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Verfasst: Dienstag 8. Juli 2008, 04:56
von Kimroth Gruenfels
Da saß er nun im Kerker - wo genau konnte er kaum sagen, es war eine Burg, aber es war mit Sicherheit nicht varuna. Ein.... Kronritter hatte ihn offenbar als unfreiwilligen Gast bei sich aufgenommen.
Absurd war vielleicht die Tatsache dass er Frauenkleider trug - nunja, es hätte klappen können, dass er zumindest als Frau mit viel Fantasie durchging wenn er das Schreiben überbringen würde. Zu früh gefreut - denn als sich Kaely und Kim von Lameriast auf dem Weg machten ahnten sie davon noch nichts, auch wenn Kim, abgebrüht wie der hauptmann der Vogelfreien eben war, fest damit rechnen musste, und so wies er seine Leute auch an: "Komm ich nicht wieder, wisst ihr was passiert ist, wisst ihr was zu tun ist."
Er wies Uro an, dies und das noch zu erledigen, dann würde das Ganze irgendwie gut gehen - irgendwie ging es doch immer weiter, notfalls auch ohne ihm. Ja, die Absurdität unter Strauchdieben war, dass sie alle für eine Sache sterben konnten, doch damit machten sie sich nur zu Märtyrern.
Leider ergab es sich, als die Beiden das Heimhaus der Vogelfreien wieder verließen, dass Kim vergaß sein Hemd auszustopfen damit man etwas Ähnliches wie eine Frauenbrust hatte. Hätte er nicht Brennesseln mit Sauerampfer verwechselt und wollte eben Bandagen holen - wäre er dabei nicht den Reichstruppen in die Hände gefallen - wäre es vielleicht sogar gut gegangen. Kaely war zumindest eine gewisse Zeit lang weg, bis sie so klug war und nachkam.
Nach Androhung und Durchführung gewisser Foltermethoden erbarmte man sich endlich und brachte Kaely und ihn endlich in diesen Kerker - und da saßen sie schlussendlich. Kaely zog an ihrer Wildkrautpfeife, Kim übergab Rafael das Schreiben das letztendlich den Grafen erreichen sollte...
Wie es weiterging blieb ungewiss, Tatsache war jedoch - Kimroth kam an diesem Abend nicht zurück - und damit wussten die Mannen und Frauen, was zu tun war.

Verfasst: Dienstag 8. Juli 2008, 12:21
von Kaelynn Leniora
Es war dunkel um sie herum als sie die Augen öffnete. Rechts von ihr konnte sie ein leises Schnarchen hören, die Luft war muffig und roch nach Wildkraut. Nur sehr träge bewegte sie den Kopf, sie fühlte sich müde und matt und als sie auf die Pfeife in ihrem Schoss blickte, wusste sie auch wieso, Ein paar Minuten brauchte sie noch um die Desorientierung abzuwimmeln, um sich klar zu werden wo sie überhaupt war, aber dann kam so langsam der erste klare Gedanke und sie schloss die Augen wieder; eine Zelle und Kim war in der Nachbarszelle. Stück für Stück kam alles wieder in ihren Kopf zurück, wie alles angefangen hatte an diesem turbulenten, gestrigen Abend.

Die Paladina schlief tief und fest, jedenfalls bewegte sich das gefesselte Bündel in der Ecke des Hauses nicht. Kaelynn war nicht gerade sehr zufrieden, um es nicht anders zu sagen; sie machte sich dezente Sorgen um die Frau. Sie weigerte sich etwas zu essen und das war nie gut, und wer nicht essen wollte, der hatte entweder Angst, war sauer oder konnte nicht … Letzteres war jedoch ausgeschlossen, die Paladina hatte die Möglichkeit etwas zu essen, sie nutzte sie nur nicht. Doch alle Gedanken daran, sie noch zum Essen zu bewegen vergingen als Kim zu ihr meinte dass sie noch zum alten Versteck sollten, irgendwo auf Gerimor, sie selbst kannte dieses Haus noch nicht und war ganz froh über einen kleinen Tapetenwechsel.
Der Hinweg lief unbeschwert und das Versteck selbst entpuppte sich als wesentlich besser ausgestattet als das leere Haus auf Lameriast, vor allem gab es hier eine richtig eingerichtete Küche, ein Anblick der Kaelynn das Herz höher schlagen ließ. In Gedanken ging sie bereits die einzelnen Dinge durch die man mit einem Ofen, das war ein echter Ofen!, alles backen und machen konnte. Doch lange bleiben sollten sie nicht, Kimroth nahm einige Sachen mit und danach ging es darum einen Brief zu überbringen … ausgerechnet nach Varuna. Wie Kimroth in die Stadt kommen wollte, ohne festgenommen zu werden, wusste der Hauptmann auch schon und auch wenn kaelynn dafür bekannt war eine optimistische Frohnatur zu sein; beim späteren Anblick Kimroths in Frauenkleidern, der seine Stimme so hochstellte dass es schon fast unangenehm war, wollte sie nicht so recht an einen Erfolg glauben, aber Kimroth schien von der Idee überzeugt und streiten wollte sie ganz sicher nicht an ihrem zweiten Tag bei der Truppe.

