Verfasst: Montag 18. Juni 2012, 18:29
Gegeben am 18. Schwalbenkunft 255
Die ausgebreiteten Schwingen der Lichtbringerin zum Schutz
geliebte Schwester,
ich weiß, ich melde mich spät bei dir. Zu entschuldigen vermag ich es allenfalls damit, dass es hier sehr viel zu tun gibt, was mich dergestalt in Beschlag nimmt, dass ich kaum zu schreiben komme. Selbst die Einträge in mein Tagebuch leiden darunter und ich habe noch viel nachzutragen.
Euer Brief hat mich erreicht und ich muss gestehen, es erfüllt mich mit Bestürzung. Sobald ich kann, will ich heimkommen, um Euch beizustehen, doch zurzeit sieht es eher so aus, als müsste das noch warten, da ich hier noch unabkömmlich bin.
Sollte es Euch allzu viel werden, könnt Ihr gewiss eine Weile hier unterkommen, sofern Ihr möchtet, auch wenn das nur eine vorübergehende Lösung sein kann. Ihr wisst, genauso wie ich, dass unsere hohen Eltern unsere Unterstützung, wie auch unseren Beistand brauchen, so gut wie wir es vermögen. Vielleicht kann Euch seine Gnaden zur Seite stehen. Ich werde dir einen weiteren Brief an ihn beilegen, den du in diesem Falle an ihn weitergeben kannst.
Er kennt uns lange genug, um sicherlich die rechten Worte für unseren hohen Vater und unsere hohe Mutter zu finden.
Über eines seid aber gewiss: Ich schließe Euch alle, auch unseren Bruder, in meine Gebete mit ein, und hoffe, dass die schweren Zeiten alsbald überwunden sind.
So will ich aber nicht nur die trüben Gedanken näheren, sondern erzählen, was mir hier widerfahren ist – und letztlich ist es nicht nur Schlechtes, sondern auch viel Gutes. Dazu gehört wohl eine gewisse Freundschaft zu diversen Kindern dieser Gegend, die von Albträumen geplagt wurden, die schon ins hier und jetzt übergriffen und nicht nur die Kleinsten unser uns in Angst und Schrecken versetzten. Die Gefahr ist allerdings nun gebannt. Damit auch Ihr es in unserer Heimat weiter tragen könnt, und diese Sache niemals wieder in Vergessenheit gerät, werdet Ihr sicherlich auch das beigelegte Büchlein gefunden haben, das ich zu diesem Zweck schrieb. Es ist eine Zusammenfassung der Ereignisse und eignet sich bestimmt, etwas abgewandelt vielleicht, für eine gute Geschichte am Kamin im Kreise dieser oder jener Familie. Ihr könnt auch getrost behaupten, dass diese Erzählung der Wahrheit entspricht, denn genau so verhält es sich, auch wenn es unglaublich in den Ohren klingen muss.
Nach dem obigen Erlebnis folgte für mich noch ein weiteres.
Ich kann Euch versichern, kleine Schwester, ich bin mir mehr als sicher den richtigen Weg für mich eingeschlagen zu haben. Kein Zweifel. Ich bin Ihrem Avatar begegnet. Ich hörte Ihre Stimme – ich glaube es zumindest (vielleicht wünsche ich es mir auch nur und verwechsle diese mit der Stimme ihres Sendboten). Das war jener Moment, in dem ich meine zweite Weihe erhielt. Ich kann noch immer nicht in Worte fassen, was ich in dem Augenblick empfand. Es war unbeschreiblich… groß. So viel größer, als ich je sein werde. In diesem Moment ist mir klar geworden, wer an den Göttern zweifelt, der sieht die Welt nicht mit offenen Augen, sondern verweigert sich ihr, denen die darin leben und allem, was mit Eluives erstem Wirken seinen Anfang genommen hat.
Gewiss ist nicht alles gut, gewiss findet sich nicht überall die Harmonie, die sich ein jeder von uns eigentlich wünscht, ob nun insgeheim oder auch ganz offen, aber es ist. Es ist genauso wirklich, wie die Götter und ihr Wirken.
Ich wünschte mir wirklich, ich könnte dieses Gefühl mit Euch und unserem Bruder teilen, und sei es nur ein Quäntchen davon.
