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Verfasst: Mittwoch 3. März 2010, 16:55
von Jane Jack
Ich sollte nicht so rasch an die benötigten Informationen kommen. Man kann es drehen und wenden wie man mag, Lebenssituationen drehen sich wie der Wind und plötzlich findet man sich am Abgrund seines Lebens wieder.
So auch an dem Abend, als ich mich auf Lissy's Grog freuend, das Krähennest betrat.
Kaum hatte ich unser "Loch", wie ich es liebevoll nannte betreten, klopfte es schon an der Hintertür und die Elstern Iri , Ioona und Ydane traten ein. Wenn man mich nun fragen würde was und wann den Auslöser zum losbrechenden Chaos gab, könnte ich es nicht mehr mit Bestimmtheit sagen, außer dass später Lissy hinzukommend Iri aus welchen Gründen auch immer in einem Badehaus sah. Eins ergab das andere und kurzerhand war ich rasend vor Eifersucht und wollte diesen Schuft von Lüstling auf der Stelle verlassen und rannte barfuß aus dem Haus rüber zum Hafen. Der eiskalte Wind und der Schnee unter meinen Füßen ließen mein Gemüt abkühlen, und plötzlich,wie ich meinen Blick übers Wasser schweifen ließ, bemächtigte sich meiner ein ungutes Gefühl, eine Ahnung die langsam den Bauch hochgekrochen kam. Ich drehte um und eilte zurück zum Krähennest. Innerlich auf mich fluchend wußte ich dass Lissy ganz und gar verrückt nach mir war und mich niemals gegen Iri oder sonstwen eingetauscht hätte. Was hatte mich nur gejagd ? Meinen Schritt beschleunigend stand ich bald schon vor unserem Häuschen, man hörte den Lärm schon von außen. Iri's hohe Stimme schrillte durch die Mauern sodass sich mir als ich eintrat ein äußerst merkwürdiges Bild bot. Lys zielte mit seiner Pistole direkt auf Ydane's Kopf, vor dieser hatte sich Iri positioniert, Ioona schrie und fluchte und Aron , unser liebestoller Drache , war auch hinzugekommen und hielt meinem Lissy einen blitzenden Dolch an dessen Kehle. In Momenten wie diesen schien sich mein Gehirn abzumelden. Ich konnte mich nur noch beobachten wie ich mein mit tödlichem Gifte benetztes, von Lys geschenktes Messer , in der Hand hielt und in Bruchteilen von Sekunden auf der linken Niere Arons plazierte.
Aron kochte, er dampfte förmlich. Nannte man soetwas einen Patt ? Lysander warf mir einen Blick zu, sofern es seine lage den Kopf zu drehen erlaubte , doch in diesem so kurzen Moment sah ich ein Aufblitzen, die Art Vertrautheit die uns zu eigen war. Er stand für mich und ich für ihn, dies war unser Packt.
Momente später war das bedrohliche Knäul aufgelöst und die Elstern zersprengten sich vorerst in alle Himmelsrichtungen. Wir waren irre, doch wir lebten und die Energie sprühte nur so aus unseren Gemütern.
Lys und ich schienen somit nur noch dichter aneinander geschmiedet worden zu sein , unser Krähennest gehörte wieder uns, zumindest für heute Nacht.
Unter den Fellen und Lissy's zärtlichen Aufmerksamkeiten kam dann allerdings doch noch die von mir bis dato noch nicht gestellte Frage :
"Lissy, was sind Thyren ? "
Verfasst: Samstag 6. März 2010, 17:08
von Jane Jack
Lissy war die letzten Tage nicht auffindbar gewesen, er würde sich doch wohl nicht vor der Expedition ins Land der Thyren drücken ?
In Gedanken versunken , führte ich das Packpferd, welches mit einigen Lagen Leder bepackt war, durch die Hauptstraße Rahal's heim zum Hafenviertel, als mich ein unsympatisch dreinschauender Mann in scheppernder Rüstung am Weitergehen hinderte. Er spielte auf meinen Dolch an, welcher sichtbar in der Messerscheide steckte. Was ich damit vorhätte und ob mir die Gesetze der Heiligen Stadt nicht bekannt seien.
Seine bohrenden Augen entfachten meine Wut, was für ein Angeber !
Hatte er nichts Besseres zu tun als müden Jägern aufzulauern und wegen eines kleinen Messerleins solch einen Aufstand zu verüben. Er schien diesen Gedanken in meinem Gesichtsausdruck gesehen zu haben, denn er biß sich fest und verlangte meinen Namen zu wissen.
Anstatt diesen preiszugeben überschlug sich meine vorlaute Zunge und nörgelte über Ungerechtigkeit und Kleinkarierheit.
Ich brauchte nicht bis drei zu zählen als ich abermals aufgefordert wurde den Namen zu nennen oder aus der Stadt verwiesen zu werden.
Mittlerweile waren schon der Apotheker Stranamorius und die Kriegerin Kalindra zugegen und lauschten dem Spektakel. Ich hörte wie Kalindra besänftgend auf den Mann, der sich mittlerweile als Ritter ausgab, einredete. Ebenso ermahnte mich Stranamorius einen netteren Ton gegenüber diesem Manne zu pflegen.
Stadtverweis oder nicht, ich sah es nicht ein wegen eines solch geringen Deliktes meine Identität preiszugeben, schon mal nicht wenn es gefordert und nicht aus meinem freien Willen geschah. Zudem konnte ich diese Schepperdose wahrlich nicht als edlen Ritter identifizieren, ein Ritter war in meinen Augen strahlend und nobel, wovon dieser Grobian weit entfernt war.
Ich packte die Zügel meines braunen Pferdchens und machte mich auf diese schäbige Stadt mitsamt ihren scheinheiligen Angebern zu verlassen als der edle Ritter noch hinter mir herbölkte " Wenn ich dich nochmals auf den Straßen Rahal's erblicke wanderst du direkt in den Kerker , Närrin ! "
Möge er doch verschimmeln in seiner polierten Rüstung, mich würde er nicht kleinkriegen und seine blanken Stiefel wienern sehen ....
Vor mir hinfluchend , aber erhobenen Hauptes gings ich durchs Haupttor. Nun würde unsere Kiebitz etwas länger auf ihre Lederlieferung warten müssen. Einen mitleidigen Blick auf das arme Pferd senkend zog ich den Kragen meiner Jacke höher und kehrte der Stadt den Rücken.
