Wenn ein Letharenfluch dich trifft...

Gast

Beitrag von Gast »

Ich sende Pestilenz und Seuchen Euch ins Haus.
In Euer Bett, in jeden Fluss, in alle Straßen und in Wasser auch.
Wohin ihr geht, in Euer Brot, in Eure Herden.
Euren Schafen und Euren Ochsen.
Auf Eure Felder, in Eure Träume, in Euren Schlaf bis Ihr zerbrecht.
Bis Ihr Euch beugt, ich sende den Schwarm, send' ihn her,
so spricht der Herr.
Und nun ist es ein Gesicht, das ihn immer wieder, am Ende jedes Traumes, ins Gedächtnis springt. Eine vernarbte Letharenfratze, wo sich die hellblauen Augen, um so näher die Züge kommen, in ein giftiges Grün wandeln und die krallenartige Hand vorrückt, zuschlägt und sich nimmt was sie will. Der Moment in dem er wacht. Die Paranoia nimmt zudem zu, wo er sich sonst beobachtet fühlte, sind es nun auch Gefühle die nicht da sind. Krabbelt da eine Spinne sein Bein hoch, beißt ihn ein Insekt in den Nacken, kratzt ihm wer über den Rücken, atmet wer in sein Ohr? Und um so mehr Kontakt er mit den selben Leuten pflegt, um so deutlicher könnte sich der Gedanke in seinen Kopf pressen, dass sie ihm schaden wollen. Sie sollten eventuell sterben, sie richten Schaden an, haben sie vielleicht Schuld. Was wäre er nur geworden ohne sie.

Und im ganzen Chaos der Emotionen, in den ganzen Trieben die einen verlocken zu töten, Schaden anzurichten und Unheil in die Welt zu bringen, ist immer wieder dieses eine Gesicht dieser Lethra, die gar außerhalb der Träume weniger bedrohlich wirkt. Als hätte man ihr, so man sie in der Paranoia erblickt, die letharische Abnormalität genommen und nur das dargestellt was sie einst war: Eine schöne Elfe. Eine blaue Elfe, die die dünnen Finger in seine Richtung streckt, mit den dunklen schmalen Lippen ein wohlwollendes Lächeln formt und ihn näher winkt, wie ein dunkler Engel, der ihn direkt in die Hölle führen will. Doch geht er auf sie zu, greift danach, verpufft die Illusion, in tausend keine Scherben und er hatte wieder mal versagt. Doch wer war nun Schuld. Sie, er oder du?
Gast

Beitrag von Gast »

  • ”Fürchte nicht die Nacht, denn die Nacht selbst ist nur unschuldige Ruhe und sanftes Vergessen. Fürchten musst du jene Kreaturen, die sich nachts in unsere Albträume schleichen und in ihre Finsternis ziehen wollen.”
    (Kazumi Shizukasato)
Er zischte und wachte auf. Die Bettdecke riss er zur Seite, sein Oberkörper richtete sich ruckartig in eine starre Sitzposition hoch. Langsam verschwamm die Fratze vor seinen Augen und er führte eine Hand ans ungewöhnlich verschwitzte Gesicht. Danach schloss er die Lider beim Versuch, seinen Puls zu beruhigen. Er war alleine im Haus, heute schlief Alanna nicht bei ihm. Für einen längeren Moment ließ sich Max wieder zurücksinken und starrte gedankenverloren die Decke an. An ausreichend Schlaf war auch diese Nacht nicht zu denken. “Vielleicht sollte ich einen Heiler für Schlaftränke aufsuchen”, murmelte er, stand auf, zog sich ein Hemd über den Oberkörper und legte seinen Mantel an. Langsame Schritte führten ihn nach draußen.

In Berchgard war es kalt und ruhig. Kaum ein Licht brannte in den Häusern und die bergige Siedlung schien zu schlafen. Bis auf die Regimentssoldaten, die ihrer nächtlichen Wachpflicht nachgingen, wirkte es unheimlich still. Plötzlich blieb Max stehen und sah über seine Schulter; dermaßen ruckartig, dass ein gerüsteter Wachmann beide Brauen skeptisch hochriss. “Junger Herr, ist alles in Ordnung? Werdet Ihr verfolgt?”, fragte der väterlich wirkende, bärtige Lanzenträger. “Ja, ich… Nein, ich glaube nicht”, antwortete Max verwirrt, nickte dankbar und ging weiter; den nachdenklichen Blick des Soldaten auf dem Nacken spürend. “Ein guter Rat, Kind: Geht ins Bett und schlaft Euch aus. Eure Augenringe sehen schlimmer aus, als die einer untoten Kreatur des Hügelgrabs”, gab er dem jungen Mann gütig mit. Der Versuch, Max aufzuheitern scheiterte jedoch und er ging nach einem neuen, höflichen Kopfneigen weiter. Mühsam versuchte der Mantelträger das eingebildete Jucken auf seiner Haut zu ignorieren, welches mit jedem Schritt stärker wurde. Hin und wieder verleitete ihn jedoch der pure Instinkt dazu, eine Hand an seine Brust zu führen, als wollte er die vielen kleinen, imaginären Spinnen unter seinem Hemd zerquetschen. Mit dem Unterschied einer fehlenden physischen Existenz.

