Verfasst: Samstag 27. September 2008, 13:46
Die Tage wurden wieder ruhiger, alles spielte sich wieder ein. Ein gewöhnlicher Ablauf lies jeden Tag verstreichen. Chantar war ein wundervoller Mann, doch irgendwann ging er aus dem Haus und er kam nicht wieder. Ihre Gefühle für Chantar konnte sie bis heute noch nicht zuordnen, er kümmerte sich liebevoll um sie, las ihr jeden Wunsch von den Augen ab. Chantar liebte sie von ganzem Herzen, er sprach so oft davon … und sie konnte seine Gefühle nicht so erwidern, wie er es verdient hätte, sie konnte es einfach nicht. Es war nicht das, was sie sich wünschte. Tief in ihrem Herzen hegte sie Gefühle für jemanden, der auch seinen Weg suchte, und das ohne sie. Damit hatte sie sich abgefunden und mittlerweile lebte sie wieder vernünftig, ihr gebrochenes Herz verbannte sie in eine Ecke, die sie nicht mehr aufsuchte.
Und dann war heute Morgen dieser Brief in ihrem Briefkasten ….
Hunger, ein Stück Brot sättigt ihren Magen. Die frische Milch, die sie eben noch von den Schafen holte, war mittlerweile auch eiskalt geworden. Durch das offene Fenster im Wohnraum hörte man draußen den Wind durch das Geäst streifen. Vor ihr lag dieser Brief.
Ihre Gedanken flattern umher, während ihr Blick diesen Brief regelrecht anstarrte, als wolle sie ihn mit den Augen verbrennen.
Ich denke die Zeit hat ihre Wunder beigetragen, selbst als ich den letzten Windzug zwischen uns spüren konnte. Er kann mich sehen, ich fühle es, ich weiß es. Jetzt wird mir so langsam klar was hier passierte. Nie hatte ich das Schloss auswechseln lassen … Nie.
Alles was ich berührte, berührte auch ihn. Alles, was ich fühlte, fühlte er auch. Ich hasse ihn … für all das, was er getan hat. Für all den Kummer, den er mir bereitet hat. Ich hasse ihn für die zerstörten Nächte und all die Worte, die mir im Hirn herumgeistern. Ich hasse ihn für die Bilder, die ich in unzähligen Stunden gemalt habe und für die Millionen Gläser Milch, die ich getrunken habe, um nicht im Schlaf an meinen Träumen zu ersticken. Ich habe einen Grund, warum ich das nicht will. Ich hatte doch einen so guten Grund. Er weiß doch, dass er mein Leben zerbrechen lassen kann.
Ihr Blick schweifte auf den Krug mit der frischen Milch. Viele Stunden saß sie hier, allein, trank, aß und bildete sich ein, glücklich zu sein. Sie hatte das Gefühl, dass die Welt um sie herum zusammenbrechen würde. Luciana stand auf, ging durch die Räume, die Treppen nach oben ins Schlafzimmer, sie setzte sich aufs Bett, das einst er für ihr gemeinsames Leben in diesem Haus herstellte. Ihre Blicke streiften jedes einzelne Möbelstück in ihrem Haus. Alles erinnerte sie an ihn. Einfach alles. Dann drehte sie sich auf dem Bett herum, zog die Beine an, umschlang jene mit den Armen, stützte ihr Kinn auf den Knien und starrte aus dem Fenster in die Ferne.
Er weiß, dass ich es nun weiß. Er fühlt mich, er weiß, wie ich mich anfühle.
Er liebte mich so sehr, wie auch ich ihn. Ich liebe ihn immer noch, doch würde ich es nie zugeben, dass mich diese Zeilen berühren. Ob er weiß, dass er im selben Moment mein Leben so wertvoll wie nie zuvor macht. Schließlich hatte ich einen guten Grund.
Nun schließt sie die Augen für einen Moment und dann nickte sie, als wäre ihr eben eingefallen, wie sie nun weiterlebte. Luciana ging nach unten in die Werkstatt und kramte nach Feder und Pergament, dann begann sie zu schreiben …
Erik … Ich habe nicht viele Worte, ich kann Dir nur meine Gedanken schenken, in der Hoffnung, dass du diese verstehst.
"Lebe wohl" - Du fühltest nicht,
Was es heißt, dies Wort der Schmerzen;
Mit getrostem Angesicht
Sagtest du's und leichtem Herzen.
Lebe wohl! - Ach tausendmal
Hab ich mir es vorgesprochen,
Und in nimmersatter Qual
Mir das Herz damit gebrochen!
Es war, als hätt der Himmel
Die Erde still geküsst,
Das ich im Blütenschimmer
Von dir nun träumen müsst.
Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.
Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.
E. Mörike & J. Freiherr von Eichendorff
Mögen die Ahnen über dich wachen und dir Schutz gewähren.

