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Verfasst: Sonntag 27. Juli 2008, 10:58
von Cyrion Sha´Ar
Wind fegte sein langes Haar aus seinem Gesicht heraus und Gischt benetzte als salziger Sprühregen jenes, während er neben der Galleonsfigur stand und sich mit einer Hand an der Reling festhielt.
Sein Blick war nach vorn gerichtet, dem Land entgegen, das sich von einer blassen Ahnung innerhalb weniger Tage in einen grünen Farbschlieren verwandelt hatte, das nun den ganzen Horizont einnahm.
>Land... ob dies das Ende dieser Reise ist?<
Wie so oft dachte er erneut daran, wie er gefunden worden war, am Kopf blutend, das Kind, welches er offensichtlich beschützt hatte, sicher in seinem Arm.
Es war ein stürmischer Tag gewesen, Äste waren gegen die Wände des Hauses gefegt worden, in welchem er erwacht war. Unwissend, wo er war, hatte er sofort, trotz seiner Schwäche, nach dem wimmernden Kind verlangt und es an sich genommen, sobald er seiner ansichtig wurde.

Das Kind, dessen Namen er nicht zu nennen wusste.

Genauso, wie er seinen eigenen nicht wirklich kannte.

Erkennend, das er keinerlei Erinnerung an sich selbst hatte, war ein Schock ohnegleichen gewesen. Ein Handspiegel war ihm nach seiner Aufforderung gereicht worden. Ein weiterer Schock - der Blick in den Spiegel zeigte ihm einen Fremden mit veilchenblauen Augen. Augen die ausser Überraschung und Verwirrung nichts preisgaben.
>Wer bin ich?<

Die ersten Stunden nach seinem Erwachen waren voller Überraschungen für ihn gewesen. Die Heiler sprachen von Amnesie und fragten allerlei. Woher er kam, wohin er ging. Ob dies Kind sein Sohn war. Warum er alleine mit einem Kind reiste. Welche Bedeutung das grosse Tattoo auf seiner Brust hatte - ein fliegender Rabe mit einer Rose in seinen Krallen. Seine Waffen - er war wohl mit mehreren Kampfarten vertraut - trugen ein Siegel mit einem Raben. Sein Ring ebenfalls mit einem Raben graviert, das Band den Ranken eine Rose gleich. Um den Hals trug er einen ebensolchen Ring an einer Kette - wenn dieser auch zierlicher war, wohl für eine Frau gedacht.
Die Leute hatten gewispert und Gerüchte entstanden um seine Person herum, er könnte ein Anhänger Krathors sein - zumal ein Rabe beständig am Gasthaus zu finden war. Aus einem Impuls heraus hatte er inständig gebeten, den Raben nicht zu erschiessen. Warum ihm dies wichtig war, konnte er nicht sagen, nur das es ihm ein dringendes Anliegen war. Der Heiler, ein wichtiger Mann in dem Dorf, hatte sich dies einige Tage angesehen und dann bestimmt den Gerüchten ein Ende bereitet. Die Diener Krathors handelten nicht so offensichtlich, sich mit dem Raben tattowieren zu lassen - und dann auch noch jenes Abbild ihres Gottes mit einer Wildrose zu 'verschandeln'. Zudem war es seinen Worten nach, beschämend, einem Mann, der nichts über seine Vergangenheit wusste, eine solch düstere anzudichten. Danach war tatsächlich Ruhe eingekehrt und er hatte sich erholen können.
Zwei Tage nach seinem Unfall - er war bei dem Sturm von einem herabbrechenden Ast getroffen worden - war ein reiterloses Pferd aufgefunden worden. Der edle schwarze Hengst trug weitere Waffen mit sich, einige persönliche, wenn auch nichtssagende Gegenstände und dann noch Landkarten und Seekarten.
Karten, die am Rand mit einem Namen gekennzeichnet waren. Cyrion Ceylon Sha'Ar. Sein Name? Er konnte es nicht mit Bestimmtheit sagen. Aber der Name klang... familiär.
Und dann noch die Karten selbst... Wenn er sich hier auskannte, woher brauchte er dann Karten? Und die Seekarte! Woher kam er? Aus Übersee? In dem Dorf hatte ihn jedenfalls niemand erkannt...

Das Kind in seinem Arm greinte leise, ein Geräusch, das ihn aus seinen wenigen Erinnerungen riss und ihn herab blicken liess.
Kühler Sprühregen von der See hatte sich auf das Gesichtchen des Kindes gelegt, welches er nur mit 'Knirps' betitelte, hatte er doch keinen Namen für ihn. Den Umhang enger um seine Gestalt ziehend, schirmte er den Knaben ab und liess seinen Blick einen langen Moment gedankenvoll auf ihm ruhen.
Dieser kleine Wurm hatte ihn schon Nächte wachen lassen, sich fragend, warum er mit einem Kind unterwegs war. Ein Kind noch dazu, das offenbar besondere Kräfte hatte. Es verschmolz mit dem Schatten, sobald es Angst verspürte und keiner hinsah.
Und doch... Er hatte dies bemerkt, als eine Schlägerei im Wirtshaus, in dem er nächtigte, ausbrach. Der Krach war bis in sein Zimmer zu hören gewesen. Nach dem Kinde sehen wollend, hatte er festgestellt, das es aus seiner Wiege verschwunden war. Aufgeregt wie Fassungslos hatte er begonnen zu suchen. Einige seiner Strähnen waren herabgefallen und etwas im Schatten der Wiege griff danach - erneut ein Schock, zu beobachten, wie die Schatten in der Wiege verblassten und dort, wo nichts zu sein schien, die Umrisse des Kindes zu Tage traten. Die winzige Hand hatte sich fest um seine Strähnen geschlossen. Ein Kind in einer Wiege, deren Decken vorher nichts behergten.
Welch sonderbaren Kräfte dieses Windelkind doch hatte! War er sein Vater? Wo war die Mutter des Jungen? Woher kamen diese Kräfte nur? Von seiner Mutter? Eine Magierin vielleicht?
Strähnen aus seinem Gesicht fegend, blickte er mit ernster Miene auf das Kind, welches ruhig wurde, sobald es an seiner Brust lag. Von ihm kamen diese Kräfte sicherlich nicht. Er war ein Schwertkämpfer - und sicherlich kein Paladin als solcher. Der Heiler hatte bestätigen können, das in ihm keinerlei magische Kräfte schlummerten. Den Jungen hatte er nicht untersucht - hatte er zu dem Zeitpunkt seiner Entdeckung jenes Dorf längst verlassen.
Allerdings war dem Heiler bei einem ihrer vielen Spaziergänge durch den Wald aufgefallen, das Cyrion bemerkenswert viel über die Natur wusste - und um Dinge, die mit dem Verborgenen Volk zu tun hatten. Cyrion konnte nicht sagen, woher er wusste, wie man Feen sehen konnte, oder woher er wusste, wie man sich mit der Natur in Einklang brachte - sogar soweit, das man einen Hauch dessen wahrnehmen konnte, was allgemein als Das Lied Eluvies bekannt war. Kristallklare Wahrnehmung seiner Umgebung mit einem damit einhergehenden Gefühl der völligen Entspannung... Geborgenheit...
"Alles ist Eins..."
Er blinzelte überrascht. Woher war dieser Satz gekommen? Er konnte es nicht sagen, aber irgendwie brachte er es in Verbindung mit etwas... femininem. Einer Frau vielleicht?
Einen Moment grübelte er weiter, ob es vielleicht mit der Frau zu tun hatte, dessen Stimme der Rabe ab und an nachahmte. Eine Frau, die nach einem Cyrion rief. Ob Solveigh diese Frau war? Ein Name, den der Rabe mit seiner, Cyrions, Stimme rief. Oder vielleicht Enghwyn? Eine weitere Frau, deren Stimme der Rabe von sich gab. Frauen, an die er keinerlei Erinnerung hatte.
Kurz linste er zu dem Raben hoch, der in dem Tauwerk des Schiffes Ausguck hielt. Dieser Rabe, der ihn überall hinbegleitete hatte ihm schon viel Kopfzerbrechen beschert, wann immer er gerade 'sprach'. Offensichtlich etwas, um Aufmerksamkeit - zumeisst in Form von Futter - zu erlangen.
Cyrion hatte ebenso erstaunt festgestellt, dass er, wenn in Gedanken und abgelenkt, wie von selbst Zeichen von sich gab, die der Rabe zu verstehen schien und diesen danach handeln liessen. Versuchte er bewusst etwas herauszufinden, waren seine Bemühungen völlig umsonst. Sein Unterbewusstsein schien sich zu erinnern. Seine bewusste Erinnerung hingegen... leer wie ein frischer Pergamentbogen.

Seufzend blickte er wieder nach vorn, zum Land hin. Häuser waren nun zu erkennen, auch wenn es noch schwer war, diese auseinander zu halten. Schiffe konnte er ausmachen, die in näherer Umgebung des Hafens waren, auf den sie zusteuerten. Wieder ein Ort, an dem er etwas über seine Vergangenheit heraus zu finden hoffte.
Es hatte nach seinem Ausbruch aus dem Dorf eine Weile gedauert, bis er die umliegenden Dörfer abgeklappert hatte - dann erst hatte er endlich jenes gefunden, in dessen Wirtshaus sich ein Cyrion Ceylon Sha'Ar eingetragen hatte - womit er immerhin die Richtung hatte, aus der er kam.
Die Suche ging weiter, bei der er seine Spuren zurück verfolgte. Er hatte recht gehabt - sie führten ihn letztendlich zu einem Hafen. Und von dort aus zu weiteren Orten, von Hafen zu Hafen bis zu diesem Ort hier.
Würde er hier wieder einen Eintrag finden, wo er in der Vergangenheit mit einem anderen Schiff ankam? Würde er erneut reisen müssen? Sich mit Medikamenten gegen Seekrankheit eindecken müssen? Oder würde er keinerlei Eintrag finden? Auf Leute treffen, die sich an ihn erinnerten? Die Wirte der Gasthäuser hatten sich alle an ihn erinnert - trug er sein Haar doch lang genug, das es ihm bis an die Knie reichte. Würden andere Leute sich auch an ihn erinnern? War dieses Land seine Heimat? Angespannt schaute er gen jenes Land, welches keinerlei Erinnerungen in ihm weckte. Was mochte ihn hier erwarten? Er würde es feststellen...

Verfasst: Dienstag 5. August 2008, 21:10
von Cyrion Sha´Ar
Die Häuser waren inzwischen gut zu sehen, düster und unfreundlich wirkend durch den dunklen Stein, mit dem sie erbaut waren. Rötliche Lichter waren gerade so auszumachen, versprachen aber, in der Dunkelheit weithin zu sehen zu sein. Gestalten, jetzt recht gut zu unterscheiden, gingen am Hafen ihrer Wege.
Die Hand um die Reling griff fester zu, die Lippen zu einer dünnen Linie verkniffen. Blaue Augen verengten sich, huschten über die Stege, verweilten an der Schutzmauer. Er machte vereinzelt Wachen aus und begann leise für sich zu zählen. Worte drangen vermehrt an sein Ohr, raue Spässe der Matrosen hier, zottelige Bemerkungen da. Worte, halb bewusst wahrgenommen und an seinem Geist ohne jegliche Hinterlassenschaft vorbeirauschend. Doch da waren auch andere... „...Verladen dauern?“ „Wenn wir Glück haben, einen halben Tag...“ „...im Griff des Alka. Werd mich erst wohler fühlen, wenn wir...“ „...lich daheim. Hab Rahal wirklich verm...“
Das Kleinkind in seinem Arm quäkte unglücklich, liess ihn einen Moment überrascht scharf einatmen und dann auf das Kind herab blicken. Der kleine Knirps war kaum mehr zu sehen, er hatte ihn beinahe gänzlich unter seinen Umhang gezogen. Versteckte er das Kind?
Sein Griff um dieses so angespannt, das es sich beschwerte? Sein Blick ging wieder zur Stadt hinüber. Was war mit dieser Stadt, das er die Wachen zählte? Nach Schleichwegen Ausschau hielt? Unbewusst den Passagieren und den Matrosen lauschte... Warum stieg sein Unbehagen bei den Namen Alka und Rahal?
Er drehte sich um und brachte einen vorbei eilenden Matrosen zum stehen. „Ich dachte, wir fahren nach Bajard?“ Der Mann, geschäftig wie er war, gab eine kurz angebundene Antwort. „Bajard ist unser Endziel. Der nächste Hafen.“ Brummte er und wetzte Barfüssig wieder weiter.
>Der nächste Hafen...< Wieder wanderte sein Blick gen Rahal. Er würde mindestens den halben Tag hier verbringen. >Nicht gut.< Nein dies gefiel ihm ganz und gar nicht. Doch warum die Abneigung? Warum dieses ‚Nicht gut’? Das Gefühl, auf keinen Fall mit dem Baby an diesem Ort zu verweilen? Kannte er die Stadt? War er schon einmal hier gewesen?
Tief atmete er ein und lockerte Bewusst seinen Griff um das quengelnde Kind. Er kannte die Antworten nicht und würde vorerst auch keine finden. Er würde die Stadt vorerst nicht verlassen können, also blieb ihm nur übrig, sich unauffällig zu verhalten. Eine Handbewegung von ihm und der Rabe flog dem Hafen entgegen. Er würde da auf seinen Herren warten, etwas, das dem Krieger sicherer schien. Ein rascher Griff und sein langes Haar verschwand unter dem Umhang. Kleine Veränderungen an seiner Erscheinung, der Umhang enger um seine Schultern gezogen, so das seine Gestalt verhüllt wurde... Als er die Kaputze des Umhangs über seinen Kopf ziehen wollte, sprach ihn einer der Matrosen an. Es sei in Rahal verboten, sein Gesicht in jeglicher Art zu verbergen. Die Kaputze seines Umhangs war tief genug, sein Gesicht gänzlich in Schatten zu werfen. Wieder kniff er den Mund zusammen, aber hier konnte er nichts machen.
Tief einatmend blickte er erneut zu der Stadt. Er konnte sich hier nicht auf sein Wissen stützen. Nur auf seine Reflexe und Instinkte, sein Unterbewusstsein. Dieses hatte ihn schon das Leben gerettet, wenn sonst nichts geholfen hätte. Die unbewusste Wahrnehmung, das jemand ausser ihm zugegen war. Seine Hände, die zugriffen und eine Waffe zogen, diese schwangen, noch bevor ihm wirklich bewusst wurde, das da eine Klinge auf ihn zukam, danach harrte, sein Leben drastisch zu kürzen.
Sein erstes Erlebnis war mit einem Halbwüchsigem gewesen, der ihn um seinen Geldbeutel erleichtern wollte. Er hatte dem Knaben fast die Hand gebrochen, als er ihn gepackt und gegen die Wand geworfen hatte. Er war selbst über seine Heftigkeit überrascht gewesen, aber zu dem Zeitpunkt hatte er einfach gehandelt. Warum so heftig? Nur weil er 'Knirps' zufällig zu diesem Zeitpunkt in dem Arm gehalten hatte, der seinem Goldbeutel am nächsten war? Er hatte tatsächlich in diesem Moment den Jungen in Gefahr gesehen...
Und auch in allen weiteren Ereignissen, wo er Diebsgesindel begegnete oder auch einfach nur Schlägern gegenüber stand, hatte er mit einer Heftigkeit und Scharfsinnigkeit gekämpft, die ihn überraschte. Alles nur, um den Jungen zu beschützen? Wieder ruhte sein Blick auf der Stelle seines Umhangs, wo der Junge drunter verborgen war und seine Finger strichen leicht über diesen kleinen schlafenden Körper. Der Junge hatte seines Wissens nach nur ihn, Cyrion. Ein Grund mehr, den Jungen und sein eigenes Leben so heftig zu verteidigen? Darauf brauchte er keine Antwort. Sein Blick ging wieder gen der Stadt. Das Unbehagen bestand weiterhin. Sollte er den Knaben für kurze Zeit in seiner Kabine lassen und sich die Stadt ansehen? Niemand würde sich in seine Kabine wagen. Dafür hatte er gesorgt, als einer der Matrosen meinte, sich über sein langes Haar lustig machen zu müssen. Cyrion hatte nichts gesagt, hatte seine Waffen in stiller Präzision für sich sprechen lassen. Der Mann hatte, die Klinge eines Dolches neben seinem Kopf in den Mast gerammt, sich stammelnd und wachsbleich entschuldigt. Seitdem hatte niemand mehr auch nur versucht, sich über ihn lustig zu machen. Statt dessen fürchteten sie ihn und liessen ihn in Ruhe. Vielleicht war es der Fakt gewesen, das Cyrion ihn gehört hatte, obwohl er weiter weg gestanden hatte. Vielleicht auch der Fakt, das Cyrion trotz der Entfernung und dem durch den Wellengang schwankenden Schiff präzise getroffen hatte - an den Leuten vorbei, die den Mann umstanden, an seinem Arm und dem Kopf vorbei - er hatte sich gerade das Haar gerauft - in eben dieses Haar, welches mit dem Dolch festgenagelt wurde. Stillschweigend war Cyrion an die Gruppe heran getreten und hatte den Dolch aus dem Mast gezogen und war wieder gegangen. Schweigen konnte wirkungsvoller sein als jeder noch so effektvolle Kommentar.
Er atmete geräuschvoll ein und aus. Aye er würde sich in der Stadt umsehen. Der Junge war sicher - er konnte ihn gewiss für eine Stunde alleine lassen. Diesen Entschluss gefasst, drehte er sich um und begab sich auf die Suche nach dem Captain des Schiffes.

