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Verfasst: Samstag 27. Oktober 2007, 15:09
von Liliana van Drachenfels
Wie jeden Morgen, ritt Liliana, nachdem sie die Tränke für den Grafen, einige andere hohe Persönlichkeiten und die Angestellten des Schlosses, zubereitet hatte, zum Schloß um die Tränke zu übergeben. Immer noch hatte sie kein Mittel gefunden, diesen Trank haltbar zu machen, so bereitete sie ihn jeden Morgen frisch zu und brachte ihn sogleich ins Schloß. Freudig überascht sah sie dort Trutta im Gespräch mit dem Grafen. Nachdem sie den Grafen gegrüßt hatte, umarmte sie ihre liebe Freundin sogleich. Trutta war im Laufe der zu einer ihrer besten Freundinnen geworden. In Adelskreisen fühlte sie sich als Außenseiterin und so hatte sie auch keinerlei Freunde. Merkwürdigerweise waren es Bäuerinnen und Handwerkerinnen, sowie natürlich Zoe mit denen sie gut befreundet war.
Doch dem Grafen fiel nun wohl etwas auf, was zuvor niemandem aufgefallen schien. So sagte er zu Liliana "Ihr solltet einmal eure Familienstammbücher durchsehen Frau von Drachenfels" Überascht schaute sie fragend zu Adrian, woraufhin dieser fortfuhr und erklärte daß die Ähnlichkeit von Liliana und Trutta, abgesehen von Truttas gebräunter Hautfarbe frappierend sei.
Daraufhin mußte sie ihm natürlich auch von dem Amulett erzählen und schrieb später am Tag noch einen Brief an den ehemaligen Verwalter von Drachenfels, mit der Bitte das Familienstammbuch derer von Drachenfels zu suchen und im Falle des Erfolges ihr zu schicken. Es würde natürlich wieder einige Wochen dauern, bis der Brief über mehrere verschlungene Umwege den Adressaten erreichte.
Lili war in der Folgezeit oft sehr nachdenklich.. Sie fühlte sich Trutta vom ersten Augenblick, wo sie sich kennen lernten sehr nahe.. Sollte sie wirklich die kleine Eugenia sein? Die Tochter ihres Onkels, der mit seiner ganzen Familie verschollen war... Sie wäre dann ihre Cousine..
Ungeduld.. eine ganz neue Erfahrung für sie.. Es würde noch Wochen dauern.. aber sie konnte es kaum erwarten.
Verfasst: Montag 29. Oktober 2007, 10:43
von Trutta van Drachenfels
Die Vernunft hatte gesiegt. Zurückgelassen, doch nicht weniger aufgeregt als vorher, sah sie dem immer kleiner werdenden Schiff nach, mit dem Liliana, Zoe und Luca nach Menek’Ur fuhren. Sie wollte warten bis sie bis sie wieder zurückgekehrt wären.
Schwer hing das Grau am Himmel und sog zäh die Stunden des Abends ein. Es wurde kalt. Die Hafenmauer bot nur wenig Schutz gegen den auflandigen Wind. Irgendwann gab sie auf hier zu Warten.
Im Haus von Liliana und Zoe war es doch viel behaglicher. Das Feuer im Kamin züngelte gierig nach dem trocknen Holz. So wie der Wiederschein der Flammen das Zimmer erhellte, wurde es wärmer.
Um das Abwarten zu verkürzen, oder doch wenigsten sich die Zeit mit etwas Nützlicherem zu vertreiben, als Löcher in die Luft zu stieren, begann sie mit noch klammen Fingern eine [url=http://www.alathair.de/forum/viewtopic.php?t=26148] Nachricht [/url] an Herr Ravenor zu verfassen.
Als die Botschaft längst auf dem Wege war, lauerte sie wieder auf die Heimkehr der Verreisten.
Verfasst: Dienstag 30. Oktober 2007, 21:21
von Aldred Ravenor
Nachdem er seine Nachricht an Trutta Solma abgesetzt hatte, begann er das erste Mal, über den Zusammenhang und den Sinn dieser verschlüsselten Wörter nachzudenken. Der Magier dachte erneut an die seltsame Energie, die von dem Amulett ausgegangen war und eines der Worte bekam eine neue Bedeutung. Warum war es ihm nicht gleich wie Schuppen von den Augen gefallen?! Auch diese Neuigkeit würde er bei dem nächsten Treffen mit der Frau Solma ansprechen.
Er selbst war nur zu gespannt, was diese ganze Geheimniskrämerei bedeuten mochte und wie sich die Sache entwickeln würde, war das Rätsel erst gelöst. Keine Handlung bleibt ohne Folgen.
Das und vieles mehr schoss ihm durch den Kopf, bevor er sich wieder seinem aktuellen Experiment zuwandte. Der Frosch blökte schon ungeduldig und schlug mit den Flügeln, dass man denken mochte, er würde sich jeden Moment in die Lüfte schwingen, um nach den kleinen Lebkuchenburgen zu schnappen, die grade vom Feuerbaum regneten.
Verfasst: Donnerstag 1. November 2007, 11:44
von Trutta van Drachenfels
Auf einem in gewachstes Leder eingewickelten Päckchen auf das Siegel derer von Drachenfels prunkt, wird am Heilerhaus abgeben. Es enthält einen Buch und eine kurze Nachricht.
Weidenstein Goldblatt 31 Anno 250
Sehr verehrte Lady Lilinana Hochgeboren von Drachenfels!
Glücklicher Weise konnte ich dazumal, trotz des pressanten Fortgangs die Unterlagen der Familie an mich nehmen, so dass ich euch die in Betracht kommenden Dokumente euch unverzüglich zukommen lassen konnte.
Ich hoffe es ergeht euch wohl. Die besten Grüße auch an Euren Bruder Baron Heinrich.
Untertänigst
Euer ehemaliger Verwalter
Verzeichnüs der Persohnen, Geschlecht derer von Drachenfels
Im Kirchspiell Drachenfels in der Grafschaft Drachenfels copulirt und vertrawet.
Die Proklamation erfolgte an drei aufeinanderfolgenden Sonnentagen.
Es wurden feierliche Messen abgehalten
am 2. Eluviar
am 9. Eluviar und
am 16. Eluviar
Am Eluviar 23 Anno 221 am Tage der Sonne sind getrawet:
Arthur von Drachenfels,
Sohn des Baronen Gunther von Drachenfels
und der Baronin Adelheid von Drachenfels, geb. Gräfin von Ringelheim
und
Eileen, Baronin geb. Gräfin von Wiesenburg.
Tochter des Barons Reimund von Wiesenburg und der Baronin Mathilde von Wiesenburg, geb. Gräfin von Hohensonne
Es sind keine rechtmäßigen Ehehindernisse entdeckt oder angezeigt worden. Der Bräutigam und die Braut wurden wechselseitig ihrer Zustimmung befragt. In beiderseitigem Envernehmen wurden sie mit den Trauungsworten verbunden.
Die Trauzeugen waren:
Graf Richard von Tempelfeld, Ritter in Reiche Alumenas
Gräfin Mathilde von Falkenber
Im Kirchspiell Varuna zu Gerimor Copulirt und vertrawet.
Die Proklamation erfolgte an drei aufeinanderfolgenden Sonnentagen.