Auch gebe ich nun Unterricht an all jene, die ihn erhalten möchten. Begonnen habe ich mit dem ritterlichen Kodex. So wie die Dinge liegen, kommt es wohl gut bei jenen an, die diesem beiwohnen. Ich lerne selbst stets noch etwas dazu hierbei.
Unter anderem, dass auch Erwachsene die Neigung junger Schüler haben, die im Unterricht tuscheln, essen oder dazwischenplappern, anstatt der guten Sitte zu folgen und jedermann zunächst aussprechen zu lassen, bevor sie selbst den Mund aufmachen.
Ja, ich weiß, was Ihr nun sagt: Ich sollte nicht nur das Negative an dem sehen, was mir präsentiert wurde. Das tue ich nicht, soviel sei versichert. Ich habe auch viel über die verschiedenen Ansichten und Auffassungen der Anwesenden gelernt, was die ritterlichen Tugenden anbelangt. Selbiges gilt auch für ihre Herangehensweise an jene. Es entstehen während des Unterrichts durchaus sehr interessante Diskussionen, wo einige versuchen ihre Meinung, ihre Ansicht dazu zu vertreten. Ich hoffe alsbald mehr davon zu hören und zu sehen, wenn die nächste Einheit angesetzt wird.
Was bleibt ansonsten zu sagen:
Ich vermisse Euch, unsere Familie. Gelegentlich fehlt mir der Austausch im Kreise der meinen sehr, auch wenn ich hier Menschen und Elfen kennen gelernt habe (und auch irgendwie als Familie bezeichnen möchte), die mir einen gesunden Ausgleich dafür schaffen, und das obschon ich sie nicht wirklich oft zu Gesicht bekomme.
Solltet Ihr irgendwann einmal nach Gerimor finden, werde ich sie Euch alle vorstellen. Ich bin mir sicher, Ihr würdet Euch gerade mit den beiden Waldelfen hervorragend verstehen. Mein Rat an dieser Stelle wäre es, zumindest einen Sack voll Erdbeeren dabei zu tragen.
Wo man mit Speck Mäuse fängt, fängt man mit Erdbeeren Shala.
Und bring mir bitte Bonbons mit. Ihr wisst schon, jene Veilchenpastillen und Minzplättchen, die es beim Quarter immer gab. Ich möchte wetten, er vergibt sie den Kindern noch immer für ein Kupferstück.
Einstweilen aber bleibt mir nur noch zu wünschen, dass alles in die rechten Bahnen zurückfindet, die unserer Familie stets vorbestimmt waren. Bitte richte meine besten Wünsche und Grüße aus. Ermahne sie ruhig in meinem Namen, sich zusammenzunehmen und ihre Tochter nicht zu vergessen.
Meine Abendgebete für Euch.

Noch einmal ließ er den Blick über die Zeilen schweifen, las auch noch mal den beigefügten Brief für seine Gnaden Gerold. Auch das Buch wurde fein säuberlich beigepackt und alles in Öltuch eingeschlagen. Darum wickelte er ein weiteres Pergamente, verschloss es sorgsam mit Wachs und siegelte es kurzerhand. Eine Schnur wickelte er zudem darum, damit es auch ja hielt.
„So, mein kleiner Freund. Ich werde mal zum Hafen und das Päckchen in die Heimat schicken“, murmelte er leise zu dem Eichhörnchen, das sich zum wiederholten Male am heiligen Baum eingefunden hatte und gerade an einer Haselnuss herumknabberte, die er dem Tierchen überlassen hatte.
Aufmerksam musterten ihn zwei dunkle Knopfaugen, wobei sich der Nager aufrichtete und auf die Hinterläufe stellte. Für einen kurzen Moment huschte das altbekannte verhaltene Lächeln über seine Züge, dann wandte er sich ab und schritt zum Tor hinüber – gefolgt vom kleinen Freund, bis dieser ihn einholte und einfach die Robe erklomm.
Etwas überrascht blieb er stehen und sah das Eichhörnchen an, steckte ihm noch eine kleine Nuss zu und dachte, es würde sich wieder davon machen.
