Verfasst: Mittwoch 26. März 2008, 19:17
Der Reiz der Unschuld
War einst ein Laienpriester, der Bruder Andriel,
versprach der Anna Dutzinger ne nagelneue Seel',
eieiei, jajaja, versprach der Anna Dutzinger ne nagelneue Seel'.
...
Zieht sie zu sich ins Kammerl, setzt sie auf seinen Schoß,
da dacht' die Anna Dutzinger: "Das Beichten geht famos."
...
Bald schwanden ihr die Sinne, wie leblos sank sie hin,
da hats 'nen kleinen Knacks gegeb'n, die neue Seel war drin.
"Das Lied ist Kirchenverhöhnung!", hatte Darna damals auf Felsenstein noch von sich gegeben, und Melinde hatte der übereifrigen jungen Knappin nur mit dem Ellbogen lachend gegen den Arm gestubst und war mit dem Wäschekorb wieder Richtung Gesindetrakt gegangen. "Du wolltest doch wissen, auf was man aufpassen muß, und das Lied erklärt es ganz gut. Und herrje, Fräulein Darna, Priester sind auch nur Menschen." So hatte sie sie verwirrt zurückgelassen.
Bruder Talarion hatte immer nur von "ehelichen Pflichten" geredet. Sie hatte hier was aufgeschnappt, da was mitbekommen... und recht schnell war man instinktiv dabeigewesen, das stockernste moralversessene Mädchen in einem weiten Bogen um alles herumzulotsen, was anrüchig sein mochte. Und brav folgte sie jedem "Schau da nicht hin", "Lass die beiden mal in Ruhe" und "Geh nicht hinter die Scheune". Als Eileen sie mehrere Jahre später bei loser Scherzerei im Schloß, die sie viel zu spät erst verstand, entgeistert fragte, ob sie überhaupt wisse... was man so... da hatte sie schnell genickt. Doch, wusste sie. So ziemlich. In etwa.
Und hatte nicht die leiseste Ahnung, wie viel Wahrheit, falsch verstandener zotiger Witz und ausweichende Halbwahrheit sich bei ihr zu einem vagen Dunst vermischte.
Man hätte meinen sollen, wo sie sogar schon mal verlobt war, wäre da doch etwas mehr zusammengekommen, doch der Umgang mit Andrey war anders gewesen. Küssen, oh ja, das konnte er, doch ihre Wesen waren beide recht ernst und auf Arbeiten konzentriert, die Momente, in denen sie "miteinander geturtelt" hätten, an einer Hand abzuzählen.
Seine Hoheit war da anders gestrickt, und sie lernte, die Zärtlichkeiten und verliebten Spielereien zu genießen. "Ehrlich gesagt bricht ein Weltbild für mich zusammen", hatte Felicitas gegenüber Adrian kommentiert, "Eine begehrende Darna... das ist neu..."
Vieles war neu. Dieser Ort hier war neu, und es war auch fast neu, mit welcher Zielstrebigkeit sie Adrian eine geraume Weile für sich in Beschlag genommen und hierher entführt hatte. Ihr war neu, nicht selber zwei Verliebte in Ruhe zu lassen, sondern aus dem Zentrum heraus wahrzunehmen, wie alles einen Bogen um sie beide herum machte. Und trotzdem war es eine gehörige Kraftanstrengung, hier und jetzt Raum für sich zu haben und nicht daran denken zu müssen, zum Abendessen besser wieder Zuhause zu sein.
Sie schloß die Augen. "Hörst du diese wundervolle Stille?", hätte sie am liebsten gefragt, doch sie beließ es dabei, dem Geräusch des Wasserfalls zu lauschen. Sie hatte die Arme locker vorne um sich gelegt, es war hier kühl, sie empfand es nicht als unangenehm, trotzdem hatte sie gelächelt und ihn gewähren lassen, als Adrian ihr seinen Ledermantel um die Schultern hängte. Wohlig atmete sie aus, als er die Arme um sie legte und feststellte, sich auch so gut wärmen zu können. Sein Kinn ruhte auf ihrer Schulter, der warme Atem streifte Nacken und Hals. "Hier einfach zuwuchern... wie war das mit dem Waldhaus?", murmelte er und schien ebenso Träumen von ungestörter Zweisamkeit nachzuhängen, "Wurden leider von einem Bären gefressen, sucht uns nicht..." Er hauchte einen Kuß auf die Halsbeuge.
