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Verfasst: Dienstag 15. Februar 2011, 22:27
von Niel Finrias
Niel lehnte mit dem Rücken an der Reling und blickte quer über das Deck auf die Gestalt Anveenas. Stieß sich dann ein wenig ab und ging leicht wankend durch das ungewohnte Schwanken des Decks unter den Füßen auf sie zu. Sah auf ihren Hinterkopf, die flatternden Haarsträhnen.
Fast erinnerte sie ihn an jemanden…

Was musste in ihrem Kopf vorgehen? Nach allem, was sie über ihre Vergangenheit offenbart hatte - dem Verlust ihrer Familie, den tragischen Eingriffen in ihr Leben durch Rabendiener… - konnte er sich kaum vorstellen, welche Bilder des Nachts ihren Schlaf heimsuchten.
Welche Gedanken am helllichten Tag ihren Blick oft genug abwesend wirken ließen. Er hegte große Bewunderung für diese Frau, die sich trotz all dem oft so aufrecht hielt. Die im Leben auf eigenen Beinen stand.
Ein Teil von ihm konnte es bisher nicht fassen, dass eine solche Frau … Ja gesagt hatte.
Zu ihm, dem Niemand.
Er lächelte kurz etwas schief auf.

So kurz die Zeit erst, seit er eine Bestimmung für sich gefunden hatte. So lange gereist… so vieles gesehen.
Eine Hand, die sich seinem Gesicht näherte.
Damals… stets waren seine beiden noch ziemlich übergroß wirkenden Hände voll mit Mistforke, Sattelzeug, Pferdeäpfeln… vermeintlich ungesehen… schlich nachts der Junge um die Marktzelte der anderen Anbieter, schlief mal hier, mal dort. Tat mal hier, mal dort, was er für nötig hielt.
Die Hand… er kniff die Augen zusammen.
Fühlte schon fast das brennende Auftreffen auf der linken Gesichtshälfte.
Dass der Braune ausgerissen war, wild über den Marktplatz stürmte und einige Stände - wenn nicht ganz umgerissen, so doch arg in Mitleidenschaft gezogen hatte - wen interessierte es, warum. Zugegeben, er hatte sich um den lahmen Huf gekümmert. Heimlich Stunden mit Herumführen verbracht. Egal, als unter einer Pöbelei eines Angetrunkenen das doch unerwartet lauffähige Tier erschreckt wurde… die Zügel flogen ihm aus der Hand.
Brennende, ärgerliche Blicke flogen in seine Richtung.
… und die Hackordnung lief in eindeutiger Manier auf den unbedeutenden Jungen von kaum sechzehn Sommern hin.
Wen interessierts überhaupt, dachte er und machte sich innerlich resignierend auf den Schmerz der Strafe gefasst.

Ein donnerndes "Nein!", gesprochen aus einem Gesicht gerahmt von blondem, bereits weiß werdendem Haar und Bart. Kein Schmerz.
Stattdessen ein zunächst etwas aufgebrachter, sich ausdehnender Disput mit dem alten Pferdehändler.
Ein braungrünes Augenpaar, funkelnd, vor Wut vielleicht oder aufblitzendem Geschäftssinn…
Ein blaues Augenpaar, das die Lage ruhig und abschätzend betrachtete…
Ein zweites, das zwischen den älteren beiden verschüchtert und staunend hin und her blickte.
Wie er den Jungen behandele. Ob und unter welchem Tausch er auf den doch so offenbar untauglichen Stallburschen verzichten könnte.
Als wäre es gestern gewesen, erinnerte er sich an den wortlosen Abschied, daran, wie er - immer noch die Verblüffung deutlich ins Gesicht geschrieben - dem Manne folgte, dem Priester im Dienste Temoras.
Eine Wegkreuzung... die nun hinter ihm lag. Neue, die sich vor ihm auftaten.

Die nächste Ohrfeige, nach dieser beinah verliehenen - durch ihre Hand. Lang vergeben, doch nicht vergessen.
Ihre Sorge um ihn an jenem Abend… eine verkehrte Welt.
Liebe.
Dass sie ihn so unvermittelt gefunden hatte, den bedeutungslosen Jungen vom Markt.

Schließlich legte er die Arme um sie und sein Kinn auf ihre Schulter.
Er genoss es... bei ihr zu sein. Für sie da zu sein. Wie hätte er sie allein mit ihrer Trauer und den Sorgen lassen können…
Wie zerbrechlich sie oftmals wirkte. Wie sie sich an ihn lehnte.
Egal... was auch immer seine Vergangenheit ausmachte... hier war er bedeutsam, und er fühlte die innere Stärke aufkommen, die stets die Sorge um andere in seinem Herz weckte.
Wie sollte es weitergehen?

Anveena seufzte, kuschelte sich weiter an ihn, die Augen schließend. Er blickte geradeaus über ihre Schulter hinweg. Ein schmaler Streif Land kam am Horizont in Sicht, und im Stillen stellte er sich die Frage, ob dies schon das Ziel ihrer Reise sein mochte...
Er erinnerte er sich an Tarnyas letzte Worte zu ihm, die ihm schwerwiegend zu denken gaben. Dachte aber auch an das Gespräch mit Mandred zurück. Er hatte so Recht gehabt...warum nur?

Für sein Empfinden gab es keine einfache Umkehr, so beschritt er weiter diesen Weg, den er nur vor hatte einmal im Leben zu beschreiten. Er gestand sich ein, dass er wieder zu weit voraus dachte.
Mehr als das… er hoffte… und er sah den weiteren Gang der Geschichte schon vor Augen. Er wusste, wie es seinen Anfang nahm...und er wusste, was er sich für die Zukunft wünschte: Er würde alles daran setzen, sie immer wieder lächeln zu sehen.

Verfasst: Mittwoch 16. Februar 2011, 17:35
von Anveena Midame
Langsam gingen Sie über die wackelige Planke, hinüber auf den Steg, der das sichere Land angrenzte.
Wie sacht er ihre Hand hielt, wie er sich um sie bemühte, dass Sie nicht ausrutschen würde.
Früher...ja früher würde Sie diese Umsorgung vom anderen Geschlecht hassen, Sie würde den Buhler einfach ins Wasser stossen. Doch bei Niel, es war so anders. Sie mochte...nein...sie liebte diese Fürsorge an ihm. Ja...Sie liebte das Gefühl, dass man sich um ihr Wohl sorgte.
Es war anders...Sie verstand auch warum.
Früher, machten Männer nur diese Gesten, um auf sich aufmerksam zu machen, um ihr zeigen zu wollen, dass JENER der richtige für Sie sei...plump gesagt, um Sie ins Bett zu kriegen.
Doch Niel brauchte all dies nicht, nein, seine Taten waren aufrichtig...und...es rührte Anveena.
Langsam gingen Sie durch den steinernen Bogen, als sich ihnen auch schon die Bibliothek offenbarte. Bis zu den Wolken ragte Sie, wie eine kleine Stadt gen Himmel. Gefüllt durch Wissen aller Welten, Kulturen, Religionen und Wissenschaften.
[img]http://img413.imageshack.us/img413/3919/library2.jpg[/img]
Tausende Menschen durchliefen die riesigen, steinernen Hallen, durchstöberten die alten Holzregale und sassen mit dem Kopf über der Lektüre gebeugt stillschweigend an ihren Tischen.
Es muss für Niel ein unglaubliches Bild gewesen sein, diesen Hort des Wissens zu erblicken in seiner vollen Größe.
Doch Anveena...abgesehen davon, dass Sie es schon kannte, lief mit den Gedanken woanders entlang.
Sie erinnerte sich, wie Sie vor vielen Jahren genau diesen Weg nahm, mehr aber, erinnerte Sie sich, wie es dazu kam.
Wie der Vater ihrer Schwester Sie mit dem Vorwand herauswarf, er hätte eine Ausbildung für Sie. Dumm war Sie nie, sie erkannte, dass dieser Ausbildungsort natürlich so weit weg wie nur irgendmöglich war.
Ja, das Schauspiel, wieder vor ihrem geistigen Auge.
Wie die Midames es verfluchten, neben Naestra auch Anveena obhut zu geben. Sie erklärten, Sie sei eine entfernte Tochter einer Cousine, Naestra selber sagten Sie als einziges, dass es ihre Schwester war.
"Denk doch darüber nach Anveena...bald geht Naestra zum Lehrunterricht...wie willst du ihr sagen, dass Sie nicht auf dich zeigt und Schwester ruft?"
Das Mädchen, das nun das Teenageralter erreicht hatte, wandte sich von der Frau mit den blonden Haaren ab.
"Er meint es nicht böse...aber du musst deinen eigenen Weg finden."
Anveena erinnerte sich an die Worte von Naestras Ziehmutter...wie naiv...sie wusste schon damals, was wirklich war.
Anveena blieb ihr treu...und für die Stadtbewohner das Monster...zumindest...innerlich.
Sie wurde nach und nach bekannt. Nicht nur, dass die Pupertät ihr eine unaussprechliche Schönheit brachte...ja...nichts von den Narben blieb, keine ausgeschlagenen Zähne, keine Beulen, keine Wunden. Es wirkte gar beängstigend und wie auf einen Schlag, schien niemand Sie auf den ersten Blick zu erkennen im Stadt.
Man ermahnte Sie oft, nicht rumzuhuren...doch das Tat sie nie. Sie verdrehte den jungen Mannen den Kopf, liess sich geben, was sie wollte...doch mehr war da nie.
Sie spielte mit ihren Gefühlen, trampelte auf ihnen herum und liess ein kauerndes Stück Elend zurück, nachdem Sie keine Verwendung mehr für sie hatte.
"Anveena...jedem fallen deine Spielchen auf. Meridas Sohn weint dir immer noch nach. Man ruft dir schon heimlich Dirne hinterher. Es ist...nicht normal, was du machst."
Wieder drehte sich das junge Mädchen um, funkelte Sie böse an, ehe Sie sprach.
"Was mache ich? Ich nutze nur aus, was Sie mir geben. Nicht mehr. Ich zwinge Sie nicht dazu, schweinische Gedanken mit mir zu haben, mir hinterherzulechzen oder mich mit Geschenken zu überhäufen. Ich verspreche ihnen kein Glück oder intime Gemeinsamkeit...noch tue ich etwas dergleichen."
Die Frau blickte sie ruhig an.
"Du tust aber auch nix dagegen. Wenn nicht für dein Wohle...dann für Naestra. Einst wolltest du Sie verlassen und Sie als Kind bei uns lassen. Nun ist es zu spät. Sie kennt dich, sie liebt dich und aus irgendeinem mir unempfindlichen Grunde...schaut sie zu dir auf. Und ich denke...du bist ein schlechter Umgang...du strahlst etwas aus...etwas...was nicht gut ist. Ich weiß, dass du es schwer hast. Dass du uns Naestra brachtest, rechne ich dir sehr hoch an...nur deswegen duldeten wir dich und dein Treiben. Doch es muss ein Ende finden. Gehe...mache diese Ausbildung und lerne, das Leben zu schätzen. Und Naestra muss nie hinterfragen, warum wir dich nicht wie unsere Tochter behandeln.
Anveena schloss sacht die Augen, drückte sich leicht an Niel, als Sie die Stufen emporgingen zur Haupthalle.
Ja, man duldete Sie nur...nie mehr war es gewesen. Ein Übel, das man aus Mitgefühl nicht einfach wegwerfen konnte.
Vor ihr erblickte Sie nun die großen kullernden Augen Naestras, wie sie schwer verständlich fragte, warum Anveena gehen müsse.
Es war der erste Moment in ihrem Leben, wo Sie aus Schmerz weinen wollte. Sie beugte sich hinab und nahm Sie in den Arm, sie festhalten für lange Zeit, seufzend. Ehe Sie Naestra wieder absetzte, einen Kuss auf die Wange drückte und dann ohne ein Wort die Tasche nahm und im Gewitter der Dunkelheit entschwand. Zu ihrer Ausbildung in dieser angepriesenen Bibliothek, die ihr der Ziehvater ihrer Schwester geholt hat...als Angebot, um Sie loszuwerden.
Es war besser so, dass dachte Anveena damals. Heute plagen ihr an all ihren Taten und Entscheidungen Zweifel und dennoch,....sie öffnet die Augen und schaut zu Niel...
Wäre das alles gekommen? Hätte Sie ihn gefunden, wenn Sie nicht so abgrundtief Böse und Verbittert wäre?
Oder wäre Sie irgendwo in jungen Jahren einfach gestorben, im Dreck, wo kein Mensch sich für den Leib interessieren würde.
Ja...sie seufzte, gab ihm ohne Vorwand einen Kuss auf die Wange, ehe Sie weiterging.
Liebe so geliebt zu haben, als niemals die Liebe zu spüren.
Egal, was kommen mag, wichtig war nun das hier...ihre alte Heimat...der Tot ihres Mentorens und viele Dinge, die zu klären es zu lange gedauert hat und nun nachgeholt werden muss. Und Sie war froh, dass er dabei war...vielleicht...würde Sie ihn zügeln...seine Anwesenheit die Hass- und Rachegelüste im Keime ersticken lassen. Ja...vielleicht.

