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Verfasst: Sonntag 3. Dezember 2006, 12:18
von Aalina Yazir
Das Geschenk des Himmels
"Wie siehst du denn aus?" Raakin sah sie an. Nicht, dass er es an ihr nicht schön fand, aber es war nicht die beste Kleidung um vom Erhabenen empfangen zu werden. "Zieh dir etwas menekanisches an!" Aalina widersprach nicht, sondern eilte die Treppen hinauf und suchte sich die schönsten Kleidungsstücke. Wenig später waren beide auch schon unterwegs zum Palast.
Sie hätte nicht gedacht, dass ihr eine solche Ehre zuteil wurde. Erst als sie die Echse berührte und ihre warme Haut berührte und sie mit großen Augen ansah war ihr klar, was es bedeutete in einem solchen Besitz zu sein. Freudestrahlend und voller Glück wartete sie vor dem Palast auf Raakin. Politische Besprechungen, die wohl Stunden dauern würden.
Und wahrlich, nach Stunden kamen sie endlich wieder aus dem Palast. Fadi und Raakin unterhielten sich noch über irgendetwas, wovon Aalina aber nur Teile verstand. Zu weit weg stand sie von beiden und kümmerte sich um ihre Echse, ehe Raakin auf sie zutrat und sie beide nach Hause gingen. Der Tag hatte so schön angefangen und Aalina war umso enttäuschter als sie erfuhr, dass Raakin später noch weg musste. Und wie immer kam es zum Streit. "Jeder andere höher gestellte Mann hat Zeit für seine Frau!" wetterte Aalina gen Raakin. "Wer denn?"
"Kemail für Amira, Fadi für Zaina, der Emir für sein Weib!" Aalina war wütend und enttäuscht zugleich. "Bis auf den Erhabenen ist auch keiner davon verheiratet?" Aalina sah ihn an. Die Ehe war also schuld das er keine Zeit mehr für sie hatte? "Dann wünschte ich nie geheiratet zu haben, selbst Kemail weiss mehr über mich als du!"
Sie sah wie Raakin puterrot anlief. "Kemail also? Es ist immer das Gleiche, warum kannst du dich nie mit den Frauen des Landes anfreunden? Grundsätzlich schleppst du die Männer nach Hause! Wie war das mit diesem Mujaahid... Mukhtaar... oder wie auch immer? Dieser Menekaner aus dem Hause der Omar!" schimpfte er gegen sie. Aalina sah ihn an. Das durfte nicht wahr sein. "Du weisst genau, dass ich die meisten Frauen des Landes verabscheue in ihrer Arroganz und in ihrem denken, dass sie etwas besseres wären!"
- "Überleg doch mal WARUM du dich immer mit allen zankst! Wenn du jemanden zum reden brauchst, kauf dir ein Haustier! Kemail betritt dieses Haus nicht noch einmal! Außer er wird vom Emir entsendet."
Aalina war nun wirklich fassungslos. Es ging also schon wieder los. Wieder einmal wurde ihr der Kontakt zu einem Menekaner verboten, den sie mochte. Aber diesmal würde sie es einfach nicht zulassen. Es war immer noch ihr Leben und wenn Raakin nicht mit ihr reden oder ihr zuhören konnte würde es eben jemand anderes tun. Und dieser jemand war Kemail.
- "Wenn dir etwas nicht passt - geh. Oder soll ich gehen?"
Sie ließ sich das nicht zweimal sagen. Ohne ein Wort und ohne sich zu verhüllen rannte sie auf die Straßen Menek'Urs. Sie setzte sich auf die Bank und begann zu weinen. So hatte sie sich den Abend nicht vorgestellt. Wieder einmal hatte Raakin es geschafft ihr mit seinen Worten so dermaßen weh zu tun. Als ob ihr Leben nicht schon schwer genug wäre. Sie kochte innerlich. Aber sie riss sich zusammen. Sie wollte nicht schon wieder ihre Sachen packen und abhauen. Es hätte nur wieder dazu geführt, dass sie vor ihren Problemen davonläuft.
Stundenlang saß sie in der kalten Nacht, warf steine in den kleinen Brunnen. Der letzte Stein, den sie warf sollte das Wasser aber nicht berühren. Längst hatte sich Raakin neben sie gesetzt und den Stein mit Hilfe seiner Magie schweben lassen. "Es tut mir leid, was ich gesagt habe...!" seine leise, sanfte Stimme durchdrang die Nacht. Aalina bekam Gänsehaut. So schön sanft und beruhigend war seine Stimme doch und trotzdem.. so einfach war es nicht. "Was tut dir leid?"
- "Na all die Dinge, die ich gesagt habe!"
Aalina nickte. Lange sprachen die beiden miteinander und Aalina versuchte ihm zu erklären, dass sie sich nicht mehr wie die Frau fühlte, die er lieben würde.
- "Aber ich liebe dich doch...!"
Ihr Herz schlug schneller. Sie wusste, dass er sie liebte und doch würde sie so gerne mehr Zeit mit ihm verbringen. Aber sie wusste das seine Arbeit ihn immer mehr einnehmen würde.
- Das war wohl das Schicksal der Frau des Großwesiren.
- "Ich verspreche dir mehr Zeit mit dir zu verbringen!"
Innerlich lächelte sie, doch äusserlich konnte sie nicht lächeln. Sie sah ihn an. "Weisst du... es ist so... ich fürchte... dass mir das alles nur so nahe geht... weil ich... in den Anfängen.. einer Schwangerschaft stehe!"
Mit einem Platschen versank der schwebende Stein in zwei Stücken im Brunnen. "Ist das wahr?" Er sah sie an. Sie nickte nur. "Wahrscheinlich, ja!" Sofort nahm er sie in den Arm, das erste Mal an diesem Abend, das er sie umarmte. Nach Stunden gingen sie dann endlich mal nach Hause.. dort machte Raakin sich umgehend bettfertig, doch Aalina saß noch lange in der Küche vor dem Pergament und schrieb.