So war sie also gezwungen die Küche wieder zu verlassen und machte sich mit Kim auf in Richtung Varuna, doch auf dem Weg schien ihm eines aufzufallen; da fehlten Brüste, denn so wie er jetzt aussah gab er die wohl flachbrüstigste Frau ab auf ganz Alathair und so rannte er noch einmal zurück um sich irgendwas zu holen was er sich ins Hemd stopfen konnte, Kaelynn wartete ... und wartete … und wartete, wo blieb Kimroth? Vielleicht fand er nichts zum reinstopfen? Sie zuckte die Schultern und beschloss selbst nachzusehen doch als sie am Haus ankam sollte sie erst einmal eine unangenehme Überraschung erwarten. Bewaffnete Leute standen vor dem Haus und sie sah wie man Kim zu Boden gedrückt hatte, das ganze sah nicht so aus als ob das Freunde von ihm waren … und all dies nur wegen ein paar Brüsten die er sich machen wollte.
Von nun an ging alles etwas chaotisch zu. Natürlich hatte man sie auch grob angefasst, sie zu Boden gerungen und gefesselt, obwohl sie sich nicht einmal gewehrt hatte, und man brachte Kim ins Haus rein, sie musste davor sitzen bleiben und warten. Ab und an stellte man ihr Fragen und sie war sich sicher dass ein paar dieser Leute sie für recht dumm hielten, stellten sie ihr Teils doch fragen wie man sie nur einem Kind stellen würde oder glanzmeisterliche rhetorische Fragen deren Antwort schon von selbst gegeben waren, aber Kaelynn spielte mit, antwortete soweit es ging und soweit sie wollte, denn im Hinterkopf hatte sie nur eines; wenn diese Kerle schon so grob und brutal zu Kim waren, und verdammt dieser Ritter und sein bestialischer Kumpane waren das wirklich, dann wollte sie nicht wissen was sie mit den anderen anstellen würden und so verfälschte sie die Wahrheit weit genug um als das kleine Unwissende Ding dazustehen dass mit verbundenen Augen zum Versteck geführt hatte. Auf der anderen Seite konnte sie jedoch einige Menschen dort sehr gut verstehen, vor allem die ältere Frau und ihre jüngere Begleiterin welche sich sehr um die Paladina zu sorgen schienen und auch zu wissen schienen wie wichtig es war dass sie mal etwas essen würde. Es war ein klassischer Zwiespalt in dem sie steckte; sie wollte ganz sicher nicht ihre Männer ans Messer liefern, aber sie wollte auch nicht dass der Paladina etwas passierte, also gab sie Informationen weiter an die beiden, sehr vage und keinesfalls genau, aber genug damit sie wussten es ging der Entführten gut.

Der Abend klang aus als man sie fortführte, in irgendeine Festung wo man sie in eine Zelle sperrte und wo sie nun saß, für wie lange, darüber wollte sie zumindest jetzt nicht nachdenken. Glücklicherweise hatten diese Kerle ihre Pfeife in Ruhe gelassen und sie konnte nun in der Zelle seelenruhig an einer kleinen Fackel draußen jene entzünden und paffte gemütlich das Wildkraut. Es dauerte nicht sehr lange, da wurde wieder alles ruhiger, ihre Gedanken glitten wie in einem einheitlichen Strom dahin und sie spürte wie sich alle Muskeln in ihr entspannten. Sie redete noch mit Kimroth, eine belanglose Plauderei ehe sie die Augen schloss, es war Zeit zu schlafen.

