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Verfasst: Samstag 14. Juli 2012, 16:54
von Viana Leyiasa
Wir kannten dich nicht,
und kannten dich doch,
in unserer Reihe,
bleibt eine Lücke, ein Loch.

Leer ists dort wo du gingst,
dort wo du standest,
dort wo du dein Leben an
unseres bandest.

Wir gingen zusammen ein paar
Schritte nur,
und doch fehlst du uns auf
weiter Flur.

Nichts kann dich ersetzen,
nichts ist wie du,
gebettet auf Rosen,
schlaf jetzt in süßer Ruh.

Unsere Gedanken sind bei dir,
bei Tag und bei Nacht,
wir sind mit dir,
halten neben dir Wacht.

Vorbei ist Verzagen,
vorbei ist der Schmerz,
heilende Hände,
wachen über deinem schönen,
verletzlichen Herz.

Von Viana in Gedenken
an ein wundervolles Herz

[img]http://img708.imageshack.us/img708/7875/allebeisammen.jpg[/img]


Thancred, Shyra, Maire, Lhyam, Diakon Lavern, Marzius, Torjan, eine ihr fremde Elfe und
Viana waren gekommen. Sie alle saßen um die Tafel gereiht, sie alle hatten Zeit gefunden,
obgleich die traurige Feierlichkeit so kurzfristig stattfand. Viana hatte sich
gern darum gekümmert, hatte sich nichts aus der Hand nehmen lassen. Für alles wollte sie
selbst gesorgt haben.

Es hatte nicht am Vertrauen in die Fähigkeiten der Anderen gelegen. Es war ihr schlicht keine
Last gewesen, sondern ein Bedürfnis. Bereits in den Tagen davor hatte sie sich in Arbeit ge-
stürzt, mehr noch als sonst. Ein einziger Moment der Stille und des Nichtstuns, und schon war
sie ganz verweifelt. Umringt von der Trauer und grausamen Gedanken die ihr mutiges Herz ganz
klein und schwer werden liesen.

Wie sie so da saßen, mit wenig Appetit, von Viana gekochtes Essen vor der Nase und schweigend
erhob zu allererst Thancred das Wort. In seiner kleinen Rede, lag mehr noch als Erinnerungen.
Man hörte die Trauer um den Verlust heraus, sie schwang mit, ganz leise, im Hintergrund.

'Ich traf eine junge Frau in der Mine' sagte er 'mit einer geschliffenen Zunge und dem
Mut diese auch zu nutzen. Aye und da sagt ich mir - Würd gut zu uns passen, die lässt sich so
schnell nichts gefallen. - Kanntet Ihr sie auch?'

Und nach Thancred, sprach Viana und nach Viana Shyra. Nach Shyra folgte Marzius, selbst er fand
Worte in denen er aus zu drücken vermochte, das sie ihm fehlen würde und wärs auch nur die
Zankerei mit ihr. Auf ihn folgten Worte von Torjan und nach Torjan sprach Lhyam, nach Lhyam
Maire und nach ihr wiederum erhob sich der Diakon und sie alle, wie sie da saßen, stimmten in
sein Gebet ein. So wunderschön und so warm waren die Worte gewählt das neuerlich Tränen flossen.
Lange nicht überwunden, war der Verlust.

Und er sprach:

'Herrin im Licht. Ich bitte Dich, erhöre unser Bitten... erhöre unsere Trauer und spende uns
Trost. Es ist Jemand aus unserer Mitte davongerissen worden, hinterlässt schmerzlich eine
Lücke in diesem Kreise, die allein nicht mehr gefüllt werden kann. Lausche den Erinnerungen an
die Verstorbene, die wir alle weiter in unserem Herzen tragen um ihr Andenken hoch zu halten, sie
nicht zu vergessen und ihre guten Taten würdig zu ehren. Gib uns Trost und fang uns auf in
unserer Trauer, indem Du Dich ihrer Seele annimmst und sie sicher und behütet in Deine Hallen
finden lässt. Bis wir uns dort eines Tages wiedersehen werden, um die Erinnerungen sodann
gemeinsam auflegen zu lassen an jene Zeit, die wir gemeinsam verbrachten. Herrin im Licht, sei
mit ihr, sei mit uns, lass uns nicht vergessen bei aller Trauer, dass der Weg vor uns liegt und
nicht hinter uns. Dass das Leben in unserer Mitte einen Fortgang findet. Gib uns Zeit für die
rechte Trauer, aber lass uns nicht vergessen, der Welt danach wieder ein lächeln zu schenken.
Das Herz zu öffnen um deinen Willen hinaus zu tragen. So sei es.'