Es wurden feierliche Messen abgehalten
am 16. Weschselwind
am 23. Weschselwind und
am 30. Weschselwind
Am Eluviar 7 Anno 228 am Tage der Sonne sind getrawet:
Hermann Willhelm von Drachenfels,
Sohn des Baronen Gunther von Drachenfels
und der Baronin Adelheid von Drachenfels, geb. Gräfin von Ringelheim
und
Klara von Sonnehag
Tochter des Grafen Friedrich Traugott von Sonnenhag
und der Baronin Rikardis von Sonnenhag, geb. Gräfin von Rettersberg
Es sind keine rechtmäßigen Ehehindernisse entdeckt oder angezeigt worden. Der Bräutigam und die Braut wurden wechselseitig ihrer Zustimmung befragt. In beiderseitigem Envernehmen wurden sie mit den Trauungsworten verbunden.
Die Trauzeugen waren:
Baron Eugen von Tempelfeld, Ritter der Allianz des Lichts
Egdith Selm, Priesterin
Taufmatrikel
Anno 224, am Tag 23, im Monat Cirmiasum wurde
Finn von Drachenfels
als erster Sohn der Eheleute Baron Arthur von Drachenfels und Baronin Eileen von Drachenfels geboren.
Am Tag der Sonne Anno 224, am Tag 27, im Monat Cirmiasu wurde im Kirchspiell in Drachenfels in der Grafschaft Drachenfels das Kind getauft.
Taufmatrikel
Anno 226, am Tag 15, im Monat Eluviar wurde
Liliana von Drachenfels
als erste Tochter der Eheleute Baron Arthur von Drachenfels und Baronin Eileen von Drachenfels geboren.
Am Tag der Sonne Anno 226, am Tag 23, im Monat Eluviar wurde im Kirchspiell in Drachenfels in der Grafschaft Drachenfels das Kind getauft.
Taufmatrikel
Anno 228, am Tag 18, im Monat Lenzing wurde
Heinrich von Drachenfels
als zweiter Sohn der Eheleute Baron Arthur von Drachenfels und Baronin Eileen von Drachenfels geboren.
Am Tag der Sonne Anno 228, am Tag 26, im Monat Lenzig wurde im Kirchspiell in Drachenfels in der Grafschaft Drachenfels das Kind getauft.
Taufmatrikel
Anno 229, am Tag 21, im Monat Eisbruch wurde
Matthias von Drachenfels
als erster Sohn der Eheleute Baron Hermann Willhelm von Drachenfels und Baronin Klara von Drachenfels geboren.
Am Tag der Sonne Anno 229, am Tag 28, im Monat Eisbruch wurde im Kirchspiell Varuna zu Gerimor das Kind getauft.
Taufmatrikel
Anno 229, am Tag 29, im Monat Goldblatt wurde
Daniel von Drachenfels
als zweiter Sohn der Eheleute Baron Hermann Willhelm von Drachenfels und Baronin Klara von Drachenfels geboren.
Anno 229, am Tag 29, im Monat Goldblatt wurde wegen drohender Todesgefahr zuhause in Varuna zu Gerimor das Kind richtig getauft.
(Verstorben am Morgen des 30. Goldblattes)
Taufmatrikel
Anno 230, am Tag 21, im Monat Rabenmond wurde
Gudrun von Drachenfels
als erster Tochter der Eheleute Baron Hermann Willhelm von Drachenfels und Baronin Klara von Drachenfels geboren.
Am Tag der Sonne Anno 230, am Tag 23, im Monat Eisbruch wurde im Kirchspiell Varuna zu Gerimor das Kind getauft.
Taufmatrikel
Anno 232, am Tag 21, im Monat Schwalbenkunft wurde
Eugenia von Drachenfels
als zweite Tochter der Eheleute Baron Hermann Willhelm von Drachenfels und Baronin Klara von Drachenfels geboren.
Am Tag der Sonne Anno 232, am Tag 27, im Monat Eisbruch wurde im Kirchspiell Varuna zu Gerimor das Kind getauft.
Verfasst: Freitag 2. November 2007, 10:49
von Trutta van Drachenfels
Die plötzliche, sehr überraschende Einladung und der aufregende Besuch beim Emir mit Liliana und Akarius, der sein Wort gehalten hatte und wirklich lammfromm geblieben war, die Heftigkeit des Gefühls, das Liliana bei Nennung der entschlüsselten Zeichen aufbrachte, die Botschaft des Herren Ravenor … das war alles zu viel für sie. Sie fühlte sich ausgezehrt, kraftlos und obwohl sie sich der Freundschaft, der Liebe und des Beistandes ihrer Lieben bewusst war, sehnte sich nach Ruhe.
Der Sturm hatte die ganze Ernte vernichtet. Eluive musste geschlafen haben oder krank sein. Irgendetwas stimmt nicht. Alles war irgendwie nicht so, wie es sein sollte.
Der neue Morgen kroch gemächlich von Osten hoch. Es war erstaunlich ruhig und gefasst begann sie alles in Ordnung zu bringen. Zuerst sortierte sie aus, was nichts mehr Nützte war. Dann verteile sie die Gaben Eluives nach ihrem Belieben.
Tag zuvor hatte sie das Amulett Liliana zurückgegeben. Es gab keinen Zweifel, dass es einst ihrer Tante gehört hatte.
Nun kam das Drückendeste. Sie setzte sich an den Tisch um verschiedene Briefe zu schreiben. Ein Gutes hatte die ganze Geschichte, sie hatte viel lesen und schreiben müssen, so dass sie es nun gut konnte.
Als erstes eine Antwort an Herrn Ravenor. Flüssig und gleichmäßig brachte sie die Lettern aufs Pergament.
Dann ein Schreiben an die Akademie von Schwert und Kunst. Sollte doch ihre persönliche Situation nicht dazu führen, dass die Arbeit der Gemeinschaft behindert würde und aufstrebenden Mitgliedern der Weg durch die Blockierung ihres Amtes verbaut sein sollte.
Es folgte ein einfaches [url=http://www.alathair.de/forum/viewtopic.php?t=26265] Schreiben [/url] an Cedric Steinbeis.
Nun fing es an wirklich schwer zu werden. Zoe oder Liliana zu erst. Sie entschied sich mit einer [url=http://www.alathair.de/forum/viewtopic.php?t=26266] Nachricht [/url] für Zoe zu beginnen. Dann folgte eine [url=http://www.alathair.de/forum/viewtopic.php?t=26267] Botschaft [/url] an Liliana.
Was nun kam war das Schwerste. Wie sollte sie es Akarius nur sagen. Es war einfach feige sich so davon zu machen. Schwerfällig kratze die Feder. Dickflüssig lief die Tinte, eben so zäh, wie sich ihre Gedanken formten. Doch irgendwie schaffte sie es doch, das [url=http://www.alathair.de/forum/viewtopic.php?t=26268] Schreiben [/url] ihn fertig zu stellen.
Nun musste die nur noch die amtlichen Änderungen der Besitzverhältnisse abwarten, dann, so glaubt sie, würde sie frei sein.
[OOC: Ich danken allen Spielern die aktiv mitgemacht und auch denen die im Hintergrund geholfen haben. (Ich lösche Trutta nicht.)]
