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Verfasst: Dienstag 9. Oktober 2007, 11:53
von Junah
Menek’Ur

Die Sonne legte sich soeben auf das Meer, sich bettend für die Nacht, als es still wurde.
Es war, als hielte die Welt den Atem an, kein Wind wehte, kein Vogel sang.
Dann ein kräftiger Wind, wie aus dem Nichts, erlosch die Kerzen, brachte die Palmen zum Schwanken, die unzähligen Stoffe, die die Straßen Menek’Urs säumten, wehten flatternd, raschelnd.
Als plötzlich die Erde zu schlingern begann…
Die Menekaner brachten sich in Sicherheit, retteten sich ins Freie.
Die Erde bäumte sich auf, erschütterte das Land, lose Gegenstände krachten lautstark zu Boden, Geschirr klirrte, Bücher fielen aus den Regalen…
Der Wind entwickelte sich zu einem Sturm, wehte und zerrte um die Häuser, riss Blumentöpfe hinab, die auf dem Boden zerschlugen.
Dann… wurde es still, der Wind nahm langsam aber beständig wieder ab.
Einige Menekaner hatten sich am Hafen versammelt, als sich eine etwa zwei oder drei Fuß hohe Welle vom Meer direkt auf sie zu bewegte.
Der Hafen und die Schiffe konnten jener Welle etwas der Kraft entreißen, so dass sie sich nur noch wie ein Fluss in die Stadt ergießen konnte.
Wassermassen bahnten sich ihren Weg durch das Stadttor, die mächtige Mauer konnte das Schlimmste verhindern, lautstark schäumten die Wassermassen an ihr, prallten dagegen.
Der Strom spülte sich währenddessen durch das Tor, riss einen Flügel aus seiner Halterung, spülte geradewegs auf den Basar zu, breitete sich dort aus, riss Stoffen, Blumen, Kissen, einfach alles mit, Zeltstangen wurden aus ihrer Verankerung gerissen, so dass die Zeltplanen auf dem Wasser trieben.
Wohl konnten sich alle Bewohner noch rechtzeitig in die höheren Etagen retten, oder sich festhalten, so dass, Eluive sei Dank, kein Menekaner verletzt wurde, oder gar zu Tode kam.
Das Wasser hatte sich in den Straßen und Gassen verteilt, hinterließ eine kleine Verwüstung, überall hatten sich meterlange Wasserlachen gebildet, zerbrochenes Holz schwamm auf jenen, Blumentöpfe hatten ihre Blumen verloren, die Scherben glitzerten unter dem Wasser…
Man war sich einige… Es hätte schlimmer enden können.

Und noch etwas war geschehen…
An der südlichen Stadtmauer war der Sand hinab gesackt, als wäre darunter ein Hohlraum.
Aus dem Sand ragten nun Mauerteile, Spitzen aus altem Sandstein schauten hervor, auf einer riesigen Fläche war es verteilt, breitete sich weit an der gesamten Stadtmauer aus.
Saajids Stadt? Eine versunkene Stadt?

Doch zunächst sollte die Stadt aufgeräumt werden, danach würde man sich um jene Gegebenheit kümmern können, auch, wenn das Interesse und die Neugierde der Menekaner das Gesprächsthema, welches sie während den Aufräumarbeiten hatten, nur jene neueste Entdeckung kannte.

Was würde noch geschehen?
War dies wahrlich nur ein einfaches Erdbeben?
War dort nicht mehr gewesen?
Was wandelte dort unter Erde, was nur geschah dort?

Verfasst: Dienstag 9. Oktober 2007, 13:30
von Jahwarah Bashir
Menek’ur

In verheißungsvollem glühendem Rot schimmerte der Himmel an diesem Tage über der Wüste, als die Sonne den Weg hinter den Horizont antrat. Das gelbliche Gemäuer der Häuser, die die Straßen der Wüstenstadt säumten, schimmerte in sattem Orange und an den Ecken zogen sich die Schatten allmählich in die Länge. Der Tag neigte sich seinem Ende und machte sich bereit sein Werk an die Nacht abzugeben. Doch noch herrschte in den Gassen der Stadt Trubel und Leben, das menekanische Volk sog die letzten warmen Augenblicke auf ehe die Kälte der Nacht Einzug erhielt.

Mit zwei prall gefüllten Salzsäcken auf den Schultern bewegte sich Jahwarah auf den Kontor des Basar edler Künste zu. Sie wollte das weiße Gold dort lagern um es für einen Handel in den Morgenstunden des nächsten Tages bereit zu haben. Die Anstrengungen ihres Tagwerks machten ihr die letzten Schritte ihres Weges schwer, Müdigkeit kroch in ihre Glieder und verbiss sich dort. Die Salzsäcke erschienen ihr doppelt so schwer wie noch zu Beginn des Tages und Jahwarah wünschte sich nichts sehnlicher als endlich das abendliche Bad im Badehaus der Stadt nehmen und anschließend in ihr Bett fallen zu können um sich dem süßen Schlaf hingeben zu dürfen. So sehr hielt sie sich an diesem Gedanken fest, dass ihr der auffrischende Wind im ersten Moment nicht weiter auffiel. Erst als er wie von Zorn besessen an ihrer Kleidung und ihrem Haar zerrte und sie nicht mehr loslassen wollte, wurde ihr klar, dass etwas nicht stimmte. Zwar suchte hin und wieder die eine oder andere Bö die Straßen der Stadt heim, doch nicht in diesem Ausmaß. Selbst am Hafen wehte der Wind niemals derart kräftig und hart. Die grünen Kronen der Palmen bogen sich gefährlich zur Erde hinab, Vorhänge in den Fenstern flatterten in einem wilden Tanz ehe sie von ihren Halterungen gerissen und in die Lüfte gewirbelt wurden.

