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Verfasst: Montag 16. Dezember 2013, 15:01
von Helisande von Alsted
15. Eintrag

Ich wage es kaum erneut zur Feder zu greifen, denn es wird mir unmöglich sein alles niederzuschreiben und in Wort zu fassen was bisher geschehen ist. Doch will ich versuchen die wichtigsten Punkte festzuhalten und sei es nur um sie mir nocheinmal vor Auge zu führen. So beginne ich auch gleich mit etwas, das mich immer noch nicht ganz loslässt.

Wie man hier liest, bin ich am Leben und wohlauf. Ein wahres Geschenk der Herrin, denn ich hätte meinen Zusammenstoß mit den Letharen vor Adoran - ja vor Adoran!- auch nicht überleben können. Meine Rettung habe ich vielen Personen zu verdanken, nennen will ich hier allerdings die Freiherrin von Nebelpass. Auch wenn ich sie zunächst nicht erkannte, war es doch sie, die mich vor dem Schlimmsten bewahrte.

Wie ich in diese Lage kam? Mein Verlobter hätte darauf eine sehr eindeutige Antwort, ebenso wie ich eine sehr eindeutige Widerrede hätte. So viel sei festgestellt, es war nicht Heldemut oder gnadenlose Selbstüberschätzung. Mir war sehr klar, dass mein Entschluss mich zu stellen mein Tod sein würde. Doch mit der beißenden Schärfe von Essig in einer offenen Wunde war mir ebenso klar, dass ich nicht anders entscheiden kann. Nicht an diesem Ort, nicht in Anbetracht der Zivilisten auf diesem Hauptweg.
Temora war gnädig, sie schickte mir Hilfe. Dieses Mal zumindest. Ich werde ihre Güte sicherlich nicht all zu bald wieder auf die Probe stellen.

Nachdem ich von meinen Verletzungen genesen war übernahm ich mehr Aufgaben und es werden immer noch mehr. Ich habe meine Freude daran die Rekruten wachsen zu sehen und ihnen beim Einfinden in den Dienst zu helfen. Offenbar bin ich kein Schleifer wie Eichengrund oder Thorn, ich bin anders. Ob dies nun besser, schlechter oder einfach nur anders ist, das müssen die Frischlinge für sich ausmachen.
Der Zusammenhalt innerhalb des Regimentes ist etwas, was ich nicht mehr missen möchte. Sei es das Errichten von Toren, die langen Stunden des Wachestehens oder gar die Feldlager - all das leisten wir gemeinsam. Insbesondere hat mich die Beförderung und Edlung des Korporals für jenen gefreut. Oberstleutnant van Nordwind ist für uns alle ein Bespiel an Tugend, Disziplin und dem Lohn harter Arbeit.

Der kleine, dreitägige Ausflug nach Varuna hat mich jedoch mehr verwirrt als erhellt. Wir folgten einem Geist, der Erlösung suchte. Diese Stadt ist mindetens verwunschen, wenn nicht gar verflucht. Aus jeder Ritze kriechen Untote oder anderes Gewürm und scheint entweder verwirrt oder blutrünstig zu sein. Es gelang dort irgendwie eine andere Ebene zu erreichen und etwas zu bewirken. Was genau und ob es ausreichend war, das mögen die Götter wissen. Ich war froh wieder daheim zu sein.
Dennoch hallt in mir das Gefühl einer gewissen Unzufriedenheit nach. Wir hätten mehr tun können, mehr tun müssen... aber wir taten nicht.

Um den heutigen Eintrag abzurunden. Ich bin nun verlobt. Meine Verlobungsfeier allerdings endete im Desaster. Durch mein unendliches Fingerspitzengefühl gelang es mir den versammelten Adel zu brüskieren und die Feier binnen weniger Minuten aufzulösen. Man merkt dass ich offenbar zu oft Plattenhandschuhe trage. Dieser Fehltritt geht meinem Verlobten doch mehr nach als mir. Es scheint in seiner Familie zu liegen sich gewissen Kreisen näher zu fühlen als man ist. Das könnte noch spannend werden.

Der Drache schläft nur, tot ist er nicht.

Verfasst: Freitag 10. Januar 2014, 17:41
von Helisande von Alsted
16. Eintrag

Es ist tiefer Winter, eine geschlossene Schneedecke erzeugt bei jedem Schritt ein Knirschen. Ich habe wieder einiges an Zeit verstreichen lassen seit meinem letzten Eintrag, doch nur zu oft lässt mich die Pflicht nicht aus den Klauen. Ist es nicht die Pflicht so ist es die Müdigkeit, die nach der Pflicht einkehrt – oder eine andere beliebig wählbare Ausrede, die mich davon abhält zu schreiben...

Der Jahreswechsel ist vollzogen, wir schreiben nun das Jahr 257, der Schnee ist allerdings der gleiche wie zuvor. Dennoch fanden Umbrüche statt, die hier Erwähnung finden sollten. Das Reich hat nun eine neue Herzogin, deren neue Anrede ich noch einüben muss. Ebenso hat das Regiment einen neuen Oberst, dessen Anrede ich nicht mehr einüben muss, er ist mir nur all zu gut bekannt. Wieso Oberst von Tannhoeh uns so stillschweigend und unauffällig verlies, entzieht sich meiner Kenntnis. Doch nach einer unschönen Szene im Lager in Varuna und dem was die Mauern so flüsstern wittere ich einen handfesten Skandal. Wenn nicht dies dann doch unüberwindliche Differenzen.

Die Ernennung ihrer herzöglichen Hoheit Mariella von Lichtenthal wurde mit allem nur erdentlichen Zeremoniell und Prunk begangen. So sehr mir als Soldatin auch der Appell in Erinnerung bleiben sollte, der Glanzpunkt für mich war doch der Ball.

Der König hat mit mir getanzt!

Im übrigen ist er doch kleiner als man ihn sich so vorstellt, gerade mal drei Fingerbreiten größer als ich. Was natürlich auch bedeuten könnte ich sei zu groß. Bedeutet es vermutlich auch. Es hat mir jedoch immense Freude gemacht wieder einmal zu tanzen und in einem hübschen Kleid meine Bahnen zu ziehen. So sehr der Knappe zu beginn auch knurrte, er schlug sich sehr wacker in beiden Tänzen mit mir, auch wenn ich ihn zum ersten recht forsch genötigt habe und der zweite ein Befehl des Königs war. Ich komme übrigens nicht umhin den Freiherren von Dragenfurt als exzellenten Tänzer zu erwähnen. Aber auch er dürfte größer sein..... meh.

Noch etwas will ich über den Winter festhalten, denn ich stelle fest diese Jahreszeit zu mögen. Der Sommer in der Uniform mit der dicken Wattierung und dem Leinenzeug war unerträglich. Nun fühle ich mich prächtig und bin weit davon entfernt zu frieren. Es ist eher am Tor recht behaglich und ebenso bei den Rundgängen.
Auch hat der Winter den Vorteil dass man in sich nachdenklicher gestimmt ist. Ich werde noch lange und ausführlich nachdenken müssen. Es gilt etwas zu prüfen und abzuwägen, daher enden meine Gedanken nun auch hier...