Verfasst: Dienstag 8. Juli 2008, 18:57
von Darna von Hohenfels
Aus der Tiefe rufe ich zu dir
(Tag 1 nach dem Versteckwechsel)

Versagt. Eine widerlich lange Nacht, in der ihre Glieder zu schmerzen begannen und immer tauber wurden, je länger sie sich kaum wirklich rühren konnte. Die Gedanken bewegten sich umso mehr - im Kreis.
Versagt. Als man sie noch unterschätzt hatte, war sie gutmütig blauäugig geblieben, statt sich zu befreien. Sie hatte an diese Leute hier gedacht, statt an jene, die sich Zuhause Sorgen machten. Sie hatte hier einen Zugang zu diesen abstrusen Menschen gesucht, vergebens. Sie hatte versucht, zu verstehen - wofür? Stattdessen schlug ihr im Gegenzug mehr und mehr Unverständnis entgegen, als hätte sie die Tür zu einem gefluteten Raum geöffnet. Als sie flüchten wollte, war sie gescheitert. Jetzt war alles viel schlimmer als vorher. Sie war handlungsunfähig. Jetzt dachte sie tatsächlich daran, wie es den anderen gehen musste, wenn man sich darüber im Klaren war, daß sie am Abend der Auseinandersetzung mit Gewalt verschleppt worden war. Adrian... sie kniff die Augen zu, fühlte, wie die Gedanken in die Tiefe stürzten, fühlte daß das, was geschah, den Namen "Verzweiflung" trug. Nein, sie durfte nicht völlig scheitern. Sie musste den Sturz bremsen. Sie musste sich auf das Grundlegende zurückbesinnen. Sie musste es hinnehmen, erdulden. Sie durfte nicht daran zweifeln, daß Temora ihr weiter beistehen würde, egal was käme.
"Es mag sein, daß alles fällt,
daß die Burgen dieser Welt
um dich her in Trümmer brechen..."
Mit geschlossenen Augen wisperte sie die Worte, über die sie kaum mehr nachdenken musste. Doch genau darauf kam es an: durch die Routine wieder zur Bewusstheit kommen, die Worte nicht nur auswendig kennen, sondern um ihren tiefen Sinn zu wissen und daraus Kraft zu schöpfen.
"Na, gut geschlafen?", durchbrach Uros Stimme die dünne Decke der Besinnung. Sie versuchte, ihn zu ignorieren. Vor allem beachtete sie die Verlockung des dünnen Eises nicht, daß Uro sowas wie freundlich zu sein schien, sie nach Hunger und Durst fragte, fast fürsorglich über das tränenverklebte Gesicht strich. Nein. Man konnte es sich ja auch leisten, freundlich zu tun, während sie jeglicher Erniedrigung ausgeliefert war. Gestern hatte Kim noch festgestellt, daß sie seit Tagen keine Waschschüssel gesehen hatte, inzwischen hatte sie nicht mal mehr eine Wahl, als so wie sie war ihrer Notdurft nachgeben zu müssen.
"Du hast keine Wahl. Es wird vorbeigehen. Es wird ein Ende finden. Nimm es hin."
Mit einem gewissen hartnäckigen Fanatismus, der Fackel nicht einmal unbekannt war und Uro auch zum Schmunzeln brachte, setzte sich das Flüstern fort und neugierig horchte er auf die leisen inbrünstigen Worte:
"Es mag sein, daß Frevel siegt,
wo der Fromme niederliegt;
doch nach jedem Unterliegen
wirst du den Gerechten sehn
lebend aus dem Feuer gehn,
neue Kräfte kriegen."
Uro starrte auf seine Fackel. "Lebend aus dem Feuer gehn... Jaaa."

Und das von ihm. Die Worte stockten, als sie sich fühlte, als hätte sie unerwartet einen Schlag ins Gesicht bekommen. Ja, er war tatsächlich lebend aus dem Feuer gegangen, soviel wusste sie inzwischen. "Den Gerechten..." Uro, gerecht, das alles hier gerecht, sie im Irrtum... Der Sturz in die Tiefe setzte neu ein.
Nein. Er verdrehte alles, was mit Feuer zu tun hatte, in sein Gegenteil. Eine Pervertierung. Und die Frage zu Recht und Unrecht war nicht nur einfach eine belanglose Frage des Standpunktes.
"Lass dich nicht beirren von seiner Welt. Es ist nicht deine, und du hast nicht die Kraft, seine zu drehen, besinne dich auf dich, deine Werte."
"Es mag sein, die Welt ist alt;
Missetat und Mißgestalt
sind in ihr gemeine Plagen."
"Genau davor stehst du. Genau das ist das hier. Halt durch!"
"Schau dir's an und stehe fest;
nur wer sich nicht schrecken lässt,
darf die Krone tragen."
Ein dankendes Klopfen fand seinen Weg auf die sie umgebenden Seile und Netze. "Hmmm... Das merk ich mir."
Sie kniff die Augen zu, bis es schmerzte.
"Es landet bei ihm genau verkehrt.
Du bist nicht verantwortlich dafür, was er aus deinen Worten macht.
Du kontrollierst nicht, was er mit dem, was ihm gegeben ist, tut."