Salam Mutter, Salam Vater,
lange hab ich nichts mehr von mir hören lassen. Ich hoffe, euch beiden geht es gut - dort, wo ihr verweilt. Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll zu schreiben.
Mit Bedauern und tiefer Trauer muss ich euch mitteilen... dass eure Enkeltochter... verstorben ist. Sie ist nun schon seit einer Weile tot, aber ich dachte in meiner Trauer nicht daran euch zu unterrichten. Es fällt mir auch jetzt noch schwer, darüber zu schreiben oder zu sprechen. Ich wünschte, mein Engel wäre wieder bei mir und hätte euch jemals kennengelernt.
Hier geht es drunter und drüber. Stellt euch darauf ein, dass ich euch eventuell für ein oder zwei Tage besuchen komme - ohne Kinder und ohne meinen Mann. Es tut mir leid, dass ihr ihn bisher nicht kennengelernt habt, aber seine Tätigkeit und sein Rang als Großwesir halten ihn meist davon ab. Ich hoffe ihr könnt das einigermaßen verstehen. Ob und wann ich euch besuche kann ich euch noch nicht sagen. Allerdings hab ich erfreuliche Nachrichten, die ich euch gerne persönlich mitteilen möchte!
Verfasst: Sonntag 3. Dezember 2006, 22:31
von Aalina Yazir
Blanke Wut durchsetzte Aalinas Adern. Sie tat sich wirklich schwer ihr Temperament in Zaum zu halten.
Sie war am Hafen angekommen und sah diesen Mann gerade davonwetzen. Womöglich dachte er man würde ihn nicht erneut erkennen, wenn er sich umkleidete, doch die junge Menekanerin war zwar nicht sonderlich alt und erfahren, doch schlau genug um zu wissen, dass es sich um ein und denselben handeln musste. Sie ringte mit sich, dass sie den Fremden nicht versuchte einfach in die Knie zu treten und in den Kerker werfen zu lassen. Da erdreistete sich dieser Mann zu behaupten, er würde auf Menek'Ur einfach so am Hafen unter einer Palme schlafen - und das dazu rund um die Uhr. Nach einiger Zeit des Aushörens kamen auch Khalida und Ibraheem hinzu, versuchten Aalina im Zaum zu halten und den Manne diverse Dinge zu fragen. Wie es wohl allzu viele Zufälle zu sein schienen konnte er weder lesen noch verstand er, was die Menekaner ihm mitteilen wollten. "Ihr habt hier nicht einfach so zu campieren!" Aalinas Stimme hob und senkte sich, ihre Nasenflügel blähten sich auf und sie versuchte ihr Echsenweibchen, welches Aalinas Unruhe wohl deutlich spürte, im Zaum zu halten. Als er auch noch versuchte das Gold für die Heimfahrt zu erbetteln platzte Aalina der Kragen. "Packt eure Sachen, ich fahr mit euch nach Gerimor!" Ohne weiteres packte der Mann alles zusammen. Aalina hatte fast Mitleid mit ihm, so neidisch sah er auf Khalida, deren Statur fabelhaft war. Durchtrainiert, schlank, fähig zu arbeiten.
- Doch jetzt war es nicht an der Zeit Mitleid zu haben. Hastig nahm sie zwei Wachen am Hafen mit sich um den Mann fortzubringen. Eigentlich hatte sie gar keine Nerven dazu. So viel hatte sie noch zu tun. Sie musste aufs Festland, aber da sie dort schon war konnte sie den Efeu für ihren Liebsten auch gleich mitbringen.
Nach stundenlangem Aufenthalt auf Gerimor vor dem Kloster der dort ansässigen Temoragläubigen reiste sie irgendwann durchnässt und absolut durchgefroren zurück nach Menek'Ur. Dort angekommen ließ sie sich zuhause erst einmal auf einem Stuhl nieder. Sofort fing sie an auf einem Stück Papyrus zu schreiben...
[img]http://home.arcor.de/beatingheatsbaby/Aaalinaaa.jpg[/img]
Verfasst: Mittwoch 6. Dezember 2006, 15:22
von Aalina Yazir
1. Entdeckung auf Menek'Ur
Die Wachen waren zu der Residenz des Ehepaares der Yazir geeilt und hatten nach Raakin verlangt. Hastig und angeregt diskutierte er mit den Wachen, wohl nicht lange - und rannte auch schon davon.
Behutsam legte Aalina ihre Früchte, die sie gerade zu Mus verarbeitete zur Seite und eilte sodann hinterher.
- Was sie dann sah, war wohl kaum zu glauben.
Da hatte sich dieser Wilde wieder auf Menek'Ur geschlichen, obwohl Aalina ihn gestern noch aufs Festland brachte und ihm nahelegte, dass er sich wohl in der nächsten Zeit von Menek'Ur fernhalten sollte. Was glaubten diese Menschen eigentlich? Das sie sich alles erlauben konnten? Hier war nicht Gerimor. Hier gab es deutliche Gesetze und schon wieder versuchte er, diesmal war er in Begleitung eines Mannes, alle anwesenden Menekaner an der Nase herumzuführen.
Was tun? Sie standen in der Akademie. "Ihr seid festgenommen!" Raakins Stimme schallte durch die Hallen des Gebäudes. Nach diesen Worten schien einer der beiden - den, den Aalina noch nicht zuvor gesehen hatte - Reissaus zu nehmen, doch waren wohl Raakins Elementare schneller. Unglücklicherweise hielten sie den Jüngling auf und streckten ihn zuerst auf den Boden.