[img]http://i187.photobucket.com/albums/x177/GaidaO/robert_seabeck_pack_horse_600.jpg[/img]
Verfasst: Mittwoch 10. März 2010, 18:20
von Jane Jack
Ereignis um Ereignis wechselte dieser Tage von einem zum anderen. Es war ein ruhiger, kalter Spätnachmittag als ich mir abermals fischend am Hafen die Zeit vertrieb. Immer mal wieder einen Blick übers Wasser schweifen lassend um nach Lysanders Kahn Ausschau zu halten. Verdammt , ich mußte mir eingestehen, dass ich ihn vermißte. Kalindra, die Kriegerin hatte sich zu mir gesellt und wir debattierten über Themen wie Ritterehre und gepuderte Reiche und deren Rechte, als wir einen jungen Mann , geradezu gutaussehend ,wahrnahmen. Er stand ein stückweit weg von uns , doch schien er äußerst interessiert am Hafen und deren Bewohnern zu sein. Er stellte sich uns auch bald schon als Sion Ann vor und erwies sich als vollendeter Charmeur, wohlerzogen und feinfühlig ohne dabei unterwürfig zu wirken. Als dann zwei Mitglieder der Vogelfreien auftauchten und ein wenig Kurzweil in Form von Stänkern suchten ließ Kalindra , das Teufelsweib, nicht lange auf sich warten und war kurzerhand in eine Schlägerei verwickelt. Sion, nicht in der Lage Frauen leiden zu sehen, hielt ein wenig später der am Boden liegenden, unterlegenen Kriegerin den Kopf , während sich diese jedoch rasch berappelte um sich gleich wieder in das Kampfesgetummel zu stürzen.
Ich nahm Sion mit mir zum Krähennest, wollte ich ihn doch befragen, ich war neugierig geworden was diesen jungen Mann betraf.
Kurzerhand hatte ich ihm auch schon auf dem Dach des Krähennestes einen Eintopf spendiert als er mir offenbarte, dass er der Reichen und Gepuderten überdrüssig war und Anschluß an einer etwas anderen Gemeinschaft suche. Man habe ihm die Vogelfreien empfohlen. Natürlich machte es sofort "klick " in meinem Kopf, was wäre das für eine Verschwendung diesen klugen und dazu noch gutaussehenden und sympatischen Mann an die Vogelfreien zu verschwenden. Schon bald war eine angenehm vertraute Atmosphäre entstanden, wir gingen hinunter ins Warme und tranken Grog vor dem Kamin sitzend. Pläne wurden geschmiedet und kurzerhand entschieden wir, dass die Elstern wohl eher seinem Niveau entsprechen würden.
Allerdings wollte ich , dass Sion sich ganz sicher sei und führte ihn in die Feuchte Meerjungfrau. Sollte er sich doch selbst ein Urteil über jene machen.
Um es kurz zu machen, die Kriegerin war von den Vogelfreien entführt und eingekerkert worden. Sion konnte, wie ich schon zuvor erwähnte keine Frau leiden sehen und rettete die Kriegerin indem er sein letztes Gold darbot um das ausgesetzte Lösegeld zu zahlen. Die Vogelfreien hatten verspielt, soviel rohe Gewalt konnte und wollte der feinfühlige Sion nicht tolerieren.
Ich dagegen bewunderte diese selbstlose Tat . Schon bald wurde Sion Iriel vorgestellt, welche nach einer ausführlichen Inspektion, seinen Namen fein auf den Gildenstein meißelte. Ein neues Elsterchen war geboren .
Verfasst: Samstag 20. März 2010, 21:49
von Jane Jack
Die Strahlen der Sonne wurden mit jedem Tag wärmer und stärker. Die Elstern waren alle mit ihrer Faktorei und der Suche nach einen geeigneten Schlupfwinkel beschäftigt , sodass die Zeit im Fluge verging.
Ich selbst konnte nach einem beeindruckenden Badeerlebnis in Adoran's Badehaus den Gedanken an ein eigenes Bad bei uns im Hafenviertel nicht loswerden und setzte alle Kräfte daran das Krähennest berühmt zu machen.
Dank meinem Einfallsreichtum und Kiebitz alchemistischen Künsten war es uns rasch gelungen wahre Wunderschaumbäder wie ein Verjüngungsbad und dergleichen herzustellen . Einige Badezuber wurden herbeigetragen, Vorhänge genäht , gefärbt und alles so komfortabel wie nur möglich gestaltet. Schließlich sollten sich die badenden Gäste auch wohlfühlen. Bunte Fläschchen mit Badezusätzen wurden in die Regale gestapelt, Handtücher gefaltet, Bartkämme und Scheren bereitgelegt.
Einen der ersten mußte ich jedoch sogleich an die Luft befördern, bildete er sich doch ein, das Krähennest sei nichts weiter als ein Freudenhaus und Absteige mit dem Zusatz einer Badegelegenheit. Frechheit !
Ich würde zu meiner eigenen Sicherheit einige unserer Elstern hinzubitten müssen, als Badeverstärkung sozusagen . Sion würde die Damen bewirten und deren zarte Rücken schrubben, die Männer würden ich und Iriel übernehmen, auch Sperling würde helfen, so hoffte ich zumindest.
Als ich fast fertig war, hörte ich wie sich der Schlüssel in der Türe drehte und herein kam Lissy, sich die Stiefel abstapfend.
Er hatte von den Veränderungen im Krähennest nicht viel mitbekommen, war oft mit seinen Kameraden unterwegs, viel Arbeit auf La Cabeza , so sagte er. Wir setzten uns vor den Kamin, Gewürzwein trinkend und nun endlich ein wenig auf Zweisamkeit hoffend . Er legte seinen Arm um mich, und starrte ins Feuer. Was war denn das in seinem Blick ?
Nachdem wir den Gewürzwein mit Rum ersetzt hatten bekam ich's zu hören. Der Frühling war nah - und somit auch die bald anstehenden Kaperfahrten. Ein plötzliches Klossgefühl im Hals ließ sich noch nicht einmal mit Rum fortspülen. Er würde auf hoher See sein, schon bald, würde abends nicht wie gewohnt unter meine Felle schlüpfen , würde mir nicht seine süßen Worte ins Ohr hauchen, ich wäre wieder mal alleine. Ich biß mir auf die Lippe, ich wollte nun nicht losheulen, nicht jetzt !
Unser gemeinsamer Abend hatte schlagartig einen dunklen Beigeschmack bekommen, würde er lebend zu mir zurück kommen ? Kapernfahrt, das bedeutete Krieg, Kanonen, Musketen, Schwerter und Blut, vielleicht das seine diesmal.
