Verfasst: Samstag 11. Dezember 2010, 14:23
*Behutsam öffnete er die Augen, als das leise und ruhige Atmen neben ihm wieder einsetzte. Er drehte sich zu dem schlafenden Leib neben ihm und beobachtete in der Dunkelheit die weibliche, von der Decke halb verhüllte Silhouette von Jana. Sanft und sehr vorsichtig fahren seine Fingerspitzen über die Wange jener Frau, die Berührung fast mehr zu erahnen als zu spüren, wollte er sie doch nicht Wecken. Das Feuer im Kamin an der Nordwand, war mittlerweile bis auf ein kleines Flämmchen heruntergebrannt, tauchte den Raum jedoch im Gegensatz zu der Temperatur aussen, in eine angenehm behagliche Wärme. Behutsam stieg er aus dem Bett und schlüpfte in einen schwarzen Morgenmantel, während seine Füße weiter nach hinten in die kleine Bibleothek Janas tapsten, wo auch das Schreibzimmer lag.
Er war unruhig und er spürte dass etwas vorging, dessen Ausmaße er noch nicht vollends erfassen konnte. Mit einem sachten Eingriff in das Lied schoben sich Schatten zu einem nebelartigen Gewölk vor ihm zusammen, dass ein ihm nur allzu vertrautes Buch zurückliess, als es sich wieder verzog. Behutsam schlug er die zuletzt beschriftete Seite auf und las das Datum. "13. Searum 252" über ein Jahr ist es also schon her. Seine Hand griff behutsam nach Federkiel und Tinte bevor er zu schreiben begann*
11. Alatner 253
Es ist lange her, dass ich zum letzten male meine Gedanken niederschrieb und viel hat sich seitdem verändert. Wiedermal gab es Veränderungen im Orden und die Zeit in der Maestro Rilan über den Orden herschte war nur all zu kurz, als ein ''bedauerlicher Unfall' seinem Leben ein tragisches Ende setzte. Milyen ... unsere Elegida erhob sich aus dem Chaos zur neuen unumschränkten Maestra des Ordens und Cecile, folgte ihr als unbarmherzige und grausame Elegida nach. Mit diesen beiden an der Spitze, erlebte der Orden zum erstenmal seit der für mich so lang scheinenden Zeit, seitdem ich ihm beigetreten bin, Stabilität und Ordnung, auch wenn es eine harte und grausam strenge Ordnung ist, was vor allem unsere neuen Schüler gerade erfahren müssen. Cetus ... mein Rivale und einer derjenigen die um die Art der Machtergreifung von Rilan und Milyen wussten ... hat ebenso das zeitliche gesegnet. Erdolcht von ein paar Strauchdieben in einer dunklen Gasse, wie Milyen mir berichtete auch wenn ich meine Zweifel habe, dass das wirklich der Wahrheit entspricht. Cetus war zu clever und zu mächtig um sich von solch Gesindel einfach ausschalten zu lassen. Doch auch sein Verlust löst in mir mehr Behaglichkeit als Bedauern aus. Ich bereue nur, dass ich ihm das Gedicht für diese Frau nun doch noch bis in alle Ewigkeit schuldig geblieben bin und überlege mir gerade, ob ich es nicht für sein Grab schreiben sollte, auch wenn mir solch Sentimentalität eigentlich garnicht zu gut zu Gesicht steht. Mit Rilans und Cetus dahinscheiden sind 2 weitere Seelen gestorben, die um den Putsch gegen die alte Maestra wussten. Cecile, welche unter Aufbringung aller dunkler Macht und Magie und dem Opfer einer nahestehenden Verwandten, wieder zum Leben erweckt wurde und tatsächlich ihre alte Kraft und Macht zurückerlangte, schien einen beträchtlichen Schaden in ihrem Erinnerungsvermögen erlitten zu haben, sodass unklar ist, ob sie sich noch an das Geschehen damals erinnert. Wenn wir sie aussen vor lassen sind es nur noch Yara, Milyen und ich die wissen, was genau zum jetzigen Aufstieg unserer verehrten Maestra und Elegida geführt hat und ich muss gestehen, dass das plötzliche dahinscheiden aller Mitwisser nicht gerade dazu beiträgt mich in meiner derzeitigen Lage sicher zu fühlen, auch wenn ich davon überzeugt bin, dass sie dieses Schicksal erlitten haben weil sie die falsche Seite gewählt haben.
