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Verfasst: Montag 3. Dezember 2007, 17:04
von Marian Delavar
Schweigend betrachtete Marian den Brief in ihrem Händen. Immer und immer wieder hatte sie versucht, es ihm zu sagen, doch nie war Zeit dafür gewesen... Und nun war er weg. Unendlich schwer lastete diese Bürde auf ihrem Herzen. Erneut blickte sie auf den Brief in ihren Händen, der inzwischen zerknüllt war. Vorsichtig legte sie ihn auf den Tisch und strich ihn glatt. Ärgerlich blinzelte sie die Tränen in den Augenwinkeln fort. Wegen so einer Kleinigkeit gleich zu heulen... sie ärgerte sich über sich selbst. Kam sie denn nichtmal ein paar Tage alleine klar? Aber allein im Haus bleiben... wenn es so leer war? Entschlossen schüttelte sie den Kopf. Flink waren ihre paar Sachen, die sie bei Vince hatte zusammengepackt und aufs Pferd geschnürt. Im Handwerkshaus könnte sie sich aus Fellen und jede Menge Kissen ein gemütliches Lager machen und sich ganz ihrer Arbeit widmen. Zudem war es nicht weit bis zum Strand und sie könnte dort ihre geliebten allabendlichen Spaziergänge machen, was von Varuna aus meißt einfach zu weit war. Und Derya und Corian konnte sie dann ebenso abends noch leichter besuchen gehn. Ja, dies schien ihr eine gute Idee für die paar Tage wo Vincend nicht da war. Das Haus ließ sie ordentlich aufgeräumt und geputzt zurück. Schnell verfasste sie noch einen Zettel, in dem sie ihr Vorhaben erklärte und auch, wo sie zu finden sei. Diesen klemmte sie beim hinausgehen zwischen Tür und Rahmen. Dann schwang sie sich aufs Pferd und ritt gen des Handwerkshauses.

[img]http://www.free-space.at/marjo/Marian/brief1.jpg[/img]

Sorgsam verstaute sie ihre Sachen in der Truhe und ließ sich zufrieden an den Tisch sinken. Zu Abend essen würde sie dann später wohl bestimmt am besten in einer Taverne. Heute wollte sie mal einige neuen Sachen in der Schneiderei ausprobieren, vielleicht eine neue Art, die Bordüren zu besticken, oder ein neues Schnittmuster. Doch zu erst würde sie sich ein wenig Entspannung gönnen. Den langen Umhang eng um die Schultern gezogen machte sie sich auf den Weg gen Strand. Tief atmete sie die würzig-frische Seeluft ein. Sie konnte kaum glauben, wie trübsinnig sie noch vor kurzem gewesen war... war das Leben nicht einfach wunderbar? Sie schloss die Augen und genoss den sanften Lufthauch auf ihrem Gesicht. Plötzlich jedoch setzte wieder einer dieser Herbst-Winterregen ein, und eilig lief sie zurück ins Handwerkshaus. Dort zog sie sich rasch warme Kleidung an und trocknete sich ab. Was für ein Tag aber auch... lächelnd machte sie sich dann an ihre Schneiderarbeit.
Was sie jedoch nicht bemerkte war, dass der Regen langsam aber sicher die Tinte von ihrem Brief an Vincend verwischte und verschmierte, bis nur noch ein kläglicher Rest des einstigen Geschreibsels zurückblieb. Als die Sonne dann wieder hinter den Wolken hervorkam und das Pergament trocknete, war noch in etwa dies hier zu lesen:

[img]http://www.free-space.at/marjo/Marian/brief2.jpg[/img]

Nicht im Geringsten war Marian bewusst, wie dies alles wirken musste. Ihre Sachen fort, dann dieser seltsame verwischte Brief.... Und letztendlich sie selbst fort...

