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Verfasst: Sonntag 26. August 2012, 15:28
von Svetlana Ethered
Vergangenheit:
„Verfluchte scheisse…“ erklang es leise, als sie den Weg entlang rannte.
Sie hatte ihr Schicksal einmal zu oft heraus gefordert, jetzt forderte es seinen Preis.
Sie hatte es übertrieben, dieses Mal war sie nicht ungeschoren davon gekommen.
Ihr Weg führte sie in den Hafen, eine Möglichkeit, die Stadt zu verlassen ohne durch die Torkontrollen zu müssen.
Vielleicht fand sie jemanden.
Da sie ohnehin nicht viel besaß und sich alles soweit in einem Rucksack auf ihrem Rücken befand, trat sie einfach an das Schiff heran.
„Der Käptn soll neue Matrosen suchen“ sagte sie zu einem der Männer, die Stimme war harsch, der Blick starr.
Die Hände steckten in dünnen Lederhandschuhen, damit man ihr den fehlenden Finger nicht direkt ansehen konnte.
Der Seemann nickte und deutete auf den Steeg.
Ohne ein weiteres Wort, schlenderte Svetlana den Verbindungssteeg hinauf, und sah sich suchend um. Es dauerte auch nicht lange, bis sie das Gespräch mit dem Käptn hinter sich hatte.
Ihr war egal auf was er aus war, Hauptsache weg von hier, den eigenen Hintern retten.
So wurde sie Teil der Mannschaft, nicht das erste Mal auf See aber das erste Mal nicht unter Händlerflagge.
Der Schatz einer Medusa… das war es, worauf der Käptn spekulierte.
Naja, weit weg war sie damit schon mal, also war es ihr recht.
Kämpfen konnte sie zwar nur mässig gut, aber bisher war sie immer damit zufrieden gewesen.
So segelten sie durch die Riffe, legten an der Insel an und erkundeten sie.
Svet machte sich daran, die kniehohen Gräser mit dem Entermesser nieder zu mähen und dabei darauf zu achten, was sich so in der Umgebung tat.
Die Mannschaft war behutsam und vorsichtig.
Als sie den Tempel entdeckten, oder besser gesagt, das was von ihm übrig geblieben war, hatten sie den ersten Anhaltspunkt erfahren.
Der Trick ins innere der Höhle zu kommen, war schnell gefunden, und vorsichtig machten sie sich auf den Weg, durch die Smaragdhöhlen zu wandern. Leises Geklirre von Waffen und Rüstungen, leises Gemurmel und Gefluche war zu hören, bis sie in den Endraum kamen. Dort saß die Medusa auf ihrem Thron.
Alles ging viel zu schnell, der Kampf, die zweite Medusa, der Ruf, der von den Höhlenwänden zurück hallte.
Zwei Bestien, geübt im Kampf miteinander, eine lenkt ab, die andere schlägt zu, nach und nach erlag die Mannschaft dem Blick der einen oder anderen Medusa.
Stille….
Kratzen, Schaben und ab und an das Geräusch einer zerschlagenden Statue, die sich in hundert Einzelteile auf dem Boden ergoss.
Die beiden Schlangenfrauen, dem Wahnsinn verfallen…
Die eine gefangen in ihrer Wut und ihrem Zorn, die andere Gefangen in ihrer Einsamkeit und dem sehnlichen Wunsch, diese zu verlassen.
Statuen wurden gerückt, geschmückt und beschimpft, wie oft stand alleine Svet davor, von der wütenden Medusa zerstört zu werden?
Wie oft musste sie die hässliche Fratze ertragen, ohne weg zu sehen?
Wie lange standen sie schon hier?
Gefangen, unfähig sich zu bewegen, nur die Gedanken wanderten immer und immer wieder fort. In die Ferne, in die Vergangenheit, in mögliche verschiedene Zukünfte.
Was wäre wohl geschehen wenn sie nicht so panisch davon gerannt wäre?
Was wäre geschehen wenn sie sich der Torwache hätte anders entziehen können?
Keine Antworten, keine Ablenkungen, nur das grausame hier und jetzt.
Kein Zeitgefühl, keine Unterhaltung, keine Fluchtmöglichkeit.
Gegenwart:
Durch die Medusen, wurden die Piraten angekündigt.
