Erwachsen werden

Geschichten eurer Charaktere
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Valentina Sturmkamm
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Beitrag von Valentina Sturmkamm »

Es war mitten in der Nacht als sie mit herzrasen aufwachte. Sie spürte die Arme von Hasim die noch immer fest um sie geschlungen waren und atmete tief durch. Nur ein schlechter Traum... Vorsichtig, um ihn ja nicht zu wecken, drehte sie sich auf die Seite, Arme und Kopf an seine Brust gelehnt um seinem Herzschlag zu lauschen.

Wie oft hatte sie das schon gemacht und noch immer erzielte es genau die gleiche Wirkung - es beruhigte sie... Seine Atmung, ganz ruhig und sanft, das starke Herz das leise in seiner Brust schlug. Ihr Herz...

Sie hatte heute nicht erwartet, dass er sie nach Hause bringen würde aber im Grunde hätte sie es sich denken können. Er spürte wann immer etwas mit seiner kleinen Wüstenblume nicht in Ordnung war. Ihr Körper hatte auf die gleiche weise reagiert, wie damals in der Taverne, als sie nicht mehr ertrug wie Nahlah neben ihm saß und diese Vertrautheit die zwischen ihnen bestand. Die Brust schnürrte sich ihr zu, das Herz klopfte bis zum Hals und sie schien keine Luft zu bekommen.
Doch nun saß sie dort, auf der Hochzeitsfeier von Nazeeya und Ramin, mit Hasim an ihrer Seite, ihrem Ehemann.

Aaminahs Worte hallten in ihrem Kopf... sie erschienen immer weiter weg zu schweifen, ein dumpfes Hallen bis sie die einzelnen Worte so weit von sich abgeschirmt hatte, dass sie zumindest soweit denken konnte, dass es besser war nun zu gehen. All das Gerede von Familie, die Glückwünsche zur Hochzeit... Heuchler... das war das Wort das immer wieder in ihrem Kopf wiederkehrte und ihr Herz, das sich schmerzvoll zusammen zog.

Hasim zögerte nicht und brachte sie nach Hause. "Was geht in deinem schönen Kopf vor?" sie konnte ihm nichts vormachen, er kannte sie besser wie irgendwer sonst sie kannte. Sie lies ihrem Schmerz freien Lauf und die salzigen Tränen, die sich zuvor in ihren Augen gesammelt hatten kullerten ihre Wange hinab. Von ihrem Schleier hatte sie sich längst befreit...
Der Schmerz der letzten Wochen, die Einsamkeit die sie zu spüren bekam. Das Gefühl ihrer Familie nichts zu bedeuten. Wo waren sie vor 2 Wochenläufen an ihrem großen Tag? Nur Aaminah war dort gewesen... Wo waren sie die letzten Mondläufe als sie so ziemlich alleine in diesem großen Haus herum irrte? Zu ihrem Hennaabend?

Nicht einmal Hazar, die ja nun ebenfalls eine Bashir war, hatte Interesse an ihr als Cousine. Lissy verstand das alles nicht, es schmerzte sie einfach nur. Wie schön war ihre Ankunft hier gewesen. Gassur und seine Fidah und Haroun der sie so freundlich aufgenommen hatte. Was war passiert? Der Dschinn der damals von allen Besitz genommen hatte und kurz darauf reisten Gassur und Malaika ab. Seither hatte sie auch seine Fidah nicht mehr wiedergesehen. Das Haus wurde leerer, ruhiger, viel zu ruhig. Wie oft war sie dieser Ruhe entflohen weil sie unerträglich erschien.

Genau wie heute, fühlte sie sich damals, als sie Hasim am Osttor stehen sah. Sie war gerade wieder der Ruhe entflohen, wollte hinaus, etwas erleben, nur nicht in diesem gespenstigen Haus sitzen. Er hatte mit seinen Worten recht, wäre dem nicht so gewesen wäre sie an diesem Tag vielleicht nicht am Osttor gelandet und er hätte sie nicht mit in die Taverne genommen. Würde sie heute, hier in seinen Armen liegen, wenn ihre Familie mehr Zeit für sie gehabt hätte?

Sicher konnte sie die Frage nicht beantworten aber entgangen wäre ihr dieser Wüstensohn sicher nicht. Wie hätte man ihn übersehen sollen? Diese Augen... Aalissay schmiegte sich dichter in seine Arme. Sie wusste er hatte recht, sie wusste das es klüger war, ihnen eine Chance zu geben aber im Moment überwiegt der Schmerz, die Enttäuschung ihrem Wissen und ihrem Verstand. Sie würde Zeit brauchen.


Familie –
kostbarstes Kleinod
auf dieser Erde,
rettender, schützender
Hafen auch.
Im Glück
wirst du in ihr
geborgen sein,
im Unglück
bist du nicht allein.
Familie zieht
den schützenden Kreis.
Wohl dem,
der sich in ihr
geborgen weiß.
© Dr. Carl Peter Fröhling
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Valentina Sturmkamm
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Beitrag von Valentina Sturmkamm »

Fast einen Mondlauf war sie nun verheiratet. Realisiert... an manchen Tagen mehr, an anderen weniger. Erste Blüte der Bashir... die Anrede war wirklich noch befremdlich. Auch wenn sie wusste wo sie hin gehörte und das sie an seiner Seite ihren Platz gefunden hatte, war es noch einmal etwas anderes, mit ihm auch diesen Titel geheiratet zu haben. Sie war doch noch so jung... nie hätte sie sich das träumen lassen.

Sie liebte ihr Haus und alles was Hasim dort für sie hatte einrichten lassen. Dieser Traum von einer Küche und ihr Ankleidezimmer erst. Ja, sie hatte sehr viele Kleider und sie liebte jedes Stück davon aber bisher hatte Hasim nie deswegen mit ihr geschimpft. Sie würde schon einen Platz für ihre Sachen finden, zur Not musste sie halt etwas stopfen aber sie wollte eben gut aussehen. Sie war schliesslich doch eine Natifah...

Er war stolz auf sie... die Worte halten in ihrem Kopf noch immer nach. Sie wusste gar nicht was sie darauf sagen sollte. Ja, sie hatte die Prüfung zum Jemaat bestanden und sie wusste auch wem sie dies zu verdanken hatte. Wer weiß ob sie sich je darauf eingelassen hätte, wenn ihr Hasim nicht soviel beigebracht hätte. Sie wollte dort nur lernen, an der Quelle sitzen und nun hatte sie die Prüfung bestanden. Seine Augen funkelten dabei... Stolz... keine Schande wie ihr Onkel ihr vorgeworfen hatte.

Und dieser Blick traf sie noch einmal... als sie ihm erzählt hatte mit dem Gedanken zu spielen, ob sie für den Basar der edlen Künste die Taverne übernehmen sollte. Aaminah hatte es auf dem letzten Treffen angesprochen aber die Unsicherheit die noch immer in ihr ruhte, war an diesem Abend mal wieder stärker gewesen wie ihr Selbstvertrauen. Ein Wort von Hazar, eines vom Kalifen und die Unsicherheit hatte gesiegt, Lissy blieb stumm. Nun, nach dem einige Tage vergangen waren und sie darüber nach dachte, konnte sie sich das Ganze wirklich vorstellen. Es nagte an ihr, nicht sagen zu können was sie war. Was war sie denn? Was war ihr Beruf? Jemaat? Damit jeder dachte, sie sei eine dieser Säbelschwingenden Blüten, die ihre weiblichen Züge, Erziehung, Anstand, Liebreiz abgelegt hatten? Nein, das wollte sie nicht. Doch sie war nun mal keine Tuchweberin, keine Tränensucherin... sie war sie, die Blüte mit den geschickten Händen.

Würde sie sich dieser Aufgabe stellen wäre sie Köchin... sie würde sich um die Taverne kümmern. Mocca nach dem alten Familienrezept der Ifrey dort verkaufen, köstliches Essen... sie hatte eine Aufgabe neben ihrer Ausbildung und etwas, das durchaus auch zeigte, dass sie trotz alle dem die Werte einer Blüte nicht vergessen hatte. Sie würde die Tage einfach nach ihrer Cousine sehen und mit ihr in Ruhe darüber sprechen...

Nachdenklich saß sie auf ihrer Schaukel. Sie mochte wenn sie sich leicht bewegte und sie so ihre Gedanken einfach kreisen lassen konnte. Der gestrige Tag war irgendwie merkwürdig gewesen. In Adoran schon hatte es angefangen, das Thema Kinder... als würde es, nun wo sie verheiratet war, nichts wichtigeres geben. Ihre Eltern lebten nicht hier, die von Hasim auch nicht und so konnten sie zumindest neda die ganze Zeit Druck machen wann es endlich soweit sein würde. Sie waren sich doch einig darüber gewesen, es Eluive zu überlassen auch wenn sie tief im Herzen hofften, dass sie ihnen etwas Zeit lies. Zeit um sich besser kennenzulernen, Zeit um die Zweisamkeit zu genießen. Nur sie beide...

Der Kalif hatte am Abend das Thema auch angesprochen... Kinder... der Gedanke machte ihr nicht mehr so große Angst wie noch vor einigen Wochen oder direkt nach der Hochzeit. Im Gegenteil, sie konnte sich mit diesem inzwischen sogar anfreunden. Sie erkannte, dass es etwas besonderes wäre, Hasims Kind unter ihrem Herzen zu tragen. Mit niemandem sonst, konnte sie sich all das so gut vorstellen wie mit ihm. Ihre Augen schlossen sich, ein sanftes Lächeln umspielte ihre Lippen. Es war besser keine Angst davor zu haben, sie würden doch so oder so nicht beeinflussen können wann es soweit war. Ausser sie teilten ihre Kissen nicht mehr...