Einige Zeit später und vieler Nerven weniger standen Aalina, Raakin, Kemail und die beiden Gefangenen endlich in der Stadtwache. Jeder sollte eine Zelle bekommen, bis sie vor Gericht ihre Verteidigung und Erklärung sprechen sollten. Aalina wandte sich um. Für den heutigen Tage hatte sie genug. Sie würde ab aufs Festland fahren um dort ein wenig Reagenzien zu sammeln.
2. Ausflug nach Lameriast
Aalina war es schon merkwürdig vorgekommen, dass Kemail so schimpfend nach Bajard kam. Gerade war sie auf dem Weg gewesen für Raakin einiges an Efeu und Fliegenpilze zu sammeln und doch verging ihr mit der Zeit die Lust dazu. Immer wieder hörte sie Meckereien, die mit diesen Eisenwartlern zu tun hatten. Warum konnten die Menschen nicht in Frieden miteinander auskommen?
- Na ja, das sollte nicht ihr Problem sein. Sie wollte also wieder nach Hause, nicht die größte Lust überhaupt noch was für den Abend zu unternehmen. Von ihrer Begegnung mit diesem Eiswartler, der sie gekonnt ignoriert hatte ... nein, Aalina dachte nicht einmal daran. Das war es ihr nicht wert.
Kaum wollte sie ihre Pferde zum Hafen bringen standen Raakin und Kemail vor ihr. "Wir machen einen Ausflug nach Lameriast!"
Die nötigsten Vorkehrungen wurden getroffen, den Wachen wurde ausgerichtet sie sollen alle fähigen Menekaner nachschicken. Aalina zog ihren Bogen aus dem Regal, schulterte diesen und steckte ein paar vergiftete Pfeile ein. Es war wohl doch von Nutzen gewesen, die Pfeile noch vor ein paar Stunden mit Gift zu beträufeln. Es würde wunderschön wirken, den Körper von innen heraus zersetzen und schwächen. "Aalina, beeil dich, wir wollen los!"
- Es war Zeit ihnen zu zeigen, dass sie sich mit den Falschen anlegen.
Fortsetzung folgt.
Mitschreiben erwünscht.
Verfasst: Sonntag 10. Dezember 2006, 21:53
von Aalina Yazir
Nach dem Gespräch mit Kemail hatte sie sich sofort nach Hause begeben. Vorbereitungen also. Vorbereitungen für einen Krieg. "Aalina, du bist die Einzige, die ich in der Hinsicht fragen kann und die uns begleiten kann!"
Aalina dachte über die Worte nach. Sie hatte ihre Zustimmung gegeben und doch hatte sie Angst. Was würde aus Jafaar werden, wenn sie aus dem Krieg nicht wieder zurückkommen würde? Was würde nur geschehen? Sie seufzte. So lange hatte sie ihren kleinen Engel nicht mehr gesehen. Sie wusste schon gar nicht mehr wie sich seine Nähe anfühlte. Nichts desto trotz ging sie vorerst mit Raakin in den Keller und half ihm die Tränke umzufüllen und in Taschen zu verstauen, ehe sie wieder nach oben ging und sämtliche Pergamente zusammensuchte.
Stundenlang hatte sie damit verbracht mit dem Kohlestift riesige Zeichnungen in einzelnen Stücken anzufertigen, Muster, die sie aufgezeichnet hatte, an denen sie sich orientieren konnten. Aalina überlegte lange, wie sie es hinbekommen sollte, dass die Oberfläche des Zeltes fast ledrig, aber dennoch nicht ganz so dick wurde. Es sollte das Wasser abperlen, soviel war sicher. Eilig rannte sie zu Raakin in den Keller, er wusste sicher Rat. Dem war auch so. In einer gewissen Ruhe und voller Konzentration mischte er ihr ein Präparat aus Wachs und Spinnenseide zusammen, welches die Stoffe erhärten und wasserabweisend machen lies. Sorgfältig legte Aalina die Stoffe in das Fass, eine Nacht sollten sie wohl darin ruhen.
"Du darfst keine Zeit verlieren, junge Menekanerin!" Aalina eilte nach oben. Sie überlegte sich die unterschiedlichsten Theorien, wie sie die Zelte am besten vernähen sollte, machte sich Notizen. "Ich glaube so kann es klappen!" Aalina sah zu Simba. Das kleine Kätzchen war ihr sehr ans Herz gewachsen und doch entwischte der Streuner immer wieder durch einen kleinen Spalt in der Tür. Draußen begann es schon wieder zu dämmern, als Aalina noch immer über ihren Ausarbeitungen saß und die letzten Pergamente in das Regal legte. "Und morgen muss ich nur noch mit Munaya sprechen!"
