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Verfasst: Donnerstag 8. Dezember 2011, 09:38
von Hanna Radenbruck
Still und reglos liegt der Körper aufgebahrt, nun schon seit Stunden weder dem Leben, noch dem Tode ganz entschlossen - der Geist in einer fernen Ebene, die über das, was wir Traum nennen, hinaus geht und weiß in diesen Sphären zu wandeln... auf verschlungenen, geheimen Pfaden einer anderen Seele. Jene gilt es zu beschatten, zu beobachten, nur um einen Blick auf ihre gefährlichen Gedanken werfen zu können...

Sie ahnte nicht, dass in der wachen Welt schon Tage vergangen waren, denn hier, in der Ebene der Träumereien lief die Zeit anders durch das Stundenglas, wohl aber wusste sie, dass ihre verzweifelte Suche nach einer Spur des 'Etwas', welches sich Yasmes Körper bemächtigte und nun allgemein auch als Mörder einer Fee galt, schon sehr lange andauerte und der Frust sowie die helle Panik war gestiegen.
Selbst für ein Kind des sanften Elements Erde ist es schwer so lange Ruhe zu bewahren, wenn so viel auf dem Spiel steht.
Zunächst hatte sie sich immer wieder die eigenen Blicke auf die Essenz der grausamen Macht konzentriert und nach dieser unsichtbaren Liedspur auch im Traum gesucht - erfolglos und immer dann, wenn es doch so aussah, als könne sie etwas entdeckt haben, lief sie nur in die nächste Sackgasse.

Durch die jähen Schluchten so mancher Nachtmahren hindurch, über die freien Felder von sanften Tag- oder glückseligen Lichtungen der Wunschträume, erfüllt oder nicht, hindurch hatte sie sich ihren Weg stur gebahnt, die innigen Worte an die leitenden Elemente - in diesem Falle alle vier - auf den Lippen und das Herz gewissermaßen zumindest bildlich in den Händen. Nur um dann doch eine neue Sackgasse zu entdecken.
Erst als die Verzweiflung ihr einen schweren Klos in den Hals packte, welchen sie nicht einmal mehr herabschlucken konnte, erst da hatte irgendetwas Mitleid mit ihr, denn die Macht selbst begann ein wenig zu träumen...

Ein Hauch zuerst nur, ein Fetzen von gestaltloser Boshaftigkeit und bitterem Hass. Der Geschmack danach, die Nähe erst ließ es bildlicher werden. Eine weibliche Gestalt, ja - ein älteres Weib, vielleicht sogar mütterlich wie Vefa, wäre da nicht die unmenschliche dunkle Gier in ihren Zügen, welche das Großmutterbild jäh zersplitterte - schritt energisch durch einen Wald... Mahagonibäume, überall - der Ort war der Träumerin nicht bekannt.
Noch während jene fieberhaft grübelte, sprang die Traumsequenz und sie beobachtete die Alte bei den Vorbereitungen eines Rituals. Die ganze Luft schmeckte plötzlich heiß, branding und so garstig bitter, als wollte allein die Einstimmung des Rituals auf dessen Schwärze hinweisen und die Träumerin rang nach Luft.
Ein Blitz - sie nahm eine Knochenrassel wahr
ein Flackern - mehrere Gegenstände die nach Gebeinen aussahen
ein Schaudern - sie spürte die Blicke der Alten kurz über sich selbst gleiten

- doch noch in dem Moment, in welchem sie sich entdeckt glaubte, fanden die kalten Augen des bösen Weibs einen anderen Fokus und der Träumerin Blick weitete sich entsetzt, als sie den gleichen optischen "Fang" wahrnahm:
Druiden, Elfen, Schwestern, Schamanen, Mimire, Feengestalten aus abertausend Erzählungen - alle, welche das übernatürliche Auge inmitten des dunklen Rituals erspähte, hatten eine Gemeinsamkeit, die sie wie Geister schimmern ließ: den Zauber der Natur, welcher Art auch immer, in den Adern und den Kuss des Lieds als Zeichnung in der Seele!
Meckernd lachte die Alte auf und griff gierig, alle Züge so entstellt, dass nichts menschliches mehr zu erkennen war, nach diesen Schimären, als könne sie nach diesen, ihren Wunschträumen haschen. Es war die selbe kalte Schwärze, die damals nach Yasme gegriffen und Hanna gewürgt hatte und dieses Ritual könnte ihren finsteren Traum vollenden.
Die Träumerin wandte sich ab und floh. Noch war sie nicht entdeckt, sie musste warnen, die Zeit drängte - SCHWESTERN, BRÜDER, FREUNDE... wir schweben allesamt in höchster Gefahr!


