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Verfasst: Samstag 8. März 2008, 06:13
von Lanaya Shevanor
Hastig sah der Bote zu die Beine in die Hand zu nehmen. Gehetzt warf er einen Blick über die Schultern und verschwand um die nächste Hausecke wo er vermutlich noch einen Gang zulegte. Stirnrunzelnd sah die Arkoritherin ihm nach und wandte sich mit dem 'Paket' ab. Recht unförmig erschien das Ganze, begleitet von einem eigentümlichen Geruch. Unsanft knallte sie das 'Paket' auf die Tischplatte und begann die Stofflagen zurück zu schlagen. Lage für Lage wurde abgenommen, während sich der Geruch intensiver ausbreitete. Entschieden wurde die Maske über die Nase gezogen die Bewegungen waren mehr als vorsichtig. Als sich nach einigen Minuten der Inhalt offenbarte drehte es ihr fast den Magen um.

Eiskalte Disziplin brachte eine ruhigere Atmung zurück, ein zweiter Blick folgte. Vieles hatte die Arkoritherin gesehen und kaum etwas gab es das sie aus der Fassung brachte. Dies hier jedoch gehörte dazu.

Dummkopf! Alter Sturbock!

Hättest du nicht auf mich hören können?


Es hagelte noch einige unschöne Beschimpfungen und Vorwürfe in Richtung des 'Paketes' dann fing sie an den Inhalt wieder einzuwickeln. Jegliche Bewegung wirkte wieder vollkommen ruhig - als wäre es eine alltägliche Arbeit die man zu verrichten hatte. Kälte die nicht von der Umgebung zu kommen schien durchzog ihre Knochen und schaudernd hob sie die Schultern an um sie Momente später wieder zu straffen. Schwäche war etwas lästerliches das sie sich nicht gestattete. Schritt für Schritt brachte sie dem Orden was ihm gehörte. Nie wieder würde man den Magus erblicken und mit diesem Wissen starb ein kleiner Teil in ihr selbst. Erst in der Ordensfeste wickelte sie sie im Beisein anderer Magae den Kopf aus. Anklagend starrten die leeren Augenhöhlen in die Gegend während das helle Haar spärlicher zu den Seiten herab hing wie sie es in Erinnerung gehabt hatte. Prüfend fuhr sie mit den Fingerspitzen über die tote Haut und verzog das Gesicht. Er war seit Tagen tot. Wie auch die Maestra hatte sie es gewusst, gewusst und nicht wahr haben wollen – wie so vieles.

Zu fünft zogen sie sich mit seinem Haupt zurück und begannen das Ritual. Runen wurden gezeichnet, Klänge wurden geformt und ein letztes Mal füllten sie die leere Hülle mit Magie. Worte, dunkel, krächzend und vollkommen unverständlich hallten durch den Raum. Dann war es vorbei. Von einem grünlichen Licht zerfressen verging der Kopf auf unschöne Weise und selbst die Arcomaga musste an sich halten den Vorgang auch wirklich zu beobachten.

Geht, geht und schweigt.

Gewiss würden sie dem Befehl folgen. Am Abend erst erhielt auch Magister Linari entsprechende Anweisungen zu dem Vorfall. Man würde sehen ob auch er sich an die Auflagen zu halten wusste. Derweil war sie sich nicht sicher. Adepten die glaubten sie hätten nach wenigen Monaten genug Wissen gesammelt um sich mit jenen die über ihnen standen zu messen. Magister die der Meinung waren die Gargoyle stammten von den Drachen ab und könnten deshalb Magie wirken. Antworten die nicht verstanden wurden wenngleich man sich in den ersten Wochen eines magischen Studiums damit befasste. Schweigen so man nachhakte ob ihnen sich die Zusammenhänge nun offenbarten. Würden sie alle enden wie Iloiss? Sie verzog abschätzend die Lippen.. Viel zu lasch und zu zahm war der Orden geworden seit der Kriegsherr seine Schwäche zugelassen hatte und ihnen ein Chaos hinterlassen hatte. Derweil scherten sie sich einen Dreck um gemeinschaftliche Ziele, waren nicht fähig deutliche Worte umzusetzen und erschienen teilweise in einer Aufmachung die keineswegs der Verteidigung oder dem Kampf diente. Unfähig die Gefahren zu erahnen als sei man irgendwo sicher. So oder so, wenn es so weiter ging würde man herausfinden müssen wo der faule Apfel lag und ihn umgehend beseitigen. Dieses 'Geschenk' hatte es mehr als deutlich gemacht – die Zeiten änderten sich.

Verfasst: Donnerstag 4. September 2008, 15:27
von Tarja Lycron
Sie senkte das Haupt empor. Wo zum Teufel sollte sie noch suchen?
Drei Tage und drei Nächte saß sie nun hier, nur kurz unterbrochen von irgendwelchen Ausflügen, weil die Zeilen vor ihren Augen verschwammen und sie Ablenkung suchte und über Leben und Tod entscheiden wollte. Noch nie war ihr Drang so groß, jemandem den Tod zu schenken. Was also bat sich da eher an als ein Ausflug in die Höhlen?
Sie streckte ihre Hand beiseite, der schwarze Stab kristallisierte sich in ihrer Hand zusammen und als sie ihre Finger darum legte leuchteten die Runen auf jenem kurz auf, ehe sie wieder verschwanden und nicht zu sehen waren. Sie verließ die Bibliothek. Ein kurzer Moment, an dem sie nach vorne blickte sah sie jemanden durch die Eingangshalle huschen. Lucan war es nicht, er hätte nach ihr gesucht wäre er es gewesen. Darian? Ihn benötigte sie sowieso noch. Schnell ging sie der schwarzen Gestalt nach, die sich immer weiter durch den langen Korridor hinfort schlich.

Die Rune des Ordens wurde auf die Tür gezeichnet, ehe sie aufsprang und der Berobte aus der Türe schritt. Anscheinend hatte jener nicht bemerkt, dass Tarja ihm folgte. Ihn längst im Visier hatte wie ein Panther seine Beute. „Bruder!“ ertönte ihre heisere Stimme dann. Er wandte sich zu ihr. Für einen Moment war sie doch überrascht. Sie hatte nicht damit gerechnet, jenen Arkorither vor sich zu haben. Es war eine Kunst, dass sie ihn überhaupt erkannte. Nur einmal hatte sie ihn wirklich gesehen. Abschätzend fiel ihr Blick also auf ihn. „Du schleichst dich fort, obwohl ich dich, wie die Anderen auch, in die Bibliothek bat?“ Er lachte höhnisch auf bei ihren Worten. Ihre militärische Haltung wurde noch viel angespannter. Aufrecht stand sie da, den Stab dabei in ihrer Rechten haltend. Ihre Augen verengten sich einen nächsten Moment lang. „Jonathan, es ist dumm von dir, sich mit jemand Mächtigerem anzulegen...“

Sie hatte nicht vor, ihn zu töten. Vielmehr trieb sie ihn in die Enge. Sie zog den knöchernen Helm von ihrem Kopf, die weißen Haare leuchteten förmlich in der Dämmerung. Die Sonne verabschiedete sich langsam vom Horizont und läutete die Nacht ein. Sie trieb ihn immer weiter zurück, immerhin gab es doch einige Dinge, die sie brennend interessierten. Und so eine Möglichkeit sollte man gleich am Schopfe packen. Auf die Frage hin, warum er die Anderen so lange gemieden hatte, bekam sie ein erneutes, spottendes Lachen. Versager seien sie alle, wüssten nicht, was es bedeutete ein Arkorither zu sein. Eine Hure, sie, Tarja, dass sie sich Dingen wie Zuneigung und Liebe hingab. Niemand, der es verdient hatte, ein Arkorither zu sein. Tarjas eisig blauen Augen wanderten an dem Burschen vor ihr hinab. Mutig war er, das musste man ihm lassen. Mutig genug, sich mit einer mächtigeren Magistra anzulegen. In der letzten Zeit hatte sich viel verändert im Orden. Wäre sie die Tarja gewesen, die sie vor ein paar Mondläufen noch war, hätte er das Zusammentreffen vielleicht unter sehr günstigen Umständen überlebt. Aber ihr Drang war zu groß, ihm seiner Zunge zu berauben. Von diesem Zeitpunkt, dem Punkt, an dem der blanke Wille nach Vergeltung für den Hohn in Wut und dem Verlangen, über ein erneutes Leben zu entscheiden zu kippen drohte, vergaß sie alles um sich herum. Sie war nicht mehr diese kleine Arkoritherin, die ihren Gatten benötigte, um sich selbst zu schützen oder um über den Tod entscheiden zu können. Die nachfolgenden Szenen spielten sich sehr schnell ab. Der Stab raste in Windeseile auf ihn zu und sie schlug ihn vorerst zu Boden. Nicht, dass er bewusstlos war. Er sollte sich an dem ergötzen, an was sie sich auch ergötzte. An Macht, grenzenloser Macht. „Sieh her, Jonathan. Schau in die Augen, diese lieblichen wunderschönen blauen Augen und vergesse sie nicht. Nicht einmal nach deinem letzten Atemzug!“ Sie sah ihn an. Sie hatte es schon einmal so ähnlich gelöst, nur war ihr da nicht bewusst, was sie tat. Sie sah ihn an, das Schmunzeln auf ihren Lippen verkündete nichts Gemütliches. „Sieh mich an, Jonathan, gefällt dir dieses Lächeln, welches meine Lippen ziert?“ Das Lied um sie herum veränderte sich, der Eingriff in jenes war schmerzhaft und drohte ihm von vorne herein an, was auf ihn zukommen würde. Die beiden Höllenhunde neben ihr fletschten gierig ihre Zähne, sie hatten Hunger. Wollten Fleisch, frisches Fleisch. Aber Tarja hielt sie noch zurück. Sah sie Angst in seinem Blick? Hatte er sich überschätzt? Seine Hand wanderte an seinen Hals. Er versuchte nach Luft zu schnappen, aber die unsichtbare Schlinge um seinen Hals drückte sich immer weiter zu. Tarja ergötzte sich an dem, was sie dort sah. Sie spürte die Macht, die sie umgab. „Lerne... für dein nächstes Leben...“ Nach dem kurzen Deut rannten die Höllenhunde los und stürzten sich auf den gefallenen Arkorither, um jenen in Einzelteile zu zerfetzen. Erst als die Höllenhunde das Interesse an ihrem Spielzeug verloren hatten trat Tarja auf den Toten zu. Den Kopf trennte sie von dem leblosen, zerfetzten Körper. Ein Geschenk für die Maestra, sie würde wohl längst wissen, was geschehen war. Der zerfetzte Körper blieb erst einmal vor dem Übungsplatz liegen. Sie hatte später noch lange genug Zeit, sich um ihn zu kümmern.