Erinnerungen drängten sich in Jahwarahs Gedanken, der Sandsturm, der die Wüstenstadt schon einmal verwüstet hatte, wurde wieder lebendig. Noch ehe sich Jahwarah darüber in Entsetzen üben konnte, erzitterte die Erde unter ihren Füssen und brachte ihre Schritte ins Wanken. Um ein Haar hätte es sie von den Füßen gerissen, doch sie konnte sich halten und begann zu laufen. Die Säcke auf ihren Schultern wurden leicht wie eine Feder, getrieben von dem Instinkt der Flucht um sich mitsamt den Tränen in Sicherheit zu bringen. Sand wurde in die Höhe gespuckt, aus den Häusern klirrte und krachte es als die Einrichtung aufgewirbelt wurde und zu Boden fiel. Und nicht nur Jahwarah rannte. Schemenhaft, unfähig genaue Züge zu erkennen, liefen andere ihres Volkes an ihr vorbei, Schreie und Rufe hallten an den Gemäuern wieder.

„Wasser! Wasser dringt in die Stadt!“

Dieser Ruf veranlasste Jahwarah nach hinten zu blicken. Was sie sah, vermochte sie nicht zu glauben. Eine Welle schäumenden Meerwassers spülte über den Marktplatz hinweg, griff nach allem was nicht niet- und nagelfest war und breitete sich grollend in die Nebenstraßen aus. Der feste Griff einer Wache holte Jahwarah aus ihrem entsetzten Staunen zurück, sie hatte nicht bemerkt, dass ihre Schritte versiegt waren. Er zerrte und zog harsch an ihr bis sie sich endlich wieder in Bewegung setzte und ihm folgte. Einen Fuß vor den anderen, keinen klaren Gedanken fassen könnend und sich von seiner Hand lenken lassend. Die Salzsäcke hatte sie losgelassen, sie lagen im Sand um nur kurze Augenblicke später von der rauschenden Flut verschluckt zu werden.

Scharf bog der Menekaner um die Ecke und zog sie mit sich. Mit voller Wucht prallte Jahwarah an ihn, als die Wassermasse an ihnen vorbeischoss. Beißend spritzte es in ihre Augen, kalt drang es durch die Kleidung an ihre Haut. Jahwarah schrie aus voller Kehle, Angst und Furcht brachen aus ihr heraus und ihre Stimme wurde nur von der Brust der Wache gedämpft, an die sie ihr Gesicht drückte.

Dann herrschte Stille. Es war vorbei. Sie spürte wie der Griff des Menekaners sich löste und sie freigab. Jahwarah hob den Kopf und blickte in seine dunklen Augen, die sich vergewisserten dass sie wohl auf war. Und ehe sie begreifen konnte wen sie vor sich hatte, entschwand er schnellen Schrittes aus ihrem Blickfeld um den anderen Angehörigen des Wüstenvolkes zu helfen und das Ausmaß des Schadens zu begutachten. Und in Jahwarahs Kopf machte sich nur ein Gedanke breit:

Ihre Familie! Sie musste sie finden! Ibraheem, Raniya, ihre Eltern! Hadiya, ihre Freundin! Ihnen durfte nichts passiert sein!

Verfasst: Dienstag 9. Oktober 2007, 14:24
von Khalida
Plitsch, Platsch.. machte es wieder und wieder, und es ging ihr ziemlich auf die Nerven! Um sie herum drängte sich eine Pfütze an die andere, waberte und spritzte wenn man hindurchtrat - und rein treten, ja, das wollte sie - kräftig rein treten sogar.
Die Stadtmauer hatte glücklicherweise, nein, selbstverständlich, gehalten, aber dennoch war die Wucht groß genug gewesen um den halben Basar mit wegzuspülen, und umhertreibende Güter wie Geschosse durch das Wasser gleiten zu lassen. Aber all das war nun erstmal vorbei, die letzten Aufräumarbeiten liefen noch - nur südlich der Stadt ging noch etwas vor, was niemand so recht verstand.
Mauersteine.
An sich keine Seltenheit, findet man sie doch rund herum um die Perle der Wüste - doch was, wenn man sie außerhalb der eigentlichen Stadtmauer findet? Auch kein Riesenkäfer schleppt nicht fein säuberlich einige Schritt lange, und wenige Schritt dicke, tonnenschwere Mauer in die Wüste, nur um sie hinterher mit vielen vielen anderen Stücken fein säuberlich in eine Reihe zu stellen. Ach natürlich, und sie vorher noch einzugraben, um Menekanern ein Rätsel aufzugeben - Nein! Das war etwas anderes.

Armaiti hatte Andeutungen gemacht während eines Gebetes - wusste sie unbewusst mehr als die Anderen? Falls ja, würde sie noch einige Antworten schulden, und das sehr bald. Das sie während jenem Gebet völlig weggetreten war schien auch etwas sonderbar zu sein, aber offenbar war es normal, dass Priester und Priesterinnen die ein oder andere seltsame Eigenart mit sich herumschleppen.
Man hatte also ein Erdbeben samt Flutwelle, und einen Haufen Steinwände, und irgendwie sollte sich das alles vertragen. Sie hatte auf Anraten eines Rekruten zugestimmt, die Gegend wo man die Steinwände entdeckt hatte abzugrenzen, um Unwissende zu warnen. Auch wenn sie es niemals zugeben würde, es interessierte sie doch, was sich unter dem Wüstensand versteckt.