Verfasst: Mittwoch 13. Dezember 2006, 09:43
von Aalina Yazir
Ein neuer Freund
Deutlich spürte sie die Veränderungen. Sie war gereizter, empfindlicher und deutlich unaufmerksamer als sonst. Hier und da bekam sie Besuch von Kemail, Hasib, Munaya, Yafiah. Aalina freute sich sehr darüber, doch war ihr auch die Einsamkeit ein Genuss. Über so vieles konnte sie dann nachdenken. Vielleicht war es auch das Gespräch mit Munaya gewesen, welches Aalina so sehr zum nachdenken brachte. Sie saß vor dem Ofen in der Küche und wartete darauf, dass die Brote fertig wurden. Noch immer sah sie Munayas verwunderten Blick, als Aalina ihr sagte, dass sie nie im Harem gedient hatte. Weder sie, noch Zaina. Simba saß neben Aalina und sah zu ihr auf, in der Hoffnung, dass er hin und wieder ein Stück Fleisch abbekam. Der kleine Kater, der ihr auf dem Festland in Bajard zugelaufen war, wurde immer mehr wie ein Freund. Aalina teilte allen Kummer mit ihm und ihre Tränen wurden von seinem Fell immer wieder aufgefangen. Fast als würde Simba immer bemerken, wie es Aalina ging strich er um ihre Beine. Und doch, Raakin schien ihn nicht wirklich dulen zu wollen. Nachdenklich schob sie ein Brot nach dem anderen in den Ofen, zog die Fertigen heraus und legte sie zum Abkühlen auf den Sandsteintisch. Neugierig tapste der kleine Kater um den Tisch und sog den Duft des frisch gebackenen Essens förmlich in sich auf. "Vielleicht bin ich doch keine wirklich ehrbare Frau?" Sie blickte zu Simba und nahm ihn auf ihren Schoß, durchkämmte sein Fell mit ihren Fingerspitzen. Die Gedanken ließen sie nicht mehr los. Vielleicht sollte sie Raakin fragen. Schließlich war sie aus Liebe nicht in den Harem gegangen, sie hätte es wohl kaum ausgehalten so weit von Raakin entfernt zu sein. Für den Nachmittag nahm sie sich vor mit ihm zu sprechen.
Sie waren nach einer Weile wieder zuhause angekommen und im Keller verschwunden, um die Reagenzien einzuordnen. Nachdenklich wie immer legte Aalina alles ab, was sie bei sich trug. Lehm, Nachtschatten, Heckerskappen, Pyrian. Alles musste in die Kisten einsortiert werden.
"Schatz...? Ich mach mir in letzter Zeit häufig Gedanken und ich finde keinerlei Klärung...!"
- "Über was denkst du denn nach, Liebste?"
Aalina sah ihn an. Sollte sie ihn wirklich fragen? Natürlich sollte sie. Niemand anderes als Raakin konnte ihr die Antworten auf all ihre Fragen geben.
"Ich hatte ein langes Gespräch mit Munaya... wegen ihrer Liebe zu Ibraheem und ihren Diensten im Harem!" Sie machte eine kleine Pause. "Bin ich keine ehrenswerte Frau, weil ich ihn nie besucht habe?"
Raakin schien nicht überlegen zu müssen.
- "Munaya hat Recht mit dem, was sie sagt... es ist eine Ehre für eine Frau im Harem des Erhabenen zu dienen und es macht sie durchaus zu einer ehrbahren, jungen Menekanerin."
Aalina seufzte innerlich auf. War sie also doch nicht so voller Ehre, wie sie immer dachte? Musste sie jetzt wirklich anfangen an sich zu zweifeln?
- "Aaaaaber... Ich hätte dich nie mit einem anderen Menekaner teilen wollen, auch nicht mit dem Erhabenen! Für mich bist du eine Menekanerin, die meine Ehre verdient."
Innerlich begann sie zu strahlen, wohl konnte sie sich aber nicht verkneifen ihr inneres Gefühl nach außen zu tragen und sie strahlte ihn an. Für den Moment war sie einfach nur glücklich, so schön hatte er seine Worte doch gewählt. Und wieder wusste sie, warum sie genau diesen Menekaner geheiratet hatte. Und egal was auch kam, sie war sich sicher, dass er an ihrer Seite stehen würde.[/b]
Verfasst: Sonntag 17. Dezember 2006, 19:50
von Aalina Yazir
Unmut war über den Ländern gewesen, Streitigkeiten wurde in Kriegen ausgetragen. Nichts von alledem wollte Aalina jetzt noch wissen. Die Mannen, die von Menek'Ur aus mit Varuna und dem Clan der Hinrah in den Krieg zogen, waren alle wieder heil zurück. Schimpfend und fluchend hörte sie die einen, stolz und fröhlich und feiernd die anderen.
Doch sie saß nur auf ihrem kleinen Podest vor dem Fenster, das kleine Kätzchen auf dem Arm. Sanft streichelte sie sein Fell und sah nur aus dem Fenster. Die Magierrobe stank noch nach Schwefel, nach Rauch und nach Tod. Doch sollte sich Aalinas Augenmerk auch nicht darauf richten. Irgendetwas fraß innerlich an ihr, irgendetwas, wovon sie bisher nichts wusste. Weiter streichelte sie den kleinen Kater auf ihrem Schoß, hielt ihn fest umarmt. Ihr war egal, daß er längst flüchten wollte, essen haben wollte welches unten in der Küche stand. Es war ihr egal, wie zerkratzt ihre Arme von den Krallen der Katze waren, es war ihr egal, wie sehr es schmerzte.
Wurde sie krank oder warum hatte sie sich auf einmal so verändert? Was ging in der jungen Menekanerin vor, dass ihr alles so egal war? Waren es Depressionen? Oder war es hierfür noch zu früh? Wie im tiefsten Schlaf ließ sie die Katze auf den Boden, marschierte schlaftrunken durch das Haus, schien nur einen Punkt vor sich zu fixieren. Sie sah zum Bett, dort lag Raakin. Ihre Finger glitten über ihre Rüstung, hinab zu ihrem Dolch in ihrem Schaft der Stiefel. Beruhigend streichelte sie darüber. Selten ging sie ohne ihn ins Bett, war die Nacht zu gefährlich und das Haus zu nah am Stadtrand. Sie streichelte ihm kurz über die Wange, sah ihn an und erschrak selbst vor sich. Seit wann konnte sie so emotionslos sein? Was war mit ihr los? Hatte der schwarze Panther Einkehr in ihr Haus gefunden? Panisch weitete sie ihre Augen und schlang die Arme um sich. Schnell atmete sie die kühle Luft ein... vielleicht war es wirklich nur ihre Schwangerschaft, die sie so aus der Bahn werfen lies.