Das erste Gefühl von Hoffnung, das in ihr aufkeimte.
Es klang, wie bei ihnen, Geklirre, Gemurmel, Gefluche, während die Medusen sich darauf vorbereiteten, ihren Steingarten zu erweitern, nur damit die eine alte versteinerte zerschlagen konnte.
Wie lange hatte sie auf diesen Tag gewartet und wie oft war ihr der Ablauf mit allen möglichen Enden wie ein Film durch den Kopf gegangen?
Mindestens hundert Male.
Und nun war es soweit.
Stiller Erwartung und aufkeimender Hoffnung beobachtete Svetlana alles, was sich in ihrem Blickfeld befand.
Waffen blitzten im fahlen Licht.
Sie hasste es, den Kopf nicht drehen zu können, nicht mal die Augen bewegen zu können um alles mit zu bekommen.
Der innerliche Drang die Anwesenden vor der zweiten, mittlerweile unsichtbaren, Medusa zu warnen war unbändig groß, doch konnte sie nichts ausrichten. Wie eh und je starrten ihre Augen in schreckverzerrtem Gesicht auf die gleiche Stelle.
Plötzlich war alles vorbei.
Das schreien, der Kampfeslärm…
Dann begann sich die Versteinerung langsam zu lösen.
Erst die Hände, dann die Arme, der Kopf, der Torso, als letztes die Beine.
Sie holte tief Luft, wie eine ertrinkende, dann gaben ihre Knie nach und sie sackte zu Boden.
Frei….
Nach so langer Zeit, frei…..
Mühsam rappelte sie sich auf, sah sich um.
Und wieder ging alles sehr schnell. Der Käptn war ebenfalls frei, der klägliche Rest der Mannschaft, der über geblieben war, rückte zusammen, und wurde von den Befreiern mitgenommen.
So viel prasselte auf die junge Frau ein, so dass sie irgendwann abschaltete und nur noch mit dem Strom lief.
Sie verharrte an Clementes Seite, dem Mann mit dem Holzbein, half ihm wenn es nötig war, aber meistens lief sie einfach nur mit.
Sie wurde, wie die anderen auch, auf das Schiff gebracht, und den Rest des Abends verbrachte sie mit Wildkraut und Rum.
Das was ihr am meisten gefehlt hatte und das was sie jetzt brauchte.
Ablenkung.
Nicht darüber nachdenken, dass sie stattliche fünf Jahre ihres Lebens verloren hatte. Nicht darüber nachdenken, was alles hätte passieren können.
Die Lider wurden schwer, auch wenn einige noch um sie herum standen. Sie legte sich einfach nach hinten auf die Matte die Djar auf dem Boden ausgerollt hatte, und schloss die Augen.
Der Schlaf übermannte sie und so verbrachte sie die erste freie Nacht auf dem Deck liegend, neben Djar.
Doch sie blieb nicht lange ruhig.
Erst wältze sie sich hin und her, dann wurden die Alpträume schlimmer, bis sie schlussendlich mit einem leisen Schrei und erhobenen Händen aufwachte.
„Verdammt“, war das erste Wort was ihr über die Lippen kam, ehe sie sich orientierend umsah.
Verfasst: Montag 27. August 2012, 15:21
von Jane Sylva
Esteban und ich standen hoch oben im Krähennest,den Horizont nach den ersten Anzeichen der heimatlichen Inselgruppe absuchend,als wir das Schiffswrack erblickten."Wrack steuerbord voraaaaaaaaaaaaaaaaus",wurde zur Brücke gemeldet, Raissa drehte bei, den neuen Kurs haltend.Als wir näherkamen war kaummehr etwas Taugliches zu erkennen,doch schien sich etwas zu bewegen... kaum dass wir realisiert hatten was es war wurden wir auch schon attackiert.Harpies mit scharfen, dreckigen Krallen stürzten auf uns herab.In windeseile faßte ein jeder die Waffe die ihm zur Verfügung stand, sich seiner Haut wehrend..
[img]http://i187.photobucket.com/albums/x177/GaidaO/Pirates5.jpg[/img] [img]http://i187.photobucket.com/albums/x177/GaidaO/pirates3.jpg[/img]
Esteban wurde unter Deck verbannt" Bleib unten Esti und rühr dich nicht von der Stelle!"
