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Verfasst: Dienstag 4. April 2006, 11:26
von Stimme im Wind
Kälte durchzog den Raum, der Geruch von Blut lag in der Luft und so er sich bewegte mochte das Schaben von verschobenen Knochen an sein Ohr dringen. Wie einen Mantel legte sich nun auch die Kälte um die einsame Gestalt. Seines Mantels beraubt, nun nur um so stärker noch als vorher. Mochten Hunger und Durst ihn zusätzlich quälen, so schien doch nichts erreichbar, dass auch nur ein Stück Hoffnung schenkte in dieser undurchdringlichen Dunkelheit. Doch schwindende Kraft mochte ihn hinabziehen in den Schlaf, der eine andere Welt aufzeigte.

Wo noch eben Dunkelheit herrschte, steht er nun inmitten einer Wiese. Ein naher Wald ist zu erkennen. Er mag den Ort wiedererkennen doch etwas fehlt. Wo das Kloster hätte sein sollen, steht nur ein kleiner Baum. Kaum schien er seine Blätter das erste mal gen Sonne gestreckt zu haben. Über allem das Bild eines Adlers der seine Kreise zieht. Dann entschwindet er. Ein Blick auf den Sämling des Baumes lässt ein Leuchten erkennen, dass von ihm ausgeht. Dann eine Berührung an seiner Schulter. So er sich umwendet erkennt er eine Gestalt aus Licht, kaum wirkliche Konturen sind an dieser auszumachen. Entfernt scheint etwas weibliches an ihr. Die gehauchte warme Stimme erklingt: "Siehe was aus Hoffnung und Liebe erwachsen wird." Sanft wird er wieder herumgedreht und bei einem Blick auf den Sämling wächst er heran. Um ihn herum entstehen Mauern, stark und hoch. Das Kloster umgibt nun einen starken Baum, welcher tiefste Geborgenheit ausstrahlt.

Erneut erklingt die warme Stimme: "Ich erblicke das Licht in deinem Herzen, welches du nicht verrietst. Die Stärke liegt in dir, so wie der Glauben und der Wille in dir ist. Du bist nicht vergessen und nicht verloren." Es scheint als streiche ihm die wärmeschenkende Hand der Lichtgestalt über die Wange. Dann erwacht er, doch es mag scheinen das Streicheln berührt ihn noch für einen Moment und der Keller scheint in diesen Momenten an Kälte verloren zu haben.

Verfasst: Dienstag 4. April 2006, 11:51
von Rafael de Arganta
Er erwachte, still lag ein Lächeln auf seinen geschundenen Zügen, wie auch die Träne die seinen Wangen hinab lief.
Wie gerne hätte er jetzt die Hand an seine Wange gelegt da wo er sich berührt fühlte, doch die Hände waren ihm noch immer auf dem Rücken gebunden.

Langsam schob er sich an der Wand hoch und spürte dem Gefühl nach das ihn berührt hatte.
War es ein Traum?
Nein....
Es war viel mehr als das gewesen.
Hoffnung. Für einen Moment hatte er sich gar geborgen gefühlt und selbst das Zittern das seinen Körper bisher umfangen hatte, hatte für den Moment aufgehört.

Am Tag davor waren sie wieder da gewesen. Hatten ihm gedroht, ihn versucht zu überzeugen von seinem Glauben ab zu lassen, doch hatte er sich daran geklammert wie an den Strohalm.
Er hatte in seinem Leben einmal gefehlt, das war ihm damals eine Lehre gewesen und damals hatte er sich geschworen das er niemals wieder den Weg des Lichts verlasen würde.
Niemals wieder ...
Nein er würde seinen Glauben nicht verraten und das hätte er wenn er auf jene Versuche eingegangen wäre.
„Du brauchst nur Temora abschwören, Lerne den Richter als deinen Herrn zu sehen und du kannst einfach hier herausspazieren. Willst du nicht wieder heim? An den gedeckten Tisch, die Wärme deines Bettes zu deiner Frau?“
Natürlich wollte er... doch den Preis den es kostete war er nicht bereit zu zahlen.
Zu der Wahl seinen Arm gegen seinen Glauben, äußerte er sich gar nicht, sondern schloss die Augen gen Temora zu beten. Inbrünstig an seinem Glauben festhaltend um der Versuchung zu widerstehen.

Letztendlich hatten sie aufgegeben. Man hatte ihm keinen weiteren Schaden zugefügt, außer das man ihn ohne Nahrung ließ und ihm noch seines Mantels und der Weste beraubte.
Hungrig, geschunden und vollkommen ausgezerrt war er dann eingeschlafen.
Die Müdigkeit hatte seine Panik überwunden und die Furcht vor einem weiteren Alptraum der die Wirklichkeit noch übertreffen würde, fand sich zu seiner Erleichterung nicht bestätigt.

„Temora du bist bei mir. Dein Mitgefühl deinen Segen trage ich in meinem Herzen.“
Flüsterte er leise, sich auf die Knie niederlassend.
„Und wenn ich hier mein Leben lasse, so tue ich das im rechten Glauben, in der Gewissheit das du meine Seele leitest und schützt, vor jenem Richter.
Meine Seele ist die Deine, sie ist es im Leben und so soll es auch nach meinem Tode sein. Doch die Hoffnung ist mit mir. So wie dein Licht in mir ist. Solange ich noch Atme ist nichts verloren.“
Er blickte in die Richtung der Treppe, die er nicht sehen konnte, leicht wehmutsvoll lächelnd, und zum ersten Mal ohne wirkliche Furcht vor der Dunkelheit.
Denn er war erfüllt. Erfüllt von jenem ... Traum.

Verfasst: Mittwoch 5. April 2006, 13:57
von Angelina de Arganta
Mit den Händen fuhr sie über das tränennasse Gesicht.
Ihr Kopf sagte ihr, dass Tränen nicht weiterhalfen, doch ihr Herz war so betrübt, wie schon sehr lange nicht mehr.
Sie stand am Fenster und sah die Wachen patrouillieren, doch eigentlich nahm sie diese gar nicht wahr. Ihre Gedanken kreisten unaufhörlich um ihren geliebten Gatten.
Wo mochte er nur sein?
Wie mochte es ihm ergehen?
Ob er noch weiter verstümmelt wurde?
Wieder rannen Tränen über ihr Gesicht und sie konnte ein Aufschluchzen nicht unterdrücken.

Langsam setzte sie sich vor den Kamin in einen Sessel. Doch trotz der wohligen Wärme, die er verbreitete, fröstelte sie.
Vor wenigen Tagen noch hatte sie neue Hoffnung geschöpft. Sie hatte die Bäuerin Irmenlind aufgesucht und die derbe, aber von Herzen gute Frau hatte ihr Mut gemacht. Unverzüglich wollte Irmenlind beim Grafen vorstellig werden, um dann so schnell wie möglich die Reise nach Menekur anzutreten. Die Bäuerin schaffte es, Angelina so weit zu ermutigen, dass diese glaubte, Irmenlind würde in wenigen Tagen mit ihrem Gatten Rafael heimkehren.

Doch am nächsten Tag suchte die Templerin Sanjana Valeth Angelina auf.
Nachdem sich die beiden Frauen im Hause an den Tisch gesetzt hatten, eröffnete die Templerin der Heilerin vorsichtig, dass sie Angelina’s Gatten im Traum… oder war es eher eine Vision?... gesehen hatte.
Zunächst berichtete Angelina auf Nachfrage der Templerin, dass Rafael in Menekur gefangen gehalten würde. Doch die Templerin hielt das nicht für möglich, in ihrem Traum hätte sie nichts menekanisches erkennen können. Nur dunkle Wände, blutbespritzt… und eben Rafael.
Als Angelina den blutverschmierten Ring erwähnte, der dem Schreiben an den Grafen beigelegen hatte, erkundigte sich Sanjana danach, an welcher Hand der Ritter den Ring trage.
„Meist an der linken Hand“ antwortete Angelina etwas verstört und als die Templerin ihr ausweichen wollte, fragte sie direkt nach.
„Ihm fehlt an der linken Hand der kleine Finger… das würde auch das Blut an seinem Ring erklären.“
Angelina schossen Tränen in die Augen und sie presste vor Entsetzen die Hand vor den Mund.
Oh nein! schrie es in ihr.
Rafe wurde gequält… verstümmelt!
Wer tat denn nur so etwas?!
Sie glaubte fast, seine Qualen zu spüren.

