Seite 2 von 2
Verfasst: Freitag 21. September 2007, 16:31
von Darna von Hohenfels
Ein Pergament auf Adrians Schreibtisch
Es war ja nichts Ungewöhnliches, wenn Freifrau von Elbenau mitten in der Nacht ins Schloß kam, in des Grafen Büro einen Brief hinterlegte und wieder verschwand wie ein Gespenst. So lag auch ganz gewöhnlich am Morgen diese Nachricht oben auf den Papieren:
"Die Streitbare mit Euch, Euer Hoheit!
In der gestrigen Nacht traf ich bei der Felsansammlung auf der Straße nach Berchgard hin auf diese schwarz gekleidete Diebin, die seit Kurzem für Unruhe sorgt. Es gelang mir, ein klein wenig mit ihr ins Gespräch zu kommen und ich denke, einige interessante Sachen herausgefunden zu haben.
Die Frau ist jung und hat vermutlich nicht einmal das achtzehnte Lebensjahr erreicht. Ihr Name ist Vranseka, und trotz ihrer Ausrüstung und zweifelsohne ihrem Geschick im Umgang mit dem Bogen handelt es sich bei ihr um nicht mehr als ein teils sogar reichlich naives Mädchen.
Ihre "Überfälle" geschehen mehr unter einer kindlichen Vorstellung von "Das muß so sein, wenn ich Räuber bin" und ich bin sogar gewillt, ihren Worten Glauben zu schenken, daß durch ihr Tun bislang niemand verletzt wurde. Ihr Gekicher ist... mädchenhaftes Gekicher. Die Fassade einer schwarzen Balronlederrüstung scheint bislang gut davon abgelenkt zu haben, was dahinter liegt, und ich kann mich bei diesem Gedanken eines Schmunzelns leider nicht ganz erwehren.
Woher sie allerdings all diese Ausrüstung haben mag, blieb mir in Ermangelung von Zeit und Ruhe ein Geheimnis. Was durchschimmerte war, daß sie offenbar niemand mehr auslacht und ignoriert, seit sie diese hat und "böse und gefährlich" ist. Die Pfeile, die sie benutzt, hat sie offenbar selbst gefertigt und ist sehr stolz darauf - so stolz, daß sie sie tatsächlich als Zahlungsmittel ansieht. Sie gibt einen Pfeil, dafür muß man ihr was geben. Und was, schien ihr dabei sogar ziemlich gleich zu sein. Sie brach in Tränen aus, als ich ihr klarmachte, daß ich und wohl auch andere an solchen Gegenständen kein Interesse hätten.
Ein Mädchen, das Hunger hat wie jeder andere Mensch auch... ich gab ihr ein paar Goldmünzen, und sie verschwand, wie sie gekommen war. Ich sah einen Mensch, der auf dem Weg des Räuberdaseins erst die ersten Schritte geht und noch keine Ahnung zu haben scheint, was das überhaupt bedeutet.
Wenn sie niemandem bislang etwas tat, hoffe ich, es wird von jenen, die älter und verantwortungsbewusster sind als sie, alles getan, damit sich das nicht noch ändert. Ansonsten lässt sich die Grafschaft von einem Backfisch in Balronleder ins Bockshorn jagen.
unterzeichnet,
Eure unverbesserliche Weltverbesserin"
Verfasst: Freitag 21. September 2007, 17:01
von Estrella Blockhart
Estrellas Angst war einer Neugierde gewichen. Neugierde und Sorge..
Immer mehr erfuhr sie über „die Einbrechin“. Immer mehr Teile im Puzzle ließen sie ihre innersten Ahnungen bestätigen.
Vranseka schien ganz und gar keine blutrünstige Einbrecherin zu sein. Dafür gab es nirgends Anhaltspunkte. Ja, sie vergiftete das Essen ihrer Opfer, doch war das kein tödliches Gift, sondern ein Gift, das Bauschschmerzen verursachte, doch das Gefühl der ständigen Unsicherheit hinterließ sie. Ein Gefühl, dass jemand die privatesten Dinge von einem durchwühlt hat. Das schlimmste aller Gefühle, wenn man sich nicht einmal mehr in seinem Zuhause…seinem letzten Zufluchtsort vor der Welt…mehr sicher fühlen konnte.
Doch Vranseka stahl nirgends etwas. Sie hinterließ verwüstete Wohnungen zurück, doch es fehlte nichts.