Verfasst: Samstag 13. Januar 2007, 20:55
von Aalina Yazir
Als hätte sie es Wochen vorher geahnt - den Tod ihrer Schwester und ihres Bruders. Im Nachhinein dachte Aalina über die Zeit nach. Sie hatte die Kinderzimmer neu hergerichtet, die Kinder hatten jetzt quasi einen kompletten Keller für sich. Es war besser für sie, wenn sie im Keller wohnten, dort war es kühler und ruhiger. Es war das erste Mal seit Wochen gewesen, dass Aalina lächelte. Es viel ihr schwer für den Moment glücklich zu sein. Geliebte Menschen wurden ihr genommen und nur schwer schien sie zu kapieren, dass ihr Leben weiter ging. Äußerlich hatte sie sich sehr verändert. Sie war dünner geworden, geschwächter. Zwar ernährte sie sich wieder normal, doch schien das nährreiche Essen nicht weiter anzuschlagen. Sie hielt sich fit, indem sie ab und an rausging und wilde Tiere in der Wüste mit ihrem Bogen erledigte, aber sie nahm absolut nichts zu. Wenn man genau hinsah entdeckte man sogar einen kleinen Bauchansatz.
Ein Bauchansatz, der nicht vom Essen kam sondern die frohe Botschaft mit sich brachte, dass sie ein Kind gebähren würde. Ihre Familie hielt sie über Wasser. Die Gedanken an Raakin, an ihre Kinder, sogar die Gedanken an Derya, ihre über alles geliebte, aber verstorbene Tochter heiterten Aalina auf.
Aalina lenkte sich gut ab. Sie studierte Bücher, beschäftigte sich mit allem Möglichen: Kochen, Putzen, Nähen, Lesen, Lernen. Sie bereitete die unterschiedlichsten Sachen vor, verwarf all ihre Pläne, plante neu.
Und oftmals saß sie auf ihrer Terasse in der Hängematte und sah in die Sterne. Dann setzte sie sich an den kleinen Tisch neben der Hängematte, kramte ein Pergament heraus und begann zu schreiben.
Zaina, geliebte Schwester. Ich weiss, diese Zeilen werden dich nicht erreichen, aber vielleicht erreichen dich wenigstens meine Gedanken, in denen ich diesen Brief schon längst geschrieben habe.
Jeden Abend sitze ich hier und sehe in die leuchtenden Sterne, in der Hoffnung, dass es nur ein Zeichen gibt, dass es dir und Saheeb gut geht. Egal, wo ihr auch seid, ihr ruht in meiner unmittelbaren Nähe - in meiner Brust, in meinem Herzen. Ich konnte mich nie bei euch bedanken für das, was ihr für mich getan habt. Saheeb und du... Ich verstehe bis heute nicht, warum eure Wege so enden mussten. Aber Eluive hat vermutlich größeres für euch vorgesehen und möchte euch direkt an ihrer Seite sehen. Solltest du Derya sehen, dort, wo du nun bist, geb ihr einen Kuss von mir und sag ihr, dass ich sie sehr liebe. Und auch ihr Bruder vermisst sie sehr.
Manchmal ist es, als wär alles nur ein Traum, aber dann steh ich vor deinem Haus und sehe, dass dort nicht mehr du wohnst. Deine Truhen wurden hinfort geschafft - es ist, als wäre dein Leben wirklich restlos ausgelöscht. Nur die Urnen in den tiefen Grabkammern erinnern daran, dass es dich einmal gab. Ebenso wie meine Gedanken. Und in denen, wie auch in meinem Herzen, wirst du immer ruhen.
Morgen früh würde sie den Brief gleich zur Grabstätte bringen und ihn dort hinlegen. Sie vermisste ihre Geschwister sehr, aber sie wusste, für was sie lebte. Und sie wusste, dass sie weitermachen musste, auch, wenn es ihr noch so schwer fiel. Und auch, wenn sie alleine da stand, mit den Kindern, mit der Arbeit, sie würde es schaffen. Sie würde sich selbst beweisen, dass sie all das schaffen konnte, wenn sie nur wollte.
Verfasst: Montag 15. Januar 2007, 06:02
von Aalina Yazir
Gefährliche Wölfe in den Wäldern um Tirell
Eigentlich wollte sie nur ein paar Rehe jagen, ihnen das Leder abziehen, Fleisch und Blut für Raakin mit nach Hause nehmen. Aber das sie jemandem das Leben retten würde, damit hätte sie nicht gerechnet.
Schwankend und benebelt kam der junge Mann auf sie zu und steuerte unter Schmerzen stöhnend und ächzend nach Bajard. "Kann ich euch helfen?" Die junge Menekanerin konnte nicht sehen, wie sehr er litt. Er murmelte etwas von Wölfe und Schmerzen, Aalina zog ihn mit sich in die Taverne in Bajard. Dort versuchte sie seine Wunden fein säuberlich auszureinigen und gab ihm einige Tränke gegen seine Schmerzen, die auch Aalina immer von Raakin bekam, wenn sie von einem Tier gebissen wurde. Und es schien ihm nach einiger Zeit wirklich besser zu gehen.
Lange saß sie mit dem jungen Mann - Sarog Pilyan - in der Taverne und unterhielt sich mit ihm. Die junge Menekanerin fühlte sich von diesem Mann wie in einen Bann gezogen, konnte ihren Blick kaum von ihm lassen und folgte seinen Worten, als wären es die ihren. Er war nett und charmant, man könnte fast behaupten er wüsste, wie er taktisch klug vorgehen musste um jede Frau oder zumindest das Gehör jeder Frau für sich zu gewinnen. Bei jeder Bewegung kam Sarog ihr gefährlich nahe, doch die junge Menekanerin ließ sich unbeeindruckt davon. Aber irgendwann kam die Zeit, in der auch Aalina "Lebe wohl" sagen musste. Ihr Weg trieb sie wieder nach Hause, zurück nach Menek'Ur.