Verfasst: Donnerstag 17. Februar 2011, 13:40
von Anveena Midame
"Anveeeeeeena meine Liebe!", hallte es durch die Hallen, als die alte Frau mit zügigen Schritten auf Sie zu trat, sie fest in den Arme schloss und Sie Niel förmlich aus den Armen entriss.
"Es ist so traurig. So traurig. Und es kam so plötzlich. Kindchen, du musst sehr viele Schmerzen haben...dein Meister...stetig sprach er von dir, von seiner besten Schülerin. Immer fragte er sich, wie es dir wohl erginge und ob du wohlbehalten lebst."
Es war Anveena schon fast peinlich, wenn die gute Miss Greylon wüsste, wie gut es Anveena ging, selbst wenn Sie sich eingestehen musste, dass die Worte, ihr alter Meister sprach noch über Sie, ihr kleines, verkümmeltes Herz kurz aufpochen liess.
"Und wer ist dieser staatliche Mann hier?", sie beäugte Niel mit strengen Blicke über ihre Brille hinüber sehr genau. Ja, so war Sie. Immer dieser mahnende Blick auf den Augen, der jeden einschüchterte und dreimal überlegen liess, ob man nun etwas unrechtes anstelle oder nicht.
"Niel...mein...Verlobter.", sprach Anveena, weiter ein wenig verlegen, was aber ausreichte, um Greylons alte Augen emporsteigen zu lassen und ihre Mundwinkel soweit zu heben, dass ein dünnes Lächeln hervorkam.
"Sie ist sogesehen das Herz...oder eher das Gehirn der Bibliothek...die alte Greylon. Die rechte Hand des Leiters. Wären die Gesetze nicht so streng, wäre Sie in den Augen vieler der Nachfolger vom Meister. Verdient hätte Sie es.", erklärte Anveena später ruhig auf dem Zimmer und ehe die Frage aufkam, wer stattdessen die Nachfolge antreten würde, fügte Sie bei "Aber es geht immer von Meister zum Schüler und so weiter und so fort.", auch hier kam Sie Niel zuvor, sollte die Frage aufkommen, ob Anveena nun als Schülerin die Nachfolge antreten würde. "Immer an den ältesten Schüler. Es wird in diesem Falle, sofern es kein Testament vom Meister gibt, in welchem er jemanden ausdrücklich ernennt, an Lucaleon gehen. Er kam gut einen Mondlauf vor mir an. Er...hm...wir haben uns nie gut verstanden und ein jeder hält ihn für den Falschen."
Ja, sie sah es nun vor ihrem Auge wieder, als Sie die Tasche auspackte und ihre Kleidung geistesabwesend erst auf dem Bette sortierte, dann in den Schrank legte.
Wie ihr Meister Sie empfing. Mit einem warmherzigen Blicke, einem langen, grauen Bart. Es verwunderte Sie, dass er überhaupt noch solange lebte.
Er ging mit ihr durch die Hallen, zeigte ihr alles, sprach so...fürsorglich und konnte wohl dennoch das Misstrauen im Gesichte des jungen Mädchens erkennen.
Am Ende das Zimmer. Es war ungewöhnlich, so erwiederte er, dass ein Mädchen bei ihm in die Lehre ging. Waren Frauen in der Bilbiotheksstadt doch anderen Rollen zugewiesen. Doch er sprach offen und ehrlich...aus irgendeinem Grunde, habe er bei ihr ein gutes Gefühl.
Ja, Anveena erinnerte sich, teils schleierhaft, doch die Gefühle, waren ihr nicht Fremd. Sie fühlte sich isoliert, wie ein Monster in einem Käfig. Sie würde am liebsten ausbrechen wollen, einfach in der Dunkelheit entschwinden und dennoch...dachte Sie an Naestra.
Nein, es ging nicht, Sie musste zumindest eine Sache lernen, damit Sie ein Vorbild seie. Sie würde dort bleiben, zumindest für einige Monde, es sich alles anschauen. Denn vielleicht...ja...vielleicht gab es irgendetwas von Vorteile für Sie. Irgendetwas, was ihr sagte, wie Sie gewisse Dinge konnte.
Sie starrte in den Spiegel, sie war schön, zumindest auf den ersten Blick. Ein weiterer Wunsch, der ihr erfüllt wurde. Wie sehr sie sich diese Reinheit wünschte und dann...eines Nachts, war Sie es. Sie erschrack erst, als Sie sich das erstemal im Spiegel sah...so....fremd.
Anveena seufzte leicht aus, als Sie die Schranktür zu machte, weiter in Gedanken versunken. Diese Schönheit...sah Sie heute nicht mehr. Nein, sie wurde reifer, erwachsener. Sie lernte, in das Innere des Menschen zu blicken...und blickte Sie in ihr eigenes, sah sie eine Frau, die dem Monster von früher in keinster Weise unähnlich war. Die Fassade, die Sie aufgebaut hatte, brach für Sie ständig ein.
Ihr Blick fiel auf eine Kommode. Wieder schweiften die Gedanken in die Vergangenheit. Niel sprach zwar etwas, doch Sie nickte nur, ohne wirklich zu erfassen, wovon er sprach.
Lucaleon...sie konnte diesen Schleimer schon damals nicht leiden. Sie erinnerte sich zu gut, wie er in ihrem Türbogen stand, als Sie ihr wenig Hab und Gut auspackte. Wie er sie schelmisch angrinste, sich vorstellte und in seiner arroganten Art so tat, als wäre er um sovieles Besser als Sie. Nur weil er vor ihr da war. Die Kleingeistigkeit in seinem Gehirn erkannte Anveena sofort, dafür brauchte man nicht Weise zu sein...und das Sie ihn nicht anhimmelte, missfiel ihm so sehr.
Sie erinnerte sich zu gut an die Konkurrenzkämpfe. Ja, er war ihr vorraus...doch dieser Stand hielt nicht von langer Dauer und bald hatte Anveena ihn um längen geschlagen.
Anfangs noch recht hilflos, vielleicht ein wenig eingeschüchtert von den perfekten Leben um ihr herum, passierten ihr oft missgeschicke. Doch ihr Meister, so sehr er oft streng blickte und die Stimme erhebte, nahm Sie am Ende wieder an die Hand und half ihr. Selbst als die komplette Abteilung der Pflanzenkunde unter ihrem Missgeschick zusammenbrach, setzte er Sie nicht vor die Tore.
Ja, ihr Meister musste etwas in ihr gesehen haben und so bestärkte er Sie...bestärkte ihr Selbstvertrauen und sie gewann an allem. Sie wurde selbstsicherer, ruhiger und berechnender in ihrer Art. Sie fühlte sich nicht hilflos und Lucaleon erkannte dies, neidete ihre Arbeit und ihre Werke. Hasste Sie für die Gunst, die sie beim Meister erlangte. Ja, liess sich sogar hinab, Lügen über Sie zu verbreiten.
Doch den Dolchstoss bekam er von der jungen Frau selber. Anveena blickte auf ihren alten Raum, schaute das junge Mädchen an, das nun mehr zur jungen Frau wurde und dann zu dem Schönling, der hineintrat. Er sprach seine Floskeln hinab, als hätte er Sie auswendig gelernt, versuche Sie zu umschmeicheln, zu umgarren. Viele Mädchen standen auf Lucaleon, das wusste das junge Fräulein...doch Sie empfand nur Hass für seine Spielchen, die er trieb. Die er immer spielte und sich an jenem falschen Zeugnis ergötzte. Sie kannte diese arrogante Art zu gut...erinnerte sich schmerzhaft, wie vor vielen Lenzen eben ein junger Mann das Spiel mit ihr Trieb.
Er setzte sich auf ihren Tisch, schlug ein Bein über das andere und lächelte Sie an.
Frei nach dem Motto, warum sollten Sie Feinde sein, wenn Sie zusammen doch soviel Spaß haben könnten...wenn SIE...soviel Spaß mit ihm haben könnte.
Der Schlag in seine Männlichkeit....wörtlich genommen...überraschte ihn und liess ihn zu Boden sinken mit einem schmerzerfüllten Schrei. Anveena war so voller Wut und Zorn, sie wollte ihn umbringen...sie hätte ihn umgebracht, wäre nicht der Meister gekommen, der trotz seines Alters ziemlich stark war und Sie mitsichgerissen hatte.
Es gab keine Entschuldigung für den Tätlichen Angriff auf jemanden. Egal wie niederträchtig und hinterlistig er sein möge.
Das junge Fräulein schaute auf. Ihr Meister dachte ebenso über Lucaleon wie Anveena. Er liess sich ebenso nicht täuschen von diesem Schönling und das erste mal...bewunderte Sie ihn. Das erstemal erkannte Sie die Weisheit, die in dem alten Manne ruhte.
Ein jeder habe das Recht auf Bildung, hiess es stetig von ihm...nur darum duldete Sie den Kerl als seinen Schüler. Doch hinters Licht führen liess er sich nicht...nein...
Anveena ging zu Niel. Egal was er gerade gesagt haben möge, Sie nahm ihn in den Arm und küsste ihn zärtlich, ehe sie sich seufzend traurig an ihn lehnte.
Sie sah in ihrem Meister nie einen Familienersatz...nein...dafür war Sie damals schon zu differenziert von dem Leben und der Liebe. Aber sie schaute zu dem Manne auf. So zerbrechlich wirkte er stetig...und so abgebrüht war er. Keine List konnte ihn jemals täuschen...nunja...fast keine. Denn auch er hatte eine Schwäche...eine...die das junge Fräulein später zu ihren Gunsten nutzte. Eine, die ihn dazu veranlasste, ihr den Weg zu ebnen...jenen, den Sie seit daher zielstrebig ging...
jenen...welchen sie in ihren Schritten verlangsamte, soweit, bis Sie fast nur noch stand, als Sie Niel kennen lernte....lernte...und liebte.
"Ich muss zu seinem Leichnahm", sprach Sie sehr leise. "Mich von ihm persönlich verabschieden."
Sie drückte sich ab und ging aus dem Zimmer. Es galt noch etwas zu prüfen, ehe sie sich um das Sekret aus Kuhdarm kümmern würde, das die Nachfolge antreten sollte. Sie brauchte zumindest Gewissheit...nicht, um Sie vor Dummheiten abzuhalten, nein, einfach nur, damit es ihr leichter von Händen gehen würde...leichter...es machte, ihn zu ihrem neuen, wahren Herren und Meister zu schicken.

Verfasst: Donnerstag 17. Februar 2011, 21:08
von Niel Finrias
Mit einem Schmunzeln blickte er Anveena nach, als er ihre Hand notgedrungen unter dem bestimmten Zug der unbekannten Frau losließ. Sie war ihm sogleich sympathisch, wirkte patent und mütterlich… einzig ihr strenger, forschender Blick ließ ihm die gleichen etwas nostalgischen Schauer über den Rücken laufen, die er oft im Angesicht Sir Mandreds spürte. Ihr gegenüber fühlte er sich betrachtet, als wäre er wirklich noch ein kleiner Junge.

Er wanderte einfach still und sich beeindruckt umschauend hinter den beiden her, zerzauste sich gleichsam nachdenklich wie verlegen das Haar. Der junge Mann pendelte beim Gehen so ein wenig von links nach rechts, auf beiden Seiten versuchend möglichst alles Bedeutsame zu erblicken und sich für eine spätere Wiederkehr einzuprägen.
Währenddessen bestürmte die offenbar recht redselige Miss Anveena mit Fragen - hie und da traf ihn ein kurzer, musternder Blick über die Schulter, über das Paar geschliffener Gläser auf ihrer Nase hinweg… welcher ihn jedes Mal nur noch ein wenig eingeschüchterter auflächeln ließ.
Er hatte diese Sehhilfen selten zuvor gesehen, zu eitel mochte man in den ihm bekannten Städten sein, um alltags auf so etwas zurückzugreifen.
Immerhin, das komische Ding unterstrich die urige Gestalt, die scheinbar fast etwas so Staubiges an sich hatte wie die obersten Bretter jener Regale, die den Gang links und rechts säumten - und dicht an dicht verschiedenste Bücher beherbergten.
Mit einem Mal wurde ihr Blick gütiger, und im Stillen dankte er Anveena… für was immer sie gerade wohl über ihn, ihren Begleiter erzählt hatte. Einiges sachtes Gestikulieren im Weitergehen ließ ihn vermuten, sie zeige gerade ihre Hand vor, und auch ihre graublauen Augen fanden kurz begleitet von einem Lächeln den Weg zu ihm.

Niel atmete auf.
Dieser Ort, so groß, so fremd.
Beeindruckend und faszinierend, auf eine andere Weise als es bisher schon einige unvergleichliche Orte vermocht hatten… wie das Kloster… oder die Burg des Ordens, als er das erste Mal einen Fuß durch deren Tor setzte.
Nicht auf ganz Gerimor, in allen Bibliotheken und Haushalten zusammen, hatte er je so viele Bücher gesehen. Die Titel sprangen in sein Blickfeld, doch jeder Versuch, sich einen einzuprägen, mochte von den nächsten zehn zunichte gemacht werden. Hinter dem nächsten Regal, ein hohes Fenster - davor: Ein aufrecht sitzender Schreiber, dessen Feder nur so über die Seiten flog, leise kratzend.
Ein schiefes Grinsen legte sich auf sein Gesicht…

Ohne dass er es wollte, fühlte er Erinnerungen sich in seinem Kopf zurückmelden… an jene ungezählten Stunden im Unterrichtsraum des Ordens. Wie er zu Anfang stocksteif, angespannt und nervös am Pult saß... in wechselnder Gesellschaft.
Meist unter Bruder Creans geduldigem Blick, doch auch Tarnya setzte sich zuweilen mit altklugen Ratschlägen zu ihm… oder einmal Jelus, der wohl gutmütigere der beiden getreuen Torwachen.
Niel sah sich selbst… wie er, damals noch jünger, ohne den kurzen Bart, der ihm mittlerweile um Kinn und Wangen wuchs… die Haare so zerzaust wie eh und je… die verkrampfte Hand ausschüttelte. Hörte noch einmal Tarnyas Stimme, sah vor sich ihre Demonstration, wie er die Feder zu greifen habe. Wie er die Tinte abstreifen müsse, damit nicht das halbe Pergament voll Kleckse geriete. Er war dankbar für all die Mühe, die die gebildeteren Ordensgeschwister einsetzten um ihm fremde Wörter in den Schriften zu erklären. Wie sie ihm halfen, schnörklige Federzüge der Abschriften von Schwester Sanyarin zu entziffern.
Ja, Schüler sein… er hatte auch vorher Dinge gelernt… Dinge zu tun. Doch erst seit seinen letzten Jahren, seitdem der Orden der Temora ihn unter die Fittiche genommen hatte, begann sich wahrlich eine neue, schreibende und geschriebene Welt für ihn zu eröffnen. Unter Nackenverspannungen… Augenschmerzen vom Lesen bis spät in die Nacht im Kerzenlicht… tadelnden Worten, wenn man wieder einmal ein von ihm bemüht aufgesetztes Schreiben kaum lesen konnte, wenn kantige und ungeschickte Buchstaben nie, aber auch nie geordnet in Zeilen laufen wollten, sondern sich wie Betrunkene leicht abseits der helfend gezeichneten Linien tummelten.
Doch dann: Das Gefühl, als er das erste Buch selbstständig durchgelesen hatte und andächtig die Deckel zu klappte.
Brynn.
Wissen, Weisheiten schlossen sich auf.
Und dann: Der erste Brief, dessen er sich nicht schämte, ihn abzusenden… kurz war er, mit einigen, jedoch noch sauber ausgeführten Korrekturen versehen. Sicher, wer auch immer beim Volk der Elfen, deren Einladung er soeben beantwortete, dieses Schreiben unter die Augen bekam, hatte es zweifellos belächelt. Wie er das Pergament aus Versehen zu fest drückte, fast unwillig es dem Boten zu überlassen…

Noch ein hohes Fenster. Auf der Fensterbank ein kleiner Stapel schmaler Bände. Eine Gestalt, die mit dem Finger über die Reihen streifte, wohl etwas suchend.
Er fragte sich, ob in dieser riesenhaften Bibliothek auch Schriften über Temora zu finden seien… die Tugenden… die Sieben… neugierig hielt er kurz an einem Seitengang inne, und streckte den Kopf um die Ecke. Ein großes Pergament war auf einem seitlichen Tisch aufgefaltet und scheinbar für den Moment liegen gelassen worden. Die Zeichnung einer menschlichen Schulter, mit angedeuteten Schraffuren und Linien der Muskeln und Sehnen unter der Haut.
Begeistert starrte er es an, doch als er aufblickte, waren Anveena und ihre ältliche Bekannte schon fast außer Sichtweite durch einen Türbogen fast am Ende der Halle, der zu einer Treppe zu führen schien. Schnell eilte der junge Mann den beiden hinterher.

