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Verfasst: Samstag 6. Mai 2006, 15:52
von Angelina de Arganta
Kaum aus der Hitze ihrer Leidenschaft wieder aufgetaucht, hörten sie ein Rufen.
„Sir! Seid Ihr da?“
Angelina wollte nicht, dass Rafael aufstand und kuschelte sich enger an ihn, doch er küsste sie sanft und flüsterte: „Bin gleich wieder da.“
Rasch schlüpfte er in seine Hosen und trat hinaus auf den Balkon. Sie konnte durch die offene Balkontür hören, was die Männer vor dem Haus berichteten und stand auf.

Kurz darauf saß sie mit Hilfe ihres Gatten im Sattel.
Die Kapelle bei der Feste der Allianz war beleuchtet. Rafael hielt seiner Frau die Tür auf und sie trat rasch an ihm vorbei ein.
Eine junge Frau lag auf dem Boden. Eine andere saß bei ihr und sah erleichtert auf. Beide waren voller Blut.
Schnell und zittrig berichtete die junge Frau, deren Namen Angelina wenig später von ihrem Gatten erfuhr… Baronin Felicitas von Stolzenfels…, was sie wusste.
Angelina bekam wenig von dem mit, was um sie herum gesprochen wurde oder geschah. Naia sollte die verletzte Person heißen und sie versuchte, diese anzusprechen.
Doch sie war in einer tiefen Bewusstlosigkeit gefangen.
Die Heilerin versorgte die bereits gereinigte Wunde in der Brust und legte einen mit Medizin, die gegen Entzündung wirkte, getränkten, festen Verband an.
Die Wunden an den Händen vernachlässigte sie zunächst, sie waren nicht lebensbedrohlich.

Erst danach bekam sie mit, dass die junge Baronin sehr erschöpft war und als diese sich nach hause geleiten lassen wollte, gab sie ihr noch ein Beruhigungsmittel mit.

Der junge Mons war erschienen und half eifrig, die Verletzte zu betten. Er hatte Felle besorgt und bot sein Turmschild als Unterlage an.
Rafael hatte sich mit der Baronin unterhalten, wollte in Erfahrung bringen, was vorgefallen wäre und war mit ihr zusammen hinausgegangen. Doch als Angelina seine Hilfe brauchte, eilte er sofort herbei.
Mons und Rafael trugen Naia mitsamt dem Turmschild in eine geschützte Ecke der Kapelle.
Erleichterung verspürte Angelina, als die junge Naia erwachte.
Das war ein gutes Zeichen. Ihr Atem rasselte nicht mehr so stark und nun schlief sie, war nicht mehr ohne Bewusstsein. Mons übernahm die Nachtwache.

Tief atmete Angelina durch, als sie zu ihrem Gatten vor die Kapelle trat.
Sie hatte getan, was sie konnte. Es war ein gutes Gefühl, anderen Menschen helfen zu können.
Rafael lächelte Angelina zurückhaltend an. Die Erschöpfung war ihr anzusehen, doch sie erwiderte sein Lächeln.
„Wir können jetzt heim“ sagte sie und er half ihr auf ihr Pferd.
„ Gut, dann reiten wir jetzt heim… Leider müssen wir dann wieder von vorn beginnen“ meinte er mit schicksalsergebener Stimme. Doch sie bemerkte sein verschmitztes Grinsen und die blitzenden Augen, während er sich auf sein Pferd schwang.
Sie lachte hell auf und wendete ihr Pferd.


„Morgen.. oder Übermorgen“, ging es ihr durch den Sinn, „werde ich zur Heiligkeit gehen. Ich will wieder ganz gesund werden.“
Dann schlief sie mit einem tiefen Seufzer und dem wohligen Gefühl der Geborgenheit wieder ein.

Verfasst: Montag 8. Mai 2006, 16:06
von Angelina de Arganta
Als sie das versteinerte Gesicht ihres Gatten auf dem Weg zu ihren Pferden sah, zog sich ihr Magen zusammen. Auf wen war er so wütend? Auf sie?
Angelina bestieg mit der Hilfe ihres Mannes ihr Pferd und wendete es.
Rafael schwang sich elegant auf seines und hielt es neben ihr an.
„Ich habe noch im Rathaus zu tun. Willst du mich dahin begleiten?“ fragte er, doch Angelina war durch das Vorgefallene im Theatergarten und seiner Reaktion… besser seiner Nichtreaktion… so aus der Fassung geraten, dass sie mit den Tränen kämpfte. Um es ihn nicht wissen zu lassen, trieb sie ihren Aris schroff an und ritt, ohne auf Rafael zu achten, Richtung Südtor. Wenn er noch arbeiten wollte, sollte er es ruhig tun. Aber sie musste nachdenken.

Kaum nahm sie den Hufschlag seines Hengstes hinter sich wahr.
Viel zu laut rasten ihre Gedanken.
Die Baronin von Stolzenfels war offensichtlich eine eingebildete Person. Doch das war ihr eigentlich egal. Was hatte sie schon mit ihr zu schaffen?
Doch dass Rafael ihr in keinster Weise beigestanden hatte, als sie von der jungen Baronin der Beleidigung bezichtigt wurde und zuließ, dass sie in dem Maße von oben herab behandelt wurde, das machte Angelina mehr und mehr zu schaffen, je länger sie darüber nachdachte.
Warum hatte er nichts gesagt?
Wieso ließ er zu, dass man sie demütigte, während sie sich nichts hatte zuschulden kommen lassen?
Er kannte die Baronin ja offensichtlich schon länger…
Wie standen sie wohl zueinander? Der Umgang miteinander schien locker, freundschaftlich und er hatte den Aufbau des Theaters finanziell unterstützt. Doch rechtfertigte das, dass er nicht Partei für sie einnahm?
Heiße Tränen rannen Angelina über das Gesicht, während sie ihr Pferd antrieb.
Hatte Rafe nicht immer wieder gesagt, er wolle sie beschützen?.. Ihr beistehen?.. Ihr helfen?
Vorhin hätte sie ihn gebraucht!
Die Enttäuschung schrie in ihr und sie spürte die Eifersucht heiß und schmerzhaft in sich aufsteigen.
Mit fliegenden Fingern band sie im Garten ihr Pferd an und schaute nicht, ob Rafael ihr gefolgt war.
Ihr war schlecht vor Aufregung und so hastete sie ins Haus.
Sie wollte nur Eines!..
Ruhe haben… nicht von dieser Übermacht der Gefühle erstickt werden.
Die Baronin mit ihrem teurem, prachtvollem Theater konnte ihr gestohlen bleiben!

Verfasst: Dienstag 9. Mai 2006, 07:28
von Rafael de Arganta
Er brachte die ganze Nacht kein Auge zu.
Immer wieder sah er zu Angelina die sich im Schlafe herumwarf.
Was war nur geschehen. Wie konnte es nur geschehen.
Er war verzweifelt ob der Situation.

Er war heimgekommen, hatte sie vorgefunden über einen Brief gesunken.
Als er sie ansprach reagierte sie nicht, und der Brief...
Er sprach alles aus was sie dachte, fühlte.
Seinen Verrat, das er ihr nicht zu ihr gestanden war, ihre Liebe zu ihm, und innerlich zog sich alles zusammen.
Er hatte es doch nur gut gemeint. Wollte das Felicitas die Frau kennen lernt die er so sehr liebte, und dann war dieser Versuch zusammen gebrochen und er vollkommen überfordert mit der Situation zwischen seiner Frau und der Baronin.
Wie sehr Angelina es ihm übel nahm konnte er jetzt lesen und sehen.
Schlief sie?

Er tätschelte ihr Wangen und sie sah ihn benommen an, kaum richtig in der Welt.
Voller Sorge sprach er sie an und als er auf der Kommode eine offene Phiole mit Gift sah, daneben einen Flakon mit Gegengift, war es ihm als greife eine eiskalte Hand nach seinem Herzen.
Ohne weiter zu überlegen griff er nach dem Gegengift, und während Angelina langsam mehr und mehr zu sich kam, zwang er sie fast unsanft das Gegengift zu trinken.
Auch wenn sie abwehrte, ließ er sich nicht beirren.
Seine Angst ließ ihn fast wütend werden als sie abwehrte und er hielt sie kraftvoll fest während er ihr die Flüssigkeit einflösste.
Erst als sie ihn anschrie er solle aufhören, sie hätte das Gift nicht genommen, hörte er auf.
Setzte sich neben sie, und schluchzte auf.
Genauso wie sie weinte er und als sie den Versuch unternahm den Brief zu verstecken, schüttelte er den Kopf.
Er hatte ihn längst gelesen und das sagte er ihr auch.
Sie leugnete nicht das sie daran gedacht hatte das Gift zu nehmen, das sie sich so allein gelassen gefühlt hätte, als sie seine Hilfe brauchte.
Und er erklärte ihr das Warum.
Das er einer Freundin hatte die Frau zeigen wollen die er liebte, und das dann alles aus dem Ruder lief. Das Felicitas nicht so wäre wie Angelina wohl gezeigt wurde....