Verfasst: Mittwoch 5. November 2008, 01:48
von Tarja Lycron
Sie sühnte nach Rache und ihr ganzer Körper bebte. Es war eine Symphonie der Zerstörung, die in ihr tobte. Ein Kampf, den sie nicht einfach so aufgeben konnte. Sie sah sich selbst, wie sie da saß, an dem Tisch im tiefsten Keller der schwarzen Burg. Und sie sah Mayra, wie sie dort stand und die Peitsche über die Handflächen von Tarja zog. Sie blickte auf ihre Hände hinab, nichts war dort zu sehen. Und dennoch, die Demütigung blieb.

Die kühle Luft zog um ihr Gesicht, schlich sich durch ihre Haare und umspielte ihren Körper. Manchmal war es so, als würde sie die Bewusstlosigkeit spüren und dann, dann war dort Leben in ihrem Körper. Leben, eingehaucht durch den bloßen Willen, Chaos zu stiften und Anderen den Tod zu schenken. Ein kurzer Kuss und sämtlicher Überlebenswillen sollte Geschichte sein. Sie bleckte ihre Zähne, leckte sich über die Lippen, wie ein Raubtier nach der Beute. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn sie sich geweigert hätte. Dann würde sie jetzt nicht jemanden zum Feind haben, der nach Rache sühnte und auch noch fähig dazu war zu töten.
Sie sah, wie sich die große, schwarze Gestalt durch die Nacht bewegte. "Mayra, Mayra... was hast du nur getan!" wisperte Tarja leise, ohne sich zu erkennen zu geben. "Mayra, Mayra, was hast du dir dabei gedacht!" Sie sah, wie Mayra suchte, nach dem Ausschau hielt, was sie verfolgte. Ob es Angst oder Vorahnung war, die sich in ihren Augen abspielten? Tarja genoss den Moment. Es war nicht an ihr, den entscheidenen Schritt zu tun. Sie würde ihr ein Spiel anbieten. Ein Spiel um Leben oder Tod. Im Grunde wusste Tarja, dass sie gewinnen würde. Es war eine Einbahnstraße, eine verfluchte Einbahnstraße.

"Komm, komm mit mir und spiel ein Spiel mit mir..."
Sie zog sie in ihren Bann. Ihr Wille und ihre Kraft war noch nicht so sehr ausgeprägt, als das sie ihren Worten, ihrer Beeinflussung hätte standhalten können. "Los, du schwarzer Engel, begleite mich..." Tarja führte sie mit sich, bis sie beide mit ihren Stiefeln im Sand versanken. "Komm, tu es, tu das, wonach du dich sehnst.." Tarja wollte, dass sie angegriffen wurde, denn nur so konnte das Spiel beginnen. Das Spiel zweier Katzen, die sich die Augen auskratzen wollten. Tarja wusste, dass es ein endloses Spiel werden würde, aber sie wusste auch, dass die junge Schülerin irgendwann am Ende ihrer Kräfte angelangt sein würde. Stunden zogen sich dahin und sie gingen abwechselnd aufeinander los, leckten sich die Wunden bis Mayra letztendlich gebrochen zu Boden ging. Tarja setzte sich zu ihr in den Sand. "Weisst du, du solltest dich nie mit dem Teufel anlegen..." Sie schenkte ihr ein kurzes Lächeln. "Es ist ein böses Spiel, ein sehr böses Spiel. Du hättest das Spiel gewinnen können, Studiosa, aber du hast es nicht gewonnen. Du hast verloren. Verloren!"

Sie schlug die Hände vor das Gesicht. Die einzige Hoffnung, die ihr blieb war der erste Schwung an Schülern. Ungerührt der Blutlache, die sich unter ihr sammelte stieg sie einfach über den leblosen Körper hinweg. Sie hatte sich nicht durchsetzen können, sie war schwach gewesen. Hatte sich verleiten lassen, ihren Geist zu manipulieren. Tarja wischte ihre blutverschmierten Hände an ihrer Kleidung ab und blickte zur pechschwarzen Nacht empor. Die Stille um die Burg herum war erschreckend für jeden, der diese Stille nicht gewohnt war.

"Die größte Offenbarung ist die Stille...!"

Verfasst: Mittwoch 12. November 2008, 23:22
von Tarja Lycron
Der Geruch von verbranntem Fleisch ging ihr nicht aus der Nase. Was sich als harmloser Unterricht tarnte wurde bitterer Ernst. Magischer Kampf und die daraus resultierenden Folgen war das Thema. Und die Folgen waren gravierend.

Tarja wusste nicht, was sie denken sollte. Die ganze Zeit wusste sie nicht, ob sie eingreifen sollte oder nicht. Sie sah, wie Lucan und Darian sich innerhalb des Ringes halb zerfetzten. Zuvor hatte sie mit ihrem Gatten, Lucan, noch im Ring gestanden und den Schülern gezeigt, auf was es ankommen sollte. Nach einigen Übungskämpfen verließ sie den Ring und zog sich zu den Bänken zurück. Nachdem Kyrsal sich verkrampft hatte als sie hinter ihm stand machte sie sich einen Spaß daraus, beide Schüler, auch Jana, zu erschrecken. Ihr Feuerball war zwischen beiden durchgesaust ohne ihnen irgendetwas zu tun, den sie zuvor gewirkt hatte, um Lucans Eispfeil außer Gefecht zu setzen.

Und nun stand sie da. Am Fenster und blickte in die Nacht. Sie war ruhig. Zu ruhig. Es war nicht so, dass sie daran zu knabbern hatte. Aber letztenendes siegte immer der Stärkere und das war in diesem Fall Lucan gewesen. Der Geruch, dieser beissende Geruch von dem verbrannten Fleisch, er würde noch tagelang in ihrer Kleidung und in ihrem Haar hängen. Den Blick, den entsetzten Blick auf Darians totem Gesicht würde sie so schnell nicht mehr vergessen. Sie hatten um einen Einsatz gekämpft, der Gewinner sollte einen Preis bekommen. - Sie, Tarja.

Sie hörte die Stimmen um sich herum immer noch flüstern. Valterian und Kyrsal, wie sie Worte wechselten. Welche genau das waren hätte sie vermutlich nicht einmal mehr im Kopf, wenn sie laut genug gesprochen hatten. Jana, die sich ihre Kapuze während des Kampfes immer weiter ins Gesicht zog und auch Tarja selbst, die sich die Kapuze wieder aufsetzte. Sie wollte nicht mit ansehen, wie alles von statten ging und dennoch war es so ekelhaft, dass ihr Blick sich zurück schlich und sie wie gebannt da stand und zusah, wie sich die aus dem Boden ragenden Spitzen in den Körper von Darian bohrten. Das Blut fürbte den Sand in ein dunkles Rot. Schweigen. Jegliches Flüstern war verstummt und absolutes Stillschweigen lag in der Luft. Sie wusste, was die Schüler sich nun dachten. Sie wusste selbst noch was sie bei dem ersten Tod eines Schülers dachte. Aber sie würden sich alle genauso daran gewöhnen, wie sie es getan hatte.

Und nun lag Darian von Seranyth tot auf dem Boden. Ein weiterer Ordensbruder, der sein Leben lassen musste, weil er sich selbst übernommen hatte. Tarja hatte noch gesagt, dass er sich mit dem, was er vorhatte, übernehmen würde. Er konnte sie nicht haben. Sie wusste genau, dass Lucan sie mit Haut und Haaren verteidigen würde. Und so geschah es auch in diesen Abendstunden.

Was die Schüler daraus lernten?
Die Macht eines Arkorithers war nicht zu unterschätzen. Ein Fehler, ganz gleich in welcher Form konnte den Tod bedeuten.

Sie blickte auf den leblosen Körper hinab, nachdem sie Jana und Valterian in der rahaler Oberstadt aufgesammelt hatte. Sie hatten noch etwas zu erledigen. Ein Geschenk musste überbracht werden. Auch wenn sie es am liebsten nicht überbracht hätte. Finger wurden abgetrennt, Füße abgeschnitten und die Bauchdecke geöffnet, um die Innereien herauszunehmen. Die Finger und die Leber sowie eine Haarsträhne von dem weißen Haar Darians wurden in einen Beutel gelegt und dazu ein Zettelchen verfasst. "Der Schwächere verliert!" war darauf zu lesen. Wie Azucinnia damit umgehen würde war ihr egal. Es war nicht die Zeit an Rache zu denken, hatte das handeln der Ordensmitglieder nichts mit dem zu tun, was in Rahal geschah. Nicht umsonst stand der Orden über allem und wer sich innerhalb des Ordens übernahm musste mit den Konsequenzen rechnen.

Und für Darian war die Konsequenz der qualvolle Tod.

Verfasst: Mittwoch 12. November 2008, 23:49
von Jana Layani Thyrmon
Eigentlich sollte es ein ganz normaler Abend werden, sie sollten ein wenig über die Wirkung der Magie im Kampf lernen. Es war recht aufschlussreich und interessant. Allein wie Tarja ihre Macht gegen Lucan verwendte und er gegenwirkte. Ein interessantes Schauspiel, was sich ihnen bot, alles verlief nach strukturierten Regeln. Die Klänge des Liedes verzerrten sich oftmals schmerzlich für mich, ungewohnt und undeutlich, daher war es schwierig für mich die einzelnen zu filtern, manchmal glaubte ich, die Schmerzen würden mich von der Bank reißen. Allerdings wäre es eine Schande gewesen, hätte ich Schwäche gezeigt.

Die Klänge wurden ruhiger, als sie Einhalt geboten und den Kampf beendeten und mein Kopf wurde wieder klarer.

Lucan erklärte ein paar Dinge, dann trat Darian hervor. Zuerst sah es so aus, als wollten sie einen weiteren Übungskampf vollführen, nur diesmal ohne Regeln, um uns zu zeigen, worauf es im Kampf wirklich ankommt. Im Inneren stutzte ich für einen Moment, als ich die beiden im Ring stehen sah. Die hassvollen Blicke die sie austauschten sprachen allein genug für sich, um zu wissen, worum es hier wirklich ging. Darian's Aussage gab sein übriges dazu:

Fein... immerhin ist der Preis für den Gewinner kein geringer.

Es war klar, dass es hier um Leben oder Tod ging. Und einer musste verlieren. Der Kampf war grauenvoll anzusehen. Man spürte nicht nur die schrecklichen, schmerzvollen Klänge des Liedes, das jene so grausam empfindlich verzerrten. Nein. Der Zorn trieb sie regelrecht.
Der Geruch von verkohltem Fleisch liegt mir immer noch in der Nase. Das Blut leuchtet förmlich noch in meinen Augen, das vergossen wurde. Doch der schwächere musste verlieren und mit dem Tod bezahlen. Darian.