Ein nachdenklicher Blick über die Schulter. War er merkwürdig gewesen gestern Nacht? Alles war wie immer, fast alles... lies sie sich durch diese eine, kleine Abweichung wirklich so aus der Ruhe bringen? Sollte sie ihn fragen wieso? Würde er heute genau so reagieren? Und war es ihre Schuld? Hatte sie ihn vielleicht doch damit verärgert, dass sie mit Cihan jagen ging? Nein... er wusste doch, dass sie ihn liebte, nur ihn und er war froh wenn sie eine Wache mit nahm. Diesmal war es eben Cihan gewesen, damit konnte es nicht zusammen hängen.

War die Ankunft der neuen Cousinen schuld? Er hatte deswegen recht viel zu tun... Sie seufzte lautstark und schüttelte ihren Kopf. Sie würde ihn fragen müssen, all das Rätseln würde sie nur um den Verstand bringen. Nicht das sie sich nicht gerne um den Verstand bringen lies, aber nicht durch solche Dinge, da gab es weit aus schönere.

Langsam rutschte sie von der Schaukel und flechtete sich ihr langes Haar. Wie sehr sie es hasste, sie trug ihr Haar so gerne offen... einer der Nachteile verheiratet zu sein aber sie fügte sich. Das Kopftuch wurde umgelegt, der Schleier hoch gebunden ehe sie langsam das Haus verlies. An ihrem Arm baumelte ein leerer Korb, den sie nun mit den Früchten der Oase füllen wollte.
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Valentina Sturmkamm
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Beitrag von Valentina Sturmkamm »

Den ersten Tag hatte sie geschafft und auch der zweite Tag war fast vorrüber. Noch machte sie einen Bogen um große Ansammlungen und doch konnte sie sich im freien nicht so gut verstecken, dass sie nicht Marek über den Weg gelaufen wäre. Ausgerechnet er war der erste gewesen, der sie gesehen hatte, seit sie sich aus ihrem Schneckenhaus getraut hatte...

Er war ihr so fremd und er hatte Hasims Platz eingenommen... das Gefühl behagte ihr nicht und doch würde sie sich damit anfreunden müssen. Erst einmal?
Heute sprach sie auch mehr als nur "Salam" als sie Nahlah traf... Doch kaum das alles fertig war machte sie sich auf den Weg weit fort in den Norden. Sie hatte das Gefühl man schnürrte ihr die Brust zu und dort, in dieser wunderschönen Wüstenstadt, die sie Heimat nannte, hatte sie das Gefühl nicht atmen zu können.

2 Mondläufe war er bereits fort... Sie hatte verstanden das er aufbrechen musste, wenn seine Familie, in diesem kleinen Dorf, seine Hilfe benötigen würde. Sie kannte Hasim, er würde nie jemanden im Stich lassen. Oder? Anfangs kamen noch Nachrichten doch je länger er dort war, desto seltener wurden sie. Auch Aqila hatte nichts von ihm gehört. Wie musste sie sich erst fühlen? Aalissay war "nur" seine Frau, Aqila jedoch war seine Schwester...

Sie verkroch sich in ihrem Haus. Nur selten wagte sie sich ins Freie. Sie wollte niemanden sehen, ertrug die ganzen Fragen nicht wo Hasim steckte und wann er wieder zurück sein würde. Sie wusste es nicht, was sollte sie ihnen sagen? Und die Blöse, dass sie nicht wisse wann er zurück kommt, nein, die wollte sie sich nicht geben. Sie fühlte sich allein... So vieles hatten sie geteilt und nun musste sie sehen wie sie mit alle dem alleine zurecht kam. Sie hoffte und sie betete jeden Tag zu Eluive, dass er bald zurück kehren würde aber eine Antwort hatte sie bisher nicht erhalten.

Sie wusste jedoch das sie sich nicht weiter verstecken konnte. Sie war eine stolze Blüte, als Knospe den Ifrey entsprungen. Sie hatte sich damals schon versteckt, bevor sie Hasim kennenlernte und das Gefühl der Einsamkeit und Kälte überkam sie. Nein, so wollte sie nicht wieder enden. Sie war jung, sie war aufgeweckt, liebenswert, freundlich und hatte doch ihre Aufgaben die sie erledigen musste. Sie konnte all das nicht weiter schleifen lassen. Was würde Hasim sagen wenn er zurück kehrt?

Jeden Tag ein kleines Stück mehr. Stück für Stück, Schritt für Schriitt. Das nächste Ziel das sie sich vorgenommen hatte, war ein Besuch bei ihrer Familie. Sie hörte von den Stadtwachen, dass einige Söhne der Ifrey zurück gekehrt waren und sie sollte doch zumindest Salam sagen... Lissy war sich sicher, so schwer ihr all das jetzt noch fiel, es würde von Tag zu Tag leichter werden....
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Valentina Sturmkamm
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Beitrag von Valentina Sturmkamm »

Alles hatte sich verändert, nichts war mehr wie es einmal war. Die Erkentniss wurde ihr jeden Tag aufs neue, schmerzlich bewusst. Die Nachricht das Nazeeya und Ramin nun bei Eluive waren... es beklemmte sie. Ob Hasim es schon wusste? Wie er wohl reagiert hatte? Zu gerne hätte sie es ihm selbst gesagt aber er war ja nicht hier, nicht bei ihr...

Jeden morgen hoffte sie aufs neue eine Nachricht von ihm zu erhalten, doch schon seit Wochen waren keine mehr gekommen. Sie hatte im Familienhaus aufgeschnappt, dass wohl eine kleine Karawane los gezogen war um Hasim in dem kleinen Dorf aufzusuchen und ihm die Nachricht zu überbringen. Vieleicht würden sie eine Nachricht für sie haben. Ihr Herz klopfte wie verrückt als sie aus der Ferne sah, dass sie nach Hause kehrten. Hasim war nicht dabei aber vielleicht die Nachricht?

Als Lissy die Stufen hinab und der Karawane entgegen lief, sahen sich zwei der Wachen an, als würde ein jeder hoffen der andere würde das Wort ergreifen. Kein Wort, Stille... ein Kopfschütteln. Ihre Schultern sackten hinab, sie kämpfte gegen die Gefühle an. Leise vernahm sie wie der andere sagte "es tut mir leid"... ohne etwas zu entgegen lief sie, sie musste hier weg. Nur keine Blöse geben, keine Schwäche zeigen... Nur Hasim hatte sie bisher je weinen gesehen. Momente an die sie sich ungern erinnerte, weil sie voller Schmerz waren. Doch auch jetzt war sie Schmerz erfüllt und konnte sich all das nicht erklären.

Ihre Füße trieben sie wie von selbst zu dem Viertel der Ifrey. Ihr Blut war es das in ihr floss und sie würde für immer mit ihrer Familie verbunden sein. Die Umbauten waren schon aus der Ferne zu erkennen, doch wirklich realisieren konnte sie Aalissay erst, als sie in Mitten des Vorhofs stand... Ihr Haus war fort... der Ort an dem sie sich früher immer zurück gezogen hatte. Ihre Zuflucht. Der Ort an dem die ersten treffen allein stattgefunden hatten. Still und heimlich...

Ihre Familie war jetzt so voller leben. Fast jedes Haus hier war bewohnt und heute wäre es nicht mehr möglich sich heimlich mit einem Menekaner zu treffen. Damals war alles ruhig. Die Stille hatte sie oft fast um den Verstand gebracht und doch hatte es den Vorteil, dass niemand mit bekam wer ein und aus ging.

Sie wusste nicht welcher Zustand ihr lieber war. Zur Zeit wünschte sie sich das sie Hasim nie kennengelernt hätte. Das ihr Eluive diese Gefühle nie gezeigt hätte. Nun wo sie es kannte schmerzte alles nur viel mehr. Er fehlte ihr... seine Worte, sein Trost, seine Arme in denen sie sich Geborgen und sicher fühlte, sein Herzschlag der sie nachts in den Schlaf klopfte. Zu gern hätte sie das Gefühl mit Aqila geteilt. Doch sie war zu beschäftigt mit ihrer Arbeit. Wahrscheinlich ihre Art sich von ihren Gedanken, Ängsten und Gefühlen abzulenken. Lissy gelang das nicht... Jagen ohne bei der Sache zu sein? Hasim hatte ihr mehr als einmal davon abgeraten und er hatte recht.
Beim letzten Versuch kam sie mit einer Platzwunde nach Hause, die, Eluive sei dank, niemand bemerkt hatte.

Barfuß lief sie zu dem Baldachin der am Meer aufgebaut war und lies sich auf eines der Kissen sacken. Sie löste erst den Schleier, dann das Kopftuch und letztendlich ihren Zopf. Der kühle Wind umspielte ihre Wangen und wehte durch ihr langes Haar. So viel frische Luft und doch hatte sie das GEfühl kaum atmen zu können. Sie sah auf ihren Ring hinab.. so wunderschön, so kostbar. Langsam zog sie ihn von ihrem Finger und drehte ihn in ihrer Hand.

Ein Zeichen für ihre Verbundenheit sollte er sein. Im Moment war er eher ein Zeichen dafür, wie einsam sie war und was ihr fehlte. Ihr Haus war viel zu groß für sie allein. Viel zu viele Erinnerungen waren an diesen Ort gebunden. Sie wollte heute nicht dorthin zurück. Sie kroch auf eines der Kissen das näher am Meer war und legte ihren zirlichen Körper zur Seite um. Die Hände vergrub sie unter dem Kissen, das ihren Kopf hielt, die Beine zog sie dicht an ihren Körper. Tränen, ebenso salzig wie das Meer, liefen ihre Wangen hinab, während sie gedankenverloren auf das Wasser blickte.

