Seite 2 von 3
Verfasst: Freitag 17. August 2007, 23:32
von Lanaya Shevanor
Tage später auf dem Meer
Das Geräusch der Wellen jene gegen das Holz des Schiffes klatschten veranlasste die Maga dazu die Augen in aller Frühe aufzuschlagen. Einige Herzschläge ruhte der Blick an der Decke über ihr dann erhob sie sich ohne das geringste Anzeichen von Müdigkeit. Im Gegenteil, sie fühlte sich so ausgeschlafen wie lange nicht mehr. War es Aufregung, Erwartung – ein letzter Rest an Emotion dem der Orden noch nicht entgegen gewirkt hatte? Schmunzelnd zog sie, nachdem sie sich gewaschen hatte, etwas seetaugliches über und richtete den Blick auf die Lethra die noch auf ihrem Lager ruhte. Vor der ersten Nacht hatte ihnen Rayrrak offenbart das man für die einzigen Damen an Deck der Schiffe nur eine Kammer erübrigen könne. Nur kurz hatten sich die tiefgrünen Augen Velvyr`s in ihren eisblauen Augen verloren. Vielmehr als diesen einzigen Blick hatte es nicht benötigt. Die Lethra schien aus irgendeinem Grunde gar nicht so abgeneigt. Lag es an dem Letharen der sie begleitete oder sollte es tatsächlich etwas anderes sein?
Sacht hoben sich die Mundwinkel der Arkoritherin während der Blick über die onyxfarbenen Haare der Lethra glitten. Exotisch, hübsch und interessant hätte sie die Züge der Letharin beschrieben. Gleichsam würde sie nicht den Fehler machen ihre Fähigkeiten zu unterschätzen. Leise wandte sie sich ab die Kammer zu verlassen. Ob die Lethra schlief oder lediglich auf genau diesen Moment gewartet hatte vermochte sie nicht zu sagen. Auch sie wusste ihre Masken perfekt zu tragen. Recht flink schritt sie durch die engen Gänge um Ritter Rasakar zu suchen. Ob er schon wach war? Erst an Deck fand sie ihn nahe des Kapitäns. Beide schienen in ein Gespräch vertieft und so ließ sie ihnen den Moment und verlor sich in der Betrachtung des Meeres. Es versprach ein schöner Tag zu werden und fast schon schrak sie zusammen als sich eine starke Hand auf ihre Schulter legte. Sie mochte es nicht wenn man sie anfasste und dementsprechend wirbelte sie herum und richtete den Blick fast etwas empört auf den Ritter. Er hatte sie angesprochen und sie hatte es nicht gehört. Nachdem die gewohnten Floskeln ausgetauscht waren setzte man sich zusammen. Auch Velvyr und Q´in fanden zu der Runde.
Ruhig berichtete sie den Dreien von Shevon und Shevanor. Alles wurde beschrieben, die Landschaft, die Menschen ja sogar das Wetter jenes gewöhnlich um diese Zeit herrschte sprach sie an. Versorgung und Unterkunft mussten besprochen sein und bald schon war man sich einig das Lager der Truppen auf den weiten Ebenen südöstlich Shevon`s aufzuschlagen. Auch den Ausbau der Verteidigung sprach man an und nicht wenige Male zogen sich ihre Brauen zusammen. Wahrlich, diese 'Vorsorge' würde mehr als nötig sein. Die militärische Ausbildung ihrer Mannen ließ deutlich zu wünschen übrig. Bisher war dies auf Grund der trügerischen Sicherheit vernachlässigt worden. Natürlich hatte sich in ihrem Lehen viel getan doch reichen, reichen würde es nicht. Die Garde umfasste nicht wenige Mannen deren Ausbildung sie grob auf einen knappen, mittleren Stand benennen würde. Man würde wahrlich einiges zu schaffen haben ehe eine gewisse Sicherheit gewährt wäre. Den Vorschlägen des Ritters gab es kaum etwas anzufügen. Schon vor einigen Tagen hatte sie überrascht festgestellt wie bewandert er eigentlich in derlei Dingen war. Seine Heiligkeit hatte wie immer eine treffliche Wahl getroffen Stunden zogen sich die Gespräche hin und erst spät am Abend sah man ein letztes Mal auf die Karte die inzwischen von unzähligen kleinen Punkten geziert war die das Besprochene festhielten.
Noch jedoch zog es sie nicht in die kleine Kabine zurück die sie mit der Lethra teilte. Hinauf an die salzige Luft ging es um unter den Sternen zu verharren. Die jahrelang trainierte Haltung war wie immer kerzengerade und diesmal hörte sie es als Schritte aufklangen. Ohne sich herum zu drehen wusste sie wer sich da näherte. Sacht wehten die hellen Haare im Wind und die lederne Kleidung schützte vor Gischt und nächtlicher Kälte. >>Eine wunderschöne Nacht Velvyr, nicht wahr?<< Leise klang die Stimme auf und auch jetzt wandte sie sich der Lethra nicht zu die ruhig neben sie trat.
Verfasst: Samstag 18. August 2007, 18:11
von Velvyr´tae
“Vielversprechend..“ Ihre Antwort war leise, nur für Lanaya vernehmbar. Auch der Blick der Lethra wanderte über den klaren Sternenhimmel, während sie sich zu der Baronin gesellte. Sie hatte keinen Sinn für die Ästhetik dieses Anblicks, doch lag im tiefen Blau des Firmaments eine Zukunftsvision verborgen. Und jede Nacht trug sie näher an ihren Bestimmungsort.
Das ewig schlingernde Auf und Ab des Schiffes wirkte aufreibend. Gleichmässig, eintönig, ein steter Hohn auf Tatendrang und Ungeduld. Stunde um Stunde, Minute um Minute, Augenblick um Augenblick verrann. Die Lethra tigerte vor allem in den Abendstunden, wenn Ruhe eingekehrt war, ihre Runden auf weichen Ledersohlen über Deck. Sie war darin geübt, niemandem im Weg zu sein, unauffällig und übersehbar, doch ihre Unruhe war greifbar genug um Blicke auf sich zu ziehen. Die Mannschaft des Schiffes schenkte ihr selten Aufmerksamkeit, man mied die offensichtlich hochrangigen Passagiere generell, ohne je unhöflich oder respektlos zu werden.
Während der Tagesstunden hatte sie Beschäftigung. Die langen Besprechungen zwischen der Baronin und dem Ritter füllten Zeit und weckten ihr Interesse. Die Beschaffenheit des Lehens, die Überlegungen Rayrraks zu Nutzen und Nachteil – all dass verschaffte ihr einen Einblick in die Gedankenwelt dieser beiden Menschen. Und so sprach sie wenig in diesen Tagen, immer im Hintergrund beobachtend. Obwohl ihre Nerven angespannt waren, konnte sie dennoch ihre Zufriedenheit mit diesem Dasein kaum verhehlen. Diese Reise ermöglichte ihr die Rückkehr in ein längst vergangenes Leben. Sie war nun wieder ein Schatten, die stille Betrachterin ohne am Geschehen beteiligt zu sein. Und für kurze Augenblicke fühlte sie sich wieder unbedeutend, aber frei. Doch die Realität war nicht zu leugnen, selbst wenn sie sich selbst über längere Zeit hätte täuschen können. Ihre Aufgabe wartete nicht erst in Shevanor, sie würde auch während der langen Wochen der Überfahrt wertvolle Beobachtungen machen können.
Vieles hatte sie bestätigt gefunden, vieles neu erfahren. Der Ritter, dessen fanatische Hingabe sie schätzen gelernt hatte, erwies sich als bedächtiger Taktiker. Er wog ab, verglich und bezog kleinste Details mit ein. Ob er auch in der Hitze des Gefechts die richtigen Entscheidung treffen konnte, würde sich zeigen. Seinen wachsamen Blicken entging wenig, auch nicht der Zwiespalt zwischen ihrem zurückhaltenden Auftreten und der verhaltene Unruhe. Sie beobachtete ihn selten offen. Er schien ihren Blick stets zu spüren, obwohl er die Illusion aufrecht erhielt und ihr Tun niemals hinterfragte. Doch konnte sie sich nicht verwehren, ihm von Zeit zu Zeit lautlos zu folgen. Würde er dieser Aufgabe gewachsen sein? War er nur äußerlich, wer er zu sein schien oder reichten die Wurzeln in die Tiefen seiner Seele?
Er unterbrach auch auf dem Schiff seine täglichen Gebete nicht. Sie hatte aus den Augenwinkeln eine flüchtige Bewegung, den vertraut energischen Schritt wahrgenommen und war ihm gefolgt. Er kniete, sich mit jedem Wort und jeder Geste tiefer in die Trance des selbstvergessenen Gebets treibend. Schrankenlose Hingabe sprach aus jeder Faser seines Körpers, den er Ihm als Werkzeug opferte. Er würde nicht versagen. Sie näherte sich lautlos, ihre kühlen Finger auf seine Schulter legend, eine Berührung die einem Segen ähnelte. Nein, er nicht.
Lanayas Verhalten erwies sich jedoch in gewisser Weise als Überraschung. Es war ihr nach der ersten, instinktiven Ablehnung nicht unrecht die Kajüte mit der Baronin zu teilen. Es war der Wille des Alkas sie im Auge zu behalten, und sie würde sich hüten diesen Wunsch anders zu behandeln als einen Befehl. Ein weiterer positiver Effekt war ihre räumliche Trennung von Q'in. Selbst wenn es lästerlich war, die Gesellschaft eines weiblichen Wesens, und war es nur ein Mensch, wirkte wohltuend. Sie erfuhr durch die unweigerliche Nähe viel über die Frau unter den Masken, ohne dass viele Worte gewechselt wurden. In den Alltäglichkeiten lag für einen aufmerksamen Beobachter gefährliche Tiefe. Es war ein Spiel mit ungeschriebenen Regeln, ein Tanz. Auch Lanaya, die stets so kühle Distanz wahrte, gestattete sich in unbeobachteten Momenten längere Blicke als gewöhnlich. Die leisen Geräusche frühmorgens, wenn die Arkoritherin ihr Lager verließ, holten sie aus dem oberflächlichen Schlaf. Seit einer Nacht vor mehr als drei Jahrzehnten hatte sie niemals wieder tief geschlafen. Doch ihre Wimpern blieben gesenkt, den Schein der Ruhe aufrecht erhaltend. Eine flüchtige Pause zwischen zwei Schritten und das vertraute Prickeln im Nacken, als sich der Blick Lanayas auf sie richtete. Ja, dieses Spiel beruhte auf gegenseitigem Interesse.
Verfasst: Samstag 18. August 2007, 18:33
von Rayrrak Rasakar
Stille. Absolute Stille. Sowohl das Brausen der Wellen, als auch das ewige Knarren des hölzernen
Schiffsrumpfes, das diese brach, verschwanden aus seinem Geist. Der Ritter befand sich im Gebet.
Einmal täglich begab er sich auf die Knie, ließ den Alltag auf See hinter sich.
Einzig das fortwährende Schaukeln des Schiffes erinnerte ihn daran, dass er nicht im Tempel weilte.
Und doch schien ihm diesmal, von dort Vertrautes unter Deck gefolgt zu sein.
Es war nicht nur gewohnter Geruch nach Kräutern, der ihm anfangs in die Nase stieg, nein, auch spürte er
auf dem Höhepunkt seiner religiösen Ekstase die übliche Berührung auf der Schulter.
Nach Beendigung des Gebets zeugte nur der Spalt, der zwischen Rahmen und Tür seiner Kammer klaffte,
von Ihrer Anwesenheit. Längst war Sie wieder verschwunden, verborgen in den stetigen Schatten unter Deck.
Es war der Morgen eines weiteren Tages auf hoher See, als auch Rayrrak seine Kammer verließ
und sich auf das Deck begab. Wieder empfing ihn blauer Himmel und die ruhige See,
noch immer war kein Land in Sicht. Die Information bezüglich der restlichen Reisedauer konnte ihm der Kapitän
auch an diesem Tag nicht geben, also hieß es, sich weiter zu gedulden.
Zumindestens war die Zeit nicht verschwendet, denn verbrachten Lanaya und er ihre freie Zeit damit,
die gemeinsame Planung voranzutreiben, um sie gleich nach ihrer Anknuft umzusetzen.
Sie hatte ihm bereits an den Tagen davor alles über die Insel erzählt,
hatte die geografischen Details näher erläutert, die Städte und ihre Menschen beschrieben,
ja vermochte sie ihm sogar prophezeien, wie das Wetter sein würde, wenn sie die Insel endlich erreichten.
Auch diesmal saßen sie nicht allein in der Kajüte. Nebst der beiden lehnte auch Velvyr an einer der Raumwände.
Gehüllt in Schatten, blitzten nur ihre Augen hervor, die aufmerksam auf Baronin und Ritter gerichtet waren.