Sie presste die Kiefer zusammen. Hinnehmen. Es würde die rechte Zeit für alles kommen.
"Deine Zeit und alle Zeit... liegt in Eluives Händen."
Uro tippte sie an. "Wenn sie über unsere Zeit entscheidet... dann muß sie wohl zurzeit denken.. daß du bei mir sein sollst, hmm?"
Schlag um Schlag in die Magengrube. Und er schien es nicht mal als Scherz zu sagen. Schlimmer noch, sie musste sich beherrschen, nicht in eine ähnliche Richtung zu denken. Nein, sie war hier nicht mehr freiwillig und nahm das einfach so hin. Trotzdem war es, wie es war, und sie musste es irgendwie hinnehmen, bevor sie sich an sinnlosem Widerstand aufrieb.
"Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar..."
Sie besann sich auf alles, was ihr irgendwie Trost und Ruhe zu spenden vermochte, konzentrierte sich auf sämtliche Gedichte, die sie so liebte und die Wahrheiten des Lebens in harmonische Verse brachten.

Es fiel wirklich nicht leicht. Uro stellte ihr Fragen, wie sie sie von den Priestern des Panthers erwartet hätte, um sie zu vergiften, er stellte sie auch noch völlig arglos, als wäre er an Antworten interessiert - doch sie hatte keine Kraft für Diskussionen.
"Warum tötest du eigentlich die Wesen Temoras? Ich mein... wenn alle Menschen ihre Kinder sind - warum tötest du ihre Kinder? Wäre es nicht besser, sie zurückzuholen, ich mein, ohne Gewalt? Menschenblut an deinen Händen... Menschenblut an den Händen deiner Feinde..."
Sie hatte keine Kraft, seine Worte, seine Unterstellungen in Wahrheiten zurückzudrehen. Keine Kraft, zu erklären. Sie mühte sich, sich nicht beirren zu lassen, betete leise weiter. Uro atmete tief ein, das beständige Wispern fing an, ihn zu entnerven.
"Sag mal, kannst du das nicht auch denken?"
"Es ist deine Wahl, mir nahe genug auf der Pelle zu sitzen, um zuzuhören." Sie betete weiter.
"Ich erzähl dir jetzt, was ich tue, wenn du nicht aufhörst, so einen Mist zu reden... Ich nehm diese Fackel hier und stell sie dir in deinen Mund. Wenn du dann redest... fällt sie wohl raus, hmm? Und wenn diese rausfällt, weißt du, was dann passiert?" Sie hörte, wie er auf den Holzboden pochte.
"Du wirst mich nicht für deinen Wunsch, Feuer zu legen, mißbrauchen. Du wirst mich nicht daran hindern, zu beten. Du wirst mich nicht anrühren."
"Letzte Warnung."
Etwa auf Halshöhe stieg aus der Deckenrolle ein verräterisches Schimmern. Nein, er würde ihr keine Fackel in den Mund stellen. Sie betete weiter, manchmal schienen Verse auch in Uros wirre Welt zu passen, doch irgendwann schien er genug zu haben und eigene geliebte Verse ihren entgegenzustellen:
"Heiße Glut, rot wie Blut, ist alles, was uns bleibt...
Spürst du Gerimor erbeben? Siehst du den Rauch am Horizont?
Kannst du die Fackeln sehen? Tausende müssens sein..."

Zwei Stimmen, eindringlich und unvereinbar, jede ihrem Pfad folgend. Unbeirrt wisperte sie weiter:
"Und die Tugend, die ist kein leerer Schall,
der Mensch kann sie üben im Leben.
Und sollt er auch straucheln überall,
er kann nach der göttlichen streben."

"Dort stehen sie, in Reih und Glied,
atmet den Hauch des Feuers, gluterfüllt und voller Mut.
Das Feuer brennt, es brennt alles nieder.
Das Feuer brennt, es singt seine Lieder.
Das Feuer brennt und alles hinter ihm schwelt!"

"Und was kein Verstand der Verständigen sieht,
das übet in Einfalt ein kindlich Gemüt."


Uro schien es darauf anzulegen, sie heute noch glauben zu machen, in ihrem Zustand würde sie in Kürze in diesem Holzhaus brennend gefangen sein - sie, sogar welche der Bande... sie stemmte sich gegen alles, was sie noch geistig verletzen konnte. Ein harter Kampf.
"Das Feuer kennt keine Gnade! Ich nehme dir dein Leib und Seel, und deinen großen Helden!"
"Nein, du wirst Adrian nicht verbrennen."
"W..w...was murmelt d..d..die? W..w...wieder d..d...das Hexen zeug?"
"Ich bin keine Hexe. Ihr könnt nur nicht erkennen, was ihr seht."
Sie betete weiter, rezitierte weiter, als wären Gedicht und Gebet ihre letzten Anker. Sie brauchte Vertrautes in diesem Haufen Wahnsinn. Auch wenn das einen genau anders herum wirkenden Eindruck machte, selbst auf Kimroth.
"Sie ist verrückt geworden, fürchte ich. Hmh. Sie brabbelt Unsinn."
"SAG ICH D...D...DOCH!!" Erwin machte das Gemurmel zunehmend richtig nervös. "M...m..mach s...s..sie ruhig!"