Ein Hauch von Leben zog in den Körper und er begann kaum merklich zu zucken. Ein stummes Betteln wieder geweckt zu werden, denn es eilte!

[OOC: lieben Dank an Medea für die Trauminfos! :)]

Verfasst: Donnerstag 8. Dezember 2011, 20:26
von Gast
Letzte Vorbereitungen.

Yasme hatte schon lange vergessen wie es war, einen ganzen Tag zu verleben ohne Schmerzen zu spüren. Seit dem letzten großen Ritual und einigen Tagen danach fühlte sie keine mehr. Die Krämpfe waren mit dem durchbrechen des Banns verschwunden und auch die stetige Angst die sie über Jahre begleitete war gewichen. Unsicherheiten waren beiseite geschoben, denn alles was sie bisher bedrohlich verfolgt hatte, war von ihr genommen worden an diesem Abend. Freiheit, so fühlte sie sich an oder nicht? Yasme brauchte noch viel Zeit um über all diese Dinge nachzudenken. Doch hatte sie diese im Augenblick nicht. Es gab wichtigere Vorhaben, als die eigene Seele im Moment. Sie war nur ein kleiner Teil des Ganzen und es galt jetzt zu handeln, um all die anderen Wesen vor dieser Boshaftigkeit zu schützen.

Bereits am morgigen Tage würden sie es versuchen und alles woran Yasme dachte, waren die Worte der Waldfee:
"Doch seid Euch gewiss.... dem Kampf stellt Ihr Euch nicht allein - die Geister der Wälder.... mein Volk und mein Blut." - diese Worte gingen der jungen Frau immer wieder durch den Kopf und wenn sie wie tagtäglich durch die Wälder streifte, sprach sie Worte an diese Wesen, sagte auch ihnen, dass es nun soweit war und sich am fünften Tag der Woche alle versammeln würden. Da das Gefühl der beständigen Beobachtung noch nicht gänzlich gewichen war, erzählte sie ihnen im Elfenwald flüsternd was bisher geschehen war. Der Beutel, Lameriast, das Herz, die Sanduhr und auch der Schädel, der beständig die gleichen Bilder zeigte, wurden erwähnt.

Die Geister des Waldes sollten es weiter tragen an all die anderen Naturwesen um alle Kräfte vereinen zu können. Yasme hoffte auch, dass sich ausreichend Elfen, Thyren und Brüder bereits vorbereitet hatten. Doch wie bereitet man sich auf etwas Ungewisses vor? Vertrauen in die Gemeinschaft stärken, letzte Stunden der Ruhe dazu nutzen, seinen Geist darauf vorzubereiten, Konzentrationsübungen? Egal was kommen würde, nur als Gemeinschaft würden sie bestehen können, soviel stand fest. All die Worte und Taten der Waldfee sollten nicht umsonst gewesen sein.

Verfasst: Freitag 9. Dezember 2011, 10:35
von Medren Haingrund
"Die Liebe ist ein Stoff, den die Natur gewebt, und die Phantasie bestickt hat." (Voltaire)

Knirschend und knarzend protestierte die weiche weiße Schneedecke, als er sich Schritt um Schritt dem dunklen, aus gröberen Holzdielen zusammen gezimmerten, Häuschen, das mitten zwischen Felswand und Waldrand kleine Rauchwolken in die kalte Abendluft entließ, näherte. Statt den aufwärts führenden Pfad zu nehmen, schlug er sich zwischen den schneeverhangenen Bäumen hindurch vorbei am See, dessen Oberfläche an den Ufern bereits eisig glitzerte. Abendliche Stille empfing ihn, doch kein Licht erhellte die kleinen Butzenscheiben der Hülle, als er die Holztür in den schlafenden Garten aufschob. Kein Zeichen, das ihm verriet, ob jemand sich in der Wärme eines Herdfeuers geborgen und die eisigen Winde der Kälte ausgeschlossen hatte. Statt zu klopfen streckte er sich ins Lied hinein, einen Gedankenfaden als Gruß voraussendend, doch wieder spürte er kein Erkennen.

„Hanna…?“ Medrens Stimme hallte in die Leere des Hauses hinein, stieß sich an den Wänden und Möbeln ab und flog unverrichteter Dinge zurück zu ihm, um ihm voller Bedauern auszurichten, dass niemand den Klang aufgefangen hatte.