„Die Einbrecherin“ wie sie schon überall genannt wurde, hatte wohl ein anderes Ziel. Dieses rief bei Estrella die Neugier hervor. Sie wollte wissen, was jemanden dazu bewegt, einen derartigen Schrecken in anderen Leuten zu verursachen… oder war sich Vranseka der Folgen ihrer Taten gar nicht bewusst?
Eine kleine Bestätigung ihrer Gedanken erfuhr sie von Angelyca, die Vranseka wohl unabhängig all ihrer Taten getroffen haben muss, und mit ihr gesprochen haben muss. Es handelte sich wohl bei der mysteriösen Einbrecherin um ein Mädchen, ungefähr im selben Alter wie Angelyca. Anscheinend hatte sie keine Eltern mehr, was Estrella einen neuen Anhaltspunkt für ihre Gedanken brachte.
Da ist es schon. Für so ein junges Ding muss es wohl ein Spiel sein, wenn sie von aller Welt verfolgt wird und sie wie Schachfiguren auf einem Spielbrett hin und her schieben kann. So ein junges Ding, konnte aber in den Augen von Estrella auch schnell die Kontrolle über ihre Taten verlieren und schneller von der Garde gefasst werden, als sie schauen konnte.
Der nächste Puzzlestein sollte nur wenige Zeit nach dem Gespräch mit Angelyca folgen. Alle ihre Kollegen waren draussen im Verkaufsraum. Sie bastelte in Ruhe an dem Bett weiter, das sich Angelyca gewunschen hat. Und da sah sie auf einmal jemanden die Treppe herunter steigen. Der Schreck saß ihr zunächst tief in den Gliedern, denn sie erkannte die Gestalt wieder, die ihr auch schon im Wald zwei Mal begegnet war. Im ersten Moment war es nur wichtig, dass sie nicht von den anderen Leute entdeckt wurde. Und so deutete sie ihr, wieder nach oben zu gehen.
Rasch folgte sie ihr in den ersten Stock des Handelshauses, nach einem prüfenden Blick in den Verkaufsraum, ob Vranseka niemand bemerkt habe, folgte sie ihr rasch die Treppe hinauf. Das Mädchen wollte schon wieder durch ein offenes Fenster verschwinden, doch Estrella hielt sie zurück. Sie wollte endlich mit ihr reden, versuchen ihr klar zu machen, was sie da eigentlich mit den Leuten machte. Immer noch war Estrella fest davon überzeugt, dass das Mädchen im Innersten niemandem etwas zu Leide tun wollte. Nach langem hin und her konnte sie Vranseka doch davon überzeugen, ihr kurz zuzuhören. Das bedeutete für Vranseka im Fensterrahmen zu sitzen, mit der Möglichkeit in jeder Sekunde flüchten zu können.
Estrella sah ihr an, dass wohl Vranseka beinahe mehr Angst vor ihr hatte, als Estrella vor Vranseka, obwohl das Mädchen mit einem Bogen bewaffnet war. Viele Fragen stürzten aus Estrella heraus und einige konnten ihr sogar beantwortet werden. So zum Beispiel, dass Vransekas Intention war, dass sie die Leute dazu bringen wollte, sich wieder mehr umeinander zu kümmern. Estrella wollte ihr klar machen, dass sie das nicht schaffen würde, indem sie den Leuten Angst und Schrecken einjagte und sie ins Tiefste verletzte.
Es ging alles so schnell und weg war sie auch schon wieder.
Estrella wollte doch auch noch Angelyca dazu holen, da sie davon überzeugt war, dass sie ihr wohl mehr vertrauen würde, als Estrella, doch sie konnte gar nicht so schnell schauen, da war Vranseka auch schon wieder geflüchtet.
Sie holte Angelyca noch dazu und erzählte ihr von der Begegnung. Sie suchten auch noch nach ihr, doch konnten sie sie nicht mehr finden.
Eine große Sorge machte sich in ihr breit. Sorge, dass sie von der Garde geschnappt wird, sie hart bestraft wird und wohl damit der letzte gute Funke in ihr erlöschen könnte.
Das darf nicht passieren!
