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Verfasst: Dienstag 20. März 2007, 05:43
von Chalys Sangares
Das bunte Treiben um Aufforstung und Neubau, nahm auch sie in Beschlag. Welcherlei man doch auf sich nahm für den Seelenherr und Richter. Dennoch, die bisher gelungene Unterwanderung, durfte nicht auffliegen. Viel Nutzen mochte daraus noch erwachsen. Der durchaus vorhandene Streitwille der Schwesternschaft war ihren Blicken nicht verborgen geblieben. Der stete Wille zur Gemeinschaft, gebündelt mit diesem unter der Oberfläche schwelenden Zorn, mochte noch von Nutzen sein, hier war sie recht sicher.
Geschickt und freundlich mimte sie die neue Schwester. Legte mit Hand an, wo es ihre Kraft und Können vermochte. Wie gern hatte man ihre "Gabe" in diesen Reihen willkommen geheissen. Vieles machte dies leichter, hielt man sie doch tatsächlich für eine Heilerin. Und der Seelenherr schien zufrieden, war seine Gabe stets gewährt.
Ein verräterisches Schmunzeln ob einer wohl aufgefassten Bemerkung um die zukünftige Sklavenhaltung, für niedere Arbeiten, war ihr zu Unterdrücken gut gelungen. Jene offenbar faulen Arbeiter hatten den Unmut der Schwestern auf sich gezogen. Die Zeit war noch nicht reif, noch hatten jene Arbeit zu erledigen. Es mochte den Schwestern sicherlich nicht von Wert sein, noch würden sie es je erfahren. Doch gewiss, würden einige jener Arbeiter, das Lager nach Vollendung ihrer Aufgaben, das neu entstandene Lager, mit einem persönlichen Geschenk des Seelenherrn verlassen.
Den Gedanken über eben dieses Geschenk insgeheim nachsinnend, kam sie weiter eifrig den eigenen Aufgaben, beim Errichten des neuen Lagers nach. Viel mochte es nicht sein, was sie vermochte. Doch zumindestens war es ihr gegeben ihren kleinen Teil beizutragen, so dass sie nicht auffiel.
Verfasst: Mittwoch 21. März 2007, 09:24
von Marye Larou
Nach einer recht kurzen Nacht stand Marye früh am nächsten Morgen wieder auf. Einige Schwestern waren auch schon wach und man nahm zusammen ein gemeinschaftliches Frühstück ein. Es wurde besprochen wer was machen sollte und kurz darauf begab man sich wieder an die Arbeit. Marye half den Handwerkern bei der Errrichtung der Palisade und brachte mit Hilfe von zwei Pferden das Holz dafür dorthin wo es benötigt wurde. Einen faulen Handwerker der wohl morgens um 11 meinte er hätte sich ein Nickerchen verdient, piekste sie kurz mal mit ihrem Knochenspeer, woraufhin sich dieser brummelnd wieder an die Arbeit machte. Marye grinste frech zu ihm und machte einen Rundgang durchs neue Lager.. Nein das war eigentlich gar kein Lager mehr. Ein Dorf war im Entstehen, das Dorf der Gefährtinnen. Ein passender Name müßte her, fand sie und überlegte lange darüber. Auch mit anderen Schwestern sprach sie darüber und alle waren sich einig darüber, daß ein Name gefunden werden solle, für ihr Dorf. Nach einem gemeinsamen Mittagessen, das von Kyra wieder mal köstlich zubereitet war machte sich Marye daran vorsichtig die Schößlinge aus dem Einschlag zu nehmen. Mit ein paar anderen Schwestern zogen sie aus und pflanzten diese rund ums Lager ein. Zu zweit machten sie sich jeweils daran einen Baum zu pflanzen. Erst wurde mit Schaufeln ein Loch ausgehoben, dann wurde der Schößling aufrecht hineingestellt und die ausgehobene Erde wieder in das Loch gegeben und anschließend mit den Füßen fest gestampft. Sollte es in den nächsten Tagen trocken bleiben, würde sie auch täglich die Schößlinge gießen, damit diese auch alle anwuchsen. Besondere Mühe gab sie sich mit 2 Bäumen. In deren Astgabeln hatte sie etwas Erde und vermodertes Laub gelegt und dort Erdbeerpflanzen angesiedelt. Diese Sollten die Bäume überranken und Marye wünschte sich daß Lyn's Traum von Erdbeerbäumen in Erfüllung ging. Und so nahm sie sich vor gerade diese Bäume besonders sorgfältig zu hegen und zu pflegen..
