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Verfasst: Dienstag 30. Mai 2017, 09:44
von Merrik von Aerenaue
  • Im Norden nichts Neues.

    Nun, Norden in Relation zu Gerimor. Dich hoffe ich noch weiter im Norden in Sicherheit, Geliebte. Die Postwege sind knapp, aber ich kenne Wege, wie du weißt. Onkel Edo versicherte mir, dass du diese Nachricht bekommen würdest. Und ich vertraue ihm.

    Havena ist bisher nicht betroffen, sollte es jedoch soweit kommen, wird er dafür sorgen, dass Vater und du in Sicherheit seid. Verzeih mir, dass ich es nicht selbst tun kann, aber ich muss an der Front bleiben.
    Die Faust wird von Tag zu Tag, so scheint es, ein gefährlicherer Gegner, wenn auch sie weiter in der Defensive bleibt. Aber sei versichert, dass ich alles daran setzen werde, diese Situation zu überleben.
    Ich habe vollstes Vertrauen in den Sir, die Frau Oberst und den Praeceptor, dass sie für ein gutes Ende sorgen werden.

    Pass bitte auf Vater auf und versichere ihm, dass sein Sohn bald wieder kommen wird.

    Und pass bitte auch, jetzt mehr denn je, auf dich auf, Nunally.

    In Liebe

    Merrik




Diese Zeilen werden, auf vielen verschiedenen Wegen, von Gerimor herunter und in die Heimat des Wachtmeisters, Havena, finden.

Früh am Morgen, der Brief war schon seit der Nacht auf dem Weg, verließ der Wachtmeister das Mannschaftszelt und ging zur vordersten Verteidigungslinie. Einige Gardisten, teils schlapp, müde, unmotiviert, harrten dort ihrer Dinge und warteten sehnlichst auf Ablösung.
Seinen morgendlichen Kaffee schlürfend trat er an den Trupp heran und grüßte sie knapp, wenn auch der Salut schon lange ausblieb.
‚Im Feld wird nicht salutiert, damit der Gegner es schwerer hat die kommandierenden auszumachen‘.
Gegner. Es waren Gegner, aber keine Feinde.
Ebenso Streiter Temoras. Ebenso Streiter des Lichts. Überzeugt von ihrer Sache, mit dem Segen ihrer Priester Temoras. Mit der Hilfe ihrer Magi.
Nein, es waren keine Feinde. Und wahrscheinlich war es genau das, was dafür sorgte, dass die Kämpfe größtenteils ausblieben, wollten beide Seiten unnötiges Blutvergießen vermeiden. Doch, wie es nun mal immer so war, sah es nicht jeder so. Auf beiden Seiten mochte es sie geben, doch Merrik selbst konnte nur etwas gegen die auf ihrer Seite tun.
Kaum, dass die Ablöse kam räusperte sich der Wachtmeister und haschte nach der allgemeinen Aufmerksamkeit der Anwesenden.

„Kameraden! Die letzten Wochenläufe waren schwierig. Die letzten Kämpfe waren hart und verlustreich. Aber dennoch, waren es wenige. Und wieso waren es wenige? Weil wir hier nicht gegen einen Feind kämpfen! Die Faust mag unser Land besetzen, doch sind es keine Feinde! Es sind Gleichgesinnte im Glauben, Gleichgesinnte in Recht und Ordnung. Es sind Soldaten, wie wir, die uns gegenüber stehen, Streiter Temoras! Behaltet diesen Gedanken im Kopf, Kameraden und behandelt die Faust entsprechend mit Respekt! Behandelt sie wie eure eigenen Kameraden! Ich will niemanden mehr hören, der sich derart negativ über die Faust ausspricht! Und versucht es den Zivilisten klar zu machen.
Temora beschütze uns alle.“


Man mag, als Regimentler, nach dieser Ansage seitens des Wachtmeisters den ein oder anderen Gardisten abseits des Lagers sehen, der, vom Wachtmeister selbst beaufsichtigt, einige nicht allzu gnädige Liegestütze, Klimmzüge an Ästen durchführen oder Runden um einen, ja einen, Baum laufen mag, wobei Merrik kein Geheimnis daraus machen wird, weswegen.

Verfasst: Dienstag 30. Mai 2017, 16:34
von Lucien de Mareaux
„Temora, hilf.“

Zweifel, davon hatte ich reichlich in mir. Wo die einen inzwischen leise geworden waren, wurden andere lauter. Ich kann nicht festmachen, woran es lag, dass ich inzwischen die Zweifel verloren hatte, auf welcher Seite ich stehen wollte. Das war wie von Geisterhand geschehen, eine Entwicklung, die sich immer mehr manifestierte, ohne dass das Gegenüber an Sympathie eingebüßt hätte.
Ich gab mir keine Mühe, das zu hinterfragen oder zu ergründen. Vielleicht, wenn alles vorbei war einmal, aber nicht jetzt. Es schmeckte und fühlte sich richtig so an. Also konnte ich es auch einmal getrost dabei belassen.

Meine Zweifel stiegen dort auf, wo die Zahl der Unterstützer hinter unserer Palisade schwand. Es fiel auf, dass besonders einer fehlte, polarisierte er doch für gewöhnlich über alle Maßen, sobald er zugegen war. Mir war durchaus bewusst, dass er viele bittere Pillen hatte schlucken müssen bis hier her, und vielleicht war inzwischen der Punkt gekommen, dass die letzte Pille allzu bitter war. Erstaunlicherweise konnte ich es ihm nicht einmal übel nehmen, auch wenn ich für die letzte Auseinandersetzung, die vermutlich das Fässchen zum Überlaufen gebracht hatte, nur wenig Verständnis übrig hatte. Letztlich aber war das nichts, was mich anging, also hielt ich mich heraus; mitunter auch, weil ich darum gebeten wurde mich nicht einzumischen.
Sie mochte ja davon ausgehen, dass der Waschbär das zu interessant fand und es trotzdem tat, aber nein. Weder konnte ich die ganze Welt retten, noch war ich dafür verantwortlich Zwistigkeiten dieser Art zu schlichten.
Was ich indes nicht verstehen konnte, war die Tatsache, wie man in solchen Zeiten eine Hochzeitsfeier begehen konnte. Mochte der Termin noch so lang im Vorfeld abgemacht gewesen sein, mochten sie sich das Wort an diesem Tag gerne geben, aber es wäre besser gewesen, sie hätten die Feierlichkeit zurückgestellt, bis dieser Budenzauber vorbei war.
Tja, was sollte ich sagen: Ich zweifelte am Verstand und Verständnis einiger Bewohner des Herzogtums, die sich davor offensichtlich verschlossen oder es gekonnt verdrängten, in welcher Situation sie sich befanden, sie alle, wir alle. Es war mir unbegreiflich. Sie alle hatten sich bei Einschreibung in die Register des Herzogtums, die es ihnen als Bürger gestattete hier zu leben, verpflichtet dem Herzogtum Unterstützung und Beistand zu geben, wenn es darauf ankam. Wie wenige davon sah ich im Lager? Wie viel weniger wurden es täglich, nur weil ihr Tatendrang größer war, als die Geduld, die die Wartezeiten überbrücken musste? Mir war gar nicht danach mit dem Finger auf einzelne Personen zu zeigen dabei. Was würde das auch bringen? Aber es ließ mich doch mit einer gewissen Enttäuschung zurück, obschon sie sich ja nicht mir persönlich gegenüber schlecht verhielten.

