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Verfasst: Donnerstag 19. Januar 2017, 09:03
von Johanna Hohenhain
- Etwa ein halbes Dutzend. Nicht viel mehr. Die Geweihte, Klosterwache, Regiment. Sie alle hatten sich um den massiven Holztisch in der Taverne von Schwingenstein versammelt und sahen auf die Karte. Der eine hatte seinen Finger dort, der andere zeigte seinem Gesprächspartner eine andere relevant erscheinende Information. Ein anderer berichtete von der Gestaltung der Gegend, wie sie vor dem Umsetzen des Klosters gewesen sein mochte, ein anderer begann bereits Formeln für das Schrittmaß auszurechnen, während die grüne Erdbeerelfe sich über Flugdistanzen ausließ. Johanna war die meiste Zeit mit Sigarin Glenkell im Gespräch. Es war gut, dass er sein geübtes Auge auf die Bauzeichnung geworfen hatte und mit seiner Erfahrung die wichtigen Hinweise bringen konnte, die sich dem unerfahrenen Auge verborgen hatten.
Johanna empfand die Geräuschkulisse als sehr angenehm und ab und an stahl sich ein Lächeln auf ihre Lippen, wann immer ihr das Klosterblau ins Blickfeld geriet. Es erinnerte sie an Florentine und Lilian. Die Klosterwache lebte wieder auf. Ihr Vorhaben und damit ein Teil von ihnen war nicht ganz von ihnen gegangen.
Lucien wusste offenbar sehr genau, was er tat, als er mit der kleinen Suchtruppe durch den Schnee stapfte, angetrieben von unbändiger Neugierde, die zu manchen Seiten doch recht ansteckend wirkte. Den Kragen hochgeschlagen und die Nase vor dem kalten Wind versteckt gingen sie zählend mit vorgehaltener Laterne die Wege ab. Und dann standen sie plötzlich eingepfercht in der schmalen mit Säulen ausgekleideten Krypta. Niemand versuchte dem anderen auf die Füße zu treten, als sie begannen Boden und Wände abzusuchen. Kerzen wurden über Ritzen geführt, auf der Suche nach verräterischen Luftzügen aus versteckten Räumen, oder um rostige, geheimnisvolle Schlüssellöcher zu offenbaren. Doch nichts dergleichen war es, was sie fanden. Die Bodenplatten waren sauber verlegt worden, eben und glatt. Die Steinquader in den Wänden gleicher Art und selber Werkspuren, die Fugen dicht verschlossen. Bis ein Riss in einer Platte ins Augenmerk geriet. Nur dünn, ein Haarriss. Bald hatte einer der begleitenden Männer sein Ohr auf den Boden gedrückt und mit den Fingern gegen die Platte geschlagen. Und während die Geweihte sich frierend in ihr Wolltuch wickelte und eher abwesend mit offenen Augen ein wenig Gedanken fern und doch gleichzeitig nahe bei ihren Begleitern auf eben jenen Boden sah, erfuhr sie... was es bedeutete durch Temora zu sehen. Ihre Bilder zu empfangen, die Gnade der Hellsicht zu erfahren. Nur ein Moment, nur eine Offenbarung. Es war das eigentlich Besondere, das erstmalige. Ein Zeichen.
Ernst kam schließlich seiner an ihn heranwachsenden Aufgabe noch einmal deutlicher nach, als er begann für die Klosterwache zu sprechen und die nächsten Pflichten für diese zu formulieren.
Und auch Johanna legte fest: Niemand würde im Kloster auch nur einen Stein verrücken, ohne dass dies nicht mit dem Klostervorstand besprochen worden wäre. Denn die Gemeinschaft bedeutete auch, nicht einfach im Eifer allein nach seinen eigenen Interessen zu walten.
Verfasst: Donnerstag 19. Januar 2017, 19:37
von Der Erzähler
Traumzeit!
All jene, die der Messe des Diakon Antorius gelauscht hatten, wurden gesegnet. Gut, auf höchst zweifelhafte Art und Weise aber immerhin ein Segen. Naja, wenn man Albträume als solchen sehen mag, vor allem, wenn sie immer und immer wiederkehren und dabei doch nur stets den gleichen Inhalt zeigen. Vielleicht hier und da aus einer anderen Perspektive, doch grundlegend gleich. Seltsamer, grausamer Segen, der alle traf, welche das alte Gebet vernahmen - den Sprecher natürlich miteingeschlossen!
Es ist erschreckend, wie plötzlich die Zeit zu stehen vermag. Wie rasch sie sich nicht mehr an die eigenen Regeln hält und unendlich langsam verrinnt. Sandkörner, die in der Uhr zusammenkleben und sich weigern, dem verdammten Grauen endlich ein Ende zu bereiten.
Du bist mal ein Bauer am Felde, mal eine Magd am Markt, dann wieder ein junger Heiler, der doch gerade erst die Räumlichkeiten für den Laden bezogen hat, eine Mutter mit einem Säugling auf dem Arm, ein junger Student am Konvent des Phönix, ein Regimentler, der stolz zum ersten Mal das Blau und Gold trägt, eine alte adlige Vettel, ein Bettler am Straßengraben, ein spielendes Kind, der Wirt der Schenke mitten in Varuna... Varuna... Varuna... deine Heimat, in der das Leben mal schwerer und mal leichter, doch immer lebenswert war. Leben, das so schnell bisher verronnen ist, zu schnell - verdammte Zeit.
Und nun?
Nun blieb sie stehen und ließ deine Augen sich mit Schrecken unendlich langsam weiten, machte, dass die Farbe träge aus deinem Gesicht wich, verursachte, dass der gellende Schrei aus deiner Kehle noch lange... lange... unendlich lange nachzuklingen schien.
Leben, wie kostbar!
Der Schatten, der sich über den Mauern, den Feldern, der Stadt und ja, auch dir ausbreitet, ist schwarz vie Kohle, schwarz wie das Verderben. Das Ende? Oh bitte nicht, oh bitte bitte nicht.
Todesfarbene Flügel an einem todesfarbenen Monstrum und lediglich die Augen darin glühen vor Bosheit so innig, wie die unzähligen Flammen an seinem Maul.
Leben, es darf noch nicht vorbei sein! Du hattest Pläne...
Da reißt er sein Maul auf und als die Flammen so aberwitzig seltsam langsam hinabzüngeln, hörst du, dass sich dein Schrei mit unendlich vielen, weiteren gemischt hat. Die Stadt schreit, brüllt verzweifelt nach Leben.
Unfassbare Hitze.
Unsagbarer Schmerz.
Dir wird schwarz vor Augen, todesfarben.
... die letzten Sandkörner fallen hinab.
Erwachen!
Nur, um das Ende auch in der nächsten Nacht wieder zu erleben.
Ein Segen?
Verfasst: Samstag 21. Januar 2017, 11:04
von Elinor Tiefenbruch
- Varuna, und immer wieder Varuna.