Einen Fehler oder simples Pech, dem ich glücklicherweise nicht zum Opfer fiehl. Ich hatte mit meinen Annahmen Recht behalten. Milyen ist eine sehr starke Frau und selbst Cecile mit ihrem grausamen und unberechenbarem Charackter leiten und lenken den Orden in eine vorerst gesicherte Zukunft. Eine Zukunft und eine Leitung die es erstmalig wert ist beschützt zu werden, anstatt nur wieder von den eigenen Reihen gestürzt, damit sich der Kreislauf der Macht wieder von neuem drehte. Vielleicht gelingt es endlich, diesen Teufelskreis zu durchbrechen und den Orden tatsächlich etwas Zusammenhalt und Einheit zu geben und das Machtstreben seiner Mitglieder mehr nach aussen als nach innen zu lenken. Ein Unterfangen, dass nicht gerade einfach ist, wenn Cecile weiterhin ihrer Freude fröhnt, den jungen Schülern ihre Menschlichkeit auszutreiben, bis nur noch ein geschundenes und von Hass zerfressendes Häufchen Elend zurückbleibt. Gewisslich sind unsere neuen Schüler noch viel zu Weich für den Orden, Schwäche und Mitgefühl hat hier keinen Platz. Disziplin und Selbstbeherschung sind für den Umgang mit der Magie von enormer Bedeutung, besonders über seine eigenen Gefühle und dies ist eine Lektion die unseren Schülern gewiss noch vermittelt werden muss ... dennoch frage ich mich, wann Cecile die rote Linie überschreitet, die nicht überschritten werden darf.
Ich wünschte meine Zeit würde es erlauben, mich ein wenig intensiver um die neuen Schüler zu kümmern, doch mit der uns gestellten Aufgabe und allem drum und dran wird es schwierig.
Doch nicht nur der Orden, auch ich habe mich in diesem Jahr stark gewandelt. Ich habe mittlerweile die Prüfung zum Magus abgeschlossen und nun schon seit einer Weile ein Wissen- und damit gleichzeitig einen Kenntnisstand erreicht, der meine Fähigkeiten tatsächlich als Macht beschreiben lässt. Unablässige Übungen im Geiste als auch praktischer Natur, haben meine Kenntnisse im Umgang mit dem Lied und den sekundären Ausformungen wachsen lassen. Ich bin sehr viel sicherer geworden und die Bandbreite an Zusammenhängen, die ich nun verstehen kann ist gewachsen. Mittlerweile gehöre ich zu denjenigen, die selbst den jungen Schülern, die Wege der Magie lehren und darf mich Magister, lehrender Magier, nennen. Es ist eine verantwortungsvolle und nicht immer leicht zu erfüllende Aufgabe, aber so habe ich zumindest die Möglichkeit, einen geringen Einfluss auf die Schüler auszuüben und zu versuchen einen Keim der Beständigkeit und des Zusammenhalts in ihre Wesen zu pflanzen, aufdass der Orden geschlossener und Stärker auftritt als es bisher der Fall war, wo einjeder nur nach der größtmöglichen Macht für sich selbst suchte. Gewiss ist dies noch immer der Antrieb von vielen Geistern, die sich unserem Orden anschliessen und an diesem Streben ist auch in soweit nichts Falsches, als dass sich dieses Streben gegen den Orden und gegen die Führung richtet in dem Versuch, die unumschränkte Macht die jene beiden Magnifizenzen besitzen, sich selbst anzueignen.