"Drüben steht noch Wein... aber wenn ich jedes Mal entscheiden müsste, was besser schmeckt...", sie drehte sich zu ihm um und suchte seine Lippen.
"Wein wird völlig überbewertet."
In Küsse versunken drängte sie sich gegen ihn, bis das unkontrollierte vom Seeufer wegwandern von einigen Baumwurzeln und einer Sitzbank unterbrochen wurde, gegen die er rückwärts stieß und sich stumpf in eine sitzende Haltung kippen ließ. Der Kuß löste sich einen Moment, indem sie unsicher, wo sie landen sollte, herumruderte - er schmunzelte gewohnt verschmitzt und nach einem frechen ziehen landete sie auf seinem Schoß. Dort blinzelte sie ihn so blöde perplex an, daß er auflachen musste.
"Erschrocken, Mylady? Ihr könnt flüchten, wenn Euch beliebt..."
Flüchten? Mal abgesehen davon, daß er sie immernoch festhielt, wie oft dieses Verhalten von ihr verletzend und völlig übertrieben war, war ihr schon länger klar und sie gab sich redliche Mühe, es abzustellen. Trotzdem war sie sichtlich von der Situation überfordert, der Mund klappte auf und zu.
"Einatmen... ausatmen... sprechen", half er schmunzelnd nach, was ihm einen leichten Boxer in den Bauch bescherte, unter dem er sich theatralisch krümmte.
Doch aller Humor schien bei einem Blick auf sie gerade nicht zu helfen. Die Miene verwirrt, angespannt, kritisch, besorgt, blickte sie sich um wie auf einem schwankenden Floß.
"Wenn es dir unangenehm ist, sag es...", meinte er leiser.
"Ich... es... wir", begann sie unsicher zu haspeln und lief aus irgendeinem unerfindlichen Grund verlegen rot an. Wieder musste er bei dem Anblick schmunzeln und versuchte, sie sanft zu küssen. Nur ein ratloser, fast schon verzweifelter Laut war von ihr zu hören statt des wohligen "Mh", das er kannte. Sie schien in heller Sorge und völlig verunsichert, riß ihn selber nun aus dem Liebestaumel.
"Worüber sinnst du nach?"
Sie wurde nur noch roter.
"Auch wenn Röte eine durchaus schöne Farbe ist, was ist nicht in Ordnung?"
"Dieses Lied...", begann sie sehr zögerlich, "ist nur ein Scherz, richtig?"
"Welches Lied?"
"Das von, ähm... Anna Dutzinger." Er kannte es nicht. "Ich würde es auch nicht kennen", versicherte sie rasch, rot bis über beide Ohren, "aber eine Magd auf Felsenstein hat das gesungen und meinte, es würde schon genug erklären, wann ähm... man...", sie wurde immer leiser, "unzüchtig wird. Aber es ist lästerlich. Und sicher Unfig. Ich meine..."
Sie sah sich um wie auf einem Grill sitzend, unter dessen Rost nur noch kein Feuer war. Er schüttelte den Kopf, das Schmunzeln zurückgekehrt: "Was denkst du denn, daß ich über dich herfalle?"
"Nein...", sie sah ihn entschuldigend an und klang ziemlich verzweifelt - wenn sie da so an gewisse Momente dachte, war sie sich nicht mal da so wirklich sicher. "Aber warum singt sie dann so einen Unfug, man würde vom auf dem Schoß sitzen ein Kind bekommen?"
Sie beobachtete, wie er erst recht verwirrt eine Braue hob - und dann leise auflachte.
"Ich kann dir versichern, solange wir bekleidet sind wird das sicher nicht passieren.
"Aha...", registrierte sie das unsicher zunächst mal. Ja, mit bekleidet oder nicht, hatte das ja auch immer irgendwas zu tun, dieses Argument beruhigte sie doch etwas.
"Solang du mir vertraust... ich denke, ich sollte schon wissen, was geschieht und was nicht."
Ja, sicher wusste er das. Sie atmete bekümmert aus. Und sie wusste das so gar nicht, das stellte sie nun auch beklemmenderweise fest. Sie saß hier als ein ahnungsloses Ding, und vor so einigen Jahren hätte bei ihm jeder gewusst, daß sowas nicht sittlich ausgeht. Diese Person war er aber längst nicht mehr. "Ich vertraue dir", definierte sie schluckend, die Überwindung die sie das kostete, deutlich hörbar.
"Hm, sehr überzeugend klingt das nicht, aber ich werde dir mal glauben."