Was mich allerdings wirklich maßlos ärgerte, war die Tatsache, dass sämtliches Material aus dem Lazarett bereits wieder fortgeschafft worden war, als ginge man davon aus, es würde eh nicht mehr gebraucht – kommentarlos, wortlos, stillschweigend, zumindest mir gegenüber, der ich zum Teil mitverantwortlich für diesen Bereich war. Ich kochte. Ich konnte gar nicht sagen, wie sehr mich das innerlich zum Kochen brachte. Das war auch der Grund, warum ich direkt den Weg heimwärts einschlug, als ich davon erfuhr, ohne weiter zu trödeln, energischen und wütenden Laufschritts.
Am frühen Morgen hatte ich alle notwendigen Sachen soweit gepackt und in den Satteltaschen meines Gauls verstaut. Ich hatte den Jungen geweckt, mit ihm gefrühstückt, sein Pony gesattelt und dann brachen wir auf in Richtung Lager. Mir war bewusst, was für ein Risiko ich einging, den Bengel mitzunehmen, aber es war Majalins Wunsch, dass er sich anschaute, wo ich mich aufhielt.
Mir gefiel es nicht, aber sie hielt es für eine Notwendigkeit, damit der Junge begriff, dass das Fernbleiben des Vaters von Wichtigkeit war und warum. Er würde exakt bis zum Lazarettzelt kommen. Vielleicht bis zum Feuer daneben, aber nicht darüber hinaus und wir würden uns exakt nur die Zeit dort aufhalten, die es zum Abladen benötigte, wobei ich ihn helfen ließ.
Ich spürte die schrägen Blicke, hörte dies und das Getuschel. Ein Kind hatte hier einfach nichts zu suchen. Ja, die Ansicht teilte ich. Trotzdem bemühte ich mich darum es zu überhören und dem Jungen ein wenig von dem zu erklären, was hier vor sich ging, ohne allzu sehr in die Tiefe zu gehen. Er musste die Details nicht wissen, fand ich.
Ich erzählte ihm, was sich im Norden noch befand, hinter der in der Ferne zu sehenden ersten Palisade, und was sich in Junkersteyn getan hatte, auch das nur grob. Danach setzte ich ihn wieder auf Nugats Rücken, nahm die Zügel von Benji und brachte uns alle zurück nach Schwingenstein. Ich konnte nicht umhin, dass mir ein Stein vom Herzen fiel, als wir dort sicher wieder ankamen und ich ihn in der Obhut seiner Mutter zurücklassen konnte. Sie würden zu späteren Stunde aufbrechen zur Insel, und vorerst dort bleiben. Zwar hatte ich auch da ein flaues Gefühl, was ihre Sicherheit anging, aber ich hielt es doch noch für eine bessere Wahl als irgendeinen anderen Ort Lichtenthals.
Es war nur für mich ungleich schwerer dort hin zu gelangen ohne in Schwierigkeiten zu geraten, aber ich war zuversichtlich es dennoch hinzubekommen.

Dazu kam der leise Kummer, der sich stets regte bei Dingen, die sich meiner eigenen Kontrolle entzogen. Ich vertraute zwar zu einem gemäßigten Teil darauf, dass sie ihre Sache gut machen würden, aber die Stimme des Zweifels blieb im Hintergrund flüsterte unentwegt auf mich ein. Sie säte darüber hinaus eine unterschwellige Angst, dass das Gespräch keine brauchbaren Früchte tragen würde. Dass diese Möglichkeit bestand, lag auf der Hand. Dazu bedurfte es nicht einmal eines falschen Tritts der drei, die das Gespräch führen würden. Ich ging davon aus, es lag vor allem an der Bereitschaft unserer Gegenüber auf uns zugehen zu wollen. Und bei aller Sympathie, ich glaube nicht mehr daran, dass sie eine gemeinsame Lösung mit uns zusammen zu finden gedachten.

Kurioserweise wiesen sie uns so oft darauf hin, dass wir Lügen und Intrige aufgesessen waren, aber aus irgendeinem Grund schien es für sie ausgeschlossen, dass es ihnen genauso erging. Für mich inzwischen nicht mehr. Keineswegs. Ganz im Gegenteil sogar. Die Frage war, wie davon zu überzeugen war.
Temora, ich hasste es tatenlos daneben stehen zu müssen. Ich hasste es noch mehr weit entfernt warten zu müssen. Mochten sie die Taverne zu einem neutralen Ort erklären – das war sie derzeit trotz allem nicht. Keine Ahnung, ob ich mich davon abhalten konnte, nicht doch in der unmittelbaren Nähe herumzuscharwenzeln.

„Temora, hilf. Hilf mir das Richtige zu tun, jetzt, heute Abend und auch danach“, murmelte ich leise vor mich hin, als ich mich die Tore hinter mir ließ und das Lager auf ein Zweites betrat. Tief in mir stellte ich fest, dass ich mir an sich nichts anderes wünschte, als Gerechtigkeit. Aber Gerechtigkeit war etwas, das nie so einfach war, wie das Wort an und für sich auszusprechen. Gerechtigkeit hatte mindestens so viele Facetten wie die Wahrheit selbst.

Verfasst: Mittwoch 31. Mai 2017, 00:37
von Ashtar Dunyar
Mit einem tiefen Seufzen breitete Ashtar seinen Umhang auf dem Waldboden aus. Zum Glück hatte er eine Stelle mit viel weichem Moos gefunden. In dieser lauen Frühlingsnacht würde es reichen. Es wäre nicht das erste mal, daß er seine Schlafstatt in der Wildnis fand. Kurz dachte er zurück an die langen und oft entbehrungsreichen Jahre der Wanderschaft, bevor er sich mit einem weiteren, noch tieferen Seufzer niederlegte und durch ein Loch im Blätterdach in den nächtlichen Himmel starrte.
So sehr er auch versuchte, Schlaf zu finden, hielten ihn doch schwere Gedanken von der Ruhe, dem zumindest zeitweiligen Vergessen, fern.