Verfasst: Donnerstag 8. November 2007, 12:13
von Trutta van Drachenfels
Nach ziellosem Herumirren fand sie in regnerischer Nacht Obdach in einem leer stehenden Gehöft. Es schien vor langer Zeit verlassen worden zu sein. Der windige Gesell hatte sich schon der Türen und einiger Fenster bemächtig und brauste frank und frei, gespenstisch pfeifend durch die entseelten Kammern und Flure. Im Stall fand sie einen geeigneteren warmen Platz im Heu. Die Müdigkeit überkam sie und sie fiel in einen traumlosen Schlaf.
Der Morgen weckte sie mit neuer Entschlossenheit. Hier fand sie Muße zum Ausruhen und Nachdenken. Eigentlich wollte sie nur die Nacht hier abwarten, und obschon ihr Akarius sehr fehlte, wurden es doch einige mehr.
Auf dem Rückweg nach Hause rastet sie einen Tag bei Zoe und Liliana. Schon war wieder alles da, der frische Mut schrumpfte zu einem Mütchen. Das dumpfe Gefühl nicht erkennen zu können, wer sie war, drohte sich wieder breit zumachen. Eigentlich wusste sie es doch. Sie war Trutta die Fischerin, des Akarius Friedelweib. Sie hatte liebe Freundinnen, die mochten, wie sie war.
Liliana holte das Familienbuch derer von Drachenfels hervor. Langsam lasen die beiden Frauen Seite für Seite. An das Meiste konnte Liliana sich erinnern und es als Rechtens erkennen. Rätselhaft blieb nur der letzte Eintrag im Tauf-matrikel.
Liliana gabt Trutta das Amulett zurück. Sie hatte es getragen und sollte es behalten. Konnte Trutta diese Eugenia sein?
Da Trutta Akarius das Buch von Lilianas Familie zeigen, es jedoch nicht mitnehmen wollt, beschloss sie es abzuschreiben. Es war ihr so wichtig, dass sie nach flüchtiger Begrüßung auf Amelies Gesellschaft verzichtet.
Als sie das Buch zuklappte fiel ihr ein Riss am Einband auf. Nach kurzem Pulen war eine Ecke gelöst und gab ein verstecktes Dokument frei.
Erst als sie, unter dem Vorwand sich frisch machen zu wollen, was nach den Tagen in der Wildnis von Nöten war, das Bad für sich hatte, holte sie das Schreiben hervor und las es.
Anno 233 Goldblatt 17
Mein lieber Bruder Arthur!
Vom Orden, wegen meiner Kenntnisse in Kultur, Religion und Sprache, auf Mission hier her beordert, fühle ich mich immer mehr auf verlorenem Posten. Ich sollte ein wachsames Auge auf die wirtschaftliche und politische Lage im Land werfen, die unter den verschiedenen Bevölkerungsgruppen herrschenden Feindseligkeiten und Querelen studieren, um abzuwägen, wie die vielen kleinen missgünstigen Fürstentümer zu einer Zweckgemeinschaft für das Wohl des Reiches Alumenas zusammen geführt werden könnten.
Es gelang mir sehr rasch und leicht den Kontakt zu den Einheimischen zu finden. Klara war und ist es wegen der hiesigen Schicklichkeit nicht vergönnt sich ein zugewöhnen. Jedoch fügt sie sich in ihr Schicksal.
Ich bemerke allerdings ihre ständig wachsende Furcht, trotz meiner Beteuerungen, sie und die Kinder wären hier Sicher. Sie muss ein Gespür dafür haben, es ist unbestreitbar.
Seit unserem Hiersein hat sich die politische Lage dramatisch Verschlechtert. Daran vermögen auch die gelegentlichen Fortschritte nichts verändern.
Manchmal befallen mich Zweifel an der Ehrenhaftigkeit meiner Rolle hier. Im Auftrage des Reiches überfallen wir Handelwege, um dann unseren Beistand anzubieten. Und das alles um unseren Einfluss zu stärken, und dass die kostbaren Handelgüter unser werden.
Vielleicht hat Klara Recht und ich sollte meine Versetzung beantragen. Immer öfter wird von Verrat gesprochen. Ich glaube ich bin schon viel zu stark in die geplanten Aufstände verwickelt, jedoch bin ich nicht blind und kein Narr, um nicht zu erkennen, dass im Falles eines Sieges unsererseits, die gemachten Zusagen nur das Pergament wert sind, auf das geschrieben wurden.
Seit unserem Besuch im Searum Anno 230 auf Drachenfels hat sich vieles verändert. Ich würde nicht so offen schreiben, wenn ich nicht mit dem Schlimmsten rechnen würde.
Zudem kursieren Gerückte, dass ich einen Bastard im Haus hätte. Es heißt auf einem Maskenball hätte sich eine Lady Alma mit einem Korsaren der Hein gerufen wurde, unter zugegeben widrigen Umständen, eingelassen haben soll. Einige behaupten sie sei nicht mehr Herr ihre Sinne gewesen, benebelt von irgend welchen Drogen, andere behaupten es besser zu wissen und sie hätte sich um das Leben ihres Gatten zu schützen hingegeben. Wie dem auch sei, ich kenne keine Lady Alma. Mitte des nächsten Jahrumlaufes ist meine Berufung hier beendet. Ich hoffe wir kommen hier heil raus und werden euch dann auf Drachenfels besuchen.
Den Segen der Schwertträgerin mit dir und den deinen
die besten Grüße an deine Lieben
Dein Bruder Hermann
PS. Zu Klara bitte kein Wort. Es würde sie nur noch mehr aufbringen.
Sie musste erst einmal zu Akarius. Viel zu lange hatte sie ihn der Ungewissheit ausgesetzt, aber dann wollte sie Liliana unbedingt diesen Brief zeigen.
Verfasst: Donnerstag 8. November 2007, 12:27
von Trutta van Drachenfels
Der unermesslichen Weisheit des Emirs von Menek’ur und dem ausgeprägten Forscherdrang des Herrn Ravenor war die Entschlüsselung der Gravur zu verdanken.
TREUE DIR MUTTER
KLARA VON SONNENHAG
Sie Murmelte die Worte bei der Überfahrt immer vor sich. Klara war die angeheiratet Tante von Liliana, die Gattin das Hermann Willhelm von Drachenfels. Doch welche Bedeutung hatten die ersten Worte. ‚Treue dir Mutter’. Es hörte sich nach einem Schwur an.
Zu Hause angekommen fand sie das Haus leer. Nach erster Enttäuschung, war sie froh über den geschenkten Aufschub des Wiedersehens mit Akarius. Langsam schlenderte sie am Wasser entlang. Das schlechte Gewissen drückte sie. Es war feige ihn nur mit einem Schreiben zurück gelassen zu haben, das wusste sie wohl und hoffte, dass er ihr vergeben könnte.
Mit Selinas Worten verflogen die Bilder der Erinnerung an die Begegnung mit Elryk und Oengus vom Clan der MacAgronas, holten sie in die Gegenwart zurück.
Die beiden Frauen hatten sich längere Zeit nicht gesehen, da Trutta ungewöhnlich lange fort war. Selina wollte genau wissen, warum sie verreist und wie es ihr ergangen war. Willig berichtet Trutta, verschwieg auch den geheimnisvollen Brief an Arthur von Drachenfels nicht.
Gegen Abend kehrte Akarius Heim. Reumütig bat sie ihn um Vergebung. Auch ihm zeigte sie das Schreiben. Ähnlich Selinas Ansicht, hielt er es für das Beste nach diesem Hein zu fahnden. Und er riet ihr, Liliana vor erst nichts von dem Brief zu sagen.
