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Verfasst: Mittwoch 13. Januar 2010, 14:45
von Darna von Hohenfels
Isidor. Endlich. Sie begegnete dem Zweitgeborenen der Prinzen mit aller Höflichkeit und etwas Zurückhaltung, dabei versuchend, sich möglichst schnell und gründlich einen Eindruck von ihm zu verschaffen. Die Initiativen lagen klar bei ihm, sie anzusprechen, war er doch trotz seiner Jugend der Ranghöhere und alt genug, diesbezüglich eigenständig zu handeln. Sie hatte nur Gutes von dem Jungen gehört und sah es bald bestätigt: ein höflicher, in seiner Art bescheidener junger Herr, der auch nur inzwischen gewöhnt sein Bestes gab, den Erwartungen gerecht zu werden, die man an den Bruder des künftigen Königs stellte.
Das Eis brach etwas, als des Prinzen Neugier auf die zweite Gemahlin seines Onkels nur wenig geringer schien als ihre eigene auf Isidor, doch schien er auf das Hofgetratsche nicht allzu viel zu geben und sich eine eigene Meinung bilden zu wollen. Er hatte Eileen ein wenig kennengelernt, als sie und Adrian vor den Arkorithern hatten fliehen müssen, und Darna war doch schnell feststellbar anders. Und auch wieder nicht - wie Isidor im späterem Gespräch feinsinnig anmerkte, hatte sein Onkel eine Schwäche für ungewöhnliche Damen behalten.
"Wie wird ein Mensch, der klar vor Augen hat, ständig nur der Zweite oder die Reserve zu sein?", hatte sich Darna mehrfach besorgt gefragt, auch im Hinblick auf Aaryon und all die Erwartungen, die auf seinen noch kleinen Schultern ruhten. Was, wenn er tatsächlich noch Geschwister bekam? Isidors gutmütiges Naturell schaffte es, einen Teil ihrer geheimen Sorgen zu beruhigen.
Dafür weckte der Hof mit seinem Interesse an Luca gleich ein ganzes Dutzend neuer. Ein höfischer Ball, und Luca dabei, gütiger Himmel! Das Beste, was er in Darnas Augen machen konnte, wäre den ganzen Abend still in einer Ecke zu sitzen und den Mund nicht aufzumachen, aber auch damit wäre ihnen wenig geholfen. Sie bemühte sich, Luca ein paar grundlegendste Tipps mitzugeben. Tanzen konnte man ihm jetzt schlecht noch beibringen. Wobei... vielleicht wenigstens einen der leichteren? In ihrem üblichen Eifer musste es Luca vorkommen, es hagelte Ratschläge und besorgte Ermahnungen auf ihn ein.

Ballkleidung... sie hatte für die Hauptstadt zwar auch ein Kleid ihrer besten Garderobe eingepackt, aber nach dem, was sie hier alles gesehen hatte, hatte sie ein ungutes Gefühl dabei und machte sich in der nächsten freien Minute auf eine eigene Suche. Es konnte hier doch nicht nur von Eirensee's geben... Mit einer kleinen Empfehlung von Isidor und ihrem eigenen Gespür für Aufrichtigkeit wimmelte sie zwei Hofdamen ab, die sich gar zu scheinheilig bemühten, als herauskam, was sie suchte: Eindrücke und Erfahrungen, was zu Hofe bei solchen Anlässen getragen wurde und Hilfe, noch passende Kleidung auf die Schnelle zu organisieren. Ihre Befürchtung bestätigte sich rasch, daß sie mit ihrem eigenen Kleid hoffnungslos wie das letzte Landei aussehen würde und sie argwöhnte, daß eher etwas wie ihr Hochzeitskleid dem Status entsprach, was hier als "normale" Abendgarderobe gesehen wurde. Bei allen Dämonen...
Aber es gab im Hofstaat nicht nur Menschen vom Schlage des Herzogs. Und Darna machte Bekanntschaft mit einer Dame, die sie eher an eine Rika von Gryffenhorst erinnerte. Zum Glück war auch sie selber inzwischen nicht mehr völlig unbedarft und wusste im Groben, was sie wollte, und so stand doch zu erwarten, daß Adrian am Ballabend eine würdige Begleitung hatte. Kurz wollte sie ihm grollen, als sie merkte, daß er anhand seiner eigenen Erfahrungen mit dem Königshof was Passendes für sich in die Reisetaschen geschmuggelt hatte, und sie dastand wie blöd - aber wie hätte er ihr auch helfen sollen? Hier in der Stadt waren Dinge vorrätig und schnell zur Hand, für die sich Amelie daheim wochenlang die Finger hätte blutig nähen müssen.

Die Tage begannen schnell, geschäftig zu werden, denn noch etwas wollte sie vor dem Ball erledigt wissen. Bevor sie aufgrund dieses Ereignisses für eine absehbare und einplanbare Zeit nicht nach Aaryon sehen konnte, sollte er in Sicherheit sein. Nach einem weiteren abendlichen Gebet im Temoratempel plante sie den nächsten Tag vor dem Ball sehr gründlich durch, mit einer geschlossenen Kutsche würde sie sich nochmal zu einigen ihr inzwischen empfohlenen Läden begeben und auf dem Weg zu vereinbarter Zeit noch Adrian mit abholen für eine kleinere Stadtbesichtigung mit ein paar Halten und zwei Pausen für etwas Tee und Kuchen in gehobeneren Gaststätten. Aaryon kam mit, sobald der Einkaufsteil soweit abgeschlossen war, daß er dabei nicht mehr stören würde, bei der allmählich einbrechenden Kälte als sorgsam eingewickeltes Bündel.
Soviel wie nur irgend möglich wurde nicht direkt von ihr arangiert, sondern erst über drei Ecken. So war im Tempel hinter verschlossenen Türen besprochen worden, daß durch gute Bekannte auf ihre Kutschenorder hin ein bestimmter Fahrer kommen würde mit einer Kutsche, die auch für vier Personen genügend Platz bot und Vorhänge an den Fenstern hatte. Für die Route waren mit genügend Ortskenntnis Haltestationen geplant, bei denen mögliche Verfolger kaum sehen konnten, wann genau nun eine weitere dritte Person mit in die Kutsche steigen und wann sie sie wieder verlassen würde. Man würde Darna und Adrian im letzten Gasthaus noch mit einem wahrscheinlich schlafenden Bündel Kind sehen und erst zurück im Schloß würden die Wachen vermutlich etwas verdutzt darauf reagieren, wenn aus diesem Bündel Brötchen und Spezereien mit der Begündung, man habe sie warm halten wollen, ausgewickelt wurden...
Fortan hieß es auf Fragen, wo Aaryon sei, lediglich noch knapp: "In Sicherheit".

Verfasst: Donnerstag 14. Januar 2010, 16:29
von Adrian von Hohenfels
Der Tag des Balles war gekommen. Noch zeitig, bevor sie sich auf den Weg zum großen Ballsaal machten, hatten sie Luca herbeiführen lassen. Er wurde in ihren Räumlichkeiten zurecht gemacht. Es schien ihm gar zu gefallen, dass man eifrig an ihm herumzupfte und dafür Sorge trug, dass alles hochordentlich saß. Es schien ihn gar ein wenig von dem deutlichen Kummer, über Aaryons Fehlen abzulenken. Man war sich einig, Luca stets zur Seite zu stehen und im Auge zu behalten, noch nicht ahnend, wie wenig ihnen diese Möglichkeit gegeben sein würde.