So wie diese Gruppe von Rebellen, welche sich Faust nannten, von seinem Zuhause. Aber taten SIE dies wirklich? Leicht runzelte er die Stirn bei diesem Gedanken. Eigentlich waren es die Machthaber des Reiches, welche verboten hatten, nach Junkersteyn zu gehen. Und als treuer Bürger des Reiches, dankbar für die schöne Heimat, welche er nun hatte, war es sein fester Wille gewesen, sich an diesen Befehl zu halten. Doch mehr und mehr Zweifel begannen in ihm zu nagen, je länger er hinauf zu den Sternen blickte.
Was hätte er nicht alles getan, um zu helfen, seine Heimat zu befreien! Wie oft hatte er seine Hilfe angeboten! Welche jedoch zumeist abgelehnt wurde. Nur der hohe Herr von Gipfelwind, er schien ein offenes Ohr zu haben für seine Vorschläge und Sorgen. Einmal erlaubte er ihm sogar, an einer Erkundungsmission teilzuhaben! Aber tat er dies wirklich, weil er glaubte, hierdurch nützliche Informationen zu erhalten? Mittlerweile schien es Ashtar beinahe, als wäre es ein geschickter Weg gewesen, seinen Tatendrang zu stillen, ihn sozusagen "ruhigzustellen".
Hätten nicht die Vertriebenen Bewohner Junkersteyns viel mehr beitragen können? Wer kannte das Gebiet denn besser als die, die Tag für Tag dort verweilten? Wer wäre ein besserer, motivierterer und glaubwürdigerer Unterhändler bei Verhandlungen als die, die zurück wollten in ihre Heimat? Aber wurden diese gefragt? Wohl kaum! Im Gegenteil, jedes diesbezügliche Hilfsangebot wurde auf der Stelle abgelehnt.
Wichtige Dinge durften eben nur die tun, die einen Rang hatten. Herrjeh, gab es überhaupt außer ihm noch jemanden, welcher nicht mit einem Rang oder Titel angesprochen werden mußte? Einen ganz normalen Bürger des Reiches mit ganz normalen Sorgen und Nöten? Gerade schien es ihm, als wären diese eine fast schon ausgestorbene Spezies.

Rastlos drehte sich Ashtar auf die Seite und starrte nun statt in den Himmel auf eine kleine Raupe, welche sich bemühte, eine alte Eiche zu erklimmen.
"Was soll ich denn noch machen?" flüsterte er dem Tier zu, als ob es ihm antworten oder gar Rat geben könnte. Was es natürlich nicht tat, sondern steten Weges weiter baumauf kletterte.
So sehr er sich auch dagegen wehrte... Immer verlockender schien der Gedanke, sich den Befehlen einfach zu widersetzen und zurückzukehren in seine Heimat. Die Faust hatte allen Bewohnern Junkersteyns zugesagt, in ihre Häuser zurückkehren und unbeschadet ihrem Tageswerk nachgehen zu dürfen.
So in diesem Zwist schon seine Hilfe nicht erwünscht war, hätte er zu Hause wenigstens etwas zu tun. Und wenn es nur wäre, um sich von all diesen düsteren Gedanken abzulenken. Mit einem weiteren Seufzer fragte sich Ashtar, wie es wohl seinen Haustieren gehen würde. Schon so lange hatte niemand sie mehr gefüttert. Ob sie dies wohl überleben würden? Warum lag er hier in seinem Waldbett, statt sich um diese kleinen Wesen zu kümmern, welche auf seine Hilfe angewiesen waren?
Wie es wohl gerade dort oben sein mochte, in seiner Heimat... Hatte dort jeder seinen Nutzen, seine Aufgabe? Hatte dort jeder, der für deren Sache eintreten wollte, einen Schlafplatz? Oder wurden diese auch fortgeschickt, da nur Auserwählte Zutritt zum Schlafzelt haben?

Ashtar hatte es so satt, stets fortgeschickt zu werden. Nicht einmal im Lager übernachten durfte er. Nein, er sollte brav in Berchgard warten, wohl bis die ersten Verwundeten oder gar Leichen eintrafen. Krankenversorgungsverpflichteter auf Abruf sozusagen. Doch das Schicksal Junkersteyns, das lag in anderer Leute Händen. Ob wohl diese überhaupt alle jemals Junkersteyn betreten hatten zuvor? Bestimmt jedoch lag es ihnen nicht so sehr am Herzen wie ihm, der nach all den vielen Jahren dort endlich eine wirkliche Heimat gefunden hatte.

Und was, wenn es nicht zurückerobert werden könnte? Wieder Jahre der Wanderschaft? Dafür fühlte sich Ashtar mittlerweile doch etwas zu alt. Und selbst wenn... gäbe es einen anderen Ort, den er jemals derartig als Heimat empfinden könnte wie sein geliebtes Junkersteyn? Daran hegte er doch schwere Zweifel. So gerne er auch in Adoran verweilte, dort Handel trieb oder Freunde besuchte, nie könnte es sein schönes Haus in dem einst so friedlichen Junkersteyn ersetzen. Und Berchgard? Eine schöne Stadt, jedoch konnte Ashtar dort nicht wirklich einen Platz für sich sehen.

Ohne seinen Willen begann sich in seinem Kopf die Frage auszubreiten, ob die Faust wohl Verwendung für einen kleinen Kräuterforscher haben könnte. Ob jemand wie er, ohne eine hohe Herkunft und ohne einen schön klingenden Rang oder Titel, dort vielleicht eine wirkliche Aufgabe, vielleicht sogar ein Wenig Respekt und Anerkennung, bekommen könnte.
Erschrocken von seinen eigenen Gedanken drehte Ashtar sich wieder auf den Rücken und begann, im Schein des inzwischen aufgegangenen Mondes die Blätter des Baumes, unter dem er lag, zu zählen, bis er schließlich in einen unruhigen Schlaf verfiel, in der Hoffnung, daß diese Gedanken ganz wie Träume bis zum nächsten Morgen vergangen und vergessen wären.

Verfasst: Mittwoch 31. Mai 2017, 08:04
von Misolia Melanis

Ein leises Knarren war wie eines jeden Morgen zu hören als Misolia die Türe
zum oberen Bereiche des Hospitals aufsperrte. Leisen Schrittes, um den
alten Opi nicht aus seinem Lehnstuhl aufzuschrecken. Wie eines jeden Morgen
holte sie die vier Kisten mit Verbandsmaterial, Salben und allerlei Zubehör,
handlich abgepackt aus der sicheren Verwahrung hervor. Diese Prozedur ging
ihr inzwischen alltäglich einher wie der Waschzwang, der sie seid mehreren
Jahren wie ein Schatten begleitet. Das Lager war nur bedingt sicher vor findigen
Dieben in dunklen Nächten und gerade solch ein Lazarett ein Segen für jene
Schurken die einen Heiler meiden würden um nicht erkannt zu werden.
Daran glaubte sie fest.

Kaum waren die Gepäcktaschen ihres Pferdes fest verzurrt ging es auch schon
los Richtung Lager Wolfenbrück. Dort angekommen und die Kisten ins Lazarett
Zelt gebracht runzelte sie die Stirn, die neue Auslage betrachtend.

"Welcher gütige Spender hat denn hier gewütet?"