Der Anblick, der sich ihr bot, musste für sie einem Déjà-vu gleichkommen, denn wieder einmal hatten sich die beiden
über den Tisch in der Mitte des Raumes gebeugt und studierten die auf ihm befindlichen Karten Shevons
und seiner Umgebung. Jede von ihnen trug längst zahlreiche Beschriftungen, angefertigt mit einem Kohlestift,
den Rayrrak, wenn es darum ging, die Umsetzung seiner Aufgabe zu planen, nicht aus der Hand gab.
Rings um die Stadt Shevon zog sich eine der vielen anthrazitfarbenden Linien und markierte
den geplanten Stadtwall. Er würde das Regierungszentrum von Shevanor vor vielerlei Angriffen schützen können und
gar dem Beschuss von schwerem Gerät standhalten. Selbst wenn es den Feinden gelingen sollte,
ihn zu überwinden, würde die geplante, neuorganisierte Garde ein weiteres Bollwerk bilden.
Die mitgeführten schweren Infanteristen sollten hierfür Vorbild sein und auch die Fernkämpfer,
die der Alka entsandte, würden ihren Nutzen erfüllen, um die Garde zu einem Machtinstrument zu formen.
Abseits der Stadt hatte der Ritter eine weitere Linie gezogen, die den Grenzverlauf des Lehens
fast gänzlich, denn sie war nur gestrichelt, verdeckte. Würden die Arbeiten am Stadtwall abgeschlossen sein,
gab es für die Arbeiter hier bereits eine neue Aufgabe. Um die Bauern vor plötzlichen Überfällen durch Kavallerie zu schützen,
sollte eine Palisade errichtet werden, schlicht und dennoch effizient.
Neben der beiden Linien, die Palisade und Stadtwall kennzeichneten, verteilte Rayrrak auch zahlreiche Pfeile
quer über die Insel. Sie symbolisierten erste Routen, auf denen Späher täglich patroullieren sollten,
um Eindringlinge frühzeitig zu orten und zu melden. In diesem Zusammenhang erläuterte der Ritter
auch erste Vorstellungen zur Reiterei des Lehens, das bislang nur über minder ausgebildete Kavallerie verfügt.
Nicht länger sollten Gardisten auf oftmals ermüdeten Ackergäulen in den Kampf geschickt werden.
Spezielle Pferdezucht, besondere Auslese bei den Mannen sowie angemessene Ausbildung beider
würden einen elitären Kavallerietrupp garantieren. Details hierzu wünschte Rayrrak erst auf Shevanor zu äußern,
nachdem er sich selbst ein Bild von der Insel gemacht hat.
Neben der in erster Linie militärischen Änderungen lag der Fokus von Baronin und Ritter auch hin und wieder
auf der Infrastruktur des Lehens. Befestigte Straßen und die Angliederung eigener Hafenanlagen -
Lanaya erzählte ihm von dem Hafendorf "Milered" im Süden der Insel - standen dabei im Vordergrund.
Allerdings wurden auch hierbei stets die militärischen Vorteile bedacht und erst spät in der Nacht
beendeten die beiden schlussendlich ihre Planung, zumindest bis zum nächsten Morgen.
Nach, wie üblich, ausgetauschten Floskeln zum Abschied leerte sich der Raum allmählich.
Anders als sonst folgte Rayrrak Lanaya, die als Erste den Raum verließ, aber nicht,
sondern wandte sich der stillen Beobachterin zu, die noch immer in ihrem Element, den Schatten,
harrte. Auch ihre Anwesenheit auf Shevanor sollte nicht einzig dem Zweck dienen,
Baronin und Ritter zu beobachten. Es würde in Seinem Sinne sein,
wenn sie dort die Gründung eines Geheimdienstes in die Wege leiten würde.
Wissen und Fähigkeit hatte sie hierfür genug, es hätte niemand Besseren geben können.
Wenn auch unter Vorbehalt, denn immerhin hatte sie nur menschliches Material zur Verfügung,
willigte Velvyr ein und rundete damit den Tag Rayrraks ab, der an diesem Tag Viele seiner Ideen offenbaren konnte.
Gemeinsam verließen die beiden die Kajüte daraufhin, widmeten sich dann aber verschiedenen Aufgaben.
So zog es Rayrrak ins Gebet, während Velvyr ihren nächtlichen Deckbesuch antrat.
Jeder an Bord hoffte, dass die fahrtbedingte Routine bald ein Ende haben würde...
Verfasst: Samstag 18. August 2007, 18:38
von Lanaya Shevanor
Ein was?
Wie stellten sie sich das vor? Wie so oft zogen sich die fein geschwungenen Brauen in der ihr inne wohnenden Skepsis zusammen. Nicht das sie an den Fertigkeiten der Lethra zweifelte, nicht das sie sich dem entgegen stellen würde doch die Hintergründe musste sie erfahren. Stunden hatte sie den Ausführungen gelauscht um einzig bestätigt zu bekommen was sie längst schon wusste. Die Lethra war talentiert aber schließlich hatte sie einiges mehr an Erfahrung als ein einfacher Mensch. Manchmal hasste sie diesen Umstand, manchmal liebte sie ihn. Das Volk der Letharen war überaus faszinierend. In manchen Dingen so vertraut in anderen Angelegenheiten so fremd und unverstanden. Als Arkoritherin waren gewisse Dinge verbindend, nicht jedoch als Mensch. Sie würde sich hüten die auf der Reise neu gewonnenen Erfahrungen zu rasch zu bewerten. Die enge Kammer und die damit entstehende Nähe taten jedoch ihr übriges. Themen wurden angeschnitten die unter normalen Umständen noch viel unangenehmer waren als ihr Tavernengespräch über diverses Gebaren. Manch einer hätte vermutlich ein Königreich dafür gegeben zu erfahren was Arkoritherin und Lethra besprachen.
Heute war sie alleine in der Kammer. Die Arme auf der Brust gekreuzt ruhten die Handflächen auf den Schultern, der Blick ging ruhig zur Decke. Weder störte sie das Schaukeln der Wellen noch die abendliche Geschäftigkeit der Besatzung. Bald schon, bald war es geschafft. Nur noch wenige Tage den inzwischen 'rituellen' Tagesablauf erleben. Diesen Augenblick der Ruhe genoss sie in vollen Zügen und das verräterische Lächeln auf den Zügen verblasste erst als die Türe geöffnet wurde und Velvyr die gemeinsame Kammer betrat. Anmutig richtete sie sich auf die Augen der Frauen fanden einander und ohne das es großer Worte bedurft hätte versanken sie Momente später im Gebet. Normalerweise zog sie es vor in diesen Augenblicken alleine zu sein. Was mochte man alles auf ihren Zügen lesen können während sie in stiller Trance Zwiesprache hielt? Die Nacht war fortgeschritten als sich beide Frauen wieder erhoben hatten. Oft tigerte die Lethra bis spät in die Nacht auf dem Schiff umher. Ruhelos, berechnend wie eine gefangene Katze die darüber sinnt ihrem Käfig zu entkommen. Viel zu gut glaubte sie das Gebaren deuten zu können. Doch darüber sprach man nicht, derlei war nicht angemessen. Dummerweise verstand man sich, konnte die verbindenden Begebenheiten nicht leugnen und durch den engen Kontakt war das unselige Band soweit gefestigt das es durch die förmliche Achtung mit der sie einander zu begegnen pflegten durch schien. Fremde würden es nicht erkennen. Hier waren die Freunde ihre Feinde.
Wie ein seidenes Tuch besetzt mit funkelnden Diamanten erschien ihnen der Sternenhimmel in dieser Nacht. Weit ab am Horizont verband sich Meer mit Himmel und kaum mehr konnte man erkennen wo letztendlich was endete. Jetzt schon vermochte man die Insel zu erahnen so man die Richtung kannte. >>zu Hause..<< nicht mehr als ein Flüstern, die Lippen bewegten sich kaum doch das kurze Verharren der Lethra zeigte ihr das diese durchaus verstanden hatte. Für die Reise und die damit verbundene Aufgabe hatten sie ein gutes, halbes Jahr eingeplant. Lange würde man auf der Insel verweilen doch in diesem Moment konnte sie es kaum erwarten endlich den ersten Fuß auf den heimatlichen Boden zu setzen. Direkt neben der Lethra beschwor sie einen Riss in den Ebenen und ignorierte das nervige Keckern des Flügeläffchens gewissenpflichtig. Ein Pergament wurde diesem überreicht und als es bereits seine Zähne in dieses schlug klang die Stimme überaus warnend auf >>wenn du auch nur einen Fingerbreit davon frisst – fresse ich dich<< Keckernd tat das Vieh seinen Unmut kund und beeilte sich dem Auftrag nachzukommen nachdem der erste mentale Schlag es wie irre Kreischen ließ. Das sich entferndende flapp – flapp – flapp der kleinen Flügel ließ sie Schmunzeln. Noch nie hatte sie die Affinität verstanden die manche Magier mit diesen kleinen Biestern verband.
So es sich vermeiden ließ zog sie andere Methoden vor. Dieses jedoch würde die Nachricht sicher an Athola überbringen. Dieser würde es Sravlak de Lirdak mitzuteilen wissen und sie war gewiss das ihr Verwalter nahezu alles in Bewegung setzte damit die Menschenmassen die diesen Zug begleiteten angemessen versorgt waren. An gar nichts sollte es den Truppen fehlen. Unterkünfte, Nahrung, Wasser, Unterhaltung – sie war sicher das Sravlak überaus kreativ sein würde. Zumindest nachdem er seine Fassung neu gewonnen und die Kinnlade wieder geschlossen hatte. Das katzenhafte räkeln jenes sie sich mit einer anderen, nächtlichen Begleitung niemals gestattet hatte ließ gewisse Gedanken durchblicken. Aber ging es nicht jedem so? Endlich runter vom Meer und anpacken was es anzupacken galt? Die Baronin zumindest war es leid sich auf theoretische Planungen zu beschränken. Zudem hatte eine gewisse Unruhe die letzten Tage begleitet. Wie oft hatte sie sich ertappt in den Klängen des allumfassenden Liedes zu lauschen? Wie oft hatte sie sich ertappt die kleinste Kleinigkeit mit Hilfe eines magischen Eingriffes zu bewerkstelligen? Dieses verdammte Arkoritherlaster – sie waren alle gleich. Brauchten die Klangvielfalt beständig um sich, mussten sie ausschöpfen und knechten können ansonsten sahen sie sich in gewissen Dingen nicht bestätigt. Berechnend war der Blick ob der letzte Gedanken geworden. Ob Athola einer Übung überhaupt noch gerecht werden konnte? Ihre Mundwinkel hoben sich. Weitaus älter als Iloiss war der Arcomagus mit Sicherheit – zu alt, zu bestehen? Wie auch immer, sie war sicherlich nicht die Einzige die darauf brannte endlich wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Bis dahin jedoch musste man den Wellengang ertragen.
Verfasst: Samstag 25. August 2007, 16:59
von Q´in
Auf und ab. Und auf – und ab. Wieder hinauf, wieder hinab… hinab… hinab. Dieses Wellental war tiefer, denn bis zum nächsten Aufschwung des Bugs vergingen einige Momente mehr. Sie brachten Q’in aus dem Takt und er war dem Wasser nicht dankbar dafür. Dieses Wellental hatte dafür gesorgt, dass sich der Letharf verzählte und die Arbeit von 10 Wochen zunichte machte. Wahrlich, Q’in war dem Wasser nicht dankbar. Langsam setzte er sich in Bewegung, um die Beine wieder stärker in den Kreislauf einzubeziehen.
Wie zu erwarten, war das Schiff exquisit ausgestattet. Es besaß eine gute Bewaffnung und trockene Räumlichkeiten, ein gewollt zweifarbiges Segel und eine uniformierte Besatzung. Das Essen schmeckte sehr gut, der Wein jedoch war von einem Wesen ohne Zunge ausgewählt worden. Gut, dass Trinkbarkeit und Geschmack für Q’in nicht so nah beieinander lagen – es hätte ihm sonst wirklich den letzten Nerv geraubt. So verköstigte er sich mit einer widerwärtigen Interpretation von Weinkelterei, welche noch lange nicht sein einziges Problem war: Das geschäftige Treiben an Bord war eine Zumutung. Eile aus der Ferne war amüsant, denn man konnte sich davon abwenden und in die Waldlandschaften vor Rahal starren. Hier jedoch gab es keinen Wald und selbst das Wasser schien es eilig zu haben, irgendeinen Ort zu erreichen. Eile war allgegenwärtig und Q’in musste manchmal schon wahre Mühen aufwenden, um sich erfolgreich der Betriebsamkeit der Seemänner zu verschließen.
