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Verfasst: Montag 4. Januar 2010, 16:14
von Cyrion Sha´Ar
„Habt ihr das auch gehört?“
Einen Moment blickte er sie an, bevor er verneinte und die Frage nach der Ursache folgen liess. Darna war sich nicht sicher. War unruhig. Machte einen irritierten, wenn nicht sogar eine Spur verwirrten Eindruck. Äusserst Ungewöhnlich... für Darna, selbst wenn sie so übel zugerichtet war, wie es zur Zeit der Fall war.
Die Augen sich wachsamer verengend, bevor er erneut den Kopf wendete, sich schliesslich das reiche schwarze Haar zur Seite schob und lauschte. Was war es, was sie hörte? Was er hörte, war... wäldliche Stille. Äste, die sich leicht im Wind bewegten. Schnee, der in dicken Klumpen sich von Tannenzweigen löste und einen leisen Canon aus Geräuschen verursachend, während er herunter fiel und andere Äste streifte, ihre Schneelast mit sich nehmend. Ein leises Knacken tiefer im Wald, gefolgt von einem Vogel, der in die Lüfte stieg – eine Amsel, eine der wenigen Vögel, die den Winter über blieben... Sein eigenes Pferd, das von seiner zunehmenden Unruhe zur Seite tänzelte. Das Leder seines Sattels, seines Zaumzeugs – Darnas Pferd... Einsamkeit... Nichts, das an ein anderes menschliches Wesen erinnerte. Hatte sie sich doch geirrt?
Dann hörte er etwas. Hufschlag... Und durch die Bäume des Waldes erkannte er einen Reiter, der herangaloppierte.
Das war es also... Er war beeindruckt. Darna hatte ein weit besseres Gehör als er, wenn sie den Reiter eine gute Zeit vor ihm gehört hatte... Alexander Bernau... Der Mann, der Leah umworben hatte. Ein guter Mann – einer, bei dem es jedem schwer fiel, ihn nicht zu mögen.
Die Nachrichten, die er brachte, waren allerdings Grund zur Sorge. Andreas war zu dem Tunier nicht aufgetaucht. Etwas, das den Rabenkrieger zwar wunderte, aber nicht in ernsthafte Sorgen verfallen liess. Andreas war immerhin ein sehr pflichtbewusster Mann... bis er erfuhr, das Andreas der Veranstalter des Tuniers war. Einer, der nie aufgetaucht war.... Sorgen breiteten sich in Cyrion aus. Ein ungutes Gefühl, das sich nicht mehr abschütteln liess.
Man versprach, Ausschau nach dem Vermissten zu halten, während man weiter zum Tunier ritt und Alexander ritt weiter.

Wieder wurde die Gegend inspiziert. Der Sumpf war nahe; es mochte sein, das sich angrifflustigere Wesen hinter den Bäumen verbargen. Echsen waren unwahrscheinlich – der Winter war etwas, das die Echsen langsam werden liess – ausser sie fanden Wärmequellen... doch gab es andere Wesen des Sumpfes, denen Kälte nicht viel ausmachte. Konnten sie Andreas angegriffen haben? Möglich...
Der Blick streifte weiter, berührte Darna... die wieder abgelenkt ihren Kopf bewegte, als würde sie etwas hören. Das liess ihn doch wieder aufmerken. Was war mit ihr?
Nicht Alexander... was dann...? Sein Blick folgte den ihrem – gen Sumpf.
„Irgendwer ruft doch von dort.“ Irritiert blickte er sie an. Er hörte nach wie vor nichts. Was hörte sie...? Fragen wurden gestellt über das, was sie hörte. Die Antworten unbestimmt, was ihn schliesslich die Waffe ziehen blank ziehen lies. Dies war zu ungewöhnlich. Was immer sie rief, war nichts natürliches.
Darna lenkte ihr Pferd vom Weg fort – in den tiefen Schnee, liess den Blick wandern, mit unbestimmten Ziel und doch schien es, als würde etwas sie in eine Richtung führen, weiter in die Tiefen der moosbehangenen Bäume. Wachsam verblieb Cyr an ihrer Seite. Abgelenkt wie sie war, konnte nur er ihr Sicherheit bieten, wenn es eine Falle war, in die sie lief. Sein Blick wanderte verschärft umher, unebene Stellen, mit Schnee bedeckte Büsche, Furchen im Schnee... ein Vogelschrei liess ihn kurz nach oben blicken. Ein Adler, schön und majestätisch, aber nichts weltbewegendes, so das er den Blick wieder schweifen liess, bis er ein zweites Mal hinsah.
Ein Adler...? Im Winter?!
„Der... Milady... Adler sind im Winter in diesen Landen nicht zu finden... jedenfalls keine wilden...“ Nein... Adler waren Zugvögel. Im Winter zogen sie sich in wärmere Gefilde zurück und kamen erst zurück zu ihren angestammten Horsten, wenn es wärmer wurde und ihre Beute wieder zu finden war.
Statt einer Antwort folgte ein zielgerichtetes Lenken des Pferdes. Sie folgte dem Vogel, folgte etwas, das nur sie wahrnahm. Bewegte sich auf eine der Senken im Schnee zu. Cyrion beeilte sich, ihr zu folgen, der Dringlichkeit in den Zügen seiner Herrin in nichts nachstehend.
Seine Augen weiteten sich, als er ihn sah... eine Person, halb vom Schnee bedeckt, der Umhang blau, wo die Farbe sichtbar war.
Nein... Er ist es nicht...! Cyr rutschte vom Pferd und kämpfte sich durch den Schnee wie Darna ebenso. Mutter lass es ihn nicht sein...!
Erinnerungen flogen in Funkenschnelle an seinen Augen vorbei, während er sich durch den Schnee auf den Gefallenen zuarbeitete.