Verfasst: Freitag 31. Januar 2014, 18:22
von Helisande von Alsted
17. Eintrag

... und ich nehme den Faden wieder auf, den ich das letzte Mal fallen lies. Einige Maschen haben sich gelöst und ich bete zur Herrin, dass sie nicht den ganzen Stoff aufribbeln mögen. Ich habe eine Entscheidung getroffen, die gleichsam schmerzhaft und doch wegweisend ist. Auch wenn ich noch den Ring trage, meine Verlobung ist gelöst. Nicht aus einem Mangel an Liebe oder Treue, nicht aus einem flatterhaften Gefühl heraus, sondern aus der Erkenntnis, das Lieben manchmal schlicht nicht genug ist. Es war Zeit ihn frei zugeben und mich selbst auch.

So frei ich nun wieder bin, so gebunden fühle ich mich und werde ich. Das blaue Barett, dass ich trage ist zu groß für mich. Es gehörte zuvor sicherlich Thorn und will sich noch nicht so recht an mich gewöhnen, doch auch hier ist es vermutlich eher anders herum. Die drei Seiten einer zweiseitigen Münze. Ernst verkraftet diese Beförderung mit Bravour, ich gönen sie ihm und auch die Kraft die sie ihm verleiht.
Viel Zeit um über meine persönlichen Befindlichkeiten nachzusinnen bleibt mir nicht. Ihre herzögliche Hoheit hat mich zu ihrer Leibwächterin berufen. Ein ehrbares Angebot, welches man nicht so einfach ablehnt und dennoch dachte ich genau darüber nach. Die Konditionen, die ich aushandelte eröffnet mir und ihr Zeit zu prüfen.

"Drum prüfe, was sich ewig bindet, ob nicht das was bindet schwindet."

Ihre herzögliche Hoheit hatte ihre Gründe mich zu wählen, Gründe die ich nur bedingt nachvollziehen kann. Sicher ist manchmal eine Frau von Nöten, doch ein Mann wie Ernst würde sicherlich mehr Eindruck machen und viel schon allein durch seine Erscheinung im Keim ersticken. Obwohl meine Erscheinung inzwischen auch erhebliche Fortschritte macht. Ich habe meinen ersten Schmiss im Gesicht davon getragen. Leider nicht durch einen Kampf mit blanken Waffen, sondern durch eine solide Tavernenprügelei mit einem Piraten.

Trotz dem waidwunden Gefühls in mir, welches ich zu ignorieren versuche wird man mir gegenüber zutraulicher. Nicht nur mein Vormund erlaubt mir offene Worte ihm gegenüber auch ein Freiherr misst sich mit mir im Duell der spitzen Worte. Es steht hier wie dort unentschieden, die Frage die sich mir stellt ob ich gewinnen will und wenn ja - was verf... verflattert!

Als Randnotiz nun beigefügt will ich nicht unerwähnt lassen, dass die Frage meiner bevorzugten Nachtwäsche auch jemanden umtreibt. Ich hantiere nun mit verschiedenen Optionen der Reaktionsmöglichkeit... auch hier stellt sich dennoch die Frage nach Gewinn und Verlust.
Nicht für mich, eher für....

Genug der brotlosen Grübelein. Ich sollte mich alsbald betrinken gehen und ich weiß auch schon wo.

Verfasst: Montag 10. Februar 2014, 14:34
von Helisande von Alsted

18. Eintrag

Nun weiß ich wieder warum ich meist auf vergorene Getränke verzichte! Der Tag nach der recht geselligen Entlobungsfeier war nicht einer meiner Lieblingstage. Mein Kopf fühlte sich zu dick an für den Helm, der Schnee war so unglaublich grell weiß und irgendeine verflixte Katze hatte ihre Jungen auf meiner Zunge bekommen in der Nacht. Mein Gesicht wirkte offensichtlich wie ein ungemachtes Bett, denn jeder aber auch wirklich jeder sprach mich auf meinen Zustand an. Mein taktisches Geschick bewies ich an jenem Tag dadurch dem Herrn Oberst nicht in die Sichtlinie zu laufen, dafür rannte ich mit Schwung in die Fänge des Feldwebels. Er zeigte sich über den Grund meiner derangierten Erscheinung indigniert, der Anlasse für den Grund überraschte ihn.
Er hätte mich sogar vom Dienst freigestellt....
Hätte er oder war es eine Prüfung? Und wenn ja eine Prüfung für was?
Ich trat meinen Dienst an. Wer saufen kann, der kann Temora noch mal auch am nächsten Tag Dienst schieben! Nachlässigkeit ist aller Laster Anfang und ich bin viel, aber gewiss nicht nachlässig. Wie kann ich etwas von den Soldaten verlangen, was ich selbst zu leisten nicht bereit bin?
Dennoch verlangte mir die Einheit die Eichengrund da angesetzt hatte so ziemlich alles an Kraft ab, was ich noch besaß. Er ist wahrlich ein würdiger Nachfolger des elenden blonden Schleifers. Ich fab mir mehr Blößen als ich sollte. Etwas was dem Korporalsgenossen niemals passieren würde, das musste ich neidlos anerkennen.

Das Fest saß mir im Genick kaum dass mein Kopf wieder klar war. Jeder der Kessler war sein ganzes Geschick in die Waagschale, wirklich jeder arbeitete sich die Finger wund, damit die Herzogin bekommen würde, was sie wollte: Ein rauschendes Fest.
Bei all der Geschäftigkeit in der der Kessel summte wie ein Bienenstock werde ich mich in Jahren nicht an die viele Arbeit erinnern, nicht an die kleinen und größeren Katastrophen. Ich werde mich an das Lachen erinnern mit dem wir jede Herausforderung meistern, an die Freundschaft die bindender ist als jedes andere weltliche Band und an die Bescheidenheit, die darin liegt seinen Lohn in dem zu finden, was man tut. Aus vollem Herzen.

Ernst und ich wir planten das Turnier mit allem was dazu gehört. Er übernahm den Part die Gemeinschaften des Reiches aufzusuchen und sie persönlich einzuladen. Ich sorgte für das Hilfspersonal in Gestalt eines Kronritters und für die Turnierpläne. Waffengang, Runden, Anmeldelisten und die Randeffekte wie einen verschollenen Meisterschmied und dessen würdige Vertretung. Zum Glück würde niemand jemals erfahren wie viel wir in aller letzter Sekunde nur mit einem Nicken oder einem Handzeichen absprechen konnten.
Am Fest wirkte alles sehr geplant und soldatisch straff organisiert. Die Gemeinschaften des Reiches hatten kaum Streiter gemeldet, lediglich das Lehrhospital nahm teil und stellte auch einen Heiler. Ich war damit zufrieden und fertigte für mich eine Randnotiz an. Auf manche Dinge muss man später einmal zurückgreifen können.

Schleife und verberge deine Waffen gut. Nichts ist stiller als eine gescheidete Klinge. Nichts ist lauter als ihr Aufblitzen vor dem finalen Schlag.

Das rauschende Fest war ein wahrer Wintertraum geworden. Ich gönnte meinem Vormund seine Siege und ebenso auch der Rekrutin. Die Siegerin des Buhurts würde ich mir noch warm halten, ebenfalls eine Randbemerkung.

So sehr das Fest uns alle in Euphorie stürzte, so sehr holte mich ein Gespräch dort wieder auf den Boden zurück. Einen sehr eisigen Boden, von dem ich wusste wie glatt er war und wie leicht ich darauf würde ins Rutschen geraten können. Einfach weil ich ich war.
Vielleicht hatte er Recht und ich sollte mehr auf das Vertrauen was meine Stärken waren. Doch genau das würde mich Überwindung kosten. Meine Fehler sind etwas, was ich benennen kann woran ich arbeite. Jeden Tag. Ich kenne meine Grenzen, aber ich akzeptiere sie nicht. Es gibt immer ein "Mehr", es gibt immer ein "Besser", es gibt immer ein "Weiter".
Es gab nun etwas mehr worüber ich noch weiter nachdenken muss, aber nicht hier, nicht jetzt. Ebenso würde ich noch darüber nachdenken was Bernstein von anderen Steinen unterscheidet. Er fühlt sich warm an, berührt man ihn, nicht kalt. Eine seltsame Eigenschaft für einen Stein, sofern er ein Stein ist.