An Deck war es selbst tief nachts schwieriger, sich im Mondschein dem fortlaufenden Wellenzählen zu widmen: Velvyr’tae, der „Schatten der Mission“, schien sich bei der doch so reinlich wirkenden Mannschaft mit Flöhen, Läusen oder anderem Getier angesteckt zu haben. Immerhin, so dachte Q’in mit stiller Schadenfreude, wenn er die Lethra nachts bei ihren Runden betrachtete, ist sie so klug, nicht zu kratzen – denn das würde noch mehr anlocken. Dieses Schiff war bunter und größer als alle Kähne, die der Letharf in all den Jahrzehnten vorher als Passagier benutzt hatte, doch es war augenscheinlich um keinen Deut sauberer.
Immer, wenn der Mond dreiviertel seiner Bahn absolviert hatte, begann der Tag des Letharfen. Wochenlang war diese frühe Zeit des Tages die einzige, die etwas Sinn hatte. Sie bestand nicht daraus, die Zeit mit gelangweilter Ignoranz totzuschlagen und deswegen musste Q’in sich umso angestrengter aufraffen. Diesen Kampf focht er bereits seit Wochen aus, alltäglich. Es waren 187 Schritte, drei Treppen und eine vermaledeite Stiege, die jedes Mal aufs Neue in Angriff genommen werden mussten. Am Ende wartete kein besserer Wein, kein eigenes Quartier - aber etwas Ruhe.
Der Kartenraum, das strategische Zentrum der Unternehmung war, wie an jedem Tag zuvor, sein Ziel. Immer wieder hatte es den Letharfen in diesen Raum verschlagen, denn hier fand er alle wichtigen Fakten, die er benötigte. Landkarten, kleine Randnotizen und ausgeklügelte Schlachtideen. Anweisungen für Verteidigungslinien, Schätzungen über die Routen einer möglichen aggressiven Macht und ihrem militärischen Schlag gegen das Lehen. Der Ritter und das Weib gackerten alltäglich stundenlang, um Pergament für Pergament zu füllen. Sie hielten Q’in jedesmal erfolgreich davon ab, sich in dem Raum zu zeigen, wenn sie sich darin aufhielten. Was blieb also anderes übrig, als die Stunden kurz vor den ersten Sonnenstrahlen zu nutzen, dann, wenn alle an Bord am unaufmerksamsten waren, um sich die nötigen Informationen ohne das ununterbrochene Gefasel der Führung, ohne die anmaßenden Floskeln und das laute Denken, zu besorgen?
Es war bereits zu einer Routine geworden: Q’in lehnte mit einem Kelch in der einen, einer fast geleerten Flasche in der anderen und einem undeutbaren Blick im Gesicht über den Schlachtplänen und studierte sie. Dabei änderte er oft die Sitzposition, tigerte um die Karte, senkte den Blick auf Tischhöhe oder stützte sich auf das hölzerne Möbelstück, um von oben herab auf die Zeichnungen und die angedeutete Topographie zu starren.
Die Landschaft war ihm schon nach drei Tagen schlüssig und durchgängig bekannt. Nach der zweiten Woche erkannte Q‘in eine Unsicherheit des Kartenzeichners an einer abgelegenen Stelle, die verriet, dass jener sich zumindest dort um einen Morgen verschätzt hatte. Nun, nach der zehnten Woche, ertappte der Letharf sich schon mehrmals dabei, wie er leise hoffte, dass die Taktiker zur Abwechslung mal eine andere Karte bearbeiten würden. Es waren selten mehr als ein paar Augenblicke von Nöten, um die Änderungen des zurückliegenden Tages an den Karten wahrzunehmen. Danach blieb Q’in nicht viel mehr übrig, als den Wein zu leeren, welchen er sich allabendlich aus der Kombüse der Kapitänsküche nahm – der Umweg kostete ihn jedesmal 44 Schritte und sollte nicht ohne Grund gewesen sein.
Sobald der Wein leer und des Letharfen Kopf schwerer geworden war, wusste Q’in, dass es Zeit war, sich zurückzuziehen an den Ort, an dem er den Tag verbringen würde: Vor dem Bug, unter der geschnitzten Galionsfigur eines recht klobigen, fratzengesichtigen Dämons im darunter hängenden Netz. Die See war zumindest in den zurückliegenden Tagen der neunten und zehnten Woche ruhig genug, um ein solches Wagnis einzugehen, denn die salzige Gischt erreichte diesen Ort ebensowenig wie die Eile der Menschen.
Es sollten noch einige Tage vergehen, noch ein Sturm überstanden werden, bevor das lang ersehnte Land sich als schmaler Strich am Horizont von selbigem abhob. Die letzten Sonnenläufe der Reise war es dem Letharfen unmöglich gewesen, den Lieblingsort des täglichen Nichtstuns aufzusuchen, denn die Wellen erreichten nicht nur das Netz, sondern schlugen teilweise über den Bug hinweg. Q’in war nicht zum ersten Mal gezwungen gewesen, neue Orte für sich ausfindig zu machen und endete schlussendlich im hinteren Ausguck. In luftigen Höhen. Der Aufstieg war umständlich, der Ausblick jedoch interessant: Eine Flotte im Rücken und am finalen Tag…
„Eine Möwe?“
„Herr?“
„Da, Möwe.“
…eine Möwe weit vor dem Bug des Schiffes als Ankündigung für ein baldiges Ende der Reise. Wieder zuckten die Finger der rechten Hand des Letharfen. Möglicher Feindkontakt. Das Blut pulsierte schneller. Auch, wenn sein Lehrmeister ihm stets die Vorfreude verboten hatte, er konnte und wollte sie nicht zügeln. Irgendetwas würde es auf dieser Insel schon geben, was er zum Tanz bitten dürfte.
Er würde blutiges Gericht halten, denn sein Weg war der richtige.
Verfasst: Dienstag 25. September 2007, 22:15
von Rayrrak Rasakar
Durchhaltevermögen, eine seiner Tugenden, an ihre Grenzen geführt, wie noch nie zuvor,
denn noch immer war kein Land in Sicht und seine Geduld weiter gefordert.
Unlängst waren alle Planungen abgeschlossen und bis ins kleinste Detail besprochen.
Zeit dafür hatten sie mehr als genug und dennoch ließ sich nicht die ganze Reisedauer damit füllen.
Sich der restlichen Zeit nicht dem Müßiggang zu widmen, stand für alle an Bord außer Frage.
Darum waren Rayrrak und seine Gefährtinnen stetig auf der Suche nach Beschäftigung auf dem Schiff.
Während Velvyr ihre Sinne bei ständiger physischer und psychologischer Belastung schulte
und Lanaya sich der elementaren Magie des Wassers, wovon es genügend gab, widmete,
hielt sich Rayrrak von früh bis spät auf dem Befehlsstand des Schiffes auf.
Mittlerweile verstand er viel von der Navigation und daran anschließenden Taktiken
für Gefechte zur See. Seiner Heiligkeit Admiral diente ihm hierfür als Lehrer.
So war es schließlich auch Rayrrak, der während der Erprobung zahlreicher Gerätschaften
zur Aufklärung eine nebelverhangene Küste sah. "Shevanor?", vermutete der Ritter sogleich.
Doch auch die anderen Besatzungsmitglieder hatten ihre Blicke aufs Meer gerichtet
und nach kurzer Zeit war auf jedem Schiff der simple Ruf: "Land in Sicht!", erklangen.
Gewissheit, ob es sich tatsächlich um das Ziel ihrer langen Reise handelte,
erhielten sie unmittelbar von Lanaya, welche die Vermutung Rayrraks ohne jeden Zweifel bestätigte,
als sie mit vielsagendem Lächeln im Gesicht auf das Vorderdeck des Flaggschiffes trat und die Küste in Augenschein nahm.
Es war geschafft, die Zeit des Wartens vorüber, endlich würden sie zur Tat schreiten können.
Nurnoch wenige Momente trennten den Ritter und seine Gefährtinnen von der Erfüllung ihrer Aufträge.
Geduldig warteten Velvyr und Rayrrak die restliche Zeit bis zur Ankunft ab, die verglichen mit
der gesamten Reisedauer nicht nennenswert war. Lanaya hingegen wurde derweil die Aufgabe zugetragen,
die Schiffe an einen geeigneten Ort zum Landen zu lotsen. Auserwählt wurde hierfür ein Fjord im Westen der Insel,
in welchem die lagernden Schiffe aufgrund der umliegenden Wälder und Felsen sowie des stetig über dem Westteil der Insel
hängenden Nebels von außen nicht einzusehen waren. Ihre Anwesenheit würde, vom Meer aus gesehen, also unbemerkt bleiben.
Je näher sie besagtem Fjord kamen, desto dichter wurden die ihnen entgegen kommenen Nebelschwaden.
Zur Orientierung nutzte man Fackeln, die an Deck jeden Schiffes entzündet wurden, so dass es durch den Nebel
halbwegs zu erkennen war. Außerdem wurden Bogenschützen beauftragt, brennende Pfeile Richtung Küste zu feuern,
um Kollisionen mit selbiger frühzeitig zu entgehen. So war es möglich die Landung koordiniert und ohne Zwischenfälle
durchzuführen. Dicht an dicht kamen die einzelnen Schiffe nun zum Stehen, durch Anker an Ort und Stelle fixiert.
Die Größe der Flotte machte es unmöglich, dass jedes Schiff direkten Kontakt zur Küste hatte,
weshalb die Schiffe untereinander mit Stegen verbunden wurden, was auch den Besatzungen
der Schiffe ohne Landkonkakt das Betreten der Küste ermöglichte. Am weitesten in den Fjord vorgedrungen
und somit von den restlichen Schiffen vollends zur See hin geschützt, war das Flaggschiff, von welchem aus
Lanaya, Velvyr, Qin und Rayrrak ihren Landgang antraten. Für sie bestand die erste Anstrengung auf Shevanor
darin, Shevon, die Stadt die dem Lehen seinen Namen gab, zu erreichen, während die restlichen Besatzungen
zunächst noch Proviant und Ausrüstung von den Schiffen laden mussten.
Vom Fjord aus ging es nach Norden, wo hinter einer dicken Wand aus Nebel die Stadt zu vermuten war.
Doch sollte der Marsch dorthin noch einige Tage in Anspruch nehmen, selbst bei äußerst kurzen Ruhepausen.
Dementsprechend erleichert, erreichten sie endlich die Stadtgrenze.
Allerdings und das war jedem von vorne rein bewusst, fanden sie nur vereinzelte Ruinen,
die ein unwissender Betrachter zweifelsohne als die Überreste Shevons deuten würde.
Dahinter aber verbarg sich eine kühn gesponnene Illusion, von welcher Lanaya bereits während der Fahrt berichtete,
um jedwedem Beobachter vorzugaukeln, Shevon wäre zerstört und verlassen.
Mit Lanayas Ankunft war nun endlich das geplante Ende der Täuschung gekommen,
denn würden bald die von Rayrrak organisierten Verteidigungskräfte den Schutz übernehmen.
Mit Einbruch der Nacht wollte sie mit der Aufhebung des Zaubers beginnen, so dass am nächsten Morgen
erste Sonnenstrahlen auf den Dächern der Stadt liegen konnten.
Drum ließen sie sich für eine kurze Weile, denn die Abenddämmerung hatte bereits eingesetzt, unweit
der Ruinen nieder und harrten jeder für sich im stummen Gebet aus, die Stadt weiterhin in Sicht.
Als dann die ideale Zeit gekommen zu sein schien, erhob sich Lanaya und trat zwischen die Ruinen,
die restlichen drei folgten, um im Beisein des Mondes die Stadt zu enthüllen.
Es folgte einzig eine Geste, die Rayrrak bei nebelverhangener Nacht nicht zu erkennen vermochte,
ehe der Nebel endlich wich und die vermeindlichen Ruinen als vollständige Bauten hervortraten.
Da standen sie nun in finsterer Gasse, vier Schemen im Dunkel der Stadt.
Die Zeit war bestens gewählt, hinderte sie doch nun nicht das tägliche Treiben.
So verloren sie keine Zeit mit Herumstehen und begaben sich sogleich zum Anwesen Lanayas,
wo sie letzte Ruhe vor der Bewältigung ihrer Aufgaben erhalten sollten.
Wie sie bei der Ankunft an den Pforten feststellen mussten,
hatte sich Qin derweil von den Dreien abgesetzt und sich dabei vermutlich die Schatten zu Nutze gemacht.
Nichtsdestotrotz fuhren die Übrigen fort und klärten zunächst die Zimmerverteilung,
wobei erst kürzlich gewonnene Erinnerungen hochkamen. Auch wenn das Anwesen genügend
Zimmer für den gesamten Offiziersstab der mitgeführten Armee hatte,
sollte Velvyr wieder ein Zimmer mit Lanaya teilen, während Rayrrak, wie auch schon an Bord,
eine eigene Unterkunft erhielt. Ehe man sich zu Bett begab, galt ein letzter Gedanke den Truppen,
die mittlerweile vom Ankerplatz auf dem Weg nach Shevon waren und zwei Tage später eintreffen sollten.