Verfasst: Mittwoch 21. März 2007, 19:21
von Darina
Es war einfach unglaublich! Tagelang hatte Darina mit ihren Schwestern zusammen gearbeitet wie ein Pferd. Bretter von hier nach da geschleppt, Kisten hinter sich hergezogen, Steine für die neue Feuerstelle mit Hilfe der Pferde an den rechten Platz gebracht. Hätte jemand das Treiben von Aussen betrachtet, er hätte wohl an einen Bienenstock oder einen Ameisenhaufen denken müssen: Alles war bis ins kleinste Detail durchgeplant und koordiniert, jeder hatte seine Aufgabe und doch mag es von Aussen wie ein Durcheinander gewirkt haben. Darina hatte deutlich den leisen Anflug von Traurigkeit bei ihren Schwestern bemerkt, als das alte Lager abgeschlagen wurde. Das hatte ihr im Herzen weh getan, ihre Schwestern traurig zu sehen. Dafür freute sie sich nun umso mehr mit ihren Schwestern, als alle nach getaner Arbeit durch das neue Lagerdorf rannten und hier guggten und da schwatzten. Überall hörte man es fröhlich Quietschen und Kichern. Zumindest war das gröbste an Arbeit getan. Die Häuser sowie die Palisade standen, die Ställe waren fertig und auch Torinas Schmiede, die sie allen Schwestern voller Stolz zeigte. Sogar die Sprösslinge waren mittlerweile draussen in den frühlingshaften Boden eingesetzt worden.
Es gab wohl wahrlich keinen besseren Zeitpunkt Bäume zu pflanzen und ein neues Lager zu errichten als den Frühling. Das Rad des Lebens war beim erneuten Erwachen allen Lebens angekommen. Überall an den Bäumen zeigten sich die kleinen feinen Knospen, das Gras war noch zart, hier und dort zeigten sich die ersten Frühlingsblumen in den Wäldern und auf den Lichtungen. Das Leben erwachte erneut um bald in seiner vollen Pracht zu erstrahlen. Und so war es auch mit den Schwestern. Der dunkle Schleier des Winters fiel mit dem Bau des neuen Lagerdorfes von allen ab, wie bei einer Schlange die sich häutet, vergangenes hinter sich lässt, um Erfahrungen reicher.
Von einem der Wachtürmchen aus beobachtete Darina schmunzelnd das fröhliche Treiben und Scherzen ihrer Schwestern und dachte bei sich, dass es die langweiligen endlosen Stunden des Holz sammelns wert gewesen war. Sie war stolz auf ihre Schwestern und auch auf sich selbst. Als sie die Leiter vom Wachtürmchen aus hinunterstieg, umspielte ein Schmunzeln ihre Lippen und sie dachte bei sich, dass sie so unsagbar froh war, in den Schwestern eine neue Familie gefunden zu haben. Und sie freute sich sehr auf alles, was da noch kommen möge.
Verfasst: Dienstag 3. April 2007, 15:42
von Ronya Sotan
Endlich beruhigte sich alles.
Die Hütten und die darin befindlichen Zimmer, waren verteilt.
Langsamm kehrte ruhe ein in die gemeinschaft.
Die Euphorie der letzten Wochen und Monate, wich einer nahezu stillen Zufriedenheit.
Es kam was Ronya von anfang an einkalkuliert hatte.
Sie wusste, alleine die Neugier und das Interesse würde geweckt, sobald das neue Dorf sich in Himmel reckte.
Und es kam wie es kommen musste, neue immer neue Anwärterinnen ströhmten fast schon vorbei.