Andreas, der ihn anlächelte, immer ein paar freundliche Worte bereit haltend.
Der sorgenvolle Blick, als er die Tür öffnete und zu den schlafenden Gesichtern seiner Kinder blickte. Die Erleichterung in seinen Augen, als er sie wohlauf vorfand.
Edle Züge, während er seinen Dienst beflissen am Tor verrichtete. Ernste Strenge, die es vermochte, dennoch höfliche Freundlichkeit in sich zu tragen. Ein Elite-Gardist, der selbst Stosszeiten am Tor mit Gelassenheit begegnete.
Sorge, die stetig in seinen Augen glänzte, sei es ob seines Herren, seiner Familie oder seiner Freunde... Und dennoch jenes Lächeln, das er zu zeigen vermochte...
Jenes Lächeln, das er ihm schenkte, während er ihm die Hand reichte, würdevoll in seiner Rüstung vor ihm stehend, jener blaue Umhang im Wind flatternt...


„Mutter hilf...“ die Worte im Entsetzen nur geflüstert, während er die Züge jenes Mannes sah, den er seinen Freund nannte. Ergraut... Leblos... die Lippen bläulich...

Stunden später... Ein Reiter preschte über den Weg, liess Schneeklumpen aufwirbeln. Es eilte... So vielen musste er Bescheid geben auf der Burg. Wissen lassen, das Andreas gefunden war. Wissen lassen, das er Heilung brauchte – starke Heilung. Die Muskeln seines Pferdes bewegten sich unter ihm, der durch den Schnee gedämpfte Galopp Mereskas unermüdlich, während der scharfe kalte Wind ihm Tränen in die schmerzenden Augen trieb. Doch dies war nichts gegen die Erleichterung, die er fühlte. Er lebte... Er würde weiterleben, wenn er nur weiter kämpfte. Darna hatte das Unmögliche möglich gemacht. Darna... Und durch sie Temora.
Die Haut wächsern, ergraut. Bei berührung kalt... Der Schnee hatte ihn halb bedeckt – er musste Stunden da gelegen haben... Ein scheinbares Opfer des Winters.
Und doch nicht tot... Darna, weit gefasster als Cyrion in diesem Moment, fand, was Cyrion nicht mehr für möglich gehalten hatte. Ein Hauch von Lebenswillen, ein Funken in Andreas, den sie mit inbrünstigen Gebet zu einem Flämmchen auflodern liess.
Cyr erinnerte sich nicht mehr, wann er ebenfalls angefangen hatte zu beten. Nicht zu Temora, aber zu Eluvie, Lebensspenderin, Mutter aller. Ein Gebet von Herzen kommend, eine inständige Bitte, dem Freund beizustehen. Er hatte sich nicht getraut, Andreas zu berühren, auch wenn er es verzweifelt wünschte. Hatte befürchtet, das ihre Konzentration abbrechen würde, der Zauber, der Andreas im blauen Licht erglühen liess, brechen würde, wenn er sich mit einbrachte... Doch Darna hatte ihn bemerkt und ihn hinzugezogen, das er Teil dessen wurde, was Andreas vom Rande des Abgrundes zurück ziehen würde.
Eine weitere Träne rann seine Wangen herab, kalt und scharf, während seine Augen vom eisigen Wind brannten. Wind... Oder doch Tränen der Erleichterung? Er wusste es nicht. Konnte es nicht mit Sicherheit sagen. Und doch... Andreas trieb unruhig in seinen Gedanken umher... Genauso wie Fetzen von Gebet, Unbewusst, bis ihm bewusst ward, das er während des Ritts betete. Sich die Tränen wegwischend, liess er sein Ross verlangsamen und zog das Schwert... Der Sumpf. Vor einigen Stunden hatte er ihn hier gefunden... Doch nun war er in Sicherheit... Und wenn er eines Tages erfahren sollte, wer Andreas diesen üblen Fluch angetan hatte, würde er mit Freuden dabei mithelfen, das diese Sicherheit permanent wurde. Aber bis dahin... Schwer atment blickte er sich um und lies sein Pferd seinen Weg weitmöglichst selbst finden.
Er muss erstmal gesund werden...
Vielleicht hatten sie Glück und er konnte ihnen berichten, wer ihm dies angetan hatte. Die Chancen waren gering, aber vielleicht hatten sie diesmal glück.
Sein Pferd bewegte sich vorsichtig über den holprigen Weg, während er sich umsah. Wieder und wieder wurde ihm bewusst, das er Strophen von Gebeten im Geiste aufsagte. Ungewöhnlich für ihn... und doch... Wenn Hoffnung auf göttliche Hilfe das einzige war, was blieb, mochte auch ein noch so unreligiöser Mann plötzlich feststellen, das er wusste, wie man betete... Und so verbrachte der Rabenkrieger den Weg zur Burg im stummen Gebet, während sein von Rabendienern gequälter Freund meilenweit entfernt im Kloster lag.

Verfasst: Montag 4. Januar 2010, 16:57
von Kanubio Bunjam
Der zweite Abend und die Nacht der Suche verging, nicht so erfolglos wie die letzte. Immerhin erfuhr Kanubio, dass Andreas als vermisst galt. Seine Sorge wuchs und schwere Gewissensbisse plagten ihn. Er sprach mit allen möglichen Leuten, die ihm begegneten, wälzte trübe Gedanken mit Widogard und Iantoras, auch mit Cedric. Nun, er würde weitersuchen, so lange, bis er seinen Freund finden würde.

Verfasst: Montag 4. Januar 2010, 18:56
von Cedric von Mervis
Triefnass betrat Cedric in der Nacht, das noch geöffnete goldene Lamm, durch das unfreiwillige Bad, welches er sich im Hafenbecken genehmigen durfte. Er stellte sich vor das Feuer um sich aufzuwärmen und zog sich erstmal die trockene Kleidung an, die Amary ihm brachte. Wenig später setzte er sich an den großen Stammtisch zu Iantoras und Kanubio, die drei kamen auch schnell ins Gespräch, wo Cedric dann auch erfuhr, das Kanubio ebenso auf der suche nach Andreas war. Beide tauschten sich aus, was sie bis jetzt so wussten und rätselten was wohl mit Andreas war. Einige Minute vergingen als Iantoras knapp meinte "habt ihr denn schon sein Weib gefragt was mit ihm ist oder ob sie was wüsste". Cedric *verdrehte die Augen und haute sich die Hand vor die Stirn*, natürlich es war doch das erste was man hätte machen sollen, "warum bin ich da nicht selbst drauf gekommen", meinte er zu sich selbst. Am nächst Tag würde er dann öfters bei dem Haus der Myrtol`s vorbei sehen, bis er mit Myra sprächen würde.....