Aber nein, so sollte es wohl nicht werden. Es schickte sich offenkundig an ihn begleiten zu wollen…
Die ausgebreiteten Schwingen der Lichtbringerin zum Schutz
geliebte Schwester,
ich weiß, ich melde mich spät bei dir. Zu entschuldigen vermag ich es allenfalls damit, dass es hier sehr viel zu tun gibt, was mich dergestalt in Beschlag nimmt, dass ich kaum zu schreiben komme. Selbst die Einträge in mein Tagebuch leiden darunter und ich habe noch viel nachzutragen.
Euer Brief hat mich erreicht und ich muss gestehen, es erfüllt mich mit Bestürzung. Sobald ich kann, will ich heimkommen, um Euch beizustehen, doch zurzeit sieht es eher so aus, als müsste das noch warten, da ich hier noch unabkömmlich bin.
Sollte es Euch allzu viel werden, könnt Ihr gewiss eine Weile hier unterkommen, sofern Ihr möchtet, auch wenn das nur eine vorübergehende Lösung sein kann. Ihr wisst, genauso wie ich, dass unsere hohen Eltern unsere Unterstützung, wie auch unseren Beistand brauchen, so gut wie wir es vermögen. Vielleicht kann Euch seine Gnaden zur Seite stehen. Ich werde dir einen weiteren Brief an ihn beilegen, den du in diesem Falle an ihn weitergeben kannst.
Er kennt uns lange genug, um sicherlich die rechten Worte für unseren hohen Vater und unsere hohe Mutter zu finden.
Über eines seid aber gewiss: Ich schließe Euch alle, auch unseren Bruder, in meine Gebete mit ein, und hoffe, dass die schweren Zeiten alsbald überwunden sind.
So will ich aber nicht nur die trüben Gedanken näheren, sondern erzählen, was mir hier widerfahren ist – und letztlich ist es nicht nur Schlechtes, sondern auch viel Gutes. Dazu gehört wohl eine gewisse Freundschaft zu diversen Kindern dieser Gegend, die von Albträumen geplagt wurden, die schon ins hier und jetzt übergriffen und nicht nur die Kleinsten unser uns in Angst und Schrecken versetzten. Die Gefahr ist allerdings nun gebannt. Damit auch Ihr es in unserer Heimat weiter tragen könnt, und diese Sache niemals wieder in Vergessenheit gerät, werdet Ihr sicherlich auch das beigelegte Büchlein gefunden haben, das ich zu diesem Zweck schrieb. Es ist eine Zusammenfassung der Ereignisse und eignet sich bestimmt, etwas abgewandelt vielleicht, für eine gute Geschichte am Kamin im Kreise dieser oder jener Familie. Ihr könnt auch getrost behaupten, dass diese Erzählung der Wahrheit entspricht, denn genau so verhält es sich, auch wenn es unglaublich in den Ohren klingen muss.
Nach dem obigen Erlebnis folgte für mich noch ein weiteres.
Ich kann Euch versichern, kleine Schwester, ich bin mir mehr als sicher den richtigen Weg für mich eingeschlagen zu haben. Kein Zweifel. Ich bin Ihrem Avatar begegnet. Ich hörte Ihre Stimme – ich glaube es zumindest (vielleicht wünsche ich es mir auch nur und verwechsle diese mit der Stimme ihres Sendboten). Das war jener Moment, in dem ich meine zweite Weihe erhielt. Ich kann noch immer nicht in Worte fassen, was ich in dem Augenblick empfand. Es war unbeschreiblich… groß. So viel größer, als ich je sein werde. In diesem Moment ist mir klar geworden, wer an den Göttern zweifelt, der sieht die Welt nicht mit offenen Augen, sondern verweigert sich ihr, denen die darin leben und allem, was mit Eluives erstem Wirken seinen Anfang genommen hat.
Gewiss ist nicht alles gut, gewiss findet sich nicht überall die Harmonie, die sich ein jeder von uns eigentlich wünscht, ob nun insgeheim oder auch ganz offen, aber es ist. Es ist genauso wirklich, wie die Götter und ihr Wirken.
Ich wünschte mir wirklich, ich könnte dieses Gefühl mit Euch und unserem Bruder teilen, und sei es nur ein Quäntchen davon.