Allmählich fuhren vor dem Schloss die ersten Kutschen vor, manche von ihnen dürften gewiss die höchst nennenswerte Strecke von bestenfalls wenigen 100 Schritten hinter sich haben. Sein und Scheinen...
Vor dem Ballsaal jedoch zerplatzten all ihre Vorhaben, ein Auge auf Luca zu haben wie Seifenblasen. Sehr deutlich wurde ihnen kenntlich gemacht, dass Luca würde eintreten dürfen, sobald es seiner Rangfolge zustände... Natürlich, sobald der Saal mit allen Gästen gefüllt war. Adrian und Darna warfen sich besorgte Blicke zu. Natürlich war ihnen danach, hier zu verweilen. Doch wäre dies ein wissentlicher Affront. Sie konnten es drehen wie sie wollten, blieben sie nun bei Luca, wäre dies ebenso Beleidigung, wie das Durchsetzen, ihn jetzt mit sich führen zu wollen. Die Teufelei war ausgeheckt und dies in Perfektion.

Sie konnten nur wenige Worte mit Luca wechseln. Kurze Anweisungen, Zurückhaltung zu zeigen und alsbald als möglich zu ihnen zu kommen, man würde ein Auge aufhaben, um ihn gleich, da er eintreten würde dürfen bei sich zu halten, er solle sich nicht sorgen und nicht davonlaufen, und sich möglichst nicht in Gespräche verwickeln lassen. Dieser Abend konnte gründlich scheitern, und nach allem was bisher geschehen war, war zu vermuten, man würde alles daran legen, dass es genauso kommen würde. Möglichst ruhiger Miene betraten sie den Ballsaal, natürlich mit Namen und allen Titeln angekündigt. Er konnte an Darna’s Haltung jedoch zu gut erkennen, dass sie ihm am liebsten sogleich davon geeilt wäre um wieder zu Luca zurückzukehren.

Schein wahren, soviele Blicke lagen auf ihnen. Manche hiervon verdeckt in hämischer Vorfreude gar? Sie wussten es gut zu verbergen. Der Ballsaal lag in erwarteter Pracht, erfüllt mit Statuen, Prunk und Eleganz vor ihnen. Überall eilten sogleich eifrige Diener herbei, die Gäste angemessen, jedoch unaufdringlich zu bewirten. Sie begaben sich gemäß ihres Rechtes an Isidor’s Seite und wechselten, nun da dies noch möglich war, vor allem da dieser sie ansprach, wenige sehr leise und besorgte Worte. Isidor versprach, sich selbst zu bemühen ein Auge auf Luca zu haben. Zudem hatte er vorgesorgt, dass wohlwollend zugetane Personen, sich ebenso hierum bemühten und ihm gegebenenfalls manche Nachricht zutrugen. Dennoch stieg die Sorge minütlich und das Hoffen, Luca bald zu sich holen zu können.

Schon bald bildeten sich erste Gesprächsgrüppchen. Gewiss war das Lästern, tratschen und Herabwürdigen bereits in vollstem Gange. Endlich ergab sich Darna die Gelegenheit, nach Luca Ausschau zu halten, während Adrian in Isidor’s Nähe weilend bereits in wichtige Gespräche um Reich und Politik verwickelt wurde. Er bekam noch am Rande mit, dass um Darna etwas geschah, als sie eine Gruppe von Damen passierte, vermochte aber ob der Ablenkung seines eigenen Gesprächskreises, dies zunächst nicht in Augenschein zu nehmen.

Noch während die erlauchte Runde sich gar zum Teil als wahrlich über das einnehmende hinaus auch als interessant erwies, wurde Isidor eine leise Mitteilung zugetragen, auf welche hin er sich kurzfristig entschuldigen liess und offenbar gen der vorgelagerten Balkone aufbrach um etwas frische Luft zu genießen. Der Blick, welchen er Adrian kurz zugeworfen hatte, liess Besorgnis in ihm aufkommen, dennoch vermochte er sich derzeit nicht aus diesem Gespräch zu entfernen. Bis zu dem Zeitpunkt als an den Türen, welche zu den Balkonen führten ein offensichtlicher Tumult losbrach, wenige Augenblicke nachdem er Isidor wieder hatte hereinkommen sehen. So begab er sich, wie einige neugierig gewordene Anwesende dorthin, wobei ihm übles schwante, welches er bestätigt sah als er Luca in Bedrängnis erblickte, während Darna sich nun an Adrians Seite befand.



Zwischenspiel Luca

Adrian und Darna waren kaum aus seinem Blickwinkel verschwunden, hätte er schon andeuten müssen, er wäre nicht imstande zu sprechen. Eine ganze Traube edler Damen unter offensichtlicher Anführung einer besonders hochnäsig blickenden Person, hatte ihn offenbar in Augenschein genommen und sprachen ihn gar an, so man dies so nennen konnte. „Sieh an, wie man hört, sei dies jenes seltsame Objekt der hoheitlichen Forschung. Ein Experiment so sage man, wie ein Bursche aus dem niederen, unwerten Elend, wohl gelänge, heuchle man ihm Zuspruch und Freundlichkeit, ehe man seiner überdrüssig würde.“ Kieksiges Gelächter und Getuschel erfolgte, während Luca angestarrt wurde, wie ein Ausstellungsstück, welchem man wenig Wert beimaß. „Ob er schon das Tanzen lernen durfte, das Lesen, schreiben und sprechen gar? Mancherlei hält sich wahrlich seltsames Getier, nunja, wo Stalldung an seinem Herrn klebt, mag er an derlei Umgang möglicherweise wahrlich Belustigung finden.“ Erneut folgte mehrstimmiges kieksendes Kichern.

Noch bevor Luca eine Reaktion ermöglicht war, liess ihn eine leichte kaum merkliche Berührung auf eine andere Person aufmerksam werden, die sich unauffällig genähert hatte. Ein Gesicht, dass ihm wohl bekannt vorkam. Es war jenes Mädchen, welches ihm vor wenigen Tagen zugelächelt hatte. „Gebt nicht viel auf dieses Getuschel, sie wollen euch reizen. Lasst euch nie darauf ein, ihr würdet nur verlieren. Würdet ihr mir die Ehre gewähren, mich zu begleiten? Auf den Balkonen ist es jetzt angenehmer und wir kehren schon zeitig zurück, dort hätten wir mehr Gelegenheit uns zu unterhalten, vertraut mir.“

Der Anblick der sich seinem Blick offenbarte, erinnerte gewiss noch an das Bild vor wenigen Tagen. War sie dort schon elegant gekleidet, übertraf ihr Anblick jenes Bild nun bei weitem. Ein ausladendes Kleid, wie es auf diesem Ball ohnehin vorherrschend war, schien nur so übersäht von Verzierungen und Glanzpunkten. Ihr langes, hellbraunes Haar war gebunden und glänzte seidenweich. Wenngleich ihr Kleid schicklich hochgeschlossen war liess es doch gleichzeitig interessantes darunter erahnen, so man hierfür einen Blick hatte.

Sein Blick huschte ein paar mal zwischen ihrem Gesicht und der Brust hin und her. Nur recht .kurz lag jedoch sein Blick prüfend auf ihr, als sei er sich nicht sicher, _wie_ lohnend und vielversprechend die Einladung sei. Schließlich drehte er sich wieder zu den Frauen um, wenngleich auch der Schwung fehlte. Mit großen, gar entsetzt scheinendn Augen, sah er jene Sprecherin an um sich im gleichen Augenblick wieder zu dem Mädchen umzuwenden. Bemüht den pikierten Tonfall Darna’s so wie deren Mimik nachzuahmen setzte er zu einer leiseren Erwiderung an, welche für die Damengruppe gewiss noch deutlichst zu vernehmen sein würde: "Hat sie das grade wirklich in den _Mund_ genommen...?“ Er legte eine verblüffte und angeekelt erschütterte Nuance in seine Aussage, die den Eindruck erwecken musste, dass das Aussprechen ihn arge Überwindung des Ekelgefühles kosten mochte. “Die Damen hier reden vor Fremden darüber, was Tiere im Stall fallen lassen?“

Ein leises Kichern, hinter vorgehaltener Hand war seitens des Mädchens zu vernehmen, bevor sie andeutend in Richtung der Balkone nickte und ihm leise zutuschelte, ob er ihr nicht den Arm anbieten mochte. Er hatte diese Geste bei Adrian und der Lady so manches mal beobachten können und bot ihr hochgalant den Arm, bevor er sie stolzen Blickes nach draußen führte, wo ihm das Lob des Mädchens, er habe den Damenkreis gut ausgekontert schier nochmal wachsen ließ, während sie sich offensichtlich über die fassungslosen Gesichter der Damen amüsierte.