Der Schatten jener lang vergangenen Stadt kroch Tag für Tag an den unerwartetsten Ecken in ihren Blick. Mal, wenn sie wie gestern zufällig entlang der finsteren Ruinen vorbeikam, die sich unheilvoll vor dem Horizont abhoben. Mal, wenn sie in der Bibliothek saß und ganz andere Literatur suchte, und plötzlich hier ein Zeitzeugenbericht zu Kryndlagor, dort eine Schrift aus der Zeit Varunas auftauchten, und ihr die Existenz der Stadt, die so fatal gefallen war, ins Gedächtnis rief. Als wäre Varuna selbst wieder auferstanden, um fortan als einer der lebenden Toten in ihr selbst weiter zu existieren, tot und doch unauslöschlich.
Oder vielleicht es war nur der Abend in der Stadtstube gewesen, an dem Baron von Gipfelsturm von seinen Erlebnissen berichtet hatte, als Kryndlagors Schatten sich über Varuna legte, und die Dinge ihren Lauf nahmen?
Immer öfter, immer intensiver schlich sich Varuna in ihre Träume. Waren es zu Beginn nur Fragmente gewesen, einzelnen Traumfetzen, so schien es ihr beim Aufwachen nun so, als durchleben sie Nacht für Nacht das Entsetzen, das Kryndlagor der Stadt und ihren Bewohnern gebracht hatte aus einer verschommenen Menge unzählbarer Perspektiven, Mal um Mal. Die Szenen, teils vage und verschwommen, dann wieder so scharf, als handele es sich um schmerzhafte Erinnerungen, vermischten sich mit den Bildern der Ruinen, wie sie heute wie eine stumme Drohung im Zentrum Gerimors aufragten; mit der Geschichte des Barons, mit jenem ersten Traum aus der Sicht Demoar Llastobhars, von dem sie nie sicher war, ob sie ihn abermals träumte, oder sich lediglich im Traum daran erinnerte. Die Klinge an ihrer Kehle fühlte sich immer noch erschreckend real an.
Varuna.
Varuna.
Die seltsame Mischung aus dem Unbehagen, dem Schatten vergangener Schrecken, die sich wieder ihren Weg in die Köpfe zu suchen schienen, und der nicht zu leugnenden Wissbegierde zum Thema trieb sie zusehends um. Immer wieder ertappte sie sich dabei, nach weiteren alten Schriften und Berichten zu suchen – und dem zweiten Tag der nächsten Woche entgegen zu sehen, an dem Diakon Antorius diese seltsame Gebetsrolle, die zunächst so selbstverständlich als Gabe der Herrin gesehen worden war, zur Untersuchung ins Konzil des Phönix bringen wollte. Sie brannte darauf, mehr darüber zu erfahren, zum Ursprung der Gebetsrolle, zu ihrem Wirken, zu ihrem Zusammenhang mit Varuna, jener Stadt, die ihr mittlerweile fast vertraut erschien, obwohl sie niemals auch nur einen Fuß hineingesetzt hatte, als sie noch existierte.
Verfasst: Samstag 21. Januar 2017, 13:12
von Helisande von Alsted
Ein Held der sich selbst bezwungen...
Ein Quell heiligen Lebens...
Vor keinem Großen sich beugend....
Dieses Gebet oder war es doch eher ein Gedicht, es setzte der jungen Ritterin zu. Schon beim ersten Hören störte sie etwas daran. Doch es ließ sich im wirren Nebel der Begeisterung des Diakons und dem eigenen Misstrauen Worten gegenüber nicht fassen. Glatt wie eine polierte Eisfläche schien sich der Untergrund zu verhalten, auf dem sie stetig versuchte ihre Gedanken zu fassen und zu halten. Die Nächte vergingen in schweißgebadeten und tränendurchtränkten Albträumen.
Die Grenze zwischen ihrem Selbst und den Empfindungen Fremder in ihrem Geist verschwamm dort für Sekunden und doch gefühlten Ewigkeiten. Auch ihrem Verloben erging es ähnlich. Beide sahen des Morgens teilweise etwas übernächtigt aus. Heinrik und Rekrut Madur versuchten es mit Bier als Spender traumloser Nächte. Doch keine Nacht ist wirklich traumlos, nur das Erinnern kann verschwimmen.
Ihr Erinnern war klar. So klar wie ein seit Jahrunderten unbewegter Bergsee. Ein stets abrufbarer Spiegel von Ereignissen, die nicht mehr beeinflussbar oder in ihrer Endlichkeit abwendbar waren.
"Albträumen wir heute nacht gemeinsam, Sir?"
Sich der Gewissheit dieser Träume zu stellen und der eigenen Hilflosigkeit war schon schlimm genug. Angesichts der Tatsachen, dass Kronritter wie auch Ritterin am nächsten Tag wieder Haltung bewahren und zeigen. Doch sie hatten sich versprochen jede Aufgabe gemeinsam zu bewältigen. Dies war nur eine weitere Prüfung. Dies war ihre eigene Art der Romantik.
Sie wachte auf, währen der Mann noch schlief. Ein erschreckes Aufkeuchen, Atemnot, das Gefühl unmenschlicher Hitze und Schwärze. Der letzte Traumgedanke galt erwachsenen Kindern, die auf dem Hof geblieben waren. Die Hände tasteten wieder nach der brennenden Narbe auf dem Gesicht.
"Ich bin Helisande. Ich habe keine Kinder. Ich kenne Varuna nicht."
Nach tiefen Atemzügen versuchte sie sich mit einem Gebet zu erden, wieder zu sich selbst zurück zu kehren. Der Schlaf des Mannes wurde unruhiger, er begann zu zucken und die Arme hinauf zu reißen.
Ihre Hand tastete nach seiner um sie zu greifen und fest zu umschließen. Eine Geste, die beiden so vertraut war und so viel Sicherheit in sich barg, dass sie hoffentlich auch die Grenze des Albs überwandt.
Welcher Schrecken auch immer. Ich bin da, Thelor. Du bist da.
Am nächsten Morgen schien es für sie nicht genug Kaffee und Mocca im Haus zu geben. Ungewohnt still und in sich gekehrt zerlegte sie wieder und wieder die ihr noch erinnerlichen Worte des Gebetes. Immer mehr erhärtete sich der Verdacht, dass es kein Gebet im reinen Sinne war.
Wenn ein Schaf ein totes Lamm zur Welt bringt, dann häutet der Schäfer oft das verstorbene Lamm und hängt das Fell einem Zwillingslamm einer anderen Mutter über. Damit das Schaf nicht vor Sehnsucht stirbt und etwas zum Versorgen und Beschützen hat.
Mutterschafe folgen ihrer Sehnsucht nach einem kleinen, blökenden Geschöpf, welches sie fortan beschützen.
Sind wir Schafe, Wölfe oder Raben?
Ein Quell heiligen Lebens....
Verfasst: Samstag 21. Januar 2017, 14:04
von Thelor Reensdorf
``lass und gemeinsam Albträumen`` ein sarkastischer Schlafgruß seiner Herzdame vor dem Einschlafen, aber wie Wahr er doch war.
Kaum das er Tief und Fest schlief, umfing ihn bereits der Nebeltraum.
Er Stand auf der Mauer am Westtor, Gestern war er im Rang eines Gardisten Vereidigt worden.