Als seine Frau weiter nachfragte senkte er den Kopf.
Was sollte er ihr sagen? Wie nah er Felicitas gekommen war? Weil sie sich ähnlich waren?
Das er sie ... begehrt hatte?
Er schluckte, hart.
„Sie war für mich da, als du fort warst.“ Erklärte er nur und ihr Schluchzen traf ihn tief.
Was sollte er nur tun?
Sie sprachen noch lange, vor allem über ihre Ängste, ihre Krankheiten,
und Rafael meinte leise. „Vielleicht hättest du damals dich doch für Adrian entscheiden sollen. Dann wärest du heute Glücklicher.“
Er meinte es vollkommen ernst, und auf ihr geschrieenes. „HÖR AUF!“
Meinte er nur. „Ich habe damals deine traurigen Augen gesehen, und wollte dafür sorgen das du nie wieder so blicken musst. Heute bin ich derjenige der diesen Traurigen Blick verursacht. Das wollte ich nie. Ich wollte nur das du glücklich bist.“

Er hatte Angst, das was sie im Moment war, wie sie fühlte verursachte ihm Angst und er wusste nicht mehr wie er ihr helfen konnte, außer sie zu halten als sie ihn darum bat.
Er würde sie am morgigen Tage zur Heiligkeit begleiten. Vielleicht kannte diese eine Lösung, und wenn es eine Lösung war die für Rafael schmerzhaft wäre, so würde er doch alles in Kauf nehmen nur um das Lächeln in Angelinas Augen zurück zu zaubern.
Auch wenn es dafür hieß seine Liebe zu verlieren. Sie wäre besser dran wenn sie ihn nicht lieben würde, denn das war es warum sie immer wieder so litt, warum sie krank war.
Das wollte er nicht, auch wenn er sie nicht verlieren wollte. Der Zwiespalt in ihm Zeriss ihn beinahe.
Sie hatte es jedoch geschrieben, zwei mal jetzt schon. Das sie ihn so sehr liebte und gerade deswegen Krank war, sich so fühlte. Wie sollte er es ignorieren.
Das heute zeigte ihm wie schuldig er an ihrem Zustand war. Das Gift ... es hätte einem Sohn die liebende Mutter genommen.
Und er war schuld daran.

Verfasst: Mittwoch 10. Mai 2006, 06:56
von Rafael de Arganta
Der Morgen graute.
Rafael hatte die Nacht über kein Augen zugemacht, sondern nur Angelina fest in den Armen gehalten und kein Blick von ihr gewandt.
Es war ihm als würde etwas eisig kaltes sein Herz umklammert halten und wann immer sein Blick auf die Flasche mit dem Gift fiel, wurde ihm speiübel.

Was hätte sie nur fast getan... was hatte ER nur getan.
Kaum merklich zitterte er, Angelina dabei noch fester an sich ziehend.
Würde er je wieder dieses Glitzern in ihren Augen sehen können?
Wenn sie glücklich lachte? Ihn so ansah?
Zufrieden mit sich, der Welt und ihrem Leben. So viele Sorgen die sie belasteten, soviel Unglück, das dem Glück überwiegte.

Was ihn am meisten weh tat, war das er für jene Sorgen Verantwortlich war.
Immer wieder hatte sie sich um ihn Sorgen müssen, und das Schlimmste war... er wusste nicht wie er es abstellen sollte.
Seine ... Freundschaft zu Felicitas und der Versuch beide Frauen miteinander bekannt zu machen, hatte dann wohl den Rest ausgemacht.
Angelina ahnte wohl instinktiv was gewesen war, und mit dem Vorwurf das er sie hätte verteidigen müssen hatte sie wohl recht gehabt.
Die Baronin brauchte einen Freund, aber der konnte er ihr nicht mehr sein. Nicht jetzt wo seine Frau ihn so sehr von Nöten hatte.
Felicitas würde verstehen, das glaubte er und hatte bevor er hergeritten war einen Korb mit einer Katze vor ihrer Tür abgestellt. Ein Halsband daran würde ihr klar machen das diese für sie war und was es bedeutete.
Dann hatte er einige Blumen erstanden gehabt, um heim zu reiten und vorzufinden was ihn mehr erschreckte als sonst etwas auf der Welt es je geschafft hatte.

Es musste wieder gut werden... irgendwie irgendwann.
Er hoffte auf die Weisheiten der Heiligkeit, Temoras Güte und Kraft, das Angelina genesen konnte, an Kraft gewann um irgendwann wieder das zu werden was sie war.
Damals als er sie kennen lernte hatte sie jenen Ausdruck in den Augen wie jetzt.
Voller Schmerz, Trauer und Kraftlos.
Damals war er es gewesen der es geschafft hatte jene Ausdrücke von ihr zu nehmen. Ihr Glück zu bringen, sie lächeln zu lassen...
Dieses mal ... war er es der ihr die Trauer zurück brachte.
Er wusste nicht was noch kommen würde, nur das er hoffte und verzweifelte zugleich.
Fast wütend wischte er sich mit dem Arm über das Gesicht, die Tränen fortwünschend die ihm unaufhörlich über die Wangen liefen.
„Temora, was hab ich nur getan. Hilf ihr und steh ihr bei.“

Verfasst: Mittwoch 10. Mai 2006, 11:27
von Angelina de Arganta
Langsam tauchte sie aus ihren wirren und bedrückenden Träumen auf.
Sie spürte sich von starken Armen umfangen, im Rücken den warmen, straffen Körper ihres Gatten. Doch als ganz langsam der gestrige Abend in ihrer Erinnerung auch wieder wach wurde, stöhnte sie leise vor Entsetzen über sich selbst auf und öffnete die Augen.
Ihr Blick fiel auf das Nachtischchen und die darauf stehenden Phiolen.
Fast erschreckt schloss sie die Augen wieder.
Was hatte sie nur gedacht... getan?
Wie konnte es geschehen, dass Verzweiflung und Dunkelheit wie riesige Wellen über sie hereingebrochen waren, unter denen ihr jeglicher Halt fehlte?
Ihr Verstand wusste doch nur zu genau, was mit ihr los war und dennoch hatte sie sich nicht gegen ihre Gefühle erwehren können, die sie gnadenlos in den Abgrund rissen.
Der Brief fiel ihr wieder ein und sie tastete nach Rafaels Arm, legte ihre Hand darauf.
Wenn er ihn doch nur nicht gelesen hätte!
Sie kannte ihren Liebsten und wusste, wie er dachte. Auch hatte er es ihr gesagt.
Wenn sie ihm doch nur erklären könnte, dass er nicht an ihrem Zustand schuld sei. Niemand war schuldig geworden. Auch sie konnte nichts dafür. Wie oft hatte sie schon mit Patienten darüber gesprochen… doch erst jetzt begriff sie wirklich, was diese Schwermut mit einem Menschen machte… was sie aus ihr gemacht hatte.

Würde Rafael zu ihr stehen? fragte sie sich.
Würde er Verständnis aufbringen können bis sie wieder gesund war?
Ob die Heiligkeit ihr wohl helfen konnte?

Eine Träne suchte sich ihren Weg und rann langsam an ihrer Schläfe entlang in das Kissen.
Scham.
Sie schämte sich abgrundtief für ihr Handeln.
Wie hatte sie nur einen Moment lang diese Todessehnsucht empfinden können und ihr fast nachgeben?
Wie hatte sie nur ihren Sohn und ihren Gatten dabei vergessen können? Die beiden Menschen, die sie brauchten und die sie am meisten liebte.

Angelina sah wieder auf die Phiole mit dem Gift und es zog ihr das Herz zusammen.
Sie verabscheute in diesem Moment ihr Wissen darum, wie man aus den guten Gaben der Natur so etwas Tödliches herstellen konnte. Still verfluchte sie sich für ihre Schwäche… und die Hilflosigkeit, die sie gegenüber dieser Schwermut empfand.

Verfasst: Donnerstag 11. Mai 2006, 16:02
von Angelina de Arganta
Ihr Mut und ihre Hoffnung, die Heiligkeit könnte ihr helfen, sank immer tiefer, je länger sie vor dem Tor des Klosters standen und warteten.
Rafael war heute Morgen liebenswürdig, doch distanziert. Angelina und er sprachen nur wenig miteinander.
Als sie dann vor der Heiligkeit standen, war Angelina schon wieder den Tränen nahe.
Wo kamen nur all die Tränen her?
Was hätte sie darum gegeben, diesen Zustand endlich abzustellen!