Verfasst: Dienstag 9. Oktober 2007, 14:36
von Rajael Masari
Widerwillig löste er sich von der schönen Wüstenblume die er vor dem Schlimmsten der Wassermassen bewahrt hatte. Es galt so viele wie möglich zu bergen und zu finden. Hoffentlich gab es nicht viele Verletzte und - er wollte gar nicht daran denken - auch keine Toten.

Er erinnerte sich an den Sandsturm der vor langer Zeit durch Menek'Ur wütete. Jung war er damals noch gewesen. Doch mittlerweile war er ein junger Mann, der sich dem Dienste der Armee und der Stadtwache angeschlossen hatte. Er hatte geschworen das menekanische Volk vor Schaden zu bewahren. Nun konnte er sich beweisen.

Die leichte Knochenrüstung machte das Vorankommen durch die Wassermassen nicht unmöglich. Durchnässt watete er durch den hüfthohen Strom. Nur mühsam konnte er sich auf den Beinen halten ohne fortgerissen zu werden. Dann plötzlich - genau so schnell wie das Wasser gekommen war - zog es sich in Richtung Meer zurück.

Als der Pegel sank konnte man erkennen welche Zerstörungskraft das Wasser bewiesen hatte. zerschollene Pflanzentöpfe schwammen vorbei, kamen zum Stillstand. Kissen der kunstvoll eingerichteten Basarstände schwammen umher oder lagen aufgeschlitzt auf höheren Ebenen.

Er wusste wer aufräumen durfte, denn als Rekrut musste man oft den Kopf hinhalten. Es fiel ihm aber nicht schwer denn er hatte sich ja schließlich aus ganzen Herzen dazu entschlossen dem Erhabenen und dem Volk zu dienen.

Nach den Aufräumarbeiten machte er sich daran seinen Auftrag zu erfüllen... Kakteenstücke sollte er sammeln für die Weisen, jedoch kam es nicht dazu. Als er durch das Südtor hinausging sah er noch mehr Mauerstücke wie vor ein paar Stunden. Er musste es seinem Vorgesetzten melden. Sollte sich tatsächlich irgendetwas größeres unter dem Sand befinden, war der Boden unter seinen Füßen nicht sicher.

Ein paar Minuten später lief er die aufgetauchten Mauerstücke mit seiner Vorgesetzten ab. Er wollte unbedingt eine Absperrung errichten lassen. Jedoch meinte der Sekban Khalida es reichen Warnschilder - alle paar Schritt - die vor dem Betreten des Sandes warnen sollten. Gut so sollte es sein. Er würde mit den anderen Akemis alle 10 Schritt ein paar Steine auftürmen und ein Warnschild darauf befestigen. Das Volk sollte bestmöglich geschützt sein. Die Katastrophe sollte nicht doch noch im Nachhinein Opfer fordern.

Verfasst: Freitag 12. Oktober 2007, 15:30
von Armaiti Omar
Die Sonne legte sich so eben über das unendliche Meer, tauchte es in ein bizarres, doch warmes Licht, als Armaiti auf einer hohen Düne südlich der Stadt saß.
Still betrachtete sie die Sandsteinreste, die Spitzen, die Kanten, die Ornamente, die aus dem Sand ragten und durch die untergehende Sonne in ein dunkles Rot getaucht wurden.
Langsam begab sich der Kopf zur Seite, die ganze Fläche überblickend.
An der ganzen Südmauer entlang, wo die Wohnviertel dahinter lagen, verliefen die einzelnen, rausragenden, Gemäuer.
Vom Ausmaß würde wahrlich nur eine längst vergessene, eine versunkene Stadt in dieses Bild zusammen passen.
Immer und immer wieder schossen die Bilder jenes Tages durch ihr Gedächtnis, an dem die Erde erbebte und die Welle Menek’Ur überraschte.
Ein Schlund, ein Erdspalt, das Donnern, gleich einer Armee schwer gepanzerter Pferde, die im Galopp über gefrorenen Boden preschte.

Es war längst dunkel, als Armaiti zurückkehrte.
Dennoch wies sie Wachen und Diener an, ein Zelt zu errichten, am westlichen Rand der Südmauer.
Man solle allerlei Gerätschaften herbei tragen, die zu einer Ausgrabung nötig seien.
In den frühen Morgenstunden, Armaiti hatte die Nacht wach im Gebet verbracht, holte man die Priesterin.
Zufrieden sah sie auf die getroffenen Vorbereitungen und segnete jenen Ort, auf das ihrem Volk nichts geschehen würde.
Möge Eluive ihre treusten Kinder beschützen, den Sand festhalten, so er sie zu begraben drohte, die Steine beruhigen, auf dass sie stehen blieben… Möge sie ihren Kindern zugestehen, ein Geschenk zu erhalten…

Vollkommen erschöpft kehrte sie in den Palast zurück, kaum lag der zierliche Leib auf den unzähligen Kissen, zahlte er den Tribut und forderte den Schlaf…

Verfasst: Montag 15. Oktober 2007, 19:27
von Jahwarah Bashir
Menek’ur

Einige Tage waren ins Land gezogen.
Tage voller Sorge.
Tage voller Arbeit.
Tage voller Aufregung.
Und Tage voller Gerüchte.

