Vorteil verkehren, keine Gnade für euch ehrlosen Bastarde“, murmelte ich leise und merkte nicht einmal, wie ich die Hand zur Faust ballte.
- Das tatsächlich schon wieder Tage vergangen waren, war fast spurlos an ihr vorbei gegangen.
Gerade eben hatte der Heiler das Haus verlassen und ihr eine wiederlich schmeckende Medizin am Nachttisch hinterlassen.
Sie fragte sich woher dieses Fieber so plötzlich gekommen war.
Hatte sie sich etwa bei der abendlichen Feldarbeit überanstrengt und im Anschluss unterkühlt?
Ganz egal... denn viel wichtiger war, dass sie die Aufgabe mit den Essensrationen einhielt und so bemühte sich die wackelige Bäuerin hinunter in die Küche und besprach einige Ideen mit ihrem Gefährten, welcher nun seine Kochkünste unter Beweis stellen musste.
Angedacht hatte sie einige verschiedene Räucherwürste und auch Schinken welcher aromatisch und dennoch haltbar sein sollte.
''Pökelfleisch'', war Erics Idee gewesen, welche von Magdalene nur begeistert abgenickt wurde.
Außerdem hatte Helisande etwas von Sauerkraut gesagt, welcher zu den geräucherten Fleischsorten sicherlich wunderbar schmecken würde. Auch einige Einmachgläser konnten mit Weichseln, Erdbeeren..., Stachel-, oder Himbeeren gefüllt werden, begleitet vom dazugehörigen Saft welcher viele Vitamine und auch Energie schenken würde.
Wieder oben in ihrem Bett ärgerte sie sich noch immer über das Verhalten mancher Bürger am Abend des Gesprächs.
Vielleicht waren es die ungemütlichen Zeiten, welche manche Worte ausfilterten oder sie wollten einfach nicht zuhören.
Das ständige durcheinander Gequassel hatte die sonst so ruhige Frau viel Selbstbeherrschung gekostet.
Die geschmacklosen Kommentare, welche aus dem Krieg scheinbar noch mehr Habgier ableiteten. Handwerker die aus der schlechten Situation noch einen Vorteil zogen und beruhigt waren wenn es noch eine lange Zeit anhielt, schließlich würde das Geschäft dann laufen. Bürger die über andere Völker und Leute redeten, sich über sie ausließen obwohl sie wahrscheinlich genauso viel Ahnung von jenen hatten wie auch Magda.
Es war einfach die falsche Zeit für Zwietracht, denn viel eher war die gegebene Zeit gekommen um Eintracht zu beweisen.
Es stimmte sie tatsächlich selbst in ihrem fiebrigen Zustand eindeutig böse wie geizig und gierig manche Menschen sein konnte, wo man doch viel eher alles geben sollte was man geben konnte, um anderen zu helfen oder ihnen die Situation genauso zu ebnen, wie man es gerne selbst erfahren würde.
Doch sie sagte soetwas nicht offen, nein.., sie war doch gut erzogen worden und hatte Benehmen beigebracht bekommen, Höflichkeit.
Sie hatte sogar etwas Angst vor den Geschehnissen, schließlich war es erst einige Jahresläufe her, dass sie Teron an ebenso schlechte Menschen verloren hatte.
Natürlich war das hier etwas anderes, doch blieben schlechte Erfahrungen meistens eine viel längere Zeit als die guten.
Die Tür ging leise auf und Eric kam mit einem frischen Tee herein.
Das feuchte Tuch an ihrer Stirn neuerlich in das kühle Wasser am Nachttisch tauchend, wechselte er auch jenes aus und legte es behutsam wieder zurück.
Kurz streichelte er noch ihre Wange, ehe er sich schon wieder an die Arbeit begab, welche sich sicher wieder bis tief in die Nacht ziehen würde.
Den Gedanken noch nachhängend dämmerte der Erholung bringende Schlaf bereits über die zierliche Gestalt im Bett hinein.
Die braunen Augen erschöpft geschlossen drehte sich der Traum um einen riesigen Adler, welcher Schutz versprechend über den Landen kreiste.
-
Müde von dem langen Tag des sinnlosen Herumlaufens, jedoch dankbar über einige aufmunternde Diskussionen, trabt Ashtar müde richtung des Bunten Kessels. Nur noch in ein Lager sinken mag er.