Doch sie durfte sich nicht gehen lassen…
Die Templerin machte ihr deutlich, dass die Heiligkeit wünsche, dass Angelina und Antares sich in den Schutz des Klosters begeben sollten.
Es wäre damit zu rechnen, dass diejenigen, die Rafael in ihrer Gewalt hätten, sich auch Zugang zu seinem Hause verschaffen könnten.
Ins Kloster?
Angelina’s Gedanken rasten.
Nach einigen Überlegungen gab sie so weit nach, dass sie sich bereit erklärte, den Grafen aufzusuchen und ihn um Schutz zu bitten. Dieses Angebot hatte er ihr ja schon gemacht, als sie zuletzt bei ihm war, um ihn von Rafael’s Ausbleiben zu unterrichten.
Angelina erhoffte sich, dass sie im Schloss eher von der Rückkehr Irmenlind’s und vor allem Rafaels unterrichtet sein würde.

Der Graf hatte sie wahrlich fürstlich untergebracht.
Sie bewohnte nun ein sehr komfortables Zimmer. Wachen waren allgegenwärtig im Schloss. Doch wenn sie nun auch sicher sein konnte, dass ihrem kleinen Sohn und ihr selbst nichts geschehen konnte, so blieb die Verzweiflung, die Ungewissheit und die Sorge um ihren Gatten…

Verfasst: Donnerstag 6. April 2006, 00:48
von Niamh
Mehrfach stieg sie die Treppe hinab in die dunkle Steingruft, mindestens einmal am Tag. Sie redete viel mit Rafael, über seine Ansichten, seine Vergangenheit, seinen Glauben und ihren Glauben. Hatte sie Anfangs noch gehofft, in seinem von Glauben geprägten Verhalten einen Funken rationalen Denkens zu finden, wurde sie mit der Zeit enttäuscht. Rafael öffnete sich nicht den Ideen, die Niamh ihm darbot, und häufig flossen, statt auf die gestellte Frage zu antworten, zusammenhanglose Gebetsfetzen über seine Lippen.

Sie hatte Chalys zurechtgewiesen für die unüberlegte Handlung, den Gefangenen zu quälen. Mit viel mehr Fingerspitzengefühl musste man sich ihm nähern, wollte man seine Augen öffnen für die Wahrheit. Gewalt, dazu noch sinnlos, würden das Ziel verfehlen. Und dazu vermutete Niamh noch, dass Chalys Freude daran gehabt hätte, den Gefangenen zu foltern. In allem was wichtig ist, am besten sogar ständig, hatte man sich vollkommen emotionslos zu verhalten. Emotionen beeinflussen Entscheidungen, lassen unvorhersehbare und ungeplante Dinge passieren, Emotionen schwächen die logische Kombinationsfähigkeit. Nein, gegen die Folter an sich sprach nichts, aber sie sollte als Mittel genutzt werden, etwas zu erreichen auf ihrem Weg, nicht zu Unterhaltungszwecken.

Dennoch schien es Niamh als würde Rafael über die Nacht Kraft schöpfen, war er doch am Tag zuvor noch zu Versprechungen bereit für einen Happen Brot und etwas Wasser. Heute dagegen wehrte er sich vehement gegen ein Gespräch, wollte nichts mehr hören von der Botschaft, nicht zuhören was der gesunde Menschenverstand befahl. Jedesmal wenn Niamh einen Widerspruch aufdeckte, in seinem Glauben oder seinen Taten, sei er ein wahrer oder ein erfundener, da wandte Rafael sich ab, verfiel in seine Gebete an die Lügengöttin, die ihm doch offensichtlich nicht helfen wollte in seiner Aussichtslosen Lage. Und dennoch setze Niamh immer wieder an zu einem nächsten Stoß:

"Wenn du zu wählen hättest zwischen deinem Glauben an Temora und dem Wohlergehen deiner geliebten Frau, wofür würdest du dich entscheiden?"
Traurig, vielleicht auch nur erschöpft, schüttelte Rafael seinen Kopf. "Temora erhöre mich an diesem dunklen Ort und lass mich all die Proben bestehen, auf die mein Glaube gestellt wird", entfuhr es ihm lediglich.
Chalys griff mit ein: "Denk nur an dein schönes Heim. Du könntest noch diesen Abend mit deiner Frau genießen, vor dem warmen Kaminfeuer, Arm in Arm. Nur Temora und den Tugenden müsstest du entsagen."
Niamh nickte bestätigend: "Sag es uns! Sag, dass deine Frau dir wichtiger ist als Temora!"
Rafael zitterte, ob der seelischen Qualen die man ihm zumutete, noch zusätzlich zum andauernden Hunger und quälenden Durst, dazu die Kälte und Dunkelheit. Doch seine Augen funkelnten rebellisch, wenn auch nur einen kurzen Moment.
"Ich werde Temora nicht verraten", antwortete er, und versuchte dabei, überzeugend zu klingen.

Nach einer kurzen Pause war es an Niamhs Schülerin, das Wort erneut zu ergreifen.
"Entscheide dich zwischen Temora und deinem rechten Arm!", forderte sie. Ein böses Lächeln lag auf ihrem Gesicht, die Hand schon an ihrer rechten Seite, das Fleischerbeil zu ziehen. Erneut verfiel Rafael in sein Gebetsmurmeln, die Augen verschließend vor dem blinkenden Stahl in Chalys Hand. Doch diese dachte nicht daran, ihm eine Pause zu können, ging mit schnellen Schritten heran und taxierte Rafaels Oberarm mit gekonntem Blick, die Stelle suchend an dem ein Einschnitt zwar schmerzhaft aber nicht tödlich sein würde.
"Temora!" schrie Rafael auf, und Chalys hob das Fleischerbeil an, einen letzten prüfenden Blick auf das Lächeln ihrer Meisterin werfend. Doch Niamh schüttelte den Kopf:
"Lass ihn, es hat keinen Sinn. Verschwende sein Blut nicht für eine solche Sinnlosigkeit." Rafael drückte sich keuchend an die Wand, war er doch hilflos der Willkür der beiden Dienerinnen ausgeliefert.

Doch wenn er nicht hören wollte, so würde er lebend von keinem weiteren Nutzen sein. Man würde ihn noch nicht töten, aber Essen, Trinken, Licht und Wärme würde er nicht länger brauchen. So nahm man ihn den schützenden Mantel, pustete die kleine, funzelige Kerze aus, die als einzige Lichtquelle in der Gruft zugegen war, und ließ ihn in seinem Leiden allein. Er würde seinen tieferen Sinn schon durch seine Abwesenheit von der politischen Bühne erfüllen, man musste nur Geduld haben. Und morgen würde man eine letzte Fährte legen, die Schnüffler des Grafen in die Irre zu führen.
Den Mantel einrollend entfernten sich die beiden aus dem Grab, den wimmernden Ritter in der kalten Dunkelheit zurücklassend.

Verfasst: Donnerstag 6. April 2006, 17:10
von Antares von Falkenburg
Sein Papa fehlte ihm, Raf war nun schon seit einigen Tagen nicht mehr aufgetaucht und obwohl seine Mutter ihn nur ausweichend auf seine Fragen antworten gab wusste Tari das etwas nicht stimmte. Nun waren sie im Schloss beim Grafen , der kleine Junge ahnte das wohl er und seine Mutter in Gefahr waren, sonst wuerden sie nicht einfach ins Schloss ziehen. Tari versuchten seine duesteren Gedanken damit zu verscheuchen in dem er das ganze Schloss auf den Kopf stellte. In jedem, nicht abgeschlossenen Zimmer, steckte er seine neugierige Nase.