Verfasst: Dienstag 5. August 2008, 22:17
von Cyrion Sha´Ar
Das Geräusch des Pergaments raschelte leise, als er die Seite umschlug. In Ruhe lass er die Namen auf den Passagierlisten durch. Namen, Schiffsnamen, Zielorte... Leise gab 'Knirps' einen Ton von sich und er langte selbstvergessen in den Korb, der neben ihm stand und streichelte den Kopf des Kleinkindes.
Er sass schon geschlagene zwei Stunden hier. Sein Name war bisher nicht aufgetaucht. und er war schnell im Lesen. Ein gutes Zeichen. Ebenso ein gutes Zeichen war es gewesen, das der Hafenmeister ihn erkannt hatte. Er war wohl häufiger hier gewesen und hatte einen Blick in die Bücher erbeten. Wann es das letzte mal gewesen war? Es lag einige Monate zurück. Seinen Namen? Hatte er nie genannt. Er konnte also nicht bestätigen, ob er wirklich Cyrion Ceylon Sha'Ar war. Er hoffte, hier auf Hinweise zu treffen, das er hier in der Gegend wohnte - seine Barschaft neigte sich dem Ende zu - eine weitere lange Schiffsreise konnte er sich nicht mehr leisten, nachdem er an manchen Häfen die Hafenmeister hatte bestechen müssen, um in die Bücher einzublicken. Er rieb sich seufzend die Augen. Das wievielte Schiff war das nun? Er war schon ein paar Wochen in die Vergangenheit zurück gereisst und noch immer tauchte sein Name nicht auf den Listen auf. Wenn er ihn innerhalb der nächsten zwei Wochen nicht fand, konnte er wohl annehmen, das er hier wohnte.
Bajard selbst schien ihm... familiar. Er wusste nicht wo er war, hatte aber trotzdem ein seltsames Gefühl dafür, wo er Gebäude, die er suchte, finden würde. Nichts Handfestes, aber es gab ihm trotzdem ein Gefühl von... Aufregung? Er war sich nicht sicher, wie er das Gefühl benennen sollte. Es liess sein Herz eine Spur schneller schlagen, wenn er daran dachte, dass dies hier sein Zuhause sein könnte. Soweit er es beurteilen konnte, war Bajard eine kleine Stadt, nicht vielmehr als ein Fischerdorf, welches allerdings reichen Schiffsverkehr hatte - und er hatte sich nur umsehen brauchen, um zu erkennen, das hier Leute aus aller Herren Länder ein und aus gingen. Er würde...
Seine Augen weiteten sich und sein Atem hielt inne. Cyrion Ceylon Sha'Ar. Ein Schiff aus Lameriast. Das Datum... es war lange Zeit her. Was hatte er in Lameriast gemacht? Wieder blätterte er weiter. Und wieder tauchte sein Name auf... Ein Tag früher, wo er nach Lameriast hinreiste. Er war vielleicht gerade mal ein Tag da gewesen. Ein Besuch vielleicht? Bei einem Freund? Oder war der Grund der Reise eher unfreundlicher Natur gewesen? Einen Moment rieb er sich mit dem Daumen über die Lippe, nachdenklich.
In Rahal hatte er festgestellt, das er sich auf den Schleichwegen wohler fühlte, mehr Zuhause fühlte. Das er den Wachen auswich, als wäre es für ihn natürlich. Das er sich lautlos bewegen konnte. Offenbar war er Schleichen gewohnt. Wieder fragte er sich, wer er war. Kampfstile, Waffen, das Wissen darum, wie und wo man sich Informationen beschaffte... nicht zu vergessen, das er einen Satz Dietriche besass und sein Haarband eigentlich eine Garotte war. War er ein Dieb? Ein Spion? Vielleicht ein Mörder zum anheuern? Der Gedanke, Geld zu stehlen oder für Geld Leute zu morden, erfüllte ihn mit Widerwillen - er hoffte, das er keines von beidem war. Spion... Vielleicht. Bedachte er, das auch wusste, wie er Leute zum reden bringen konnte. Folter war ihm nicht fremd. Doch wusste er nicht, woher dieses Wissen kam. War er am Ende ein Mensch, den er so, wie er jetzt war, nicht aktzept...
Etwas schloss sich um seinen Finger und saugte geräuschvoll dran. Aus seinen Gedanken wieder ins Hier und Jetzt zurück findend, blickte er in den Korb, wo 'Knirps' das Gesicht verzog und leise quengelte. Hatte er Hunger? Sein Blick schweifte gen Fenster. Es war inzwischen Abend geworden. Aye, der Kleine musste langsam Hunger bekommen. Seinen Finger aus 'Knirps' Mund ziehend, schlug er das Buch zu und streckte sich. Es wurde Zeit, sich in der Herberge ein Zimmer zu suchen. Der Kleine würde nach dem Füttern vermutlich wieder ein paar Stunden schlafen. Das Quengeln wurde lauter und der Kleine verzog sein Gesicht. Beruhigend klang die tiefe Stimme Cyrions, als er leise murmelte. "Aye, es dauert nicht mehr lange. Gleich bekommst du was..." Mit sicheren Griff packte er den Tragekorb und maschierte aus dem Zimmer. Dem Hafenmeister knapp zunickend, verschwand er schon durch die Türe.

Verfasst: Mittwoch 6. August 2008, 18:53
von Malachai Schwarzmourne
Alpträume plagten den Schatten. Düstere, finstere Visionen über das Ende von allem.
Schweißgebaded erwachte er, fasste sich mit seiner Hand über das Gesicht und atmete ruhig und tief ein.
Er erhob sich, das Feldbett war wirklich keine angenehme Art der nächtigung, doch er war schlimmeres gewohnt.
Langsam ging er zum Schreibtisch hinüber, drückte den Thron zur Seite und setzte sich.
Wielange, ja wielange würde er noch in den Verliessen der Schatten übernachten. Wann könne er wieder zuhause, mit Weib und Kinde, gemütlich die Nacht anbrechen?
Er nahm ein paar Zettel in die Hand und las Sie gedankenverloren.
"Tot....Bajard....Gefahrenstufe 1..."
Er legte Sie wieder weg. Er erinnerte sich.
Einer seiner Schatten, Barat berichtete ihn davon, von der Gefahr, auch für die Schatten sein könnte.
Er ignorierte jene, wie er auch diese Zettel nun ignorierte.
Es gab wichtigeres, alle Schatten waren auf Gerimor und Lameriast verteilt und kamen nur zur Nächtigung und Berichterstattung zurück.
Er musste Sie finden, er kann nicht anders. Die Priorität, die er dieser Aufgabe widmet, wurde mit Verständnis gleichmassen wie mit Missgunst beäugelt, doch es ging nicht alles.
Ein Fehler?
Wer weiß....dies wird die Zukunft zeigen....ja....sie wird ihm wie immer den Weg lenken.

Verfasst: Donnerstag 7. August 2008, 13:48
von Cyrion Sha´Ar
So müde... Konnte nicht jemand das Lärmen bleiben lassen? Der hochgeschossene Mann zog schlaftrunken das Kissen über sein Haupt. Doch es half nichts... Das Greinen versiegte nicht - wurde nur lauter. "Götter..." fluchte er leise und seufzte schwer. Einer jeden Amme, die jetzt durch die Tür käme, hätte er die Füsse geküsst. Er war es gewohnt, wenig zu schlafen, aber was Knirps von ihm abverlangte...
Zur Krippe stolpernt klärte sich allmählich sein Kopf. >Nicht Knirps - Eiron.< Der Knabe wurde hochgehoben. Die Windeln waren in Ordnung... Dann war es wohl der Gnadenlose Apetit des Kleinen. Er suchte zusammen, was er zum Milch machen brauchte und öffnete die Tür. Licht brauchte er nicht, seine Nachtsicht war ganz gut. Gähnend stapfte er zur Küche hinab, den misslaunigen Knaben im Arm. Mit dem Gasthausbesitzer hatte er schon gesprochen - die Küche durfte er benutzen - hatte sogar das Zimmer erhalten, das der Küche am nächsten war. Die Handhabungen war er gewohnt, so ging alles schnell von statten - von der Erwärmung der Schafsmilch - diese vertrug der Knabe besser - bis zur Gabe des Fläschchens - ein ausgehöhltes und glatt geschliffenes Kuhhorn, welches an der Spitze angebohrt war und zwei Zipfel aus Pergament besass. Sich mit dem nun trinkenden Eiron wieder in sein Zimmer begebend, liess er seine Gedanken schweifen.
Khazkal Deslon und seine Frau Kalisha kamen ihm in den Sinn. Beide hatten sich sonderbar verhalten, der Mann mehr als die Frau. Angeblich war Khazkal Cyrions bester Freund. Doch warum verhielt er sich dann so? Reagierte Eifersüchtig, nur weil Cyrion sich im Haus der Dame Deslon aufhielt? Angeblich hatte Cyrion einmal Kalisha 'angegraben', wie diese sich ausdrückte. Etwas, was Khazkal noch übel nahm. Was für ein Mann war er gewesen, das er die Frau seines besten Freundes... Aber wenig wusste er über die Beziehung zwischen dem Ehepaar. Sie schienen sich nicht sehr gut zu vertragen. Und Khazkal... Was für ein Freund sollte Khazkal angeblich sein, wenn er nicht mal die Namen von Cyrions Frau - halt: Frauen - er hatte wohl mehrere gehabt - benennen konnte? Er war erleichtert gewesen, das er die Frauen nicht zur selben Zeit gehabt hatte. Er hatte für einen Moment befürchtet, die Sorte Mann gewesen zu sein, die vor keiner Frau halt machte. Auch wusste Khazkal nicht, mit welchen Waffen Cyrion kämpfte, gerade so das Schwert - diese Allerweltswaffe - konnte er nennen. Cyrion schüttelte leicht sein Haupt. Nein, dieser Mensch reagierte für einen Besten Freund eher wie jemand, der Cyrion nicht wirklich leiden konnte. Eine Finte? Die Frau schien die Wahrheit zu sprechen - aber wohl wusste sie kaum etwas über die Beziehung zwischen ihm und Khazkal. Das letzte mal, wo sie sich sahen, war auf der Hochzeit. Und ihr Sohn war bereits einige Jahre alt. Was hatte sich in den Jahren abgespielt? Wenn denn alles, was sie sagten, der Wahrheit entsprach. Cyrion wusste es nicht, aber er würde vorerst jenem Khazkal etwa soweit trauen, wie er spucken konnte. Das Angebot Kalishas, auf Eiron aufzupassen, würde er nicht annehmen. Eher würde er den Knaben Leah anvertrauen, als dem Ehepaar Deslon.
Aber wem wollte er etwas vormachen? Er konnte den Jungen nicht weg geben. Er neigte dazu, aus aller Sicht zu entschwinden, wenn er Angst hatte. Schwer seufzte er auf, das Kind auf der Brust liegend, das Kuhhorn senkrecht haltent, damit die Milch nicht auf ihn schwabte. Das einzige, was er machen konnte, war eine Amme suchen, die den Jungen sofort vor Ort fütterte - damit er wenigstens hin und wieder Muttermilch bekam. Vielleicht sollte er ihn auch langsam entwöhnen. Er war in diesem Alter. Vielleicht Haferbrei. Leah konnte ihm da vielleicht Rat geben...
Leah... Diese junge scheue Frau, die ihn so sehr an ein Reh erinnerte. Der Junge hatte ihr Interesse geweckt und über die Auskunft hinaus, wo ein Heiler oder auch eine Amme zu finden sei, waren sie ins Gespräch gekommen. Erfahrend, das sie eine Anhängerin der Temora war und diese Stadt unter dem Schutz der Temora stand, löste sich die Anspannung unter der er stand. Er wagte es, über Dinge zu sprechen, die ihm Sorgen bereiteten - wer er war, welcher Gesinnung er war... Soviele Geheimnisse um ihn herum. Warum folgte ihm ein Rabe - war er ein Anhänger Krathors? Immerhin hatte er ein Tattoo eines Raben über seiner Brust. Warum besass er Wissen über das Verborgene Volk und über Naturgeister? Warum wusste er allerhand über Waffen? Und warum hatte ihm jemand ein Kind in die Hände gegeben? Ein Kind, das nicht normal zu nennen war. Dieses Kind war das grösste Rätsel für Cyrion - und seiner Meinung nach von grösster Wichtigkeit. So viele Schatten in seiner Vergangenheit. Das Leah ihm helfen wollte, indem sie sich bei ihrer Herrin nach seinem Wappen erkundigte, war etwas, das er zu schätzen wusste. Doch konnte er nicht sagen, ob er einem Edlen Haus entsprang oder ob dies Wappen vielleicht ein Zeichen einer Gruppierung war. Vielleicht würde da auch nichts bei heraus kommen. Vielleicht war er aber auch ein Schuft - wer wusste dies schon zu sagen. So er einer war - würde er in Schwierigkeiten stecken, sobald die Autoritäten hier von ihm erfuhren? Ein Risiko, das er eingehen musste - ohne ein gewisses Risiko ein zu gehen, würde er nie etwas erfahren. So konnte er nur warten und hoffen.
Ein leises Rülpsen sagte ihm, das der Knabe gesättigt war. Er wischte ihn noch sauber und legte ihn wieder in die Krippe. Es dauerte nicht lange und Eiron war eingeschlafen - wieder mal mit einer seiner Strähnen fest in der kleinen Hand. Cyrion war froh, so langes Haar zu haben - so hatte er genug Kopffreiheit und konnte dennoch sicherstellen, das der Knirps ruhig schlief. Seufzend schloss er die Augen und zog das Kissen näher an sich. Morgen würde er sich auf die Suche nach einer Amme machen. Berchgard, so hatte Leah ihn gewiesen, müsste er aufsuchen. Er hoffte, dort fündig zu werden. Danach... nach Hause? Wenn es sein Zuhause war. Er hoffte es. Dann würde die Reise endlich zuende sein.