„Endlich bietet das Schloss einmal Abwechslung.“ Luca’s Stolz schien noch zu wachsen, als das Mädchen ihn nun begann ihn als jungen Herrn anzusprechen. „Es sind hier immer die gleichen Gesichter. Es muss sehr spannend sein, den Onkel des Königs so nah um sich zu haben. Ich bin oft im Schloss, aber als Freiin, hab ich selten mit so hohen Kreisen zu tun. Wie lang befindet sich der junge Herr denn schon bei seiner Hoheit und seiner Gemahlin? Ist es schön dort? Hat er euch als seinen Knappen angenommen? Und woher stammt der junge Herr?" "Schon ein paar Jahre.“beantwortete er eifrig ihre Fragen, um möglichst schnell ein Thema zu finden, mit welchem er gewiss punkten konnte. „Ich bin der Pate und bewache die junge Hoheit. Dort ist es viel gefährlicher als hier. ich musste schon gegen Hexer und Räuber in die Schlacht. Zum Glück bin ich gut mit dem Schwert. Spannend ist es fast immer. Gegen die Räuber hab ich zusammen mit einem Kronritter und der Allianz gekämpft."

Sogleich sprang sie offensichtlich interessiert auf das Thema an. „"Mögt ihr mehr hierüber berichten? Kronritter gibt es im Schloss viele, die meisten sind hier stationiert. Wenngleich, in letzter Zeit sind die meisten fort, . vermutlich mit seiner königlichen Hoheit, Kronprinz Ador auf Reisen. Doch darüber wisst ihr als Pate der kleinen Hoheit bestimmt auch viel mehr nehme ich an?" Luca zeigte lediglich ein gemessenes Nicken ohne auf ihre Frage näher einzugehen. „Erzähl mal vom Schloss. Wir sind ja grade erst angekommen"

„Ach das Schloss.“ Sie offenbarte ein kurzes Abwinken. „Die Beleidigungen seitens der Damen, offenbarte es in seiner üblichsten Form. Das hat man hier Tag um Tag, darüber zu hören ist wirklich nicht spannend. Die Abenteuer des jungen Herrn, seiner Hoheit und ihrer Erlaucht sind bestimmt viel interessanter." Offenbar neugierig abwartend, viel mehr darüber zu hören, blickte sie ihn mit deutlichem Augenaufschlag an und bekam ausufernde Erzählungen über seine Heldentaten berichtet, in welchen er so manches mal als der Sieger über ganze Horden und heldenhafter Erretter im Mittelpunkt stand, ihre scheins bewundernden Blicke genießend, präsentierte er ihr gar seine Narbe am Arm, nachdem sie ihm versichert hatte, nicht in Ohnmacht zu fallen.“

Er erntete erneut ein einnehmendes Lächeln und den Zuspruch, dass im gesamten Schloss kein junger Herr nur annähernd derartig mutig sei und seine Hoheit gewiss sehr stolz auf ihn wäre. Weiterhin fragte sie in aus, ob er gar schon das Tanzen gelernt hatte, worauf er eilig ablenkend einwarf, dass er zunächst einmal das Kämpfen lernte, aber sie könne ihm doch einen Tanz zeigen. Sie blickte sich kurz um, und als man offensichtlich wirklich für den Moment ungestört war, zeigte sie ihm einige Tanzschritte und animierte ihn sich anzuschließen. Es handelte sich um einen deutlich höfischen Reigentanz bei dem man sich nicht auch nur annähernd zu nah trat. Luca improvisierte so gut er es vermochte und zeigte sich zumindestens geschickt genug, sie nicht zu treten. Schließlich gab sie leise zu bemerken, dass man sie beide doch beobachtete worauf sie kurz aufkicherte und sich schnell abwandte unter dem leisen Hinweis, man würde besser weiterreden bevor die Damen wieder herumtratschten.

Sie lobte eifrig sein Geschick und bemerkte, dass er gewiss ein großer Held und ebensolcher Tänzer werden würde. Sein Blick bekam bei der Benennung des Tänzers doch einen deutlich skeptischen Ausdruck, was sie zu einem erneuten einnehmenden Lächeln animierte. Schon kurz hierauf erfasste sie jedoch Unruhe. „Gewiss sucht Frau Mutter bereits nach mir, doch möglicherweise sehen wir uns noch in den nächsten Tagen oder später auf dem Ball. Für den anderen Fall, damit der junge Herr sich auch meiner erinnere, sei ihm mein Armreif zum Geschenke gegeben, meinem stolzen Helden.." Mit einem kessen Lächeln und einem einnehmenden Augenaufschlag, liess sie ihm unauffällig jenen Armreif zukommen, bevor sie in der Menge entschwand.

Es vergingen nur wenige Augenblicke, in denen er verwundert bis erstaunt, den kostbaren goldenen Armreif, welcher mit zahlreichen teuren Edelsteinen verziert war, betrachtete. Als er bemerkte, dass sich jemand näherte liess er ihn erst einmal in einer Tasche verschwinden und sah sich um. Es war Isidor, der sich ihm mit besorgter Miene näherte und ohne rechte Umschweife und doch das Gespräch recht weit abseits anderer Anwesender auf den Punkt brachte. „Es ist gewiss sicherer für dich und meinen Onkel, wenn du mir jenen Armreif unauffällig übergibst. Ich fürchte hier ist eine Intrige eingefädelt, die euch am Hofe unmöglich machen wird.“ Misstrauen legte sich in Luca’s Blick. Es war schließlich ein Geschenk, gönnte er ihm dies nicht? Andererseits war Isidor neulich recht nett gewesen. Seinen Blick sehr wohl bemerkend setzte Isidor sogleich nach. „Sollte eintreten, was ich befürchte, wird übles über meinen Onkel und auch dich hereinbrechen. Du kennst die Vorgänge am Hofe nicht so gut wie ich. Intrige und Hinterträchtigkeit lauert an jeder Ecke. Ich bitte dich, mir zu vertrauen.“ Einige Momente wägte Luca ab, bevor er es mit einem vorwurfsvollen Blick unauffällig an Isidor übergab. Sich deutlich übervorteilt fühlend, sah er Isidor nach, der sich zurück in den Ballsaal begab. Von dem Schmuckstück war nichts mehr zu erblicken. Wenige Augenblicke später war Isidor selbst auch schon in der Menge entschwunden.

Er entschloss sich eben, selbst erneut hineinzugehen, vielleicht konnte Adrian hierzu mehr und verständlicheres aussagen. Er kam nicht einmal bis zur Tür als eine aufgebrachte Dame mit Gefolge von Wachen fuchtelnd auf ihn deutete. „Bestimmt war es dieser .. Bursche, man hat ihn mit meiner Tochter erblickt. Und nun ist dieses kostbare Schmuckstück entschwunden.“ Mit Erschrecken konnte er noch die Worte vernehmen während alle Blicke sich auf ihn legten und die Wache sehr herrisch darauf bestand, er möge sie ohne Aufsehen begleiten. Adrian und Darna waren ob des offensichtlichen Aufruhres ebenso nähergekommen, doch hätten sie sich schon schubsend Bahn brechen müssen ob des Auflaufes all jener, die ihn nun anstarrten. Luca wurde unsanft seitens der Wachen am Arm gefasst und man war mehr als bemüht, ihn fortzuschaffen, während jene Frau ihre Anschuldigungen weiterhin über ihn ergoss.

