Verfasst: Montag 31. Dezember 2012, 13:55
31. Alatner 255 - Glaubenszweifel
Mit langsamen Schritten nähere ich mich dem Lagerfeuer nahe des Bajarder Eingangs. Luninara sitzt mit zwei mir fremden Männern auf einem Holzstamm und werkelt geschickt an den Schlössern verschiedener, kleiner Schatzschatullen, um sie zu knacken. Wenngleich sie lediglich ihre Freundlichkeit zum Ausdruck bringen möchte, übermannt mich beißende Eifersucht. "Warum?", frage ich mich im Stillen. Ich vertraue ihr. Eigentlich. Ich gewähre ihr mehr Freiheiten, als ein anderer Mann es jemals tun würde. Darüber haben wir oft genug gesprochen. "Sie wird mich nicht verletzen", versuche ich mir einzureden. Ich bin wütend, wütend auf mich selbst.
Der Blick meiner hellblauen Augen gleitet herab. Ich erkenne mich in der blutverkrusteten, silbernen Plattenrüstung wieder und atme schwer. Ich habe mich immer noch nicht ganz an das schwere Gewicht gewöhnt, und jeder Schritt fühlt sich an, als würden dicke Metallwände langsam meinen erschöpften Körper zerquetschen. Ich hätte auf Garrett hören sollen: "Ich würde dir empfehlen, in leichter Lederrüstung zu trainieren, damit du ein Gefühl für deinen Schwertarm bekommst, und dich weniger auf das Gewicht deines Schutzes konzentrieren musst. Ach ja, ziehe ein Rundschild dem Turmschild vor. Der Beweglichkeit wegen", hatte er mir geraten. Warum habe ich nicht auf den erfahrenen, weißhaarigen Krieger gehört? "Sehr gut, Leon, setze deinen Trotzkopf durch, und erwarte riesige Sprünge auf dem Weg zum ausgereiften Soldaten", höre ich meine innere Stimme spotten und der Gedanke stimmt mich zornig. Ich hasse mich. Ich werde es niemals schaffen. Schon wieder keimen Selbstzweifel auf, die ich am Liebsten durch ein Kopfschütteln abwimmeln würde. Wenn es doch nur so einfach wäre...
Ich geselle mich mit einem bemüht freundlichen Nicken den Herren am Lagerfeuer hinzu, betone "Liebste", während ich Luninara begrüße, und lasse den prüfenden Blick über die beiden Fremden schweifen. Sie reagieren gleichermaßen distanziert, nicken mir ebenfalls freundlich zu; und lediglich das gelegentliche Knirschen und Quietschen vom Handwerk meiner attraktiven Partnerin, während ihr Werkzeug im Inneren der Schlüssellöcher der kleinen Truhen arbeitet, durchbricht die peinliche Stille. Erleichtert wirke ich, als sie zu mir aufsieht, und mir ein erfreutes Lächeln widmet. "Hallo, Schatz, setz' dich doch zu uns", lädt sie mich ein und deutet zur nahen Holztruhe hinüber. Ich genieße den Anblick ihrer hellen Augen unter dem herrlich blonden Haar. Nach der erfolglosen Jagd auf dem kalten Fuachtero tröstet mich ihr Gesicht, und ihre angenehm ruhige Stimme besänftigt mein angeschlagenes Gemüt. Ich liebe diese Frau... Vorsichtig lasse ich mich auf der Holztruhe nieder, und erröte mit geneigter Stirn und verlegenem Blick, als meine Rüstung ächzt und das Holz unter meinem Po, bei der Last, unheilvoll knarzt. "Scheiße! Du wirst wieder rot. Toller erster Eindruck", höre ich meine Gedankenstimme tadeln, als würde sie Vaters strengen Tonfall widerspiegeln, und erneut bemühe ich mich, kurz den Kopf schüttelnd, darum, die erniedrigenden Vorstellungen in meinem Gehirn abzuschütteln.
Gerade möchte ich ansetzen, mich bei den fremden Männern für die unangenehmen Geräusche von Metall und Holz zu entschuldigen, als sich Azyr nähert. Eine unangenehme Kälte geht von der Aura dieses Mannes aus, die mir gleichzeitig Respekt wie Furcht lehrt. "Sag' bloß nichts Falsches", donnert es in meinem Kopf, und abermals empfinde ich Selbstzweifel, bin enttäuscht über mich selbst. "Feigling!", höre ich mich schimpfen.