Ein Lächeln überkam sie beim Anblick der Salben und zusätzlichen Verbände,
auch wenn sie im Kopfe nur einem wirklichen Gedankengang folgte:

Hoffentlich kommen diese niemals zum Einsatz.

Verfasst: Mittwoch 31. Mai 2017, 11:07
von Andreas Erlenthal
Es war ätzend.
Schon unzählige Tage stand der junge Rekrut auf den Palisaden, seinen Blick stets nach Norden gerichtet, bemüht dabei alles nur denkbar Auffälliges entdecken zu können. Auch so an diesem Abend welcher so wichtig für den Ausgang dieses Konfliktes sein könnte, nein sollte! Umso angespannter war der noch unerfahrene Soldat gewesen, was man ihm zweifelsohne ansehen konnte. Es war aber gut stets Kameraden an seiner Seite zu wissen denen er Tag für Tag mehr lerne zu vertrauen. Verhandlungen standen an diesem Abend an die hoffentlich ein Ende absehen lassen würden. Würde man eine Einigkeit finden oder den Gegner mittels Überredungskünste zur Aufgabe bewegen? Oder war es lediglich ein Treffen in dem nochmals klargestellt wurde was beide Seiten wollen.
Auch wenn eine relativ friedliche Lösung erstrebenswert war, glaubte Andreas daran weniger. In seinen Augen würde es nur um Tage gehen in denen eine Seite mit einer Hand voll Truppen als Sieger hervor gehen würde und ob der Unerfahrene Krieger dies überleben würde, wüsste nur Temora selbst. Auch wenn er sich dieser Möglichkeit sicher war in dieser Schlacht sterben zu können war er nicht leichtsinnig und würde nicht so schnell sein eigenes Leben dahin werfen, er würde für seine Kameraden mit aller Kraft bis zum Schluss Streiten. Um dieses Versprechen an sich selber zu erfüllen, suchte er auch an diesem Abend rechtzeitig, noch vor dem Ende der Verhandlungen, das Mannschaftszelt auf und suchte ein wenig Schlaf. Unruhig lag er dort, sein Schlaf immer wieder unterbrochen durch... ja durch nichts. Lediglich seine Ungewissheit und auch Anspannung in Gedanken an dem möglichen Ende der Verhandlungen ließ ihn immer wieder wach werden. So kam er auch das der junge Rekrut schon in den sehr frühen Morgenstunden wieder auf der Palisade stand und den üblichen wachenden Blick gen Norden richtete. Er würde schon im Laufe des Tages etwas über das Ergebnis mitbekommen. Er war nur froh gewesen dass es zu keinem nächtlichen Übergriff gekommen war.

Seine Gedanken entfernten sich allerdings an diesem Morgen vom Krieg und vom Konflikt als ihm eine Frage in den Kopf schoss. Die Frage einer Gardistin "Wie schaut eigentlich dein Alltag aus?" Alltag... etwas was er seit Wochen nicht hatte da er ständig im Dienst war, an der Front. Zu kurz war die Zeit die er bisher auf Gerimor war um sich überhaupt einen Alltag aufgebaut zu haben und bevor er die Insel betrat, bestand sein Laben aus Reisen, Erkundungen und schließlich aus dem Ziel eben solches zu haben, einen Alltag was er hoffte genau hier finden zu können. Es war daher sein Wunsch diesen Krieg zu überstehen und sich ein Leben neben dem Soldatendasein auf zu bauen. Doch dies würde sich erst in Zukunft zeigen. Den würde auch nach dieser Schlacht eine andere bereits vor den Toren warten geschlagen zu werden.

Verfasst: Mittwoch 31. Mai 2017, 15:20
von Shyra Dynar
Ein ganz normaler Tag, den sie diesmal wieder einmal an der Front verbrachte, hoch oben auf den Palisaden, diesmal neben Ernst dem Sir, den sie ewig schon nimmer gesehen geschweige denn, mal in Ruhe wieder mit ihm geplaudert hatte. Die Moral schien gut zu sein. Es wurde gesungen, auch gelacht und immer wieder starrten alle gen Norden Löcher in die Luft.

Es war wohl eine Delegation zu den Fäusten unterwegs und alle konnten es kaum erwarten sie gesund zurück zu wissen. Ob wir das einfache Volk etwas erfahren würden, war allerdings fraglich. Meist hielten es die Obrigkeiten so, das man nichts oder nur wenig von dem durchsickern ließ was geredet worden war.
Es war schon spät mir knurrte der Magen und immer noch war niemand in Sicht, als ich mich auf den Heimweg begab.

Ein neuer Tag wird kommen, an ihre Hochzeit mit Thancred war im Moment nicht zu denken, das wurde auf später verschoben, wenn es wieder bessere Zeiten gab und die Bedrohung aus der Richtung, wie auch immer, beseitigt war.

Verfasst: Mittwoch 31. Mai 2017, 20:06
von Thancred Dynar
Der Abendwind strich wie warmer Athem über die Wiesen am Saum des Waldes, trug den Geruch von feuchtem Moos und Heu zu ihnen herüber.
Aufgereiht auf der Palisade standen die Verteidiger Gerimors. Einhellig nebeneinander vereint waren da kühne Ritter wie der Herr von Eichengrund, Magi, im Mute selbst die Vögtin Adorans die Wehr erklommen hatte. Tapfere Recken wie der Knappe Keylon, und nicht minder verteidigungsbereit des Zausels Gildenschwester Nathelia. Zu guter Letzt sogar hatten einige Bürger unter Waffen eingefunden die allerdings in dem wohleingespielten Apparat der Streitkräfte eher durch Unbeholfenheit hervorstachen.

Und so hatte der Zausel auch erst einmal zu tun, genug besagten Abendwindes einzusaugen um wieder zu Athem zu kommen. Die Strickleiter rauf in Plattenrüstung... wie schafften Ritter von Eichengrund oder Keylon das nur so spielend, Er hatte jedenfalls seine liebe Not da in Kettenzeug schon hoch zu kommen. Verdammt einmal die Woche jagen gehen ist wohl nicht genug. Und heute nach einem Tag in der Mine spürte er ohnhin schon jeden Knochen.
Wir hätten uns beim Aufbauen die Zeit für eine richtge Treppe nehmen sollen,.. andrerseits war die Strickleiter leichter zu verteidigen.
Doch Cirmias hatte mit geplagten alten Schwerenötern wohl ein Einsehen
Kein Schlachtenlärm empfing ihn, und auch keine Karren mit den Leichen der etwaiger Gefallener sah er auf dem Weg zur Palisadenwehr.
So hatte er viel Zeit währed des Wachens seiner Liebsten zu denken,
Eigentlich hätt es schon seine Gemahlin sein können,...Die Zeit des Freiens, welche Hochwürden Aurea anberaumt hatte war vorüber; doch wer wollte Das Glück des Bundes der Herzen in Zeiten beginnen da Krieg in den Gedanken und der Verlust von Kameraden in der Herzen der Menschen war.
Der Gedanke an Shyra vermochte ihm diese Düsternis erhellen, und sein Herz mit Licht erfüllen selbst an einem so ereignislosen Tage. Thancred machte zwar ein langes Gesicht, als er erfahren musste dass sie schon sich zur Ruh begeben hatte, doch liess er sich nichts anmerken, und konnte dennoch mit Nathelia die neben ihm auf der Wehr stand, ein angenehmes Gespräch voranspinnen.