Ein Gefühl beschlich sie... er würde nicht wieder kommen... irgendwann schlief sie erschöpft ein...
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Valentina Sturmkamm
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Beitrag von Valentina Sturmkamm »

Kaum das sie versuchen wollte sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass Hasim nicht wieder kehren würde, stand er plötzlich vor ihr. Heiß und kalt zugleich, träumte sie etwa? Sie stand, sie schlief nicht, dessen war sie sich sicher aber dort stand er...
Sein Geruch erfüllte den Raum und sofort sog sie ihn tief durch die Nase ein. Ihre Beine zitterten, sie traute sich kaum etwas zu sagen, geschweigedenn ihm in die Arme zu fallen, aus Angst, dass er doch nur eine Halluzinazion war.

Er kam näher, legte den Arm um sie, hauchte einen Kuss erst auf ihre Wange, ehe er selbiges mit ihren Lippen tat. So weich, so bekannt, so wunderschön... kein Traun, keine Halluzinazion, er war es wirklich. Das Herz in ihrer Brust begann heftiger zu schlagen, fast so wie zu jener Zeit, als sie sich in ihn verliebte und es sich selbst nicht eingestanden hatte. Als seine Nähe sie nervös machte und sie sie zugleich suchte, weil sie sich von ihm angezogen fühlte.

Die letzten Wochen und Monate in denen er fort war fühlte sie sich allein, sie fühlte sich nicht mehr vollkommen, war er es doch der sie zum Blühen brachte als es ihr nicht gut ging. Er kannte sie besser als jeder andere und manchmal hatte sie das Gefühl er kannte sie besser als sie sich selbst. Sie wäre ihm am liebsten um den Hals gefallen und hätte ihn die nächsten Tage gar nicht mehr los gelassen aber ihre Beine standen wie angewurzelt da. Ein Zwiespalt der Unsicherheit, wie sie reagieren sollte. Freude und Glück das er wieder hier war, Trauer und Wut weil er so lange fort war, Verständnis, weil es nicht an ihm lag das er sich nicht meldete...

Die Nachricht verbreitete sich schnell und ein jeder wollte sich wohl selbst überzeugen ob es stimmte. Sie waren kaum einen Moment alleine als wieder jemand vor der Tür stand oder Truppenübungen anstanden. Hasim wäre nicht Hasim, wenn er diesen fern geblieben wäre, erst recht nicht nach so langer Zeit. Aalissay wusste das sie zurück stecken musste. Bevor er fort ging und Marek als Notlösung zum Oberhaupt gewählt wurde, war Hasim es der die Familie leitete. Er war nicht irgendjemand und hatte so seine Pflichten zu erfüllen, dafür musste sie Verständnis aufbringen und das tat sie.

Neben ihm einzuschlafen, den Kopf auf seine Brust gelegt, seinem Herzschlag lauschend... wie sehr hatte sie es vermisst. Es fühlte sich an als hätte sie die letzten Wochen gar nicht geschlafen. Als sie doch endlich einen Zeitpunkt fanden in dem sie gänzlich allein waren brachen recht schnell die Dämme... riechen, schmecken, fühlen... als wäre ihr seine Nähe völlig neu und ihre Sinne schärfer als sonst. Das was sie bisher zurück gehalten hatte, hatte sich gelöst. Nun war sie bereit darauf ihr Leben fortzuführen, ohne Angst das er wieder schwinden könnte. Er hatte ihr schliesslich versprochen, dass er sie nie wieder alleine lassen würde. Sie hingegen würde ihn auch nie wieder ziehen lassen, nicht allein.

Mitten in der Nacht wachte sie auf, drehte sich leicht zur Seite und beobachtete, wie ihr Mann neben ihr, seelenruhig schlief. Jeden Millimeter seiner Haut betrachtete sie, ob sich irgendetwas verändert hatte aber es war noch immer ihr Hasim, den Wüstensohn den sie so sehr liebte un dder sie gewählt hatte um seine Rani zu werden. Enkelkinder... ein Schmunzeln legte sich auf ihre Lippen. Sie wusste nicht wieso, doch die Worte, dass seine Eltern sich Enkel wünschen und danach fragten waren von großer Bedeutung. So viele hatten danach gefragt, immer wieder hörte sie das es Zeit sei. Hasim und sie hatten beschlossen den richtigen Zeitpunkt Eluive zu überlassen und nun, hier und jetzt vertraute sie darauf, dass Eluive diesen auch wählen würde.

Es hatte sich etwas verändert, doch es war nicht Hasim, es war Lissy selbst. Ein weiterer Schritt zum erwachsen werden, ein wichtiger Schritt, denn das erste mal hatte sie keine Angst vor dem Gedanken, Hasims Kind auszutragen, ganz im Gegenteil... Mit einem Lächeln auf den Lippen schmiegte sie sich dichter an ihn und schlief kurze Zeit später wieder ein.
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Valentina Sturmkamm
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Beitrag von Valentina Sturmkamm »

Die Reise zu ihren Eltern hatte ihr gut getan. Ihr Radeh hatte zwar verwundert geschaut als sie mit 3 Bashirwachen in das kleine Dorf kam aber er kannte eben Hasim noch nicht. Es gab so viel zu erzählen und Lissy wusste gar nicht wo sie anfangen sollte. Sie war aufgeregt, wie würde ihr Vater auf die Neuigkeiten reagieren? Was ihre Mutter anging, machte sie sich weniger Sorgen, sie war eine Natifah wie sie selbst und würde sich sicherlich freuen aber ihr Radeh? Was war aus ihren Zielen geworden? Sie hatte sie nicht aus den Augen verloren, sie hatte nur etwas vorne angestelt, ihre eigene kleine Familie.

Ihre Hauptwache brachte ihr Gepäck in ihr Zimmer. Es war noch genau so wie sie es damals verlassen hatte. Schöne Erinnrungen verband sie mit ihrem zu Hause und es tat so gut ihre Eltern zu sehen. Viel zu lange hatte sie gewartet ihnen einen Besuch abzustatten aber das würde sich nun ändern. Sie wollte öfter den Weg auf sich nehmen, vor allem wenn sie nicht mehr alleine kommen würde.

Wie von selbst ging sie zu ihrer Mutter in die Küche und half ihr beim Abendessen. Die großen dunklen Augen ihrer Mutter starrten sie verwundert an, ehe sie schmunzelte. "Du hast dich sehr verändert Rani". Ja, das hatte sie. Sanft lächelnd sah sie zu ihrer Mutter und nickte. "Dein Ranim hat einen guten Einfluß auf dich" flüsterte sie leise, damit es ihr Vater nicht hören konnte. Beide Blüten lachten auf.

Auch ihr Vater musterte sie skeptisch, als sie das Essen mit ihrer Mutter zum Tisch trug. "So schlecht wie Alarash es in seinem Brief damals darstellte, scheint es gar nicht zu sein". Aalissay schluckte, die Erinnerung daran schmerzte sie noch immer. Seit seiner Abreise hatte sie kein Wort mehr von ihm gehört. Sie hatten nie die Möglichkeit sich auszusprechen. Gerade jetzt würde sie ihm gerne sagen und zeigen, dass sie eine ehrbahre junge Natifah geworden war. Sie brachte keine Schande über ihre Familie. Im Gegenteil.

Ihr Blick fiel über das ganze Essen. Hasim hätte sich gefreut, von gebraatener Schlange, über flambierten Skorpion und frisches Lamm war alles vorhanden. Dachten ihre Eltern, sie bekam in Menek'Ur nicht genug zu essen? Noch dazu wo sie derzeit doch gar nicht so einen Apettit auf Fleisch hatte. Sie dachte an ihr Versprechen Hasim gegenüber und nahm sich zumindest etwas von dem Skorpion der wirklich gut roch. Dazu viel Gemüse und Salat.

Wieder ein skeptischer Blick, diesmal von beiden doch lissy lies sich nichts anmerken. Es wäre nicht ihre Mara, wenn es nach dem essen nicht frischen Tee, Mocca, Gebäck und Kokoscreme gab. Ihr Herz machte einen Aussetzer. Von jedem Keks landete etwas auf ihrem Teller und eine große Portion Kokoscreme, dazu frischen Tee. Ihr Vater räusperte laut und warf ihr einen eindringlichen Blick zu.

Ein tiefes durchatmen, sie wusste der Moment war gekommen ihren Eltern reinen Wein einzuschenken und das tat sie auch. Mit einem freudestrahlenden Lächeln und funkelnden Augen erzählte sie ihnen, dass sie ein Kind erwartet. Wie erwartet freute sich ihre Mutter und fiel ihr direkt um den Hals. Ein Glück das ihren Eltern so lange selbst verwehrt blieb und nach ihrer Geburt nicht mehr wieder kam. Sie wusste wie sehr ihre Eltern sich noch einen Sohn gewünscht hatten.

Ihr Vater schwieg eine Zeit lang ehe er ihr ein sanftes Lächeln schenkte. Sie war erwachsen geworden, in diesem Moment wurde es ihm bewusst. Sie war nicht mehr das kleine Mädchen gewesen dem er die Welt erklärte. Ihre Mutter lies sie allein damit sie in Ruhe miteinander reden konnten. Natürlich fragte er sie wie sie sich all das vorstellen würde. Ihre Ausbildung war fast zu ende, was er wiederum gerne hörte. Durch Hasim hatte sie vieles lernen können, in den letzten Monaten. Er war ihr eine große Stütze gewesen, in vielen Belangen.