Den ganzen Tag war sie auf Menek'Ur herumgegeistert und hatte über ihre Bekanntschaft nachgedacht. Ein netter junger Mann, wenn man ihn sich äußerlich ansah, auch keinesfalls unansehnlich. Und wie es das Schicksal wollte, trieb es sie erneut zurück nach Gerimor. Als ob es vorbestimmt wäre, lief sie ihm auch an diesem kalten, windigen Abend über den Weg. "Darf ich euch auf etwas zu trinken einladen?" Sie stimmte zu. Warum auch nicht?
Die Zeit verging und verging, fast als flog sie davon. Sie unterhielten sich lange und Aalina hatte wirklich die Zeit vergessen. "Ich glaube, ich muss nun los!". Doch der Blick aus dem Fenster auf die dunkle Nacht, die eisige Kälte und die stürmigen Schneewinde ließen sie mutlos in den Stuhl zurücksinken. "Ich kann euch anbieten, hier zu bleiben und gleich morgen ein Schiff zurück zu nehmen!" ....
Verfasst: Montag 15. Januar 2007, 23:07
von Sharif
-.-
Verfasst: Montag 15. Januar 2007, 23:11
von Sarog Pilyan
Er sollte doch nicht wirklich an dieser verdammten Bisswunde verrecken - nicht nach allem, was er sich geschaffen hatte. Krampfhaft hielt er sich mit der rechten Hand die Wunde, welche schon allerlei unmögliche Farben trug und ganz und gar nicht danach aussah, als würde sie jemals von selbst verheilen. Wieder hatte ihn seine Überheblichkeit und Arroganz dazu getrieben, dass er sich durch ein einfaches Tier, schwer verwunden ließ, als er den Wolf unterschätzte. Er hatte vergessen, welche ansteckenden Krankheiten die Mistdinger mit sich herumtrugen. Er fluchte immernoch und schleppte sich den Weg lang Richtung Bajard. Rahal war zu weit weg, der Orden ebenso. Plötzlich kam er sich ziemlich allein vor. Nicht einmal reiten konnte er in diesem Zustand, sonst hätte er sich auch einfach tragen lassen.
Er wusste nicht mehr wirklich, wieso er noch lebte und wer ihn in die Gastwirtschaft gebracht hatte, aber als er die Augen öffnete, sah ihn eine hübsche, dunkelbraungebrannte Menekanerin mit blauen Augen an. Das war genau dieser Momente, wo sich ein Mann nur folgendes vorstellen konnte:"Wow!" Sie tauschten sich aus und lernten schon voneinander. Dennoch war es wieder Sarogs Unterbewusstsein, welches sich meldete und ihm sagte, dass diese Frau ihm gehören sollte. Er fing harmlos an und versuchte sich langsam heranzuwagen, als würde er sie um den Finger wickeln wollen. Sie schein doch recht gleichgültig, doch die Augen, diese wunderbaren Augen verrieten es ihm. Es war Sarogs ungewöhnliche Begabung, dass er Schauspieler erkannte, wenn sie ihm was vorgaukeln wollten. Ob das an seiner Menschenkenntnis lag, mochte er bezweifeln, denn in den Jahren der Abgeschiedenheit hatte sich diese Gabe nicht gelegt. Sie war immer da.
Sie hatte sich nach einer ganzen Weile verabschiedet und nicht wirklich zugesagt, ob sie sich wiedersehen würden. Sie taten es aber. Es war noch früher Abend, als die Worte Sarog über die Lippen huschten, ob sie denn bei einem harmlosen Umtrunk ein Schwätzchen halten wollten. Sie stimmte zu und Sarog huschte ein Lächeln über das Gesicht, das Lächeln eines...Siegers? Wieder begann dieser Dialog und erste Versuche einer Berührung von seiner Seite wurden durchgeführt. Er musste ihr zeigen, dass sie sehr begehrenswert ist und auch, dass er manches für sie riskieren würde. Ob das nun der Wahrheit entsprach, wollte er sich selbst nicht allzu früh zugestehen. Als sie aufstehen und gehen wollte, sie dann die Dunkelheit draußen sah, musste Sarog sie unbedingt dazu bringen, dass sie bei ihm bleiben sollte. So führte er sie zu seinem Zimmer, wo sie sich einander betrachteten und wieder kamen ihm gar anhimmelnde Worte über die Lippen, ehe er die Müdigkeit auf seinen Augen spürte, welche die Augenlider niederzwang.
Morgens erwachte er alleine und das Bett neben ihm war leer.
Verfasst: Dienstag 16. Januar 2007, 09:35
von Aalina Yazir
Dunkle Erkenntnis
Sie war lange unterwegs gewesen in den Wäldern, um Reagenzien für Raakin zu sammeln. Die letzten Tage hatte sie immer weniger über ihn nachgedacht, wie sie es sonst tat. Sie wusste, sie liebte ihren Mann von ganzem Herzen und es war schwer, ihre Gedanken auch nur eine Minute von ihm zu lassen. Aber in den letzten Tagen hatte sie es geschafft. Ungewohnt für die junge Menekanerin. Es war quasi das erste Mal in den letzten zwei Tagen, dass sie überhaupt irgendwie nachdachte. Und genau aus diesem Grund war sie auch losgezogen. Oder hatte sie sich einfach einen Grund gesucht, um die Wälder auf Gerimor ablaufen zu können? Selbst wenn es so gewesen wäre, hätte sie es nicht zugegeben.