Entschuldigungsheischend sah sie ihn an und küsste ihn vorsichtig wieder, was ihn auch erfolgreich abzulenken schien - gewisse Taktiken funktionierten bei Frauen offenbar auch ohne Übung. Selber von ihrer Sorge etwas entlassen, merkte sie allerdings, daß sie doch ziemlich unbequem saß und rutschte ihre Haltung korrigierend etwas unbeholfen auf seinen Beinen herum.
Plötzlich stöhnte er auf, seine Augen weiteten sich und er zog schnaufend die Luft ein.
"Aus dem Zimmer erklang Stöhnen, Herr, ich glaub, es war Brendan", hatte Gesine damals sehr ausweichend zugegeben, und im nächsten Moment sah man Meister Roderich wie einen Stier wutentbrannt zum Gemach seiner Tochter stürmen. "Stöhnen, das ist... mh, nicht gut", hatte man ihr lediglich erklärt und sie von dem hinten im Flur aufbrandenen Getöse weggezogen.
Sie starrte Adrian bei diesem Geräusch an und machte einen entsetzten Satz von ihm runter und mindestens einen Meter nach hinten. "Was?!" Adrian rang nach Luft und schien nicht imstande, zu antworten. "Du hast gesagt, ich kann dir vertrauen!"
Was immer da passiert zu sein schien, er war nicht mal jetzt in der Lage, darauf eine Erwiderung außer ein zischendes Atmen zu geben und sinnierend zum See zu sehen.
"Alles... alles in Ordnung?", fragte sie kläglich und gewann noch etwas mehr Sicherheitsabstand. "Wird wieder", brachte er jappsend heraus. Das war doch alles furchtbar. "Ich hab doch gar nichts gemacht..." Sie griff hastig nach dem herunterrutschenden Mantel und schien sich darin verkriechen zu wollen. Adrian erhob sich und versuchte, auf sie zuzugehen, wobei er seltsam breitbeinig und steif ging.
"Es... geht schon...", brachte er leicht kratzig hervor, "Versprich mir nur eines, bitte..."
Sie sah ihn kläglich an. Ja, sicher besser, wenn er sie um Stillschweigen bat.
"Pass bitte in Zukunft auf, wohin du dein Knie rammst."
War einst ein Laienpriester, der Bruder Andriel,
versprach der Anna Dutzinger ne nagelneue Seel',
eieiei, jajaja, versprach der Anna Dutzinger ne nagelneue Seel'.
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Zieht sie zu sich ins Kammerl, setzt sie auf seinen Schoß,
da dacht' die Anna Dutzinger: "Das Beichten geht famos."
...
Bald schwanden ihr die Sinne, wie leblos sank sie hin,
da hats 'nen kleinen Knacks gegeb'n, die neue Seel war drin.
"Das Lied ist Kirchenverhöhnung!", hatte Darna damals auf Felsenstein noch von sich gegeben, und Melinde hatte der übereifrigen jungen Knappin nur mit dem Ellbogen lachend gegen den Arm gestubst und war mit dem Wäschekorb wieder Richtung Gesindetrakt gegangen. "Du wolltest doch wissen, auf was man aufpassen muß, und das Lied erklärt es ganz gut. Und herrje, Fräulein Darna, Priester sind auch nur Menschen." So hatte sie sie verwirrt zurückgelassen.
Bruder Talarion hatte immer nur von "ehelichen Pflichten" geredet. Sie hatte hier was aufgeschnappt, da was mitbekommen... und recht schnell war man instinktiv dabeigewesen, das stockernste moralversessene Mädchen in einem weiten Bogen um alles herumzulotsen, was anrüchig sein mochte. Und brav folgte sie jedem "Schau da nicht hin", "Lass die beiden mal in Ruhe" und "Geh nicht hinter die Scheune". Als Eileen sie mehrere Jahre später bei loser Scherzerei im Schloß, die sie viel zu spät erst verstand, entgeistert fragte, ob sie überhaupt wisse... was man so... da hatte sie schnell genickt. Doch, wusste sie. So ziemlich. In etwa.
Und hatte nicht die leiseste Ahnung, wie viel Wahrheit, falsch verstandener zotiger Witz und ausweichende Halbwahrheit sich bei ihr zu einem vagen Dunst vermischte.
