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Verfasst: Donnerstag 2. März 2006, 22:40
von Darna von Hohenfels
Den Spieß umzudrehen...

Das Paket mit dem grausamen Inhalt hatte scheinbar durchschlagende Wirkung gehabt. Als Frau Darinor nach einem Gespräch das Kastell verließ, ging sie in der Mitte von zwei Gardisten.

Etwas später verließen weitere Gardisten das Kastell und schienen bestimmte Plätze einzunehmen. Regung war generell zu spüren, die Wachen auf den Wehrgängen tauschten ihre Posten kurzfristig, drinnen wurden Instruktionen rausgegeben. Die Einheit formierte sich... hoffentlich zu einem erfolgreichen Gegenangriff.
Nach all den Bewegungen wurde es rasch wieder ruhig, geradezu friedlich. Ruhe vor dem Sturm?

Keine zwei Stunden nach dem Überbringen des Paketes wurde am Marktplatz ein großer Aushang angebracht:

"Bürger von Varuna, vernehmet!

Auf Weisung des neuen Hauptmannes der Garde, Aradan Krenor, werden ab sofort Umstrukturierungen des Gardedienstes und der Besetzung der Garde erfolgen, um in diesen Tagen und für alle zukünftig folgenden den besten Schutz für die Grafschaft und seine Bewohner zu gewährleisten!
Genaue Einsicht in die umfangreichen Maßnahmen soll jeder Interessierte vor den Toren des Kastelles gewinnen können, dort seien sie im Einzelnen aufgelistet!

Temora und Reich zur Ehr!"


Und vor dem Tor des Kastells, von zwei Fackeln gut beleuchtet, hing ein großer, dicht beschriebener Aushang, bei dem nur einige scheinbar wichtige Worte gesondert hervorgehoben waren, der Rest war eine kleine, sehr saubere, aber in bester Beamtenmanier furchtbar verschnörkelt geschwungene Schrift:

BEKANNTMACHUNG!

Unter der gütigen Regentschaft seiner Erlaucht, des Grafen Adrian von Hohenfels, gepriesener Bruder ihrer königlichen Majestät Anara von Hohenfels, sei heute, dem 2. Tage des Monats Lenzing im - der herrlichen Gottmutter Eluive sei's gedankt - Jahre 249 Folgendes kund und zu wissen:
Ruchlosen Mord hat die Grafschaft Varuna zu beklagen, und der Tod eines höchst ehrbaren Kindes dieser Lande, namentlich Rouven Alestra, vorbildlicher Vorgänger von Serald Khaliz und nun Hauptmann Aradan Krenor, seines Zeichens Ritter des königlichen Reiches. Die Schreckenstat lässt eine erschütterte Familie zurück, und weckt tiefe Trauer bei allen Mitgliedern der ehrbaren königlichen Garde zu Varuna, die hiermit den Betroffenen ihr aufrichtiges Beileid verkündet sein lassen wollen. Die Garde ist nicht nur allein ob der Person des vormaligen Hauptmannes natürlich in höchstem Maße daran interessiert, den Täter seiner gerechten Strafe zukommen zu lassen und fordert hiermit die brave Bevölkerung Varunas auf, jegliche sachdienliche Hinweise der Garde zukommen zu lassen. Verlautbarungen über die Höhe der Belohnungen wurden bereits getätigt oder können im Kastell selber erfragt werden. Die königliche Garde von Varuna steht ihren Bürgern zu jeder Tages- und Nachtzeit mit Rat und Tat zur Seite.
Im Zuge der sich daraus ergebenden Konsequenzen sind
alle weiblichen Mitglieder der Garde per sofort und ausdrücklich aus dem Dienst heraus dazu aufgefordert, jegliche Tätigkeit, die nicht mit dem Fall zu tun hat, niederzulegen und diesem Fall besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Ebenso seien auch alle männlichen Gardisten dazu ermahnt, ihr Augenmerk verstärkt auf verdächtige Aktivitäten zu lenken.
Im Zuge der Ermittlungen sei bislang bekanntgegeben, daß eine zu diesem Zeitpunkt als verdächtig geltende Person mit folgender
Beschreibung versehen wurde: Etwa 1 Schritt 70 messend, männlichen Geschlechtes, braune lange Haare, braune Augen, dunkle Stimme, die nicht näher beschrieben werden konnte. Der Verdächtige präsentierte sich in hellgrauer Lederrüstung und ungefärbter Robe, von der er stets die Kapuze zur Tarnung seiner Identität verwendet, auch mache er häufig von einer Maske zur Verhüllung seines Antlitzes Gebrauch. An dieser Stelle sei Herrn Sallagar für sehr sachdienliche Hinweise gedankt, wir hoffen, ihn alsbald wieder als speziellen Gast im Kastell begrüßen zu dürfen.
Des Weiteren sei verkündet, daß die Garde die Reihen ihrer Schützen verstärkt und ausdrücklich weitere Rekruten sucht, die im Umgang mit Bogen oder Armbrust versiert sind.


Die Garde dankt für Ihre Aufmerksamkeit!

**********

Und wie die Garde sich für jede Aufmerksamkeit, die diesem Aushang speziell galt, bedanken würde...
Die Beschreibung von Sallagar wurde so detailliert wie möglich rausgegeben, wer von den Gardisten in den letzten Tagen den stotternden Mann selber bei dessen Besuchen im Kastell gesehen hatte, wurde dazu angehalten, besonders präsent zu sein, am besten in Dienstzeiten, daß eine Identifizierung jederzeit erfolgen konnte.
Die Straße, die vor dem Kastell lag, wurde derartig mit Wachen an den Zugängen bestückt, daß jeweils zwei Gardisten die Enden abriegeln konnten, wenn es dazu kommen sollte, daß man einen Verdächtigen festnehmen konnte. Von den Mauern des Kastells sollten stille Zeichen zu den sichernden Gardisten an den Straßenausgängen gehen, wenn es nötig wäre, ansonsten sollten die Kollegen unten möglichst unauffällig, am besten gar nicht sichtbar, ihrem Dienst nachgehen.
Verdächtig waren speziell Sallagar und jede Person, auf die entweder die bisherige Beschreibung zutraf und die auch nur einen etwas eingehenderen Blick auf diesen Aushang warf, oder jede Person, die den Aushang trotz des schier endlosen Geschwallers darin aufmerksam studierte.

Bei Letzteren sollte geprüft werden, ob sie angaben, im Auftrag von jemand anderem zu handeln, beim geringsten Verdacht sollte die Spur augenblicklich zum Auftraggeber zurückverfolgt werden.
Herr Sallagar sollte in jedem Fall festgesetzt werden, allerdings hofften hier die mit dem Fall beauftragten Gardisten, daß er so viele Fehler wie möglich bis dahin machen möge. Der Aushang sollte sein erkennbares Interesse wecken, vielleicht lockte es ihn gar ins Kastell, daß die Gardistinnen Morgentau und von Elbenau sich während der nächsten Zeit nur in privater Kleidung im Kastellhof aufhalten sollten.
Es galt, so täuschend wie möglich den irrtümlichen Eindruck zu erwecken, daß man den Forderungen des Folterers und Mörders nachkäme, doch die Anweisungen des Hauptmannes waren klar gewesen:
Die Grafschaft mitsamt der Garde hatte nicht auf Erpressungen einzugehen, so bitter dies anmuten mochte. Doch angesichts der Menge an Indizien und Aussagen, die auf Sallagar hinwiesen, hatte er die Erlaubnis gegeben, ihn festzunehmen und zu verhören, zusätzlich seine gesamte Habe am Leib und in seinem Besitz, sei es in Haus oder Bankfach, zu durchsuchen...