Im nächsten Augenblick trat sofort Ruhe ein als Isidor nahte und sich doch bestimmt Gehör erbat. Er trat auf jene Frau zu. „Ich konnte nicht umhin zu vernehmen, dass eurer werten Tochter, Freiin Emilia dieser kostbare Armreif abhanden kam. Ein Hausdiener fand ihn unweit des Balkones am Boden liegend und hat ihn in seiner Fürsorge an mich übereignet, auf dass ich diese unerfreuliche Angelegenheit, derer hier gewiss jeder offenbar wurde, angemessen zur Aufklärung bringen könne. Es ist wahrlich eurer werten Tochter als auch euch gewiss eine Erleichterung, dass dieses kostbare Schmuckstück in die euren Hände zurückfinden konnte.“ Mit einem milden Lächeln übereignete er den Armreif an jene Dame, welche abwechselnd bleich wurde als auch errötete, bevor sie sich eiligst entfernte, durfte sie sich nun selbst der unangemessenen Störung des Balles schuldig wähnen. Nicht lang hierauf, entfernte sich die Kutsche der Dame und ihrer Tochter eiligst vom Schlosse, während Luca noch immer um Fassung rang, über jenes, was über ihn hereingebrochen war.

Er vermochte noch wahrzunehmen, dass Isidor ihm etwas zuflüsterte: „Zu Hofe ist ein gutes Auge, wem man trauen kann das wichtigste, das ist das erste, dass ich durch meinen Onkel gelernt habe. “ Schon war auch Isidor wieder entschwunden, seinen Pflichten nachkommend, während Adrian und Darna nun zu keiner Minute mehr von seiner Seite wichen.

Verfasst: Donnerstag 14. Januar 2010, 17:42
von Darna von Hohenfels
Zwischenspiel Darna

Adrian bekam noch am Rande mit, dass um Darna etwas geschah, als sie eine Gruppe von Damen passierte, vermochte aber ob der Ablenkung seines eigenen Gesprächskreises, dies zunächst nicht in Augenschein zu nehmen.

Darna’s Weg, um nach Luca zu sehen, führte nur wenige Schritte weit. Getuschel, doch deutlich noch für Darna zu vernehmen, klang auf, als sie eine Gruppe von Damen passierte. „Die Ärmste, man muss sie wahrlich bemitleiden. Mit diesem Gesicht ist es gewiss nicht leicht, noch einen Gatten zu finden, noch dazu in diesem fortgeschrittenen Alter, da ist man gewiss nicht mehr wählerisch, selbst wenn der werte Gatte doch so deutlichen Stallgeruch an sich trägt. Welch glückliche Fügung, dass er dennoch von so hohem Stande ist.“

Das... galt ihr. Sticheleien herauszuhören, war ihr früher nicht gut gelungen, aber rückblickend hatte sie umso besser gelernt, welche verletzenden Worte damals sie ständig falsch interpretiert hatte. Die Wut, die in ihr hochkochte, war jedoch die alte, wohl bekannte. Gernot. Sie hatte ihre Schritte verlangsamt, war in guter Reichweite zum Zurückschießen stehen geblieben, auch wenn sie es nicht so recht wollte. "Geh doch einfach weiter! ... Nein, dann denkt die doch bloß, du wärst auf den Mund gefallen, um vernünftig Contra zu geben. Hübsch lächeln!"
"Einen wohlen Abend, die Damen", begrüßte sie die kleine Gruppe aufgerüschter Püppchen. Ihr schwante, daß sie nach wie vor eine lausige Lügnerin war: ihre Stimme hatte sicher nur so dünn oberflächlich nett geklungen wie die allererste Eisschicht auf einem See und von Entspanntheit konnte keine Rede sein - na gut, also Flucht nach vorn: sie korrigierte ihre Haltung in den ersten Sekunden des gegenseitigen Musterns so weit, daß die ohnehin gegebene Steifheit drohte, etwas arrognates zu bekommen. "Wer immer du Weibsbild bist, du legst dich mit der Falschen an." Nach der feindlichen Eröffnung und dem ersten banalen Grußaustausch riß sie das Gespräch an sich: "Verzeiht, wenn ich einen Teil Eures Gespräches gerade aufschnappte..." - oh ja, da stieg die Erwartungshaltung bei den Damen, was nun käme. "Ihr Hühner seid doch nur gelangweilt und probiert Muskelspielchen... und weil ihr keine Muskeln habt, muß das Mundwerk dafür herhalten." Sie behielt die offensichtliche Fassade des gewogenen Lächelns bei:
"... aber dies ließ mich hoffen, daß die Damen mit ihrem Wissen mir sicherlich weiterhelfen könnten. Ich suche eine Person." Sie trat näher, scheinbar vertraulicher, als gelte es nun, gemeinsam die Köpfe zusammenzustecken. In mancher Mimik war die Verblüffung darüber recht gut zu erkennen, was sie innerlich grinsen ließ. Jetzt nur nicht die Initiative des Redens abgeben, sie hatte den Konterschlag schließlich erst begonnen: "Und zwar eine bestimmte Dame." Sie nahm die Hände etwas gestikulierend zur Hilfe, um ihre Erklärungen zu unterstreichen. "Leider weiß ich nicht, wie sie aussieht, aber sie muß eine ziemlich große Nase haben. Eine so große, daß die Gute sich zu der Einbildung animiert fühlt, sie könne Gerüche an Personen wahrnehmen, denen sie sich nie im Leben auch nur auf Armeslänge nähern dürfte."
Erste Anzeichen von Betroffenheit, nun war den Damen klar, was los war. Aber es wäre ja unhöflich, ihr schon ins Wort zu fallen, sie hatte ja niemanden beleidigt, nicht wahr? Darna kam rasch gut in Fahrt, ihre "Suchbeschreibung" weiter auszuführen: "Und ganz im Vertrauen, hochedle Damen, geistig so ganz von Tageslicht beschienen kann diese Person dabei nicht sein; denn auf solche Distanzen etwas riechen zu wollen, hätte ich als Fähigkeit bislang nur an meinem Jagdhund festgestellt - hoffentlich wird da in ihrem Stammbaum nichts durcheinander gekommen sein." Sie grinste anzüglich und beugte sich tuschelnd zu einer der Begleiterinnen der zuvor Spottenden rüber, die gerade zu spürbar überfahren schien, um sich dem verwehren zu können. "Ich meine... wenn sie Haare im Gesicht hat, fällt das ja nicht unbedingt auf bei den Massen an Schminke und Puder, die hier in Mode zu sein scheinen. Ich habe früher mal gelernt, daß man sich für sein Antlitz nicht schämen soll, wenn man nur Anstand im Leib hat, aber bei all den Intrigen, die es am Königshofe so geben soll, kann ich schon verstehen, wenn manche bereits ihr eigenes verlogenes Gesicht im Spiegel nicht mehr ungeschminkt anschauen mag."
Sie richtete sich auf und seufzte ein wenig: "Nun also, wie gesagt, ich suche diese Dame - in ihrer geistigen Verwirrung hat sich die Gute nämlich erlaubt, über hochrangige Herren herumzutratschen, was sie sich so alles einbilde, an jenen zu riechen... und ich würde ihr herzlich gerne von meinem Duellhandschuh sagen lassen, daß sie ihr Riechorgan gefälligst in ihre eigenen Angelegenheiten zu stecken habe und einen Medicus aufsuchen sollte - vielleicht auch einen Barbier für ihr Gesicht. Ihr könnt mir nicht zufällig weiterhelfen?" Ihr Blick schweifte die Gesichter längs, doch nicht umsonst blieb sie schlußendlich bei jener hängen, die das Maul zuerst aufgerissen hatte, und das fast gehässige Lächeln bei leicht verengten Augen teilte eine sehr deutliche Botschaft mit: "Komm nur, leg dich ruhig mit mir an, du kleines zugepudertes Miststück."