Oben an Deck tobte die Schlacht,grelles,markerschütterndes Vogelgekreische erfüllte die Toro, gemischt mit den Schreien meiner Kameraden,Pistolenschüssen und Säbelklirren.Ich lud meine Pistole und feuerte auf die erstbeste Harpie,als eine Zweite im Sturzflug mit ihrer Kralle meine Augenbraue erwischte bevor sie sich auf Bartos stürzte um sich in seiner Brust festzukrallen und dessen Fleisch auseinanderzureissen.
Ich weiss nicht mehr wie wir geschafft haben die Ungeheuer zu erledigen, nur dass wir zitternd und blutüberströmt Bartos und die anderen Verletzten unter Deck schafften um jene zu versorgen.
Jose nähte Bartos offene Wunde so gut es ging, während ich den alten Seebär festhielt, jegliche seiner wirren im Schmerz entstehenden Bewegungen zu verhinden suchend.Die Luft unter Deck war heiß und ein betäubender Gestank aus Schweiß und Blut erfüllte die Luft.Bartos war mittlerweile jeseits von Gut und Böse, zwischen Ohnmachtsanfällen erwachte er und fantasierte, ja, er sah in mir seine verstorbene Liebe, nannte mich Dyantina und von ihm fiel alles ab was bisher an den alten rauhen Haudegen erinnerte.Ich weiss nicht was mich plötzlich überkam,doch ich tat einen inneren Schwur alles mir Mögliche zu tun um ihn am Leben zu halten.Heilsalben und Rum waren vorhanden, sodass wir ihn so gut es ging versorgen und erst,als endlich der erlösende Ruf " Land in Sicht" kam und La Cabeza vor uns lag,atmete ich durch.
Schliesslich an Land wurde Bartos ins Krähennest getragen und ins Raucherzimmer gelegt, erhielt Kissen untergeschoben und abermals wurden die bereits blutigen,überriechenden Bandagen gewechselt. Zu allem Übel waren die Nähte gerissen und hatten eine beginnende Entzündung zurückgelassen,erneut hieß es zu flicken, der arme Kerl nahm es stoisch in Kauf,ein Lederstück zwischen den Zähnen ließ er Jaron sein Werk vollenden.
Jaron und ich verweilten bei Bartos während der Rest der Mannschaft unten am Strand die Heimkehr nach La Cabeza feierte.
[img]http://i187.photobucket.com/albums/x177/GaidaO/Pirates4.jpg[/img]
Verfasst: Montag 27. August 2012, 16:06
von Jaron Sylva
Auszug aus [url=http://forum.alathair.de/viewtopic.php?p=445977#445977]->"Auf Kaperfahrt unter der Totenkopfflagge"<-[/url]
Episode 9 – Die Schatzsuche Teil 2: Wenn man Gorgonen und Harpien kreuzt
24.-26. Ashatar 255
Weitab im Südmeer, auf Layross und in den Gestaden La Cabezas
Die Tage vergingen wie im Fluge, gingen ineinander über, jeder glich dem vorherigen und dem kommenden. So war der Alltag auf See – ich liebte diese Art, zu leben, denn die Regeln waren klar, die Aufgaben von jedem einzelnen ebenso.
In der Mannschaft sah man es aber offenbar teilweise ein wenig anders. Während der Zeit auf See hatte ich durch die Bank mit den kleineren und größeren Problemen eines ersten Offiziers an Bord eines großen Kaperschiffs zu kämpfen: Neue Matrosen wussten noch nicht so recht, wie ihnen geschehen war und mussten alten Seebären, wie Bartos und Gonzales, an die Hand gegeben werden, um sicherzustellen, dass sie sich nicht gleich am ersten Tag den Hals brachen. Man musste mit frisch ernannten Offizieren arbeiten, die nur teilweise ihre Position in der Hierarchie kannten und oft erst noch lernen mussten, ihre eigene Person hinten an zu stellen. Und zu allem Übel machte sich der Käptn wieder rar und schloss sich in seiner Kajüte ein, um irgendeinem vermaledeiten Ritual nachzugehen, weswegen ich obendrein einen großen Ritualkreis aus Knochenmehl, Blut und anderem Seeschlangen-Kadaver mitten auf dem Oberdeck tolerieren musste. – Ganz und gar nicht seemannschaftlich, alles in allem!