Stolz trug er die Farben Blau und Gold, die Farben Alumenas und Hohenfels. Sein Vater diente bereits in Hohenfels und war einer jener Recken die auf dem Schlachtfeld starben als das Reich die Antwort auf Anaras Tot gab.
Er war Stolz nun endlich Alt genug zu sein um in der Truppe seinen Dienst zu leisten. Heute hatte er seinen Ersten Tordienst begonnen.
Hedwig ein Altgedienter Kammerad war schon wieder bei der Wache eingeschlafen , aber Temora sei ihm hold, er war ja schon in betagterem Alter.
Aber Moment was war das? Wie ein Donnerschlag durchschnitt etwas Riesiges die Morgenluft. Was war das, es war so groß das es die Aufgehende Sonne in Schatten verwandelte und gegen die um die Silhouette gleißend hell und blendenden Strahlen konnte er rein gar nichts erkennen. Viel zu Spät sah er was da kam und begann zur Alarmglocke zu Rennen.
Drache.... Drache. DRA....... .
Wie ein Sturm brauste der Wind und der Sog des Drachen über ihm hinweg und riss ihn von den Beinen. Doch was hatte er da verloren. Ängstlich blickte sich der Junge Soldat um und um ihn und in der ganzen Stadt lagen sie, Schlangen!
Doch was drückt ihm da so am Hals, URgh... eine Schlange hatte sich bereits um ihn geschlungen und auch um Hände und Beine hatte er die Biester. Er Röchelte, rang nach Luft während er noch sah wie auch Hedwig von einer Riesenschlange erdrosselt wurde, stöhnte er sein letztes D...rache aus und es wurde Dunkel um ihn.
Schweiß gebadet und panisch nach Luft Schnappend fuhr der Kronritter im Bett hinauf. Panisch tastete er seinen Hals ab und einige Tiefe beruhigende Atemzüge später stand er auf um sich eine Hand voll Wasser ins Gesicht zu schöpfen. Bei Temora, war der Traum Real.
Etwas Frisch gemacht blickte er zu Helisande die ebenso von Träumen heimgesucht schien, immerhin schien auch sie unter den Fellen alles andere als Ruhig zu Schlafen. Beruhigend legte er seinen Arm um sie als er sich wieder ins Bett wagte, doch war es etwas anderes von dingen zu Träumen die man nie kannte oder dabei gewesen zu sein.
Erneut umfing ihn ein unruhiger Traum doch diesmal war er es Selbst , er war er,nur Jung, Jugendlich fast, ohne seine doch so bekannten Narben die ihn so viele Jahre nun begleiteten.
In einer Halben Pyrian Ketten und Plattenrüstung stand er schwer Atmend am Palasttor von Varuna. Die Zwei verkohlten Wachen am Tor machten es ihm schlagartig bewusst , Kryndlagor wollte den Palast Zerstören, Rafael führte den Angriff mit den Anderen gegen die Schlangenwesen in der Stadt, nur er war hier, er und Kryndlagor.
Mit einigen schnellen Schritten durch den Palastgarten stand er vor dem Stolzen Gebäude. Zwischen sich und dem Palast war er in seiner Ganzen Abscheulichkeit gelandet und wartete auf ihn.
``Was nur einer , nur du Wurm wagst es dich mir hier entgegen zu stellen``
Die Stimme des Untiers fuhr ihm durch Mark und Bein. Er zitterte am Ganzen Körper und schon der Atem des Drachen war Heißer als Wasserdampf. Was hatte er sich nur in seinem Kopflosen Jugendlichem Leichtsinn gedacht, alleine gegen einen Drachen.
``Wenn ich dich auch nicht Zerschneiden kann dann will ich mein Bestes tun gegen dich Kryndlagor dich zu erschlagen oder zu erdrosseln. Auf irgendeine Art wirst auch du Sterben können``
und mit dem Mut der Verzweifelung stürmte er die wenigen Schritte auf ihn zu. Durch den Wagemut des Wurms vor ihm erstaunt erreichte Thelor sogar den Berg aus Fleisch und Schuppen vor sich doch mit einem einfachem Arm wischen flog er zurück bis in den Garten. Noch ehe er einen erneuten Angriff starten konnte empfing ihn der Drachenodem.
Thelor wand seinen Blick ab und kauerte sich hinter das Pyrianschild. Doch selbst das Metall des Feuers schien der Hitze nichts entgegensetzen zu können. Sein Schild wurde unhaltbar Heiß und das Metall floss wie Kerzenwachs auf den Boden.
Er Schrie laut auf als er das Schild vor Schmerz los lies und der Odem ihn einhüllte. Die Ringe seines Kettenhemdes brannten sich durch den Gambe-son in die Haut und er sank seitlich auf den Boden, schwer nach Atem ringend.
`` Immerhin ein mutiger Wurm, fast zu schade das er nun Sterben wird`` mit diesen Worten Erhob sich der Whyrm Majestätisch gen himmel und um den Blick Thelors wurde es Dunkel.
Als Thelor die Augen Aufschlug, erwartete er fast eine Schimmernde Gestalt neben sich zu sehen, doch als sein Blick klarer wurde Atmete neben sich nur Helisande im Schlaf. So Nass geschwitzt wie er war genehmigte er sich erstmal ein Bad, heute Nacht war ohnehin nicht länger an Schlaf zu denken und so Kleidete er sich an und Stieg hinauf in die Stadtverwaltung, irgendwas gab es Schließlich immer zu Sortieren.
Verfasst: Samstag 21. Januar 2017, 20:38
von Keylon von Salberg
Er rannte. Er rannte wie er wohl in seinem ganzem Leben nicht gerannt war.
Sein Lungen schienen kurz vor dem Bersten und das Schamgefühl ließ ihn nicht los, aber der Überlebenswille war größer.
Längst hatte er das Schwert fortgeworfen.
Von Angst getrieben ...
War er unlängst in diesen Alpträumen noch ein Ritter der sich dem Drachen entgegenstellte, war er nun Rekrut... Großmaul, der immer damit prahlte wie er einen Drachen im Hort erledigt hatte, aber das hier war anders. So Anders.
Er hatte sein Schwert längst fortgeworfen, oder fallen gelassen.Hatte sich gar... eingenässt als er des Drachen ansichtig wurde. Es war das lebende Grauen.
Die Rahaler waren ja noch Gegner gewesen mit denen man rechnen konnte, aber dieser Drache?
Varuna würde fallen. Dessen war er sich sicher, und statt zu helfen zu kämpfen hatte er nur noch einen Gedanken.
Überleben ...
Doch der Gedanke war das Einzigste und letzte was blieb als der glühend heiße Odem ihn erreichte und verbrannte.
Aufschreiend fuhr er hoch.
Varuna ... Varuna... schon wieder Varuna.
Mit beiden Händen fuhr er sich über sein Schweiß nasses Gesicht und nur langsam verblasste die Scham die er in sich spürte über das Erleben im Traum und was blieb war das Grauen.
Was beschäftigte ihn nur so sehr das er immer wieder davon träumte.
Gut wenn er einmal einen Alptraum darüber hatte, mochte ja sein. Aber nun fast jede Nacht?