Manchmal frage ich mich, ob diese Besorgnis um die Ordensstruktur alleinig von meinem Verstand ausgeht oder ob nicht doch mein Gefühl einen kleinen aber immernoch zu großen Anteil an dieser Entscheidung mitträgt.
Auch wenn ich mir einbilde, gut gelernt zu haben meine Gefühle im Griff zu haben, wann immer ich die Schattenschwarzen Gewänder anlege und mich in die schwarzen Festungsmauern begebe und mich um meinen Teil der Ordensangelegenheiten kümmere.
So komm ich nicht umhin festustellen, dass die Beziehung die Milyen und ich pflegen einen Stand ... ein ... Grad erreicht hat, den ich eher für unmöglich gehalten habe.
Sie ist zweifelslos eine zurecht gefürchtete und unglaublich mächtige und skrupellose Frau, bereit alles und jeden für ihre Ziele und den Orden aufzuopfern, aber wenn sie das nicht währe, würde sie sich auf die Position die sie nun inne hat, auch nicht halten können. Dennoch, wann immer wir allein sind, sehe ich auch die andere Seite von ihr. Eine sehr weibliche sehr humane Seite, die sie zu zeigen, sich nur mir gegenüber traut und gestattet. Die Frau, die hinter der Maestra steht. Die Frau die sich ihren Körper mit dem Dämonen teilt, welcher der Unbekannte Preis ist, den ein jeder Maestro und eine jede Maestra im Austausch für die Macht über das schwarze Seelenbuch und die Führung des Ordens zahlen muss. Wenn ich allein schon nicht von soviel Aufmerksamkeit und Verantwortung abgeschreckt währe Maestro zu werden, so ist es dieser Umstand allein, der Milyen meine ewige Treue und meinen Gefolgsam sichert. Auch wenn es genug Menschen gibt, die nur allzugern diesen Preis bezahlen, für die Macht die sie im Austausch erhalten, muss ich gestehen das mir diese Vorstellung zuwider ist. Meinen Körper mit einem Geist teilen, der über genug Willenskraft und Stärke verfügt, seinen Willen auch mit meinen Körper geschehen zu lassen? Eine besorgniserregende Vorstellung. Dennoch ... liebe ich die Frau, die dieses Schicksal zuteil wurde und somit bin auch ich lose an den Willen des Dämons gebunden. Ein kleiner Preis, den ich nicht für Macht sondern für die Frau bezahle, die meiner noch menschlichen Seite soviel bedeutet.
Es ist ... merkwürdig ... dieses Band und doch schafft es in einer Umgebung die jede Wärme und jede Schwäche mit Härte und Grausamkeit abstraft, meine Seele, mein Wesen mit Zuversicht und behaglicher Zufriedenheit zu erfüllen. Wie ein kleiner Lichtschein in einer großen dunklen Höhle.
Möge wer auch immer geben, dass dieser Schein niemals erlischt, der den Menschen in dieser sterblichen und mit grausamer Macht ausgestatteten Körper bewahrt.
Die Tage und Nächte die wir miteinander teilen, sind eine willkommene Abwechslung zum Alltag im Orden, auch wenn seit jüngster Zeit mich ein wenig Sorge quält. Ich weiss nicht was es ist, dass Milyen so unruhig werden lässt. Sie erhebt sich des Nächtens vom Lager, wenn sie wohl glaubt, dass ich Schlafe. Einmal habe ich beobachtet wie sie wohl über eine Stunde am Fenster stand und hinaus blickte, etwas sehend wohin weder meine Augen noch meine Magie reichte.
Ich weiss, dass der Dämon in ihr in letzter Zeit ebenso unruhig ist und ihr mehr zu schaffen macht als üblich. Sie sieht sich öfters als üblich gezwungen mit ihm um die Vorherschaft in ihrem Körper zu kämpfen und wird von seiner Stimme und der Beeinflussung gequält, die sie bedeutet. Ich wünschte, ich könnte ihr diese Last irgendwie abnehmen und es ihr ein wenig erträglicher machen, doch dass ist unmöglich. Diesen Preis, dieses Schicksal hat die Maestra allein zu tragen, alles was ich tun kann ist für sie da zu sein, sooft es eben möglich ist.