Unter anderen Umstaenden gesehen haette er daran sicherlich Spaß gefunden, aber er hatte Angst um seinen Papa. Auch erkannte Tari, dass wenn er seine Mutter anschaute, sie wieder geweint hatte. Die roten und aufgeschwollenen Augen Angelinas straften ihrem Laecheln Luege. Doch wie sollte er her raus finden was mit seinem Papa war, wen jeder ihn nur irgendwelche Sachen erzaehlte die er selbst nicht glaubte. Sicherlich er war noch ein Kind, doch Tari sah sich im Recht darin zu erfahren was mit seinem Vater ist.

So unterbrach er sein Spiel und eilte in das Schlafgemach seiner Mutter. Zusammen gekauert saß sie auf dem Bett und hielt scheinbar etwas in ihrer Hand. Ganz leise schlich Tari naeher und da sah er wie Traenen auf Linas Schoss fielen. Erschrocken wischte sich die Heilerin das feuchte Naß aus den Augen und versuchte zu ihren Sohn zu laecheln.

Behutsam legte der 8 jaehrige seine kleine Hand auf die seiner Mutter. Mit viel Selbstbewusstsein in der Stimme sprach er dann. „ Mama erzaehl mir endlich was mit Papa ist, ich moechte die Wahrheit wissen. Du weißt doch du darfst nicht Luegen, dass habt ihr zu mir auch immer gesagt.“

Langsam oeffnete Lina ihre Hand und Tari erblickte einen Ring darin, denselben Ring den auch seine Mama trug. Der gemeinsame Hochzeitsring. Erwartungsvoll lagen die bersteinfarbenen Augen Taris auf seiner Mutter.

Verfasst: Freitag 7. April 2006, 00:38
von Niamh
Im Schutze der Dunkelheit, nur vom müden Dämmerlicht einiger Fackeln beleuchtet, trafen sich zwei einsame, in Kutten verhüllte Gestalten am ansonsten menschenleeren Hafen von Bajard. Gezielt hielten sie auf einander zu, als hätten sie sich gegenseitig erwartet, zu dieser ungöttlich späten Stunde, und beide blickten sich misstrauisch um, als sie voreinander standen. Als die schattenhaften Gestalten sich sicher waren, nicht beobachtet worden zu sein, stimmten sie in ein leises Gemurmel ein, zu leise als dass man den Wortlaut genau hören konnte, und es wurden auch nur wenige, präzise formulierte Worte gesprochen. Eine der Gestalten nickte, und anschließend wechselte ein dunkles Paket den Besitzer. Eine leise gehauchte Verabschiedung von beiden Seiten, und die zwei Schemen verschmelzen wieder mit den Schatten des schlafenden Dorfes, den Hafen in seiner Einsamkeit zurücklassend.

Verfasst: Freitag 7. April 2006, 06:28
von Angelina de Arganta
Unter dem Blick ihres Sohnes atmete Angelina tief durch und wischte sich noch einmal über die feuchten Wangen.
„Du hast Recht, mein Sohn“ sprach sie dann mit bebenden Lippen. „Ich habe Dich ja nicht belogen, doch auch nicht die Wahrheit gesagt. Ich wollte Dir den Kummer ersparen… und dachte, Papa würde bald wieder bei uns sein.“
Sie schloss ihre Finger wieder um den Ehering und zog Antares mit der anderen Hand neben sich auf die Bettkante, legte dann ihren Arm um seine Schulter. Fast fühlte sie sich erleichtert, dass sie ihm nun nicht mehr Stärke vorspielen musste, auch wenn ihr bewusst war, dass ihre Worte ihrem Kind große Schmerzen bereiten würden.
„Tari… der Papa wird irgendwo gefangen gehalten“ begann sie leise und streichelte dabei über seine Schulter. „Man hat seinen Ehering geschickt um zu beweisen, dass er es wirklich ist. Der Graf unternimmt alles, damit Papa gefunden wird. Aber wir haben noch keine Spur von ihm.“
Sie blickte in die weit aufgerissenen Augen ihres Jungen, aus denen Erinnerung und Entsetzen sprachen. Um Angelina’s Fassung war es geschehen. Aufschluchzend schloss sie Tari nun in die Arme, streichelte seinen bebenden Rücken und murmelte leise, stockend in sein Haar: „Er kommt wieder… ganz bestimmt. Wir müssen nur vertrauen… und Temora bitten, dass sie ihn beschützt… das tut sie… hörst Du?.. Er wird zu uns zurückkommen.“
Sie konnte spüren, wie Antares an ihrer Schulter nickte, doch sie konnte auch hören und fühlen, wie bitterlich ihr Sohn um seinen Papa weinte.

Verfasst: Freitag 7. April 2006, 09:24
von Rafael de Arganta
Der bohrende Hunger nagte in seinem Bauch, die Schmerzen die seinen geschundenen Körper schüttelten halfen ihm auch nicht wirklich die Hoffnung weiter in sich zu schüren, aber er wollte nicht aufgeben.

Noch kurz vor seinem Traum, der ihm so viel... gar mütterliche Geborgenheit geboten hatte, war er kurz davor gewesen auf ein schnelles Ende zu hoffen, doch seither, klammerte er sich an die Hoffnung, an seinen Glauben und die Gebete.
Er hoffte das es Angelina gut ging.
Das diese Kultisten ihre Drohungen nicht wahr gemacht hatten, das Cathal oder Adrian auf sie Acht gaben.
Er wollte sich nicht ausmahlen welche Sorgen sich seine Frau machte, wollte sie am liebsten trösten.
„Temora lass sie wissen das ich sie liebe.“ Wisperte er leise und stellte sich vor was sie jetzt wohl gerade tat, wie sie vielleicht verzweifelt auf dem Bett lag, und er stellte sich inbrünstig vor wie er zu ihr trat, sich über sie beugte um ihr einen Kuss auf die Schläfe zu hauchen. Eine Versicherung seiner Liebe seiner Hoffnung.
Eine Hoffnung die die Kultisten wohl zu brechen suchten.
Sie hatten ihm nichts mehr zu essen oder zu trinken gebracht, und auch sonst in der kalten Dunkelheit alleine gelassen.
Fast hätte er aufgelacht.
Noch vor Wochen wäre das für ihn das Schlimmste gewesen und auch jetzt war er froh nicht ganz dem Wahnsinn zu verfallen, wo alles in ihm danach lechzte seine Wut, seine Angst hinaus zu schreiben.

Doch dieses mal war etwas anders als damals in den Kerkern von Varuna.
Dort herrschten Ratten der Folterknecht, hier ....
Der Tod? Nein ... der Richter? Kra `thor und die Seinen.
Er kannte seine Feinde, seine Peiniger, und die Hoffnung vor ihnen zu verlieren hieße seinen Glauben zu verlieren.
Nein, er würde nicht fehlen.
Schon gar nicht seit seinem letzten Traum. „Die Stärke liegt in dir, so wie der Glauben und der Wille in dir ist. Du bist nicht vergessen und nicht verloren.“
Hatte er dieses Stimme gehört. Diese Stimme die in ihm wahr.
Die Stärke ... das war sein Glauben, der Willen dazu. Er fürchtete sich nicht vor der Dunkelheit denn ....
Er war nicht alleine.
Temora war mit ihm in ihm, und fast stahl sich kurz ein Lächeln auf sein Gesicht.
Er spürte das Zittern seines Körpers nicht mehr, die Kälte die in seinen Körper gekrochen war. Und wie so oft, in der letzten Zeit fand er sich auf den Knien, um die Augen zu schließen.
Wenn er betete vergaß er für einige Zeit alle Qualen.
Er fand keine Dunkelheit wenn er die Augen zum Gebet schloss, sondern sah sich auf einer Grünen Wiese, am Baum des Lichtes oder in der kleinen Kapelle der Allianz dabei.
Sein Schicksal lag in den Händen Temoras, was geschehen würde, würde geschehen.