Vor allem so detailreich, als wäre er wirklich dabei gewesen.
Mal Ritter, mal Knabe, mal Gardist, mal Rekrut.
Immer auf die ein oder andere Weise sah er Varuna fallen.
Inzwischen waren diese Träume so intensiv das er die Ruinen mit anderen Augen sah.
Denn unter vielen andren war eines in seinen Träumen immer gleich.
Varuna.
Die einst gleißend schöne Grafenstadt sah in seinen Träumen immer gleich aus.
Er wusste wo das Grafenschloß stand. Die Bank, ein Theater, die Straßen und das Ganze beschäftige ihn inzwischen so sehr das er immer öfter die Nähe der Ruine suchte um zu versuchen sie mit den Bildern aus seinen Träumen zu sehen.
Normal... Normal aber war das lange schon nicht mehr.
Verfasst: Samstag 21. Januar 2017, 22:25
von Antorius
Kinderlachen kam über einen kleinen Mund und große Augen
betrachteten die Welt in kindlicher Neugier. Bedürfnisse waren auf
einfache Dinge reduziert, große Dinge waren nicht so wichtig.
Mama und Papa waren wichtig und ihr Bruder Flo auch wenn er nicht mit
einem Mädchen spielen wollte. Ihre kleine Katze, ja die mochte sie.
Sie war weich, kuschelig und immer am Schnurren, wenn man sie
kraulte.
Kinderaugen sahen die Welt mit anderen Augen und doch nahm auch sie
manches wahr. Vater war ernster, besorgt. Mutter vorsichtig ängstlich
und sie betete mehr, viel mehr. In den Strassen hatte sie viele Soldaten
gesehen, sie bewunderte sie, eines Tages wollte sie auch so eine
glänzende Rüstung tragen.
Man könnte sie verschönern mit Schleifen und etwas buntere Farben
vielleicht, Tücher.. ja Tücher!
Ihr kleiner kindlicher Wurstzeigefinger wickelte nachdenklich eine
Strähne. So klein zu sein, war doof. Sie kam nicht an den Honigtopf oben
in der Küche. Sie drückte ihre Puppe an sich, während sie der Sand
juckte.
Sie spielte gern im Sand, aber er juckte vor allem wenn er in die Windel
kroch. Sie baute Burgen, große Burgen und stellte sich vor sie wäre eine
Prinzessin. Ein Pferd hatte die Prinzessin natürlich auch, damit ritt sie
jeden Morgen aus.
Die Katze wollte nicht das Pferd spielen, doofe Katze. Aber die Sonne
war da, dann wieder nicht, es wurde kalt.
Die Sonne verschwand hinter den Wolken und es wurde auch dunkel und
zuerst still. Ein Rauschen erklang in dieser unheimlichen Stille und sie sah
sich ängstlich um.
Alarmglocken wurden geläutet und dann erklang ein mächtiges
Rauschen, das Schlagen von großen Schwingen. Ein Gebrüll fegte über
die Stadt, sie hielt sich die Ohren zu und schrie. Was... in Angst erstarrt
sass sie da und presste ihre Puppe an sich. Um sie herum rannten
Menschen, fremde Menschen, bekannte Menschen, Soldaten.
Mama... Mama... suchend sah sie sich um ein böser Traum nahm Gestalt
an.
Wieder hörte man das Fallen von Körpern, Feuer regnete hernieder und
die Erde bebte. Kleine Ärmchen versuchten abzuwehren was nicht
abzuwehren war, Rauch hüllte sie ein. Auch der Staub liess sie husten,
der herabrieselte und dann spürte sie wie etwas nach ihr fasste, an ihrem
Arm riss. Flo! Zuerst wollte sie nach ihm schlagen, vor Schreck dann lies
sie sich von ihm mitzerren.
Nicht so schnell laufen, ich kann nicht mehr, wo ist Mama.. wo ist unser
Zuhause? Die einst so schöne Strasse, der Vorgarten war zerstört,
brennende Ruinen und irgendwo in der Ferne ein lautes Gebrüll . Nicht
umsehen, nicht weinen, laufen.. rennen... laufen. Der Drache ist da.. der
Drache hörte sie die Menschen rufen, dann fielen Schlangen vom
Himmel. Sie schrie... wohin Flo.. wohin?
Er wälzte sich in seinem Bett gepeinigt von den Alpträumen die ihn jede Nacht heimsuchten. An Schlaf war lange nicht zu denken, kurze Phasen nur die ihm keine Erholung schenkten sondern immer schlimmere Einblicke in die Vergangenheit Varunas gewährten. Doch niemand wachte über seinen Schlaf, niemand holte ihn daraus hervor und so erlebte er die Vergangenheit aus unterschiedlichen Blickwinkeln jede Nacht erneut.
Rums.. ein Drehen und er landete von seiner schmalen Lagerstatt auf dem kalten Steinboden des Klosters. Blinzelnd sah er sich um, halb noch im Traum gefangen und halb erfrischt von der nächtlichen Kühle des Raumes und dem harten Boden der Wirklichkeit. Sein Blick ging hinaus in die Nacht, der Anblick des Baumes war tröstlich und lies ihn Mut schöpfen.
Er fuhr sich mit einer Hand durch das Haar während er das lange weisse und gestärkte Altherrennachthemd, dass er aufgrund der Kälte trug richtete. Die Hand fuhr durch das Gesicht als er einen Schluck kalten Kaffes trank dass er noch dort stehen hatte. Er war so müde, so erschöpft und doch fürchtete er sich davor einzuschlafen. Stöhnend legte er sich wieder ins Bett und zog das Eisbärenfell über seinen frierenden Leib. So kalt... er faltete die Hände und versuchte Ruhe und Frieden im Gebet zu finden.
"Temora, helf uns.
Ich bitte um Kraft,
Hoffnung und Zuversicht.
Nicht für mich sondern
für all jene die betroffen."
Es zehrte an seinen Nerven, die Speisen schmeckten ihm nicht mehr und immer wieder ging sein Blick über die Mauern hinweg in die Ferne zu den Ruinen der einst so prächtigen Stadt.
Varuna... er fühlte sich schuldig und so verantwortlich für all dessen was seinen Freunden und Mitstreitern gerade wiederfuhr. In manchen Dingen war er wirklich einfach zu unbedarft, doch war es ein Fehler gutgläubig zu sein und das Beste in allen Dingen zu sehen?
Seine Aufgaben im Regiment, seine Kameraden, das Konzil, der Baron und Frau Oberst wurden im Augenblick sein Lebensmittelpunkt. Er war besorgt wie eine Glucke im ihre Küken, nunja im weit übertragenen Sinne. Doch wanderte seine Gedanken auch immer wieder zu den anderen Geweihten des Klosters. Wie erging es der Diakonin? Er hatte sie seitdem nicht wieder gesehen und hoffte es ginge ihr gut. Auch wenn seine Aufgabe ihn dem Kloster fern hielt, so war die Nähe des Klosters auch tröstlich für ihn und sein Herz war ein wenig leichter. Die Last der Verantwortung, die Schuld nagte an ihm und irgendwie, nein es musste gestoppt werden und der Einfluss des Gebetes von allen genommen werden. Brombosch hörte ihm zu, doch er vermisste seinen Waffenbruder und Freund Baznuk sehr, ebenso wie die anderen Kaluren. Doch er wusste auch, der Schutz des Berges hatte Vorrang. Ein Seufzen und der Blick ging zu dem kleinen Lederbehälter hin.