Ob es mit dem kurzen Gespräch zusammenhängt, das ich mit Milyen führte und indem ihr ihr offerierte, dass die Beziehung die wir führen, auch durch unser bestes Bemühen wohl nicht bis in alle Ewigkeit ein Geheimnis bleiben wird? Eigentlich glaube ich das nicht, denn Milyen ist viel zu Selbstbewusst und stark um sich von solcherlei Dingen aus der Bahn werfen zu lassen. Wenn es etwas gibt, dass sie beunruhigt musste es schon mehr sein, etwas ... greifbareres und wesentlich ''gefährlicheres'' als dass das Wissen um uns den Mitgliedern des Ordens zugänglich wird, wenn es dass nicht schon längst ist.
Die Frage ist nur, was?
Erschwerend kommt die Aufgabe hinzu, die uns die Ordensleitung vor kurzem zu Teil werden liess. Infiltration des Alumenischen Reiches in den Städten Berchgard und Adoran hier auf Gerimor. Alles andere als eine leichte Aufgabe und nach meinen ersten Erkenntnissen vielleicht sogar unmöglich. Dabei schien ich wirklich Glücl zu haben.
Kaum dass ich mich nach Berchgard begeben hatte um erste Erkundungen einzuziehen, war es der Zufall der mich dem freundlichen Mädchen vorstellte, welche sich als Sekretärin der Akademieleiterin des Konzil des Phönix herausstellte. Sie schien ein sehr angenehm offenes und freundliches Wesen zu haben und ich hoffe wahrlich, dass es mir während meiner Studien noch vergönnt sein wird, das ein oder andere Wort mit ihr zu wechseln, denn ich bin mir sicher, dass es von ihr viel zu lernen gibt. Sie stellte mich, sodann auch der Akademieleiterin vor, welche sowohl in Authorität als auch Auftreten einer unserer Magi garnicht so unähnlich war, auch wenn sie vielleicht eine Spur freundlicher wirkte, wobei ich mir noch nicht sicher bin, dass diese Freundlichkeit echt und nicht nur höfliches Geplänkel war.
Ich konnte nicht wirklich viel erfahren, doch das ist nicht verwunderlich, wollte ich vor allem ersteinmal unentdeckund unauffälig bleiben.
Mein urspünglicher Plan mich als Schüler im Konzil des Phönix zu beweisen und mich von ihnen in der Art und Weise ihrer Magie und ihres Denkens ausbilden zu lassen, scheint jedoch schon am ersten Tag zum scheitern verurteilt zu sein. Denn man berichtete mir von einem Ritual, dass alle Schüler die dem Konzil beitreten wollen, ablegen müssen. Und ich nehme ganz stark an, dass dieses Ritual das hochtrabend als "Prüfung des reinen Herzens" bezeichnet wurde, lediglich dazu dient Arkorither zu enttarnen um es eben nicht so einfach zu machen, sich als Mitglied unseres Ordens zugang zu diesem Konzil zu verschaffen. Besonders da die Leiterin jener Akademie eine so unglaublich hohe Meinung von uns zu haben schien.
Noch habe ich nicht gänzlich aufgegeben und hoffe in den nächsten Tagen noch etwas über dieses Ritual herausfinden zu können um mir vielleicht tatsächlich noch irgendwie Zugang verschaffen zu können, aber die Erfolgsaussichten sind minimal und ich freunde mich ebenso mit dem Gedanken an, meine Zeit als unwichtiger Tagelöhner in den Städten zu verbringen.
Ein Umstand den ich ein wenig bedauere, währe es doch mehr als interessant einmal zu erfahren, wie die Akademien, die sich selbst als das personifizierte Gute glorrifizieren, ihre Schüler lehren und ausbilden. Es währe gewiss einmal eine ... nette Abwechslung zu meinen sonstigen Studien gewesen.