Wer war diese Lady Alma?
Wer war dieser Hein?
Warum war der Brief so versteckt worden?
Verfasst: Sonntag 18. November 2007, 14:02
von Trutta van Drachenfels
Den kleinen Hof an Cedric abgegeben zu haben, bedauerte sie keinen Augenblick. Er war ein tüchtiger Bauer, der in seinem Broterwerb Erfüllung fand. Er führte ihre Arbeit beharrlich weiter. Sie brauchte Eluive gegenüber kein schlechtes Gewissen haben.
Die neu gewonnene Freiheit ihren Lebensrhythmus wieder selbst bestimmen zu können, unabhängig davon, dass die Tiere getränkt und gefüttert, die Pferde gestriegelt, die Kühe gemolken, die Schafe geschoren, die Ställe ausgemistet, die Bäume verschnitten, der Honig geschleudert, die Bienen eingefüttert, im Garten gehackt, geharkt, geerntet, gesät, gegossen, gehegt und gepflegt werden müsste, genoss sie ganz bewusst. Der kühle feuchte Herbstwind zauste übermütig an ihrem Hut und blies ihr die Haare ins Gesicht. Mit der Angel in der Hand spazierte sie frohgemut am Strand des Meers entlag und sah dem wilden Spiel der Brandung zu.
Kurz vor Barjard riss Liliana sie aus ihren Träumen. Beide Frauen waren auf dem Weg zu dem kleinen Fischerdorf.
Der Zufall wollte es wohl. Beim ungeschickten Öffnen der Tasche segelte ein Pergament auf den Boden direkt vor Lilianas Füße. Nun war guter Rat teuer. Was sie es auch anstellen würde, unbemerkt konnte es nicht bleiben. Es kam wie es kommen musste. Leise, erst zögerlich, dann das Unvermeidbare annehmend, offenbarte Trutta Liliana den Fund des Briefes von Hermann an seinen Bruder Arthur, nicht ohne ihr die Gründe für das bisherige Verschweigen zu benennen.
Verfasst: Montag 19. November 2007, 14:14
von Trutta van Drachenfels
Ein riesiger Stein fiel ihr vom Herzen, als Liliana sich nicht betrübte, keine Ursache für einen Vertrauensbruch fand, ihr Schweigen als Sorge um ihr Wohl verstand.
Nachdem sie sich ausgesprochen hatten kam jede in Barjard ihren Geschäften nach. Liliana wollte zur Edelsteinhändlerin und Trutta zum Fischer. Sie verabredeten sich in der Bibliothek wieder zu treffen. Liliana suchte nach einem Buch über Kräuter und Trutta wollte die Bibliothekarin nach einem Namenverzeichnis fragen.
Als Trutta zum ausgemachten Platz kam, fand sie Liliana lesend über ein Buch gebeugt. Die reizende Vyra de Lopasz notierte Lilianas Wünsche, aber mit einem Namensverzeichnis konnte sie nicht dienen. Dafür verkaufte sie den Frauen ein altes Gesangbuch das recht abgegriffen war. Der handschriftlichen Kennzeichnung nach, könnte sein früherer Besitzer eine Person aus dem Orden der Temora gewesen sein. Auf welchem Wege das Buch den Weg hier her fand wusste sie nicht zu sagen, machte sie jedoch auf ein Schreiben aufmerksam, das zwischen den Liedern „Ehret und preiset die Mutter der Schöpfung“ und „Lob der Lichtbringerin gerechtes Schwert“ festklebte.
Als erste fiel auf dem durch die Zeit vergilbten Pergament das Wappen auf.
Auf der oberen Hälfte ist auf blauem Grund eine halbe goldene Sonne als Zeichen der Freiheit und Unabhängigkeit, deren mittleres Rund ins Rote geht, zu sehen. Gewellte Strahlen, bei denen sich lange und kurze abwechseln umkränzen den Halbkreis.
Die untere Hälfte des Wappens ist noch mal geteilt. Auf der rechten unteren Hälfte ist ein auf dem Knauf stehendes silbernes Schwert, als Symbol des Krieges und der Staatsgewalt zu erkennen, dessen Schneide einem langen Strahl der oben abgebildeten Sonne gleicht. Auf der linken Seite auf silbernen Grund ist eine rote Wildrose abgebildet. Sie hat fünf gleichgroße Blütenblätter, die regelmäßig um den Butzen gruppiert und durch markante spitze grüne Kelchblätter getrennt sind. Sie symbolisieren die Liebe und Verschwiegenheit.
Auf dem gebrochenen Siegel, das an einem roten Band am Pergament befestig wurde, finden sich die Symbole wieder. Es wurde möglicherweise als Lesezeichen benutzt.
Anno 211 Cirmiasum 13
Erwürdige Mutter Oberin!
Mit diesem Schreiben gebe ich, Gräfin Rikardis von Sonnenhag, Baronin von Rettersberg, Witwe des Grafen Friedrich Traugott von Sonnenhag, itzo noch im Vermögen der Verfügungsgewalt und der Vormundschaft meines geliebten Kinds Klara, selbiges in den Schutz des Klosters der Lichten Götter.
Trotz meines durch Erbrecht zugestandenem Dos, das mir geschäftliche Selbstbestimmung bescheren könnte, wenn ich in der Lage wäre, den erforderten Kriegsdienst leisten zu können, bin ich nicht im Stande für ihr Seelenheil und ihre körperliche Versehrtheit zu bürgen, da meine Mittel nicht ausreichen, mich von der Wiederverheiratung frei zu kaufen. Dieserhalb bin ich gezwungen den Grafen Raimund Bargende II. standesgemäß zu ehelichen du mich seiner ehemannlichen Gewalt zu fügen.
Im Zuge der Verhandlungen forderte er, um seine ökonomische Stellung zu stärken und seine politische Macht zu festigen, Klara sei seinem Kumpanen, einem krumbiegligen grausamen Despoten Graf Angerinka, einem ewigen Widersacher meines lieben verstorbenen Gatten Friedreich Trautgott, versprochen und zu verloben. So ihr 6. Geburtstag gekommen sei, der sich am 25. Ashatar jährt, soll sie auf seine Gemarkung geführt und dort in seinem Sinne erzogen werden.
Aus sicherem Bericht ist bekannt, dass jenem Grafen der hinterhältige Lebensraub meines Ehegatten auf einem Waffengang im letzten Kreuzzug des Reiches, anzulasten sei. Dero mir die Bekanntgabe beim Tribunal zur Rechtschaffenheit verwehrt bleibt, kann und will ich nicht mein Kind in Mundgewalt eines meuchelnden Tyrannen wissen.
Ich hoffe um euer Wohlwollen und Stillschweigen um ihre Herkunft. Wenn sie euer Kloster verlässt, händigt ihr bitte das mitgesandte Amulett als Erkennungszeichen aus. Es ist ein Familienerbstück.
In Vertrauen auf Euch
Verbleibe ich eine Dienerin der lichten Gottheiten
Rikardis von Sonnenhag
Nach erstaunter Verwirrung fand Liliana die ersten Worte. Sie wollten im Kloster nachfragen. Vielleicht könnten sie dort etwas in Erfahrung bringen können.
Verfasst: Donnerstag 29. November 2007, 10:56
von Trutta van Drachenfels
Vor dem leeren Pergament sitzend, in das flackernde Licht der blakenden Kerze sehenden, das nach dem letzen Wachs gierte um dann qualmend zu vergehen, hing sie ihren Gedanken nach.
