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Großer Bruder, verfluchter Vorgesetzter...
Verfasst: Dienstag 24. Juni 2014, 18:47
von Gast
Lange war es her gewesen, dass sie und Ernst mal eingehenst miteinander gesprochen hatten und noch nie, seit nun mehr als 10 Jahren hatte sie jemanden außer Samuel so nah an sich selbst und ihre Gefühle heran gelassen. Ob es nun heute gewollt war oder ob sie die ganzen Außeneindrücke einfach nicht mehr von sich abweisen konnte, wusste sie nicht, aber sie wusste, dass es gut getan hatte. Manchmal brauchte auch sie und vielleicht sogar vorallem sie einen schützenden Arm um sich und eine starke Schulter zum Anlehnen. Heute wurde es ihr klar und sie spürte, dass es nicht nur das Verhalten von ihr selber, sondern auch das der Anderen veränderte, wenn sie so eine Nähe zuließ und im selben Atemzug Offenheit zeigte.
Vielleicht war es ja auch ein kleiner Ansatz von dem, was Kaleya ihr immer gepredigt hatte in den letzten Tagen.. Die wahre Liebe! Natürlich und das würde sich auch nicht ändern, war es nicht die Liebe, die sie bei Samuel verspürte, aber es war diese Geborgenheit schenkende, wohltunde, freundschaftliche, fast schon brüderliche Liebe, die Ernst ihr gab. Es war anders und doch gleich und vermutlich half dies genauso, den richtigen Pfad im Auge zu behalten und weiter zu gehen.
Die ernsten, aber auch die heiteren Worte, die der "Beschützer des Kessels" zu ihr gesagt hatte, allesamt hatten sie beruhigt und dazu bewegt, die Barrikaden einfach mal fallen zu lassen und sich anzulehnen. Den Einzelkampf eine Weile zu unterbrechen und darauf zu vertrauen, dass Andere mit ihr kämpften und an den Sieg glaubten. In dem Moment, wo sie so an ihn gelehnt dar saß schmerzte der ganze Verlust nicht mehr. Es war egal, dass sie es gewesen war, die die Beziehung zu Samuel beendet hatte, egal war es, dass sie bisher eigentlich nie ganz freiwillig im Regiment gewesen war oder das der Kessel momentan etwas an Schwung verloren hatte. Es zählte nur das Wissen darüber, dass sie nicht alleine kämpfen sollte und es auch nicht musste und dieses Wissen zauberte ihr schlussendlich doch ein Lächeln auf die Lippen.
Der Gedanke daran, dass der damals eigentlich nur von ihr verfluchte Ernst Eichengrund nun derjenige war, der die alten Barrikaden aus Trotz und Naivität gebrochen hatte, amüsierte sie auf eine merkwürdige Weise, denn sie wusste, dass er schon beim nächsten Dienst wieder 'Schlag mich!' auf der Stirn stehen haben würde.
Nachdem er wieder weg war und seinen Pflichten nachging, schlenderte sie durch die Räume ihres Hauses und betrachtete die Bilder:
Das Regiment! Ja, es war schon komisch. Immer wieder musste sie daran denken, wie widerwillig und doch aus eigenem Entscheid heraus sie jenem beigetreten war. Sie hatte Frau Oberstleutnant von Nebelpass noch mitbekommen, der Sire von Tannenhoeh hatte sich damals noch zu den Reihen derer in rot-gold gezählt, Oberst van Nordwind war damals noch Korporal Vaughain gewesen, die Korporäle Senheit und Eichengrund selber noch "wenig autoritäre Rotmützen". Der König war eine unerreichbare Persönlichkeit mit unbekanntem Gesicht gewesen, das Verständnis für Schlachten und ihre Verluste ein niemals verinnerlichtes Gefühl, was das Herz erfüllt und der Glaube an sich selbst viel mehr die aus jugendlicher Naivität entstehende Arroganz.
Der Bunte Kessel! Alles, was sie hatte, alles, was sie ihr Eigen nannte und dazu zählte sie auch ihre etwas andere Familie, verdankte sie dem bunten Haufen:
Tarya die Kesselmami,
Talianna die.. naja, was auch immer! Sie war einfach ein Teil davon wie alle anderen auch,
Tarek, der Kesselpapa,
Cathan, der mittlerweile verschollene Kesselopa,
Helisande, der Hausdrache,
Ernst, der Beschützer des Kessels,
Threlm der Spaßvogel,
Kaleya der frische Wind,
Shayla und Alania, die fleißigen Bienchen,
Lethalon, das sympathische Spitzohr und auch
Aleyna! Verrücktes Huhn! Es war einfach nicht zu glauben, dass alles so gewesen war, wie es durchgedrungen war, aber schlussendlich interessierte es auch nicht, denn die Holzarbeiterin war geblieben in Adoran, hatte Liebe zur Stadt bewiesen und wenigstens Saphira nicht als Freundin verloren. Zumindest nicht im Inneren.
Und auch Samuel hatte sie nicht aus ihrem Herzen geschlossen. Vielleicht war es nicht mehr ihr Traummann, der Ehemann an ihrer Seite, mit dem sie alt werden wollte, aber er blieb ein Teil der Familie. Welchen Teil er schlussendlich ausfüllen würde, wie sie ihn sah, dass wusste sie nicht, aber es spielte auch keine große Rolle. Es gab momentan einfach andere Dinge, um die sie sich Gedanken machte.
Janarey eine Freundin, um die sie jeden Tag und jede Nacht hatte bangen müssen. Ein nervenraubendes rothaariges Bündel, wie eine Fahne im Wind, der der Mast zu brechen drohte. Mit ihr hatte alles angefangen: Das Leben auf Gerimor,
das Leben im Kessel,
das Leben im Regiment,
das Leben für Temora..
Und es würde auch mit ihr enden! Die Pläne Saphiras von faltiger Haut, weißem Haar und den spielenden Enkeln im Blick waren mit der Beziehung zu Samuel in weite Fernen verschwunden und es drängte sie kein Bedürfnis dazu, jene Träume wieder einzufangen. Die Worte Janareys über den ehrenvollen Tod im Kampf waren mit immer mehr verstrichener Zeit weit aus treffender gewurden, als es sich die Blondine jemals hätte erträumen können. Als es sich vermutlich überhaupt jemand außer Temora selber hätte erträumen können. Ja, vermutlich würde auch sie eines Tages so enden. Dabei war es unwichtig, ob es nun in Adoran, vor Rahal oder mitten im Nirgendwo war. Ob es eine Schlacht oder ein Duell war, was sie zu Fall bringen würde. Es interessierte nicht, wann genau es sein würde, denn bis dahin hatte sie noch Zeit und diese würde sie mit ihren Freunden und ihren Kameraden genießen. In Kesselgrün und in rot-gold. In Adoran und überall...
Temora beschützt! Ja, das tut sie wirklich..
...das ihr nun der Weg zum Ziel frei gemacht wurde...
Verfasst: Mittwoch 2. Juli 2014, 11:34
von Gast
Doch was war das Ziel?
Das ganze Jahr lang war sie fest davon ausgegangen, dass es ihr Ziel war, Ritterin zu werden, doch wo sie so mit ihrer neuen Selbstsicherheit am Palast vorbei ging und die Mauern hoch sah, kam Skepzis in ihr auf. Es war nicht wie früher, dass das Licht der Sonne strahlte und alles in einen magischen Glanz legte. Die Fahnen des Reiches wehten nicht heorisch in diesem Moment und auch sonst erschien ihr dieses riesige Gebäude einfach nur wie ein.. riesiges Gebäude eben.