Lissy's gelassene Beteuerungen alles sei gut und ich brauche mir keinerlei Sorgen zu machen zermürbte mich nur noch mehr , bis dann zu allem Überfluß einer seiner Kameraden ans Krähennest klopfte und ihn mitnahm, ein Auftrag und dringend.
Ich starrte ins Feuer .
Das Bad würde mich ablenken, aye, das würde es... ich stand auf und setzte mich an den Tisch um einige Pergamente zu beschriften. Ich würde sie aufhängen in allen Teilen des Landes, nur den Ort würde ich nicht öffentlich nennen, sollten doch diejenigen, welche Verjüngung und Erlösung benötigten erfragen was das Krähennest war und wo es zu finden sei.
Das Bad im Krähennest - Das Bad der Elstern .. ....
[img]http://i187.photobucket.com/albums/x177/GaidaO/Bathtub1.jpg[/img] [img]http://i187.photobucket.com/albums/x177/GaidaO/Jacky2.jpg[/img]
Verfasst: Montag 22. März 2010, 18:23
von Jane Jack
Es war mühsam den schmerzenden Arm zu verbinden, gestern waren die blutigtriefenden Bandagen zwar schon von Freunden mehrmals erneuert worden, doch scheinbar mußte diese Prozedur weiterhin fortgesetzt werden. Ich hatte eines von Lissy's alten Hemden in Streifen gerissen und anschließend etwas Rum über die tiefe Schnittwunde am Oberarm gekippt und dabei beinahe in Ohnmacht gefallen.
Die Wunde sah bläulich verfärbt aus und roch ungut, scheinbar alles ein Resultat des brackigen Hafenwassers.
Letharen, welch absonderlicher Abschaum von zweibeinigen Wesen.
Hatte der Sadist es doch tatsächlich gewagt mit seinem gewaltigen Schwert, oder Kralle wie er es nannte, nach mir zu schlagen und dann zu allem Ungemach auch noch zu treffen .
Er forderte den Schlüssel vom Krähennest um dieses kurz und klein zu schlagen, oder aber mich, die er sonst mitnehmen würde.
Alles, weil er und Lys irgendeine Abmachung getroffen hatten , welche nicht eingehalten worden war.. was zum Henker bildete sich dieser Bastard nur ein. Das ich ihm den Schlüssel mit Kniefall aushändigte ? Verblendete Idioten.
Mein Wiederstand machte ihn rasend und letztlich rettete mich ein von der " Kralle " ausweichender Rückwärtsschritt, der mich schnurstracks ins kalte , stinkende Hafenbecken beförderte. Er versuchte mich mit seinen schweren Stiefeln hinabzudrücken, immer tiefer zurück unter Wasser...
Ich bin mir fast schon sicher, dass mich etwas gerettet hat,ein höheres Wesen vielleicht, denn ich war nichts mehr als ein schlotternder , blaulippiger Körper, mein Verstand hatte ausgesetzt , doch trotzdem tauchte ich und entkam so seiner Reichweite . Erst weit hinten, bei Kim's Taverne stieg ich aus dem Wasser, der Körper gefühllos, bibbernd wie Espenlaub.
"Warte, Ix'ylor , du Sohn einer Ratte... Deine Zeit kommt auch noch ", fluchte ich und biß die Zähne zusammen während ich die Bandagen um die Wunde zog .
[img]http://i187.photobucket.com/albums/x177/GaidaO/05-offenes-hafenbecken.jpg[/img]
Verfasst: Montag 29. März 2010, 17:39
von Jane Jack
Die Wunde heilte erfreulicherweise gut. Nachdem sie auf barbarischte Weise von Lys und Miremar versorgt worden war, nämlich mit Donnerpulver ausgebrannt und hernach mit herkömmlichem Nähwerkzeug vernäht. Stets und immer wieder beteuernd es hätte keine andere Möglichkeit bestanden versuchte ich ihnen zu glauben, und ließ mir in alltäglichen Abständen auch den Verband wechseln, was Vinory mit sanften Fingern und Vorsicht durchführte.
Lys war nun schon wieder seit einigen Tagen fort, "der Ruf " hatte ertönt und er mußte folgen. Was auch immer das alles bedeutete, ich fühlte mich schlicht und einfach verlassen. Ruf hin oder Ruf her.
Mein luxoriöses Bad schien nicht so recht anlaufen zu wollen, einige Stimmen behaupteten sogar, in den Fässern würde man noch nicht einmal einen Hund baden wollen. Pfft, es wird schon.
Doch vorerst mußte ich mir einen anderen Lebenserwerb überlegen. Der Arm war noch nicht verheilt und das Angeln stand außer Frage. Vinory hat mir zwar angeboten mich auf dem Hofe seines Bruders mit zu verköstigen, doch das kann ich nicht ewig in Anspruch nehmen.Es hatte sich bereits eine regelrechte Freundschaft zwischen den beiden Neuzugezogenen und mir entwickelt, sie waren meine Seelentröster in harten Zeiten wie diesen und liebten es mich mit in die Tavernen zu schleppen. Die kleine Schneiderei am Friedhof kam in Schwung und erste Kunden fanden sich auch schon ein. Das Hafenviertel erwachte zu neuem Leben, und der Frühling stand vor der Tür...
Verfasst: Samstag 3. April 2010, 21:07
von Jane Jack
"Der hochedle Herr S. V. von Montesaviere entbietet jedem rechtschaffenen und ehrbaren Menschen die Möglichkeit einer Anstellung, sollte er oder sie den Anforderungen entsprechen."
Ich starrte diesen Aushang an während es in meinem Kopfe nur so ratterte. Ein neuzugezogener Adliger, ein gepuderter Schnallenschuhträger, so etwas kam mir gerade recht in der Zeit der Not.
Rasch suchte ich das Krähennest auf um auch schon tief in meinen Verwandlungskisten wühlend das passende für eine Badefrau und Kammerzofe suchte.
Was würde Lissy lachen wenn er das erführe, grinste ich mir ins Fäustchen.
Warscheinlich würde es ihm nicht behagen mich in einer Dienerposition zu wissen. Doch sollte man hier nun gezielt auf die bevorstehenden Möglichkeiten achten . Ich würde versuchen die Elstern einzuschleusen, welch Glücksfall und Schlaraffenland.Teppiche, Gelage, Kronleuchter und Juwelen, Intrigen, Machenschaften, Informationen aus erster Quelle.
Das Haar geflochten, die sauberen Sachen angezogen befand ich mich wenige Stunden später auch schon am Anwesen des Hochadligen Montesaviere. Es schien ruhig und nicht sehr belebt sodass ich zuerst zögernd, dann jedoch entschlossen zur Türglocke griff und läutete.