Nachdem der erste Schock über das Geschehen halbwegs verdaut war, verlor man keine Zeit mit den Aufräumarbeiten. Kein Angehöriger des menekanischen Volkes konnte es ertragen Teile seiner Wüstenperle derart zerstört und durcheinander zu wissen. So packten sie alle mit an. Salzschürfer blieben Cantar fern und Schneiderinnen legten Nadel und Faden beiseite. Zahlreiche Hände schafften den Unrat beiseite, den das Meer in die Stadt getragen hatte, Scherben wurde zusammen gefegt, Proviantkörbe für die fleißigen Helfer zusammengestellt. Die Sonne tat ihr Übriges um die Wasserlachen und Pfützen in den Straßen auszutrocknen und davon zu jagen. Die Stadt sollte ihren alten Glanz wieder erhalten und darin erstrahlen.

Trotz einiger blauer Flecke und Prellungen unterstützte Jahwarah tatkräftig die Arbeiten. Dabei war sie ihrem Bruder Ibraheem über den Weg gelaufen, der im Namen der Armee seine Aufgaben tat. Er beruhigte sie ob des Befindens ihrer Eltern, die zwar sehr unter dem Schock litten aber keine körperlichen Spuren davon getragen hatten. Auch ihre Freundin Hadiya konnte Jahwarah ausfindig machen, teilte sie sich die Aufräumarbeit zeitweise mit ihr. Von ihr erfuhr sie auch, dass Raniya Sahar das Ereignis wohlbehalten überstanden hatte. Jahwarah wäre es lieber gewesen sich persönlich davon zu überzeugen, doch ihre Cousine hüllte sich in Abwesenheit. Vielleicht war auch der Trubel in der Stadt derzeit einfach zu groß, als dass sie sie in der Menge hätte ausfindig machen können. Auch wenn sie keine Sekunde an Hadiyas Worten zweifelte, so blieb ein mulmiges Gefühl im Herzen der Salzschürferin zurück.

Doch das Aufkeimen neuer Gerüchte zerstreute dieses für den Moment. Vor dem Südtor seien Mauerreste gesichtet worden, Teile einer längst versunkenen Stadt! Saajids Stadt? Die Aufregung war groß, auf Weisung des Hauses Omar wurde ein Lager an der Südmauer errichtet, wo allerlei Gerät gelagert wurde, was zu weiteren Nachforschungen von Nöten war. Die Armee sollte sich den seltsamen Mauerstücken annehmen, herausfinden was es damit auf sich hatte. Für die, deren Kräfte und Wissen nicht reichte um an dieser Ausgrabung teilzunehmen, blieb es unterstützende Arbeit am Rande zu leisten. So gesellten sich zu den Gerätschaften Krüge mit Wasser und Körbe mit stärkender Nahrung sowie passende Kleidung und Rüstwerk.

Das gesamte Wüstenvolk fieberte darauf zu erfahren was unter seinen Füßen verborgen lag.

Verfasst: Donnerstag 25. Oktober 2007, 21:43
von Der Erzähler
An der Südostküste Gerimors, am 24. Goldblatt

Sehr seltsame Dinge hatten sich gestern vor der Küste zwischen Bajard und dem Kloster, vor allem auf der Landzunge, wo die Akademia Arcana und der Schrein der Gerechtigkeit standen, abgespielt.

Daß die Erde bebte, war inzwischen ja schon fast nichts neues mehr. Ein Zittern ging durch den Boden - und einige Minuten später nochmal. All jene Wesen, die sich Eluive nah verbunden fühlten, spürten wieder dieses beklemmende Gefühl, als bekämen sie kaum Luft und würden ersticken. Draußen auf dem Meer war dann ein seltsames Phänomen zu beobachten: grellweiße Wolken ballten sich wie eine Gewitterzone zusammen, und aus diesen Wolken bis runter zum Wasser bildete sich eine gewaltige, von Blitzen umspielte Windhose. In hellem blau schien sie zu leuchten.
Es waren diesmal nicht Eluivediener alleine, die etwas spürten: Temora stark zugewandte Seelen erlebten Furcht, als drohe ihnen, der Boden unter den Füßen weggezogen zu werden. Sollte der Schrein der Gerechtigkeit gar in Gefahr sein?

Kleinere Wellen fingen derweil an, höher als normal gegen die Küste zu platschten, einige Angler brachten sich schnell in Sicherheit, einiger bajarder Unrat wurde mit ins Meer gerissen. Dann löste sich aus der gewaltigen Windhose eine kleinere und raste fast wie gelenkt wirkend auf die Landzunge zu.
Das kleine Wäldchen, in dem Flügelaffen und Kopflose wandelten, wurde direkt getroffen und verwüstet - doch fielen die untoten Wesen sogar schon einfach wie leere Hüllen um, bevor die fremdartige Naturgewalt darüberrauschte.
Völlig schadlos verblieb der Schrein der Gerechtigkeit - umso härter traf es die Akademia Arcana: die entfesselten Gewalten aus Wind, Wasser und Blitzen gingen über dem Gebäude nieder, wieder wurde der Boden erschüttert und drinnen schrie der Akademiemagier Seraphim, als die Wände zu reißen begannen und Dachschindeln zu Boden fielen. Gerade wollte er selber sich zur Tür retten, als das Mauerwerk neben ihm einstürzte und ihn verletzte, zu Boden riß.
Heldenmutig hatten drei Personen draußen sich dem Spektakel genähert und versuchten, den eingeklemmten Mann drinnen zu retten, während um sie das blanke Grauen zu toben schien. Über dem Dach der Akademie sammelten sich mehrere Blitze zu einem gewaltigen Kugelblitz, der das Haus hoffnungslos auseinanderriß, gerade konnten die Menschen selbst noch sich und wenige wertvolle Bücher retten. Drinnen geborgen, ereilte draußen makabererweise Seraphim doch noch der Tod, als eine der Säulen neben ihm umkippte und den Mann unter sich begrub.
Man barg die Leiche.