Verfasst: Montag 10. Dezember 2007, 19:49
von Marian Delavar
Ein paar Tage waren nun schon vergangen, seit Vince sich auf die Reise gemacht hatte. Was er wohl gerade machte? Marian ahnte nicht, dass sie es eher als sie dachte, wissen würde. Gedankenverloren blickte sie aus dem Fenster. Gerade war sie mit Kanubio zusammen bei einem seiner Freunde zu besuch. Ein gemütlicher Abend, ohne Frage. Dann wurde beschlossen, den Abend zu Kanubio zu verlegen, da Die beiden Männer sich noch irgendwas mit einem Pferd ansehen wollten.
Sie machten sich auf den Weg zur Kutsche, und siehe da, wer vor ihnen stand. Vincend! Doch er sah nicht im mindesten glücklich aus, sie zu sehen. Und als er die beiden Männer in ihrer Gesellschaft erblickte, umwölkte sich sein Blick noch mehr. Freudig ging Marian auf ihn zu, doch er wies sie brüsk zurück. Ihren Brief habe er gelesen, sagte er. Und da er dies nun wisse, solle er vielleicht besser gehen. Erschrocken blickte Marian ihn an. Es wissen? Wusste er schon, dass sie sein Kind unter dem Herzen trug? Und er schien wütend. Wollte er dies nicht? War er nun sauer auf sie? So stammelte sie: "Du... du weisst es... ich dachte, du würdest dich freuen..." dann brach sie ab. Verständnislos blickte Vincend sie an. Er sagte, er, als Horteraspriester müsse dies dann wohl verstehen. Was verstehen? Nun war Marian vollends verwirrt. Hatte er vielleicht etwas falsch verstanden? Hatte er wohl. Er war der Meinung, sie habe sich einen anderen gesucht, und Kanubio sollte angeblich der neue sein. Gerade Kanubio, der ihr wie ein größerer Bruder lieb geworden war! Erschrocken rang sie nach worten. Dann rief sie aus: "Glaubst du wirklich, ich würde dich je betrügen? Glaubst du das könnte ich? Ja, ich wollte dir etwas sagen, aber etwas ganz anderes!" Als Vincend nun nachhakte, fiel ihr Selbstvertrauen wie Asche in sich zusammen. "Du... du... " stockte sie, dann holte sie tief Luft und sagte schnell: "Du wirst Vater!" Ungläubigkeit machte sich auf seinem Gesicht breit, Fassungslosigkeit wohl auch. Unsicher senkte Marian den Blick. Eine weile ließ Vince sie noch schmoren, ehe er sie stürmisch in die Arme zog. Erleichtert lehnte Marian den Kopf an seine Schulter. Dann führte er sie von den anderen weg, und blickte sie glücklich an. Unser Kind... dachte Marian bei sich... eine neue Zukunft. Und dann gab sie sich einem innigen Kuss hin, voller Liebe für Vincend und das Leben das nun in ihr heranwuchs.
Kurz darauf kamen Moira und Ragenzo aus der Kutsche, gerade als Marian Vince ankündigte, solle sie Gelüste auf Gurken mit Dattelmuß bekommen, würde er mitzuessen haben. Ein lautes Lachen von Ragenzo, der dies wohl hörte, unterbrach die traute Zweisamkeit der Beiden, und Marian eilte gen Moira, um auch ihr die freudige Nachricht mitzuteilen.
Vincend indes machte sich auf den Weg, er hatte noch etwas zu erledigen. Doch er versprach, bald heimzukommen, schließlich wollte Marian heute abend kochen. So ein Ereignis musste doch gefeiert werden.

Momente der Einsamkeit... bestimmen das Leben
Tage der Trauer... überschatten das Glück
Ein Sonnenstrahl... wärmend, strahlend
Hüllt mein Herz ein... hält es ganz fest
Meine Seele... sie taut... leuchtet hell
du bist bei mir... gibst mir neue Kraft
Ein Wunder... von uns beiden geschaffen
Ein neues Leben... so klein
Leuchtend erstrahlt es... niemals mehr allein

[img]http://www.free-space.at/marjo/Marian/anime-81.jpg[/img]