Sie wusste es würde schwerer werden als zuvor aber sie erzählte ihm von Hasims Plänen. Von den Möglichkeiten die sich ihm boten und das auch das ihr helfen würde ihre Ziele nie aus den Augen zu verlieren. Faris wusste das er seiner Tochter vertrauen konnte und schloß sie fest in seine Arme "Schenk ihm einen gesunden kleinen Sohn und stell ihn uns bald einmal vor".

Die Worte hallten noch immer in ihrem Kopf und sie war froh das auch Hasim der Meinung war, das es an der Zeit war ihre Eltern kennenzulernen. Das nächste mal würde er sie auf ihrer Reise begleiten. Sie konnte kaum in Worte fassen wie sehr sie sich inzwischen auf ihr Kind freute. Es würde ihr Leben genau so verändern wie Hasim es tat, zum besseren. Keine junge, naive Blüte mehr. Sie war reifer geworden, eine Ehefrau, bald eine Mara. Was hielt Eluive noch alles für sie bereit?
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Valentina Sturmkamm
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Die Zeit schien wie im Flug zu vergehen. So war auch der Besuch bei den Eltern von Hasim und ihren eigenen viel zu schnell vorüber. Dennoch freute sie sich jetzt wieder zu Hause zu sein. Die Reise war anstrengend für sie gewesen, doch Hasim sorgte dafür, es ihr so angenehm wie möglich zu machen. Ob er genau so nervös gewesen war ihre Eltern kennenzulernen, wie sie es bei den seinen war?

Ihre Sorge schien unbegründet. So streng sein Radeh auch war, sie wurde von beiden herzlich begrüßt. Sie freuten sich auf ihr erstes Enkelkind und Fragen über Fragen regnete auf die beiden ein. Vielleicht hätten sie die Reise vorher schon einmal auf sich nehmen sollen aber es ergab sich nie die Gelegenheit, es war immer viel zu tun. Doch Hasim hatte Recht, wenn sie sie nun nicht gemacht hätten, wäre es vor der Geburt nichts mehr geworden. Sie mussten ihnen aber versprechen, dass sie nicht zu lange warten müssten um ihr Enkelkind, nach der Geburt sehen zu können.

Lissy's Mutter war direkt hin und weg von Hasim. Wie sollte es auch anders sein. Er war toll genau so wie er war! Selbst ihr Radeh kam in einem ruhigen Moment zu ihr um ihr zu sagen, welch Glück sie hatte die Frau eines solchen Mannes sein zu dürfen. Glück... ja das hatte sie und sie war sich darüber bewusst. Jeden Tag dankte sie Eluive, dass sie ihr Hasim geschickt hatte und sie nun ihr Kind austragen durfte.


Wenn sie zurück dachte wie oft sie sich Sorgen gemacht hatte über Dinge, die ihr heute so banal vorkamen. Hatte die Zeit sie wirklich so verändert? Ja, sie war aufgeregt wegen der Geburt, nur noch wenige Wochen es würde soweit sein aber Angst verspürte sie keine mehr. Hasim würde bei ihr sein und Eluive würde ihnen beistehen. Sie freute sich darauf, ihr kleines Fennek endlich in den Armen halten zu dürfen. Als jeder ihr sagte, dass sie zunehmen würden und sie all ihre schönen Kleider nicht mehr tragen können wird war sie betrübt. Sie hatte immer darauf geachtet was sie aß, sich stets genug bewegt und ihre Kleidung und ihr Auftreten war stets gepflegt und ordentlich.

Und jetzt? Es machte ihr nichts aus. Es war anders als einfach nur eine dicke Natifah zu sein, die sich nicht im Griff hatte. Die Rundungen die ihren Körper zeichneten waren wunderschön, vor allem ihr Bauch. Sie pflegte ihn und rieb ihn 2 mal am Tag ein. Auch dem kleinen Fennek schien jene sanfte Berührung zu gefallen, wurde er immer ganz ruhig wenn sie es tat. Auch wenn Hasim seinen Arm um sie legte beruhigte es sich, als wüsste es schon jetzt, wie schön es war von beiden berührt und geliebt zu werden.

Noch vor nicht all zu langer Zeit konnte sie sich nicht einmal vorstellen einmal zu lieben und zu heiraten und nun empfand sie so viel Liebe für Hasim und ihr ungeborenes Kind. Sie war glücklich. "Eine Natifah muss lächeln", als wäre es gestern gewesen, ertönten Hasims Worte in ihrem Kopf. Er hatte Wort gehalten. Aus ein paar Süßigkeiten die er ihr schenkte um ihr ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern, war das schönste Leben geworden, das man sich nur wünschen konnte.
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Valentina Sturmkamm
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Die Dunkelheit hatte sich über Menek'ur gelegt. Es herrschte noch immer viel Trubel auf den Straßen der Stadt und es würde sicher noch einige Tage und Wochen dauern, bis sich das gelegt hatte. Sie war an diesem Abend früh zu Bett gegangen und Hasim hielt sie fest in seinen Armen. Die letzten Tage waren recht viel für sie gewesen. Immer wieder spürte sie dieses Ziehen in ihrem Unterleib. Ein Schmerz der ihr manchmal die Luft raubte. Auch wenn Hasim versucht hatte, all das was hier in Menek'Ur passiert war, soweit weg wie möglich von seiner Rani zu halten war es nur bedingt möglich gewesen.

Die Sorge um ihrer beider Familien. Die Ungewissheit was passieren würde. Auch wenn sie sich immer wieder in den Kopf rief, das Eluive sie beschützen würde, waren die Tage von Sorge getrieben. Hasim versuchte sie stets abzulenken, zu beruhigen. Er sorgte sich um Frau und Kind und er hatte Recht, das letzte was sie gebraucht hätten, wäre in diesem Trubel, die Geburt.

Als sie wach wurde war es noch mitten in der Nacht. Schmerzverzerrt verzog sie das Gesicht. Aalissay legte ihren Arm beruhigend um ihren Bauch. Diese Senkwehen oder Übungswehen hatte sie in den letzten Tagen häufiger gehabt. Bisher nur noch nicht mitten in der Nacht. Sie war froh, dass sie mit Latifa und Rija Hilfe hatte und die Bücher im Hort des Wissens, ihr halfen all das zu verstehen.

Sie atmete tief in ihren Bauch hinein, versuchte sich aus seinen Armen zu schälen um sich anders hinzulegen. Hasim wurde nicht wach, was sie erleichtert. Sie hatte ihn viel zu oft wach gehalten die letzten Wochen. Der Schmerz kam und ging wieder. Jedes mal wenn sie dachte sie könnte die Augen wieder schließen und weiter schlafen, durchströmte dieser Schmerz ihren Bauch und Unterleib. Bedacht darauf leise zu sein, krabbelte sie aus dem Bett heraus und lief in ihrem Schlafzimmer auf und ab. Sie atmete tief in ihren Bauch hinein, genau so wie sie es gelernt hatte. Die Schmerzen fühlten sich anders an als bisher. Ob es normal war, dass sie kurz vor der Geburt stärker wurden?
Ein Moment in dem sie sich ihre eigene Mutter herbei sehnte um sie zu fragen. Sie konnte ja nicht mitten in der Nacht zu Latifa in den Palast oder zu Rija. Als der Schmerz ihren Körper wieder durchzog krümmte sie sich leicht, ihre Beine liesen nach. So setzte sie sich auf das naheliegende, ihre Schaukel und krallte die Hände fest in die Seile.

Lissy war was Schmerzen anging nie empfindlich gewesen. Sie war einiges gewohnt, alleine durch die Jagd aber dieser Schmerz trieb ihr Tränen in die Augen. Vielleicht sollte sie doch Hasim wecken. Sie wartete bis der Schmerz wieder nachließ und erhob sich von der Schaukel. Als sie wieder stand sah sie an sich hinab aber es war zu dunkel um etwas zu erkennen. Dennoch spürte sie, das etwas ihre Beine hinab lief. Ihr Herzschlag beschleunigte sich. „Hasim....“ rief sie leise und mit zitternder Stimme. Der Brummbär schlief tief und fest und hörte sie nicht, war ihre Stimme auch kaum mehr als ein Flüstern gewesen. Sie wollte näher zu ihm aber sie traute sich nicht einen weiteren Schritt zu machen, rann noch immer etwas ihre Beine hinab. Kaum das der Schmerz sie wieder durchzog entwich ihren Lippen ein Laut, der deutlich darauf schließen lies, dass sie Schmerzen hat. Der Moment in dem Hasim seine Augen öffnete und das Bett nach seiner Frau abtastete.

„Rani???“ er rieb sich über die Augen und war mit einem mal hellwach, da er sie nicht neben sich tasten konnte. Er drehte sich zur Seite und entfachte die Öllampe die auf seinem Nachtisch stand. Da erblickte er Lissy, gekrümmt stehend, zwischen Bett und ihrer Schaukel. Mit einem Satz sprang er aus dem Bett und lief mit der Lampe zu ihr. „Ranim, ich glaube unser Kind kommt“... hauchte sie ihm mit zitternder Stimme zu. Ihr Blick fiel auf ihre Beine, nun wo ihr Körper in das sanfte Licht der Lampe getaucht war. Sie waren nass... der Schmerz, die Nässe... eindeutige Zeichen dafür das es wirklich los ging. Hasim sah sie mit großen Augen an. Er legte einen Arm um ihre Schultern, den anderen in ihre Kniekehle um sie so anzuheben. Äußerst vorsichtig, wie er meist mit ihr umging, zog er sie auf seine Arme um sie zum Bett zu tragen und hinein zu legen. „ich schicke eine Wache nach Latifa oder Rija“. Kaum das er die Worte ausgesprochen hatte, zog er sich etwas über und eilte die Treppen hinauf. Er gab der Wache Bescheid, die nicht unweit ihres Hauses patrouillierte.