Bis dahin gab es noch einiges vorzubereiten,
doch erst am nächsten Morgen würden sie sich ihrer Aufgaben widmen,
nachdem sie die verdiente Ruhepause hinter sich gebracht hatten...
Verfasst: Dienstag 25. September 2007, 22:16
von Velvyr´tae
Unruhe. Nervraubende Unruhe, als würden sich tausende Vielbeiner unter ihrer Haut bewegen. Sie hasste diese Unbeweglichkeit mit jedem Tag mehr. Die engen Wände, die erzwungene Nähe, die Untätigkeit. Sie hasste Lanaya dafür, dass diese sich so wohl zu fühlen schien. Oder hasste sie sich selbst lediglich dafür, diese Reise in irgendeinem längst verschlossenen und verstummten Teil ihrer Selbst zu genießen?
Mit einer unwirschen Handbewegung wischte sie diese unliebsamen Gedanken fort. Es fiel ihr immer schwerer, sich in Gegenwart der Menschen zu beherrschen und die gleichmütige, distanzierte Fasade aufrecht zu erhalten. Die Anwesenheit des Ritters wirkte als einzige beruhigend, wenn sich auch beissende Schuldgefühle hinein mischten. Er war wie alle anderen angespannt, bewahrte sich seine Ruhe allerdings. Wenn ein Mensch in dieser Tugend stark war, wie konnte sie sich dann gehen lassen? Hassenswert.
Und so versuchte sie sich abzugrenzen, die größtmögliche räumliche Distanz zu schaffen, die auf einem solchen Schiff möglich war. Stunden verbrachte sie stumm an der Reling, die tiefgrünen Augen gierig auf den Horizont gerichtet, das onyxschwarze Haar im Wind flatternd. Es war eine solch böse Ironie, dass sie darüber hätte lachen können, wäre Humor nicht eine vernachlässigte Tugend. Hier stand sie und sehnte ein Eiland herbei, einen Boden den die verhasste Eluive geschaffen hatte. Und doch war es nicht nur das Land, es war die Aufgabe, die es dort zu erledigen galt. Das Meer in seiner Weite, seiner stummen Gewalt nahm ihr nach und nach alles, was sie als gegeben erachtete. Die Überlegenheit der Letharen über die verachtenswerte Natur. Die Freude an der Zerstörung, an Verfall und Untergang. Alles hier war lebendig, sie fühlte sich klein angesichts der unbezwingbaren Ewigkeit. Der einzige andere Lethar an Bord war in diesen Zweifeln und dem aufkeimenden Hass keine Hilfe. Im Gegenteil, sie fühlte sich von Zeit zu Zeit veranlasst ihn in unbeobachteten Momenten über die Reling zu werfen. Ihr Verstand protestierte müde, wohl wissend dass sie derlei niemals tun würde. Viel zu tief saßen die anerzogene Unterwürfigkeit gegenüber dem Letharf und ihr Wissen darum, dass er nützlich war. Dumm, unerträglich und eine stete Qual vielleicht, aber nützlich.
Es war einer der schlimmeren Tage. Die Sonne schien hell und freundlich über der weiten See, wärmte das Holz wohlig und dämpfte die Unruhe der menschlichen Passagiere. Ihre eigene verstärkte es nur noch. Unablässig glitten ihre Fingerkuppen über das aufgewärmte Holz der Reling, bis sie die Hand mit einem unterdrückten Fluch zurückzog. Ein Splitter, gerade groß genug um unerwartet heftige Schmerzen hervor zu rufen, steckte unter ihrem Fingernagel. Nur mit Mühe konnte sie sich versagen, in ihre Muttersprache zu wechseln. Nicht einmal diesen Luxus konnte man auf diesem verdammten Schiff...
LAND!
Sie schrak auf, ihr Finger war vergessen. Hastig wandte sie den Kopf, glitt ihr Blick über den Horizont, und tatsächlich – dort war sie, die lange erwartete Küstenlinie. Von plötzlicher Leichtigkeit erfasst, bewegte sie sich auf die kleine Gruppe um Lanaya zu. Und ja, es war tatsächlich Shevanor. Sie hatten ihr Ziel erreicht. Alles was nun kam, konnte nur noch besser werden.
Verfasst: Mittwoch 26. September 2007, 13:08
von Lanaya Shevanor
Seidig flossen die Haare den Rücken herunter und verräterisch war das Lächeln auf den Lippen allemal. Zu Hause, endlich zu Hause. So vieles ging ihr in jenem Augenblick durch den Kopf womit das Lotsen der Schiffe eine anspruchsvolle Aufgabe wurde. Dann endlich waren sie an Land. Verglichen mit der Fahrt war die Reise gen Shevon überaus abwechslungsreich. Viel bekamen ihre Begleiter mit Sicherheit nicht zu sehen. Zu perfekt hatten sie die Illusion gewirkt und erst nachdem diese zerrissen war bot sich ihnen der Anblick ihres kleines Reiches. Dennoch war die Nacht fortgeschritten und es galt den Überblick zu wahren. Ein kurzer, prüfender Blick gen der Lethra und sie beschloss diese in ihrer Nähe zu behalten womit die Zimmer entsprechend verteilt wurden. Ruhig und ausgreifend erzeugten die Schritte auf dem steinernen Boden ihres Sitzes keinen laut. Fackeln tauchten die Gänge in diffuses Licht und die lauten Rufe eines Untergebenen würden ihrem Verwalter ein unschönes Erwachen bescheren. In einem Zustand der davon zeugte das er sich überaus hastig bekleidet hatte stand er schließlich vor ihnen.
Flüssig trug sie ihm in wenigen Sätzen die Umstände vor soweit sie ihm nicht bekannt waren. Dann zog sie sich zurück allen die Nachtruhe gönnend die sie sich verdient hatten. Das Schlafgemach jenes ihr gehörte war groß doch schlicht. Penibel waren alle Bilder und Zierden schon vor langer Zeit entfernt worden. Vorhänge verliehen den kahlen Wänden ein nicht ganz so hartes aussehen und auffallend war wohl einzig der große Spiegel dessen Rahmen in silbernen Ornamenten überaus schmuckvoll war. Zwei weitere Ruhestätten befanden sich im Raum und die Lethra würde mit einem Blick erkennen das die Baronin die engsten Vertrauten auch des Nachts um sich hatte. Sei es um ihre Dienste zu jeder Zeit in Anspruch zu nehmen oder sich schlicht deren Verfügbarkeit bewusst zu sein. Heute jedoch dachte sie nicht an Schlaf. Mit einem sachten Wink öffnete sie die schweren Türen die den Weg zum Balkon freigaben. Von hier hatte man einen atemberaubenden Blick über einen Großteil der Stadt. Nahezu zufrieden musterte sie die Dächer über Stunden hinweg um im Morgengrauen zu beobachten wie Shevon erwachte.
Die Veränderung blieb keinem Verborgen und bald schon hatte sich ein nicht zu verachtender Pulk vor dem Anwesen gebildet. Mit einem stummen Lächeln ließ sie die Reisegefährten rufen um diesem entgegen zu treten. Man zeigte sich, trat unter die Menschen und erklärte die Umstände in wenigen Worten ehe man sich zurück zog. Der Gepflogenheit war genüge getan und sie war sicher das ihre Untergebenen ihren Teil zu dem Geplanten beitragen würden. Ohne ein Anzeichen von Eile suchten sie danach die große Halle auf. Hier machte sie den Offizierstab mit allen Menschen bekannt die für das Vorhaben von Nutzen waren. Darunter die Familie de Lirdak, Athola, Eliande die ihre Aufwartung machte um sie willkommen zu heißen und schließlich den Leiter und Ausbilder der Garde. Ritter Rasakar saß schon bald mit diesem zusammen und schien einige Dinge zu besprechen. Qin blieb auch weiterhin verschwunden und Velvyr war vermutlich irgendwo in der Nähe. Oft hatte sie den Eindruck das die Lethra sie im Blick behielt. Es gehörte nicht viel dazu sich den Umstand zusammen zu reimen und somit würde sie vorsichtig sein. Der Tag strich dahin und bald schon würde der Rest des Heeres eintreffen womit man rasch beginnen musste für deren Unterkunft zu sorgen. Nicht einen Tag hatte sie den Wunsch die Truppen betreffend vergessen. Nachdem Sulliver und Ray einen geeigneten Platz für deren Lager ein gutes Stück östlich der Stadt erwählt hatten setzte sie einiges daran das es tatsächlich an nichts fehlen würde.
Vieles galt es zu bewerkstelligen und das Meiste war offensichtlich. Nachdem die Dinge jedoch soweit ihren Gang gingen das ihre Anwesenheit nicht zwingend erforderlich war begann sie damit sich abzusetzen. Regelmäßig verschwand die Baronin spurlos aus ihrem Gemach und war nicht aufzufinden. Erst nach Stunden kehrte sie zurück. Ausgelaugt, matt und blasser als es gesund sein konnte. Velvyr würden diese kleinen 'Ausflüge' nicht verborgen bleiben doch das 'Wohin' würde sich selbst ihr nicht erschließen. An den darauf folgenden Morgen jedoch schien sie wach. Was immer sie auch tat der Schlaf brachte die Erholung mit sich. Aufmerksam konnte sie den morgendlichen Gesprächen über Planung und Umsetzung folgen. Wahrlich, man konnte es nur nochmals für sich selbst verbuchen die Wahl der Zusammenstellung der entscheidenden Köpfe war überaus gut. Sulliver und Ritter Rasakar hatten bereits einige ihrer Vorstellungen grob ausgearbeitet womit es an ihr war sich mit diesen auseinander zu setzen.
Verfasst: Freitag 19. Oktober 2007, 17:03
von Rayrrak Rasakar
Scheppernde Rüstungen, martialische Gesänge, die Armee marschierte.
Wie eine finstere Welle ergossen sie sich über die weiten Ebenen Shevanors,
unbeirrt und unermüdlich ihrem Ziel entgegen. Hunderte Mannen,
jeder von ihnen diszipliniert und gefestigt im Glauben, bereits erwartet von ihrem Befehlshaber.
Dieser erlangte von einem der wenigen Hügel, die das Landesinnere Shevanors zierten,
uneingeschränkte Sicht auf das gesamte Heer. In der Tat würde es in der Lage sein,
die fehlende Mauer vorübergehend zu ersetzen und Shevon bis zum Letzten zu verteidigen,
sollte es zum Angriff kommen. Doch auch fernab vom Schlachtfeld erfüllten sie ihren Zweck,
dienten sie doch als Ideal für die noch im Aufbau befindliche Armee Shevanors und
würden auch Arbeit beim Bau der Stadtmauer nicht scheuen.
Allerdings galt es, sie zunächst einmal einzuquartieren. Stadtbewohner hatten bereits
mit der Errichtung erster Zelte begonnen, nachdem der Platz für das Lager von Gardechef
Sulliver und Rayrrak bestimmt wurde. Zudem brachte man zahlreiche Nahrungsgüter heran,
denn wie von Lanaya versichert, sollte es ihnen an nichts fehlen. Somit war ihr Empfang
ebendort, ein wenig abgelegen östlich der Stadt, nahezu fürstlich. Aber nur Wenige nahmen
die angebotene Ruhephase samt ausreichender Kost in Anspruch,
während der Großteil seine Montur bereits abgelegt hatte und den städtischen Arbeitern
unter die Armee griff. Mit vereinten Kräften, Soldat und Bürger überaus eifrig,
war das Lager bald vollends errichtet. Wie befohlen, wurde es kreisförmig angelegt.
Um die Befehlswege in alle Richtungen gleich zu halten,
waren die Quartiere der Offiziere in der Mitte, ringförmig umgeben von den Zelten der Soldaten.
Einen Abschnitt der äußersten Zeltreihe beanspruchten die Mannen der Schattenhufe für sich,
wodurch ihren Schlachtrössern eine stetige Nahrungsquelle samt ausreichender Bewegung in Form der umliegenden Grasebenen sicher war.
Die übrigen Abschnitte wurden den unterschiedlichen Zügen,
denen die Soldaten je nach Waffengattung angehörten,
zugeteilt. So bürgerten sich rasch Ortsbezeichnungen wie "Zweihand", "Kavallerie" oder "Stab" an.
Allerdings stellte das Lager nur das Fundament für die Aufgaben, die noch auf sie warteten, dar,
denn hatte der Stab um Rayrrak bereits damit begonnen, die verschiedenen Arbeiten aufzuteilen.