"Verrate dich, los, verrate dich selbst!", dachte Darna immerfort, während sie in der weiten Arbeitskleidung, die sie manchmal für ihre Arbeiten als Knappin trug, auf dem Kastellhof herumwanderte.
Immer wieder kreisten ihre Gedanken um das Paket, das Entsetzen, daß es in ihr geweckt hatte, die gesamte Abscheulichkeit dieses widerwärtigen Falles - und die harte Prüfung, sich trotz all dieser Dinge nicht dem blinden Wunsch nach Rache hinzugeben.
"Wir brauchen stichhaltige Beweise, und wir werden sie kriegen. Und dann gehört er vor ein ordentliches Gericht. Wir sind hier, um die Wahrheit herauszufinden, nicht, um das zu erzwingen, was wir uns lediglich wünschen und vorträumen, weil es am leichtesten ist..."
Ihr Blick wanderte zum Himmel, und immer nochmal wiederholte sie still für sich eine Zeile ihres Gebetes: "Herrin Temora, im Lichte deiner Gerchtigkeit erhebe ich mein Antlitz, um meine Augen zu öffnen für alles, was wahr ist..."
Inzwischen war ihre eigene Sorge und Vorsicht so groß, daß sie dick wattiert unter die weite Tunika ein kurzes Übungskettenhemd gezogen hatte. Sie hatte so lange daran herumgezogen und es gerichtet, bis es bei normalen Bewegungen kaum noch zu hören war. Stattdessen meinte sie fast, ihren eigenen Herzschlag zu hören, immer wieder mehr und mehr gehetzt wirkende Blicke zum Kastelltor werfend.
Es war sicher das Geringste, was er angerichtet hatte, doch er hatte es auch geschafft, daß sie mit ihren Nerven nahezu am Ende war...

Zum Anwesen der Gryffenhorsts war indes ein einfacher Bote unterwegs, suchte nach Lady Rika von Gryffenhorst, mit der eindringlichen Bitte, sie möge unter Bewachung zum Kastell kommen, es brauchte ihre alchemsitischen Kenntnisse für den Mordfall.

Verfasst: Samstag 4. März 2006, 19:33
von Rika von Gryffenhorst
Nachdem sie nun schon zum dritten Mal ein und dieselbe Seite des Buches gelesen hatte und sie noch immer nicht wußte, was eigentlich darauf stand, schlug sie das alchemistische Werk mit einem Seufzen zu. So wenig sie es sich auch eingestehen wollte, aber die Geschehnisse und vor allem diese endlose Warterei, stehts bewacht, stehts unter den Augen eines Gardisten, fing an, ihr mächtig an die Nerven zu gehen. Keinen Schritt vor die Tür durfte sie ohne ihre menschlichen Schatten setzen, gar bis nach Bajard zu reisen war ein Ding der Unmöglichkeit.
Bajard - Raphael.
Zärtlich strichen die filigranen Hände der Heilerin über den Bucheinband, als sich ihre Blicke in der Ferne verloren. Raphael. Wie lange war es nun schon her, seit sie das letzte Mal etwas von ihm gehört hatte. Doch mindestens seit dem Brandanschlag und mittlerweile mußte er doch davon erfahren haben. Sicher, durch die Bewachung des Hauses und der ständigen Begleitung einer Leibwache war es nicht ganz einfach, sie zu treffen, doch er hatte doch immer behauptet, er schlüpfe an jeglichen Hindernissen vorbei....
War sie ihm vielleicht schon...
Rika brach den Gedanken ruckartig ab.
Der Ruf ins Kastell kam ihr gerade recht, er würde sie auf andere Gedanken bringen.

Verfasst: Samstag 4. März 2006, 20:10
von Rafael de Arganta
Bitte Löschen
Danke

Verfasst: Samstag 4. März 2006, 20:11
von Michael Deliza
Oh diese Ignoranten.
Sie hatten ihn festgesetzt und er zermartete sich den Kopf darüber welche Beweise sie haben könnten.
Keine! Nicht einen einzigen.
Zudem kam das er einen wichtigen... GAST in seinem Haus hatte. Würden sie wirklich annehmen und glauben das Er der jenige war der die Gardistin entführt hatte, so mussten sie ihn alleine deswegen schon laufen lassen, denn... Leonora lagt gefesselt und geknebelt in seiner kleinen Hütte und würde ohne Wasser sicherlich nicht lange aushalten.

Er lächelte still vor sich hin während er auf sich auf die Bank setzte.
Oh ja, er würde sogar noch weiter gehen.
Sie hatten ihn ohne Stiefel in die Zelle gesperrt ... Barfuss könnte er sich doch auch noch eine Erkältung holen. Man hatte ihn seiner Würden beraubt, als man ihn fesselte und auch als man ihn herumriss und er mit dem Gesicht gegen die Wand knallte.
Keine Schuld des Gardisten, obwohl dessen Gesicht mehr aussagte als jedes Wort. Zu gerne hätte der Gardist wohl wirklich Hand angelegt.
Welch Hohn. Sie spielten sich selber aus.

Auch jene Gardistin ... Leonora Morgentau ... Warum bei allen Göttern war sie eine
Gardistin? Sie war doch viel zu hübsch dafür. Ein Kleid hätte sie tragen sollen... er unterbrach den Gedanken und grinste nun diabolisch. Nein ein Kleid trug sie nun. Aber sie sollte nicht in der Garde dienen. Eine Frau hatte in der Garde nichts zu suchen.
Neugierig wie sie war, hatte sie wohl irgendwie herausbekommen wo er seine Hütte hatte.
Sie hatte hineingeschaut und er hatte es zum Glück bemerkt, die Keule gefasst ihr diese über den Schädel gezogen und sie dann gefesselt in seine Hütte gezogen.
Statt das sie klein beigab oder Angst zeigte, beleidigte sie ihn so das er ihr wütend mit der
flachen Hand ins Gesicht schlug.
Und ihre Tränen reuten ihn sofort. Er wollte sie trösten doch sie beleidigte ihn erneut, doch bevor er dieses mal etwas tun konnte trat sie um sich, traf ihn vor das Schienbein so das er zurücktaumelte, und obwohl sie an den Händen gefesselt war, raffte sie sich auf und
stürzte sie sich auf ihn.
Eine wahre Wildkatze, oh wie sie ihm gefiel... hätte sie ein Kleid an!
Sie beleidigte ihn und er.. schlug erneut zu.
Seine Faust in ihrem Gesicht ließ sie zurücktaumeln und er setzte nach, doch sie war mit dem Kopf gegen die Wand geschlagen und nun endgültig bewusstlos.

„Dein Glück knurrte er.“
Dann fesselte er noch ihre Beine bevor er sich aufmachte nach Rahal. Wo er eine Schneiderin aufsuchte.
Er ließ sich von ihr beraten und kaufte ein modisches Kleid in rot, das er stolz mit zurück brachte.
Doch Leonora war noch immer bewusstlos.
Sich dessen noch einmal genauestens versichernd, löste er ihre Fesseln. Zog ihr den Wildlederwams und die Stiefel aus und zog ihr das Kleid über den Kopf.
„So siehst du wirklich viel Hübscher aus.“ Meinte er mit einem fast irrem Blick, während er ihre Hände und Füße wieder fesselte, und sie knebelte.
Dann nahm er eine Schere zur Hand und schnitt ihr den Zopf ab.
Oh ja das würde wirklich wieder ein schönes Geschenk für die Garde geben.
Diabolisch lächelnd machte er sich daran den Brief dazu zu schreiben, und machte sich dann auf nach Varuna um dort vor den Toren einen Boten zu suchen.
Dann versteckte er seine Sachen in einem Beutel unter dem Baum und schritt gemütlich und innerlich lächelnd gen Kastell.
Das man ihn dort festnahm ... nein das hatte er wahrlich nicht so geplant

Verfasst: Samstag 4. März 2006, 21:05
von Andrey von Greifenbach
Er traute seinen Augen nicht.

Er schritt gerade die Treppe des Kastells herab, auf der Suche nach irgendeinem seiner Kollegen. Keiner da. Keiner, ausser...

Sallagar.

Fassung bewahren. Sachlich bleiben, sich nichts anmerken lassen. Wenn jetzt was schiefgeht....
Der Mann, den sie suchten. Der Mann, den zumindest er persönlich für all das verantwortlich machte, was sie in den letzten Tagen durchgemacht hatten. Es war wirklich schwierig, ihm nicht sofort an den Hals zu fallen. Oder mit seiner Klinge den Scheitel Sallagars etwas zu richten.
"Kann man helfen?" - "I Ist Da Da Darna da?"
Sicher, das passte ja. Wen wollte er auch wohl sonst sprechen?

Darna kam just in diesem Moment, in Zivil. Sie hatte die gleichen Schwierigkeiten, sich nichts anmerken zu lassen.
Sie mussten die Gelegenheit nutzen. Darna stellte sich dabei recht geschickt an...Warf ihm einen Apfel zu und nutzte diese Situation.
"Betrachtet es als euer Abendbrot. Ihr seid verhaftet."
Sein gespielt-freundliches Lächeln gefror zu einem harten Grinsen. Sein Schwert fuhr sirrend und weich wie Butter aus der Scheide. Sallagar hingegen war wohl ein guter Schauspieler. Fassungslos, erbost.