Verfasst: Dienstag 5. Januar 2010, 06:54
von Kanubio Bunjam
Auch ihm hatte Iantoras einen Rat gegeben: "Wenn wir einen solchenen hätten, würden wir ihn in den Hain bringen. Such Andreas doch im Hain der Städter."
So wie die Thyren hatten die Städter keinen Hain. Wo brachten sie also "einen solchenen" hin? Entweder ins Haus eines Adeligen oder ... ins Kloster. Kanubio schauderte bei dem Gedanken, doch er würde nicht ruhen und alles abklappern.

Nach seinem Besuch auf Fuachtero kehrte er nach Wulfgard zurück. Er freute sich, sein Weyb anzutreffen und zeigte ihr die schneeweißen Felle. Lange saßen sie erst mal zusammen und er erzählte ihr, was er so erlebt hatte, aber auch vom Verschwinden von Andreas. Sie spürte seine Sorge und dass es ihn hinaus drängte, um weiterzusuchen. "Aber erst kriegst dey was deftiges zu fressen", meinte sie, das brave Weyb, wie sie eben so war. Später entließ sie ihn, durchaus verständnisvoll und hätte er nicht abgelehnt, da sein Proviantbeutel noch voll war, hätte sie ihm wohl noch die halben Vorräte mit eingepackt, auf dass er ja nicht verhungern möge unterwegs.

Natürlich führte Kanubios Weg einmal mehr zum Haus der Myrtols, das er unbelebt vorfand. Aber auch zum Kloster, wo man ihn, den barbarischen Haiden abwies, ohne dass er recht zu Wort kam. So lenkte er sein Pferd nach Berchgard, wo er das Lamm schon geschlossen vorfand. Draußen am Friedhof traf er Bravan in Begleitung einer Frau. Kim sagte ihnen, dass noch jeman im Lamm wär, also beschlossen sie, einzukehren.

Man sprach über dies und das und schließlich erzählte Kanubio auch über seine Suche nach Andreas. Von zwei Seiten erfuhr er gleichzeitig, dass dieser tatsächlich im Kloster wäre, dass es ihm ein klein wenig besser ginge und dass Darna bei ihm sei.
Ein Seufzer der Erleichtung entrang sich Kanubios Brust, dennoch keimte der Zorn in ihm auf, dass man ihn abgewiesen hatte. Er beschloss, Andreas zu schreiben, in der Hoffnung, dass man ihm wenigstens ein paar Zeilen eines "heidnischen Barbaren" zukommen lassen würde.

Verfasst: Mittwoch 6. Januar 2010, 20:47
von Andreas Myrtol
Ein Traum

Es erstreckte sich eine leere Schneelandschaft, einsam und verlassen von jedem Leben. Nur ein einzelner Baum stand weit ab auf einen Hügel des weiten Tals, nackt, tot. Feiner Nebel durchzog die Ebene, die eine klare unberührte Schneeschicht aufwies. Auch wenn es stets weiter schneite, war das Ereignis der Realität abgeneigt, sodass der herabfallend vereiste Regen beim Erreichen des Bodens nicht abzulegen gedünkte. Der Himmel war grau- es war weder Sonne noch Mond, eher ein deutlich hervorstechender schwarzer Punkt, aus dessen Mitte feine rauchartige Schlingen waberten. Doch es war zu fern als um sich noch darum zu kümmern. Der Wind pfiff, der Schnee fiel unbeirrt weiter. Weit ab vom Baum lag ein einzelner Körper, einsam in dieser trostlosen und sonst lebenslosen Ebene. Mit einem Ächzen erwachte er:

Ich erwachte wie von einem sanften Traum.
Beim Erwachen erkannte ich, wie weich und pulverartig der Schnee war, als ich mich versuchte an ihr abzustützen. Ich drückte mich hoch, ließ mein Blick durch diese weite Schneelandschaft gleiten, und es erwies sich für meine Augen ein fremdartiges Bild. Einzig und allein galt es die weiße Pracht zu bewundern, welche sich in ihre Unendlichkeit über die gesamte Landschaft zog. Beklemmt war man vom Gefühl der Einsamkeit, verlassen in diesem weißen Nichts. Die Kälte war furchterregend schrecklich, und ich schlang den Umhang fester um meinen Leib. Jeder Schritt war mühevoll zu setzen und voran zu bringen. Der Wind wurde bei jedem Schritt den ich vollführte stärker, und ließ meine Glieder vor Kühle betäuben. Ich wusste nicht wohin ich gehen sollte, aber ein ausharren an Ort und Stelle wäre ein tödliches Begehen gewesen, sowohl auch unmöglich. Immerhin trug mich der Wind nicht nur voran, sondern ließ mein Augenmerk zu diesen merkwürdigen Punkt an der Weltendecke lenken. Beinahe dämonischen Ursprungs, so würde ein Laie wie ich behaupten. Ich beließ es dabei, es war immerhin zu fern- als dass ich mich all zu sehr davor fürchten bräuchte- obwohl es mich beunruhigte. Ein weiterer Windzug, es schien so als kämpfte die Witterung gegen mich an- nein, es war ein Schneesturm!