Hasim lies die Tür offen und eilte wieder zu seiner Rani hinab. Die Schmerzen nahmen an Intensität zu und ihre Abstände wurden kürzer. Hasim sorgte dafür, dass es heller wurde und zündete alle Lampen an, die in ihrem Keller standen. Er kniete sich neben seine Frau und hielt ihre Hand, während sie warteten, dass eine der beiden oder beide zu Hilfe kamen.
Es dauerte wirklich nicht lange bis sie die Schritte die Treppen hinab laufen hörten.

Gekonnt überprüfte sie wie weit es schon voran geschritten war. Hasim beäugte das ganze skeptisch, er mochte nicht wenn seine Frau Schmerzen hatte. Sie war schon weiter geöffnet als erwartet und es dauerte gar nicht so lange, bis sie soweit war, dass die Geburt los gehen konnte. Als die Presswehen los gingen drückte sie Hasims Hand so fest, dass sie Angst hatte sie könnte ihn zerbrechen. Wie gut nur, dass ihr Brummbär alles andere als schmächtig war. Sie hatte oft über Nazeeyas Worte nach gedacht, was die Schmerzen anging. So hatte sie es sich nicht vorgestellt. Immer wieder hechelte sie, versuchte sich darauf zu konzentrieren ehe sie mit aller Kraft presste um den Kopf des Kindes heraus zu pressen.

Sie hätte gerne geschrien vor Schmerz aber sie musste stark sein. Stark für sich, für Hasim und für ihr Kind. Sie erhielt Zuspruch, dass sie es gut machte und nach einiger Zeit war bereits das Köpfchen zu sehen. Sie spürte wie sich ihre Kraft dem Ende neigte und ermahnte sich selbst. Jetzt nur nicht aufgeben du hast es fast geschafft. Mit letzter Kraft presste sie erneut und lies sich erschöpft zurück fallen, als ihr Kind das Licht der Welt erblickte. Es schrie kräftig, ganz wie der Vater. Die Nabelschnur wurde durch getrennt und der Kleine in ein frisches Handtuch gewickelt, ehe Lissy ihn in ihre Arme gelegt bekam. Der Anblick zerriss ihr ihr Herz, er war so wunderschön, so vollkommen und schon jetzt liebte sie ihn über alles. Mit Tränen in den Augen sah sie zu Hasim hoch und hielt ihm das kleine Bündel hin... „Dein Anaan Ranim“...
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Gast

Beitrag von Gast »

Seit zwei Tagen waren sie nicht mehr nur zu zweit im Hause. Die Nächte waren kürzer geworden doch das störte den Säbler nicht. Sobald der Kleine sich meldete, und es dank des kräftigen Organs das er von seinem Vater geerbt hatte nicht zu überhören war, scheute sich auch Hasim nicht davor aufzustehen um für seinen Sohn da zu sein. Zumindest so weit seine Mara ihn nicht füttern musste oder die Windeln beschmutzt waren.

Er liebte es das kleine Bündel auf den Armen zu tragen, musterte ihn immer wieder fasziniert. Von dem Moment an, als Aalissay ihn das erste mal in seine Arme hob veränderte sich etwas in ihm. Bestimmt war es auch den anderen aufgefallen die zu diesem Zeitpunkt anwesend waren. Gleich beim allerersten Anblick, war es als ob ein goldenes Lama im Raum stehen würde, so überwältigt war er. Hatte er davor noch einen verbissenen, aber auch besorgten Gesichtsausdruck, entspannten sich mit einem Mal alle Gesichtsmuskeln. Ein unbeschreibliches Gefühl kam in ihm auf, das nur ein frisch gebackener Vater in sich tragen konnte. Freude, Liebe, Glück, alles zugleich. Seiner Rani jedoch schenkte er einen gerührten Blick, den sie so bisher auch nie gesehen hatte an ihrem Ranim. Wie stolz er auf sie war und ihr gemeinsames Kind. So stark war sie geblieben, trotz das sie diesen Schmerz hatte den er während der Geburt an ihr erkannte und ihn tapfer nicht hinaus schrie.

Von da an konnte er einfach nicht aufhören seinen Sohn anzusehen. Wie klein die Hände doch waren im Vergleich zu den eigenen! Ebenso erkannte er deutlich nicht nur sich sondern auch Aalissay, seine Mutter, in ihm. Noch vor einem Jahreslauf, bevor er nach Menek'Ur kam hätte er nie gedacht das er so schnell einmal Nachwuchs haben würde. Dieses Wunder sogar selbst miterleben durfte, wenn es das erste mal das Licht der Welt erblickte. Sie hatten ein auf und ab erlebt zusammen, das sie näher zusammen brachte und Eluive mit diesem Geschenk abrundete.

Aus seinen Gedanken gerissen sah er auf. Sie waren im Keller, ihrem Schlafgemach dessen Bett nach der Niederkunft mit sauberen Fellen ausgestattet war. Hasim hockte über dem Korb in dem Decken lagen worin der Kleine schlief. "Wecke ihn nicht Ranim, aiwa?", sprach Aalissay leise mit sanfter Stimme. Ihm war gar nicht aufgefallen das sie sich annäherte. "Neda.. er soll schlafen, genau wie wir bevor er uns wieder weckt", erwiderte er leise was seine brummige tiefe Stimme nur betonte. Zu ihr hoch sehend stand er auf, dabei griff seine linke Pranke nach ihrer rechten, eher zierlichen Hand. "Versuche dich auszuruhen, ich passe auf euch beide auf und werde es auch immer tun", ergriff er das Wort bevor ein einfühlsamer Kuss folgte.

Doch kaum lagen die jungen Eltern im Bett, war der Schlaf schneller da als beide angenommen hätten...
Zuletzt geändert von Gast am Montag 22. Dezember 2014, 23:01, insgesamt 1-mal geändert.
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Valentina Sturmkamm
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Beitrag von Valentina Sturmkamm »

Wieder eine jener Nächte in denen sie wach lag und ihrem Anaan beim Schlafen zu sah. Wie friedlich er doch aussah, wenn er die Augen geschlossen hielt und vor sich hin träumte. An was er wohl dachte?
Ihre Gedanken kreisten und schienen sich im Kreis zu drehen. Der hübsche Kopf der jungen Blüte schien viel zu klein zu sein, für all die Gedanken die sie beschäftigen. Waren sie es, die ihre Kopfschmerzen verursachten und sie des Nachts vom Schlafen abhielten?

Sie waren heute nicht zusammen aufgebrochen um alte Schätze zu heben, was nur noch mehr Zeit zum Nachdenken brachte.
Fast den ganzen Abend hatte sie mit Farasha verbracht. Erst waren sie erfolgreich in Adoran gewesen und saßen dann noch lange im Familienhaus der Azeezah. Die letzten Tage waren aufregend und schön zu gleich gewesen. Sie hatte so viel Zeit dort verbracht und spürte, wie sehr ihr, ihre eigene Familie fehlte.

Nazeeya... so oft hatte sie in den vergangen Wochen und Mondläufen an sie gedacht. Was würde sie für ihren Rat geben, doch Eluive hatte sie leider viel zu früh zu sich geholt - wie so viele.
Erwachsen... das war sie nun, vielleicht viel zu schnell doch welche Wahl hatte sie schon gehabt? War es eine Prüfung Eluives oder sollte jene Weggabelung dazu dienen, neue Wege zu beschreiten?
Sie wusste, dass sie ganz alleine entscheiden musste, welchen Weg sie gehen würde und gleich welchen sie auch wählen würde, müsste auch sie alleine die Konsequenzen dafür tragen.

Sie streckte ihre Hand, nach dem dunklen Schopf ihres Sohnes aus und streichelte liebevoll darüber. Ja, es war wie sie zu Saajid gesagt hatte, erstaunlich, wie schnell sie sich in die Herzen brennen und sie wusste, dass er dort ihr Leben lang ruhen würde. Nichts liebte sie so sehr wie ihren kleinen Sohn. Ein Grund mehr etwas zu ändern.

Festentschlossen atmete sie durch, sie hatte ihre Entscheidung getroffen. Ob es die richtige war, würde sich zeigen. Die Lider schlossen sich und sie schmiegte ihren zarten Körper gegen den ihres Kindes, den Arm fest um den kleinen Körper geschlungen, schlief sie irgendwann erschöpft ein.
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Valentina Sturmkamm
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Beitrag von Valentina Sturmkamm »

Nimm dir Zeit zum nachdenken,
aber wenn die Zeit zum Handeln kommt,
hör auf mit dem Denken und geh los

Gleich nach dem sie Kadir gefüttert hatte machte sie sich an das Schreiben für den Palast. Das sie so schnell Antwort und einen Termin erhalten würde, damit hatte die junge Blüte nicht gerechnet. Vielleicht war es besser so, ehe ihre Unsicherheit ihren eigenen Mut überragen würde und die Zweifel sie den anderen Weg gehen lassen würden. Den anderen Weg... sie wusste genau wohin er führen würde, weitgehend zumindest und es wäre die sichere Wahl gewesen, doch auch jene, die sie und ihren Anaan wohl niemals glücklich werden liesen.