Sichtlich arbeitete unter der ihr entgegenblickenden Fassade, welche oberflächlich sehr wohl geübte Haltung zu wahren offenbarte, aufgebrachte Ärgerlichkeit darüber, dass ihr dieses narbengesichtige Weibstück, derartig Konter zu geben verstand auf dem ihr zustehenden Terrain. Betrachtete man noch dazu, dass diese sich, doch aus jenem hinterweltlerischen Flecken Erde entsprungen, erdreistete derart hochrangig zu heiraten, ein wahrer Affront. Eine der Damen, die sich zwar wohl dem Damenkreis zugehörend dennoch etwas zurückhaltender erwiess, liess kurzzeitig etwas wie den Ansatz eines amüsierten Glucksens vernehmen, bevor sie ihren Status durch den hoch unauffäligen Übergang zu einem leisen Hüsteln errettete. Schon übernahm die Redelsführerin bemüht erneut das Wort. "Eine derartige Person, ist diesem Kreise gewiss nicht bekannt." Es klang wenig schlagfertig, war ihr doch merklich jegliche Luft aus den Segeln gerissen. "Bedaure, vielleicht erfragt ihr derlei Wissen doch über euren hochehrenwerten Gatten, welcher sich gewiss mit der Damenwelt sehr ausgiebig auskenne."
Oh, wie platt ging es noch? Es reizte sie zum Lachen, was einen absonderlichen Eindruck erwecken musste, angesprochen auf Adrians Affären echte Heiterkeit zu zeigen. Doch Darna fühlte sich noch zunehmend sicher - wenn nichts Besseres kam als solches zu Erwartende, war dieser verbale Schlagabtausch so fordernd wie der Streit mit einem Rahaler, der nicht mehr zu bieten hatte, als Temora eine Hure zu schimpfen. "Oh sicher, hochedle... Jenen zu fragen, würde sicher Sinn machen, doch die Beschreibung just müsste ich ja sicher nicht wiederholen. Und so weit mir zugetragen wurde, war er in vergangenen Tagen doch deutlich Frauen zugetan, die als Schönheit gelten durften, bevor er dazu überging, sich nach einer Frau umzusehen, die tugendhafte Qualitäten aufweist und zu mehr imstande ist, als das Geld des Ehemanns auszugeben."
Sie musterte ihr Gegenüber nun unverhohlen und mit deutlicher Nicht-Begeisterung. Jetzt wurde der Grat sehr schmal: Ihr Tonfall musste gespielt mitleidig bedauernd klingen und gleichzeitig durchblicken lassen, was sie tatsächlich von der Dame von sich hielt, als sie hinzufügte: "Euch muß er dabei in beiderlei Hinsicht übersehen haben... aber ich kann ihn ja einmal nach Euch fragen. Wie war noch gleich Euer Name...?"
Man konnte diesen Worten nun vieles an Bedeutungsgehalt andichten - in Darna schwand derweil die Hoffnung, den heutigen Abend noch ohne Forderung zu verlassen.

Noch bevor ihre Kontrahentin die nächste Runde des Schlagabtausches einleiten konnte, wobei ihr inzwischen eine gewisse Blässe nicht mehr abzusprechen war, erklang ein leises, höfliches Räuspern in Darna's Rücken. Schon der nächste Moment offenbarte Darna den erfragten Namen, wenngleich auch nicht aus ihrem Munde. "Ich bitte zutiefst um Entschuldigung, die gewiss tiefgreifenden Gespräche der Damen zu unterbrechen. Würde ihre Hochgeboren von Eibaldshofen mir die Ehre des Tanzes gewähren?" Mit einem wohlwollenden Nicken wandte sich die Angesprochene sogleich jenem Hinzugetretenen zu und hauchte ein liebliches "Man entschuldgie mich bitte." Währenddessen waren die übriggebliebenen Tuschelfreundinnen bereits eifrig befasst, sich neuen Themen oder so man es so nennen durfte Opfern zuzuwenden.
"Aber sicher..." Darnas Blick, der ihr folgte, hatte für einen Moment in der Tat den Charakter eines lauernden Tieres, dem die Beute traumtänzerisch wieder vom Punkt des Zuschnappens davontaumelte. Hochgeboren. Also Freiherrin. "Neid", die sich daraus ergebende Schlußfolgerung. Ein kurzer Blick zu den anderen Damen. "Oder Langeweile. Vermutlich beides." Es begann sie zunehmend anzuwidern. "So mögen die Damen auch mich entschuldigen, ich werde mal weitersuchen, wenn es nicht gerade Wichtigeres zu tun gibt..." Eine an sich klare Drohung, die sie zurück ließ, und sie fragte sich, ob der kleine Schlagabtausch die Runde machen würde. Vermutlich - sie war fremd hier und so wussten mehrere Leute sie schwer einzuschätzen. Muskelspielchen. Das Gleiche, wie damals als scheinbar jeder zweite Rahaler sie nach ihrer Erhebung zur Paladin fordern wollte - nur auf etwas andere Weise.
Luca... gerade, als sie die vorige Orientierung wieder aufnehmen wollte, drang der Tumult bei den Balkonen zu ihr, von irgendwo schnappte sie wenige Schritte später das Wort "Dieb" auf und eilte mit dem Schlimmsten rechnend weiter - und sah sich bestätigt. Da war Adrian. Rasch gesellte sie sich an seine Seite, ehe jeder von ihnen alleine nur umso angreifbar wäre und versuchte sich einen Überblick zu verschaffen, was nun eigentlich los war.

Verfasst: Montag 18. Januar 2010, 16:22
von Viola Ser´Rhal
Sie hatten sie also endlich erreicht; die Hauptstadt. Viola kam nicht umhin ihre Begeisterung zu zeigen, während sie in ihrer freien Zeit durch die Gassen und Straßen der Stadt schlenderte. Im Vergleich hierzu wirkte Varuna, welches früher ihre Heimat gewesen war, beinahe schon wie ein kleiner Ort und in Violas Kopf begann es schon zu werken, wie schnell sie die einzelnen Tavernen abklappern können würde. Sie war gerade auf dem Weg zurück ins Gesindehaus um sich soweit fertig zu machen, als sie plötzlich inne hielt. Es war nur ein kurzer Augenblick in dem sie ihn gesehen hatte, aber der hatte gereicht; das Bild eines Mannes. Er war einen Kopf größer als Viola, hatte schulterlanges, dunkles Haar und einen Körper, der ihr fast die Kinnlade hinunter kippen ließ. Er war an ihr vorbei gelaufen, mit emsigen Schritten eine bestimmte Gasse ansteuernd und Viola kam nicht umhin ihm nachzurufen, auch wenn sie insgeheim nicht wusste, was sie ihm letztendlich sagen sollte, sollte er tatsächlich umdrehen. Doch der junge Mann drehte sich nicht um, er stiefelte weiter und für einen Moment fühlte sich Viola niedergeschlagen … aber auch nur für einen Moment, ehe sie sich daran machte, ihn zu verfolgen. Er hatte einen schnellen Schritt und im Gegensatz zu Viola kannte er sich in der Stadt aus, aber letztendlich gelang es ihr mit ihm Schritt zu halten und einen gewissen Abstand zu wahren.

Das Ziel des Unbekannten war eine Seitengasse welche direkt zu einer Tür führte, vor der ein bewaffneter Mann stand. Der Fremde nickte dem Wächter zu, dieser öffnete die Tür und ließ ihn hinein, nur um die Tür sofort wieder zu schließen. Viola runzelte kurz die Stirne, war das eine Taverne oder dergleichen? Was auch immer, sie würde es rausfinden und mit diesem Entschluss begann sie auf die Tür zuzuschreiten, bis sie vor dem Wächter stand, der ihr prompt den Weg versperrte.

„Kein Zutritt für dich.“ brummte er ihr zu.

„Und wie kriege ich Zutritt? Vielleicht ein paar Münzen?“ wenn der Kerl so dämlich war wie er aussah, würde es keine großen Probleme machen, ihn zu bestechen. Doch zu Violas Bedauern schien der Kerl doch gewitzter, oder pflichtbewusster, als er aussah.