Es ist daher nicht verwunderlich, dass ich als Stellvertreter des Käptns an seiner statt von achtern nach mittschiffs, von steuerbord zu backbord, vom Achterdeck zu irgendeinem Unterdeck und zurück, manches Mal auch in den Wanten selbst hin und her eilte, immerzu in professioneller Hast. Denn auf See konnte man nichts dem Zufall überlassen und schon gar nicht trödeln! Windrichtungen konnten sich jederzeit ändern, Stürme kommen und gehen… da hieß es, keine Minute zu verlieren.
Eben diesen Drang zu professioneller, korrekter Ausführung von Befehlen und Tätigkeiten an Bord war noch für viele der neuen Matrosen nicht unbedingt heimatlich. Deswegen wunderte es mich nicht, hier und da Flüche auf meine Person zu hören oder missmutige Gesichter zu sehen. Nichts Beunruhigendes… denn mit der Zeit würden sie sich wie die alten Seebären daran gewöhnt haben und selbst korrekt, schnell und effizient sein. Und ungenaues, langsames und ineffizientes Landratten-Gehabe wie die Pest hassen.
So wie ihr erster Offizier.
Letztlich lief aber alles seinen geregelten Gang, was meinen Offizieren, dem Steuermann Santos (ein echtes Genie in der Nautik) und der resoluten Navigatorin Raissa zu verdanken war, die mir so manches Mal die notwendige Luft ermöglichten, die ich für den Kram brauchte, der sonst des Käptns Aufgabe war. Der Ruf des Ausgucks verhieß uns am zweiten Tag der Fahrt, überraschend schnell also – was an der ausgemachten Schnelligkeit und Seetüchtigkeit der Toro liegen dürfte – die Schatzinsel, nach der wir trachteten.
Wir gingen gut neunhundert Yards vor der Insel vor Anker, so nah wie es uns das Korallenriff erlaubte, welches sie umgab. Rasch war eine Landungstruppe zusammengestellt und eine Barkasse zu Wasser gelassen. Während meine Navigatorin Raissa das Ruder übernahm und die Matrosen an den Riemen Platz nahmen, begab ich mich ins Heck des Bootes und klappte mein Fernrohr aus.
„PULLT IHR HUNDE!“, kam bellend mein Befehl und da schoss die Barkasse wenig später im schneller Fahrt auf die Insel zu, deren Küstenlinie ich mit meinem Fernrohr ausspähte.
An Bord zurück blieb der Steuermann Santos mit der übrigen Mannschaft, um über das Schiff zu wachen und uns den Rücken freizuhalten.
Wir waren kaum hundert Yards gerudert, da erfasste die Barkasse eine unerwartet heftige Strömung, die uns nahezu ohne Eigenaufwand zur Insel trieb. Das würde eine harte Arbeit werden, das Boot wieder zum Schwarzen Schiff zu pullen.
Dann landeten wir an.
Die Küste war mir während der Anfahrt nicht verdächtig vorgekommen, nichtsdestotrotz schwärmten die Kameraden aus, um jene zu decken, die das Boot sicher an Land zogen. Keiner wollte schließlich, dass es von der Tide hinaus in die See gesogen wurde – ohne uns.
Mit Entermessern ging es der verwilderten Umgebung an den Kragen, als wir uns in einer langgezogenen Kolonne den Weg durch das Dickicht schlugen. Ins Landesinnere, wie ein Blick auf die Karte nahegelegt hatte. Einige hundert Schritt später tauschten wir die schwüle Hitze im hohen Gras und Dickicht, versucht mit Stechmücken und anderem Geziefer, mit der feuchten Kühle von dichtem Urwald. Kein ungewohntes Klima, denn auf La Cabeza war es nicht anders.
Nur irgendetwas war merkwürdig, seit dem Moment an, da wir Fuß auf das Eiland gesetzt hatten.
Schließlich sprach es einer von den Männern aus: Es herrschte allenthalben eine Totenstille. Und tatsächlich – kein Singen aus unendlich vielen Vogelkehlen oder andere Laute von Getier, wie man es sonst kannte. Stille, als hätte das Leben, was über Stechmücken und Geziefer hinausgeht, hier keinen Platz.