Bis hin zum Unteroffizier mussten die meisten Soldaten Arbeit am Stadtwall leisten,
wo auch einige Offiziere ihren Platz fanden. Der Rest der Führungsschicht aber wurde zur
Ausbildung neuer Truppenteile abgestellt. Ihr Weg führte täglich zur Kaserne Shevons,
welche die ansässige Garde, ein lose zusammengewürfelter Haufen unterschiedlich fähiger Männer,
beherbergte. Dort wurde jeder zunächst einer Musterung unterzogen,
die weniger den physischen Zustand untersuchte, vielmehr aber das Waffentalent jedes Einzelnen.
Hiernach kristallisierte sich für den Auszubildenden rasch heraus, in welchem Zug er künftig dienen würde.
Diese waren dann auch bald gebildet und auf verschiedenen Übungsplätzen, meist erst unmittelbar erschlossen, stationiert. Monate voller harter Übungen würden die Streiter hier erwarten,
sie würden lernen, mit ihrer Waffe, ihrem Verstand und ihrem eisernen Glauben umzugehen,
sie zu kombinieren und vereint als wahre Macht zu nutzen. Natürlich geschah dies von Zug zu Zug anders.
So begann man bei den Fernkämpfern, unterteilt in Armbrust- und Bogenschützen,
zunächst mit oberflächlichen Grundlagen dieser auf Shevanor noch wenig verbreiteten Variante des Kampfes. Angefangen mit dem Bau solcher Waffen, musste ein jeder sie erst einmal kennenlernen,
bis man mit den eigentlichen Schussübungen fortfahren konnte.
In diesen Bereich fiel nun auch die bereits auf See erwähnte, geplante Reiterelite, denn
befand Rayrrak die weiten Ebenen Shevanors als ideales Kampfgebiet für berittene Bogenschützen,
deren Schnelligkeit und Flexibilität gerade hier zu Höchstform gelangen konnten.
Allerdings würden sie erst in einigen Jahren voll einsatzbereit sein, da die Reiter auf speziell gezüchteten Pferden zu Felde ziehen sollten, diese zum Zeitpunkt der Gründung aber noch nicht verfügbar waren.
Man war aber fest davon überzeugt, dass die lange Ausbildung sowie die Züchtungen Früchte tragen würden und die Einheit nicht nur auf Shevanor selbst zum tödlichen Machtinstrument für den All-Einen aufsteigen würde. Die selbe Entwicklung erwartete man auch bei den übrigen Waffengattungen,
deren Ausbildungsfortschritt dank bereits bekannter Grundkenntnisse weitaus rasanter von statten ging.
So war es bald möglich, eine Truppenschau zu organisieren, bei welcher sich die Baronin selbst einen Eindruck von den Truppen Shevanors machen konnte und damit in der Lage war, festzustellen, ob Rayrraks Methoden Erfolg zeigten. Vom Armbrustschützen bis zum Zweihandschwertkämpfer waren die neu ausgehobenen Streitkräfte erschienen.
Gehüllt in jüngst gefertigten Rüstungen und ausgestattet mit entsprechender Bewaffnung,
zeigten sie sich alle dem höchst zufriedenen Blick Lanayas.
Ironie des Schicksals, dass genau zu diesem Zeitpunkt ein Herold das Gehör seiner Herrin suchte.
Nachricht des Feindes, so kündigte er an und gewann damit sofort die Aufmerksamkeit aller Anwesenden, zu welchen neben Lanaya und Rayrrak natürlich auch Velvyr, bedacht im Hintergrund harrend sowie mehrere Hundert Soldaten gehörten. Angehalten, die Nachricht sofort vorzutragen, verschwendete er keine wertvolle Zeit und begann sogleich damit, das Schriftstück Zeile für Zeile zuvorzulesen.
Der Text lautete, wie folgt:
„Gesetzt im Searum 250 durch die Schreiber ihrer herzoglichen und königlichen Hoheiten, Erlauchten und Hochgeborenen Herren,
entbietet der hohe Rat der Reichskrone den Heermeistern der ehemaligen Baronie Shevanor, der ehemaligen Baronin zu Shevanor, seinen wohlfeilen, durch königliche Dekrete beglaubigten Gruß,
er teilt Euch in seiner Großmütigkeit mit, dass er beschlossen hat,
den ehemaligen Reichsbürgern der Baronie Shevanor die Wiedereingliederung in das Reich zu ermöglichen,
sollten die baldigst eintreffenden Kräfte gestreckte Waffen vorfinden.
Ansonsten, möchte er betonen, wird das Reich mit aller ihm gegebenen Härte das ihm durch Ador I. zugehörige Land annektieren wird.
Hiermit schließt er dieses Schreiben und entbietet unter Temoras Schwert seinen Gruß,
im Namen seiner Majestät und in Vertretung des hohen Rates der Reichskrone,
seine herzogliche Hoheit Theobald Zirius Archimbar vom Eirensee“
Der Herold bemerkte erst, als er seinen Blick wieder vom Blatt nahm, dass man ihm unlängst kein Gehör mehr schenkte. Denn kaum war das Wesentliche vorgetragen worden, wandte sich Rayrrak mit seinen Begleiterinnen den umstehenden Offizieren zu. Mit ihnen würde er eine geeignete Strategie entwerfen,
um die Invasoren zurückzuschlagen. Den Stadtwall konnten sie bei ihrer Planung jedoch nicht einbeziehen,
denn lag seine Fertigstellung noch in relativ weiter Ferne, aber gestreckte Waffen würde der Feind keinesfalls vorfinden...
Verfasst: Freitag 19. Oktober 2007, 17:05
von Lanaya Shevanor
Dem Herold nachsehend hob die kräftige Frau eine Braue. Seit Tagen schon marschierten die Mannen in ihrem neuen Rüstzeug auf und ab... seit Tagen schon hielt die ständige Arbeit am Wall nicht nur sie wach. Pitsch – Patsch – pflitsch... mit Schwung wurde die Wäsche über das Brett gepfeffert während die Alte neugierig den Hals reckte. Aufregung schien im Lager zu herrschen. Was gab es da nur? Waren das gute Nachrichten? Der Aufmachung her gehörte der Herold zwar zu den eigenen Reihen und brachte lediglich Kunde... all zu gut dürfte sie jedoch kaum sein. Warum konnte man nur so schlecht sehen?! Immer wieder drehte die Frau den Kopf und vergaß die Wäsche zu bearbeiten während das Lager zu einem wahren Bienenstock mutierte.
Warum und was dort vor ging blieb ihr verborgen womit sie sich wieder der Wäsche zuwendete. Was hatte dieser ungeschickte Bengel auch alles verdreckt was für den Tempelgang ordentlich zu sein hatte? Grummelnd rieb sie sich mit der schwieligen Hand über die Nase um dann einige Haare zurück zu streichen. Ohhh.... da kam einer der hohen Herren und sprach mit dem Hauptmann. Ihn kannte sie, ja den kannte man... schließlich gehörte er dazu. Wie alle Menschen war sie sehr stolz über gewisse Begebenheiten und das man den Rat eines der 'Ihren' so schätzte stimmte die Alte zufrieden. Schließlich waren die Endelers einst einfache Leute gewesen doch das Können des Hauptmannes... ei ei... wo er das wohl alles gelernt hatte? Kräftig wurden die Leinen ausgewrungen während sie den Sprechenden nachsah und durchaus einige Worte aufschnappen konnte.
.... schlimme... un...
... Ador.... Bürgern... .... Drohung....
Kampf mi....
Hum? Energisch sah sie hinterher als könnte alleine der stechende Blick die Beiden dazu bewegen nochmals in ihrer Nähe vorbei zu gehen. Was hatte das nur alles zu bedeuten? Sollten sie nicht Schutz bekommen? Sollten nicht die Mannen noch mehr in ihrer Kampfeskraft gefördert werden um dem Einen gerecht zu werden? Ach, was wusste sie schon? Von derlei hatte sie keine Ahnung. Nach einem letzten Blick nahm sie die Arbeit wieder auf und brachte ihre Wäsche in Ordnung. Erst Tage später sollte sich offenbaren was sie Heute schon erhaschen durfte.
Wie immer suchte man den Tempel zu Eliandes Messe auf. Sei einigen Jahren schon kümmerte sie sich um das Prachtstück der Stadt und jeder genoss es den Lehren des Herrn zu lauschen. Sie waren so bestätigend, so schlicht und mitreißend das selbst ein einfacher Bauer sie mühelos erfassen konnte. Kaum noch gab es Menschen die als bekehrt galten. Alle behaupteten sie schon immer dem Einen dienen zu wollen. Jetzt war es an der Zeit es zu beweisen. Bei den Worten die dies bekundeten sah sie auf und ließ die trüben Augen durch die Hallen gleiten. In der ersten Reihe saß die Baronin gleich einer Statue. An ihrer Seite eines der erwählten Wesen und der Ritter zu ihrer Rechten. Ein eindrucksvolles Gespann, jeder für sich war anziehend und verströmte eine gewisse Aura die ihre Wirkung nicht verfehlte. Doch sollte sie nicht eher lauschen? Verärgert runzelte sie die ohnehin faltige Stirn und sah in Richtung der Templerin. Jedes Wort ergoss sich wie flüssiges Wasser klar und verständlich bis in den hintersten Winkel. Blasser und blasser wurde die Alte und angst durchzog das pochende Herz. Doch um sie herum gab sie niemand eine Blöße. Alle hatten die Köpfe gehoben und wollten ihre Stärke beweisen. Alle waren bestrebt ihm zu dienen, so wie es sein sollte.
Glauben bedeutet dienen.
Früh hatte sich der einfache Satz in den Köpfen der Menschen festgesetzt und nun war es an der Zeit. Nachdem die Messen zu Ende war erhob sich die Baronin und Schritt mit Eliande den Gang entlang. Aufmerksam wanderte der Blick aus den hellen Augen über die Häupter der Anwesenden. Hastig wurden Köpfe gesenkt und man erhob sich erst nachdem ihnen Lethra und Ritter gefolgt waren. Draußen jedoch sammelte sich die Menge wieder denn man erwartete sie. Erst nachdem auch das letzte Kind den Tempel verlassen hatte erhob die Baronin selbst die Stimme. Weich, samtig und irgendwie einlullend erschienen ihr die Worte doch an Deutlichkeit fehlte es nicht. Sogar sie nahm alles wahr was gesagt wurde und die Nachricht des Krieges wurde im Detail verdeutlicht. Soso, man sollte die Waffen ruhen lassen und sich fügen? Vermutlich kriechen wie ein unartiger Strolch – und das mit ihren Knochen? Was sollte man denn im Reich? Weder waren sie in Wort und Tat so standhaft... noch besaßen sie genug Verstand den wahren Götterkönig entsprechend zu ehren. Nein nein, hier wurde man umsorgt, hier kümmerte man sich und hier war auch sie bereit zu sterben und sich nicht in verblendete Worte zu kleiden. Zufrieden mit ihren Gedankengängen fühlte sie sich bestätigt und bald schon schien alles seinen gewohnten Gang zu gehen. Aber arbeiteten die Menschen nicht schneller, härter? Wurden die Konzepte nicht wesentlich energischer durchgezogen? Zudem... was waren das für Kessel die sie da anschlepten? Immer diese Neugier! Brummelnd und grummelnd tippelte sie im Watschelgang einer alten Frau weiter.
Verfasst: Montag 5. November 2007, 19:22
von Rayrrak Rasakar
Die Vorbereitungen für die Schlacht, zu der es zweifelsohne kommen würde, liefen bereits seit einigen Tagen auf Hochtouren. Just nachdem der Herold das Sendschreiben vorgetragen hatte,
berief der Ritter seinen Stab ein. Im Zentrum des Feldlagers, den Offizierszelten, verbrachten sie seither ihre Zeit damit, Pläne zu entwickeln. Allerdings gestaltete sich dies schwieriger als gedacht, denn hatte man keinerlei Informationen über das feindliche Heer und war so gezwungen,
jedes erdenkliche Truppenaufkommen einzubeziehen. Während sich die vielen Offiziere nun den Kopf über mögliche Formationen und Vorgehensweisen zerbrachen, harrte Rayrrak aus. Seine Miene steinern und die Stimme ,wie gewohnt, monoton, wenn er sie denn einmal erhob,
um diverse Ideen zu verfeinern oder gar gänzlich zu zerschlagen. Er observierte,
ließ die oft uneinigen Offiziere reden, bemächtigte sich ihrer Erfahrungen.
Nichts vermochte, ihn aus der Ruhe zu bringen, auch der im Zelt verursachte Lärm nicht.