Weiter ging sie zur Kirche. Sie strahlte, aber den vollen Glanz, jenen Glanz, den sie am Tag des Triumphes, dem Sieg über die Käfer gehabt hatte, hatte auch sie nicht in diesem Augenblick. Saphira ging weiter.
An der Kommandantur angekommen blickte sie hoch zum Dach, lächelte kurz reflexartig, aber nicht herzlich auf und wandt den Blick wieder ab. Es würde wohl immer ein Teil von ihr bleiben. Egal, was sie demnächst tun würde, aber es war nie die Erfüllung ihres Lebens gewesen. Wieder ging sie weiter. Die Straße wieder zurück, weiter ins Innere der Stadt.
Bald schon stand sie an der Stelle, wo der alte Kessel mal gestanden hatte. Viele Erinnerungen kamen hoch. Erinnerungen an freundliche Menschen, die vergangen oder auch geblieben waren, Erinnerungen an schlechte Menschen, die immer wieder gekommen und auch wieder gegangen waren, an Pilze und Fische, an Schwerter und Schilde, Erinnerungen an ihr letztes Jahr. "Schafspisse.." , murmelte die blonde Frau vor sich her. Sie beugt Entzündungen vor... Was ist eine Entzündung? "Eine Wunde, die durch Dreck von außen verschlimmert wird und dann ziemlich schmerzhaft wird. Manchmal so dolle, dass man betäubt ist vor lauter Schmerz." Sie runzelte die Stirn. "Wunde, Tod; Dreck, noch mehr Tod, Entzündung.." Sie stockte wieder, dann fasste sie den Gedanken zu Ende. "Entzünundung, Blindheit" Verstand sie gerade selber, was sie da dachte? Jemand anders hätte vermutlich jetzt nur den Kopf schräg gelegt oder gar behauptet, sie wäre verrückt, doch trotz der Tatsache, dass es ihr noch nicht wirklich klar war, was sie da gerade im Begriff war, zu begreifen, fand Saphira, dass es der richtige Weg war. Der richtige Weg zur Erkenntnis darüber, was ihr Ziel war.
Ohne weiter darüber nachzudenken, ging sie die Straße noch ein Stück entlang, bis sie an der Stelle ankam, wo früher ihr altes Haus gestanden hatte. Wie aus magischer Hand erschien an jener Stelle ein Mann. Man konnte sehen, dass er nur ein Trugbild war und dennoch erschrak Saphira nicht, denn sie erkannte ihn schon früh. Wenn dir das hier zu viel wird, dann zieh dich einfach eine Weile zurück., sagte Naron und wie schon damals kam es mit einer absoluten Selbstverständlichkeit über seine Lippen. Statt wie beim Gespräch zu widersprechen, lächelte Saphira ihn nur sanft an und ging weiter.
Bald war sie am neuen Kesselgelände angekommen. Groß war es und strahlte für gewöhnlich vor lauter Betrieb, doch diesmal war es still. Verständlich, bedachte man die frühe Morgenstunde. Shayla und Tarek waren vermutlich auf ihren eigenen Höfen und der Rest musste nicht früh aufstehen. Sie hielt sich nicht weiter am Gebäude auf und setzte ihren Weg fort. Eine ganze Weile ging sie scheppernd über den Weg, während sich die Sonne langsam allmälig ihren Weg über die Baumkronen hinweg bahnte und Lichtenthal in ein blasses Licht zu tauchen begann.
Stunden später war sie in Junkersteyn angekommen und mit einem Mal strahlte das sonst so niedliche und schöne Dorf genau das aus, was Saphira in sich fühlte. Es war ein unauffälliger, kleiner Ort am Rande des Nirgendwos. Abgeschieden vom Rest, perfekt geeignet, um für sich selbst zu sein. Und das war ja auch der Grund gewesen, warum sie damals hier her gezogen war. Die Möglichkeit, dem Trubel aus dem Weg zu gehen.
Sie wandte den Blick wieder ab und kam auf den Trampelpfad zurück. Jener führte sie weiter gen Westen. Irgendwann, komplett im Niemandsland, fernab von jeglicher Zivilisation überkam sie wieder ihre eigene Müdigkeit, die sie eigentlich schon weit vor der Wanderung, noch gestern vorm Dienst verspürt hatte. Dem Drang nach Schlaf nachgebend begab sie sich an den Wegrand und lies sich an einem Baum nieder. Schon bald war sie eingeschlafen und sank in einen intensiven, lebensechten Traum ein...
Qualm umgab sie oder irgendetwas in der Art. Es nahm ihr nicht den Atem, aber fast vollkommen die Sicht. Erst war nichts zu hören, dann ein leises Rauschen, was an einen Bach erinnerte. Sie fühlte sich leicht und so blickte sie erst einmal an sich herab. Die rot-goldene Rüstung war durch ein seidenes weißes Kleid ausgetauscht wurden, was sanft im seichten Wind umher wehte. Der stramme Zopf hatte sich aufgelöst und die Haare ganz schlicht, offen den Rücken hinabfallend zurückgelassen. Der Boden, auf dem sie stand, war tiefbraun, erdig und erinnerte sie an einen Wald. Ihr Blick wanderte wieder hoch und versuchte irgendetwas durch die qualmartige Umhüllung zu erkennen. Die rechte Hand versuchte die Sicht frei zu wedeln, doch nichts hier lies sich durch ihre Bewegungen beirren. Normalerweise wäre ihr jetzt unwohl gewurden, doch sie merkte, dass in ihr keinerlei Gefühle aufkamen. Sie schien nur ihren reinen Verstand zu benutzen. Verwirrung kam in ihr auf. Normal war das nicht und so begann sie zu zweifeln...
...das ihr nun der Weg zum Ziel frei gemacht wurde... I
Verfasst: Donnerstag 3. Juli 2014, 18:12
von Gast
...Mit einem Mal ertönte heiteres Gelächter aus naher Ferne. Das Knistern eines Lagerfeuers drang durch die anfängliche Stille und eine Laute bahnte sich samt Schellenkranz einen Weg zu Saphiras Ohren. Fröhliche Melodien, passend zur Stimmung der Leute. Gerade, als Saphira in die Richtung gehen wollte, aus der sie die Geräusche vermutete, lenkten andere Höreindrücke sie ab.
Sie hörte das Klirren von Schwertern, die aneinander knallen, das Surren von Pfeilen, die durch die Luft fliegen und das Rauschen einer Feuerwand, die ins gegnerische Heer saust. Rufe ertönten, Befehl. Dann ein Gebet etwas weiter und schließlich ein paar motivierende Worte.
Gerade wollte sie sich weiter in die Richtung bewegen, da ertönten hinter ihr ein Hämmern, Sägen, Schneiden. Verschiedenste Tiere gaben Laute von sich und sie konnte hören, wie jemand eine Flüssigkeit irgendwo rein füllte. Ziemlich daneben brodelte es und das Stampfen eines Mörsers war zu hören.
Die Geräusche stoppten nicht, sobald sie sich abwandte und so umgab sie nun von jeder Seite ein neues Geräusch. Mehrfach drehte sie sich um ihre eigene Achse und versuchte weiter etwas durch den Qualm zu erkennen. Weiter vergebens. Es musste doch eine Möglichkeit geben, hier wieder raus zu kommen...