Später, als die alte Miss… Greylon hieß sie… ihnen ein Zimmer gezeigt hatte, begann er von dem Reichtum des Wissens zu schwärmen, der förmlich in den Räumen zu riechen war. Vom Rascheln der Seiten, das in seiner Erwartung schon die Ohren erfüllte, von all den Werken, die er gern einmal aufschlagen würde.
Er ließ sich gern von ihr erzählen, wie dieser unbeschreibliche Ort funktionierte… über die Rangfolge des Vorsitzes vor diesem Hort des Wissens. Während auch er sich daran machte, seine paar Habseligkeiten auszupacken, fragte er nebenbei Anveena, ob er einmal die Abteilung über Kräuterkunde besuchen dürfte… so es eine gäbe, was er kaum zu bezweifeln wagte… und erzählte, wie er unbedingt zu dem Seitengang zurück wollte, wo er die große Zeichnung gesehen hatte.
Allein ein so großes Stück Pergament mochte ein Vermögen wert sein, die Abbildung darauf… war wohl unschätzbar. Neugier machte sich in ihm breit, auf all jene Bilder und Worte, die sich ungeahnt an diesem Ort verbargen. Nur darauf warteten, erblickt... und gelesen zu werden.

Anveena schien ihm nur halb zuzuhören. Er nahm es ihr nicht übel, schließlich musste sie an diesem Ort von vielen Erinnerungen sich umgeben sein, von denen er sich kaum eine Vorstellung machen konnte. Plötzlich fühlte er, wie sich ihre Arme um ihn legten und sie sich an ihn lehnte.
Natürlich hielt er sie nicht zurück, als sie sich aufmachte, den Verstorbenen alleine aufzusuchen. Sich von ihrem alten Lehrmeister zu verabschieden zu wollen…

Was für eine Frau, die an solch einem Ort erwachsen geworden war.
Die solch eine Vergangenheit mit sich trug.

Verfasst: Freitag 18. Februar 2011, 15:48
von Anveena Midame
Langsam schloss Sie die massive Eisentür hinter sich und ging dem, durch Fackeln an den Wänden, spärlich ausgeleuchteten Weg durch die Halle bis zu dem Sarg, der am Ende aufgeragt war.
Morgen früh würde hier die Beerdigung stattfinden.
Die Gäste säßen auf den Banken, die links und recht von ihr anneinander gereit standen, während vorne Abschiedsworte gesprochen wurde. Ehe am Ende der eiserne Sarg geschlossen und hinausgebracht wird.
Es würde geweint werden, Menschen würden sich an ihre liebsten drücken und nach Trost suchen. Was Anveena tun würde, war ihr noch nicht klar. Wahrscheinlich wie eh und je ihre Trauer spielen, die Verletzte miemen und dabei Niels nähe suchend.
Sie seufzte leicht, ehe sie sich über den toten Körper ihres Meisters beugte.
Wie friedlich er dort lag, die Haare und den Bart fein gekämt, die Augen geschlossen, die Hände auf der Brust gekreuzt.
Sie schloss kurz die Augen, legte ihre Hand wiederrum auf die Brust auf seine Hände und murmelte leise ein Gebet.
Sie spürte, wie der Tot Sie umgarnte, wie die Seele nun aus dem Reiche herausgerissen wurde um die Beschwörerin aufzusuchen und sich vor ihr eine schemenhafte, helle Gestalt offenbarte.
"Anveena, mein Kind. Ich hatte solche Hoffnungen, dass du nicht diesen Weg gegangen bist.", sprach die Gestalt in kalter, trauriger Stimme.
Was erwartete man auch?
Sie war tot.
"Dein Glauben an das Gute liessen dich so leicht durch mich beirren."
"Und dennoch suchst du mich auf, um mich zu sprechen? Entreisst mich aus dem, wo ich weile. Warum? Willst du mich zu deinem Meister hetzen? Mich dem Löwen zum Fraße vorwerfen?"

Sie schüttelte sacht den Kopf.
"Verurteile nicht mein Streben, warst du es doch, der mir die Bücher zeigte, mir meine Fragen beantwortete und mich studieren liessest, was in den schwarzen Hallen verborgen war."
Sie erinnerte sich vor ihrem geistigen Auge.
Soviele Fragen wirbelten die junge Frau auf. Soviele Antworten suchte Sie für das, was in ihrer Vergangenheit passiert ist.
Sie kannte den Ort, wo Sie etwas finden würde. Die schwarzen Hallen. Jener verbotene Bereich, der die Bücher allen Bösens beherbergt. Allen vorran, was sich mit dem Toten beschäftigt.
Versuche, des Nachts dort einzudringen, scheiterten..solange, bis ihr Meister sie erwischte und in sein Arbeitszimmer im höchten Turme mitnahm. Er sprach Ernst mit ihr...und sie war offen. Sie wollte Wissen, was es mit all dem auf sich hat. Dem Tot, den Untoten, dem Seelenwandern und dergleichen. Sie erzählte das erste mal, was ihr widerfahren mag, in jener Nacht vor langer Zeit, als ihr Dorf dem Erdboden gleichgemacht wurde. Ihre Hand streifte an die Stirn, an das einzige, was nach all den Jahren, allen Versuchen, ihre Schönheit aufrecht zu erhalten, nie entschwand: Der Narbe.
Der Meister deutete ihre Absicht vielleicht falsch. Dachte er, es wäre die Neugierde, die die Frau plagt. Dachte er vielleicht, Sie Sinne auf Rache an die Wesen, die alles vernichteten, was Sie kannte. Unwissend, dass es damals ihr innigster Wunsch war.
Was auch immer der Meister dachte, Anveena verstand nie, warum Sie ihr die Erlaubnis gab, des Nachts dort zu studieren. Ihr war es auch egal, sie bekam, was Sie wollte und sie studierte unaufdringlich. Sie lernte alles. Den Hintergrund, wer er war...ihr Erretter. Der Rabengott. Seine Diener. Die Macht, die er ihnen schenkte. Sie segnete.
Mit jeder Zeile der verfluchten Bücher, die Sie bändigte, glänzten ihre Augen mehr.
Er konnte ihr geben, was Sie nie hatte.
Verletzlich, würde Sie durch ihn nicht mehr sein.
Noch mehr, selbst nach dem Tode, wäre die Macht nicht versiegt. Sie würde gebieten, an seiner Seite.
Ja, der Gedanke gefiel ihr.
Schönheit, Macht und die Unsterblichkeit des Todes.
"Hätte ich dich aufhalten können?"
"Nein."
"Ich hatte die Hoffnung, dass das Wissen, das ich dir schenkte, du nutzen würdest, um das Übel zu bekämpfen, nicht, um es zu stärken."

Die Seele seufzte.
"Du warst ein Narr. Du kanntest meine Geschichte. Wieso glaubtest du, ich würde dem Leben helfen, was mir soviel Leid antat?"
"Weil du deine Menschlichkeit nie abgelegt hast. Stetig sah ich in die Gefühle. Egal wie du Sie unterdrückt hast. Egal wie sehr du versuchst hast, das Leben in dir zu vernichten und eine Hülle zu kontrollieren, du hast es nie geschafft."

Sie wendete den Blick von ihr ab. Er hatte ja keine Ahnung, was es heissen würde, die Menschlichkeit mal eben so zu vernichten in einem selber. Selbst wenn Anveena wusste, dass die Effektivität ihres Tuns so gestiegen hätte werden können.
"Ich wollte mir den Spaß und die Freude bei meiner Beschäftigung nicht rauben.", entgegnete Sie, doch ihr Meister erkannte die Lüge. Er erkannte Sie immer...nunja...fast immer.
"Freude? Spaß? Am Morden und Foltern? Du lügst Anveena, wie so oft bemerke ich dies. Oder warum, liebst du seit neuestem. Warum schleppst du den Mann mit her, den du ehelichen willst? War das Sakrament der Ehe nicht immer etwas für dich, was ausser Stande war?"
Sie blickte auf wie ein kleines Mädchen, das man beim Keksediebstahl ertappte. Woher wusste er das alles nur? Warum sprach er genau das an?
"Anveena, du bist ein Mensch. Mit Gefühlen. Du lebst und liebst und geniesst dieses im Moment. Ich gebe die Hoffnung nicht auf. Ich sage, dein Weg musste so gegangen werden, damit du am Ende etwas größeres von statten bringst, als nur das Dienen eines falschen Gottes. Das zufüttern eines Abtrünnigen Wesens."
"Es...es ist..."
"Was ist es? Eine Tarnung? Anveena, ich bin Tot, aber nicht dumm. Ich kenne dich zu lange...zu gut. Ich sehe die menschlichen Züge, wenn du lächelst, wenn du ihn anschaust. Du selber streitest es ab. Du willst es nicht wahr haben...bist aber dennoch zu schwach, dich ihm zu entziehen."
"Es hat keine Zukunft. Am Ende steht nur der Tot dort. Das ist Festgelegt. Die Frage ist nur....",
Anveena blickt ihn an, eine Mischung aus Wut und Trauer. Jetzt erkannte Sie das erstemal, wer ihr Meister für Sie gewesen war. Sie erinnerte sich mehr als seine Lehren an alles, was er dazu sagte. Dass der Meister sie nicht nur für das Wissen bildete, sondern auch für das Leben. Das, was Sie abgestritten hatte.
"...wer am Ende stirbt. Er...oder Ich."
"Es ist nie zu Spät Anveena."

Sie wischte sich über die Augen und schaute wieder auf.
"Doch...das ist es. Und nun...sage mir, was passiert ist."
Die Seele senkte den Kopf. Enttäuscht von der anhaltenden Starrsinnigkeit seiner Schülerin. Was sollte er auch machen? Ein Leben lang war Sie von eben jenem enttäuscht. Das Leben lernte Sie zu hassen. Es gab ihr nie etwas...keine glücklichen Momente, keine überschwelligen Gefühle...keine Liebe oder Zuneigung. Sie hasste das Leben und alles, was es damit auf sich hatte.
Wie konnte der Meister ihr das nur verdenken und dennoch, war er froh, dass Sie wenigstens, nach all den Jahren und der Pein, einmal lernte, zu Lieben...er dankte dem Manne, der ihr dies zeigte und behielt sich den kleinen Funken Hoffnung, dass Anveena doch noch einer höheren Bestimmung folgen mag.
"Wer wohl. Du kennst die Antwort. Was du willst, ist Bestätigung, damit du deinem Zorne freien lauf lassen kannst. Warum auch immer, du nun dem Morden einen edlen Hintergrund geben willst...nämlich der Rache."
"Es ist mir einerlei, ich will nur wissen, was ich dem Abschaum vorwerfen kann."
"Ja, das weiß ich. Nunja...Lucaleon war aufgebracht über das Testament. So vergiftete er mich und nahm jenes an sich."