Verfasst: Donnerstag 7. August 2008, 23:52
von Cyrion Sha´Ar
Ein Anwesen... allerdings. Das Haus war gross, keineswegs zu verachten. Pferde standen angeplockt in einem Gehege anbei, wieherten begrüssend, als er an ihnen vorbei ging. Obstbäume waren im Garten vorhanden, die Früchte am reifen. Unter diesen zeigte sich ein Kreis aus Felsen, angrenzend an einem der beiden Teiche, die seltsam anmuteten in ihrer Position... >...Pentagramm...< Das Wort verschwand, wie es erschienen war. Woher es kam... Wieder mal die bekannte Leere in seinem Gedächtnis. Seufzend rieb er sich das Haar aus der Stirn und entzog dem Jungen eine Strähne, an der er beständig gut gelaunt zerrte. Der Blick wanderte weiter. Neben dem Haus ein Wohnturm, mindestens drei Etagen hoch. Raben umflogen die Gebäude, laut rufend. Sollte dies sein Eigentum sein? Der Rabe, der ihn steht begleitete, war direkt zum Turm hochgeflogen. Und sein Pferd hatte er nicht mehr lenken müssen, es war ohne zögern zu diesem Anwesen gekommen. Beeindruckend, dieses Anwesen.
Tief einatmend zog er den Schlüsselbund heraus. Einer dieser Schlüssel würde passen. Das Schloss knarrte leise, als er den Schlüssel versuchte, hinein zu stecken. Dieser nicht... jener auch nicht... knackend gab das Schloss nach, das Tor öffnete sich. >Götter... dieses Anwesen ist wirklich das meine...< Eintretend sah er sich weiter um, fühlte sich fehl am Platz, wie ein Eindringling. Erwartete fast, das jemand aus dem Haus gestürmt kam, ihn des unerlaubten Betretens zu beschuldigen - doch da kam niemand. Sein Herz schlug nun doch höher, als er auf das Haus zuging. Die Hand zögerte, als er sie auf die Klinke legte. Ein weiterer passender Schlüssel wurde gesucht und gefunden. Die Tür öffnete sich. Holzdielen knarrten leise unter seinen Sohlen, als er eintrat, wurden aber gleich von Fellen gedämpft, welche als Teppich auf dem Boden auflagen. Den Jungen auf den Teppich ablegend, sah er sich rasch nach Dingen um, die für den Knaben gefährlich und in Reichweite waren. Nichts - der Raum war wohl Kleinkindsicher gemacht worden. Sich erhebend, sah er sich weiter um, während Eiron glückselig mit den Fäusten in die Felle griff. Ein rascher Griff in die Tasche und hölzerne Bausteine purzelten auf die Felle - für das Kind war vorerst gesorgt.
Ein grosser Esstisch, Stühle aus feinem Holz mit Rotbezogenen Sitzflächen. Der Kamin wirkte, als wäre er lange nicht benutzt worden. Der Blick schweifte weiter umher. Kräuter hingen an den Wänden, eingestaubt und ungenutzt. Die Küche war ordentlich, erlesenes Geschirr lag neben der Spüle, eine dünne Staubschicht lag auf diesen auf. Die Türen der Schränke knarrten leise, als er sie öffnete und einen Blick hineinwarf. Gold- und Silberbecher... neben feinen Glasbechern. Nahrungsmittel hier und da, Gewürze, Kräuter, alles was eine Küche brauchte. Eine kleine Kiste war sorgsam verstaut worden. Als er diese öffnete und hinein blickte, kam eine Flasche Whiskey hervor. Alter Whiskey der tiefländischen Brennerei. Ein Pfeifton entwich seinen Lippen. Er kannte die Hinrah's nicht, aber wusste durchaus zu sagen, wann er eine Flasche teuren Schnaps vor sich hatte. Sorgsam legte er sie zurück und drehte sich um.
Bücherregale zogen sein Augenmerk auf sich und er durchquerte den Raum, kam in eine etwas abgesonderte Ecke. Genau was er suchte - ein Arbeitszimmer. Mehrere Bücherregale voll mit Büchern - ein Vermögen musste er dafür bezahlt haben. Ein Buch lag noch auf dem Tisch, das Band im hinterem Drittel des Buches. Las er gerne? Oder war Lesen die Leidenschaft seiner Frauen gewesen? Der Titel des Buches... "Die Kunst der Bogenmacherei." Eine Augenbraue fuhr hoch, mildes Erstaunen regte sich in ihm. Einen seltsamen Geschmack hatte er. Die Finger wanderten weiter, von dem Tisch zum eigentlichen Arbeitstisch. Recht feines Holz, der Arbeitstisch wie alles andere im Haus war aus gutem Material. Gegeizt hatte er hier keineswegs. Eine der vielen Schubladen wurde aufgezogen. Briefpapier, Sand, Tinte und Federkiele. Diverse Notizen, die ihm aber nichts sagten - ausser, das es seine Handschrift war. Weitere Schubladen wurden geöffnet. Briefe... das was er suchte. Rechnungen von Schneidern und Schreinern. Private Briefe von jemanden, der ihn bat zu einer bestimmten Uhrzeit an einen bestimmten Ort zu kommen. Der genannte Ort war ihm unbekannt. Der Sender - ein R. Wer war R? Namen tauchten auf, die ihm nichts sagten. Adrian... ein M. Khazkal... ah, er war tatsächlich mit ihm befreundet? Eine Einladung zu einem Fest auf der Burg. Er nickte leicht, eine Bestätigung ihrer Freundschaft, wie sie einmal gewesen war. Was jetzt noch davon übrig war, stand freilich auf einem anderen Blatt. Sich hinsetzend durchsuchte er die tiefer gelegenen Schubladen. Was er fand, machte ihn stutzen.

...hat unter Folter zugegeben, das Rafe auf seinem Schiff war. Wurde bezahlt, wegzusehen, während Fremde Rafe gefangen nahmen und entführten. Das Schiff steuerte die Küste zum Wegeskreuz an; dort verliess Rafe das Schiff. Schiff reiste dann weiter nach Menek'Ur. Muss A. Bescheid geben...

Wer war A? Adrian? Offenbar war jemand entführt worden - und Cyrion hatte jemanden gefoltert, um etwas darüber heraus zu finden. Und er hatte Notizen zu seinem Vorgehen gemacht. >Mein Leben muss interessant gewesen sein, das ich entführte Personen versuchte zu retten.< Weitere Papiere tauchten auf, doch überflog er diese nur - bis seine Finger auf ein grösseres Objekt stiess. Ein Buch, in schwarzes Leder gefasst. Seltsam genug, doch konnte er keinen Titel ausmachen. Es aufschlagend, zeigte sich eine feine säuberliche Schrift - nicht seine eigene. Die einer seiner Frauen? "Das Gleichnis vom Schreiner" murmelte er leise den Titel und begann zu lesen. Sein Herz begann zu klopfen, schmerzhaft fast. Was war mit diesem Buch, das es ihn in Aufregung versetzte? Er blätterte zurück auf das Inhaltsverzeichnis. "Das Gleichnis vom Schreiner ; Vom Glauben ; Vom Sinn... Einklang... Gut und Böse." Immer noch klopfte sein Herz heftig. Konnte dies Buch einen Teil dessen beinhalten, was seine Gesinnung ausmachte? Grundbestandteil seiner Überzeugungen sein? Überzeugungen, die er nicht mehr kannte? Schwer schluckend zog er die Vorhänge beiseite, um mehr Licht einzulassen und begann zu lesen.

Verfasst: Mittwoch 13. August 2008, 21:24
von Cyrion Sha´Ar
Tief atmete er ein, das feuchte Haar mit dem Handtuch aus seinem Gesicht streichend. Tropfen von Wasser hingen vereinzelt noch auf seiner Haut, kam er doch frisch aus dem Bad im Keller dieses Turmes. Er war noch müde, hatte der Knirps ihm doch wenig Schlaf gelassen diese Nacht. Doch sein Geist war klar und frisch - wie Luft an diesem Morgen. Es roch nach feuchten Blättern, Moos, Pilzen... eine Spur nach Tannennadeln, je nachdem, wo der Wind herkam. Waldgeruch, hatte er diesen doch bis ans Haus wachsen. So erfrischend der Geruch und die kühle Luft war, so früh am Morgen war es auch. Die Sonne erhob sich gerade über die bewaldeten Hügel in der Ferne, ein rotoranger Feuerball, der den Himmel in leuchtendes Lachsrosè tauchte. "Der Himmel brennt, Murelay." Gab er leise von sich, murmelnd nur, den Anblick mit einem kleinen Lächeln geniessend. Der Rabe, Murelay, antwortete ihm mit einem leisen Krächzen. Er hatte den Namen nicht nur häufiger in den Nachrichten gelesen, Murelay hatte ihn auch selbst genannt - in seiner Stimme, die erbost gerufen hatte: "Nicht meine Wurst, Murelay!" Cyrion hatte lauthals lachen müssen, als er das hörte, zumal der Rabe gerade sein Wurstbrot beäugte. Es war nicht das erste Mal, das der Rabe seine Wurst gestohlen hatte.
Sein Blick wanderte hinunter zu den Pferden. Sie waren alle gut versorgt und er hatte festgestellt, das ein Bauernhof ganz in der Nähe war, konnte ihn sogar in der Ferne sehen. Er vermutete schwer, das die Bauersleute seine Tiere in seiner Abwesenheit versorgt hatten. Auf jeden Fall würde er hinüber gehen und sich bei ihnen bedanken - und nebenbei die Namen der Pferde heraus finden.
Der Blick wanderte weiter, in die Ferne. Drei Städte konnte er von hier aus sehen: Bajard, Varuna und Rahal. Er war sich sicher, das er vielleicht sogar Truppenbewegungen ausmachen konnte, wenn die Luft wirklich klar war - und in der Nacht die Lagerfeuer sehen? Vielleicht.
Nachdenklich blickte er hinab, liess den Blick auf das Pentagramm aus Steinen schweifen. Er war sich nicht sicher, wer diese Steine gesetzt hatte. Solveigh oder Enghwyn. Eine der beiden Frauen hatte das Schwarze Buch verfasst. Die Tinte war älter, verblichener. Und die andere... Ein weiteres Manuskript hatte sich in seinen Unterlagen befunden - ein Manifest, ebenfalls nicht seine Handschrift. Jüngeren Datums, dies war sicher, aber der Rest... Er wusste jetzt auch, woher sein Ausruf "Die Mutter mit Euch." kam - es war in der Tat ein Bruchstück aus seiner Erinnerung gewesen - hatte doch mindestens eine seiner Frauen die Mutter angebetet. Offenbar war hatte er ihren Glauben geteilt. Doch dieser Glauben... Der Inhalt beider Bücher reichte, um alle, die in diesem Haus wohnten, oder gewohnt hatten, auf den Scheiterhaufen zu bringen. Verbrannt als Hexen. Und wirklich, der Inhalt dieser Bücher...
Er schüttelte leicht den Kopf. Welch umwälzende Erklärung der Dinge. Aber so sinnvoll, wenn man es überdachte. Logischer als jegliche niedergeschriebene Vorstellungen aller Völker. Vielleicht mit Ausnahme der Elfen. Es enthielt viele der religiösen Belange, die er selbst mit sich geführt hatte, nachdem er aufgewacht war. Wissen, das er im Groben besass, ein Verständnis über das Wesen der Dinge. Zwei sehr bemerkenswerte Frauen mussten das gewesen sein. >Ich hätte sie gerne kennengelernt...< Stutzend blinzelte er und seufzte dann. >Es waren meine Frauen... Ich habe sie gekannt.< Und doch waren sie nun Fremde für ihn. Fremd... so wie dieses Anwesen.
Wieder schweifte sein Blick über den Garten, das andere Gebäude, die Umgebung. Er fühlte sich immer noch als Gast hier. Erwischte sich dabei, wie er sorgfältig mit allem umging, als würde es jemand anderem gehören. Scheute sich manchmal davor, das eine oder andere zu benutzen, dabei ein Gefühl habend, als... müsste er nachfragen, ob er es wirklich benutzen konnte. Seltsam dies Gefühl. Nicht wirklich angenehm.
Wieder seufzte er schwer, rieb sich erneut das Handtuch über die Haare. Diese waren wirklich elend lang. Reichten ihm bis an die Kniekehlen. Warum hatte er sie so lang wachsen lassen? Er spielte ernstlich mit dem Gedanken, zum Frisör zu gehen und sie sich einen halben Meter abzuschneiden, während er zur Türe ging und die Glöckchen von der Klinke löste. Wer immer in dies Zimmer wollte, er würde es nicht ohne Cyrions Wissen tun.
Sein Blick schweifte zu dem Knaben, welcher noch in der Wiege schlummerte. Aye - jetzt schlief er! Die Stunden vorher hatte er nicht geschlafen. Dieser Knabe, er würde Cyrion noch graue Haare bescheren. Sich über die Wiege beugend, betrachtete er ihn. Seltsame Fähigkeiten hatte er. Und er, Cyrion, war mit dem Leben dieses Jungen betraut worden. Wieder blickte er zur Türe und zum Fenster. Wenn der Junge in Gefahr war... Da er es nicht mit Sicherheit sagen konnte, aber auch nicht verneinen konnte, sicherte er jeden Abend den Raum, bevor er zu Bett ging. Glöckchen an die Türklinke, sein Schwert unter seiner Bettdecke neben ihm. Wurfdolche unter dem Kissen. Und für den Fall, das jemand besonders gut im Schleichen war - ein Band mit glöckchen, das er um Eiron Fussgelenk gebunden hatte. Doch die sicherste Warnung würde der Rabe sein. Das Fenster liess er offen, so das er ein und aus fliegen konnte. Wäre jemand Fremdes im Raum, er würde anschlagen. Ebenso wie die Raben rund um den Turm Fremde ankündigen würden. So fühlte er sich recht sicher. Niemand würde den Knaben unter seiner Nase klauen. Und doch... Er konnte sich nicht helfen, immer wieder über den kleinen Knirps nachzudenken. Er war die die stärkste Verbindung zu seiner Vergangenheit. Irgendwer hatte ihm masslos vertraut. So sehr, das er oder sie ihm den kleinen Jungen gab. Doch wer...? Diese Frage schwebte immer wieder in seinem Kopf herum. Geräuschvoll atmete er aus. Von Grübeln alleine würde er keine Antworten bekommen. Ein neuer Tag war angebrochen - ein neuer Tag, um weiteres über seine Vergangenheit heraus zu finden.