Seit dem vergangenen Abend, als die anderen Brüder und Schwestern die Verbindung zwischen Yasme und dem dunklen Schatten gekappt hatten, nagten in seinem Inneren Unruhe und Sorge, hatte er doch den vertrauten, liebgewonnenen Blondschopf nicht unter den sich der dunklen Macht erwehrenden Kindern Eluives wahrnehmen dürfen. In manchen Momenten hatte er sich vom Geschehen des aus den Elementen errichteten Kreises ablenken lassen, doch auch wenn ihm Yasmes Schicksal am Herzen lag, so war es der stechende Hintergedanke, der ihn beinahe taub gegen das Geschehen werden ließ.
Nur einen Hauch lang, ließ ihn die Anwesenheit Luciens wundern, den Maja mit sich gebracht hatte…
Nicht mehr als einen Atemzug ärgerte er sich, dass die Idee des Bannkreises erst zwei Mal verworfen worden war und man sich ihr, nachdem Majas Lippen sie ausgesprochen hatte, plötzlich zugewandte …
Und nur einen Moment lang wollte er wütend etwas entgegnen, als der Weißhaarige sich in etwas einmischt hatte, das ihn aus seiner Sicht nichts anging, wo er doch die zerstörerische Macht Yasmes niemals selbst gespürt hatte…

Doch nichts davon kümmerte ihn gerade, wog schwer genug um längerfristig in seinen Gedanken anzuhalten. Das einzig Wichtige für ihn war die Frage, warum die struppige aber freundliche Ratte nicht auch Hanna zum Ahnenbaum gerufen hatte.

Hatte ein Problem in ihrer Familie sie abgehalten?
Waren die untoten Plagen aus Varuna wieder zu nah an den Weiler gekommen?
Oder gab es andere schwerwiegende Sorgen, die Hanna gefangen hielten?

Medrens Furcht legte sich wie ein bleiernes Band um seinen Brustkorb und lähmte ihn, nahm ihm die Luft zum Atmen und ließ sein Herz angstvoll gegen die Innenseite seiner Rippen schlagen. Hatte er das Gefühl die Tage zuvor noch niedergekämpft, so hielt ihn nun nichts mehr im Hain. Er musste sich versichern, musste sich selbst beweisen, dass er sich sicher getäuscht hatte, nichts weiter als ein gefühlsduseliger Narr war.
Fahrig und keineswegs leise trat er in Hannas Zuhause, durchkämmte die Zimmer, doch nichts wies ihm den Weg, keine Nachricht und keine Spuren verstummten die Ahnung des Fuchses. Als er gerade die Stufen zum Keller hinabsteigen wollte, sah ihm ein müdes und besorgend blasses Gesicht entgegen, die Haare unordentlich um den Kopf wehend. „Medren…“ ächzte sie in einer Mischung aus Dankbarkeit und Erleichterung, doch auch vollkommen ausgezehrt und aufgerieben.
„Was bei Mutters Licht, Magda…“ setzte er an, doch packten die Hände von Hannas Zwillingsschwester ihn rasch an den Handgelenken und zogen ihn unsanft und eilig in den Keller hinab. Erst ob ihres Verhaltens verblüfft traf ihn der Schlag, der ihn auf halbem Weg erwartete wie die ungebrochene Energie eines Blitzschlages. Bleich wie von den Krallen des Todes selbst gehalten und doch sanft lächelnd schien Hanna inmitten des unterirdischen Gewölbes zu liegen, schlafend für das unachtsame Auge und doch unendlich weit weg. Medren hätte gern aufgeschrien, Magda beiseite gestoßen und wäre neben ihr auf die Knie gesunken, doch der letzte Rest Menschenverstand sagte ihm, dass das die junge Frau neben ihm nur noch mehr verängstigt hätte, als sie es schon war.
Mit einer tiefen Ruhe, die er sich selbst nicht zugetraut hatte, strich er die wirren Strähnen aus Magdas Gesicht zurück, zog ein vertrocknetes Aststück aus der Mähne und ließ sich geduldig schildern, wie ihre Schwester Kräuter zusammengemischt, zu einem Sud aufgekocht und, hier unten, getrunken hatte, bevor der Atem immer leiser geworden war. Satz um Satz sanken die Worte dem genommenem Gift gleich in sein Bewusstsein und zogen das enge Band im Herzen so fest, dass er nur mehr aufkeuchen konnte. Nachträglich konnte er sich nicht erklären, wie er so gefasst geblieben war, doch hatte er Magda genug beruhigt, um sie für ein paar Stunden Schlaf zurück in ihre Waldhöhle zu senden.