Die anfängliche Ungeduld und innere Verwirrung war einer besonnenen Ausgeglichenheit gewichen. Sie war gereift und wohl auf dem besten Wege Erwachsen zu werden. Sie hatte gelernt ihre Neugierde Forscherdrang zu nennen, sich zu beherrschen so lange es notwendig war.
Es hatte eine ganze Weile gebraucht, doch nun fühlte sie sich in Residenz derer zu Drachenfels heimisch. Die beiden jungen Frauen waren sich auf der Suche nach Truttas Wurzeln näher gekommen, fanden bestätigt, was sie seit ihrer ersten Begegnung spürten - Schwestern im Geiste. Ihre verblüffende Ähnlichkeit, wohl eine Laune Eluives, verstanden sie als Geschenk.
Die Sorgen um Akarius blieben. Der Akademie zu Schwert und Kunst fehlte es an Schülern. Sein Tatendrank von Desillusionierung erstickt, suchte er nach neuen Aufgaben, wollte sein Wissen weitergeben, seine Fähigkeiten nutzen und erwog der Garde Berchgards oder Varunas beizutreten. Es gab aber diesen dunklen Fleck, der durch die Zeit verblassen, vielleicht immer als ein winziges Mal ihm anhaften würde, und so zögerte er dem Vorschlagt der ehrenwerten Alliestra zu folgen und mit dem Oberst des Hohenfelser Regiments Rondrian Toberen zu reden. Nur mit Mühe gelangt es Trutta ihn immer wieder aus seiner tiefen Schwermut zu holen.
Eine neue Kerze war aufgesetzt. Sie brannte hell und ruhig. Dann griff sie zur Feder und begann ihr [url=http://www.alathair.de/forum/viewtopic.php?t=27201] Schreiben [/url] ins Kloster.
Verfasst: Mittwoch 5. Dezember 2007, 16:20
von Trutta van Drachenfels
Nach dem Hochwürden Victoria Mecandis die beiden Besucherinnen im Schreibzimmer empfangen und sich von ihrem Anliegen ein Bild gemacht hatte, führte sie sie in die riesige Bibliothek des Klosters.
Bücher über Bücher und noch mehr Bücher, unübersehbare Mengen an Pergamentrollen. So viele Regale voller Schriften hatte sie in ihrem ganzen Leben noch nicht gesehen. Selbst wenn alles, was sie bisher gesehen hatte, hier auf einem Haufen zusammen getragen liegen würde, wäre es doch nur eine Welle in diesem Meer geschriebener Worte. Hier nach etwas zu suchen ohne zu wissen was es war, kam der Nadel im Heuhaufen gleich. Trutta befürchtete die nächsten Jahre hier verbringen zu müssen. Liliana ließ sich nicht beirren und sagte: „Am besten wir gehen methodisch vor.“ Die Bücher waren nach Themen geordnet. Es gab hier sehr alte Aufzeichnungen, die die Geschichte Alathairs festhielten, Schriften über die Götter und ihre Tugenden, Biographien und Beschreibungen.
Nach dem was Liliana und Trutta wussten, hatte die Gräfin Rikardis von Sonnenhag ihre Tochter vor etwa 40 Jahrumläufen in die Fürsorge eines Klosters der lichten Götter geben. Die beiden Ordensschwestern Aarine und Ocenana, die Hüterinnen der Halle des gesammelten Wissens, waren sehr freundlich, halfen bei der Suche. Sie wiesen den Suchenden entrechende Regale zu. Das grenzte die Arbeit ein, jedoch blieb noch genug zu tun.
Mit äußerster Sorgfalt sahen sie alte Handschriften und Dokumenten durch.
Verfasst: Freitag 7. Dezember 2007, 12:07
von Trutta van Drachenfels
Die beiden Ordensschwestern hatten sich wieder ihren Aufgaben zugewandt.
Wankend zwischen Hoffnung und Aufgabe suchten Liliana und Trutta mit mehr oder mit weniger Eifer sich gegenseitig ermunternd.
Das Regal, dann hören auf. Ach das auch noch, aber dann ist Schluss. Liliana hielt ein locker zusammengeschnürtes Packen alter Briefe in der Hand. Eine schienen schon zu fehlen. Sorgfältig band sie Bündel auf und nahm den ersten Brief zur Hand. Trutta spürte gleich, dass es DAS sein musste. Vor Aufregung konnte sie kaum und die Lettern erkennen, doch Liliana nickte. So begannen sie die unglaubliche Geschichte der Klara von Sonnenhag zu lesen.
1. Brief
Anno 220 Eluviar
Edle liebste Mentorin und Freundin Edgith!
Der erste Tag der Sonne in Klausur hier bei dem kleinen Kirchlein in Varuna, und doch schon der zweite Tag der Sonne fern ab von den heimischen Gemäuern des Klosters. Ich bin nun in dem Alter, in dem ihr gewesen seid, als die Mutter Oberin mich in eure Aufsicht gab und ihr mir einen neuen Namen. Ihr hab mich mit euren innen Licht an eurer heiligen Belehrung teilhaben lassen. Ihr habt mich in dunklen Nächten getröstet und gewärmt, da ich noch ein Kind war. Ich habe vieles von euch und durch euch gelernt. Nun ist es an mir das Gute, das ihr mir an gediehen habt, weiter zu geben. Die Stelle zu der ich berufen bin, werde ich Morgen antreten. Im Moment bin ich allein hier. Die Spital ist eingereichtet. Ein passendes Haus, in dem Findelkinder ein Heim haben und untererrichtet werden sollen, muss noch gefunden werden.
Das Heimweh ist fast groß wie damals, als ich durch das riesengroße Tor zu euch kam. Das alles hatte ich vergessen. Doch als ich durch das große Tor, das in den Jahren kleiner geworden zu sein scheint, verließ, war alles wieder da. Ich habe ein Amulett bekommen, was einst meiner Mutter gehörte. Es wurde mir am Abend vor meiner Abreise überreicht. In eigenartigen Zeichen, die nicht gleich zu entziffernd sind, ist mein wahrer Name eingraviert worden.
Er ist mir so fremd.
Eluive mit euch! Grüße an die Schwestern.
In inniger Verbundenheit Alma
3. Brief
Anno 222 Alatner
Großmütige teuerste Mentorin und Freundin Edgith!
Wie jedes Jahr zu dieser Zeit, will ich euch Bericht geben. Die im Reiche Alumenas des Sommers aufflammenden Übergriffe der dunklen Diener hatten sich derart ausgeweitet, das wir fürchteten die Stadt würde fallen. Überall wurden eilig Barrikaden aufgestellt und notdürftige Krankenlager errichtet. Noch nie zuvor hab ich so viel Elend und Hoffnungslosigkeit gesehen. Für die Waschung der Toten und ihr letztes Geleit war kaum Zeit geblieben. So wird der Rabe leichtes Spiel mit armen Seelen gehabt haben.
Unter den vielen Verwundeten fand sich einer, in Blut getränktem Waffenrock, auf dem ein Drache abgebildet war. Es war eigenartig. Ich sah nichts anderes mehr als diesen silbernen Drachenkopf. Mir war als rufe er mich, eher er vollends im Blut ersticken würde.