Verfasst: Freitag 4. Juli 2014, 12:19
von Gast
Kaum hatte sie diesen Gedanken gefasst, verstummte alles um sie herum für den Bruchteil einer Sekunde, ehe hektisches Hufdonnern auf sie zu kam und die Menschen am Feuer aufschrien. Sofort wandt Saphira sich in jene Richtung und versuchte aus einem Reflex heraus, etwas zu erkennen. Noch bevor sie sich darüber aufregen konnte, dass der Qualm ihr die Sicht nahm, lichtete er sich und ermöglichte es der Kriegerin, ein ihr all zu bekanntes Szenario zu erblicken. Ihre Familie lief wie eine Horde aufgescheuchter Hühner durch die Gegend und versuchte vor den dunkel gerüsteten Reitern auf ihren tiefschwarzen Pferden davon zu laufen. Unaufhaltsam entwich ihr ein Schrei:"Nein!" Sofort lief sie auf das Geschehen zu und griff dabei nach dem nächstbesten etwas größeren Ast, der auf ihrem Weg herum lag. Mit aller Wucht warf sie jenen dem ersten Reiter an den Kopf und lockte somit seine Aufmerksamkeit. Seine Hände zogen an der Leine des Tieres unter ihm und zwangen es dazu, zum Stehen zu kommen und sich dann der Frau zuzuwenden. Es schnaubte wild, gehorchte aber. "Du wagst es dich, dem Panther seine Jagd zu verwehren?", kam es in einer rauhen Stimme deutlich erzornt von oben herab. Ohne darüber nachzudenken, entgegnete Saphira ihm:"Geht woanders jagen! Diese Leute hier stehen unter meinem Schutz. Wollt ihr ihnen Leid antun, müsst ihr zuerst mich besiegen!" Natürlich war es Wahnsinn, sich den Dreien entgegenzustellen, aber darüber dachte sie jetzt nicht nach. Nun fast schon lachend, erwiderte der Reiter ihre Ansage:"Verschenk doch nicht dein Leben, Mädchen. Dich wird hier nichts und niemand retten." "Temora wird über euch richten und solange ich mir ihrer Güte sicher bin, brauche ich mich nicht fürchten. Der Tod ist auch nur der Beginn von etwas Neuem." Gerade hatten jene Worte ihren Mund verlassen, da spürte sie auf einmal eine bekannte Last auf ihren Schultern wachsen, die jedoch nun eine Wohltat war. Die Rüstung bildete sich in Sekundenschnelle an ihrem Körper und in ihrer Hand tauchte plötzlich der diamantene Falchion auf. Der Turmschild mit dem berühmt berüchtigten Adler darauf lies sie sich sicherer fühlen, als es die höchste Mauer der Welt hätte tun können und in dem Moment wusste sie es genau... "Für mich gibt es nur einen Weg und das ist der Kampf im Namen Temoras; Mit ihrer Hilfe schütze ich die Schwachen und stehe für das Gute ein!"
Sie öffnete die Augen und blickte zum Himmel hinauf. Dort ging gerade die Sonne auf und tauchte Gerimor in ein strahlendes, gold schimmerndes Licht. Der Wald in ihrem Rücken erwachte und das Kreischen eines Greifvogels ertönte, der anmutig über ihren Kopf hinweg flog. Nicht greifbar, aber deutlich zu erkennen und vor allem zu spüren. Mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen richtete sie sich auf und ging zurück nach Junkersteyn. Nagut, sie versuchte es. Manche Dinge hatten sich eben doch bei aller Einsicht nicht geändert. So irrte sie also durch halb Gerimor und kam erst zur Mittagsstunde wieder in Adoran an. Nicht ganz der Ort, den sie gesucht hatte, aber immerhin ein bekannter. Von hier aus fand sie wenigstens in aller Regel den Weg nach Hause..
Die Verantwortung hängt nicht an der rot-goldenen Farbe
Verfasst: Montag 28. Juli 2014, 13:37
von Gast
Die Kunde, dass alle wehrfähigen Bürger nach Schwingenstein sollten, versetzte Saphira in Panik. Sie hatte sich wochenlang zurückgezogen, sich vor jeglicher Pflicht gedrückt, die sie hätte erfüllen müssen und nur in ihrem Haus gesessen. Gesessen und nichts getan außer nachdenken. Doch jetzt holte sie alles wie eine Riesenwelle wieder ein. Flach von oben knallte das Vernatwortungsbewusstsein auf sie drauf. Genau wie der Platzregen, der natürlich in jenem Moment aufkam. Ironie des Schicksals oder doch ein Streich der Götter, um die Blondine wach zu rütteln? Hektisch, nicht zuletzt in der Hoffnung, nicht all zu nass zu werden, rannte sie zum Kessel. Dort angekommen blickte sie einmal abschätzend zur Truhe, wo die Rüstung drin lag, dann schnaufte sie durch und legte sich das metallerne, eigentlich mittlerweile viel zu leichte Rüstzeug an. Geübt dennoch. Verlernt hatte sie eben nichts. Sie eilte erneut los. Das Osttor wurde geschlossen, es ging weiter bis zum Westtor, auch jenes wurde geschlossen und dann im Eilmarsch nach Schwingenstein. Natürlich ward das Ross vergessen, aber sie kümmerte sich nicht drum. Sie wäre eben nicht Saphira Nojah, würde sie an alles wichtige denken. Immer noch prasselte der Regen gegen sie und der Waldboden, den sie versuchte zu überqueren, gab immer mehr unter ihren gewichtigen Tritten nach. Eine Mischung aus Gewichtszunahme und voller Montur. Nicht gut! Naja. Immerhin schafften es solche, doch eigentlich eher humorvollen und vor allem belanglosen Gedanken, sie von dem entscheidenden abzuhalten: Warum zur Hölle erst jetzt die Einsicht?
Ein weiterer Schritt...
Verfasst: Sonntag 21. September 2014, 19:08
von Gast
Sie hatte bereits viele Schritte in ihrem Leben getätigt und nach den Meisten hatte sie gedacht, es wäre der letzte gewesen, der sie von ihrem Ziel getrennt hatte. Und jedes Mal hatte sie aufs Neue festgestellt, dass dem nicht so war. Es hatte sie schließlich dazu gebracht, am Rande ihrer Verzweiflung zu stehen und darüber nachzudenken, warum sie scheinbar nie ankam...
Die Beine angewinkelt an den Körper gezogen, nur in einfachen Stoffklamotten sitzt sie da auf einem kleinen Stück Erde, umgeben von Wasser. Ein Gewässer, was ihr Geborgenheit schenkt. Aber warum tut es das? Es ist doch nur Wasser. Es tut es, weil es das Gewässer ist, an dem ihre Gedanken über Heimat, Berufung und Freundschaft begangen. Damals hatte sie mit dem zurückgezogenen rothaarigen Mädchen Janarey hier gesessen und über ihre Zukunftsträume geredet... Ich möchte einmal im Kampf sterben! Nicht alt und schwach in meinem Bett.", hatte ihre erste Freundin damals gesagt und war sich dessen absolut sicher gewesen. Saphira schmunzelt, als sie daran denkt und in Gedanken die Stimme der Akoluthin hört. "Ich weiß nicht.. Ich mag kämpfen nicht so. Ich würde viel lieber irgendwann mal im Garten sitzen und mit meinem Mann schauen, wie unsere Kinder gemeinsam spielen." Wieder schmunzelt sie und schaut gedankenverloren in das Wasser vor sich. So ist es wohl immer noch. Doch der Mann, den sie sich dabei an ihrer Seite vorgestellt hat, den gibt es so nicht mehr...