Mit einem lässigen "Seinen Hass" begrüßt er die Sitzrunde, und ich spüre sein süffisantes Grinsen auf meinem Leib. "Derjenige, der meine Mutter beleidigt hat, und mich angreifen wollte, obwohl ich keine Waffe gezückt hatte, wurde eben abgeführt", spricht er im gewohnten, unheilvollen Tonfall. Sein Mundwinkel hebt sich zu einem Lächeln an und er wendet den Blick in meine Richtung. "So ein Regiments-Typ", fügt er dann gehässig hinzu. Mein Herz macht einen Sprung, und ich komme nicht herum, ihn gleichermaßen hilfesuchend, wie zweifelnd, anzusehen. "Ein Gläubiger Temoras... Ein Mann des Regiments beleidigt Eure Mutter und greift zur Waffe, obgleich Ihr wehrlos seid?", spreche ich meine Gedanken hauchend, zitternd, aus, und hoffe auf eine Lüge seinerseits. Er hebt die Brauen an, und nickt mit strengem, seriösem Blick nur. "Die Klinge zur Verteidigung anzuheben, wenn das Wort versagt, schreibt uns tugendhaftes Handeln vor. Die Aktion des Regimentsmitgliedes grenzt jedoch an Zorn. Eine der Euren Tugenden. Dass voreilig zum Schwert gegriffen wird, geschieht aus den Reihen Temoras zudem nicht zum ersten Mal, sondern häufig in letzter Zeit. Ich fühle mich seltsam, unsicher", gestehe ich ihm. Warum auch immer... Vielleicht, weil ich Angst habe, und um das zu sagen bemüht bin, was er wahrscheinlich hören möchte... "Elender Feigling", zischt meine Gedankenstimme wieder tadelnd. Zweifel, angesichts des Glaubens, kann ich dennoch nicht unterdrücken. ">Tugenden< ist ein gutes Stichwort", stimmt Azyr mit nachdenklicher, monotoner Stimme zu, die sich wie Gift in meinem Kopf anfühlt. "Ich lade Euch zu einem Gespräch über Tugendhaftigkeit ein. Ich bringe Euch Alatars Tugenden näher, und ich erfahre mehr über Temora. Abgemacht? Es kann auch mir nicht schaden, die Kehrseite der Medaille gesehen zu haben", schlägt er mit unverändert rauer, selbstbeherrschter Stimme vor. Ich nehme sein Angebot an. Ohne Zögern. Warum? Tatsächlich nur aus Neugier? Ich kann mein Gefühl gerade nicht richtig beschreiben. Eine seltsam wirre Mischung aus Zorn, Selbsthass, Zweifel, Angst und Verzweiflung...
Ich bin froh, als sich der Tag einem Ende neigt. Bald beginnt ein neues Jahr. Ich stehe daheim, sperre die Türe hinter meinem Rücken ab, atme tief durch und sehe Luninara gebannt zu, wie sie eine Hülle nach der anderen auf den Teppich fallen lässt. Verführerisch. Blattwerk gleich. Der Anblick ihres nackten Körpers raubt mir für den Moment zweier - rasch werdender - Herzschläge den Atem. Die junge Blondine hat nichts von ihrer Faszination verloren. Ich begehre sie, nach wie vor, und muss erröten, als mein Blick unbewusst ins Aufdringliche schweift. Mit einem amüsierten Lächeln bemerkt sie das Verlangen in meinen Augen, ergreift meine Hand und raunt mir verführerisch zu: "Lass' uns ins Bett, mein Schatz."
Ich füge mich der nächtlichen Erotik; sie lässt mich die Zweifel des vorangegangenen Tages kurzweilig vergessen und entspannt mich am Ende; sorgt dafür, dass ich mich lebendig fühle. Was hat Azyr nur vor? Weshalb die plötzliche Freundlichkeit? Während ich in den frühen Morgenstunden Luninara in meinen Armen wiege, und ihren Nacken mit Küssen liebkose, bis sie eingeschlafen ist, wirkt mein Geist gedankenverloren. "Mehr über die Tugenden Alatars erfahren... Das wird bestimmt eine interessante Unterhaltung", höre ich abermals meine nachdenkliche Stimme im Kopfinneren kreisen, ehe ich, den erschöpften Körper meiner Liebsten an mich drückend, in einen unruhigen Schlaf falle.