Man hätte meinen sollen, wo sie sogar schon mal verlobt war, wäre da doch etwas mehr zusammengekommen, doch der Umgang mit Andrey war anders gewesen. Küssen, oh ja, das konnte er, doch ihre Wesen waren beide recht ernst und auf Arbeiten konzentriert, die Momente, in denen sie "miteinander geturtelt" hätten, an einer Hand abzuzählen.
Seine Hoheit war da anders gestrickt, und sie lernte, die Zärtlichkeiten und verliebten Spielereien zu genießen. "Ehrlich gesagt bricht ein Weltbild für mich zusammen", hatte Felicitas gegenüber Adrian kommentiert, "Eine begehrende Darna... das ist neu..."
Vieles war neu. Dieser Ort hier war neu, und es war auch fast neu, mit welcher Zielstrebigkeit sie Adrian eine geraume Weile für sich in Beschlag genommen und hierher entführt hatte. Ihr war neu, nicht selber zwei Verliebte in Ruhe zu lassen, sondern aus dem Zentrum heraus wahrzunehmen, wie alles einen Bogen um sie beide herum machte. Und trotzdem war es eine gehörige Kraftanstrengung, hier und jetzt Raum für sich zu haben und nicht daran denken zu müssen, zum Abendessen besser wieder Zuhause zu sein.
Sie schloß die Augen. "Hörst du diese wundervolle Stille?", hätte sie am liebsten gefragt, doch sie beließ es dabei, dem Geräusch des Wasserfalls zu lauschen. Sie hatte die Arme locker vorne um sich gelegt, es war hier kühl, sie empfand es nicht als unangenehm, trotzdem hatte sie gelächelt und ihn gewähren lassen, als Adrian ihr seinen Ledermantel um die Schultern hängte. Wohlig atmete sie aus, als er die Arme um sie legte und feststellte, sich auch so gut wärmen zu können. Sein Kinn ruhte auf ihrer Schulter, der warme Atem streifte Nacken und Hals. "Hier einfach zuwuchern... wie war das mit dem Waldhaus?", murmelte er und schien ebenso Träumen von ungestörter Zweisamkeit nachzuhängen, "Wurden leider von einem Bären gefressen, sucht uns nicht..." Er hauchte einen Kuß auf die Halsbeuge.
"Drüben steht noch Wein... aber wenn ich jedes Mal entscheiden müsste, was besser schmeckt...", sie drehte sich zu ihm um und suchte seine Lippen.
"Wein wird völlig überbewertet."
In Küsse versunken drängte sie sich gegen ihn, bis das unkontrollierte vom Seeufer wegwandern von einigen Baumwurzeln und einer Sitzbank unterbrochen wurde, gegen die er rückwärts stieß und sich stumpf in eine sitzende Haltung kippen ließ. Der Kuß löste sich einen Moment, indem sie unsicher, wo sie landen sollte, herumruderte - er schmunzelte gewohnt verschmitzt und nach einem frechen ziehen landete sie auf seinem Schoß. Dort blinzelte sie ihn so blöde perplex an, daß er auflachen musste.
"Erschrocken, Mylady? Ihr könnt flüchten, wenn Euch beliebt..."
Flüchten? Mal abgesehen davon, daß er sie immernoch festhielt, wie oft dieses Verhalten von ihr verletzend und völlig übertrieben war, war ihr schon länger klar und sie gab sich redliche Mühe, es abzustellen. Trotzdem war sie sichtlich von der Situation überfordert, der Mund klappte auf und zu.
"Einatmen... ausatmen... sprechen", half er schmunzelnd nach, was ihm einen leichten Boxer in den Bauch bescherte, unter dem er sich theatralisch krümmte.
Doch aller Humor schien bei einem Blick auf sie gerade nicht zu helfen. Die Miene verwirrt, angespannt, kritisch, besorgt, blickte sie sich um wie auf einem schwankenden Floß.
"Wenn es dir unangenehm ist, sag es...", meinte er leiser.
"Ich... es... wir", begann sie unsicher zu haspeln und lief aus irgendeinem unerfindlichen Grund verlegen rot an. Wieder musste er bei dem Anblick schmunzeln und versuchte, sie sanft zu küssen. Nur ein ratloser, fast schon verzweifelter Laut war von ihr zu hören statt des wohligen "Mh", das er kannte. Sie schien in heller Sorge und völlig verunsichert, riß ihn selber nun aus dem Liebestaumel.
"Worüber sinnst du nach?"
Sie wurde nur noch roter.
"Auch wenn Röte eine durchaus schöne Farbe ist, was ist nicht in Ordnung?"