Verfasst: Freitag 15. August 2008, 14:51
von Cyrion Sha´Ar
"...verstanden, an wen dieser Brief geht?" Aufmerksam studierte er das Gesicht des Botenjungen, ob er ein Zeichen von sich geben würde, das es ihm eigentlich am verstehen mangelte. Doch der Junge schien in der Tat zu wissen, welches Haus in Varuna er mit seinen Ausführungen meinte. Mit einem knappen Nicken schickte er den Jungen fort. Ein weiterer Brief, der auf seinem Weg war. Das er dem Jungen weder eine exakte Adresse noch einen Nachnamen nennen konnte, war gänzlich sein Fehler gewesen. Er hatte die Chance gehabt, zu Überprüfen, auf welchen Nachnamen Fräulein Leah hörte, als er sie zu ihrem Haus geleitete... oder sich auch nur die Hausnummer zu merken. Doch er war in Sorge um die junge Frau gewesen, bleich wie sie das Wirtshaus verlassen hatte. Was war der jungen Frau widerfahren, das sie in diesen Zustand verfiel - von der blossen Erinnerung? >Ein Lethar.< Nicht nur das - nein: ein angreifender Lethar. Letharen, die von sich aus angriffen... Ein Bild, mit dem er sich einfach nicht anfreunden konnte.
Letharen waren scheinbar unterwürfig, scheinbar feige, niemals auffällig. Sie waren verspielt auf eine kranke Art und Weise, wenn sie Amüsement darin fanden, jemanden zu reizen. Sie konnten kämpfen, ja - immerhin waren sie Elfen, auch wenn manch einer diesen kleinen Faktor vergessen mochte. Und als Elfen waren sie dem Menschen überlegen. Auch wenn so manch einer von ihnen eine eher plumpe Gestalt hatte. Gab es jemanden, der um ihre Kampfkraft wusste? Ausserhalb von Rahal? Er war sich nicht sicher. Sein 'Wissen' über die Letharen gab nichts über die Kampfkraft her. Bedeutete dies, das keiner einen Angriff der Letharen bisher überlebt hatte? Oder bloss, das dies Wissen etwas war, das er nie erfahren hatte? Vielleicht auch ganz simpel... vergessen? Grübelnd rieb er sich mit der Daumen über die Lippe, um dann seufzend den Kiefer mit den schlanken Finger zu umfassen. Er konnte es nicht sagen. Aber er konnte anhand von Leah's Reaktion sehen, das es einem Alptraum gleichen musste, von einem Lethar angegriffen zu werden.
>Letharen...< Alles ist eins... Dies war der Grundsatz seines Glaubens. Der Grundsatz seiner Überzeugungen. Und doch... Auch wenn die Letharen wie alles andere Teil der Melodie waren, so missklingend ihre Töne auch sein mochten... Sie waren Teil des Ganzen und hatten ihren Platz. Waren Teil des Chaos, ohne welchen die Ordnung ihren Sinn verlor... Es half alles nichts. Er konnte sie einfach nicht leiden! Ihre Anwesenheit gab ihm eine Gänsehaut. Ihre Nähe liess seine Finger jucken, das er eine Waffe berühren wollte, nur um sich besser zu fühlen. Wenn einer von ihnen ihm nahe kam, hegte er den tiefen Wunsch, eine Waffe - egal welche - zu ziehen. Die Vorstellung, das ihn ein Lethar berührte...
Ein Schauer ran über seinen Rücken und Speichel sammelte sich in seinem Mund. Die Realität verschwand und ein Raum entfaltete sich vor seinen Augen. Eine anderer Zeit, ein anderer Ort. Gemauerte Wände, Fahnen, Wappen und andere Zier an diesen. Fenster, Licht, das durch diese auf einen grossen steinernen Tisch fiel. Leere steinerne Stühle standen um den Tisch herum - er sass in einem davon. Sein Blick ging zur Seite, nach oben. Arme hatten sich auf die steinerne Lehne gestützt, die schlanken blauhäutigen Hände streiften ziellos und verspielt über diese. Das Gesicht des dieses pervertierten Elfs zeigte Amüsement, ein Lächeln wie das einer Katze, während die Augen auf ihm ruhten. Cyrions Blick wanderte wieder nach vorne, ruckartig. Was hatte der Lethar in seinem Gesicht, in seinem Blick gelesen, das sich das Lächeln, welches Milde und Freundlichkeit heuchelte, für einem kurzen Augenblick veränderte, vertiefte, preisgab, welches Vergnügen er darin sah, ihn mit seiner blossen Nähe zu foltern. Schweiss stand auf seiner Stirn und er hielt krampfhaft seine Hände ruhig. Antwortete bemüht ruhig, bemüht unberührt. Der Lethar beugte sich vor, wisperte etwas in leiser Stimme. >Berühr mich nicht! Berühr mich nicht!! Wenn du mich berührst...!!!<
Ein Schnauben, entspannt noch, aber ungnädig wirkend. Es riss ihn zurück in die Wirklichkeit. Grüne Flur weit und breit, vereinzelte Häuser... Er hatte die Stadt verlassen, war auf dem Weg zu dieser Allianz des Lichtes.
>Was... das eben...< Er rieb sich verwirrt die Augen. Er? Und ein Lethar? In einem Raum? Was machten er und ein Lethar in einem Raum. Warum würde er freiwillig... Er schüttelte den Kopf, versuchte Klarheit zu erlangen. Bewegte die Glieder, als er merkte, das er völlig verspannt im Sattel sass, die Finger zu Fäusten geballt, die Fingernägel in seine Haut beissend. Nachtschatten hatte sich beschwert und ihn aus dieser Erinnerung gerissen. Doch warum... er und ein Lethar? Er versuchte sich zu erinnern, was er in dem Raum gesehen hatte. Sie mussten mindestens in der zweiten Etage gewesen sein. Er hatte die Baumkronen sehen können durch die Fenster. Die Wände... vielleicht eine Burg? Die Fahnen... nein... das Wappen... er konnte es beinahe nennen... aber... Er schüttelte den Kopf. Sinnlos. Wenn er das Wappen durch Zufall sehen würde, würde er es vielleicht auf Anhieb erkennen. Aber so... Schwer seufzte er. Dann hatte er also auch schon persönliche Erfahrungen mit Letharen. Und eine so starke Abneigung gegen sie, das ihm selbst seine Grundsätze im Stich lassen mochten. Wieder rieb er sich über das Gesicht, verwischte die letzten Erinnerungen. Er hatte keine Zeit sich jetzt mit Vergangenem auseinander zu setzen. Er musste sehen, das er ein Gespräch mit Sire Rafael de Arganta zustande bekam. Und auch Lady Darna von Elbenau. Menschen, die ihn kennen mochten. Ihn unter Umständen Freund nannten. Vielleicht konnte er sogar mit Adrian von Hohenfels reden? Er war sich nicht sicher, aber die Tatsache, das der Name ihm im wahrsten Sinn des Wortes Kopfschmerzen bescherte und ein Adrian in seinen Papieren zu finden war... >Eins nach dem anderen.<
Seine Gedanken schweiften wieder ab.>Papiere...< Er musste nachsehen, ob er tatsächlich vor Monaten ein Katana bestellt hatte - aus Diamant. Die junge Frau gestern hatte eine Beschreibung des Mannes von sich gegeben, die jenes Schwert bestellte, die allerdings zu ihm passte. Er war sich sicher gewesen, das er nicht die Bestellung abgegeben hatte, sondern bereits zu jener Zeit auf Reisen war. Mehrere Waffen tragend, mehrere Schwerter - gut er trug ab und an zu dem Schwert auch noch nen Bihänder. Schwarze Kleidung, langer Umhang. Schwarzes Pferd... Die Beschreibung hatte ihn in Verwunderung gestürzt, zumal auch das Verhalten ähnlich sein sollte. Doch der Name des Mannes. Malachai Schwarzmourne. Wohnhaft zu den Stadtgrenzen von Bajard. Hatte er, Cyrion, ein Pseudonym? Brauchte er eins? Vielleicht wenn er spionierte? Oder... Er schüttelte den Kopf. Nein - er hielt es für ausgeschlossen. Und doch... Der Name... familiar? Wo hatte er ihn schon mal gelesen oder gehört? Er würde erneut seine Papiere durchgehen. Es mochte sein, das er doch noch irgendwo eine offene Bestellung für ein Diamant-Katana hatte. Wenn dem so war... würde er es selbstredend kaufen und versuchen, zu erklären, warum er ein Pseudonym angewendet hatte. Wenn dem nicht so war... wenn das Schwert gut war, würde er es vielleicht selbst kaufen? Hmm... Aber Diamant war teuer. Sehr teuer. Vielleicht sollte er nochmal überprüfen, wieviel er eigentlich auf dem Bankkonto hatte. Schwer seufzend versetzte er Nachtschatten in Trab. Probleme über Probleme... Sie kamen selten allein.

Verfasst: Sonntag 17. August 2008, 00:22
von Cyrion Sha´Ar
Der Abend brach bereits herein und die Umgebung nahm langsam jenen blauen Ton an, wie es zu bestimmten Zeiten am Abend oder auch am Morgen im Frühling, aber mehr noch im Herbst, passieren konnte. Etwas, das manch einen irritieren oder gar beträchtlich verwirren konnte, wurde doch die Wahrnehmung von selbst bewegten Objekten verfälscht. Die Luft wurde kühler, bekam diese schwere abendliche Qualität, welche einen froh sein liess, nach Hause zu kommen.
Die Tür knarrte leise, als er das Haus betrat, Eiron in der Tragetasche, leise vor sich hin schlummend, in der einen, einen Brief in der anderen Hand. Dunkelheit begrüsste ihn, Schatten, die nur tiefer wurden, je weiter sein Blick durch den Raum glitt. Einen langen Moment verhielt er sich still, spannte seine Sinne an. Die Luft war kühl, unbewegt ausser von der Brise, die durch die offene Tür kam. Stille herrschte vor. Nichts zu hören, ausser seinem eigenem Herzschlag und dem leisen Atem des Kindes. Auch seine Sinne, die ihn über die Anwesenheit anderer warnen konnten, sprachen nicht an. Es war niemand hier. Niemand, der Eiron Leid zu fügen konnte. Aber auch niemand, der ihn mit warmen Worten des Willkommens begrüssen würde. Das Haus atmete Leere aus. Den unbewusst angehaltenen Atem mit einem leisen Geräusch ausatmend, schloss er die Tür und stellte den Korb wie gewohnt auf den Fellen vor der Feuerstelle ab, der Brief wurde daneben gelegt.
Die allabendliche Prozedur erfolgte. Der Dolch in der Scheide wurde gelockert, der Gang durch das Gebäude, schlecht einsehbare Ecken erforscht. Der Gang die Treppe hinauf, die Füsse sorgfältig an der Wand entlang auf die äusseren Ränder der Treppenstufen gesetzt, auf das die Treppen nicht knarrten. Die Tür geöffnet, ohne durch zu gehen, den Blick vorsichtig schweifen lassend. Es war in der Tat niemand ausser ihm und dem Kleinen hier im Haus. Wieder hinunter und im Kamin Späne und Kleinholz zusammen legend. Feuerstein schlug gegen Metall und Funken erhellten für einen Augenblick den Raum mit ihrem schwachen Schein. Es dauerte einen Moment, aber vorsichtiges Pusten und beherztes Vorgehen brachten winzige Flammen hervor, klein und vergänglich wie ein neugeborenes Kind. Ein kleines Lächeln zeigte sich in seinem Mundwinkel, als die Flammen wuchsen und etwas entstand, das zu der Zeit, wo sein Tee fertig war, ein stattliches Kaminfeuer sein würde. Ein mit Wasser gefüllter Kessel wurde über das noch klein zu nennende Feuer gehängt. Den Kienspan vorsichtig durch den Raum tragend, entzündete er Kerzen, die sich überall im Raum befanden. Kleine Lichter, die die Schatten vertrieben und in dem Kalt und Abweisend wirkendem Haus ein Gefühl von Wärme verbreiteten. Lichter, die die warmen Farben der Holzmöbel hervorbrachten. Das was wie Gestrüpp im Schatten wirkte, wurde zu getrockneten Kräutern und Blüten, welche hier und dort hingen und einen schwachen würzigen Duft verbreiteten. Knistern des Feuers erfüllte die Luft wie auch das Klappern von Kochutensilien. Eine einfache Hühnerbrühe würde es heute werden. Kamillentee und ein Glas Whiskey dazu. Die Handhabungen mit der ihm üblichen Präzision vornehmend, gingen seine Gedanken ihre eigenen Wege.
Viele Orte hatte er heute besucht, war durch den Wald geritten. Seltsam war es. Er hatte an vielen Orten das Gefühl gehabt, er würde sie nicht zum ersten Mal sehen, und doch... Er hatte manche Wege gemieden, hatte er das Gefühl gehabt, dort nicht hin zu gehen, solange der Knabe bei ihm war. Als er in Bajard nachgefragt hatte, wurden seine Vorahnung bestätigt. Die Orte waren bekannt für ihre sehr oft ungesunden Bewohner. Untote, Feuerelemente, Harpien und andere. Doch da war nichts, was seiner Erinnerung auf die Sprünge half. Bedauerlich, aber daran konnte er nichts ändern.
Ein angenehmer Duft erfüllte die Luft, köstlich genug, um Eiron zu wecken. Der Holzring, den Cyrion erworben hatte, wurde gefunden und leises Schmatzen erklang, als dieser enthusiastisch bemampft wurde. Doch hielt das Interesse an diesem nicht lange. Mit wachen Augen und leisem Gebrabbel bewegte er die Arme, wollte offensichtlich hochgenommen werden. "Na dann komm her..." Gab Cyrion leise von sich und nahm das Kind in die Arme, kitzelte es und lies es mit sanfter Unterstützung seiner Arme durch die Luft gleiten. Als das Essen fertig war, teilte er seine Suppe mit dem Knaben, hatte er doch begonnen, ihm hier und da anderes als Milch zu zu füttern. Sanft kraulte er das Kind am Bauch, brachte es zum lachen, während er mit der freien Hand den Brief im flackernden goldenen Schein des Feuers las. Ein warmes Lächeln zeigte sich auf seinen Zügen. "Leah hat geschrieben." Diese junge Frau war so reizend, wie sie scheu war. Selbst ihre Art zu schreiben zeugte von ihrer Scheue, etwas, das ihn stehts an ein zierliches Reh erinnerte. Scheu genug, umzudrehen und reiss aus zu nehmen, sollte ein Mann auch nur versuchen, sie von sich aus zu berühren. "...habe ich das Gefühl, ich würde drängen..." las er leise vor. Er sprach häufig mit Eiron oder las ihm vor, hatte er doch gehört, das dies notwendig war, sollte der Kleine das Sprechen erlernen. "Leah und drängeln..." Er lachte leise, ein warmer tiefer Ton, der in seinem Brustkorb hallte. Er bezweifelte ernsthaft, das diese Maid imstande war, zu drängeln. Erneut fragte er sich, warum sie sich gerade für das Schwert entschieden hatte. Aber vielleicht war sie eine jener Personen, die sich von Grund auf änderten, wenn sie jenen Dingen nachgingen, die mit ihrer Berufung zu tun hatten? Manch scheuer Mensch blühte auf, wenn er tat, was er liebte. Oder wollte sie vielleicht stärker werden? Sich selbst beschützen können? Er würde sie fragen, wenn er sie sah. Auf ihre Antwort war er schon sehr gespannt.
"Sie möchte wissen, wies dir geht, Knirps..." Die Finger huschten über den Bauch des Knaben, krabbelten ihn, das dieser vernügt jauchzte und den Holzring wild herumfuchtelte. "Sehr gut, denke ich." Ein seltenes Grinsen zeigte sich auf seinen Zügen, während er ihn noch ein wenig weiter kitzelte. Das Pergament knisterte leise, als er den Brief mit einem Ruck des Handgelenk wieder aufrichtete, auf das er wieder lesbar war. "Unter Umständen bringt sie Besuch mit. Na was meinst du? Unsicher, mit mir allein zu sein?" Ein Mundwinkel zog sich amüsiert nach oben. "Fernab von aller Zivilisation, im Wilden Land an den Grenzen zu Rahal... Wer weiss, weiss, ich könnt ja über sie herfallen und sie verschlingen... Süss genug ist sie..." Er stutzte. Wildes Land? Der Ausdruck schien irgendwie... richtig zu sein. Aber dennoch. Diese Enclave hier im Wald war keineswegs als unzivilsiert zu bezeichnen. Sie war zwar fernab von allen Städten, aber reich besiedelt. Die direkten Nachbarn war nicht weit entfernt. Man konnte es nicht länger als Wildes Land bezeichnen. Hatte es mal eine Zeit gegeben, wo diese Lichtung leer gestanden hatte? Er dachte an dieses Haus und den Turm. Efeu, Wilder Wein und Kletterrosen hatten sich der Wände bemächtigt. Vor allem der Turm war von dornigen Kletterrosen bewuchtert. Es mochte Jahre gedauert haben, bis diese sich soweit ausgebreitet hatten. Dichtes Moos hatte sich auf der Westseite des Turmes über die Steine gelegt. Wie lange standen diese Gebäude hier? War dieser Turm vielleicht das erste Gebäude, das hier in dieser grossen Lichtung aufgebaut worden war? Hatte es eine Zeit gegeben, wo der Titel "Wildes Land" berechtigt gewesen war? Grübelnd rieb er sich mit der Kante des Pergaments über die Lippen. "Hmm... wieder etwas, was ich überprüfen sollte." Er schob den Gedanken beiseite und wendete sich wieder dem Brief zu.
Ein weiterer Gast also... gegebenenfalls. Eine Frau oder ein Mann. Ein Bruder vielleicht? Eine Maid wie sie sollte einen Bruder haben. Sollte jemanden haben, der sie beschützen konnte. >Das Mädel ist eine Kriegerin...< sagte er sich erneut. Und doch, er tat sich schwer, sie als Kriegerin zu sehen, scheu wie sie war. Was er sie besser nicht wissen lassen sollte, es mochte sie schwer beleidigen. Wenn sie einen Bruder mitbrachte... konnte es gut sein, das dieser ihn unter die Lupe nehmen mochte. Beiseite nehmen und ihn wissen liess, was ihm blühte, würde er anders als Tugendhaft mit seiner Schwester umgehen. Cyrion würde dies als Bruder auf jeden Fall tun bei einem Mann, der trotz guter Reputation nicht länger der sein mochte, der er mal war. "Hmm... wir werden sehen, nicht wahr, Eiron?" murmelte er leise und legte den Knaben in den Tragekorb. Rasch räumte er auf, schnappte sich Eiron und den Brief und begab sich an seinen Arbeitstisch. Einen Schluck von seinem Whiskey nehmend, nahm er sich Pergament und Feder. Mit fliessender geschwungener Handschrift schrieb er einige Zeilen nieder.

Der Mutter zum Grusse, geehrte Leah,

Ihr drängelt keineswegs - wie bereits erwähnt würde ich Besuch schätzen, ist dies Anwesen doch keineswegs dazu gedacht, einzig und allein eine Person zu beherbergen.

Ein Schmunzeln ging über seine Züge, als er einen Moment innehielt.

...zu beherbergen. Nunja, sagen wir eineinhalb Personen, Eiron dazu gerechnet. Dieser freut sich übrigens sehr über den Holzring, welchen ich für ihn erwarb und sein Weinen scheint doch fürwahr abzunehmen, auch wenn es wohl noch zu früh ist, dies mit Sicherheit zu sagen.

Der 18te ist mir sehr angenehm und werde ihn mir freihalten. Jede Stunde, die Euch rechtens ist, soll auch mir recht sein, verbringe ich die Abende ohnehin zu Hause mit Lesen, so ich nicht ausser Haus bin.

Es gibt nichts, was das Verzeihung bedarf. Es ist nicht leicht, Vergangenes zu bewältigen...

Er schnaufte leicht. Er war der Richtige, dies zu schreiben, der er keine Vergangenheit besass, die er bewältigen müsste. Und doch, wer wusste, welches Leid er würde bewältigen müssen, wenn ihn die Vergangenheit wieder einholte und sich ihm offenbahrte. Wer wusste schon, ob es nicht etwas gab, was er bereuen würde... Allein der Ring an seiner Brust... Welche Geschichte verbarg dieser? Der Ring klirrte leise, als er ihn an der Kette hochhob und betrachtete. Warum war es, das er jedesmal eine süsseTrauer und Nostalgie verspürte, wenn er diesen ansah? Wer war die Frau, die diesen Ring einst getragen hatte? Leicht schüttelte er den Kopf, vertrieb die schweren Gedanken. Es war gewiss nicht der Zeitpunkt, sich über Dinge den Kopf zu zerbrechen, die er eh nicht beantworten konnte. Die Feder wurde kurz in die Tinte getunkt und kratzte erneut über das Pergament.

