Wie oft hatte sie das schon gemacht und noch immer erzielte es genau die gleiche Wirkung - es beruhigte sie... Seine Atmung, ganz ruhig und sanft, das starke Herz das leise in seiner Brust schlug. Ihr Herz...
Sie hatte heute nicht erwartet, dass er sie nach Hause bringen würde aber im Grunde hätte sie es sich denken können. Er spürte wann immer etwas mit seiner kleinen Wüstenblume nicht in Ordnung war. Ihr Körper hatte auf die gleiche weise reagiert, wie damals in der Taverne, als sie nicht mehr ertrug wie Nahlah neben ihm saß und diese Vertrautheit die zwischen ihnen bestand. Die Brust schnürrte sich ihr zu, das Herz klopfte bis zum Hals und sie schien keine Luft zu bekommen.
Doch nun saß sie dort, auf der Hochzeitsfeier von Nazeeya und Ramin, mit Hasim an ihrer Seite, ihrem Ehemann.
Aaminahs Worte hallten in ihrem Kopf... sie erschienen immer weiter weg zu schweifen, ein dumpfes Hallen bis sie die einzelnen Worte so weit von sich abgeschirmt hatte, dass sie zumindest soweit denken konnte, dass es besser war nun zu gehen. All das Gerede von Familie, die Glückwünsche zur Hochzeit... Heuchler... das war das Wort das immer wieder in ihrem Kopf wiederkehrte und ihr Herz, das sich schmerzvoll zusammen zog.
Hasim zögerte nicht und brachte sie nach Hause. "Was geht in deinem schönen Kopf vor?" sie konnte ihm nichts vormachen, er kannte sie besser wie irgendwer sonst sie kannte. Sie lies ihrem Schmerz freien Lauf und die salzigen Tränen, die sich zuvor in ihren Augen gesammelt hatten kullerten ihre Wange hinab. Von ihrem Schleier hatte sie sich längst befreit...
Der Schmerz der letzten Wochen, die Einsamkeit die sie zu spüren bekam. Das Gefühl ihrer Familie nichts zu bedeuten. Wo waren sie vor 2 Wochenläufen an ihrem großen Tag? Nur Aaminah war dort gewesen... Wo waren sie die letzten Mondläufe als sie so ziemlich alleine in diesem großen Haus herum irrte? Zu ihrem Hennaabend?
Nicht einmal Hazar, die ja nun ebenfalls eine Bashir war, hatte Interesse an ihr als Cousine. Lissy verstand das alles nicht, es schmerzte sie einfach nur. Wie schön war ihre Ankunft hier gewesen. Gassur und seine Fidah und Haroun der sie so freundlich aufgenommen hatte. Was war passiert? Der Dschinn der damals von allen Besitz genommen hatte und kurz darauf reisten Gassur und Malaika ab. Seither hatte sie auch seine Fidah nicht mehr wiedergesehen. Das Haus wurde leerer, ruhiger, viel zu ruhig. Wie oft war sie dieser Ruhe entflohen weil sie unerträglich erschien.
Genau wie heute, fühlte sie sich damals, als sie Hasim am Osttor stehen sah. Sie war gerade wieder der Ruhe entflohen, wollte hinaus, etwas erleben, nur nicht in diesem gespenstigen Haus sitzen. Er hatte mit seinen Worten recht, wäre dem nicht so gewesen wäre sie an diesem Tag vielleicht nicht am Osttor gelandet und er hätte sie nicht mit in die Taverne genommen. Würde sie heute, hier in seinen Armen liegen, wenn ihre Familie mehr Zeit für sie gehabt hätte?
Sicher konnte sie die Frage nicht beantworten aber entgangen wäre ihr dieser Wüstensohn sicher nicht. Wie hätte man ihn übersehen sollen? Diese Augen... Aalissay schmiegte sich dichter in seine Arme. Sie wusste er hatte recht, sie wusste das es klüger war, ihnen eine Chance zu geben aber im Moment überwiegt der Schmerz, die Enttäuschung ihrem Wissen und ihrem Verstand. Sie würde Zeit brauchen.
kostbarstes Kleinod
auf dieser Erde,
rettender, schützender
Hafen auch.
Im Glück
wirst du in ihr
geborgen sein,
im Unglück
bist du nicht allein.
Familie zieht
den schützenden Kreis.
Wohl dem,
der sich in ihr
geborgen weiß.