"Dieses Lied...", begann sie sehr zögerlich, "ist nur ein Scherz, richtig?"
"Welches Lied?"
"Das von, ähm... Anna Dutzinger." Er kannte es nicht. "Ich würde es auch nicht kennen", versicherte sie rasch, rot bis über beide Ohren, "aber eine Magd auf Felsenstein hat das gesungen und meinte, es würde schon genug erklären, wann ähm... man...", sie wurde immer leiser, "unzüchtig wird. Aber es ist lästerlich. Und sicher Unfig. Ich meine..."
Sie sah sich um wie auf einem Grill sitzend, unter dessen Rost nur noch kein Feuer war. Er schüttelte den Kopf, das Schmunzeln zurückgekehrt: "Was denkst du denn, daß ich über dich herfalle?"
"Nein...", sie sah ihn entschuldigend an und klang ziemlich verzweifelt - wenn sie da so an gewisse Momente dachte, war sie sich nicht mal da so wirklich sicher. "Aber warum singt sie dann so einen Unfug, man würde vom auf dem Schoß sitzen ein Kind bekommen?"
Sie beobachtete, wie er erst recht verwirrt eine Braue hob - und dann leise auflachte.
"Ich kann dir versichern, solange wir bekleidet sind wird das sicher nicht passieren.
"Aha...", registrierte sie das unsicher zunächst mal. Ja, mit bekleidet oder nicht, hatte das ja auch immer irgendwas zu tun, dieses Argument beruhigte sie doch etwas.
"Solang du mir vertraust... ich denke, ich sollte schon wissen, was geschieht und was nicht."
Ja, sicher wusste er das. Sie atmete bekümmert aus. Und sie wusste das so gar nicht, das stellte sie nun auch beklemmenderweise fest. Sie saß hier als ein ahnungsloses Ding, und vor so einigen Jahren hätte bei ihm jeder gewusst, daß sowas nicht sittlich ausgeht. Diese Person war er aber längst nicht mehr. "Ich vertraue dir", definierte sie schluckend, die Überwindung die sie das kostete, deutlich hörbar.
"Hm, sehr überzeugend klingt das nicht, aber ich werde dir mal glauben."
Entschuldigungsheischend sah sie ihn an und küsste ihn vorsichtig wieder, was ihn auch erfolgreich abzulenken schien - gewisse Taktiken funktionierten bei Frauen offenbar auch ohne Übung. Selber von ihrer Sorge etwas entlassen, merkte sie allerdings, daß sie doch ziemlich unbequem saß und rutschte ihre Haltung korrigierend etwas unbeholfen auf seinen Beinen herum.
Plötzlich stöhnte er auf, seine Augen weiteten sich und er zog schnaufend die Luft ein.
"Aus dem Zimmer erklang Stöhnen, Herr, ich glaub, es war Brendan", hatte Gesine damals sehr ausweichend zugegeben, und im nächsten Moment sah man Meister Roderich wie einen Stier wutentbrannt zum Gemach seiner Tochter stürmen. "Stöhnen, das ist... mh, nicht gut", hatte man ihr lediglich erklärt und sie von dem hinten im Flur aufbrandenen Getöse weggezogen.
Sie starrte Adrian bei diesem Geräusch an und machte einen entsetzten Satz von ihm runter und mindestens einen Meter nach hinten. "Was?!" Adrian rang nach Luft und schien nicht imstande, zu antworten. "Du hast gesagt, ich kann dir vertrauen!"
Was immer da passiert zu sein schien, er war nicht mal jetzt in der Lage, darauf eine Erwiderung außer ein zischendes Atmen zu geben und sinnierend zum See zu sehen.
"Alles... alles in Ordnung?", fragte sie kläglich und gewann noch etwas mehr Sicherheitsabstand. "Wird wieder", brachte er jappsend heraus. Das war doch alles furchtbar. "Ich hab doch gar nichts gemacht..." Sie griff hastig nach dem herunterrutschenden Mantel und schien sich darin verkriechen zu wollen. Adrian erhob sich und versuchte, auf sie zuzugehen, wobei er seltsam breitbeinig und steif ging.
"Es... geht schon...", brachte er leicht kratzig hervor, "Versprich mir nur eines, bitte..."
Sie sah ihn kläglich an. Ja, sicher besser, wenn er sie um Stillschweigen bat.
"Pass bitte in Zukunft auf, wohin du dein Knie rammst."