Nach der Begrüßung fragte Rafael seine Frau, ob er draußen warten solle, doch Angelina wollte ihn bei sich haben. Sah er denn nicht, wie aufgeregt sie war… dass sie ihn jetzt brauchte?
Die alte, heilige Frau schien die Situation des Ehepaares sofort zu erfassen. Ihre liebevolle, mütterliche Art beruhigte Angelina, rührte sie aber immer wieder zu Tränen, die nur darauf zu warten schienen, im Überfluss ihren Lauf zu finden.
Als Angelina dagegen an kämpfte, meinte die Heiligkeit nur: „Du machst es dir nicht leichter, wenn du den Kummer noch bekämpfst. So wirst du ihn nicht verarbeiten.“
Angelina senkte ihr Haupt. Die Heiligkeit hatte Recht, das wusste sie nur zu genau, dennoch waren ihr diese ständigen Tränen peinlich.
„Ich.. ich habe eine Bitte an Euch...“ brachte sie leise, zögernd hervor, sah dann auf und nach einen Blick zu Rafe fragt sie: „Kennt ihr Euch damit aus.. jemanden in einen Tiefschlaf zu versetzen? Ich habe ein Buch.. und war bei meiner früheren Lehrerin... sie hat es mir empfohlen gegen die Schwermut einzusetzen.“
„Temora vermag dies gewiss, doch sehe ich hierin keine Lösung.“
Rafael senkte den Blick, um seine Gefühle, seine Gedanken zu verbergen.
„Welche Lösung empfehlt ihr?“
„Viel Ruhe und Nähe, Gespräche die dir helfen den Kummer zu bearbeiten.
Ich vermag hierfür zwei Orte zu benennen. Einer ist dieses Kloster, so du dein Vertrauen vollends in die gütige Tugendbotin setzen willst…“
Während sie still der Heiligkeit lauschte, richtete sich Angelinas Blick wieder auf Rafael. Sie wollte Temora vertrauen… und ihrem Gatten. Beim Anblick seines ernsten, fast verschlossenen Gesichtes traten Tränen in ihre Augen. Sie schluckte und sah zur Heiligkeit.
„Ein Ort, an dem er dich besuchen kann… auch zu verstehen. Der andere wäre sehr fern von ihm für lange Zeit. Würde dir andere Sichtweisen des Lebens aufzeigen, Ruhe und Frieden vermitteln.“
„Weit fort? fragt Angelina alarmiert.
„Die Hochelfen, sie haben gewiss große Heiler, als auch sind sie eine Gemeinschaft von Weisheit und Ruhe. Du wärst fern aller Blicke solang du dies brauchst. Außer jener Temoras.
Den ersten Ort kann ich dir anbieten, den zweiten nur vorschlagen, denn die Einwilligung
obliegt den Elfen.“
Unsicher sah Angelina zu ihrem Gatten, der sich mit der Hand durch sein Haar strich und die Augen kurz schloss.
„Ich wollte nicht wieder fort“ sagte sie dann leise und senkte ihr Haupt. „Ich wollte Rafael nicht wieder allein lassen.“
„Du... musst für dich wissen, was das Beste ist Angelina... Das was dir hilft“ meinte Rafael.
„Wisse, den Schlaf zu erbitten, wäre ebenso ein Fortgehen. Doch wenn du diesen Ort hier in den Klostermauern wählst, werde ich dir zur Seite stehen… so wie du hoffentlich auch mein Sohn.“
„Ja natürlich eurer Heiligkeit“ kam von Rafe etwas tonlos.
„Sprich nicht von zu viel Natürlichkeit, denn soviel Kummer entsteht nicht leicht.
Frage dich sehr tief in deinem Herzen, wie nah du bei ihr warst“ richtete nun die Heiligkeit das Wort streng an ihn.
„Er hat keine Schuld!“ verteidigte Angelina sogleich ihren Mann.
Rafael presste schuldbewusst die Lippen zusammen, nickte nur und trat unwillkürlich einen Schritt zurück.
„Lass Angelina, das habe ich sehr wohl“ meinte er leise und blickte unwohl zur Heiligkeit, die der jungen Frau noch einmal leicht über die Wange strich.
„Sprich, was immer du heute schon bereit bis zu sprechen“ forderte sie gütig auf. „ Doch Gespräche werden noch viele folgen.“
Angelina schlug die Hände vor das Gesicht und weinte.
Behutsam nahm die alte Frau sie in die Arme und tätschelte ihr beruhigend die Schulter. Auch Rafael war hinzugetreten, wollte seine Frau offenbar trösten, doch hielt er nun inne.
Nach einem Moment hatte Angelina sich wieder so weit gefasst, dass sie sprechen konnte.
Sie wollte im Kloster bleiben. Wichtig war ihr, dass ihr Mann sie besuchen konnte und durfte.
„ Er wird es sogar müssen, denn auch er muss viel verstehen“ sagte Alyssa. „Vor allem, dass Liebe Lösung ist aber nicht und niemals Täter.“
Mit bebendem Kinn nickte Angelina nun und schaute zu Rafe. „Täter?“ fragte sie leise.
Rafael’s Kopf ruckte hoch und er sah die Heiligkeit erschrocken an. Ihr durchdringender Blick lag auf ihm.
„Ihr... kennt... meine... Gedanken...“ meinte er fassungslos.
„Nein, die Herrin kennt einen jeden. Und wenn es nötig wird, lässt sie mich manches Mal sehen. Wie jetzt, weil sie mit dir sprechen will.“
Angelina’s Augen weiteten sich leicht. Still schaute sie zur Heiligkeit.
„ Beizeiten ist es gegeben hierüber zu sprechen, Kind“ wandte die Heiligkeit sich wieder an Angelina. „Doch für den Moment ist er es, der hierüber nachsinnen muss.“
„Ich... will nur, dass es ihr gut geht“ warf Rafe ein, doch Angelina war wie alarmiert.
„Was hat er denn getan?“ fragte sie zögerlich. Ihre Angst stand in ihren Augen zu lesen.
„Kind, manche Menschen denken aus Liebe manchmal dumme Dinge, obgleich sie
es wirklich besser wissen sollten. Doch dies mag er dir erklären, so es an der Zeit ist.“
Mit trotziger Miene schwieg Rafael, was Angelina noch mehr beunruhigte.
„ Meint ihr.. dass er...“ Sie schaute kurz zu ihrem Mann, senkte dann ihr Haupt und flüsterte mit bebender Stimme: „Ich war nicht da… und er hätte mich gebraucht.“
„Ich meine und weiß, dass er dich sehr liebt und dass er für dich das Beste will. Er muss nur selbst begreifen was dies ist.“ Die weise Frau richtete ihren Blick von dem jungen Mann auf Angelina. „Und du wirst als erstes lernen müssen, dass du an gar nichts schuld trägst. Nur lerne von nun an, früher über deinen Kummer zu sprechen.“
Die Worte der Heiligkeit lösten eine erneute Tränenflut bei Angelina aus.
„Die Zeiten waren bewegend und voller Schmerz. Dies alles weiß ich so wie Temora es weiß.
Reden und Nähe darf nicht erst gesucht werden, wenn die Seele nur noch schreit.“
„Ja.. es war wohl zu viel...“ presste die junge Frau hervor. Sie sah erschöpft aus und schluckte gegen den nicht enden wollenden Tränenstrom an.
Rafaels Wangenmuskeln zuckten in seinem Gesicht, doch er schwieg, wusste nicht, was er dazu sagen sollte.
„Hast du ihm je oder irgendjemandem erzählt von all dem Kummer?“ fragte Alyssa mit milder Stimme nach.
„Ich wollte ihm immer eine Stütze sein.“ Angelina sah Hilfe suchend zu Rafael, schüttelte dann leise aufschluchzend den Kopf. „Nein.. wann denn?“
„Niemand vermag dies, Kind. Und niemand sollte sich dies auferlegen.“
„Ich ahnte davon, doch gab es zu wenig Zeit“ murmelte nun Rafe fast wie eine Entschuldigung.
Ruhig fuhr die Heiligkeit fort: „ Nun, Zeit ist jetzt und hier in diesen Mauern. Hier wirst du viel hiervon finden. Und du, mein Sohn, solltest sie dir nehmen.“
Tief durchatmend und mit bittendem Blick sah Angelina zu Rafael und versuchte sich das Gesicht wieder mit den Händen zu trocknen.
„Wirst du das können?“ fragte sie ihn leise.
Die Heiligkeit mische sich sogleich ein.
„Eine Frage die nicht angebracht ist. Ist sie nicht der schwerste Punkt deines Kummers?
Dein Glaube, du müsstest Rücksicht nehmen und dürftest niemandes Zeit beanspruchen und
seine schon gar nicht?“
Rafael wollte gerade antworten, blickte dann jedoch von einer Frau zur anderen.
Schuldbewusst senkte Angelina ihr Haupt und hörte ihren Mann stockend sagen: „Ich werde soviel Zeit wie möglich erbringen...“
„Er wollte, dass ich für ihn da bin“ sprach Angelina leise weiter und ihre Verzweiflung war deutlich zu hören... „Und ich wollte es auch.“
„ Aber ich war es nicht für dich“ räumte Rafael ein.
Angelina sah wieder auf. Sie bemerkte es wohl nicht, doch sie verteidigte ihn schon wieder. Diesmal vor ihm selbst. „Aber du warst gefangen… verletzt.. und halb verhungert!“
„Und gerade deswegen konnte ich nicht bleiben und ruhen, sonst hätten mich die Erinnerungen erdrückt. Deswegen musste ich wieder hinaus… handeln… helfen!“
Alyssa schaltete sich wieder ein. „ Ich weiß, dass auch du gelitten hast mein Sohn. Doch du hieltest nicht auch nur einen Augenblick inne, sehend wie sie leidet. Und du warst nicht willens, es dir selbst einzugestehen.“ Die letzten Worte richtete sie an Angelina, die dazu nur leise fklüsterte: „Ja, das stimmt.“
„Ihr beide müsst erkennen, dass es für euch nötig ist, hin und wieder anzuhalten und nur euch gegenseitig zu sehen.“
„Aber was sollte ich denn tun?.. Ich war im Lager vor Berchgard... wollte mit ihm sprechen... doch er war zu eingespannt.. er konnte dort nicht weg“ begehrte Angelina zaghaft auf.
„Soviel Kummer, Kind, sammelt sich nicht in wenigen Tagen. Es wird nötig wie ich es sagte, sich häufiger auszusprechen und wenn nicht vor ihm, dann vor Temora.“
Alyssa’s Blick ausweichend, nickte Lina schwach, während Rafael sich mit den Fingern unter den Kragen seiner Weste fuhr, als wäre dieser zu eng geworden.
Der Blick der weisen Frau wanderte erneut zu ihm, wohl noch leicht streng aber auch durchaus mütterlich.
„ Sei lieber für sie da, statt dass du davonläufst. Denn deiner Seele hilft dies sicher nicht.“ „Ich... versuche es, eurer Heiligkeit.“
Mit einem leichten Lächeln nickte diese ihm zu, während Angelina leise und traurig bemerkte: „Er hat ja auch jemanden, mit der er sich austauschen kann.“
„Ja, den hat er. Doch solltet ihr beide erkennen wer dies ist.“
Rafael wurde blasser und kurz blickte er schuldbewusst. Doch Angelina sah zur Heiligkeit und meinte, dass sie auch viel beten würde, doch meist im Stillen und führte dann leise, fast flüsternd weiter aus: „Seine neue Freundin, die Baronin von Stolzenfels, kann ihm sicher auch gut zuhören.“
Alyssa lächelte und gab Rafael einen leichten Klaps, wie einem Jungen, den man tadelt, ohne ihm wirklich weh zu tun, auf die Wange.
„Lerne hieraus und verabschiede dich lieber von dummen Gedanken, denn ich werde sie nicht unterstützen.“
Mit seinem konsternierten Blick und der aufsteigenden Röte im Gesicht wirkte Rafael wie ertappt.
„Sie weiß, dass ich Angelina über alles liebe. Das habe ich ihr immer wieder gesagt und es niemals verhehlt“ meinte er mit fester Stimme.
„ Liebe bedeutet auch festzuhalten und nicht wegzulaufen. Im Glauben ihr damit zu helfen.“
Rafael widersprach. “Wenn es hilft... Schmerz zu verhindern? Ist es jegliches Opfer wert!“
Doch Alyssa blieb ruhig. „Es hilft nicht und Temora wird dir diesen Gefallen sicher nicht tun. Es wäre ein Verstecken hinter Lügenschleier, denn Liebe ist ihr Weg und sie wird
diesen Weg nicht wegreißen. Suchst du dies, bist du hier falsch.“
Aufstöhnend fuhr Rafael sich mit beiden Händen durchs Haar und trat einen Schritt zurück.
„Ich weiß nichts mehr.. gar nichts mehr!“
Streng blickend trat die Heiligkeit an Rafael heran. „Dann lerne das Wissen, das jeder Halt im Leben braucht. Du wie sie! Alles andere wäre ein Davonlaufen vor der Wahrheit.“
Angelina presste die Lippen aufeinander, den Blick nicht von Rafe lösen könnend.
„Die Wahrheit ist, dass ich gefehlt habe.
Ich möchte, dass Angelina geholfen wird, egal zu welchem Preis.“
Rafael sah gequält aus und Angelina war schon im Begriff, zu ihm zu gehen. Doch sie hielt inne und wiederholte leise fragend: „..Zu welchem Preis?“ Was meinte er nur, ging es ihr durch den Sinn.
Rafael lehnte nun mit dem Rücken an der Tür, als es aus ihm heraus brach: „Ich möchte fortlaufen.. ja. Fort von der Liebe... damit du nie wieder so leiden musst!“
Angelina erstarrte und biss die Zähne zusammen, während aus ihren groß aufgerissenen Augen die Tränen quollen.
„Liebe gibt Schmerz, Liebe macht verletzbar, bis hin zum Tode. Aus Liebe... Wozu ist sie also gut? Ich will nicht verletzen!“
Alyssa fragte ruhig nach. „Ist dies wirklich das, was du glaubst und fühlst?“
„Temora ist Liebe, aber es ist anders als die Liebe zu einem Menschen... Dadurch, dass Angelina liebt, hat sie dieses Leid erfahren!“ entgegnete Rafe.
Die junge Frau war kreidebleich geworden, hielt sich nun an der Stuhllehne fest und starrte vor Tränen blind auf den Boden.
„Nein, nicht Liebe ist es, die dies bewirkte“ widersprach die Heiligkeit. „Wenn du dies wahrhaft glaubst, dann überdenke, ob du nicht Alatar weit mehr dienst.“
Rafael starrte bleich zur Heiligkeit, während diese zu Angelina trat und dieser erlaubte, sich zu setzen, als sie darum bat. Mit zittrigen Knien fand Angelina Halt auf dem nächsten Stuhl.
„Liebe ist vielmehr das, was euch beiden die Kraft geben kann, dies hier zu überstehen“ sprach die Heiligkeit mit Rafael weiter.
„Ohne Liebe wäre es niemals soweit gekommen“ beharrte er leise und ließ sich an der Tür hinunterrutschen, so dass er auf dem Boden saß.
„Du redest Unsinn, mein Sohn. Doch wenn du die Liebe lieber ablehnen willst statt aus ihr Kraft zu schöpfen, hat Alatar wirklich über dich obsiegt.“ Die alte Frau klang nun scharf.
„Ohne Liebe würden wir uns nicht einmal kennen“ wisperte Anglina und weinte dann still.
„Das ist Unsinn!“ protestierte Rafael gegen die Heiligkeit und schlang die Arme um seine Knie, den Kopf darauf bettend.
Angelina hatte sich inzwischen mit tränennassem Gesicht zu ihrem Mann gewandt.
„Dann willst du, dass ich dich nicht mehr liebe? Dass ich gehe?“ fragte sie mit brüchiger Stimme und verzweifeltem Blick.
„Es.. wäre besser ... für dich...“ gab er stockend zurück. „Ich könnte dir.. nicht mehr wehtun.“
Aufschluchzend schlug Angelina ihre Hände vor das Gesicht und sank in sich zusammen.
„Die Liebe ist hier Lösung und Weg und euer Stehen zueinander! Entweder du erkennst dies oder du solltest lernen, dass du ein Opfer bist und längst besiegt mein Sohn! Und wisse, der, den du eigentlich bekämpfen willst, wird dein Herz weiter quälen, bis er dich ganz besitzt!“
Die Heiligkeit streichelte Angelina sanft die Schulter, während sie mit Rafael streng sprach.
„Alatar? Niemals werde ich ihm geben was er will. Und ich leugne nicht zu lieben.. niemals tat ich das. Ich liebe Angelina von ganzem Herzen.“