Schützend hob ich meine Hände vor mein Gesicht, und es spielte nicht von Belangen, denn es half nicht. Ich kniff die Augen zu. Gezwungen war ich wieder den Blick zu finden, wo mir der Wind ihn gewähren ließ, und ich erkannte fern ab die Umrisse eines Baumes, welcher beinahe im Zentrum dieser Welt stand. So äußerte sich mein Denken zu mir, ich würde dort mehr Schutz finden, als hier mitten im weißen Felde, vor der Kälte unbarmherzig ausgesetzt. Auf den direkten zu gang zum Baum, befand ich mich wie in einem von Wind befreiten Pass- nur drum herum waren die peitschen ähnliche Töne der Luft zu vernehmen. Der feine Nebel bewies sich als eine schwebende und festere Masse, die man ergreifen konnte und wie eine sanfte Wolke zur Seite bewegen vermochte. Die Umrisse des Baumes wurden deutlicher: die Äste waren tot, der Baum selbst wirkte völlig verwittert; ob er Früchte trug? Der Wind ließ urplötzlich nach, als mich und der Baum nur ungefähr 3 Schritte voneinander trennten. Die Färbung von totes Geäst war normalerweise stets ein verklungenes Braun, welches spröde wirkte- doch die Färbung die ich erkannte, ließe jeden sterblichen in Mark und Bein tief erschüttern, als könnte es ein Alptraum gewesen sein. Nein- es war keine blutige Färbung, es wäre immerhin nicht so wie nach einer lächerlichen Erzählung von Trunkenbolden oder, Wichtigtuer. Es war ein tiefes und gar fast farb-verlorenes Grau- als gäbe es Eluive’s Werk nicht mehr und stünde kurz davor sich im Nichts aufzulösen. Es wirkte so echt. Ein Blick durch es hindurch war beinahe möglich. Dennoch erstarrte ich, denn ich sah es nicht kommen! Ich sah, wie meine Schwester, eine nun erwachsene Frau, strahlend schön in einem edlen roten seidensanften Gewand hinter dem Baum hervortrat. Sie schritt ein wenig auf mich zu, in Begleitung eines Lächelns. Verwirrung und Ratlosigkeit, ich war gefesselt dieser Gefühle.


Andreas: „Nein..? Das kannst unmöglich du sein?“, entglitten dem Knappen die Worte ob der Unerwartung völlig verblüfft. Zaghaft betrachtete die Schwester ihren Bruder. Ihr Antlitz schien von der Wetterbedingung völlig verschont. So strich sie sich mit dem Zeigefinger ihr nussbraunes, seidenes Haar hinter ihr Ohr-

Kiara: „Bruder..“, erwiderte sie milde lächelnd in warmer Tonlage, wie nach einem längst geforderten Wiedersehen. Andreas’ Sphären begannen zu zittern und ließen nicht ab von ihrer Erscheinung. Dutzende von Gedanken schossen ihn durch den Kopf, während seine Schwester unmittelbar Nahe am Baum war; der eine die andere unglaubhaft besah, die eine den anderen hingegen wissentlich. Die Stimme des Recken hob sich mühevoll um nicht in leises Geflüster zu fallen-

Andreas: „Was tust du hier?“. Kiaras Haupt wog sich ein deut beiseite und sprach in ihrer Sänfte, doch nachdrücklich-

Kiara: „Was tust ‚du’ hier?“. Der sonst so antwortfindender Recke wusste nicht so bescheid ob der Gegenfrage. Ja was tat er dort eigentlich? Eigentlich müsste er beim Turnier sein oder bei seiner Familie. Stattdessen war er irgendwo gefangen. Er musterte die Gegend erneut und antwortete zaghaft-

Andreas: „Ich weiß es nicht? Ich war hier noch nie, dass ist nicht Gerimor.. Kiara?“. Sie zog leise die Luft ein, ehe ihre Worte weiterhin milde für Andreas erklangen-

Kiara: „Andreas..- ich habe Mutter stets gesagt, man könne dich nie alleine lassen.“

Andreas: „Deshalb,.. warst du ja immer bei mir. Bis.."

Kiara: „Nein, es war nicht du, und auch nicht die Zeit; es war etwas, was du nicht verstehen kannst und jeder erleiden kann.“

Andreas: „Bestimmung etwa?“, seine Schwester gab ein leises und wehmütiges Lachen von sich, das so süß erklang, dass es Andreas fröstelnde Miene erwärmte-

Kiara: „Bruderherz, Nein. War das Zeichen in der Kirche etwa Bestimmung? Fügung. Es musste geschehen, damit du da bist, wo du gerade stehst“.

Andreas erschrak, er wusste nicht ob er ihr glauben konnte oder nicht, ob sie versuchte ihm zu dem Zeitpunkt milde zu stimmen oder wirklich aufzuklären? Wäre ihr Tod wirklich angedacht gewesen damit Andreas nun war wie er war? Was wäre wenn sie noch gelebt hätte? War es wirklich Bestimmung oder Fügung? Er konnte erstmal keinen klaren Gedanken fassen, was aber Kiara wusste und deshalb schwieg. Sie gab ihm Zeit. Es vergingen mehrere Minuten, bis die Dämmerung läutete und Andreas himmelklare blaue Augen Kiara wieder taxierten.

Andreas: „Aber das will und wollte ich nicht! Die Götter dürften etwas wie damals niemals zulassen! Sie sind lichte Götter!“. Verzweiflung machte sich in Andreas’ Worten breit, wobei ein gepeinigter Blick seiner Schwester gebührte. Womit Andreas aber noch am allerwenigstens gerechnet hatte, dass seine Mutter um die linke Seite des Baumes hervor trat- gekleidet in einer edlen hellblauen Seidentracht. Ihre Stimme erhob sich wohlbehütet, wie an dem vorletzten Tag, kurz vor ihrem Tod-

Laura: „Wieso zweifelst du, mein Sohn?“. Andreas erwiderte langsam wimmernder Tonfalles, als stünde er kurz vor einem Zusammenbruch (welcher sich in der Realität zu Fieber entwickelte und in seiner Bewusstlosigkeit ihn zu sprechen brachte)- in Anbetracht dass er vor seiner Mutter stand, erstarrte er, als sah er einen Geist-

Andreas: „Mutter!?“. Stürzte er mit den Knien nun in den pulvrigen Schnee, die Hände fielen seitlich herab. Sie schenkte ihren Sohn ein warmherziges Lächeln, wohl genau eines, wie Andreas auch tat.