Stille umhüllte die Insel, während Lucan den Kopf abschnitt. Die anderen wurden ermahnt, sie sollen sich nicht aufführen als wären sie die letzten Weicheier, schliesslich sollten sie wissen, wer sie sind, in welchem Orden sie weilen. Ich hüllte mich in Schweigen. Warum? Manchmal frag ich mich selbst, ob ich gefallen daran finde, wenn andere leiden. Ja, so ekelhaft es auch anzusehen war, so normal wirkte es auf mich. Entscheidet nicht jeden Tag irgendwer über Tod und Leben?!

Tarja zerrte mich plötzlich mit sich, aus den Gedanken gerissen. Wie irr eilten wir durch die Straßen im Adelsviertel zu Rahal. Dann hielt sie inne und rauschte davon, ohne ein Wort. Kurze Zeit später stand sie auch schon wieder vor mir und nahm mich, wie Valterian zurück zur Arkoritherburg um dort den Leichnam Darians auseinanderzunehmen.
Sorgfältig schnitten wir ihm die Eingeweide heraus sowie einzelne Körperteile, verpackten jene in strahlend, weisse Tücher, die sofort in Blut getränkt waren. Jene wurden dann noch mit einem kleinen Zettel versehen zu den Angehörigen gebracht.

Verfasst: Mittwoch 10. Dezember 2008, 13:13
von Tarja Lycron
...

Verfasst: Mittwoch 10. Dezember 2008, 13:36
von Tarja Lycron
Wie sehr sie es hasste. Es gab fast nichts schlimmeres für sie als das. Sie spürte innerlich eine extreme Aufruhr. Und das war absolut gar nicht gut. Jeder, der sie kannte wusste, dass es nicht sonderlich vorteilhaft war, wenn man die Bestie in ihr reizen würde und es war erst recht nicht gut, wenn man sie bis zum Äußersten versuchte zu provozieren.
Ihr war nicht klar gewesen, wo sich der Adept bis zu diesem Tage aufgehalten hatte. Erst, als sie ihn mit zerschlissener Kleidung in die Burg schleichen sah blickte sie von dem Tisch auf. Sie hatte seine Präsenz längst vernommen. Wenn er dachte, er konnte einfach ungesehen an ihr vorbeischleichen hatte er sich wirklich getäuscht.

Wo warst du, Adeptus?
Ich wüsste nicht was dich das zu interessieren hätte..

Eine Augenbraue rückte unweigerlich empor. Sie hoffte gerade für den Adept, dass sie sich wirklich verhört hatte.

Zyr, du solltest nicht reizen, was du nicht im Griff hast.. zischte sie zwischen ihren zusammengepressten Zähnen hervor. Sie konnte nicht schon wieder aus ihrer Wut heraus einen Schüler in der Luft zerfetzen. Also nicht, dass wir uns falsch verstehen - gekonnt hätte sie sehr wohl. Und sie hätte mit vielem gerechnet, nur nicht mit dieser Reaktion. Seine Lippen gaben eine grinsende Fratze frei, der ihr voller Hohn entgegen geiferte. Die Bücher wurden zugeklappt und sie ging auf ihn zu, mit langsamen und bedachten Schritten.

Ich frage dich nochmal: WO warst du?
Doch auch wieder kam keine Reaktion von ihm. Blitzschnell sauste ihre Hand an sein Kinn und die Finger gruben sich schmerzhaft in sein Fleisch. Sag - es - mir! zischte sie erneut zwischen ihren Zähnen hervor, der Druck ihrer Fingernägel auf sein Kinn wurden deutlicher, aber er sah ihr nur entgegen und grinste weiter vor sich her.
Es war fast so, als würde vor Zorn die Erde beben, so sehr wuchs dieser in ihr. Sie wusste, zuletzt hatte nur ein Mensch es geschafft sie so zu erzürnen und dieser starb in seinem eigenen Haus durch das bloße Erwürgen durch Mentalmagie. Damals hatte sie noch keinerlei Ahnung, was sie war und auch keinerlei Ahnung, wie sie mit dem umging, was in ihr schlummerte. Was also würde jetzt alles passieren können, wenn sie aufs Äußerste gereizt wurde, mit dem sie nicht umgehen konnte?

Nachdem sie ihn noch etwa drei Mal (sie war ja gerecht gewesen, jeder sollte eine Chance bekommen den Nebel aus seinem verblendeten Geist zu bekommen) gefragt hatte und immer noch keine Antwort bekam sah sie keinen anderen Ausweg mehr. Sie zog ihn mit sich ohne jegliche Widerworte in Kauf zu nehmen. Selbst einen Widerstand hätte sie einfach aus dem Weg räumen können. Kyrsal, Kyrsal - was hast du dir nur dabei gedacht! flüsterten ihre Gedanken, als sie den Weg in den Keller bestritten. Die hinterste Türe im Flur wurde schon von Weitem durch ihre Gedanken aufgestoßen und der modrige, nach Verwesung stinkende Geruch drang in ihre Nasen. Für die Maga war es ein durch und durch angenehmer Geruch, nichts, was sie würgen ließ. Hinter sich hörte sie Kyrsal, wie er sich zusammenreißen musste, sich nicht zu übergeben. In dem Raum angekommen stieß sie ihn auf einen der Stühle direkt neben dem Wasserbecken. Setz dich!, donnerte sie und befestigte die Ketten an seinen Armen. Ihre Geduld war begrenzt und wenn er nicht gleich sprach würde sie ihn zerteilen und das am lebendigen Leibe. Sie erkannte Verräter, es war fast so, als habe er diesen Geruch des Verrates an seiner Kleidung heften gehabt. Und so machte sie sich weiter daran, etwas aus ihm heraus zu bekommen.
Anfangs war es Geduld, die sie aufbrachte. Sie hatte ihm angeboten zu reden und er würde davon kommen, aber er schwieg. Sie hatte ihm angeboten ihn unverletzt vom Stuhl abzubinden, vielleicht, wenn er jetzt den Mund aufmachte. Aber all ihre netten Vorschläge hatte er abgelehnt. Sie musste zu härteren Maßnahmen greifen. Und sie wusste, es würde ihr außerordentlichen Spaß machen ihn zu quälen.
Möchtest du nicht doch lieber reden und mir sagen, was du getan hast?
Sie schenkte ihm ein fürsorgliches Lächeln. Ein Lächeln, dass man nur einem bluteigenen Kind schenkte, wenn man genau wusste, es hatte etwas angestellt und es wollte gerade beichten. Mit einem gequälten Gesichtsausdruck ob all der Schmerzen, die sie ihm angetan hatte, blickte er zu ihr empor und schüttelte kaum merklich den Kopf. Sie seufzte. Würde das denn heute gar kein Ende mehr nehmen? Sie zerrte den schlaffen, blutenden Körper von dem Stuhl hinab und schleifte ihn über den Boden zur Folterbank. Schau her, Kyrsal, wie nett ich zu dir bin, jetzt darfst du sogar liegen!
Sie zerrte die metallenen Gurte um Arme und Beine und begann die Maschinerie durch die Kurbel in Bewegung zu setzen, bis sein Körper bis ans Äußerste gespannt war. Sie setzte sich neben ihn.
Hör zu - du kannst es mir sagen, schlimmer als jetzt kann es nicht kommen.. es wir alles nur noch eine Erlösung für dich werden, - oder nicht? Da stimmst du mir doch zu!
Aber er wollte nicht sprechen - noch nicht.
Stunden verbrachte sie in dem Keller, sah die Adepten des Ordens ein- und ausgehen. Auf Fragen reagierte die Maga nicht, sie war höchst konzentriert den Willen des Schülers mit purer Magie zu brechen. Alle einhundert Herzschläge zog sie die Kurbel weiter an. Das stöhnen des Schülers bestätigte ihr, dass ihm langsam die Gelenke aus den Kapseln sprangen.
Eine Drehung noch und du wirst Höllenqualen erleiden.. das garantier ich dir.., flüsterte sie ihm entgegen mit einem zaghaften Lächeln auf ihren Lippen.
Er sah sie an, der flehende Blick in seinen Augen voller Schmerz und Pein war furchteinflösend für jemanden, der sich davon beeindrucken ließ. Er öffnete seinen Mund und krächzte ein paar Worte, bis er nur wenige Worte flüstern konnte.
Geflohen ... alleine sein ... ohne Orden ... ihr alle ... Verräter ... wollte aufmachen ... Befreiung der Seelen ... lossagen von Seele ...
Sie sah ihn an und begann schallend zu lachen.
Wie konntest du nur so töricht sein und glauben, dass du es so einfach schaffen könntest, dich von deiner eigenen Seele loszusagen um dem Orden zu entkommen! Es ist dein Blut, mit dem du unterschrieben hast, du törichter Bengel!
Sie schnaubte und zog die Luft tief ein. Aber ich werde dir das geben, was du willst. Ein Leben ohne Orden, ohne die Macht, die du hier erlangen kannst. Du bist schwach, Kyrsal, schwach! Und du wirst mir unterliegen, wie viele deiner anderen Brüder und Schwestern auch! Ein gehässiges Lachen flog durch die Luft.

Die blutverschmierten Hände säuberte sie gar nicht erst. Als wäre nichts weiter gewesen ging sie die Treppen empor und hinterließ eine Notiz im Lehrerzimmer, die jeder Adept und jede Adepta deutlich sehen würde. Aufräumen sollten sie, den Keller säubern. Den blutigen, verstümmelten Leichnam beseitigen. Tarja wollte ihn nicht mehr sehen, wenn sie das nächste Mal in den Raum kommen würde. Und sie hoffte, sie musste das nicht tun, weil einer der Schüler die Aufgabe nicht vollzogen hatte. Sie straffte ihre Haltung, strich eine durch Blut rot eingefärbte Strähne aus ihrem Haar und ging an die frische Luft. Sie hoffte nur, dass sich dieses vergiftete Fleisch nicht weiter durch den Orden zog.

Verfasst: Mittwoch 25. Februar 2009, 16:12
von Tarja Lycron
Die blutverschmierte Klinge zog sie letztendlich hinter sich her durch den weißen Schnee, der sich mittlerweile in ein warnendes Rot verwandelte. Eine Linie, die sich im Schnee von dem Übungsplatz bis hin zur Ruine zog. Eine warnende Linie, die einem sagte: Bis hier und nicht weiter?

Vielleicht war sie zu einer unberechenbaren Waffe geworden. Vielleicht war ihre Macht größer, als sie selbst dachte. Und vielleicht war sie auch ein tickendes Pulverfass, welches nur darauf wartete zu explodieren. Der Kopf legte sich in den Nacken und sie lachte. Sie lachte und lachte - hämisch, verrückt.