...zu bewältigen. Und niemand verlangt von Euch, ohne eine Miene zu verziehen, darüber hinweg zu sehen. Es wird seine Zeit brauchen. Und niemand soll Euch diese verweigern. Mehr mag ich dazu auch nicht sagen.
Im übrigen macht es mir nichts aus, Euch Heim geleitet zu haben. Wer weiss schon, ob sich die Runde bald darauf nicht ohnehin aufgelöst hätte. Immerhin war es doch schon eine recht späte Stunde. So lasst dieses Vorkommnis ruhen, ist dies doch keineswegs ein Grund, Sorge zu erwecken oder das Gewissen zu belasten.

Ich freue mich, Euch in diesem Haus begrüssen zu dürfen und werde auch jedweden Freund oder Verwandten, den Ihr beschliesst, Euch Gesellschaft leisten zu lassen, mit Freuden hier willkommen heissen. Drum sucht Euch eine Euch genehme Stunde aus und ich werde beizeiten vor dem Kloster auf Euch warten.

Der Mutter Segen mit Euch,


Cyrion Ceylon Sha'Ar
Neben seinen Namen setzte er noch fein säuberlich ein Siegel von einem Raben mit einer Wildrose in den Krallen. Erneut las er die Zeilen und nickte knapp. Er würde morgen den Brief mit einem Boten losschicken. Sorgfältig rollte er ihn ein und versiegelte ihn mit dem Siegelwachs. Sich streckend und den Nacken reibend, blickte er hinaus aus dem Fenster. Die Nacht war herein gebrochen, tiefschwarz und Sternenlos. Der Vollmond stand am Himmel und hochstehende Nebel schoben sich über diesen, verliehen ihm einen blassen Schleier. >Sieht nach einer kühlen Nacht aus.< Der Blick wanderte wieder zu dem Knaben. Dieser schlief, gesättigt und mit einer seiner Strähnen fest in seiner kleinen Hand. Das der Kleine solchen Gefallen an seinen Haaren fand... Wenn er seine Haare morgen schneiden würde, würde er einige Strähnen für den Kleinen Zusammenfassen lassen. Vorsichtig löste er sein Haar aus der kleinen Faust und ging umher, die Kerzen zu löschen und das Kaminfeuer abzudecken. Die Tür knarrte leise, als er diese hinter sich schloss, den Korb im Arm, um hinüber zum Wohnturm zu gehen.

Verfasst: Montag 18. August 2008, 11:12
von Malachai Schwarzmourne
Rot war die Nacht verfärbt, wie im Blute getränkt...ein Omen das für den Tot vieler stehen würde...ein Zynismus mit dem Hauch Ironie, den Malachai empfand, als er gen Himmel schaute.
Die Wunden wollten nicht aufhören zu bluten, er verlor an Kraft, das spürte er mit jeder weiten Sekunde, die er langsam und mit den Waffen im Anschlag auf seinem Pferd gen Osten reitete.
Er musste warten, es gibt nichts schlimmeres, als alleine zu sein, sich zu verstecken vor dem Übel, dass die Schatten heimgesucht haben.
Tot...alle waren Sie Tot und es war seine Schuld.
Verstecken, ja, er musste sich weiterhin verstecken.
Doch nicht bei ihm, nein, er würde nur seinen Sohn abholen, heimlich, ohne dass er es merkt. Je weniger wirbel, desto besser.
Er würde nicht auch ihn in Gefahr bringen, seinen Bruder, welcher sich als Patenonkel bestens um seinen Sohn gekümmert hat.
Er würde ihn nur eine kurze Notiz darlassen, er würde verstehen, dass schreckliches Geschehen ist und Malachai jener Gefahr nicht Herr war.
Er drehte sich um, hektisch, ein rauschen.
Sie verfolgten ihn, dass wusste er.
Diese Untoten, sie traten vor seinem Haus in Erscheinung, fingen ihn an der alten Ruine ab und zuletzt am Wegekreuz.
Er musste umwege reiten, musste den Kampf meiden und nur keine Spur hinterlassen.
Schattenhuf, er war wahrlich ein treues Pferd mit besonderen Fähigkeiten. Nicht nur seine Schnelligkeit, die selbst die untoten Reitherren des Seuchendämons hinter sich liessen, nein, es spürte die Gefahr, wie Tiere es oft tun. Es wure wilde, es trampelte mit den Hufen, so als wusste es, dass unter ihm Untote bereit waren, zu erwachen und hervorzudringen.
Ja, es brachte seinen Herren bis hierher, es kämpfte für ihn, während Malachai nur schwer seine Waffen heben konnte.
Ruhen, er musste ruhen, sich seine Kraftreserven einteilen für die Gefahren. Und nun, entlich nach Stunden der Reisen, began vor ihm hinter den Bäumen ein Turm sichtbar.
Da, er war entlich da, bei diesem unheilvollen Turm, verziert mit Rosenranken an ihm hinauf und bewohnt von ganzen Familienstämmen aus Raben.
Cyrion muss für viele eigenartig wirken, würde man ihn nicht kennen. Doch für Malachai war er der letzte Vertraute, den er in seinem Leben noch hatte.
Er liess das Pferd stehen, es schaute ihn missbilligend an, wohl fragend, warum Sie nicht bis zum Tor reiten würden.
"Shhh...Schattenhuf, warte hier. Ich will Cyrion nicht wecken. Je weniger er davon mitbekommt, desto besser."
Er sammelte wieder seine Kraft, nur kurz hinein, den Sohn holen, eine Nachricht hinterlassen und wieder hinaus.
Er wollte die Waffen da lassen, aber er entschied sich doch eher dagegen. Wer weiß, was alles passieren könnte, er betete, das nichts passiert, doch man kann sich nicht sicher sein.
Er ging vor die Tür, legte seine Hand an den Knauf, schaute dann aber hinauf zu einem Fenster eine Etage weiter.
Ein leises krächzen von Murelay, der auf ihn hinabblickte und dann auf seine Schulter flog.
"Murelay, ein freude dich wieder zu sehen."
Langsam streichelte Malachai über seinen Kopf, der Rabe genoss wohl die Anwesenheit eines alten Freundes, stieg dann aber wieder zum Fenster hinauf und liess ein weiteres, leises krächzen ertönen, als Malachai abermals die Hand an den Knauf legen wollte.
Er überlegte kurz.
"Konnte es sein..."
Er wusste, dass Murelay mehr als ein einfacher Rabe war und es schien, als würde er Malachai den Weg weisen wollen. Aber warum?
Egal, er hörte immer auf seinen Instinkt, auch dieses mal.
Er schaute sich um. Die Ranken waren dornig und spitz, es wäre keine gute Idee, so verletzt jenen Weg zu nutzen.
Er wollte sich grade umdrehen und erschrack leicht, die Hand pfeilschnell zum Schwerte greifen. Es war Schattenhuf, es schien sich angeschlichen zu haben, wie passend, denn auf seinen Rücken in den Taschen war ein Seil.
Malachai band es zu einer Schlinge und zielte dann mehr blind in das Fenster.
Murelay erhob sich, als das Seil in der Luft war, schnappte es sich und flog mit der Schlinge an einen Steinvorsprung, wo es das Seil abliess und die Schlinge sich befestigte.
Nicht schlecht staunte Malachai, Schattenhuf selber schnaubte nur verächtlich, als könne er es auch.
Kraft, viel Kraft kostete es dem Schattenlord.
Er spürte wieder, wie das Blut an seiner Kleidung hinab lief und die frisch verbundenen Wunden wieder aufging.
Ein schmerz, stechend und schwer und Malachai war kurz davor, hinab zu gleiten, doch er konnte nicht, nein, er musste seinen Sohn mitnehmen, musste ihn in Sicherheit bringen, fern ab von Cyrion, damit auch er in Sicherheit war...zumindest solange, bis man die Gefahr erkennen konnte, die noch herschte.
Mit schwerster Kraft erreichte er den Fenstersims und liess sich kurz darauf nieder, schwer atmend und die Hand an seine Wunden pressend.
Dann ziehte er die Kaputze tiefer ins Gesicht, zog kurz die Maske hinab zum durchatmend und dann wieder hoch.
"Danke Murelay, du scheinst zu spüren, dass etwas geschehen ist. Sei unbesorgt, ich werde Cyrion eine Nachricht zukommen lassen. Doch jetzt ist es besser, dass er davon nichts mitbekommt. Er wird sonst mitkommen wollten, oder gar kämpfen. Ich darf nicht noch jemanden verlieren...er ist der letzte, der mir und Marick geblieben ist."
Der Rabe schien mit dem Kopf zu nicken, als verstünde er, was vor sich ginge.
Dann sammelte er wieder Kraft, leise, gar fast schwebend, doch die Augen leicht vor schmerz verziehend, ging er zu dem Bettchen, indem sein Sohn schlief.
Langsam beugte er sich über ihn, der Blick auf sein Kind liess ihn für einige kurze Zeit die Trauer und den Schmerz vergessen.
"Mein Marick...mein Sohn...ich danke allen Göttern, dass es dich gibt und jemanden wie Cyrion, meinen Bruder, der auf dich aufgepasst hat."
Vorsichtig greifen seine Arme zu dem kleinen, gerade, wo er ihn anheben wollte, krächzt Murelay wieder, doch ehe Malachai verstehen konnte, vor was der Rabe ihn warnen wollte, klingelten schon einige Glöckchen und er erkannte das Band, dass um den Fuß des Kleinen gebunden war.
"Warum..."
Ehe Malachai weiter skeptischen Blickes auf dieses Warnsystem schaute und sich fragen konnte, warum nur diese Sicherheitsmassnahmen herschten, hörte er lautes Getrampel von Schritten, die auf das Zimmer zukamen und Cyrion die Tür aufriss.
Malachai drehte sich um, den Blick auf seinen Bruder gesetzt, der sein Schwert ihm entgegenstreckte.
"Cyrion, mein..."
Ehe er die Worte weiter aussprechen konnte, stürzte Cyrion mit seiner Waffe auf ihn los.
Malachai drehte sich zur Seite und legte Marick wieder in sein Bett.
"Lass Eiron liegen du Mistkerl."
Wieder drehte sich Cyrion und trat dabei Malachai in den Bauch, knapp neben einer Wunde vorbei, welcher Rücklings gegen einen Schrank flog.
"CYRION....DU....."
Abermals bekam er keine Chance, auszusprechen. Cyrion schien wie im Blutrausch. Was war nur los? Wer war Eiron?
Cyrion holte abermals aus, doch Malachai zog eine seiner Waffen und parrierte den Schlag. Dann nahm er seine Kraft zusammen und schlug ihm die Beine weg, ehe er die Zeit nutzte um sich zu erheben.
Was war nur vorgefallen, was war mit Cyrion los. Er müsste ihn doch erkennen, seinen Blutsbruder. Er wusste doch, dass er nicht umsonst so in sein Haus eindringen würde, um seinen Sohn zu holen.
Malachai stieg über ihn, wollte gerade wieder ins Bettchen greifen, als er nach vorne fiel.
Cyrion hielt ihn an seinen Bein fest und liess ihn stolpern.
Dann erhob er sich und ging zu einem Schränkchen, aus dem er zackige Wurfgeschosse hervorholte und Sie auf Malachai warf.
Den ersten beiden konnte er entweichen, doch der dritte traf ihn in die Seite.
Murelay krächzte lauter, Cyrion schaute, wohl ein wenig verwundert zu ihm hoch.
Das war die Chance, die Malachai nutzte.
Er spurtete nach vorne und stieß Cyrion gegen die Wand. Der schmerz durchfuhr ihn abermals, die Wunden rissen erneut auf und er verlor an Kraft. Er taumelte, leicht zurück, Cyrion fasste sich an seinen Kopf, blickte dann aber zu Malachai.
Dieser hob seinen Umhang, 4 Schwerter wurden sichtbar und er zog eines davon, dass er Cyrion entgegen streckte.
Doch ehe er es ihn an die Kehle halten konnte, um ihn ruhig zu stellen, um mit ihm reden zu können, hatte Cyrion ein Messer in der Hand, dass er Malachai in den Fuß warf, welcher daraufin das Schwert fallen liess und zurücktaumelnd herauszog. Es war die schwarze Klinge, die mit einem "S" am Knauf verziert war und eine Schattenhafte Figur eingraviert besass.
Malachai zog seine Kaputze ab und die Maske, nach Luft ringend, sich aber wieder erhebend.
Sein eines Auge war geschlossen, von Blut bedeckt, dass aus seinem Kopf kam. Eine Wunde, die schon vorher da war. Ebenso fällt Cyrion das Blut auf, dass seinen Umhang durchtränkte und auf den Boden tropfte.
Erst jetzt bemerkte er, dass jener, gegen den er kämpfte, schwer verwundet war, noch bevor Cyrion ihn weitere Verletzungen zufügen konnte.
Beide blickten sich in die Augen, Cyrion, wie parralysiert, Malachai nur schwer auf den Beinen stehend vor schmerzen.
"Cyrion...bitte..."
Doch Cyrion fasste sich wieder und nahm das Schwert, dass Malachai fallen liess und holte aus, mit dem Knauf zuerst, in Richtung Malachais Kopf, um ihn bewusstlos zu schlagen, um danach fragen stellen zu können. Cyrion wollte wohl kein Risiko eingehen, wenn es um Eiron ging. Doch Malachai auch nicht, er durfte nicht hierbleiben, Sie würden ihn sonst finden und alle wären in höchster Gefahr. Doch er konnte nicht mehr ausweichen, nur hoffen, als er hörte, wie die Klinge zu Boden fiel.
Cyrion schlug in die Luft und hielt sich eine Hand fest, während Murelay wieder von seinem Herren abwich. Es schien, als habe der Rabe Cyrion in die Hand gebissen und so den Schlag abgewandt.
Zeit, die Ablenkung, die Malachai brauchte.
Als Cyrion sich nach einigen Sekunden an seinen Gegner wandte, das Schwert wieder aufgehoben,war er weg, wie von den Schatten verschlungen. Doch nicht nur er, auch das kleine Baby, dass er irrtürmlich Eiron nannte, war verschwunden.
Er rannte zum Fenster hinaus, nur Dunkelheit im Walde, keine einzige Spur.
Und Malachai selbst, mit jenem Säugling im Arme, verstand die Welt nicht mehr, verstand nicht, warum sein Blutsbruder ihn weiter nur Angriff und erst zögerte, als er sein Gesicht sah.
Er würde es klären, doch vorrangig mussten alle in Sicherheit sein...auch sein Sohn.