Laura: „Du bist so ein hübscher Mann geworden, Andreas. Lass dich nicht von einer Hässlichkeit so benebeln, die eigentlich Schuld an alledem ist. Denn Schuld können nur wir selbst sein. Nicht die von den anderen, an den wir scheitern, sondern sie in uns zusätzlich verstärken.“

Andreas: „Mutter…!“. Lauras Augen funkelten in Schein mütterlicher Liebe auf, ebenso in sachter Besorgnis. Ihre Schönheit blieb in Andreas’ Augen unangetastet, und es war auch so; und so fuhr sie fort-

Laura: „Licht bedeutet Hoffnung. Sie zeichnet sich nicht allein dadurch aus, wie rechtschaffen du sein kannst, sondern du sie gibst, wirst und überdauerst: Zu einer Zeit, an dem uns Verlust plagt, und vermögen wir sie dann nur zu überstehen-“

Kliara: „mit der Kraft die wir in uns schöpfen; Andreas-“

Laura: „-von der Hoffnung die Eluive uns gab. Ich ergraute in Anbetracht unserer Prüfungen, an die ich scheiterte und euch unverhofft alleine ließ. Der Kronritter sprach weise Worte, die deine Mutter doch zu beherzen wissen müsste.“

Andreas: „Nein Mutter… !“

Kiara: „Wir starben nicht wegen dir, sondern vergaßen unsere Tränen im letzten Moment für dich.“

Andreas: „Nein, wieso? – Das.. kann unmöglich so….?“

Andreas’ Mutter hob in Begleit ihrer Worte den Zeigefinger, deutend nun zum wachsenden schwarzen Punkt, der stetig mehr zu einem Krater wurde und die Wolkendecke zu reißen drohte. Indes wurde der Baum blasser und blasser.

Laura: „Es gibt ein Zeitpunkt bei uns allen, die den Menschen bereichert oder zurückwirft. Manchmal sogar beides. Es Geschehen Dinge die wir verhindern wollen, aber nicht können. Diese Kluft- sie wächst schon, wie du sie siehst. Sei tapfer mein Sohn, und verliere nicht den Glauben, dass es besser wird. Gebe diese Sache weiter- denn bald wird aus dir der Mann sein, der nicht nur mich, Kiara, Myra, Vivien und deinen Vater aufsehen und stolz werden: sondern bald lenken sich die Blicke eines Reiches zu dir. Täusche dich nicht in die Belangen derer, sondern bewahre dich davor dich selbst-“

Kiara: - zu enttäuschen, Bruder. Denn nur wenn du auf dich selbst hörst, diese stetigen Zweifel beiseite räumst- und Schwäche zu deiner Stärke nutzt, bleibst du der „Ritter“ unserer Herzen.“

Heiße Tränen liefen den nun gewachsenen Mann über die Wangen, die er nicht länger hatte zurückhalten können. Er drückte seine Hände gegen seine Knie, als wolle er seine Finger in sein Fleisch rammen um sich schmerzlich für den Verlust seines Trauerspiels zu rächen und sie so am herab rinnen zu hindern. Vergebens.

Andreas: „Ich liebe euch!“

Laura: „Das wissen wir. Doch lass uns ein Teil wieder von dir werden, und nicht mehr gegen dein Glück.“

Ob diesen Worten schlugen seine Augen auf, und er betrachtete Mutter und Schwester ungefasst, und sah, wie sie beide ihn anlächelten.

Kiara: „Die Lebenskraft gedeiht in jedem- doch verlässt sie den Leib, verblasst es zunehmend. Und wenn der Wille gegen dich ist, wird sie geschwächt als gestärkt.“

Ein erneuter Windzug, diesmal so stark, dass Andreas seine Augen schließen musste. Und noch im Wispern vernahm er die Worte, hallend verklingend, wie Laura und Kiara ihn ihr Beisein und ihre Liebe versprachen. Der Wind hörte nicht auf, und der Knappe stützte sich keuchend hoch. Der Baum vor ihm, er wurde zunehmend blasser (Was den Knappen in der Realität deutlich zu dem Zeitpunkt schwächer werden ließ), dass er schon die gegenüberliegende Schneeteppich fast erkennen konnte. Mit verzehrenden Geräuschen machte sich langsam der zuvor kleine schwarze Punkt, der den ganzen Himmel einnahm, bald ebenso den Boden zu verschlingen. Wie wenn zackige und scharfe Zähne sich an altes Fleisch labten und zerfetzten, ein ohrenbetäubendes Brummen: Geräusche die Andreas beinahe in Wahnsinn versetzten und hadern ließen. Es war nur noch ihn, wie auf einer Schnee-Insel, mit diesem Baum und drum herum blanke und tiefe Schwärze. Andreas zweifelte, er stockte, er hatte Furcht und konnte selbst das Zittern seiner Hand mit der Ballung dieser nicht verhindern. Bald würde diese Dunkelheit das alles hier verschlingen und sich ihm bemächtigen. Das Schneien war fort, der Wind peitschte nicht mehr; es war auf einmal wie verschluckt. Es war wie in einem Vakuum. Jeder Laut der ertönte, hallte wie in einer großen Halle. Und dort, wo der schwarze Punkt anfing, lugte ein mächtiger Kopf hinaus, der bedeckt war von einem alten dunkelgrauen Leichentuch. Große rote Augen fixierten den Baum als potentielles Opfer; es schien beinahe so, umso mehr das Schwarze an Land ergriff, erlaubte es das Wesen von Ort und Stelle zu bewegen und sich los zu sagen- als wolle er den Baum tilgen. Andreas ergriff die Panik. Er schaute um sich, und sah wie diese Dunkelheit sich unaufhaltsam ihn näherte. Es war zu spät- nein es gäbe keine Rettung- und der Ritter, der er werden würde, gäbe es nicht. Kurz davor alles wegzuwerfen, entsprangen aus dem Baum sanft flüsternde Worte zu ihm hin-

Baum der Lebenskraft: „Licht bedeutet Hoffnung – wenn der Wille geschwächt ist: dein Wille – für dein Glück:- Ich erlaube dir mein Herz zu lieben, auf dass es nicht zerbrechen vermag- du bist der Ritter meines Herzens.“

Andreas fasste die Worte auf und verinnerlichte sie. Die Kette, jene Kette die er von der Kirche auflas: beschenkt von Temora; er legte seine Finger an ihr und schnaufte im schnellen Atem.