***
Aufräumen ist angesagt! Mit einem Besen und einem alten Lappen bewaffnet wagt Saphira sich nach Wochen endlich mal wieder mehr in ihrem Haus zu tun, als nur etwas zu schlafen und die Hunde zu versorgen. Bücherstapel werden von den Regalen herunter geholt und entstaubt und dabei fallen ihr einige Titel auf. 'Die Tugenden', 'Der diamantene Kodex'... Einen Moment hält sie inne und betrachtet die damals mehrfach gelesenen Bücher schweigend. "Na, ich kann so viel sagen, dass zum Knappensein mehr dazu gehört, als nur Kampftraining. Man muss auch an Unterrichten teil nehmen über Etikette, die Tugenden..." die Worte des Knappen hallen noch ein wenig nach und schließlich schleicht sich ein Lächeln auf die Lippen der Kriegerin. Bis zum Vergasen hat sie damals diese ganzen Bücher gelesen und sie in und auswendig gelernt. Doch das Wissen wurde nicht gebraucht in Zeiten der Selbstzweifel und Tatenlosigkeit und so verschwand es immer mehr in einer dunklen Ecke des Gehirns, die es nun ausfindig zu machen gilt. "Also wieder lesen und auffrischen, Fräulein Nojah!", sagt sie zu sich selbst und putzt weiter. Die Bücher werden jedoch gesondert abgelegt, damit sie gleich auch wieder dran denkt.
***
Keuchend lässt sie sich auf den Bauch plumpsen wie ein nasser Sack. Schlimm genug, dass 'nass' wohl auch noch in diesem Moment passend ist. Total verschwitzt liegt sie da auf dem Boden der Wohnung und murmelt selbst für sie unverständliche Worte. "Das sind 12 und keine 15!", denkt sie sich und setzt sogleich erneut zur Liegestütze an. "1, 2, 3, 4, 5, 6.. 7.. 8.. 9... 10... 11... 12.... 13.... 14..... 15!", Die letzte Zahl gleicht mehr mehr einem Luftausstoß, als einer gezielten Aussage und das darauffolgende "Halten.." ist bald nicht mehr existent mangels Luftvorhandenheit. Murrend und doch wissend, dass sie weiter machen muss, richtet sie sich auf, lockert einmal alles und geht dann in die Kniebeugen über. "1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9.. 10.. 11... 12... 13.... 14.... 15"*
... Während sie in Gedanken war und nach der Antwort auf ihre Frage suchte, wurde ihr immer mehr klar, dass das Ziel gar nicht so eindeutig war, wie sie immer gedach hatte. Man konnte zwar sagen, man wolle so und so viele Kronen besitzen, so und so viele Runden um die Stadt laufen können... aber man konnte nicht sagen: "Ich möchte so und so viel ritterlich sein!" Ritterlichkeit konnte man nicht erarbeiten. Es war eine Eigenschaft, genau wie die Eigenschaft, nett oder gemein zu sein. Es konnte sich entwickeln, aber man konnte und durfte es einfach nicht erzwingen. Damit war ihr Ziel also nicht mehr definiert und so auch nicht der Weg. Es galt einfach, das Leben zu leben und sich immer wieder dessen bewusst zu werden, dass Temora es schon in die richtige Bahn lenken würde.
Verfasst: Samstag 31. Januar 2015, 13:18
von Gast
Wachtmeister... Ja, es war längst überfällig gewesen. Das Blau hatte sie davon abgehalten, aber nun war sie blau in Rot-Gold. Endlich das, was man von ihr erwartete. Ein Grinsen flüchtete über ihre Züge, während sie selbst nur tatenlos im Keller der Kommandantur stand. Eigentlich sollte man doch meinen, dass das genügend Motivation für Saphira war, auch wieder etwas zu tun. Schließlich halten Freundinnen zusammen und wenn die Eine nun schon eine Beförderung geschafft hatte, konnte es doch nicht sein, dass die Andere das nicht auch schaffte, oder? Ein theatralisches Seufzen entwich ihrem Mund und so begann sie sich zu rüsten. Das Wildleder war ohnehin viel zu selten im Gebrauch, also rüstete sie sich damit, um wenigstens etwas an Belastung zu haben, bevor sie hinaus ging in die Schneelandschaft.
Ein eisiger Wind wehte ihr ins Gesicht, doch es war schon lange nicht mehr so brennend kalt wie in den Mondläufen zuvor. Der Frühling kehrte langsam aber sicher wieder ein und mit ihm auch die wärmeren Temperaturen. *Stapf* *Stapf* *Stapf* ... Hoch genug war der Schnee dennoch allemal, um beim Gehen zu behindern. Genau das war aber ausnahmsweise mal das, was die Blondine haben wollte und so kämpfte sie gegen die weißen Massen um sie herum an, steuerte bewusst Hügel und Anhöhen an, versuchte ihr Tempo zu steigern und länger durchzuhalten, als normal möglich.. Ganz im Sinne Janareys eben...
"Oh, ich verfluche dich, Jana! ... Wie kann man nur.. auf so mörderische.. Trainingseinheiten.. kommen?", keuchte sie entsetzt vor sich hin, als es doch recht zügig begann, anstrengend zu werden. Und gerade, als sie nach einer Stunde beschloss, es ganz dran zu geben, kamen ihr nur all zu bekannte Worte in den Kopf: "Wenn du so weit kommst, dass dein Körper dir die Zeichen setzt, er kann nicht mehr, darfst du nicht aufhören, denn sonst steigerst du dich niemals! Diese Leistung kann er ja schließlich schon bringen. Also noch mal von vorne!" Sie jammerte fast schon lautstark, obwohl niemand da war, der ihr Jammern mitbekommen und kommentieren konnte und doch brachte es was, um sich dessen bewusst zu werden, dass sie auch die Einzige war, die sich klar machen konnte, dass an den Worten was Wahres dran war. Sie hatte sie schließlich selbst schon mal Aetehlinda an den Kopf geworfen. Also ging die Prozedur noch mal von vorne los. Langsamer, aber immerhin energischer. Mehrere Male knickten ihre Knie durch und zwangen sie bis zur Hüfte in den kalten Schnee, doch jedes Mal rappelte sie sich irgendwie wieder auf und stapfte weiter. Bald war es kaum noch so schnell wie der normale Schritt eines Erwachsenen, aber wenigstens die Bewegungen erinnerten an das ursprüngliche Vorhaben, den Weg zu joggen. "Verflucht seist du, Jana! .. Du Wahnsinnige!", schrie sie mittlerweile viel mehr gen Himmel. Sich mehr tot als lebendig fühlend. Ihre Wangen waren feuerrot, der Mund umrandet von einem bleichen Kranz, die gesamte Haut schweißnass... Kurz gefasst sah sie auch genau so aus, wie sie sich fühlte. Vielleicht sogar noch ein bisschen schlimmer.
Nach einer weiteren Weile, die sie einfach beim besten Willen nicht mehr nachhalten konnte, schluffte sie zurück nach Adoran. Wenigstens das konnte sie nach knapp 2 Jahren endlich, ohne sich zu verlaufen. Blicke der Bürger wurden nur erschöpft lächelnd erwidert, bis sie in der Kommandantur ankam und sich sofort abrüstete. Und als die Wärme des Gebäudes sie umgab, kam auch schnell der Frost zum Vorschein, den sie draußen in der windigen Landschaft völlig ausgeblendet hatte. Ein Zittern durchfuhr sie und das in die Klamotten hinein Schlüpfen konnte gar nicht schnell genug gehen. "Ich bring die um. Wirklich. Eines Tages bringe ich dieses rothaarige Weib um!", fluchte sie gedankenverloren vor sich her, während sie sich warm einpackte. Es natürlich nicht so meinend, aber alles Schlechte, was sie im Moment empfand war nun mal Janarey zuzuschreiben. Oder viel mehr Janareys Ideen und Äußerungen. Die Zeit würde vermutlich irgendwann bringen, dass Janarey alles Gute zu verantworten hatte, aber aktuell war sie einfach das Frustabbau-Objekt Nummer 1...