Eine mir mitgeteilte Entscheidung erweckt in mir den akuten Wunsch nach einem Schnaps, auch wenn ich die Gründe dafür durchaus verstand. Noch ein Stuhl würde wieder frei werden. Niemand ist unersetzbar. Ich werde meinen hochprozentigen Wunsch allerdings zügeln und stattdessen sehr bald etwas in Angriff nehmen, was mir keine Ruhe lässt.
Kann ich eines der Höhlenmonster bezwingen mit einer Eisenwaffe und ohne meine Plattenrüstung? Oder wird auch diese eine der Grenzen sein, gegen die ich anrenne bis ich sie verschoben habe?

Abwarten.
Weiter.
Mehr.
Besser.

Verfasst: Montag 24. Februar 2014, 14:19
von Helisande von Alsted
19. Eintrag

Der Schlaf flieht mich, doch ich reue mich nicht darum, denn ich fühle mich weder müde noch schläfrig. Es ist gar so dass ich mich auf eine ungewohnte Art leicht fühle. Woran das liegt kann ich nicht ausmachen, meine Tage verlaufen in ihren gewohnten Bahnen. Der Dienst bringt stetig die Überraschungen mit sich, die ein Korporal nun mal ohne zu Zucken zu bewältigen hat. Trotz dieser oft sehr trockenen Aufgaben gelingt es mir und Ernst uns so einzuteilen, dass wir bei den Übungen an den Waffen und der nötigen Leibesertüchtigung nicht ins Hintertreffen geraten. Mir kommt dies sehr gelegen, denn ich habe Ziele.
So geordnet die Tage verlaufen um sie mehr erhalten meine Abende Würze derzeit. Ich muss gestehen, es war ein wenig zu oft Schnaps dabei im Spiel.
Das Spiel.
Interessante Spielen weiß die Herzogin zu initiieren. Wer hoch wirft fragt, wer niedrig wirft antwortet oder trinkt. Ich habe geantwortet und bin immer noch dankbar für mein Würfelglück. Allerdings fühle ich den Keim der Neugier erwachen, es werden weitere Fragen kommen und nicht immer kann ich statt einer Antwort zum Schnaps greifen. Die Worte Thorns hallen mir noch im Geiste wieder, seine Warnung ebenso. Werde ich am Ende fallen oder sicher stehen?
Wieder aufstehen vermutlich. Wie immer.

Doch das wahre Salz steuert jemand anderes bei, es rührt mich etwas. Es ist Bewunderung, die ohne Vorbehalte ist. Tränen sind salzig und meine selbstgewählte Aufgabe ist es nun in der Trauer ein Lächeln zu sein. Wie es scheint, bin ich erfolgreich.

Frühling.
Wir die Luft wirklich schon milder und erscheinen die Tage länger und heller? Oder sehne ich nur die Abende inniger herbei?
Womöglich werde ich den Winter missen, wenn er scheidet. So wie...

Sidra ist nun Ritterin des Reiches, eine wohlverdiente Ehre. Auch wenn ich ihr nicht nahe stehe, so fühle ich doch stolz auf sie und helle Freude. Ich ahne, dass mit Merrik etwas nicht stimmt, also noch mehr als das was gewöhnlich bei Magiern nicht stimmt. Ob er sich mir anvertraut oder jemand anderem sei mir gleich, solange er es tut. Ansonsten zwinge ich ihn.
Und wieso nennt Breg mich eigentlich "Teuerste" und setzt diesen eigenwilligen Blick auf? Ach und dieses Zurückweichen nur weil ich eine Augenbraue hebe. Seltsam.

Fingerhut ist eine Pflanze, die wie ich hübsch anzusehen ist aber bei falscher Behandlung ungeheuer giftig sein kann, so wie ich.

Ein Kompliment?
Ja.

Frühlingserwachen.


Ich sollte schlafen.





Verfasst: Montag 3. März 2014, 20:09
von Helisande von Alsted
20. Eintrag

Ich finde die Worte nicht, ich habe keine Worte für das was ich eigentlich niederschreiben will. Vor allem will ich es niederschreiben? Einen Teil von mir drängt es massiv dazu, doch die Vorsicht schläft nicht.
Vorsicht diesmal nicht aus eigener Unsicherheit heraus, sondern aus meiner Sicherheit. Es ist kein freier Fall in Erwartung des Aufpralls.

Diesmal nicht.

Immer wenn ich die Zeilen erneut lese, die ich heute morgen vorfand verfestigt sich mein Eindruck des Frühlings. Doch so flüchtig die lauen Tage jener Jahreszeit sein mögen, so sehr scheint darin die Wurzel gefestigt zu wachsen.

Ich wünsche mir, dass ich den Sommer erleben darf.
Doch bis dahin gilt es zu arbeiten. Die Früchte des Sommers wollen verdient sein und in meinem Fall sind mir beim Bestellen jener Felder die Hände nahezu gebunden. Meinen Teil werde ich hinzu geben ohne Vorbehalte oder Bedingungen, in der Hoffnung auf den Lohn und in der Bange um dessen Verderben.

Ich kann keinen Rosengarten versprechen, aber um die Dornen weiß ich wohl. Wird das Blümchen welken oder der Drache erneut erwachen? Es liegt in meiner Hand, wenn nun auch nicht mehr ganz allein. Erst jetzt im Nachsinnen wird mir klar, dass ich bisher einsam war. Einsam, nicht allein. Ich habe gute Freunde, die sich nur zu gern um mich kümmern würden, doch ich neige dazu zu viele Dinge mit mir selbst auszumachen.
Meine Einsamkeit endet.
Ich muss unbedingt zu Tarya, ich muss mit einer Freundin reden. Dringend.



Dienstfrei. Ich brauche heute dienstfrei.

Verfasst: Montag 10. März 2014, 14:22
von Helisande von Alsted
21. Eintrag

Ich rekapituliere und stelle ein Muster fest. Keines, welches mir behagt und dennoch eine Konstante will ich darin finden. Ich war auf Hazars Hochzeit vor einer halben Ewigkeit. Seitdem habe ich sie kaum noch gesehen aber sie wird von ihren Pflichen als Ehefrau und in dieser Akademie ebenso gebunden wie ich von den meinen.

Einmal als Jungfer dabei, bald selbst Braut.

Meine Verlobung gelöst, den Ring immer noch am Finger verbleibe ich ohne Schleier. Meine Treue scheint wahrhaftig dem Regiment zu gehören, dessen Schleier trage ich fürderhin.
Saphira wird heiraten schon im nächsten Mondlauf. Samuel ist ein guter und treuer Mann, ebenso ein erstklassiger Handwerker. Beide fügt das gemeinsame Streben zusammen. Auch bei dieser Hochzeit werde ich dabei sein und mich für beide Kessler freuen.

Zweimal als Jungfer dabei, bald Braut?


Schwertbraut.
Mir fällt ein, dass ich Saphira noch anbieten will ihr zu helfen. Es muss an so unendlich viel gedacht werden, die Zeit dafür könnte wirklich langsam drängen. An diesem Tag soll beide nichts sorgen, das Leben als ehrbares Ehepaar möge ohne Schatten darauf beginnen.