Und dann zu später Stund tat sich doch noch etwas. Mit dem Fernrohr erspähte Nathelia die Rückkunft der Parlamentäre.
Und selbst ein knorriger 65 Pfund Bogen konnte nicht mehr gespannt sein als der Zausel wies denn gegangen sei,..bei de Eirenseern
So wagte er sich denn in den erlesenen Kreis der hohen Herren und Damen vor, welche am Feuer platz genommen hatten,.. vielleicht konnte man ja was erfahren.
Doch der Hammer des Schweigens fiel bleischwer als der Zausel in die edlen Kreise einzudringen wagte,.. was ihn erst einmal nicht störte.
Ein neugieriger Bär schnuppert eben selbst am Bienenstock...
und neugierige Schmiede versuchen selbst bei ihro Hochwürden nach Informationen zu fischen,.. nur zu dumm dass sie nicht so recht beissen wollten, die Neuigkeiten.
Nach der gedämpften Stimmung zu urteilen schien es nicht gerade blendend gelaufen zu sein. Nun auch nicht völlig daneben 20 Tage Waffenruhe auf Ehrenwort,.. das klang nach einem Patt.
Und immerhin konnte das Handwerkshaus nun fortfahren die Brücke auszubessern.
Die Glut des geuers knisterte leise nurmehr, Als mit der Zeit es auch in den dicken Schädel des Zausels drang, dass es wohl besser war, bei seinen Leisten zu bleiben, und die Hohen Herrschaften nicht länger zu stäören.
Und so machte er sich Auf in Richtung Berchgard,
nach seiner Liebsten zu sehen.

Der Leuchtturm

Verfasst: Donnerstag 1. Juni 2017, 14:38
von Kaleya Auenbacher
Nahezu nichts im Leben war so unerträglich wie die Ungewissheit. Es war wie ein Sog, der einen unter eiskaltes Wasser zog und im Flusslauf davonspülte. Wie gut, dass der Eisdrache fliegen und so dem rebellischen Wasserstrom entkommen konnte.

Nachdenklich sah Kaleya auf die Baupläne des Gildengeländes für die Hüter des Nordlichts. Egal wie oft oder wie lange sie das auch tat, sie konnte die Faust nicht aus Junkersteyn wegzaubern, um das Vorhaben weiter zu verfolgen. Ein kurzes Schmunzeln folgte, sie würde Earon fragen, ob so etwas mittels der Liedweberei denn denkbar war. Angestrengt rieb sich Kaleya die Augen und ließ ihre Gedanken weiter schweifen. Was wäre passiert, wenn der Wachturm gestanden hätte, den die Bewohner Junkersteyns damals erbeten hatten? Hätte das den Einmarsch der Faust mit Hilfe eines kurzen Degenrasselns verhindert? Es machte die Schneiderin ganz wehmütig, dass solche Gedanken sie heimsuchten, doch ein Gutes hatte das Ganze am Ende. Sie griff nach einem Kohlestift und begann auf einem neuen Pergament einen Turm aufzumalen. Der Leuchtturm von Junkersteyn.

Gerade zu beflügelt davon die Skizze am Ende fertiggestellt zu haben, grinste Kaleya in ihrer typischen koboldhaften Art und wackelte dabei aufgeregt ihr Näschen. Wenn Junkersteyn erst wieder befreit war, würde sie das Ziel angehen und jenes ebenso voller Herzblut verfolgen wie die Leitung der Hüter des Nordlichts. Mit einem Leuchtturm hätte man die Gefahr, welche vom Meer her in Junkersteyn eingefallen war, viel schneller erkannt und hätte sie vielleicht noch im Keim erstickt. Nun aber war es zu spät. Seufzend malte Kaleya eine Kopie der Leuchtturm-Skizze auf ein weiteres Pergament schrieb dort noch etwas auf.

Am Ende sandte sie einen Boten nach Berchgard und ließ die Kopie der Skizze mit ihrem Bittgesuch Thelor überbringen.


[img]http://www.mypica.de/Alathair/Leuchtturm_Junkersteyn.png[/img]

Verfasst: Donnerstag 1. Juni 2017, 21:47
von Helisande von Alsted
Bekanntmachung

Es sei allen Bürgern Lichtenthals,
allen Freunden und Verbündeten des Herzogtums verkündet,
dass zwischen den Combatanten
Herzogtum Lichtenthal - Goldene Faust
Eine Waffenruhe von 20 Tagen vereinbart ist.

Sie begann am 31. Eluviar 260 und endet am 19. Schwalbenkunft 260.


Verkündet am 01. Schwalbenkunft 260

Temora beschützt!


v. Gipfelsturm
Oberst des Lichtenthaler Regimentes

Verfasst: Donnerstag 1. Juni 2017, 21:54
von Helisande von Alsted
  • 01. Schwalbenkunft 260

    Befehle zur Waffenruhe


    Hiermit ergeht der Befehl an Wachtmeister von Alsted erfahrene Soldaten der Wachmannschaften für die Dauer der Waffenruhe nach Wolffenbrück zu versetzen.

    Hiermit ergeht der Befehl an alle Soldaten im Felde mindestens drei Tage Urlaub von der Frontlinie zu nehmen und ihre Familien zu besuchen. Auch sollten alle Soldaten die Zeit der Waffenruhe nutzen um ihre persönlichen Angelegenheiten angemessen zu ordnen.

    Hiermit ergeht der Befehl an alle Wachtmeister Wehr- und Kampfübungen für die Soldaten und Bürger zu organisieren.


    v. Gipfelsturm
    Oberst des Lichtenthaler Regimentes

Verfasst: Donnerstag 1. Juni 2017, 23:38
von Arenvir von Kronwalden
Arenvir von Kronwalden hat geschrieben:

Kein Bote ist es, der das Schreiben überbringt, kein Schiff, das vermutlich ohnehin nicht durch die Blockade käme. In solchen Zeiten schickte man einen der verlässlichsten. Magnifizenz Alfaran Eibenbruch, der Verwalter des Konzils, ein Mann der selbst Varuna und den Brand des Konventes überlebt hatte. Er würde die Botschaft auf den verschlungenen Pfaden, die nur den Arkanen möglich waren nach Alrynes tragen und dafür Sorge tragen, dass sie in die richtigen Hände geriet. Auch wenn das hieß, eine verlässliche Stütze aufzugeben, erschien es das Wagnis nötig zu machen.