Nach einem kurzem Augenblick trat ein gut gekleideter Mann ans Tor, die Hand auf seinem Schwertknauf ruhend und mich ruhig nach meinem Begehren fragend . Der hochedle Herr S. V. von Montesaviere hatte mir geöffnet und führte mich in das nahestehende Gasthaus , sein Anwesen sei angeblich von Handwerkern belagert , man würde nur stören. Nun gut, ich folgte ihm und befand mich alsbald vor ihm sitzend in einer kleinen , sauberen Taverne wieder.
Sein Benehmen war nahezu pedantisch ordentlich, jede Handbewegung vornehm und elegant . Ich log dass sich die Balken bogen, erzählte von meinen Eigenschaften als Kammerzofe und von den Baderezepten meiner seeligen Großmutter , die wohl auch so manchen hartneckigen Husten kurieren können. Dieser feine Herr wurde von extremen Hustenattacken gemartert, so arg, dass er mir sogar für einen kurzen Augenblick leid tat und ich ihm meine ehrliche Hilfe anbot. Die kleinen dünnen blutigen Fäden die er rasch zu verbergen versuchte offenbarten mir die Wahrheit. Lange würde der Herr sicher nicht mehr unter uns verweilen, es sei denn ein Wunder würde geschehen.
Kurzum, unser Gespräch wurde dadurch unterbrochen, dass der feine Herr rechtzeitig zu einer Hinrichtung erscheinen wollte, wir verblieben , dass ich ihm eine schriftliche Bewerbungsnotiz zukommen lassen solle , vorher jedoch ihn begleiten möge, es würde eine Hochverräterin gehängt, da könne ich mal gleich an Erfahrungen sammeln.
Mir wurde heiß und kalt. Nicht nur, dass man mich erkennen konnte , nein, Galgen und Kerker waren meine größte Angst.
Schon bald wurde die arme Seele, eine zierliche Frau herbeigeführt, mit verfaultem Obst beworfen, beleidigt und aufgeknüpft. Verräter hin, Verräter her, hätte Verbannung nicht gereicht ?
Ein Zittern erfüllte meinen Körper, ich konnte meinen Blick von dem letzlich zappelnden, hängenden Körper nicht abwenden . Sah ich doch statt ihrer mich und Lissy dort baumeln. Seine Hochwohlgeboren dagegen schien dieses Spektakel mit aller Zufriedenheit zu genießen . "So zerfressen sind die Seelen der "Guten" schon, dass sie nicht einmal Mitgefühl für eine zum Tode Verurteilte haben," so pflegte ein guter Freund des öfteren zu sagen.
Als er dann noch belehrende Worte in meine Richtung lenkte, kam es mir hoch und ich verließ eilig, ein Taschentuch gegen meine Lippen drückend , den Ort des Grauens um mich dann alsbald an einer kleinen Brücke vollends zu übergeben.
Wurde Betrug und Diebstahl geahndet wie Hochverrat ? Doch blieb mir vorerst nichts anderes übrig , ich mußte irgendwie überleben.
Wieder zuhause angekommen schlüpfte ich rasch aus den ungewohnten Sachen zurück in meine bequeme Bekleidung.
Noch lange stand ich am Hafen, jeden fernen Punkt am Horizont anvisierend, leider immer wieder mit der Erkenntnis dass es nicht Lys sein könne.
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Verfasst: Mittwoch 5. Mai 2010, 15:13
von Jane Jack
Schon merkwürdig, dass sich manchmal Ereignisse gewissermaßen überschlagen, ja Saltos und Rollen vollführen bevor das Leben wieder seinen normalen Lauf nimmt. In meinem Falle konnte ich wahrhaftig nicht von steter Normalität sprechen, jeder Tag konnte Veränderung bringen, doch die letzten Wintermonate waren so ruhig gewesen, dass es schlicht und einfach ungewohnt war plötzlich im Durcheinander des Frühlings zu stehen.
Meine Füsse baumelten die Kaimauer herab, die Angel lag neben mir und die warme Frühlingssonne schien mir auf den Rücken, während ich mich zurücklehnte .
Wann hatte es angefangen , überlegte ich. Wann hatte sich der Wind gedreht ? Jaron war lange auf See gewesen, ich hatte mich derweil um meine Anstellung bei dem edlen Montesaviere gekümmert, war herumgeführt worden , bald schon auf Abruf bereit. Das Anwesen wurde möbliert und mit feinsten Vorhängen und Mobiliar ausgestattet. Angestellte wurden geladen und ausgewählt. Ein fürwahr edler Haushalt der sogar über einen Barden und Geschichtenerzähler zur Zerstreuung der hohen Herrschaften verfügen sollte. Ich es konnte es kaum noch abwarten das feine Silber und die wunderbaren menekanischen Teppiche einsacken zu können, doch alles mit der Ruhe, ich mußte mich in Geduld üben .
Unsere Elstern waren nicht minder müßig gewesen und errichteten im ganzen Lande Zweigstellen. Ein Transportunternehmen, welches man so noch nicht gesehen hatte war im Entstehen. Miremar unser Schneider hatte sich in Adoran niedergelassen und versorgte die dortigen Leute mit seinen ausgefallenen Kreationen, sicher, über seinen Farbsinn konnte man streiten, aber er war mir ein guter Kerl und ich mochte sein zuckendes Auge . Vinory der stets galante und gutherzige Krieger aus unseren Reihen belieferte dessen Unternehmen pünktlich mit seltenen Fellen und lud uns oft zum Zechen hernach in die Tavernen ein.
Das Leben war rund, bis zu dem Zeitpunkt als ich eines lieben Tages am Bajarder Hafen vorbei spazierend einen fischenden Mann auf sein Angelglück ansprach. Er hatte nur ein Auge, dort, wo das zweite sein sollte starrte nur ein dunkles Loch entgegen. Wilderich, so stellte er sich mir vor. Ein hübscher Kerl der nach einem Schneider fragte. Also schleppte ich ihn kurzerhand zu uns ins Hafenviertel wo die Kiebitz ihren Laden hatte. Rasch hatten wir etwas passendes gefunden und den Guten angekleidet. Kleider machen Leute ? Dieser hier konnte fürwahr tragen was er wollte, seinem Charisma tat es keinen Abbruch.