Ein Blick über die Schulter verriet, was sich dort einfand. Am Übungsplatz. Wie so oft. Bis dahin hatte sie ihre Beute getrieben, um sie dann mit den Reißzähnen zu zerfetzen. Sie leckte sich über die Lippen. Der Geruch von Blut war gerade so stark in der Luft, dass es schwer war, diesem Geruch zu widerstehen. Aber ... sie musste gehen. Sie musste nach Hause. Nicht, um sich das Blut von den Händen zu waschen. Sie war in ihrem Blutrausch verfallen und diesen musste sie beruhigen, bevor es auch noch unschuldige Opfer treffen würde.

Tap - Tap - Tap.

Die Klinge wollte gar nicht aufhören zu bluten.
Ein weiterer Blick zurück. Wie oft hatte man sie im Orden gesehen? Sie war ihr fremd gewesen. So selten war sie dort, sie war mehr Ballast als Stärke. Sie hatte zwar immer mitbekommen, was geschehen war. Stand mitten im Bilde, als sie zurückkam - aber sie konnte es sich nicht erlauben, hier aufzuwarten um sich ihren rechten Platz einzufordern. Sie würde wieder verschwinden - wie immer. Und auf kaum einen Ruf hören.

Aello, Aello ... warum musste es so kommen?

Tarja hatte sich alles angehört, was sie in ihrer kindlichen Naivität gesagt hatte. Sie hätte es nicht verdient. Alles wäre sinnlos, seitdem sie weg war. Die Maestra wäre schwach.
In aller Ruhe hörte sie es sich an. Immer wieder bezwang sie das innerliche Schmunzeln, welches sich zu einem hämischen Grinsen formen wollte. Sie hatte keinerlei Ahnung. Und sie hätte Aello der Maestra am liebsten selbst zum Fraß vorgeworfen für diese Äußerung. Aber es gab wichtigeres, womit sich die Maestra zu beschäftigen hatte. Keine Ordensmitglieder, die sich gegen den Orden stellen wollten. Zu schnell waren sie auf ihrem dunklen Weg ertappt und fortkommen würden sie so oder so nicht. Ein Fortgang würde ihren Tod bedeuten.

Tod, Tod, Tod - warum klingt das Wort so nach Sünde?

Sie hatte es provoziert. Einfach provoziert und vermutlich die Kräfte und Mächte, die Tarja verinnerlichte ignoriert. Dazu kam der natürliche Lauf des Lebens. - Der Lebenserhaltungstrieb.
Niemand würde in ihrer Anwesenheit schlecht über die Maestra reden noch würde jemand es wagen darüber nur ansatzweise nachzudenken. Und erst recht würde sie es nicht zulassen, dass sie die Insel verlassen sollte, um dem Orden den Rücken zu kehren.

Keinen Fehler, keinen Fehler.

Es ging schnell. Zu schnell.
Tarja trieb ihre Beute immer weiter zurück. Magie, die sie nutzte um sie sich zueigen zu machen. Magie, die Aello immer weiter zurückdrängte. Zweifelsfrei war sie einmal eine der mächtigsten Arkoritherinnen gewesen. Allerdings schien die Zeit vorbei zu sein. Weitere Wortwechsel, ein Knall, als würde etwas explodieren.
Die Nacht umgab beide. Kein Stern am Firmament, auch der Mond hatte sich versteckt. Es war dunkel, kalt und nass. Eine gute Nacht um zu sterben. Eine schlecht gewählte Nacht, um sich heimlich aus dem Staub zu machen. Erwischt, verflucht, aus dem Leben verbannt.
'Du redest von Stärke und bist die Schwäche in Person..'

Schwäche. Ja, eine Schwäche hatte sie. Aber die machte gleichermaßen stark.

Kein weiteres Wort. Absolutes Schweigen. Keine Rechtfertigung. Gedankenstille. Windpfeifen. Nacht.

Keine Magie war mehr nötig, als sich die diamantene Spitze der Fechtwache in das Herz Aellos bohrte. Ein weiterer Herzschlag gefolgt von einem doppelten Schlag des Herzens, ehe es verstummte. Der leblose Körper sackte zu Boden. Ein dumpfer Aufschlag, bis sich der mit Schnee vermischte Sand rot einfärbte. Der dürstende Blick Tarjas durchsuchte die Nacht. Morgen würden die Schüler wissen, was sie mit dem leblosen Körper zu tun hatten. In den oberen Räumen des Turmes waren noch ein paar Gläser frei.

Fordere deinen engsten Freund nie dazu auf, dein stärkster Feind zu werden.

Verfasst: Mittwoch 25. März 2009, 20:53
von Pavel Istor
Chaos brach unter den Schemen der Dunkelheit aus, eine bestialische Woge der erbärmlichen, niederträchtigen Schadenfreude zog über sie hinweg, brachte das scheinbare Nichts in ein waberndes Wanken. In ihrer unendlichen Langsamkeit tasteten sich die Schatten aus ihren Verstecken, krochen aus den Winkeln und Ecken, den Ritzen zwischen dem schwarzen Gestein und zogen den muffigen, mystischen Geruch der Ewigkeit mit sich. Wie eine lähmend schwere Kreatur zog sich der Ring immer enger zu, immer enger… und nirgendwo noch ein Spalt, eine Lücke… wohin nur fliehen vor dem letzten aller Monster…?

Mit einem leisen Knacksen zerbrachen die Äste und Zweige unter seinen Schritten. Der junge Magier, eingehüllt in die weite, schattenartige Robe, die nicht mehr von seinem Körper preisgab als einen schmalen Schlitz für seine Augen, nahm sich Zeit für seinen Weg zurück zur Ordensburg. Etwas in oder an ihm hatte sich verändert, nichts Sichtbares, nichts Offensichtliches. Es lag in seinem Blick, In seinem Auftreten. In seinem Gang, seiner Haltung. Doch war es nicht festzumachen an Details, an Kleinigkeiten.

Die grünen Augen mit ihrem sanften moosfarbenen Schimmer hatten sich an das Leid gewöhnt, das sie erblickten. An die leblosen, verstümmelten Körper, die ihm zur Mehrung der eigenen Macht gedient hatten. Er hatte sie alle vor Augen, er wusste, wozu er imstande war, welches Potential ihm innewohnte. Er hatte sich daran gewöhnt, er genoss es beinahe – dieses Gefühl der Stärke, der Überlegenheit und dieses gewissen Risikos, dem er sich immer wieder aussetzte. Nichts von alledem hatte seinen Blick je beeinträchtigt. „Die Augen sind das Fenster ins Innere eines Menschen.“ – was für ein polemischer, ach so lyrischer Ausspruch! Und doch nützlich, ein guter Ratgeber. Pavel hatte gelernt, den Blick zu verschleiern, das eigene Gefühl zu verbergen – sich anderen zu offenbaren hieß, sich verwundbar zu machen. Nur, wer die eigenen Gefühle zu verstecken weiß, kann ein guter, ein aufrechter Schauspieler vor dem anderen sein.

Diesmal war sein Blick hart, kalt. Es war nichts Sichtbares, nichts Greifbares, keine erkennbare Veränderung, aber in seinen Augen lag dennoch nun die letzte Spur einer Tat, die etwas in ihm verändert hatte. Was war es gewesen, das ihn für eine Weile seine Selbstbeherrschung verlieren ließ?