Da waren sich alle einig. Angelyca war für Estrella der Schlüssel zu Vranseka. Die kleine süße Nichte von Thancred war wohl die einzige Person, der Vranseka ein wenig Vertrauen schenkte. Sie alleine konnte sie davon überzeugen, dass es falsch war, in fremder Leute Häuser einzubrechen und Essen zu vergiften. Vranseka würde sich bei allen entschuldigen müssen und sofort mit ihren Einbrüchen aufhören müssen, wenn sie noch irgendeine Chance haben wollte, sich zu bessern und die wirkliche Hilfsbereitschaft und Liebe der Menschen kennenzulernen.
Verfasst: Freitag 21. September 2007, 21:22
von Angelyca
Eine magere Gestalt geht in der Nacht durch alle Straßen und Gassen, treppauf, treppab, sieht hinter Ställen und Bäumen nach dem Rechten und ruft ab und an "Mietzi", sobald eine Wache sie fragend ansieht.
Meine Güte, meine Güte ich muss sie finden, ich muss sie finden. Ritter Rafael reißt ihr den Schädel ab, wenn er sie zuerst findet und der Graf nicht in der Nähe ist. Der sieht schon so sauer aus, der könnte Zitronensaft schwitzen. Obwohl Blut wahrscheinlicher wäre. Für nen halben Ritter hat der Graf ja glaub ich großen Respekt vor ihm. Frag mich, wie er dann erst die richtigen Ritter behandelt. Also welche, die ihre Prinzessinen retten können, nicht umgekehrt.
Vielleicht sollte ich ja beten, daß ich sie finde. Also wen hätten wir denn da zur Auswahl? Temora? Hrm die ist sehr lieb und nett, aber nicht so schlau wie der Fuchs. Wie hiess der nochmal? Fanto... Nein nicht zu dem, da weiß ich den Namen nicht mehr. Cirmias wär ne Idee, der scheint Onkel Thancred pausenlos zu helfen. Aber da hab ich das nächste Problem, wie betet man? Muss ich Onkel Thancred fragen. Aber was ist, wenns dann zu spät ist? Ohjeohjeohje... Ich muss sie finden, ich muss sie finden!
Sie soll nicht weitermachen, fast alle sind nett. Ritter Rafael muss sie ja nicht kennen lernen, nein lieber nicht. Der wäre der ganz Falsche. Aber natürlich Fräulein Amelie und Estrella, Onkel Thancred, Herrn Kwatzenhagen und Yette. Und dann, wenn sie schon mehr Vertrauen hat, auch Herrn Antarion und den Herrn Grafen. Und dann können wir zu dem verängstigten Fräulein gehen und sie muss sich entschuldigen.
Das arme Fräulein. Wohnt bei einem Ritter und dann passiert wieder sowas? Noch son halber Ritter. Vielleicht hat der Herr Graf deshalb so viele, weil die alle einzeln nicht so besonders helle sind? Meine Güte Papa musste auch nach dem Blitzschlag an den Kopf immer seine Tropfen nehmen. Und den Herrn Ritter lassen sie ganz ohne Tropfen rumrennen! Wenn das mal gut geht. Ich kann ja nix sagen, aber ich wünschte ich könnts! Weil dann könnt ich, wenn der Herr Ritter endgültig plemplem ist, sagen, "Ich habs ja gleich gesagt!".
Wieder und wieder rastet das Mädchen für einige Minuten in dem verlassenen Gebäude, wo sie Vranseka zum ersten Mal sah, scheinbar hoffend, daß sie wieder auftauchen würde. Doch nach spätestens 10 bis 15 Minuten rafft sich die Gestalt wieder auf, erneut nach "Mietzi" rufend bis spät in die Nacht.
--------------------
Zwei Tage später
--------------------
Das ist nun schon die sechste Katze, die mir jemand anschleppt und mich fragt, ob sie meine wäre. Ich könnt eine Katzenzucht aufmachen, wenn ich wirklich ne Katze suchen würde.
Schon den dritten Tag hintereinander läuft Angelyca nachts durch Varuna und zwischen der Hauptstadt und Berchgard hin und her, in der Hoffnung, Vranseka zu finden. Die Ringe unter den Augen werden tiefer und öfters nickt sie während kurzer Ruhephasen ein, um kurz danach wieder hochzuschrecken.
Malten mag bei Hof berichten - so er es bemerkt hat - dass sich Angelyca meist spät Nachts erst ins Bett schleicht und wenige Stunden später wieder auf den Beinen ist, um ihren Dienst zu versehen.