Als ein leises Klappern der Hintertür bestätigte, dass das Waldkind das Haus hinter sich gelassen hatte, ging er neben Hanna in die Knie und zog ihre kleine Hand unter der Decke hervor.

„Bei Mutters Licht, Haselmaus…“ flüsterte Medren kaum hörbar und presste die kühle trockene Hand gegen seine Wange, hielt sie wie ein Ertrinkender und spürte doch den Schlag ihres Herzens kaum. Was immer Hanna genommen hatte, es klang als habe sie zu der einschläfernden Wirkung des Nachtschattens noch eine Prise Schierlingskraut hinzu gemischt… einer hochgiftigen Pflanze, die die Grenzen zwischen Leben und Tod, Wirklichkeit und Traum verschwimmen ließ…
Grenzenlose Verzweiflung packte sein Herz und schlug ihm mit ganzer Härte ins Gesicht.

Wenn Hanna nie wieder erwachen würde…wie sollte er weiterleben können?

Ein heißeres Schluchzen formte sich in der Tiefe seiner Seele, kletterte, sich voran hangelnd, zu seiner Kehle hinauf, wo er sich wie ein dicker Klos im Hals festsetzte, um in die einsame Kellerluft endlich freigelassen zu werden. „Hanna…bitte…“, stieß er hervor und rüttelte sie ein wenig, doch die dunklen Wimpern mit den blond bekränzten Spitzen rührten sich nicht.

Vielleicht…konnte er sie ja im Lied finden, wenn er nur lange genug versuchte zu rufen…
Vielleicht würde sie seinen Ruf vernehmen…


Ein Funken Hoffnung glomm in ihm auf, unscheinbar klein, kaum mehr als einen Daumennagel groß, doch nährte er sich bereitwillig und wuchs an, bis er die Handflächen bedeckte. Ohne Nachzudenken glitt Medren ins Lied hinein, vorbei an den Melodien des Feuers in seinem Rücken und den ihn neugierig beäugenden Luftströmen, die von oben auf ihn herabblickten. Sich wie ein Aal windend kroch er umher, folgte der Hitze der Flammen bis diese ihn zischend zu verbrennen drohten und ließ die müden Fischschuppen vom Frühlingswind kühlen und sich umher wehen, als ein eisiger Windhauch ihm kalt über den Rücken fuhr. Tief in der wärmenden, ihn umgebenden Erdhöhle rollte er sich lauschend zusammen, doch immer näher schoben sich die Wände auf ihn zu bis er sich durch die einzige übrige Öffnung hindurch nach draußen quetschte.
Doch weder in den Wassern des Westens noch in den anderen Himmelsrichtungen ihrer Geschwister konnte er das frische schüchterne Flirren vernehmen, sah keine Spur des hellen Blattgrüns und spürte nichts des zarten Geschmackes, den er für sich als Haselnussmilch ausgemacht hatte. Das flammende Licht der Hoffnung wurde von der tosenden Sturmflut der Verzweiflung ausgeblasen und sandte Medren aus den ihn umgebenden Schatten zurück in seinen Körper.

„Mutter… bitte…“ flehte der fuchshaarige Druide inbrünstig, während die Panik in ihm aufstieg. Bisher hatte er Hanna immer wiedergefunden, nie waren ihrer beider Melodien so weit voneinander entfernt gewesen, dass einer den anderen nicht in seiner Not erreicht hätte, doch nun herrschte in ihr die regungslose Stille. „Mutter…“, bat und betete er, doch Eluive erhörte ihn nicht, als hätte sie andere, ihm noch nicht einsehbare Pläne oder aber, als wären ihr die Hände gebunden. Als er den Kopf in der Suche nach einer Idee umher schweifen ließ, gewahrte er jenen Schierlingsbecher, in dem Hanna die giftige Mischung, die sie in den augenblicklichen Zustand gebracht hatte, aufbewahrt haben musste.

Wenn… wenn er sie von hier nicht rufen konnte…
Wenn er sie nicht zurückholen konnte…
… dann würde er ihr folgen, um sie zu finden oder für immer dort, wo auch immer dieses ‚dort‘ lag, umherzuirren.