Direkt nördlich der Akademie riß gar der Boden in einer tiefen Erdspalte auf, aus der Tiefe klang ein durchweg seltsames Geräusch, während gar ein wenig Lava an die Oberfläche trat: Wie ein unmenschliches Seufzen klang es, dumpf, langgezogen, eher in den Eingeweiden zu spüren, als zu hören.
Was dann nur wenige Augen noch beobachteten, war eine schmale Wasserwand, die nochmal auf die Küste zuraste, doch teilte sie sich wie ein majestätischer Flügelschlag, und mit einem Knall gingen zu beiden Seiten die Wassermassen noch auf dem Meer nieder. Ein befreiender Knall - wo zuvor Beklemmung und Atemnot geherrscht hatten, füllte sich die Lunge mit herrlichster Luft, stärkte, gab Zuversicht.

Dann, wenige Momente... Stille. Stille, die man zu hören vermeinte, denn auf ganz Gerimor schienen Welt und Tierreich kurz andächtig zu schweigen. Die Wolken rissen wieder auf, gaben den klaren blauen Himmel frei.
Was mochte das alles gewesen sein?

Verfasst: Mittwoch 31. Oktober 2007, 01:06
von Der Erzähler
Lameriast, am 30. Goldblatt

Ein klarer Sternenhimmel spannt sich in den frühen Abendstunden über die Welt. Die Kühle des Herbstabends lädt zu einem geruhsamen Abend in trauter Runde ein, das erste Feuer im Kamin zu entfachen und ein Glas Wein zu genießen. Doch die Ruhe währt nicht lange...

Aus vereinzelten Wolkenfetzen werden Wolkenbänke, ein aufgetürmtes Gebirge aus düsterem Grau. Hunde beginnen ruhelos zu bellen, Katzen verschwinden spurlos, Pferde werden unruhig. Regentropfen fallen über ganz Lameriast, verdichten sich zu schwerem, eiskaltem Schneeregen. Wind heult um die Häuser, reisst einzelne Äste ab und rüttelt an kleinen Hütten. Kleine Kinder weinen in ihren Betten, so mancher drückt ein Kissen fest über seine Ohren um trotz des Lärms schlafen zu können. Doch diejenigen, die der Mutter in tiefer Neigung verbunden sind, spüren das drohende Unheil an ihnen nagen.

Anders sieht es im Westen der Insel aus. Hier tobt und heult der Sturm wie eine klagende Rachefee über das Land, entwurzelt einzelne Bäume und holt Schindeln von den Dächern. Blitze zucken vom Himmel und beleuchten eine apokalyptische Szenerie, Schwärze erfüllt von der tobenden Naturgewalt. Wer sich nach draussen wagt, wird vom tosenden Wind rasch erfasst und erst vom nächsten Widerstand gebremst. Nur die Verzweifelten wagen sich nach draussen, um Vieh und Hof zu retten - ständig in Gefahr, von abgerissenen Ästen und Trümmern erschlagen zu werden. Die gesamte Nacht wütet der Orkan, hinterlässt tote Tiere und zerstörte Felder, abgedeckte Häuser. Erst im Morgengrauen flacht der Sturm ab und entlässt seine Opfer aus ihren Hütten, die Türen verbarrikadiert und schlaflos lauschend.

Zurück bleiben verstörte Tiere, angewehter Unrat und verstreute Habseligkeiten.

Verfasst: Mittwoch 31. Oktober 2007, 10:54
von Serendo Radil
Gepeinigt und geschwächt durch die jüngsten Ereignisse, blickte er gar wie Rat suchend auf jenen Fleck, welcher das plötzliche verdorren seines, sonst nur o von leben und Kraft nur sprühenden, Stabes kennzeichnete.
Faulig war der Geruch, den die Anwesenden in ihren Nasen vernommen.
Die Ruhe, der Schmerz jener Unfassbarkeit, welche sich im gleichen Zuge breitmachte, als aufgrund der fehlenden Stütze zu Boden sank, war dem Derwyddon (Erzdruide) wie ein plötzlicher Schlag in seinen Magen.
Ratlosigkeit, nach einem ohnehin recht betrübenden Gespräch zwischen dem Druiden und den Elfen des Nebelwaldes, machte sich in allen Gesichtern breit.

Als ob dem Druiden nicht schon genug Sorgen und auch Mühen plagten.
Die jüngsten Ereignisse nagten sehr an Serendos Kräften.
Das zerren an Eluive’s Werk, ihrem Lied verspürte wohl ein jeder Hörende.
Gar jener unsegliche Frevel, welcher sich in Rahal zu zog war es, welcher Serendo ein solches zu erstickendes Gefühl bereitete und ihm den Drang schenkte jenen unüberlegten Weg zu gehen welcher ihm fast sein Leben kostete.

