- Still, der Gesang des Abschieds.
Leise, die Tränen der Nacht.
Wir seh'n uns wieder, gewiss irgendwann,
in meinen Träumen sind wir zusamm'.
Möge das Glück erinnern, seine Versprechen bewahr'n.
Hält es sein Wort, so holt es mich fort
und in deinem Arm-
- Oonagh -
Ein morgen gefüllt von Lichtstrahlen, brachte das Baumhaus in einen unverkennbaren Glanz.
Noch immer kuschelt sie sich mit ihrem Schlappohr in die Hängematte.
Die beiden Schwestern waren längst gegangen.
Sicher grub Megli sich bereits in einem dunkel bestaubten Hautton durch die Drachenhöhle, während La'ernia andere der Höhlen erforschte.
Doch hier an diesem Platz war etwas, was Eona nicht aus der Matte kommen ließ.
Erst Stunden später, welche ihr wie Minuten vorkamen, sollte sie erkennen, was genau sich verändert hatte.
Gerade putzte Nowjê den waldigen Arm der Lindil, als ihre Ohren plötzlich ein Stückchen nach oben ruckten.
Durch den plötzlichen Ruck, stellte auch der kleine Hase eines seiner grauen Ohren auf und lauschte mit ihr in die Weite.
Vogelzwitschern.
An sich nichts unnormales, doch... schienen es Schwalben zu sein, welche nach langer Zeit zu ihrem Baum zurückgefunden hatten.
Schon Mondläufe hatte sie diese Stimmen nicht mehr gehört, denn waren alle der quierligen Federgenossen mit ihrem Bruder ausgezogen. Nur Gelir schien in weiten Abständen einen prüfenden Blick in ihre Fenster zu werfen.
Sie besangen den Wald und erzählten von etwas, was im besten Fall nur Nowjê verstehen konnte. Doch sie sangen.
Mit seeligem Lächeln legte Eona ihren Kopf zurück und lauschte dem unbekannten Lied, welches sie zwitscherten.
Typisch für die Lindil war jedoch, dass sie jetzt, wo der Frohsinn sich in ihr breit machte, kaum eine Sekunde still liegen oder sitzen konnte. Zuerst einmal musste sie sich das Schauspiel aus der Nähe ansehen.
In geübten Sprüngen, saß sie nur wenige Minuten später in der Krone des Baumriesen. Aufmerksam sollten die silbrigen Augen die Umgebung erfassen und einige neue Nester auf dem Dach ausmachen.
Und sogar einige kleine Küken streckten bereits ihren gierigen Schnabel aus den aus Ästen geformten Unterschlüpfen.
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Doch was sie noch nicht sah, war, dass ein kleiner dunkelblau gefederter Freund sie mit eben solcher Aufmerksamkeit beobachtete.
Selten für ihn, dass er nicht um sein Leben motzte, oder auf einem der Fensterbretter hin und her sprang.
Der kleine dunkle Schnabel schimmerte zusammen mit den ebenso dunklen Augen in der Mittagssonne, welche sich durch den Nebel geschlichen hatte und eine sanfte Wärme auf Haut und Gefieder legte.
Der flauschige weiße Bauch hob und senkte sich bei seiner flattrigen Atmung.
Doch als Eona ihn endlich in ihren Blick geschlossen hatte, hätte auch ihr Herz kaum schneller schlagen können.
Gelir.
Ein helles Lachen würde den Nebelwald erfüllen, als die Elfe den kleinen schmollenden Schwalbenkerl dort sitzen sah.
Das Gefieder empört aufgeplustert darüber, dass sie ihn nicht vorher unter all den einfachen Schwalben gesehen hatte.
Doch als er dann endlich die Aufmerksamkeit hatte, die er gewohnt war.., begann er wie wild auf seinem Stamm hin und her zu hüpfen.
Die kleinen blauen Flügel wurden gespreizt und aufgeregt
''Wiet wiet!'', kam es aus seiner Kehle und er wippte mit seinem gegabelten Schweif auf und ab.
Was er wohl hatte, dachte die Lindil bei sich, ehe sie ihn zu beruhigen versuchte.
Doch als er nach einiger Zeit nicht nachgab, meinte sie nur leise zu ihm:
''Gelir.. Fuinor kommt sicher bald wieder nach hause.''
Als die kleine flinke Rauchschwalbe die Silben seines Namen hörte, begann er wieder hin und her zu hüpfen, und Eona legte langsam den Kopf zur Seite und schloss die Augen einen Moment.
Noch immer summte die Sehnsucht in ihrem Lied.. doch.. konnte es sein dass er zurückgekehrt war?
Hatte Phanodain ihre Geduld gesehen und würde sie belohnen?
Sie wusste es nicht.
Sie konnte nur hoffen, dass sie ihre Augen öffnete,
und das selten gewordene Gefühl welches sie empfand,
nicht in einem Traum entschwand - so diese Erlebnisse nicht echt waren.