Es obsiegten scheinbar erst die dunklen Gedanken, bis er sich besann und zu sich sprach- als schlug seine letzte Stunde-

Andreas: „Ihr habt Recht. Nein- ich soll- nein muss erkennen, dass diese Fügung war. Ich bin nicht schuld- nein! Ich kann es nicht sein! Denn ihr seid nicht gegen mich; ich glaube nicht mehr daran,- ihr seid für mich! Ich will hier weg! Ich will nicht verblassen! Temora! Eluive!“

Die Kette an seinen Hals, die er mitnahm zu diesen Ereignis, sie war nicht nur ein weltliches Geschenk, sondern das Licht welches sie einst ausstrahlte blieb in sein Körper um die Erinnerung tief in seinem Leib beizubehalten: das Symbol des Schutzes: um für seine Ziele einzustehen und für sie zu kämpfen. Fürs Reich, den Menschen und für seine liebste Familie. In einen in den anderen Moment erstrahlte die Kette gleißend, so enorm hell und stark- dass jeder hätte an ihr erblinden können. Ein widerliches Zischen ging von der Dunkelheit aus, als die Lichtstrahlen es erreichte; so wich es noch zusätzlich zurück, wie ein feiger Hund. Das Licht erstreckte sich hoch, formte sich zu einer Kugel, die direkt auf den Ursprung des schwarzen Punktes zusteuerte, woraus der dämonische Kopf gerade schaute. Es drang von außerhalb noch Gemurmel hinzu, welches Andreas nicht hörte, aber das Licht der Kugel erstarkte. Mit einem ohrenbetäubenden Schrei zerfiel die geisterhafte Gestalt in Stücke, die nach herablösen in der Luft verschwanden ( zu dem Zeitpunkt spuckte Andreas die Masse auf den Schnee hinaus ). Eine graue Ebene, ebenso leer und trist wirkend, offenbarte sich nach dem Schwarzen, als hätte diese Dunkelheit versucht alles zu zerstören was es gab. Doch auf einmal drangen die fremden Worte in Andreas Gehör. War das etwa Cyrion oder Darna? Fragte sich der Knappe- worauf er sein Blick nun hob und sah wie diese Lichtkugel vor ihn herab surrte. Sein Blick blieb darauf gebannt, als warte sie nur auf sein Wort- und es ertönte lediglich ein Ja. Mit einem Ruck schoss die Kugel in den Baum, eine Lichtexplosion zerriss jeden Blick- und als dies verging, fing der Baum an hell zu pulsieren. An den Ästen bildete sich nicht nur Blattwerk zurück, sondern Äpfel, Birnen und Pfirsiche zugleich. Das Umfeld erstarkte wieder in einem herrlichen Grün (Und als das geschah, vergingen in der Realität mehrere Stunden- sodass er schon im Kloster verweilte und gepflegt wurde).

Aus dem Baum drangen noch die Umrisse seiner Mutter in einer gleißenden Lichtgestalt hervor: „Ich liebe dich, Andreas; ich wusst’ eines Tages wird aus dir das werden, was ich mir immer erhoffte. Ich bin auf ewig mit euch.“

Noch ein leises Wispern erreichte die Ohren des Knappen, bis die Lichtgestalt sich in den Baum bewog und ihre Form mit dem Pulsieren Eins wurde. Ein warmes Gefühl durchdrang den Leib des Recken. Als er sich herum wendete, fand er sein Heim vor, während seine Familie im Garten auf ihn wartete. Bertram stand hinter Myra, und Myra hinter Vivien. Sie lächelten ihm zu-

Es machte alles Sinn, und doch stand ich kurz davor alles zu verlieren. Diese Gestalt, sie hätte mich getötet. Und dieser Baum dort, dass war ich. Nachdem die letzten Worte meiner Mutter mich erreichten, wendete ich mich ab, als verspürte ich eine Präsenz hinter mir. Nicht all zu weit, dort sah ich meine Engel, mein Vater, auf mich wartend und rufend. Sie standen in unseren Garten. Umso näher ich mich ihnen nährte, war jedoch mein Blick etwas fern ab, sah wie ich zu ihnen ging. Ich erblindete vor zunehmenden starken Lichtstrahlen, als ich dann den Gartentor öffnete und sie in meine Arme schloss…..


Nach vielen Stunden, öffnete der Knappe seine Augen um sich von seinem Traum zu verabschieden und schaute sich um. Seine Stimme erklang geschwächt und fraglich-

Andreas: „Wo- bin ich?“.

Verfasst: Donnerstag 7. Januar 2010, 11:42
von Rafael von Arganta
„Er ist waach...“... Rafael fiel fast vom Stuhl in dem er eingenickt war bei dem Ruf.
Nur einmal hatte er sich fortgewagt gehabt, ansonsten im Kloster gewacht ob der Gesundheit seines Knappen.
Sofort war er auf, und gen Zimmer gelaufen, vor dem sich schon andere Gestalten tummelten.
Wusste Andreas überhaupt wie viele wahre Freunde er hatte?
Menschen die sich um ihn Sorgten, für die er mehr als nur Freund war?
Entschlossen schob er sich durch, half Myra, die Tränen in den Augen hatte, beim verteidigen der Ruhe ihres Mannes und schob dann einfach die Türe wieder hinter sich zu um an das Bett Andreas zu treten.
Myra saß sofort wieder an seinem Bett, seine Hand ergreifend, während Rafael sich über ihn beugte.

