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Verfasst: Donnerstag 12. Juni 2008, 17:32
von Sephira von Tecklenstein
Leise fiel die Türe hinter ihr ins Schloss. Eine Welle der Skepsis und Zurückhaltung schlug ihr nur so entgegen. Es machte ihr nichts aus, vielmehr hatte sie damit gerechnet. Doch sollte ihr Beitrag zu dem Werke endlich eingelöst werden.
Beide wussten, welche Überwindung es für beide Seiten kostete.

Nun, Blutgeborene von Seranyth, was wisst ihr über das Betragen? Wie viel hat euch bereits euer Cousin erklärt?

Sie musste sich eingestehen, dass die Blutgeborene nicht dumm war. Vierlerlei hatte sie bereits verinnerlicht und sich zu Herzen genommen. Sie fühlte sich sicher mit dem, was sie bisher wusste, wiegte sich in völligem Gleichklang mit sich und ihrer Umwelt. Es war eine Basis, doch nur zu gut erinnerte sie sich, wie tief erst die Regeln verinnerlicht werden mussten, um sie zu achten... und manchmal auch zu brechen.
Der Rücken wurde mehr als einmal gerader und steifer durchgedrückt, um die Distanz zu wahren. Sie war zahmer als die Male zuvor, in der sich die beiden begegnet waren und allzu still nahm sie die gesprochenen Worte aus:

Respekt
Achtung
Ehre

Und Liebe.

Sie ahnte, dass die Blutgeboren ahnte, inwiefern sie zu Darian stand. Und doch musste sie das Thema abhandeln, wollte es einfach hinter sich bringen. Es war die höchste Regel, das höchste Gesetz, um nach aussen hin sich von den anderen zu unterscheiden. Gefühle waren in der ihrigen Welt bisher ein Fremdwort; kühles Kalkül und Berechnung stand jenem entgegen. Das Spiel mit dem Blutgeboren war etwas neues, eine ganz andere Ebene: Endlich keine Grenzüberschreitung, sondern das Achten jener Regeln. Eine neue Herausforderung.
Wie sie es jedoch sah war ihr vollkommen unklar, keine Regung innerhalb ihres Gesichtes zeigte sich während den Erklärungen und nur wenige Fragen entsprangen den geschwungenen Lippen. Momente fühlte sie den Blick der braunen Augen auf sich und für einen Atemhauch hätte man meinen können, sie wolle mehr herausfinden, als nur den Worten zuzuhören.
Sie ließ sich nicht beirren, führte ruhig die vorbereiteten Worte zu Ende und ging auf die Fragen ein. Es wunderte sie fast, wie einfach und schnell das Prozedere vonstatten ging: Keine Gegenworte, kein Anzweifeln, keine Verweigerung.

Die gestelzte Förmlichkeit blieb jedoch, hing erbarmungslos in der Luft und über ihnen beiden. War es ein Lauern? War es ein neues Abwägen der Gegenseite und wie weit man gehen könnte? Vielleicht wollte man auch nur schnellstmöglichst es hinter sich bringen, damit der Blutgeboren beruhigt auf das Tun seiner Cousine sein konnte.

Es dämmerte, als sie aus dem Anwesen hinausging und die wenigen Schritte zu dem eigenen Heim ging. Die Luft wurde tief eingesogen, während der Blick den Horizont abtastete. Sie hatte ihr gesagt, sie würde ein weiteres Mal kommen, eine weitere Lektion würde folgen. Sie würde ihr Versprechen halten. Vielleicht würde sich ein Vorteil daraus entwickeln lassen.