Ein harter Kampf.
"Also Wirbelwind - die verschnürte Zecke da in der Ecke - reimt sich sogar, ha ha ha - das ist die Freiherrin und Paladine Darna von Elbenau. Und das Reich ist nun sehr böse auf uns, so böse, dass sie sich an keine unserer Abmachungen hielten, weshalb wir nun überlegen, sie doch noch ein BISSCHEN länger zu behalten. Vielleicht.... nochmal 75 Kronen?"
Saveas Geld, Shayas Geld - vergebens. Das alles hier. Sie hatten das Geld, und es war nicht mal vorbei. Es ging ihnen nur um Geld - und darum, "die da oben" zu ärgern. Mächtiger zu sein als jene, die Macht hatten. Und sie sollte weiter hier bleiben. Alle sich weiter sorgen.
Ruhig bleiben.
"Wir könnten ihr einen Finger abschneiden um den Preis in die Höhe zu bringen."
Es war eine neue Stimme, die sich nur "Wirbelwind" nannte. "Aber es sind immer die gleichen Ideen."
Nicht einschüchtern lassen.
"Und du meintest sie ist so ein Paladings...? Heißt das dann nicht, daß sie über irgendwelche Kräfte verfügt?"
"Was denkst du, wieso ist sie so verschnürt? Was denkst du haben wir schon für Ärger gehabt wegen der. Mädel - das REICH ist hinter uns her - und die ham wir vorgeführt wie nichts."
Sie presste die Lippen leicht zusammen. "Darf ich hoffen, daß ihr es noch bitter bereuen werdet? Nein, ich hatte gewünscht, ihr würdet selber erkennen, welchen Fehler ihr gemacht habt, von euch aus bereuen würdet... hoffnungslos. Stattdessen rühmt ihr euch eurer Schandtaten, als wäre es Leistungen."
Ein harter Kampf. Erst recht, als Elfe hereinkam.
"Grüni! Ik hab wat jefunden! Auf de Bett von unserem Gast! Ene Nachricht."
"Der Brief." In ihrem Magen bildete sich ein Klumpen. Sie hörte Kimroth in keckerndes Lachen ausbrechen. "Milady, Eure Dienstleute sind so klug gewesen, die Nachricht in unserem Domizil zu hinterlegen, bedauerlich nur, daß wir es wohl als erste gefunden haben."
Oh Himmel, er kannte den Hergang nicht, wie der Brief dort hingelangt war...

"Darf ich es Euch vorlesen?" Er wartete keine Antwort ab, während mindestens die halbe Bande zuhörte, klang Kimroth Stimme in einem erschreckend formell übertrieben-dekandenten Tonfall durch den mangels Einrichtung hallenden Raum, jedes Wort dröhnte in ihrem Kopf. Und Elfriede freute sich noch, ihn gefunden zu haben.
"Gütige, erspar mir das."
Es blieb ihr nicht erspart. "...Ihr könnt Euch unserer Loyalität und Treue wie immer versichert fühlen, so sehr..."
"Hört auuuuuuf!" - ihre Stimme erklang aufjaulend plötzlich gedehnt, schrill und verzerrt, gequält und laut, das unförmige Bündel Fesseln krümmte sich zusammen.
"Aber Milady. Ihr wollt doch sicher wissen, wie es weitergeht."
"Hört auf." Weitere Tränen rannen ihr übers Gesicht. "...das Lösegeld, das so vehement von Eurem Entführer oder neuen Freunden verlangt ist, bestehend aus..."
"Aufhörn...", wimmerte sie. Nicht nochmal.
"Ich dachte, Paladine sind stark und groß im Geiste?" - Wirbelwind, die nächste Ohrfeige.
"D..d...dieses B...b..bündel Eelend i...i..ist nicht g..g...gross im G..g..eist."
"Nein. Ich kann nicht mehr. Herrin, verzeih mir."
"...unseren Jahreslöhnen und einigen Ersparnissen Lady Selissas..."
"Schweine!", kommentierte Elfriede, "Wat is denn mit deynen Verlobten de Graf!"
"...wie immer ergebenst - Savea und Shaya." Kimroth ließ das Büchlein sinken und schnalzte mit der Zunge. "Nette Mädels, muß ich schon sagen."
Sie hatte das Gesicht so weit möglich zur Matte gedreht, auf der sie lag, Tränen tropften darauf.
"De red'n viel, aba hab'n nix! Vaguna is ken Reich. Es is en Loch de sene zukünftige Könjigin im Stich lassen! Tz tz...", wetterte Elfe weiter.
"Ihr könnt, wenn ihr zurück seid, den drei reizenden Damen von mir bestellen, wir legen ihre letzten Jahreslöhne gewinnbringend an."
"Ihr seid Scheusale", wisperte sie heiser, die Augen zugekniffen, "Scheusale."
"Naja... wat solls, gähhhh!", schrillte Elfes Stimme durch die Luft, "Da sehst iu dat de Graf, ken richtiga mann fur dit is, gäh, Darna? En männ, wurd allet fur de Frau tun! Aba aba... naja, da dieht du es!"
Wieder sah man, wie sie sich in den Stricken wand, doch diesmal ohne reißendes Geräusch, als wär da keine Kraft mehr. "Lügen. Nichts als Lügen, ihre ganzen Lügen über den Adel, gefundenes Fressen alles, und jetzt noch über Adrian..."
"Was meint ihr, Jungs und Mädels? Schreiben wir dem Grafen man einen Brief?" Kim rieb sich die Hände.