"Wie erklär ich es Tarya?"
Verfasst: Montag 16. Februar 2015, 22:43
von Gast
"Die will mich verarschen! Das kann gar nicht anders sein. Und der Oberst gleich dazu.", redete Saphira fassungslos vor sich hin und stiefelte hin und her. "Wie bitte, in Temoras Namen, soll ich das jemals wieder aufholen? Glauben die wirklich, ich hab nichts Besseres zu tun, als meiner Freundin nachzueifern?" Sie stockte und blinzelte mehrere Male, als sie sich unweigerlich selbst die Frage beantwortete: Nein, hatte sie nicht. Es gab im Moment nichts, womit sie sich sonst beschäftigte. Sofort seufzte sie
bei dieser Einsicht und murmelte erneut etwas zu sich selbst: "Saphira, du musst endlich wieder was aus deinem Leben machen, so geht das nicht weiter!"
Es folgte also ein paar Tage später der Brief an Tarya:
Grüß dich, Tarya!
Es ist jetzt schon eine ganze Weile her, dass ich den Kessel verlassen habe und ich [s]weiß nicht[/s] ich glaube, ich bin so langsam drüber hin weg. Also darüber, was mich damals ja dazu gebracht hat, zu gehen. Also ich meine das mit Samuel.
Was ich auf jeden Fall sagen will fragen will, ist, ob ich es noch mal versuchen darf ihr mich noch mal als Mitglied begrüßen würdet. Ich weiß gar nicht, was ich zu meiner Verteidigung sagen soll und ob das überhaupt nötig ist.
Na, ja. Wie auch immer. Ich würde mich freuen, wenn ich dürfte, aber wenn nicht, dann akzeptiere ich das natürlich auch.
Liebe Grüße!
Es war der erste Schritt zur Besserung, denn mit dem Verlassen des Bunten Kessels hatte sie tatsächlich nicht erreicht, was sie sich gewünscht hatte. Das ungestörte Leben ohne Verantwortung war zwar ohne Verantwortung, aber ein Leben war es nicht. Sie wollte Aufgaben los werden, weil sie sich überfordert fühlte und dabei hatte sie völlig übersehen, dass diese Aufgaben alle von ihr selbst auferlegt worden waren und das die Überforderung nur daher rührte, dass sie mit sich selbst und nicht mit der 'Masse' an Aufgaben zu viel zu tun hatte.
"Hm, gut. Damit hätten wir dann wohl auch die Frage nach dem 'Wie erklär ich es Tarya?' geklärt...", überlegte Saphira laut und schaute dann zur eigenen Regimentstruhe. Sie schmunzelte schließlich und holte die Rüstung heraus, welche sie sich dann auch sogleich anlegte. "Ein bisschen Tordienst hat noch nie geschadet!"
Hmmm.. wie das duftet! ... Wie in BAJARD!
Verfasst: Sonntag 10. Mai 2015, 05:36
von Gast
"So, wie ging das jetzt gleich nochmal? Den Fisch quer vor dich legen, das Messer in die rechte Hand...", murmelte die Kriegerin vor sich her, als sie fast schon mitten in der Nacht am Küchenfeuer der Kommandantur stand, es für das Kochexperiment vorbereitete und währenddessen versuchte sich anhand einiger alter Notizen daran zu erinnern, wie man noch mal gleich Fische filitierte. Es war nicht zu leugnen, dass einige Tiere für den bloßen Versuch des klein geschnibbelt zu werden hatten sterben müssen, aber da Saphira das nicht auf sich sitzen lassen wollte, machte sie aus den misslungenen Filets einfach eine Fischsuppe. Das ging immer, schmeckte eigentlich auch ganz gut und sooo sehr erinnerte es ja auch nicht an Bajard. Erst, wenn man es tagtäglich zwei mal essen musste, weil aus Übungszwecken einfach nichts anderes mehr gemacht wurde!
"Dann musst du warten bis das Fett heiß genug ist. Pass auf deine Finger auf! Vielleicht nimmst du lieber doch einen Holzlöffel, wenn du ihn zur Verfügung stehen hast.", murmelte Saphira halblaut vor sich her, während der rehbraune Blick auf dem Tagebuch lag. "Hm. Haben wir hier Kochlöffel? Wir werden doch sicher so etwas wie Kochlöffel hier haben. Wo könnten sie denn sein...?" Und sogleich begann die große Kramerei wie man sie nur von ihr gewohnt war. Nein, es wurde nicht zufälligerweise erst einmal logisch nachgedacht. Aber warum denn auch? Schließlich fand sie das gesuchte Stück auch so. "Ah, da! Sooo.. Dann muss ich jetzt.. ah, genau! Der Hitzetest. Ähm.. Stimmt, der Löffel sollte ja meinen Finger ersetzen. Oder so.." Und so steckte sie das obere Ende des hölzernen Kochlöffels in das schmilzende Fett und beobachtete die Reaktion aufmerksam. Kleine Bläschen!" "Müsste gut sein.. Also probieren wir es einfach mal. Mir wird schon nicht die Kommandantur unter den Füßen wegbrennen." Es landete also das erste Stück Fisch äußerst vorsichtig im Kochbehältnis und begann zu zischen. Als weiter nichts passierte legte Saphira auch noch den Rest Fisch hinterher und las weiter im Buch. "Fisch ist dann besonders lecker, wenn er einen leicht bräunlich güldenen Schimmer bekommen hat. Na, das sollte ich doch wohl schaffen. Farbenblind bin ich ja nicht." Das war sie wirklich nicht, aber eigentlich noch viel zu müde, weil das Klingeln eines aufgebrachten Bürgers sie aus ihrem wohlverdienten Schlaf gerissen hatte stand sie nun da und beobachtete den Fisch eine halbe Ewigkeit lang in der Hoffnung, dass er irgendwann mal bräunlich wirken würde. Vergebens. Noch eher kam ihr irgendwann der Geruch von Verbranntem unter die Nase, woraufhin sich jene kräuselte. Skeptisch hob sie nun doch mal eines der Filets an und sah sofort die Ursache des Gestanks. Mehr, als ein "Ups!" kam daraufhin nicht und nach einem hektischen Umschauen zu den Seiten wendete sie alle Filets blitzschnell, scharbte ein wenig das Angebrannte vom Boden der Pfanne und begann dann, während die andere Seite am braten war die schwarze Kruste über der sicherlich mal bräunlich gülden gewesenen Schicht abzukratzen. Wozu hatte man auch sonst Messer vor Ort? "Gut, das kriegen dann vielleicht doch lieber erst mal die Tiere. Die sind wenigstens nicht so wählerisch. Obwohl... Nein! Soßen sind noch zu schwer. Nachher bekommen die noch einen Gewürzschock oder so. Nein, die Tiere kriegen den Fisch! Dann brauche ich ihn jetzt auch nicht zu würzen." Nachdem die Frage geklärt war, wer nun die Ehre hatte von ihr bekocht zu werden und auch der Fisch fertig oder auch mehr als das war, ließ sie ihn außerhalb der Pfanne abkühlen, während sie sich daran machte die Pfanne zu säubern. Erster Punkt, den sie lernte: Fett spritzt, wenn Wasser hinzukommt! Kreichend warf sie also die Pfanne ganz ins Wasserbecken und sprang selbst etwas zurück. Als das Spritzen und Knallen schließlich nachließ, wagte sie sich wieder nach vorne und schaute vorsichtig auf das zu spülende Objekt. Alles schien heile. Auch die Umgebung hatte nur ein paar Wassertropfen abbekommen. "Gut, Erinnerung an mich: heißes Fett spritzt, wenn es mit Wasser in Berührung kommt!", brummelte sie leicht missmutig und schrieb jene Notiz in das Tagebuch nieder, bevor sie sich dem Wesentlichen widemete: Das Angebrannte ab bekommen. Es wurde also geschrubbt und geschrubbt, bis die Pfanne schließlich keine Spuren vom Fischattentat mehr aufwies und zurück an ihren Platz wanderte.