Die Seele seufzte, schüttelte abermals nur den Kopf und entschwand.
Wie konnte dies sein? Anveena konzentrierte sich, ihren Meister versuchend bei sich zu halten. Den Verlust der Kontrolle...nie ist ihr dergleichen passiert. Nie war es Möglich, dass etwas Beschworenes aus eigenem Willen sich ihren Banne entzog. Es ging...nur...wenn....
Sie staunte nicht schlecht über diese Erkenntnis, während die Seele ihre Hand hob und ein leises flüstern in ihren Ohr drang:
"Ich glaube weiterhin an dich...meine Schülerin...meine Anveena....lebe wohl."
Es wurde wieder still, sie beugte sich über den Leichnahm, ein leichtes lächeln, ehe sie ihrem Meister einen Kuss auf die Stirn gibt und ebenso erwiedert:
"Ihr auch."
Sie wusste nun, was Sie wissen wollte.
Am morgigen Tage standen Sie früh auf.
Anveena zog ein langes, schwarzens Kleid an, ehe Sie sich zur Trauerfeier machten.
Die Hallen waren mehr als gefüllt. Alleine vor den riesigen Toren standen viele Menschen, die beim vorbeistreiten der Sargträger ihre Ehrerbietung darlassen wollten.
Vorne an sassen die Leiterquaste und der neue Meister...Lucaleon...in dessen Berobung. In der zweiten Reihe die Schüler und die anderen Arbeitenden der Bibliotheksstadt. Dort saß auch Niel und Anveena.
Wie sie es dachte, die Reden waren bewegt, es wurde viel angedacht aus der Vergangenheit, die Halle wurde begleitet durch schlurchzen und weinen und auch Anveena schloß die Augen und drückte sich Fest an Niel, seine nähe und seinen Trost suchend.
Als der neue Meister seine Sprache hielt, wurde der Sarg hinaus zum Friedhof gebracht, ehe Angehörige, Freunde und Verwandte, Schüler, Lehrer und alle anderen sich in den Arm nahmen und alle darüber sprachen, wie schrecklich das doch alles sei.
Anveena hingegen versuchte schnell, das Weite zu suchen.
Solch Sentimentaler Krams von Menschen, die Sie kaum bis gar nicht kannte, musste Sie sich nicht antun.
Am Friedhof hinterliess jeder ein leeres Pergament in das Loch, wo der Sarg lag, nieder. Eine Andacht an den verstorbenen Meister. Ein Ritual, damit er auf seiner Reise ins Jenseits schreiben kann. Dann wurde der Loch mit Erde gefüllt und die Menge zerstreute sich.
Anveena seufzte, als Sie sich aufs Bett fallen liess.
Sie hasste Beerdigungen...und dennoch...schien von allen Beteiligten Sie, als würde es Sie am meisten mitnehmen. So sehr suchte Sie Niels Trost, so sehr liess Sie die Tränen laufen. Sie selber ist sich unsicher, ob es wirklich so gut von ihr gespielt war...oder doch der Natur ihrerselbst entsprang.
Und begleitet wurde Sie stetig von den Gedanken, ihn sich heute Abend zur Brust zu nehmen und für seine Taten der gerechten Strafe zuzufügen. So sehr, dass Sie im Racherausch ab und an zu Fest Niels Arm drückte.
Sie beschlossen beide, die Rückreise am nächsten Morgen zu vollführen. Am Abend trafen Sie sich noch mit Miss Greylon zum Essen. Sie lud Anveena ein, wollte noch sovieles mit ihr besprechen.
Es war Recht angenehm. Ihr Schüler war auch dort, ein junger, aufstrebender Manne von 14 Lenzen.
Sie fragte Sie über alles aus. Vorallem Niel.
Was er gerade macht, was er gemacht hat. Wie der Antrag von statten ging, wie es nun weitergeht, wann und wie Sie heiraten wollten. Unter welchem Gottessegen und dann sogar, fragte Sie unverblühmt bei der Suppe, wieviele Kinder Sie denn wollten.
Die Frage hat zumindest bei Anveena bewirkt, dass Sie sich verschluckte und erst einmal in einen Hustenanfall vertieft war.
Ja, die alte Greylon wirkte wie die schrullige Großmutter....aber eines, das erkannte man ihr trotz der schroffen Art sofort an: Sie war nicht dumm. Sie wusste, wann Sie was zu fragen hatte, um eine zufriedenstellende Antwort zu bekommen und war sehr berechnend in ihrem Tun. Die perfekte Meisterin für die Bibliothek, kam Anveena schon so oft in den Kopf.
Zur späten Stunde verabschiedeten Sie sich, gingen langsam durch den Garten, vorbei an der Alchemieabteilung rüber zur Anatomyhalle. An dieser vorbei, die steinernen Treppen hinauf zu ihrem Zimmer.
Sie legten sich ins Bette, gemeinsam. Anveena reichte Niel den Tee, den Sie zuvor aufgesetzt hatten. Er trank, ehe er diesen wegstellte und Sie sich fest seufzend anneinander kuschelten. Sie sprachen kurz, küssten sich, ehe er dann die Augen schloß und fest einschlief.
Es war an der Zeit. Anveena erhebte sich unter seinem Arme und zog sich ihre Kleidung wieder an.
Sie beschränkte sich auf die schwarze Lederhose und ein schwarzes, feines Hemd, blickte Reumütig zu Niel.
Es missfiel ihr, ihn einen Schlaftrank in den Tee zu schütten, doch es ging nicht anders. Er würde Verdacht schöpfen, wenn er am nächsten Tage die Meldungen hören würde.
Er sollte glauben, Sie lag die ganze Nacht bei ihm.
Sie seufzte. Es war für Sie nun das erste Male, dass Sie so handeln musste. Sie hasste es jetzt schon und wieder kam die Frage auf, wielange Sie es weitermachen könnte.
Würde er Sie irgendwann enttarnen?
Oder könnte Sie dem Druck nicht mehr standhalten und es ihm sagen?
Und was täte er dann? Würde er Sie abweisen, vielleicht sogar direkt zum Orden bringen und ihrer Exekution beiwohnen?
Würde er sich verändern, Hass verspüren, das erste Male das Leben nicht schätzen und ihrem Tot entgegeneifern?
Es stimmte Sie traurig, sie wollte sich am liebsten losreissen, einfach springen, in die Tiefe und das ganze beenden.
Sie liebte ihn, zu sehr...und obwohl es für Sie NIE einen Weg gab, aus welchem Sie keine Lösung fand...in diesem Falle kannte Sie nur einen.
Sie beugte sich ein letztes mal über ihn, gab dem Schlafenden einen sanften Kuss, ehe Sie dann zur Tür hinausging.
Sie bewegte sich nur in der Dunkelheit, wich allen wenigen Personen aus, die ihre Wege kreuzten könnten, ging die vielen Stufen immer hinauf, bis Sie an die goldene Tür kam.
Sie klopfte nicht, warum auch. Sie machte einen Wink mit der Hand und sie riss zur Seite hin auf. Trat langsam rein, ehe Sie die Tür mit einem weiteren Handwink schloss und der Schlüssel in jener mit einem leisen klacken sich drehte und sie abschloss.
Lucaleon, er sprang vom Schreibtisch hoch, schaute Sie erschrocken an.
Ehe, er nur ein Wort herauspressen konnte, sprach Anveena, direkt in seinen Kopf mit einer verzerrenden, lauten und chaotischen Stimme, die ihn soviel Schmerz zufügte, welchen er nie vorher verspürte.
"Es ist nicht dein Arbeitszimmer. Du hast es dir unrechtens genommen und es mit Blut erkauft."
Er krümmte sich. Wollte Worte hervorpressen.
"Du wirst für alles Bezahlen. Du mieser Hund. Du wirst nun die Feder nehmen, ein Pergament hervorholen und deinen Selbstmord niederschreiben. Du wirst schreiben, was du unseren Meister angetan hast, schreiben, dass du mit dieser Last nicht leben kannst. Du wirst dein Siegel aufsetzen, es unterschreiben, ehe du dann aus dem Fenster springst."
Mit erschrockenem Gesichte starrte er zu ihr. Sein Körper nicht willens, tat, was Anveena wollte. Holte das Pergament und Feder und schrieb es nieder, während Lucaleon versuchte, seinen Geist zu befreien, seinem elendigen Schicksal zu entgehen.
Er stand dann auf, zittrig, ging er zum Fenster und öffnete dies.
Anveena blickte zum Schreibtisch. Sie machte abermals einen Handwink, eine Schublade riss auf und Sie griff hinein. Dort zog Sie es hervor, ein goldenes Pergament. Das Testament ihres Meisters, was der Feigling an sich nahm und verstecken wollte. Welch Narr, dass er es nicht vernichtete.
Sie öffnete es und began zu lesen.
Sie überflog die meisten Zeilen, bis zu der Stelle, an welcher er seinen Nachfolger ernannte: "Anveena Midame".
Der kurze Moment raubte ihr die Konzentration. Die Tatsache, dass ihr Meister wirklich SIE dazu erwählt hatte. Was mag ihn dazu getrieben haben? Hoffte er, sie würde sich so wandeln.
Sie zerdrückte dann das Testament in den Händen, zerknüllte das Pergament und warf es in den Kamin.
Nein, sie wollte die Aufgabe nicht, Sie war gänzlichst dafür falsch. Sie blickte, wie Lucaleon aufs Feuer, dass das Testament in sich zerbersten lief.
Ihre Gedanken schwelgten ab, sie sah im Bruchteil einer Sekunde ihr Leben an ihr vorbeiziehen. Was geschehen war, das Leid als Kind, die Rache an ihre Peiniger, ihre Schwester, die Midames, ihr Meister, die Lehren, die Bücher...bis hin...zu dem Manne, der ihr zeigte, dass Sie sehr wohl noch ein Mensch mit einem Herz ist...der, dessen Name es aufschlagen lässt...
"N.....iel...",presst Lucaleon hervor. Anveena schrickte auf, Sie hatte ihre Gedanken ihm ungewollt offenbart. Sie verlor die Konzentration. Durch ihn. Niel war ihre Schwäche, liess Sie von ihren Gedanken ab, unkonzentriert werden...schwach werden....ihre Deckung verlieren und Lucaleon nutze den Moment, packte Anveena und schloss Sie fest um sich, einen Arm an ihren Hals gedrückt, schwer atmend und würgte Sie.
Welch Narr...ja...sie war fahrlässig. Er konnte Sie überwältigen, im richtigen Moment ihrer Kraft raubend.
Und dennoch, lachte Anveena nur gequält unter den Würgungen, ehe Sie sich mit voller Kraft gegen ihn stemmte und beide aus dem Fenster in die dunkle Tiefe stürzten.
32 Sekunden, so lange, erklärte ihr Meister einst, dauerte der Fall, ehe der Körper auf dem harten Boden zerschmettern würde. 32 Sekunden...doch für den Fallenden...wäre dies ein halbes Leben.

Verfasst: Sonntag 20. Februar 2011, 01:45
von Niel Finrias
Niel drehte sich von einer Seite auf die andere. Unwissend, dass die andere Seite des Bettes leer wäre, im tiefen Schlaf.

Ein Fenster. Feuerschein drinnen, Dunkelheit davor. Plötzlich… ein Fall. Kopfüber hinab.
Sein Herz setzte einen kurzen Schlag aus. Er träumte. Er musste einfach träumen.

Ein Geruch nach verbranntem Pergament. Weiter hinab.
Warum dauerte das so lange? Ein schlechter Traum… er sollte aufwachen. Leichte Übelkeit kroch in ihm hoch und Schweiß legte sich auf seine Stirn, klebte ihm die Haare wirr auf die Haut.
Nicht zum ersten Mal träumte er davon, zu fallen… genau genommen erinnerte er sich an jedes einzelne Mal, und vermutlich hatte es überhaupt nichts zu bedeuten. Aber… stets war er aufgewacht.
Stets hatte er sich schließlich frierend, verschwitzt, erschrocken in der Realität wiedergefunden… auf einem Strohballen hinter dem Pferdeverschlag… auf einer Pritsche im Stockwerk unterhalb des Ordenshospitals… auf einer über den Dielen ausgerollten Matte in seinem fast leeren Haus.

Immer noch … hinab. Umfangen von dämmriger Dunkelheit… Regen.
Schwarzer Regen. Ein Rascheln. Kein Gefühl von Nässe… eher leichtere Berührungen.
Rabenfedern.

Aufwachen!, zog es wispernd durch seinen Kopf, überlief ihn wie ein Schauer. Die Hände ballten sich fest zu Fäusten. Er konnte es nicht!
Warum fiel er immer noch… scheinbar endlos? Niels Herzschlag beschleunigte sich, als die Panik ihn erfasste: Irgendwann musste das Hinab ein Ende haben. AUFWACHEN!
Was würde passieren, wenn er im Traum auf dem Erdboden schlug?

… ein kurzes Aufgleißen. Schwärze.
… er schlief immer noch. Verzweiflung ließ seine Fingernägel sich in die Handflächen drücken, wie eine Stimme aus der Ferne klang der Schmerz durch seine Gedanken.

Er lag nicht in seinem Bett. Er lag… auf dem Boden. Er lag... irgendwie - kaum realisierend, erst allmählich prüfend, dass all seine Gliedmaßen noch ganz und heil waren. Dämmrig-grauer Lichtschein drang scheinbar von allen Seiten zugleich hervor.
Langsam erfasste er die Umgebung: Überall verstreut lagen dunkel schimmernde Rabenfedern… hätte es wirklich geregnet, wäre der Ort wohl eine einzige Pfütze.
Seine Finger tasteten umher, als er sich aufrichtete, verfingen sie sich in den spärlichen Ranken von Efeu. Den Ort… kannte er! Als er eine Handvoll der schwarzen Federn sacht zur Seite streifte, kam auch das Symbol wieder zum Vorschein. Matt und grünlich, mit einer eingelassenen Form...
Plötzlich das Gefühl, noch jemand wäre ebenfalls an dem Ort. Er kannte das Gefühl... Wo war sie nur?


Er schauderte. Einige Atemzüge lang versuchte er, seinen gehetzten Herzschlag wieder zu einem ruhigeren Rhythmus zu bringen, lag einfach nur da.
Schließlich öffnete er die Augen. Fühlte sich erschlagen, wie von zehn Kutschen überfahren. Nachdem die verkrampften Finger gelöst waren, streiften die Hände fahrig und zitternd über die Stirn, hinterließen nasse, warm-kühle Spuren dort, als sich Schweiß mit Blut vermischte.
Was für ein Albtraum.
Hoffentlich hatte er sie nicht geweckt. Er blickte blinzelnd neben sich... auf der Suche nach dem vertrauten Gesicht.

Verfasst: Dienstag 22. Februar 2011, 19:21
von Anveena Midame
1. Sekunde
Der Wind haucht mir durchs Haar. Ich spüre, wie es tänzelt, langsamer als mein Köroer sich dem Boden nähert und nur durch die Verbindung zu meinem Kopfe hinabgezogen wird.

2.Sekunde
Lucaleon klammert sich verzweifelt an meinem Körper fest. Er hat aufgehört, meinen Hals zu würgen und presst mich fest an sich. Als ob er wirklich glaubte, ich könnte ihn vor dem Aufprall retten.

3.Sekunde
Soviele Gedanken kreisen mir durch den Kopf. Das Ende, so nahe. Ich könnte es einfach beenden. Nichts tun. Einfach aufschlagen auf dem Boden.

4.Sekunde
Ich würde den Schmerz sicherlich nicht fühlen, einfach zerplatzen und zerbersten. Es würde wie ein Mord aussehen...und ich wäre Frei.

5.Sekunde
Doch wieder kommt Niel in meinen Kopfe. Sein bezauberndes lächeln. Seine Zuneigung, seine Wärme, seine Liebe. Ich vermisse Sie jetzt schon.

6.Sekunde
Doch wie sollte dies weitergehen? Ich würde allen einen Gefallen tun, einfach nur zu sterben. Sovieles wäre leichter. Er würde zwar leiden...doch nicht so sehr...

7.Sekunde
Ja, er wäre dem Ende nahe, würde er erfahren, dass die Frau, die er liebt sein Feind ist. Das alles, was er so schätzt am Leben auf einen Schlag auch alles ist, was er verabscheut.