Ihm sog es dorthin, wo an jenem Tage die Kraft des Liedes sich konzentrierte…
Die Wachen Rahals, welche den Zugang zur Stadt versperrten, folgten den Anweisungen jener Dunkeln Templer und des Hauptmannes blind und ohne Widerrede.

Doch eine Illusion war es zum Schluss, welche sie vor den Toren dieser Palisaden zu verteidigungslos zu Boiden brachten.
Eine Illusion…
Serendo blickte noch eine lange Zeit zu diesem Ereignis zurück.
Im inneren gepeinigt von jenem unüberlegten, doch aber sehr aufschlussreichen Gang, trieb es den Derwyddon zur einzig nicht sicheren Zuflucht den Nebelwald.

Da standen sie nun. Zwei Elfen, ein junger Wanderer, welcher nach inneren Antworten suchte und ein erstarrter, nach außen hin, Rat suchender Druide.

So gestaltete wieder einmal sinnbildlich der Kreislauf allen Seins.
So man nach etwas verlangt und es sich nimmt oder es einfach bekommt, verlagert sich das Gewicht auf eine Seite.
Die zerreisende Suche, nach einer vermeidlichen Antwort über jene Welt zerrütteten Ereignisse, zollte ihren Tribut und verlangte nach einem Ausgleich…

Doch galt es nun zu Ruhen, zu verstehen was neben diesen ganzen Ereignissen sich auf den Erzdruiden niederlegte…

Stille und Ruhe mag das Meer ereilen. Keine Möwe mag mehr über die See gleiten. Und kein Fisch sich in das zurückziehende Wasser wagen.
Doch auch jede noch so ruhige und schwach wirkende Woge kehrt am Zenit ihres höchsten Standes erstarkt und unaufhaltsam zurück…

Verfasst: Mittwoch 31. Oktober 2007, 11:12
von Andreana Steinschmelz
Noch schnell die letzte Säcke mit Sand auf die Pferde laden, dann kann es endlich nach Hause gehen. Die Hände schmerzten vom vielen Schaufeln, die Pferde kämpften mit der Last und der Sand war in der ganzen Kleidung und im Haar, ja überall zu finden. "Endlich ein Bad nehmen" dachte sie sich. Und sehnsüchtig lächelte sie in Vorfreude darauf. Malte sich aus, wie sie ihm warmen Wasser badend die wohltuhenden Mixturen von Zoe genoss. Das würde ihren Händen gut tun...

Doch was war das?

Erst jetzt merkte sie die drohende Gewitterfront im Nordwesten. Und nun frischte auch noch der Wind auf und es wurde kalt. Fluchend befestigte sie die letzten Säcke auf den Packsatteln und gerade als sie den Heimweg antreten wollte, brach das Unwetter herein. Ein regelrechter Wolkenbruch war das. Und das Wasser war eiskalt. Eilends lief sie zur nahen Taverne und brachte ihre Tiere im dortigen Stall in Sicherheit.

Völlig durchnässt betrat sie nun die Taverne und bat erst einmal um ein paar trockene Decken, die man ihr auch gleich mit einem Becher heißen Tee brachte. So saß sie nun in der Taverne in Decken gewickelt und wärmte sich auf. Das was von draußen zu hören war, ängstigte sie. Wanderer, die sich ebenfalls in Sicherheit gebracht hatten, erzählten, dass es wohl ganz im Westen am Schlimmsten sein musste. Dort lag Neuhaven und die Akademie. Ängstlich kreisten ihre Gedanken um das, was dort wohl geschehen könnte. Und raubten ihr den Schlaf.

Am nächsten Morgen, ohne ein Auge zugetan zu haben, wanderte sie nach Hause. Das Unwetter hatte sich gelegt. Aber überall lagen abgerissene Äste und umgestürzte Bäume. Und dann kam sie in Neuhaven an. Zuerst wollte sie sehen, ob ihre Hütte es unbeschadet überstanden hatte. Doch schon von weitem konnte sie die Schäden am Dach erkennen und das Chaos im Garten sehen.

Seufzend begutachtete sie die Schäden. Das Dach muss neu gedeckt werden. Die Gerüste der Baustelle sind umgeworfen worden. Aber nicht nur das. Der Garten total verwüstet. Die Bienenstöcke umgeworfen und der Zaun an einer Stelle zerstört von einem abgerissenen Ast der nahen Bäume. Und ihre arme Ziege. Sie konnte sich nicht in Sicherheit bringen und wurde von diesem Ast erschlagen.

Sogleich machte sie sich daran, die Unordnung aufzuräumen...

Verfasst: Mittwoch 31. Oktober 2007, 12:06
von Thoran Wynther
Gummelnd folgte er Moiras Bitte sich mit Elina zu unterhalten die grade wutentbrannt aus dem Haus gestürmt war. In solchen Momenten hasste er sein weiches Herz dass ihn immer wieder nötigte Hilfe zu leisten.
Gestern abend noch hatte er Elina das Leben gerettet indem er ihr zumindest notdürftig die offene Wunde behandelt hatte und jetzt einen Tag später stand er nun vor Moiras Haus, den Mantel enger ziehend ob des kalten Windes. Noch dachte er sich nichts dabei und ging zu Elina ans Ufer.
Was sollte er ihr bloss sagen? Er sollte sie wieder hineinholen und lachte bei diesem Gedanken innerlich. Sie schien doch eh nur zu tun wozu ihr grade war ... aber gut.