Kaum ein Tag an dem nicht eine neue junge Frau sich vorstellte um es zu versuchen in diesem neuen Dorf ein anderes leben zu leben, sich selber zu finden, eine alternative lebensweise zur bsiher gekannten auszuprobieren.
Ob sie alle am ende bleiben würden, das wussten nur die jungen Frauen selber.
Es lag in Ihrer Hand ob die Gemeinschaft sie anerkennen würde und ob sie selber sich hier wohl fühlen würden.
Langsamm kehrte Ruhe ein.
Eine Jede Schwester hatte nahezu ihren Lieblingsplatz gefunden.
Sass Torina immer links am Feuer und war Marye in der rechten ecke.
Tajara genoss die Sonnenuntergänge am Steg und man sah ihr eine seltene zufriedenheit zum ersten mal wirklich an.
Selbst Ronya stand oft Stundenlang auf einer der Befestigungen und schaute mit verlorenen Blick über das weite Land der Insel Lameriast.
Sie wusste, das es jetzt am gefährlichsten war.
Die Gemeinschaft hatte ein Ziel, das größte Ziel überhaubt, erreicht.
Sie hatten aus dem nichts, mit eigener Hände arbeit ein Dorf erschaffen.
Die Gemeinschaft wuchs und überstieg die zwei dutzend.
Zwei Dutzend !
Diese Zahl brach ihr fast das Herz, wenn sie von einer der Plattformen in den Innenbereich des Dorfes sah.
Schon einmal war sie die Anführerin einer so großen Menge Kriegerinnen und Handwerkerinnen.
Was einst vor vielen Jahrzehnten von anderen aufgebaut ward, fern ab jenes Landstriches, war heute nur noch eine Erinnerung.
Eine bittere Erinnerung.
Ihre alpträume die seit Monaten verflogen waren, kehrten zurück.
Wieder und wieder sah sie jene Bilder gefallener, oft schreckte sie Schweisgebadet aus dem schlaf und sie war mehr als einmal dankbar dafür, das sie mit Seraya eine Hütte teilte.
Oft war sie es die beruhigend auf sie einredete, dafür sorgte das die anderen nichts von ihren Alpträumen mitbekamen.
Mit dem erreichten Ziel kamen neue Sorgen, doch Ronya wollte diese nicht teilen.
Noch nicht.
Es genügte wenn Seraya es wusste, eine von denen die das Massaker damals überlebten.
Verfasst: Dienstag 3. April 2007, 16:05
von Marye Larou
Marye wachte recht früh von einem merkwürdigen Geräusch auf..
Sie lauschte kurz dem gleich mäßigen Wsch.. Wsch.. Wsch dann zog sie sich rasch an und flitzte nach draußen. Das Geräusch kam von außerhalb des Lagers und so flitzte sie zur Tür hinaus. Was sie dort sah verschlug ihr fast den Atem. War doch da so ein Mistkerl dabei, die schönen Bäume die sie gepflanzt hatten, mit einer Axt umzuhauen. Schon ein halbes Dutzend Schößlinge lagen abgehackt auf dem Boden und Marye packte die kalte Wut. Sie machte einen Satz auf den Kerl zu der sie überaschend vor sich auftauchen sah und zielte sofort mit ihrer Armbrust auf sein Herz. "WAS MACHST DU DA?" fauchte sie den Kerl an. "I.. ich.. ich hahhahacke Hoohoolz.." stotterte dieser daraufhin und ließ alles fallen.
Du hackst hier Holz du Mistkerl? fauchte Marye.. siehst du nicht daß das erst alles junge Setzlinge sind, die wir erst vor Wochen angepflanzt haben?
Bestimmt haben wir das nicht gemacht daß du SChwachkopf hier wieder alls niedermachst! Der Kerl stotterte und stammelte und war überhaupt gar nicht in der Lage ihr zu antworten. "Sehe ich noch einmal daß du hier auch nur einem Baum ein Blatt krümmst kriegst du ein paar Bolzen mitten ins Herz!" fauchte Marye ihn an. Los hau ab und lass dich nie wieder blicken hier! Der Mistkerl öffnete und schloß ein paar mal den Mund wie ein Karpfen an Land, kriegte aber keinen Ton raus. Na los wirds bald.. ich zähl bis drei dann fliegen hier die Bolzen! Sogleich fing sie an zu zählen.