Und so machte der betagte ältere Mann sich auf, um seine versiegelte Post zum Oberkomando nach Alumenas-Stadt zu bringen. Für ihn würde die Reise wesentlich weniger Zeit in Anspruch nehmen als für jedes Schiff. Aber wenn ein Weg war, würde Alfaran Eibenbruch ihn finden.

Feldlager Junkersteyn
Grafschaft Tiefenberg
Herzogtum Lichtenthal

22. Eluviar im Jahre 260

An das Oberkommando von Alumenas
Dem Oberbefehlshaber, General Ottmar von Vanderhoff -persönlich!-



Wacht und Wehr Temoras mit Euch General von Vanderhoff



Einmal mehr ist die Lage düster in Lichtenthal. Truppen der Faust, die unserem hiesigen Militär zahlenmäßig hoffnungslos überlegen sind, haben Junkersteyn besetzt und damit die Grafschaft Tiefenberg -von Berchgard abgesehen- effektiv unserer Kontrolle entzogen. Wie damals in Varuna, als ich die traurige Pflicht hatte, Euch diesen Verlust zu melden, finde ich mich einmal mehr in der Stellvertreterfunktion wieder und fungiere als Sir Thelor von Gipfelsturms Vize.

Die Truppen der Faust sind militärisch organisiert, ausgerüstet, verpflegt, ausgebildet und verfügen über die Seehoheit um Gerimor herum. Dies Schreiben dient als offizielles Ersuchen an die Königliche Marine, umgehend Kräfte zu detachieren um die Hoheit auf See wieder herzustellen. Da wir über keinerlei eigene Schiffe verfügen, ist uns das unmöglich. Wir wissen von mindestens einem mittleren und einem größeren Truppentransporter oder Linienschiff, das Verhalten des Feindes und seine Anzahl lassen jedoch deutlich mehr Schiffe vermuten.

Auch wenn die Faust, die unter dem Kommando von Oberst a.D. Aren von Sturmpass zu stehen scheint anfänglich in geringer Zahl und wie Strauchdiebe operierte, Siedllungen ausraubte und Bürger heimsuchte, ohne jemanden zu töten, ist ihr Ziel, die hiesige Ordnung abzusetzen, Lichtenthal zu besetzen -unter wem auch immer-, den Hochadel abzusetzen, den niederen Adel und Würdenträger auf ihren Posten zu belassen und auf Standgerichte und Exekutionen zu verzichten, sofern man glaubhaft versichern könne, nicht mit Alatar im Bunde zu stehen. Man verdächtigt Isidor, auf unseren König und "sein Schattenkabinett" einzuwirken und bezichtigt den Adel, nicht auf die Kontaktversuche jener Leute eingegangen zu sein -obschon diese nie stattgefunden haben, wie mir der Rest des niederen Adels versicherte-

Wie konnte es dazu kommen, dass eine derart überlegene Streitmacht aufgestellt, ausgebildet, zusammengezogen und ausgesendet werden konnte, ohne das uns in Lichtenthal auch nur der Hauch einer Warnung erreicht hätte? Dies sei nicht als Angriff auf Eure Person und Euren Stab, sondern als ernstgemeinte Frage zu verstehen, die uns vielleicht zu begreifen hilft, womit wir es eigentlich zu tun haben. Hat niemand im ganzen Rest des Königreichs davon Wind bekommen? Das will mir ob unserer Armee sehr zweifelhaft vorkommen.

Im Namen des Oberbefehlshaber von Lichtenthal ersuche ich Euch um Verstärkung und Entsatz. Ich glaube persönlich nicht, dass wir die Stellungen auf Dauer werden halten können, an eine Offensive ist überhaupt kein Gedanke verschwendet zumal das Alatarische Reich immernoch an unseren Grenzen steht und absolut sicher mittlerweile von diesen Vorgängen Bescheid wissen muss. Dies könnte sich zu einem Zweifrontenkrieg entwickeln, den wir auch mit den Verbündeteten, die mit uns kämpfen wollen, nicht gewinnen können. Sowohl Berchgard als auch Adoran haben die Vorräte und Mittel um einer Belagerung stand zu halten, allerdings hieße das, das kaum mehr Nachschub zu erwarten wäre, weil die Städte sich dauerhaft nur unzureichend selbst versorgen können.


In ungebrochener Treue zu Temora, Krone und Vaterland


Oberst a.D. Arenvir Corbinian Gabriel von Kronwalden
-Praeceptor und Arcomagus-
Adjutant des Oberbefehlshabers von Lichtenthal

P.S. Der Name Goldenfall schien die Leute über die Maßen zu irritieren. Auch wenn ich viel von Euch erbitte, könntet ihr mir Auskunft geben, wie die Dinge in Goldenfall stehen und ob meine Vasallen wohlauf sind?

P.P.S Ein halb zerfetztes Banner wurde gefunden. Wir wissen darüber nichts und ersuchen um eine heraldische Deutung und Informationen über den Sitz des Lehens, soweit verfügbar.
*Darunter findet sich eine Beschreibung von Anselm von Eulenburgs Wappen*

Drachentränen

Verfasst: Freitag 2. Juni 2017, 07:44
von Kaleya Auenbacher
Fein und leise hatte sich Zweifel in des Drachens Herzen gepflanzt. Nun keimte er auf und wurde mit Met zum Schweigen gebracht. Es durfte nicht sein, niemals.

Was immer Kaleya auf dem Kerbholz hatte, Untreue zu König und Reich würde sie nie ereilen. Das hoffte sie zumindest aus tiefstem Herzen. Mit einem vagen Lächeln dachte sie an den Besuch in Wulfgard bei Einarr zurück, der Abend hatte sie wieder ein wenig geerdet. Neben der Herzlichkeit des Thyren und der räumlichen Nähe zu Junkersteyn, hatte sich ihr Drachenherz wieder ihrem Heimatort angenähert. Wie lange die Belagerung von Junkersteyn auch immer anhalten würde, es blieb für immer ihr Zuhause. Und sie hatte neben dem guten thyrischen Essen auch Informationen über die Faust erhalten, die so absolut nicht in ihren Kopf vordringen wollten. Aus welchem Grund auch immer sie die Brücke nach Wulfgard wieder freigegeben hatten, es gab dafür keine Erklärung. Was erhoffte sich die Faust dadurch, militärische Vorteile etwa? Es grenzte an Wahnsinn, und langsam fragte sich der Eisdrache, ob die Soldaten ihren Verstand verloren hatten. Wurden sie gar von fremden Schnüren geführt wie Marionetten? Hätten die Liedweber in den eigenen Reihen das nicht gespürt? Es war konfus und beschäftige Kaleya während der gesamten Überfahrt nach Adoran.