Ich bemerkte dass ich lächelte sowie ich an ihn dachte, verzog das Gesicht jedoch sofort zu einer strengen Miene und verbat es mir. Nein, diesen Jungen mußte ich mir aus dem Kopf schlagen. Was war nur in mich gefahren. Wir waren uns in den letzten Tagen öfters über den Weg gelaufen, und konnten nicht umhin, einander unsere Sympathien einzugestehen. Ein Wort folgte dem anderen, Hände wurden länger festgehalten als gewöhnlich, seitlich verstohlene Blicke ausgetauscht . Was passierte da ? Sicher fühlte ich mich etwas vernachlässigt durch Lys, stets war er in seinen Krautgeschäften unterwegs und pennte sogar neben mir in Tavernen weg.
Die Frühlingsluft schien in mir allerdings ganz etwas anderes zu bewegen. Mein Inneres zwitscherte nur so, ich fühlte mich herrlich lebendig und nahm somit jede Schmeichelei seitens Wilderichs auf wie eine Biene den frischen Nektar.
Einzig und allein sorgte ich mich um mein morgendliches Unwohlsein, Lys mußte ein anderes Faß Rum aus Cabeza mitbringen, das jetzige schien verdorben zu sein , so zumindest dachte ich in meinen jugendlichen Leichtsinn!
Erst als ich am Hafen von Lameriast saß, ich hatte einen Tag mit Wilderich verbracht, sollte mich die Wahrheit mit voller Wucht aus dem Gleisen werfen .Ein altes Weib trat an mich heran, als ich mal wieder mein Inneres nach Außen würge und fixierte mich für einige Augenblicke. " Na meine Kleine," krächzte sie in rauer, aber großmütterlicher Stimme, "das geht auch vorbei, noch ein wenig und du kannst das Muttersein genießen. " Ich verschluckte nahezu mein Erbrochenes als ihre Worte an mein Ohr drangen . Muttersein ???
Scheiße ! Das konnte doch garnicht sein! Doch sogleich offenbarten sich mir all die leidenschaftlichen Nächte welche ich mit Lissy zugebracht hatte. Scheiße ... !!
Lissy würde tot umfallen , ganz sicher.. er haßte Kinder !
Doch sollte ich mich täuschen ! Noch mit dem Staub aus Lameriasts Mine bedeckt saß ich Stunden später am Tisch von Kiebitz Laden, Lissy neben mir , Kiebitz und Iriel mir gegenüber.
Wie zum Henker konnte ich es aussprechen ?
Ich knallte die Pulle Rum auf den Tisch und da polterte es auch schon aus meinem Munde: " Dies war meine letzte Flasche ! " Entgeisterte Gesichter schauten mir sorgevoll entgegen als ich meine Ausführungen fortführte. "Lys und ich,erm,nun,vielmehr er in seiner ungestümen Art, "stammelte ich konfus herum, Lissy immer mal wieder seitlich anlinsend.
"Die Elstern bekommen Nachwuchs !"
Da tat es schon einen Rumms und mein Gefährte , auf dem Stuhl wippender Weise , fand sich auf dem Fußboden wieder, um allerdings gleich wieder aufzuspringen, irre dreinblickend , jubelnd und singend meine Hände ergreifend sich aufgelöst freuend.
Ich war wie versteinert. Er freute sich ? Es traf ihn nicht der erwartete Schlag ? Mein Herz tat einen Sprung , erst einen, doch dann begann es ihm Trab zu pochen, hin zu Lissy, dem Vater unserer kleinen Elster .
Nach einer langen Zeit , welche ich mit Anhören von neu erstellten Ernährungsplänen, weg vom Rum und Kraut und hin zum wunderbaren Gemüse ließen mein Inneres wieder rumoren, bis wir schließlich im trauten Krähennest vereint unter unserem verflohten Bärenfell lagen und uns ewige Liebe schworen.
Wo nur sollte ich das Elsterlein betten, im Rumfass ?
Scheiße !
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Verfasst: Mittwoch 19. Mai 2010, 21:57
von Jane Jack
Ich erwachte schweißgebadet, es war noch dunkel, nur ein Rest der Glut des Kaminfeuers warf einen letzten rötlichen Schein in die nahe Umgebung.
Mein Haar wirr und klatschnass aus dem Gesicht streifend versuchte ich mich zu sortieren. Lissy !!! ... meine Hand tastete zu den Fellen neben mir - klaffende Leere . Nein, Lys war an Bord, eine harmlose Schiffsverlegung wie er mich zu beruhigen versucht hatte. Mehr nicht. Mein Traum allerdings sprach von Untergang und Tod.. es war grauenvoll.. Lissy war Unterwasser eingeschlossen und seine Kameraden versuchten ihn zu befreien... Wasser , nichts als Wasser umgab mich in diesem fürchterlichen Traum.
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Ich hasste die See , so sehr ich sie auch liebte .
Ich entzündete eine Kerze und legte mich wieder auf unser Lager aus Decken und Kissen und mein Blick fiel auf die Rumfasche , welche aus besonderem Anlaß auf dem Kaminsims protzend herumstand .Alle anderen waren aus dem Krähennest verbannt worden.. um mich nicht in Versuchung zu führen..bah ... was'n Leben... kein Grog, kein Wein, kein garnichts . Meine Hände wanderten auf meinen noch schlanken, straffen Bauch. Vielleicht war alles nur ein Mißverständnis ? Meine morgendlichen Kotzattacken sprachen jedoch unmissverständlich das Gegenteil.
Ich löschte die Kerze und drehte mich zur Seite , eine Hand in Lissy's Kissen vergrabend und an mich drückend. Möge der Klabautermann ihn verdammt nochmal beschützen ...
Verfasst: Montag 14. Juni 2010, 22:09
von Jane Jack
Selbstverständlich kündigte sich Lissy niemals an, nie.. ! Er konnte sich glücklich schätzen, wenn ich ihm aus dem Schreck heraus , nicht mein Messer in den Leib rammte. Doch so war es nun mal und würde wohl bis zum Ende aller Tage bleiben. Ich würde mich bemühen müssen, mein ungeborenes Kind nicht vaterlos zu machen. So geschah es auch dieses Mal, dass Lys plötzlich und leibhaftig in der Hintertür stand . Nach dem ersten, rasch überwundenen Schrecken, im Hafenviertel war zur Zeit wahrlich mehr Abschaum als sonst unterwegs, fielen wir uns in die Arme und Lissy erzählte in ersten Zügen von seinen Abenteuern und dem Vulkanausbruch auf La Cabeza. Würde sich dieser eines guten Tages beruhigen, wollte er mich in Sicherheit und fort vom Hafenviertel wissen. Wir würden unseren Wohnort in wärmere Gefilde verlagern,geradezu traumhaft diese Vorstellung. Ich sah mich an der Hafenmole angeln, barfuß, die Sonne im Gesicht . Das Festland weit entfernt, welches ich nur besuchen würde um Elfriedes Kochkünsten zu fröhnen. Zumindest vorerst.