Seine Worte waren begleitet von dem melodischen Summen der Elfe, die auf diese Weise mit ihrem
eigenen Gebet das des Diakons begleitete. Ihre Stimme war zart und sanft und erfüllte manch
schweres Herz mit etwas Trost auf das es leichter wurde. Weil Marzius aber nicht mit allen
anderen gebetet hatte, von den Göttern nichts haltend, mühte er sich zum Ende hin, mit Hilfe
der Krücken von seinem Sitzplatz auf und schüttete nach Manier der Tiefländer seinen Schnaps
ins Feuer. Für kurz flammte es auf, brannte heller und der darauf aufsteigende Dampf
symbolisierte Lloydias Geist. Er gab ihn frei und lies ihn gehen.

Mit dem Ende der Feierlichkeit, liesen sie aber nicht den Tag zuende gehen. Die Frauen unter
ihnen hatten genug von all dem Leid und all den grausamen Tränen die der feige Mörder in seinem
wirren Geist sähte. Sie wollten Rache, Rache für Lloydia. Sie wollten ihre ruhigen, wohl-
verdienten Nächte zurück, wollten ihre Schwestern sicher wiessen. Es sollte ein Ende haben.
Kein Bangen und kein Ängstigen mehr, keine Eskorten durch ihre Brüder mehr, die sie immerzu
nach Hause bringen mussten am Abend. Kein Verstecken mehr hinter den Mauern des Handelshauses
und keine Furcht mehr vor der Dunkelheit. Und so nahmen Shyra, Maire und Viana ihren Bruder
Thancred, den Großvater Torjan mit sich auf die abendliche Jagd. Sogar der Diakon begleitete
sie, obgleich er auch immer wieder seinen Unmut über das Unterfangen äusserte. Es war ihm
nicht recht, und vielleicht wars nicht vernünftig, aber notwendig.

Ihr Weg führte sie, gerüstet und bewaffnet, in dem Sumpf. Dort legten sie Blumen nieder, rote
Rosen betetten sie dazu, gleich auf die Stelle an der Shyra die verlorene Lloydia gefunden hatte.
Und der den sie eigentlich hatten suchen wollen, fand sie! Irres Gelächter hallte durch den
Nebel, grausam und wirren Geistes. Furchteinflösend das Spiel das die Irrlichter mit ihnen
trieben. Schatten die von Baum zu Baum huschten, Stimmen die im Moor versanken. Dichter Nebel
der über die Wege kroch, so undurchdringlich das sie nicht mehr sehen konnten wohin sie traten.
Stunde um Stunde verstrich, die Sonne versunken, malte das fahle Licht des Mondes wirre Schatten
auf die Wege. Und diese grausame Stimme die immer wieder rief und gackerte, stahl ihnen die
Nerven und alle Ruhe. Kaum einer war mehr noch ganz bei sich, zum reissen gespannt die Bögen.
Immer wieder riefen sie nach ihm, aber er spielte weiter und gab sich nicht zu erkennen. Viana
war ein paar Schritte fortgelaufen, sie hielt dem Druck nicht stand. Sie wollte ihn herauslocken,
jetzt! Der Diakon aber war ihr hinterher und egal wohin sie lief und egal wie schnell sie
rannte, er blieb hartnäckig. Bis sie völlig ausser Atem innehielt und er sie am Arm packte.
Da fuhr sie herum, wütend, verzweifelt wie sie war und die Ohrfeige die sie ihm gab hallte noch
nach, als schon der Schrecken in ihrem Blick lag über das was sie eben getan hatte.

Sie sah ihn einfach nur an und er sah sie an, von der Ohrfeige unbeeindruckt. Dann zerriss
Geschrei den Moment und beide rannten wie von Wölfen gehetzt diesem nach. Da lag er, 'der
schwarze Mann' mit dem Gesicht im Morast. Alle standen sie um ihn herum, die einen wütend,
die anderen erschrocken oder ganz aufgelöst. Wars denn jetzt auch der Richtige? Was wenn nicht?
Ihre Bedenken zerstreute die scharfe Rasierklinge in seiner Hand mit der er wild herum
fuchtelte, kaum das er wieder bei Bewusstsein war. Julian aber schlug sie ihm aus der Hand
und gefesselt und gebunden schleifte man ihn durch den Sumpf nach Adoran. Dort übergab man
ihn einem der pflichtbewussten Gardisten der ihn für sie wegsperrte. Mahnend aber das wenn
es nicht der Rechte wäre sie alle sich einer Strafe sicher sein dürften. Und so verging der Tag,
zerbröckelnd zwischen den Fingern. Keiner von ihnen, schien trotz dessen das sie ihn gefasst
zu haben glaubten, wirklich zufrieden. Die Erleichterung die sie empfinden hätten können,
stillte nicht den Schmerz um den Verlust Lloydias und würde es womöglich nie tun...