Verfasst: Donnerstag 20. Dezember 2007, 23:20
von Marian Delavar
Fröstelnd zog Marian den Umhang enger um die Schultern. Aus dem Norden wehte ein kalter Wind durch Varuna. Wahrlich, der Winter war wohl hereingebrochen. Sie streckte eine Hand aus und eine Schneeflocke segelte darauf. Schnee! Marian strahlte. Wie gerne würde sie jetzt eine weile spazieren gehn. Aber sie hatte Vincend ja versprochen, bald zurück zu sein. Also eilte sie gen des Gasthauses. Drinnen schüttelte sie ein paar Schneeflocken von ihrem Umhang. "Wirtin, seid doch so gut und bringt mir eine Flasche Wein, einen guten." Nachdem ihr die Wirtin eine solche gebracht hatte, reichte Marian ihr einige Goldmünzen. Nicht gerade wenig, aber wenn Vincend guten Wein wollte, so sollte er ihn auch bekommen, wofür auch immer. Sie winkte der Wirtin ein letztes mal fröhlich zu und eilte wieder hinaus. Wie schön die Welt im Winter doch aussah... Eiskristalle, die wie Blumen an den Fenstern emporwuchsen, die kalte klare Luft. Geniesserisch reckte Marian den Kopf in den Himmel. Doch dann eilte sie rasch weiter zurück.
An der Türe angekommen erblickte sie eine Augenbinde die dort hing, zusammen mit einem Schildchen "anziehen!" Schulterzuckend tat Marian, wie ihr geheissen und klopfte dann an der Türe. In der plötzlichen Blindheit spürte sie, wie eine Hand sie sacht hineinzog, scheinbar in die Mitte des Raumes. Dann löste sich die Augenbinde. Blinzelnd blickte Marian sich um. Das Kaminfeuer brach sich in kleinen facettenreichen Edelsteinen, die auf dem ganzen Boden verteilt lagen, und dazwischen waren Seerosenblätter. Sprachlos blickte sie Vincend an. Dieser griff nach ihrer Hand. "Zwar habe ich nun keinen Ring hier, doch, wenn du es willst, so frage ich, ob du mich heiraten möchtest." "Ob ich möchte...?" Marians Augen weiteten sich, in den Augenwinkeln glitzerte es, wie eine vereinzelte Träne. Dann fiel sie Vincend um den Hals. "Ja, ja ich will!" Sanft zog er sie in seine Arme und strich ihr übers Haar. Tage, Monate, Jahre schienen zu vergehen, während sie an ihn geschmiegt dastand.
Schliesslich sagte sie leise: "Weisst du... ich hätte mir niemals vorstellen können, dass mein Leben eine solche Wende nehmen würde. Ich trage ein Kind, dein Kind unter dem Herzen, wir bauen gemeinsam unsere Zukunft auf, wollen heiraten und all dies..." Lächelnd lehnte sie den Kopf an seine Schulter.
Mit einem Ruck hob Vincend sie auf die Arme und trug sie gen des Bettes. Sanft ließ er sie dort nieder und legte sich neben sie. Und während draussen der Wintersturm tobte, lagen beide eng aneinandergeschmiegt unter den Decken. Als Vincend schon längst eingeschlafen war, lag Marian noch wach und blickte ihn mit einem sanften Lächeln an. "Ich liebe dich... Vincend." hauchte sie leise, ehe auch sie sich in die Kissen zurück sinken ließ. Und leise, ganz leise spürte sie den Herzschlag ihres ungeborenen Kindes in sich, fühlte ein sanftes Flattern, wie von einem Schmetterling...

Verfasst: Montag 14. Januar 2008, 16:46
von Vincend Winterthal
Die Nacht war längst herrein gebrochen und Vince lag in seinem "neuen" Bett. Neben sich schlief Marian die wohl endlich mal eine ruhige Nacht hatte. Die Schwangerschaft schien sie etwas unruhig zu machen.

"Schwangerschaft..."
Es war schon eine ganz schön große Überraschung gewesen, als Vince das erfahren hatte. Natürlich wollte er Kinder, eine große Familie, aber geplant war das nicht unbedingt gewesen. Er fühlte sich ein klein wenig schuldig, dass er nicht da gewesen war, als sie das erfahren hatte.
Meine Güte, wieviel Angst und Sorge sie gehabt hatte. Als wenn Vince sich nicht hätte darüber freuen können.
Sein Kätzchen trug also sein Kind unter dem Herzen. Irgendwie war das alles ein wenig seltsam. Die Dinge gingen manchmal unheimlich schnell.

Der zweite Schock den Marian ihm verpasst hatte war noch garnicht so lange her. Er kam wiedermal von seinen Reisen zurück und was er sah machte sogar ihn sprachlos. Das Haus in dem er nun schon solange wohnte war leer. Absolut leer. Sogar geputzt hatte Marian so schien es. Also stand er in dem völlig verlassenen Haus. Keine Nachricht, keine Spur von ihr. Garnichts. Als wenn nie jemand dort gewohnt hätte.
Vince hatte ziemlich perplex in dem leeren Raum gestanden und seine Fassungslosigkeit war fast körperlich spührbar gewesen.
Hatte Marian ihn nun doch verlassen?
War er zulange fort gewesen?
Waren sie ausgeraubt worden?
Was hatte das zu bedeuten?
Aber wie Marian nunmal war, spazierte sie fröhlich in das alte Haus hinein und war sichtlich erfreut Vince zu sehen. Vor allem war sie sehr amüsiert darüber gewesen Vince sprachlos zu sehen.
Fröhlich kam sie auf ihn zu, küsste ihn und drückte ihm eine Augenbinde in die Hand.
"Anziehen!" befahl sie ihm und er musste schmunzeln.
Stolpernd und blind führte sie ihn durch Varuna bis sie freudig verkündete er könne die Binde wieder abnehmen. Sie standen vor einem Haus.
Westlich von Varuna wie er vermutete. Marian überreichte ihm die Schlüssel für das Haus. Jetzt war klar warum ihr "altes" Haus leer stand.
Während er weg gewesen war, war Marian klammheimlich umgezogen!