Erneut wohl stellte Andreas die Frage... „Wo bin ich?“
Und Rafael beugte sich über ihn, schob ihm das Haar aus dem schweiß nassem Gesicht und meinte nur einfach „Zu Hause... bei Freunden. Es kann dir nichts mehr geschehen.“
Er versuchte ein Lächeln das ihm dennoch missglückte.
Zu groß war die Sorge noch immer um den Freund, wenn auch jetzt ein großer Schritt getan war.
Er ergriff fest die andere Hand des jungen Mannes.
„Du wirst es schaffen, hörst du Andreas? Die Menschen hier brauchen dich, ich brauche dich.
Als Knappe... als Freund.
Wir haben hier unser bestes gegeben, jetzt bist du dran ... also Kämpfe gefälligst.“
Er wusste nicht ob Andreas seine Worte hörte, verstand, aber er wusste das er spüren musste das man da war, da man sich um ihn sorgte, gemeinsam mit ihm kämpfte, um all das was ihm wert war.
Er erinnerte sich noch zu gut an das erste Treffen mit ihm, damals vor dem Unheilsberg.
Ein junger Mann mit Idealen die ihn beeindruckt hatten, überzeugt hatten, und wie Andreas sich mehr und mehr zu einem jungen Mann entwickelte der kaum mehr aus dem Reich weg zu denken gewesen wäre.
Nur sein Temperament, seine Bereichtschaft zum Kampf stand ihm manchmal im Wege und hatte ihm schon so manche Verletzung zugefügt die er sonst hätte vermeiden können... obwohl... war er in jungen Jahren nicht anders gewesen?
Fast lächelte er, drückte die Hand Andreas. „Wir sind alle hier, und wenn du jetzt aufhörst kämpfen Bursche, trete ich dir in den Hintern.“
Meint er ruhig.
Seine eigene Müdigkeit war verflogen.
In ihm war nur die Dankbarkeit.
Dankbarkeit an Eluive, an Temora das sie hier Gnade hatten walten lassen, in ihrer Güte beschlossen, wohl Andreas noch nicht zu sich zu nehmen.
„Du hast noch einen weiten Weg vor dir, also streng dich an.“ Wisperte er und obwohl Myra ihn nun doch bat das Zimmer wieder zu verlassen, ließ er sich dieses Mal nicht abwimmeln.
„Ich bleibe.“ Meinte er gestreng. „Aber ich bin ja schon ruhig.“
So trat er hinter das Bett um Myra ihre Arbeit verrichten zu lassen.
Als Heilerin und als Ehefrau.
Während er selber ein stummes Gebet gen Temora sandte.
Als Dank, als Bitte ... zur Hoffnung.

Verfasst: Freitag 8. Januar 2010, 02:50
von Anveena Midame
Wie ein ploppen im Kopf schaute Anveena auf.
"Ahhh...er ist vernichtet."
Dann zuckte Sie mit der Schulter und schrieb weiter.

Verfasst: Donnerstag 14. Januar 2010, 18:18
von Andreas Myrtol
Wie schwach Menschen sein können…

Tage verstrichen im schweren Atemzug. Die Augen des Knappen waren nach dem erst Gesprochenen in ihrer Hilflosigkeit den neuern Gemäuern ausgesetzt. Und nur schwer begriff er zu diesen Anfängen wo er sich gerade befand, und das wichtigste vor allem, wieso.

…dass sie selbst nicht in der Lage sind ihre eigene Hand zu heben.


Eine Flut von Wärme breitete sich in das Schaubild des kriegsgezeichneten Körper des Knappen aus, ehe Eises- verzehrende Kälte dicht gefolgt war. Wäre so die Stufe des Todes beschrieben worden, stünde der Knappe nun mit einem direkten sicheren Stand darauf.

Und erst dann erinnern sie sich, wie erbärmlich man sein darf…


Es schämte Andreas zugleich, wieder mal. Ein weiterer Abend in Bange. Deutlich pochend die Worte seines Mentors, dass der Weg eines Ritters nicht einfach sein würde. Des Menschen Befürchtung vor ankommender Not, ist unreif wie zu der Zeit an dem er sie beklagt. Wüsste er es darum vorher, wären Dinge vielleicht anders verlaufen? Es gäbe keine Änderungen und eine Flucht davor, wäre wie eine Flucht vor sich selbst. Die Versprechen die er gab, sind und waren stets ein Teil von Andreas. Jene er vom tiefsten Herzen nacheiferte und erfüllte. Ein Widerwort, wäre nicht Andreas.

…und währenden den verstrichenen Tagen, schweifen die Gedanken ab.


Die Schwäche zog langsam vorüber, die erschütternden Hitzewallungen waren vorbei, und nur noch ein leises Schnaufen war noch zu vernehmen. Obwohl man langsam sich der Genesung näherte, war es in allem doch ein merkwürdiges und gezeichnetes Erlebnis. Das gewohnte Lächeln vom Recken, der von Schicksalsschlägen langsam aber mehr beschenkt worden war, erhellte sich in der Erkenntnis, war alles bei ihm stand und war.

Und nur der Tor würde an diesen Tagen scheitern und klagen.

Andreas Wohlwonnen erstarkte sich an der Hilfsbereitschaft seiner Gemahlin, Lady Darna’s Mitgefühl und die Geborgenheit die er von seinen Freunden und Familie genoss und bekam. Wie auch die Zeit noch brauchen würde, bis er vollständig zu Kräften käme, seine gewohnte Miene wie Daheim keine Veränderung verzeichnete. Er dankte.