In seinen Fingern kribbelte es noch immer, der Drang, sie zu bewegen, sie um den Griff seines Dolches zu legen, dieses Gefühl der Macht, die Waffe in der Hand zu halten, ihr Gewicht zu spüren, sie benutzen zu können – er widerstand. Er war stärker als sein Drang. Als der Drang aus seinem Inneren, aus jenem Ort, an dem einstmals seine Seele saß. Wem nur hatte er einst den Weg in sich geebnet, wem hatte er die Macht über sich gegeben?

~~~

„Magus? Ist es dringend? Ich habe anderes zu tun!“

Widerworte. Nichts als Widerworte, Worte, die alles infrage stellen mussten. Wieso verstand sie es nicht? Wieso begriff sie nicht, wie einfach ihr Leben hätte sein können? Ein einfacher Befehl:

„Shalys, verhülle dein Gesicht und folge mir.“

Ein einfacher Befehl, verständlich, knapp. Gehorsam. Loyalität. Vielleicht sogar Vertrauen. Es wäre so einfach gewesen, er hatte es doch auch verstanden? Wieso war es ihr so schwer gefallen, sich zu unterwerfen? Der eine befiehlt, der andere gehorcht – kein Platz für Fragen, kein Freiraum für eigene Wünsche. Sie hatte es nicht gelernt. Wieso hatte sie es nicht gelernt?

„Magus? Was tun wir hier?“

Ungeduld, Unwissen. Es war so einfach gewesen, sie hierher zu führen, ohne dass sie einen Verdacht schöpfte. Hier war wirklich niemand, keiner würde sie sehen, keiner würde sie hören. Bedauerlich. Sie hatte nicht gelernt, sie hatte die Regeln nicht verstanden. War es so schwer? Die Seele dem Orden, das Leben dem Orden, und dafür die Macht. Wissen ist Macht. Doch Wissen kommt nicht von alleine. Blinder Gehorsam wohl auch nicht. Pavel wandte sich zu ihr um, Enttäuschung stand in sein Gesicht geschrieben, das diesmal nicht von schwarzem Stoff verhüllt war, ganz so, wie nur die Arkorither es kannten.

„Du bist keine gute Schülerin, Shalys.“

Hatte sie dieser Satz getroffen? Manch anderer wäre wahnsinnig geworden, nicht nur wegen dieser Feststellung. Keine Kälte, keine Härte, nicht einmal Enttäuschung lag in diesen Worten. Es war eine Aussage, klar, wertfrei und über jeden Zweifel erhaben. Es war nicht seine Meinung, die er da kundtat – es war eine reine Feststellung gewesen. Zeigte sie Betroffenheit?

„Ich… eine schlechte Schülerin? Magus, wenn es wegen der Geschichte neulich ist, in eurem Zimmer…“

Pavel schloss für einen kurzen Moment die Augen, Unruhe durchzog seinen Körper und seine Finger begannen zu kribbeln. Ungehorsam, Frechheit, Frevel… was hatte sie getan? Sie war in sein Zimmer gedrungen, hatte es gewagt, sein Gesicht ungefragt zu berühren, hatte seinen Befehl missachtet, zu gehen. Sie hatte um ihr Leben gefürchtet, ihn um Rettung angebettelt. Hätte sie nur geahnt, welcher Gefahr sie sich damals ausgesetzt hatte. Doch sein Unbehagen ihr gegenüber spielte keine Rolle mehr. Mit einem einfachen Handdeut brachte er sie zum Schweigen.

„Du bist schwach, Studiosa. Du ergreifst nicht von selbst das Wissen, das man dir vorwirft wie einem räudigen Köter zum Fraße. Du lernst und begreifst nicht die Regeln der Gemeinschaft, du schadest dir und uns. Du bist schwach, lässt dich von Schwächlingen treten und schinden, ohne dich zu wehren.“

War es Fassungslosigkeit in ihren Augen? Erkannte sie überhaupt, was er ihr vorwarf? Hatte sie begriffen, was diese Worte für sie nun bedeuten würden? Oder zeigte sich dort, in den Winkeln ihres Gesichtes, gar ein erstes Anzeichen einer tieferen Angst? Der berechtigten Furcht um ihr Leben, das einzige, was ihr noch geblieben war, nachdem sie sich dem Orden verschrieben hatte? Sie antwortete nicht. Wieso antwortete sie nicht? Es war ihre letzte Möglichkeit gewesen.

„Mach dir keine Gedanken mehr, Angelina. Du hattest Zeit genug, nun ist es dafür zu spät.“

Das schwache Lächeln auf seinen Zügen, der enttäuschte, fast traurige Blick, mit dem er sie ansah. Richtiggehend schwach wirkte seine Hand, als er sie an ihr Gesicht hob, ihr nur einen Moment mit dem Handrücken über die Wange strich. Sie wich zurück, ein kleiner Ruck nur, doch spätestens jetzt hatte sie es erkannt. Zu spät. Die Gewalt, mit der er vorging, jener brachiale Akt, in dem der Magier in die Klänge des Schöpfungsliedes eingriff, sich ihrer Melodie annahm, die Töne zum Erlahmen brachte, die einstmals lebendig spielten, erging sich in einem schmerzvollen mentalen Laut, doch die Schülerin vermochte nicht mehr, sich zu wehren, kein Muskel konnte sich unter dem Lärm noch zusammenziehen, keine Gesichtsfalte mehr entgleisen – sie stand einfach da, unfähig, sich zu rühren. Dann war alles wieder so still, und Pavel stand vor ihr, als wäre nichts gewesen. Nur konnte sie sich nicht bewegen. Nur sehen, nur hören, nur fühlen – doch nichts mehr tun.

„Keine Angst, Shalys. Er wird über den Verlust seiner Schülerin hinweg kommen. Wie wir alle. Dennoch schade, dass es nicht anders kommen konnte.“

Es ging so furchtbar langsam, dass sich seine rechte Hand in eine der Taschen der weiten schwarzen Robe schob, dort nach etwas griff. Er sah nicht einmal hin, er blickte ihr starr ins Gesicht. Der Dolch, den er hervorzog, maß eine doppelte Handlänge, auf dem Griff vollzogen einige Runen schöne und akribisch gearbeitete Schlingen und selbst auf der Klinge glänzten im Licht der untergehenden Sonne schwach einige nur leicht eingekerbte magische Symbole. Andächtig zog er die beiden flachen Seiten der Klinge über seine Handfläche, überprüfte, ob sie noch ganz, noch vollkommen war.

„Sei froh, so wirst du dem Orden ein letztes Mal dienen können.“

Es war gut, dass sie nicht mehr schreien konnte. Unfähig, sich zu rühren, musste sie die Experimente eines Magiers über sich ergehen lassen, der selten ein machtvolles Objekt zum Studium in die Finger bekam. Flammen züngelten über ihren Leib, brannten wie das schwerste Feuer, ohne sie zu verbrennen, während ihre Glieder in eisiger Kälte abzusterben schienen – ohne, dass dies wirklich geschah. Er experimentierte, kombinierte, immer darauf bedacht, sein Studienobjekt nicht zu früh aufzugeben. Sie konnte nichts mehr sagen, sich nicht mehr ausdrücken, doch er war sich ihrer Gedanken sicher – sie wollte das Ende, je schneller, desto besser. Er konnte doch noch nicht, er war noch nicht fertig. Und kein Lächeln zierte seine Lippen, kein Lachen drang aus seinem Munde, er stand nur da und beobachtete – wie ein Wissenschaftler, der sein Geschöpf zu Tode bringt, um seine Schwächen zu erkennen.

Ihr Tod war dennoch nicht die Magie. Als Pavel den Weg zurück zur Burg antrat, lag der Körper eingehüllt in ihre schwarze Kluft wie ein schwerer Sack am Wegesrand der Insel. Fast wollte es so scheinen, als schlafe sie, als habe sie ein Nickerchen gehalten. Spätestens der kleine Zettel im Eingangsbereich der Burg, geschrieben und verfasst für die Schüler des Ordens, würde auf sie aufmerksam machen – den Weg kehren sollten sie, würde dort stehen, und den Unrat endlich beseitigen, so wie sich das für den Orden gehöre. Denn es seien immer noch einige der Gläser frei. Und würden sie diesem „Wunsche“ Folge leisten, würden sie nicht nur erkennen, wer dort lag, denn der knappe, aber offensichtlich ausreichende Schnitt an der Kehle wäre kaum zu übersehen.

~~~

Pavel aber blieb anders zurück, als er gegangen war. Leid, Schmerz, Tod – schon lange waren sie seine Begleiter geworden, doch es war das Eine, einen Feind zu töten, ein Untier zu sezieren, es zu quälen und damit seine eigenen Fertigkeiten zu prüfen. Etwas ganz anderes war es, einen des eigenen, gleichen Schlages zu beseitigen. Anders – nicht unbedingt schlechter, oder mit Skrupeln behaftet. Nachdenklich sah der dunkle Magier auf seine Hand hinab, die er – eingehüllt in das schwarze Leder seiner Kluft – nun doch um den Griff seines Dolches gelegt hatte. Macht trägt Verantwortung – aber sie gibt einem noch viel mehr wieder.

Prudors Ableben Teil 1/2

Verfasst: Freitag 16. Oktober 2009, 12:31
von Sarya Lenia Vhelvet
Teil 1

Die Finger glitten über die blassen Wangen des Toten. Der Blick klar aber dennoch mit einem irren Funkeln auf ihm liegend.
Es war so einfach und doch so verführerisch ihn einfach hier und jetzt...


Nileth Azur war die Heimat derer, der Toten.

Sie richtete sich auf und der schwarze Umhang wehte sich und bedeckte sie gänzlich. Der Blick lag immer noch auf ihm. So jung und so verdorben war er, dass er sterben musste.

Prudor hatte nicht viel gelernt in diesen dunklen machtvollen Mauern, und doch genug um sie zu verraten, um den Feinden zu zeigen wo sie waren. Der Wolf versteckte sich immer gern in der Nähe der Schafherde.

Sein Tod stand schon bei der Geburt fest, wie bei jedem anderen. Doch die Art und Weise wie man sterben würde, wann und durch wen das war ein Geheimniss das man entweder selbst schon wusste bevor es passierte oder eben nicht.

Sie hatte sich seinem Schicksal angenommen, denn er war nicht mehr von Nutzem für den Orden. Seine Kräfte schienen nicht zu kontrollieren, er kam des öfteren nicht zum Unterricht und sein Verhalten war ihrer nicht gleich.



Sie trafen sich des Nachts im Keller, er kam auf ihren Brief hin und sie gingen gemeinsam den Weg gen des Kerkers und der dahinter aufgebarrten Särge.
Die Stimmen drangen nur leise durch die Schatten der Nacht.

Sie gingen langsam, sie erklärte ihm einiges über den Orden und in seinen Augen war Anfangs noch Unverständniss. Schließlich gelangten sie in den letzten Raum und sie deutete umher und bat ihn alle Namen zusammenzutragen.

Er trat an jeden Sarg heran und las den Namen, einer nach dem anderen. Beim letzten Sarg kniff er die Augen zusammen und richtete sich schließlich wieder zu ihr auf. Es stand kein Name darauf.
"Noch nicht mein Lieber, was meinst du für wen dieser Sarg aufgehoben wurde?". Er hob die Schultern und in seinen Augen flackerte die Unsicherheit zum ersten Mal auf. So langsam kam die Erkenntnis, allein schon die Art wie sie sprach wie sie stand, als wäre er ein Fremder, ein Aussenstehender, das würde ihm sicherlich die letzten Momente durch den Kopf gegangen sein.

" Es ist dein Sarg, sag wann wirst du sterben, wie wirst du sterben und durch wen wirst du sterben?", seine Hand langte zu seiner Tasche, die Haltung krümmte sich ein Stück, als wenn er tiefsitzende Schmerzen hätte.
Zweite Stufe, die Erkenntnis.

"I..ich habe nichts getan um den Orden zu entzürnen!", die Stimme klang dünn, zwischen durch brach sie ganz ab und in seinen Augen sah man zum ersten Mal etwas wie Angst. Jeder hatte im Angesicht des Todes Angst, das war eine natürliche Reaktion, denn was erwartete uns dort drüben, besonders was erwartete einen Ungläubigen, der nichts erreichte im Leben?

"Der Orden hat sich dazu entschieden dich nicht weiter zu lehren, du zeigst keine Stärke, keine bedeutende Eigenschaft die uns überzeugt dich bei uns zu behalten. Du kennst den einzigen Weg der aus dem Orden geht, also wirst du auch wissen wann du stirbst, du wirst wissen durch wen du stirbst, einzig und allein nur nicht wie.", ein Schmunzeln stiehlt sich kurz auf die blassen zusammengepressten Lippen, sie muss sich zusammenreissen, noch ein wenig warten..

Todesangst.

Er greift in seine Tasche zieht einen Dolch heraus und stürmt auf sie zu.

Verfasst: Sonntag 18. Oktober 2009, 11:52
von Myra Myrtol
falscher char -.-

Prudors Ableben Teil 2/2

Verfasst: Sonntag 18. Oktober 2009, 11:54
von Sarya Lenia Vhelvet
2. Teil

Hinter ihm bewegte sich etwas, ein schmatzendes Geräusch erklang an seine Ohren und er hielt inne, der Fehler der sein Leben kostete. Grüne Tentakeln schnellten an seinen Seiten vorbei und drückten ihn dann an den Schleimigen Torso.

Das es Hunger hatte stand ausser Frage, doch wurde es kontrolliert und konnte so seinem Vergnügen nicht nachgehen diesen leckeren Fleischbrocken in einem Stück zu verschlingen.

Der Dolch fiel ihm auf die Erde und Sarya umgriff ihn und hielt diesen in das schwache Licht des Raumes.

" Keine Sorge es wird schnell zu Ende gehen mein Lieber, obwohl ein wenig Folter?..", ein gehässiges Grinsen flackerte kurz auf den rissigen Lippen der Maga auf und sie trat näher zu ihm. " Schließlich muss ich meinem lieben Tierchen noch eine kleine Belohnung geben." Der Blick wanderte prüfend an ihm herab.

Sie riss einen seiner Arme aus der Umarmung des Tentakels und mit einem Atemzug schnitt der Dolch durch das warme Fleisch des jungen Studiosi, welcher vor Schmerzen die Augen zusammenkniff. Aus dem Fingerlosen Stumpf floss sogleich das Blut und benetzte den Boden.