8.Sekunde
Und doch gibt es keine Zukunft. Wie sollte es sein? Wie sollte Sie mit ihm leben können. In einer stetigen Lüge, bis Sie sich gegenüber stehen auf dem Felde des Krieges als Feinde? Und...

9.Sekunde
Krathor würde Sie irgendwann auf die Probe stellen. Irgendwann wird er ihre Loyalität testen. Sehen, wie weit ihre Dienerin geht. Wenn Sie dann versagt, hat Sie ALLES verloren. Ihre Seele, ihr Leben im Jenseits....ihren Niel.

10.Sekunde
Doch würde Sie jetzt einfach sterben, Sie würde zu ihm fahren. Als seine treueste Dienerin. Sie wäre keine Verräterin. Sie würde ihren Platz neben ihm einnehmen. Ja...würde sie einfach...

11.Sekunde
Lucaleons schreien und schluchzen und zittern rauben mir die Konzentration. Was er wohl denken mag? Sicher verschenkt er seine letzten Sekunden mit sinnlosen Sachen. Reinweg mit der Angst, nun zu sterben. Wie einfältig er ist.

12.Sekunde
Soviele schwarze Konturen ziehen an mir verschwommene Sillhouetten, was mich nur erahnen lässt, wie weit wie schon gefallen sind.

13.Sekunde
Ich verspüre Reue für meine Taten. Nicht für das Morden, nein, für die Täuschungen. Am Ende wünschte ich mir doch immer nur eines: Geborgenheit in einer Familie. Vielleicht war ich wirklich...

14.Sekunde
Geblendet vom Gedanken, Schönheit und Macht geben mir alles, was ich will. Vielleicht dachte ich zu Engstirnig. Andererseits...wäre ich diesen Weg nicht gegangen, wäre es nie so gekommen. Nein...

15.Sekunde
Sie wäre ein hässliches, entstelltes Monster, dass im Lumpensack durch das Land strich. Nie hätte Niel ihr auch nur einen Augenblick geschenkt. Nie...hätten sich ihre Wege gekreuzt.

16.Sekunde
Mein Meister...wielange kann ich ihn vor dir Schützen. Wirst du ewig Zufrieden sein, solange ich dir nur irgendwann Seelen schenke. Wirst du, für meine Treue, mir helfen können?

17.Sekunde
Doch was sollte ihn bewegen? Es wäre nie ein Teil des Paktes? Und die Verblendeten würden mich sofort auf den brennenden Haufen werfen und jubeln. Sogesehen...war ich alleine. War ich es immer...alles andere war nur eine....

18.Sekunde
Täuschungen...mehr besass mein Leben nie. Mehr wird es nie sein. Ich Liebe Niel...ja...aber diese Liebe ist mein Verderben. Ich werde daran sterben...also kann ich es allen Leichter machen. Als vielleicht letzte, gute Tat.

19.Sekunde
Ich schliesse die Augen und verschrenke die Arne vor meiner Brust. Ich scheine Lucaleon verschreckt zu haben, das Schreien hörte auf. Er bemerkte, den vermeintlichen Frieden, den ich gefunden haben mag.

20.Sekunde

21.Sekunde

22.Sekunde

23.Sekunde
Doch was spüre ich in der Dunkelheit in weiter Ferne? Es regt sich etwas. Er regt sich. Er bewegt sich. Er will entbrechen, den Weg hinauf finden. Hinauf...hinauf zu ihr?

24.Sekunde
Ihr Meister war Aktiv. Warum nur? Ein Zufall? Oder ist der Moment gekommen? Ein Zeichen? Doch was soll es heissen? Soll ich zu ihn kommen? Oder soll ich mein Leben verschonen?

25.Sekunde
Schlagartig wandert mein Kopf wieder zu Niel. Ich kann ihn nicht alleine lassen. Ich WILL ihn nicht alleine lassen. Sollte das Ende kommen...sollte die Erhebung kommen...ich will bei ihm sein...ja...ich bin...und bleibe

26.Sekunde
Egoistisch. Ich riskiere sein Leben, sein Glück...nur weil ich mich nicht von ihn lösen kann. So bin ich, so war ich, so werde ich ewig sein.

27.Sekunde
Ich breite die Arme aus, drehe mich in der vermeintlichen Umarmung Lucaleons, der mich mit angsterfüllten Augen und offenen Mund anstarrte, während ich nun den Boden erkenne, der wie ein Drachen uns entgegen kommt.

28.Sekunde
Ich lächel. Auch er dürfte erkannt haben, dass ich keine Angst besitze. Ich entgleite seinem Griff, als meine Arme, dann meine Beine und mein Körper sich verformen. Schrumpfen und die dunkle Farbe der Nacht annimmt.

29.Sekunde
Ich senke den Kopf, um seiner Hand auszuweichen, dann lass ich mich von der Luft tragen, die Flügel weit gespannt. Ich krächze, es ist ein verächtliches, lachendes Krächzen gen Lucaleon, dessen Körper sich unter mir schnell entfernt.

30.Sekunde
Ich geniesse den Wind. Wie er durch meine Federn gleitet, während ich auf diesen sicher durch die Luft gleite. Ich denke...immer noch an Niel.

31.Sekunde
Hoffentlich verzeihst du mir jemals, mein Geliebter. Hoffentlich wird dein Hass, wenn du jemals die Wahrheit erfährst, versieben. Lieben wirst du mich nicht mehr, das weiß ich. Aber vielleicht verstehen.

32.Sekunde
Unter mir erhöhre ich , wie Knochen zersplittern, Blutgefässe Platzen, Haut reisst und Körperinneren über den Boden spritzen, während ein letzter Schrei erklingt und dann verstummt.

Es ist getan. Ich fliege empor, mache eine Runde über das Gelände. Von hier oben wirkt es nicht minder Größer. Beeindruckend dieser Blick.
Ich gleite dann hinab, durch ein Fenster in den leeren Flur von unserem Zimmer, öffne sacht die Türe und kuschel mich wieder zu Niel in den Arm.
Ich küsse ihn sanft und kurz, er schläft immernoch Tief und Fest. Doch er muss nicht da sein, damit ich mich sicher und geborgen fühle.
Morgen, wird noch ein anstrengender Tag.
Es muss ein neuer Meister gewählt werden. Doch ich, ich weiß schon, wie es ausgehen wird.
So bin ich, berechnend...und eiskalt. Egal, was andere Menschen glauben würden, Sie irren sich. Ich bin pures Gift in ihrer Nähe und jeder Täte nur gut daran, sich von mir fernzuhalten.
Ich bin das Monster, das ich immer ablegen wollte.


Verfasst: Mittwoch 23. Februar 2011, 03:18
von Anveena Midame
Leise atmete Sie, als Sie Niel hörte, wie er wieder ins Bett krabbelte. Er schien ihre Abwesenheit nicht bemerkt zu haben. Fest die Augen geschlossen, als er wieder seinen Arm um sie legte, kuschelte Sie sich, wie als wäre Sie tief im Schlaf, instinktiv an ihn und seufzte. Er schien einen Alptraum zu haben...normalerweise, würde Anveena aus Neugierde in den Kopf des Wissenden eindringen, sich anschauen, was er gesehen hat, anschauen, was er träumte. Doch Sie tat es nicht. Nicht einmal beeinflusste Sie Niels Gedanken, manipulierte ihn. Sie wollte es nicht, sie wollte ihn so lassen, wie er war...sich die Illusion aufrecht erhalten, dass die Gefühle so echt wären...auch wenn Sie wusste, dass er nur eine Illusion liebte...eine Fassade, die das wahre Monster vor ihm verbarg.
Sie lagen sicher noch einige Stunden dort, obwohl ihre Gedanken an so vielen Ereignissen hingen.
Sie hatte einen Mord diese Nacht begannen. Es war nichts ungewöhnliches für Sie. Eigentlich sinnierte Sie nie über das, was geschehen war, wessen Leben Sie diesesmal auslöschte.
Doch es war in so vielen Dingen anders.
Sie übte Rache an einem Mörder aus. Wie damals bei den Mördern von Linnet. Und Sie war sich bewusst, dass diese Rache auch einen mehr als positiven Zweck erfüllte.
Der Gedanke, dieses Scheusal würde den Ort leiten und behüten, welcher ihr den Weg offenbarte, welcher Sie aufnahm, sie lehrte...er war ihr zu wider.
Und trotz des lauten Schreies einer Frau, die die zerschmetterte Leiche fand und alle aufzuwecken vermochte, wusste Sie, dass keiner wirklich trauern würde.
Sie schnellte hoch, als ob Sie wirklich davon erschrocken wäre. Mit Niel zusammen.
Im Hofe, wo sich schon einige Menschen versammelten um den toten Körper, der von einem Umhang abgedeckt war und nur noch die Blutspritzer über dem Steinboden von den Ereignissen sichtbar deuteten, nahm Niel Anveena in den Arm. Dachte er vielleicht, dies wäre ein neuer Trauermoment?
Sie blickte ihn an, als ein Mann angerannt kam mit eben jenen Brief, welchen Anveena Lucaleon zwang zu schreiben. Es war schnell klar...die Tür war abgeschlossen, er musste Sie aufbrechen...so, wie es im Briefe stand, hat er Selbstmord getan...aus Schuldgefühlen, sprang er in den Tot.
"Ich bedauere die Leben, die sinnlos genommen wurden...ich bedauere aber nicht, diesen Menschen nie wieder zu sehen.", sagte Anveena ruhig zu Niel als erklärung, ehe Sie zurück ins Zimmer gingen.
Es dauerte nicht lange, als eine Sitzung einberufen wurde. Anveena wurde gebeten, dieser beizuwohnen. Es ginge um die rasche Neuwählung eines neuen Meisters, welche trotz etwaiger Trauer vollzogen werden musste.
Diese fand hinter den großen, bronzenen Türen statt, 50 Personen waren Anwesend, zuerst, so erklärte Anveena Niel vorher, schlug jeder, der wollte einen Kandidaten vor, dieser kann sich zu Wort melden, eine Rede schwingen oder ablehnen.
Es war in diesem Falle etwas besonderes, da noch nie der Fall eintrat, dass der Meister keinen Schüler hatte.
"Man schlug mich vor, Niel. Als Schülerin des vorherigen Meisters."
Er schien ebenso überrascht wie auch gespannt auf die Antwort.
"Ich lehnte ab. Es...es ist nicht meine Berufung. Ich wäre der gänzlichst falsche Mensch für diese Position."
Sie verschwendete keine Zeit mit Erklärungen, wieso Sie so dachte. Aber Sie wusste warum.
Unter ihrer Führung, würde die Bibliotheksstadt als Hort für Krathorfrischlingen dienen. Sie würden kommen, vom Gott der Raben selber zu ihr geführt, wo Sie den Weg bestritten, den Sie bestritt. Und sie wollte es einfach nicht. Das letzte Relikt sollte ihr nich auch noch genommen werden. Sie war keine Meisterin, nein, als Dienerin war Sie aktiv nützlicher als passiv.
"Die alte Miss Greylon wurde erwählt, ziemlich einstimmig. Ich habe Sie vorgeschlagen. Sie kennt alles und jeden, sie begleitete 3 Meisterdekaden in ihrem Leben. Unter ihr, wird die Bibliothek aufblühen."
Gegen der Abendstunden war die Sitzung zu Ende, Greylon wurde vereidigt und in ihre neue Position geführt.
Die Sachen waren gepackt, das Schiff wartete auf Sie. Sie wollten nicht noch eine Nacht hier bleiben....Anveena....wollte nicht.
An den Treppen hinab zum Hafen, standen einige zum Abschied bereit.
Allen vorran Meisterin Greylon, neben ihr ihren jungen Schüler, vielleicht um die 14 Lenze alt. Daneben andere Direktorate und Lehrer. Sie umarmte Anveena herzlichst, es...war ungewohnt...fühlte es sich so an, wenn eine Mutter ihr Kind in den Arm nahm?
Sichtlich überrascht darüber, etwas, was Niel auch bemerkt haben könnte...diese Zuneigung, diese Wärme...die bitte, sich zu melden, eine sichere Heimreise zu haben, alles Glück wünschend. Ja...Anveena war dies fremd.
Dann schnippte sie einmal, der Schüler kam mit einem dicken Bündel, gab es Anveena.
Sie öffnete es und vor ihr, im Licht der vielen Fackeln, offenbarte sich ein Buch mit einem feinen, goldenen Lederband, in welchen zierliche Lettern eingraviert waren.
Sie zeigte es Niel, sie lächelte, obwohl er noch nicht verstehen konnte, was so besonders an diesem Werk war.
Der Titel war "Anatomien des menschlichen Körpers in all seinen Bestandteilen."
"Anveena, mein Kind...vor vielen Jahren hast du deine Meisterarbeit beendet mit diesem Buch. Und wie es Tradition der Bibliothek ist, wird jedes Werk in seinem Original aufgenommen und die Schüler fertigen in müheseeliger Arbeit Abschriften davon ab, um Sie in der Welt zu verteilen. Du selber hast sicher gefühlte Tausend Werke abgeschrieben...dies hier...ist von meinem Schüler geschrieben...und es ist die erste Abschrift deines Buches...das erste...von vielen. Du kannst stolz auf dich sein."
Und Anveena war es. Es war das einzige Erzeugnis von etwas sinnvollem in ihrem ganzen Leben, was Sie hatte. Das einzige, was Sie positiv der Menschheit überlassen würde. Egal, welche Absichten ihre Studien damals hatten und welche Interessen Sie wirklich beherbergten...dieses Buch mag den Menschen helfen können.
Sie bedankte sich, es wurden letzte Worte gewechselt, teils tuschelnd, wenn es um Niel ging und die Zeremonie und allen drum und dran, woraufhin die Meisterin Greylon über ihre Brille Niel genaustens beobachtete, teils laut, ehe Sie dann zum Schiffe gingen...den Ort verlassend...der so prägent ihr Leben zeichnete...und durch Sie...vielleicht eine gute Wendung nehmen konnte.
Ja...wenn es darum ging, Menschen aus dem Leben zu reissen...war Anveena die Meisterin...nicht so wie Niel...der wie das Licht des Tages...versuchte, das Leben im Menschen zu behalten.
So segelte das Schiff in der tiefsten Nacht, hinter sich, die Stadt...ihre Vergangenheit...nach vorne...Gerimor...ihre Zukunft...wo das Beben stattfand, ihr Meister sich reckte und in den Armen des Mannes, den sie liebte.