Gequält schluchzte Lina leise auf: „ Vielleicht kann die andere ihm mehr geben … ich bin ja nicht mehr ich selbst.“

Alyssa beugte sich gen Angelina und ihre Worte waren nur ein Hauch.
„Niemand kann ihm mehr geben als du, weil sein Herz immer für dich schlägt. Er muss nur erkennen, dass er mehr Schmerz verbreitet als lindert, mit dem was er glaubt.“
Dankbar legte Angelina ihre Hand auf die der Heiligkeit, weinte jedoch still weiter. Bemüht verständlich zu sprechen, wandte sie sich an ihren Mann und stieß heftig hervor: „Du hast nichts verstanden. Ich brauche doch deine Liebe!“
„Ich habe verstanden was du geschrieben hast.“
„Nein.. das hast du nicht!“ begehrte sie auf.
„Geschrieben als du gingst, und geschrieben ... gestern.“
Alyssa strich mit der Hand nochmals über Angelinas Schulter, bevor sie sehr entschlossen und mit strenger Miene auf Rafael zutrat.
Dieser erstarrte sichtlich, als sie, für ihr Alter recht resolut, ihn am Arm packte und versuchte, ihn auf die Beine zu ziehen. Angelina suchte unterdessen mit fliegenden Fingern in ihrer Tasche nach dem Brief, den sie am Abend zuvor geschrieben hatte.
Als Angelina aufsah, stand Rafe neben ihr.
„Dies ist dein Platz! Lerne und begreife dies, mein Sohn, und sei ihr Halt. So, wie sie solange für dich da war. Du kannst nicht immer nur fordern. Eure Liebe ist gegeben, dass ihr einander Halt seid. Also wage nicht, nun da sie dich braucht, fortlaufen zu wollen!“
„Da.. da.. das werde ich nicht, ich wollte doch nur...“ Rafael wirkte gequält und verstummte.
Angelina indes legte den Brief auf den Tisch und sah auffordernd zur Heiligkeit. Doch diese sprach zu Rafe weiter: „Das was du wolltest, ist nicht was sie braucht. Es hilft ihr so wenig wie dir.“
Schuldbewusst und leise sprach Lina nun die Heiligkeit an. „Bitte.. lest ihn... Ich hätte beinahe etwas Schreckliches getan...“
„Kind, es ist gewiss sehr persönlich und ich denke ich weiß genug, euch zur Seite zu stehen“ wehrte diese ab.
„Erkenne… er liebt dich und erkenne auch, wenn dein Kummer zu groß wird, ist dies immer ein Platz der Ruhe für dich.“
Angelina nickt sacht und steckte den Brief wieder in ihre Tasche.
Mit schuldbewusstem Blick sah Rafael auf seine Frau und wisperte leise, kummervoll: „Ich liebe dich Angelina. Ich will nicht, dass du leidest.“
Sie sah zu ihm auf und sagte ebenso leise: „ Ich schrieb, dass ich so verletzt bin, weil ich dich liebe… nicht, dass deine Liebe mich verletzt, Rafe.“
„Ihr müsst und vor allem du, mein Sohn, erkennen, dass eure Liebe nicht die Schuld ist… nicht der Täter, sondern eure Stütze… euer Beistand.“
Mit flehendem Blick und bebendem Kinn fragte Angelina nun ihren Mann:
„Willst du mich verlassen?“
Sofort und ohne nachzudenken schüttelte er heftig den Kopf. „Nein!“
„Kommst du mich dann besuchen?“
„ Das werde ich“ sagte Rafael nun fest und sah seine Frau an.
Tief atmete die junge Frau durch und die Heiligkeit lächelte zuversichtlich.

Als dann Angelina zu ihrer Unterkunft geführt wurde, verabschiedete sich Rafael.
Angelina fühlte sich wie erschlagen und hatte nur den einen Wunsch… Sich ein wenig auf dem großen, gemütlich aussehendem Bett auszuruhen.