Doch wie Lissy so erzählte und erzählte wurde in mir ein Gedanke laut und lauter. Vallas und Charly.. plötzlich stand mir deren Hochzeit vor Augen. Lissy wollte mich zwar mitnehmen, doch hatte er je ein Wort gesagt, dass er mich freien wollte ? Während Lys weiter in seinen Ausführungen fortfuhr, keimte in mir die Vorstellung, dass es ihm wohl doch peinlich sein konnte eine LANDRATTE zu ehelichen. Er hatte ja noch nicht einmal meine Schwangerschaft erwähnt, der Sack.
Allerdings kam ich nicht dazu mich weiter in Rage zu steigern, Lys kannte mich bereits zu gut, und las mir jedweden Unmut von der Nasenspitze ab und entlockte mir recht zügig den Grund meines Murrens.
Da standen wir nun, in unserem Innenhof , umarmten uns und sprachen von Heirat. Lissy meinte zwar, dass er den Sinn zu solch einer Verbindung nicht recht begreifen könne, doch wenn es mich freuen würde, er hätte nichts einzuwenden.
Da war dann noch die Sache mit dem Gefragtwerden . Auch wenn ich den meisten Traditionen und Gesetzen abgeschworen hatte, dieses eine war dann doch recht romantisch angehaucht verblieben.
Lissy , stets ein Mann offener Worte stand vor mir, nervös auf seinem Krautstengel rumkauend und um eben diese sonst so leicht heraussprudelnden Worte ringend.
Stand da kalter Angstschweiß auf der Stirne ?
Lysander Jaron Silva kämpfte um die richtigen Worte.
Er nahm meine Hände hielt sie ziemlich fest sogar, so, als würden seine Worte mit der Stärke des Drucks leichter fließen können...
„Jacky - willst'e meene Frouwe wer'n?“
Er strahlte mich an als ich es bejahte und ich war die glücklichste Frau in dem schmutzigsten Viertel des Landes.
[img]http://i187.photobucket.com/albums/x177/GaidaO/341105.jpg[/img]
Verfasst: Montag 19. Juli 2010, 19:19
von Jane Jack
Mein Bauch entwickelte sich zusehendst , es fragte mich eine der Elstern sogar, was ich denn unter meinem Hemde verstecken würde. Allerdings nur, um hernach zu erröten und rasch vom Thema abzuschweifen.
Die sommerliche Hitze nagte an meinen Nerven. Das Hafenviertel erwies sich als wahrlich schlechter Ort um Schwangeren Linderung vor der Hitze zu bieten. Es stank , Ratten vermehrten sich und liefen nun schon bei Tageslicht durch die Gassen, ihren Kot verbreitend.
So sehr ich mich hier auch wohlgefühlt hatte, umso mehr zog es mich hinaus zum Strand , nahe Elfie's Bauernhof. Dort umspielte die kühle Brise meinen Körper, liess meine Haare wehen und meine Seele schien sich zu erholen. Lysander war immer seltener in meiner Nähe. Wäre er an den wenigen Malen unserer Treffen nicht so zärtlich gewesen, würde in mir der Gedanke aufkeimen, er zöge sich absichtlich zurück, doch schien alles mit den Wirren des Krieges zusammenzuhängen, sowie nun auch mit der Gefangennahme eines seiner Kamaraden.
Vallas sass im Kerker, er , welcher vor Mut so strotzte, hatte sich gefangen nehmen lassen. Ich erschauderte. Was wenn Lys das gleiche Schicksal ereilen würde. Früher oder später wartet auf uns alle der Galgen, so zumindest beliebte Lys zu scherzen.
Ich lenkte meine Gedanken fort von Kerker und Tod, mich meinem Kinde widmend welches bereits in meinem Bauch Purzelbäume zu schlagen schien. Ich liess meine Hände fühlend über ihn streichen. Wenn man den Frauen und deren Behauptungen Glauben schenken konnte, würde es im Herbst zur Welt kommen wollen. Lissy wird mir helfen, er würde es schon schaffen, und Maria, der erste Maat .. in der Zwischenzeit würde ich noch detailiertere Informationen heranschaffen können, so zumindest hoffte ich. Alleine auf die dümmliche Aussage der Fischersfrau " Was hineinkam wird auch wieder herauskommen " , wollte ich mich nicht verlassen. Doch war ich mir eines ganz sicher, kein schnallenbeschuhter , gepuderter Heiler wird Hand an mich legen, sollte doch unserem Kind der Anblick des blutsaugenden Adels und deren Speichelleckern erspart bleiben.
Das Wasser umspielte meine Füsse sodass ich tiefer in die Fluten stieg. Herrlich war es hier, der blaue weite Himmel liess mich in Gewissheit verweilen , dass das Leben lohnenswert war. Mein Blick ging über den Horizont, das Schiff meines Liebsten ersehnend.
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Verfasst: Dienstag 7. September 2010, 15:31
von Jane Jack
Iriel hatte sich aus dem Staub gemacht, blass und sich wohl schwörend, nie und nimmer ein Kind bekommen zu müssen .Ebenso war mein treuer Gefährte Jaron kopflos losgeeilt um sauberes Wasser und Handtücher zu holen.. Stunden zogen ins Land ... in immer öfteren Abständen liessen mich krampfartige Wehen in die Hocke gehen, mich krümmen ,zuerst gar noch in der Hoffnung es sei eine simple Magenverstimmung . Doch gelang selbst mir es nicht mehr mir etwas vorzumachen, dies waren wohl Geburtswehen !
Die Nacht verging wie im Traum, zwischen Krämpfen und Erschöpfungszuständen betete ich bereits zu allen Göttern die mir bekannt waren, dass der verdammte Schuft von Jaron hier wieder auftauchen möge, doch sollte ich mich noch gedulden müssen, denn erst Stunden später, als ich mich bereits mit Presswehen an den Kamin klammerte erschien er im Krähennest. Durchnässt bis auf die Haut und durchkühlt stürmte er herein, einen Seufzer und Ruf der Erleichterung von sich gebend , da ich noch am Leben sei. In einen Brunnen sei er gefallen, die Stadtwachen hätten ihn herausgezogen, sonst wäre es wohl um ihn geschehen. In einen Brunnen gefallen, nun, diesen Bären konnte er gewiss einem seiner Kamaraden aufbinden, jedoch nicht mir, der berühmtesten Kleingaunerin aller Zeiten, grummelte ich als mich bereits die nächste Wehe darnieder streckte. Jaron stützte meinen Rücken während ich hockend presste was das Zeuch hergab. Ich krallte mich in Lissy's Arme und schrie wohl das gesammte Hafenviertel zusammen, doch scherte es mich herzlich wenig, das einzige Ziel welches zählte war diesen entsetzlichen Schmerz loszuwerden. Jaron mittlerweile wieder Herr seiner selbst, zwar bleich und zitternd gab sein Bestes, den Krautstengel kauend statt rauchend, mich stützend und mir den nur so an mir herabperlenden Schweiss abzuwischen.