Das Haus war hübsch eingerichtet, besonders das Bad gefiel Vince gut. Hier würden sie sicher schöne, ruhige Stunden miteinander verbringen.
Und auch für ihr Kind war das Haus besser geeignet. Sie hatten endlich mehr Platz.
Doch..das Leben verlief gut für sie beide. Sehr gut sogar...

Verfasst: Montag 14. Januar 2008, 22:58
von Marian Delavar
Längst stand der Vollmond hoch am Himmel, als Marian ihr Nähzeug beiseite legte. Heute hatte sie viel zu tun gehabt. Sehr viel sogar. Mit einem zufriedenen Aufseufzen ließ sie sich auf einen Stuhl nieder sinken. Zum Glück schlief Vince schon. Er würde sich nur Sorgen machen und ihr vorwerfen, sie gönne sich nicht genug Ruhe. Manchmal gab es eben arbeitsame Tage, verteidigte sie sich in Gedanken. Und sie hatte sicher nicht vor, bis das Kind geboren war, untätig herum zu sitzen. Schließlich war es gerade mal der dritte Monat und man sah noch nicht mal viel. Sanft legte sie ihre linke Hand auf ihren Bauch, der erst eine ganz sanfte Wölbung aufwies. Was würde es wohl werden? Ein Mädchen? Oder doch eher ein Junge? Still lächelte sie. Wie glücklich konnte sie sich doch schätzen, mit einer solch leuchtenden Zukunft gesegnet zu sein. Sanft streichelte ihre Hand über den Bauch.
„Spürst du das?“
flüsterte sie leise.
„Spürst du, wie sehr wir dich lieben und auf dich warten?“
Da, ein ganz leichtes Flattern, als würde ein Schmetterling in ihrem Bauch herum fliegen. Spürte das Ungeborene ihre Liebe?
„Weißt du... wir freuen uns schon riesig auf dich, egal ob du nun Junge oder Mädchen wirst...“
flüsterte sie dann mit verträumtem Blick. Wieder dieses Flattern. Dann, ein Ziehen. Beruhigend legte sie auch noch ihre rechte Hand auf ihren Bauch. Doch das Ziehen wurde stärker. Marian biss sich auf die Unterlippe. Wieder diese Übelkeit...? Nein, diesmal war es etwas anderes. Sie war nun länger nicht bei einer Heilerin gewesen. Derya hatte ihr erzählt, man wisse nicht, wo Zoe zur Zeit zu finden sei, und so hatte sie es teils aus Unsicherheit auf sich beruhen lassen. Noch einer Heilerin von ihren Bedenken berichten? Von dem, was ihr die alte Heilerin damals in ihrer Kindheit gesagt hatte und von der Gefahr, selbst ein Kind zu bekommen? Nein, das steigerte nur die Gefahr, dass Vince es heraus finden würde. War das nun ein Fehler gewesen? Sie krümmte sich auf dem Stuhl leicht zusammen.
„Oh bitte bitte... lass es nichts schlimmes sein...“
hauchte sie gepresst, die Hand nahezu flehend auf ihren Unterleib gelegt. Doch der Schmerz ebbte nicht ab. Mit der freien Hand klammerte sie sich an der Tischkante fest. Wenn nun bloß nicht Vince herunter kam, um nach ihr zu sehen. Er sollte sich nicht sorgen, durfte nicht wissen, wie es um ihre Gesundheit stand! Die Kräuter, die Zoe ihr damals gegeben hatte, ja, die würden sicher helfen, mussten helfen. Mühsam stand sie auf und ging mit vorsichtigen Schritten gen des Herdes. Dort setzte sie etwas Wasser auf und suchte die Kräuter aus dem Schrank. Allein schon das Hoch recken zum Regal bereitete ihr unerträgliche Schmerzen, doch sie biss die Zähne zusammen und zog die Kräuter hervor. Mit zitternder Hand ließ sie sie ins kochende Wasser fallen. Ein angenehmer Duft nach Waldkräutern verbreitete sich im Zimmer, doch ihr drehte sich nur der Magen um. Sie goss etwas davon in einen Kelch und hob jenen an die Lippen um zu pusten. Da begann sich alles um sie zu drehen und ihr wurde Schwarz vor Augen. Der Kelch glitt ihr aus der Hand und fiel mit lautem Scheppern auf die Steinfliesen.
„Bitte... lass ihn nicht davon erfahren...“
schoss es ihr durch den Kopf, ehe ihre Beine unter ihr nachgaben und sie zu Boden sank.