Meinen Besuch bei Tarya und Ernst habe ich immer noch nicht abstatten können. Dabei benötige ich beide, wenn auch eine Freundin gerade mehr als einen Freund. Zudem brauche ich die fähige Schneiderin, einige meiner Sachen müssen ausgebessert werden, sonst laufe ich bald nur noch in Lumpen herum.
Zudem steht auch für dieses Paar die Hochzeit aus. Ich nehme an sie wird kein Jahr mehr warten lassen. Auch hier werde ich dabei sein und Tarya den Schleier stecken.


Dreimal als Jungfer dabei, niemals Braut.




Ich beginne das Fechten zu lernen. Eine neue Art der Bewegung und der Beherrschung meines Körpers. Nicht Kraft, nicht Wucht, sondern Schnelligkeit und ein gutes Auge sind von Nöten. Ich maße mir an zu behaupten dass ich beides haben, auch wenn mein Fechtlehrer mir eine herrliche Tracht Prügel verpasst hat während der ersten Stunde.
Er wird sich noch wundern.
Samuel fertigt mir einen Degen an, ausgewogen auf meine Hand. Ich werde heimlich an den Puppen die Bewegungen üben. Nichts macht mich unruhiger als irgendetwas nicht zu können von dem ich glaube es können zu müssen. So ungern ich es mir auch eingestehe, es ist auch der Drang nach Anerkennung, der mich antreibt. Wobei ich mir darüber im Klaren bin, dass ich keine herausragende Kämpferin oder Soldatin bin.

Ich bin nur zäh.
Das werden Drachen mit dem Alter.
Blumen werden welk.

Verfasst: Montag 24. März 2014, 14:49
von Helisande von Alsted

22. Eintrag

Der Degen liegt inzwischen brauchbar in meiner Hand, nicht gut aber brauchbar. Es ist die Schwingung der schmaleren Klinge, die ich noch nicht auszugleichen weiß. Mein Handgelenk ist noch zu instabil, es flattert wie ein nervöser Schmetterling wenn die Waffe auf etwas trifft. Das Flattern schaukelt sich bin in den Ellenbogen auf und schon bewege ich die Schulter zu viel. Die Übungspuppe leidet vermehrt unter meinen Versuchen dieser Kampfart Herrin zu werden. Die an ihr angebrachten Feder kann ich immer noch nicht abschlagen ohne das meine Waffe im Stroh der Puppe stecken bleibt. Wäre es nicht eine überaus ulkige Darbietung, die ich dort zur Unterhaltung der anderen biete, ich könnte schier darüber verzweifeln. Alsbald werde ich meinen Fechtlehrer erneut um eine Unterweisung bitten. Die Grundzüge von Angriff und Parade haben sich gefestigt, doch lerne ich umso schneller, je mehr ich mir schlicht abgucken kann.

Ein weiterer bitterer Tropfen nimmt dem Frühling seine Süße. Jemand wollte das Kirschblütenfest der Freiherrin vom Nebelpass offenbar sabotieren. Es wurden vergiftete Kirschen unter falschem Namen mit einer Einladung zu jenem Fest verteilt. Die Auswirkungen sind an sich anrüchig genug, die von jenem Gifte ausgehen. Sollte jener Anschlag auf die Bürger des Reiches wirklich zu Lasten des Rahaler gehen oder gar von den Dienern derer dunklen Götter, so sind sie hiermit noch tiefer gesunken als ein Stein im Meer verschwinden kann.
Wie der Oberst es so schön ausdrückte: Man gewinnt keine Kriege in dem man den Feind auf den Lokus zwingt. Danach ist er nur erleichtert und voller Tatendrang.

Sollte jemand jedoch einen persönlichen Groll gegen Ihre Hochgeboren hegen, so wird er die Quittung sicher dafür noch recht bald erhalten. Liedwirker ärgert man nicht.
Wobei ich diesem Wort auch nich ganz treu folge, denn ich ärgere durchaus die Liedkundigen oft und ausführlich. Ein Rekrut mit jener Begabung hat meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Ich bin wortwörtlich paralysiert in dem Gedanken ihn für seine Kreativität bluten zu lassen. Ebenfalls wortwörtlich.

Ich hatte die Ehre eine kleine Truppe zu den Wehrübungen der Kaluren zu führen. Durch eine grassierende Grippewelle sind die Reihen des Regiments zwar leicht ausgedünnt, doch ich fand eine kleine Schar, die sich wagemutig in die Übungen dort begab. Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr und ganz unbescheiden kann ich vermelden, dass ich ungeheuer stolz auf die Regimentler bin. Wachtmeiste Daske ist wendig und behält den Überblick, selbst wenn die Kämpfe in die chaotische Phase übergehen. Er analysiert und handelt schnell, ich könnte mir kaum eine bessere Rückendeckung wünschen als ihn. Im Schulterschluss dazu findet sich Rekrutin Tanar. Kaum größer als ein Kalur und doch zäh wie ein Terrier. Sie hat mehr als einmal den Gegner in die Defensive gezwungen. Unerwähnt lassen kann ich auch Rekrutin Aurea nicht. So zart sie erscheinen mag, sie ist ein standhafter Rückhalt in allen Lagen.
Bei diesen Übungen war es mir vergönnt mich selbst mit großartigen Kämpfern zu messen und allein dadurch zu lernen. Zudem hat es mir schlicht Spaß gemacht. Ich bin kein Fallobst mehr, allerdings auch ganz gewiss nicht die Krone des Baumes.

So vieles ist leichter, wenn man einen wahren Rückhalt gefunden hat und sich dessen sicher sein kann. Ich fand einen Regenbogen, eine Blüte und Zeilen, die mich selbst aufblühen lassen. Noch scheue ich mich, es hier niederzuschreiben. Doch ich denke nicht es zu leugnen.
Was ich fand, werde ich behalten.

Wie Ihre Hoheit so unbewusst treffend sagte, als ich sie bat mir in einem lockeren Gespräch ein Tier und dessen Eigenschaften zu zuordnen: Wölfin.
Ich weiß zu schützen, was mir gehört.

Verfasst: Montag 21. April 2014, 13:54
von Helisande von Alsted
23. Eintrag

Meine Arme sind lahm, ich vermag kaum sie über den Kopf zu heben geschweige denn mich dazu aufraffen wichtige Dinge hier festzuhalten. Doch ich sollte es tun, bevor sie aus meinem Sinn entschwinden. Die Erinnerung, je weiter sie von uns hinwegrinnt mildert die Ecken und Farben eines Eindrucks ab, bis nur noch verwaschenes Grau übrig ist.