Selbst als seine Späher die Nachricht überbrachten, die feindliche Flotte sei gelandet und führe
nebst zahlreicher Infanterie, sowohl schwer als auch leichte bewaffnete, auch Hellebardiere und Reiterei mit sich, geriet er nicht in Aufregung. Im Gegenteil, endlich erfuhr er, worauf er gewartet
hatte: die Zusammensetzung des feindlichen Heeres. Erst jetzt wurde auch Rayrrak aktiv
und vollführte sogleich seinen ersten Akt als Schlachtenlenker, indem er nach einer der vielen Karten, die auf den Tischen ausgebreitet waren, langte und auf ihr die Stelle markierte, an dem alles stattfinden sollte.
Er hatte jene Grasebene schon länger ins Auge gefasst gehabt, denn lag sie direkt am Hauptweg in Richtung des Hafendorfes, von wo aus die feindlichen Truppen nach Norden drangen.
Alle Aufmerksamkeit lag nun auf dem mit Kohle eingerahmten Bereich auf der Karte,
mit welcher Rayrrak seine Strategie erläuterte. Im nördlichen Teil des Abschnitts lagen zwei Baumgruppen,
die dem heiligen Heer, von Norden kommend, ideale Versteckmöglichkeiten boten.
Außerdem und das schien ihm besonders wichtig, war die Ebene von keinerlei Hügel aus einzusehen.
Denn um seine Strategie erfolgreich auszuführen, durfte er nicht zulassen, dass die Täuschung, die er eingeplant hatte, aufflog. Es sollte alles danach aussehen, als führe er ein Bauernheer in die Schlacht.
Dazu sollten die regulären Truppenverbände von einer einheimischen Schar aus Bauern ummantelt werden.
Eng genug, um die eigentlichen Truppen zu verbergen und so den Anschein zu wahren,
es marschierten lediglich Bauern auf. So würde das Heer also von allen Seiten falsch einzuschätzen sein,
womit der Überraschungseffekt auf Rayrraks Seite lag. Allerdings würde er die unausgebildeten Mannen nicht direkt in Kampfhandlungen einbinden und ihnen den Befehl erteilen, kurz vor dem Aufeinandertreffen der Heere zurückzufallen, so es denn dazu kommen würde.
Sie würden dann die in der ersten Reihe der regulären Truppen befindlichen Zweihandschwertkämpfer offenbaren, die sich sogleich in die feindlichen Reihen schneiden und damit Angst und Schrecken verbreiten sollten. Mit diesem Zug hoffte Rayrrak bereits einen Großteil der darauf nicht vorbereiteten, feindlichen Truppen auszuschalten, so zumindest in der Theorie. Viele Offiziere zeigten sich zunächst nicht sehr
überzeugt vom jungen Ritter und seinem Plan. Allerdings wurde jeglicher widerstand sofort durch strenge Worte unterbunden, denn er war lange nicht fertig:
Die nachrückenden schweren Infanteristen würden die demoralisierten, von den mächtigen Klingen bearbeiteten Feinde dann in Nahkämpfe verwickeln und sie so im Zentrum des Geschehens binden. Unterdessen würden die Bauern bereits ihren Rückzugsbefehl erhalten haben.
Desweiteren erklärte er seinen Offizieren, wie er die Schattenhufe in den Baumgruppen verstecken werde, bereit jederzeit in die Schlacht einzugreifen, vornehmlich um eventuell flankierende Kavallerie anzugreifen.
Der Stab selbst würde hinter dem Infanterieheer reiten und von dort seine Anweisungen geben.
Auch ließ er Lanaya bei Erwähnung des Stabes nicht außer Acht und erläuterte,
wie sie mit ihrer Magie in die Schlacht eingreifen werde. Daraufhin ging man speziell auf die Spionagesicherung ein. Zu diesem Zweck zeichnete Rayrrak eine Linie rings um Shevon,
die dicker wurde, je näher sie am eingezeichneten Ort für die Schlacht lag.
Sie stand für zahlreiche, berittene Späher, die damit beauftragt werden, die umliegenden Bereiche zu sichern und für Späher unpassierbar zu machen. Auch dienten sie als Frühwarnsystem für den Fall,
dass man das feindliche Heer verfehlte. Damit kam man auch auf den nächsten Punkt,
wie man das feindliche Heer denn überhaupt dazu bringt, sich am geplanten Ort einzufinden.
Der Ritter verwies dazu noch einmal auf den einzig befestigten Weg, der vom Hafendorf bis nach Shevon führte und auch die erwählte Ebene durchlief. Um die Versorgung also aufrecht zu erhalten und eventuell
mitgeführtes Belagerungsgerät vor die Stadt zu schaffen, war es für den Feind zwingend notwendig,
diesen Weg zu nutzen. Darum schlug Rayrrak vor, einfach an Ort und Stelle zu warten,
bis der Feind anrückte. Dies erschien ihm als die sinnvollste Lösung,
wenngleich man auch kaum Alternativen hatte. Es stand außer Frage,
den Feind zu instruieren, wäre ihnen dadurch doch Zeit zur Vorbereitung gegeben.
Ein letztes Mal blickte Rayrrak in die Gesichter seiner Offiziere, nachdem auch der letzte Punkt
geregelt war. Ein letztes Mal, bevor er sie zur Tat streiten ließ.
Ausgezehrt, die Erläuterung seines Planes hatte den ganzen Tag in Anspruch genommen,
trat er letztlich aus dem Zelt. Finstere Augenringe und eingefallene Wangen zierten sein Gesicht.
Er war sichtlich geschwächt, auch durch den Widerwillen seiner Offiziere.
Diese gingen zwar mehr und mehr auf den Plan ein, zeigten sich gar davon überzeugt,
doch in ihren Blick vermochte er weiterhin Zweifel auszumachen. Würden sie bis zuletzt
nicht von seiner Seite weichen? Fragen, die seine aufkeimende Nervosität nur weiter verstärkten.
Im Gebet würde er letzte Ruhe finden..
...
Im Morgengrauen erreichte das mobilisierte Heer endlich ihren Zielort.
Einzig die Fernkämpfer und frische Rekruten restlicher Truppenverbände waren zurück in Shevon geblieben, um dort eine Verteidigung organisieren zu können, sollte Rayrrak den Feind nicht auf dem Schlachtfeld abwehren können. Allerdings verschwendete der durch und durch von seinem Fanatismus beflügelte Ritter keine weiteren Gedanken daran, denn er war sicher, dass der Herr mit ihnen sein würde.
Allesamt hatten sie vor ihrem Abmarsch vor dem Tempel Stellung bezogen und gesammelt zu Alatar gebetet.
Über die Feindbewegungen hielt man Rayrrak ständig informiert, der von Velvyr organisierte Geheimdienst leistete ganze Arbeit. So war dem Stab auch bewusst, dass man nur noch wenig Zeit hatte, das Heer planmäßig aufzustellen. Wie man erfuhr, bewegte sich das feindliche Heer weitaus schneller, als man erwartet hatte. Beweis genug, wie ernst man es meinte, Shevanor zu annektieren.
Die fehlende Ruhepause machte eigentlich nur den zahlreichen Bauern zu schaffen.
Allerdings würde dies nur noch mehr Schwäche vortäuschen und die Illusion vom Bauernheer weiter stützen.
Wie geplant, versammelten sich die Zweihandschwertkämpfer auf dem Weg,
direkt dahinter die restliche schwere Infanterie, alle umringt von den aufmarschierten Bauern,
bestückt mit Mistgabeln und sonstigem Ackerwerkzeug. Die Schattenhufe harrten unlängst in ihren Baumgruppen, sie waren lange vor dem Heer am Ort angekommen. Insgesamt hatten sich um die 500 Streiter Alatars eingefunden.
Kaum hatte sich der letzte von ihnen aufgewirbelte Staub gelegt, erschien in weiter Ferne auch schon das erste Glitzern – reflektierendes Metall. Jedem war bewusst, dass es die Rüstungen zahlreicher Feinde waren. Man schätzte das feindliche Heer mittlerweile zahlenmäßig ebenbürtig ein, wobei es die Zahl der ausgebildeten Krieger bei weitem überwog. Der Ausgang der Schlacht entschied sich also einzig in den gewählten Strategien. Auch Rayrrak waren die Reflexionen nicht entgangen und er konnte beobachten,
wie erste feindliche Späher die Ebene betraten, sich langsam ihrem Gegner näherten.
Allesamt beäugten sie das sich ihnen gebotene Bild, analysierten ihren Feind, um gleich darauf
ihre Erkenntnisse zu überbringen. Derweil rückten die restlichen Truppen immer näher und hüllten den Horizont zunehmend in Staub. Auch blieben dem Ritter erste Unsicherheit in den eigenen Reihen nicht verborgen, vornehmlich den Bauern machte allein der Anblick zu schaffen.
Darum beschloss er ein paar letzte Worte an sie zu richten und lenkte sein Pferd, sich aus der Formation des Stabes lösend, direkt vor seine Truppen. Jeder seiner Soldaten fixierte ihn, ließ das entfernte Schauspiel außer Acht und selbst feindliche Soldaten richteten ihren Blick auf den blonden Heerführer, der inmitten der grau-schwarzen Schar besonders hervorstach. Und während er gen Himmel blickte,
dort das Göttliche auszumachen suchte, begann er zu sprechen:
„Spürt ihr ihn? Spürt ihr seine Blicke?“, wobei seine Augen fast herauszutreten drohten,
so sehr begann sein Fanatismus aufzuflammen, den Himmel weiter im Blick.
„Der Herr ist mit uns und hält seine Tatze bereits über eure Leiber.“, seine Rechte erhoben,
verdeutlichte er die Worte mit geballter Faust. „Er wird über jeden von euch wachen,
sich aber auch ein Urteil bilden und entscheiden, ob ihr seiner heiligen Zitadelle würdig seid.“,
den Blick nun vom Himmel abgewandt und auf die vielen Gesichter, teils verdeckt, teils nicht,
gerichtet. „Denn dorthin werdet ihr gelangen, wenn der Stahl eure irdische Hülle bricht.
Es sei denn,“, schlagartig mahnend, ja gar drohend Miene und Stimme, „ihr sterbt in Schande
und fallt so dem Seelenfresser zum Opfer.“ Mit einem Schlag auf die Brust, senkte sich seine Stimme wieder, der Blick aber weiterhin äußerst eindringlich in Richtung seiner Mannen: „Ihr allein seid dafür verantwortlich. Tut alles, um zu verhindern, dass die Tore Nileth Azurs für euch verschlossen sein werden. Dann werdet ihr euch bald an Seinem Hofe wieder finden und fortan Seine Äcker bestellen.“, die besondere Ehre verdeutlicht, fixierte er zum Ende des Satzes hin lediglich die Bauern. „Wenn nicht nach dieser Schlacht,
dann in der Zukunft, eines Tages wird er eure Taten aufwiegen und dabei auch nicht vergessen,
was ihr heute für ihn und sein Imperium geleistet haben werdet.“, der Satz traf wieder die Allgemeinheit
und wurde mit den knappen, aber auf typische Weise äußerst martialischen Worten: „Kein Mitleid, keine Gnade, keine Furcht, Heil Alatar!“, abgerundet. Die Reaktionen fielen dann ganz unterschiedlich aus, während Rayrrak sich wieder zurück in Formation begab. Während manche nur stumm nickten,
wiederholten einige die Phrase und wieder andere zeigten gar keinerlei Reaktion.
Die Wirkung würde sich letztendlich auch erst im Kampf zeigen, dessen Beginn unmittelbar bevorstand.
Unterdessen hatte der Feind nämlich Stellung bezogen und war offenbar bereit, Rayrrak und seinen Mann die Stirn zu bieten. Wer das gegnerische Heer führte, war bis zuletzt unklar geblieben,
wichtig war allerdings auch nur, wie er seine Truppen zu befehligen wusste.
In aller Eile stellte er seine Infanterie in drei Reihen auf. Vorn, aus der Ferne bereits deutlich an den matten Lederrüstungen zu erkennen, stand die leichte Infanterie, in der Mitte die Schwere, aufgrund des Flachlandes für Rayrrak nur zu erahnen und hinten die Hellebardiere, deutlich an ihrer noch in die Luft gehobenen Bewaffung, der Hellebardenstange, zu erkennen. Wie zu erwarten und selbst ähnlich platziert, konnte Rayrrak an beiden Flanken Kavallerie erspähen, hauptsächlich leicht bewaffnet.
Wie auch Rayrrak, ritt der feindliche Heerführer und sein Stab hinter der Infanterie.
Und während dessen Heer nie wirklich zum Stillstand kam,
gab letztlich auch Rayrrak den Befehl zum Vorrücken. Unter der Morgensonne würde sich das Schicksal Shevanors und damit auch das des Ritters entscheiden.
Mit jedem Schritt, den seine Mannen taten, schlug sein Herz höher und ließ das Blut in seinen Adern vibrieren. In seinem religiösen Wahn sehnte er sich danach, die Ketzer der gerechten Strafe zuzuführen.