Notizen für mich selbst:
*Nocheinmal mit dem Fräulein Weilnau sprechen und vielleicht zumindest etwas über das Ritual zu erfahren
*Ein wenig mehr auf Milyen achten um herauszufinden ob es etwas gibt wobei ich ihr helfen kann oder was sie so sehr belastet
*mich ein wenig mehr um die Schüler kümmern damit ihre Menschliche Seite nicht vollkommen verkümmert und eine stabile Hierachie die Loyalität kennt, sich durchsetzen kann
Er war unruhig und er spürte dass etwas vorging, dessen Ausmaße er noch nicht vollends erfassen konnte. Mit einem sachten Eingriff in das Lied schoben sich Schatten zu einem nebelartigen Gewölk vor ihm zusammen, dass ein ihm nur allzu vertrautes Buch zurückliess, als es sich wieder verzog. Behutsam schlug er die zuletzt beschriftete Seite auf und las das Datum. "13. Searum 252" über ein Jahr ist es also schon her. Seine Hand griff behutsam nach Federkiel und Tinte bevor er zu schreiben begann*
11. Alatner 253
Es ist lange her, dass ich zum letzten male meine Gedanken niederschrieb und viel hat sich seitdem verändert. Wiedermal gab es Veränderungen im Orden und die Zeit in der Maestro Rilan über den Orden herschte war nur all zu kurz, als ein ''bedauerlicher Unfall' seinem Leben ein tragisches Ende setzte. Milyen ... unsere Elegida erhob sich aus dem Chaos zur neuen unumschränkten Maestra des Ordens und Cecile, folgte ihr als unbarmherzige und grausame Elegida nach. Mit diesen beiden an der Spitze, erlebte der Orden zum erstenmal seit der für mich so lang scheinenden Zeit, seitdem ich ihm beigetreten bin, Stabilität und Ordnung, auch wenn es eine harte und grausam strenge Ordnung ist, was vor allem unsere neuen Schüler gerade erfahren müssen. Cetus ... mein Rivale und einer derjenigen die um die Art der Machtergreifung von Rilan und Milyen wussten ... hat ebenso das zeitliche gesegnet. Erdolcht von ein paar Strauchdieben in einer dunklen Gasse, wie Milyen mir berichtete auch wenn ich meine Zweifel habe, dass das wirklich der Wahrheit entspricht. Cetus war zu clever und zu mächtig um sich von solch Gesindel einfach ausschalten zu lassen. Doch auch sein Verlust löst in mir mehr Behaglichkeit als Bedauern aus. Ich bereue nur, dass ich ihm das Gedicht für diese Frau nun doch noch bis in alle Ewigkeit schuldig geblieben bin und überlege mir gerade, ob ich es nicht für sein Grab schreiben sollte, auch wenn mir solch Sentimentalität eigentlich garnicht zu gut zu Gesicht steht. Mit Rilans und Cetus dahinscheiden sind 2 weitere Seelen gestorben, die um den Putsch gegen die alte Maestra wussten. Cecile, welche unter Aufbringung aller dunkler Macht und Magie und dem Opfer einer nahestehenden Verwandten, wieder zum Leben erweckt wurde und tatsächlich ihre alte Kraft und Macht zurückerlangte, schien einen beträchtlichen Schaden in ihrem Erinnerungsvermögen erlitten zu haben, sodass unklar ist, ob sie sich noch an das Geschehen damals erinnert. Wenn wir sie aussen vor lassen sind es nur noch Yara, Milyen und ich die wissen, was genau zum jetzigen Aufstieg unserer verehrten Maestra und Elegida geführt hat und ich muss gestehen, dass das plötzliche dahinscheiden aller Mitwisser nicht gerade dazu beiträgt mich in meiner derzeitigen Lage sicher zu fühlen, auch wenn ich davon überzeugt bin, dass sie dieses Schicksal erlitten haben weil sie die falsche Seite gewählt haben.