Die Verhaftung ging schnell vonstatten. Immerwieder betonte Sallagar, er hätte ja nichts getan, er wäre unschuldig. "I I Ich will de de den Hauptmann sprechen....oder de de den Grafen!"
Dazu würde er noch früh genug Gelegenheit bekommen...
Während Sallagar schon abführbereit war, klopfte es. Ein Junge, nicht älter als 12 Winter, überbrachte ein Paket.

Der Inhalt dieses Paketes veranlasste fast, das er Sallagar -wirklich-Schlimmes antat.

Leonora..Nein! Dieses Schwein!

Ein Armreif, ein Ring, ein Haarzopf und ein Teil einer Gardistenschärpe.

Alles Besitz von Leonora Morgentau. Seine Kollegin, die ihm in den letzten anstrengenden Tagen wirklich unterstützt hatte und welche ihm sehr ans Herz gewachsen war.
Es war auch ein Brief in jenem Paket.

[url=http://www.alathair.de/forum/viewtopic.php?t=7613]Der Brief[/url]

"DAS.....DIESES SCHWEIN!!!"


Er war ausser sich vor Wut. Wie konnte sich dieser....dieses kranke Wesen dazu erdreisten....Der Finger. Die Haare. Die Drohungen.
Kranke Tatsachen aus einem kranken Hirn.
Im folgenden verhielt sich Adrenalon gewiss nicht wie ein diszipliniertes, trainiertes Mitglied der königlichen Garde. Geleitet durch Abscheu...Wut...ja Hass gar, geleitete er Sallagar zusammen mit Darna in seine Zelle. "Einen Mucks. und.....Und wenn du Leomora etwas angetan hast....dann Gnade dir Temora!

Er war wahrlich nicht zimperlich. Sallagar hatte einen unangenehmen Kontakt mit der Zellenwand. Und sollte Leo etwas passieren...


...Dann würde es gewiss nicht dabei bleiben.

Verfasst: Samstag 4. März 2006, 21:23
von Andrey von Greifenbach
Im Nachhinein wurde ihm bewusst, dass sein Handeln und seine Worte schlimme Folgen haben konnten. Was, wenn er nun doch garnichts mit der Ganzen Sache zu tun hat? Wenn wir uns gewaltig geirrt haben?
Nein, das konnte und durfte nicht sein. Alles sprach gegen Sallagar, und sie würden sich Gewissheit holen.
Wäre Darna nicht dabeigewesen, er hätte wirklich etwas Schlimmes getan, das wusste er. Aber Darna konnte ihn mit ihrer Sachlichkeit wieder auf den Boden befördern, und dafür war er ihr dankbar.

Kurze Zeit später brach sie zusammen. Sie litt immense Schmerzen, und Adrenalon war ziemlich ratlos. Er fing sie, als sie fiel, und reichte ihr mit kaltem Wasser getränkte Bandagen. Mehr wusste er nicht zu tun...er fühlte sich hilflos. Darna kam wieder auf die Beine...etwas blass im Gesicht und seiner Meinung nach ganz und garnicht gesund. Als er nachfragte, gab sie ihm subjektiv gesehen recht unbefriedigende Antworten, jedoch wollte er nicht zuweit nachhaken. Er konnte nicht mehr als ihr seinen Beistand versichern....Man würde sehen.


Sie besprachen das weitere Vorgehen. Beide hatten sich soweit beruhigt, das sie wieder sachlich an die Sache herangehen konnten, und Darna machte nach gewisser Zeit sogar wieder einen recht fitten Eindruck. Alles war deutlich auf der Hand: Bankfach durchsuchen, Hinweise finden.
Nun musste schnell gehandelt werden. Er rief eine Anzahl ausgesuchter Kollegen, und mit der Erlaubnis des Hauptmannes würden sie suchen....

Suchen nach Gift, nach braunen, beschädigten Kleidern. Nach einer Maske, nach Überresten von Öl.


Und vielleicht nach einem Schlüssel..ein Schlüssel zum Leidensort Leonoras.

Verfasst: Sonntag 5. März 2006, 18:02
von Darna von Hohenfels
Fertig

Adrenalon hätte sie so nicht sehen dürfen - das Vorbild einer im Alltag gänzlich gefassten und stets höflich-beherrschten Person wäre gewiss endgültig verloren gewesen.
Aber es war kein Alltag. Es war ein Tag, den sie sich eigenmächtig und recht spontan freigenommen hatte, ihrem Hauptmann und Ritter lediglich eine kurze Nachricht hinterlassend:
"Ich brauche einen Tag Ruhe, Sir. Ihr werdet ermessen können, warum. Ich bin beim Schrein der Beugung.
Darna"

Sie hatte sich nicht mal umgezogen, nur hinter dem Gebirge die Rüstung ab- und die Ausgehuniform angelegt - es waren die Wälder der Elfen, das wusste sie inzwischen. Sicher, trotz aller Dunkelheit, hatte sie den Weg zu der kleinen Insel gefunden, vor dem Schrein wenige Worte gesprochen:
"Ich bitte um deine Obhut in dieser Nacht, gütige Herrin - nicht nur für mich, sondern auch für die anderen Menschen, die litten wie ich."
Aradan, Sallagar, Leonora, Adrenalon... an keinem waren die Ereignisse der letzten zwei Wochen spurlos vorrübergegangen.
"Was seht Ihr, wenn Ihr einen Baum seht, Knappin?"
Sie hatte über die seltsame Frage nicht weiter nachgedacht, sondern sich nur in den blauen Dienstmantel gewickelt und unter dem Blätterdach der alten Birke, die dort alleine wuchs, schlafen gelegt.

Vogelzwitschern hatte sie geweckt - und ein derartig friedliches, behütetes Gefühl, daß sie nun weinte, dem ganzen Schrecken und Kummer der letzten Tage gestattete, auf diese Art einen Weg nach draußen zu finden und sie zu verlassen.
Danach schlief sie ein weiteres Mal für ein paar Stunden, verbrachte den ganzen Tag in zunehmender Ruhe und Gelassenheit... und ohne, daß ein Wort ihre Lippen verließ. Sie sah einfach keine Notwendigkeit dazu, es waren die letzten Tage genug Worte gesprochen worden, verletzende, schockierende, tröstende... es reichte. Temora hörte sie heute gewiß auch so und dankbar sog sie den Frieden dieses Ortes in sich auf wie ein Stück ausgedörrte Erde den Regen.
Im letzten Licht des Tages hatte sie genügend Festigkeit gefunden, um sich mit aller nötigen Distanz an den Abschlußbericht zu setzen, sachlich alles zusammenzufassen, was geschehen war. Es war so erschreckend viel, doch es war hoffentlich vorbei.

"Was dürfen wir uns anmaßen, als gerechte Strafe anzusehen? Was, wenn schon Sallagars Leiden gerechte Strafe für den Mord an seinem Bruder war, nur der unausweichliche Lohn für Brudermord? Er tut mir leid, aber wer gibt mir das Recht, ihn zu verdammen oder Absolution zu erteilen, ihn für schuldlos zu halten?"
Sie senkte den Blick.
"Niemand.
Es besteht auch gar keine Notwendigkeit dazu. Die Heiligkeit wird sich seiner annehmen oder nicht, der Rat wird richten... was von all dem dürfen wir, was ist verkehrt, was ist notwendig? Ich habe das ungute Gefühl, wir müssen mehr, als wir sollten. Wir sollten nicht über andere richten müssen."

Sie beobachtete, wie die Sonne begann, als roter Ball auf die Ausläufer des Gebirges niederzusinken.
"Aber wir müssen es. Das Dunkle zieht an seiner Waagschale und es reicht nicht, dem traurig zuzusehen. Ich wünschte, es wäre anders."

Es kam diesmal kein Seufzen über ihre Lippen bei diesen Gedanken, denn es war nichts mehr, dem sie sich machtlos gegenübersah. Sie hoffte, all dies endlich hinnehmen zu können, und doch nicht tatenlos zuzusehen.
"Es gibt keine Erklärung für sinnlose Grausamkeit. Oder wohl keine, die ein sterblicher Geist begreifen müssen sollte."
Sie blieb auch die kommende Nacht, und am Morgen dankte sie vor dem Schrein Temora und begab sich auf den Weg zurück nach Varuna.