Das Regiment veranstaltet Wehrtage. In Anbetracht der stetigen Bedrohung aus dem Westen eine immens wichtige Sache, allein schon um zu prüfen wo sich kampffähige Personen außerhalb des Regimentes befinden. Das Spielfeld für die Austragung der Kämpfe ist weitläufig und mit Fussfallen versehen. Es gilt die eigene Fahne zu sichern und die des Gegners zu erobern. Erlaubt ist nur die normale Übungsausrüstung und der direkte Nahkampf.
Alles in allem keine sonderliche Herausforderung, wie ich zu erst dachte, doch ich wurde eines besseren belehrt. Erschütternd wenige Mannschaften oder einzelne Kämpfer finden ihren Weg zu den Wehrtagen. Dies lässt vielfältige Schlüsse zu von denen ich zu einigen mehr geneigt bin als zu anderen.
Die farbigen, großen Aushänge konnte man sicher überlesen, auch das die Wehrtage von den Soldaten weitergegtragen wurden war zu überhören. Womöglich fehlte auch einfach nur der Mut oder die liebe Zeit.
Das vor allem die kämpfenden Gemeinschaften kein Interesse hegten mit dem Regiment für das Reich zu arbeiten, jenen Gedanken schiebe ich weit von mir. Wir sind alle König, Reich und Temora verpflichtet, es kann keine andere Wahrheit geben als diese.
Um so mehr erfeuen mich die zäh geführten Kämpfe der Truppe und ich verneige mich tief vor den beiden Mannschaften vom Nebelpass. Sie erscheinen zwar recht bunt zusammengewürfelt, sind aber ungeheuer schlagkräftig. Vor allem der Kalure ist irgendwie... schwer zu erhaschen.
Auch die Heiler vom Lehrhospital halten die Fahne des Reiches hoch, was ich sehr zu schätzen weiß.

So.
Bevor ich mich weiter davor drücke und die Tatsachen zu negieren versuche, halte ich es dennoch hier fest. Auf einem Rundritt mit Gardistin Aurea und Rekrut Heyn trafen wir auf dem Weg zu den Kaluren hinter dem Sumpf auf einen Ahad. Ahad Drugar, einst ein Freund Heyns nun sein Todfeind. Der Kampf war unausweichlich und führte zum Tode des Ahads. Heyn wurde verletzt, ebenso wie ich. Ich gebe frei zu, dass ich unendliche Angst hatte. Mein Kommando, meine Verantwortung, meine Untergebenen.
Von außen betrachtet ging die Sache gut aus für uns. Wir kehrten heim und behandelten den gefallenen Feind mit allen Ehren. Später von innen bertrachtet wird mir die Gefahr erneut bewusst und noch bewusster die Gefahr in der wir immer noch und wieder schweben.
Jemand gab Aureas und meinen Namen weiter nach Rahal. Offensichtlich in tiefer Kenntnis der Details der ganzen Angelegenheit. Woher das Regiment in Gestalt des Herrn Oberst davon weiß, will ich nicht niederschreiben. Jedoch ist der Verdacht ob der Dinge, die nun im Raume stehen an sich schon unerhört.
Bewusster Verrat?
Wer in Temoras Namen würde so etwas tun?
Keiner meiner Kammeraden, da bin ich mir sicher. Nicht bewusst zumindest. Vertrackte Situation allemal.

Was ziehe ich daraus für mich nun?
Der Feind kennt meinen Namen.

So ich einen Wunsch hätte, solle er auch nur meinen kennen. Mein Kommando. Meine Verantwortung. Temora beschützt.

Verfasst: Freitag 9. Mai 2014, 18:21
von Helisande von Alsted
Die Schrift wirkt eckig, hat nicht den gewohnen Schwung und Klarheit, ist jedoch durchaus lesbar.

24. Eintrag

Sie sind gekommen.
Nahezu alle.
In einer Stunde der unerwarteten Prüfung waren sie alle da und doch verlor ich etwas, was unwiederbringbar entschwunden ist nun. Ein Freund und Kammerad verlor sein Leben, ich behielt meins. Ich blieb am Leben, denn sie kamen.
Meine Hände zittern immer noch oder besser schon wieder, wenn ich mir das genau vor Augen führe. Der Hinterhalt der Rahaler, Baldurs Kampf und sein Ende. Ich hatte nur gegen einen tumben Gerüsteten zu bestehen, der vermutlich eine Kartoffel nicht von einer Tomate unterscheiden kann und das nicht mal am Geschmack. Doch auch ich wurde zerschlagen und zerbeult, meine derzeitig vorherrschende Hautfarbe ist blau und nicht weiß. Am Meisten macht mir die Prellung des Kehlkopfes zu schaffen, vielleicht wird meine Stimme nie wieder so klar wie sie zuvor war.

Jedoch, was ich eigentlich festhalten will und muss ist die Tatsache dass auf meine Notiz nicht nur die mir folgten, mit denen ich gerechnet hatte. Ich gab an in der Erdhöhle unterwegs zu sein, ich ging davon aus das Talianna oder Ernst die Nachricht finden würden und sich vielleicht anschlossen. Doch nicht nur die beiden kamen, Temora nein.
Das ganze Regiment bis auf die, die Wachschicht hatten kam dort hin. Es war nicht mehr möglich Baldur zu retten, den die Rahaler bereits hingerichtet hatten, aber ich wurde vor Schlimmerem bewahrt.

Es sollte keinen offiziellen Pesonenschutz für mich oder Aurea geben, dennoch rückte das Regiment aus um mich und Baldur zu geleiten. Ich gebe zu, dass ich davon ergriffen bin. Davon und von der Fürsorge, die mir zu Teil wurde und noch immer wird. Immer hält sich möglichst unauffällig ein Gardist in meiner Nähe auf, man versucht mich in Gesprächen abzulenken.

Ich bin dankbar.
Allen.

Ich bin unendlich traurig.
Baldur, mein Freund und Kammerad, der Wunsch nach einem eigenen Weingut wird unerfüllt bleiben. Ich hab den Brief geöffnet, den er mir hinterlegt hat. Ich bin seine Erbin. Noch etwas, was ich erstmal verdauen muss, denn ich weiß nicht wie ich dieses Vertrauen in mich rechtfertigen kann.

Ich bin erschöpft.
Mich erschöpft der Gedanke versagt zu haben. Ich habe meinen Rekruten, Kammerad und Freund nicht beschützen können. Ich habe im Kampf gestanden, aber nicht bestanden. Das Gefühl nicht hinreichend zu sein, schlicht nicht genug zu sein brodelt wieder in mir hinauf. Vielleicht gehört das zu den Dingen, die ich irgendwann in Demut akzeptieren muss. Oft, zu oft, genüge ich eben nicht.

Ich bin stolz.
Auf die Soldaten, das Regiment und meine Freunde. Nichts könnte bindender sein als das. Dies ist das wofür es sich zu leben, zu arbeiten und zu trotzen lohnt. Ein jeder für sich in Gold nicht aufzuwiegen. Temoras Segen ihnen allen.
Voneinander lernen, miteinandern kämpfen, füreinandern einstehen- mehr denn je.

Fußnote:
Der Feind kennt meinen Namen, nun kenne ich die Namen meiner Feinde, bis auf einen. Und genau jener ist es, der mich sehr interessiert. Sollte es sich bestätigen, dass er auch ein rahalischer Ritter ist, so scheint das Westreich wohl bei Vergabe der Titel keinen großen Wert auf Geistesgaben, Bildung oder verbale Ausdrucksfähigkeit zu legen.
Wundern würde es mich nicht. Wahrlich nicht.
Was allerdings auch wieder ein schlüssiger Beweis dafür ist, das Alathar nicht so allwissend und mächtig sein kann. Wäre er es, würde er sich sicherlich besseres Personal suchen. So wird er über kurz oder lang unterliegen.