Verfasst: Montag 18. August 2008, 16:28
von Cyrion Sha´Ar
Eiron! Er hatte Eiron gestohlen! Schwer schlug ihm sein Herz in der Brust, als er im Garten stand und lauschte, den Atem angehalten. Stille... kein Gallopieren von sich entfernenden Hufen, kein Unterholz, das in der Ferne brach. Die Raben am Turm krächzten hin und wieder leise, sich beschwerend. Das aufgestörte Schnauben von Nachtschatten trat an sein Ohr - und sein Herzschlag, welcher ihm in den Ohren dröhnte. Hastig kehrte er mit wenigen Schritten ins Haus zurück, griff nach der Laterne an der Türe. Er bliess ins abgedeckte Kaminfeuer, einen Spahn in der Hand. Asche wirbelte auf, fuhr ihm ins Gesicht und liess ihn husten. Die Augen zusammen gekniffen, entzündete er den Spahn und dann die Laterne. Aschefetzen flogen aus seinem Haar, als er wieder ins Dunkle hinaus trat und mit wachen Augen den Boden absuchte. Wer ihn jetzt sehen mochte, würde sich wundern. Asche hatte graue Flecken in sein Haar gesetzt und hinterliess Schmutzflecken auf dem bleichem Gesicht, welches mit kaltem Schweiss bedeckt war. Das Hemd war offen und sass schief an seiner Gestalt. Der Gürtel war gerade so eben geschlossen, das Schwert an diesem baumelte lose. Ein Kreuzgürtel lag locker über seiner Brust, hingeworfen wirkte er. Wurfdolche zierten diesen, die Halterung für den Bihänder war aber leer. Dinge, die er gerade so übergeworfen hatte. Mit aller Konzentration, die er in seinem desolaten Zustand aufbringen konnte, suchte er den Boden ab. Da mussten Abdrücke auf dem Boden sein, wo der Mann aufgekommen sein mochte - irgendwo unter seinem Fenster! Er hatte ihm den Dolch in den Fuss gerammt, da mussten blutige Spuren sein - verdammt! Er hatte aus mehreren Wunden im Leib geblutet - er konnte nicht weit gekommen sein! Der Mann konnte nicht spurlos aus seinem Garten verschwunden sein, oder? Wild schüttelte Cyrion sein Haupt, vertrieb unsinnige Gedanken, die Verwirrung in ihm stifteten. Ein weiterer Kreis wurde um den Turm gezogen, ein grösserer als der vorherige. Es mussten Spuren da sein. Dies hier war Waldboden - es war schwerlich, keine Spuren zu hinterlassen, wenn man Hals über Kopf floh! War er über die Lichtung geritten? Zwischen den Häusern hindurch? Der Boden dort war härter, Pfade waren sich hier und da am bilden, wo Pferde, Vieh und Menschen üblicherweise gingen. Spuren waren schwerer zu finden. Wieder schüttelte er den Kopf. Das machte doch keinen Sinn! Warum waren unter seinem Fenster keine Spuren? Warum nicht in der direkten Umgebung, auf das er die Richtung wusste...?! Er musste aus dem Fenster gesprungen sein - die Glöckchen an der Tür hätte er gehört. Die Schritte auf der Treppe auch. Doch er war ohne jegliches Geräusch verschwunden. Von einem Moment auf den anderen einfach weg. Als hätte er sich in Luft aufgelöst. Er hielt inne, stutzte, die Augen weiteten sich. In Luft aufgelöst... wie Eiron? War der Mann...
Er schüttelte leicht den Kopf. Fakten! Fakten sammeln und handeln! Wenn der Mann wie Eiron war... wie Eiron... Vielleicht war er nie geflohen, sondern noch hier! Seine Augen weiteten sich. Etwa noch in Eirons Zimmer?! Er eilte zum Haus zurück, sprang, die Hand auf den Zaun legend, geschmeidig über diesen und eilte die Treppen hoch. Keuchend blickte er in die Schatten, als er die Türen öffnete. Nahm die Schwertscheide und stocherte in den grösseren Schatten herum. Die Klinge blank ziehen konnte er nicht - was wenn er Recht hatte und den Jungen damit traf? Doch nein, auch hier kein Erfolg. War er geflohen, während er rund ums Haus und im Wald den Boden abgesucht hatte? Versteckte er sich jetzt draussen? Wieder eilte er hin, zu den Laternen am Haus. Es machte mehr Sinn, das er sich in der Nähe versteckte, verwundet wie er war, wenn er annahm, das seine Art, sich zu verstecken, perfekt war. Rund um das Haus und den Turm, ja sogar am Gehege waren Laternen angebracht. Selbst der Steinkreis hatte auf jedem Felsen eine Kerze. Rasch entzündete er eine jede davon. Wenn er sich in der Nähe im Schatten versteckte... Selbst, wenn er wie Eiron scheinbar unsichtbar werden konnte, es würde Blut unter ihm auf dem Boden geben. Seine Wunden bluteten - sie würden ihn verraten. Warmer flackernder Schein breitete sich aus, vertrieb hier und da die Schatten, liess andere wiederrum nur tiefer und undurchdringlicher erscheinen. Lautlos schlich er um das Haus, lauschte, suchte den Boden ab. Nichts... kein Atem, kein Keuchen, der ein anderer als sein eigener war. Keine dunkle Feuchtigkeit, die das eh dunkle wirkenden Gras schwarz färbte. Keine fremde Wesentheit, deren Anwesenheit er wahrnehmen konnte. Niemand ausser ihm, den Vögeln und den Pferden. Der Mann war in der Tat fort - mit Eiron. Ohne auch nur eine Spur zu hinterlassen, die er im Dunkeln finden konnte.

Der Mond war wieder ein Stück gesunken, als er erneut aus dem Haus trat. Rasch hatte er sich ordentlich angezogen und bewaffnet. Das Haar war zu einem geflochtenen Zopf gebunden, Eisendornen hinein gearbeitet, auf das niemand danach greifen würde, ohne sich zu verletzen. Der Kreuzgurt trug nun den Bihänder. Der Schulterschutz, welcher wie ein Ledersitz für seinen Raben gearbeitet war, angebracht. Ein Schwert hing an seiner Hüfte, ein zweites an der anderen. Der Griff des schwarzen Schwertes zeigte ein S. Das Schwert, welches der Unbekannte hinterlassen hatte. Cyrion würde noch heraus finden, was es damit auf sich hatte. Ledermanschetten lagen um seine Unterarme, enthielten jeweils einen weiteren Wurfdolch. Am Sattel von Nachtschatten war der Korb schwarz gefiederten Pfeilen. Der Bogen war ebenfalls an diesem befestigt - doch unbespannt.
Der Mund wirkte grimmig, der Blick hart, als Cyrion aufsass. Sein Hengst schnoberte unwillig, war er doch kein Freund von nächtlichen Ausritten. Ein Schatten flog über ihn hinweg, segelte zum Zaun hinunter. Leises Krächzen von Murelay, die Augen wach auf Cyrion gerichtet. Wieder pressten sich seine Lippen zusammen. Warum hatte der Vogel ihn angegriffen? Ihn aufgehalten, als er diesen Fremden kampfunfähig machen wollte? Kannte der Vogel ihn? Es sprach einiges dafür... Sich umzuziehen und für die Jagd vorzubereiten hatte ihm die Zeit gegeben, über diesen Vorfall nach zu denken. Der Fremde hatte seinen Namen gewusst, hatte versucht, mit ihm zu reden. Aber Cyrion hatte einfach nur gehandelt, nachdem er diesen Fremden mit Eiron im Arm sah, erkannte, das dieser den Knaben stehlen wollte. Ein geschickter Kämpfer, formidable zu nennen, war er doch auch noch verwundet und trotzdem in der Lage, einem Mann, der mit nichts zurück hielt, allerhand entgegen zu setzen. Er war sogar trotz Verletzung und der kurzen Distanz zwei Wurfdolchen ausgewichen. Wieder fragte sich Cyrion, was er ihm hatte sagen wollen... "Cyrion, bitte..." Das klang nicht nach einem Feind... Es klang... vertraulich. Er presste die Lippen zu einer harten Linie zusammen. Wer war der Mann gewesen? Er schien überrascht, als Cyrion ihn angegriffen hatte. Und doch hatte er Geistesgegenwärtig gehandelt, war ausgewichen. Ausgewichen... hatte er die Chance gehabt, zum Schwert zu greifen, diese aber nicht genutzt? Erst, als Cyrion erneut ausgeholt hatte, hatte er mit seiner eigenen Waffe parriert. Und doch - er hatte sich nur verteidigt...
Cyrion schüttelte erneut den Kopf. Dies machte keinen Sinn... Der Mann hatte mehrere Waffen getragen - 4 Schwerter insgesamt, konnte gewiss auch mit zwei Schwertern gleichzeitig kämpfen. Niemand trug soviele Waffen, wenn er nicht mit diesen umgehen konnte. Wusste, wie man sich mit vier sperrigen Schwertern bewegte. Grossgewachsen, wenn auch nicht so gross wie er, Cyrion. Dunkle Kleidung. Ein Umhang, der seine Gestalt gänzlich verbergen konnte. >Das braucht er auch bei vier Schwertern.< dachte er mit bitterem Lächeln und fuhr ein letztes Mal prüfend mit dem Blick über seine Ausstattung. Nachtschatten antreibend, setzte er über den Zaun hinweg und liess sein Gut hinter sich. Ritt Richtung Bajard.

Das Gesicht des Mannes... Das schwarze Haar, die Augen... Die Narbe, die an einem Auge ersicht wurde, seiner eigenen so ähnlich. Als er dieses Gesicht erblickte, war er wie versteinert, konnte sich einen Moment nicht rühren. Er kannte dieses Gesicht, kannte diese Augen, die sich in seine bohrten. Sein Name... der Name war... Kopfschmerzen setzten ein, drückten gegen seine Stirn. Lenkten ihn ab, schwächten ihn auf eine Weise, die er sich nicht erlauben durfte. Er hatte ausgeholt, wollte den Mann Kampfunfähig machen, bevor er selbst den Fokus verlor. Er hatte genug Geistesgegenwart besessen, um das schwarze Schwert aufzuheben, hatte er sein eigenes doch irgendwo fallen lassen, und mit dem Knauf zu zu schlagen. Genug Geistesgegenwart besessen, um zu verstehen, das er diesen Mann nicht töten sollte. Und doch - Murelay hatte ihn angegriffen. Die Erinnerung verblasste und er sah auf seine Hand hinab, welche einen leichten Verband trug. Die Wunde war nicht tief, eher klein. Der Schnabel hatte im Vorbeiflug einmal in die Schwerthand gehackt. Der Schmerz war Scharf gewesen, doch mehr überraschend, als wirklich weh tuend. Des Vogels seltsame Handlung und seine Kopfschmerzen hatten ihn irritiert, wenige Sekunden nur, und doch lang genug, das der Mann die Zeit hatte, zu fliehen...
Cyrion rieb sich angespannt den Kiefer. >Er ist geflohen... Mit Eiron. Leicht hätte er mich töten können, oder doch entwaffnen und kampfunfähig machen, und doch ist er geflohen. Warum?< Wenn der Mann ein Feind war, war seine Handlungsweise völlig unlogisch. Wenn er ein Feind war... Und was wenn er ein Freund war? Die Tiere, die keinen Laut der Warnung von sich gaben, Murelay, welcher sich seltsam verhielt und dann Cyrion sogar angriff. Der Fremde, welcher versuchte, mit Cyrion zu Reden. Welcher sich nur verteidigte und Cyrion höchstens entwaffnete. Und zuletzt... Eiron, der nicht schrie... Eiron, der sich nicht in Schatten auflöste und versteckte.
Wieder presste er die Lippen zu einem dünnen Strich zusammen. Ihm gefiel das Ganze nicht. Gefiel der Gedanke nicht, jemanden angegriffen und verletzt zu haben, welcher möglicherweise sein Freund war. Welcher vielleicht mit dem Jungen in Verbindung stand. Doch wusste er dies nicht mit Sicherheit. Es waren Annahmen, keine harten Fakten. Und einer der harten Fakten war, das der Mann Eiron entführt hatte. Und wenn er ein Freund war, hätte er es nicht nötig gehabt, sich in das Zimmer zu schleichen in dem Versuch, den Jungen zu stehlen. Er hätte einfach Klopfen können, oder Klingeln. Welcher Freund stahl sich in ein Haus mitten in der Nacht? Nein, nichts davon machte Sinn. Nichts folgte letztendlich einer für ihn erkennbaren Logik. Doch eine Wahrheit war für Cyrion klar erkennbar. Der Mann hatte Eiron entführt. Wer immer er sein mochte, Cyrion würde ihn finden und ihm das Fell gerben. Die Finger spannten sich an, bildeten Fäuste um die Zügel und er beugte sich tiefer in den Sattel, auf das der Hengst freier und schneller Galoppieren konnte. Wenn Eiron auch nur eine kleine Verletzung barg, würde der Mann dafür bezahlen.

Der Blick huschte zum Mond hin. Dieser sank beständig, erzählte ihm davon, wie die Zeit verran, während er durch den Wald oder über Wiesen galoppierte. Wie er Zeit verschwenden musste, um den Hengst eine Ruhepause zu gönnen. Es würde früher Morgen sein, wenn er Bajard erreichte. Die ersten Vögel würden schon vermutlich singen. Er hoffte, das seine Annahme richtig sei. Das er mit der Beschreibung, die er von dem Mann hatte, jemanden finden mochte, der ihn gesehen hatte. Das er ein Schiff finden mochte, welches einen Passagier mit Kleinkind in der Gästeliste hatte. Und eine weiteren Annahme wollte er nachgehen. Einer, die ihm aufgefallen war, als er die Beschreibung des Mannes durchging, die er abgeben wollte. Eine Beschreibung, die gerade jetzt auf Cyrion, vollbewaffnet, wie er war, ebenso passte. Und die er schon einmal gehört hatte, vor ein paar Tagen erst. Ein Mann, der Cyrion zum Verwechseln ähnlich sah und mehrere Schwerter trug. Der Name des Mannes war Malachai Schwarzmourne gewesen. Ein Name, der ihm Kopfschmerzen bereitete, sobald er darüber nachzudenken versuchte. Von der Erscheinung her hätten dieser Malachai und Cyrion verwandt sein können, so hatte er gehört. Sie waren sich so ähnlich - etwas, das ihn, Cyrion amüsiert hatte. Jetzt wo er jemanden gesehen hatte, auf den seine eigene Beschreibung passte, fand er dies nicht mehr so amüsant. Da er ohnehin nach Bajard musste, würde er nebenher das Haus dieses Schwarzmourne's überprüfen. Er hatte dies ohnehin tun wollen, war er sich nicht sicher, ob Malachai nicht sein alter Ego, sein Annonym, war. Er hoffte, eine Spur finden zu können. Er musste eine finden! >Mutter, beschütze diesen Jungen...< Wenn dem Jungen etwas passierte... Er musste ihn rechtzeitig finden, durfte nicht wieder versagen... Wieder versagen? Die Augen einen Moment fest zukneifend, schüttelte er seinen Kopf. Nein, die Vergangenheit hatte hier nichts zu suchen. Keine Zeit dafür. Fest bissen sich seine Zähne zusammen, zeigten sich die Kieferknochen und gaben der Miene eine Härte, die zu jener in seinen Augen passte. Wer immer Eiron entführt hatte - Cyrion würde ihn finden. Mochten seine Götter Gnade für ihn finden - er hatte gewiss keine.

Verfasst: Dienstag 19. August 2008, 13:19
von Leah Katuri
Die Türe wurde hinter sich zugezogen und mit einem leisen ‘Klick‘ verschlossen. Es dauerte ein paar Momente, bis sie den Atem wieder regelmäßig ein und ausatmen konnte und das Herz nicht mehr so rasen würde. Armer Cassius, sie hatte ihn schon lange nicht mehr so gefordert. Einen Moment keimte ihr schlechtes Gewissen auf, als sie daran zurückdachte, wie sie wie eine Irre durch die Wälder geprescht war, nur um rasch wieder in Varuna zu sein. Als ob sie auf der Flucht gewesen wäre...

Langsam sah sie sich um, ließ den Blick durch den spärlich eingerichteten Raum wandern. Es war kühl draußen und langsam müsste sie wohl den Ofen auch zum Heizen der Stube anlassen, wenn der Herbst bald da sein würde. Die Schritte führten sie nach oben, wie automatisch sich in die Schlafstube begebend und sich aufs Bett fallen lassend, die Decke fixierend, während die Gedanken sich zu ordnen versuchten.
Sie wollte Cyrion doch nur helfen, wollte für ihn nach dem kleinen Eiron suchen und wenn es sein müsste, ihn auch zurückbringen. Die Nachricht kam mehr als überraschend, als er zugabe, was in jener Nacht passiert war. Noch immer verstand sie nicht, wie er sich einzureden versuchte, dass es richtig war. Ein Fremder, mitten in der Nacht....kommt durch das Fenster und nimmt ein Kind mit...und er hat das Gefühl, es sei ein Freund gewesen! Ein leichtes Kopfschütteln, während sie sich aufsetzte und den Umhang umständlich löste. Sie wusste, dass Cyrion immer noch auf der Suche nach seiner Vergangenheit war, wusste, dass es wohl noch schwer für ihn war, Freund und Feind zu unterscheiden. Und doch hätte sie in solch einer Situation alles andere als geglaubt, dass ein Freund vor ihr stehen würde. Einen Moment hielt sie inne, den Umhang einfach hinter sich aufs Bett fallen lassend, als sie gerade den Schwertgurt lösen wollte. Der Blick ging langsam hinunter, fand nur das Hemd und das Gesicht verzog sich leidig.
„Verflixt und dreimal Pech!“, entfuhr es ihr flüsternd, sich dabei durch die Haare fahrend. Sie hatte ihn auf der Sitzfläche liegen lassen, als sie ihn abgezogen hatte. Sie hatte sich dort wohl gefühlt, auch wenn immer eine gewisse Vorsicht in ihr alarmierend zugegen war. Allein bei einem Mann...es hatte sie einiges an Überwindung gekostet, immerhin hörte man noch vom nettesten Menschen, dass er in seinen eigenen vier Wänden ganz anders sein konnte. Sie hatte an jenem Abend ein anderes Bild von Cyrion gesehen, doch gerechnet hatte sie mit einem vollkommen anderem.
Die Röte stieg ihr in die Wangen, als sie daran zurückdachte. Kein Wunder, dass sie ihre Sicherheit vergessen hatte für einen Moment und lieber eilig aus dem Haus raus wollte. Die Worte, die er mit seiner samtenen Stimme gesprochen hatte, der weiche Klang...und dann auch noch diese ganzen Komplimente!
Mit einem Seufzen ließ sie sich wieder aufs Bett fallen, den Rücken an die Bettkante lehnend und die Knie leicht anziehend.