Schon halb im Schlafe klopft er an, um eine Unterkunft für die Nacht zu finden. Jedoch... niemand öffnet die fest verschlossene Türe. Noch fester klopft er, so daß es auch ganz gewiß gehört werden würde. Aber immer noch niemand, der die verschlossenen Tore öffenen würde.
Sollte es nicht hier Lager geben für die Vertriebenen? Sagten das nicht die hohen Herren und Damen letztlich bei der Versammlung? Gab es nicht gar Aushänge, auf welchen dies stand?
Zu müde, um eine andere Unterkunft zu suchen, legt sich Ashtar auf der nächstbesten Parkbank nieder.
"Durchlaucht, Erlaucht, an der blauen Mütze erkennt man den Korporal..." Amelie sass kerzengerade in ihrem Bett, eben von ihrem Traum vom Unterricht der Etikette bei Luninara aufgewacht.
Gestern, schon müde vom Holz hacken, hatte sie sich wieder zur Brücke in Richtung Junkersteyn aufgemacht.
An den Palisaden angekommen, gesellte sie sich zu Wachtmeister Luninara und ihr Blick wanderte als Erstes wieder in Richtung Junkersteyn.
"Wie geht es Euch, Fräulein Salberg?" Mit einem Lächeln blickte sie zu Luninara hin. Und wie immer folgte darauf Amelies obligates "Danke, es geht mir gut"
"Ihr habt mir doch versprochen, dass Ihr mir Unterricht geben wollt. Gilt das immer noch?" Rasch nickte Luninara und antwortete "Wann immer es Euch genehm ist." Erfreut lächelte Amelie auf.
Und so kam es, dass die beiden Frauen, Luninara und Amelie, während sie Wache hielten, sich lange und eingehend mit der Etikette beschäftigten und Amelie, welche immer dachte sie würde doch darüber ziemlich Bescheid wissen, rasch merkte, dass sie keine Ahnung von Etikette besaß.
Luninara war eine sehr kluge, kompetente Lehrmeisterin und Amelie eine aufmerksame und interessierte Zuhörerin und so verbanden die beiden den interessanten Unterricht mit dem Beobachten der Umgebung.
Sie würde ihren Bruder Keylon mit ihrem neuen Wissen ordentlich überraschen!
Zuletzt geändert von Amelie von Salberg am Donnerstag 8. Juni 2017, 07:26, insgesamt 1-mal geändert.
[url=http://forum.alathair.de/viewtopic.php?p=689316#689316]❧ (aus: aus einem Notizbuch)
[/url] Unheilvoll rollte der Donner über das Meer und durch die Wolken, die sich zu schwarzgrauen Ungetümen aufgetürmt hatten und die Schemen der beiden Schiffe verbarg, die sie stur angepeilt hielten. Unten peitschte der Sturm die See in die Höhe und ließ sie weißschäumend brodeln, sich auftürmen und wieder in sich zusammenstürzen.
Das Fliegen hatte sie, mit nunmehr monatelanger Übung, mittlerweile gut gemeistert, doch in ein augewachsenes Unwetter zu fliegen, das war auch in der Gestalt eines Raubvogels etwas anderes. Stur, mit höchster Konzentration, folgte Elinor dem Kurs, den der Praeceptor vorgab, geradewegs in Richtung der zuckenden Blitze, geradewegs in Richtung der beiden Schiffe – eines Viermasters und einer Dreimastbark in ihrem Kielwasser.
Sie kämpften sich zu dritt durch die Böen, drohten immer wieder, wie wehrloses Treibgut der Lüfte vom Sturm hin und her gewirbelt zu werden und vermochten es doch stets wieder, sich die Flugfähigkeiten der Schleiereulen zu eigen zu machen, in deren Gestalt sie ihren Aufklärungsflug unternommen hatten. Dann übermittelte der Praeceptor den Befehl zum Angriff. Er selbst peilte den Viermaster an, während Elinor und Merrik die Bark übernehmen sollte, die sich mühsam durch das Wetter kämpfte.
Ein tiefer Atemzug.
Elinor fixierte das Schiff mit dem Blick, betrachtete die Masten, die Tagelage, die Taue und Leinen, die die Masten und Rahen hielten und steuerten.
Aus Richtung des Viermasters ertönte ein Donnerschlag eines Ausmaßes, das ihr schier das Gehör zu rauben schien, sich mit dem kreischenden Wind mischte und schließlich im Gebrüll der Besatzung des getroffenen Schiffes verklang.