Sie kämpfte sich durch die Wälder Varunas, als sie endlich auf eine weite, schneeüberzogene Lichtung traf. Schwermütig stapfte die junge Frau durch den hohen Schnee und verharrte, als sie den schwarzen Schatten am Stadtgraben Varunas sah. Ihre Augen verformten sich zu zwei dünnen Schlitzen, als sie erkannte, was sich vor ihr befand. Zuletzt hatte sie eine solche schwarze Robe und einen solchen Stab gesehen, als Baygon Lypsan die indirekte Drohung über die Lippen brachte, ihrem Kind etwas anzutun. Innerlich verkrampfte sich alles. Wieder trug sie ein Kind in sich, wieder stand sie vor diesem schwarzen Mann. Doch schien er keiner feindlichen Absicht. Im Gegenteil, er näherte sich ihr. Sie hatte vor lauter Hass und Wut, die sich innerlich entwickelt hatten, nicht einmal bemerkt, wie er seine Kapuze zurückgeschoben hatte und sein Gesicht freigab. Immer näher kam er und Aalinas Hand rutschte reflexartig zu ihrem Diamantdolch in dem Schaft ihrer hohen Stiefel. Erst als er direkt vor ihr stand sah sie in sein Gesicht, in das Gesicht welches sie in den letzten Tagen oft gesehen hatte - Sarog Pilyan.
Ihre Gedanken überschlugen sich. War er wirklich einer von denen? Warum hatte sie nicht gemerkt, dass er sie nur hinters Licht führen wollte? Wollte er sie wirklich hinters Licht führen? Wollte er sie nur für sich besitzen? Oder wollte er sie gar töten?
- Er dementierte. Und das auf eine Art und Weise, die Aalina fast schon wieder an ihrem festen Willen zweifeln ließ einfach zu gehen. Sich umzudrehen, in der kalten Nacht zu verschwinden. Warum konnte sie sich nicht von ihm abwenden? Warum hatte sie das Gefühl nicht mehr sie selbst zu sein, wenn er ihr in die Augen sah? Warum verdammt konnte sie das nicht? Aalina, stell dich nicht an. So einer wollte dein Kind töten und der nächste wird sich gleich dich vornehmen. Ihre Gedanken drehten und drehten sich, doch immer nur im Kreis.
"Warum sollte ich einer bildhübschen Frau etwas antun wollen?"
- Ja, warum? Das würde sie gerne von ihm wissen wollen. Hatte er wirklich keine Absichten ihr weh zu tun, sie zu verletzen oder gar zu töten? Sie hatte einen hohen Rang auf Menek'Ur. Sie war Schneiderin des Emirs, Personal des Emirs, sie war in des Erhabenen Nähe, wenn sie von ihm gerufen wurde. Sie war die Frau des Großwesir, dem zweitmächtigstens Mann auf Menek'Ur. Wusste Sarog das? Ja, er sollte es wissen, sie hatte sich als diese vorgestellt, wie sie es immer tat. Hatte er sich in seinem hübschen Köpfchen zusammengesponnen, wieviel Gold er durch sie erpressen konnte?
Mutlos ließ sie den Dolch und auch ihre Hand sinken. Sie konnte ihn nicht töten, selbst wenn Sarog in einem Satz danach verlangt hatte. Sie gab auf. Und sie drehte sich um, wollte gehen. Doch blieb sie immer wieder stehen, sah über ihre Schultern zurück und schenkte ihm einen letzten, traurigen Blick. Er nickte ihr nur zu und sie überkam das Gefühl, als würde er genauso traurig sein wie sie. Aber sie ging weiter. Sie wollte sich nicht ans offene Messer liefern. Leisen Schrittes stapfte sie durch den Schnee, hinterließ kleine Fußspuren in diesen und stieg in die Kutsche.
Fehlen wird er dir... Sie schloss die Augen und die Kutsche fuhr davon.
Verfasst: Donnerstag 25. Januar 2007, 13:17
von Sarog Pilyan
Ohne sich mit wichtigen Gedanken zu beschäftigen schleppte er sich in die Bajarder Taverne. Ungewöhnlicherweise war sie schon zu früherer Abendstunde ziemlich voll. Es waren tatsächlich nur noch wenige Tische frei und an einem Tisch sah er eine Person, die er ganz sicher nicht erwartet hätte. Die Frau Yazir höchstselbst war eingetroffen und hatte sich unter das einfache Volk der Festländer geschlichen. Unweigerlich musste der junge Magier schmunzeln. Sie sah wieder zum Anbeißen aus, wenn sie auch völlig verhüllt auf dem Stuhl saß, es war einfach ein überragendes Gefühl, wenn er sie in seiner Nähe hatte. Er kam sich vor, als würde er es schaffen, dass sie mehr und mehr im gehören würde. Dies hatte er alles gänzlich ohne jegliche Planung vollzogen und doch klappte alles genau so, wie er es wollte - diesmal konnte er wirklich von Glück reden. Pures Glück.
Anfangs begrüßte er sie nur flüchtig, nickte ihr zu und sah dann gleich zu ihrem menekanischen Begleiter hin. Mit geschmeidigen und zielsicheren Bewegungen stand er vor dem Gastwirt und ließ sich einen Früchtetee herrichten. Als er sich umdrehte, spürte er bereits, dass sie da war, bevor er sie überhaupt aus den Augenwinkeln heraus sehen konnte. Die Blicke trafen sich abermals, wie viele Male zuvor: Beide wussten, dass sie es so wollten. Ihre liebliche, zarte Stimme fragte ihn, was er denn davon hielt, wenn sie sich beide an einen Tisch setzen würden. Sarogs Augen huschten über Aalinas Begleitung und er fragte sie, ob sie denn heute Schutz brauchte, unbewusst wollte er sich wohl nur sicher sein, ob sie noch Angst vor ihm habe. Sie verneinte nur mit einem Lachen, Sarog war froh, aber lachen konnte er darüber nicht.