1.... 2... jetzt kapierte der Kerl endlich und flitzte los, doch als sie bei drei angekommen war betätigte Marye den Abzug ihrer geladenen Armbrust. Jedoch brachte sie es trotzt aller Wut und Zorn nicht über sich ihn zu töten und so senke sie kurz vorher noch ihre Armbrust ein wenig. Der Bolzen traf so nicht mitten ins Herz wie es noch einen winzigen Bruchteil vorher gewesen wäre, sondern traf diesen in seinen Allerwertesten, was er mit einem lauten Aufschrei quittierte. Trotzt der Verletztung beschleunigte er aber noch sein Tempo um fort zu kommen.
Marye mußte bei dem Anblick grinsen, doch als sie wieder zu den kurz über dem Boden abgeschlagenen Schößlingen sah, verhärtete sich ihr Blick sogleich wieder. "Mistkerl, erwisch ich dich noch mal dabei, dann wars das letzte mal!" brummelte sie erbost. Dann ging sie wieder herein und berichtete ihren Schwestern davon.
Verfasst: Donnerstag 6. Dezember 2007, 20:05
von Marye Larou
Kurz darauf, jedoch kehrte sie wieder zurück und sammelte die abgeschlagenen Äste und Stämmchen ein. Immerhin konnte sie daraus noch einige Pfeile schnitzen. Doch bei genauerem Hinsehen hatte es ihr ein Stamm eines etwa 2 Meter hohen Schösslings angetan....
Schon lange hatte sie sich mit einer Idee herumgetragen, einen neuen Bogen zu bauen. An und für sich war der Bogen ihre Lieblingswaffe, jedoch waren ihre Compositbögen der Repetierarmbrust an Durchschlagskraft bei weitem überlegen und konnten dies auch nicht durch ihre schnellere Schussgeschwindigkeit kompensieren. So überlegte sie schon lange einen bessern Bogen herzustellen...
Dieser Schössling, das fiel ihr beim Betrachten sofort auf, war perfekt geformt, doch leider war das Weidenholz zu weich für ihre Zwecke. Sie seufzte, legte das Stück Holz aber trotzdem in der Nähe des Feuers in ihre Kiste um es erst trocken zu lagern..
Wochen später..
Marye turnte gerade in den Wipfeln der hohen Mahagoniebäume herum, sie hatte inzwischen gelernt sich in dieser Umgebung so perfekt zu tarnen, dass kaum jemand sie überhaupt zu Gesicht bekam. Vieles hatte sie von den Ureinwohnern gelernt, darunter auch wie man sich von Baum zu Baum bewegt, indem man die herunterhängenden Lianen benutzte und sich mit Hilfe dieser von Baum zu Baum schwang. Das beherrschte sie schon recht gut doch diesmal hatte sie eine zu dünne Liane erwischt, die unter ihrem Gewicht riss. Marye fiel einige Meter runter, bevor sie einen Ast erwischte, an dem sie sich festhalten konnte. Brummelnd betrachtete sie die Liana, doch dann kam ihr eine Idee und ihre Miene hellte sich sogleich wieder auf. Um sich damit von Baum zu Baum damit zu schwingen, war sie zu dünn, doch sie hatte eine andere Verwendung dafür im Sinn, so packte sie die Liana in ihre Tasche und huschte weiter. Oben in der Baumkrone eines des mächtigen Mahagoniebaumes fand sie, was sie schon lange gesucht hatte. Einen perfekt geformten Ast, wie geschaffen für den Bogen, den sie schon seit langem bauen wollte. Sie nahm ihre Axt und hieb den Ast mit einem gezielten und wuchtigen Schlag ab. Dann huschte sie nach unten und holte am Erdboden aus einer Pfütze eine Handvoll Lehm. Dieser wurde, als sie wieder oben angekommen war um die Schnittstelle geschmiert, damit die Wunde des Baumes ausheilen konnte ohne von Parasiten befallen zu werden.