Dann ging es mit dem Fisch bepackt zu den Stallungen gegenüber, wo man sich tatsächlich sogar über ein wenig Fisch freute, den man unter das Essen der Tiere mischen konnte. "Aber immer wieder gerne doch. Wenn Ihr noch was braucht, dann sagt nur Bescheid!" "Also wir würden uns auch sicherlicher über ein tolles Frühstück freuen..", deutete einer der Männer mit einem Grinsen an und zwang selbige Geste auf das Gesicht der Gardistin. "Das mit dem 'toll'... hängt natürlich ganz davon ab, wie gut Ihr Eure Arbeit verrichtet." Sofort hob sie erneut die Mundwinkel zu einem Grinsen, in der Hoffnung, ihr Bluff würde nicht auffallen. Und tatsächlich ging der Mann nicht weiter drauf ein: "Na, dann werden wir wohl heute mal n paar Überstunden machen, he?" "Och, ihr dürft das auch gerne in der üblichen Zeit schaffen, was ihr vorhabt. Wer weiß? Vielleicht gibts dann ja sogar ein Abschlussbier!?" Zwinkernd schmunzelte sie ihn noch einmal an, ehe er lachend nickte und die Hand zum Abschied hob. "Dann mach ich mich mal an die Arbeit. Ihr habt da sicher auch noch nen Haufen vor Euch, Gardistin." "Hach, wann mal nicht? Aber ja. Bis später dann!" Und so schepperte und rasselte sie wieder gen Kommandantur zurück. Drinnen angekommen begann sie dann das zu tun, was sie am Besten konnte: "Verflucht! Jetzt erwarten die doch wirklich ein Essen.. Na, toll! Die lachen, wenn ich das versaue... Was mach ich denn jetzt?" Suchend schaute sie sich um und stellte sich schließlich erneut ans Küchenfeuer. Diesmal wurde dann doch lieber Fleisch genommen. Schließlich sollten die Männer ja was Ordentliches bekommen, wenn sie schon den halben Tag arbeiteten. Dazu schnitt sie noch ein paar Scheiben Brot ab und schnibbelte Gemüse zu einem Salat zusammen, den sie später noch mit einem schlichten Dressing versah, das sie mal von ihrer Tante gelernt hatte. Mehr oder minder zufrieden schaute sie auf das Essen und nickte schließlich. "Zumindest gelungen und nicht verbrannt!"
...
Verfasst: Donnerstag 2. Juli 2015, 20:37
von Gast
"Vorm Herrn Oberst zu stehen und mich zu entschuldigen für das, was ich alles nicht getan habe.. Und dann verkünden zu können - ehrlich gemeint -, dass ich wieder da bin.. Das wäre eine Erfüllung." Janarey lächelte ganz leicht, als Saphira das sagte. "Vielleicht sollte ich mir das als einziges Ziel nehmen." "Zum Beispiel, aye." "Nickte Janarey und alles, was drum herum beredet worden war, war nicht zwingend unwichtig, aber wirklich zählen tat nur der Entschluss, das längst schon Verstandene umzusetzen. Und den ersten Schritt hatte sie bereits damit getan, indem sie sich das erste Ziel gesetzt hatte.
Viel zu lange hatte sie sich schon in der Freundins Schatten versteckt. Nun galt es einen eigenen Schatten zu erzeugen!
Verfasst: Samstag 25. Juli 2015, 12:04
von Gast
Sie wusste nicht, wofür es gut war, aber manchmal gab es doch diese Momente im Leben, in denen man einfach instinktiv etwas tun wollte, ohne eben zu wissen, warum. Genau so ein Moment war nun, als Saphiras Hand eine Schreibfeder hielt und Wort für Wort etwas verfasste, an das man normal erst viel später dachte, wenn man nicht mehr in der Blüte seiner Jahre war. Nicht mehr so ganz am Anfang seiner Reise...
Mein letzter Wunsch und Testament:
Ich, Saphira Nojah, geboren am 28. Wechselwind 238, setze als einzige Erbin ein:
Meine Freundin Janarey, Korporal des Lichtenthaler Regiments.
Sollte sie vor meinem Tode sterben, so lege ich die gewissenhafte Verteilung meines gesamten Erbes in die Hände Vaughain von Nordwinds, Reichsritter und Oberst des Lichtenthaler Regiments.
Mein Erbe umfasst ein Portrait meiner Familie, eines vom Lichtenthaler Regiment, sowie eines vom Bunten Kessel.
Desweiteren möchte ich meinen Waffengurt aus Drachenleder und das Trinkhorn, welches sie mir damals schenkte an Janarey vermachen.
Ebenso sollen mein seit je her treues Pferd Vapaus und die Hündin Jojo in Janareys Obhut kommen und für den Hengst aus damaligen Kessel-Zeiten wünsche ich mir, dass sie ihn an den Bunten Kessel zurück gibt.
Als Letztes möchte ich die Aufteilung meiner gesamten Ausrüstung als Kriegerin und mein bis zum Tode angesammeltes Vermögen in ihre Hände legen. Sie wird wissen, wie am Besten damit zu verfahren ist.
Junkersteyn, 25. Cirmiasum 258

-Gardistin des Lichtenthaler Regiments-
-Reichsbürgerin im Königreich Alumenas-
Als sie die letzten Worte auf das saubere Pergament gebracht hatte, atmete sie einmal schwerer aus, ehe sie die Feder beiseite legte und sich erhob. Das Schreiben wurde gar nicht erst irgendwo bei sich verstaut, sondern direkt im Bücherregal - sorgsam zwischen die einzelnen Werke gelegt. Dort würde Janarey es finden, wenn es sein müsste. Aber hoffentlich nur, wenn es sein müsste...
Verfasst: Donnerstag 30. Juli 2015, 23:35
von Gast
Der Tag fing wie jeder andere an, doch er sollte nicht so enden.. Sie wachte erst mittags auf, erschrak und rüstete sich im Eiltempo, bevor es mit einem Humpen Brot und dem Würstchen in der Hand im Laufschritt gen Kutschstation ging, wo sie dann auch ihre Reise nach Adoran antrat. Noch während der Fahrt schlang sie das Essen in sich hinein und nahm während des Verlassen der Kutsche noch schnell einen Schluck Wasser zu sich. Ein kleines Goldbeutelchen wurde wie jedes Mal gen Kutscher geworfen, dankbar gelächelt und dann gen Stadttor gesprintet. Dort beruhigte sie sich und auch wie jedes Mal stand sie nun stundenlang herum und tat ihre Arbeit, ohne etwas Aufregendes zu erleben oder zu verspüren. Es war eben nur der übliche Tordienst.