Als sie den Hafen erreichte, machte sie sich nach Verlassen des Schiffes auf den Weg zu Andras Heim. Auf dem Weg dorthin kam sie am Bankhaus vorbei und wollte gerade weiter wuseln, als die Verkündung des Regimentes sie schlagartig ausbremste. Langsam las sie die geschriebenen Worte und immer mehr begann sich ihr Gesicht dabei zu verziehen, bis es gänzlich eingefroren war. Um ein Neues wurden die Zeilen gelesen und Kaleya war am Ende leichenblass und klammerte die Tochter in ihren Armen fest an sich. Nach dem dritten Durchlesen kniff sie die Augenlider zusammen, da ihr die Tränen in die Augen traten. Mit aller Kraft, die sie aufbringen konnte, unterdrückte sie die heraufbeschworenen Tränen, doch am Ende war dies einer jener Momente, in denen der Eisdrache seinen Mut verlor. Ich werde Junkersteyn nie wieder sehen. Mein Heim ist verloren. Es war nur noch ein Schlürfen, das sie dann in Andras Heim brachte und dort angekommen, wurde Anneen in ihr Bett gebracht, ehe Kaleya sich in der Küche den mitgebrachten Met hinter die Binde kippte, um ihre Nerven zu beruhigen. Am Ende dieser Prozedur saß sie Tränen überströmt dort und starrte aus dem Fenster. Die Eisaugen waren leblos und in diesem Moment gab es nichts mehr, das sie aus ihren trüben Gedanken riss. Es war einer der seltenen Augenblicke, in denen kein Wort mehr ihren Mund verlassen würde. Die Zermürbung heimatlos zu sein hatte die lebensfrohe Schneiderin gebrochen. Wie dichter Nebel waberten wirre und hoffnungslose Gedanken in ihrem Geist und ließen sie dann nach schier endlos erscheinender Zeit erschöpft einschlummern.

Verfasst: Freitag 2. Juni 2017, 16:40
von Kila Rabbe
Kila Rabbe hat geschrieben:2. Schwalbenkunft 260

Lager Wolffenbrück


Krone und Reich zu Ehr Befehlshaber Sir von Gipfelsturm,

Ich bitte euch um Erlaubnis eine Bürgerdelegation zu gründen um vor der Faust zu bekunden, dass wir, die Bürger Lichtenthals hinter euch, dem Adel stehen und treu und loyal zur Krone sind.

Wir bezwecken damit der Faust moralisch ins Gewissen zu reden und hoffen auf Einsicht und Einlenkung um eine diplomatischen Lösung zu finden, die nicht mit der bedingungslosen Kapitulation oder einem rollenden Kopf unserer Vertrauten endet.

Ich habe bereits meine Wahl getroffen und werde mit eurer Zustimmung einen kleinen Bürgerdelegationsrat zusammen rufen. Über Besprochenes, getroffene Entscheidungen und weiteres Vorgehen werdet ihr umgehend informiert.

Möge uns Temora an jenen dunklen Tagen trost spenden.

Hochachtungsvoll

Kila Rabbe

Gardistin des lichtenthaler Regimentes

Verfasst: Freitag 2. Juni 2017, 21:07
von Helisande von Alsted
Das Schachbrett rettete sich mit einem gewaltigen Sprung an die Wand. Wobei zu gestanden sein muss, dass dieses unbelebte Stück Holz durch die Hand der Offizierin dabei gehörig fremdbeschleunigt wurde. Ebenfalls die Wand des Kommandozeltes trafen einige grimmige und vollkommen untypisch unhöfliche Worte der offensichtlich leicht erzürnten Frau. Kurz danach war das schmerzhafte Knacken von sich anspannenden Muskeln zu vernehmen, die in ihrer Anspannung für das Knirschen der Gelenkschmiere in den Fingerknöcheln sorgte.
Sie sehnte sich ein anderes Knirschen herbei, das Knirschen das man vernimmt wenn man jemandem mit einem gezielten Faustschlag die Nase gründlich bricht. Nase und Gesicht für diese Geräuschkulisse hatte sie für sich ausgemacht, jedoch 20 Tage waren 20 Tage.
20 viel zu lange Tage, 20 Tage in denen sie ihre gesamte Überzeugungskraft in die Waagschale würde werfen müssen. Und wozu? Für die fixen Ideen des Aren von Sturmpass, dessen Kernaussage bei der Verhandlung nur gewesen war : "Die Adligen beuten Herzogtümer aus aber uns hört ja keiner zu!"
Weder der Nachweis eines sinnvollen Versuches war glaubhaft vermittelt worden noch stimmte irgendwas an der Körpersprache von dem Mann. Wer legt beide Hände um den Bierkrug? Wer verzichtet beim Sprechen, wenn er jemanden von seiner Idee überzeugen will auf direkte Ansprachen, konzentrierten Blickkontakt, offene Haltung?
Jemand der sich seiner Überlegenheit sicher ist oder dem anderen vorgaukeln will es zu sein. Sicherheit ausstrahlen, entspannt sich selbst darstellen wollen. Hinzu noch dieser mehr als scheußlich unsoldatische Wachtmeister Pen.. Pen...
Das Dienstbuch wurde gezückt und nachgeschlagen. Penrod.
Feldwebel Alfred wirkte in der Nähe seines Oberst auch merkwürdig und vor allem so als ob er Wachtmeister Penrod gern fressen würde. Eine Konzession an die Politik war diese Personalie laut Alfred.
Politik.
Das neuste Schimpfwort.

Der Blick geisterte nach irgendwas umher, was man noch werfen konnte. Kurz danach flog der in Ehren gehaltene Feldbecher aus dem Zelt, welch Glück ohne irgendwen zu treffen. Sie erstarrte und legte dann langsam den Kopf schief.

Heiße Luft. Der Oberst basierte seine Aktionen auf heißer Luft. Es gab keinen einzigen Nachweis oder Funken an Glaubwürdigkeit darin, dass er wirklich irgendwas versucht hatte um auf die Missstände aufmerksam zu machen. Er schwamm bis zum Hals in einer Flut von Überzeugung, die er nicht belegen konnte. Das erste was man beim Militär lernt: Daten, Fakten, Zahlen.

Es wurde versucht...
Von wem denn?
Eirenseer Adel wird nicht angehört...
Wurde es versucht?
Die Priester haben beraten...
Wen? Ist die Kirche im Bilde?


Herumlavieren wie die Katze um den heißen Kanarienvogel im Haferbrei, aber keine überzeugenden Worte. Dafür aber ganz verwundert tun, wenn Frau Oberst das Besetzen ihres Herzogtums so gar nicht mit Beifall belohnte und scharf im Wort wurde. Dennoch hatte sie den Ölzweig noch hingehalten, dafür hatte Hochwürden Hohenhain gesorgt.
Am Liebsten jedoch hätte sie dem schwätzenden Oberst von Sturmpass den Ölzweig in den Rachen gestopft. Nun lagen ihre Karten auf dem Tisch und Feldwebel Alfred würde das von ihr übergebene Wappen und die Schriftproben prüfen lassen. Auf das Ergebnis war sie tatsächlich gespannt. Gnädigst hatte der Heißluftoberst ihnen 20 Tage Waffenruhe gewährt. Jede kriegerische Handlung seitens Lichtenthal oder deren Verbündeten würde einen Bruch bedeuten. Die angebliche militärische Überlegenheit der Faust wurde nochmal betont.
Wer Bier mit zwei Händen hält, der versucht auch Masse an Soldaten vorzutäuschen wo womöglich keine ist. Der lässt auch einen Unteroffizier ein Lager kommandieren anstatt einen Offizier.