Einen Fehler oder simples Pech, dem ich glücklicherweise nicht zum Opfer fiehl. Ich hatte mit meinen Annahmen Recht behalten. Milyen ist eine sehr starke Frau und selbst Cecile mit ihrem grausamen und unberechenbarem Charackter leiten und lenken den Orden in eine vorerst gesicherte Zukunft. Eine Zukunft und eine Leitung die es erstmalig wert ist beschützt zu werden, anstatt nur wieder von den eigenen Reihen gestürzt, damit sich der Kreislauf der Macht wieder von neuem drehte. Vielleicht gelingt es endlich, diesen Teufelskreis zu durchbrechen und den Orden tatsächlich etwas Zusammenhalt und Einheit zu geben und das Machtstreben seiner Mitglieder mehr nach aussen als nach innen zu lenken. Ein Unterfangen, dass nicht gerade einfach ist, wenn Cecile weiterhin ihrer Freude fröhnt, den jungen Schülern ihre Menschlichkeit auszutreiben, bis nur noch ein geschundenes und von Hass zerfressendes Häufchen Elend zurückbleibt. Gewisslich sind unsere neuen Schüler noch viel zu Weich für den Orden, Schwäche und Mitgefühl hat hier keinen Platz. Disziplin und Selbstbeherschung sind für den Umgang mit der Magie von enormer Bedeutung, besonders über seine eigenen Gefühle und dies ist eine Lektion die unseren Schülern gewiss noch vermittelt werden muss ... dennoch frage ich mich, wann Cecile die rote Linie überschreitet, die nicht überschritten werden darf.
Ich wünschte meine Zeit würde es erlauben, mich ein wenig intensiver um die neuen Schüler zu kümmern, doch mit der uns gestellten Aufgabe und allem drum und dran wird es schwierig.
Doch nicht nur der Orden, auch ich habe mich in diesem Jahr stark gewandelt. Ich habe mittlerweile die Prüfung zum Magus abgeschlossen und nun schon seit einer Weile ein Wissen- und damit gleichzeitig einen Kenntnisstand erreicht, der meine Fähigkeiten tatsächlich als Macht beschreiben lässt. Unablässige Übungen im Geiste als auch praktischer Natur, haben meine Kenntnisse im Umgang mit dem Lied und den sekundären Ausformungen wachsen lassen. Ich bin sehr viel sicherer geworden und die Bandbreite an Zusammenhängen, die ich nun verstehen kann ist gewachsen. Mittlerweile gehöre ich zu denjenigen, die selbst den jungen Schülern, die Wege der Magie lehren und darf mich Magister, lehrender Magier, nennen. Es ist eine verantwortungsvolle und nicht immer leicht zu erfüllende Aufgabe, aber so habe ich zumindest die Möglichkeit, einen geringen Einfluss auf die Schüler auszuüben und zu versuchen einen Keim der Beständigkeit und des Zusammenhalts in ihre Wesen zu pflanzen, aufdass der Orden geschlossener und Stärker auftritt als es bisher der Fall war, wo einjeder nur nach der größtmöglichen Macht für sich selbst suchte. Gewiss ist dies noch immer der Antrieb von vielen Geistern, die sich unserem Orden anschliessen und an diesem Streben ist auch in soweit nichts Falsches, als dass sich dieses Streben gegen den Orden und gegen die Führung richtet in dem Versuch, die unumschränkte Macht die jene beiden Magnifizenzen besitzen, sich selbst anzueignen.
Manchmal frage ich mich, ob diese Besorgnis um die Ordensstruktur alleinig von meinem Verstand ausgeht oder ob nicht doch mein Gefühl einen kleinen aber immernoch zu großen Anteil an dieser Entscheidung mitträgt.
Auch wenn ich mir einbilde, gut gelernt zu haben meine Gefühle im Griff zu haben, wann immer ich die Schattenschwarzen Gewänder anlege und mich in die schwarzen Festungsmauern begebe und mich um meinen Teil der Ordensangelegenheiten kümmere.