„DU kommst hier eh nicht rein Mädel. Zutritt nur für höher gestellte Herrschaften und vor allem nur für Männer! Und nun zieh Leine!“ seine Stimme ließ auch gar keinen Zweifel aufkommen, dass er in irgendeiner Art und Weise daran interessiert war, sein Einkommen nebenbei zu erhöhen und so musste Viola abdrehen.

Missgelaunt setzte sie den Weg zum Gesindehaus. Wie oft im Leben lief man einen zu Fleisch gewordenen Gott -im Stillen spürte sie schon Temoras bösen Blick für diesen Vergleich- über den Weg? Sie musste diesen Kerl wiedersehen, und wenn er immer so gesprächig war wie heute, dann gab es nur einen einzigen Weg: Sie musste in das Gebäude rein, was wiederum unmöglich schien, weil sie Brüste hatte und ihr zwischen den Beinen etwas Elementares fehlte. Im gleichen Moment jedoch korrigierte sich Viola, denn es war nicht unmöglich … es würde nur sehr schwer werden da reinzukommen und sie würde Hilfe brauchen, Hilfe von einem Jungen der in etwa ihre Größe hatte und den man mit einem exklusiven Männerclub bestens ködern können würde … Luca.

Kaum hatte sie das Gesindehaus betreten, hatte sie dafür gesorgt, dass sie ihre Ruhe hatte. Sie begann ein altes Spiel zu wiederholen. In der Vergangenheit gab es öfters Momente, in denen es klüger war als Junge durchzugehen und von einer alten Freundin hatte sie gelernt, dass man dieses Vorgehen perfektionieren konnte. Mit Hilfe von gestrafften Leinentüchern begann sie ihre Brust abzubinden, ihre wärmere und weitere Kleidung wurde rausgesucht, nur um letztendlich festzustellen, dass sie Luca um ein paar seiner Kleider bitten musste und letztendlich war dann da noch das Hauptproblem: Ihre Haare. Ein tiefer Atemzug folgte, die Symbolkraft, die ihre langen Haare früher, zu den Zeiten in denen sie noch beim Clan Hinrah lebte, gehabt hatten, war schon lange vorbei und sich die Haare abzuschneiden war nicht mehr solch ein Weltuntergang, allerdings hatte sie ihre lange Mähne lieb gewonnen. War ein Mann so etwas wert? Die wenig später abgeschnittenen Haare sprachen eine klare Sprache: Auf jeden Fall!

Nun musste sie nur noch eines: Luca für ihren Plan gewinnen. Sie würde mit ihm zusammen in dieses Gebäude, er würde als junger Adliger sicher gut rüberkommen und sie als sein großer Bruder. Und während Luca sich dann austoben durfte, wie auch immer das dort drin aussehen würde, würde sie diesen Kerl suchen. Natürlich hätte sie es auch ohne Luca tun können, aber sie wusste nicht wie sehr er dicht halten würde, wenn ihm solch eine Chance entgehen konnte. Sicher war sicher und so machte sie sich auf den Weg zu Luca um sich Kleidung und seine Unterstützung zu besorgen. Darna würde davon nichts merken … die hatte eh nie Augen für sowas.

Verfasst: Montag 18. Januar 2010, 23:18
von Luca
"Was ist denn mit dir passiert...?" Luca bemühte sich nicht um Taktgefühl sondern behielt sie skeptisch im Blick, der sich auch während ihrer Geschichte nicht änderte. "Du verkleidest dich als Junge, weil du dich an einen Kerl ranmachen willst...? Das ist widerlich."
Sonderlich überzeugt war er von ihrem Plan nicht, aber jeder wusste, dass man mit Frauen nicht diskutieren konnte, wenn sie Männern hinterherschmachteten.
Außerdem versprach das Ganze, spannend zu werden. Und es war das erste Mal, dass sie etwas mit ihm unternehmen wollte. Adrian war noch immer unerreichbar im Schloss. Abgesehen davon, dass Luca die Gegenwart all der intriganten Reichen nicht mehr allzu geheuer war und er Ablenkung gut gebrauchen konnte, weil er Ari vermisste und sich noch nicht ganz sicher war, ob er für dessen plötzliches Verschwinden nur Lady oder auch Adrian hassen sollte.

Viola jedenfalls wusste ihm die Geschichte schmackhaft zu machen... Männerclub... Er wusste nicht so genau, was man sich darunter vorzustellen hatte, aber es klang toll. Von früher kannte er höchstens einige üble Kneipen, in die sich freiwillig keine Frau verirrte. Wahrscheinlich viel Gesaufe und derbe Witze... Vielleicht Hahnenkämpfe. Glücksspiele, hatte Vio gesagt.
Seine Phantasie sorgte für eine gehörige Portion Vorfreude und ließ ihn fast ungeduldig werden. Besser, Vio fiel nicht auf, wie dumm ihre Idee war, bevor er wusste, wo dieser mysteriöse Ort lag...

Verfasst: Mittwoch 20. Januar 2010, 14:06
von Viola Ser´Rhal
Der Plan war geschmiedet, Luca war eingeweiht und es konnte losgehen. Sie hatte sich ein paar Klamotten von Luca ausgeliehen, die ihr überraschend gut passten und alle Proportionen gut verdeckten. Das Gesicht hatte Viola etwas grober gestaltet, der Einsatz von etwas Asche, das Verdecken des nicht vorhandenen Adam-Apfels … es war bei weitem nicht perfekt aber es würde reichen um im ersten Moment als Junge durchzugehen. Die Brust schmerzte bei jeder Bewegung leicht, die Leinentücher taten ihre Arbeit gut, angenehm war es trotzdem nicht, sich die Brust abzubinden.

Mit Luca an ihrer Seite, und der Ermahnung nichts zu sagen und sie reden zu lassen, machte sie sich auf den Weg in die besagte Seitengasse, kurz bevor sie in jene einbogen, griff sie in ihre Manteltasche, zog eine Flasche hervor und betrachtete etwas angewidert den Inhalt. Sie hatte derlei Schnaps schonmal getrunken, er würde alles andere als gut schmecken und das Brennen in ihrer Kehle würde noch Tage anhalten, aber was tat man nicht alles für eine etwas markantere Stimme? Einen Schluck später machten sich die beiden dann auch auf dem Weg zur Tür, wo sie natürlich prompt angehalten wurden.

„Habt ihr ne Erlaubnis hier zu sein?“ fragte der Türsteher, der gleiche wie am Abend zuvor. Viola hob schweigend ihren Siegelring an, das Wappen von Elbenau würde diesem Trottel nicht bekannt sein aber es war Zweifelsohne als Adelshaus erkennbar und zu Violas Erleichterung trat der Riese nur mit einem Grunzen beiseite, Viola bedankte sich und trat ein, ehe ihr für einen Moment der Atem stockte.

Das erste was ihr ins Blickfeld fiel, waren einige nackte Frauen die sich auf Tischen räkelten, Lachen drang aus den unterschiedlichsten Ecken und der Geruch von Alkohol schwängerte die Luft. Sie wurde mit Luca zusammen von einer mehr als leicht bekleideten Dame in Empfang genommen die auf den Namen „Marie“ hörte, sie gerne in eine einsame Nische nehmen würde um ihnen ein „Spektakel besonderen Ausmaßes“ vorzuzeigen, doch Viola zog Luca nur mit sich, die Frau stehen lassend. Ihre Augen wanderten umher; sie befanden sich in einem riesigen Raum der scheinbar als Ausschank genutzt wurde. Tische standen überall herum, an welchen Männern unterschiedlichsten Alters saßen und sauften und lachten … das war also das andere Bild des Adels, wie schön zu sehen dass es auch nur Menschen waren.
Viola schob Lucas zu einem der Tische und orderte zwei Bier, etwas ohne Alkohol für Luca zu bestellen würde mehr als seltsam anmuten und er würde schon keinen Mist bauen. Immer wieder sah sie sich um, sie erblickte eine Treppe die nach oben führte, wohl zu den leicht bekleideten Damen, und eine Tür, die in einen Nachbarraum zu führen schien. Vor ihnen erstreckte sich so etwas wie eine Bühne auf der die nackten Frauen tanzten und sich räkelten und selbst Viola konnten den Damen eine gewisse Schönheit nicht absprechen. Immer wieder nippte sie an ihrem Bier, wechselte ein paar Worte mit Luca, doch ihre Aufmerksamkeit lag auf der ihr unbekannten Tür, durch die immer wieder Leute traten … und letztendlich auch er. Er war an ihr vorbei gelaufen, trat durch die Türe und Viola wusste, dass sie die Chance nutzen musste. Sie warf Luca ihren Gold Beutel zu mit den Worten „Amüsier dich aber übertreibs nicht!“ und hechtete dem Unbekannten durch die Tür hinterher. Erst als sie die Schwelle übertreten hatte bohrte sich die Frage in ihren Kopf, ob es wirklich so klug gewesen war, Luca Gold da zu lassen.