Keine Widerrede?

Verfasst: Montag 28. Februar 2011, 14:39
von Niel Finrias
"Nein, das kann ich nicht annehmen!", sprach er und versuchte, Anveena das Paket wieder zurückzugeben. Drückte es gegen ihr Hemd, blickte sie wartend an.
"Ich würde da nie wieder reinschauen. Die Abschriften sind gemacht worden, damit man es liest und mit dem Wissen Gutes tut…", widersprach sie. "Bitte, ich will, dass du es bekommst. Keine Widerrede."

Anatomien des menschlichen Körpers in all seinen Bestandteilen.
Der Titel jagte ihm Schauer der Anspannung und Neugier über den Rücken, auch der Gedanke, wie man wohl dieses Wissen über lange Zeiträume, vielerlei Quellen und Beobachtungen zusammengetragen hatte…
Unter einem beharrlichen Wortwechsel ließ er sich erneut überzeugen.

Wie immer wieder.

Er hatte Bedenken… Sorgen… doch sie vermochte es oft genug, gegen diese anzureden. Gänzlich überzeugte sie ihn nie. Stets stellte sie es so hin, als sei sie ohnehin weniger Wert... als bedeute es nichts, wenn ihr etwas geschehe. Für Niel lag die Sache genau umgekehrt.
"Nein, bitte – lass mich dich nach Hause bringen!"
"Mir wird schon nichts zustoßen. Nicht eher als dir."
Er betrachtete sie ernst, wie sie vor ihm stand, abwinkend, leichthin lächelnd...

War es jedoch das reine Mitgefühl? War es nicht auch eine Spur Eigennutz, die sich darin zeigte? Dass er sie sicher wissen wollte, um seine eigenen Sorgen zu beschwichtigen?

Selbst unter seinen Ordensgeschwistern war aufgefallen, dass er nun endlich sein Haus auch bewohnte, dort die Nächte verbrachte. Nicht mehr auf der Pritsche unter dem Krankenzimmer… oder am Schreibtisch, wo früher sein Gesicht einfach auf die noch aufgeschlagenen Bücher gebettet war. Nicht weniger ansprechbar, so dachte er, könnte er sein, indem man nur wenige Schritte vom Ordenstor bis an seine Tür bräuchte.
Lenkten ihn seine Gefühle ab – von dem, was richtig… was wichtig war? Von der Erfüllung seiner übernommenen Aufgaben in der gewählten Gemeinschaft, vom Führen eines tugendhaften Lebens? Zweifellos beeinflusste ihn das, was er gerade im Begriff war zu entdecken...
Aber konnte er nur nach Umsetzung des Gelernten streben oder seine eigenen Erfahrungen machen?

Am ersten Tag nach der Rückkehr von ihrer Reise hatte er sich den Schreibtisch mit den im Verlauf der Woche eingetroffenen Briefen übersät, und alles noch am gleichen Abend geordnet.
Dass er den Orden, seine Geschwister dort vernachlässige – nein, das wollte er sich nicht vorwerfen lassen. Dass er in seinem Glauben erschüttert werden könnte… nur, weil er mit jemandem viel Zeit verbrachte - nein.
Nein.
Aber es durfte auch nie der Eindruck entstehen. Wenn er ganz ehrlich war… hatte sich etwas verändert in seinen Gedanken. Er räumte ihr einen Stellenwert ein, den zuvor nie jemand besessen hatte.

Wenn sie bei ihm war... verhielt es sich anders als in Begleitung eines seiner Ordensbrüder oder -schwestern. Ja, um diese wäre er wohl bedacht. Würde alles in seiner Macht stehende tun, damit unter ihnen niemand zu Schaden käme.
Aber Anveena… um sie wollte er gern eine Mauer bauen. Er wollte sie weit weg wissen, wann immer er eine unangenehme Begegnung hatte - was ihm ironischerweise umso öfter geschah, seitdem er sie kannte.

Doch sie weigerte sich allzu hartnäckig, ihn allein zu lassen mit jenen Personen, Gestalten... wie auch immer er sie nennen wollte. Niel erinnerte sich an den Diener des Seelenfressers, wie ihm er über die Schulter zu Anveena geblickt hatte... kein Klotz am Bein.
Nein, das nicht.
Vielmehr spürte er ein tieferes Grauen, das ihn nicht mehr losließ... seit sich schon allein bei der Vorstellung, ihr könnte mehr Leid widerfahren, Traurigkeit wie eine kühle Hand um sein Herz schloss. Dies waren die Augenblicke, in denen ihn tatsächlich etwas Ähnliches vielleicht wie Zweifel ergriff, ob es doch unmöglich sein mochte... beides zu haben. Ob die Wahl lautete:
Glauben ... oder lieben?

Nein. Immerhin… können doch Gefühle für eine Frau nicht die Hingabe an eine Göttin von ihrem Platz verdrängen… oder?

Verfasst: Dienstag 1. März 2011, 13:10
von Anveena Midame
"Ich bin eine Dienerin.", der Blick Niels war unverständlich, wie bei einem schlechten Witz, hob er die Mundwinkel sacht, den Kopf schüttelnd, die Worte abstreitend, ehe Anveena die Hand über ihren Körper gleiten liess und sich das strahlend weiße Kleid, dass er so liebte, verformte in diese Aschgrauschwarze Robe einer Dienerin.
"Ich huldige dem Rabengott, mein Leben lang schon."
Das Entsetzen, die Furcht, der Hass, der Schmerz. All die Gefühle machten sich in den schemenhaft Anmutenden Gesichtsausdrucks Niel nieder. Anveena spürte, wie er die Hände zu Fäusten ballte.
Sie hob ihre Hand, er wollte zurückweichen, sie ergriff seine Stirn, die roten, knochrigen Finger drückten sich leicht in diese, während ihr Blick ebenso schmerzvoll, flehendlich um Vergebung war, ehe ein kleiner Stoß Niels Gedanken durchquerten, ihn Dinge sehen liessen, die ihm alles erklären sollten.
All das Leid, dass Anveena in ihrem Leben erfuhr...und all das Leid, das Sie zufügte, ja, ihr ganzes Leben glitt in einem Bruchteil einer Sekunde durch seine Gedanken. Was für ihn wie Stunden waren, war für die Welt nur ein Atemzug.
Als er erwachte, war Sie weg und erst, als ein Gardist vom Orden ihn eiligst aufsuchte und ihm mitteilte, eine Rabenbrütlerin hätte sich gestellt...so wusste er, was Sie tat.
Die Schläge waren hart. Die Wachen gingen wenig schonenhaft mit ihnen um. Folter, ja, sie kannte es. Doch Sie wirkte Sie nie so subtil, wie die es taten. Aber eines war gemeinsam: die Wut.
Sie stellten nicht einmal fragen, nein, sie schlugen einfach so auf auf Sie ein. Traten die am Boden liegende und spuckten auf Sie.
Ein Priester kam, er fragte, ob Sie geläutert werden solle. Wie naiv. Es hiesse nichts anderes, als einfach zu verbrennen. Es war ihr egal. All der Schmerz war ihr egal. Ihre Gedanken, wenn Sie abwesend an den Personen vorbeiblickte, wenn Sie Blut auf den Boden spuckte oder die Greueltaten über sich ergehen liess...alles war egal. Sie hatte es nicht anders verdient...sie war ihr Feind, die Mörderin von vielen Freunden und Familien. Sie dachte nur an den einen Mann. Jenen, welchen Sie verletzte, soviel Leid und Schmerz zufügte und dennoch der einzige war, für den Sie sich opfern wollte. Sie hoffte, er verstand, dass es eine Lüge vielleicht war, doch die Liebe, nie auf dieser basierte. Das Anveena ihn wirklich liebte und nur aus Liebe, diesen Schritt tat.
Es hatte keine Zukunft, auf nah oder fern, würde eine Entscheidung eingerufen werden und dann hiesse es...unter den wachsamen Augen des Rabengottes...er oder sie.
Sie verlor leider den Überblick über die Zeit, sie konnte sich kaum noch bewegen. Das dreckige Wasser rann brennend ihrer Kehle hinab, das einzige, was man ihr gab. Und sicher auch mit einem kleinen Andenken wachhabener versehen...angesichts des salzigen Geschmackes, der sich über ihre Zunge legt. Doch sie würde nicht einfach dahinvegetieren. Nein, sie akzeptierte es und würde bis zum Ende durchhalten.
Ab und an, wurde die Folter weniger subtil, dann wurden Fragen gestellt....wo die Rabenbrut sich sammelte, ihre Rituale abhielt, wer alles ein Rabenbrütler war und so weiter....doch Anveena sprach kein Wort...wieder nur dieser Blick in die Leere...wieder vor ihrem Auge das lächeln des einen Mannes.
Was hätte geschehen sollen?
Irgendwann, hätte er es herausgefunden.
Vielleicht, durch einen Fehler ihrerseits, vielleicht, weil Sie im Kriege ihn packte und wegzog...oder sich gegen ihre Brüder und Schwestern stellte...oder schlimmeres.
Sie sehnte sich nach ihn, sie schloss die Augen und weinte...nicht vor körperlichen Schmerze, nein, sondern von ihrem Herzen, das mit jeder Sekunde innerlich zerbrach.
Sie war sich ihrer Entscheidung so sicher...warum nur? Wieso handelte Sie so?
War Sie nicht stetig nur von ihrem Egoismus getrieben? Nehmen und haben zu wollen, was Sie wollte. Nie an andere denkend, stetig nur an ihr eigenes Wohl?
Und dennoch....GENAU das hier war es, was Sie wollte. Ihn zu beschützen...stetig, wie er sagte, Sie zu beschützen, so tat Sie es nun.
Es wäre eine Macht gewesen, gegen die weder er noch Sie stehen könnten...so...war es besser.
Sie sprachen von einer Gerichtsverhandlung. Welch Ironie, dass man ihr noch den Prozess machen wollte. War es doch nicht mehr als eine Hinausschiebung der eigentlich Exekution. Vielleicht...ja...vielleicht wollten nur einmal diese Menschen das Gefühl haben, Sie gebieten nun über ihr...unwissend, dass Sie ihren Tot schon längst mit einplante.
Sie sagte wenig, drehte sich nur selten um, die Personen anblickend, die dieser Verhandlung beiwohnten. Sie schwieg, durchgehend, hörte sich nur die Vorwürfe an, stritt keinen davon ab, erklärte nichts. Warum auch? Keiner dieser wohlhabenden Menschen aus einer behüteten Familie würde Sie verstehen. Sie sollten es auch nicht.
Ihr Gesicht war blutunterlaufen, man waschte Sie nur dürftig und steckte Sie in Lumpen aus Kleidung. Ihre Wangen, ihre Stirn, ihr Hals war angeschwollen von den verlorenen Zähnen, ihr Haar zerzaust, teils herausgerissen. Ihre Augen blutunterlaufen und gerötet, eines durch die Schwellung zugedrückt. Ihre Arme und Beine wiesen Blessouren und Striemen auf, ihre Fingernägel waren abgerissen oder eingebrochen. Doch es war ihr egal.
Sie suchte blickend nach ihm, den Mann, den Sie liebte, bei dem Sie sein wollte. Welchen Sie in den Arm nehmen und küssen wollte. Es waren nur Schemen vor ihr, als läge ein Nebel über den Publikum. Sie erkannte keinen wieder, mutmasste nur, wer dort war. Und als Sie dachte, Sie wüsste es, war dort eine andere Gestalt.
Doch es war ihr egal, wie durch ein Licht gehüllt, sah Sie ihn, nur für einen Bruchteil der Sekunde. Ihr Herz rastete aus, sie atmete tief ein...und dann stach es wie durch einen Dolchstoss, als Sie seinen Ausdruck erkannte. So voller Trauer und Hass, wieder dieses Kopfschütteln, ehe die Gestalt verschwand.
Zu Tode verurteilt, was sonst. Auf den Scheiterhaufen, die Verrichtung erfolgte sofort.
Man hob Sie auf einen Karren und band Sie auf einen Pfahl, der dort war. Wie auf einen Präsentierteller, schleifte man Sie durch die Stadt. Die Menschen schmissen Obst nach ihr, fauliges Gemüse. Sie schrien und pöpelten. Doch es war ihr wieder egal. Sie hebte den Kopf nur leicht, wieder erkannte Sie unter den Schemenhaften Gestalten diesen Manne in Licht eingehüllt, wieder dieser Blick, das Kopfschütteln. Sie biss sich auf die blutende Unterlippe, presste die Augen zusammen und weinte eine blutige Träne heraus.
"Es tut mir so leid....so leid.", flüsterte Sie leise zu sich selbst.
Warum hatte Sie es so weit kommen lassen? Ihr Egoismus trieb Sie dahin, das Verlangen, das gestillt werden musste, bei ihm zu sein. Sie hätte ihn damals einfach den Antrag ablehnen sollte...sie hätte einfach verschwinden sollen. Unbegründet. Er hätte es verkraftet. Doch jetzt, nach all der Zeit...
Sie banden Sie los und warfen Sie unsacht auf den Haufen aus Holz, wo Sie dann abermals an einen Pfahl gebunden wurde. Ein Alchemist schüttete eine Flüssigkeit über das Holz, damit es gut brennt, sagte er lachend. Alleine der Geruch liess Anveena vermuten, was es war. Sie hebte den Kopf, sie würde wenigstens aufrecht sterben. Gleich war es vorbei...sie wäre nicht Frei...nein....dies war das irdische Urteil, sie würde zu ihren Meister fahren und dort auf ewig die Qualen erleiden, die all seine Feinde erleiden würden. Sie würde innerlich leiden, verbrennen, schmerzen haben und nie aus seinem Schlund herausfinden...und dennoch...sie war befreit von der Last. Sie wäre dennoch...zufrieden...nur einmal...in ihrem Leben...tat sie das richtige und sie wüsste, das, was ihr am wichtigsten war, den Mann, den Sie liebte....und der Sie verabscheute...war sicher.
Sie blickte einmal hinab, dann wieder hinauf. Wieder diese Gestalt, das Licht, sein Blick. Würde er lachen? Jubeln? Wie all die anderen? Jener, der vielleicht am meisten litt unter Sie?
Sie schloss kurz die Augen, konzentrierte sich, bündelte ein letztesmal die Kraft Krathors, das letzte Fünkchen ihres Lebens, opferte Sie, für diese Einwirkung in das Lied. Sie spürte es, wie er erschien, um ihren Ringfinger. Es war das einzig materielle, was ihr Wichtig genug war, dass Sie es vor allen Einwirkungen schützte...und nun war er wieder da....ihr Ehering, der sich um ihren Finger bildete.
Sie drückte ihn sacht in ihre Handfläche.
Sie folgte der Fackel, erkannte sich in einer Pfütze aus der Flüssigkeit, in welche Sie hineinblickte. Sie sah so schrecklich aus...sie war, was das Volk schrie....das Monster...sie war es ewig gewesen....und wäre es für immer. Egal, wie hübsch Sie sich machte...es lag nur eine Fassade wie ein Schleier über Sie.
Der Mann tunkte die Fackel in die Pfütze, sofort fing Sie feuer, im Bruchteil einer Sekunde umschlossen die Flammen den Körper Anveenas, liessen ihre Haut zerbrennen, wie Papier abfallend vom Fleisch, welches den Geruch von etwas gut durchgebratenen annahm. Ihre Haare versenkten sich, schmelzten und brannten sich in ihre Kopfhaut ein. Sie schrie nicht, sie wollte schreien, dieser Schmerz war unerträglich...er zerfrass Sie, begann, ihren Körper zu zersetzen, als Sie einnatmete, die Flammen ihren Rachen hineinglitten und aus ihren Hals herausbrannten.
Da stand Sie nun, Anveena Finrias, Ehefrau von Niel und Meisterdienerin Krathors....vielleicht nicht ihrem gerechten Schicksal...aber auf jedenfall das, was Sie verdient hatte.
Und so flüsterten die Worte in ihr Ohr, sie solle zu ihm kommen. Die Worte, die Sie schweißnass gebadet aufschrecken liessen und ihre Augen, geblendet vom Sonnenschein, welches auf ihr Bett strahlte, brannten leicht.
Sie blickte neben sich, Niel war fort, er war sicher im Orden. Sie wischte sich einmal über die Stirn und sprang vom Bette. Sich schnell anziehend.
Die Stimme wiederholte sich nicht, doch ihr war bewusst, wohin sie musste.
Mit der Kutsche, reiste Sie so nah es ging heran, den Rest musste Sie klettern, fast den ganzen tag lang, während das Beben unter ihr verkündete, was Sie wissen musste. Vom Gipfel aus hatte sie einen hervorragenden Blick über das Land, mehr aber zum Vulkan. Sie liess ihre Hände über das dreckige Kleid gleiten, es verformte sich zu etwas dunkelgrauschwarzen, die Kaputze legte sich über ihren Kopf, die Maske bildete sich über den Mund, in ihren knochrigen, blutrotleuchtenden Händen bildete sich der Stab.
Begeisternd beblickte die Dienerin das feurige Tänzeln am Himmel, als die Feuerfliegen aus ihrem Reiche sich emporheben und den Himmel nur durch ihren Schein erhellen.
Ein sachtes Schmunzeln, glitt ihr über die Lippen, als ein Schwarm direkt auf Sie zuflog. Sie hebte die Hand, schwarze Raben stiessen hinab, auf die Feuerfliegen, griffen Sie direkt an, wetzten ihre scharfen Krallen in deren Körper und verbrannte teilweise, wenn Sie zulange auf Sie verharrten,bis die Feuerfliegen nur wenige Meter von ihr Seitlich auswichen und eine Feuerfliege im Schwebeflug langsam hinab zu ihr glitt.
Die Funken und die Asche rieselten wie Schnee auf den steinernen Boden hinab, während die Dienerin den Kopf leicht schräg stellte und die Feuerfliege begutachtete.
Ja, es war soweit. Schreckliches wird geschehen. Und unter all dem, wandelt die Dienerin, die eine Entscheidung treffen wird. Irgendwann. Ungewiss, wie es wirklich enden mag, wer leiden wird...und wer nicht. Ungewiss, wer diesen Tag erlebt, ungewiss, wer anwesend sein wird. Ungewiss, wie man mit ihr umgehen würde...ungewiss...wie ER reagieren würde...ob er...sie lieben würde.