Viana fühlte sich voller Weh und Klage, verletzt, getrieben und leer. Und als sie zu Marzius
zurück kehrte, in die kleine Alchemistenstube wo er noch zu Ruhen hatte, da war er ihr Trost
und trocknete ihre Tränen. Balsam legte er auf ihr Herz, es in warmen Händen behütend an sich
haltend und sie hielt sich an ihn und an ihm fest.

[img]http://img13.imageshack.us/img13/9602/vianaweinend01.jpg[/img]

Verfasst: Samstag 14. Juli 2012, 17:59
von Marzius Windwarden
Die Zeit verging und mit den Tagen kehrte Marzius Kraft zurück. Dann und wann ging er ein wenig durch das Handwerkshaus, erklomm die Stufen in die oberen Etagen. Erst nur Wenige, mit der Zeit aber immer mehr. Zum Laufen brauchte er keine Hilfe mehr. Dank Shyra und Viana hatte er nun Stützen, die seinen Beinen einiges an Gewicht abnahmen.

Jeden Tag ein Stück mehr, jeden Tag ein Bischen weiter. Dies half um seine Muskulatur langsam wieder aufzubauen, welche durch das lange Hungern und liegen verweichlicht war. Weil da kaum etwas war, was er tun konnte, verstrichen die Tage nur zäh. Es war keien Arbeit da, die er zu verrichten vermochte. Weder konnte er sich dem Schreinerhandwerk widmen, noch Viana auf dem Hof zur Hand gehen. Geschweige denn das er den Weg nach Hause geschafft hätte. Aber er war hier, und Viana war es auch. Zuhause ist nicht da wo man wohnt, sondern da wo deine Freunde sind und deine Familie ist.
Und.. das war es. Auch wenn er es nicht durch euphorisches rumgehopse oder glückliches Lächeln zeigen konnte. Aber die Tatsache alleine, dass er nicht versuchte wegzugehen und an Lloydias Trauerfeier teilnahm, sollte zeigen das er froh war hier zu sein. Bei allen die er liebte, besonders aber bei Viana und Leonie.

In den letzten Tagen waren alle betrübt, jeder Weinte oder Zederte. Jeder hatte seine eigene Art und Weise die Trauer zu kaschieren oder alles zu verarbeiten. Viana konnte nichtmehr ruhig sitzen, andere saßen still und stumm in einer Ecke und liesen den Kopf hängen. Marzius jedoch, schien unbekümmert. Augenscheinlich war es ihm gleich ob und wer da ermordet worden war. Und.. Ja.. in gewisser Art und Weise war dem auch so. Aber nicht weil es ihm egal war oder er Lloydia hasste. Sicher sie hatten ihre Außeinandersetzungen gehabt, und er lernte sie nicht mehr als die Person kennen die sie wohl am Ende gewesen war. Aber schon vor seiner Gefangenschaft hatte er Lloydia vergeben, wohlwissend dass auch er kein Unschuldslamm war. Der eigentliche Grund warum ihn das so kalt zu lassen schien war, dass er bereits Schlimmeres gesehen hatte.

Viele Monde war es her, dass er der Hinrichtung eines jungen Mädchens in Bajard beiwohnen hatte musste. Er hatte zugesehen wie sie vor den Augen von Kindern und Frauen am Nachmittag zerstückelt worden war. Er hatte gesehen wie man ihre Körperteile durch Bajard geschleift und aufgehangen hatte. Es hatte ihn angewiedert, zeigen aber hatte er es nicht dürfen. Jede Art von Schwäche war seinesgleichen damals untersagt gewesen. Sein altes Leben, ein Leben dass er hoffte niemals kennenlernen zu müssen war wieder da, eingebrannt in seinen Geist. Aus tiefen verwinkelten Ecken seines Verstandes wieder hervorgeholt von Lyss. Gefühle waren ihm damals eine Last, sie waren ihm gleich.. Stark wollte er sein, musste er sein. Für Alatar, so ward es ihm vom Tage seiner Geburt an eingetrichtert worden Die Schwachen sterben! Wertlos sind sie. Nur wer stark ist überlebt. Gefühle bedeuten Schwäche. Solcherlei Lügen und noch mehr davon, die jetzt wieder irgendwo in ihm Wahrheit sein wollten.

Diese beiden Arten von Sein schienen sich zu vermischen, stritten aber auch untereinander. Kalt, emotionslos – warm und liebevoll. In ihm schienen sie zu etwas Neuem zu werden, aus ihm etwas anderes zu machen ohne ihn selbst wirklich zu verdrängen. Wie Niemand, wusste auch er nicht was die Zukunft ihnen bringen würde, was er aber wusste war, dass er liebte und das daran nichts verwerfliches war. Und ja.. auf seine eigene Art.. trauerte er um Lloydia, seine Schwester...

Verfasst: Sonntag 22. Juli 2012, 07:03
von Viana Leyiasa
Ich verbringe meine Tage nicht damit eine
Rolle zu spielen die Andere für mich aus-
gesucht haben.