Er erinnerte sich zurück an Zeiten, in denen er noch Teil der Reihen war, die er nun befehligte.
Mit erhobener Blutklinge besiegelte er den Ablauf, wies seine Truppen an, ihren Schritt zu beschleunigen.
Von nun an gab es kein zurück mehr. Die Ebene bebte unter den zahlreichen Füßen und Hufen,
auf beiden Seiten untermalten auch Gesänge den Marsch, bassige Chöre, die davor standen zu verstummen. Denn kaum fiel den ersten, feindlichen Mannen, die aufgrund der aufmarschierten Bauern durchaus übermütig geworden waren, auf, dass sich vielmehr in dieser Menschentraube verbarg,
die sich auf sie zu bewegte, lösten sich eben jene Bauern auch schon von ihren Begleitern.
Blankes Entsetzen ließ die ersten Reihen des Feindes daraufhin stocken, doch zu spät:
erste Klingen durchzogen bereits ihr Fleisch. Gegen die gewaltigen Zweihänder, die sich ihnen entgegen warfen, konnten die leichten Infanteristen nur wenig ausrichten. Bereits nach kurzer Zeit war die Schnittgerade beider Heere von Körperteilen und Unmengen von Blut übersät. Allen Schwung nutzend,
gelang es den Truppen Rayrraks zahlreiche Schneisen in die feindlichen Reihen zu schlagen.
Geschrei füllte die Ebene, stellte vorangegangene Chöre in den Schatten.
Aus der Ferne nur konnte Rayrrak sich ein Bild vom Fortschritt machen,
in die Höhe spritzendes Blut und auch Gedärme waren ihm aber Beweis genug.
Mann um Mann fiel unter der Wucht seiner Krieger und ihren Waffen,
die teilweise in der Lage waren, einmal geschwungen mehrere Leiber zu durchtrennen.
Nur partiell stießen sie zunächst auf Widerstand, der sich aber bald lösen sollte,
als Panik die erste Reihe des Feindes übermannte und nach und nach eine Flucht auslöste.
Allerdings war damit nur der erste, einfache Teil erfüllt, denn wo leichte Infanteristen wichen,
rückte das schwere Fußvolk nach und versetzte die soeben noch siegreichen Infanteristen Rayrraks
in erbitterte Nahkämpfe. In die Enge gedrängt, gelang es den Zweihandschwertkämpfern nicht mehr,
ihre Waffen voll auszunutzen. So erlagen sie zunehmend der nachrückenden Flut aus Stahl
und mussten ebenfalls Platz für ihre Kameraden der schweren Infanteriezüge machen.
Nahezu ebenbürtig sahen sich diese nun mit ihrem häretischen Äquivalent konfrontiert – die Schlacht geriet ins Stocken. Auf beiden Seite musste man zahlreiche Verluste hinnehmen, ein Sachverhalt,
den Rayrrak durch Lanaya zu ändern hoffte..
Verfasst: Dienstag 6. November 2007, 23:10
von Lanaya Shevanor
Überaus aufmerksam hatte sie amüsiert festgestellt das der Heerführer gelernt hatte zu spielen. Ein gutes Stück stieg er in ihrer Achtung und nicht selten sagten ihr die Ausarbeitungen so sehr zu als wären sie ihrer Hand entsprungen. Taktik? Je besser er die Dinge abzuwägen verstand desto mehr schärften sich ihre eigenen Sinne und kurz vor der Schlacht glich das Umfeld jenes die Baronin umgab einem altbekannten. Täuschungen, versteckte Karten und nicht wenige Hinterlisten erwarteten den Feind. Doch würde man nicht damit rechnen? Darna und Veltin, ja.. Darna.. sie blickte tiefer, würde sie da sein? Ein vorfreudiges Lächeln das jedoch recht rasch verblasste. Wahrlich sie hatte sich auf andere Dinge zu konzentrieren als auf jene die dem Blute derer von Elbenau entstammten. Nicht einen Augenblick hatte sie gewisse Anweisungen vergessen und jetzt, kurz vor der Schlacht die unweigerlich nahte sorgte sie dafür das sie ausgeführt wurden. Recht bestimmt gab sie die Befehle an die de Lirdaks weiter. Erst am Ende des Kampfes würde man ihnen nachkommen sollte sie selbst nicht in der Lage sein zu gewähren das erfüllt wird was ausgehandelt war.
Rasch war der Tag näher gerückt. Die alles entscheidende Schlacht wie so manch Schreiberling es formuliert hätte. Fast schon vertraut erschien ihr die Aufstellung der verschiedenen Mannen. So oft hatte sie das Bild vor sich auf einem Stück Pergament betrachtet. Doch hier, waren es nicht Tinte und Feder die entscheiden würden wer leben durfte und wer sterben musste. Blut, Schreie, Schweiß und Tod lagen in der Luft. Wütend tobte die Schlacht und der Seelenernter hatte eine wahrlich ertragreiche Ernte. Angespannt verengten sich die eisblauen Augen während sie dem Verlauf folgte. Noch galt es sich zu gedulden... noch musste sie zusehen wie ihre Untergebenen starben. Es schürte die Wut, langsam doch stetig war es erst ein dumpfes Grollen im Inneren das immer mächtiger und mächtiger wurde und danach verlangte zu wüten. Einem Tanz gleich prallten Waffen aufeinander, entzogen sich Körper dem tödlichen Streich um sich dann verbissen wieder zu vereinigen ohne den entscheidenden Treffer zu landen. Zeit verstrich und dann geriet die Schlacht ins Stocken. Ein einziger Blick gen Rayrrak und einen Herzschlag der lautlosen Verständigung ehe sie endlich eingreifen konnte. Das Klangbild der Schlacht war umwerfend, so viele Eindrücke, Melodien die verblassten um mit einem lauten Ton wieder aufzuzucken... ständig änderte sich etwas, formte sich neu und verging an anderer Stelle.
Fasziniert vergeudete sie wertvolle Sekunden und ließ die Eindrücke auf sich wirken. Solch Deutlichkeit war selten und sie war... zu weit weg. Rasch war die Entscheidung getroffen. Ein Blick gen des Heerführers und sie presste dem Schimmel die Schenkel an die Flanken um voran zu preschen. Hinein ins Getümmel, herunter vom Ross und vermutlich aus seinem Blick war es dort endlich möglich an den entscheidenden Stellen einzugreifen. Man reagierte schnell, schirmte sie ab und nutzte den Schutz den die arkoritherliche Magie bieten konnte. Unmengen an Kraft ließ sie hinein fließen. Hier und da schoben sich Abbilder zwischen die Kämpfenden, sorgten für Ablenkung und ließen einige Waffenstreiche in die Leere gehen. Hiebe schienen am Rüstwerk der Verbündeten abzuprallen und nicht wenige Streiter schöpften neue Kraft. War es die Wendung und der damit verbundene Mut, die Veränderung der Klänge oder schlichtweg ein Zusammenspiel von beiden Begebenheiten? Lachend warf die Baronin den Kopf zurück. Hier mitten im Getümmel tobte die Vernichtung um sie herum und sie.. lachte. Wahnsinnig erschien das Glimmen in den hellen Augen ehe die ersten Blitze in das feindliche Heer stoben. Lange würde sie dem nicht standhalten können. Sobald man sie zwischen all den Kämpfenden ausgemacht hatte würde sie sich im Fokus der Aufmerksamkeit finden. Soviel war wohl allen klar die den Vorgang verfolgten. Dann jedoch zogen sich die Bauern zurück. Unerwartet früh erschien ihr der Befehl, war es schon so weit.. ..? Angestrengt erneuerte sie den Schutz ein letztes Mal um blass zu werden als der Feind die Verfolgung der Bauern aufnahm. In ihren Planungen hätte die Kavallerie die Infanterie flankieren sollen doch die Bauern.... waren ein einfaches Opfer.
Es lag nicht länger in ihren Händen sie hatte getan was zu tun war. Nun waren es Können und Taktik die den weiteren Verlauf entscheiden würden. Dumpf klangen die Hufe als die feindliche Kavallerie an den Seiten der aufeinanderprallenden Heere vorbei preschten. Von hier konnte sie nicht länger verfolgen was passieren würde doch betete sie das sich die Verluste in Grenzen halten würden und für das Lehen tragbar waren. Zeit sich zurück zu ziehen. Der Standpunkt war mehr als ungünstig, die Kraft verbraucht und langsam hatte sie den Eindruck als würde alles dumpf in den Hintergrund gedrängt. Die gellenden Todesschreie waren nicht mehr als verblassende Erinnerung die in einem Meer der Klangvielfalt untergingen. Es dauerte seine Zeit ehe sie sich wieder an Seiten des Heerführes befand. Noch länger dauerte es ehe der Lärm wieder mit voller Wucht in ihre Bewusstsein drang. Gleichsam wanderte der Blick suchend umher – wo war die Lethra, in wie weit war der Plan aufgegangen?
Verfasst: Dienstag 6. November 2007, 23:12
von Velvyr´tae
Schlachtenlärm. Köstliche Sinfonie aus Blut, Verzweiflungsschreien und Hass. Obwohl die Schlacht sich mehr und mehr zu ihren Ungunsten entwickelte, war es der Lethra unmöglich, diesen brodelnden Kessel aus Zorn und Furcht nicht zu genießen. In eine unauffällige Rüstung aus Leder gehüllt, die nachtblaue Haut unter leichtem, schwarzen Stoff versteckt, bewegte sie sich zwischen den Truppenteilen. Ihre tiefgrünen Augen glühten, während um sie herum der Boden mit Blut und Tränen getränkt wurde. Diese Ekstase war gefährlich, dieses Gefühl in absoluter Sicherheit zu fliegen, jede Bewegung erschien präzise und für den Feind unerreichbar. Jedes Maß für Gefahr und die eigenen Grenzen ging verloren.
Es war ein grässlicher, markerschütternder Schrei, der sie aus ihrer Schlachttrance riss, so nah an ihrem Ohr ausgestossen, dass sie für einen Augenblick meinte, er wäre aus ihrer eigenen Kehle gedrungen. Ein fast vorwurfsvoller Blick aus schmal gewordenen Augen traf den Mann, der bereits mit blicklosen Augen in Kra'thors Schlund stürzte. Dann riss sie den Kopf hoch, als verspätet das Signal des Ritter ihr Bewusstsein streifte. Rückzug, um die kostbare Ressource Menschenleben nicht im Schlachtgetümmel zu verschleudern, wo eine Seele ihren Wert verlor. Die Lethra ließ sich mit zurückfallen, die Bewegung der feindlichen Armee immer wieder aus den Augenwinkeln beobachtend. Es war ein Spiel mit hohem Einsatz...würde der Plan Rasakars aufgehen? Ein panischer Ruf aus den letzten Reihen der Shevanor'schen Einheit, und sie sah die feindliche Kavallerie aus der Formation ausscheren. Ein weiterer Blick zurück, und sie stieß den nächststehenden Soldaten mit voller Wucht aus dem Weg, einen Fluch nur mühsam unterdrückend. Die Kavallerie rückte an, um die Truppen zu verfolgen.
Velvyr beschleunigte ihren Lauf, sich in Schlangenlinien durch die in Unruhe geratenen Soldaten des Lehens bewegend. Die Kavallerie der feindlichen Armee riss unter ihren dahinpreschenden Pferden die satte, grüne Erde auf, den Bauernregimenten Shevanors in wildem Lauf folgend. Die Baumgruppen, verheissungsvoll mit ihrem Schutz lockend, kamen in Reichweite. Sie nahm die schattenhaften Bewegungen zwischen den Stämmen wahr, die dort verborgenen Schattenhufe. Ihre Nasenflügel bebten, als könnte sie deren Hunger auf Konfrontation und Blut riechen. Dort! Des Ritters blondes Haar blitzte in einem verirrten Lichtstrahl auf, und sie steuerte ihren wilden Lauf zwischen dornigem Gestrüpp und als Sichtschutz genutzten Büschen hinweg auf ihn zu. Ihre Lippen bereits geöffnet, um ihn zu warnen, sah sie sein Handzeichen an die eigene Kavallerie. Warten.
Unwillkürlich kräuselten sich ihre Lippen unter dem dünnen Stoff der Maske. Er ließ seine Truppen abwarten, um den Feinden aus dem Schutz des Wäldchens heraus in die Seite zu fallen. Rolsars Entscheidung für den Ritter war weise gewesen. Wie es schien, würde der Dolch an ihrer Seite, in vielen Stunden geschliffen und für diesen Zweck penibel poliert, nicht zum Einsatz kommen. Rayrrak und Lanaya würden diese Schlacht vielleicht doch noch für sich entscheiden. Doch immer noch balancierte das Gleichgewicht dieses Kampfes auf Messers Schneide. Ihre Finger schlossen sich um den Dolchgriff, schmiegten sich zärtlich um das vertraute Gewicht. Der Ritter blickte von seinem Ross aus herab, sie zog die Klinge aus ihrer Scheide und legte die Hand an ihre Brust. Einen Moment, endlos wie gefrorene Zeit, hielt sie die Klinge sichtbar. Er verstand.