Verfasst: Freitag 12. Mai 2006, 07:31
von Angelina de Arganta
Jedesmal, wenn Angelina ihr Zimmer verließ oder aufsuchte, fiel ihr Blick auf den Baum des Lichtes, um den herum vor sehr, sehr vielen Jahren das Kloster erbaut wurde. Er wirkte auf die junge Frau wie ein Magnet, zog sie mit seiner besonderen Aura unwiderstehlich an, jedoch traute sie sich nicht, sich ihm allein wirklich zu nähern. Unter ihm hatte sie vor langer Zeit einmal eine Vision von der Lichtbringerin Temora geschickt bekommen. Auch damals hatte sie bei der Heiligkeit Rat und Hilfe gesucht. Jetzt richtete sie bei jeder Gelegenheit ehrfurchtsvoll ihren Blick auf den heiligen Baum und empfand dabei Zuversicht und Hoffnung auf Heilung. Sie war dankbar, hier in dem Hort der Ruhe und Liebe aufgenommen worden zu sein und mit leisen Worten und in Gedanken pries sie die Lichtbringerin, lobte ihre Güte und sagte ihr ihre Gedanken und Hoffnungen.
Sie hatte nach einem kleinen Frühstück sich nützlich machen wollen und war in die Gärten des Klosters gegangen. Mit dem Schäfer hatte sie sich kurz, aber nett unterhalten und ein paar Früchte von den Bäumen gepflückt.
Auf dem Feld war Gemüse zu ernten, das Angelina dann in einem großen Korb in die Küche trug. Ihr wurde die Vorratskammer gezeigt und wo Früchte und Gemüse gelagert wurden.
Die Arbeit tat ihr wohl. Sie tat sie ja freiwillig und konnte Pausen einlegen, sobald sie sich erschöpft fühlte. Die Menschen im Kloster waren alle sehr freundlich zu ihr und sie hatte nicht das Gefühl, dass sie jemanden störte oder gar auf sie geachtet wurde.
Keiner fragte, warum sie da war. Jeder begegnete ihr mit dieser Ruhe und Gelassenheit, die in diesen Mauern wohl selbstverständlich war.
Angelina begann sich wohl zu fühlen.

Am frühen Abend begegnete sie auf dem Hof Rafael in Begleitung einer völlig verdreckten, offensichtlich alten Frau. Ihre Gesichtszüge waren kaum zu erkennen unter der Schmutzschicht, die Haare von undefinierbarer Farbe, verklebt und verfilzt von Schmutz.
Rafael fragte nach Essen für die Bettlerin und Angelina beeilte sich, aus der Küche welches zu holen. Als die Alte sich zum Essen einfach hinhockte, wo sie vorher auf einer Krücke gestanden hatte, bemerkte die junge Heilerin, dass die Bettlerin das eine Bein nur schwerlich bewegen konnte.
Sie bot ihr an, dass sie morgen wiederkommen könne, um ein Bad zu nehmen, um danach erneut Essen zu bekommen. Auf die schnöde Bemerkung, dass sie dann erst in einem Jahr wiederkäme, versuchte Angelina ihr die Versorgung des Beines anzubieten. Doch das trieb die merkwürdige Frau aus dem Kloster.

Angelina wandte sich fast scheu ihrem Gatten zu und fragte ihn, ob er ihr Zimmer sehen wolle.
Sie empfand Freude darüber, dass er mit ihr ging. Sich offensichtlich Zeit für sie nahm.
Doch das dann folgende Gespräch regte sie sehr auf.
Er wiederholte, was er schon gestern in Anwesendheit der Heiligkeit gesagt hatte. Nämlich dass sie, Angelina, ohne ihn besser dran wäre. Ihre Liebe zu ihm sie so verletzlich gemacht hätte und er ihr nicht wehtun wolle, auch wenn er sie liebe.
Zunächst ruhig versuchte sie ihm zu erklären, dass sie ihn brauche… seine Liebe brauche zum Leben und dass er keine Schuld an ihrer Krankheit trüge, genauso wenig wie sie selbst.
Doch dann erzählte er ihr, was in der Zukunft wohl auf ihn zukommen würde. Sicher tat er es um ihr aufzuzeigen, dass das Leben an seiner Seite nie ruhig, immer aufregend und gefährlich sein würde. Doch sie fragte sich… und auch ihn… ob er es ihr erzählt hatte, um sie zu erschrecken und sie dazu zu bewegen, sich von ihm zu trennen.
Hatte er eine andre Frau?
Wollte er es deshalb? Heiße Eifersucht brachte Angelina fast um ihren Verstand und Rafael hatte seine Mühe, sie zu beruhigen. Auf Knien versicherte er ihr seine Treue und seine Liebe.
Sie glaubte ihm.
Sie wollte ihm glauben… würde alles verzeihen.
Lange hatte Rafael seine Frau liebevoll in den Armen gehalten. Sie gestreichelt und gewiegt wie ein Kind. Und Angelina war zur Ruhe gekommen, konnte sich in seiner Nähe wieder entspannen und sein zärtliches Streicheln über ihren Rücken genießen.
Nachdem er sie liebevoll auf ihr Bett gelegt hatte, schlich er ganz leise aus dem Zimmer. Von der Aufregung völlig erschöpft umfing der Schlaf sie wie ein lindernder Balsam.

Verfasst: Samstag 13. Mai 2006, 19:14
von Rafael de Arganta
Obwohl er in der letzten Zeit wenig Schlaf gefunden hatte, wanderte er auch heute wieder ruhelos im Zimmer umher.
Müde wie er war hatte er sich hingelegt gehabt, doch seine Gedanken, seine Gefühle ließen ihm keine Ruhe.
Hin und hergerissen zwischen Sehnen, Schuld und Angst fand er keinen Schlaf und war schließlich wieder aufgestanden um hinaus in den Schlosshof zu gehen.
Den Wachen war es kein ungewohnter Anblick, weilte der Ritter doch des öfteren hier.
Eher wechselten sie unangenehme Blicke miteinander.
War er doch was die Sicherheit des Grafen anging mehr als penibel, und niemand wollte ihm Rede und Antwort stehen müssen, wenn dem Grafen auch nur ein Haar gekrümmt werden würde.

Rafael hingegen schenkte den Gardisten heute nur ein Nicken und zog sich weiter zurück.
Er wollte alleine sein, und war froh zum ersten Male froh über die Dunkelheit die ihn umfing.
Die Kühle Nachtluft tat ihm gut und als er hinauf zum Mond blickte, fühlte er die Tränen die seine Wange herabliefen.
Niemand sollte ihn so sehen.
Was sollte er auch erzählen. Er wusste, kannte sich selber nicht einmal mehr.
Flüchtig nur dachte er einen Moment an die Baronin, wie er mit ihr hier gewesen war.
Auch sie trug Masken, so wie er.
Nach außen hin kühl, fast gefühllos, so wie es jetzt wohl Angelina von ihm annehmen musste.
Angelina ...
Er stöhnte gequält auf.
Wie konnten sie einander nur so missverstehen aneinander vorbeireden.
Sein Herz seine Seele schrieen nach ihr, und er wusste nicht einmal wirklich warum er es sich verbot.
So lange hatte er um ihre Liebe gekämpft damals, dann darum das sein Vater sie akzeptierte, um jetzt alles hin zu werfen?
Er liebte sie doch... und doch ... war genau das das Problem.
Ihre liebe zu einander.
Vielleicht hatte er sie damit zu sehr eingeengt, wollte das sie mehr für ihn da war nicht so viel Arbeitete, aber das war nur gewesen weil er sich stetig danach sehnte sie bei sich, um sich zu haben.
Und jetzt?

Erst Kelans Ermordung, dann hatte sie sich vorwürfe gemacht weil sie nicht da war als er so schwer verletzt war und ihrer Hilfe bedurft hatte.
Dann die Entführung ihres Sohnes, danach seine Gefangennahme, und der Umstand das er nicht auf sie hörte als er zurückkam um sobald es ging zurück aufs Schlachtfeld zu gehen...
Es war alles zuviel für sie gewesen, hatte sie krank vor Sorgen gemacht.
Schwermut ... hieß die Krankheit, und Rafael fürchtete sich davor.
Angelina meinte die Umstände hätten diese Krankheit gebracht, doch er hatte es zwei mal gelesen... weil sie ihn so sehr liebte, litt sie.
Hieß lieben wirklich leiden?
Er seufzte setzte sich auf die Bank.
Die Beine ausgestreckt, den Kopf im Nacken blickte er hinauf in den Himmel.
Sie zu verlieren, würde ihn schier um den Verstand bringen...
Sie leiden zu sehen... zu wissen... zu glauben das es wegen ihm war ... ebenso.
Wo war der Weg hinaus aus diesem Kreis an Gedanken.
Er fühlte sich eingesperrt, ohne überhaupt zu wissen welche Richtung er gehen sollte.
Sie brauchte ihn um Gesund zu werden, das wolle er ihr geben. Ihr nah sein, und doch verhüllte er seine stille Sehnsucht vor ihr, aus Angst...
Angst... wovor?
Er konnte es nicht einmal benennen.
Er war hin und her gerissen zwischen der brennenden heißen Sehnsucht und den quälenden Schuldgefühlen.
Es war ihm als lastete etwas schwer auf ihm, und er fürchtete es von sich zu stoßen, würde es auf Angelinas Seele legen.
Wusste sie denn nicht das sie ihm zu viel bedeutete als das er sie weiter belasten wollte?
„Temora hilf.“ Murmelte er leise wie zu sich selber, die Augen geschlossen.
Denn zum Ersten Male in seinem Leben wusste er nicht wirklich weiter.