"Hochwohlstgeborener Graf Adrian", fing er laut an, einen Brief gedanklich vorzuformulieren, während die Bande ihrem Hauptmann kichernd zuhörte. Hinter ihnen lag das Bündel Elend und weinte still.
"Es erfreut uns zutiefst, dass Ihr uns höflichst Staatsgold verweigert und es auf Kosten anderer hingegen sehr wohl nicht scheut, uns zu übergeben."
"Ik würds übaall uffhängen!", wetterte Elfriede dazwischen.
"Neeeeiiiiin... diese Menschen wissen doch auch nicht, warum und was da Lügen sind, oh bitte..."
"Leider leider muss ich Euch sagen, dass gewisse Subjekte Eurer Reihen nicht dazu befähigt waren, sich an gewisse Abmachungen zu halten, was es uns erschwert, Eure geliebte Verlobte so schnell zu überbringen. Im Augenblick jedoch liegt das Paket sicher verschnürt in unserem Heim, das wir, wie Ihr verstehen werdet, wechseln mussten aufgrund der mangelnden Subtilität der Euren.
Doch seht Euch versichert, ihr geht es soweit gut, obgleich sie wohl dem Wahnsinn zu verfallen scheint - mit höchstem Bedauern, wie ich meine, doch leider auch durch Euer Verschulden und unserer Missgestimmtheit werden wir das Kopfgeld für eine baldige Übergabe verdoppeln, weshalb noch eine Summe von 75 Kronen an unsereins auszuzahlen sein wird.
Mit dem höchsten ehrerbietenden Respekt wilder Strauchdiebe,
Hauptmann 'Grüni'"
Er erntete Applaus. Rissen sich fast darum, wer ihn überbringen sollte. Ihr war schlecht.
"Jehts dia jut, Mädel?", hörte sie etwas später leiser Elfriedes Stimme. Sollte sie lachen? "Na wat is den lot..."
"Ach lass die blöde Kuh doch liegen, die soll sich nicht so anstellen."
"Naja... iu hast Recht, Wirbelwind!"
"Ist ja nicht so, als würden wir sie foltern."
"D..d...die fo...foltert uns m...m...mit dem sch...scheiss Gemurmel."
Wirbelwind und Elfe hatten sie zu bewachen, während Kimroth draußen das Schreiben aufsetzte.

"Mach dir keine Sorgen, du kommst hier schon raus... Ist nur die Frage, wie...", grinste Wirbelwind, ließ bei dem Schweigen dann einen Seufzer los. "Du bist nicht sehr gesprächig, was?"
"Die Trauer, daß de Grafe net her kumma. En Männ is en Männ, denka nura an de selbst!"
"Hör auf, über Adrian zu lügen, Kreischweib." Ein leises Knurren wurde hörbar.
"Wenn de Macht hast, dann isset ejal wat mit de Weib passiert! So ene Schweignerei!"
"Er würde die ganze verdammte Welt auf den Kopf stellen, und gnade euch, bekäme er euch dann endlich in die Finger! Aber du weißt nichts über ihn, gar nichts!"
"Typoick Männn!"
Darna bäumte sich in ihren Fesseln auf und streckte sich. "AAAAAAADRIIIIAAAAAAAAANNN!"
"Sei still oda ik stupf de maul!"
"Mh... lass sie doch rufen, hier hört sie eh keiner."
"DIESE.... LÜGNER! DRECKSWEIBER!" - ihre Stimme schnappte das erste Mal seit langer Zeit schrill über vor Wut.
"Er is en Männ!"
"Drecksweib?", knurrte Wirbelwind und verengte die Augen zu Schlitzen.
"Wat willst meerr! De denk nur an det selbst und woll'n se nur ins Bettchen! De hat bestimmt ene gerade! Na Frauchen Darna is net da... juhuuu! Na kann ik uff ne andre ruff!"
"Stopf ihnen... LÜGE..." Ihre Stimme kippte brüchig weg und verstummte.
"So sind de unsere Männ! Aba Frauchen Darna is yaaaaa blind! Und vertrau dem geilen Sack! Hoffnungslot!"
Kraftlos lag sie in den Fesseln. Die verbalen Fußtritte nahmen noch lange kein Ende.
"Adrian... Bitte... hol mich hier weg..."