Der Finger landete indes im Maul des Tentakels, welches ihn klein zermalmte und dann fraß. Mit dem blutigen Dolch stand sie dann vor ihm.
" Wo auch immer du hingehen magst, sag ihnen wer dich gerichtet hat.".

Seine Augen wurden einen moment größer während sie den Dolch an seiner Brust ansetzte und zustieß. Als sie sein Herz aus dem Leibe entfernte und in den Händen hielt, hatte er schon seinen letzten Atemzug getan und schließlich verschwand das Tentakel wieder in seiner Sphäre und der Leib glitt zu Boden.

Das Herz landete in der großen Blutlache, wahrlich ein schönes stimmiges Bild.

Eine Notiz ward den Studiosi hinterlassen, das sie den Raum säubern sollten, sie würden schon sehen was mit ihresgleichen passiert die einfach unpässlich sind.

Dann ging sie die Stufen empor und einzig und allein ein irres Lachen konnte man noch hier und dort hören.

Prudor war tot, die Schwachen mussten nunmal sterben, das war das Gesetz der Stärkeren.

Verfasst: Montag 30. November 2009, 13:22
von Pavel Istor
Alles um ihn herum war schwarz, dunkel, eine Landschaft aus dichten, undurchdringlichen Wolken, die ihn nicht einmal die eigene Hand vor Augen sehen ließen. Als Pavel seine Hände ausstreckte, stießen sie auf keinen Widerstand. Als er seine Beine bewegte, fühlte er keinen Boden, keinen Halt – es war, als stünde er schwebend in einer namenlosen, ewigen Leere. Wohin nur hatten ihn seine Gedanken wieder gebracht? Ein tiefer Atemzug und er vermeinte, die Dunkelheit regelrecht in sich aufzusaugen – und doch roch sie wie kalte, frische Luft, wie eine eisige Winternacht. Kein Geräusch drang an die Ohren des Arkorithers – wohin war nur das leise Flüstern verschwunden, an das er sich schon so gewohnt hatte?

Als Meister der Arkorither, der dunklen Boten der Schatten und einzig mächtigen Magier der Welt, kannte er die wahre Bedeutung seiner kleinen Vision. Diesen Ort, den er jedes Mal aufs Neue zu erkunden suchte, hatte er schon viele Male betreten seit diesem einen Tag. Jenem Tag, als er einen großen Schritt gemacht und eine Macht ergriffen hatte, wie er sie zuvor noch nie erkannt hatte. Es war ein rascher, einfacher Schnitt gewesen, und der Kopf der alten Maestra lag abgetrennt vor ihm auf dem Boden, das anmutige Gesicht von Schmerz und Enttäuschung verzerrt. Doch damals lag etwas in diesem Blick, das er nicht verstanden hatte.

Er hatte sich viele Male seither gefragt, wie es zu alledem nur kommen konnte. Sie alle fünf – Lucan und Tarja, Valterian und Jana und natürlich er selbst, Pavel, waren sich so sicher gewesen, dass die große Maestra nichts von ihrem kleinen Spielchen mitbekommen würde, solange sie nur vorsichtig wären. Und war es nicht so gekommen? Sie hatten die Maestra überrascht und mit ihrer eigenen Macht ausgelöscht. Ein glorreicher Sieg – und doch vielleicht mehr und weniger zugleich?

Seit er selbst ihren Platz eingenommen hatte, war er jedoch nie wieder alleine gewesen. Seine Seele, gerade noch freigekämpft vom eisigen Griff, mit dem das schwarze Buch sie festhielt, wurde von einem neuen, noch viel finsteren Schatten umgeben. Schwarze Schemen, die sich drohend in den dunklen Ecken des Ordensgemäuers bewegten und sich so in sein Gedächtnis brannten. Leise Stimmen, die ihm Botschaften zeigten, ihn aufmerksam machten und die Kontrolle über den Orden gewährleisteten. Aber auch Träume, schreckliche Träume, die seinen Geist für ihr Tun brachen. Heute war er sich sicherer denn je – sie hatte gewusst, was sie vorhatten. Und mit diesem Wissen war sie damals herabgestiegen und ihnen entgegen getreten.

„Warum?“ Das fast nur gehauchte Wort verschwand irgendwo in den dunklen Schleiern, ohne, dass ein Echo zurückkam. Warum hatte sie es geschehen lassen? Hatte sie ihre eigenen Mächte überschätzt? Geglaubt, sie könnte es mit fünf Magiern zugleich aufnehmen? Hatte sie gedacht, bei ihrem Anblick würden die Arkorither erneut zaudern, sich zerstreiten und so ihr Ansinnen aufgeben? Oder steckte etwas anderes dahinter?
Noch ehe er diesen Gedanken beenden konnte, trat durch einen schmalen Riss inmitten der Schatten ein unglaublich helles, grelles Licht, als stünde die Sonne selbst hinter den Wogen und begehre Einlass. Widerwillig und zögernd gab der schwarze Vorhang nach und offenbarte eine Welle weißen Lichtes, die über den Magier hinwegfegte, der geblendet beide Arme vor die Augen hielt.

Wenige Augenblicke später ließ das Licht nach und Pavel öffnete die Augen wieder. Das erste, was er wahrnahm, waren die Geräusche um ihn herum – das Zirpen von Grillen, das leise Brummen einer Biene, die nach Nektar suchte, und das raschelnde Geräusch von Ähren, die sich im Wind wogen. Er stand inmitten eines weiten, goldenen Getreidefeldes, die Sonne hoch oben am Himmelszelt wärmte strahlend die Welt und sorgte für ein leises Kribbeln auf seiner Haut. Er brauchte sich gar nicht weiter umzusehen, denn er wusste, wo er war. Zielstrebig ging er auf das nahe Bauernhaus zu, aus dem schon verheißungsvoll der Duft einer frischen Kartoffelsuppe lockte. Als Pavel den Raum betreten hatte, hielt er plötzlich inne – er kannte diese Szene.

Die Küche, in der er nun stand, war furchtbar eng. Ein kleiner Tisch aus Holz in der Mitte diente als zentrale Ablagefläche, während andere Gerätschaften wie Herd, Schränke oder ein kleiner Holzofen sich darum versammelten und kaum Platz genug für eine einzelne Person boten, sich in der Küche zu bewegen. Eine rustikale, kräftig gebaute Frau stand in ihrem fliederfarbenen Gewand vor einem kleinen Feuer und rührte in einem Kessel, in dem sich die Suppe befinden musste. Sie summte leise eine Melodie vor sich hin – ein altes Kinderlied, wie Pavel es immer von seiner Mutter gehört hatte. Unter dem hölzernen Tisch drang leises Kinderlachen hervor sowie ein Geräusch, als klopfe jemand zwei Holzklötze in spielerischer Freude gegeneinander. Pavel bückte sich und warf einen Blick unter die Tischplatte. Ein kleiner Junge, vielleicht drei oder vier Jahre alt, saß dort und spielte lachend mit zwei Holzfiguren. Doch während die Köchin, die seiner eigenen Mutter wahnsinnig ähnlich war, ihn gar nicht wahrzunehmen schien, hob der kleine Junge plötzlich den Blick. Doch statt eines fröhlich lachenden Jungengesichtes sah Pavel – sein eigenes Gesicht zu einer hässlichen, bösartigen Fratze verzerrt! Erschrocken taumelte er zurück, stieß sich dabei den Kopf an der Tischplatte und…

… fand sich umgehend an einem ganz anderen Ort. Ein großer, geräumiger Wohnbereich, ganz gleich dem seines alten Wohnhauses und eingerichtet so, wie sein ältester Bruder es damals am liebsten mochte. Nach dem Tod ihrer Eltern hatte er den Hof übernommen und seine Geschwister mit eiserner Hand regiert, damit sie seine Arbeiten erledigten. Pavel, als Jüngstes der Kinder, hatte am meisten unter der schweren Hand seines Bruders zu leiden gehabt, ohne sich jemals zu beschweren. Er brauchte den Blick noch nicht einmal heben, er wusste, wo er gelandet war.

Vor ihm waren vier Männer. Zwei von ihnen lagen in der Ecke des Raumes, ihre Gesichter vor Angst verzerrt, den Blick starr auf einen Dritten gerichtet, der schreiend und wutentbrannt mit hocherhobener Faust vor ihnen stand. Ein heller Lichtblitz wurde von dem Messer reflektiert, das er in seiner Hand hielt. Nur ein einzelner Mann stand zwischen ihm und seinen Opfern, und selbst trotz des Messers wurde er schlagartig laut, stieß den Angreifer fort. Regungslos verfolgte Pavel, wie er selbst vor vielen Jahren seinen eigenen Bruder zu Boden stieß. Doch noch viel fassungsloser war er, als die erste magische Applikation, die er je gewirkt hatte, begleitet wurde von… nichts. Stille. Leere. Er sah, wie die Fackeln im Raum sich bewegten, wie alles zu verschwimmen begann und sich langsamer bewegte, aber der vertraute Klang des Liedes, der Schöpfung – er war fort. Zum ersten Mal, seit er diese Vision begonnen hatte, trieb ihn Angst. So nahm er kaum noch wahr, wie sich sein älterer Bruder nun schreiend in einem Meer aus nie verendenden Flammen wand und verbrannt wurde, ohne Schaden zu nehmen.

Die Erinnerung endete so plötzlich, wie sie begonnen hatte. Das Schwarz der Dunkelheit war endgültig gewichen und so stand Pavel wie gewohnt inmitten des gewaltigen Balkons, der ihm einen Ausblick über die ganze Insel gewährte. Sein Reich. Seine Macht. Alle, die hier lebten, waren ihm untertan. Er, der einfache Bauernjunge, der nur durch die Gnade eines Bruders die Gabe zu Schrift und Sprache erlangt hatte, war zu einem der mächtigsten Wesen geworden, die es auf der Welt gab. Welch seltsames Spiel das Schicksal mit ihm trieb…

Viel zu spät nahm er das Geräusch hinter sich wahr. Als er sich umwandte, hatte sich der junge Mann bereits erhoben. Nein – das konnte nicht sein. Wieder war es nicht mehr als ein Erinnerungsfetzen – einer Erinnerung, die er selbst nie erlebt hatte! Es war eine Vision gewesen, ein Traum, eine seltsame Illusion, die ihm Streiche gespielt hatte, aber doch nicht real! Wie konnte er sich daran erinnern? Der Mann, der nun als stattlicher Krieger vor ihm stand, war damals jedoch nackt gewesen und hatte sich verängstigt in die letzte Ecke gedrängt, geschrien und versichert, dass ihn seltsame Kreaturen beinahe gefangen und getötet hätten. Von der einstigen Schwäche war nichts mehr übrig. Unwillkürlich langte Pavel an seine Seite, um seinen Dolch zu ziehen und – griff ins Leere.