Verfasst: Freitag 4. März 2011, 23:49
von Niel Finrias
Anveena

Außergewöhnlich.
Beeindruckend. Bildschön.
Charmant.
Dame durch und durch.
Einsam… manchmal.
Fest entschlossen. Fest im
Glauben und gebildet.
Hilflos… manchmal.
Intelligent.
Ja… sie hat Ja gesagt. Ein
Kuss am Kamin. Keine Chance.
Lasziv… manchmal.
Mitreißend - zu sehr, viel zu sehr.
Nah.
Ohne Worte.
Persönlichkeit… jede Menge.
Qualen… in ihrer Vergangenheit. Guter
Rat. Respekt. Reue.
Sorgen. Sanftheit, aber auch
Traurigkeit… oft.
Unbeschreiblich… fast.
Verlust… ihr gut bekannt.
Wut… vielleicht auch? Wie lautet die Lösung?
X…
Y… Unbekannte in dieser Gleichung. Nicht ganz ein
Zauberbann. Zufrieden… immer mehr zu haben - immer mehr zu wollen.

Zeile für Zeile die Frage: Wer bist du?

Verfasst: Montag 7. März 2011, 15:20
von Anveena Midame
Einige Zeit saß Anveena vor dem Pergament in der dunklen Gruft an jenen steinernen Schreibtisch, an welchem Sie schon oft Bücher studierte.
Leises wimmern der letzten, lebenden Menschen kroch die Treppe empor von ihren Gefängnissen.
Sie lehnt sich zurück, sacht mit ihrem knochigen Finger über ihr Kinn reibend.
Ja, alles jammerte. Nur Quarius nicht. Welch Ironie, dass jener Mann, der ihr im Kloster die Hand reichte, nun in ihren Kerkern versauerte.
Noch immer war Sie sich unschlüssig, was Sie tun sollte...ihn foltern? Gar töten und seine Seele zum Schlunde Krathor hetzen? Oder doch irgendetwas, was weitreichenderen Schaden verursachen könnte. Wie ein Flächenbrand, eine Krankheit.
Ja, der Gedanke gefiel ihr...und dennoch, stockte Sie.
Krankheit?
Sie seufzte.
Wie würde es aussehen?
Er wäre Krank, Niel müsste ihn behandeln, stecke sich selber an nur um dann Anveena anzustecken.
Ja...die Option viel wohl flach...doch...natürlich könnte Sie sich immunisieren gegen eine etwaige Pest...würde es dann nicht aber auffallen?
Worüber diskutierte Sie innerlich eigentlich?
Früher war ihr soetwas egal...sie dachte nie lange über Konsequenzen nach, sie tat es einfach...doch jetzt?
Sie wollte ihm nicht schaden, ihn leiden sehen...sie seufzte.
Der Gedanke, wie er sich schmerzverzerrt krümmen würde....tat ihr weh. Nein, das sollte nicht geschehen. Es würde doch erst einmal auf Folter hinauslaufen.
Gedankenverloren kaute Sie auf der Feder rum, die Sie eigentlich zum Schreiben nutzen würde, während ihr Finger sacht über das Pergament vor ihr glitt und sich dort Buchstaben und Worte reinbrannten:
Niel.....................................................................................................Krathor
Sanftmütig...........................................................................................Rachsüchtig
Herzenswarm.......................................................................................Eiskalt
Spendet mir Liebe................................................................................Spendet mir Macht
Verschönert mir das Leben....................................................................verschönert mir den Tot
Gibt mir, was ich immer begehrte..........................................................Gibt mir, was ich immer begehrte
Ist sein Feind.......................................................................................Ist sein Feind
Kann ihn nicht töten..............................................................................Kann ihn töten
Liebt mich.....
vom ganzen Herzen...
eine Liebe...
die ich so noch nie empfand...
die...
nach der ich mich sehne...
ein Mensch...
nach dem ich mich sehne...
den ich vermisse...
während ich hier sitze...
und schreibe...
Ich liebe ihn...


Anveena blickt herab, sich aus ihren Gedanken herausreissend, leicht erschrocken über die rotleuchtenden Worte im Pergament.
Sie hebt es leicht an, seufzt, ehe Sie es in ihrer Hand verbrennen lässt.
Es war ihre Schwäche....oh Meister,....und niemand dürfte je davon erfahren.
Sie würde es verhindern, mit all ihrer Macht...und müsse Sie dafür sterben, sie wüsste, was Sie schützen will.

Verfasst: Mittwoch 16. März 2011, 01:36
von Anveena Midame
Vorsichtig entfernte Anveena den Verband von ihrem Arm. Leicht das Gesicht verziehend, als Fetzen von verbrannter Haut, an diesem klebend, sich von ihrem Fleisch lösten.
Oh wie sie das hasste.
Normalerweise, würde Sie die von Ihm ihr geschenkte Macht nutzen, um ihre Schönheit zu wahren. Doch gerade Niel würde es auffallen, wenn die Nachricht sich verbreitet, dass Sie von einem Feuerstoss eines wütenden Saphirdrachens erwischt worden war und keinerlei Wunden blieb.
Also half es nichts, als Salbe zu nutzen, die Haut zu kühlen und hoffen, dass keine Narbe bleiben würde.
Indem Sinne, hatte ihr Glaubensbruder Recht mit seiner Skepsis. Soviel musste man in der Ehe nun beachten, um nicht aufzufallen. Es war schwere Arbeit, vielleicht die höchste Kunst der Tarnung, die man nutzen müsste....ja....die höchste....wenn man die Person nicht lieben würde, wäre es ein schauspielerischer Meisterakt.
Doch dem war nicht so, nein, sie seufzte sacht, denn Sie liebte ihn.
Was mochte Lilian bloß denken, mit dieser wirren These ob ihrer Frage, ob alles gut sei.
Sicher, sie sorgte sich, dass der Streit am Vorabend schwerere Konsequenzen mit sich führen würde, dass ihre....Freundin....sich von ihrem Verlobten trennen mochte.
Die Ausführung war schon treffen auf ihre Person. Die Frage direkt und die Antwort wie erwartet.
"Stelle dir vor, du bist schwerst Krank...und während diese Krankheit sich in deine Seele frisst und dir das Leben nimmt, verliebst du dich in jemanden....so sehr....wie nie zuvor. Und du spürst, wie er beginnt, dich zu lieben....von jedem Moment mehr und mehr....und du weißt, wenn deine Zeit gekommen ist, wird es den Menschen zerbrechen und leiden lassen. Doch du handelst egoistisch, du denkst nur an dich selber und lässt es darauf kommen, dass Leid am Ende herrscht, wenn die Krankheit gewonnen hat. Würdest du der Person, die du liebst, vor dem Leid bewahren wollen oder nicht?"
"Ja", antwortete Kaylem....und die Antwort, so klar Sie ihr war, stach in ihr kaltes, verkrümmeltes Herz.
Sie baut das Fass auf, das unter Niels Armen explodieren würde. Er würde leiden, wegen ihr.
Abermals seufzte Sie, blickte sich um.
Er war nicht da, schon den ganzen Tag nicht. Er würde sich Vorwürfe machen, wenn er ihren Arme sieht.
Ein verrückter Abend...und der beste Beweis, dass es Menschen gibt, die nur Scheinheilig der Verblendeten folgen. Menschen, die sich als so rein und gut brandmarken und dann nicht mehr als Heuchler sind.
Aram, ein Paradebeispiel für den Fehlgriff der falschen Göttinnen zur Erhebung ihrer Macht. Was für eine schleimige Kröte.
Dort ist doch wirklich ein Drachen mitten in Berchgard, vor dem sich die Leichenstücke der verspeisten Wachmänner stappeln und dieser feige Hund geht seelenruhig an ihn vorbei, denkt nicht daran, etwas zu tun, noch Hilfe zu holen und speist dies ab, die Wachmänner würden sich um das Problem kümmern...nur um nachher den vermeintlichen Retter spielen zu wollen, den Drachen mit seiner Kinderfuchtelei zu reizen, auf dass dieser in Rage wie wild Feuer spuckt....Feuer, dass ihren Arm traf.
Oh sie hasste ihn, sie kannte ihn kaum, aber alleine dafür, dass Sie sich einsetzen musste, dass Hilfe kommt...ja...dafür hasste Sie diesen Scharlartan...und mit ihm, ist Sie noch lange nicht fertig.
Doch auch diese Krankheit...
am Vorabend infizierten sich Cedrics Schafe mit der Tollwut. In der Tat, ungewöhnliche Verhaltensmuster waren es nicht, dass die Tiere, geblendet vor Schmerz und dem Befahl ihrer Gehirne, Menschen bissen....dass Sie in der Lage waren, einen Menschen gänzlichst zu zerreissen, war selbst Anveena neu.
Nun hielt die Krankheit in der Festung der Allianz einzug. Selbe Verhaltensmuster, aber gänzlichst andere Symptome.
Was ging da bloß vor sich?
Ihr war eine Epidemie unter dem adoranischen Reiche egal, doch eine Mutation der Tollwut, die so beharklich war...ja, das reizte Sie sehr.
Und mit diesem Einfallspinsel vom Heiler in den Reihen der Allianz, war es schwer vorstellbar, dass Sie dagegen ankommen würden.
Er konnte ja erste Symptome und das einfache Grundhandwerk der Bestimmung dieser in keinster Weise ausführen.
Und seine Ratschläge sind mehr als minderbemittelt.
Sie ballte leicht die Faust.
Sie bereute es, zu ihm zu gehen, nach einer Salbe zu fragen....einfach nur eine dumme Salbe, die Er, als Fachkundiger dabei haben sollte, und ihr einfach nur gebend.
Sie zeigte ihre Wunde, und er schnaubte etwas hinaus, es gibt größere Probleme und sie solle wegen dem nicht weinen.
Wenn sein Kopf unter ihrer Wut zermalmt wird, werden wir ja sehen, wer bei dieser Kleinigkeit weint. Alter, seniler Narr. Sicher sind durch seine Fehldiagnosen mehr Menschen gestorben, als durch Anveenas Hand.
Sie lachte leicht.
Wenn das ganze Reich von solch unfähigen Menschen besiedelt ist, verwundert es doch, dass Sie im Stande sind, eine Zivilisation zu halten.
Aber gut.
Sie ging die Treppen hinab in den Keller.
Lilian war noch nicht da. Womöglich stritt Sie noch mit Kaylem.
Kelzon trug gut dazu bei, ihn zu reizen, ihn als Ketzer zu beschimpfen. Ob diese vermeintliche Liebe eine Zukunft hat?
Sie seufzte nun.
Was für Probleme...
er...Angehöriger einer neutralen Magierakademie...
sie...Angehörige einer lichten Magierakademie...
Oh was wünschte Anveena, mit ihnen Tauschen zu können.
Es machte Sie innerlich wütend, wie Sie ihre Zuneigung gegenseitig so sehr abschmetterten. Wenn Sie wüsste...was wirkliche Probleme für eine Liebelei stehen würden....wenn es nicht zwei Akademien, nein, 2 Götter wären.
Sie legte sich auf das Bett...es war so groß und leer.
Was drohte den beiden für das Glück der Zweisamkeit? Ein Rausschmiss aus ihrer Akademie?
Wie lächerlich...gar erbärmlich...
sie wünschte, sie betete, einfach rausgeschmissen werden zu können.
Doch für Sie, gab es nur den Tot als Tür nach draussen.
Sie vergrub ihr Gesicht in das Kissen.
Soviele Eindrücke, soviele Menschen, die ihren Hass schürrten, ihr Verlangen aufkochen liess, ewiges Leid zu verbreiten, sie schreien und jammern zu sehen, während Sie genüsslich das Fleisch von ihren Knochen entfernte.
Ja, sie lechzte förmlich danach, nur der dumpfe Bremser, wie ein Schlag ins Gesicht, wie eine steinerne Mauer, gegen die Sie rannte: Niel.
Ein einziger Gedanke an ihn, ein kurzes aufflackern seines Gesichtes vor ihrem geistigen Auge, reichte, um den Hass in ihr wie eine Flamme im Keim zu ersticken.
Warum nur...warum spielte man so grausam mit ihr?
Sie erhob sich von Bett und setzte sich an den Rand, ihren Verband am Arme begutachtend.
"Würdest du dein Leben für meines Opfern?"
Diese Frage, wie eine bitterböse Erkenntnis, als Niel Sie ihr letzte Nacht im Bett stellte.
Ja, Sie würde....das wusste Sie...
doch schlimmer als dies, ist zu wissen, dass man es nicht nur würde....sondern auch könnte....
zu wissen....wenn die Entscheidung da wäre, sie oder er...dass Sie die größere Macht hätte, ihn zu schützen...sich zu opfern.
Und so war es nur eine Frage der Zeit, wie eine langsam vorschreitene Krankheit, bis Anveena ihr Ende finden würde.
Bis Anveena sich für das einzige Opfern würde, was Sie liebt...und je lieben würde.
Nicht für ihrerselbst willen, nein, für ihn...und dem Beweis an diesem Tage, dass es einen Funken Menschlichkeit in ihr noch gibt, der sich gegen die aufkeimende Dunkelheit erwehrt und nicht verblasst.
Langsam lässt sie sich wieder aufs Bett sinken, die Augen schliessend...erschöpft von der Vielfalt an Gefühlen, die Sie beherschen, die sie zerreissen lassen...strikt getrennt...aus dem, was Sie ist....und dem, was Sie vielleicht immer sein wollte....solange, bis Sie behutsam und auf natürlichen Wege den Schlaf findet, bis der Mann, den Sie so sehr liebt und so sehr begehrt, zu ihr zurück kommt.