Verfasst: Dienstag 7. März 2006, 19:43
von Darna von Hohenfels
Zusammenfassender Abschlußbericht des Falles "Saygan/Sallagar"

Temora und Reich zur Ehr, gegeben am 6.Lenzing 249

Am 21. Eisbruch des Jahres 249 wurde Rouven Alestra, seines Zeichens ehemaliger Hauptmann der königlichen varuner Garde, tot vor seiner Wohnstatt, dem Haus des Ehepaares Gray und Marian Darinor, aufgefunden.
Dem ermittelten Tathergang nach hat im Garten eine bewaffnete Auseinandersetzung stattgefunden, Alestra erlitt nur wenige nicht lebensgefährliche Verletzungen, bis Saygan mittels des Einsatzes von Gift den Tod seines Opfers herbeiführte.
Die Ermittlungen lassen den Rückschluß zu, daß Alestra nur bedingt das ausgewählte Ziel war, sondern die Planung Herrn Saygans darin lag, Frau Darinor zu töten, die sich zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht im Haus befand.

Beweismittel: - Giftpfeil von der Leiche Rouven Alestra
- am Tatort gefundener Fetzen brauner Umhangstoff
- an der Leiche hinterlassene Nachricht A
- Schwert aus dem Besitz Saygans
- brauner Umhang mit Beschädigung in Form des gefundenen Fetzens
Zeugen: - Oberst-Leutnant Gray Darinor (Finden der Leiche)

Am 24. Eisbruch 249 wurde in der Nacht zum 25. Feuer am Dachstuhl der Villa von Gryffenhorst zu Varuna gelegt, die Tür mit Brettern von außen verbarrikadiert und ebenso angezündet. Die Untersuchungen durch einen Dachdecker ergaben größere Mengen an Öl auf dem Dach, durch das mithilfe von hinaufgeworfenen Fackeln ein flächendeckendes Feuer verursacht wurde.
Zur Tatzeit befand sich die Freiin Rika von Gryffenhorst schlafend im Haus. Unter Einsatz der Garde, Helfern aus der Bevölkerung und mit der magischen Bannung des Feuers durch seine Hochgeboren Calor von Gryffenhorst konnte die Freiin aus dem Haus gerettet und der Brand gelöscht werden.
Grund für die Brandstiftung war die geplante Rache am ehemaligen Richter Calor von Gryffenhorst, der durch das Geschehen seine Schwester verlieren sollte, als Vergeltung dafür, daß durch sein Urteil dem Täter damals der Bruder genommen wurde.
Die Ermittlungen machten den Fall "Rodolopho", ehemaliger Gardist, im Eluviar des Jahres 248 auffällig, dessen Bruder Saygan/Sallagar bis dato unbekannt war.
Die beiden Nachrichten des Täters wurden in der Akademie zu Tirell als mit gleicher Handschrift verfasst ausgewiesen.

Beweismittel: - auf dem Dach gefundener Rest einer Fackel
- ölgetränkte Holzdachschindel
- an der Hecke des Tatortes hinterlassene Nachricht B
Zeugen: - Freiin Rika von Gryffenhorst
- Anwesende bei der Löschung des Brandes, unter anderem Freiherr Calor von Gryffenhorst, Herr Cyrion Sha'Ar, Feinschmiedin Alliestra
- Dachdeckermeister Rodewick Bochsbansen

Am 27. Eisbruch 249 wurde durch Herrn Sallagar eine Nachricht zum Kastell gebracht, die erneut dem Täter zuzuschreiben war. Nachfragen zum Aussehen des Täters ergaben erste Beschreibung einer männlichen Person, etwa 1,70 Schritt groß, braunen langen Haaren, einer ungefärbten Robe über hellgrauer Lederkleidung, die Stimme dunkel, nicht näher zu beschreiben. In der Nachricht wurde der Brand genauer als Rache ausgewiesen und die Forderung gestellt, alle weiblichen Gardisten bis zum Mittag des nächsten Tages aus der Garde zu entlassen.

Beweismittel: - Nachricht C
- beschriebene Kleidungsstücke aus dem Besitz von Herrn Saygan/Sallagar

Am 27. Eisbruch 249 brachte Frau Emma Uhlenhoff, Inhaberin des östlichen Bauernhofes vor Varuna, einen Pferdediebstahl zur Anzeige. Der Täter wurde als männliche Person, etwa 1,70 Schritt groß, mit braunen Augen beschrieben. Er habe eine Maske und hellgraue Lederkleidung getragen, zudem trug er eine Gardistenschärpe und einen Umhang, die der Gardezeit unter Rouven Alestra zuzuordnen waren.
Der Mann habe vorgegeben, ein Pferd kaufen zu wollen, und sich mit dem Schimmel in einem Moment, wo Frau Uhlenhoff im Stall verweilte, widerrechtlich entfernt.
Kurze Zeit später wurde am Kastell ein Junge namens Max vorstellig und brachte die erwähnte Gardekleidung, die nahe beim Hof fortgeworfen worden war. Nachforschungen in den Versorgungsquartieren ergaben, daß keine Ausstattung aus dieser Zeit speziell vermisst werde.

Beweismittel: - Gardistenschärpe, tintenblau
- Gardistenumhang, tintenblau
- Schimmel, von Frau Uhlenhoff als Tier ihrer Zucht und Verlust des Tages identifiziert
Zeugen: - Bäuerin Emma Uhlenhoff
- Junge Max (Frau Uhlenhoff bekannt)

Am 28. Eisbruch 249 fand ein berittener Angriff auf einem weißen Pferd statt, der Marian Darinor als Ziel hatte und von Gardist Adrenalon als Geleitschutz vereitelt werden konnte. Der Ausruf des maskierten Reiters in brauner Kleidung kündete von persönlichem Haß und Rachegelüsten gegen Frau Darinor.
Ein Zusammentreffen mit Herrn Sallagar kurze Zeit nach dem Angriff ließ Frau Darinor bekunden, daß ihr der Mann bekannt vorkäme, ohne daß sie das Stottern zuordnen könne. Im Zuge der Ermittlungen wurde von entsprechender Ähnlichkeit der Geschwister Rodolopho und Sallagar ausgegangen.

Zeugen: - Marian Darinor, ehemalige Gardistin

Am 2. Lenzing 249 wurde im Kastell ein Paket abgegeben, das einen mit Blut verschmierten, abgetrennten Finger beinhaltete. Zusätzlich ein Schreiben mit der abermaligen Forderung, die Entlassung aller weiblichen Gardisten zu verkünden, andernfalls würden an dem wahllos gefangenen Opfer weitere Verstümmelungen vorgenommen.
Nach Aussage des inhaftierten Saygans wurde der Finger einem bereits Verstorbenen abgenommen und mit seinem eigenen Blut ergänzt, als Nachweis deutete er auf eine verheilte Handverletzung. Bei der Durchsuchung seines Quartiers wurden keine Hinweise auf die Anwesenheit weiterer Personen gefunden, so daß von der Richtigkeit dieser Aussage ausgegangen wird.
In einem Versuch, der Erpressung nur scheinbar nachzukommen, wurde ein Aushang am Kastell angebracht, der recht leicht für Informierte den irrtümlichen Eindruck erwecken kann, daß tatsächlich eine Entlassung stattgefunden hätte. Es trafen im weiteren Verlauf des Falles keine weiteren Gliedmaßen ein, und Herr Sallagar sprach am 4. Lenzing gegenüber der zivil gekleideten Gardistin von Elbenau bedauernde Worte, daß sie angeblich nicht mehr im Dienst sei.

Beweismittel: - Paket mit abgetrenntem Finger
- Nachricht D

Am 4. Lenzing 249 wurde Herr Sallagar wegen dringenden Tatverdachts im Kastell verhaftet. Noch während seiner Verhaftung wurde ein weiteres Paket abgegeben, das wieder vom Täter stammte und eine plausible Zeitspanne vor dem Eintreffen von Herrn Sallagar an den Boten übergeben wurde.
Darin verschiedene Besitztümer von Gardistin Leonora und die Nachricht, daß sie vom Täter entführt wurde. Der Text offenbarte den Erpressungsversuch, Ritter Quarius de Lore zukünftig als Richter von Varuna einzusetzen. In Anbetracht der Tatsache, daß Ritter Quarius im Fall "Rodolopho" eine der wenigen Personen war, die sich für den Hingerichteten eingesetzt hat, ein nachvollziehbarer Kontext.