Verfasst: Dienstag 8. Juli 2008, 19:48
von Erwin Schtatter
Gedanken eines alten verwirrten Mannes
(Tag 2 nach dem Versteckwechsel, glaubt er zumindest)

Hm....diese Besucherin bei uns, wie lange will die eigendlich noch bleiben? Das gemurmel geht mir echt auf die Nerven!
Und dann noch das mit dieser Rüstung, sie scheint wirklich eine Hexe zu sein.

Oder halt mal, vieleicht ist sie gar keine Hexe? Es könnte doch sein, dass sie eine Göttin ist? Ich habe einmal gehört, das die auch Zaubern können. Aber wenn sie Zaubern kann, dann würde die sich doch von den Fesseln weg Zaubern....
Irgend etwas stimmt hier nicht!
Wo bleibt eigendlich Kim?
Wenn sie eine Göttin ist, wiso ist sie dann zu uns gekommen? Die sollte doch wissen das bei uns nicht alle ganz so ehrlich sind?
Verfluchter mist, die haben unser Versteck entdeckt!

Ich habs! Sie ist sicherlich die Göttin der Diebe!
Das könnte auch der Grund sein warum sie zu uns gekommen ist!
Aber warum halten wir sie dann fest und vergöttern sie nicht?
Ich glaub ich mach da was durcheinander....oder doch nicht?

Hm...doch ja, ich bin mir sicher sie ist die Göttin der Diebe, und dann soll sie auch noch Schwanger sein!
Hoffendlich kriegt sie ein Sohn, vieleicht nennt sie ihn ja Erwin wenn ich nett zu ihr bin, stell dir mal vor, ein Gott der gleich heisst wie ich? Wär klasse!
Vieleicht mach ich da auch wieder etwas durcheinander...?

*und dann schlief der Erwin völlig Sorgenfrei ein*

Verfasst: Dienstag 8. Juli 2008, 20:08
von Savea Falkenlohe
Sie hatte das Gefühl, der Boden würde sich unter ihren Füßen auftun. Die wütenden Blicke, die Worte mal zornig, mal eisig, die Shaya und ihr entgegen wehten. Schuldig!

Schuldig!... sich zu sorgen.
Schuldig!... ebenso übernächtigt zu sein, wie alle anderen.
Schuldig!... helfen zu wollen.
Schuldig!... sicher, die Tür zugehalten zu haben, als Adrian mit dem Schwert voran auf den Boten vor der Tür losgehen wollte.
Schuldig!... etwas tun zu müssen, weil sie plötzlich allein dastanden.
Schuldig!... ihrer Fassungslosigkeit, als sie hörten, Milady wolle dort bleiben, sie sei es freiwillig.
Schuldig!... das Lösegeld übergeben zu haben, mit einem Schreiben an Milady, was ihrer Wut, Sorge, Traurigkeit und dem Unverständnis Ausdruck verliehen hatte.
Schuldig!... mit aufkommender Angst um Milady, als diese ihre Namen rief, in einem Ton, der um Hilfe schrie und kurz darauf ihre leuchtende Rüstung das Zimmer erhellte, auf die Fenster geschossen zu haben, um die Entführer von ihr abzulenken, was immer dort gerade geschah.
Schuldig!... dass sie Milady fort gebracht hatten.
Schuldig!... kein Verständnis aufbringen zu können für die Verhörmethoden seiner Hochgeboren von Dragenfurt.
Schuldig!... Magd zu sein, deren Vorschläge nicht gehört werden müssen, oder mit verächtlichen Blicken bedacht werden können.
Schuldig!... dass sie gegen Geheiß mit Kaelynn gesprochen hatten, wo Kanubio und Sir Rafael gedanklich schon die Rahaler um die Ecke biegen sahen.
Schuldig!... dass sie ihnen nicht mehr hatte sagen können, dass Kaelynn ganz leise den Aufenthalt Miladys verraten hatte, ehe das Rauschkraut ihr die Sinne vernebelt hatte: Lameriast.