Der neue Raum war kleiner, schummriges Licht erfüllte ihn und es roch nach Duftkerzen, wohl ein Ort zum Entspannen, wenn man den Lärm nebenan nicht hören wollte. Sie streifte durch den Raum, blickte sich aufmerksam um und letztendlich erspähte sie ihn. Er saß alleine an einem Tisch, den Kopf entspannt an die Wand hinter sich gelehnt … der Göttergatte Temoras … nur sicher nicht so spießig. Doch mit ihrem erreichten Ziel letztendlich vor ihm zu stehen, taten sich neue Probleme auf: Was nun? Sie wusste, dass sie nicht allzu viel Zeit hatte und innerlich fragte sie, was sie denn zu verlieren hatte? Selbst wenn er ihr klar machen würde, dass er verlobt, glücklich verliebt oder verheiratet wäre, würde sie ihn nie wiedersehen wenn sie es nicht wollte. Und so hatte sie einmal tief durchgeatmet, war zu ihm an den Tisch getreten, nahm Platz … und sprach ihn an und ohne ihm überhaupt Zeit zu lassen, vielleicht misstrauisch oder gar verärgert zu reagieren hatte sie ihm erzählt WESWEGEN sie hier war und wer sie war. Zu Violas eigener Überraschung hatte er sie nicht fassungslos angestarrt, nicht lauthals losgelacht oder sie gar rausgeworfen … er hatte gelächelt, mit einem Lächeln, das jede Frau für sich gewinnen konnte. Er hatte ihnen beiden etwas zu trinken bestellt, sie hatten geredet, es gab mehr zu trinken, noch etwas mehr und dann … ging es nach Hause. Zu ihm nach Hause.

2 Tage später

Viola lag in ihrem Bett und starrte die Decke zufrieden an. In ihren Gedanken war sie immer noch an jenem Abend. Er war so geendet, wie sie es sich gewünscht hatte. Sie waren zu ihm, sie hatten sich stürmisch geküsst, waren förmlich übereinander hergefallen und hatten Sex, den besten den sie je von einem Mann bekommen hatte. Doch nicht nur das hatte er ihr gegeben, in jenen Momenten, in denen er sie in den Armen gehalten hatte, fühlte sie sich geborgen und geliebt … sie fühlte sich wie eine Frau, und so hatte sie sich lange nicht mehr gefühlt.
Am nächsten Morgen hatte sie still und heimlich das Anwesen seines Vaters verlassen und hatte sich zurück nach Hause aufgemacht. Und auch erst auf dem Rückweg hatte sie sich gefragt, wie Luca es wohl an dem Abend noch ergangen war. Doch jetzt gerade war sie nur eines: Zufrieden, denn so grausam diese Reise mitunter war, ihr Höhepunkt machte das alles wieder wett.

Verfasst: Mittwoch 20. Januar 2010, 23:22
von Luca
"Hooo...."
Vio war im ersten Moment ebenfalls stehen geblieben, auch wenn sie nicht halb so andächtig dreinschaute wie Luca.Für ihn kam der Anblick, der sich bot, dem Paradies recht nahe - auch, wenn er bisher nicht einmal gewusst hatte, dass es zu einem guten Teil von nackten Frauen bevölkert wurde. Nur unwillig ließ er sich von allem Interessanten wegdirigieren. Irgendwas erzählte sein 'großer Bruder', er gab sich jedoch kaum Mühe, interessiert zu wirken, sondern verdrehte sich stattdessen den Kopf, um die Bühne im Auge zu behalten.
Viola verschwand irgendwann und nur wenig später hatte er sie auch vergessen. Immerhin hatte sie ihm Gold dagelassen, was hieß, dass er gut alleine zurechtkommen und jede Menge nette Gesellschaft haben würde. Zeit, noch was zu trinken zu besorgen und Marie nach dem versprochenen Spektakel zu fragen...
Den größten Teil des Abends hatte er an einem der Tische dicht vor der Bühne bei ein paar Jungs verbracht, die noch nicht zu alt waren, um bei Wein und Bier stundenlang tiefsinnige Gespräche über die Oberweiten der Tänzerinnen zu führen. Auch wenn keiner dem anderen wirklich zuhörte und er kein einziges der Gesichter hätte beschreiben können, da er genau wie seine Nachbarn stetig nach vorn starrte.
Obwohl er jedes Lachen und jedes Küsschen der Bedienung mit reichlich Trinkgeld quittiert hatte, schien der Inhalt von Vios Beutel ausgereicht zu haben, um ihn den Rest der Nacht und einen guten Teil des Morgens am Kamin durchschlafen zu lassen. Er konnte sich nicht daran erinnern, bezahlt zu haben, allerdings hatten sich Marie und Yvette und wie sie nicht alle hießen meist (während einer herzlichen Umarmung) selbst bedient, ohne dass er groß darauf geachtet hätte, wie viel sie da für was nahmen. Von Vio oder den Jungs war keine Spur zu sehen, was ihn aber nicht sonderlich beunruhigte. Genaugenommen, weil er dazu noch garnicht wach genug war, und auch nicht vorhatte, die gute Stimmung der vergangenen Nacht aufzugeben. Stattdessen verließ er das inzwischen recht leere Lokal, um durch die Straßen zu schlendern und seinen Kater abzuschütteln. Er ging nicht davon aus, dass ihn jemand vermissen würde, durfte er doch ohnehin nicht ins Schloss. Auch wenn es kalt war und er niemanden kannte, gab ihm die langsam erwachende Stadt ein wohlig vertrautes Gefühl...
Erst spät am Nachmittag trudelte er wieder im Gesindehaus ein, um gleich wieder ins Bett zu kriechen und gemütlichen Träumen nachzuhängen.

Verfasst: Donnerstag 21. Januar 2010, 14:50
von Darna von Hohenfels
"And who watches the watchers?"

Der Ball war ein Reinfall gewesen. Die Finte, den kleinen Rotzbengel als Dieb hinzustellen, war ein unerwartetes Angebot gewesen. Der Plan hatte knapp geschildert reizvoll geklungen und er hatte die Freifrau von Tannhofen machen lassen. Sie mochte sich als nützlich erweisen, auch wenn ihn ihre offensichtlichen Avancen anwiderten; wenigstens war dieser kleine Hieb einer, an dem er sich nicht selber die Finger schmutzig machen bräuchte. Adrian kannte die aktuellen Verflechtungen nicht genug, um von der Freifrau auf ihn zurückschließen zu können.
Aber dann hatte diese dusselige Kuh es doch tatsächlich vermasselt. Wie konnte man nur so ungeduldig sein?! Noch während des Balls mit Wachen da aufzukreuzen und den Bengel direkt zu beschuldigen... publikumswirksam, aber leichter durchschaubar als ein Glas Wasser!