Raissa hatte aus der Karte und Notizen herausgelesen, dass wir es mit Basilisken oder Gorgonen zu tun bekommen könnten – dass sie mit der Totenstille in Verbindung stehen könnten, bewies eine Vielzahl versteinerter Tiere, auf die wir zunehmend stießen. Nach einer Weile des Wanderns fanden wir einen alten Tempel, der zu einem guten Teil schon vor langer Zeit eingestürzt war und dessen Gelände sich der Urwald zurückgeholt hatte.
Die Bauart dieser Anlage war mir nicht unbekannt, man fand sie oft auf Inseln im äußersten Rand des Südmeers, nur der figürliche, wie ikonographische Dekor war mir unbekannt und neu. Mit Schrecken erkannte ich bei der näheren Begutachtung des Tempelinneren, dass die Statuen keineswegs Dekor, sondern im Moment höchsten Lebens zu Stein erstarrte Menschen waren! Die Mannschaft suchte das Tempelinnere nach dieser Erkenntnis mit umso vorsichtigerer Genauigkeit ab – da wurden Wände auf der Suche nach Hohlräumen abgeklopft, Bodenplatten untersucht… aber auch der Eingang geschützt. Bei aller Gier nach Beute wollten wir ja doch alle wieder heil aus der Sache heraus kommen!
Selbst das Wasser in dem zentralen Brunnen war zu Stein erstarrt… überhaupt war die Brunnenanlage äußerst prominent positioniert. Der Vollmatrose Bartos war es, der einen Luftzug an der Bunnenfassung bemerkte. Ein Tunnel? Nachdem ich eine kleine Statuette im hinteren Teil des Raumes von ihrem Podest gehoben hatte, vernahm man ein Klicken. Ein Blick zu Raissa, die an der gegenüberliegenden Statuette stand genügte… wir hoben sie gemeinsam erneut an. Zweimal ein Klicken… und da gab der Brunnen den Weg hinab frei.
Durch einen dunklen Tunnel ging es via Tauen einige Fuß hinab. Vor uns eröffnete sich ein weitläufiges Tunnelsystem, das wir im Fackelschein und wachsam durchquerten. Überall fand man arme Seelen vor, versteinert im Moment von Furcht, Kampf oder Überraschung. Lebensmomente, auf ewig festgehalten.
Festhalten wollten einige Kameraden auch einen reichen Goldschatz, den sie auf dem Weg fanden.. und da es ihr gutes Recht war, Beute heimzubringen, ließ ich sie. Wir gingen weiter… und kamen schließlich in einen großen Raum, der sich um einen Thron herum befand. Auf diesem Thron saß…. Eine Gorgo! Und um sie herum – unzählige weitere Versteinerte, viele davon eindeutig in Seemannskleidung. Eines der Gesichter, von einem jungen Mann, kam sogar entfernt vertraut vor.
Raissa bildete seitdem wir im Tunnel waren die Vorhut.. und so war sie es, die den übermütigen Medras vor dem versteinernden Blick der Gorgo retten wollte, die uns natürlich längst entdeckt hatte. Die Mannschaft der Toro de Muerte schwärmte aus, nahm hinter den Versteinerten und Ecken Deckung vor dem Gorgonen-Blick… und der Kampf nahm seinen Lauf.
Zäh und hart war er, kaum einer blieb unverletzt und am Ende waren es der Gorgonen mehrere, die von unzähligen Entermesser-Hieben und Kugeln aus meiner Muskete und den Pistolen der Kameraden getroffen vernichtet wurden. Da zeigte sich mir, weshalb mein Freund und Smutje Vallas in Raissa seine neue Frau gefunden hatte – sie war eine reinste Furie… überdies, kein einziger der Kameraden machte mir Schande an diesem Tag; sie alle kämpften wie man es von Pereras Pack erwartete! Im Kampfgetümmel hatte auch einer der Versteinerten seine Existenz ausgehaucht, nunmehr ein ekliger Fleischhaufen, nachdem der Fluch durch den Tod der Gorgonen gebrochen worden war.
Es stellte sich heraus, dass das bekannt erscheinende Gesicht zum verlorenen Sohn des Alten gehörte: Juan Aurelio Perera. Jetzt war auch klar, was ihm und seiner Mannschaft vor fünf Jahren zugestoßen war.