„Oh Herrin Temora, schenke mir die Demut mein Schicksal ohne zu klagen, und zu wanken, weiter zu ertragen, es an zu nehmen und im Glauben weiter zu gewinnen.
Ich hege Mitgefühl für jene, die mich hier einsperrten, jene, die Kra`thor folgen, denn sie werden spätestens im Augenblick ihres Todes erkennen wie falsch ihr Glauben war. Ich verzeihe ihnen ihr Tun, so wie du ihren Seelen vergeben würdest.

Ich glaube an die Tapferkeit die durch dich in mir erstarkte.
Stark durch den Glauben, werde ich nicht der tyrannischen Macht der Angst nachgeben.
Ich glaube an die Gerechtigkeit, das auch wenn ich hier mein Leben lasse du Gerecht über meine Seele befinden wirst, das auch jene die mich hier halten, eines Tages ihrer gerechte Strafe erhalten.
Schenke mir die Geistigkeit die Qualen meines Körpers zu ertragen, das mein Geist meine Seele diese verstehen doch nicht weiter mich damit zu quälen wissen. Ich bin bereit für das Opfer ich wählte den Weg meines Glaubens ohne den leichten zu gehen, meinen Glauben zu verraten um diesem hier zu entkommen. So erhielt ich meine Gebete, meinen Glauben und meine Ehre

Das letzte Wort verklang in der Stille, der Dunkelheit, doch es machte ihm nichts aus. Selbst wenn er sein Leben lassen würde. Er hatte Dinge gespürt wie nie zuvor.
Dinge die ihm seinen Glauben noch näher brachten, und das an einem Ort der Dunkelheit an der man niemals das Licht der Einen vermuten würde.
Nein.
Trug man Temora im Herzen, glaubte man mit all seinen Sinnen und auch Taten, so war sie bei einem. Niemals mehr war man alleine.
Er verstand nun so vieles mehr.
Die Gütigkeit, die Ruhe der Heiligkeit.
Er öffnete die Augen, und fast erschrak er als er vermeinte die Konturen der Treppe zu sehen. Die Wände, die Säulen. Verschwommen in der Dunkelheit aber er erahnte sie nicht nur, sie waren fassbar, sichtbar.
Nur für einen Moment zögerte er dann stand er wankend auf. Kraft schöpfend aus seinen Gebeten, ging er auf den Treppenabsatz zu, fast als könne er nicht fassen das es nicht nur ein Gebilde seiner Phantasie war.
„Temora sein Dank,“ wisperte er, um sich dann kraftlos wieder auf den Absatz der Stufe sinken zu lassen.
Nein, die Hoffnung war längst nicht verloren. Solange das Licht Temoras in ihm wahr, solange sie bei ihm wahr, würde er demutsvoll das ihm auferlegte Schicksal zu ertragen wissen.

Verfasst: Freitag 7. April 2006, 11:32
von Cathal Llastobhar
Er war hin- und hergerissen.
Kein Wort mehr vom Ritter und seine Aufgabe war klar definiert: Angelina de Arganta eine Stütze zu sein und abzuwarten. Dennoch...

Der junge Mann hatte Ohren, schnappte wilde Gerüchte auf und schon lief er völlig Gefahr, dass ihm die Situation schon in den ersten Grundzügen entgleiten würde.
Er war jung, unerfahren und in diesem Fall verliess ihn jegliche Geduld.

Die Bilder zogen vor den Augen auf.
Una, umringt von Orken allein im Kampfe- er war nicht da.
Viljo, der blutüberströmt zusammensackte ein Ork beugte sich grunzend über ihn - er war nicht da.
Shanna, welche allein versuchte einem irren Brandstifter zu trotzen - er war nicht da...

Er war NIE zur rechten Zeit am rechten Ort.
Der Gedanke raubte ihm den letzten Nerv und binnen weniger Augenblicke hatte er ein Bündel gepackt und stapfte davon...
Gen Bajard, Küste... ohne recht zu wissen wo er mit der Suche anfangen sollte. Ein Gebet aus Kindertagen kam ihm unablässig über die Lippen.
Stummes, flehendes Gemurmel...

Gedenke, o gütigste Lichtbringerin Temora:
Es ist noch nie gehört worden,
daß jemand, wenn er zu dir
seine Zuflucht genommen,
deinen Beistand angerufen,
um deine Fürbitte gefleht hat,
von dir sei verlassen worden.
Von solchem Vertrauen beseelt,
nehme ich zu dir meine Zuflucht,
Herrin, Tochter dereinen Mutter.
Zu dir komme ich,
vor dir stehe ich armer Sünder.
Herrin des ewigen Wortes,
verschmähe meine Worte nicht,
sondern höre mich gnädig an
und erhöre mich....

Unter deinen Schutz und Schirm
fliehe ich dich, heilige Temora.
Verschmähe nicht mein Gebet
in meinen Nöten,
sondern errette mich
aus allen Gefahren
und weise mir den Weg in der Finsternis.

Verfasst: Freitag 7. April 2006, 14:34
von Bjont Methaiken
Menek'Ur war sein Ziel als er das Schiff bestieg. Das Paket welches er erhalten hatte eilig auspackend, schaute er sich nach eventuellen mitreisenden um. Er musterte den Mantel einen Moment, dann begann er am unteren Ende einige Fetzen abzureissen welche er dann sorgfältig übereinandergelegt in seine Tasche legte. Den Mantel legte er wieder zusammen und legte ihn im Paket auch in seinen Rucksack zurück.
Ein wenig mulmig war ihm wohl als er den Strand von Menek'ur betrat. Seine Sinne waren angespannt und er machte sich schnell auf den Weg Richtung Palast wo er den Kerker vermutete. Auf dem Weg dorthin versah er einige Kakteen mit den Fetzen die er abgerissen hatte.
Wenn jemand aus Varuna Nachforschungen anstellte würde er die Mantelfetzen dieses Fanatikers sicher finden wenn er nur sorgfältig suchte. Das wäre genug Beweis dafür das die Menekaner diesen Ritter Varunas festhielten. das wird dieses Bündnis in seinen Grundfesten erschüttern.
Ein grausames Kichern verliess seine Lippen und er reibte sich die Hände freudig, wie ein Kind welches sich auf Weihnachten freut. der Gedanke an soviel Blut und Tod das aus einem Krieg erwachsen würde erregte ihn.
Nachdem er seinen Auftrag ausgeführt hatte trödelte er nicht um wieder den Hafen zu erreichen und sich in Sicherheit zu begeben.

Verfasst: Freitag 7. April 2006, 19:24
von Cyrion Sha´Ar
Wege... so viele Wege... So viele Möglichkeiten... Aussage stand gegen Aussage und es war gut möglich, das Cyrion nicht alle Puzzelteile gefunden hatte! Er rieb sich die Schläfen angestrengt und schloss die Augen gegen die grelle Sonne. Staub sass auf seinen Kleidern, setzte sich in Falten und klebte unangenehm an seiner Haut. Sand flog ihm immer wieder in die Augen. Nein er mochte die Wüste überhaupt nicht. Hier in der Stadt, gab es zwar schattige Palmenhaine, aber dennoch machte ihm die Hitze zu schaffen. Es war schwer, hier an diesem Ort seine Gedanken beieinander zu halten. Zu viele Eindrücke... stetige Bewegungen, die sich als Staubwirbel erwiesen. Und dann noch die Übelkeit... Kurz vor Erreichen der Küste hatte seine Seekrankheit eingesetzt. Er hatte einen weiteren Schluck von Solveighs Gebräu schlucken wollen, doch dann zerbrach dieses durch ein Missgeschick... die Rückfahrt würde höllisch werden.