Beweismittel: - Paket mit Besitztümern der Gardistin Morgentau
- Nachricht E
Zeugen: - Gardistin Morgentau als Entführte

Im Zuge des Verhörs von Herrn Saygan/Sallagar durch Hauptmann Krenor offenbarten sich die letzten Zusammenhänge der Taten, der Verdächtige wurde geständig.
Dabei zeigte sich das Phänomen, daß in der Person von Herrn Sallagar geistig zwei Personen gänzlich unterschiedlichen Charakters vereint zu sein scheinen. Der Verdächtige Sallagar zeigte sich als kooperativ und der Garde wohlgesonnen, stottert und ist des Schreibens und Lesens nicht mächtig, während der Verdächtige Saygan sich durchgehend für die Verbrechen verantwortlich zeigt, nicht stottert und schreibkundig ist.
Wie genau es um den Geisteszustand des Verdächtigen bestellt ist, liegt nicht im Urteilsermessen der Garde, es wird dringend empfohlen, entsprechende Kapazitäten auf diesem Gebiet zurate zu ziehen.
Während des Verhörs teilte der Verdächtige Sallagar mit, daß Saygan einst sein leiblicher Bruder gewesen sei, den er in der Absicht der Vereitelung einer Mordtat erschlagen und in einen Brunnen geworfen habe, als Saygan ein 12-jähriges Kind zu Tode brachte. Seitdem habe er stets die Stimme seines Bruders vernommen, seit der Hinrichtung seines zweiten Bruders Rodolopho habe dieser jedoch begonnen, zeitweilig körperliche Kontrolle über ihn zu gewinnen.

Auflistung der Anklage
Saygan: Mord an Rouven Alestra, Brandstiftung an der Villa Gryffenhorst, versuchter Mord an Freiin Rika von Gryffenhorst, Pferdediebstahl, Angriff mit Tötungsabsicht auf Marian Darinor, Leichenschändung, Entführung einer Gardistin, versuchte Erpressung, Widerstand gegen die Obrigkeit, Kindstötung

Sallagar: Mord am Bruder Saygan

Verfasst: Dienstag 7. März 2006, 21:01
von Darna von Hohenfels
Fünf Flaschen Wein. Fünf Flaschen, die aus dem verschüchterten Sallagar mit zuverlässiger Sicherheit den mordenden Unhold Saygan machten. Aradan war außer sich vor Wut, so brüllte er selten - doch der gefährliche Teil des Gefangenen musste die gutgemeinte Anweisung des Hauptmanns, ihm normale Verpflegung statt der üblichen Versorgung für Zelleninsassen zu geben, schamlos bei einem ahnungslosen Gardisten ausgenutzt haben.
Eine der Flaschen zersplitterte und der scharfkantige Rest wanderte an seine eigene Kehle.
"Glaubt mir, ich wage vieles... entweder, ich bin tot... oder ich wage es, dann sind wir beide tot... er und ich. Ich schau doch nicht zu, wie ihr mich tötet und diesen Nichtsnutz am Leben lasst!
...
Wo ist euer Mitleid...? Temorianer..."
"Versucht nicht, Mitleid in mir zu wecken."
"Versucht ausgerechnet Ihr nicht, Mitleid in mir zu wecken", stellte sie die Worte, die man Rafael als seine eigenen Worte vorgeworfen hatte, in die richtige Betonung und musterte den Mann, der auf irrsinnig verdrehte Weise gerade sich selbst bedrohte, denn es war nicht Saygans Körper - egal, ob tatsächlich zwei Seelen in diesem Körper ruhten oder das schwache Gemüt Sallagars sich hinter der eigenen Brutalität versteckte und ihr einen anderen Namen gab.
Es lag nicht an ihr, darüber zu urteilen, und dafür war sie dankbar. Sie war für diesen Tag Ruhe gestern dankbar, an dem sie ihre eigene innere Stärke ausruhen und damit wiedergewinnen durfte, gefestigter als zuvor.
Sie wusste nur eins: Dies hier musste enden. Es musste aufhören, daß Saygan sich in diesem Körper unbegrenzt austobte und alles, was ihm nahekam, in Gefahr brachte. Er brachte nun sogar sich selbst in Gefahr.
"Schluß jetzt. Saygan sollte besser von Sallagar lernen, statt anders herum."

"Na kommt..stecht endlich zu...dann erspart Ihr denen auch noch Arbeit. Hat doch sowieso keinen Zweck..raus kommt Ihr hier nicht..also warum warten?"
War jetzt auch Herr Casini vom wilden Affen gebissen? Sie betete, daß seine Worte ignoriert werden würden - Saygan würde sich nur an all dem Leid, was er damit verursachen würde, noch weiden, sich womöglich selbst verstümmeln, nur um ihnen und seinem eigenen Bruder zu schaden.
"Herr Hauptmann?", flüsterte sie sehr leise zu ihm, den Blick unverwandt auf dem Gefangenen, "Darf ich versuchen, mit ihm zu reden? Und Herr Casini sollte hier raus..."
Für Groll war keine Zeit. Er hatte keine Ahnung, was hier vorlag, es war nicht einmal Zeit, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Alles, was wichtig war, befand sich gerade genau vor ihr, und sie konzentrierte immer mehr ihre Aufmerksamkeit darauf. Nein, sie begriff ihn nicht, und das war gut so - doch sie glaubte, hoffte, betete, ein paar der Muster, wie er gestrickt war, dennoch verstanden zu haben.

"Ihr müsst ihn hervorholen, Gardistin...", flüsterte ihr Hauptmann zurück. Hervorholen... Sallagar... "Euch mag er. Also - sprecht mit ihm!"
Sie brauchte Platz. Sie brauchte keinen Casini, der ihn noch weiter anstachelte, doch einfach zuzustechen.
"LOS JETZT, GARDISTIN!" - Aradan herrschte sie fauchend an, das hatte er noch nie getan. Er war vermutlich ebenso mit den Nerven am Ende, es fiele schließlich in seine Verantwortung, wenn Sallagar etwas zustieße. Er tat ihr leid, und sie hoffte, ihm zu helfen, indem sie Sallagar half. Ruhig stellte sie ihren Schild beiseite - dies musste ein Kampf mit offenem Visier werden, kein Verstecken. Wie sehr hätte Saygan dies sonst bestärkt, in Hemd und Hose mit einer kaputten Flasche bewaffnet, gegen eine gerüstete Gardistin, die sich auch noch hinter einem Schild verkroch?

"Herr Saygan?", fragte sie ruhig, gelassen, als wolle sie ihn neben all den hochwallenden Gefühlen hier nur nach der Uhrzeit fragen. Der Gefangene ließ sich gerade in Spottgesängen aus, die er unbeholfen zusammenreimte. Wie überlegen er sich wohl gerade vorkäme, dabei eigentlich mit dem Rücken zur Wand stehend...
"Ihr solltet nicht nur Eure Worte Eurem Bruder überlassen, sondern auch Euren... Gesang."
Ein Zögern. Unsicherheit?
"Mein Bruder ist... weg!" Er legte die freie Hand vor die Lippen, "Psst! Er schläft."
"Das ist bedauerlich", erwiderte sie ernst, langsam nickend, "Sehr bedauerlich - Ihr könntet sonst viel von ihm lernen."
"Er... ER ist es, der von MIR lernt!", brüllte Saygan los. "Von mir, verstehst du!"
Ja, sie hatte ihn.
"Dieser Jammerlappen heult immer nach mir, wenn er nicht weiterkommt."
"Das braucht er nicht", entgegnete sie mit der ihr eigenen feststellenden Sachlichkeit, "Und eigentlich weiß er das inzwischen. Vorgestern wusste er es..."
Vorgestern... als sie in einem nur winzigen Moment bei seiner Zelle unachtsam gewesen war, hatte Saygan sie durch die Gitter gepackt und zu zu erwürgen gedroht. Sallagar war es, der gegen den finsteren Teil in sich gekämpft und damit dafür gesorgt hatte, daß der Griff sich löste, daß sie sich retten konnte.
Diese Kraft Sallagars brauchte sie jetzt, sie wollte ihm helfen, sich selbst besiegen zu können, doch dafür musste dieses furchtsame Wesen gestärkt und bestätigt werden.