Die Schriftrolle beschäftigte ihn, obwohl er es inzwischen nicht mehr wagte sie aus ihrem Behälter zu nehmen.
Doch schien der Einfluss nur von dem gesprochenen Wort auszugehen, die Macht des Wortes. Worte können so mächtig und stark sein. Ihr Sinn in den Sätzen, das Betonen konnte den ganzen Inhalt, die Bedeutung verändern.
Wo er anfangs freudig ein altes Gebet wiederzufinden gehofft hatte, sahen viele je mehr sie sich mit den Zeilen mit ihm beschäftigten auch etwas Anderes... Verschlagenes und Dunkles.
Ein Werk Kra'thors ausgeführt durch seine Diener? Die Vermutung lag nahe und konnte dennoch nicht untermauert werden.
Seine Bitte an Elinor, das Konzil mit der Untersuchung der Schriftrolle zu kontaktieren wurde angenommen. Er hoffte das sie gemeinsam erkennen konnten, was/wer/wie auch immer diese Schriftrolle schützte und wie gefährlich sie noch werden konnte.
Er zweifelte nicht daran, dass es gefährlich war, denn die Träume wurden zunehmend länger, intensiver und realer. Vor einigen Tagen hatte er gemeint einen Regimentler in den Farben blau durch Adoran gen Mauer eilen zu sehen.
Ein Hirngespinnst? Eine Vision? Ein kurzes Aufflackern nur ehe er verschwunden war, aufgelöst in der Luft und dennoch hinterlies es einen seltsam schalen Geschmack in seinem Mund.
Würde es möglich sein, dass die Untersuchung gemeinsam mit den Magiern des Konzils erfolgreich verlief? Es musste etwas getan werden und ganz seinem Motto 'Ganz oder garnicht' würde er sich vorbereiten. Solch ein Unterfangen erforderte natürlich entsprechende Vorbereitung. So packte er nicht nur sein Temora geweihtes Schwert mit ein, sondern in die Tasche wanderte noch ein Segensbüchlein, geweihte Kerzen, Weihwasser aus dem Klostergewölbe, grobkörniges Salz und...
eine Knackwurst für den Herrn Praeceptor.
Verfasst: Sonntag 22. Januar 2017, 11:59
von Keylon von Salberg
Die Nacht über hatte er ganz auf Schlafen verzichtet.
Er hielt lieber Wache am Kerker und grübelte dann.
Varuna ... Varuna... was war der Schlüssel. Warum träumte er davon?
Heute hatte er erfahren das er nicht der Einzigste war der davon geplagt war, und das erleichterte ihn etwas.
Wo viele Köpfe litten, gab es auch viele Köpfe die um eine Lösung bemüht waren. Wie immer die auch aussehen mochte.
Ihn jedenfalls zog es seit diesen Träumen immer wieder zu den Ruinen.
Sah sie an, und verglich sie mit den immer klarer werdenden Bildern aus seinen Träumen.
Aus diesem Grunde hatte er Frau Oberst gebeten, erneut mit einem kleinen Trupp gen Varuna ziehen zu dürfen, und Helisande hatte ihm die Erlaubnis erteilt. Sie würde sogar selber anwesend sein und den Trupp begleiten.
Es würde sicherlich interessant werden zu sehen was er in seinen Träumen gesehen hatte.
Dort eine Stadt in Prunk und Pracht, und nun eine Ruine die ihn stets beschäftigte.
Er hoffte nur das er die Diakone dazu bringen konnte den Trupp zu begleiten.
Was er sich davon erhoffte?
Nichts.
So einfach würden sich die Träume sicherlich nicht beseitigen lassen, aber ihm würde es ein Gefühl der Sicherheit geben.
Das Reale Varuna, so wie es sich jetzt zeigte, würde ihm vielleicht besser in Erinnerung bleiben und vermochten hoffentlich die Träume ein wenig ab zu mildern.
So setzte er sich an seinen Schreibpult und verfasste einen Brief den er dann ans Kloster schickte mit der Einladung an die Diakone den kleinen Trupp am Tage des Donners dem 26ten Hartung zur Achten Abendstunde zu begleiten.
Denn wie sagte Arwan immer...
Nur wer sein Gestern und Heute akzeptiert,
kann sein Morgen frei gestalten.
Nur werlosläßt, hat freie Hände die Zukunft zu ergreifen.
Verfasst: Sonntag 22. Januar 2017, 14:24
von Heinrik von Alsted
Erst bist du Kryndlagor, dann tötet dich Kryndlagor.
Der erste Traum war weniger schreckhaft und viel zu abstrakt als das er Nahe gehen konnte. Er war kein Drache und konnte nicht fliegen. Konnte erkennen das es nicht er war und die Gefühle aufgezwungen. Er fand halt darin, dass es nur ein Traum war.
Jetzt war es anders. Nacht um Nacht lag er da, kämpfte, rannte, starb. Er war kein Drache mehr der auf kleine Menschen aus der Luft herab sah. Er war einer dieser kleinen Menschen. Er verging in Feuer, wurde von einem herabstürzenden Balken erschlagen, erstickte im Rauch, erlitt einen Herzinfarkt. Es gab so viele Todesarten und bald, so schien es, hatte er alle gewaltsamen durch.
Er war Ritter, Hure, Mutter, Sohn, Vater, Tochter, Bergmann, Zimmermann, Soldat, Heiler, Bettler und so vieles mehr. Tausende Körper die nicht seine eigenen waren wurden ihm für einen Moment gegeben, damit er ihren Tod erleben durfte. Er hoffte, dass es nicht nur Träume waren, sondern das diese Seelen vielleicht doch für ihren letzten Moment von dieser Gräuel befreit waren. Ein schwacher Trost, wenn er den Tränen nahe mit seinem Trinkhorn in der Hand doch wieder einschlief.
Schlaf, etwas das früher entspannte, Kraft gab und ihn Abenteuer seiner Vergangenheit erleben ließ, war nun etwas verhasstes, zermahlendes und quälendes geworden.
Wie quälend das merkten alle um ihn herum, denn er war gereizt. Sehr gereizt. Eine Überläuferin nebenher zu begleiten, welche erst im KLLH lag und nun im Kerker, war keine leichte Aufgabe. Die persönliche Bindung über einen weiteren Tod in seinem Leben, ebenso keine schöne. Man musste sich zusammen reißen und Haltung bewahren, egal wie wenig man schlief oder wie grausam diese wenigen Stunden waren.