Danach folgte das Abrüsten, Waschen und Anziehen. Die Haare wurden einmal geöffnet, durchgekämmt und dann locker über die Schultern fallen gelassen. Folglich ging es wesentlich ruhigeren Schrittes wieder zurück nach Junkersteyn, als der Zenit schon längst hinter der Sonne lag. Dort angekommen begrüßte Jojo, Saphiras alte Hündin sie bereits freudig. - Wie jeden Abend. - Es wurde etwas gegessen, den Hühnern und Jojo etwas gegeben und dann setzte sie sich einfach mit der kleinen Vierbeinerin in den Garten. Die letzten Sonnenstrahlen galt es auch heute noch auszunutzen und so tollten die Beiden rum, bis eine Frau mittleren Alters an das Haus heran trat. Sie hatte Saphiras Aufmerksamkeit erst zeitverzögert erlangt, als Jojo hechelnd in jene Richtung geblickt hatte, doch jene Dame, welche sich Oroora nannte war freundlich und bescheiden genug, um es der Blondine nicht zu verübeln. Stattdessen nahm sie Saphiras Angebot an, nach drinnen zu kommen und einfach etwas Gesellschaft ihrerseits anzunehmen. Das war ja ohnehin ihr Anliegen gewesen, nach Junkersteyn zu kommen. - So sagte zumindest Oroora. -
Doch wie es das Schicksal so wollte, war die Regimentlerin auch nach fast zwei Jahren Dienst im Heer und so vielen Lebenserfahrungen nicht mit mehr Weit- und Umsicht gesegnet, sodass sie das heftige Flackern des Herdfeuers nicht genug verunsicherte und auch das kochende Wasser im Glas Orooras schnell als Einbildung eingestuft wurde, die den negativen Erinnerungen an Kysira zuzuschreiben waren. Jene Erinnerungen wurden allerdings immer bildhafter und so wurde Saphira dann doch unruhig. Immer häufiger blickte sie sich um, schaute Oroora abschätzend an, doch die spielte ihre Rolle gut. Wie auch beim letzten Mal.. verdammt gut. Nichts war ihr vorzuwerfen, wie es schien und dann war es erst der Schatten, welcher sich vor Saphiras Augen auf der Tischplatte ausbreitete, der sie aufschrecken ließ. Es machte nun doch 'Klick' und panisch blickte die junge Frau hinter sich aus dem Fenster, doch nicht einmal die Wolken am Himmel schienen verdächtig genug, um dies zu begründen. Keuchend sprang sie vom Stuhl, blickte erneut aus dem Fenster, dann wieder auf die Tischplatte und schließlich zu Oroora zurück, die nur noch meinte: "Du schaust an der falschen Stelle, Kindchen!" Ein Deut erging gen Zimmerdecke und schließlich kam alles Schlag auf Schlag, als Saphira dort hin schaute.
Schatten bildeten sich dort, kamen auf sie zu wie die Luftwirbel um das Auge eines Sturmes und regneten schließlich auf sie hinab. Blitze zuckten erst von der einen erhobenen Hand Kysiras auf Saphira herab, dann aus der zweiten, während die letzten Worte, welche an die Ohren der Kriegerin drangen folgende waren:
"Fürchte dich!" ... "Angst steht dir so gut." ... "Hast du jetzt Angst?"
Und trotz aller Angst, die sie tatsächlich in diesem Moment heim suchte, war es dem Schmerz und dem absolut letzten Satz der Akoritherin zu verdanken, dass es nicht sie, sondern die Güte Temoras war, die Saphira am Ende in sich spürte.
"Die größte Freude ist, dass diese möchtegern Geweihte dich so finden wird. Zu schade, dass ich das nicht miterleben kann."
Das, was Saphiras Lippen am Ende formten war ihr letzter Gedanke, der sie auf ihrem Weg in Temoras schützenden Arme geleiten würde... "Janarey"
Verfasst: Freitag 31. Juli 2015, 00:55
von Torjan Eichental
Er wurde geholt, vermeintlich zu einer Patientin.
Er prüfte all ihre Lebenszeichen, doch gab es keinen Puls, keine Atmung mehr und auch der Körper kühlte langsam ab.
Jedesmal, wen ein Patient in das Reich des Todes entglitt, traf es Torjan schwer. So gerne hätte er das Mäderl gerettet, welches ihm nicht in schlechter Erinnerung war.
Es fiel ihm schwer zu verkünden: "I kann nix mehr tun für sie."
Das Letzte, was er für sie tun konnte, war, ihr den Bannerstab aus dem Körper zu ziehen und ihr auf Wunsch von Helisande die Wunden zu vernähen. Doch er tat es nicht auf die übliche Weise, sondern in Form eines Sternes. Vorne und hinten, dort, wo der Stab ihren Körper durchdrungen hatte.
Als seine Arbeit vollendet war, sprach er noch einen guten Wunsch, auf dass der Sternenvoda das Mäderl auch weiterhin, nach ihrem Tod, behüten sollt.
Über den Umweg nach Berchgard gelangte er schließlich nach Adoran und ins Hospital, wo er in seinen Lehnstuhl darnieder sank. Unruhig schlief er in jener Nacht. Viele Leben waren ihm schon entglitten und es stand nicht in seiner Macht, auch nur eines, was verloren war, wieder zurückzuholen.
Doch ein jedes, was er verlor, ging nicht spurenlos an ihm vorbei.
Erst im Morgengrauen fand er Schlaf und schlief bis in den Nachmittag hinein. Erholt? Nein. Es würde wohl einige Zeit dauern, bis er den Tod der Saphira verkraften würde.
Verfasst: Freitag 31. Juli 2015, 09:27
von Janarey
Eine Freundin ziehen zu lassen tut weh
Der Abend war noch jung als sie beschloss, die am Vortag verletzte Helisande in ihrem Haus zu besuchen. Bei einer leckeren Tasse Tee saß man dann auf dem Balkon des Hauses und plauderte über das, was sie wohl wäre.
Auch Kamarad Bensor kam hinzu und brachte eine frisch gekochte Hühnersuppe mit Brot vorbei. Schliesslich sollte es der Oberstleutnant an nichts mangeln, bei ihrer Genesung. Spät am Abend dann bemerkte zuerst Helisande dieses Gebilde am Himmel. Die Blicke Bensors und Janareys gingen hinauf zum Himmel und erblickten dort diese Schlange die sich aus Rauch und Schatten bildete. Mit weit aufgerissenem Maul zeigte sie ihre Giftzähne.
Junkerstein war das Wort das über Helisandes Lippen kam und alle drei sprangen auf und machten sich fertig. Zu Pferde ritten sie im Eiltempo zur kleinen Ortschaft. Dort angekommen mussten sie mit entsetzen feststellen, das das sich bereits auflösende Gebilde am Himmel, direkt über dem Haus von Janarey und Saphira stand. Ein tiefkehliges Brummen drang aus Janarey, während sie aus dem Sattel rutschte und auf die Haustüre zulief.