"Es erstaunt mich auch, daß Ihr Sallagars Stärke so maßlos unterschätzt... Er hätte Euch in all den Jahren eigentlich weit mehr Vorbild sein können. Er wollte Euch aber wohl nicht zu sehr das Recht nehmen, eben so zu sein, wie Ihr seid... bedauerlich."
Tatsächlich tat er ihr leid. Sie taten ihr sogar beide leid, es schien alles so verdreht und falsch. Wie oft hatte Sallagar darunter leiden müssen, wegen seines Stotterns nicht ernst genommen zu werden? Wie oft war er ausgelacht worden? Und wie weh das tat, wusste sie ja nur zu gut.
"Er ist der Schwache, der Stotterer, er braucht meine Hilfe!"
"Nein - Ihr brauchtet seine." Wie wenig war ihm das noch klar? Ohne Sallagars Körper könnte er doch gar nicht existieren. Ohne das Zurückweichen des Bruders hatte er doch keine Macht.
"Er hätte auf sein Herz hören sollen, er kann es immernoch - das hat er vorgestern bewiesen. Ich möchte ihm gerne noch danken. Ich bin sicher, er hört mich..."
"Lasst ihn schlaaaaaaaafen!"
"Nein", antwortete sie bedauernd, "Er musste lange genug schlafen. Es wird Zeit, daß er aufwacht. Denn es könnte sein, daß ich gleich wieder seine Hilfe brauche" - damit ging sie langsam zur Zelle und öffnete die Tür.

Sie hatte ihn gereizt, unter Druck gesetzt. Sie hatte ihn geistig an den Rand der Klippe gedrängt und hoffte trotzdem, daß er nicht springen und seinen gutherzigen Bruder mit ins Verderben reißen würde. Doch er presste sich schon die Hände an die Ohren, konnte sich anders nicht mehr gegen sie wehren... es war Zeit, daß Sallagar diese von ihr geschwächte Hürde überwand. Noch immer stand Saygan vor ihr, die Flasche in seiner Hand zitterte. Sie stand in der Zelle, die Tür hinter sich geschlossen. Sie kam ihm nicht näher, doch es war nichts greifbares mehr zwichen ihnen.
"Raus mit Euch! Oder ich bringe Euch um" - es war kaum noch mehr als ein Keuchen.
"Ich werde nicht gehen. Er war lange genug alleine."
Es reichte. Der nächste Moment zog sich träge wie Brei hin, obwohl so vieles auf einmal passierte - Saygan holte tief Luft und stürzte mit einem wütenden Aufschrei auf sie zu, doch hörte sie genauso hinter sich das erschrockene "Knappin!" von Aradan. "Sallagar", rief sie selber, nur halblaut, bittend - es brauchte ihn und niemand anderes. Im Angriff hatte Saygan die Flasche wie zum Stich erhoben, und instinktiv riß sie schützend den rechten Arm vor ihr Gesicht. "Aber du musst ihn halten! Fang ihn auf!" Ihre linke Hand streckte sich vor... und mit einem verzweifelten
"NEEEEEIIIIIIIIIIIIIN!" stolperte er, brach vor ihr in die Knie wie tödlich verwundet. Sie griff zu, fing ihn auf, in all dem Lärm ging ihr eigenes erleichtertes Ausatmen unter.
"Lasst ihn endlich los", flüsterte sie energisch, "Er braucht Euch nicht."
"He... he.. helft mir", heulte der Mann vor ihr und sie nickte.
"Ja. Wir werden Euch helfen, keine Angst."

Dieses wimmernde Häufchen Elend vor ihr... vor das Bett verkrochen, die Arme um die Knie geschlungen, weinend - sich seiner eigenen Kraft kaum erst bewusst. Das Gespräch mit Saldor kam ihr wieder in den Sinn.
"Ihr helft den Leuten nicht, Ihr verlängert nur Ihr leiden. Ihr helft ihnen, doch ohne Euch fallen sie wieder hin."
"Ich helfe ihnen, aufzustehen. Helfe ihnen, daß sie die Kraft finden, selber eines Tages stehen bleiben zu können."

"Sallagar... Ihr habt selber die Bestimmung darüber, wieviel Kraft Ihr beweisen wollt."
"I.. i.. ich ha ha habe ihn ... be be besie sie siegt heu heu heute, wie wie wieder ei einmal."
"Ja, das ist etwas, was Ihr alleine erreicht habt. Und Ihr könnt es wieder, wenn Ihr wollt."
"G... g... geht be be besser... er er ... wi wi will di di dich t ttöten."
"Dann sagt ihm bitte etwas...", antwortete sie leise, "Dazwischen steht ein Mensch, der die Kraft hat, ihn aufzuhalten und dem ich vertraue."
"Ich wi wi will sei sei seine Sti Sti stimme ni ni nicht m .. m.. mehr h h hören."
Sie atmete leise aus und antwortete nachdenklich: "Ich glaube, so eine Stimme hört jeder. Die Frage ist, ob wir auf diese Stimme hören sollten - und die Antwort ist 'nein'."
Er lag am Boden, war am Ende, und sie hatte dieses Bild aus ihren Träumen wieder vor Augen, dieses Bild einer offen dargebotenen Hand, die ihr kameradschaftlich Hilfe beim Aufstehen anbot. Sie wollte es weitergeben, den Trost dieser Geste.
Als er zögernd ihre bloße rechte Hand ergriff, zitternd, als könne er sich daran verbrennen, da tat sie nicht mehr, als sie angenehm fest und sicher zu ergreifen, kurz zu drücken, zu schütteln, als begrüße sie einen Freund.
"Das ist ein Kampf. Und kein leichter zudem", meinte sie ernst, "Aber niemand sollte den alleine kämpfen."
Und als er ihr dankte, hatte sie selten zuvor etwas so aufrichtig und innerlich gelöst ausgesprochen:

"Bitte. Gern geschehen."

Verfasst: Mittwoch 8. März 2006, 10:35
von Michael Deliza
Das wispern ihn ihm war für einige Zeit verhallt. Lange, lange Jahre war es in ihm gewesen und auf einmal schwieg er... schwieg er, doch er war noch da, das spürte Sallagar tief in sich.
Wie ein wundenes Tier, hatte sich Saygan zurück gezogen und wartete auf einen Moment da er wieder hervorschnellen konnte um Sallagar zu unterdrücken.
Oh ja, er spürte Saygans Hass.
Seinen Hass auf Darna die es geschafft hatte, das er eine Stärke gefunden hatte an der er festhalten konnte. Ihre Freundschaft, ihr Vertrauen in ihm.
Sie war für ihn da... für ihn! Saygan.
Er lächelte kaum merklich und spürte die Dankbarkeit in sich für diese mutige Frau, der er sich nahe gefühlt hatte, weil Sallagar sich im Stillen über sie lustig gemacht hatte.
Oh nein, diesen Fehler würde dieser jetzt wohl nie wieder machen.

Er hatte nie viel für die Götter über gehabt, hatte sich von ihnen verraten, allein gelassen gefühlt aber jetzt...
Der Ritter vor ihm, der Mitgefühl gezeigt hatte statt ihn einfach zu töten, Aradan sein Name und Darna... Temora mochte wirklich eine gütige Göttin sein, und Sallagar war drauf und dran zu beten. Er biss sich auf die Lippen als er den Wunsch verspürte, und hörte auch schon wieder das Lachen Saygans in sich.
Er presste sich die Hände auf die Ohren, als könnte das helfen, doch das Kichern blieb.
„Es ist vorbei!.“ Liess er sich im stillen vernehmen... klar und deutlich, denn in seinen Gedanken stotterte er nicht.
„Es ist vorbei für dich und bald für immer.“

Er stand auf und ging dann auf und ab.
Was würde geschehen wenn diese Heiligkeit käme? Alte Frau, hatte Saygan sie betitelt, aber Sallagar war sich ganz sicher das sein Bruder nur Angst hatte,. Angst vor dieser Frau.
Was sie tun konnte vermochte er nicht zu sagen. Er wusste nur das sich die Angst Saygans auf ihn übertrug und die Augen schließend versuchte er sich Darna vor zu stellen, die ihm die Hand hielt ihm Mut machte und ihre Worte das er jetzt nicht mehr alleine wäre.
Fast huschte ein Lächeln über seine Züge und fast ruhig innerlich den Zornesschrei Saygans verspürend setzte er sich wieder auf das Bett.
„Du wirst keine Macht mehr über mich haben. Niemals wieder!“
Dennoch untersagt er es sich zu schlafen. Er wusste das Sallagar es ausnutzen würde, und dann... er wusste nicht in wie weit er die Kraft wiederfinden würde, um die Oberhand zu kämpfen.
Als ein Gardist ihm das Essen brachte kam ihm eine Idee, und er bat den Mann um einige Momente.
Kö kö könntet i i ihr bi bi bitte ei ... ei... einen B... B... Brief für mi mi mich schr... sch... schreiben und etwas be be beso so sorgen?