20 Tage.
Bürger informieren.
Truppen Erholung gönnen.
Alle auf den Kampf vorbereiten.


Nebenbei noch herausfinden ob die Eule im Löwenhorst ein Kuckuck war und ob die Lilie besser bei Buschwindröschen ihre Knospen bewahren konnte. Drachen sollen Glücksboten sein. Von Diplomatie war nie die Rede.



Ein Diplomat der "ja" sagt, meint "vielleicht",
der "vielleicht" sagt, meint "nein" und der,
der "nein" sagt, ist kein Diplomat.
Eine Dame, die "nein" sagt, meint "vielleicht",
die "vielleicht" sagt, mein "ja" und
die "ja" sagt, ist keine Dame.


Charles Maurice de Talleyrand

(1754 - 1838), französischer Bischof,
Staatsmann und Außenminister

Verfasst: Samstag 3. Juni 2017, 08:52
von Lucien de Mareaux
„Waffenruhe, 20 Tage lang.“

„Sie haben Priester in ihren Reihen, halte Ausschau nach ihnen bitte.“

„Der Wachtmeister wäre bei uns vermutlich nicht einmal Rekrut!“


Hatten wir. Tatsächlich nutzten wir die Waffenruhe noch innerhalb der ersten 24 Stunden dafür. Die Anwärterin war neugierig, wie es in Junkersteyn aussah, und ich wollte der Bitte nachkommen, also verband ich einfach beides miteinander.
Immerhin hielt die Faust Wort, obschon sie genau wussten, wo ich sonst üblicherweise herumlungerte und wachte. Da ich, es war ja fast schon Gewohnheit inzwischen, am Eingang die Waffen bei einer der Wachen abgab, konnten wir uns im Dorf frei bewegen. Ich hielt es für gut, wenn die Anwärterin wusste, wie es hier aussah. Letztlich war es ihr so möglich sich ein etwas genaueres Bild zu machen von dem, was ihr zwischenzeitlich entgangen war.
Allerdings brachte der Rundgang ansonsten keine neuen Erkenntnisse, und Priester erkannte ich auch keine unter den anwesenden Fäusten – vielleicht weil die Priester kein Ornat trugen, vielleicht, weil hier einfach keine waren. Ich unterließ es laut danach zu fragen, für dieses Mal, hielt ich es doch für zu auffällig direkt danach zu fragen, nachdem das Gespräch stattgefunden hatte.

Als ich zwei Tage drauf dann über das Gespräch eine weitere Unterhaltung führte, war es insofern interessant, dass ich neue Eindrücke vermittelt bekam, auch wenn ich die gemachte Analyse nicht direkt so teilte, wie sie erzählt wurde. Ich ließ mir andere Optionen offen, einfach auch deshalb, weil ich nicht dabei gewesen war, und keine Möglichkeit der eigenen Einschätzung hatte, als die Berichte dafür zu verwenden, so dünn sie auch ausfielen für den Anfang.
Wenn man merkt, dass sein Gesprächspartner in der Sache doch zum Teil emotional unterwegs war, versucht man selbst den sachlichen Aspekt hinein zu bringen – zumindest ging es mir so. Nichts desto trotz bemühe ich mich auch das Gespräch aufzulockern, ein bisschen. Anspannung war ebenso ein schlechter Ratgeber, wie blinder Zorn, Angst oder ähnliche Auffälligkeiten in den Emotionen. Es fiel mir selbst unsäglich schwer da nüchtern heranzugehen, denn auch wenn so einige hier auf der Palisade gegen die Fäuste tobten, hatten sie bei mir doch noch immer Sympathien geweckt und die waren nicht gestorben, nicht einmal mit den Toten, denn die hatten sie auch zu beklagen. Das war schlicht eine Folge, mit der alle gerechneten hatten. So war das nun einmal im Krieg und in der Liebe, beides forderte Opfer.

Die Aussagen über den Wachtmeister Penrod hingegen waren zum Teil erheiternd, zum Teil stimmten sie mich darüber hinaus nachdenklich. Offenbar wurde befunden, dass er nicht einmal zum Rekruten taugte – was mich wirklich amüsieren musste, wirklich, denn ich als Nichtsoldat war ja immerhin Gardist gewesen. Was also musste der an Penetranz an den Tag legen, wenn er noch weniger Soldat war als ich? Die Feststellung, dass von Sturmpass dafür nicht einmal einen Tadel übrig hatte, tat der Erheiterung keinen Abbruch, auch nicht, dass Alfred davon offenbar wenig angetan gewesen war. Es war einfach, wie überall. Jedes Regiment hatte eben seinen Lucien, oder Penrod. Irgendwas musste der Kerl ja haben, dass der Oberst ihn hatte mitnehmen wollen, auch wenn es nicht zwingend allen gefiel. Die Frage war also: Was?
Das war eben wieder der Punkt mit der Emotionalität. Er hatte verärgert, war offenbar vorlaut gewesen, auch gegenüber dem Oberst. Massiv, das Wort war gefallen. Dennoch musste etwas an ihm sein, dass er ihn mitnahm.
Noch etwas wunderte mich: Warum nicht den Oberstleutnant? Warum Feldwebel und Wachtmeister? Was zur weiteren Fragen führte: Wo war der Oberstleutnant? Tatsächlich beschäftigen mich nach der eher kurzen Unterhaltung noch einige Fragen mehr, aber das musste eben warten, bis meine Gesprächshälfte wieder Zeit fand – und ich auch.

Wie ich es Majalin versprochen hatte, lungerte ich nur ein paar Stunden im Lager herum, machte mich dann auf den Heimweg. Da Waffenstillstand geschlossen worden war, ging ich nicht davon aus, dass man mich durchgängig dort brauchte, meldete mich bei dem Wachtmeister für zwei Tage ab.
Auch so ein Versprechen.
Nein, die waren mir keineswegs lästig. Meine Frau machte mir derzeit viel möglich und nahm auch viel auf sich, damit ich im Lager verweilen konnte, erst am Vortag kam die erste Klage, und sie war mehr als nur verständlich. So klein unsere Tochter auch noch war, aber sie hatte offenbar die Neigung zur absoluten Emotionsflexibilität. Ich verweigerte es mir selbst darüber nachzudenken, wie das erst werden sollte, wenn sie im jugendlichen Alter war. Vermutlich musste ich sie dann anbinden und die Jungs rausprügeln. Mochte Temora uns davor bewahren.