Dem Stapel toter Körper entrissen färbte sich der Kopf des Drachen rot. Ein junger Bursche, geschunden und gebeugt von schwerem Kampfe, den Schild nachschleifend, stürzte weinend auf den aufgebahrten.
Das Herz wollte mir schier zerreißen, als ich ihn so liegen sah. Ohne Rüstung war er in die Schlacht geritten, da eine vormals erhalte Wunde ihm nicht erlaubte eine zu tragen. In einem Rock aus wollnem Tuch mit einem ledernen Wams darüber, verborgen unter dem Waffenrock hatte er sich dem Feind in blinder Zuversicht und Temoras Beistand gewiss, entgegen gestellt.
Einem Wunder gleich konnte er gerettet werden. Nach und nach ließen fleißige Hände die Verwüstungen fortkommen. Einige Narben blieben zurück. Doch das Leben normalisierte sich langsam. Die üblichen Krankenstationen reichten aus um Erkrankte und Verkrüppelte zu versorgen. Nur das Waisenhaus war übervoll und wir hatten Not die kleinen Mäuler zu stopfen.
Baron Herrmann Willhelm von Drachenfels genesen und um einige Narben reicher, kam zum Spital um sich zu verabschieden.
Ich fürchte ihn nie wieder zu sehen. Dabei scheint es mir als würde ein Teil von mir gehen.
Eluives Segen mit euch
In inniger Verbundenheit Alma
9. Brief
Anno 228 Lenzing 1
Großmütige liebste Freundin Edgith!
Ihr, die ihr mich besser kennt als ich mich selbst, ihr, die ihr mir einer Mutter gleich und Freundin seid, sollt es als erste von meiner großen Freude und Glückseligkeit erfahren. Endlich sind alle Widrigkeiten der Heiratspolitik, meine Ebenbürtigkeit zur Genüge erforscht und beglaubigt worden. Ich Klara von Sonnenhag, leibliche Tochter des Grafen Friedrich Traugott von Sonnenhag und seinem Eheweib der Gräfin Rikardis von Sonnenhag, Baronin von Rettersberg bin eine Braut.
Bei den Nachforschungen sind unschöne Dinge ans Licht der Wahrheit gerückt. Meine Mutter hat ihre Hochzeit kein halbes Jahr überlebt. Den raffinierten Machenschaften des Grafen Raimund Bargende II. war nicht beizukommen und ich bin meines Familienerbes beraubt worden.
So weile ich ohne Habe auf dieser Erde doch bin ich reich beschenkt durch die glückstrahlende Liebe.
Ferner bestehen keinerlei familiäre Verwandtschaftsverhältnisse, die eine Heirat ausschließen würden. So will ich meinem Geliebten Herrmann Willhelm eine gute Frau und unseren Kindern, so sie uns beschieden werden sollte, eine gute Mutter sein. Allein meines Alters wegen habe ich noch Befürchtungen. Man einer spottet, ‚Die späte Braut’ hört sie sagen.
Die Proklamation erfolgt wie es die Etikette verlangt, an den drei Sonnentagen vor dem Tag der Vermählung, die am Tage der Sonne dem 7. Eluviar sein soll.
Liebste Freundin wir möchten euch bitten die Messe an jenen Tagen, dem 16. 23. und 30. Weschselwind abzuhalten, und so kein rechtsmäßiges Hindernis, wovor Eluive uns bewahren möge, vorgetragen werden wird, unser wechselseitiges Einvernehmen erfragen und uns gemäß dem Ritus der göttlichen Mutter mit den Trauungsworten zu Einem verbinden.
Es wäre uns eine große Freude und Ehre.
Eluives Segen mit euch
Eure Alma, Klara von Sonnenhag
10. Brief
Anno 230 Alatner
Erlauchte Hohe Priesterin, liebste Freundin Edgith!
Die Kunde von eurer Weihe ist in aller Munde, so möchte ich euch auf aller herzlichste dazu gratulieren. Ich Preise die göttliche Gnade die euch inne ist. Ihr seid verborgenem Wissen teilhaftig geworden. Ihr, eine wahre Dienerin der Schöpfermutter. seid zu großen auserkoren. Ich danke Eliuve, dass sie mich zu euch führte und mich durch euch an ihrer Gnade und Güte teilhaben ließ. Wie gern hätte ich dem Ritual der Weihe beigewohnt und euch Zeugnis abgelegt.
Sicher hat ihr euch verwundert, dass im letzten Jahr keine Botschaft aus meinen Händen bei euch eintraf. Viel ist geschehen Anno 229. Es hat Freude beschert und auch Trauer. Ein kleiner Junge wurde, ein Geschenk des Lebens, wurde von uns begrüßt und umjubelt. Unser Matthias erblickte am 21. Eisbruch das Licht der Welt. Ein unbeschreiblich Gefühl ein so zartes zerbrechliches Wesen in den Armen zu halten. Im gleichen Jahr am 29. Goldblatt folgte unser Daniel. Von Schmerz aufgelöst, tieftrauernd haben ihn, der um einiges zu früh geboren ward, mit Herzensblut tags darauf in den Schoß der Mutter Eluive gegeben. Das Seltsame Geheimnis, das Irrationale des Todes und besonders seines so frühen Todes rührte und besonders unfasslich an. Aus tiefster Niedergeschlagenheit half uns Eliuve zur getrosten Freudigkeit. Unser Kind ist nun wohlbehütet bei ihr.
Im Rabenmond dieses Jahres ist uns ein Töchterchen geschenkt worden, Gudrun. Ein goldiges Kindlein. Auf ihrem Gesicht scheint ein Strahl der vom güldnen Glanz der Ewigkeit zu liegen.
Im Searum dieses Jahres waren wir, mein liebster Gatte Hermann, der kleine Matthias und ich auf Drachenfels eingeladen. Es war ein sehr angenehmer Aufendhalt dort. So konnte ich endlich meinen Schwager und seine reizende Gattin kennen lernen. Ich glaube so viel wie ich dort gelacht habe, habe ich mein ganze Leben zuvor nicht lachen können. Die kleine Liliana, die aufweckte Tochter des Hauses, ist ganz vernarrt in mein Amulett. Es war so schön, dass ich gern wären noch geblieben wäre, aber ich wollte mein Kind in Varuna zu Welt bringen und Hermann Willhelm sollte eine neue Stelle als Diplomat antreten. In der Zwischen Zeit hat er sich gut eingearbeitet und eine Residenz für uns gefunden. Im Frühjahr werden die Kinder und ich ihm folgen.
Alles Gute! Möge Eluive euch Kraft und Freude schenken
Eure Alma, Klara von Drachenfels
11. Brief
Anno 231 Alatner
Erlauchte Hohe Priesterin, liebste Freundin Edgith!
Das erste Jahr fern ab der Heimat war sehr mühevoll, gewöhnungsbedürftig aber auch schön. So war es meinem lieben Gatten und mir vergönnt viel Zeit miteinander und den Kindern zu verbringen. Viele neue Eindrücke bewegen mich. Es ist hier ganz anders als zu Hause. Die hier herrschenden Sitten und Gebräuche sind für mich schwer nachzuempfinden, zu dem die Sprache schwierig zu verstehen und noch schwerer zu sprechen ist. Aber es ist auch gar nicht erwünscht, dass ich Kontakt mit Einheimischen pflege. Weitgehendst halte ich mich an dieses Gebot, da die Menschen zwar freundlich doch förmlich reserviert erscheinen.