Ich fürchte keine Steine auf meinem Weg.
Meine Schwächen ängstigen mich nicht
denn ich habe den Mut Fehler zu machen.
Weder von Stolz noch falschem Gold will ich
mich blenden lassen.
Ich kenne meine Fesseln und gehe trotzdem
weiter.

Ohne zu wissen wann meine Zeit gekommen ist
gehe ich dem Tod entgegen.
Dankbar für jede Minute die mir bleibt,
werde ich alles unterlassen was mich zu
einer lebenden Toten machen würde und
auf die Dinge setzen von denen ich träume.
Erst einen Traum zu haben, macht mein Leben
lebenswert.

Ich werde Zweifel haben und meinen Weg
dennoch fortsetzen, denn wie alle Menschen
will ich, dass alles anders wird und
gleichzeitig, dass alles beim alten bleibt.

Jemand sein, will ich, der das Wunder des
Lebens zu begreifen weiß, und der um das,
woran er glaubt bis zum Letzten kämpfen wird.
Und ich will sein wie ein Kind, das die Welt
ohne Bitterkeit sehen kann, auf ihre Blicke
will ich achten.

Sie können uns immer drei Dinge beibringen:
Grundlos fröhlich zu sein.
Immer mit irgendetwas beschäftigt zu sein.
Und mit Nachdruck zu fordern, was sie wollen.


Dann legte sie den kleinen Kohlestift der ihre Finger geschwärzt hatte bei Seite. Das
kleine Büchlein schließend, dachte sie an den Mann mit dem blonden Haar dem sie begnet war
und mit dem es sich so gut hatte reden lassen. Kürzer waren die Nächte mit den Gesprächen
geworden.


War es nicht eigentlich nur eine gewesen?

Sie lächelte, schickte den Blick durch den Raum, wie sie ihn von dort wo sie saß, sehen
konnte und lauschte in die Stille die in der dunklen Stunde über die Welt hereingebrochen
war. Mild, kam sie ihr vor, vertraut und voller Ruhe. Eine alte Bekannte die ihr Gesell-
schaft leistete um mit ihr vor der Werkbank in der Schreinerstube zu sitzen.

Und mit ihr dachte sie an die zwei kleinen Kinder, die von den großen Leuten im Stich
gelassen worden waren. An den kleinen Jungen, der ohne es zu wissen, so unglaublich tapfer
war. Mit diesem Gedanken ging sie, in Begleitung der nächtlichen Stille hinaus aus dem
Handelshaus und die Straße hinauf zur Stallung. Dort stieg sie die Leiter empor, setzte
sich neben den zwei kleinen Menschen, die friedlich schliefen, ins weiche Heu und strich
dem Jungen sanft übers Haar.

Mit unterschlagenen Beinen, den Rücken an die Wand gelehnt, blieb sie, mit Blick auf die
Kinder dort sitzen. Sie lächelte, aber in ihrem Lächeln lag etwas Trauriges. Bald schien
sie diese Traurigkeit zu überwältigen und sie weinte. Lautlos rannen die Tränen über
ihre Wangen, ganz ohne das sie das Lächeln wegwuschen. Ihr Herz tat weh beim Gedanken daran
wie achtlos man mit den kleinen Wesen umgegangen war und der Tatsache das ihr - zum
wiederholten Male - bewusst wurde, wie oft das wirklich Wichtige, hinter all dem Unnötigen
in den Hintergrund verbannt wurde.

Und dann wünschte sie sich, dass das Leben sie für die Beiden sorgen lassen würde. Sie
wollte es besser machen. Würde der Junge zu ihr kommen, sie würde mit Thancred sprechen.
Das Handelshaus war groß und die meisten Zimmer ungenutzt. Es ohnehin nicht bewohnend,
könnte Amary ihr Zimmer räumen. Ohne zu zögern würde sie das Häuschen in Bajard aufgeben
und bis ein eigenes gebaut wäre, mit den Kindern ins Handelshaus ziehen. Dort hätten
sie eine große, neue Familie. Eine die sie nicht alleine lassen würde.

Die großen Leute hatten bei den beiden kleinen Wundern, etwas gut zu machen. So blieb sie
bei ihnen die Nacht über und wachte, um sich selbst die Sorge zu nehmen und die Beiden
wissen zu lassen, dass da Jemand war, und wäre es nur sie, der für sie da war, über ihren
Schlaf.