Sie wusste, dass diese Bäume manchen Ureinwohnern heilig waren. Sie selbst teilte zwar den Glauben der Ureinwohner nicht, trotzdem entschuldigte sie sich bei dem Baum und erklärte ihm, wozu sie den Ast brauchte. Sie redete mit dem Baum als wäre es eine ihrer Schwestern und es schien ihr fast, als würde der Baum ihr mit einem Rascheln seiner Blätter antworten.
Zu Hause angekommen, legte sie auch diesen Ast erst ein Mal zum Trocknen in ihre Kiste. Sie würde noch einige Sachen brauchen für den Bogen, der ihr im Kopf herumschwebte.. Einige Tage später, sie war gerade auf der Jagd, hörte sie laute Geräusche aus dem Wald der Ureinwohner. Es waren eindeutig Axtschläge und so huschte sie sogleich in diese Richtung. Auch den Ureinwohnern waren die Geräusche natürlich nicht entgangen. So stieß Marye kurz bevor sie die Quelle der Geräusche erreichte, auf 2 Ureinwohner, man begrüßte sich kurz, dann huschte man weiter. Am Rande des Waldes war jemand dabei, einen der Urwaldriesen zu fällen. Die Axt hatte sich bereits tief in den Stamm gefressen. Sogleich wurde er von Marye und den beiden Ureinwohnern umringt, welche aufgeregt auf den ahnungslosen Holzfäller einredeten und dabei ihre Knochenspeere auf ihn richteten. Marye machte ihm den Ernst seiner Lage klar. Das ist Land der Ureinwohner, du kannst hier nicht einfach die Bäume umhacken! Der Holzfäller wurde leichenblass und tat dann das einzig richtige in seiner Lage. Er sprang auf sein Pferd, bevor die Ureinwohner ihn daran hindern konnten und galoppierte davon. Die Ureinwohner warfen ihm zwar noch ihre Speere hinterher, doch keiner davon traf. Marye schaute zu dem Baum, dickflüssiger Harz lief aus der Wunde, die die Axt geschlagen hatte. Mit einem großen Blatt fing Marye sogleich etwas von dieser Flüssigkeit auf. Dann machte sie sich mit Hilfe der Ureinwohner daran die Wunde mit Bast zu umwickeln. Um den Bast kam eine dicke Schicht Lehm. Marye hoffte der Baum würde es überstehen, jedoch wusste sie dass der Baum beim nächsten Sturm wahrscheinlich umfallen würde.
Zu Hause wieder anzukommen brachte sie das Harz zu Lajana. "Ich brauche etwas um Holzteile mit einander zu verbinden" erklärte sie der Heilerin, die auch in der Alchemie bewandert war. Diese nahm das Harz und probierte ein wenig mit anderen Materialien herum. Einige Tage lang experimentierte sie, bis sie die perfekte Mischung gefunden hatte. Zwei Teile Harz, ein Teil Wachs und ein Teil von einer äußerst klebrigen Substanz, die sie aus gekochten Kartoffeln abkratze, wurden mit einander vermengt. Einige Tage lang köchelte diese Mixtur anschließend in ihrem Labor, bevor sie diese Marye in einem geschlossenen Behälter überreichte.. Es war eine dickflüssige Substanz. "In dem Behälter bleibt sie so, nur an der Luft härtet sie in wenigen Stunden aus" erklärte sie. „Pass auf dass es nicht an deiner Hand fest wird, sonst kriegst du das Zeugs nie wieder ab“ ermahnte sie Marye noch grinsend.