Matthias ist mit seinen fast 3 Jahren ein richtiger Wildfang. Auf seinem Steckenpferdchen erobert er sich das neue Reich. Gudrun, ein richtiges Püppchen, beobachte mit wachen Augen alles um sich. Ihre Amme animiert sie ständig zu manchem Grimassenspiel.
Ich bin mir noch nicht ganz sicher, doch glaube ein neues Leben unter dem Herzen zu tragen. Sollte ich nicht irren wird es ein Kind der Sonne und zur Schwalbenkunft geboren werden.
Ich vermisse den Geruch des Herbstes, der in der Luft hängt wenn die Bäume ihr buntes Blätterkleid ablegen. Ich vermisse die kalten Wintertage mit frisch gefallenem weißen Schnee, der in der Sonne funkelt, wie das schönste Geschmeide.
Sorgen machen mir die immer wieder aufkeimenden Unruhen. Ich weiß nichts darüber, höre jedoch gelegentlich davon reden. Hermann Willhelm will mich nicht ängstigen, doch spüre ich, dass er manchmal an die Grenzen seines diplomatischen Geschickes gelangt.
Eluive vertrauend und ihren Segen für euch
Eure Alma, Klara von Drachenfels
12. Brief
Anno 232 Alatner
Erlauchte Hohe Priesterin, liebste Vertraute Edgith!
Bleiern wie eiserne Fesseln liegt die Luft um mich. Das Atmen fällt mir schwer. Die Furcht will mir die Kehle zuschnürten. Hermann Willhelm sagt nichts, aber ich spüre, dass die Lage im Lande sehr angespannt ist. Ich habe Angst um ihn und um die Kinder. Unsere Residenz ist sehr schön, jedoch lässt sie keinerlei Möglichkeiten bei Gefahr zur Flucht. Abends liege ich lange wach und sinne nach, was zu tun sein, wenn die Burg gestürmt werden sollte. Mit Hermann Willhelm kann ich darüber nicht reden. Er wiegelt ab und versucht mich zu beruhigen, ich solle mir den Kopf nicht unnütz zerbrechen. So bin ich ziemlich verzweifelt und allein mit meiner Bangigkeit.
Heute sah ich auf dem Hof dem ein paar alte Weinfässer liegen. Sie liegen schon seit unserer Ankunft dort und niemand hat sie je angerührt. Es wäre vielleicht ein Versteck. Die beiden „großen“ kennen ihren Namen, wissen wer sie sind, aber Eugenia. Sie kam, meine Ahnung war zur Gewissheit geworden, am 21. Tag im Mond der Schwalbenkunft zur Welt und ist ein überaus bezauberndes Mädchen. Sie ist so zart. Wie könnte ich sie wiedererkennen falls wir getrennt werden sollten?
Ich darf gar nicht an so was denken. Vielleicht hat ja Hermann Willhelm Recht und ich sollte mir nicht so viele Sorgen machen
Eluive wird meine Andachten erhören.
Liebster Freundin bitte betet für uns.
Eure Alma, Klara von Drachenfels
Diese Briefe waren der Schlüssel. Zwar blieben immer noch einige Fragen offen, aber alle Pusselteilchen, die sie zusammengetragen hatten, fügten sich zu einem Ganzen zusammen.
Verfasst: Freitag 16. Mai 2008, 20:49
von Trutta van Drachenfels
Was hatte die Suche gebracht? Was war kaputt gegangen mit der Enthüllung des Geheimnisses um das Amulett? Was hatte sie an Einsichten und Erfahrungen gewonnen?
Einmal auf die Fährte gelangt, war es nicht mehr möglich aufzuhören. Wissen zu wollen wo sie her kam, wer sie war, was es mit diesen Träumen auf sich hatte, trieb sie an.
So lange sie nicht wusste, dass ihre Zieheltern sie gefunden und als ihr eignes Kindes großgezogen hatten, war nur diese innere Unruhe und der Alp, der sie Nachts verfolgte. Nun kam die Sehnsucht nach der Vergangenheit, nach der Familie dazu.
Sie hatte ihre Adoptiveltern geliebt und sehr verehrt. Ihr Tod war ein einschneidender Verlust. Sie fehlten ihr so. Das Gefühl, auch wenn sie wusste, dass Akarius und Liliana da waren, sich verloren zu haben, tat weh und klebte wie Pech.
Sie hatte Geschwister, wusste wer ihre Eltern waren. Dieses Wissen warf neue Fragen auf. Wo waren sie? Was mit ihnen geschehen war? Waren sie am Leben?
Das Schicksal, nicht geborgen im Schoße der leiblichen Familie aufwachsen zukönnen, teilte sie mit ihre Mutter Klara. Sie wusste um die Nähe ihre Mutter zu Eluive. Ihr zum Gefallen brachte sie all ihr Wissen und all ihre Kraft für den Dienst der Barmherzigkeit, zum Wohle der Menschen ein, denen es nicht so gut ging, die hungrig und ausgezerrt auf Trank und Nahrung hofften, die krank Heilung ersehnten, die siechend auf Erlösung harten.
Still am Wasser auf eine Astgabel gelehnt, lag die ausgeworfene Angel. Der Sprosser sang tirilierend sein heiter Lied als wollte er alle Welt erfreuen. Unter der Wasseroberfläche zogen dunkle Schatten Kreise um den Köder.
Sie suchte die Einsamkeit. So war es ihr nicht so schwer die Melancholie, die sich tief in ihrem Herzen eingenistet hatte, überspielen zum müssen. Ihre Kusine Liliana merkte es wohl, tat alles um sie aufzumuntern. Akarius war gleichsam besorgt wie hilflos. Seine Nähe tat gut. Er konnte jedoch nicht ständig bei ihr sein. Die Stunden zweisamer Geborgenheit zerrannen unerbittlich, wie der Sand auf Menk’ur.
Die Spitze der Angel beugte sich sanft dem Wasser entgegen, dann bewegte sie sich rasch mit harten Schlägen hin und her.
Sie war schon auf dem Sprung die Angel anzureißen, sank wieder zurück und gab sich ihren Grübeleien hin.
Ihre Gedanken kreisten um Zoe. Lange schon hatte sie sie nicht mehr gesehen. Sie hatte Schlimmes durchmachen müssen. Die schwere Verletzung ihrer Seele heilte nur sehr langsam. Sie rang mit sich. Sie hatte sich verändert und würde nie mehr die „alte“ gute Zoe sein. Sie wollte weg, der Vergangenheit entfliehen, alle Erinnerungen auslöschen, die schlechten wie die guten.
Einfach nur vergessen.
Oh ja! Die Gnade des Vergessens. Auch Trutta kannte diesen Wunsch.
Zoe wollte weg. Ein langer schmerzlicher Prozess, Abwägen zwischen dem eigenen Wollen und den Wünschen der anderen, denen man nicht vor den Kopf stoßen will. Man muss sich entscheiden und seinen Weg finden.
Eine kleine Melodie kam ihr in den Sinn. Sie lächelte versonnen.
Zoe ging weg, wollte auf eigenen Beinen stehen, ihr Leben meistern, neu anfangen.
„Eluive mit dir liebe Zoe“ schickte sie ihren Wunsch auf die Reise.
Wieder hörte sie, wie aus der Ferne, diese leise Weise, reckte sich in die Höhe. Weit und breit war niemand zu sehen.