Mit langsamen Schritten nähere ich mich dem Lagerfeuer nahe des Bajarder Eingangs. Luninara sitzt mit zwei mir fremden Männern auf einem Holzstamm und werkelt geschickt an den Schlössern verschiedener, kleiner Schatzschatullen, um sie zu knacken. Wenngleich sie lediglich ihre Freundlichkeit zum Ausdruck bringen möchte, übermannt mich beißende Eifersucht. "Warum?", frage ich mich im Stillen. Ich vertraue ihr. Eigentlich. Ich gewähre ihr mehr Freiheiten, als ein anderer Mann es jemals tun würde. Darüber haben wir oft genug gesprochen. "Sie wird mich nicht verletzen", versuche ich mir einzureden. Ich bin wütend, wütend auf mich selbst.
Der Blick meiner hellblauen Augen gleitet herab. Ich erkenne mich in der blutverkrusteten, silbernen Plattenrüstung wieder und atme schwer. Ich habe mich immer noch nicht ganz an das schwere Gewicht gewöhnt, und jeder Schritt fühlt sich an, als würden dicke Metallwände langsam meinen erschöpften Körper zerquetschen. Ich hätte auf Garrett hören sollen: "Ich würde dir empfehlen, in leichter Lederrüstung zu trainieren, damit du ein Gefühl für deinen Schwertarm bekommst, und dich weniger auf das Gewicht deines Schutzes konzentrieren musst. Ach ja, ziehe ein Rundschild dem Turmschild vor. Der Beweglichkeit wegen", hatte er mir geraten. Warum habe ich nicht auf den erfahrenen, weißhaarigen Krieger gehört? "Sehr gut, Leon, setze deinen Trotzkopf durch, und erwarte riesige Sprünge auf dem Weg zum ausgereiften Soldaten", höre ich meine innere Stimme spotten und der Gedanke stimmt mich zornig. Ich hasse mich. Ich werde es niemals schaffen. Schon wieder keimen Selbstzweifel auf, die ich am Liebsten durch ein Kopfschütteln abwimmeln würde. Wenn es doch nur so einfach wäre...
Ich geselle mich mit einem bemüht freundlichen Nicken den Herren am Lagerfeuer hinzu, betone "Liebste", während ich Luninara begrüße, und lasse den prüfenden Blick über die beiden Fremden schweifen. Sie reagieren gleichermaßen distanziert, nicken mir ebenfalls freundlich zu; und lediglich das gelegentliche Knirschen und Quietschen vom Handwerk meiner attraktiven Partnerin, während ihr Werkzeug im Inneren der Schlüssellöcher der kleinen Truhen arbeitet, durchbricht die peinliche Stille. Erleichtert wirke ich, als sie zu mir aufsieht, und mir ein erfreutes Lächeln widmet. "Hallo, Schatz, setz' dich doch zu uns", lädt sie mich ein und deutet zur nahen Holztruhe hinüber. Ich genieße den Anblick ihrer hellen Augen unter dem herrlich blonden Haar. Nach der erfolglosen Jagd auf dem kalten Fuachtero tröstet mich ihr Gesicht, und ihre angenehm ruhige Stimme besänftigt mein angeschlagenes Gemüt. Ich liebe diese Frau... Vorsichtig lasse ich mich auf der Holztruhe nieder, und erröte mit geneigter Stirn und verlegenem Blick, als meine Rüstung ächzt und das Holz unter meinem Po, bei der Last, unheilvoll knarzt. "Scheiße! Du wirst wieder rot. Toller erster Eindruck", höre ich meine Gedankenstimme tadeln, als würde sie Vaters strengen Tonfall widerspiegeln, und erneut bemühe ich mich, kurz den Kopf schüttelnd, darum, die erniedrigenden Vorstellungen in meinem Gehirn abzuschütteln.
Gerade möchte ich ansetzen, mich bei den fremden Männern für die unangenehmen Geräusche von Metall und Holz zu entschuldigen, als sich Azyr nähert. Eine unangenehme Kälte geht von der Aura dieses Mannes aus, die mir gleichzeitig Respekt wie Furcht lehrt. "Sag' bloß nichts Falsches", donnert es in meinem Kopf, und abermals empfinde ich Selbstzweifel, bin enttäuscht über mich selbst. "Feigling!", höre ich mich schimpfen.