Sein Blick wanderte über den Weg zum Hafen. Wenn er sich ein wenig von den Kopfschmerzen erholt hatte, würde er nochmals Yazier aufsuchen. Die Wüste war einfach kein Ort für ihn. Abends war es hier recht angenehm, morgens auch, aber die Mittagszeit war grausam. Und Rafael war hier her gekommen, um sich zu entschuldigen... Oder auch eben nicht. Cyrion löste seinen langen schwarzen Zopf von der schorfigen Rinde der Palme, an die er sich lehnte. Nicht mal die Bäume hier mochten ihn, sein Haar verklemmte sich unentwegt in die gezackten Stümpfe von abgebrochenen Palmwedeln.
Nachdenklich rieb er sich die Unterlippe. Er hatte schon häufiger Leute gesucht, meistens mit Erfolg, aber nie war es so dringlich gewesen... Nie eine Geisel gewesen, deren Zeit vielleicht ablief.

Vor ein paar Tagen war er mit Irmelind Auenfeld hier gewesen, war mit ihr gereist, zu erfahren, was mit Rafael passiert war. Es war für ihn eine Selbstverständlichkeit gewesen, kaum das er vernommen hatte, das Rafael vermisst wurde. Irmelind hatte – trotz fehlender Erfahrung in politischen Dingen – gute Arbeit geleistet. Die Frau war geradlinieg, hatte gewusst, an wen man sich wenden musste und ihre Vertrautheit mit den Menekaner hatte zu mehr Offenheit geführt, als Cyrion sich erhofft hatte.
Sie hatten Fadi Yazier angetroffen. Ein ruhiger Mann, so Cyrions Eindruck. Einer, der schnell erfasste, worum es ging. Seinen Worten nach schrieb der Emir selbst keine Briefe mehr – jeglichen Briefverkehr des Emirs übernahm Yazier. Und dieser hatte keinen Brief an den Grafen geschrieben, schon gar nicht mit einem blutigen Ring als Beilage. Er versicherte, das Rafael nicht von ihnen gefangen genommen worden war. Seinen eigenen Erkundigungen nach hatte auch keiner Rafael gesehen – und dieser war nicht unbekannt, war er doch auf einer gewichtigen Hochzeit gewesen. Allerdings gab er zu bedenken, das er die Hinrah für verdächtig hielt... ebenso wie die Zwerge.
Wieder wanderte Cyrions Blick über die Dünen, während er sich an jene Begebenheiten erinnerte. Der ruhige Fadi hatte auffällige Worte bei beiden gewählt. Bei letzterem vermutete Cyrion eher, das der Menekaner vor ihm diese einfach nicht leiden mochte, dies liess sich durch seine Gesten wie auch sein Blick erraten, auch wenn er sich rasch um Ruhe bemühte. Zwerge auf einem Schiff... Zwerge die einen Brief verfassten, diesen an den Grafen sandten und einen möglicherweise wertvollen Ring mit reinsteckten, anstatt ihn zu behalten? Nein... Zwerge schloss Cyrion aus. Was würde diese auch davon haben? Nichts. Und die Hinrah? Ein rauhes, aber edles Volk. Sie waren nicht Intrigant und Rafael war zudem ein Freund des Clans, ein Freund von Caillean, Falks Frau. Auch gab er an, das Rafael vielleicht ertrunken war... aber das hielt Cyrion für unmöglich. Wie sollte dann jemand an seinen Ring kommen? Cyrion schüttelte gedankenvoll den Kopf. Nein... diese Intrige kam aus andere Richtung.
Cyrion selbst hatte mit Wachen gesprochen, welche den Hafen überwachten. Niemand, der Rafael gesehen hatte, niemand der einen der einen Allianzler gesehen hatte. Auch der Hafenmeister war gekommen und hatte Cyrions Fragen Rede und Antwort gestanden. Sogar in die Hafenbücher hatte Cyrion Einblick erhalten und Rafael war auf keiner Liste aufgetaucht. Nicht mal als Erwähnung, das ein Passagier auf der Reise umgekommen war. So waren er und Irmelind wieder zurück gereist...
Erschöpfend, in kurzer Zeit nach Menek'Ur und zurück zu reisen, aber Rafael, so mutmasste er, hatte keine Zeit zu verlieren.
Wieder in Gerimor suchten sie beide den Hafenmeister Bajards auf. Erschöpfung hatte an ihnen genagt, aber dennoch... Irmelind wollte genauso wie er wissen, was mit Rafael geschehen war. Auch der hiesige Hafenmeister überliess Cyrion seine Bücher, kaum hatte er kurz umrissen, wie dringlich die Lage war. Und er wurde fündig! Rafael war auf der 'Seekobold' unter Captain Samuel Albertos nach Menek'Ur gesegelt... Doch warum war er dann nicht in Menek'Ur verzeichnet? Irmelind konnte sich dies ebenso wenig erklären wie er. Der Mann war ihnen eine Antwort schuldig. Doch der Abend war schon vorrangeschritten... Der Captain war in der Herberge Bajards, in der er sich üblicherweise aufhielt, so er in Bajard ankerte, nicht aufzufinden. Erschöpft von der Reise, hatte er sich von Irmelind verabschiedet, nach dem er erfahren hatte, das er Captain wohl noch ein paar Tage bleiben würde.
Der Captain... Cyrion hatte ihm am nächsten Tag aufgesucht, hatte solange gesucht, bis er ihn fand. Ein weiterer rauer Geselle. Ein alter Seebär, welcher nach Alkohol und dem Meer gerochen hatte. Doch sein Blick war klar gewesen, stechend, hart... wich ihm auch nicht aus – allerdings war er auch unter lauter anderen Seeleuten gewesen. Die Kneipe war voll gewesen. Seltsam was dieser ihm berichtete... Er beteuerte, das Rafael de Arganta sein Schiff in Menek'Ur verlassen hatte. Das dieser das Schiff in eher heimlicher Art verlassen hatte. Warum? Das wusste der Captain nicht. Unlogisch – das dachte er damals und das dachte er heute noch. Warum sollte Rafael, der in offizieller Natur hier her reiste, sich zu entschuldigen, heimlich von Bord gehen? Es machte keinen Sinn... Genaueres vermochte der Captain auch nicht zu sagen... Seltsam... War Rafael verkleidet von Bord gegangen? Oder vielleicht erst in der Abenddämmerung, wenn er schlecht erkannt werden konnte im Zwielicht? Vielleicht war es dem Captain auch nur so vorgekommen. Wer wusste das schon... Er hatte den Captain wieder verlassen, doch war ihm seltsam zumute, bedachte er, was er von dem Captain erfahren hatte. Dieser vermutete einfach, das Rafael Angst hatte... doch vor wem? Sicher, er war wahrscheinlich besorgt gewesen – das wäre Cyrion auch gewesen, hätte er den Prinzen von Menek'Ur beleidigt. Nun... es gab vieles zu bedenken. Er würde sich den Captain ein andernmal nochmals vornehmen. Sein Bauch sagte ihm, das er nicht alles gehört hatte, was der Mann wusste – vielleicht irrte er sich aber hier auch.