Elinor tastete mit dem Geist nach den Umgebungsenergien, zupfte erst vorsichtig, zog dann entschlossener die schiere Energie des Sturmes um sie herum zusammen, bündelete sie zu einem konzentrierten Manifest elementarer Energie – und peilte den Fockmast der Bark an. Einen Paukenschlag wie jenen des Praeceptors würde sie kaum zu Stande bringen, aber im Sturm mochte auch ein kleineres Übel dem ohnedies gebeutelten Schiff nennenswerten Schaden anrichten.
Es krachte. Es krachte in der Tat abermals so laut, dass Elinor ein Pfeifen in den Ohren zu vernehmen meinte. Taue rissen, Holz barst, Splitter wurden vom Sturm fortgerissen, loses Tauwerk wurde schlaff vom Sturm hierher und dorther gepeitscht. Erst langsam, dann immer rascher neigten sich die Teile des gespaltenen Fockmasts unter den entsetzten Rufen der Schiffsbesatzung zur Seite. Der Dreimaster neigte sich gefährlich zur Seite über, die tosenden Wellen leckten gierig an der Bordwand.
Ein weiteres ohrenbetäubendes Splittern durchstach den Sturm, als der obere Teil des gespaltenen Masts schließlich nachgab und über Bord ging.
Ein erster Moment des Erstaunens wich einem Anflug von Triumph.
Der Anflug von Triumph wich dem Entsetzen, als ihr Blick auf jene Gestalten fiel, die der verlorene Fockmast mit sich in die Tiefe riss – Matrosen, die vermutlich aufgeentert waren, um die Segel im Sturm weiter zu reffen oder anderweitige notfallartige Arbeiten auszurichten. Opfer eines Angriffes, den sie nicht hatten erahnen können. Menschen wie jeder andere, die noch kurz in der brüllenden See strampelten, verzweifelt Halt an Trümmerteilen suchten, und dann doch vom zornigen Nass verschluckt wurden.
Nur am Rande ihres Bewusstseins nahm sie die fremden Eingriffe ins Lied wahr, irgendwo dort unten. Der Praeceptor gab das Signal zum Abdrehen.
Rapide änderte Elinor ihren Flugkurs, zurück gen Heimat. Ein letztes Mal wandte sie den Kopf, beobachtete die fieberhafte Aktivität an Bord des Dreimasters, der mühsam wieder sein Gleichgewicht gefunden hatte, zumindest für den Moment. Nichts war vom sekundenlangen Gefühl des Triumphes geblieben als das bittere Wissen um die Kehrseite ihrer unerwarteten Effektivität.
Bereits deutlich querab des Schiffes ging unter strudelndem Wasser auch der letzte Segelfetzen des verlorenen Fockmasts unter, wie eine letzte Mahnung, eine Erinnerung an die Ertrunkenen, denen er letztes Ehrenzeichen war.
Zuletzt geändert von Elinor Tiefenbruch am Donnerstag 8. Juni 2017, 21:17, insgesamt 1-mal geändert.
Das Lager in Adoran befindet sich gegenüber des alten Kessels in den kleinen Häusern für Handwerker. Ich werde auch öfter persönlich bei den Lagern anwesend sein und beantworte dann auch Fragen und nehme Spenden entgegen.
Was wird gebraucht? Achtung: Alle gespendeten Sachen sollen in Säcke gepackt und mit Namen versehen werden. Holz
- Pfeile und Bolzen
- Brennholz
- Palisadenpfosten
- Fässer
Metalle
- Werkzeuge aller Art
- Waffen aller Art
- Rüstungen aller Art
- Rohmaterialien und Barren
Schneiderware
- Kleidung
- Lederlagen
- Bandagen
- Stoffe
Landwirtschaft
- Obst und Gemüse
- Fleisch und Fisch
- Eingemachtes und eingekochtes, wie Marmelade und Pökelfleisch
- Weizen, Heu und Flachs
- Getränke
Für Fragen stehe ich jederzeit zur Verfügung.
Möge Temora uns an jenen dunklen Tagen leiten und Trost spenden.
Gardistin des lichtenthaler Regimentes
Beauftragte für die Koordinierung der Zivilisten und Lager zu Adoran und Berchgard
OOC: Es müssen keine Unmengen an Güter in die Lager, ein bisschen was für die Optik und Bücher reicht da schon. :)