Ein kleiner Wichtel?

Luciana van Elyn

Beitrag von Luciana van Elyn »

Die Tage wurden wieder ruhiger, alles spielte sich wieder ein. Ein gewöhnlicher Ablauf lies jeden Tag verstreichen. Chantar war ein wundervoller Mann, doch irgendwann ging er aus dem Haus und er kam nicht wieder. Ihre Gefühle für Chantar konnte sie bis heute noch nicht zuordnen, er kümmerte sich liebevoll um sie, las ihr jeden Wunsch von den Augen ab. Chantar liebte sie von ganzem Herzen, er sprach so oft davon … und sie konnte seine Gefühle nicht so erwidern, wie er es verdient hätte, sie konnte es einfach nicht. Es war nicht das, was sie sich wünschte. Tief in ihrem Herzen hegte sie Gefühle für jemanden, der auch seinen Weg suchte, und das ohne sie. Damit hatte sie sich abgefunden und mittlerweile lebte sie wieder vernünftig, ihr gebrochenes Herz verbannte sie in eine Ecke, die sie nicht mehr aufsuchte.

Und dann war heute Morgen dieser Brief in ihrem Briefkasten ….

Hunger, ein Stück Brot sättigt ihren Magen. Die frische Milch, die sie eben noch von den Schafen holte, war mittlerweile auch eiskalt geworden. Durch das offene Fenster im Wohnraum hörte man draußen den Wind durch das Geäst streifen. Vor ihr lag dieser Brief.
Ihre Gedanken flattern umher, während ihr Blick diesen Brief regelrecht anstarrte, als wolle sie ihn mit den Augen verbrennen.

Ich denke die Zeit hat ihre Wunder beigetragen, selbst als ich den letzten Windzug zwischen uns spüren konnte. Er kann mich sehen, ich fühle es, ich weiß es. Jetzt wird mir so langsam klar was hier passierte. Nie hatte ich das Schloss auswechseln lassen … Nie.
Alles was ich berührte, berührte auch ihn. Alles, was ich fühlte, fühlte er auch. Ich hasse ihn … für all das, was er getan hat. Für all den Kummer, den er mir bereitet hat. Ich hasse ihn für die zerstörten Nächte und all die Worte, die mir im Hirn herumgeistern. Ich hasse ihn für die Bilder, die ich in unzähligen Stunden gemalt habe und für die Millionen Gläser Milch, die ich getrunken habe, um nicht im Schlaf an meinen Träumen zu ersticken. Ich habe einen Grund, warum ich das nicht will. Ich hatte doch einen so guten Grund. Er weiß doch, dass er mein Leben zerbrechen lassen kann.


Ihr Blick schweifte auf den Krug mit der frischen Milch. Viele Stunden saß sie hier, allein, trank, aß und bildete sich ein, glücklich zu sein. Sie hatte das Gefühl, dass die Welt um sie herum zusammenbrechen würde. Luciana stand auf, ging durch die Räume, die Treppen nach oben ins Schlafzimmer, sie setzte sich aufs Bett, das einst er für ihr gemeinsames Leben in diesem Haus herstellte. Ihre Blicke streiften jedes einzelne Möbelstück in ihrem Haus. Alles erinnerte sie an ihn. Einfach alles. Dann drehte sie sich auf dem Bett herum, zog die Beine an, umschlang jene mit den Armen, stützte ihr Kinn auf den Knien und starrte aus dem Fenster in die Ferne.

Er weiß, dass ich es nun weiß. Er fühlt mich, er weiß, wie ich mich anfühle.
Er liebte mich so sehr, wie auch ich ihn. Ich liebe ihn immer noch, doch würde ich es nie zugeben, dass mich diese Zeilen berühren. Ob er weiß, dass er im selben Moment mein Leben so wertvoll wie nie zuvor macht. Schließlich hatte ich einen guten Grund.


Nun schließt sie die Augen für einen Moment und dann nickte sie, als wäre ihr eben eingefallen, wie sie nun weiterlebte. Luciana ging nach unten in die Werkstatt und kramte nach Feder und Pergament, dann begann sie zu schreiben …

Erik … Ich habe nicht viele Worte, ich kann Dir nur meine Gedanken schenken, in der Hoffnung, dass du diese verstehst.

"Lebe wohl" - Du fühltest nicht,
Was es heißt, dies Wort der Schmerzen;
Mit getrostem Angesicht
Sagtest du's und leichtem Herzen.
Lebe wohl! - Ach tausendmal
Hab ich mir es vorgesprochen,
Und in nimmersatter Qual
Mir das Herz damit gebrochen!