Verfasst: Dienstag 15. Januar 2008, 19:04
von Vincend Winterthal
Heute Nacht schlief Vince irgendwie unruhig. Immer wieder zuckten Bilder durch seine Träume und er sah Sterne die vom Himmel fielen.
Was hatte das zu bedeuten?
In seinen Träumen mischte sich Harmonie, blühende Landschaften und seichte Winde mit Choas und Zerfall. Er hatte lange nicht so schlecht geträumt. War das ein Traum? Oder aber schickte der Herr ihm eine Vision die er noch nicht verstand?
Endlich schoss er aus den Laken hoch und rieb sich über die Augen. Der Mond war schon weiter fortgeschritten und schien ihm genau ins Gesicht.
Nichts ungewöhnliches eigendlich, das Fenster liess auch am Tag viel Licht herrein und in seinem Alten Haus war die Stadtmauer direkt vor der Haustür gewesen. Eigendlich hätte er sich schon daran gewöhnen müssen.
Sein Blick ging zur Seite....
Marian war nicht im Bett. Er hatte ihr gesagt, sie solle sich nicht so sehr in die Arbeit stürzen. Naja, irgendwie half ihr das wohl. Auch wenn Vince sich etwas sorgte weil sie so schnell krank wurde. Natürlich tat er alles um sie davor zu schützen und der Herr schien viel Milde mit ihnen walten zu lassen. Oft hatte der Sternenherr ein Ohr für seinen Jünger. Zumindest vor Krankheit war Marian weitestgehens gefeilt, auch wenn Vincends Kenntnisse als Heiler eher gering waren.
Immernoch stobten kurze Bilder seine Träume durch sein Bewusstsein und hinterliessen ein wages, aber flaues Gefühl in ihm.
Er kannte die Visionen die Horteras ihm ab und an schenkte und seine Träume hatten zumindest Ähnlichkeit damit.
Gerade als er sich aus dem Bett erhob zog ein Wind um seine Füsse und wehte die Treppe hinab. Seltsam eigendlich, denn die Fenster waren alle geschlossen...
Einen Moment konnte er sogar die Windzüge sehen - oder war das nur Einbildung? - er wusste es nicht. Jedenfalls schien irgendetwas nicht zu stimmen und der Herr schien ihm Zeichen zu senden. Natürlich auf die üblich verworrene Art, Vince die Freiheit lassend diese selbst zu deuten.Langsam gingen seine Schritte die Treppe hinab. Unten brannte noch Licht wie er gleich an der Wand sah. Vermutlich war Marian über ihrer Arbeit eingeschlafen oder ähnliches. Das leise Tapsen seiner nackten Sohlen hallte in der Stille des Hauses während er die letzten Stufen hinab stieg und sich in dem Raum unten umsah.
Eine Kerze brannte an dem Tisch wo Strickzeug auf dem Stuhl lag. Leichtes Flackern war seltsame Schatten durch den Raum und wieder huschte ein Windzug von dem Oberen Ende der Treppe hinab, um seine Beine und in den Raum hinein, der seinen Blick nun auf das lenke das er wohl sehen sollte.
Marian lag auf dem Boden, ein Becher mit irgendwelcher Flüssigkeit hatte sich über den Fussboden ergossen und auf der Anrichte der Küche stand noch ein Wasserkessel.
Kaum hatten sich seine Augen auf die Szenerie geheftet als er auch schon zu ihr rannte und sie behutsam anhob. Was fehlte ihr nur? Was war passiert? Viele Gedanken schossen gleichzeitig durch seinen Kopf und er sah sich einmal hektisch um ehe er sich selbst zur Ruhe zwang und die Hand auf ihre Stirn legte.
"Sterneherr, erhöre mein Flehen, erhöre mein Rufen. Ich spreche zu dir um zu bewahren was Frei ist und frei bleiben sollte. Spreche zu dir um zu schützen was meinen und deinen Schutz bedarf. Hilf mir, Herr. Sende dein weiches Mondlicht und deine frischen Winde auf diese Frau der ich mein Herz so freigibig geöffnet habe...Hilf mir..Erhöre meine Bitte, Horteras, Herr der Freiheit..."
Vincends Hand auf Marian`s Stirn hüllte sich in ein weiches, blau-weisses Licht und er spührte wie die Kraft des Göttervaters durch seinen Arm auf Marian sprang, sie für den Moment stärkte und ihr etwas Energie gab. Das würde zumindest im Moment helfen.
Er konnte nichts mehr weiter Tun als sie Hinauf zu tragen ins Bett. Dort entkleidete er sein süsses Kätzchen und deckte sie behutsam zu. Den Rest der Nacht verbrachte er wachend an ihrer Seite bis irgendwann die ersten Sonnenstrahlen den Horizont küssten und er erschöpft auf einem Stuhl eingeschlafen war....