Verfasst: Montag 26. Mai 2014, 14:32
von Helisande von Alsted
25. Eintrag

Der Frühling verliert sich langsam in den Farben des Frühsommers. Früh dieses Jahr, so will ich meinen. Jedoch komme ich nicht umhin mich an den Farben und Düten zu erfreuen. Die Kletterrosen brechen schüchtern ihre Blüten auf und das Aroma lockt mich immer wieder dort einen Moment zu verweilen. Ich komme nicht auf die Idee die Blüten zu pflücken. Die Dornen schrecken mich nicht, es ist mehr die Kurzlebigkeit jeder Schönheit. So sie verblassen soll, dann ohne mein Zutun.
Nichts ist ewig, weder Freude noch Trauer. Meine Trauer um Baldur verblasst zu einem Gedenken an den Freund und Kammeraden. Er hat mir viel hinterlassen. Zur Freude meines Vormundes kann ich vermelden, dass ich für die einst mittellose Frau, die ins Regiment eintrat nun recht gut aufgestellt bin. Dafür schulde ich dem Regiment und dem Reich mehr als ich jemals wieder begleichen kann. Dennoch versuche ich es jeden Tag aufs Neue. Es gibt eine Erfüllung über die Pflicht hinaus, dafür bin ich Unteroffizierin geworden.
Das ist es was ich kann.
Das ist es was ich bin.
So kam es dann auch dass ich nicht umhinkam mit einem Rekruten ein Gespräch zu führen. Nicht dienstlich, sondern rein privat. Er wirkt so zerissen und ungestüm, zu viel Temperament und keine Handhabe um damit umzugehen. Es gibt eine Grenze im Verhalten, die kein Soldat des Lichtenthaler Reiches übertreten darf. Wir folgen König, Reich und Temora. Wir zeigen vorbildliches Verhalten im Umgang mit anderen. Kein Mann, der meinen Respekt auf dauer erhalten will darf sich gehen lassen und einer Frau die Nase brechen. Es mag Gründe dafür geben, es gibt immer Gründe für alles. Aber es gibt dafür keine Entschuldigung.
Ritterlichkeit steht nicht nur den Ersten Schwerten des Reiches, sie kleidet jeden.
Ich bete das Temora dem Manne endlich Vernunft eingibt. Das Gör in das er glaubt verliebt zu sein wird ihn zu Grunde richten, außer er beginnt endlich ein Mann zu sein. Das Kind gehört erzogen und das dringend. Auch wieder etwas, was mir die Sorgenfalten auf die Stirn treibt. Ist es planvolle Absicht des Fräuleins ihren Liebsten für ihre unlauteren Zwecke einzuspannen oder ist sie einfach nur zu kurzsichtig um in Konsequenzen zu denken? Ich weiß nicht welche Antwort mir lieber wäre. Ich weiß es nicht.

Alsbald werde ich ein Gespräch mit Liam führen müssen. Es wird kein Erfeuliches werden, so fürchte ich. Nach dem holprigen Start hat er es geschafft sich innerhalb des Dienstes unterzuordnen. Was er noch geschafft hat ist sich offensichtlich in mich zu vergucken.
Temora hilf!
Ich könnte ihm die Aussichtslosigkeit seiner Werbungsversuche sicherlich klarer verdeutlichen, wenn er mir egal wäre. Bedauerlicherweise schätze ich ihn inzwischen als Soldaten, Freund und Rückhalt im Gefecht. Ich muss mir hier dringend passende Worte überlegen. Die Begriffe "nett" und "eigentlich" sind dabei zu meiden.
Männer!.....!.....?!?

Ein erneuter Zusammenstoß mit unserm Feind aus dem Westen lässt mich eine Komplentation über das Thema "Mut" führen. Bisher hatte ich immer noch die Hoffnung, dass es wirklich noch so etwas wie die Ehre unter Kriegrn gibt. Ich habe vorausgesetzt, dass sie auf beiden Seiten existiert. Jedoch wurde ich wieder eines Besseren belehrt. Der Ritter, dessen Namen ich immer noch nicht kenne, zeigte mir deutlich auf, dass alle Annahmen, die ich bezüglich des Feindes oder universeller Natur hatte wohl nochmal überdacht werden müssen. Ritter Pestpocke lies doch wirklich im Gefecht gegen das Regiment seine Leute im Stich! Er floh wie ein verschrecktes Karnickel in seinen Bau um dort mit einem ebenso hasenfüßigen Magier zitternd zu verharren.

Sir Fjalon, Sir Friedrich, Lady Sidra, Sir von Schwertfluren und auch Sir von Tannhoeh würden niemals uns opfern um sich selbst zu retten. Sie stehen noch vor uns und fangen den Feind ab. Mut und Ehre. Nichteinmal einer unserer schwächsten Soldaten würde feige fliehen und seine Kammeraden ihrem Schicksal überlassen. So habe ich die wahre Natur des Feindes erkannt und empfinde Mitgefühl.
Wer nur dann stark ist, wenn der andere schwach ist kann nicht bestehen. Wer nur Zorn kennt, kann niemals in Pflichterfüllung und Demut wahrlich dienen. Denn auch in Zeiten der Not und Bedrängnis ist es das Korsett aus Pflicht und Demut, dass uns aufrecht hält. Bis wir zerbrechen oder lernen ohne es aufrecht zu stehen und zu streiten.

Temora beschützt!
Immer.


Fußnote:
Ich muss daran denken eine Haartracht zu wählen ob offen oder als Zopf, die meinen Hals gut abdeckt. Tarnung ist manchmal alles!

Verfasst: Sonntag 22. Juni 2014, 18:06
von Helisande von Alsted
26. Eintrag

Adoran steht wieder! Temora seis gedankt und alle helfenden Hände gepriesen. Aus noch ungeklärten Gründen hatte sich eine Käfermutter mit ihrer Brut die Stadt ausgesucht um dort ihre Höhlen und Gänge zu graben und die Steine zu fressen. Ich bin mir nicht sicher aber diese Tiere sind wohl irgendwie mit den Steinbeißern der Kaluren verwandt, jedoch aggressiver und viel gefräßiger. Adoran wurde unterhöhlt, die Gebäude stürzten entweder ein oder wurden gefressen. Die gesamte Bevölkerung musste evakuiert werden und in einem Notlager vor den Toren der Stadt unterkommen.
Ich mache es kurz: Wir erlebten ein Debakel.
Jeder Regimentler befand sich im Dauerdienst. Wir bekämpften die Käfer, bewachten das Lager, sicherten die Grenzen und bekämpften noch mehr Käfer. Nachdem die Käfermutter gefunden und getötet wurde, begannen wir aufzuräumen. Steine schleppen, Balken sägen, Schutt schippen... alles wovon ein Soldat beim Eintritt in eine Armee so träumt.
Ich klinge wieder zynisch, dabei bin ich dankbar für diese Erfahrung. Denn die Lichtenthaler Bevölkerung hielt zusammen. Niemand war sich für irgendeine Arbeit zu schade. Niemand schonte sich und aus den vielen einzelnen Personen, sogar aus den einzelnen Völker unserer Verbündeten wurde in der Zeit des Notlagers ein WIR.

Temora segne dieses wir und lass es künftig und lange bestand haben, denn der Feind im Westen schläft nicht. Ebensowenig wie die cabezianische Piratenbrut, die wir nun wieder ein wenig energischer verfolgen. Ein gewisser Bartos Arcoza darf sich noch vor uns verantworten.
Und ich habe Nestors Dolch wieder.
Die Runde ging an mich.
Er wird kommen.

Weiterhin lässt mich eine Beobachtung die Stirne krausen, die mir nicht schmecken will. Offenbar nimmt nun auch das rahalische Militär Piraten in seine Reihen auf. Sicherlich brauchbare Kämpfer, dass will ich nicht schmälern, jedoch frage ich mich um was für eine Armee es sich dabei handelt, wenn sie inzwischen jeden Gossendreck in ihre Farben hüllen.
Nicht mein Beritt, aber etwas womit ich arbeiten muss.
Beim letzten Zusammenstoß mit den Rahalern wurde mir wieder klar vor Augen geführt, dass die, die sich ehrenhaft betragen und dem Feind seine Würde lassen wollen sehr lange darauf warten müssen, dass es sich auszahlt.
Ich habe Geduld.