Verfasst: Donnerstag 26. Juli 2012, 09:30
von Viana Leyiasa
Leid bin ich dieses Machtspiel der hohen Würdenträger. Immer wieder beteuern sie, ihre Last
seie soviel schwerer als die unsere, womit ihnen natürlich auch das Recht in die Wiege
gelegt sei über das 'einfache Volk' zu herrschen. Uns zu sagen wie wir unser Leben zu Leben
haben. Hinter ihren unzähligen Deckmänteln nehmen sie sich das Recht heraus über uns Urteil
zu fällen und zu richten. Uns zu schelten wie kleine Kinder nur weil wir ihnen nicht ständig
zeigen wie klein und unbedeutend wir neben ihnen sein sollten. Sie nennen es Respekt, ich
nenne sie alle Pharisäer - und vor solchen habe ich keinen Respekt.

Um zu sehen was auf meinem Feld wächst, wenn ich es denn schon nicht selbst bestellt habe,
muss ich über den Acker gehen. Um zu beurteilen ob die Pflanzen genug der rechten Pflege
erhalten um gut zu wachsen muss ich mit ihnen vertraut sein. Das kann ich aus der Distanz
aber nicht. Und doch ist es das was sie ständig versuchen zu wahren - die Distanz. Die Kluft
und Ferne zum 'einfachen Volk'. Sie sehen aus der Fremde zu uns um sich selbst weiter vor-
machen zu können sie wären soviel anders. Als wären sie auch nur im Kleinsten von anderer
Beschaffenheit als wir es sind. Dabei sitzen sie auf dem Abort wie jeder andere. Essen und
trinken müssen sie wie wir. Sie werden krank und alt und sterben wie wir.

Der einzige Unterschied besteht darin das sie ihre Kleider nicht waschen, das sie nicht
kochen, nicht putzen, nicht fegen, ihre Einkäufe nicht erledigen, sie müssen sich noch nicht
einmal den Arsch abwischen wenn sie es nicht wollen und es interessiert sie nicht wer sich
um ihre Bettpfanne kümmert solange sie es selbst nicht tun müssen. Wäre ja auch unter ihrer
Würde - natürlich nicht unter der menschlichen - sonst würden sie es ihren Dienern ja nicht
zumuten. Nein, nur unter der Würde eines 'Hochwohlgeborenen' - der zu höherem berufen ist
als dazu seinen eigenen Dreck weg zu räumen. Dafür das sie über uns herrschen dürfen wir
ihnen in den Arsch kriechen.

So lange wir tun was sie sagen - ihnen zulächeln ohne das uns danach zu mute ist, weil wir
wieder Jemanden in diesem lächerlichen Zwist zwischen Licht und Dunkel - wobei sich natürlich
jede der Fronten auf der lichten Seite stehen sieht - verloren haben der uns lieb und teuer
war, dürfen wir hoffen nicht behelligt zu werden. So lange wir das Maul halten und nicht zu-
geben das wir mit ihnen unzufrieden sind und gerne für uns selbst denken würden, ist alles
gut. Immer schön lächeln, winken und einen Buckel vor ihnen machen - dann fühlt sich Hoch-
wohlgeboren geschmeichelt und respektiert und hat das Gefühl von allen geliebt und bewundert
zu werden - sein Tag ist gerettet.

Wenn Hochwürden sich von seinen Dienern dann den Nachtmittagstee servieren lässt stehen wir immer
noch im Schweiße unseres Angesichts vor unserer Schmiede, auf unserem Feld, in der Schneider-
stube, vor der Werkbank oder sonst wo und kümmern uns darum das sie sich um nichts kümmern
müssen. Und wenn Hochwürden dann zu Bett geht, nach einem, von seinen Köchen zubereiteten
Mahl, das ihm hoffentlich gemundet hat, sich sicher und behütet von den unzähligen wachen
wissend die für ihn abgestellt sind, liegen wir wach in unseren Betten, müde von der harten
Arbeit und tuen kein Auge zu weil wir fürchten müssen das die Ruhe der Nacht wieder das
Geschreih von Rastlosen zerreisst oder Schlimmerem. Wir fürchten zu unseren Waffen greifen
zu müssen - denn neben unserem Handwerk müssen wir auch kämpfen können - um den Gardisten
von denen schon soviele gefallen sind, weil sie immer zu wenige waren, wieder bei zu stehen.

Wehe aber einer tut sein Maul auf und seinen Unmut kund, das der Adel aus der Ferne mal
wieder irgendeine Handelsbeziehung gefährdet hat - befehligen sie ihre Gardisten in Scharen
zu erscheinen um diese frevelhaften Zettel zu entfernen auf denen es Jemand in Schriftform
wagte sie an zu zweifeln.