Von seinen Leuten war nur noch ein Bruchteil übrig… und so machten wir uns nach einem raschen und oberflächlichen Plündern der Gewölbe daran, einen Weg hinaus zu finden. Ein Matrose namens Djarmon konnte letztlich helfen… und so ging es endlich wieder an die frische Luft.
Mit deutlich mehr Männern, als zuvor, kehrten wir auf das Schwarze Schiff zurück.
Ich teilte die Männer und Frauen in die Mannschaft ein und ließ die Anker lichten, Segel setzen und das Schiff auf Kurs nach La Cabeza bringen. Es gab keinen Grund mehr, länger vor dieser verfluchten Insel zu liegen.
Danach wurde den ausgemergelten Leuten vom jungen Perera eine Auszeit gegönnt, die sie bitter nötig hatten. Fünf Jahre waren an ihnen vorübergezogen, fünf Jahre ihres Lebens gestohlen worden. Einige, wie eine gewisse Nameha, hatten offenbar geistig darunter gelitten (wie sich später herausstellte, nur temporär), andere fanden sich rasch wieder ein.
Die letzten Tage auf See verliefen nahezu ohne Zwischenfälle. Die Leute des jungen Perera arbeiteten an Bord, wie es jeder zu tun hatte, der mit uns fahren wollte. Die Sonderbehandlung hatte mit dem Weckruf zur morgendlichen Musterung geendet.
Ein einziger Zwischenfall trat noch am Tage der Ankunft vor La Cabeza auf: Ein Harpien-Angriff, ungewöhnlich für die Breiten in denen wir segelten. Zum Zeitpunkt des Angriffs war ich unter Deck und schlief meine vier Stunden zwischen den Wachschichten… der Lärm hatte mich zwar geweckt und alarmiert an Deck eilen lassen, jedoch war der Angriff da schon abgewehrt worden. Einige Harpienkadaver lagen auf dem Deck verteilt und so mancher verwundeter Seemann lag oder stand lethargisch herum. Darunter auch einer meiner Offiziere, Raissa… und zahlreiche wertvolle, weil fähige, Seeleute wie Bartos. Zu meiner Erleichterung hatte es weder meine Frau Jacky, noch meinen Sohn Esteban ernsthaft erwischt… und so tat ich das, was ich tun musste: Mit der angebrachten Eile wurden Gruppen eingeteilt, um die Verwundeten unter Deck zu schaffen und zu versorgen. Raissa trug ich selbst hinab, um mit gutem Beispiel voran zu gehen. Ich bleib nie lange an einem Ort, hetzte und wetzte wieder einmal von hier nach dort, damit alles glatt lief.
Die Verwundeten waren kaum halbwegs versorgt, da musste ich schon alle zur Verfügung stehenden Hände an Deck rufen, um das Schiff für die Ankerung vor La Cabeza bereit zu machen. Die verwundete Raissa ließ es sich nicht nehmen, ihre Station am Ruder zu übernehmen und so steuerten wir das Schiff sicher durch die cabezianichen Riffe, die nur wenige in ihrem wunderlichen Eigenleben kannten. Mit Handlot und dem letzten Rest meiner Stimme bewaffnet dirigierte ich in enger Zusammenarbeit mit dem Ausguck und dem Ruder die schwierige Fahrt… und endlich hatten wir das Riff hinter uns gelassen und konnten das Schiff in den Wind drehen, um zu ankern und die Segel einzuholen.
Nachdem wir einige Beiboote zu Wasser gelassen hatten, wurden zuerst die Verwundeten und die Beute an Land geschafft und dann die übrigen Mannschaftsmitglieder. Zuletzt ging ich von Bord und übergab nach der Landung baldmöglichst dem Hafenmeister die notwendigen Anweisungen, um die Schiffswache an Bord zu schicken.
Dann ging es nur noch an zwei Orte:
In Alessios Weinkeller, um frischen Rum zu besorgen und den sich dort einfindenden Kameraden für ihre gute Arbeit zu danken… und heim ins Krähennest, zu meiner Familie.
Eine weitere Fahrt unter der cabezianischen Flagge hatte ein gutes Ende gefunden.