Mit einem lässigen "Seinen Hass" begrüßt er die Sitzrunde, und ich spüre sein süffisantes Grinsen auf meinem Leib. "Derjenige, der meine Mutter beleidigt hat, und mich angreifen wollte, obwohl ich keine Waffe gezückt hatte, wurde eben abgeführt", spricht er im gewohnten, unheilvollen Tonfall. Sein Mundwinkel hebt sich zu einem Lächeln an und er wendet den Blick in meine Richtung. "So ein Regiments-Typ", fügt er dann gehässig hinzu. Mein Herz macht einen Sprung, und ich komme nicht herum, ihn gleichermaßen hilfesuchend, wie zweifelnd, anzusehen. "Ein Gläubiger Temoras... Ein Mann des Regiments beleidigt Eure Mutter und greift zur Waffe, obgleich Ihr wehrlos seid?", spreche ich meine Gedanken hauchend, zitternd, aus, und hoffe auf eine Lüge seinerseits. Er hebt die Brauen an, und nickt mit strengem, seriösem Blick nur. "Die Klinge zur Verteidigung anzuheben, wenn das Wort versagt, schreibt uns tugendhaftes Handeln vor. Die Aktion des Regimentsmitgliedes grenzt jedoch an Zorn. Eine der Euren Tugenden. Dass voreilig zum Schwert gegriffen wird, geschieht aus den Reihen Temoras zudem nicht zum ersten Mal, sondern häufig in letzter Zeit. Ich fühle mich seltsam, unsicher", gestehe ich ihm. Warum auch immer... Vielleicht, weil ich Angst habe, und um das zu sagen bemüht bin, was er wahrscheinlich hören möchte... "Elender Feigling", zischt meine Gedankenstimme wieder tadelnd. Zweifel, angesichts des Glaubens, kann ich dennoch nicht unterdrücken. ">Tugenden< ist ein gutes Stichwort", stimmt Azyr mit nachdenklicher, monotoner Stimme zu, die sich wie Gift in meinem Kopf anfühlt. "Ich lade Euch zu einem Gespräch über Tugendhaftigkeit ein. Ich bringe Euch Alatars Tugenden näher, und ich erfahre mehr über Temora. Abgemacht? Es kann auch mir nicht schaden, die Kehrseite der Medaille gesehen zu haben", schlägt er mit unverändert rauer, selbstbeherrschter Stimme vor. Ich nehme sein Angebot an. Ohne Zögern. Warum? Tatsächlich nur aus Neugier? Ich kann mein Gefühl gerade nicht richtig beschreiben. Eine seltsam wirre Mischung aus Zorn, Selbsthass, Zweifel, Angst und Verzweiflung...
Ich bin froh, als sich der Tag einem Ende neigt. Bald beginnt ein neues Jahr. Ich stehe daheim, sperre die Türe hinter meinem Rücken ab, atme tief durch und sehe Luninara gebannt zu, wie sie eine Hülle nach der anderen auf den Teppich fallen lässt. Verführerisch. Blattwerk gleich. Der Anblick ihres nackten Körpers raubt mir für den Moment zweier - rasch werdender - Herzschläge den Atem. Die junge Blondine hat nichts von ihrer Faszination verloren. Ich begehre sie, nach wie vor, und muss erröten, als mein Blick unbewusst ins Aufdringliche schweift. Mit einem amüsierten Lächeln bemerkt sie das Verlangen in meinen Augen, ergreift meine Hand und raunt mir verführerisch zu: "Lass' uns ins Bett, mein Schatz."
Ich füge mich der nächtlichen Erotik; sie lässt mich die Zweifel des vorangegangenen Tages kurzweilig vergessen und entspannt mich am Ende; sorgt dafür, dass ich mich lebendig fühle. Was hat Azyr nur vor? Weshalb die plötzliche Freundlichkeit? Während ich in den frühen Morgenstunden Luninara in meinen Armen wiege, und ihren Nacken mit Küssen liebkose, bis sie eingeschlafen ist, wirkt mein Geist gedankenverloren. "Mehr über die Tugenden Alatars erfahren... Das wird bestimmt eine interessante Unterhaltung", höre ich abermals meine nachdenkliche Stimme im Kopfinneren kreisen, ehe ich, den erschöpften Körper meiner Liebsten an mich drückend, in einen unruhigen Schlaf falle.