Sie hatte Liralia einmal versucht zu erklären, wie es war, wenn man sich verliebe. Sie hatte es gespürt, als sie Theodor traf und um nichts in der Welt wollte sie jene Erfahrung weggeben. Sie erinnerte sich an das Flackern im Bauch, an das Herzrasen, welches sie überkam und an ihre Sprachlosigkeit, wenn er ihr zu nahe kam. Langsam schloss sie die Augen, versuchte das Bild wieder hervorzukramen...der rötliche Bart, die langen Haare, die Figur eines hart arbeitenden Mannes...und doch; sie konnte sich nicht mehr an den Klang seiner Stimme erinnern, wusste nicht mehr, wie sich seine Hände anfühlten; wie rauh sie von der Arbeit in der Mine waren, wie groß, wenn er ihre Hand umgriff. Ein Schnaufen entglitt ihr, während sie sich etwas runtersacken ließ, um die Decke zu greifen und über sich zu legen. Sie hatte versprochen zu warten....und dann passierte sowas! Ihr Magen verzog sich und leicht schnitt sie eine Grimasse. Würde sie Liralia um Rat bitten? Sie wusste es nicht...

Beide Hände fuhren sich einmal durch das Gesicht, verharrten dann vor den Lippen, während sie die Augen aufschlug und die Decke über sich fixierte. Sie würde nun einfach an andere Dinge denken; Dinge, die wichtiger waren. Ein Kind war verschwunden, einfach mitten in der Nacht geklaut aus seinem Bettchen. Cyrion hatte ihr beschrieben, wie er aussah. Es war die Beschreibung, die auch das Fräulein Tarun damals in der Taverne gemacht hatte, bevor sie von anderen Dingen anfing. Ob sie den Mann dann überhaupt von Cyrion unterscheiden könnte? Nur wegen der Zahl der Schwerter? Es war das Letzte, was ihr in Erinnerung bleiben würde, ob nun einer zwei oder drei Schwerter mit sich trug. Aber...er war verletzt, sodass jenes zumindest ein Anhaltspunkt war. Er würde Hilfe brauchen, ein Kind in so einem Zustand zu versorgen, war ein Ding der Unmöglichkeit.
Ein weiteres Schnaufen, dann rollte sie sich auf die Seite und fixierte die Wand. Schön und gut, sie hatte zwar noch Ersatz da, aber Milady wäre sicher nicht erfreut zu hören, dass ihr etwas “abhanden“ gekommen war. Wollte sie wirklich nochmal zu ihm? Unsicher benetzte sie die Lippen, die Decke noch etwas höher ziehend. Was, wenn er sie diesmal nicht gehen lassen....? Nein, er war ein guter Mann und was auch immer seine Vergangenheit zeigen würde, sie wäre sicher nicht voll Bosheit und schlechter Taten. Er wusste so viel über die Götter, über die Mutter, die die Erde zusammenhält; er hatte sie an den Schrein begleitet, hatte mit ihr gebetet.
„Verflixt und dreimal Pech...“, wieder einem Murmeln gleich, sich wieder auf den Rücken dabei rollend, wurde die Decke wieder weggestrampelt. Er hatte gesagt, im Kampf zählen die Tugenden nicht; nicht, wenn man dadurch andere Leben und das seinige schützt. Diese Dinger in seinem Haar! Und wo man alles Waffen verstecken konnte! Unwillkürlich huschte ihr Blick einmal an sich herunter, ehe sie verlegen wieder die Decke über sich fixierte. Nein, das war doch nicht vereinbar mit den Tugenden, da konnte sie so oft sie wollte darüber nachdenken. Ob sie vielleicht mal Milady fragen sollte? Seufzend setzte sie sich auf und rutschte aus dem Bett heraus.
Es würde sicher noch eine Weile brauchen, bis sie müde genug war, um die verwirrenden Gedankengänge und das flaue Gefühl im Magen zu ignorieren. Eine warme Milch würde sicher helfen...

Verfasst: Dienstag 19. August 2008, 22:43
von Cyrion Sha´Ar
Verflucht... seine Kopfhaut brannte... Sein Kopf schmerzte, als hätte er einen Schlag dagegen bekommen. Und seine Rippen schmerzten, wo ein blauvioletter Bluterguss sich über diese zog. Ausgerechnet er - wurde ein Opfer seiner langen Haare. Und nur wenige Stunden zuvor hatte er genau dies mit Leah erörtert - was jemanden mit langen Haaren passieren konnte. Jetzt hatte er sie schon drastisch gekürzt... Und dennoch! >Aber woher sollte ich mit Untoten rechnen?! Mit Skeletten!< Zischend atmete er aus, keuchte flach. Hielt sich die Rippen.
Früh morgens hatte ihn die Unruhe wieder gepackt. Die Freude und Entspannung des Abends, an dem er Leah in seinem Haus begrüsst hatte, war verflogen. Das Wissen, das sie ihm helfen würde, wo sie konnte; die Ruhe, welche das Gebet mit ihr im Schrein ihm gebracht hatte - nichts hatte letztlich mehr vermocht, die Unruhe in ihm noch länger zu dämpfen.
Malachai Schwarzmourne - er war nun überzeugt, das dieser Mann Eiron mitgenommen hatte. Wieder hielt er sich die Seite und fluchte herzhaft, während er dem Pferd überliess, den Weg nach Hause zu finden. Er hatte mit Fallen gerechnet - auch welche gefunden - aber Untote, das ging weit über das hinaus, worauf er vorbereitet gewesen war. Verflucht... Ob seine Rippen gebrochen waren? >Das fühlt sich anders an...< Er atmete zischend die Luft aus. Woher kam dieses Wissen? Woher diese Überzeugung? Aber er verwarf diesen Gedanken, welcher von einer ihm unbekannten Vergangenheit sprach. Es gab wichtigeres. Er hatte endlich etwas gefunden... Aber es hatte ihn gekostet...

Es hatte gedauert, bis er das Haus mit dem Grab gefunden hatte. Ein Haus, dessen Namensschild verwittert war. Anhand der Grabinschrift hatte er feststellen können, das dies Schwarzmournes Haus war. Eine rasche Inspektion durch die Fenster liess ihn wissen, das niemand zugegen war. Aber es liess ihn auch wissen, das dort Fallen ausgelegt waren. Fallen an den Fenstern, Schnüre, die zu kleinen Armbrüsten führten. Dornen, vermutlich mit einem Gift versehen, welche bei einem unvorsichtigem Griff die Hand trotz Handschuhen aufreissen konnten. Geschickt getarnt, aber er, der selbst schon derartige Fallen aufgestellt hatte, wusste, wonach er suchen musste. Die Tür besass einen solchen Dorn. Welches Gift es war... rasch daran gerochen und er hob überrascht die Augenbrauen. Er hatte mit einem Schlafgift gerechnet - etwas, das jemanden davon abhielt zu fliehen. Doch dies hier war Paralysegift. Wirksamer, aber auch gefährlicher. Zuviel des Giftes mochte Herz und Lunge paralysieren. Man verblieb in der Paralyse, bis man ein Gegengift bekam - es dauerte lange, bis der Körper es von selbst abbaute. Weitere Fallen wurden gefunden und entschärft. Trittplatten, die Auslöser dieser Fallen waren. Alle in direkter Nähe zum Haus. Offenbar explizit für neugierige Nasen wie Cyrion gedacht. Der Krieger wunderte sich, warum der Mann sein Haus so absicherte. Doch liess ihn das seinen Verdacht verhärten. Schlüssel wurden heraus gesucht - es überraschte ihn nicht, das keiner passte. Der Satz Dietriche musste herhalten. Konzentriert arbeitete er, der Blick auf das Schloss gerichtet, immer auf der Suche nach weiteren Fallen. Ein Schlurfen erklang, kam näher, stolpernt, Blätter aufwirbelnd. >Da kommt jemand...< Ärgerlich, aber nicht zu ändern. Er musste sich beeilen. >Noch ein bisschen...< Ein Widerstand war spürbar. >Vorsichtig anheben... was?!< Erst jetzt nahm er das Geräusch bewusst war. Irgendwo hinter dem Haus... Ein Geräusch, das seine Haare sich aufstellen liess. Er konnte es nicht zuordnen, aber er wusste, das er es kannte... Sich erhebend, zog er unbewusst an dem Dietrich. Es klickte, die Tür war offen. Doch sein Blick war weitäugig auf die Häuserecke gerichtet. Seine Hand ging zum Schwert, zogen es mit einem metallischem Schleifen heraus. Sein Herz schlug schneller in Erwartung, doch irgendwie... Der Griff um das Schwert wurde fester. Etwas stimmte nicht... etwas... Als bleiche dürre Finger sich um die Steinwand des Hauses schlossen und ein knöcherner Schädel ihn angrinste, wusste er es. >Falsche Waffe...!< Das Skelett trat vor, eine Axt in der Hand. Ein Zweites folgte ihm, einen Streithammer in diesen bleichen Fingern, welche nur durch Magie und verrottende Sehnen verbunden waren. Bleiche Lichter zeigten sich in den hohlen Augenhöhlen, verfolgten ihn... Er atmete scharf ein, als er erkannte, was sie anstarrten. Das schwarze Schwert sass an seiner Hüfte, das S in der Dunkelheit der Nacht nicht zu sehen. Hielten sie ihn für Malachai? War es das Schwert, das sie zu ihm führten? >Oh Verdammt... Dieser verdammte Mistkerl! Ich bring ihn um!<
Dieser Platz war selten schlecht zum Kampf gegen Skelette... mit einem Langschwert. Bäume und Unterholz, wenig Platz zum ausholen. Viele Möglichkeiten für ein Schwert, sich zu verklemmen. Er musste weg, auf die Strasse. Aber Skelette waren relativ langsam. Er wich zurück, einen Schritt, noch einen, während die Skelette ihm folgten, schlurfend, die Waffen erhoben. Anspannung, vorsichtig die Füsse setzend. Im Dunkeln an einem unbekannten Ort im Wald rennen - na, das wäre der Fehler Krönung. Er biss die Zähne zusammen, den Atem in leisem Zischen ausstossend. Er hatte wichtigeres zu tun, als sich von zwei Skeletten aufhalten zu lassen, hatte keine Zeit für...
Ein knöchernes hohles Geräusch hinter ihm! Etwas schloss sich um seinen Zopf, packte zu und riss an diesem. Sein Kopf zuckte mit einem Ruck zurück, sein Gleichgewicht geriet aus den Fugen. Er stolperte, überrascht, beinahe das Schwert verlierend. Seine Hand ging über seinen Kopf zu seinem Zopf, versuchte, die Spannung zu lösen. Doch spitze Dornen bissen in seine Hand - eben diese Dornen, die fleischlosen Händen nichts ausmachte. Die knöchernen Hände, die seinen Zopf ergriffen hatten, holten aus - mit seinem Zopf fest im Griff. Sein Kopf wurde herumgerissen, sein Körper folgte, als wäre dieser an einer Kette befestigt - wie ein Morgenstern, der auf die Tür zu raste. Die Tür brach auf, als er mit Wucht dagegen knallte, wieder zog etwas an seinem Zopf, ein Ruck nur, dann war er frei und schlitterte über den Boden.
Er versuchte sich abzurollen, doch knallte er nur gegen eine niedrig stehende Bank. Einen Moment benommen, versuchte er sich auf zu richten, suchte nach dem Schwert. Er hatte es fallen lassen, war dieses doch an den Türrahmen geknallt, als er durch diesen geflogen war. Sein Blick fiel auf seinen Zopf. Knöcherne Hände lagen um diesen, drückten zu. Offenbar hatte derselbe Rahmen, welcher ihn des Schwertes beraubt hatte, die Hände des Skeletts abgebrochen. Er erhob sich keuchend, krachselte weiter in das Haus hinein. Sein Schwert... nicht erreichbar. Das zweite Schwert wurde gezogen, matt schimmerte Mondlicht auf dem dunklem Metall, während er Rückwärts ging, bis er an einen Tisch stiess. Verdammt sollte Malachai sein, wenn es wirklich dieses Schwert war, das sie angelockt hatte. Drei Skelette gegen einen... Und er mit einem Langschwert in einem kleinen Raum voller möbel und vermutlich auch Fallen. >Soviel zu Temoras Segen...< ging ein Gedanke bissig durch seinen Kopf. Das Skelett mit der Axt kam herbei, diese hoch erhoben über dem kopf, während seine Gefährten folgten. Er wartete, wartete, bis zum letzten Moment, mit dem Schwert erst im letzten Moment vollständig ausholend. Er sprang zur Seite, mit dem Schwert auf das Rückrad des Skeletts zielend. Er musste genau treffen, zwischen die Wirbel. Musste... treffen..!
Die Axt sauste krachend an ihm vorbei in die Tischplatte, während sein Schwert in die Wirbel auseinander brach. Bolzen zischten durch die Luft, trafen ein Skelett am Kopf und warfen es um. Knochen klapperte hohl. Ein Geräusch, das davon sprach, das ein paar Rippen zerbrachen. Ein anderer Bolzen riss ein Loch in seinen Umhang, während er gegen die Wand schlug und wieder wegsprang. Er musste die Axt bekommen! An diesem hing jedoch noch ein halbes Skelett, die Wirbelsäule unterhalb des Rippenkastens zerbrochen. Aus dem Augenwinkel sah er das Skelett mit dem Hammer kommend und er ging in die Knie, setzte über den Tisch hinweg, dessen obere Platte zerbrochen war, dabei versuchend, die Axt zu greifen. Er spürte, wie etwas an seinem Mantel entlang streifte, hörte, wie der Hammer in die Mauer des Gebäudes donnerte, während er, die Axt ergreifend, versuchte, weiter über den Tisch zu springen. Doch das Anhängsel liess nicht los! Er stolperte, fiel gegen ein Regal. Wieder pfiffen Bolzen durch die Luft, bohrten sich in Bücher! Veilchenblaue Augen weiteten sich in einem bleichem Gesicht, während er auf einen Bolzen starrte, welcher sich einen Handbreit neben seinem Gesicht in die Bücher gebohrt hatte. Wieviele Fallen hatte der Mann noch aufgestellt?! Das Skelett an der Axt griff nach ihm mit einer Hand, doch hatten sich weitere Knochen gelöst, als es mit ihm gegen das Regal donnerte. Schwer keuchte er, als er die Knochen fallen sah und ergriff mit harter Miene die Axt mit beiden Händen, das Schwert fallen lassend. Zorn hatte ihn erfüllt, gährte in ihm, biss in seinen Geist. Zorn auf Malachai, auf diese Skelette hier, auf denjenigen, der sie losgeschickt hatte! Er würde hier verdammt noch mal nicht sterben! Mit einem Heulen holte er aus, donnerte das halbe Skelett gegen die Wand, einmal, zweimal. Knochen brachen, klapperten. Hände liessen ihn und die Axt los. Er hatte die Axt! Sein Kopf ruckte zur Seite und seine Augen weiteten sich. Der Hammer sauste auf ihn zu! Er drehte sich, versuchte mit der Axt den Hieb zu schwächen. Versuchte auszuweichen! Schmerz blühte in seinen Rippen auf, als ihn der Kopf des Hammers streifte.