Dabei weiß jeder 'einfache Bürger' das ein Handel zwischen Handelspartnern nie unlukrativ
ist und sei der Gewinn nur die Beziehung wieder gefestigt und erneuert zu haben. Freund-
schaften zu knüpfen, Eindrücke zu gewinnen. Nein, der hochwohlgeborene Hintern fühlt sich
lediglich hintergangen. Wie kann das 'einfache Volk' sich auch erdreisten soetwas ohne
seinen Segen stattfinden zu lassen - unerhört. Und wer leidet nun? Nein, nicht sie. Sie
haben noch genug Salz in ihren Kammern. Für ein paar Monate wird es schon reichen, bis
der Zwist sich wieder gelegt hat. Was aber tut der 'einfache Bürger' ohne das kostbare
Weiß. Der Schneider der nicht mehr an sein Leder kommt. Der Jäger dessen Rüstung nicht
mehr ausgebessert werden kann. Wer hat an den Preisen, die für jede Lage in die Höhe
schnellen werden denn zu knabbern? Womit salzt der Bäcker jetzt sein Brot? Mit seinem
Schweiß?

Schämen sollten sie sich für diese zur eigenen Wahrheit gemachten Lüge, die so lange Bestand
haben wird, solange genug sie glauben. Solange genug Angst davor haben man könnte ihnen
den Mund mit Seife auswaschen oder sie in den Kerker stecken, um sie zu erniedrigen und
ihnen einzuprügeln wo sie im, von ihnen geschaffenen Gefüge, zu stehen, was sie zu glauben
und zu denken haben... Der Mensch herrscht immer zum Schaden über den Menschen... So
war es und so wird es immer sein.

Und kommt da mal Einer, blinkt da ein kostbarer Edelstein, unter all dem falschen Gold auf,
wie Sir Rafael - bemüht man sich alles zu tun um ihn mundtot und machtlos zu machen. Wie kann
er es auch wagen von seinen Ergebenen geliebt zu werden. Wie kann er es wagen ein so besonderer
Mensch zu sein, das sie für ihn sterben würden. Nicht für den König den sie nicht kennen und
der sich noch nicht einmal mit dem Arsch angesehen hat. Nein.. für ihn, der gerecht ist und
rechtens war. Oh ihr Törichsten unter den Menschen - eure Eifersucht, eure Einbildungskraft
und Missgunst sind grenzenlos.


Sie hatte es sich von der Seele geschrieben, wenn sie es auch am liebsten hinaus ge-
schriehen hätte. Aber auch sie hatte Angst. Nicht genug zwar um es in einem doch recht
vertraulichen Gespräch, und wars auch der Diakon, zurück zu halten, aber genug um es
eben nicht hinaus zu rufen. In Seinen Augen war sie eine unverständige einfache Bäuerin,
die schlicht und ergreifend nicht Verstandes genug war um ihm seine Lüge, die er selbst
glaubte, ab zu kaufen. Viana blieb nur zu vertrauen, sanftmütig zu bleiben und sich das
Leben, ein paar verirrter Geister wegen nicht noch schwerer zu machen als dieses es ohnehin
schon war. Zumal die größte Angst die um Sicherheit und Wohlergehen ihrer Familie war.

Was das kleingeistige und engstirnige Denken des Diakons anging fand sie allerdings Trost.
Sie hielt von ihm genauso wenige wie er von ihr. Mit dem Unterschied das sie nicht in der Macht-
position war ihn dafür zu schelten oder ihm unter die Nase zu reiben das wenn sie wollte sie ihn
offen anschwärzen und züchtigen lassen könnte. Sollte er an seine Lügen glauben, sie würden sie
nicht zu ihren Wahrheiten machen. Sie würden versuchen so gut es ging unter all diesen Blinden
und Tauben zu leben in der Hoffnung das irgendwann ein Wunder sie alle wie sie da 'einfache
unverständige Bürger' waren von diesen Menschen, die so gern besser sein wollten als der
Rest, erlösen würde.


Viana... nimm das Leben nicht so ernst... du überlebst es eh nicht...

Verfasst: Dienstag 14. August 2012, 04:02
von Viana Leyiasa
Merkwürdig ist es schon sagte sie sich Warum treffe ich bloß so viele Menschen, die
sich bei der erstbesten Gelegenheit von ihrer schlechtesten Seite zeigen? Sie verbergen
ihre innere Kraft hinter Aggressivität, ihre Angst vor der Einsamkeit hinter der Maske der
Unabhängigkeit. Sie glauben nicht an ihre eigenen Fähigkeiten und vertun doch ihre Zeit
damit, ihre Vorzüge in alle vier Himmelsrichtungen hinauszuposaunen.

Viana las diese Zeichen bei vielen Männern und Frauen die sie kannte. Sie ließ sich nicht
vom Schein täuschen und schwieg lieber, wenn man versuchte, sie zu beeindrucken. Doch ver-
suchte sie immer die erstbeste Gelegenheit zu finden, ihre eigenen Fehler zu korrigieren.
Sie wusste das die Anderen stehts ein guter Spiegel für einen selbst waren und nutzte die
Gelegenheit um ihr eigener Meister zu werden.