Unentschieden.
Etwas womit ich nicht zufrieden bin. Als wir rahalische Eindringlinge ins Reichsgebiet verfolgten und stellten wurde ich ausgewählt um gegen einen rahalischen Ritter anzutreten.
Dazen Wolfseiche, so sein Name. Immerhin nannte er mir schon bei unserem ersten Treffen seinen Namen. Er wählte mich sogar mehr oder weniger selbst aus. Ein großer, gut ausgebildeter Krieger. Lange Glieder mit entsprechender Reichweite und Kraft. Ich nehme an er wählte mich, weil ich ein leichtes Opfer sein sollte.
Unentschieden.
Ich habe mich nach dem Kampf direkt übergeben, die Schmarre am Kopf verschorft und sorgt dafür, dass ich noch eine Weile keinen Helm tragen kann. Schlimmer ist die Schlüsselbeinprellung. Eher eine Quetschung. Es dauert noch Tage bis mein Schwertarm wieder zu gebrauchen ist. Alles was schwerer ist als eine Moccatasse bekomme ich nicht angehoben.
Verfluchte Scheiße.
Unterschätzt.
Unentschieden.
ich brachte ihn zu Fall. Einen Ritter. Ich sollte zufrieden sein mit mir und bin es nicht.
Unentschieden.

Zudem durfte ich mir wieder eine Standpauke anhören. Ständig käme ich zerbeult von Tänzen mit rahalischen Rittern heim.
Hiermit sei festgehalten, dass dies so nicht stimmt.
Nicht ständig!
Nur viermal!

Ich trete morgen den einwöchigen Dauernachtdienst bei den Wachritten an.
Zeit zum Nachdenken, die Ergebnisse werde ich hier festhalten.

Verfasst: Samstag 5. Juli 2014, 23:41
von Helisande von Alsted
27. Eintrag

Ich habe eingewilligt.
Irgendwie zumindest, so ganz genau bin ich mir nicht mehr sicher ob ich überhaupt die Wahl noch hatte oder sie schon vor einiger Zeit getroffen wurde - von mir für mich. Nun trage ich den dunklen Umhang und das Wappen Sir Fjalon von Thorns.
Ich bin Knappin.
Ein Titel, eine Würde, eine Bürde.
Hier kann ich es zugeben und niederschreiben, denn ich habe Angst. Angst davor zu versagen, am Ende doch nicht zu genügen und Schande über mich und meinen Ritter zu bringen. Temora was hat ihn nur geritten? Wie schrieb er einst? "Einen Edelstein erkennt ein Ritter in dem, den er zum Knappen nimmt."
Katzengold.
Im besten Fall.
Worauf habe ich mich da nur eingelassen, bei der Liebe Eluives?!?

Auf das was ich will.

Bei allem Gezeter hier auf dem Pergament siegt doch mein Hang zur Ehrlichkeit. Ich will diese Würde und noch viel mehr diese Bürde. Sollte ich auch nicht erfolgreich aus allen Prüfungen hervorgehen, so wird mich diese Zeit doch zu einer fähigeren Soldatin machen. Wie auch immer es enden wird, wie auch immer dieser Weg verläuft, es ist nicht vergebens.
Es ist eine Mauer, die der Efeu bewachsen kann. Vielleicht wird der Stamm dick genug und verholzt kernig, so dass er sich selbst tragen kann. Womöglich treiben frische Triebe an bisher unmöglichen Stellen aus und lassen die unscheinbare Pflanze an Raum und Kraft gewinnen.

Hier sei nun noch etwas vermerkt, was mir während der Nachtwache durch den Geiste stob. Mehr als einmal und wohldurchdacht.

Vögel einer Feder.
Oder besser Wölfe eines Rudels?
Ich weiß nicht welche Metapher besser greift, jedoch fiel mir auf wie ungeheuer ähnlich ich meinen Vormund bin. Gewiss nicht in Gestalt und Geschlecht, da sei Temora vor. Es liegt in anderen Dingen begründet.
Wir wissen beide die Menschen zu nehmen wie sie sind und beginnen auch Kämpfe von denen wir wissen, dass wir sie nicht gewinnen können. Einfach weil diese Kämpfe geführt werden müssen.
Die Etikette engt uns nicht unangenehm ein, sondern sie gibt uns beiden Sicherheit und Freiheit, da wir sie einzusetzen wissen. Wir sind beide Soldaten mit dunklen Flecken in unsere Historie, wobei ich anmerken darf, dass seine dunkler sind als meine.
Doch uns beide hat der Glaube gerettet.
Mein gestrenger Vormund hat auch eine gewisse Vorliebe für ein Getränk und frönt jener gern und wird genau wie ich dafür sicherlich heimlich belächelt - nur dass es bei ihm Milch ist und nicht Mocca!
(Fängt beides mit M an!)
Im Detail betrachtet haben wir eine ähnliche Art in Zweikämpfe zu gehen und uns durch zu beißen. Sogar unsere Pferde haben die gleiche Farbe. Doch der wesentliche Zug, der uns beide eint und trennt ist der, dass wir uns genug sind.
Bei allen Beziehungen zu anderen Menschen, die wir pflegen und als fühlende Wesen brauchen. Am Ende des Tages bin ich mir selbst genug.
So wie er auch.
Soldaten für Reich, König und Temora.
Ha-ROO!

Verfasst: Dienstag 8. Juli 2014, 22:05
von Helisande von Alsted
28. Eintrag

Ich wurde zum Oberstleutnant befördert und habe nun zur Knappschaft noch eine Aufgabe mehr. Temora hilf, ich bin Offizier der Krone! Und ich habe die Wette zwischen Freiherr von Goldenfall und Sir Fjalon gehört!
Na wartet.

Doch ich fasse mich kurz, denn ich muss dichten. Da ich dazu neige mich vor unliebsamen Aufgaben bis zur letzten Minute zu drücken, werde ich gleich damit beginnen. Ich soll laut Sir Fjalon sätmtliche Adelsränge und Würdenträger in einem Gedicht behandeln.
Reimen soll es sich auch noch, da dann....

***

So gehen wir mal nach Adoran
und schauen uns den Adel an!

Ganz oben steht der König,
sehen tut man ihn wenig,
da er als seine Majestät,
nur selten vor die Türe geht.

Die königlichen Hoheiten,
sieht man nur bei Zeiten,
wenn es denn welche gibt
und der König sich verliebt.

Hat der König sich vermählt,
man schon die Tage zählt,
wann der Storch hat zugepinst
und geboren wird der Prinz!
Doch auch auf Töchter sei man gespannt,
Prinzessinnen braucht das große Land!

Durch Adel und durch Schönheit,
zeigt sich herzögliche Hoheit,
die durchlauchteste Familie,
blüht auf wie einst die Lilie.

Das Reich hat keinen Grafen,
man wollte keinen Strafen,
und gibt das erlauchte Amt,
nur einem mit Verstand!

Auch hier im Land nicht ohne,
sind die fehlenden Barone,
irgendwann kommt einer her,
wenn er war zuvor Freiherr.

Hochwohlgeboren ist er dann,
doch man unterscheidet Frau und Mann,
durch Euer oder Eure gar,
Baronessen gibt’s auch – ist doch klar!