Tod scheint ein Thema zu sein was ihn seit einem halben Jahr mehr als begleitet. Lilian, süße, bezaubernde Lilian, mit den langen Beinen und dem Schalk im Nacken. Sie mochte Knappen und stellte ihn so oft auf die Probe. Ob sie es zur ihrer Belustigung tat oder ob sie wirklich hoffte mit den gut akzentuierten Worten und Gesten seine Gunst zu gewinnen wusste er bis heute nicht. Sie war tot. Er weiß nicht einmal genau wieso oder warum. Nicht wie es passierte. Die Berichte liegen im Archiv, doch er traut sich nicht sie zu lesen. Man will keine Details des Sterbens, wenn man eine bezaubernde Frau in einer knappen Balronlederrüstung vor Augen hat.
Sie ging als erstes mit Diakonin Demarkes, ein schroffes Weib. Die Zunge mindestens so scharf wie die Messer die sie angeblich an allen nur erdenklichen Stellen des Körpers versteckte. Sie redete nicht viel und er redete nicht viel. Er mochte sie, auch wenn er es nie aussprach und sie es wohl durch seine Dienstfresse nie lesen konnte. Vielleicht wusste sie es doch, vertraute sie ihm doch zumindest für eine Weile ihren größten Schatz an.
Lymeria, rothaarige Verführung und tief empfundene Liebe. Sie war immer mit etwas dunklem Behaftet und so trieb sie ihr von einer verschwiegenen Krankheit zerfressenes Selbst nach Rahal. Dem Feind und ihr Heim für die letzten Tage. Sie zu beerdigen war einer der zermürbendsten Erlebnisse in seinem Leben. Jene Frau die ihm zeigte das man lieben konnte, egal was die Vergangenheit sprach. Jene Frau für die er alles aufgegeben hätte und der er doch nicht helfen konnte im Kampf gegen ihre Dämonen. Er dachte oft an sie, die Abende am Feuer, die Nächte im Gasthaus. Sie war ebenso gegangen und hinterließ ein tiefes Loch in seinem Herzen.
Es gingen zu viele Menschen, hoch gediente Personen wie Lady Sophia, die ihren letzten Weg antrat und andere Personen denen er viel zu verdanken hatte, welche noch lebten, doch man wohl kaum wiedersehen würde.
Tod und Verlust ließen ihn langsam erkalten und härter werden. Seine Lady kam mit Hammer und Meißel kaum hinterher, sein Herz offen liegen zu lassen. Predigte ihm Wärme, Verzeihen und Güte. Sie war selbst geplagt von Träumen, selbst gereizt und geschlaucht, was ihren Eifer ihn dazu zu mahnen wohl erhöhte. War es vielleicht ein Mahnen an sie selbst mehr zu sehen als Verdammnis?
Wer weiß, ohne seine Konstante wäre er wohl vielleicht schon zu einem Stein geworden. Ihr warmen Blicke und liebevollen Streicheleinheiten ließen ihn zur Ruhe kommen, doch zu selten sah er sie. Zu selten konnte er sich zu ihr stehlen unter irgendeinem Vorwand.
Dieses Pergament und die Worte die es bannte waren Schuld. Das es von Temora war, bezweifelte er mittlerweile. Vielleicht eines Tages, doch es schien korrupt und verdorben. Etwas musste getan werden und er hoffte das er sein Schwert durch den Übeltäter treiben durfte.
Verfasst: Dienstag 24. Januar 2017, 19:15
von Helisande von Alsted
"Nein!"
Sie sprang auf und schlug um sich und riss dabei fast die Vorhänge des Bettes hinunter. Widerstand, totale und absolute Verweigerung dessen, was der Traum ihr diesmal an Erfahrungen schenkte. Sie hatte sie sterben sehen, alle. Alle Ihre Soldaten, die vertrauten Gesichter in Blau-Gold zerfetzt und zerrissen in der Gluthitze eines nicht löschbaren Feuers. Vergangen und verglüht in einem Atemzug.
Blau-Gold. Nicht Rot-Gold.
Nicht meine. Nicht meine.
Es wurde erneuter Schlaf gefunden, jedoch nicht lange ruhig, nicht lange geruhsam. Das Gefühl machtlos zu sein, keine Deckung, nur ein Pyrianschild, dass doch zerann unter dem Anstrum des tödlichen Odems. Kettenglieder brannten sich durch Futter und Stoff des Gambesons und fraßen sich in die Haut. Tief so tief... Schmerz und Schwärze.
Das Erwachen wurde eingeleitet durch einen tiefen gurutalen Schrei, der dann von Schluchzen und Tränen unterbrochen wurde. So war es also gewesen. So war er zu den Narben gekommen. Ihre Brust brannte immer noch lichterloh wie ein Strohbüschel in einem Orkansturm.
Und dennoch verlierst du die Hoffnung nie....
Der nächste Tag schleppte sich in unendlichen Serpentinen dahin. Er schien nicht enden zu wollen. Pflichten, Gespräche, Routinen und über allem lag diese Müdigkeit. Eine bleischwere Angst legte sich um ihr Herz herum als die Nacht nahte und mit ihr der Schlaf.
Was diesmal?
Ein Meer aus Tränen im eigenen Tod. Entrissen ihrem Arm wurde er. Erlosch vor ihren Augen zu Staub und Wind, ohne dass sie schützen konnte, was ihr anvertraut war. Die Arme zuckten und versuchten das kleine Bündel zu halten, an sich zu drücken und mit dem eigenen Körper Schild zu sein. Schild gegen alles Übel, gegen alles Feuer und gegen jede Kälte. Doch es gelangt nicht, der noch ungeborene Sohn starb in ihrem Traum unrettbar. So löste sie auch sich auf in dem Moment aus vollkommenem Schmerz hinein in die Erlösung....
Aufgewacht im Tränenmeer.
Man muss keinem Kind beibringen, dass es Dämonen gibt. Sie wissen es schon. Wir bringen ihnen bei, wie man Dämonen bezwingt.
Heute würde es erneut wohl nach Varuna gehen, hatte der Diakon angedeutet. Sie war gewappnent nun. Denn alles... alles was an Elend in ihre Leben würde treten können... sie hatte es nun schon erträumt.
Verfasst: Dienstag 24. Januar 2017, 22:22
von Elinor Tiefenbruch
Verfasst: Donnerstag 2. Februar 2017, 18:19
von Der Erzähler
*~~~*
"Verhungert an der einen Brot
Und von der andern Hunger satt,
Genoß ich auch den Überfluß
Mit der, die mitgehungert hat."
~ Geschenke - Leo Sternberg ~
Ich starb. Niemand musste es mir sagen, ich wusste es. Wie ich in eben jenem
Moment feststellte hätte sich sowieso keiner getraut es auszusprechen, als ich ihre
bleichen, leeren Gesichter über mir schweben sah. Schwach. Sie waren so schwach
wie sie vor dem Tod erzitterten, der so bald in dieses Zimmer schreiten und
seinen Mantel ausbreiten würde. Doch nicht um sie zu holen, sondern mich.
Tod. Er ist immer bei uns. Er ist in unseren Köpfen, er ist der kalte Atem-
hauch in unseren Nacken, egal, ob wir uns entscheiden ihn fühlen zu wollen
oder nicht. Er ist um uns herum. Und gerade war er sehr nah bei mir und ihnen.