Pustend und in kurzen Stössen jappste ich ihm zu " Sieht aus, als haben wir keine Hebamme, aye ? " Doch Lissy hielt mich derweil nur noch fester im Arm, sein Amulett auf meinem Bauch liegend , der Situation ergeben und nun nur noch durchhaltend bis zum eisenern Ende.
Zumindest war er da, nur das zählte. Ich nahm ihm noch rasch das Versprechen ab, sollte ich wider Erwarten abkratzen, unser Kind nach mir zu benennen, als auch schon die nächste Presswehe ihr Werk vollendete und ein dunkler Schopf sich seinen Weg auf diese so schöne Welt bahnte. Noch eine Wehe und die Schulter hätte folgen sollen, doch sie hatte sich verkeilt.. nichts ging mehr, weder vorwärts noch rückwärts... ich schrie vor Schmerz.. es würde mich zerreissen.... "Jaaaaron, du musst ziehn !!! Aber vorsichtig " Er sah aus als würde er auf der Stelle ohnmächtig werden, doch schien etwas in ihm einfach nur zu funktionieren. Er liess meinen Rücken los, beugte sich vor und zog unseren Sohn sanft auf die Welt... Ich heulte vor Glück und Erleichterung und liess mich rücklings in die von Blut besudelten Laken und Felle fallen. Jaron lächelte als sei er nahedran irre zu werden oder eine Dummheit zu tun , legte mir das Kind auf den Bauch und schnitt die Nabelschnur durch , als hätte er jenes bereits viele Male getan. Nach dem Vierten Kind wird's einfacher, murmelte er... wozu ich nur erwiderte, dass wir uns wohl doch erstmalig mit Mäusedarm behelfen sollten, oder war es gar Rattendarm ? Nein, Fischdarm lachte Lissy... !
Die kleine Elster war geboren, und just in dem Moment als Lissy sich nach aller Aufregung doch noch dazu entschlossen hatte sich im Hof feinst zu übergeben, huschte die Nachbarskatze ins Zimmer. Ein Omen ? Lissy nannte es Samtpfötchen , und da hatte das Kind zumindest schon mal einen Spitznamen, der wahre Name musste noch ein wenig warten...
Wir lagen in sauberen und weichen Fellen, unser Kind schmatzend saugend und wir beiden verzaubert von dem was uns gerade widerfahren war, und während Jaron mir Worte der Liebe in seiner ach so schönen Sprache in mein Ohr hauchte, fielen mir die Augen zu... und ich träumte von einem samtpfötigen Jungen der als Meisterdieb die Gepuderten bestahl und auf seines Vater's Schiff die Abenteuer dieser Welt erlebte.
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Verfasst: Donnerstag 21. Oktober 2010, 12:56
von Jane Jack
Emsig die Arbeiten am Badehaus überwachend und verbessernd waren die letzten Wochen wie im Fluge vergangen. Dank Wilderich's gelungener Schröpfkugeln zur Milchgewinnung konnte sie den kleinen Este Noa seinem Vater überlassen und sich selbst dem Ziel ihrer Wünsche widmen. Das Badehaus der Elstern ! Die Handwerker hatten es blassblau eingerichtet, doch schwebte Jackie der Sinn nach was wilderem, Unbändigem, einem Dschungel . Sie wollte ihren Gästen das Gefühl von Urwald vermitteln, einem sprudelndem Wasserfall , rankenden Lianen und Farnen. Sie machte sich ans Werk...
Zu ihrem Glück hatte Anele ihren Weg gekreuzt und sich Ihnen angeschlossen, Jackie im Bereich des Badehauses unterstützend. Besser konnte es garnicht sein, Anele wusste vielleicht sogar jemand passenden für Gerimors Damenwelt . Schmunzelnd hatte sie dem nur zustimmen können.
Doch als sie nach ihrem Gefährten Lysander fragte , bekam sie von Anele nur eine zögernde Antwort... er sei soweit ganz nett bis auf das Ertränken von Säuglingen und deren Müttern ... Säuglingen ???? Jackie traute ihren Ohren nicht .. was erzählte Anele da ? Auf weiteres nachfragen habe er ihr wohl zur Antwort gegeben : Arbeit ist Arbeit .... Jackie beruhigte Anele mit den Worten , dass sie sich an Lissy's Art wohl erst gewöhnen müsse, er übertreibe gern und liebe es andere zu schockieren. Doch tief in ihrem Inneren liess es sie nicht los, und ständig tauchte der Anblick von untergehenden Säuglingen vor ihrem geistigen Auge auf. Als dann auch noch Wilderich eintraf und ihr neues Bad ausprobierte stiegen in Jackie die Tränen auf. Hatte Wil doch eine neue Liebe gefunden und sie selbst einem Säuglingsersäufenden Irren überlassen ? Nicht selten sah man Frauen nach Schwangerschaften in Tränen aufgelöst, am Boden zerstört obwohl doch das Leben völlig in Ordnung schien... so war es wohl auch bei Jackie... wären da nicht diese schrecklichen Bilder in ihrem Kopfe...