Verfasst: Mittwoch 16. März 2011, 17:09
von Niel Finrias
Er schüttelte recht fassungslos den Kopf, und packte den Rand der kleinen, unten recht angerußten Phiole fester.
Schwenkte mit skeptischem Gesichtsausdruck den Inhalt hin und her, als sich kleine Klümpchen am Boden absetzen wollten. Das schien einfach nichts zu werden, und es ärgerte ihn.

Niels Gedanken schweiften zu den Erklärungen in jenem Buch über tierische Krankheiten. Tollwut… untypisch an domestizierten Tieren angeblich, besonders an Pflanzenfressern. So viel zur Weisheit der Bücher.
Das Rezept für ein Mittel, das die Infektion im frühen Stadium aufhalten sollte, zeigte sich auch als schwierig umzusetzen. Entweder stimmte das Verhältnis nicht ganz, oder vielleicht erhitzte er die Mischung zu lange… er war einfach noch immer zu ungeübt, wusste zu wenig.
Mit einem Klirren hängte er das Reagenzfläschchen in ein kleines Regal, neben andere der gleichen Art.

Ratlos glättete er sich die gekrauste Stirn und schloss kurz die Augen. Erneut ein Kopfschütteln.
Er war auch nicht ganz bei der Sache, und warf es sich vor, dass das Thema ungeklärt geblieben war.
Starrsinnig traf es nicht ganz. Einerseits schätzte er es, dass Anveena ihre eigene Meinung vertrat. Andererseits war er sich im Klaren, dass dies ihm nur weitere Sorgen um sie auftrug.

"Soll ich akzeptieren, dass du dich für andere einsetzt," erklärte sie, "dann muss ich auch darauf vertrauen können, dass du dich selbst schützt… und nicht dein Leben unter das derer stellst, die du retten willst."
"Was, wenn ich es einst unter deins stelle, wenn du in Gefahr bist?" Eine Frage, gestellt um seinen Standpunkt zu verdeutlichen, sie verstehen zu lassen, was ihm der Grundsatz bedeutete, andere Leben zu schützen.
Ihre Antwort überlief ihn unvermittelt wie ein Guss kalten Wassers.
"Dann ist die Frage, wer von uns sein Leben mehr unter das des anderen stellt... schließlich bin ich ja auch noch da. Und...entscheide vielleicht."
Er konnte es ihr nicht verübeln, obwohl er deswegen vermutlich einen Streit in Kauf genommen hätte - sofern nur die geringste Chance bestanden hätte, dass es gelingen würde sie umzustimmen.
Er löschte die Flamme des Brenners und lehnte sich zurück. Leider verstand er sie sogar.

"Was immer dich bedrücken mag... vergiss nie... egal was es ist, du kannst offen mit mir über alles reden." Ihre Worte damals … sie tippten ihm nun erneut auf die Schulter.
Im Augenblick bedrückte ihn unter anderem dieses Gefühl von Glück, das zugleich den bittersüßen Beigeschmack der Angst trug, es ebenso plötzlich wieder verlieren zu können, wie es ihn getroffen hatte.

Offen reden, das war das eine. Die andere Meinung, den anderen Willen zu akzeptieren das andere...
Den anderen kennen...
In Schwächen Stärken zu sehen...
Anveena war eine starke Person, unerwartet die Bedeutung, die sie ihm verlieh, unerwartet ihre Entschlossenheit.
Welchen Einfluss einmal ihre Gefühle entfalten könnten, war nicht vorauszusagen: Sie mochten sie ihm einst wahrlich nehmen, sie das Leben kosten... sie mochten sein Leben retten, um einen Preis, den er jedoch weitaus zu hoch befand. All dies Glück, mit dem er sich überschüttet sah... er hatte nicht vor, je ein Opfer ihrerseits zuzulassen, auch wenn er dies Anveena gegenüber nicht wieder zu erwähnen gedachte.
Denn trotz alldem...

Schnipp. Mit den Zeigefinger stieß der junge Mann einen Pilzstiel an, der über die Arbeitsplatte rollte. Wieder einmal schlich dieses hartnäckige Lächeln auf sein Gesicht, das ihn vielleicht irgendwann, wenn die Situation unpassend war, in Schwierigkeiten stürzen würde – bisher hatte er Glück gehabt. Wieder und wieder Glück.
Die geputzten Henkerskappen auf der Waage beschwerten sich nicht darüber, dass er dämlich vor sich hin lächelte, als er aufstand und der Alchemieküche den Rücken kehrte. Wenn sie könnten, würden sie vielleicht nur die Köpfe schütteln.

Verfasst: Montag 21. März 2011, 16:29
von Anveena Midame
Seufzend öffnete Sie die Tür ihres Hauses und legte schleppend die Taschen mit dem frischen Gemüse vom Markt auf den Tresen der Küche.
Sie begutachtete ihre Hände, Fingernägel waren eingerissen und die Haut ein wenig durch die Tragen aufgerieben.
Ein wenig legte Sie den Kopf schief, ehe Sie die Hände zu Fäusten ballt, die Augen kurz schliesst und leicht ihre Lippen einige Worte formen.
Dann öffnet Sie die Augen, der Blick auf die Hände, wie geschmeidig und glanzvoll Sie doch wirkten.
Die Nägel fein säuberlich gefeilt, die Haut ohne erkennbare Abdrücke von Arbeit oder dergleichen.
Sie lächelte.
Wie sie das hasste, brandmarkungen von körperlicher Ertüchtigung. Wie sehr konnte man sich bemühen, seine Schönheit zu wahren, wenn es doch nur einen Einkauf am Markt brauchte, um soviel zu ruinieren.
Und selbst Kleinvieh macht bekanntlich mist, also sollte man auch bei soetwas subtilem wie der Handpflege anfangen.
Das lächeln wurde zu einem schmunzeln.
Man würde Sie als Eitel...gar als Eingebildet bezeichnen.
Doch was hatte diese Frau sonst, was Sie vielleicht von den anderen Menschen abheben würde, wäre es nicht die Schönheit, die ihr Körper ausstrahlte und die Sie so sehr beschützte.
Ja, sie wusste um die Macht, einer reinen, schönen Gestalt. Soviel mehr schenkte man ihr gehör und in einer, meist durch Männer dominierten Welt, war es das beste, was Sie aufbringen konnte.
Zumindest das beste, was Sie ohne Tarnung zeigen konnte.
Sie drehte sich zu den Taschen um und begann, Sie zu entleeren.
Niel schien noch unterwegs zu sein, es passte ihr gut. Die letzte Nacht war kurz und die Brauerei für den Bann gegen Leah kostete ihr viel Kraft. So hatte Sie Zeit durchzuatmen.
Und dennoch, war es befremdlich.
Es war die erste Tat, die Sie wieder began, seitdem Sie mit Niel zusammen war. Und es entfleuchte ihr ein seufzen.
Dinge zu verschweigen, die einst waren, war soviel einfacher, als Dinge, die gerade geschehen.
Es gab immer diesen Hauch an Hoffnung, man würde sich einfach bessern. Einfach alles vergessen und sich dem neuen Leben stellen. Fernab von bösen Wirkungen...doch...es war nur eine Illusion.
Die Worte Krathors waren eindeutig. Und ein Versagen kam ihr nie in dem Sinne.
Und...
verträumt blickte Sie aus dem Fenster.
Wenn...sie erfolg hätte...wenn...der Rabengott mit ihr zufrieden sei, ja, vielleicht dann...vielleicht wäre Sie so nützlich gewesen, dass Sie sich aus dem Pakte...
Sie schüttelte den Kopf.
Welch närrisches denken.
Was wäre Sie ohne ihn? Ohne seine, von ihm geschenkte Macht?
Was hätte Sie noch, was Niel an ihr reizte?
Sie würde alles verlieren...ihre Schönheit...ihr Selbstvertrauen....und somit ihn.
Sie seufzte.
Doch wie sollte es zukünftig weitergehen?
Könnte Sie ewig das Geheimnis vor ihm verbergen?
Doch...
was ist, wenn er sich erhebt. Wenn seine gewaltigen Pranken den Erdboden erreichen und die Welt ins Chaos stürzt?
Wenn alle Diener den Untergang der Welten feiern...wo stünde Sie dann?
Würde Sie feiern, mit ihresgleichen? Den Verstossenen der Welt?
Würde Sie zusehen, wie alles von den vernichtenden Flammen verschlungen wird?
Wieder schüttelte Sie sachte den Kopf.
Nein...wenn Sie sich vom Pakte nicht lösen kann, so wird Sie mächtiger. Viel mächtiger. Als jedes Wesen es vielleicht vermag. Sie würde nicht kämpfen...sie würde ihn beschützen...
ja...ihre Macht nutzen, ihn zu schützen, egal welch Unheil kommt...egal, von wem es kommen mag. Sie würde ihn schützen...mit ihrem Leben.
Sie seufzte...
hin- und hergerissen zwischen dem Glauben zu einem Gotte und der Liebe zu einem Manne.
Was wiegt mehr, in dem kleinen, kümmerlichen Herzens eines Menschens, der sich vor sovielen Jahren schon selbst aufgab...dessen Lebenswillen verflogen war und einzig die Angst vor dem Leben nach dem Leben dazu anstreben liess, einer Kreatur zu dienen, die ihr sovieles versprach....sovieles...was Segen und Fluch zugleich war.
Wieder diese Frage, wieder das Gefühl...er hätte sich nie interessiert, wenn Sie nicht so wäre, wie Sie nun ist...und sie...sie wäre wohl irgendwo in einer Gosse gestorben, unwichtig für das wandelnde Leben auf der Welt...niemand, der auch nur eine Träne für Sie vergossen hätte.
Nein, so oder so...es gab nur den dunklen Weg...die Wahl blieb ihr, ob Sie den auf der machtvollen Weise...oder der heruntergekommenen Weise bestritt.
Kurz lehnte Sie sich an den Tresen, die Arme verschrenkt, der Blick ernst...
soviele Fragen, so wenig Antworten. Die Zeit rann ihr davon und eine Lösung schien so fern. Und dennoch, zauberte ihr etwas ein sachtes lächeln ins Gesicht. Der Gedanke an den Mann, der nachher durch die Tür ging, auf Sie zu, in den Arm nehmend und einen Kuss gebend, um dann mit bestaunen das reiche, gekochte Mahl auf dem Tische zu sehen, was seine Verlobte für ihn zubereitet hatte.
Oh Anveena, kam es ihr in den Kopf, wenn du nicht aufpasst, endest du wirklich noch als braves Hausfrauchen...
doch dafür...müsste die Sache mit Leah beendet werden und ihr leichtes lächeln wandelte sich in ein dunkles Schmunzeln.
Hin- und hergerissen....ja....eindeutig...und dennoch bestrebt, beide Seiten nach bestem Gewissen zu erfüllen. Denn was anderes, blieb ihr in diesen Augenblicken nicht übrig.