Würde es sie quälen, wenn sie ihn, wenn sie Lanaya nach Seinem Wunsch im Fall einer Niederlage töten musste? Ja. Dennoch würde sie es tun. Die Lethra musterte die diszipliniert aufrechte Gestalt der Arkoritherin. Ihre persönlichen Gefühle durften keine Rolle spielen. Lanaya würde sich nicht kampflos in ihr Schicksal ergeben, ein Gedanke der die Gier der Vorfreude weckte. Egal zu wessen Gunsten sich diese Schlacht wandte, auch ihr standen Herausforderungen bevor.
Rund um sie erwachte das Wäldchen zu gespenstischem Leben, Pferde wieherten und Schlachtrufe füllten die Luft mit ihrem Widerhall. Der Ritter und seine Truppen rückten aus, das Geschick mit Waffengewalt zu erzwingen. Überraschte Schreie und klirrender Waffenlärm antworteten ihnen, als die beiden Einheiten sich im Chaos der Schlacht ineinander verkeilten. Wer konnte je die Schönheit von Grauen und Schmerz verstehen? Hingerissen genoss sie den Anblick, einen Vorgeschmack auf die ersehnten letzten Tage dieser Welt. Ein Hornsignal erklang, dass Zeichen für alle Truppen, sich zu formieren. Die dunkelfels'schen Schattenhufe hatten das Übergewicht der feindlichen Truppen gebrochen, doch immer noch war die Infanterie des Ritters eingeschlossen, jeden Zoll Boden erbittert verteidigend ohne sich gegen die drohende Niederlage stemmen zu können. Obwohl jede Faser ihres Körpers danach verlangte, in diesen Hexenkessel einzutauchen, wieder jene grausam schöne Ekstase zu spüren, hielt sie sich im Hintergrund. Stets in Sichtweite zum Ritter, zu Lanaya, beobachtend, während in ihr die Instinkte einer Raubkatze vor Gier vibrierten.
Verfasst: Dienstag 27. November 2007, 20:19
von Rayrrak Rasakar
Obwohl der Nebel seine Sicht einschränkte, wusste er genau, wohin er zu gehen hatte.
Seit Monaten hatte er die Flotte, die sie nach Shevanor brachte, nicht mehr zu Gesicht bekommen.
Als er sie schließlich fand, war alles so, wie zu dem Zeitpunkt, an dem er sie verließ.
Der Bug des Flaggschiffes langte zu erst aus dem dichten Nebel hervor, bald darauf auch die restlichen Schiffe. Die vielen Kapitäne, unter anderem auch der des Flaggschiffes,
erwarteten ihn und sein Gefolge, denn er war nicht allein gekommen, bereits.
Hunderte folgten seinen Schritten: Soldaten, die nicht dazu auserkoren waren, in Shevanor zu verweilen, aber auch vielerlei Pilger, welche dem Ritter ins heilige Land, Rahal, zu folgen wünschten. Die meisten Schiffsbesatzungen empfingen ihnen bereits von der Hinfahrt bekannte Gesichter, andere hingegen nahmen gänzlich Fremde an Bord. Allerdings stellte das für keinen Beteiligten ein Problem dar, alles verlief reibungslos. Selbstverständlich kamen Rayrrak, Velvyr und die Baronin, Lanaya, ihr Heimatland verlassend, wieder auf dem Flaggschiff unter.
Nachdem nun der Fjord langsam freigegeben wurde, das Flaggschiff verharrte,
da es als erstes in eingelaufen war, am längsten, wurden auch dessen Taue vom
provisorisch eingerichteten Anleger gelöst. Während sich der riesige Dreimaster nun langsam aufs offene Meer hinaus begab, standen die Drei, wie auch bei der Ankunft, wieder auf dem Vorderdeck.
Selbst Qin, dessen Verbleib lange Zeit ungewiss war, hatte sich wieder unter die Besatzung gemischt.
Die Blicke aller waren Richtung Ufer gerichtet und obwohl niemand durch die graue Nebelwand blicken konnte, riefen sich alle noch einst ihre Erinnerungen vor Augen.
In Gedanken war es Rayrrak noch möglich, die genaue Wortfolge des Alkas wiederzugeben,
der ihn vor nun mehr als einem halben Jahr auf diese Reise sandte. Er erinnerte sich zurück an die Schiffsreise, die vielen Sitzungen in der finsteren Koje unter Deck. Beim Anblick des weiterhin vor seinem physischen Auge klaffenden Nebels besann er sich auf die Ankunft, auch auf den ersten Marsch nach Shevon. Er sah die weiten, grünen Flächen und wie er daraus erste Pläne schmiedete.
Auch der Aufbau des Lagers war ihm noch bestens in Erinnerung, genau wie die tüchtigen Arbeiter,
die er später teilweise zu Soldaten ausbilden ließ und deren Ausbildung noch immer von Statten ging.
Besonders aber die hitzige Planungsphase direkt vor der Schlacht steckte ihm noch in den Knochen
und schließlich auch die Schlacht selbst. Vor seinem inneren Auge hatte er wieder dieses Glitzern erster Sonnenstrahlen, das auf die Rüstungen seiner Feinde traf und das jene bereits aus weiter Ferne ankündigte.
Ebenso das Funkeln in den Augen seiner Streiter, die begierig darauf waren, die Adern des Feindes zu öffnen und auch Velvyr, durch deren Hand sein Leben beinahe ein Ende gefunden hätte.
Doch ebenfalls am Ende der Schlacht war dieses Glitzern der Rüstungen, sich diesmal entfernend.
Sie hatten den Sieg davon getragen, den Feind in die Flucht geschlagen.
Der Preis dafür war hoch, viele seiner Untergebenen fanden den Weg nach Nileth Azur.
Die Gebeine der Soldaten aus Dunkelfels folgten ihm gar zurück zu seiner Heiligkeit.
Noch immer hatte er den Fleischgeruch in der Nase hängen, noch immer die Kessel, in denen das Fleisch der toten Leiber von den Knochen gelöst wurde, vor Augen.
Es war die Sache wert gewesen. Die Bewohner Shevanors hatten es verdient auch unter größten Verlusten vor der Häresie beschützt zu werden. Selbst in schlimmster Not hielten sie am Glauben fest,
bewiesen ihre Treue zum Herrn. Symbol dessen war auch die zur Abreise fertiggestellte Stadtmauer,
mit deren Vollendung und den einheimischen Soldaten, die auf ihr patroullierten, der Auftrag erfüllt war.
Die Sicherheit Shevanors, aber vielmehr die Angliederung des Lehens an das Imperium Alataris
war vollendet.
Sie hatten viel Kraft auf dieser Insel gelassen, doch konnte der Verlust den Gewinn für sie selbst und
das Reich nicht aufwiegen...
Verfasst: Dienstag 27. November 2007, 20:21
von Velvyr´tae
Vorüber.
Sovielen Wochen der Untätigkeit, der nervösen Beengtheit in den engen Wänden des Schiffes war eine Zeit von so rastloser Tätigkeit gefolgt, dass alle Ereignisse nun nur noch wie ein nervöses Fieber erschienen. Shevanor, eine einzige Täuschung für Augen, denen es nicht bestimmt war, zu sehen. Sie hatte die Arkoritherin für einen Augenblick bewundert für diesen Kunstgriff. Wahrlich, eine große Spielerin.
Doch die Ernüchterung folgte auf dem Fuße, als sich die ohnehin so distanzierte, schwer zugängliche Magierin wie Nebel verflüchtigte. Obwohl die Lethra jeden ihrer Schritte zu beobachten versuchte, das gemeinsame Quartier mit so akkurater Detailgenauigkeit untersuchte, dass ihr distanziertes Selbst es Paranoia nannte, verschwand Lanaya immer wieder. Wohin sie ging, blieb ihr Geheimnis. Doch sie schien genau zu wissen, welchen Ärger sie damit in der Lethra herauf beschwor, gar damit zu spielen. Wieder ein Zug auf ihrem ganz persönlichen Spielbrett, wieder eine Herausforderung. Der gegenseitige Respekt blieb dennoch bestehen, fußte auf tiefer gehenden Gemeinsamkeiten, einer entstandenen Vertrautheit, die beide verneint hätten, würde jemand Außenstehender ein Wort darüber wagen. Dennoch stand zweierlei zwischen ihnen. Sie war ein Mensch, nur ein Mensch. Konnte niemals mehr sein, trotz ihrer Nützlichkeit, ihres Dienstes am Ziel des Panthers. Ihre blasse Haut stieß die Lethra ab, erinnerte sie zugleich an ihre eigene, so tiefgehende Last, dass jeder Schritt zu schwer erschien. Und manchmal, in den Nächten Shevanors, wenn Velvyr auf Lanayas Schritte, ihren Atem lauschte, meinte sie, ihn neben der Arkoritherin zu sehen. Seine meerblauen Augen auf sie gerichtet, sein Äußeres in quälender Harmonie mit der Menschenfrau. Dieser Hass war bodenlos, so abgründig, dass sie manchmal fürchtete, sich darin zu verlieren. Ja, sie hasste Lanaya dafür, ihr in jedem Moment vor Augen zu halten, dass seine Hülle abstossend war. Nur ein Mensch.
Vorüber.
Die Suche nach geeigneten Figuren, um Augen und Ohren für Shevanor offen zu halten, sie allerdings gegenüber anderen verschlossen zu halten, war ein wohltuender und zufriedenstellender Zeitvertreib gewesen nach der endlos scheinenden Reise. Ihr Vorgehen dabei war vielleicht etwas rücksichtslos gewesen, allerdings wohltuend für ihre überreizten Nerven. Und der Eine oder Andere aus diesem verdeckt agierenden Kreis hatte Anweisung, von Zeit zu Zeit einen Bericht alleine an seine Heiligkeit und sie selbst zu versenden. Natürlich würde Lanaya diese Doppelbedeutung ihres Treibens ahnen, aber eine Beseitigung dieser Quellen würde den Alka misstrauisch machen. Ein Spielzug, der die Figuren nicht neu ordnete aber ihre Bedeutung verschieben konnte.
Auch die Schlacht war in der Erinnerung nicht mehr als ein fiebriges Zucken von Gier und Schmerz, Verlust und Triumph. Wohlig schauderte der Schlachtrausch noch in ihren Knochen nach, begleitete sie auf der Heimreise, versüsste das Schaukeln und Schlingern des massiven Schiffes. Von ihrer übernervösen Gereiztheit auf der Hinfahrt blieb wenig über, doch hatte sich eine neue, von leisem Ärger geprägte Unruhe ihrer bemächtigt. Ihre Blicke folgten dem Ritter, der Arkoritherin, beständig nachsinnend. Diese Reise war ein Schritt vorwärts gewesen, etwas nicht wieder Umzukehrendes. Bedeutend für Rayrrak, der damit an Gunst in den Augen Rolsars gewann, bedeutend für Lanaya, die ihre Loyalität bewies und zugleich den letzten Schritt auf den Alka zutat. Bedeutend für sie selbst? Vielleicht. Sie hatte nichts gewonnen auf dieser Reise, ausser Gewissheit. Die Gewissheit, diesen Pfad zu akzeptieren, den sie nicht selbst beschritten hatte. Es war Pflicht, es war Befehl und es hatte Neigung zu werden. Dennoch erschreckte sie dieser Abgrund an Hass, brodelnd und tief. Gewiss, aus Zorn entsprang Kraft. Doch war sie stark genug, diese Kraft in Bahnen zu lenken, die Ihm nützlich waren? Oder würde er sie nach und nach zerfressen, ihren Körper, den Geist?
LAND IN SICHT!
Diesmal war der Ruf keine Erleichterung. Er war endgültig, ab hier gab es keine Umkehr mehr. Die Mauern der Heiligen Stadt, das Gebirge wurde am Horizont sichtbar. Heimat. Obwohl einer Lethra niemals ein Ort zustand, an dem sie willkommen war, mit einem Lächeln eintrat und sich geborgen fühlte, war es Rahal, dass dieser Rolle am nächsten kam. Hier war man Ihm so nahe, die Welt war geordnet, wie sie es nur sein konnte, ohne die Maskerade zu lüften. Ihre Finger legten sich um die Reling,schlossen sich ohne Rücksicht auf die empfindlichen Knochen so fest darum, das es schmerzte.
Ja, es war vorüber. Und etwas Neues würde unwiderruflich beginnen. Es galt nur noch, sich damit abzufinden.