Es bedurfte nur eines Blickes, um zu realisieren, dass der in die Ecke gerollte Becher die wenigen verbliebenen Topfen über die Fliesen verteilt hatte, kaum mehr als ein heller grüner Film bedeckte das metallene Innere. Doch… wenn nicht so… Medrens Herz setzte einen Schlag aus, um umso rascher in seinem Schlag wieder einzusetzen. An einem anderen Tag, in einer anderen Lage hätte der Gedanke ihm sicher die Röte über die Wangen laufen lassen… doch jetzt war es vielleicht die einzige, die letzte Möglichkeit. Den Gedanken, das Gebräu nachzukochen hatte er von Anfang an verworfen so dass es nur noch eine winzige Menge der hellen klaren Flüssigkeit gab, eine getrocknete Wenigkeit, die ihm im dunklen Keller verheißungsvoll entgegen schimmerte.
Ein letzter Tropfen ruhte wie die Schlafende selbst auf ihren Lippen und so gern er sich diesen Moment zu einem anderen Zeitpunkt ersehnt hatte, so schmerzhaft süß fühlte es sich an, als er sich zu ihr hinab beugte und mit den eigenen Lippen das verbliebene Gift von ihrem Mund küsste. Nicht genug, um in den gleichen Zustand zu verfallen, unfähig ihr zu helfen, doch genug, um ihr in ihre Traumwelt zu folgen… hinab in die dunklen und zugleich bunten Tiefen … in die Arme des Schlafes. Der Gedanke, sich eine wärmende Decke umzulegen schwirrte noch wie ein Insekt am Rande seiner Wahrnehmung umher, doch das Gift wirkte bereits und ließ ihn, neben Hanna kauernd, ihre Hand noch in Seiner gehütet, in sich zusammensacken, als sich vor ihm neblige Schwaden auftaten und er Morpheus Reich betrat.

Medren hatte bunte Farben, Gerüche und jene Traumbilder erwartet, die er aus der Zeit des Schlafes selbst kannte, doch, was er hier vorfand, lag weit entfernt von allem, was er sich hatte vorstellen können. Feine graue Spinnweben formten einen kugelförmigen Himmel, der sich über das silbrige Firmament spannte, während Wolkenfetzen wie Spielbälle darin umhertrieben. Manchmal glaubte er, Geräusche zu vernehmen, das Zwitschern eines Vogels oder auch ein kindliches Lachen, doch zu nah noch befand er sich an der Grenze zur Wirklichkeit. Die ersten Schritte, mit denen er sich voran tastete, waren wackelig, mehr wankend, denn gehend, da der Boden immer wieder unter seinen Füßen an Halt verlor, doch schnell kam er voran, vorbei an Wolkengebilden, die Bäumen glichen.
„Hanna…“, merkwürdig hallend tanzte sein Ruf umher, um hinter einem grauen Berg zu verschwinden, als zöge ihn eine geheime Macht im Bogen in diese Richtung. Zögerlich ließ er sich hinterher tragen, die Muschelkette um seinen Hals fest greifend. Irgendwo in der unendlichen nicht enden wollenden Weite der Traumebene musste er anfangen, warum also nicht dort.
Mit jedem Schritt, den er sich näherte, drang ein Geräusch Stück um Stück an sein Bewusstsein, das Gefühl von Hilflosigkeit, aber auch pochende und klopfende Laute, die die Nebelschwaden mit sich trugen. „Haselmaus…“, flüsterte seine geisterhaft hohl klingende Stimme die sich ihm von allen Seiten als Echo entgegenwarf, zu verhöhnen schien, weil er so leichtfertig in einem unbekannten Reich wie dem der Träumenden umherirrte. Zögerlicher blieb er stehen und lauschte wieder, sandte seine Sinne aus, doch mehr als eine Ahnung war es nicht, die unter seiner Nase vorbeizog. Sich drehend und wendend und doch hilflos wie ein Kind versuchte er eine neuenWeg, tappte in Richtung einer Gruppe sich hoch aufrichtender schmaler Wolkentürmen, die er aus der Ferne schon einmal zu erspähen geglaubt hatte, als das Gefühl stärker wurde. Ein feiner Faden, dünn wie Menschenhaar, doch flatternd, flirrend und maiengrün zog sich in Wellen über den Grund und er erkannte ihn sofort. Hanna… ihre Präsenz hätte er unter tausenden… nein sogar mehr wieder gefunden. Erst mit immer längeren Schritten, dann rennend und beinahe über die eigenen Füße stolpernd eilte er voran, bis ihn eine Mauer aus sich verästelnden, verflochtenen und in Teilen verknoteten Wolkenbändern aufhielt. Tastend drückte er gegen die Verbindung an, presste die Fingerspitzen auf kleinere Löcher um sie zu weiten, doch schien sich das Geflecht schneller wieder zusammenzusetzen als er es aufknüpfen konnte.