Schon als der Tag des Treffens angebrochen war, hatte sie das Gefühl ihr Herz würde viel schneller schlagen als sonst. Immer wieder schweifte ihr Blick durch ihr Haus. Es war als müsste sie jeden einzelnen Stein in ihrem Gedächnis einbrennen, dabei hatte sie so viele Zeichnungen von hier. Sie würde es niemals vergessen, gleich wie viele Jahre noch ins Land ziehen würden. Mit frischen Sachen machte sie sich auf den Weg ins Badehaus um sich zu waschen und neu einzukleiden. Gleich welcher Blick sie auch traf, sah sie prüfend hinter her. Ihre Nervosität machte sie schon so verrückt, dass sie annahm, ein jeder könnte es ihr ansehen.

Wie sollten sie? Kaum einer kannte sie wirklich. Kaum einer wusste was in der jungen Blüte vor sich ging und so ermahnte sie sich selbst. Nur schleppend zog sich die Zeit dahin... waren die Tage immer schon so lange gewesen? Heute erschien er ihr unendlich. Immer wieder sprach sie leise zu Eluive, sie möge ihr doch beistehen und versuchte das Zittern ihrer Hände zu unterdrücken. Ja, sie hatte viel durchgestanden in den letzten Wochen und Monaten. Sie war gewachsen und herangereift und doch war sie eine junge Blüte, die mit einem wichtigen Anliegen vor ihren Emir treten würde.

Was er wohl denken würde? Sie wollte ihrem Radeh und ihrer Familie niemals Schande bereiten. War es eine Schande? Die Sonne stand schon sehr tief über dem Wasser welches Menek'Ur umgab und so machte sie sich auf den Weg in die Stadt. Die Stufen vor der Kaserne waren der Platz den sie wählte. Wie sie dort saß kamen ihr so viele Erinnerungen in den Kopf. Erinnerungen die diesen Weg nicht leichter machten und das Zittert ihrer Hände nur verschlimmerte. "Eluive steh mir bei", murmelte sie wieder leise zu sich, schloss ihre Augen und atmete tief durch um sich zu sammeln.

Sie erhob sich und ging langsam zum Palast. Einer der schwerten Wege die sie bis dahin jemals hinter sich bringen musste. Freundlich wie immer grüßte sie die Wachen und betrat den Palast. Auch jener Ort war mit so vielen Erinnerungen verbunden. Die Hochzeit des vorherigen Emirs, die Brautschau des falschen Emirs... und nun, nun würde sie auch ihr Anliegen stets mit diesem Ort verbinden.
Nabil war freundlich wie immer, doch seine Begrüßung war wie ein Schlag in die Magengrube. Sie nahm ihren Mut zusammen und trug ihm ihr Anliegen vor. Ihre Hände ineinander verschlungen, vor ihrer Körpermitte um das Zittern jener zu verbergen. Den Blick aus Respekt gesenkt, was ihr in diesem Augenblick nur gelegen kam... Sie hörte ihre eigene Stimme, wie sie langsam und leise sprach "Ich bitte euch meine Ehe aufzulösen..."

Jedes Wort trug sie vor und der Emir lauschte ihr aufmerksam und ruhig. Kaum das sie ihren Vortrag beendet hatte war es als fiel ihr ein Stein vom Herzen. Gleich was nun kommen mochte, die Worte waren ausgesprochen und konnten nicht mehr rückgängig gemacht werden. Sie hatte es getan. Gütig wie er war stimmte er jener Auflösung zu. Ihr war bewusst, dass er sie darauf ansprechen würde, dass sie vom Blute der Ifrey war. Genau so wie sie wusste, dass sie Nadim jederzeit hätte fragen können ob sie in den Schoß ihrer Familie hätte zurück kehren können, doch das wollte sie nicht.

Sie musste neue Wege beschreiten. Sie wusste das jene steinig und schwer werden würden, doch es war Eluive, die sie jenen Weg wählen lies und es wird ebenso Eluive sein, die sie bei diesem Weg beschützen wird. Entschlossen bat sie darum ihren Namen ablegen zu dürfen. Für einen Moment erschien die Stille im Palast erdrückend, doch der Emir ergriff kurze Zeit darauf das Wort und erklärte ihr, dass sie unter disen Umständen nicht mehr hinter den Mauern der Stadt leben durfte... Auch das war nichts Neues für sie... viele Schriften hatte sie gelesen ehe sie sich zu diesem Schritt durchgerungen hatte. Sie bat lediglich um etwas Zeit, in Ruhe ihr Haus räumen zu dürfen. Es war groß und sie war allein, es war nicht binnen Stunden gepackt. Der Erhabene zeigte sich auch hier durchaus verständnisvoll, dass Volk hatte großes Glück mit ihm und Eluive eine gute Wahl getroffen.

Alle Worte waren gesprochen... blinzelnd senkte sie den Blick um ihre aufkeimenden Tränen zu unterdrücken. Worte der Verabschiedung und auch hier war es, als würde sie jeden Winkel des Palastes aufsaugen, als sie die Räumlichkeiten verlies. Ihr Weg trieb sie direkt nach Hause. Kaum das die Tür ins Schloss gefallen war, lehnte sie sich mit dem Rücken dagegen und lies ihren Tränen freien Lauf. Sie wusste das ihr Radeh sie immer unterstützen würde, genau wie ihre Mara, doch sicher war er auch enttäuscht. Würde er verstehen wieso sie diesen Weg wählen musste?

Tief durchatmend, beruhigte sich die junge Natifah wieder und fuhr sich mit den Händen über die Augen, um jene trocken zu wischen. Kadir war noch mit Naadja unterwegs und so konnte sie die Zeit nutzen um damit zu beginnen, ihre Habseligkeiten einzupacken. Vor ihren Kommoden stehend, fiel ihr Blick auf ihre Hand und den Ring welchen sie dort trug. Aqila... auch sie fehlte ihr so oft. Wortlos war sie davon gezogen, waren sie doch fast wie Schwestern gewesen. So viel Mühe hatte sie sich mit diesem Ring gegeben doch nun war es an der Zeit ihn abzulegen. Das Leben abzulegen, welches sie bis zu diesem Tage geführt hatte.

Gehe nicht, wohin der Weg führen mag, sondern dorthin, wo kein Weg ist, und hinterlasse eine Spur.



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Zuletzt geändert von Valentina Sturmkamm am Dienstag 9. Juni 2015, 06:09, insgesamt 2-mal geändert.
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Valentina Sturmkamm
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Beitrag von Valentina Sturmkamm »

Den Umzug hatte sie mehr oder weniger erfolgreich hinter sich gebracht. Es war alles noch etwas chaotisch und noch längst nicht alles ausgepackt aber langsam wurde es gemütlicher. Das Haus war deutlich kleiner als das, dass sie bisher bewohnt hatte und so musste sie gut überlegen welchen Teppich sie auslegen würde und welchen sie erst einmal verstauen würde.

Es war ungewohnt nun nicht mehr hinter den Stadtmauern zu leben aber das Rudel machte es ihr einfach sich hier einzugewöhnen. Sie hatten sie angenommen und sie konnte dort zu jeder Tages und Nachtzeit ein und aus gehen. Sie genoss die Zeit mit ihnen sehr und Kadir hatte Saajid und Farasha eh längst in sein Herz geschlossen. So war es genau so, wie sie es Saajid gesagt hatte. Es spielte keine Rolle ob sie hinter der Mauer aufwachsen und dort durch die unzähligen Wachen beschützt werden, viel wichtiger war, dass sie eine Familie waren und zusammen hielten.

Sie wusste das ihr und ihrem Anaan hier nichts passieren würde. Die Angst, die sie einst hatte, als man androhte alle Bashir der Stadt zu verweisen, war somit längst gewichen. Ja, es gab Annehmlichkeiten die sie nun nicht mehr hatte aber sie hatte etwas, dass ihr die letzten Wochen und Monate gefehlt hatte und weit kostbarer war als dies - Familie und Zusammenhalt.

Aalissay war gewachsen... sie wusste das sie eine starke Natifah war aber wie viel Kraft sie wirklich besaß und zu was sie im Stande war, dass lernte sie erst jetzt wirklich kennen. Saajid hatte großes Vertrauen in sie und dieses wollte sie natürlich nicht enttäuschen. Aber auch sie vertraute ihm und so war es ein schönes Zusammenspiel wenn sie gemeinsam zur Jagd aufbrachen. Nie hätte sie gedacht, zu was sie möglich war. Doch wenn er und der Rest der Familie bei ihr waren wusste sie, sie würden sie nichts riskieren lassen, von dem sie nicht sicher waren, dass sie es schaffen würde. Ihr Vater wäre so stolz auf sie, wenn er sie sehen könnte...

Die freie Zeit nutzte sie zum Angeln. Sie liebte das Wasser und die sanfte Meeresbriese die ihre Haut und ihre Haare umspielten. Wenn sie weit abseits angelte, wo sie niemand sehen konnte, lies sie das Kopftuch gerne mal fallen. Frei sein... für einen kostbaren Augenblick...
Gedankenverloren konnte sie auf das Meer blicken, Erinnerungen nach hängen, sich ausmalen wie ihre Zukunft sein könnte und sich fragen was Eluive sich für ihre Zukunft ausgedacht hatte.