Und sie erstarrten vor seiner Ankunft wie Kaninchen vor dem Fuchs. Und ich
als das Opfertier lag zwischen ihnen und als ich ihre verschreckten, aufgedun-
senen Hasengesichter über mir sah war alles woran ich denken konnte ein die
Kehle heraufsteigendes Lachen zu unterdrücken. Sonderbar wie die Welt bisweilen
spielt, meint ihr nicht? Nun, meine Welt war etwas größer als ihre. Ich dachte
jeden Tag an den Tod, ich sah ihn überall, Morde, Selbstmorde, Unfälle... Er
inspirierte mich, ja, er inspirierte mich zu leben seit ich ihm das erste Mal begeg-
net war vor so vielen Jahren. Und es war eine erinnerungswürdige Begeg-
nung gewesen. Damals hatte ich mir geschworen, dass ich mein Leben voll
leben würde, ungeachtet der... Umstände, die es bis dahin bestimmt hatten.
Und das hatte ich getan, obgleich die Umstände geblieben waren. Ich war nie
erhaben gewesen über Verlust oder Furcht, tatsächlich hielt ich jeden für einen
Vollidioten, der behauptete es zu sein. Ich war vielen Vollidioten begegnet in
meinem Leben.
Ich hörte die Kaninchen flüstern und blinzelte. Hinter ihnen konnte ich nun den
Tod stehen sehen, überraschenderweise erfüllte mich auch sein Anblick nicht
mit Angst. Tief sog ich die Luft in meine Lungen, es rasselte und ich musste
husten. Die Mienen der Kaninchen wurden mitfühlend und schmerzlich, sie wussten
es würden mir nur wenige Herzschläge bleiben. So wurde mein Körper vom Tod
genommen.
*~~~*
Die Stille in der Krypta breitete sich wieder aus, nachdem das Scharren der großen Abdeckungsplatte verklungen war. Wie schon für viele Jahre riss wieder die Schwärze die Oberherrschaft in den steinernen Hallen an sich. So harrten sie abermals einer ungewissen Zukunft.
Die Klosterwächter und die Diakonin spürten wohl nach ihrer Expedition die Erschöpfung der Ausgrabungen bleiern in ihren Gliedern. Sonderbarerweise wird der wohlverdiente Schlaf kaum Erquickung bringen und die Meisten dürften beim Aufwachen feststellen, dass die winterliche Mittagssonne bereits zum Fenster hereinblitzt. Lediglich die Beteiligten, die im Kloster genächtigt hatten, dürften einen Teil ihrer Kraft im Laufe der Nacht zurückerlangt haben. Alle anderen fühlen sich von nun an stets erschöpft, schwermütig und zum Teil übellaunig ob der andauernden Müdigkeit.
Wie lange zehrt man von eigener Kraft? Wie lange nach vom Leben?
Verfasst: Donnerstag 2. Februar 2017, 22:54
von Shalaryl Di'naru
In den Wald gehen um zu fragen, ob wer sich an das Jahr 10 und den toten
Geweihten erinnerte, war scheinbar keine so gute Idee gewesen. Zunächst
konnte sie nicht wirklich schlafen, blieb aber irgendwie doch in der Hänge-
matte, warf fast (aber auch wirklich nur fast!) Stoffschwalbe Tschiep quer
durch den Baum, bevor die Lindil dann doch mal den Weg nach unten fand.
Was natürlich überhaupt nichts besser machte. Denn jetzt musste man mit
diesen schweren Beinen, Armen...Ohren...allem! Also, damit musste man
nun rumlaufen und Elfen zum Fragen finden. Nein. Elfen zum Fragen die auch
Antworten hatten. Denn, oh, das war soooo klar, die die sie fand hatten na-
türlich keine. Hurra. Dafür jede Menge Vorschläge, welchen Elfen man doch
fragen könnte. Sie kannte jeden einzelnen Namen, wahnsinnige Hilfe. Wo
man nach Büchern schauen könnte. Sie hielt es für Verschwendung, darauf
hinzuweisen, dass sie die Orte auch alle kannte. Bei Eluive, hielten sie alle
für bescheuert?! Wenn sie da und bei denen schon nachgeforscht hätte,
müsste sie nicht mehr weiter fragen. Alles nutzlos, alles blöd und so.
Und alles auch gar nicht weiter helfend, was aber nicht an den anderen lag,
sondern ihr selbst. Sie hatte keine Geduld für Vorschläge. Frage, Antwort,
fertig, Ende. Aber sie sollte Geduld haben, denn die Ideen waren gut und
richtig. Nein, irgendetwas stimmte ganz gewaltig nicht. Und da sie selbst
nichts spürte oder gespürt hatte lag ein gewisser Verdacht recht nahe.
Also doch zurück ins Kloster. Wenn Lindil auf dem eigenen Baum keine
Ruhe findet, dann vielleicht unter dem des Lichtes. Irgendwas war aber mit
dem. Ach, egal. Gedanken müde, Rest der Lindil auch. Hauptsache Baum
der aufpassen kann. Zum Beispiel auf das doofe Buch aus der vielleicht
verfluchten Gruft mit der ziemlich sicher verfluchten Leiche, das jetzt in
einer Kiste unter dem Baum stand.
Oh.
Hurra.
Borkenfraß!
Also kein Baum. Auf das Experiment, was wie stark auf was wirken würde,
hatte sie keine Lust, nicht die aller geringste. Wenigstens gab es im Gäste-
bereich des Heilerhauses ein Zimmer mit offenem Fenster, Baumbild und
grünem Bettzeug. Besser als nichts. Wenn auch nicht viel!
Verfasst: Freitag 3. Februar 2017, 15:34
von Lucien de Mareaux
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02. Eisbruch 260, Schwingenstein - Klosterheilstube
In der Not schreibt der Dämon auch auf losem Pergament. Mein Tagebuch liegt
zuhause und harrt der Dinge, die da kommen. Dort kann ich derzeit nicht annähernd
hingehen, da ich nicht weiß, ob ich mit einem Fluch behaftet bin, oder nicht. Die
Tatsache noch zu leben stimmt mich zwar zuversichtlich, beruhigt mich aber noch
keineswegs.
Dass die Wache vor dem Kloster so nett gewesen ist, daheim Bescheid zu sagen,
werde ich ihr sicher nicht vergessen. Ich habe keine Ahnung, wie meine Frau die
Leckereien und den von mir selbst gemachten Kuschelkäfer hergebracht hat,
ich weiß nur ganz sicher, dass sie es selbst nicht gewesen ist, die das vor der Tür
im Beutel abgelegt hat, glaube außerdem zu wissen, dass es auch nicht unser Sohn
gewesen ist – zum einen: Viel zu spät und lang schon in der Schlafenszeit, zum
anderen würde sie ihn nicht losschicken, wenn sie sich selbst an meine Bitte hielt.
Egal, irgendwie hat sie es hinbekommen.
Met und stärkendes Essen für Ernst und mich. Hervorragend! Und so bitter nötig,
denn trotz des übermäßig langen Schlafs. Ich bin nämlich tatsächlich erst am frühen
Nachmittag aufgewacht, was ich nun nicht als gewöhnlich bezeichnen möchte. Aber
möglicherweise ist das einfach nur der Anstrengung geschuldet – und der Tatsache,
dass ich eben einfach nicht jünger werde.