[img]http://i187.photobucket.com/albums/x177/GaidaO/Jungle_Dreaming_1600.jpg[/img]
Verfasst: Montag 27. Dezember 2010, 18:19
von Jane Jack
Jackie's Blick ging noch einmal über das winterliche Hafenviertel,alles war in milchweissen Dunst getaucht, es fror und der Winter hatte das Land fest im Griff. Ihre rechte Hand lag leicht auf dem Fernrohr und schwenkte noch einmal in Richtung des Hafens.Sie liess alles noch einmal Revue passieren,ins Weite blickend,träumend : Sie hatte die Elstern verlassen,von einem Tag auf den anderen. So sehr Jackie auch die Gesellschaft einiger Mitglieder genoss, umso unzufriedener war sie ob anderer Dinge geworden. Sauberkeit und Ordnung war noch nie ihre Welt gewesen, und als man hatte ihr nahelegte ihre Baderezepturen zu überdenken, denn wer schon von Gerimors feiner Gesellschaft würde gerne in Tinkturen, bestehend aus dem Erbrochenen eines Seemanns, Jungfrauentränen oder gar hochprozentigen Rums baden, stand ihre Entscheidung.Jackie zog sich mehr und mehr ins Krähennest zurück und träumte von alten Zeiten. Nur Jaron allein gelang es, sie aufzuheitern, fabulöse Bilder aus La Cabeza vor ihr entstehen lassend, erzählte er ihr von dem traumhaften Eiland inmitten tropischer Landschaft. Stundenlang lagen sie auf dem Fell-und Kissenlager vorm Kaminfeuer des Krähennestes, sich ihr gemeinsames Leben vorstellend, fernab vom Spießbürgertum und der stiefelleckenden Gesellschaft. Man konnte nur hoffen, dass der Vulkan endlich zum Stillstand kam, aufhörte das Innere der Erde nach außen zu spucken und Landmassen zu verschlingen. Als dann im 11. Searum 253 ihr Sohn geboren wurde, war es beschlossene Sache, es würde nach Cabeza gehen, wenn dann von der Insel noch etwas übrig geblieben sein sollte. Für Jackie wäre es ein Leichtes, war sie doch auf einer Insel, besiedelt von Schmugglern und Piraten groß geworden. Wie sie von Jaron erfahren hatte, war diese Insel ein Stützpunkt der Bruderschaft gewesen, jedoch vermied er die Bezeichnung „Piraten“ für diese Männer und nannte sie neben Schmugglern und Gewährsleuten bestenfalls Freibeuter; mit einem Tonfall, der Geringschätzung erahnen ließ. Wie dem auch sei, jedenfalls hatte nur die Angst vor dem Ertrinken sie zu einer Landratte werden lassen, doch die Aussicht inmitten von Gleichgesinnten ihr Leben leben zu können beflügelte ihre Sinne.
Jackie kehrte den Elstern kurzerhand den Rücken zu,packte ihre Baderezepturen ein um frei wie ein Vogel sich nur noch ihrer kleinen Familie und ihren Suff widmend. Über die vergangenen Mondläufe hinweg hatte sie Jarons Kameraden kennengelernt, immer mehr zog es sie in deren Kreise. Oftmals saß man bis tief in die Nacht zusammen und debattierte, fluchte, spaßte und soff. Nicht zu vergessen das Cousinchen Noemi, Neuzuwachs der Familie Sylva, eine fidele Sechszehnjährige der man gerne Klein-Esteban aufs Auge drückte, während man sich selbst der Welt der Erwachsenen zuwandte und einen Grog nach dem anderen leerte. Doch selbst dieses Kindchen, ihre sechszehn Lenze Leben lang eine Landratte gewesen, hatte kürzlich sehr zum Missfallen von Jaron auf dem Schwarzen Schiff angeheuert. Das gab endlich den letzten Ausschlag für sie, ihre Skrupel vor sich selbst und dem vermeintlichen Fluch, all der Gram, den sie des Todes ihres Vaters wegen mit sich trug fortzuschließen und den letzten Schritt zu wagen. Wie damals ihre Mentorin Louisa spann sie bereits Pläne, ein Badehaus auf La Cabeza einzurichten, um Jaron und seine Kameraden die Wohltaten dieser in ihrer Jugend erlernten Kunst nahezubringen.
Sie wollte anheuern, so wie ihr Gefährte und das Cousinchen. Nur würde Lissy da mitmachen ? Sie liess das Fernrohr los, atmete tief durch, zog sich ihren wollenen Umhang enger um die Schultern und begab sich zur Mole. Dort würde er sein und heute war ein guter Tag um es ihm zu sagen, komme was wolle.
Dort sass er, im Schneidersitz, mit seinem Messer den hölzernen Poller bearbeitend und hin und wieder auf die See hinausstarrend.
Sie näherte sich ihm, der Ernst war ihr wohl ins Gesicht gemeisselt denn Lissy trieb es tiefe Furchen der Sorge auf die Stirn. "Was'n los mo cride ?" fragte er mit leiser Stimme. "Ich werd anheuern, so wie du ", kam es über ihre Lippen während sie ihm in die Augen blickte.
Und es wäre nicht ihr Lys gewesen, der sich gegenteilig zu ihrer Entscheidung gestellt hätte, waren es doch genau die Ansichten, die sie bereits seit langem teilten. Es dauerte nicht lange und sie hatte sich ins Mannschaftsbuch der Toro de Muerte eingetragen. Lys nahm sie bei der Hand und führte sie persönlich auf das Übersetzboot um sie dann später auf dem schwarzen Schiff herum zuführen. Nie hatte sie es sich so gross vorgestellt !
Es hatte vier Kanonendecks wobei die dicksten und schwersten Kanonen im unteren, zwecks der Ballance, angereiht waren. Jackies Augen weiteten sich . Doch schon führte Lys sie weiter, in jede Ecke und jeden Winkeln durfte sie blicken, nur vor der Kajüte des Käptain's blieben sie stehen … den würden sie heute nicht mehr wecken, früh genug würde sie ihn sehen. Sie kletterten hoch hinauf ins Krähennest. Das war schon was anderes als das ihres alten Vaters. Lys schnitt mit Hilfe seines Messers einen kleinen Span aus dem Topmast heraus, um diesen mit einem Marlspieker zu durchlöchern, eine Kordel durchzuziehen und Jackie umzuhängen, seine linke Hand fest sein eigenes Amulett umfassend. Jackie sah ihn an und lächelte. „Danke“, hauchte sie während der Wind die kleinen Perlen in ihrem langen Haar zum klimpern brachte.
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Verfasst: Freitag 7. Januar 2011, 16:51
von Jane Jack
Noch lange stand ich oben auf dem Dach des Krähennestes, noch ein letzter Blick über das gefrorene, erstarrte Hafenviertel.
Nun war es so weit, die Hütte war geräumt, unser Hab und Gut auf der Toro de Muerte verstaut .Als letzten Gegenstand ergriff ich das Fernrohr , schob es zusammen und liess es in der Innentasche meiner Jacke verschwinden.
"Mach's gut ", sagte ich, die Hand noch einmal über das Gemäuer fahrend und wir machten uns auf in Richtung des Hafens um überzusetzen . Lissy würde sie bereits erwarten. Esteban war warm und seefest eingepackt und wurde ein stückweit unter die Jacke geschoben. Noch ein letzter Blick zu der alten Hütte , sie wird mir fehlen ....
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