Verfasst: Sonntag 14. Mai 2006, 12:04
von Angelina de Arganta
Der letzte Besuch ihres Mannes hatte Angelina sehr enttäuscht. Sie verstand seine Reserviertheit nicht. Immer wieder fragte sie sich, warum er sich so verhielt und konnte es nur so deuten, dass er nicht mehr mit ihr leben wollte. Zumindest jetzt, wo sie krank war, schien es ihm schwer zu fallen sie anzunehmen wie sie war.
Schon gleich in der Frühe nutzte sie die Gelegenheit der Stille und setzte sich auf die Brüstung des Laubenganges beim Baum des Lichtes. In Betrachtung dieses Wunders versunken, ließ sie ihren Gedanken freien Lauf und die Aura des Ortes auf sich wirken. Ohne gesprochene Worte, doch freimütig alle ihre Sorgen und Ängste vor der Lichtbringerin ausbreitend, kam sie bei den Tugenden an. Rafael hatte ihr vieles dazu erklärt und nun ging sie der Frage nach, wie sie diese lebte.
Ihr wurde einiges klar.
Demut bedeutete nicht nur, sich nicht über andere zu erhöhen, sondern vielmehr, das Schicksal aus der Hand der Göttin anzunehmen. Fügte man sich dem Ratschluss der gütigen Temora ohne Aufbegehren, so konnte man ohne übermäßige Sorgen und Ängste das Leben annehmen, das einem bestimmt war.
Angelina fiel es wie Schuppen von den Augen.
Sie hatte mit ihrem Leben gehadert.
Das war der Grund, warum sie so aus dem Gleichgewicht geraten war.
Mit dieser Erkenntnis suchte sie am Nachmittag den Tempel auf und verharrte dort lange auf Knien im Gebet um Vergebung und der Bitte um Erkenntnis, was sie in ihrem Leben zu verändern hätte. Ein tiefer Friede zog in sie ein und sie konnte einen Entschluss fassen, den sie so zuvor nicht einmal gewagt hätte zu denken.

Sie musste mit Rafael sprechen.
Am frühen Abend suchte sie ihn im Schloss und fand ihn im Gespräch mit Eileen.
Nachdem die junge Frau sich beim Erscheinen Angelinas sehr schnell zurückgezogen hatte, entschlossen sich Rafael und seine Frau dazu, Eileen um ein gemeinsames Abendessen zu bitten.
Eileen war darüber sichtlich erfreut und als die beiden Frauen in die bereits verwaiste Küche gingen, stellte Angelina fest, dass es ihr nicht schwer fallen würde, sie zu mögen.

Das Abendessen wurde unterbrochen durch das Eintreffen des Grafen Adrian, der noch einen späten Gast erwartete. Angelina kondolierte dem Grafen zum Ableben seiner geliebten Schwester, auch wenn ihr nicht verborgen bleib, dass sie schmerzliche Erinnerungen weckte. Sie hatte ihn noch nicht nach dem tragischen Vorfall sprechen können und wollte, dass er um ihr Mitgefühl weiß. Rafael brachte gerade geschickt das zu verstummen drohende Gespräch wieder in Gang, als auch schon der erwartete Gast eintraf.
Der Graf forderte Rafael und Angelina auf, mit ihm und Eileen den Königlichen Ratgeber, Herzog vom Werlental zu empfangen.
Angelina beschlich eine gewisse Unsicherheit, doch gab sich das schnell, denn sie erinnerte sich daran, was sie sich vorgenommen hatte. Still verfolgte sie das Geschehen im Thronsaal und folgte aufmerksam das schwergewichtige Gespräch.
Als der alte Herzog von Graf Adrian zu seinem Gemach geführt wurde, wo er sich für die Nacht ausruhen konnte, gratulierte sie Eileen zur Erhebung ihrer Familie in den Stand der Edlen. Doch diese war noch wie benommen, schien sich noch gar nicht recht darüber freuen zu können. Sobald Graf Adrian wieder zu ihnen kam, verabschiedeten sich Rafael und Angelina. Sie wussten, dass die beiden nun allein sein mussten.

Rafael führte seine Gemahlin aus dem Schloss, doch vor der Treppe angekommen, blieb sie stehen und fragte ihn, ob sie jetzt gehen solle.
Sie hatte noch keinen Moment mit ihm allein sein können und sie brannte darauf, ihm ihren Entschluss mitzuteilen. Wollte sie doch, dass er von der Last befreit würde, die ihn so offensichtlich niederdrückte.