Die letzte Schlacht die sie hatte schlagen müssen, war schmerzlich gewesen und hier und
da hatte es ihr an Geschicklichkeit und Ruhe gemangelt. Hatte sie ihre Zeit damit vertan,
für etwas zu kämpfen, das sich als falsch erwiesen hatte, oder wegen Menschen gelitten,
die ihrer Liebe nicht würdig waren? Sie konnte nur hoffen aus den Vorkommnissen gelernt
zu haben um diese Fehler die sie vermeindlich getan hatte, nicht ein zweites Mal zu
begehen. Sie würden ihr Herz nur noch für etwas riskieren das es wert war.

Für den Moment hatte sie sich in ihre Oase zurückgezogen um den Zorn und die Wut über das
Geschehene zu überwinden. Nachdem Amary sie der wildesten Anschuldigungen vom ehemaligen
Gildenhof vertrieben hatte und ihr mit Maires Hilfe auf dem vergangenen Treffen der Gemein-
schaft kein gutes Haar an ihr gelassen hatte, war es das einzig Richtige gewesen. Dabei
hatte das Ganze so banal angefangen.

Amary war auf dem Hof nie zugegen gewesen. Ihr lag die Arbeit der Bäuerin nicht wie sie
es selbst zugegeben hatte. Wenn sie dann und wann doch das Feld bestellte, war entweder
die Hälfte der Ernte vertrocknet, überdüngt oder von Schädlingen befallen. Viana hingegen
hatte es von Anfang an die größte Freude bereitet und sie hatte sich rege Mühe gegeben
Vorrat für den Winter heran zu schaffen. Eines Tages dann sollte eine neue Bäuerin auf
dem Hof aufgenommen werden, die sich der Gemeinschaft angeschlossen hatte. Thancred
schickte die junge Frau zum Hof und Viana führte sie in allem ein.

Damit kam der Ärger. Amary hatte sich übergangen gefühlt und wollte das Viana Rechenschaft
für ihr Handeln ablegte. Zwar hatte sie über Nichts was auf dem Hof vor sich ging einen
Überblick, wünschte aber das die Machtverhältnisse geklärt wären. Und die sahen, was Amary
anging so aus:

Viana durfte das Feld bestellen, so lange ein Zehntel jeden Gewinnes in ihre Kasse floss.
Viana aber die den Gildenhof als dessen Eigentum angesehen hatte, hatte dieses Zehntel
statt in Amarys Tasche in die der Gilde fließen lassen. Immerhin war der Hof vom Gold der
Gilde bezahlt worden. Nun war Amary aber der Ansicht es wäre ihr Privathof und er gehöre
nur zum Schein der Gilde. Im Gegensatz zu Thancreds Vorstellung eines Miteinanders aller
Bäuerinnen, war sie der Ansicht die Hofherrin zu sein - was im Nachhinein auch erklärte
warum sie Viana gegenüber oft herablassend gewesen war, sie gerne klein hielt, indem sie
sie behandelte wie ein junges, unerfahrenes Kind, obwohl sie ihre Arbeit besser Verstand
als Amary selbst und gern und oft erklärte wie großzügig sie selbst doch wäre.

Zuerst hatte das keinen Sinn ergeben, nun aber war Licht in die Sache gekommen. Viana ging
alle Anschuldigungen der Reihe nach durch. Da war zum Beispiel diese, die da lautete:

- Viana habe sich alle Erzeugnisse die auf dem Hof eingelagert waren unter den Nagel ge-
gerissen.

Als Viana damals auf den Hof gekommen war, arbeitete dort noch Fabienne, die bisher recht
auf verlassenem Posten gestanden hatte, da sie den Hof, bis dahin allein bewirtschaftet
hatte. Nach einem Streit mit Amary hatte sie diesen schließlich verlassen und nicht nur ihn
sondern auch die Handelsgemeinschaft. Viana blieb zurück. Der Bestand zu dieser Zeit war
mehr als mau gewesen. In den vielen Kisten hatte sich so gut wie nichts gefunden, da der
Frühling gerade erst Einzug gehalten hatte. Hilfe bekam Viana von Marzius und Maire sah
einmal am Tag, Meistens früh am Morgen, wenn Viana ihr nicht schon zuvorgekommen war,
vorbei, brachte Dünger, sammelte eine Hand voll Eier, Federn, Honig und pflückte die
Früchte von den Bäumen. Gold wollte sie für all dies nicht, Maire half gern.

Nachdem Amary Viana klar gemacht hatte, das sie auf dem Hof nur geduldet war, wurde ver-
einbart das jede Bäuerin ihre eigene Kiste bekam. Und so hatte Viana alles was sie bisher
erwirtschaftet hatte vom Hof in ihre offen zugängliche Kiste im Handelshaus gebracht. Weil
Amary nun aber sah wie wenig ohne die erarbeiteten Erzeugnisse Vianas über blieb, eben weil
sie von Anfang an keinen Überblick gehabt hatte, wurde sie wütend und war nun doch nicht
mehr ganz, mit der Regelung einverstanden. Sie verbannte Viana auf das kleine der beiden
Felder des Gildenhofes um ihren eigenen Bestand auf zu füllen.