Schmerzlich verzog er wieder den Mund. Er war selten dämlich gewesen, sich in seinem Zorn zu verlieren, wenn auch nur für einen Moment. Nun - er hatte die Quittung bekommen. Aber mit der Axt hatte er weit bessere Chancen gehabt als mit dem Schwert. Letztlich hatte er sie besiegt. Hatte den Tisch untersucht und seltsamer weise irgendwie im Gefühl gehabt, wo die Fallen waren - gewusst, wo er suchen musste, als wäre die Denkweise des Mannes seiner eigenen nicht unähnlich. Doch die Fallen waren alle ausgelöst worden. Und er hatte interessantes gefunden. Schreiben aus Lameriast, die, im Vollmondlicht gelesen, von einer Inara und einem Sohn namens Marik sprachen. Ein Sohn, der den wenigen Zeilen nach, die er las, ein Baby war. Stolze Worte einer Mutter... Malachai, Inara und Marik. Namen, die ihm Kopfschmerzen brachten - oder stammten diese vom Kampf? Er wusste es nicht genau. Marik... dieser Name. Die bohrenden Kopfschmerzen wollten nicht aufhören. Er musste Malachai's Sohn sein. Konnte Marik der Junge sein? Eiron sein? Er hatte nichts weiter herausfinden können, denn der Krach, den er verursacht hatte, hatte letztlich doch Aufmerksamkeit erregt. Nachbarn waren herbei geeilt, Laternen tragend. Sie wären bald beim Haus gewesen. So hatte er die beiden Schwerter ergriffen und war aus dem Haus geeilt, die Tür hinter sich zuziehend. Wer hinsah, würde zwar merken, das sie nicht mehr richtig schloss, aufgebrochen war, aber das konnte ihm jetzt egal sein. Er war davon gekommen. Wenn diese Nacht sich dem Ende neigte, würde er in Bajard sein und sehen, das er ein Schiff nach Lameriast bekam. Vorher nochmal die Passagierlisten durchsuchen. Er würde den Mann schon finden. Grimmig schlossen sich seine Kiefer zusammen, während er sich die Rippen hielt. Wenn der Mann nicht sein Freund war, wie er vermutete... Nun er würde ihm ein Andenken mitbringen... Er musste ihm schliesslich sein Schwert zurück geben - mit der Klinge zuerst.

Verfasst: Mittwoch 20. August 2008, 22:11
von Cyrion Sha´Ar
Er hatte ihn gefunden... >Wenn er es ist... langsam mit den jungen Pferden.< Aber dieses Pferd dort sagte ihm, das er es war. Alles in ihm liess ihn deutlichst wissen, das er es war. Seine Sinne sangen gerade zu und die Anspannung in ihm war beinahe unerträglich. Er wollte in dieses Gebäude, wollte hineinstürmen und Malachai suchen. Wollte den Jungen in seine Arme nehmen. Es war nicht ein Tag vergangen, seit er erwacht war aus jenem Unfall, den er nicht mit dem Jungen verbracht hatte! Wie lange hatte er ihn nun nicht gesehen? zu lange. viel zu lange! Er wollte ihn wiedersehen, wollte sichergehen, das es ihm gut ging.... Und würde jeden niedermetzeln, der ihn daran zu hindern versuchte. Seine Augen mussten brennend sein, während er zu dem Fenster hochsah, suchend, während er überlegte, wie er in dieses Gebäude kam. Keine Wachen - jedenfalls keine die er sah. Die Fenster... ob dahinter sich Wachen befanden? Die junge Frau kam näher, und sein Kopf schnappte zur Seite, gerade genug, das er sie aus dem Augenwinkel sehen konnte. Ihre Laterne! Sie würden Aufmerksamkeit erregen! Licht vertrieb die Schatten und vertiefte jene, die weiter weg waren. Seine Nachtsicht wurde damit ruiniert und er presste die Zähne so hart zusammen, das sie schmerzten. >Verdammt...< Die Kaputze über sein Haupt ziehend versuchte er sein Aussehen für jeden zu verbergen, der hinunter sah. Wieder ging der Blick zu diesem formidablen Pferd. Das Fell glänzte matt im Mondlicht und war schwarz wie eine Nacht, in der weder mond noch sterne zu sehen waren. Das Temperatment, welches es an den Tag legte, liess ihn wissen, das er mit vorsicht an jenes Tier herangehen sollte... aber er hatte bereits gesehen, was er sehen wollte. "Gehen wir zu mir nach Haus?" fragte die junge Frau, erfreut, behilflich gewesen zu sein, aber auch besorgt. Machte sie sich Sorgen um seine Rippen? Er hatte ihr erzählt, was sich zugespielt hatte bei Malachais Haus. Sie machte kehrt, verliess das Gelände der Akademie und er folgte ihr, doch konnte er nicht umhin, erneut zu den Fenstern zu sehen. Er wollte nicht gehen. Der Junge war in diese Gebäude, er war sich sicher! Doch konnte er gerade jetzt rein gar nichts tun. Er musste abwarten.

Der Besuch bei ihr hatte Folgen gehabt. Die Stirn kräuselte sich ab und an noch, wenn der stechende Kopfschmerz wieder hinter seiner Stirn pochte. Götter, die Frau wusste, welche Fragen zu stellen. hatte ihn dazu gebracht, sich an etwas zu erinnern. Erinnerungen, die mit erheblichen Kopfschmerzen verbunden waren. Ein Nachhall der einhergehenden leichten Übelkeit war immer noch vorhanden. Doch die Bilder... nichts, was er sehen wollte. Nichts, woran er sich erinnern wollte.
Eine junge Frau, nackt am Pfah gebundenl und kurz vor der Auspeitschung. Die Rahaler Gebäude und Mauern hatte er erkannt - wo sonst gab es diesen schwarzen Stein. Doch die Frau... er hatte sie erneut gesehen. Mit Wunden übersäht. Wunden, die die Peitsche gerissen hatte. Nicht mal das Gesicht hatten sie frei von Hieben gelassen. Er kannte Wunden wie diese - sie würden Narben hinterlassen. Narben, die ihren ganzen Körper umspannen würden. Er wusste, das sie diese Narben gehabt hatte. Woher? Das hatten die wenigen Erinnerungen nicht preisgegeben. Diese verletzte Frau hatte in seinen Armen gelegen. Mitten im Wald in einem Baumkreis. Er war sich sicher, diese Frau war seine Ehefrau... die erste, so nahm er an. Und er hatte in der Menge in Rahal gestanden und nichts tun können. Nichts, was er hatte sehen wollen.
Und Malachai... Sie hatten sich über seine Frau unterhalten. Jene, die verschwunden war. Woraufhin auch er verschwand und bald darauf für Tod gehalten wurde. Doch hatte Ayane ab und an jenes Pferd gesehen und daher gewusst, das er noch lebte. Der Grund, warum sie jenes Katana aus Diamand behielt, bereithielt für Malachai. Bis jetzt - Cyrion hatte es ihr abgekauft, gefiel ihm dies Schwert doch.
Malachais Frau... Verschwunden. Er fragte sich, wo sie war, während er gen Hafen ritt. Irgendwo dort musste sich der Rabe aufhalten, hatte er ihn dort das letzte mal gesehen. Der Blick ging schweifend durch die Umgebung, während er weiterhin über jenes zweite unliebsame Bildnis nachsann, welches sich in sein Gedächtnis eingebrannt hatte... Nein... nicht ins Gedächtnis gebrannt... es war mehr, als hätten die Schmerzen den schwarzen Schleier verbrannt, welcher diese verhüllte. >Wenn jede verdammte Erinnerung so derbe wehtut, können mir meine Erinnerungen gestohlen bleiben... Wer braucht die schon?< Aye, wer brauchte solche Erinnungen? Der Anblick der Unterleibs einer Frau, aus dem gerade ein Kind kam, brauchte er wirklich nicht. Vor allem, wenn es nicht seine Frau war. Auch hier wusste er, das dies Malachais Frau war. Dann war er also bei der Geburt von Knirps angewesen gewesen. Eine weitere Erinnerung, die er nicht haben wollte. Warum kein Blick auf die Frau mit dem frischgeborenen Kind im Arm, Malachai an ihrer Seite? Warum musste es gerade ihr Unterleib sein, der Rest der Umgebung ausgeblendet durch einen riesigen Kugelbauch. Das und ein weiteres paar Hände neben seinem eigenen. Die eigentliche Hebamme? Er wusste es nicht. >Ein Mann sollte nicht den Unterleib der Frau seines Freundes sehen...< dachte er noch und schüttelte den Kopf sachte, die Erinnerung vertreibend. Doch wusste er nun, das der Mann in der Tat sein Freund sein musste. Wem anders sein Kind anvertrauen, wenn er und seine Frau verschwanden, als dem engsten Vertrauten. Und was hatte dieser engste Vertraute getan? Ihn angegriffen... Mit aller Schärfe angegriffen, die er aufbringen konnte.
Die Lippen zusammen pressend, blickte er sich um bei dem Steg. Seeleute gingen umher, luden Schiffe aus. Bewohner von Lameriast halfen dabei, nahmen ihre Waren entgegen, gaben dieses zum Verladen ab. Emsiges Treiben für Lameriast sicher, aber für Cyrion, der Bajard kennen gelernt hatte, war es nicht sehr geschäftig. Der Blick ging über die Masten, ins Tauwerk, wanderte über nahestehende Häuser und Bäume. Die Finger wanderten zum Mund und ein scharfer Pfiff erklang. Ein hohles 'Kooorr' antwortete und von einem Dach stieg ein Rabe mit schweren Schlägen in die Luft. Er segelte einen Moment in der Seebrise aufwärts, dann gleitete er auf ihn zu, der im silbrigem Schwarz schimmernde Körper anmutig wirkend. Schon war der Vogel heran, vierhielt einen Moment in dem Wind neben ihm, war dieser stark genug, den Vogel zu tragen, bevor er den ausgestreckten Arm ergriff und die Flügel zusammen faltete. "Na, wo warst du?" gab er leise von sich und strich mit den Fingern gewohnt feinfühlig über die Federn an den Wangen des Vogel.
Einen Moment innehaltent, blickte er auf nichts bestimmtes. Sein Nacken kitzelte. Als würde sich ein Blick in ihn bohren. Wieder Leute, die nur einen Raben und einen Mann sahen, der mit diesem verkehrte? Er drehte sich halb im Sattel herum, beobachtete den Pier. Ein paar Leute sahen ihn in der Tat an, aber einer hatte sich tatsächlich in Bewegung gesetzt, kam auf ihn zu. Selten, das jemand tatsächlich das Wort erhob. Die meisten warfen ihm böse Blicke zu und tuschelten. Es war ja soviel sicherer, zu tuscheln, als tatsächlich mal nachzufragen. Aber immerhin - der Mann hatte Mut. Sich auf eine Auseinandersetzung gefasst machend, musterte er ihn. Ein typischer Seebär, kräftig gebaut, um ein Jahrzehnt, vielleicht zweien älter als er. Vollbart,dieser aber recht kurz gehalten. und der Blick... Er zögerte, runzelte die Stirn. Der Blick zeigte keine Verachtung, keinen Zorn, keine Empörung. Nein... Aufregung ja, aber auch... Erleichterung. Dies machte keinen Sinn... Die Anspannung und Verwirrung musste sich auf sein Pferd übertragen haben, den dieses schlug mit dem Schweif und verlagerte das Gewicht unruhig. Was wollte der Mann... "Cyrion Sha'Ar, der bist du doch?!" die Stimme war barsch und tief, gewohnt, gegen den Wind zu rufen. "Aye, der bin ich." Gab er ruhig wieder, abwartend, während er den Vogel auf seine Schulter lenkte. Besser, beide Hände frei zu haben. "Ein Glück, das ich dich hier finde, Jungchen, ich dacht', du wärst noch in Bajard. Ich hab' bald frei und muss dringend mit dir reden!" Er drehte rasch den Kopf, sich umblickend, ob jemand in der Nähe war, während Cyrion sich nur dachte: >Jungchen...?< und brummte dann in dringlicher Stimme. "Es jeht um Malachai!" Das liess seine Aufmerksamkeit in die Höhe springen! Der Blick scharf und aufmerksam auf den Mann gerichtet, sagte er zu, sich mit ihm zu vereinbarter Stunde zu treffen. Er war doch zu interessiert an dem, was der Mann ihm zu sagen hatte. Lange lag sein Blick dem Mann im Rücken, als dieser sich wieder an seine Arbeit begab.

An sein Pferd gelehnt, vergrub er sein Gesicht in dessen Mähne. Ihm war übel. Übel von dem, was er selbst getan hatte. Was er Malachai angetan hatte, als er diesen Hals über Kopf in seinem Zuhause angegriffen hatte. Seinem Bruder... Er hätte zuhören sollen... Wie er dem Seebären zugehört hatte. Und was er zu hören bekam! Kaum hatte er berichtet, in welchem Zustand Malachai nach Lameriast gekommen war - ein Zustand, an dem Cyrion nicht schuldlos war - hatte der Mann Cyrion inständig gebeten, sich um Malachai zu kümmern, ihn aufzusuchen. Offenbar kannte der Mann Cyrion, ob von Erzählungen, vom Sehen oder dem Gespräch mit ihm, wusste er nicht zu sagen. Er hatte gezögert, den Mann zu fragen, doch dieser hatte bemerkt, das mit ihm etwas nicht stimmte. So hatte er beschlossen, ihn wissen zu lassen, das es ihm an Wissen um Malachais Beziehung mit ihm fehlte. Die Überraschung auf Seiten des Seemannes war gross gewesen, doch was danach kam - dem Mann war der Wille, Cyrion aufzuklären, so deutlich anzusehen gewesen, als hätte es jemand auf sein Gesicht tättowiert. Und dann bestand seine Aufgabe einzig darin, einer langen Erzählung zu zu hören. Malachai, wie er sich an die Leiche seiner alten Liebe klammerte, unwillens, loszlassen und dem Wahn verfallen. Malachai und seine Freundschaft zu Cyrion. Nein, nicht Freundschaft - der Mann war sein Blutsbruder! Dann noch eine auf seemännische Art rauhe Erklärung, das Malachai noch unter einem anderen Namen bekannt war. Eine geheimgehaltene Identität hatte. Mehr dazu konnte er vielleicht auf der Burg erfahren. Burg Eisenwart, wo er jahrelang als 'Schatten der Burg' gedient hatte. Soviele Informationen hatte er erfahren, das ihm der Kopf rauchte. >Götter...< Und jetzt lag Malachai verletzt in der Akademie darnieder. Er musste in diese Akademie! Aber die Wahrscheinlichkeit, das seine Anwesenheit sogar schlichtweg verneint wurde, war hoch. Vielleicht konnte ihm Khazkal, der Burgherr und Fürst zu Lameriast mehr sagen. Konnte ihm einen Grundrissplan geben und vielleicht sogar sagen, wo Malachai vermutlich war. Er war sicher, das Khazkal wissen musste, das sein 'Schatten' Malachai war.Vielleicht konnte er ihm einige Fragen beantworten, die dem Seemann zu beantworten unmöglich gewesen war. Den Kopf von dem Hals des Pferdes hebend, blickte er auf in den Sattel, wo Murelay sass und sich putzte. Er hatte nicht viel Zeit zu verlieren. Mit einem Ruck sass er auf und sandte den Vogel damit in die Luft. Rasch folgte er dem Weg in den Wald, folgte der groben Beschreibung, die der Seemann ihm hatte geben können. Der Vogel gleitete hoch in der Luft hinter ihm her, ein tiefes 'Kooorr' ausstossend.

Verfasst: Dienstag 2. September 2008, 10:36
von Inara Schwarzmourne
Schweissgebadet wachte sie auf und keuchte. Es war nur ein Traum… schon wieder so ein seltsamer Traum…

Sie hatte diese Träume immer wieder, aber sie kam einfach nicht dahinter, was sie bedeuteten.
Ihr war, als hätte sie etwas wichtiges vergesen.. etwas, dass sie noch gewusst hatte, während sie schlief… aber jetzt war es nicht mehr greifbar und verschwand wieder im Nebel der Unwirklichkeit.

Woran konnte sie sich noch erinnern?
Sie stand auf den Zinnen einer Burg und sah auf ihre Hände…sie waren dreckig, als hätte sie kurz zuvor in der Erde gewühlt…jemand rief einen Namen ... wahrscheinlich ihren Namen, doch sie konnte ihn nicht verstehen. Als sie sich umdrehte sah sie nur eine schwarze Gestalt, die statt eines Gesichtes ein schwarzes Loch zu haben schien. Die Gestalt öffnete die Arme, als würde er sie willkommen heissen, doch sie machte ihr seltsamerweise keine Angst….
Das nächste, was sie sah, war sie selbst, aber sie trug merkwürdige Kleidung … nein, nicht merkwürdig… fremdländisch. Sie war gekleidet wie eine Menekanerin! Aber warum? Neben ihr stand ein Mann der ebenso gekleidet war wie ein Menekaner… aber sein Gesicht war wieder nur ein schwarzes Loch. Und dann sah sie das Schwert…es war ein Geschenk für ihn *sie lächelte kurz* Aber… für wen nur? Sie konnte sich einfach nicht erinnern.
Und immer endete der Traum gleich… sie war in einem dunklen, feuchten Gewölbe… ein Keller oder etwas Ähnliches … und sie konnte sich nicht rühren. Sie war wie gebannt und konnte nicht einmal schreien. Etwas hier machte ihr Angst, aber durch die Dunkelheit konnte sie nichts sehen. Ihr war kalt… und dann hörte sie es wieder … dieses unmenschliche triumphierende Lachen ….