Er nahm sie bei der Hand und führte sie in das Labyrinth zu einer kleinen Bank, auf der nur eine Person Platz nehmen kann. Zögernd nur folgte sie seiner Aufforderung, sich zu setzen. Viel lieber wäre sie ihm nahe gewesen.
Doch er stellte sich vor sie und sah sie an. Mit in den Nacken gelegtem Kopf schaute sie zu ihm auf. Ihr Herz schlug heftig. Wie würde er aufnehmen, was sie ihm zu sagen hatte?
Rafael sprach über den Grafen und seine Eileen, wie schwer sie es haben würden und Angelina sprach ihre Bewunderung dafür aus, dass er so fest zu ihr stand, obgleich sie noch nicht einmal seine Gattin sei.
Vorsichtig griff Angelina nach Rafaels linker Hand und betrachtete sie. Der Stumpf des abgeschlagenen kleinen Fingers war verheilt und ihr Blick ruhte auf dem Ehering.
Nach einem kurzen Blick in das Gesicht ihres Mannes drückte sie sanft ihre weichen Lippen auf den Ring.
„Ich ... bemerke es schon gar nicht mehr, dass er fehlt“ versuchte Rafael abzulenken. Sie sah zu ihm hoch, den Blick voller Fragen.
„Stört es dich?“ fragte er, während sie schon leise antwortete: „ Ich auch nicht.. Nein.“
Auf die nun von Rafael bestellten Grüsse ihrer Mutter ging sie nicht ein, sondern strich zärtlich mit dem Daumen über seinen Ehering.
„Weißt du noch, was in unseren Ringen steht?“ fragte sie sehr leise und er senkte schuldbewusst seinen Blick.
„Ja, wie könnte ich es vergessen.“
Ihr Blick richtete sich wieder auf sein Gesicht und leise begann sie zu erzählen, dass sie lange im Tempel gebetet hätte und ihr etwas klar geworden sei.
„Ich wollte es Dir sagen, darum suchte ich Dich hier.“
Sie machte eine Pause und sah ihn still an. Ob er sie verstehen würde? Sie fühlte sich so fern von ihm. Seine Miene und seine Worte schienen sie auf Abstand halten zu wollen.
Das schnelle, harte Schlagen seines Herzens blieb ihr verborgen.
„Was da wäre?“ fragte er mit tonloser Stimme.
„Wir werden verbunden sein… so lange wir leben. Die Worte in unseren Ringen werden nicht wieder rückgängig zu machen sein, Rafe.“
Mit ernster Stimme wandte er ein: „Solange nicht, bis es einer von uns wirklich will, oder Beide. Niemand vermag das Glück zu zwingen.“
Sie nickte leicht. „Ja.. das stimmt... doch haben wir nicht unseren Eid gesprochen... für gute und für schwere Zeiten?“
Seine Worte hatten sie tief getroffen, doch sie bemühte sich ruhig zu bleiben.
Rafael ging darauf nicht ein sondern fragte mit gesenktem Blick: „Und was ist... wenn ich dich ... als du nicht da warest ... betrogen... hätte?“
Er sah sie nun an und konnte den Schmerz in ihren Augen sehen.
„Hast Du?“ fragte sie kaum hörbar. Seine Worte waren wie Schläge in ihr Gesicht, doch er setzte noch nach.
„Was wäre wenn? Du suchst so fest an dem Eid festzuhalten egal was geschieht, geschehen wird...wie weh ich dir auch tue… getan habe! Du sagst die Unstände waren es... und ich
vermag nur zu glauben, dass es ist, weil ich Schuld daran trage!“
„Habe ich das gesagt, Rafe?“
„Nein.. nein... Hast du nicht“ seufzte er auf.
„Und du?... Hast du mich betrogen.. gegen unser Versprechen gehandelt?“
Angelina schluckte hart, ihren Blick nicht von ihm lösen könnend und sich ihrer Angst kaum erwehrend.
Er zögerte, doch dann verneinte er.
„Du belügst mich, nicht wahr?“flüsterte sie und ihre Augen weiteten sich vor Schrecken.
„.. wieso solltest du sonst danach fragen?“
Fast tonlos und knapp fragte er nur: „Wonach fragen?“
Sie wiederholte: „ Was wäre, wenn du mich betrogen hättest..“
„Weil ich das Gefühl habe, du hältst fest… egal was ist fest. Obwohl ich denke, das Schlimmste was ich tun konnte dir angetan zu haben. Für deinen Schmerz, deine... Krankheit verantwortlich zu sein... oder besser die Umstände daran.“
Ärger kroch in ihr hoch. „Denkst du denn nur im Kreis?“ fragte sie ein wenig unwirsch. „Oder willst Du so gern die Schuld daran tragen?“
„Ich drehe mich im Kreis, ja! Das ist genau das, was in mir vorgeht. Ich weiß nicht weiter. Ich will nur, dass du gesund wirst erst einmal.“
Einen Moment lang sammelte sich Angelina wieder und besann sich, was sie ihrem Mann eigentlich hatte sagen wollen.
„Du hast mich nicht ausreden lassen, Rafe“ sagte sie dann gefasster, als sie sich fühlte, nahm ihre Hand zurück und legte sie zu ihrer anderen in den Schoß.
Er murmelte eine Entschuldigung und hockte sich nun vor sie, damit sie einander ansehen konnten, ohne dass sie den Blick erheben musste.
Sie klang fast ruhig, sprach leise und sah ihn fest an.
„Ich mache dich nicht dafür verantwortlich, was mit mir geschehen ist... aber wenn du dir die Schuld daran geben willst, kann ich dich nicht hindern. Mir ist nur im Gebet klar geworden...
dass ich dich nicht halten darf. Wenn du mich nicht sehen willst.. nicht mehr mit mir leben willst... so werde ich dich gehen lassen. Auch wenn ich glaube, dass wir für immer miteinander verbunden sein werden.“
„Ich möchte dich aber sehen! Wissen das es dir gut geht“ beeilte sich Rafael zu sagen. „ Ich kann nicht verleugnen, dass ich dich liebe, Angelina. Das werde ich nicht und würde ich niemals, vor niemanden! Ich fühle mich nur so zerrissen…“
Bewegt wandte sie kurz ihr Gesicht ab und holte tief Atem, wischte sich über die Wange.
Als sie ihn mit feuchten Augen wieder ansah, sprach er weiter davon, was vorgefallen war und was ihm angst machte.
„Es zerreißt mich schier bei dem Gedanken, dass es meine Schuld sein wird, wenn du wieder so voller Trauer bist.“
„Ich werde wieder gesund, Rafe“ sagte sie leise. „ Und wenn du darauf beharrst, an meiner Erkrankung schuld zu sein, dann hilfst du mir nicht. Das ist in meinen Augen Selbstmitleid... Ich habe erkannt, dass ich auch nicht selbstlos bin... aber ich werde daran arbeiten... mein Leben wie es ist.. und sein wird, in Demut aus der Hand unserer Göttin anzunehmen.“
Rafael schnaufte auf.
„Darum wollte ich es dir sagen...“ Sie hatte nun Mühe ruhig zu sprechen und er fasste nach ihrer Hand. Leise fragte er: „ Und nun?“
Angelina schloss ihre Finger um seine, drückte sie sanft.
„Wenn es dir hilft.. so werde ich mich damit zufrieden geben... dass ich zwar deine Frau bin...
aber du musst nicht bei mir leben.“
Ihre Stimme zitterte bei den Worten und sie schluckte gegen ihre quälenden Tränen an.
„Warum den zweiten vor dem ersten Schritt machen?“ wandte Rafael ein. „Ich habe dir gesagt, dass ich für dich da bin, bei dir bin, wann immer du mich brauchst und wir sollten jetzt erst einmal gemeinsam sehen, dass du gesund wirst, bevor wir solche Diskussionen führen, was danach sein wird.“
„Nein, Rafe“ sagt sie leise und beruhigte sich wieder ein wenig. „Es ist gut, wenn wir jetzt darüber sprechen. Ich möchte dich nicht gegen deinen Willen an mich binden. Auch eben sagtest du, dass es dich zerreißt.“
Er ließ sie los, erhob sich und wandte sich ab.
„Mich zerreißt aber beides!“ brachte er gequält hervor.
Angelina fragte ihn mit kläglicher Stimme, ob es ihm denn nicht besser ginge ohne sie und er brach weinend in die Knie.
„Nein geht es nicht! Ich kann und will nicht ohne dich sein! Aber ich will, kann die Qual nicht sehen! Es zerreißt mich ebenso zu denken, dass du wegen mir leiden wirst!“
Er weinte nun haltlos und sie erhob sich, ging zu ihm, achtete nicht auf die Tränen, die ihr nun auch über das Gesicht rannen.
„Ich weiß nichts, weiß nichts mehr außer meiner Liebe, die tief in mir für dich brennt.“
„Und warum zeigst du sie mir nicht?..“ fragte sie unglücklich. „Warum tust du so, als ob du mich nicht mehr willst?“
Rafael hatte Angst ihr weh zu tun, sagte es ihr wieder, doch sie versuchte ihm zu erklären, dass er sich bei einer anderen Krankheit oder einem Beinbruch ja auch nicht so verhalten würde. Als er anführte, dass ein kranker Zahn auch immer wieder Schmerzen mache, bis er gezogen sei, regte sie sich doch wieder auf.
„Ach ja?.. Und wenn ein Arm schmerzt, dann muss er ab? Oder wenn ich dir Schmerz bereite, dann muss ich weg?“ Sie klang bitter.
Rafael gab seine Sichtweise nicht auf. „Können wir nicht erst einmal Schritt für Schritt zusammen gehen, bist du genesen bist?“
Angelina ließ den Kopf hängen. Er verstand sie nicht.
„Weil mich deine Selbstvorwürfe nicht trösten.. noch erbauen“ sagt sie sehr leise. „Ich habe dir ja gerade erklärt, dass ich mich von dir abgewiesen fühle. Selbst die Vermutung, dass ich an unserem Eheschwur für immer festhalten würde... machst du mir zum Vorwurf.“
Er stöhnte gequält auf. „Wie kann ich dir nur erklären was ich fühle? Ohne da du es missverstehst!“
„Versuche doch erst einmal, es dir selbst zu erklären, Rafe“ sagt sie leise mit hängendem Kopf.
„ Reicht es dir nicht zu hören, zu wissen, dass ich dich liebe?“
Ihr Kinn bebte nun heftig, viel war von ihrer Fassung nicht mehr übrig und ihre Stimme schien fast zu versagen. „ Es sind im Moment nur Worte für mich, aber ich will damit zufrieden sein.“
Sie konnte nicht sehen, dass er die Lippen fest aufeinander presste und flüsterte schmerzvoll: „Du siehst mich ja nicht einmal an, wenn du mit mir sprichst.“
„ Wenn ich meinem Gefühl nachgeben würde, würde ich dich hier und jetzt auf der Stelle lieben!“
Sie weinte nun leise, fühlte sich völlig verloren und wusste nicht, was sie dazu sagen sollte.
Langsam sah Rafael sich zu seiner Frau um, erhob sich und zog sie in seine Arme. Sie lehnte ihr verweintes Gesicht an seine Brust und brauchte eine ganze Weile, bis sie die Träneflut wieder eindämmen konnte. Er hielt sie still und rieb nur sanft seine Wange an der ihren.
„All das ist doch nicht, weil ich dich nicht liebe“ wispert er brüchig in ihr Haar.
Sie legte ihre Arme leicht um ihn und schaut zu ihm auf.
„Warum dann?“
„ Weil ich dich unendlich liebe? Weil niemand anderer je so mein Herz erfüllt wie du?“
„Darum zeigst du mir deine Liebe nicht?“ fragte sie verständnislos. „Ich sehne mich nach deinen Küssen.. nach deinen Händen“ wisperte sie und sah in sein Gesicht. Er schloss die Augen und Angelina konnte das Beben spüren, das durch seinen Körper ging.
Er streichelte ihre Wange ganz zart und sah ihr in die Augen, während sie ihre Arme fester um ihn schlang.
„Warum hast du Angst davor, mich zu lieben?“ wisperte sie, seinem Blick begegnend.
„Weil ich mich in jenem Moment wieder ganz in dir verlieren würde, dich nie wieder gehen
lassen könnte, noch von dir lassen.“
„Und das möchtest du?“ Ihre Stimme war wie ein Hauch, hatte sie doch die Furcht, den Zauber des Momentes zu zerstören.
„Was ich möchte? Meine Gedanken im Moment jetzt? ... Sie sind eher unzüchtig.“
Die offensichtliche Anspannung in ihrem Blick ließ ein wenig nach.
„Ich bin deine Frau... gibt es da etwas Unzüchtiges zwischen uns?“ flüsterte sie und reckte sich zu ihm hoch, berührte mit ihren warmen Lippen sacht seinen Mundwinkel.
Rafael stöhnte leise auf, als er ihren zarten Kuss spürte und zog sie nun enger an sich. Wie Bahn brechend nahm er Besitz von ihrem Mund und streichelte ihr verlangend über den Rücken. Angelina schmolz in seinen Armen dahin.
Als er sich auf die Bank fallen ließ, sie auf seinen Schoß zog, vergewisserte sich Angelina kurz, ob die Wachen zu ihnen herüber sahen. Doch es war bereits dunkel und die Männer unterhielten sich leise im Schein der Laternen. Sie würden nichts bemerken, nichts in der Dunkelheit erspähen können.

Vor Sehnsucht und Verlangen vergaßen die zwei Liebenden alles um sich herum. Nur die Nähe des anderen zählte, die Lust ließ sie allen Anstand vergessen.
Aber musste man an Anstand zwischen Eheleuten denken, wenn es doch darum ging, sich ihre Liebe zu zeigen, zu eins miteinander verschmelzen zu wollen? Sie dachten nicht darüber nach, sondern erlebten die Erfüllung ihrer Leidenschaft.

Bei anschließendem leisen, zärtlichen Geflüster kamen sie überein, dass sie zusammen heimgehen wollten, den Rest der Nacht auch zusammen verbringen.
Die Vögel zwitscherten schon den neuen Tag begrüßend, als sie endlich von einander abließen und der Schlaf sie in seine wohltuende Ruhe aufnahm.

Verfasst: Sonntag 14. Mai 2006, 19:48
von Rafael de Arganta
Nur kurz war er eingenickt gewesen, dann riss er fast die Augen wieder auf, nur um Angelina wieder enger an sich zu ziehen, die es mit einem leisen Seufzen geschehen ließ, sich an ihn schmiegend.
Seit langem fühlte er sich wieder wohl.
Es war ihm als hätte ein Teil seiner Seele gefehlt und wäre jetzt wieder zu ihm zurück gekehrt.
War alles wieder gut?
Er hörte auf Angelinas Herzschlag, spürte ihren sanften Körper in seinen Armen und den Wunsch in sich, sie für immer beschützend in seinen Armen zu halten.
Ihre Angst, ihre Krankheit, ihre Verletzbarkeit hatte ihm Furcht eingejagt.
Er hatte sich Elend gefühlt bei dem Gedanken das er für ihren Zustand verantwortlich war, und hatte um sich herum einen Schutz aufgebaut, damit es ihm nicht mehr so weh tat wenn er sich ihr nicht mehr näherte um ihr einfach Leid zu ersparen.

Um ihretwillen wie er sich ein zu reden versucht hatte, doch es war um seinetwillen.
Sein Herz hatte ihr gehört, seine Seele hielt sie in ihren Händen doch er hatte Angst davor wieder zu verletzen und verletzt zu werden.
Als sie gegangen war, hatte es ihm schier das Herz zerrissen und dann als sie wiederkam war sie stets nah den Tränen und ihre unglücklich blickenden Augen, fraßen sich tief in seine Seele.
Nie wieder...
Nie wieder wollte er das sie so litt... wegen IHM.
Das er dabei genau das falscheste tat, gestand er sich nicht ein, genauso wenig das ein Teil von ihm selbst fehlte ohne sie.
Das Sehnen in sich, die Leere, schob er alleine dem Umstand zu das es nun mal so war und das alles besser für Angelina war als erneut ihm ihre Liebe zu schenken.