Schuldig!

Verfasst: Dienstag 8. Juli 2008, 21:55
von Shaya Nyrloth
Da waren sie also...zu dritt...im halbhohen Gras Deckung suchend, der Blick auf die Westwand des Hauses gerichtet...
Die drei Mädchen von der...
Nein...
Auf der Pirsch mit...
Nein...
Die Alte, die Frau und das Kind...
Nein...
Die Graue, die Braune und die, die noch Grün hinter den Ohren war...
Nein...
Naja, zwei Mägde und ein junge Frau eben.
Seine Hoheit hatte also keine Kosten und Mühen gescheut, die besten Späher aufzutreiben, die in ganz Gerimor zu finden waren. Genau genommen hatten zumindest zwei von ihnen wohl teuer dafür bezahlt jetzt hier zu sein...den Gefahrenzuschlag von 75 Kronen hatten sie dabei, und würden ihn zahlen, statt ihn zu erhalten. Trotz unzureichender Arbeitsbedingungen, ungenügender Bezahlung und von fehlender Absicherung, falls etwas passieren sollte, war gar nicht erst zu reden, waren sie dennoch freiwillig hier. Sie hatten eine Mission zu erfüllen, auch wenn es sie innerlich zerriss. Hin und wieder mussten wohl Opfer gebracht werden.

Shaya lenkte den Blick die Hauswand empor zum Dach...waren das Fenster oder nicht doch eher so etwas wie eine Dachterasse? Eine ungünstige Position jedenfalls, hier konnte man leicht aufgedeckt werden. Die Gefahr gerade noch erkannt ließ sie keine Zeit verstreichen, Savea zu warnen nicht weiter vorzu... schleichen...robben... kriechen... stoßen... krabbeln.
„Das sieht fast wie eine Dachterrasse aus, sehen wir uns die Südseite an, hier werden wir zu schnell entdeckt.“
Saveas Reaktion war ein kurzer Wink zu ihren Umhängen, und altbekannter Humor, Schmerz verdrängend, sich durchbeißend, mit Galgenhumor die Situation rettend: „Ja.. ich bin grün wie Gras.. du aber wirkst wie ein gefällter Baum.“
„Du mich auch...“ Die schnippische Reaktion.
„Natürlich habe ich dich auch gern.“
„Ich kann mir ja nichts anderes leisten, weil...“ Shayas Kopf nickte einmal ruckartig zum Versteck. „...ich seh’ mir jedenfalls die Südseite an.“
„Das klären wir noch.“ Flüsterte Savea, während Shaya sich nach Süden wandte, einen Bogen schlagend...in Ordnung... robbend.

Und wie sie das klärten, in Gedanken ging es weiter, fochten sie zuende. Savea machte den Anfang, dann nahm es seinen Lauf.
’Mit dem grünen Umhang, den grünen Hosen und auch grünen Stiefeln verschmelze ich mit dem Gras.’
‚Sicher knacken deine alten müden Knochen dafür mehr als verräterisch.’
‚Nicht so langsam wie ich mich bewege, ich mache einer Schildkröte alle Ehre.’
‚Bei dem trockenen Wetter die letzten Wochen und Tage sind die Grasspitzen sicher braunwelkig, und ein guter Schutz.’
‚Am Berghang hat es sicher geregnet, da ist das Gras saftig grün.’
‚Und so langsam wie du voran kommst, dürfte selbst eine Schnecke schneller sein.’


Dann riss der gedankliche Kontakt ab, vermutlich waren sie zu weit voneinander entfernt, um sich weiter verständigen zu können. Also hieß es sich wieder zu konzentrieren, nachdem das Haus erfolgreich eingekesselt worden war...na ja, zumindest fast...die Ostseite mit der Tür blieb erst einmal...unbewacht. Larissa schlich währenddessen irgendwo zwischen ihnen herum.

Etliche Beobachtungsversuche, Lauschangriffe, Fingerzeichen, und was auch immer später, fanden sie wieder am westlichen kleinen Hügel zusammen. Vielleicht würden Savea und Shaya den folgenden Schritt bald bereuen, aber nach den letzten Tagen lagen die Nerven einfach blank, und Enttäuschung und Fassungslosigkeit saßen zu tief, als dass sie Gedanken dafür über haben konnten. Und so taten sie den Schritt, auch wenn es schwer war. Nur mühsam gelang es Shaya ihre Stimme beim diktieren der Zeilen unter Kontrolle zu halten, nicht nur einmal drohte sie einfach zu kippen, während das Haltung wahren immer schwerer wurde und die beiden mehr und mehr in sich zusammensackten.