„Suchst du den hier?“ Der Fremde zog einen rotschimmernden Dolch aus seiner Robe und schlagartig begannen einige helle Runen auf der Klinge aufzuleuchten. Auch das… war unmöglich, diese Runen sollten nur Pavel alleine dienen!

„Gib dir keine Mühe, ich bin nicht mehr als deine Einbildung, ein vergangenes Ich. Die Zeit der Flucht ist endlich vorbei. Du kannst nicht ewig weglaufen, Rilan – oder sollte ich dich Pavel nennen? Du bist mir so ähnlich und doch so fremd geworden.“ Langsam kam er näher, setzte einen Schritt vor den anderen, und ohne seine Magie sah Pavel sich gezwungen, immer weiter zurückzuweichen. „Gib mir die Hand und ich führe dich zu deiner letzten großen Macht.“ Der schwarze Stein bohrte sich schmerzhaft in Pavels Rücken, als er das Geländer seines Balkons erreicht hatte. Wieso er Furcht empfand vor diesem einfachen Mann, wusste er nicht – aber er verspürte sie und er wusste, dass er sich ihm nicht ergeben durfte. Dass es das Ende wäre. Seine Hand berührte ihn an der Schulter und ein eiskalter Schauer verhinderte, dass er sie einfach wegwischte. Ohnmächtig sah er zu, wie ein unwirklich schönes Gesicht immer näher kam, dunkle, den Tod versprechende Lippen sich den seinen näherten… und er sprang. Über die Brüstung, hinab in die Tiefe, ungeachtet dessen, wo er jemals landen würde.

Noch während des Fallens wurde es immer schwärzer um den Arkorither herum, sein weiter, dunkler Umhang flatterte im Fallwind und plötzlich, unerwartet und so furchtbar leise, dass er es kaum hören konnte, meinte er einige gewisperte Worte zu vernehmen: „Wir hatten dich gewarnt… nutze… die Zeit…“ Das Flüstern erstarb in einem leisen Windhauch.
Schweißgebadet wachte Pavel auf saß umgehend senkrecht in seinem Bett. Ein rascher Blick zu allen Seiten, aber es war alles beim Alten – niemand, der sich seiner Kammer bemächtigt hatte, niemand, der ihn bedrohte. Es war alles beim Alten und er musste keine Angst mehr haben – ein Gefühl, dass sich der Meister des Ordens nicht erlauben durfte. So stand er auf und wirkte geübt eine magische Applikation, sammelte die Dunkelheit um sich, beobachtete, wie die dunklen Schwaden seinen nackten Körper umhüllten und zu einer Robe wurden, die den Feinden des Ordens den Untergang prophezeite. Doch er ahnte nicht, dass dies seine letzte Applikation sein würde. Gerade, als er den Raum verließ, schüttelte ihn von einem Moment auf den nächsten ein mächtiger Hustenanfall, und als der Schmerz nachließ und Pavel auf seine Hand starrte, da störte ihn das rote Blut auf dem schwarzen Stoff.

Verfasst: Montag 30. November 2009, 14:05
von Jana Layani Thyrmon
Ein eisiger Windhauch zog an ihrem Körper vorbei, ließ ihr rotes Haar für einen Moment unruhig auf ihren Schultern wirbeln. Ihre Haare trugen ein Rot, welches sich deutlich von den schwarzen Schatten, die ihre Haut einhüllten, abzeichnete. Inmitten eines kleinen Gartens stand sie. Ihr kleiner, begrünter Garten. Keine Regung zeigte sich sonst dort. Kein Leben, keine Blätter die im Herbstwind tanzten. Nichts. Selbst die Insekten und Krabbeltiere schienen wie ausgestorben.

Hätte man sie beobachtet, hätte man meinen können sie wäre zu Eis erstarrt. Sie regte sich nicht. Nicht einmal ihre Gesichtszüge offenbarten Mienenspiele. Ihre militärische Haltung, welche sie sich angewöhnt hatte, seit sie dem Orden beigetreten war, tat ihr übriges dazu. Sie hing ihren Gedanken nach.

Viel hat sich in ihrem Leben geändert. Tamael … ein Wink des Schicksals, ein Weg, der für sie immer noch unerklärlich erschien. Er näherte sich ihr auf eine Art, die sie schwach werden lies, ihre Macht, die sie hatte schien sie in seiner Gegenwart zu vergessen. Sie spürte den Drang nur eine einfache Frau zu sein, die in starken Armen aufgefangen werden wollte. Aber wer konnte sie schon wirklich aufgefangen? Innerlich lachte sie, denn eigentlich war Tamael alles andere als stark. Seine Macht reichte einfach noch nicht aus um ihr das Wasser zu reichen. Ein Wimpernschlag, eine Applikation und es wäre vorbei mit ihm. Jedoch wuchsen seine Kräfte mit jedem Tag, er war gelehrig und wissbegierig, das durfte man nicht vergessen. Irgendwann war er eine Gefahr für die Welt und dieses Wissen würde Jana ein Lächeln ins Gesicht zaubern, wenn sie im Moment zu einer Regung fähig wäre. Aber sie hatte keine Lust, sich ihre Gedankengänge auch nur ansatzweise anmerken zu lassen. Es wäre ein wissendes, gehässiges und auch befriedigendes Lächeln, welches zeigte, dass Gefahr für die Welt drohte. Ein Untergang für all jene, die es nicht verdient haben weiterzuleben. Ein angenehmer Gedanke.

Viele sind gefallen, weil sie zu schwach waren ihre Macht zu kontrollieren oder mit ihr sinnvoll umzugehen. Es war Naturgesetz. Die Starken würden die Schwachen aussortieren. Es bestätigte sich immer wieder. Zu sehr von Machtgier getrieben und der ein oder andere gelangte an sein Ziel.

Ihre Familie war nun komplett von ihr fern. Keiner stand ihr hier noch im Weg. Selbst Tarja hatte ihre Ruhe gefunden. Lucan behütete ihren Leichnam noch immer wie seinen Augapfel, vielleicht sollte man ihm endlich nehmen, was dem Orden gehörte. Viel zu lange hatte man zugesehen.

Hier wusste sie noch nicht, dass ihr Leben nochmals eine Wendung nehmen würde. Hier wusste sie auch noch nicht, welche Macht ihr zuteil werden würde.

Ein dunkler Schatten schlich sich langsam von ihren Füßen über ihren Körper hinweg nach oben. Er schien sie einzusperren, gefangen zu nehmen. Fast als wollte er ihr etwas mitteilen. Macht hüllte sie ein, unsagbare Macht welche sie beinahe zu ersticken schien. Ein Bild spielte sich vor ihren Augen ab…

Leisen Schrittes schlich sie durch die dunklen Gänge der düsteren Burg. Eine unsagbare, angsteinflößende Stille beherrschte die dunklen Mauern. Die steinernen, kalten Stufen der Treppe spürte sie kaum unter ihren Füßen. So leichtfüßig bewegte sie sich immer weiter noch oben. Ein Stockwerk nach dem anderen zog an ihr vorbei. Die schwarzen Gewänder schwangen geräuschlos um ihre Beine. Irgendwann stand sie oben. Die Tür schien nur angelehnt. Ein ächzender Laut war zu hören. Ein Klang der auf unruhige Träume schließen lies.

Dann war das Bild fort. Genau in diesem Moment regte sich die Figur im Rasen wieder. Die Schatten um sie herum schienen verschwunden. Schnell wand sie sich in einer fließenden, unheilvollen Bewegung herum und trat eiligen Schrittes wieder ins Haus. Ihr Blick war hart, kühl und entschlossen.
Sie zögerte nicht, das Lied auf grauenvolle Weise zu manipulieren. Von außen betrachtet schien sie mit der Welt zu verschmelzen. Jegliche störenden Klangstrukturen wies sie von sich, um den Ort zu finden, der keinen Klang mehr zu lies. Ein Ort an dem kein Laut mehr zu hören war. Schatten umspielten wieder ihre Gestalt und langsam, fast wehmütig tat sich ein Riss in der Luft auf, welche einen Gang in die beschworene Ebene öffnete. Flink schob sich Jana hindurch und suchte sich ihren Weg zur Burg. Einen Weg den sie täglich beschritt. Und gerade heute schien dieser wichtiger den je zu sein.

Das Bild, welches sie vorhin noch vor Augen hatte, wandelte sich in Wirklichkeit. Mit nur einem Unterschied. Es drang kein ächzender Laut aus den Räumen des Meisters, sondern ein abscheulicher, quälender Husten.

Ein Lächeln schlich sich nun auf ihr Gesicht. War es an der Zeit, nachdem zu greifen, was ihr eigentlich schon seit Lythiana’s Ableben zustand? Sie hatte ihm die Macht gegönnt, aus reinem Egoismus. Die Hoffnung, dass seine Machtgier und das dazugehörige ‚Sein’ ihn innerlich auffressen würde, dass er diesem Druck und dieser Kraft nicht standhalten konnte. Aber er hielt es aus, er war doch mächtiger als sie dachte. Nicht nur ein kärglicher, unscheinbarer Mann, den er oftmals nach außen kehrte. Er machte sein Spiel gut. Rilan wusste wie man trügerisches Vertrauen schaffte. Er hatte sie um den Finger gewickelt, ohne das es ihr bewusst war, wie sehr sie in seinen Klauen fest hing.

‚Sollte das jetzt ein Ende haben? Sollte sie auch ihr gewonnenes Vertrauen, welches Rilan ihr entgegenbrachte, nutzen? Oder war ihm schon lange klar, dass sie es sich zu nutzen machen würde, wenn die Zeit dafür gekommen ist?’

Langsam glitt ihre blasse, von Narben gezierte Hand auf den Türgriff. Als sie diesen jedoch nach unten drücken wollte, zuckte ihre Hand zurück wie wenn sie sich daran die Finger verbrannt hätte. Jedoch war auf ihrer Hand keinerlei Spur davon zu sehen. Der Blick lag steinern auf der Tür. Durchringend sah sie jene an, als wolle sie durch sie hindurch sehen. Eine Applikation, welche ihr immer wieder zeigte wie anspruchslos das Leben sein konnte. Mittels Magie war einfach so vieles möglich ohne sich überhaupt körperlich bewegen zu müssen. Kurzum schwang die Tür auf, als hätte sie darauf gewartet, ausgerechnet ihr, Einlass zu gewähren.

Leisen Schrittes, fast lautlos trat sie ins Gemach des Meisters. Sie wusste, sie war ihm gewahr. Schließlich entging ihm nichts und trotzdem war irgendetwas anders als sonst. Das Bild welches sich ihr bot, sprach Bände.