Beim Clan hatte er erfahren, was er zu erfahren erwartet hatte. Er war ohne Umschweife zur Sache gekommen, hatte mit Falk reden wollen, aber dieser war nicht zugegen, wie auch seine Frau nicht. Unter einem Schwur bei den Ahnen wurde ihm von Leif Hinrah bezeugt, das keiner des Clans mit dem Verschwinden Rafaels de Arganta zu tun hatte. Er wollte nicht beschwören, das keiner von ihnen von jemanden wusste, der Informationen hatte oder haben konnte, aber für sich konnte er dieses verneinen... ebenso wie Aurora, ein weiteres Clansmitglied. Die Hinrah waren ein raues Volk, aber ehrlich... Cyrion war sich sicher, das tatsächlich keiner von ihnen irgendwie in dieser Verschleppung involviert war. Allerdings meinten sie, die Rahaler könnten damit zu tun haben. Cyrion konnte dies nicht verneinen – er wusste es nicht. Auch war diese Entführung etwas, was er gewissen Leuten von Rahal zutraute. Er würde dazu noch nachforschen müssen. Allerdings hatten sie ebenso auch etwas zu berichten, das Fadi Yaziers Worte nicht so ganz glaubhaft machten. So hatte ihm Leif einen Brief gezeigt, welchen er aus sicherer Quelle bekommen hatte. Fadi Yazier hatte demnach verkündet, das eine Gruppe Hinrah versucht hatte, den Emir zu ermorden. Tatsächlich hatte sich aber etwas anderes zugetragen. Einer der Hinrah war zwar in Menek'Ur gewesen und war dort von vornherein mit Drohungen und Waffen empfangen worden. Interessant, befand Cyrion. Interessant wie Fadi Yazier die Umstände beschrieb. Desweiteren wies er die Bevölkerung an, Massnahmen zu ergreifen, welche man in Erwartung eines möglicherweise bevorstehenden Krieges ergriff... Kein Menekaner sollte aufs Festland... Vorräte sollten gehortet werden...
Cyrions Blick wanderte über die Dünen und die Sandfarbenen Häuser. Hier und dort wanderte die Bevölkerung umher, trieben Viehhirten Ziegen umher und preisten Händler ihre Waren an. Überall das Rauschen zahlloser Stimmen und im Hintergrund der ewige Wind. Kriegerisch war dieses Wüstenvolk... Kriegerisch und auch gewitzte Händler.
Er versuchte sich vorzustellen, wie drei Hinrah hier durch den Sand stapften... Leif, Hailey und Argos waren am 30sten hier gewesen... in etwa zur Zeit wie Rafael. Sie waren hier her gekommen, um mit den Stadthalter zu sprechen – in den Abendstunden. Und waren noch am selben Abend wieder nach Gerimor aufgebrochen. Keiner von ihnen hatte länger als nötig hier bleiben wollen, auch wenn die Reise Kräftezehrend war. Die Hitze bekam ihnen noch weniger als ihm, Cyrion, und das glaubte er ohne umschweife. Sie hatten Rafael nicht gesehen.

Cyrion erhob sich aus dem Sand und wischte sich den Schweiss von der Stirn. Er wollte nochmals mit Fadi reden, vielleicht auch mit dem Prinzen oder gar mit dem Emir selbst. Aufmerksam sah er sich am Hafen um, ob er jemanden sah, der er kannte. Hier und da pickte er nochmals einen Gardisten heraus und befrug ihn zu Rafael... Sie waren nun etwas mürrischer zu nennen, hatten sie ja keine Anweisung, ihm zu Hilfe zu sein. Doch konnte er die Wächter vom letzten Besuch her ausmachen und diese machten ihm seine Befragungen leichter. Diese Hitze... schwer ging sein Atem in der staubigen schwärenden Hitze. Er trug leichtere Kleidung als letztes mal und dennoch fragte er sich, wie lange er in der Sonne stehen konnte, ohne einen Sonnenstich zu erleiden. Ab und an griff er zu seinem Wasserbeutel und trank in durstigen Zügen, während er sich weiterhin umsah. So viele Menschen... Menschen, Vieh, Palmen und Kakteen. Ab und an Gardisten... Von den Gardisten konnte ihm keiner weiterhelfen. Keiner hatte etwas gesehen, keiner war zu den Abendstunden etwas aufgefallen... Auch der Hafenmeister liess ihn nochmal in die Bücher sehen. Die Seekobold war tatsächlich eingelaufen. Das Datum... bedachte man, das es möglich war, das Rafael direkt nach dem Erfrischen von der Reise zum Prinzen ging, mochte es sein, das er die Hinrah angetroffen hatte, aber es war auch gut möglich, das sie sich nie über den Weg gelaufen waren. Es wäre wohl auffällig gewesen, hätten diese Hünnen von Tiefländer einen sich wehrenden Rafael verschleppt. Aber sicherlich hätte er noch einen Boten an seinem Ankunftstag losgeschickt und um eine Unterredung mit dem Prinzen gebeten...

Wo konnte man Yazier antreffen? Er wanderte in der Stadt umher und suchte nach grösseren Gebäuden, solche, in denen man Leute wie Yazier vermuten würde. Die Wüstenbewohner, die er ansprach, kannten seine Sprache nicht – Pech. Nicht jeder musste die allgemeine Sprache beherrschen. Ein Gebäude stand etwas abgelegen. Keuchend stapfte er durch den Sand und Kies auf es zu. Doch nein... es war wohl das Gefängnis... Gitter an den Fenstern. Er verengte die Augen. Leif betrachtete Fadi Yazier als mächtigen Mann. Mächtig und verschlagen. Der Brief den Fadi damals verfasst hatte, welcher den Hinrah in die Hände gespielt wurde, war in der Tat entweder intrigant oder einfach nur ein Missgeschick hervorgerufen durch fehlerhafte Informationen, die Fadi erhalten hatte... Aber wenn nicht... Er blickte sich nachdenklich um. Wäre Rafael auf der Insel in Gefangenschaft, wäre er hier untergebracht. Mit seiner üblichen Aufmerksamkeit wanderte sein Blick über die Umgebung. Bedächtig machte er sich auf und fing an zu suchen.
Wenig würdevoll stapfte er durch den Sand, betrachtete den Boden, betrachtete Sträucher und Kakteen, die von dem Hafen zum Gebäude führten, ging die Wege ab, welche zum Gefängnis hinführten. Wie lange suchte er schon? Lange genug, das sein Wasserbeutel nur noch wenige Schlucke aufwies. Er hatte nichts gefunden, was auf Rafael hindeutete... anderesseits war es auch Tage her, seit er verschwunden war. Vielleicht sollte er... Etwas fing seinen Blick auf, flatterte im stetigen Wind. Was war es gewesen? Er schleppte sich zu dem Kaktus hin und veilchenblaue Augen hefteten sich an ein Stück Stoff, das dort an dessen Nadeln klemmte. Die Farbe... er zog den Stoff aus dem Kaktus heraus und betrachtete ihn näher. Diese Farbe und die Machart war unverkennbar... hatte er ihn doch etliche Male zu Gesicht bekommen – wann immer er einem der Allianzler begegnet war. Abgerissen... von einem Umhang, aber nicht sehr ausgefranst, wie man es bei einem Stück Stoff, das dem stetigen Wind und Wetter ausgesetzt war, erwarten würde. Nicht mal sehr eingestaubt... Also war es erst vor kurzem an den Kaktus gekommen. Ein Allianzler auf Menek'Ur... Sein Blick ging hinüber zum Gefängnis, wurde sehr ernst. Wenn nicht vor kurzer Zeit ein anderer Allianzler hier gewesen war, dann... Cyrion's Finger ballten sich mit dem Stoff darin zu einer Faust. Sich abwendent kehrte er zum Hafen zurück, sorasch ihn seine Füsse trugen. Er würde dem Grafen von seinem Fund berichten. Sollte jemand, der in diplomatischen Dingen geübter war, sich mit den Menekanern auseinandersetzen. Wer wusste schon, wie die Menekaner den Stofffetzen sehen würden... was der Graf in diesem sehen würde. Doch für Cyrion sah nun die Sachlage sehr klar aus.

Verfasst: Samstag 8. April 2006, 13:42
von Irmenlind Auenfeld
Sie war erschöpft.

Diese lange Reise, der unbarmherzigen Hitze ausgesetzt, nichts Neues für die gewichtige Bäuerin. Dieses Mal jedoch kam die Sorge um den jungen Ritter hinzu und die Eile, die sie an den Tag legen mußten, um eventuelle Folter nicht zu verlängern.
Sie waren auf Fadi Yazir getroffen, ein aus ihrer Sicht gutes Gespräch, denn es mochte wohl dazu beigetragen haben zu glauben, dass sich Rafael nicht in ihren Kerkern befand.
Was das Auffinden Rafaels jedoch nicht einfacher gestaltete.

Die letzten Schritte zu ihrem Bett und sie ließ sich samt ihrer Kleidung hinein fallen.