“Diese Schlaflosigkeit macht mich langsam verrückt.”
Gast

Beitrag von Gast »

Um so mehr Tage es wurden, um so präsenter wurde der Fluch der sich in den Kopf des Mannes nagte wie eine widerspenstige Zecke. Und wollte man sie entfernen, so blieb der Kopf stecken frisst sich weiter hinein, tiefer und tiefer, bis zum Innersten seiner selbst. Denn um so mehr Zeit verging, um so weniger Hunger hatte er und wenn er begann zu essen, würde der Bauch es wohl nicht lange mehr behalten wollen. Sollte er einen Spiegel finden, wird er hinein blicken und etwas sehen, was er nicht ist. Eingefallene Wangen, ausgefallene Haare, fehlende Zähne und eine blaue Elfe in seinem Rücken, die ihre schmalen Arme von hinten um ihn legt und ihr Kinn auf seine Schulter bettet. Mit einem fast sanftmütigen Lächeln neigt sich dabei ihr Kopf in seine Richtung und die Fingerkuppen zeichnen die Konturen seines Gesichtes nach, ohne das sie wirklich hinsieht. Und fast schon beruhigend wird sie in sein Ohr säuseln, was eigentlich nur in seinem Verstand an ihn heran dringt.

  • "In deinen Schlaf, bis du zerbrichst, bis du dich beugst.."
Und sobald er dieses Bild, diese Verwirrung, diese Manipulation abschütteln will, sich dagegen drängt, wird ihm wieder sein eigenes Gesicht entgegen blicken, ohne Einbußen, ohne die blaue Fratze, die anscheinend gewillt ist ihn von Tag zu Tag mehr in das Verderben zu stürzen.
Gast

Beitrag von Gast »

Langsam wurde er wahnsinnig. Immer wieder sah Max in sein Spiegelbild und grinste, ließ sich von der fantasierten Lethra trösten und umschmeicheln. Der Fluch hatte seinen Höhepunkt erreicht, dachte er sich, anders konnte er die immer deutlicher werdenden Veränderungen seiner Psyche nicht erklären. An Schlaflosigkeit litt er des Öfteren, jedoch wirkten die damit verbundenen Halluzinationen längst nicht so echt. Er wusste, dass es ein Fluch war, wollte jedoch niemanden in seiner Umgebung Sorgen bereiten und unschuldig in sein Leid ziehen.

Jede weitere Nacht wurde zur Qual. Mittlerweile konnte er fast eine gesamte Woche des Schlafentzugs zählen. Er fing an, Stimmen zu hören, die nicht da waren, Dinge zu sehen, die durch seine vernebelte Vorstellung provoziert wurden: Flüsterleise Worte, die ihm bestätigten, im Herzogtum versagt zu haben; Gestalten, die jenen der Lethra ähnlich sahen, ihn umarmten und zu trösten versuchten. "Alatar wird dich auffangen. Dein Geist ist voller Hass", hörte er es als sich wiederholendes Echo in seinem Kopf. Unruhig spazierte er durch das Haus, stets darauf bedacht, seine Gefährtin nicht zu wecken. Er wollte nicht, dass sie ihn dermaßen schwach sah. Im Erdgeschoss nahm er Alkohol zu sich, obwohl er eigentlich nie trank, versuchte schwermütig seinen verfluchten Geist durch Schnaps und Wein zu besänftigen, doch vergebens - dadurch wurden Halluzinationen, Panikattacken und die inneren Stimmen umso mächtiger. Schlimmer noch: Er verlor sämtliche Hemmungen.