Es war, als hätt der Himmel
Die Erde still geküsst,
Das ich im Blütenschimmer
Von dir nun träumen müsst.
Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.
Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

E. Mörike & J. Freiherr von Eichendorff


Mögen die Ahnen über dich wachen und dir Schutz gewähren.


Luciana

Sie rollte das Pergament sorgfältig zusammen, setzte ihr Siegel darauf und drehte es nachdenklich in ihrer Hand. Kurz schweifte ihr Blick wieder durch den Raum, als wolle sie zögern, seufzte sie noch einmal tief. Dann ging sie hinaus, ging direkt auf die Briefkästen vor ihrem Haus zu, den Brief an Erik legte sie in seinen.

Ich hoffe, dass er diesen irgendwann dort finden wird. Ich spüre es, als wäre er immer noch mit mir verbunden.
Luciana van Elyn

Beitrag von Luciana van Elyn »

Es scheint als ließe der Tag die Nacht nicht los. Für das Tageslicht gibt es kein Erwachen. Regen setzt sich sanft auf meinem dunklen, langen Haar und bestückt es mit glanzbesetzten Perlen.
Traumversunken laufe ich durch den Wald über eine Lichtung und weiter, zarter Nebel hält die nasse Erde verborgen. Meine Gedanken schweifen fort und durchleben in neuen Schritten die letzten Tage und weit die Vergangenheit.

Das Strahlen seiner Augen das sich in seinem Lächeln brach, der Hauch von Kuss, den er mir gab, so viele waren es gewesen, die zärtlichen Berührungen. Liebevolle Umarmungen hüllten mich sanft ein auf meinem Weg durch die Kälte. Würde doch nur ein Sonnenstrahl für einen Moment lang den Regen durchbrechen, der mir für einen kleinen Augenblick die Wärme schenkt, welche mich damals noch umnebelte. Einfach noch einmal den Moment, die Zärtlichkeiten nochmals spüren zu dürfen. Sollte es vorbei sein?

Seit dem letzten Brief, den ich Erik in den Briefkasten legte, hörte ich nichts mehr von ihm. Es war als hätte er mich vergessen und doch spürte ich unmittelbar seine Nähe. Ich musste mein Leben verändern und so ging ich zielstrebig den Weg Richtung Berchgard weiter, so konnte ich noch eine Weile in Erinnerungen schwelgen und mich darauf vorbereiten, einen Schritt in eine neue Richtung zu gehen.

Irgendwann, ich weiss nicht mehr wieviel Zeit verstrichen ist, kam ich triefend nass im Handwerkshaus an. Viel gab es hier zu tun, viel Zeit opferte ich in jenes Haus, doch irgendwas in meinem Inneren sagte mir, dass es Zeit war, die eigenen Füße in die Hände zu nehmen und etwas neues anzupacken. Geschwind schnappte ich mir frische, vorallem trockene Kleider, huschte hinauf in eines der warmen Zimmer und entledigte mich der nassen Kleider. Langsam ging ich wieder in die Werksatt und sah mich lange um.

Ein Ende soll es nun haben, Thancred und Allie kommen gut ohne mich zurecht ... Freunde werden sie wohl immer bleiben, doch werde ich meine meisterlichen Werke nur noch in meinem Namen zur Verfügung stellen und nicht anderweitig ...

Ein fahles, mattes Lächeln legte sich über meine Gesichtszüge und nochmals gleitete mein Blick durch die Räumlichkeiten, dann ging ich zielsicher auf meinen Arbeitsplatz zu und räumte diesen sorgfältig auf. Nahm einen kleinen Zettel zur Hand und notierte ein paar Worte für Alliestra darauf, den ich ihr dann auf den Tisch im kleinen Turm legte.

Alliestra,

es tut mir leid, dass ich diesen Weg nun gehe, aber ich werde nicht mehr für unser gemeinsam aufgebautes Handwerkshaus arbeiten. Ich möchte meine eigenen, alleinigen Wege gehen. Ich hoffe Du verstehst mich, wenn nicht Du, wer dann? Zuviele Dinge sind passiert, zu viele Erinnerungen weilen dort. Es wäre schön, wenn wir uns an einem ruhigen Ort treffen könnten, um einfach mal wieder zu reden. Eine Freundin.


Luciana

Danach klappte ich meine Truhe auf und legte sorgsam den Schlüssel hinein, dann verliess ich unser damals gemeinsam aufgebautes Handwerkshaus. Es war ein Abschnitt in meinem Leben, dieser sollte nun geändert werden und dies tat ich. Sie würden mich verstehen, dass wusste ich.
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