Bensor durchritt zur Vorsicht die kleine Siedlung und Helisande zog ihren Degen, um hinter Janarey Deckung zu geben. Beim ersten Schritt in das Haus stockte der Schritt bei dem Anblick. Es nahm Janarey für einen Moment jegliche Kraft zu agieren. Der Atem blieb ihr für einige Sekunden weg, ehe sie wider reagieren konnte. Helisande war in der Zeit bereits längst bei der am Boden liegenden Saphira und prüfte die Lebenszeichen.Mit einer Mischung aus Trauer, Schmerz und Wut begann Janarey wie in Trance das zu tun, was sie im Erste Hilfe auf dem Feld gelernt hatte. Auch als Helisande die Hand Janareys festhielt und leise mit ruhiger Stimme Janarey sagte und den Kopf schüttelte wollte sie es erst nicht wahr haben, das ihre beste Freundin tod vor ihr lag. Da lag sie nun, das Banner Temoras durchbohrte ihren Körper und als dann langsam die Erkenntnis auch zu Janarey vordrang, sackte sie in sich zusammen. Die Tränen waren nicht auf zu halten und bahnten sich ihren Weg nach draussen. Das rege Treiben um sie herum bemerkte sie nur ganz wage. Hatten sich doch Mittlerweile einige Menschen um den Ort des geschehens versammelt. Keylon, Neralon beide durchsuchten das Haus nach Spuren und vermeindlich versteckte Personen. Irgendwann ritt Keylon dann los richtung Kloster. Bensor war mittlerweile mit Torjan eingetroffen und führte ihn in das Haus. Doch auch Torjan konnte leider nur noch den Tod Saphiras bestätigen.
So beschloss man Saphira zu waschen, an zu ziehen und sorgsam auf dem Friedhof zu Berchgard auf zu Barren. Helisande schickte dann Janarey mit Torjan vor zum Friedhof. Sie wollte wohl vermeiden, das sie den Anblick des leblosen Körpers über dem Pferd liegen sah. Am Friedhof dann angekommen brachte man Saphira in die Kapelle und sprach einige Gebete. Bensor wurde gebeten einen Bericht für das Regiment zu verfassen damit auch sie über diesen Vorfall informiert seien. Gemeinsam mit Helisande verbrachte Janarey dann die erste Nacht der Totenwache.
Verfasst: Freitag 31. Juli 2015, 11:09
von Helisande von Alsted
Die Wunde am Arm pochte, sie pochte schon den ganzen Tag seit sie aufgewacht war. Nicht einmal ein Mocca und ein gutes Frühstück konnte das Pochen beheben. Also beschäftigte sie sich mit Aufräumen, Planen und Warten. Sie wartete auf jemanden von dem sie nicht wusste ob er im Moment Zeit haben würde. Es gab immer wieder Abschnitte im Jahr, die erlaubten ihnen wenig Zeit gemeinsam. Das war das Leben und wenn sie ehrlich war, war sie auf die Standpauke wegen ihrer Verletzung und anderer Säumigkeiten auch nicht sonderlich versessen.
Am Abend kam dann doch noch Besuch. Janarey stand vor der Tür bewaffnet mit einem Lächeln und den besten Vorsätzen für einen Krankenbesuch. Das Gespräch erwies sich als anregend. Erneut klopfte es und jemand mit dem die Knappin nicht gerechnet hatte stand vor der Tür. Bensor Answehr, ein Frischling im Regiment und offenbar in seiner Freizeit ein Koch. Er brachte Hühnersuppe und frisches Brot mit.
Ausgerechnet Hühnersuppe. Sicherlich lag es nur am Blutverlust und der nervlichen Anspannung, dass sie darin einen kleinen Fingerzeig Sir Fjalons sehen wollte. Hühnersuppe war seit Varuna ein Bonmot zwischen ihnen gewesen.
Hühnersuppe also. Man speiste, trank Tee und unterhielt sich als sie aus Richtung Junkersteyn dieses Rauchzeichen wahrnahm. Klar und gewollt stand dei Schlange mit den angriffslustigen Zähnen am Himmel. Man lies die Suppe Suppe sein und ritt hin. Ganz ohne es zu forcieren oder bewusst zu wollen, landete das Kommando wieder in ihren Händen. Answehr wurde geschickt die Gegend zu erkunden, Neralon und Salberg wurden kaum eingetroffen angewiesen das Haus zu durchsuchen über dem sich das Rauchzeichen auflöste.
Janareys Haus.
Sie fanden im Wohnraum Saphira vor. Vom Banner Temoras auf den Boden gespießt. Blut um sie herum, ein friedlicher Ausdruck auf dem Gesicht. Man führte ihre Anordnungen aus, ein Heiler wurde geholt, doch schon beim ersten Blick auf den Körper war die Gewissheit in ihr aufgekommen. Die junge Frau war tot. Eine Soldatin in ihrem eigenen Kampf gefallen. Herr Torjan bestätigte ihren Verdacht und ihr Herz flog dem alten Heiler zu. Auch er hob lieber gesunde Kinder aus dem Schoß einer gesunden Mutter als den Tod einer jungen Frau für alle unzweifelhaft zu verkünden.
"Wir bestimmen nicht, wie wir auf die Welt kommen, Kind. Wir bestimmen nicht, wie wir sie verlassen. Wir bestimmen nur wie wir auf ihr leben und welchen Zielen wir folgen. Vertrau immer auf die Herrin Kind." Die Worte ihrer Mutter wallten in ihr auf als würde jene neben ihr stehen.
"Beschäftige die Angehörigen, gib allen etwas zu tun. Trauer hat ihren Platz und Raum, aber es muss getan werden, was getan werden muss."
So erhielt jeder eine Aufgabe ob sie nun wichtig war oder nur eine Beschäftigung. Janarey war starr und brauchte einen Halt, etwas um sich daran aufzurichten. Die jungen Männer waren zu tiefst geschockt in ihrer Hilflosigkeit. Torjan war voller Trauer um das junge Leben und dennoch immer noch der altgediente Heiler, der auch den Tod mit Respekt behandelte. Er entfernte das Banner, nähte die Wunden und vergoss ehrliche Tränen um das Mädchen.
Und sie selbst?
Wie so oft in solchen Situationen. Ruhig wie ein See ohne Wind, bestimmend wie der Wechsel der Jahreszeiten. Ob sie alles richtig machte? Sicherlich nicht. Aber es ging voran. Saphiras Körper wurde gewaschen, in ihr Lieblingskleid gekleidet und mit so viel Würde wie möglich nach Berchgard zur Aufbahrung gebracht.
Abschließende Befehle als Bitten verpackt wurden erteilt. Dann im Alleinsein mit ihr Zeit für den ersten Trost der Freundin. Gemeinsam beten und wachen. Es war nun erstmal an ihr auszuhalten, was an Trauer in der Kameradin hinaufwallen würde.
"Wie wir gehen ist für uns nicht wichtig. Es ist nur wichtig für die die bleiben."
Temora nimm deine Dienerin zu dir.
Hülle sie ein in deine Schwingen,
birg sie in deinem Licht.
Schenke Trost den Untröstlichen und
sei uns Schwert und Schild in diesen Tagen.
Keine eigenen Tränen flossen bei ihr. Sie mochte nach Außen in ihrer gelassenen Heiterkeit beinahe fremd auf alle anderen wirken. Dennoch wusste auch sie, dass die Tränen noch kommen würden. Nicht jetzt, nicht sofort. Erst wenn Raum und Ort, wenn Zeit und Begleitung dafür da sein würden.
"Die erlernte Haltung brigt ihre Stärken und ihre Schatten. Sie lässt uns in Not und Verzweiflung, in Krisen und Kummer aufrecht bleiben und ein Fixpunkt werden. Sie lässt und aber auch vor der Welt kalt und unnahbar erscheinen. Wähle was du sein willst, Helisande. Wähle weise."