Ein leises unwilliges Schnauben in einem sonst leeren Büro, mehr Äußerung seines Mißmuts erlaubte er sich schon aus Gewohnheit nicht - man war hier am Königshof. Und er war umgeben von Narren. Der größte aller Narren war persönlicher Vormund der Prinzen und schaffte es trotz seiner ständigen Abwesenheit irgendwie, enormen Eindruck auf die beiden Jungs zu machen, bei ihnen eine Denkweise zu fördern, die nichts als naiv war und dem Reich langfristig nur schaden würde. Dabei war Isidor nicht auf den Kopf gefallen... der kleine Kniff, mit dem er die Situation auf dem Ball entschärft hatte, nötigte einen gewissen Respekt ab. Ein Kind hatte die von Tannhofen aufs Kreuz gelegt!

Es klopfte an der Tür, und seine Aufmerksamkeit stieg, als es sein persönlicher Diener war und dieser die Tür sorgsam hinter sich schloß.
"Ich denke, man hat etwas gesehen, was Euren Vorstellungen ganz entspricht, Herr. Der Junge ist soeben erst zurückgekehrt und hat sich am hellichten Tage sogleich zu Bett begeben. Das Zimmermädchen sagte, seine Kleidung rieche nach Alkohol, billigen anrüchigen Duftölen und Rauch."
Die Miene des Zuhörers erhellte sich. "Wo war das Gör?"
"In einem dieser... Etablissements, das gern jüngere von Stand und Söhne des Großbürgertums aufsuchen, um sich in einem Edelbordell zu wähnen, Herr. Das Haus von einer gewissen Frau d'Eltrice in der Mühlengasse."
"Wer begleitete ihn?" - so billig das Haus war und Adel hin oder her, er bezweifelte, daß jemand dieses halbstarke Kind an solch einem Ort rein gelassen hätte. Jetzt wollte er nur noch, daß Adrians Name fiel. Bitte...
"Eine unbekannte Person, ein Bursche, der sich als sein älterer Bruder ausgab. Da der Junge Luca zuvor in der Stadt aber keine Kontakte knüpfte und das Schloß kaum verließ, können wir uns denken, wer es war."

Der Junge hatte sich doch nicht etwa mit Isidor zu einem Abenteuer zusammengetan?! Der Diener trat näher, zeigte in einem Etui eine abgeschnittene lange schwarze Haarsträhne und erklärte: "Das fand die Putzfrau in der Kammer, in der die junge Sekretärin untergebracht wurde. Sie fehlte während des Ausflugs des Balges ebenso und einige Unregelmäßigkeiten im Gepäck lassen darauf schließen, daß sie Kleidung des Jungen Luca trug. Leider konnte Euer Mann nicht beobachten, wann und mit wem sie das Haus verließ. Sie ist inzwischen aber zurück und ... nunja, benimmt sich etwas seltsam, wie Frauen nach einem Intermezzo eben so sind, Herr."
Die Fingerkuppen vor die Lippen gelegt, lehnte der Herr sich im Sessel zurück. Was hatte die Sekretärin dort zu suchen? Hatte der Junge sie benutzt, um hinein zu kommen? Aber woher hätte er von dem Ort wissen sollen? "Wie erlangten sie Zutritt?", erklang eine weitere ruhige Frage. Vielleicht sprang ja doch noch etwas heraus, das sich direkt gegen den Grafen verwenden ließ.
"Der Türsteher erzählte etwas von einem vorgezeigten Siegelring. Wir fragten nach dem Hohenfels-Wappen, aber das war es nicht. Die Sekretärin führt das Wappen der Freiherrin bei sich, vermutlich zeigte sie das."
Der Herr des Dieners lachte auf: "Das Siegel des biederen wohlerzogenen und hinterweltlerischen Elbenau, das Siegel einer Paladin wird verwendet, um Zutritt in ein mittelwertiges Bordell zu erhalten? Oh das ist köstlich..."
Ließ sich das ausschlachten? Wohl nur wenig. Es sah mehr und mehr nach einer blindäugigen Unternehmung zweier unbedarfter und schlecht erzogener Schützlinge des Hauses aus. Nein, eine direkte Konfrontation lohnte nicht. Aber wenn die beiden schon kaum durchdacht hatten, was sie da taten, war ihnen vermutlich auch nicht bewusst, welche Tragweite das hatte und welche nicht.

"Lasst wie zuvor alle Unregelmäßigkeiten weiter beobachten."
"Ja, Herr."
"Und wenn einer unserer beiden Abenteurer die schützende Herde einmal lange genug verlässt, um sich einzeln mit ihnen... zu unterhalten, dann will ich sofort informiert werden. Entsprechende Anweisungen für den Fall arbeite ich in Kürze aus. Eduard soll das Gespräch am besten führen."
"Jawohl, Herr."
"Gute Arbeit, Konrad."
"Danke, Herr."

Verfasst: Sonntag 21. Februar 2010, 17:11
von Ira Lisarias
Ein schlichter Brief erreicht dieser Tage Luca - der Bote sucht ihn in dem Anwesen wo er zurückgelassen wurde auf.


Hallo Luca,

da du zurückgelassen wurdest und niemand Ambitionen zeigt dir irgendetwas mitzuteilen opfere ich mich bereitwillig als niederstes Mitglied des Haushaltes. Was passiert hier während du in der Hauptstadt mit Moral, Anstand und Ethik gequält wirst?

Fassen wir es kurz: Cyrion hat den Haushalt verlassen, Savea belagert mit Shaya dauerhaft die Küche, Raindri hält Teile des Hauses besetzt während die Lady mit ihrem Heer das Anwesen Myrtol okkupiert hat. Andreas hat sich scheinbar irgendwie zu blöd angestellt und die Lady musste ihn retten. Nun darf sie ihn scheinbar noch eine Weile belagern. Dafür ist sie zuerst im Kloster eingefallen und ist nicht von der Seite von Andreas zu trennen. Deinem Hund Einohr geht es nicht so gut, er ist etwas träger geworden und liegt den gesamten Tag mehr nur herum. Ich versuche mich um ihn zu kümmern so gut es meine Zeit erlaubt, aber es ist zu wenig, so fürchte ich.

Ansonsten kreisen derzeit angeblich irgendwelche Blutdämonen um die Städte und fressen Gardisten. Frag mich nicht was es sich damit auf sich hat, niemand hat auch nur ein Interesse daran mir etwas zu sagen. Statt dessen darf ich das Haus nur noch in Rüstung, am besten mit Geleitschutz und Fackel verlassen.

Es ist jedoch eine neue Priesterin in der Stadt - die Schwester des Herzogs, eine recht freundliche, angenehme Person die sich wesentlich offener gibt. Eine Person der man nach nur wenigen Begegnungen die Attribute 'tolerant' und gütig zuzuschreiben gedenkt.

Ansonsten ist fast alles wie immer. Ich hoffe du kommst bald heim.

Ira

Verfasst: Montag 12. Juli 2010, 21:54
von Luca
Nach vielen Monaten erreicht ein leicht muffig riechender Brief das Anwesen von Hohenfels. Das Papier ist von unübersehbar hoher Qualität, allerdings wurde das Schreiben offenbar mindestens einmal zerknüllt. Außen ist in großen Buchstaben die Empfängerin vermerkt:

I r a



____________________________________________________________
Hallo I ra
Keiner qu ä lt mich, ich lern gGute Sache n! Ich bin nicht mehr in der Hauptsta dt sond e r n schon die ganze Z e i t bei Hochgebohren. Rumliegenistn ormal bei ihm Einohr,er wird ein f a ch gerne faulwenn man ihn lässt. weniger füt tern. Besser du bleibst im hHaus wegen den de De'* [s]dä[/s] D ä m o n e n. Ich bin verdammt Gut mit dem Schwert Jetzt! Die Bring ich schonalle Um, wennich wiederdabin. Lass dich nicht von denen Ffressen!Pass auf Einor auf! Grüß Alle

E h r e dem R ei ch!
Luca

M ein Lehrer sag t, is t noch Fiel zu schlechtt zum schickenn
habs a b e r wider aus dem müll gehohlt. keine lus t mer zu m noch ma l schreiben. war schohn d e r 3