Mit berauschtem Kopf zog er einen Dolch aus der Innenseite seines Wintermantels. So gut versteckt, dass jeder Gardist ihn aufmerksam hätte durchsuchen müssen, um die vergiftete Mordwaffe zu entdecken. "Mörder", hallten die Stimmen wieder durch seinen Geist. "Du hast Alanna angelogen." Ja, das hatte er. Er wollte sie nicht beunruhigen. Tröstende Worte machten jedoch die bittere Realität nicht ungeschehen. Als Nachkomme einer Reihe von getarnten Meuchelmördern war es seine unausweichliche Bestimmung, ein schlechter Mensch zu werden. Maxim kniff die Augen zu, presste die Zähne aneinander und rammte die grünlich schimmernde Mithrillklinge seines Phantomdolchs ruckartig durch die Brustseite seines Herzens. Er keuchte, schnappte nach Luft, während er mit letzter Kraft nach draußen ging; eine kleine Blutspur im Haus hinterlassend. Die nächtlich patrouillierenden Gardisten wurden aufmerksam: "Bei Temora, was ist geschehen!?", rief ein gerüsteter Krieger. Zusammen mit seinem Kameraden stützte er den verblutenden, ohnmächtig werdenden Körper des jungen Mannes und leistete rudimentäre Hilfe. "Zum Heiler, schnell", brummte der andere Soldat hektisch. Doch jeder gute Wille kam zu spät. Noch bevor Max' Helfer den schwach werdenden Körper durch die Tür des nächstgelegenen Heilkundigen führen konnten, vermischte sich das starke Gift mit seinem Blut, ließ es verhärten und hemmte die natürliche Zirkulation. Mit geneigtem Kopf und mitfühlend geschlossenen Augen konfrontierte der Heilkundige beide hilfsbereite Nachtwachen mit der unausweichlichen Realität:

"Es tut mir leid. Der junge Mann ist tot."
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Balduin Estar
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Registriert: Mittwoch 30. September 2015, 21:01

Antwort auf den dahinleben

Beitrag von Balduin Estar »

Als den Jungen Mann zu Balduin gebracht wurde, der gerade ueber seine Studien mit dem Kopf hin. Stellte er fesst das der junge Mann auf dem Weg zu ihm den weg zu Eluive angetreten hatte.

Zwar gin Balduin davon aus, dass es es Selbstmordwar, weiel er Max kuerzliches Leid und seine Vorgeschichte kannte, uebergab dem Leblosen Koerper jedoch dem Koeniglichen Lehrhospital, zur eindeutigen Opduktion.
Gast

Beitrag von Gast »

Ausgelaugt hing der Körper des Banditen da, welchen ich mit dem Fluch verbunden hatte. Theoretisch hätte er sterben müssen, um das Ganze zu brechen. Er und die Haare Maxims, die ich ihm in irgendeine seiner Wunden presste. Als er an diesem Tag keinen Laut mehr von sich gab, weder Herzschlag noch Atem, war ich dann allerdings doch recht verwundert. Mit trägen Schritt ging ich auf ihn zu, griff nach seinem Kinn und drehte seinen Kopf hin und her, eventuell wollte er mich ja täuschen. Unmöglich, viel zu schwach war er mittlerweile. Außerdem hatte ich ihn aus einen Banditenlager geholt, als hätte er irgendwelche Fähigkeiten die mich überraschen könnten. Nun war er allerdings tot, was ziemlich ernüchternd war, waren meine Pläne eigentlich noch nicht beendet. So rief ich also eine der Lethrae heran, die sich um sein Wohlergehen kümmern sollten. Die kleine, jämmerliche Gestalt kam auch schnell näher und blickte schuldbewusst zu Boden. Sie war schon genug gestraft mit ihrem Geschlecht, so wie wir alle, aber diese ständige Demut und der fehlende Biss trieben mir jedes Mal aufs Neue die Galle hoch. Ich blieb allerdings ruhig. Ruhe machte sie alle am meisten verrückt, denn nur wenige wussten damit etwas anzufangen.

"Er ist tot."
"Ja, Lethoryxae, er ist tot. Ich habe ihn gefüttert und für seine Wunden gesorgt, aber auf einmal riss er die Augen auf, den Kopf nach hinten und danach hörte sein Herz auf zu schlagen."
"Ist das so?"
"Ich habe wirklich alles getan was Ihr verlangt habt!"
Mit einem Handwink schickte ich sie fort, bevor sie noch auf die Knie fiel und sich noch unterwürfiger zeigte als sowieso schon. Sie hatte tatsächlich alles getan was ich wollte. Er ist nicht an mangelnder Pflege gestorben, sondern weil die Bindung nicht mehr existiert. Das Opfer war tot. Eine ganze Weile starrte ich noch in die Richtung des Kadavers. An und für sich war der Tod keine schlechte Sache, allerdings war es immer bitter, wenn ein Plan andere Richtungen annahm. Natürlich brachte ihm das nun nichts mehr, dem guten Maxim, aber er hatte mich verärgert durch diese unvorhergesehene Wendung. Die weitere Kerbe am Holz konnte ich verkraften, war es aber trotz allem etwas ungünstig gelaufen. Nun ja, dann beim nächsten Mal. Und mit diesem Gedanken wendete ich mich auch herum und mit einem Schulterzucken wischte ich dann die ganze Situation von dannen. Kann passieren.
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