Verfasst: Montag 27. August 2012, 18:10
von Releana Kelbela
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Verfasst: Montag 27. August 2012, 18:10
von Raissa Nadeira
Doppelte Wachschichten, zu wenig Essen, zu wenig Wasser und der freiwillige Verzicht auf übertriebenen Rumkonsum forderten immer wieder ihren Tribut. Raissa gab dem Schiffsjungen ein kleines Päckchen und das dazu gehörende Pergament, schickte ihn damit auf die Toro und warf sich dann in Rock und Korsett aufs Bett. Es dauerte keine 5 Minuten und die junge Gouverneurin fiel in einen tiefen, absolut traumlosen Schlaf.
Sie hatte damit gerechnet vielleicht noch ein Handelsschiff aufzubringen, gegen eine menschliche Besatzung zu kämpfen und den ein oder anderen für den Dienst an der Toro rekrutieren zu können. Darum waren sie von ihrem Kurs abgeschwenkt, waren auf der Handelsroute weiter gesegelt. Allerdings hatten sie vergeblich gehofft, kein Schiff weit und breit, doch kurz nachdem sie wieder in Richtung La Cabeza wendeten trafen sie auf ein Wrack. Ein Wrack in dem noch etwas zu leben schien. Und genau hier hatten ihre Fehler begonnen.
Sie hatte den Befehl gegeben, anzuhalten. Sie hatte den Befehl gegeben das Wrack zu untersuchen. Vielleicht, wenn sie weiter gefahren wären, sich nicht darum gekümmert hätten dass darin etwas kreischte und sich bewegte... dann wären sie vielleicht nicht angegriffen worden. Aber sie hatte den Befehl gegeben und musste die volle Verantwortung für das übernehmen was geschehen war.
So viele Verletzte während sie das Kommando hatte... Djar und Svetlana... Bartos... sie selbst. Vier Verwundete, Bartos dem Tod gerade so von der Schippe gesprungen. Jose schien ebenfalls etwas abbekommen zu haben. Sie hasste sich selbst dafür. Ihre Aufgabe als Offizierin, selbst als Piratin, war es ihre Leute zu beschützen. Und sie? Sie hatte in einem verdammten Netz am Mast gehangen, hatte nicht das Geringste tun können.
Sie hatte eine ganze Weile gebraucht bis ihr klarwurde, dass sie nichts hätte anders machen können oder dürfen. Ihre Leute hatten für sie gekämpft, auf ihren Befehl hin, und sie hatten gewusst was hätte passieren können. Sie hatte sich nicht geschont, sondern war aus dem Verkehr gezogen worden weil der Feind eben fliegen konnte.
Doch es war nicht der Harpyenangriff der sie forderte. Das war nur eine andere Art von Kampfhandlung, eine bei der nicht sie die Angreifer gewesen waren... Nein, ihre Prüfung kam später, wenige Minuten bevor sie La Cabeza tatsächlich erreichten, festen Inselboden unter den Füßen spüren konnten. Der Weg durch die engen Riffe. Sie kannte den geheimen Weg, wie die wenigsten. Sie wusste, wie sie mit dem trügerischen Leuchtfeuer umgehen musste. Und doch, die Toro war so verdammt riesig. „Lass mich nicht im Stich Süße... Lass mich jetzt einfach nicht im Stich!“ murmelte sie dem Schiff immer wieder beschwörend zu, und als hätte es sie verstanden wand es sich ohne zu zögern, ohne zu zicken durch den gefährlichen Weg. Das Zusammenspiel mit Jaron und dem Mann auf dem Ausguck funktionierte Reibungslos, dennoch standen ihr die Schweißperlen auf der Stirn.
Erst als sie endlich geankert hatten und wieder auf La Cabeza waren fiel die Anspannung von ihr ab und machte jubelnder Leichtigkeit Platz. Sie waren wieder Zuhause, heil, an einem Stück. Sie hatten keinen Mann verloren! Ein Ausflug in den Weinkeller... dann nur noch eines... Ihr Bett. Schlafen... Sie musste schlafen.
Tief in der Nacht dann...
Juan wird von einem kleinen Schiffsjungen aufgesucht der ihm betont vorsichtig ein Päckchen und ein Pergament überreicht, sobald er die Kajüte seines Vaters verlässt. Wenn das Päckchen geöffnet wird liegt darin eine filigran gearbeitete Rose aus Glas, auf dem Pergament stehen nur in feinen Lettern die Worte
Willkommen auf La Cabeza, Principe.
R.