Verfasst: Mittwoch 8. März 2006, 21:45
von Andrey von Greifenbach
Sie hatten ihn. Endlich.

Nachdem Saygan freundlicherweise schon des öfteren ein Geständnis abgeliefert hatte, sei es aus Wut, oder einfach nur weil er ein krankes Hirn hatte, gab es nicht mehr viel zu erledigen. Die Zellenwände vergassen nicht.
Der Umhang, die Waffe...die Kleidung. Dinge, die noch gefehlt hatten. Das würde im Endeffekt kein Problem darstellen, da war er sich sicher. Sie hatten genug.
Trotzdem hatte er sich zwei Kadetten an seine Seite geholt. Zwei Anlaufstellen hatte er sich überlegt, den Kutscher vor Varuna und den Bankverwalter Varunas. Beide waren erfahrungsgemäss oft gute Quellen gewesen, ging es um Informationen.
Schon der Kutscher hatte ihnen alle nötigen Informationen geben können, stellte sich doch heraus, das Saygan/Sallagar in den letzten Tagen häufig von ebenjener Gebrauch gemacht hatte. Der Kutscher beschrieb ihm einen Mann, der des Öfteren nach Bajard fuhr, in recht teuerer Kleidung. Ein Mann, dessen Statur genau die gleiche schien (und da zweifelte er nicht an der Auffassungsgabe des Kutschers, war doch eine seiner Hauptbeschäftigungen der Umgang mit Menschen), liess sich jedesmal, in Maske, Lederrüstung und braunem Umhang, kurz darauf nach Rahal kutschieren. Und genau ebendieser Mann fuhr auch desöfteren nach Varuna. Der Kutscher hatte ihnen erklärt, er wäre dann immer einige Schritte gegangen, und hätte sich dann ohne Ausnahme jedesmal an den gleichen Walnussbaum gelehnt.

Das hatte gereicht. Die Beschreibung des Kutschers passte haargenau auf Sallagar/Saygan. Nur der Walnussbaum...er hatte sich jenen zeigen lassen.
es hätte ja möglich sein können, dass er sich an jener Stelle immer mit einer anderen Person getroffen hatte. Oder er hatte nur dort eine für ihn wichtige Beobachtungsposition...Sie waren zu jenem Baum gegangen.
Einer der Kadetten hatte im Folgenden eine Stelle gefunden, an welcher die Erde relativ frisch aufgeworfen worden war.
es hätte grober unfug gewesen sein können..doch...
Alles passte. Sie hatten sich aus dem Kastell drei Schaufeln besorgt, und zu graben angefangen. Der Anblick, den sie dabei den vorbeigehenden Leuten bieten mussten, liess ihn im Nachhinein ein gequältes Schmunzeln aufsetzen.
Sie hatten einen in Öl getränkten Beutel, tief vergraben und sorgfältig verschlossen, gefunden. Der Beutel war gross und schwer, und es war direkt zu sehen, dass er unter anderem etwas Längliches enthalten musste. Er hatte auch nicht mehr gewartet. Mit einem Ruck war der Beutel geöffnet....

Ein brauner Umhang, beschädigt. Ein Bastardschwert, etwas schartig, die braune Kleidung.

Erledigt.
Hatte es Zweifel gegeben? Nein, gewiss nicht. Aber sicher war sicher....


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Darnas Abschlussbericht beinhaltet so ziemlich alle Fakten, die wir benötigen. Alles, was wir in den Tagen (und Nächten) mühsamen Arbeitens zusammengetragen haben, auf zwei Seiten Pergament.

Niemandem kann bewusst werden, was alles in diesen Zwei Seiten steckt. Der Rat...er wird eine der Vollkommenheit nahe Beschreibung in der Hand halten. Eine Orientierung, eine Hilfe zur Urteilsfindung, was auch immer.

Für uns, die Wir diese Zeilen erst noch finden mussten, steckt in diesem Bericht alles. Blut ... Schweiss ... Verzweiflung ... Aussichtsslosigkeit ... Ratlosigkeit ... Resignation.
Nur ein kleinster Teil dessen, was Wir auf dem beschwerlichem Wege vom Tode Alestras bis jetzt empfinden musten, sehen mussten...durchgemacht haben.
Ich erwarte nicht, dass die Menschen das erkennen werden, nochnichteinmal dass sie es können.

Dieser Fall hat aus mir einen anderen Menschen gemacht. Ich kam hierher, um Ruhe zu finden. Ruhe vor dem, was war. Diese Ruhe habe ich jetzt immernoch, aber sie ist gebrandmarkt, gebrandmarkt mit Bitterkeit und der Gewissheit, die Unschuldigkeit, das Schwerelose, einfache in meinem Leben verloren zu haben. Verloren, wie ein junger Bär, der sich sein Jünglingsfell abschaben muss, will er erwachsen werden.

Ich sehe die Dinge aus anderen Augen. Der Blick auf das, was Dahintersteckt, bleibt einem verwehrt, bis zu dem Zeitpunkt, an dem man sich seinem eigenem Sein gestellt hat...

Ein Mensch kann nicht vor sich selbst fliehen. Er kann auch nicht vor dem Unbekannten fliehen, vor dem, was einem Angst macht. Versuche es, und du wirst scheitern, stelle dich, und du lernst.



Das habe ich gelernt.

Verfasst: Samstag 18. März 2006, 14:27
von Darna von Hohenfels
Vor Aradans Haus...
"Du erinnerst dich doch, daß Sallagar erwähnte, wie er seinen Bruder damals getötet und in einem Brunnen geworfen hat? Wie die Heiligkeit meinte, daß er sie in Bälde zum Brunnen führen solle, damit die Gebeine geborgen werden können?"
"Ja. Und, was ist damit? Wir wissen doch nicht, wo der Brunnen ist."
"Doch", wandte Darna zufrieden ein, "Er hat es mir kürzlich gesagt - im Wald vor dem Schrein der Aufopferung."
Adrenalons Stirnrunzeln vermittelte, daß ihm diese Ortsangabe nicht im Geringsten weiterhalf.
"Vor Bajard", fügte sie an. In die Miene ihres Kollegen geriet ein schelmisches, kleines Schmunzeln und er zwinkerte ihr zu:
"Ich finde, die Heiligkeit ist viel zu beschäftigt, als daß sie sich mit solch unwichtigen Dingen belasten sollte. Wir sollten ihr das einfach abnehmen und es selbst erledigen."
Sie nickte ernst. "Sie hat sicher sehr viel zu tun, ja. Soweit ich es verstanden habe, hat bislang ja nichtmal ein Schreiben von ihr zu dem Fall den Weg zum Rat gefunden."
Sie würden die Gebeine bergen. In einem Wald dürften Brunnen ja eher selten sein, also müsste das Ding auffindbar sein. Sie würden die Gebeine Saygans bergen und zum Kloster bringen, damit sie endlich in geweihter Erde bestattet werden konnten. Dann konnte Saygans Seele vielleicht endlich ihren unauslöschlich scheinenden Haß vergessen.

Ja, das schien ein guter Plan zu sein.

***************************************

Das war eine ganz doofe Idee.
Mehr als skeptisch sah Darna, wie sich Adrenalon auf dem brüchigen Rest der alten Brunneneinfassung abstützte und im bereits letzten Rest Licht der Abenddämmerung einen Blick in den Schacht zu werfen versuchte.
Leise, um ihn nicht zu erschrecken, trat sie schräg hinter ihn und griff behutsam, aber sicher an seinen Umhang, seine Schulter, und hoffte, daß dieser trotzdem provisorische Griff reichen würde, um ihm Sicherheit zu geben...
"Danke." Ihm war wohl selber mulmig geworden, als sich vor ihm Steinchen gelöst hatten, in den Brunnen fielen... und fielen... und fielen... ehe es leise 'Platsch' sagte. "Hast du eine Fackel dabei? Ohne werden wir da drin nichts erkennen."
Ja, hatte sie. Und leider war auch der Plan vernünftig, daß er sie als nächstes hielt, sie war ein wenig leichter. Plötzlich offenbarte sich der Sinn in der stets streng anermahnten Sorgfalt, mit der sie ihre Ausrüstung pflegte - der Schwertgurt war aus gutem Leder und bot als improvisierter Riemen noch den besten Halt, der hier ohne Seil möglich war.