Moira stand im Inneren des Hauses am Fenster und beobachtete die beiden wie sie am Ufer sassen und sich unterhielten. Und nun begann es auch noch zu regnen. Wieder verfluchte er seine Hilfsbereitschaft als der eiskalte Regen ihm ins Gesicht schlug. Schreiend musste er sich mit Elina unterhalten da der Wind nun immer heftiger wehte und da sich nun auch schon Schneeflocken in den Regen mischten wurde er langsam unwirsch.
Plötzlich sprang Elina auf und ging - nein sie rannte - zu Moira die nun hinter ihnen stand, hochschwanger wie sie war. Mit mütterlicher Entschlossenheit zog sie Moira zurück ins Haus, sie tadelnd ob ihrer Unvernünftigkeit und er sass perplex am Ufer. Völlig durchnässt, den eiskalten Wind im Rücken und nun völlig sauer. Wie ist er bloss in dieses Familiendrama hineingeraten? Was hatte es ihn eigentlich zu scheren ob Elina das Weite suchte und Moira sich vor Sorgen verückt machte. Es war nicht seine Familie! Es war nicht sein Problem!
Und trotzdem ging er nicht nach Hause sondern schlug dreimal mit Kraft gegen die nicht abgeschlossene Tür, die daraufhin nachgab und vom Wind getrieben weit aufschlug und den Sturm ins Haus brachte. Er musste sich gegen die Tür drücken um sie wieder zu schliessen und stand einen Moment nachdenklich im Raum. Er ging nach oben wo Elina versuchte Moira dazu zu bewegen sich trockenes anzuziehen um das Kind nicht mit einer Erkältung zu gefährden. Doch weigerte diese sich. Am oberen Treppenende erhebte er nun seine Stimme - laut aber nicht schreiend - fragend ob beide denn nun so weit wären sich vernünftig zu unterhalten. Beide verstummten. Moira begann nun trockene Kleidung herauszusuchen und gab auch ihm welche. Wortlos nahm er sie und ging nach unten sich umziehen und die nassen Sachen vor dem Ofen ausbreitend.

Nachdenklich stand er am Fenster und dachte an sein Haus und an Marina die draussen am Anbindepfosten stand. Hoffentlich suchte sie sich einen sicheren Platz. Angebunden war sie nicht und er musste sie mit Sicherheit suchen gehen. Am liebsten wäre er gleich gegangen doch der Blick nach draussen gebot der Vernunft es sofort zu verbieten. Somit setzte er sich und wartete was denn nun passieren würde.

Später am Abend dann als sich beide beruhigt hatten und er Elina noch die Verbände gewechselt hatte, schlug er Moiras Angebot aus in ihrem Haus zu übernachten und machte sich auf den Weg über die verwüstete Insel nach Neuhaven zu seinem Haus. Überall lagen umgestürzte Bäume aber es war beunruhigend ruhig. Nach dem Sturm schienen alle Geräusche verloren gegangen. Weggeweht und aufs Meer hinausgetragen. Als er an Andreanas Haus vorbeikam schauderte ihm als er die Schäden sah und auch die anderen Häuser an denen er vorbeikam sahen nicht besser aus. So erstaunte ihn der Anblick seines Hauses nicht.

Marina stand zitternd und völlig durchnässt auf der Veranda gegen die Tür gedrückt. Er nahm sie für die Nacht mit ins Haus. Die Laternen aussen am Haus fehlten alle. Das Fenster an der Rückseite des Hauses war zerbrochen und ein darunter war es nass von der Gischt die der Wind gegen das Haus getrieben hatte. Einige Schindeln fehlten auf dem Dach aber nachdem er alles begutachtet hatte fand er dass er noch Glück gehabt hatte.

Morgen würde er nach dem Gildenhaus sehen und schauen wie es dort aussah. Aber zuvor musste er hier aufräumen.

Verfasst: Samstag 3. November 2007, 19:11
von Serendo Radil
Ein toter Holzstab ruhte angelehnt an der Schulter des Derwyddon. Ungewohnte Stille herrschte im Haine Vernementons. Gar die Vögel und jene anderen Bewohner hüllten sich in einem, von einer trauernden Vorahnung geprägtem, Schweigen.
Die weiße Kapuze des Umhanges hing tief im Gesicht Serendos.
Er mochte keinen Wimpernschlag von sich geben, währenddessen seine Augen leer und ohne einen festen Punkt zu Boden blickten.
Für niemanden im Hain sollte dies bis zu diesem Punkt als ungewöhnlich erscheinen.
Hatte er doch allen Grund dazu die Tage mit Nachdenken über die ganzen Geschehen zu verbringen.