Ihr Blick fiel auf ihre rechte Hand, die Hennazeichnung des Natifahabends, die den Zusammenhalt symbolieren sollten. War dem so? Hielte sie alle zusammen? Es gab Momente die sie zweifeln liesen aber falsche Schlangen gab es wohl immer, manche von ihnen getrieben von Neid und Missgunst. Sie verdrängte den Gedanken schnell wieder, wollte sie sich jetzt nicht damit auseinander setzen. Viel mehr arbeiten die Worte von Nadim, in ihr...
"du bist immer noch eine Ifrey"... ja, das Blut floß in ihr und so würde sie der Blutlinie her, immer eine Tochter der Ifrey sein, doch gehörte nicht weit mehr dazu?
Es wäre schrecklich wenn ihr etwas passieren würde, ob sie sich darüber keine Gedanken mache? Nein... zumindest nicht was ihr Fleisch und Blut anging. Hatten sie sich Gedanken darüber gemacht, als sie so gut wie alleine im Viertel der Ifrey lebte? Hatten sie sich Gedanken darüber gemacht, dass es sie verletzt hatte, dass niemand von ihnen zur Trauung im Tempel war? Hatten sie sich Gedanken darüber gemacht wie es ihr geht, seit Hasim fort ging? Hatten sie sich Gedanken darüber gemacht ob sie oder ihr Sohn etwas brauchten und es ihnen gut ging? Nein...

Wieso sollte es sie also interessieren wenn ihr etwas passieren würde? Sie wusste welchen Wüstenkindern sie wichtig war und auf wen sie sich immer verlassen konnte.

Leise seufzend schweifte ihr Blick auf den Korb mit Fisch und zurück zum Viertel der Hauslosen als ihr eine Idee kam. Kein Trübsal mehr, sondern ein Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie alles zusammen räumte. Leichtfüßig und so schnell der Wind sie trug, rannte sie nach Hause, ins Haus der Azeezah, räumte den Fisch und die kleinen Schatzkisten weg und suchte nach Saajid. Leider war er ausgeflogen und so setzte sie sich hin um ihm eine Nachricht zu hinterlassen. Mit jedem Satz schmunzelte sie mehr. Als sie fertig war, legte sie das Schreiben "Vorhaben" versiegelt, direkt auf dem Tisch, vor seinem Platz ab und machte sich auf den Weg um nach Kadir zu sehen. Mal sehen, was er zu ihrer Idee sagen würde...
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Valentina Sturmkamm
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Beitrag von Valentina Sturmkamm »

Die letzten Tage waren nervenaufreibend gewesen. Sie zeigten nur wieder, wie sehr die Welt im Wandel ist und das die Dinge oft anders kommen als man sie erwartet hatte. Farasha hatte viel zu tun und Lissy schätzte ihre fleissige Art und doch vermisste sie ihre Freundin sehr. Die Stunden in denen sie einfach nur da saßen und sich unterhalten hatten, lachten, alberten und die Datteln von Saajid gegessen haben. Naja... Farasha aß sie.

Die Nächte die sie sich alle zusammen um die Ohren geschlagen hatten, bis die ersten Sonnenstrahlen längst über Menek'ur aufgegangen waren. So lebendig hatte sie sich schon lange nicht mehr gefühlt. Innerlich hoffte sie, dass Farasha bald wieder etwas mehr Zeit haben würde, sie brauchte jetzt jemanden der ihr ein offenen Ohr schenkte, der sie verstand, der ihr einen Rat geben konnte, so wie sie oft anderen Blüten einen Rat schenkte. Doch mit ihren derzeitigen Gedanken war sie allein.

Als sie an jenem morgen gehört hatte, dass der Palast ihre Familie in den hohen Stand berufen hatte freute sie sich für Saajid und auch für die anderen. Er hatte sich so oft Sorgen darum gemacht. Es war gar nicht so lange her, als er davon sprach, dass er und seine Cousinen hinter den geschützten Mauern der Stadt aufgewachsen waren und es den Blüten des Rudels verwehrt war. Die Sorge schien ihn manchmal gar aufzufressen und sie hatte sich so oft gewünscht, ihm ein wenig von jener Last nehmen zu können aber auf ihren Vorschlag hin kam bisweilen keine Reaktion.

Er hatte als Sanjak wohl einfach zu viel um die Ohren. Sie wusste noch wie es für Hasim war, als er jenes Amt übernommen hatte und sich durch einen Berg von Papieren wälzen musste. Nun war Saajid eben Sanjak... noch so eine Veränderung. Ihr Rudel zog nun also in die Stadt und sie lebte hier draussen vor den Mauern der Stadt. Noch vor einigen Wochen war es genau umgekehrt gewesen... verrückt aber sie hatte jenen Weg gewählt und ihn bisher nicht bereut. Sie konnte ja die Zeit mit ihrer Familie verbringen, nur eben nicht bei ihnen schlafen aber das war kein Problem für sie. Irgendeiner der Wüstensöhne der Familie brachte sie abends immer vor die Stadt, damit ihr nichts passierte, es war schön zu sehen das man sich um sie sorgte, dass sie ihnen genau so wichtig war, wie sie ihr waren. War sie angekommen?


Die Frage hatte sie sich so oft gestellt, seit jener Nacht im Keller. So weit, wie an jenem Abend, hatte sich Saajid selten geöffnet. Einer jener Momente die sie nur darin bestärkt hatten, dass es der richtige Weg war. Trotz all dem waren die letzten Tage eigenartig gewesen. Lag es nur daran, dass sie Farasha vermisste? Oder daran, dass die Familie mit einem Schlag um diverse Mitglieder angewachsen war? Durch den Zusammenschluß von Masari und Azeezah... Die ganzen neuen Gesichter, ja es war durchaus viel und vielleicht brauchte all das auch einfach nur Zeit.

Gedankenverloren schlenderte sie durch die Stadt, als sie den Aushang fand...
Noelani Banu Omar hat geschrieben:
GESUCHT UND FESTZUNEHMEN

Saajid Tamam Azeezah

Der Sohn der Durrah scheint besessen, es ergeht an alle Janitschare der Befehl, ihn festzunehmen und in die Zellen zu sperren. Es sei Vorsicht geboten und keine Alleingänge gewünscht.

Eine Zelle, mit einem Anti-Magie Feld wurde für ihn vorbereitet. Er stellt eine Gefahr für Volk und Land dar. Demzufolge soll schnell gehandelt werden. Jeder der ihn schützt, gefährdet das Volk!
Auf Befehl unseres Emirs!


Noelani Banu Omar
Jijkban des Reiches der Sonne
Im Auftrag der Armee


Immer und immer wieder laß sie jene Zeilen. Das konnte nicht wahr sein... Das musste ein schlechter Scherz sein... Eluive würde doch nie... oder doch? Ausgerechnet jetzt? Wieso jetzt? War auch das eine Prüfung auf ihrem Weg? Sie spürte wie die Farbe aus ihrem Gesicht wich... Mit einem Schlag waren die Erinnerungen zurück als damals dieser Dschinn sein unwesen trieb. Wie er Besitz von allem und jedem ergriff und sich an den Gefühlen ihres Volkes nährte. Malaikas Blick, als sie ihr drohte, dass sie sie umbringen würde... Damals war sie gerade erst einige Tage in der Stadt gewesen und das ganze hatte sie durchaus mit Angst erfüllt. Nun hatte sie keine Angst vor was auch immer von ihm Besitz ergriffen hat, sie hatte Angst um ihn...

Imraan wäre dem Dschinn damals um ein Haar erlegen, was wenn es Saajid ähnlich gehen würde? Was wenn er etwas tat, dass sein Verhägnis bedeuten würde? Wenn jemandem etwas geschieht? Wenn sie ihn nicht von diesem Wesen befreien konnten? Nein... sie schüttelte hastig ihren Kopf. Darüber durfte sie nicht nach denken. Saajid war stark, er hatte einen starken Willen, er würde sich dem widersetzen können... So hoffte sie zumindest. Doch was wenn er die Kontrolle verlor? Wieder schüttelte sie den Kopf und ermahnte sich selbst. Sie musste Farasha aufsuchen oder Majdy... sie mussten Saajid finden und das so schnell wie möglich...
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Valentina Sturmkamm
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Beitrag von Valentina Sturmkamm »

Gemeinsam sind wir stark, alleine gehen wir unter
Nachdenklich lief sie an diesem Abend zurück ins Hauslosenviertel. Es war schön gewesen Farasha wieder zu sehen. Für den Bruchteil einer Sekunde hatte sie den Aushang und dessen Bedeutung vergessen, bis Farasha es ansprach. Lissy hatte das Gefühl jemand würde ihr die Luft abschnüren. Für sie war vollkommen klar, dass sie Saajid finden musste und ihn nicht ausliefern würde. Überall hatte sie schon gesucht, abgesehen vom Familienhaus. Aber sie wusste, dass auch Farasha Recht hatte… der Emir verlangte danach. Der Emir… ein tiefes Seufzen entwisch ihren Lippen… sie durfte trotz allem nicht vergessen was ihre Aufgabe war doch Eluive machte es ihr derzeit nicht gerade einfach. Wieso Saajid? Wieso jetzt?

Gemeinsam mit Ghaazi gingen sie zum Haus. Für Ghaazi gab es keine Zweifel daran sich dem Befehl zu widersetzen. Als er sagte, dass er ihm zur Not weh tun würde, hätte Lissy um ein Haar vergessen wer sie war. Sie würde niemals zulassen das ihn jemand verletzte, gleich wer es auch sein mag. „Natifah…“ murmelte sie auf dem Weg, zu ihrem Haus, immer wieder grummelnd vor sich her.