Langsam beugte sie sich vor, auf das am stabilsten scheinende Stück Stein gestützt, leuchtete mit der Fackel in den Schacht, wo seltsame bizarre Schatten entstanden.
Sie fühlte sich an die Waldschlucht erinnert, aus der sie nur einen Fetzen Tuch geholt hatten...
Sie fühlte wieder diesen Schauder von vorhin, als sie alleine einen Abstecher zum Schrein der Aufopferung gemacht hatte. Was hatte dieses Kribbeln zu bedeuten gehabt, als sie die Platte behutsam mit der entblößten Hand berührte, hatte sie es sich nur eingebildet? Ihre eigenen Worte hatten ihr seltsam fremd und tiefgründig geklungen, nur geflüstert, doch voller Innigkeit:
"Gütige Herrin, wir sind für Sallagar hier, und für Saygan. Wir sind für sie beide hier."

"In der Wand fehlen einige Steine", klang ihre Stimme dumpf zu Adrenalon, sachlich analysierend - sie wehrte die Angst ab, die das leise Knarzen des von ihm gepackten Schwertgurtes verursachte. Sie schwenkte die Fackel leicht.
"Der Wasserstand ist wirklich tief, das ist eigentlich seltsam. Gleich dicht bei dieser See, an sich feuchter Boden... ich hätte mehr erwartet."
"Und was soll uns das jetzt sagen?"
"Weiß ich nicht", gab sie ehrlich zu. Dann klang ihre Stimme etwas gequält, denn ihr schwante Furchtbares: "Und dann... sind da noch natürlich... diese verrosteten Eisensprossen... Ab und zu fehlt eine..."
Die behelfsmässigen Leitern, mit denen die Arbeiter beim Bauen des Brunnens selber wieder aus dem Schacht gekommen waren. Sie waren noch da.
"Wie sicher sind die denn?"
"Bin ich Handwerker?"

Er zog sie zurück in Sicherheit, als es nicht mehr zu sehen gab. Sie schüttelte den Kopf. "Das ist Wahnwitz, ohne Sicherung da runter zu gehen. Wir brauchen mindestens 20 Meter Seil. Die Händlerin in Bajard verkauft welches."
Und selbst dann war es sicher noch ein Risiko. Adrenalon nickte.
"Außerdem regnet es vielleicht morgen nicht mehr. Jetzt ist da alles glitschig, und es ist schon Nacht. Für Sallagar wird die eine Nacht mehr oder weniger jetzt auch nichts mehr ändern."
Langsam nickte sie, nicht völlig überzeugt, doch alles andere verstieß gegen Roderichs Lehre, Vorsicht sei keine Feigheit, und Leichtsinn kein Mut.
Morgen würden sie zurückkehren. Vorbereitet, in Kenntnis dessen, was sie erwarten würde, so gut es eben machbar war.

Als sie zu zweit dort waren, mit wenigen Worten effektiv zusammenarbeiteten, war es so ein angenehmes Gefühl gewesen - geborgen, trotz aller Gefahr von außen.
Wieso hatten sie in Varuna sich noch mitten auf der Staße vor dem Haus ihres Herrn streiten müssen?
Es würde hoffentlich nichts ändern. Immernoch wollten sie sich am 19.Lenzing nochmal zum alten Brunnen begeben, um die Gebeine eines Toten zu bergen, dessen ganze Familie unter einem unheilsvollen Stern zu leben schien. Würde der 19. Lenzing endlich Frieden bringen? Für eine oder gar zwei Seelen?


(#Rest der Aktion soll möglichst heute laufen - Staffsupport erbeten, wenn ohne große Umstände machbar, danke :)
Tante Edith: wegen rl-Gründen auf morgen verschoben)

Verfasst: Montag 20. März 2006, 22:42
von Andrey von Greifenbach
Man konnte fast meinen, sie hatten eine Erfolgssträhne.

Tags darauf hatten sie alles, was für eine stinknormale Bergung einiger Knochen in einem halbverotteten Brunnen erforderlich sein würde. Darna hatte Fackeln, ein Seil, einen Tuchbeutel...
Und ihren Waffengurt. "Halt mich nur für albern, aber..." Sie hatte wirklich an alles gedacht.

Selbstverständlich waren diese Worte nicht. Er konnte nicht anders, bevor sie die Knochen bergen würden, bevor sie vielleicht ihr Leben in seine Hand geben würde...er musste die Sache geklärt haben. Der Streit mit Darna hatte ihn weit mehr berührt, als er sich selbst zugestehen wollte, genauso wie der vorhergegangene Besuch in der Kirche Temoras.

Nachdem Darna nach dem dritten Anlauf das Seil so zusammengeknotet bekommen hatte, dass man sich gefahrenlos in eine Schlinge setzen konnte, packte er das Seil fest, stemmte sich in den Boden und harrte der Dinge, die da kommen würden.
Darna schlüpfte in ebenjene Schlinge, und stieg Sprosse um Sprosse die alten Eisenstiegen der Leiter herab. Für ihn war es relativ einfach, sie dabei zu sichern, war doch noch kein Gewicht wirklich zu tragen, bis..."Hier fehlen schon mal Zwei...., sind auch keine Löcher, die brauchbar wären. ich glaub, ein Stück weit musst du mich so runterlassen!".

Sie hing mit ihrem ganzen Gewicht an seinen Armen....zwei Stufen.
Zwei Stufen, eigentlich nicht viel. Das Seil knarzte bedenklich, doch wenn überhaupt, konnte nur Darna das hören. Er hatte alle Hände voll zu tun, Darna nicht fallen zu lassen. Seine Stiefelhacken gruben sich in die noch vom Vorabend weiche Erde, seine Haltung war nur noch als horizontal zu bezeichnen.
"Lass Seil nach...da unten ist eine...

Er hatte Seil nachgelassen.
Sicherlich eine halbe Elle fuhr haltlos durch seine Hände, als würde er das Seil mit Seifehänden halten....Also garnicht.

"AHHHHHHRRRRR!"


Er packte das Seil, griff fest zu. Im gleichen Moment erreichte Darna die nächste Eisensprosse, fing sie aus halbfreien Fall mit dem Fuss ab.

Der Grund war schliesslich erreicht. Er liess das Seil ächzend fallen und ging in die Knie.
Hob seine Hände.... Die Handflächen waren nur noch rohes Fleisch. Die Hitze und Reibung hatten seine Hände fast bis auf den Knochen aufgeschunden.

Darna fand, weswegen sie gekommen waren. Knochen, fahl-weiss und ungeordnet am Grunde des Brunnens verteilt. Sie wusste nicht, dass er dort oben im Dreck kniete und mit frischen Bandagen unter immensen Schmerzen versuchte, die Wunden an seinen Händen zumindest provisorisch zu verbinden, wenigstens, um das Seil wieder halten zu können.

Darna hatte den Tuchbeutel füllen können mit Knochen aller Art. Ein Erfolgserlebnis, Sallagars Aussage würde dadurch an Glaubwürdigkeit gewinnen und vielleicht... würde die Seele seines Bruders nun endlich die Ruhe bekommen können, die ihm solange vorenthalten geblieben war.

Dass die Knochen von Saygan stammen würden, daran gab es sicherlich keinen Zweifel.
Dass seine Hände jemals wieder von unbefleckter, reiner Haut überzogen werden würden, da waren die Zweifel schon grösser.
Darna über die Zwei-Stufen-Lücke zu ziehen war fast ein Ding der Unmöglichkeit. Die Schmerzen waren immens. Jedoch, es funktionierte.
Als Darna schliesslich über den Brunnenrand kroch, schlammbedeckt, sass er nur auf dem Boden und betrachtete wieder seine Hände...fassungslos.


Es gab ihm zu denken. Obwohl Darna den Termin beim königlichen Ball hatte, liess sie sich kaum davon abbringen, seine Hände fachgerecht zu verbinden... Der Heiltrank, welchen sie mitgebracht hatte, kam ihm dabei zugute.
Er würde schnellstmöglich Rika von Gryffenhorst aufsuchen müssen...

****************


Nicht wichtig. Vielleicht ein kleiner Schritt in Richtung Sühne. Meine Hände werden wahrscheinlich gezeichnet bleiben, jedoch...Ich weiss, wofür.
Sallagar..Vielleicht bekommt er nun seinen Frieden. Saygan...Zwei Seelen, denen Frieden gebracht wurde.



Und meine Seele?