Einige Monate waren inzwischen vergangen, die Holzteile waren gut abgelagert, so daß Marye sie eines Abends für gut befand. Das Problem, dass sich ihr stellte war, die beiden Teile so perfekt an einander zufügen. Jedes Holz einzeln für sich, war für den Bogen ungeeignet. Das Mahagoniholz war zu hart, das der Weide wiederum zu weich. Doch Marye hatte eine Idee. Sie halbierte beide Äste mit einem Messer sehr präzise. Dann wurden die Schnittflächen mit der klebrigen Paste bestrichen und je eine Hälfte Mahagoniholz mit einer Hälfte Weidenholz zusammengepresst. Diese wurden unter beständigem Zug mit der Liane, die sie ebenfalls mit der Paste getränkt hatte, umwickelt. Dann legte sie beide Holzstücke, die perfekt zusammen passten, beiseite und wusch sich rasch die Hände, bevor die Masse an ihren Händen erstarrte. Aus Eichenholz wurde anschließend das Griffstück geschnitzt und mit vielen Zeichnungen verziert. Während der ganzen Zeit saß sie am Feuer und lauschte dem Gespräch ihrer Schwestern, jedoch zu sehr in ihre Arbeit vertieft um sich daran zu beteiligen. Erst als ihre Schwestern sich in die Felle begaben, legte auch sie ihr Werkzeug beiseite und kroch zu ihren Schwestern in die Felle.
Der nächste Morgen weckte sie mit qualvollen Schreien eines Tieres. Marye huschte hinaus aus dem Dorf der Gefährtinnen in den Wald. Dort angekommen, sah sie gerade noch wie ein Mann einen Hirsch mit seiner Axt tötete. Ringsum lagen auch einige tote Rehe. Sie huschte näher und sah wie der Kerl nur das Leder abzog und dann rasch verschwinden wollte.
Sie huschte an ihm vorbei und tauchte fast wie aus dem Nichts vor ihm auf, woraufhin dieser vor Schreck sein Bündel fallen ließ. Empört fauchte sie den Kerl an. "Wieso tötest du alle Tiere und nimmst nicht einmal das Fleisch mit? Der Kerl stotterte eine Weile herum, Marye entnahm dem, daß es sich wohl um einen Schneider handelte, der aus dem Leder etwas schneidern wollte. Da sie selber öfter jagen war und das Leder für Marim, die Schneiderin der Gefährtinnen mitbrachte, verstand sie den Mann, doch sie beschloss ihm beizubringen, wie er mit der Natur umzugehen hatte. „Also pass auf: Auch wir töten Tiere, wir brauchen das Fleisch, das Leder, sogar das Blut. Aber töte nie alle Tiere aus einer Gruppe, töte eins oder zwei, am besten die schwächsten, die den Winter sowieso nicht überstehen. Und wenn du schon ein Tier tötest, dann verwerte wenigstens auch das Fleisch und das Blut!“
Der Mann nickte und versprach sich in Zukunft daran zu halten. Sie ging mit ihm zurück zu den toten Tieren, deren Haut schon abgezogen war und machte sich daran das verwertbare Fleisch herauszulösen. Auch etwas Blut fing sie mit Phiolen auf und trennte einige Sehnen vom Hirsch heraus. Wieder angekommen im Dorf säuberte sie die Sehnen und verdrillte diese zu einer, welche sie sie zum Trocknen aufhängte. Sie benutzte einen Stein als Gewicht um diese weiter zu dehnen. Der Rest des Tages verging rasch, da sie vielen Pflichten in ihrer Gemeinschaft nachkam. Sie freute sich bereit auf den morgigen Tag. An dem sollte ihr Bogen, von dem sie schon so lange träumte, endlich fertig werden...
Schon früh am Morgen, noch bevor die Sonne aufging war sie wach. Sie erledigte ihre täglichen Pflichten bevor sie sich wieder dem Bogenbau widmete. Sie nahm die beiden Endteile und feilte eine Weile daran herum um die perfekte Form zu bekommen. Dann verband sie diese mit dem Griffstück. Zu diesem Zweck hatte sie das Griffstücke von beiden Seiten so ausgehöhlt, so dass die beiden Endteile perfekt aneinander passten. Mit Hilfe der Paste wurden alle drei Teile untrennbar mit einander verbunden. Anschließend wurde zwei Kerben an den Enden des Bogens angebracht. Mit Hilfe einer Schwester wurde der Bogen dann zum ersten mal gespannt und die Sehne angebracht. Ihr Bogen war fertig..
Begeistert betrachtete Marye ihn, wog den perfekt ausbalancierten Bogen in der Hand. Ob er halten würde, was sich Marye von ihm versprach?