So komm ich nicht umhin festustellen, dass die Beziehung die Milyen und ich pflegen einen Stand ... ein ... Grad erreicht hat, den ich eher für unmöglich gehalten habe.
Sie ist zweifelslos eine zurecht gefürchtete und unglaublich mächtige und skrupellose Frau, bereit alles und jeden für ihre Ziele und den Orden aufzuopfern, aber wenn sie das nicht währe, würde sie sich auf die Position die sie nun inne hat, auch nicht halten können. Dennoch, wann immer wir allein sind, sehe ich auch die andere Seite von ihr. Eine sehr weibliche sehr humane Seite, die sie zu zeigen, sich nur mir gegenüber traut und gestattet. Die Frau, die hinter der Maestra steht. Die Frau die sich ihren Körper mit dem Dämonen teilt, welcher der Unbekannte Preis ist, den ein jeder Maestro und eine jede Maestra im Austausch für die Macht über das schwarze Seelenbuch und die Führung des Ordens zahlen muss. Wenn ich allein schon nicht von soviel Aufmerksamkeit und Verantwortung abgeschreckt währe Maestro zu werden, so ist es dieser Umstand allein, der Milyen meine ewige Treue und meinen Gefolgsam sichert. Auch wenn es genug Menschen gibt, die nur allzugern diesen Preis bezahlen, für die Macht die sie im Austausch erhalten, muss ich gestehen das mir diese Vorstellung zuwider ist. Meinen Körper mit einem Geist teilen, der über genug Willenskraft und Stärke verfügt, seinen Willen auch mit meinen Körper geschehen zu lassen? Eine besorgniserregende Vorstellung. Dennoch ... liebe ich die Frau, die dieses Schicksal zuteil wurde und somit bin auch ich lose an den Willen des Dämons gebunden. Ein kleiner Preis, den ich nicht für Macht sondern für die Frau bezahle, die meiner noch menschlichen Seite soviel bedeutet.
Es ist ... merkwürdig ... dieses Band und doch schafft es in einer Umgebung die jede Wärme und jede Schwäche mit Härte und Grausamkeit abstraft, meine Seele, mein Wesen mit Zuversicht und behaglicher Zufriedenheit zu erfüllen. Wie ein kleiner Lichtschein in einer großen dunklen Höhle.
Möge wer auch immer geben, dass dieser Schein niemals erlischt, der den Menschen in dieser sterblichen und mit grausamer Macht ausgestatteten Körper bewahrt.
Die Tage und Nächte die wir miteinander teilen, sind eine willkommene Abwechslung zum Alltag im Orden, auch wenn seit jüngster Zeit mich ein wenig Sorge quält. Ich weiss nicht was es ist, dass Milyen so unruhig werden lässt. Sie erhebt sich des Nächtens vom Lager, wenn sie wohl glaubt, dass ich Schlafe. Einmal habe ich beobachtet wie sie wohl über eine Stunde am Fenster stand und hinaus blickte, etwas sehend wohin weder meine Augen noch meine Magie reichte.
Ich weiss, dass der Dämon in ihr in letzter Zeit ebenso unruhig ist und ihr mehr zu schaffen macht als üblich. Sie sieht sich öfters als üblich gezwungen mit ihm um die Vorherschaft in ihrem Körper zu kämpfen und wird von seiner Stimme und der Beeinflussung gequält, die sie bedeutet. Ich wünschte, ich könnte ihr diese Last irgendwie abnehmen und es ihr ein wenig erträglicher machen, doch dass ist unmöglich. Diesen Preis, dieses Schicksal hat die Maestra allein zu tragen, alles was ich tun kann ist für sie da zu sein, sooft es eben möglich ist.