Verfasst: Donnerstag 24. Januar 2008, 17:51
von Marian Delavar
Ein Klopfen, so spät noch? Sie hatte den Laden doch längst geschlossen. Aber vielleicht war es ja Derya... Sie öffnete die Türe und spähte hinaus in das winterliche Wetter. Der Anblick, der sich ihr bot, verwunderte sie doch etwas. Ein junger Mann, der eine Frau auf den Armen trug. Sie sahen einander recht ähnlich, Geschwister wohl. In raschen Sätzen erklärte der Mann sein Anliegen. Nedleyne habe ihn geschickt. Sie habe gesagt, wenn er Hilfe außerhalb von Rahal benötige, solle er sich an sie, Marian, wenden. Nedleyne? Sie horchte auf. Und als sie die beiden erneut musterte, erkannte sie, dass sie wohl Hilfe bitter nötig hatten. Kurzerhand habt sie sie herein. Der jungen Frau, sie schien sichtlich durchgefroren, bereitete sie sogleich ein Bad. Dann setzte sie sich daran ihr Kleid zu reinigen und zu flicken. Das arme Mädchen... völlig entkräftet schien sie ihr. Der Mann leistete ihr indes Gesellschaft. Er stellte sich als Aion Astaroth vor. Und das Mädchen sei seine Schwester Yuna. Er müsse noch heute Abend wieder fort, so beteuerte er, doch bat er darum, sie möge sich dem Mädchen, seiner Schwester, annehmen. Dem stimmte sie ohne zu zögern zu. Eine Freundin von Nedleyne, die Hilfe brauchte? Noch dazu Hilfe, die Nedleyne leider nicht geben konnte? Da gab es kein Nachdenken bei Marian. Natürlich würde sie dem Mädchen helfen. Schließlich konnte sie Aion auch noch so weit bringen, wenigstens bis nach dem Abendessen zu bleiben. Ein Herz und eine Seele schienen ihr die beiden. Yuna folgte ihrem Bruder noch nach draußen. Marian respektierte den Wunsch der jungen Frau, sich alleine von ihrem Bruder verabschieden zu wollen, und machte sich an den Abwasch. Was Vince wohl zu ihrem neuen Schützling sagen würde? Sie lächelte leicht. Dann bereitete sie Yuna vor dem Kamin ein Schlaflager, mollig warm und kuschelig. Als Yuna dann wieder hereinkam, sah Marian Tränen in ihren Augenwinkeln glitzern. Armes Mädchen... dachte sie. Sie musste ihren Bruder wirklich lieben. Mit einem sanften Lächeln führte sie sie dann hinauf und verfrachtete sie auf das Schlaflager. Und nur einem kurzen Augenblick dauerte es, ehe Yuna auch schon eingeschlafen war. Sie musste wohl völlig erschöpft und ausgezehrt sein. Na, dem würde sie schon entgegen wirken können. Ein leckeres Frühstück morgen und ein Dach über dem Kopf würden sie sicher bald wieder etwas aufrichten. Und ein wenig Gesellschaft im Haus war sicher auch schön, da Vince im Moment so oft unterwegs war und viel zu tun hatte... Marian lächelte still in sich hinein.