Sie rollte das Pergament sorgfältig zusammen, setzte ihr Siegel darauf und drehte es nachdenklich in ihrer Hand. Kurz schweifte ihr Blick wieder durch den Raum, als wolle sie zögern, seufzte sie noch einmal tief. Dann ging sie hinaus, ging direkt auf die Briefkästen vor ihrem Haus zu, den Brief an Erik legte sie in seinen.
Ich hoffe, dass er diesen irgendwann dort finden wird. Ich spüre es, als wäre er immer noch mit mir verbunden.
Und dann war heute Morgen dieser Brief in ihrem Briefkasten ….
Hunger, ein Stück Brot sättigt ihren Magen. Die frische Milch, die sie eben noch von den Schafen holte, war mittlerweile auch eiskalt geworden. Durch das offene Fenster im Wohnraum hörte man draußen den Wind durch das Geäst streifen. Vor ihr lag dieser Brief.
Ihre Gedanken flattern umher, während ihr Blick diesen Brief regelrecht anstarrte, als wolle sie ihn mit den Augen verbrennen.
Ich denke die Zeit hat ihre Wunder beigetragen, selbst als ich den letzten Windzug zwischen uns spüren konnte. Er kann mich sehen, ich fühle es, ich weiß es. Jetzt wird mir so langsam klar was hier passierte. Nie hatte ich das Schloss auswechseln lassen … Nie.
Alles was ich berührte, berührte auch ihn. Alles, was ich fühlte, fühlte er auch. Ich hasse ihn … für all das, was er getan hat. Für all den Kummer, den er mir bereitet hat. Ich hasse ihn für die zerstörten Nächte und all die Worte, die mir im Hirn herumgeistern. Ich hasse ihn für die Bilder, die ich in unzähligen Stunden gemalt habe und für die Millionen Gläser Milch, die ich getrunken habe, um nicht im Schlaf an meinen Träumen zu ersticken. Ich habe einen Grund, warum ich das nicht will. Ich hatte doch einen so guten Grund. Er weiß doch, dass er mein Leben zerbrechen lassen kann.
Ihr Blick schweifte auf den Krug mit der frischen Milch. Viele Stunden saß sie hier, allein, trank, aß und bildete sich ein, glücklich zu sein. Sie hatte das Gefühl, dass die Welt um sie herum zusammenbrechen würde. Luciana stand auf, ging durch die Räume, die Treppen nach oben ins Schlafzimmer, sie setzte sich aufs Bett, das einst er für ihr gemeinsames Leben in diesem Haus herstellte. Ihre Blicke streiften jedes einzelne Möbelstück in ihrem Haus. Alles erinnerte sie an ihn. Einfach alles. Dann drehte sie sich auf dem Bett herum, zog die Beine an, umschlang jene mit den Armen, stützte ihr Kinn auf den Knien und starrte aus dem Fenster in die Ferne.
Er weiß, dass ich es nun weiß. Er fühlt mich, er weiß, wie ich mich anfühle.
Er liebte mich so sehr, wie auch ich ihn. Ich liebe ihn immer noch, doch würde ich es nie zugeben, dass mich diese Zeilen berühren. Ob er weiß, dass er im selben Moment mein Leben so wertvoll wie nie zuvor macht. Schließlich hatte ich einen guten Grund.
Nun schließt sie die Augen für einen Moment und dann nickte sie, als wäre ihr eben eingefallen, wie sie nun weiterlebte. Luciana ging nach unten in die Werkstatt und kramte nach Feder und Pergament, dann begann sie zu schreiben …
Erik … Ich habe nicht viele Worte, ich kann Dir nur meine Gedanken schenken, in der Hoffnung, dass du diese verstehst.
"Lebe wohl" - Du fühltest nicht,
Was es heißt, dies Wort der Schmerzen;
Mit getrostem Angesicht
Sagtest du's und leichtem Herzen.
Lebe wohl! - Ach tausendmal
Hab ich mir es vorgesprochen,
Und in nimmersatter Qual
Mir das Herz damit gebrochen!
Es war, als hätt der Himmel
Die Erde still geküsst,
Das ich im Blütenschimmer
Von dir nun träumen müsst.
Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.
Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.
E. Mörike & J. Freiherr von Eichendorff
Mögen die Ahnen über dich wachen und dir Schutz gewähren.
Sie rollte das Pergament sorgfältig zusammen, setzte ihr Siegel darauf und drehte es nachdenklich in ihrer Hand. Kurz schweifte ihr Blick wieder durch den Raum, als wolle sie zögern, seufzte sie noch einmal tief. Dann ging sie hinaus, ging direkt auf die Briefkästen vor ihrem Haus zu, den Brief an Erik legte sie in seinen.
Ich hoffe, dass er diesen irgendwann dort finden wird. Ich spüre es, als wäre er immer noch mit mir verbunden.