Verzweifelte Wut ronn in seine Adern hinein, rief nach Hilfe, nach einer Möglichkeit, Hanna dort hinter dem Vorhang herauszuholen und die erdene Festigkeit , ihr starker mütterlicher Halt gab ihm Antwort, führte seine Hände zu einem Riss am Boden, der sich von der Innenseite bis nach draußen zu ihm zog. Jemand hatte versucht, hindurch zu kommen und war wie er bisher gescheitert. All seine Kraft in einen Schlag legend, durchtrennte er die Wurzeln, die den Wolkenstrauch, den schattigen Vorhang oder was auch immer es war, das die Traumwelt seinem Verstand vorgaukelte, dort im Boden verankerte. Als der Schleier fiel, streckte sich ihm eine Melodie entgegen, ungeduldig und zugleich schüchtern, fröhlich wie der Sommer an einem seiner wärmsten Tage und doch auch verhalten flirrend ob der eigenen Gefangenschaft, hier an der Grenze zwischen Leben und Tod. Gerne hätte Medren nachgesehen, was ihn erwartete, doch stattdessen griff er einfach nur das Liebste, das es für ihn gab und zog, zog sie aus der Welt der Träumenden, die an ihm vorbeizog, nun auch bunt und unbeschreiblich schön, zurück. Es schien ihm, als verwandle sich sein Körper in den eines Fuchses, der zwischen den Wolken umherjagte, bis er die Schwelle zurück ins Leben gefunden hatte, Hannas Essenz eng mit seiner eigenen verwoben um sie ja nicht wieder zu verlieren.

Kälte erwartete ihn im Diesseits, obwohl das Feuer im Kamin noch schwach loderte. Doch Medren scherte sich nicht drum, denn Hannas Wimpern begannen ebenso sacht zu zucken und gaben die in blau und grün schimmernden Augen frei, die noch orientierungslos umherschweiften.

Es würde einige Zeit dauern, doch sie war zurück… und nichts auf dieser Welt hätte ihn mehr gefreut.

Verfasst: Sonntag 25. Dezember 2011, 19:28
von Gast
Freiheit

Alle waren sie eingetroffen auf Lameriast, an dem Abend, wie vereinbart: Elfen, Thyren, Brüder sowie die Schwesternschaft. Empfangen wurden sie von zahlreichen Feenwesen und Kobolden. Gemeinsam betraten sie den düsteren Wald auf der Insel Lameriast und schon bevor sie den Wald betreten konnten, begannen die ersten Kämpfe. Ureinwohner beschützten den dunklen Wald und abgerichtete, geisterhafte Tiere kämpften mit ihnen gemeinsam gegen die geschlossene Gemeinschaft von Menschen, Elfen, Feen, Kobolden und allen voran den Thyren. Yasme selbst trug den Beutel bei sich, jenen mit dem pulsierenden Herz, der Sanduhr, dessen letzter kärglicher Inhalt fortwährend hinabrieselte, und auch dem Schädel, der jedem, sobald er ihn berühte, mit Bilderfluten überhäufte. Das Herz pochte unaufhaltsam und wurde noch stärker als sie sich durch den Urwald kämpften. Yasme achtete darauf, dass sie in der Nähe von ihren Schwestern blieb. Einen kleinen Halt machten sie an einer Lagerfeuerstätte um sich von den Kämpfen einen Moment auszuruhen und um die eisige Kälte die beständig zunahm, auszuhalten. Das einzige Licht spendeten die lodernen Flammen und wer sich ausserhalb des Lichtkreises bewegte, wurde alsbald von krallenartigen Pranken ergriffen. Yasme selbst wagte einen Schritt nach Westen, um zu prüfen, ob das Pulsieren des Herzens, ab- oder zunahm. Sie wollte so den weiteren Weg auslotsen. Erschrocken wich sie wieder zurück als etwas nach ihr greifen wollte und warnte zugleich die anderen. Die Eiseskälte nahm stetig zu und ausserhalb des Feuerscheines schien es immer dunkler zu werden, als hätten sie den dunkelsten Flecken Erde auf der Welt entdeckt. Eine Weile wurden Lösungen gesucht, doch Majalin war es, die als erste vortrat und eines der Feuerwesen um Hilfe für den weiteren Weg bat. Der Lichtschein des Wesens reichte aus um weiter voran zu schreiten und weiter zu kämpfen.