Die Nacht über machten mir Albträume zu schaffen, weil diese Katakomben unter der
Krypta in mir Erinnerungen weckten, die ich am liebsten vergessen hätte. Es warf mich
tatsächlich um Jahre zurück, nämlich ins Loch, in die Zeit kurz nach dem Tod meines
Vaters. Dieser finstere Götterverlassene verdammte Ort…
Ich wende mich mal meinem aktuellen Problem zu. Nun ja, nein, nicht meinem, eher
unserem. Der der Klosterwache und der Diakonin, wenn man so will. Glenkell hatte
sich entschieden bei dem Burgbau zu verbleiben nach dem Angriff, der da gestern
offenbar erfolgt war. Verständlich, immerhin waren auch seine Kameraden dort.
Einen Vorwurf konnte man ihm daraus sicherlich nicht machen.
Verletzt wurde nur einer, und der trug es mit Fassung. Es war an sich auch nichts
übermäßig Ernstes gewesen, so dass ich ihn da guten Gewissens habe sitzen lassen
können nach einer kurzen Behandlung des Arms.
Erst nach der Rückkehr ins Kloster haben wir es dann gemeinsam geschafft den
Eingang in die Katakomben freizulegen und die schwere Steinplatte anzuheben
und damit zu öffnen.
Fallen scheint da unten niemand für notwendig gehalten zu haben. Sehr aufregend
war es da unten zunächst auch nicht wirklich. Viel Staub, Modergeruch, Urnen,
Dreck, Spinnenweben, alles ziemlich heruntergekommen. Die Diakonin fand eine
ziemlich alte Schrift, den Worten, die sie vorlas nach zu urteilen ein Tagebuch
von einem früheren Diakon aus dem Jahre 9. Den Namen habe ich verdrängt.
Das, was er zu berichten wusste, war alles andere als beruhigend, insbesondere
was mich und meine Paranoia betraf, die ich hegte und pflegte. Er sprach von einem
Fluch, von Tod und Verderben, von dem Novizen, der vor seinen Augen starb und
das innerhalb kürzester Frist – von kerngesund zu verreckt.
Deshalb waren diese Katakomben verschlossen worden. Das war der Grund, warum
der Ort sogar für eine lange Zeit verborgen blieb, gar in Vergessenheit geraten war.
Die Frage, die sich mir stellt, immer drängender: Warum eigentlich waren wir noch
gleich da runter gegangen? Es gibt nur ein Raum, den wir nicht betreten haben da
unten und ich vermute, dort liegt das verborgen, was für den Tod gesorgt hat, von
dem der Diakon zu berichten wusste.
Ernst und ich sind dem recht nahe gewesen, fast schon drin gestanden, zumindest
waren wir auf dem besten Wege dorthin. Wer weiß schon, was passiert wäre, wenn
wir dort hingelangt wären, bevor die Diakonin das Tagebuch vorgelesen hatte?
Eine meiner inneren Stimmen sagt mir jedenfalls in aller Schärfe, ich sollte mich
nun nicht nach Hause begeben, bloß im Kloster bleiben und bestenfalls beten, dass
ich all das überlebe. Wer weiß, ob der Fluch sich überträgt, wer weiß, ob er an mir
haftet, oder vielmehr an uns allen, die wir da unten waren?
Ich werde nun ordentlich essen und mich eine Weile zum Baum des Lichts begeben.
Etwas besseres fällt mir zur Zeit nicht ein. Dies und mich der Führung der Licht-
bringerin anzuvertrauen.

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Verfasst: Montag 6. Februar 2017, 14:34
von Johanna Hohenhain
- Der Ton eines Feldwebels. Etwas dergleichen hatte man ihr vorgeworfen und es war nicht ganz unberechtigt gewesen. Gerade wenn einer Frau wie ihr der lange Geduldsfaden riss, ging das nicht unbemerkt vorbei. Sie war nicht laut geworden, aber es kitzelte sie einen Moment ihre Meinung weniger diplomatisch kund zu tun, wie es üblicherweise von ihr angestrebt wurde. Zu viele Anmaßungen, zu wenig Geduld, zu viele Gedanken. Trotz allem, was sie plagte, nahm sie sich die Zeit für die Plagen anderer, wie trivial sie gerade auch für die Geweihte sein mochten. Im Leben ihres Gegenübers war das geschilderte Problem gerade der Mittelpunkt aller Gedanken.
Doch ihrer lag an anderer Stelle. Dieses eiskalte Gefühl der Panik hatte sie in einem Moment zunächst mehr gelähmt als die Müdigkeit und bleierne Schwere taten, die sie aus der unterirdischen Gruft mitgebracht hatte. Und sie hatte in Luciens Gesicht das gleiche erkannt: Die Angst um die eigenen Kinder.
Nachdem sie die Krypta verriegelt hatten, leitete Johanna das übrige ein. Das Buch aus den feucht modrigen Katakomben, welches eine 250 Jahre alte Botschaft für sie trug, wurde in eine mit Segenssprüchen gravierte und klerikal gestärkte Kiste gelegt und zwischen die Wurzeln des Baum des Lichtes gebettet, auf dass nicht mal der Schatten eines Fluches sich hätte entfalten können. Beim ersten Mal lesen der Zeilen hatte sie primär wahrgenommen: „Der Diakon starb und auch seine Verwandten“.
Und das war der Grund, warum sie sich der Erschöpfung nicht hingegeben hatte, die von ihren Lebenskräften zehrte. Der Mutterinstinkt in ihr hatte sie zu einem Raubtier gemacht, das sich bereit machte selbst mit der Größe einer Wildkatze an den Hals eines Elches zu springen. Sie forschte in der Bibliothek, schrieb Berichte und Briefe, erhielt Unterstützung durch zugeführte weitere Literatur, erbat in Gebeten Stärke und Einsicht. Und vor allem las sie die Zeilen auch in Ruhe mehrfach durch. Ein Mann war tot krank und wurde von einem Diakon gepflegt und dessen Familie... nicht die Familie des Diakons, die des Kranken. Das war ebenso möglich. Und der Tote hatte sich von seinem Sterbebett erhoben und all jene, die ihn pflegten, starben. Es stand nicht fest, dass dieser Fluch wirklich auch in zweite Hand übertragbar war. Doch riskieren wollte es niemand. Als man den Fluch zu lösen versuchte, war dieser zu mächtig und hatte das Leben eines jungen Novizen eingefordert. Auch das könnte wieder passieren... Und auch diese dunkle, unbestimmte Macht, die sich vor Jahrhunderten manifestierte... auch sie könnte noch dort sein. Viele Überlegungen bestimmten die Tage und Nächte der Geweihten.
Andererseits stand in den Zeilen auch die Hoffnung, der Fluch möge in den 250 Jahren seines Bestandes abgeschwächt worden sein, so wie auch das klerikale Siegel an der Gruftöffnung kaum mehr als wirkender Schutz zu bezeichnen war.
Theoretisch war es möglich... vor allem aber war es notwendig.