Aufgerichtet saß Rilan in seinem Bett und starrte das Blut auf seiner Hand wie auf seiner schwarzen Robe an. Entsetzen, Schwäche und auch der Ärger darüber, was mit ihm geschah, stand in seinen Augen. Ein makelloses Bild von ihm. Es zeigte, wer er wirklich war, was er wirklich war. Auch nur ein Mensch mit Gefühlen, welche er sonst nicht zuließ oder gar zeigte. Ein Anblick der Jana gegönnt war, genau in diesem Moment. Vielleicht bat er auch still um Hilfe. Hilfe dieses Blut zu entfernen, diesen Husten zu stillen, der ihn umzubringen schien. Langsamen Schrittes ging sie auf ihn zu. Ihre Gedanken überschlugen sich. Es war an der Zeit, den Meister in die Knie zu zwingen. Er war schwach genug. Mit List und Tücke würde sie an ihr Ziel gelangen.

Wehmut schlich sich in ihre Gedanken. Es verband sie doch mehr, als nur den Rang des Meisters und der Elegida. Das Vertrauen zu einem jenen wuchs, eine Verbundenheit die vieles opferte und nicht mehr zuließ. Die Führung des Ordens hatten sie an sich genommen. Gemeinsam gingen sie diesen ‚einen’ Weg weiter. Sie arbeiteten Hand in Hand und trotzdem war es nicht das, was sie wollte. Der kleine Funken an Macht fehlte. Immer war sie nur zweitrangig. Sie war es leid immer nur zu funktionieren, auch wenn sie bereits vieles in der Hand hielt. Aber es war eben noch nicht alles.

Ihre Miene war kühl und undurchdringlich wie eh und je. Zumindest wollte sie so wirken. Seine Stimme drang an ihr Ohr, sie nahm sie nur noch zweitrangig wahr.

Sorge dafür, dass das hier weg kommt!

Seine Stimme war schwach und doch klang in dieser Anweisung ein Unterton mit, der keine Widerrede duldete. Wie in Trance bewegte sie sich weiter auf ihn zu, setzte sich auf die steinigen Kanten, die sein Bett umrandeten. Ihr Blick schien nun weich zu werden, Besorgnis mag darin zu lesen sein. Mittlerweile beherrschte sie selbst solche Züge, dank Tamael wusste sie, welches Gefühl sie hierfür brauchte. Sie wusste, welche Mischung aus Hart-und Warmherzigkeit sie nun einsetzen musste. Es fiel ihr nicht leicht. Doch wahrscheinlich war es das, was den Meister irritierte.

Ich werde dafür sorgen, dass das hier weg kommt. Keine Sorge.

Doch wäre es zuerst gut daran getan, wenn du dir helfen lässt. Du kannst dir eine solche Schwäche, eine solche Krankheit, die dich außer Gefecht setzt nicht erlauben.

Kein Wort, was hier passieren wird, wird über meine Lippen kommen. Aber bitte lass dir von mir helfen.


Eindringlich und beruhigend redete sie auf ihn ein. Sie gab ihm das Gefühl, das sie ihm wirklich nur helfen wollte. Vertrauen zu missbrauchen war so einfach, jedenfalls dachte sie das. Entweder vertraute er ihr, oder nicht. Sie musste es darauf ankommen lassen. Seine Zweifel jedoch, lagen klar in seinem Blick. Sie spürte, dass er ihr nicht vertrauen wollte und es doch auf seine Weise tat.

Ihre Augen suchten den Weg zu den seinen. Verzweiflung, Besorgnis und Machtgier spiegelten sich in ihren Augen. So kam eines zum anderen, es war als würde sie von einer anderen Hand geleitet werden, so als wäre sie nicht mehr sie selbst. Geführt von einer Hand die ihr sagte, was sie nun zu tun hätte.

Ihre von Narben gezierte Hand glitt fast anmutig über die Blutflecken auf seiner Robe, sie führte sie weiter hinab bis hin zu seinem Dolchgurt. Sein Blick verfolgte sie nur. Geschickt und in sekundenschnelle entwand sie ihm seinen Dolch und vollbrachte ihr ‚Meisterwerk’. Sie wollte ihn schließlich von seinen Qualen erlösen. Er sollte nicht mehr husten, nicht mehr leiden müssen. Es würde eine einfache Erklärung für alles geben. Ein höhnisches, zartes und zufriedenes Lächeln legte sich wieder auf ihre Lippen, als sich der Gedanke in ihren Kopf schlich.
Nur wenige Sekunden vergingen, bis sie ‚seinen’ Dolch inmitten seines Herzen rammte. Ein gerechter Platz für all die Qualen, die sie leiden musste, als er sie nicht bemerkte. Damals, als alles anfing. Sie erinnerte sich noch gut, an den Tag, als sie sich zum ersten Mal ins Gesicht sahen und an den Tag, als sie beide feststellten, das sie die gleichen Ziele hatten.
Und jetzt, jetzt ist es soweit gekommen, dass sie sich trennen mussten. Ein Band zersprang in tausend Teile. Es warf sie zurück, sie wusste nicht was mit ihr geschah. Schatten hüllten sie ein und nahmen ihr das Licht. Das Atmen fiel ihr schwer, doch sie kämpfte, sie durfte nun nicht das Bewusstsein verlieren oder gar den Kampf aufgeben. Ihr Ziel war so nah.

Verfasst: Dienstag 17. Mai 2011, 17:26
von Jana Layani Thyrmon
Der letzte Schritt einer Elegida - Tarja:

Es war die Verzweiflung, die sie walten ließ. Was hatte sie schon noch? Ihre Tochter wurde geopfert, ihr Mann war immerzu fort und sie selbst? Sie hatte sich selbst schon lange verloren. Niemals in ihrem Leben konnte sie frei sein. Und sie sehnte sich nach der Freiheit. Genau das war ihr größter Wunsch. Ihr Weg führte sie ein letztes Mal durch die Burg. Ihre Finger glitten über Möbelstücke, Bücher, Utensilien. Dann stieg sie hinab in den Keller. Es würde schnell gehen, soviel war sicher. Sie hatte genug über Folter und Todesmethoden gelernt in ihrem Leben. Jana würde ihr verzeihen, ganz bestimmt.

Sie öffnete die Ampulle und setzte das Messer an ihrem Arm an. Nur ein kleiner Schnitt und eine geöffnete Ader reichte aus, um sich selbst den Todesstoß zu verpassen. Für die einen möge es Feigheit sein – für sie erfüllte sich gleich der größte Wunsch. Frei von allem. Frei von all dem Hass, den sie sich selbst entgegenbrachte und den sie von anderen verspürte. Frei von jeglichen Gedanken. Ihre Mundwinkel wurden sanft in die Höhe gezogen. Jana würde einen Nachfolger finden, der es verdient hatte. Der den Orden noch nie im höchsten Maße enttäuscht hatte und der Ordensleitung noch nie in den Rücken gefallen war. In ihren Gedanken offenbarte sich eine Gestalt und sie nickte. Jana würde wissen, was zu tun war. Sie würde es einfach wissen. Tarja schloss die Augen und kippte die Essenz auf die Wunde. Der Orden war ihr Leben gewesen. Ein Leben in Sklaverei. Und dennoch ein Leben, welches sie selbst nur zu gern gewählt hatte. Aber es war vorbei. Ihr Herz hörte auf zu schlagen und ihr lebloser Körper lag auf dem Boden des letzten Raumes des Kellers.



Jana …

Die dunklen Mauern versprühten förmlich unheil und wieder einmal ging ich durch die Burg. Warum auch immer ich das ausgerechnet heute tun mußte. Irgendetwas spürte ich, ich konnte es fühlen und doch war es nicht greifbar aber irgendetwas war anders. Es war als würde mein eigenes Blut in mir brodeln und gleichzeitig stillstehen. Wie wenn jemand meine Kehle zudrückte und wieder losließ. Ein innerer Kampf und doch war alles seelenruhig als wäre ich genau mit diesem ‘letzten’ Kampf zufrieden. Meine Schritte wurden schneller. Doch reichte die Geschwindigkeit nicht aus, denn als ich dort ankam, wohin mich meine Gefühle führten, war es zu spät.

Das Bild, welches sich mir im letzten Raum des Kellers bot, brachte mein Blut zum kochen und nicht nur das. Ich war nicht mehr ich selbst. Er nahm Besitz von mir, ich ließ meiner Wut und meiner Trauer freien Lauf. Es konnte nicht sein, dass sie sich einfach das Leben nahm. Doch wußte ich genau, was sie fühlte. Ich wußte, wie sie sich die ganze Zeit fühlte, als wir sie wieder zum Leben erweckten. Sie war einsam, allein. Genau wie ich selbst. Der Orden war das einzige was wir noch gemeinsam hatten. Ein Leben in Sklaverei und trotzdem war es genau das, was wir immer anstrebten und wollten.
Dunkle Wolken zogen über die Burg, als ich das Lied auf schrecklichste Art und Weise manipulierte. Regen ergos sich gnadenlos über die Burg, so als würde die Sintflut über sie kommen. Weiße Blitze durchzuckten den Himmel und lautes Donnergrollen begleitete diesen Anblick. Gleichzeitig konnte man die Erde beben spüren. Diese Unwetter über und um die Burg zeigten deutlich Unheil und jeder wußte, dass die Maestra ihren Gefühlen freien Lauf lies.

Bilder blitzten in meinen Gedanken. Es war als würde mein Leben nochmals vor mir ablaufen. Doch auch die Zukunft zeigte sich. Blonde Haare schlichen sich durch meinen Kopf und ich sah den letzten Wunsch meiner Ordensschwester. Es schien wie eine Vision und doch kreischte ich lautstark. Dieses Kreischen, es kam nicht von mir. Es war nicht meine Stimme. Der Dämon grollte und vereinte sich mit mir, mit meiner Wut, meiner Trauer. Ich sah mich noch den blutroten Dolch ziehen. Die Runen darauf leuchteten hell auf, als ich ihn an ihrer Kehle ansetzte und ihr das schenkte, wonach sie sich sehnte. Diesmal sollte ihre Seele frei sein. Freiheit. Das war es, was man sich nur noch wünschen konnte, wenn einen der Orden erstmal in den Fingern hatte.

Irgendwann wurde es wieder ruhig. Nur noch nebelartige Schatten durchzogen die Burg. Stille verbreitete sich. Unendliche Stille. Würde jemand in den letzten Kellerraum treten, würde dieser jemand sehen, wie mir eine Träne die Wangen herunter lief. Tränen. Wie lange hatte ich nicht mehr geweint. Jahre. Jahrzehnte. Doch sie waren echt. So schnell wie sie kamen, versiegten sie auch wieder. Wer würde schon Schwäche zeigen wollen? Ich jedenfalls nicht. Und irgendwann, im Laufe der Zeit wird sich herausstellen, wer ihren Platz einnehmen wird. Vertrauen war etwas, was man nicht einfach so bekommt, man muss es sich erarbeiten, verdienen.