Alle folgten Majalin dichtauf. Vor ihr lief das Wesen, schenkte Wärme, schenkte Licht, und so gelangten sie nach einer geraumen Weile und weiteren zehrenden Kämpfen an einen Höhleneingang. Das Herz in Yasme's Händen pulsierte dort so deutlich stark, dass sie bereits Mühe hatte, es in den Händen zu behalten. Gemeinsam wurde sich beraten und dann beschlossen die niederen Gefilde zu betreten. Die Kobolde und Feenwesen schwirrten vor Angst ausserhalb der Höhle umher, weigerten sich vehement, die Höhle zu betreten und blieben draussen, weiter wachend. Alle anderen waren indessen unten in der Höhle angekommen und sahen sich aufmerksam um. Keine Kreatur oder ein anderes Wesen nahm sie gleich in Empfang - wie es vielleicht erwartet wurde. Eine Mumie lag nördlich in der Höhle auf einem Steinvorsprung, darunter stand eine Kiste, davor und in der Mitte der Höhle war ein Symbol, ein Pentagramm in die Erde gezeichnet worden und insgesamt wirkte die Höhle recht klein. Eine Räucherschale, die noch immer rauchte und entzündete Fackeln deuteten daraufhin, das in der Höhle vor kurzem erst jemand gewesen sein musste. Einige der Gemeinschaft widmeten sich der Mumie, andere dem Pentagrammzeichen am Boden. Alles wurde genauer untersucht. Keinen Moment später hallten Worte durch die Höhle, die Stimme klang erfreut, und verkündete, dass alle bereits erwartet wurden, und man sich freue, das der Zeitpunkt endlich gekommen war. Die Thyren forderten gleich, dass der feige Feind sich zeigen solle, damit der Kampf beginnen konnte. Die Naturmagier versuchten gleichsam auf der Ebene des Liedes die Präsenz auszumachen. Yasme beschlich zunehmend das Gefühl, dass sie alle in eine Falle geführt worden waren und sprach dies auch laut aus. Auch andere schlossen sich dieser Meinung keinen Lidschlag später an und wollten die Höhle wieder verlassen. Die boshafte Präsenz hatte andere Pläne mit der Gemeinschaft.

Bevor ein Gefährte aus der Gemeinschaft die Höhle verlassen konnte, nahm die Kälte auch in der Höhle schlagartig zu. Eine wohltuende Müdigkeit nahm die Naturmagier ein. Die Erschöpfung durch die Kämpfe trug dazu bei, das jeder sich auf die wohltuende Ruhe einlassen wollte. Nach und nach fielen sie in einen angenehm wohlgeruhten Schlaf und träumten von Bildnissen einer freundlichen jungen Frau, die jeden Einzelnen von ihnen herzlich in die Arme schliessen wollte. Gleichsam entzog die boshafte Präsenz jedem einzelnen Naturmagier die eigene von Eluive geschenkte Kraft. Die Thyren-, Elfenkrieger und Lucien setzten keinen Augenblick später alles daran jeden einzelnen Naturmagier wieder aufzuwecken. Mit verschiedenen Methoden .. - je nach Tiefe des Schlafes der einzelnen Personen. Yasme und Hanna waren nebeneinander zusammen gesackt und hielten sich in den Armen, so wie es auch die Traumbildnisse zeigten. Abrupt und unsafnt wurden sie geweckt und Hanna stieß vor Schreck einen Schrei aus. Es dauerte eine ganze Weile bis alle wieder einigermaßen wach und ansprechbar waren.

Lu'araiel, der Waldelf hatte weniger Mühe sich wachzuhalten und begann sich gleich wieder der Mumie zu widmen. Die boshafte Präsenz in der Höhle wurde zunehmend wütender, und Blitze schossen wie aus dem Nichts auf alle Anwesenden herab. Eine Warnung an den Waldelf, dass er bei seinem Tun Einhalt gebieten solle. Doch Lu'araiel schaffte es, mit letzter Kraft und Verletzungen durch die Blitze, der Mumie doch noch einen Dolch in die Herzseite zu stoßen.

Yasme selbst kochte inzwischen ebenfalls voller Emotionen, allen voran Wut. Hanna und Cara standen ihr zu Seite in dem Moment und ahnten und spürten, was ihre Schwester sich vorgenommen hatte. Yasme berührte alle drei Gegenstände der Reihe nach. Das Herz, die Sanduhr und den Schädel. Sie wollte intuitiv entscheiden, von welchem der drei Dinge sie sich als erstes trennen konnte, um keinen in Gefahr zu bringen und es gleichsam zu zerstören. Die Stimme der bösen Präsenz erwähnte das Herz, wollte sie auf diese Fährte führen, doch Yasme entschied sich anders. Mit aller Kraft zerschmetterte sie die Sanduhr auf dem Boden. Die Hoffnung, dass dies die richtige Entscheidung gewesen war, verebbte einen Moment, als im gleichen Augenblick, in der die Sanduhr zersprang, der sofortige Sog einsetzte und kraftvoll an den Naturmagiern und dessen Gabe zehrte. Yasme selbst, weil sie dort am nächsten stand, wurde auch physisch näher gezogen, doch Cara und Hanna hielten sie mit aller Kraft fest. Cara reichte Yasme ihren Dolch, um sich als nächstes das Herz vornehmen zu können, doch die Zeit drängte und so warf Yasme Larel das letzte Teil, den Schädel zu. Während Larel den Schädel zerstörte, stieß Yasme den Dolch mittig ins Herz, das sie noch immer krampfhaft in den Händen hielt.