Vor Stunden waren sie zurück gekehrt und hatten die Herberge Bajards aufgesucht, um den Kapitän zu sprechen, auf dessen Schiff Rafael nach Menekur übergesetzt sein sollte.
Nachdem gewiß war, Jenen heute nicht mehr anzutreffen, verabschiedete sie sich von Cyrion und schleppte sich müde zum Hof zurück.
Gleich morgen Früh würde sie Angelina und dem Grafen eine Nachricht zukommen lassen.
Folgendes sei darin zu lesen:


Weartet Angelinakind,

ich kann Euch det juute Nachricht jehm, det Eua Mann nich uff det Menekua is.
Leida muss ik aba och jestehn, det wia noch keen weitaren Punkt von det Anhalt ham, wo sein Vableib nu is.
Ik hoff inständich, det det Hearr Cierion Shaar von det Kapitehn nu meah denn wees.
Wenn ik noch irjendwat füa Euch tun kann, denn lasst det mia wissen.

Mit det Jrüße von det Temora, det det allet juut jeht,
det Irmenlind Auenfeld



Wearta Hearr Jraf von det Hohenfels,

ik hab det Nachricht mit det Botschaft an det Fadi von det Blut mit det Yazir nach det Menekua jebracht, zusamm mit det Hearr Cierion Shaar.
Nu kann ik sachen, det det wearte Hearr Ritta von det Arjanta nich uff det Menekua is.
Det Hearr Shaar wollt noch mit det Kapitehn sprechen. Da bin ik nich mit, weil ik uff det Hof musste, aba wenn ik nu noch jebraucht wead, denn steh ik janz da in det Pflicht und Eahr in det Namen von det Temora.

Untatänichste Jrüße,
det Irmenlind Auenfeld



Davon, dass sich Cyrion bereits wieder nach Menekur aufgemacht hatte, wusste sie nichts und harrte nun der Dinge, die da kämen.

Verfasst: Samstag 8. April 2006, 21:24
von Darna von Hohenfels
"Ich kann doch nicht überall sein?", dachte sie etwas verzweifelt und überlegte, wie sie damit jetzt umging. Was sie gestern alles von Thancred erfahren hatte, ließ sie fast glauben, sie hätte sich die letzten Tage in einer anderen Welt bewegt und das Leben hier wäre an ihr vorbeigegangen.
Wenn sie so an das Armenviertel dachte... stimmte das sogar...

Der Schmied hatte sogar mehr über Dinge gewusst, die ihrem eigenen Ritter widerfahren waren, als dessen eigene Knappin - wenn ihr etwas peinlich war, dann das. Sie würde auf jeden Fall mit ihm reden wollen, aber er schien gerade so wenig greifbar wie die Sonne für sie: da und doch wieder weit weg, seiner Arbeit nachgehend.

Arbeit... sie hätte mehr ihrem neuen Auftrag nachgehen sollen - Aradan hatte ihr und Adrenalon den Befehl gegeben, diesem Mordfall an den drei Pferden nachzugehen, dazu der Spur, von der Sir Rafael erzählt hatte, daß sie ins Hügelgrab geführt und auf Kra'thor-Kultisten hingewiesen hätte.
Tag für Tag, den sie keine Gelegenheit dazu gefunden hatte, sich direkt darum zu kümmern, hatte es ihr weniger behagt, vor Frau Emma Uhlenhoff zu treten. Wieder Probleme mit Pferden, und sie hatte noch zu gut in Erinnerung, wie zänkisch die Bäuerin dabei werden konnte...

Und jetzt? Wieder Hinweise auf Gräber und Kra'thor-Kultisten. Gegen die Schändungen der letzten Zeit liefen mehrere Maßnahmen, sowohl von Seiten der Templerschaft, als auch von der Garde aus. Gestern hatte sie das erste Mal selber gesehen, daß am Friedhof von Berchgard nun zwei Kollegen ihren Dienst versahen.
Darna hatte das Gefühl, nicht rechtzeitig von Beginn an die Fäden der Vorkommnisse mitverfolgt zu haben - etwas, das fatal sein konnte. Wie sollte sie nun den Informationen von gestern nachgehen? Was hatte Thancred alles gesagt:

"Der Gardist Vondran wird viel um die Ohren haben, denn es ist ja nicht bei dieser einen Erscheinung geblieben. Ein zweiter Geist ist ja aufgetaucht."
Sichtlich unbegeistert hörte Darna doch ruhig abwartend aufmerksam zu. Was war denn bloß alles los?
"Ich erfuhr es von einem Elben gestern", berichtete der Schmied, "als wir nach Hinweisen suchten. Ein Magus von der Akademie zu Tirell war auch zugegen."
"Einem Elfen?", hakte sie nach - hatte irgendwas davon mit dem besorgniserregenden Umstand zu tun, daß die Elfen sich in letzter Zeit darum bemühten, die Wälder vor finsteren oder auch nur zweifelhaften Gestalten abzuschotten?

"Er führte uns zu einem seltsamen Gräberfeld zwischen Varuna und Rahal, das vor dem Kriege nicht da war."
Sie nickte, wusste, welches er meinte. Bei einem Ritt vor längerer Zeit hatte sie es selber gefunden und es sich angesehen. Am beunruhgendsten war die unterirdische Gruft, oder was immer das gewesen war, in die sie damals hineingefallen war. Kerzen, die um obskure blutige Linien, einen fünfzackigen Stern, auf dem Boden herumgestellt waren - sie verstand von diesem Hokuspokus jedweder Art nichts.
"Die Toten von Varuna wurden dort ja nicht beigesetzt, oder?"
"Nein, gewiss nicht - ich habe den Ort gesehen und die Inschriften auf den Grabsteinen waren ja regelrecht..." - sie fand da keine Worte für und stockte, als der Schmied weitererzählte:
"Die Elben sahen einen Diener Kra'thors, der sich dort zu schaffen machte."
"Wisst Ihr mehr, Herr Thancred?", hakte sie ernst nach.
"Nur, was die Elben mir mitteilen, doch diese wollen den Ort unter Beobachtung halten. Nun ist nur noch ein Grabstein zu entziffern, alle Namen der andren und die Flüche und Schmähungen Temoras sind verwischt."
"Und was steht dort geschrieben?", stellte Alliestra die Frage, die der Korporälin der Garde auch gerade auf der Zunge lag.
"Ein Name und dass dieser nun dort ruhe, ewig. Vielleicht ist das der Name des zweiten Geistes, der Aradan angegriffen haben soll."
Wieder konnte man bei Darna von Elbenau sehen, wie sich steil eine Braue hob.
"Ein Geist wurde gesehen, wie er Herrn Krenor nach dem Herzen griff."
Die Knappin setzte zu einer übers Gesicht wischenden Geste an - und ließ es angesichts des Panzerhandschuhs lieber - aber das durfte doch alles nicht wahr sein.
"Weil dieser sich schützend vor eine Frau stellte, näheres mag euch Ritter Krenor selbst besser sagen können."

"Ja... das hoffe ich...", dachte Darna noch am nächsten Tag bei sich. Doch ihre Neugier ließ sie nicht ruhen, um einfach nur auf ihren Herrn zu warten. Irgendwie musste sie selber langsam mal tätig werden...

Verfasst: Sonntag 9. April 2006, 22:12
von Darna von Hohenfels
Spuren ins Nichts?

Es war sicher nicht der gemütlichste Ort für eine Unterhaltung - das Gräberfeld in den Wäldern westlich von Varuna. Und daß sie und Kadettin Amarth hier auf eben jene Gestalt treffen würden, über die die Informationen von Herrn Thancred überhaupt zu ihr gelangt waren, war glücklichste Fügung. Was hatte sich hier alles zugetragen?
Der Waldelf sagte ihr, daß Livial eine Grabschänderin sei... Vielleicht hätte es Aradan etwas beruhigt, mit welcher Selbstverständlichkeit sie trotzdem nachhakte, nicht einfach blindlings den Worten der von ihr bewunderten Wesen glaubte.
"Zweifelst du meine Worte an... Edain?"
"Ich weiß, daß ihr viele unserer Sitten nicht kennt...", erwiderte sie vorsichtig.
"Der Geist schien mir sehr überzeugt, daß sie sein Grab berührt hat."
"Ihr habt also nicht selber...", sie stockte mitten im Satz. Was tat sie hier? Sie sah das Bild einer Frau vor sich, mit wunderschönen schwarzen Haaren, grüne Augen, die sie anstarrten... einen Moment fühlte sie sich hilflos.