Doch als währen jene Geschehen, welche die Welt erschüttern nicht genug, so offenbarte sich dem Erzdruiden wieder einmal die schon fast gewohnte Torheit der Bewohner Rahals.
Blind folgen sie bis zu diesem Tage den gefallenen Sohn Eluive, welcher seine Ziele einzig darauf legen mochte, seine niemals zu befriedende Gier nach…
Was mochte es sein? „Anerkennung“

An jenem Tage jedoch spielte es für Serendo keine Rolle mehr. Dem göttlichen könnte nicht mal ein Erzdruide entgegen wirken. Doch konnte er einen Ausgleich, für den ganzen Schmerz welcher Eluive durch die letzten Ereignisse zugeführt wurden waren.
Einen Ausgleich für den Raub an ihrer Kraft, gar an der Vergewaltigung ihres Liedes, welches nur zu einem Zwecke erhallen sollte. -> Dem Sein dieser Welt. Dem Sein ihrer Kinder.
Einige mochten dieses Gut gewiss in ihren Herzen tragen, und eben jeden Tag ihren Dank an Eluive zollen.
Doch blickte man eben nach Rahal, welche getrieben sind von Macht, Kraft und Stärke, welche durch ihre blinde Torheit glänzten, den blinden Hass Alatars oder wenn und aber folgten… Und gar neben den welterschütterten Geschehen, gar ihre eigene Stadt dem Erdboden gleich machten, könnte ein selbst ein Blinder Narr zum dem logischen Schluss kommen, dass der Kern dieses ganzen Übels wieder einmal im Westen Gerimors zu suchen war.
Die Antwort selbst mochte vielleicht nicht bei den Schergen dieses Gottes zu finden zu sein.
Waren sie doch schlichtweg Spielfiguren seiner Launen.
Man könnte ihnen gar ein gewisses Maß an Mitleid anrechnen, was sie verdienen würden.
Wäre da jedoch nicht jener prägende Punkt, was einem Menschen auszeichnen mochte.
Der Punkt der freien Wahl seiner Handlungen und seines Weges.
Die Bewohner Rahals, getrieben durch die Worte der Dunklen Templer und gewiss einiger anderen Puppenspieler beschreiten ihren Weg somit ebenso nach freiem Willen.

Die Druiden vermochten nichts gegen jene welterschütternden Ereignisse ausrichten können.
Doch konnten sie eines die Torheit getriebenen Menschen des Westens Gerimors eine Schranke weisen.
Ihr letzter Frevel, dem Werke Eluives gegenüber, überschritt in den Augen der Hüter Eluives bei weitem ein zu vertretbares Maß.
Mochte der Ausgang all jener Geschehen noch ungewiss sein. Konnte man es wenigstens versuchen, den Taten Blinder Menschen entgegen zu wirken. Und sich einem Ausgleich für ihre Taten holen…


Stille und Ruhe mag das Meer ereilen. Keine Möwe mehr über die See gleitet. Und kein Fisch sich in das zurückweichende Wasser wagen.
Doch auch jede noch so ruhige und schwach wirkende Woge kehrt am Zenit ihres höchsten Standes erstarkt und unaufhaltsam zurück…

Verfasst: Samstag 10. November 2007, 04:46
von Der Erzähler
Alathair, in der Nacht des 10. Rabenmond.

Die Welt ist im Wandel...ja. Wenn auch die Schöpfung Eluives einer steten Veränderung, immer zwischen den empfindlichen Polen des Gleichgewichts, unterworfen war, so war diese doch spürbar anders. Was geschah in den Eingeweiden der Erde? Der Priester seufzte, die Fingerkuppen an die schmerzenden Schläfen gepresst. Er würde keine Antworten finden, wenn er diese Frage drehte und wendete, wie ein logisches Problem behandelte. Die Mutter war nur intuitiv zu begreifen, lag sie doch in allen Dingen, sichtbar für jene, die sehen wollten. Er würde seinen Körper zur Ruhe betten. Eine Antwort würde er finden, wenn seine Augen wieder klar sahen.

In dieser Nacht schreckt etwas jene Wesen auf, die Eluive und ihrem Lied nahe sind. Mensch und Elf, alle halten inne. Enge, das schreckliche Gefühl, eingeschlossen zu sein. Manch einer schrickt aus tiefem Schlaf auf, von der Schwärze der Nacht eingehüllt. Die Wände seines Zimmers scheinen sich zu nähern, ihn zu erdrücken. Der Drang wächst, diesem Gefängnis zu entrinnen...die Sekunden scheinen sich endlos zu dehnen. Die Erde beginnt unter ihnen zu beben, grollt unter einer gewaltigen Anstrengung.

Noch während der Boden sich unter ihnen bewegt, huscht etwas am Rande der Wahrnehmung vorüber. Stille kehrt ein. Dann ein leises Geräusch, mehr erspürt als gehört. Der Schatten kehrt wieder, bewegt sich suchend umher, lauernd und schnüffelnd. Er streicht um Häuser, um Wälder und Seen, nirgendwo verharrend...was er sucht, liegt anderswo.

Jene, die dem Lied so nahe sind, dass sie seine Eigenheiten spüren, einzelne Klänge vernehmen, werden Ton um Ton auf eine Veränderung aufmerksam. Ein Entschluss ist gefallen, und die Erde ist wieder still. Kein Geräusch ist zu vernehmen, die Tiere schweigen still, kein Wind zaust die Baumwipfel. Stärkend füllt ein Empfinden von Notwendigkeit, von warmer Sicherheit die Herzen der Kinder Eluives. Sie alle spüren die tröstliche Berührung der Mutter.

Die Morgendämmerung taucht die Welt in kühles, herbstliches Licht. Die Sonne steigt wie stets aus ihrer nächtlichen Ruhe auf. Doch für die Verbundenen der Allmutter bleibt nicht nur die Sicherheit zurück, sondern auch ein vages Gefühl der Sorge. Der Schatten ist verschwunden, doch nagt die Gewissheit um seine Widerkehr an den Herzen. Ja, etwas hat sich im Lied dieser Welt gewandelt. Und nur die Zeit konnte enthüllen, was.