Verfasst: Mittwoch 20. Januar 2010, 15:49
von Darna von Hohenfels
"Temora, ich gelobe, wenn du ihn das überleben lässt, will ich für sieben mal sieben Tage nicht von seiner Seite weichen."
49 Tage, das wäre bis zum 21. Eisbruch. Sie saß auf dem Krankenbett, das neben seinem stand und sah zu Andreas, der schlief - mal wieder. Immerhin, er war schon mehrfach für eine halbe Stunde oder so wach gewesen. Er war oft genug inzwischen wach, um mit leichten Suppen nach dem langen Liegen aufgepäppelt zu werden. Wach genug, um die Genesungswünsche der ganzen Leute zu registrieren.
Daß sich überhaupt etwas tat, gab ihr Kraft, die verschiedenen... nun ja, kleineren Erschwernisse, die das Ganze mit sich brachte, leichter zu ertragen. Raindris lästernde Befürchtungen, daß der halbe Haushalt von Elbenau bald vor Andreas' Haus herumstreiten würde, nur weil Darna da Wache stehe. Nach dem gestrigen Abend gewann sie den Eindruck, er würde auch noch recht damit haben. Ihr Fernbleiben von Zuhause hatte Adrian nicht wirklich... gefallen... oder wie Cyrion es ausdrückte: "Seine Hoheit wird 48 Gründe haben, nicht begeistert zu sein." Diverse Lästereien, Darna würde Andreas zu penetrant auf der Pelle kleben und er und Myra hätten nicht mal eine Minute für sich. Ob sie das für jeden schwer verletzten täte...
"Ich habe schon, als Andrey von Luczilla den Dolch in den Rücken bekam, hier fast drei Monate zugebracht, aber das interessiert keinen, oder?" - ihre Stimmung sank, je mehr sie nachzuvollziehen versuchte, was sich andere dabei vorstellten, was sie bei Andreas vorhätte.
"Aber was ein Leibwächter tut, der seine Aufgabe ernst nimmt, darüber wundert sich keiner." Es ärgerte sie, daß scheinbar alle Welt etwas Kurioses in dem sehen wollte, was sie tat. Eine Paladin hatte sich in den Kopf gesetzt, energisch auf jemanden aufzupassen, der sonst ständig von Rabendiener verfolgt zu sein schien. Tja. Das irritierende war vermutlich, daß eine verheiratete Gräfin, die ansonsten ihr eigenes Gefolge nebst Aufpassern hatte, ihren Mann dafür alleine zuhause sitzen ließ, um auf den Knappen eines Kronritters acht zu geben und auf eigenen Komfort dabei zu pfeifen.

Solange Andreas im Lazarett des Klosters lag, saß sie meist im nebenan gelegenen Speisesaal, mit Papier und Tinte bewaffnet. Wenn die Langeweile überhand zu nehmen drohte, half sie bei den alltäglichen Arbeiten wie Tiere füttern und Essen kochen. Wenn sie müde war, schlief sie etwa vier Stunden auf der Behandlungsliege hinter den Vorhängen im Lazarett.
Und mehr und mehr gewann sie den Eindruck, daß für die Göttin der Nutzen des Gelübdes weniger darin lag, Andreas zu umsorgen... das Kloster schien ansonsten nahezu brach zu liegen. Sie war heilfroh, daß Yarin zurückgekehrt war. Wenigstens jemand, dem sie sich innerlich verbunden fühlte und mit dem sich eine problemlose Zusammenarbeit ergab, egal was anfiel. Doch je länger sie sich mal wieder hier aufhielt, desto mehr mißfiel es ihr, wie ungastlich es hier war. "Man kann sich genausogut in eine Zelle sperren", drückte Shaya es treffend aus - und dann sollte man sich wundern, daß der Hort des Glaubens gemieden wurde?
Ohne bauliche Veränderungen war nicht viel zu machen, aber ein wenig Abhilfe sollte geschaffen werden. Als Darna sah, wie Andreas beim ersten Aufstehen mit bloßen Füßen über den eisig kalten Steinfußboden tappste, tat es ihr in der Seele weh. Und in vielen Zimmern sah es nicht besser aus. Gemeinsam mit Shaya machte sie sich daran, einige Räume zumindest ein bißchen wohnlicher zu gestalten.
Andreas hatte auf der Schwelle zum Tod gestanden.
Es schien für's Kloster kaum anders auszusehen.

Verfasst: Sonntag 24. Januar 2010, 01:04
von Myra Myrtol
Ein ungutes Gefühl beschlich sie als sie die Türe des Schlafzimmers hinter sich schloss, den Ehemann und Seelenverwandten im Bett wissend und doch..?!
Sie hatte das erste Mal Angst um ihn, nicht nur das er fast für immer von ihr gegangen wäre, genommen von den Dienern des Todes persönlich sondern selbst jetzt als der Aufschwung nach oben wieder kam.
Wie konnte man optimistisch an die Sache gehen wenn jedes Mal im Herzen die Angst entfachte er könnte leblos auf dem Bett liegen wenn sie das nächste Mal den Raum betrat. Wieviel Zeit hatte sie noch mit ihm?

Die Angst ließ das Herz bekümmern und das anfänglich fröhliche Gesicht wurde mit jedem Tag trauriger, ängstlicher als würde sie selbst von den Dämonen verfolgt werden, die Andreas heimsuchten.
Sie würde alles machen was die Paladina ihnen riet, würde alle Sicherheitsvorkehrungen treffen die ihn bei ihr ließen, solange es ginge.

Zum ersten Mal seit seiner Knappenzeit verfluchte sie das Rittertum, verfluchte den Glaubenskrieg und weinte um jede verlorene Sekunde die durch Zwietracht und Gewalt verschwanden-auf Nimmer-Wiedersehen.

Ach Andreas, wenn doch meine Liebe dich nur schützen könnte, wie das Segenslicht unser Haus. Wenn ich doch nur stark genug wäre für uns beide.Ich will dich nicht schon wieder verlieren, bleib bei mir.

Eine Stimme schrie in ihrem Kopf und unzählige Bilder schossen ihr durch den Kopf, nichts gutes nur Tod und Verderben und sie weinte, still und heimlich und die Sorgen die nur sie selbst belasteten waren auch nur ihr Geheimniss.
Andreas musste genug leiden für alle Zeit, da wollte sie ihn nicht mit ihren albernen kleinen Sorgen belasten und so fraß sich der Kummer in eine sonst so sanftmütige und fröhliche Seele.