Hochgeboren, freiherrlich tut
desweiterem dem Adel gut.
Hochedel war man meist zuvor,
und steht nun dann im Adelstor.

Die verdienten Bürger hier im Land,
erhebt man in den edlen Stand.
Geschufftet haben sie wie blöd,
den meisten ist das doch zu öd!

Sir und Lady hört man in den Auen,
man sagt die können dolle hauen.
Schwertadel sind die Rittersleute,
dem Reiche dienen sie oh Freude!

Hochedel ist ihr Ansehn gar,
das Benehmen manchmal sonderbar.
Hat ein Ritter sich besonnen,
und wird vom König wahrgenommen,
als verdienter Streiter,
so macht er als Kronritter weiter.
Einem Barone im Knickse gleich,
die schärfste Klinge für das Reich!

Die Magier kochen ihre eigene Tinte,
die Anreden werden oft zur Finte.
Die Tiro das sind die Gelehrten,
wenn die Kenntnisse sich vermehrten,
werden sie zum Candidatus,
Wohlgelehrte – ob das sein muss?

Magus sind die Hochgelehrten,
die noch mehr Wissen da begehrten,
doch in der höchsten Liedpräsenz
steht die höchstgelehrte Magnifizenz,
Arcomagus ist er oder sie dann,
egal obs wirklich etwas kann!


Nicht zu vergessen, die Geweihten,
die des Glaubens Worte leiten!
Die Eminenz steht an der Spitze,
der Hohepriester füllt die Sitze.
Die Priester oder auch Hochwürden,
tragen schwer der Arbeit Bürden.

Von Arbeit Temora auch nie verschone,
die Gnaden oder Diakone.
Bleibt im Kloster noch der Akoluth,
ob Bruder, Schwester – alle gut!


***

Morgen nochmal lesen. Hab bestimmt was vergessen.


Verfasst: Samstag 2. August 2014, 20:13
von Helisande von Alsted
29. Eintrag

Meine Hände zittern immer noch, aber langsam wird es besser. Es ist schon erstaunlich wie viel ein Bad, saubere Kleidung und das eigene Bett kurieren können. Ich bin dünn geworden, körperlich erschöpft und mein Verstand kommt nicht zu Ruhe. Sir Fjalon hat sich meiner schon dankenswerter Weise in einem langen Gespräch angenommen und versucht meine Perspektive zurecht zu rücken.


Krieg.


Nicht nur das, was wir auf dem ewig geduldigen Papier seit Jahren mit Rahal führen, sondern das was mit Klingen ausgefochten wird. Das was Leben kostet, Opfer erfordert, Entscheidungen und Führung.

Krieg.

Wir haben ihn nicht gesucht, er aber uns gefunden. Der Feind hatte sich Verbündete gesucht, geplant, gelauert und zu geschlagen. Schwingenstein, das Herz und die Seele unseres, einzigen wahren Glaubens geriet unter Belagerung. Der Dämon allein wusste, was sie damit bezweckten und erreichen wollten. Nachdem wir uns eingemauert hatten und die Palisaden sicher standen, hielten wir aus. Hier und dort gab es Scharmützel, die wir größtenteils für uns gewinnen konnten.

Krieg schafft Bündnisse.

Richtiger wäre zu sagen, Krieg festig bestehende Bündnisse und lässt das Feuer alter Freundschaften zu neuer Flamme empor wachsen. Wir riefen und sie kamen. Die Elfen, die Thyren und auch die Kaluren eilten herbei um Schwingenstein mit uns zu halten und die rahalische Brut zu vertreiben.
Jedes unserer Völker für sich hatte seine Eigenheiten und Bräuche, die sich manchmal nur schwer miteinander vereinbaren ließen. Doch schaffen wir es in Respekt und Demut die Andersartigkeit unserer Verbündeten zu sehen und uns an ihnen zu erfreuen.
Die Kaluren waren stets emsig auf der Suche nach der nächsten Schlacht und schienen kaum Ruhe zu benötigen. Die Elfen hingegen wirkten wie die personifizierte Ruhe, ihre Stärke lag in der Analyse und der Mahnung die Menschlichkeit nicht zu vergessen.
Die Thyren waren stets der fixe Punkt in einer schwankenden Welt. Ulfrik hatte aus mir noch unbekannten Gründen beschlossen mich zu beschützten und dann mich sinnvoll zu verheiraten. Letzteres Ziel will er wohl auch weiter verfolgen. Ich habe kein gutes Gefühl bei der Sache!

Krieg schafft Tatsachen.

Die unverrückbarste Tatsache, die ich am eigenen Leib erfuhr, war die der Bürde des Kommandos. Denn jenes hatte ich inne. Der Oberst erklärte sich selbst dafür Zuständig den Nachschub zu sichern und die Ritterschaft zu verstärken. Ich entdeckte in den langen Tagen und kurzen Nächten der Belagerung Eigenschaften an mir, mit denen ich mich noch anfreunden muss.
Ich verfüge über eine für mich überraschende Kaltblütigkeit. Um das höhere Ziel zu erreichen, war ich bereit Soldaten zu opfern. Ich war bereit Freunde zu opfern und in den relativ sicheren Tod zu schicken. Es wäre verlogen es von mir schieben zu wollen, kommt es erneut zu einer Krise - ich bin dazu wieder in der Lage.
Es zeigte sich überdies, dass ich in mir ruhe. Je hektischer und chaotischer es wurde, je näher der Zeitpunkt der Entscheidungsschlacht rückte, umso ruhiger wurde ich. Kein Zögern, keine Nervosität... nur Ruhe und dann die Befehle. Befehle vorgebracht mit einer Stimme, die die meine war und doch nicht ist.

Der Plan war aufgegangen. Wir hatten eine Ablenkung gestartet und mittels Rauch und Illusionsgeknister so getan als würde unser eigenes Lager brennen. Nur eine Handvoll Soldaten blieb zurück neben den Klosterwachen, der Rest rückte aus. Die Ritterschaft stellt sich direkt dem Kampf, während eine kleine Gruppe gemeinsam mit mir Brandsätze auf das feindliche Lager schleuderte. Wir ritten von der Flanke her an, ungehindert und ließen sie in Rauch und Flammen aufgehen. Torjan hatte einen wahren Dämonenaufguss gemischt, nichts war davor sicher.
Bei dem Feind brach das Chaos aus und er unterlag. Jedoch drang eine kleine Gruppe der Letharen in unser Lager ein und brachte die Wachmannschaft in arge Bedrängnis. Es waren Verluste unter den Klosterwachen zu verzeichnen.

Krieg brigt vertretbare Verluste.

Ist dem so? Nüchtern betrachtet sicher. Schwingenstein wurde gehalten, nur wenige Opfer gilt es zu beklagen und sie fanden den Tod im Kampf. Dennoch gingen jene Verluste mir zu Lasten, sie waren die Zeugen meiner Versäumnisse. Ich hätte mehr Leute abstellen müssen zur Sicherung. Ich hätte klarere Befehle geben müssen. Ich hätte das Kompetenzgerangel mit der Klosterwache vorhersehen müssen.

Ich hätte...
Ich hätte, aber ich habe nicht. Allen tröstenden Worten zum Trotze, es geht mir nahe und ich muss damit leben. Heute noch kann ich darüber grübeln und mich grämen, doch morgen waret wieder die Pflicht auf mich. Ich habe Soldaten zu führen, Kondolenzbesucher zu machen und einiges in die Wege zu leiten.

Morgen bin ich wieder Frau Obersleutnant.
Heute bin ich nur Knappin Senheit.
Immer bin ich Helisande.