Auch gebe ich nun Unterricht an all jene, die ihn erhalten möchten. Begonnen habe ich mit dem ritterlichen Kodex. So wie die Dinge liegen, kommt es wohl gut bei jenen an, die diesem beiwohnen. Ich lerne selbst stets noch etwas dazu hierbei.
Unter anderem, dass auch Erwachsene die Neigung junger Schüler haben, die im Unterricht tuscheln, essen oder dazwischenplappern, anstatt der guten Sitte zu folgen und jedermann zunächst aussprechen zu lassen, bevor sie selbst den Mund aufmachen.
Ja, ich weiß, was Ihr nun sagt: Ich sollte nicht nur das Negative an dem sehen, was mir präsentiert wurde. Das tue ich nicht, soviel sei versichert. Ich habe auch viel über die verschiedenen Ansichten und Auffassungen der Anwesenden gelernt, was die ritterlichen Tugenden anbelangt. Selbiges gilt auch für ihre Herangehensweise an jene. Es entstehen während des Unterrichts durchaus sehr interessante Diskussionen, wo einige versuchen ihre Meinung, ihre Ansicht dazu zu vertreten. Ich hoffe alsbald mehr davon zu hören und zu sehen, wenn die nächste Einheit angesetzt wird.
Was bleibt ansonsten zu sagen:
Ich vermisse Euch, unsere Familie. Gelegentlich fehlt mir der Austausch im Kreise der meinen sehr, auch wenn ich hier Menschen und Elfen kennen gelernt habe (und auch irgendwie als Familie bezeichnen möchte), die mir einen gesunden Ausgleich dafür schaffen, und das obschon ich sie nicht wirklich oft zu Gesicht bekomme.
Solltet Ihr irgendwann einmal nach Gerimor finden, werde ich sie Euch alle vorstellen. Ich bin mir sicher, Ihr würdet Euch gerade mit den beiden Waldelfen hervorragend verstehen. Mein Rat an dieser Stelle wäre es, zumindest einen Sack voll Erdbeeren dabei zu tragen.
Wo man mit Speck Mäuse fängt, fängt man mit Erdbeeren Shala.
Und bring mir bitte Bonbons mit. Ihr wisst schon, jene Veilchenpastillen und Minzplättchen, die es beim Quarter immer gab. Ich möchte wetten, er vergibt sie den Kindern noch immer für ein Kupferstück.
Einstweilen aber bleibt mir nur noch zu wünschen, dass alles in die rechten Bahnen zurückfindet, die unserer Familie stets vorbestimmt waren. Bitte richte meine besten Wünsche und Grüße aus. Ermahne sie ruhig in meinem Namen, sich zusammenzunehmen und ihre Tochter nicht zu vergessen.
Meine Abendgebete für Euch.
Noch einmal ließ er den Blick über die Zeilen schweifen, las auch noch mal den beigefügten Brief für seine Gnaden Gerold. Auch das Buch wurde fein säuberlich beigepackt und alles in Öltuch eingeschlagen. Darum wickelte er ein weiteres Pergamente, verschloss es sorgsam mit Wachs und siegelte es kurzerhand. Eine Schnur wickelte er zudem darum, damit es auch ja hielt.
„So, mein kleiner Freund. Ich werde mal zum Hafen und das Päckchen in die Heimat schicken“, murmelte er leise zu dem Eichhörnchen, das sich zum wiederholten Male am heiligen Baum eingefunden hatte und gerade an einer Haselnuss herumknabberte, die er dem Tierchen überlassen hatte.
Aufmerksam musterten ihn zwei dunkle Knopfaugen, wobei sich der Nager aufrichtete und auf die Hinterläufe stellte. Für einen kurzen Moment huschte das altbekannte verhaltene Lächeln über seine Züge, dann wandte er sich ab und schritt zum Tor hinüber – gefolgt vom kleinen Freund, bis dieser ihn einholte und einfach die Robe erklomm.
Etwas überrascht blieb er stehen und sah das Eichhörnchen an, steckte ihm noch eine kleine Nuss zu und dachte, es würde sich wieder davon machen.
Aber nein, so sollte es wohl nicht werden. Es schickte sich offenkundig an ihn begleiten zu wollen…