Eines Tages dann als Viana auf das Feld kam, lag das große brach und das kleine, das Amary
Viana zugewiesen hatte, war von Amary bestellt worden. Die gesamte Ernte dort aber war
vertrocknet und alles in allem gaben die Felder den Anschein der Vernachlässigung. Da
nutze Viana die Zeit und bestellte die Felder neu, immerhin kam es nicht nur ihr, sondern
der ganzen Gemeinschaft zu Gute. Am nächsten Nachmittag, als die Ernte reif war kam
Amary schließlich wieder auf das Feld und beschwerte sich sogleich. Dabei hätte sie nicht
mehr zu tun gehabt als Viana am Vortag auch, als sie das kleine Feld abgeerntet und Amarys
Erzeugnisse in deren Kiste gelegt hatte. Amary behielt was Viana da auf dem Feld angepflanzt
hatte und ließ Viana Rechenschaft für ihr Tun ablegen. Viana kam dem nach, war des
Diskutierens aber längst müde geworden und sagte schlicht Amary solle tun was sie wolle.
Wenig später sah sie sich bei zwei Architekten sitzen die halfen die Situation noch
einmal zu klären. Zuletzt schien alles geregelt und beiden Parteien waren die ihnen zu-
stehenden Felder zugeteilt worden.

Auf der Gildenversammlung hingegen schnitt Amary, die wohl doch noch nicht zufrieden
damit war, das Thema noch einmal neu an. Diesmal jedoch ohne Zurückhaltung ihrem Frust
freien Lauf lassend, so das sie etwa eine Stunde lang nur damit beschäftigt war Viana
vor versammelter Mannschaft die wildesten Anschuldigungen vor die Füße zu werfen und
sie bis aufs gröbste zu beschimpfen. Aus der Edlen war eine Furie geworden wie sie im
Buche steht und weil zu diesem Zeitpunkt alle bereits die Nase voll hatten durfte Viana
sich noch nicht einmal verteidigen.

Nun wollte sie es für sich genau wissen. So genau wie Amary es genommen hatte und sie
begann zu rechnen. Sie wollte wissen, wieviele Erzeugnisse, auf die Maire auf einmal
bestanden hatte, ihr tatsächlich angerechnet werden konnten.

Auf einmal gaben die Hühner genau sieben Eier und hundert Federn. Die Bienenstöcke gaben
auf einmal ungefähr fünfzig volle Honiggläser. Sie hatten den Juni und den Juli das waren
etwa sechsig Tage. Damit belief sich das, was Maire auf dem Hof gesammelt hatte auf
maximal 6000 Federn, 420 Eier und 3000 Krüge Honig. Nun hatte Maire Viana aber alle
20 000 Federn abgenommen, sie für 60 Kronen verkauft und Viana 20 Kronen davon gelassen.
Damit hatte sie an Vianas Arbeit 40 Kronen verdient, da, wie sie sagte, sie die Meisten
Federn gesammelt habe. Nun war Maire hinzukommend aber noch Jägerin und bezog ihre Pfeile
umsonst vom Handelshaus, für die man, wie Jeder weiß, Federn brauchte.

Viana rechnete weiter.

Sie hatte all das etwa fünf Mal am Tag getan und war oft zusätzlich noch in den Wäldern
unterwegs gewesen, damit genug Federn für die Jäger und Schneider da waren. Nahm man
nur die Federn die sie auf dem Hof gesammelt hatte kam man bereit auf 30 000 Federn,
2100 Eier und 15 000 Krüge Honig.

Maires Rechnung ging nicht auf und damit waren Amarys Anschuldigungen hinfällig. Viana
fühlte sich besser, sie hatte nicht auf der falschen Seite gekämpft, aber Amarys Macht-
gier hatte dazu geführt das Amary sich von ihrer schlechtesten Seite gezeigt hatte.
Allerdings wird ein guter Mensch nicht zu einem schlechten nur weil wir es uns wünschen,
und da war wohl etwas das Amary für sich noch lernen musste.
Nun hatte sie den Hof vor-
erst wieder für sich alleine. Zumindest für Vianas Familie war für den Winter ohnehin
gesorgt, auch wenn sie sich gewünscht hätte, bis zum Winter genug Vorrat für das
gesammte Handelshaus zu erwirtschaften. Nun jetzt lag es an Amary, sie hatte was sie
wollte und durfte sich vortan allein um den Hof kümmern. Zumindest so lange bis sich
Jemand fand der diese für sie übernahm.