"Fräulein Livial mag... sprunghaft, emotional und teils gedanken- und sorglos sein...", meinte sie bedächtig, "Doch eine Grabschänderin?"
"Kennst du dieses unberechenbar scheinende Wesen überhaupt? Erst macht sie so einen Ärger und jetzt verteidigst du sie auch noch? Dieser Frau kann doch alles zuzutrauen sein!", wisperte ein gehässiger Teil ihrer Gedanken.
Die Augen des hochgewachsenen schlanken Wesens vor ihr, das schien wie ein lebendig gewordener Teil des Waldes, sahen sie an, dazu nichts sagend.
"Hast du noch mehr Fragen?", klangen die Worte des Elfen so einfach und doch fast wie gesungen.
Ja... ihr Inneres wollte fast übersprudeln vor Fragen, doch konnte sie kaum eine davon in Worte fassen.
"Ich werde dem nachgehen", versprach sie stattdessen ruhig. "Mein Sire wird dazu sicher mehr wissen. Und sollte es wahr sein, wird sie auch der Umstand, daß sie seine Schwester ist, nicht vor den Konsequenzen schützen."
Sie sah es nicht einmal als Drohung, sondern als beruhigendes Versprechen. Egal, wie die Sache sich offenbaren würde, sie würde niemals zulassen wollen, daß diese gern gesprochenen Vorwürfe von "Näschengepuder" in den eigenen Reihen von Garde, Rittern oder Adel ihre Berechtigung fanden.

Der Elf verschwand, als hätte es dort, wo er zuvor stand, nie etwas anderes als unberührtes Gras gegeben. Sie hatte zuvor Luzcilla weggeschickt, ehe es zu noch mehr Schwierigkeiten gekommen wäre, doch nun nahm Darna sich die Zeit, alleine einen Blick auf diesen fragwürdigen Ort zu werfen.
Alles schien friedlich, die lästerlichen Inschriften auf den Steinen verschwunden, Blumen, Kerzen... doch hier war also von diesem Waldelfen beobachtet worden, wie ein Kra'thor-Kultist versuchte, Livial zu bekehren, und wie dieses Gespräch von einem Magier Tirells vermutlich gestört worden war.
Darna runzelte die Stirn. Sie wusste so gut wie nichts über den seit wenigen Monden bekannten Kult, der dem Seelenfänger zu dienen schien, doch irgendwas hier passte doch nicht zusammen.
"Was haben die überhaupt noch hier verloren?", hatte sie sich zuvor noch im Beisein des Elfen leise gefragt.
"Es ist für sie ein heiliger Ort."
"Aber er wurde doch von ihrer Gnaden geweiht", schüttelte sie verständnislos den Kopf, "Er dürfte damit doch keine Bedeutung mehr für sie haben."
Sie fügte verunsichert hinzu: "Hoffte ich..."
Kra'thor. Sie wusste wirklich gar nichts über diesen Kult, seine Gepflogenheiten, was seine Ziele waren - etwas, das sich langsam als sträfliches Versäumnis herausstellte. Es waren irgendwie finstere Gestalten, und alles, was Darna mit ihnen verbinden konnte, waren Untote und daß etwas wie ein Gräberfeld, so wie es zuvor hier aussah, zu ihnen passen müsste. Böse eben.

Vor der Weihe... natürlich. Ihr lief ein kalter Schauer über den Rücken, wie spät sie erst die Zusammenhänge begriffen hatte. Dies musste ein Zufluchtsort gewesen sein. Doch jetzt? Immernoch? Sogar mitten im Revier von den schwer zu sehenden Wächtern der Wälder, die Phanodain der Welt geschenkt hatte? Dies war nicht der große Wald, dem die Elfen sonst ihre Wache schenkten, doch dieser Ort war also ganz offensichtlich nicht den scharfen Augen der Elfen entgangen.

Ein einziger Grabstein noch mit einer Inschrift, die harmlos schien, der Rest war im Vergleich zum Zustand vor der Weihe kaum wiederzuerkennen. Das Loch im Boden von damals...
schien weg zu sein. Dies war doch die Stelle gewesen, oder? Etwas ratlos kratzte sie sich am Kopf. War dieser große Grabstein auch vorher schon hiergewesen? Wo war das kleine Gebüsch hin? Verunsichert runzelte sie die Stirn.
Wieder und wieder glitt ihr Blick über die Kerzen und Blumen, während sie gegen ein schales Gefühl ankämpfte.
"Geschminkt", schoß es ihr scheinbar zusammenhanglos durch den Sinn. Sie fühlte sich so hilflos wie bei dem Ball, wo sie Calor versucht hatte, zu erklären, daß die womöglich sogar wirklich hübsche und nette Fassade, die er an ihr für diesen Abend sehen konnte, nicht... alles war.
Sie hatte hier das dumme Gefühl, als beobachte sie das Gleiche: einen äußeren Anschein, der durchaus die Wahrheit war, und doch nicht alles offenbarte.
"...erhebe ich mein Antlitz, um meine Augen zu öffnen für alles, was wahr ist."

Sie konnte hier nichts mehr tun, nicht? Kultisten hin, Livial her... hier gab es zu dieser Stunde nichts weiter - nichts, was sich ihrem Auge offenbaren könnte.
Nachdenklich ging sie zurück zu der Lichtung, wo Luzcilla auf sie wartete.

Verfasst: Montag 10. April 2006, 08:15
von Rafael de Arganta
Er hatte lange mit der Frau geredet. Doch schon bald gemerkt das sie ebensowenig von ihren Standpunkten weichen würde wie er.
Sie hatte interessante Argumente, und er verstand sie wohl, wenn er auch nicht verstand wie man freiwillig als Untoter leben wollte.
Ohne Herz, Gefühle und dem Licht Temoras.
Dem Frieden die Ruhe nach dem Tode.
Statt dessen geknechtet, eine Ewigkeit lang gezwungen Untot sein dasein zu fristen.
Eine Ewigkeit lang... irgendwann würde jene Kreatur sicher danach lechzen das Dasein auf zu geben.
ERLÖST zu werden.
Sind jetzt die Untoten Kreaturen die sofort alles Leben angreifen nicht schon voller Neid auf jene die noch ihre Seelen in sich tragen?

Kalt gefühllos?
Nein, so wollte, er nicht Enden.
Sich zu freuen über jeden Sonnenstrahl, das Lachen eines Kindes, oder alleine die Freude daran jemandem Helfen zu können, das waren Dinge die sich mit nichts aufwiegen lassen konnten....
Ein Untotes, Seelenloses Leben ...

Er konnte sich nichts vorstellen was schlimmer war.
Er konnte sich nicht vorstellen was daran reizvoll war.
Er konnte sich nicht vorstellen das es etwas gab das die Liebe, der Friede Temoras überwiegen konnte.
Er spürte diesen Frieden in sich.
Frieden der sich wie eine Warme Decke über seine Angst gelegt hatte und die Hoffnung in ihm am Leben hielt.
So lange er lebte, würde diese Hoffnun in ihm sein.
So Lange er lebte würde er an seinem Glauben fest halten.
Denn gerade hier, jetzt, fühlte er sich gestärkt durch ihn.

Konnte das Kra`thor den Seinen auch geben, wenn sie für Immer ihm dienten nach dem Tode?

Fast lächelte er
Für eine Ewigkeit...
Eine Ewigkeit konnte sehr lang, und trostlos werden.