Auch all diese Dinge blieben nicht ohne Wirkung. Gleichsam mit dem Dolchstoß ins Herz, formierte sich eine Gestalt mittig auf dem Pentagramm in der Höhle und lachte laut und boshaft, doch deutlich erfreut auf. Sie wurde ins Leben zurück geholt. Der Sog der Sanduhr nährte nun die bösartige Gestalt, eine Frau, die jung und alt zugleich wirkte. Die Naturmagier verloren so zunehmend ihre Kräfte, während die düstere Präsenz mehr und mehr an Stärke zunahm. Benommen von den Kämpfen und der Eiseskälte, war im ersten Augenblick keine Gegenwehr der Naturmagier zu sehen. Ein Bolzen traf die boshafte Frau in der Schulter, liess sie aufschreien, gleichsam rief der Thyre Kanubio den Magiern zu, dass sie sich wieder aufraffen und kämpfen sollten. Die Naturmagier begannen, angespornt von den Worten des Thyren, sich an den Händen zu greifen, einen Kreis zu bilden und wollten so die boshafte Präsenz einkesseln und gemeinschaftlich bekämpfen. Gerade als die letzte Hand den Kreis schloss, gingen erneut Blitze nieder, viel stärker als zuvor und keiner kam unbeschadet davon. Der Kreis war durchbrochen, noch bevor er richtig geschlossen war. Wieder rief einer der Thyren allen zu, das sie nicht aufgeben sollten, sich wieder an den Händen fassen sollten und dieses Mal gelang es auch den Kreis beizubehalten. Die letzte verbliebene Kraft, die noch nicht vom Sog eingezogen worden war, wurde von allen Naturmagiern gebündelt.

Zur gleichen Zeit widmete Lucien sich der einzigen großen Kiste in dem Raum. Sie wirkte wie eine der üblichen Schatzkisten, in den anderen Gefilden. Weniger auffällig, doch Lucien liess sich auch von weiteren niedergehenden Blitzen nicht davon abbringen die Kiste zu öffnen. Er bekämpfte die Unwesen die daraus entstanden waren und hielt letztendlich einen knöchernden Stab in der Hand. Der Stab, aus vielen Knochenteilen zusammen gesetzt, wirkte recht machtvoll, selbst in der Hand von einem Nichtmagier. Lucien brauchte nicht lange, bis er begriff, was damit zutun war und versuchte energisch den Stab zu zerstören. Die bösartige Präsenz war von Lucien's Tun entsetzt und sofort abgelenkt. Sie versuchte ihn aufzuhalten und begann mit der zunehmenden Zerstörung des Stabes, schemenhaft zu flackern, ihre Kraft zu verlieren. Der Sog liess gänzlich nach und die Naturmagier gewonnen wieder mehr und mehr an Kraft, die sie gleich gegen die boshafte Präsenz richteten. Lucien schaffte es mit viel Mühe den Stab gänzlich zu zerstören und die Präsenz sackte im Zentrum der Finsternis und auf dem Symbol in sich zusammen. Doch selbst am Boden, wehrte sie sich weiterhin, kämpfte zornig um ihr Überleben, doch die Gemeinschaft hatte die ganze gebündelte Kraft der Elemente gegen sie gerichtet und alles was übrig blieb war fahlgrauer Staub, als sie in sich zusammen fiel. Der Kampf war überstanden. Die Gemeinschaft hatte gesiegt.

Alle kehrten zurück zum ersten Begegnungsort, an dem sie beschlossen hatten alle gemeinsam in den Kampf zu ziehen. Die Feen und Kobolde bedankten sich bei allen und es wurde dankbar einen tiefe Freundschaft bekundet. Die meisten hatten mit ihren Verletzungen und der Kraftlosigkeit zu kämpfen, doch war an diesem Tage eine Gemeinschaft gewachsen, die auch in Zukunft noch einige Siege mehr zustanden bringen könnte und das zauberte selbst dem Geschwächtesten noch ein Lächeln auf dem Gesicht.