Die Worte von Samija was am Vorabend geschehen war… Wie Ghaazi sich an ihn kettete und die Sekban mit den Janitscharen vor der Tür stand… Immer wieder hatte sie innerlich zu Eluive gebetet, sie möge sie doch bitte aus diesem Albtraum aufwachen lassen aber es war kein Traum. So sehr sie es auch versuchte, es ging kein Weg daran vorbei, dass er in die Zelle musste aber zumindest räumte ihr Noelani ein, dass sie es ihm gemütlich machen durfte. Ein kleiner Trost… Lissy eilte zum Haus und holte einige Kissen, Decken, die kleine Salzfigur die er Kadir einst schenkte und die Zeichnungen die Lissy ihm gemalt hatte. Vielleicht würde es helfen. Vielleicht würde es ihm die Kraft geben die er brauchte um diesen Dschinn zu besiegen. Ein Dschinn… schon wieder und es war dem von damals so ähnlich…
Sie wusste wie gefährlich es war und auch wenn sie die Ruhe bewahrte machte sie sich Sorgen um Saajid. Sie würde tun worum er bat und zu den Ifrey gehen… Hoffentlich fand die Akademie bald eine Lösung, einen Weg ihn davon zu befreien. Sie würde alles in ihrer Macht stehende tun um ihnen zu helfen, sofern sie konnte. Alles…

Als sie vor ihrem Haus ankam sah sie zurück zur Stadt. Das erste Mal, dass sie verfluchte, ihre Schlüssel zur Kaserne mit ihren Sachen abgegeben zu haben. So hätte sie ohne Probleme, die Nacht dort verbringen und ihm beistehen können. Nachdenklich biss sie sich auf die Unterlippe, die Augen leicht zusammen gekniffen schüttelte sie mit einem Mal den Kopf. Sie war Aalissay… sie verstand sich besser als manch anderer darin, sich unbemerkt im Schatten und der Dunkelheit zu bewegen. Wieso war sie nicht gleich darauf gekommen? Sie konnte vielleicht nicht in der Kaserne sitzen und ihm beistehen aber sie könnte zumindest in seiner Nähe sein. Sie wusste, dass er es spüren würde, sie musste nur nah genug an die Kaserne heran.

So ließ sie die Haustür geschlossen, fuhr herum und eilte zurück zur Stadt, um sich, kaum dass sie sich der Stadtmauer näherte, unbemerkt hinein zu schleichen. Nur nicht erwischt werden… Leisen Fußes schlich sie sich dicht an die Kaserne heran und versteckte sich im Schatten eines Mauervorsprungs. Wer hätte gedacht wie nützlich ihre Gabe irgendwann sein würde?! Sie lehnte ihren Rücken gegen die Kühle Sandsteinmauer und dachte fest an ihn. Ob er sie schon bemerkt hatte? Er würde es schaffen! Er war stark! Er musste auf sich selbst vertrauen… Er war nicht allein…
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Valentina Sturmkamm
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Beitrag von Valentina Sturmkamm »

Die Nacht war schon weit voran geschritten als sich Aalissay auf den Weg zu ihrem Haus machte. Sie sagte weder einer der Wachen, noch Samit oder Rahim Bescheid... sie wollte alleine sein und sie war den Weg so oft schon gelaufen. Mit kleinen Schritten lief sie durch die dunkle Nacht. Es war windstill und abgekühlt. Kaum das sie das Osttor durchquert hatte, sah sie noch einmal über ihre Schulter, ehe sie ihren Schleier und das Kopftuch löste. Sie hatte das Gefühl, das sie beides daran hinderte zu atmen. Ihre Brust hob und senkte sich nur langsam. Das Gefühl war fast wie am Nachmittag in der Kaserne, als ihr plötzlich die Luft weg blieb, nur das nun kein Liedgeist hier war, den sie dafür verantwortlich machen konnte.

Mit jedem Atemzug atmete sie schneller und flacher und so beschleunigte sie ihre Schritte durch die Durrah, geradewegs auf ihr Haus zu. Als sie Tür hinter ihr, mit einem leisen Krächzen zu fiel lehnte sie ihren Rücken dagegen und knief die Augen zusammen. Erst jetzt, erst hier, in ihren eigenen vier Wänden, an diesem sicheren Ort, an diesem Ort wo sie, bis auf ihren Anaan alleine war, fiel die ganze Anspannung von ihr ab.

So wie sich die ersten Tränen ihren Weg über ihre Wangen bahnten, lies sie sich langsam die Tür hinab sinken, bis sie auf dem Boden angelangt war. Sie lehnte ihren Kopf gegen die Tür, die Hände über jenem zusammegeschlagen lies sie all ihren Gefühlen freien Lauf.

Sie hatte am Nachmittag das Schreiben am Palast abgegeben und wollte danach eigentlich nur nach Saajid sehen. Ihm beistehen... Khalida war bereits dort. Immer wieder hallten in ihrem Kopf die Worte "Frist nicht eingehalten", "Handel gebrochen", "... ihn mit nehmen", "er wird mich töten..."
Sie fühlte sich so machtlos. Saajid mit diesem Liedgeist in der Zelle und sie und Khalida davor. Wieso hatte niemand etwas unternommen? Was wenn er ihm wirklich etwas angetan hätte? wenn es zu spät gewesen wäre? Sie konnte nicht tun, als er sie auf die Knie zwang und ihr die Luft raubte und als sie sich endlich wieder auf die Beine ziehen konnte, hatte er Saajid bereits mit genommen.

Die Zeit... wie lange es dauerte bis sich alle versammelt hatten um zu den Ruinen von Varuna zu reiten und ihn zu suchen. Da stand er... in Mitten einer Ansammlung von Menschen die sie noch nie zuvor gesehen hatten. Er gehöre nun in dieses Rudel... Was bei Eluive? Er hatte sein eigenes Rudel, dass Rudel, in das er sie so liebevoll aufgenommen hatte. Sie hörte Noelani reden, Ghaazi und diesen Rabendiener und immer wieder Ghaazi der auf Saajid einredete, bis auch Lissy endlich die Stimme wieder fand und ihm Erinnerungen zu warf.

Sie wusste es die ganze Zeit... sie wusste, dass er noch irgendwo war. Genau deswegen hatte sie die Zeichnungen und die kleine Statue mit in die Zelle gelegt. Sie hatte gehofft er würde sich so erinnern und diesen Liedgeist bezwingen.

Als Saajid endlich zu Sinnen kam und sich von diesem Bann oder was auch immer es war, löste, brach er hinter ihnen bewusstlos zusammen. Eluive sei dank, hatten sie zwei Hakim dabei und so konnte Aalissay nur über ihre Schulter, einen sorgenvollen Blick, auf diesen, ihr wichtigen, Wüstensöhn werfen. In ihren Gedanken sprach sie immer wieder zu Eluive, sie durfte ihren geliebten Wüstensohn nicht aufgeben, sie solle ihn beschützen...

Auf dem Weg nach Hause, konnte sie den Blick nicht von dem Pferd nehmen, welches Saajid, auf seinem Rücken trug. Sie brachten ihn in einen der Behandlungszimmer im Maristan. Wie angewurzelt blieb Lissy im Türrahmen stehen. Sie konnte nur den Eingang des Raumes erkennen, wusste sie, dass sie dort drin nichts verloren hatte, auch wenn jede Faser ihres Körpers sie dort hin zog. Die Esra verwies sie und Mina darauf, doch nebenan im Lehrraum zu warten... schwerfällig löste sie sich und ging hinüber. Das Gesäß leicht gegen den Tisch gelehnt, senkte sie den Blick ab. Ihre Gedanken waren die ganze Zeit bei ihm. Sie hoffte er würde es irgendwie merken und es würde ihm irgndwie helfen... naiv und doch das einzige was sie tun konnte.

Langsam leerte sich das Maristan, nur Mina und sie standen noch hier im Zimmer. Sie hatte die kleine Blüte im Arm und versuchte ihr den Trost zu sprenden um den sie gebeten hatte. Als sie nach ihm sehen wollten, erklärte ihnen Tamika, dass er bereits nach Hause gebracht wurde. Nach Hause... der Ort an dem er schon die letzten Tage hätte sein sollen. Nicht in diesen Zellen, nicht alleine...
Es war das erste mal, dass sie den Schlafsaal der Wüstensöhne betrat... dort lag er.. neben ihm stand Farasha. Sie zu sehen erwärmte ihr Herz und gab ihr für den Augenblick einen weiteren Schub Kraft, all das durchzustehen.

Aalissay befreite ihn noch, sorgfälltig, von seinem Bart... .die ein oder andere Frage wurde beantwortet, ehe er sich endlich schlafen legte. Langsam stieg sie die Treppen hinab. Samir hatte etwas zu Essen und Trinken verdient und so machte sie sich ans Essen während Tamika den Mocca aufsetze. Farasha war noch immer fleissig am herum räumen und so half sie ihr noch ein wenig. Alles war besser als da zu sitzen und nach zu denken.

Sie konnte die salzigen Tränen auf ihren warmen Lippen schmecken. Die Schnürung um ihre Brust löste sich langsam... die Sorge wich, denn sie wusste, dass es ihm nun gut geht. Das er nicht mehr in Gefahr war, dass es keinen Grund mehr zur Sorge gab. Die Sorge, die sie die letzten Tage begleitet hatte. Sie wollte sich gar nicht ausmalen was sie getan hätte, wenn ihr Eluive auch noch Saajid genommen hätte. Ihr wurde so vieles klar in den letzten Tagen. Sollte es genau deswegen so sein? Das würde sie wohl nie erfahren...
In einigen Stunden hatte sie den Termin im Palast... ein Schritt der wieder alles verändern würde.

Der Körper der Blüte begann leicht zu zittern und so schlug sie ihre Arme um ihre Beine und kauerte sich ganz dicht zusammen. Den Kopf auf ihren Knien abgelegt schluchzte sie, bis die Müdigkeit irgendwann den Kampf um ihren Körper gewann und sie leicht zur Seite weg sackte... so schlief sie in jener Nacht, auf dem kleinen Teppich, direkt an ihrer Tür...
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