Als sei dann zu ihm gekommen war und ihm genau das sagte, das sie bereit war ihn gehen zu lassen, brach trotz allem für ihn eine Welt zusammen.
Wusste er überhaupt noch was er wollte?
Nie wieder sie verletzen, sie gehen lassen war eines... sie jedoch wirklich gehen lassen, ihre Nähe vermissen, etwas anderes.
Seine Brust brannte, sein Herz klopfte und er hätte sie am liebsten seine Hilflosigkeit seine Wut hinaus geschrieen als sich seine Kummer Bahn brach, ihn schluchzen ließ, und er konnte kaum dem folgen was wirklich in ihm vorging.
Temora wusste das er niemals so etwas gefühlt hatte, Sehnsucht und Angst gepaart und im Streit mit einander.
Als sie nun miteinander sprachen, wusste er kaum wirklich Worte zu wählen die beschrieben was in ihm vorging.
Nur das seine mühsam aufgebaute Mauer aus Wut, Angst, Verzweifelung, Qual und Selbstmitleid zu bröckeln begann, als er sie dann in die Arme nahm und sie sich hilfesuchend an ihn schmiegte.

Er sagte ihr das Liebe nicht ihr Problem wäre, das er sie liebte, doch als sie konterte das sie sich von ihm zurückgewiesne fühlte, das er ihr nicht zeigen würde das er sie liebte, und als sie davon sprach nach was sie sich sehnte und sein Körper sich nur zu gut erinnerte, durchfuhr ihn ein Schauer des Begehrens.
Seine Sehnsucht all seine Gefühle heraus zu lassen ihr zu zeigen was er wirklich fühlte, wuchs.
„Warum hast du Angst davor.. mich zu lieben?“ fragte sie ihn leise mit der sanften Stimme die ihn schon immer so verzaubert hatte. „Weil ich mich in jenem Moment wieder ganz in dir verlieren würde dich nie wieder gehen, noch von dir lassen könnte,“ antwortete er wahrheitsgemäß und als sie ihn dann einige Minuten später sanft fast flüchtig küsste, war es um seine Selbstbeherrschung geschehen.
Er erinnerte sich. Er erinnerte sich nur zu gut und wollte mehr. Wie ein Rausch spürte er das Verlangen in sich als auch seine letzte Mauer fiel und er nur noch eines wollte.
Angelina zeigen wie sehr er sie liebte, das er sie nie wieder gehen lassen konnte.

Wie konnte er nur so dumm sein zu glauben sich ihr fern zu halten konnte alle Probleme lösen, sie vor Schmerz schützen.
Kaum einen klaren Gedanken vermochte er mehr zu fassen und erst als das leise Stöhnen an sein Ohr drang, von dem er nicht wusste ob von ihr oder ihm, wurde ihm bewusst was er gerade bereit war zu tun....
Doch als er in jenem Moment in Angelinas Augen sah und wusste das sie genauso fühlte war es ihm egal wo sie waren.
Es war dunkle und niemand würde auf sie aufmerksam werden wenn sie vorsichtig waren.
Sie gaben ihrem Begehren nach. Schenkten sich einander wissend darum das dieses Gefühl in diesem Moment mehr als jederlei Wort zu sagen vermochte.
Erst als sie später aus dem Rausch der Leidenschaft auftauchten vermochten sie leise miteinander zu sprechen, doch bereit sie gehen zu lassen war Rafael noch nicht.
Ein Versprechen in den Augen brachte er sie heim um ihr die Nacht lang zu zeigen das sein Herz ihr gehörte.

Verfasst: Dienstag 16. Mai 2006, 12:28
von Angelina de Arganta
Es war noch früh am Morgen. Gerade schickte die Sonne ihre schon angenehm wärmenden Strahlen über das Land. Angelina ritt gemächlich Richtung Kloster und genoss das Lichtspiel und die Frische des Waldes.
In den letzen Tagen hatte sich so vieles verändert in ihrem Leben.
Ihr Gemahl hatte sich ihr wieder zugewandt und sie fühlte sich endlich wieder angenommen, geliebt. Sie gestand sich ein, dass sie sich wie neu verliebt fühlte… jetzt, wo sie begriffen hatte, dass sie ihr Leben mit einer neuen Sicht zu sehen hatte und bereit gewesen war, ihn gehen zu lassen. Auch er machte einen so befreiten, in der Liebe zu ihr neu entbrannten Eindruck auf sie, wie sie ihn schon lange nicht mehr erlebt hatte. Sie fühlte sich so gut dabei… als sei ein Knoten in ihrem Inneren geplatzt.

Doch nun wollte sie mit der Heiligkeit sprechen, ihr Dank sagen.

Auf das leise Klopfen hin, würde Angelina in das Arbeitszimmer der Heiligkeit gebeten.
Ehrfürchtig knickste sie vor der alten weisen Frau.

Nach der herzlich freundlichen Begrüßung bedankte sich die junge Frau für die Zeit der Stille und Ruhe und erzählte der Heiligkeit, was sie über die Demut erkannt hatte und dass sie sich mit ihrem Gatten wieder vollkommen ausgesöhnt hatte.
Die Augen der Heiligkeit blickten liebevoll, als sie freundlich meinte: „Es ist nur natürlich und ich hoffe, er wird dir nun die Stütze sein die er bei eurer Ehelichung versprach zu sein.“
„Er hat sicher auch dazu gelernt, Eure Heiligkeit. Doch ich habe erkannt, dass Demut... sehr viel mehr ist, als ich es bisher begriffen hatte. Und ich hoffe, dass ich vor all zu großen Sorgen bewahrt bleiben kann, wenn ich doch nur mehr auf unsere Göttin vertraue.“
„Hierin zweifle ich gewiss nicht,“ meinte Alyssa, „doch sollte die Last deine Schultern wieder zu erdrücken drohen möchte ich dir für diesen Fall den gegebenen Schlüssel belassen. Du bist hier zu jeder Stunde willkommen von nun an.“
Angelina fühlte sich geehrt und sagte es auch voller Freude.
„Dein Herz ist von Güte und diese ist in diesen Hallen immer gern gesehen.“
Die Heiligkeit sah sie mit mütterlichem Blick an.
„Die Gartenarbeit hat mir sehr gut getan… ich werde den Schlüssel nutzen, mich hier dann ab und an im Garten zu erholen, wenn ihr erlaubt“ erwiderte Angelina dankbar.
„ Du sollst nur bitte nicht denken, du bist nur zum Arbeiten hier willkommen“ schmunzelte die Heiligkeit nun leicht.
Angelina lachte leise auf: „Nein.. das denke ich sicher nicht!“
Doch dann senkte sie bescheiden den Blick.
„Eine Bitte hätte ich dennoch, eure Heiligkeit.“
„Gewiss Kind, sprich es nur aus.“
„Der Baum des Lichtes hat mich sehr berührt... obgleich ich mich nicht getraute, allein unter ihn zu treten. Würdet Ihr mit mir unter ihn treten? Dürfte ich um den Segen dort bitten?“
Alyssa sprach ruhig: „Dieser Baum ist uns über alle Massen heilig, Kind, dies sicher. Doch ein reines Herz sollte nicht fürchten ihn zu besuchen. Doch so dies dein Wunsch ist, will ich dies gern tun.“

Unter dem heiligen Baum des Lichtes kniete Angelina nieder. Die Heiligkeit stellte sich vor sie und legte sanft ihre Hand auf ihr demütig gesenktes Haupt. Tief atmete die junge Frau durch und nahm den göttlichen Frieden in sich auf, den sie hier unter dem Baum empfand.
„ In Demut und Liebe zu deinem Worte treten wir vor dein Angesicht gütige Temora. Möge deine Liebe und dein Beistand uns Kraft und Weg sein.“
Der Baum begann aufzuleuchten und das Licht wanderte über die Anwesenden, sich in Alyssa’s Stab zusätzlich sammelnd.
Eine tiefe Geborgenheit durchdrang Angelina.
„Dir, junge Angelina…“ die Stimme der Heiligkeit klang nun erhaben und deutlich noch wärmer und milder als ohnehin, „sei der gütigen Tugendbotin und Lebensbewahrerin Temora Segen gegeben. Er möge dich stärken und dein Herz sowie deine Seele erfüllen. Mögest du hierin zu jeder Stunde Trost und Beistand finden, auf dass das Leid von dir genommen wird, welches Sorge über dich bringen mag.“
Angelina fühlte sich wundersam gestärkt und sagt leise, voller Ehrfurcht: „ Gütige Lichtbringerin... in Demut will ich mich üben und mich leiten lassen von deiner Güte und
Erkenntnis. Ich preise deinen Namen, der über Allem steht.“
Langsam hob Angelina ihren Kopf und sah das mütterliche Lächeln in Alyssas Gesicht, worauf sie sich bedächtig erhob.
„So mögest du deinen Weg finden unter den Augen der gütigen Herrin.“
Tief verneigte sich Angelina vor der Heiligkeit.

Auf dem Weg zum Tor des Klosters versprach Angelina noch einmal, in Zukunft besser auf sich zu achten und beizeiten um Rat und neuer Kraft bei der Heiligkeit nachzusuchen.

Die Welt schien einfach heller, strahlender zu sein, als die junge Frau auf ihrem Aris saß und mit fliegendem Zopf den Weg entlang nach hause preschte.
Zuversicht und neue Kraft beflügelten sie.