Sie war einfach nur fertig. Der Tag war lang gewesen und verdammt... sie war keine Heerführerin. Sich neben dem Experiment auch noch um die Auseinandersetzung mit der Blauhaut im Wald kümmern zu müssen, das ständige Rüstungstragen, die permanenten Dissonanzen um sie herum - das zehrte an ihrer Substanz. Es war wirklich schwer, ihre Geduld zu strapazieren und sie aus der Ruhe zurbringen - aber in dem Fall merkte sie, dass sie zunehmend gereizter wurde. Einfach war das alles nicht. Und so fiel sie einfach nur in ihr Bett und war froh, einige Momente Ruhe zu haben.
Für ihren Körper traf das wohl zu. Doch nicht für ihren Geist. Und so begann sie zu träumen...
Sie stand vor der letharischen Echse, die sie der Blauhaut im Wald abgenommen hatten. Fütterte das Tier mit ein paar Fliegenpilzen. Die Klänge um sie herum waren verschwommen, das Tier flocht Dissonanzen ein. "Lami, die Tür!" Das war Shalaryls Stimme. Aber wo war sie? Sie sah sie nicht. Sie brauchte sich nicht umwenden, um zu wissen, dass der Lethar gerade die offene Tür nutzte, um ins Tal zu gelangen. Sie wollte nach ihrem Bogen greifen. Doch sie war wie gelähmt. Sie konnte sich nicht bewegen. Panik schoss in ihr hoch. Und sie spürte, wie er immer näher kam, näher und näher... an sie herantrat. Er stand nun direkt hinter ihr. Sie roch seinen leicht fauligen Atem. Sie zitterte, doch nach wie vor war sie zu keiner Bewegung fähig. Er legte sanft seine Arme um sie, zog sie rückwärts an seinen Körper. Ein kurzer Moment war da ein Gefühl der Vertrautheit, ehe es je von der Panik verdrängt wurde. Sie wollte schreien, doch sie war stumm. Sie spürte, wie sein Kopf näher kam - und er genüsslich begann, seine Zähne in ihre Schulter zu schlagen und sie aufzuessen. Der Schmerz ließ sie die Kontrolle über ihren Körper wiedererlangen - und mit einem Ruck wachte sie auf, sich von ihm losreißen wollend.
In der Realität bedeutete dies allerdings, dass sie schwungvoll über das Fußende ihres eigenen Bettes flog und sich zwar noch irgendwie abfing - aber ein schönes, blaurotes Hörnchen ihre Stirn zierte und ihr Arm schmerzte - nur eine Frage der Zeit, bis er auch partiell Farbe annahm. Verstimmt taperte sie, noch immer mit rasendem Herz und nach wie vor übermüdet, in die Stadt hinaus und legte sich einfach splitterfasernackt in den Badesee. Abkühlen - Stirn kühlen - Arm kühlen - zur Ruhe kommen. Sie betrachtete nachdenklich den Mond und die Sterne über Ered Luin. Eine Stunde verweilte sie, ehe der Schlaf sie zu übermannen drohte. Sie wickelte sich in ein Handtuch und kehrte in ihr Schlafzimmer zurück - diesmal in einen tiefen, traumlosen Schlummer fallend.