Ob es mit dem kurzen Gespräch zusammenhängt, das ich mit Milyen führte und indem ihr ihr offerierte, dass die Beziehung die wir führen, auch durch unser bestes Bemühen wohl nicht bis in alle Ewigkeit ein Geheimnis bleiben wird? Eigentlich glaube ich das nicht, denn Milyen ist viel zu Selbstbewusst und stark um sich von solcherlei Dingen aus der Bahn werfen zu lassen. Wenn es etwas gibt, dass sie beunruhigt musste es schon mehr sein, etwas ... greifbareres und wesentlich ''gefährlicheres'' als dass das Wissen um uns den Mitgliedern des Ordens zugänglich wird, wenn es dass nicht schon längst ist.
Die Frage ist nur, was?
Erschwerend kommt die Aufgabe hinzu, die uns die Ordensleitung vor kurzem zu Teil werden liess. Infiltration des Alumenischen Reiches in den Städten Berchgard und Adoran hier auf Gerimor. Alles andere als eine leichte Aufgabe und nach meinen ersten Erkenntnissen vielleicht sogar unmöglich. Dabei schien ich wirklich Glücl zu haben.
Kaum dass ich mich nach Berchgard begeben hatte um erste Erkundungen einzuziehen, war es der Zufall der mich dem freundlichen Mädchen vorstellte, welche sich als Sekretärin der Akademieleiterin des Konzil des Phönix herausstellte. Sie schien ein sehr angenehm offenes und freundliches Wesen zu haben und ich hoffe wahrlich, dass es mir während meiner Studien noch vergönnt sein wird, das ein oder andere Wort mit ihr zu wechseln, denn ich bin mir sicher, dass es von ihr viel zu lernen gibt. Sie stellte mich, sodann auch der Akademieleiterin vor, welche sowohl in Authorität als auch Auftreten einer unserer Magi garnicht so unähnlich war, auch wenn sie vielleicht eine Spur freundlicher wirkte, wobei ich mir noch nicht sicher bin, dass diese Freundlichkeit echt und nicht nur höfliches Geplänkel war.
Ich konnte nicht wirklich viel erfahren, doch das ist nicht verwunderlich, wollte ich vor allem ersteinmal unentdeckund unauffälig bleiben.
Mein urspünglicher Plan mich als Schüler im Konzil des Phönix zu beweisen und mich von ihnen in der Art und Weise ihrer Magie und ihres Denkens ausbilden zu lassen, scheint jedoch schon am ersten Tag zum scheitern verurteilt zu sein. Denn man berichtete mir von einem Ritual, dass alle Schüler die dem Konzil beitreten wollen, ablegen müssen. Und ich nehme ganz stark an, dass dieses Ritual das hochtrabend als "Prüfung des reinen Herzens" bezeichnet wurde, lediglich dazu dient Arkorither zu enttarnen um es eben nicht so einfach zu machen, sich als Mitglied unseres Ordens zugang zu diesem Konzil zu verschaffen. Besonders da die Leiterin jener Akademie eine so unglaublich hohe Meinung von uns zu haben schien.
Noch habe ich nicht gänzlich aufgegeben und hoffe in den nächsten Tagen noch etwas über dieses Ritual herausfinden zu können um mir vielleicht tatsächlich noch irgendwie Zugang verschaffen zu können, aber die Erfolgsaussichten sind minimal und ich freunde mich ebenso mit dem Gedanken an, meine Zeit als unwichtiger Tagelöhner in den Städten zu verbringen.
Ein Umstand den ich ein wenig bedauere, währe es doch mehr als interessant einmal zu erfahren, wie die Akademien, die sich selbst als das personifizierte Gute glorrifizieren, ihre Schüler lehren und ausbilden. Es währe gewiss einmal eine ... nette Abwechslung zu meinen sonstigen Studien gewesen.
Notizen für mich selbst:
*Nocheinmal mit dem Fräulein Weilnau sprechen und vielleicht zumindest etwas über das Ritual zu erfahren
*Ein wenig mehr auf Milyen achten um herauszufinden ob es etwas gibt wobei ich ihr helfen kann oder was sie so sehr belastet
*mich ein wenig mehr um die Schüler kümmern damit ihre Menschliche Seite nicht vollkommen verkümmert und eine stabile Hierachie die Loyalität kennt, sich durchsetzen kann