Schon des Öfteren kam ihr dieses Liedchen in den Sinn. Wo hatte sie es nur schon mal gehört. War es ein Lied, das auf einem Fest vorgetragen worden war? Eines dieser Lieder, das jeder auf den Lippen trägt, dass in allen Gassen und Straßen zu hören ist? So sehr sie sich auch mühte, es fiel ihr nicht ein.
Das letzte Mal, entsann sie sich, hörte sie es beim Krieg um den Erhalt der Insel Lameriast. Gegen diese starken Gegner hätte sie schwerlich etwas ausrichten können, wollte dennoch ihren Beitrag leisten und entschloss sich, sich um die Verwundeten zu kümmern.
Ihre ersten Patienten waren Mitglieder der Akademie. Orks hatten sich plündernd bis zu den Höfen vorgewagt. In der Akademie war grade Krisensitzung und so sprangen alle auf um dem Einhalt zu gebieten. In einem unglücklichen Moment traf eine Keule Max am Kopf. Zum Glück hatte er sie nicht mit aller Macht abbekommen, sank zwar nieder von der Wucht, bliebt aber bis auf eine paar Abschürfungen, unverletzt. Serena traf es härter. Zuerst wusste Trutta sich keinen Rat, war aufgeregt als sie die ohnmächtige Patientin nicht sagen konnte, was ihr fehlte. Da auf einmal hörte sie das besagte Lied. Es machte ihr Mut und vertrieb die Zweifel. Tief Luft holend, besann sich auf Lilianas Worte und ging Punkt für Punkt so vor, wie sie es gelernt hatte.
Als sie den Helm abnahm war er blutig. Die Ohnmacht dauerte recht lange. Bei der Untersuchung fand sie eine Platzwunde am Hinterkopf. Serena kam langsam zu sich. Sie hatte schlimme Kopfschmerzen und ein Schwindel plagt sie, aber das Sehen war nicht beeinträchtigt. Sie erkannte die vorgehalten Finger. Mit ihrer schweren Gehirnerschütterung brachte sie Serena so behutsam wie möglich zum Lager zurück, schnitt die Haare vorsichtig in der Nähe der Verletzung, reinigte die Wunde. Sie war kleiner, als das viele Blut vermuten ließ. Den Umschlag, mit einer Arnikalösung beträufelt, band sie mit dem Kopfverband fest. Dann bekam sie noch einen Tee zur Beruhigung und dass sie gut schlafen konnte. Musste sie doch wenigsten drei Tag das Bett hüten. Mehrmals die nächsten Tage sah sie nach ihr. Ihr Zustand besserte sich Zusehens und erfüllte Trutta mit Stolz und Selbstvertrauen.
Zaghaftes Summen. Hin und wieder ein falscher Ton. Unsicher reihten sie sich aneinander. Stockend, immer wieder nach die rechten Klangfarbe suchend, ertönte eine einfache Singweise.
Kopfschütteln. Die Angel mit blankem Hacken aus dem Wasser hebend, ein neuer Versuch. Es war so vertraut. Harmonie und Glückseeligkeit. Es war so fremd, dass sie sie nicht wiedergeben konnte. Mit jedem neuen Versuch wurde die Melodie der gesuchten ähnlicher.
Es war nicht wichtig. Der Vortag vertrieb trübe Hirngespinste und Bedenken.
Akarius hatte das Haus auf Lamerist, das ihnen lange als gemütliche Bleibe gedient hatte, verkauft. Wehmut über kam sie zu weilen, wenn ihr Weg sie dort vorbei führte. Doch in jedem Ende ist auch ein Anfang. Ob Akarius wusste, dass Trutta gern, der Stimme des Blutes folgend, in der Nähe ihrer Kusine sein wollte, oder ob er gut machen wollte, was sein Vater denen von Drachenfels angetan hatte, war einerlei. Sie vermieden Gespräche darüber. Er hasste seinen Vater, sprach nicht gern von der Zeit auf Drachenfels. Beide, Liliana und Trutta, wussten davon. Jeder ist für seine Taten verantwortlich. Wenn gleich Akarius sich von seinem Vater distanzierte, seinen Namen ablegte, schien ihn doch die Schuld zu drücken. Liliana konnte sich seiner Hilfe bei einem Versuch die Insel aus der Hand Tyrannen von Düsterbruch zu befreien, versichert sein
Ein neues Haus in der Nähe von Lilianas sollte erbaut werden. Der Baumeister zeigte ihnen einige schöne Häuser. Bald war eines gefunden, dass sich gut in die Landschaft einpassen würde und beiden zusagte. Auch wenn hier und da einige Veränderungen wünschenswert waren, hielten sie den Bauplan für das Haus in den Händen.
Akarius hätte Trutta schon damals vom Fleck weg geheiratet, doch Trutta wollte, dass ihre Verbindung mit Eluive Segen geschlossen würde. Das war ihre einzige Bedingung. Nun schien sich alles zu schicken.
Das kleine Lied wurde länger. So wie das Amulett schien es eine besondere Kraft zu haben.
Wenn Akarius seinen Dienst im Reensdorfer Lehn leistete, ging sie hinaus um zu lernen. Sie beobachtet alle Erscheinungen und Vorgänge um sich herum. War neugierig, versuchte den Geheimnissen der Umwelt, der Natur mit allem was sie ausmacht, auf den Grund zu gehen, versuchte hinter das Geheimnis des Ursprungs des Lebens zu kommen. Und langsam begann sie zu begreifen. Sie verehrte Eluive, doch mit einem Male, noch nie zuvor hatte sie das Lied so klar und deutlich vernommen, wusste sie es.
Immer schon war es ihr fester Glaube, dass sie eine Botin der großen Mutter war. Anders konnte sie sich die viele Gaben von ihr nicht erklären. Sie konnte diese Geschenke auch nicht verkaufen und sah es als ihre Aufgabe an, Personen zu finden die es würdig waren sie zu bekommen. Ob es so war wusste sie nicht, aber es war ihre feste Überzeugung.
Das Lied, das sie schon lange kannte, doch nie darüber nachgedacht hatte, konnte nur eine Botschaft sein. Langsam verstand sie, dass Eluive ihr beistand und ihr eine neue Aufgabe zugedacht hatte.
Das Lied wurde für sie wie ein Licht in dunkler Nacht.
Liliana hatte ihr vor lange Zeit einige Stunden in Kräuterkunde gegeben. Als Zoe kam, sie war so gewandt, konnte lesen und schreiben und wusste so unendlich viel, gab sie den Unterricht wieder auf. Es frustrierte sie, weckte Zweifel an ihrer Intelligenz.
Jetzt sah sie vieles anders. Sie konnte sehr gut lesen und schreiben. Hatte für ihren Einsatz auf Lameriast eine Art Schulung gemacht und hatte sich kopfüber in die Praxis gestürzt, hatte Erfahrungen gesammelt in der Behandlung von offenen Wunden und inneren Verletzungen durch stumpfe und scharfe Gestände. Sie wusste dass sie noch viel zu lernen zu hatte, aber sie hatte keine Scheu mehr. Sie hatte ihr Selbstvertrauen wiedergefunden.
Liliana bot ihr mehrfach an den Unterricht wieder auf zunehmen. Vielleicht war es jetzt so weit.
Als der letzte Laut des Gesangs verklungen war, schlief sie mit einem Lächeln ein.