Sie unterhielten sich am Tisch und sahen sich lange in die Augen. Sarog hatte das Gefühl, als würde sie von ihm glauben, dass er nun ihr 'guter Freund' sei. Sie wusste natürlich nicht, dass er sie immer tiefer in sein Netz verwebte, als sei sie einfach nur die Fliege in seiner Falle. Er umspielte sie mit seinen Worten und setzte gleichermaßen seine ureigenen Taktiken ein, um sie zu umschmeicheln und ihr Honig um den Mund zu schmieren. Sie war nicht naiv oder leichtgläubig, so musste er weiterhin aufmerksam bleiben und verhindern, dass er zu direkt wurde. Er wollte sicher nicht, dass die ganze Sache ein verfrühtes Ende fand. Plötzlich schoben sich beide Hände einer Person an die Rückenlehne seines Nachbarstuhles und eine maskierte Gestalt wollte sich auf jenen setzen. Sarog legte seine linke Hand auf den Stuhl ab und murrte dann mit einem 'Hier ist schon besetzt' in die Richtung der Person. Er durfte sich nicht stören lassen, denn das Netz wurde enger um ihren Leib gehüllt.. bis es ihr den Atem rauben würde.
Verfasst: Donnerstag 25. Januar 2007, 13:39
von Kemail Ifrey
"Ich werde dich finden Bruder." *murmelte die dunkel gekleidete Gestalt vor sich hin, während er auf dem Schiff auf und ab ging*
Viel zu viel ist geschehen, er musste ihn finden, und nach einer längeren Schiffreise kam er auch in Bajard an. Sein erstes und wohl auch letztes Ziel für diesen Abend war die Taverne. Doch was er dort erblickte, erschrack ihn. Ja, gut er hat seinen Bruder dort gesehen, aber der Gedanke, das Sarog, der Arkorither mit Aalina an einem Tisch saß, bereitete in ihm grossen Unmut. Ihren Tisch direkt anvisierend, ging er auf diesen zu und wollte sich neben Sarog niederlassen. Aber nein, Sarog meinte nur, dass es besetzt wäre. Und von Aalina? Von ihr kam garkeine Reaktion.
Kurzzeitig ballte sich Kemails Faust, aber nein, er unterliess sein Vorhaben Sarog zuverprügeln. Aalina hätte ihn doch dafür gehasst.
Leicht seufzend wendete er sich dem Tisch der Hinrahs zu, wo auch sein Bruder sass und nahm dort Platz.
Dennoch schweiften seine Gedanken um Sarog und Aalina.
"Was geschieht da nur? Ist Aalina blind oder weshalb schaut sie den Arkorither so an. Oder weiss sie nicht das es einer ist?" Bei diesem Gedanken an sich weiteten sich seine Augen. Nein, nein... Aalina müsste es doch besser wissen.
"Und weshalb sitzt sich nicht bei Hasib? Sie waren doch eignetlich gut befreundet? Irgendetwas stimmt doch dort nicht. Ich muss Sarog und Aalina im Auge behalten, bevor dieser versucht Aalina um den Finger zuwickeln."
Als Hasib sich erhob und aus der Taverne spazierte, folgte Kemail ihm direkt. Sich unterhielten sich über einige Dinge und aufeinmal stand Aalina hinter den beiden.
"Soll ich sie darauf ansprechen? Nein, ich lass es lieber." dachte sich Kemail.
Aber was geschieht denn da? Aalina war so anders. So abweisend. Hat es Sarog geschafft sie etwa um den Finger zuwickeln?
Ohne ein weiteres Wort wendete sich Kemail um und machte sich auf dem Weg. Wohin, war selbst ihm noch unklar.
Aber würde er das nächste mal Sarog erblicken, würde der sich gewünscht haben, Aalina niemals angetroffen zuhaben. Mit diesen Gedanken marschierte die dunkle Gestalt durch die Wälder Gerimors.
Verfasst: Donnerstag 25. Januar 2007, 22:13
von Aalina Yazir
Menek'Ur.
Kaum auszudenken für die junge Menekanerin, ihr Haus und Hof alleine zu lassen. Sie saß da, nähte Kleidungsstücke für ihr ungeborenes Kind und hoffte sehnsüchtig darauf, auch ihren Sohn abermals in ihre Arme schließen zu können. Lange war er nun schon fort bei ihren Eltern, aber da war er vorerst gut aufgehoben. Ihr schwarzes Haar fiel in ihren Schoß, die fertigen Kleidungsstücke legte sie auf die Seite. Sie war so glücklich, in ihrer Ehe zu sein, mit dem schönsten und liebevollsten Mann Menek'Urs verheiratet zu sein. Und auch wenn er kaum da war, sie vermisste ihn so sehr und allein das trug dazu bei, dass ihre Liebe zu ihm stand hielt.
Bajard.
Das kleine Gasthaus - sie hatte sich abermals dorthin verirrt. Irgendwie musste sie unter Menschen. Sie hatte gar nicht wirklich die Absicht gehabt auf jemanden zu stoßen, den sie kannte. Aber dort saß Hasib. Sie hatte ihn lang nicht mehr gesehen und umso erstaunter war sie, dass sie ihn hier antraf. Und er war so absolut anders als sonst. Das Gasthaus war überfüllt, so konnte man es wirklich ausdrücken und Aalina unterhielt sich angeregt mit Hasib, als die Türe aufgestoßen wurde. In Zeitlupe hob sich ihr Blick und ihre Augen begannen zu schimmern, hatte sie den Eintretenden fest im Blick. Als er sich näherte kreuzten sich ihre Blicke und die junge Menekanerin sah ihm nach. "Hasib, du entschuldigst mich doch kurz?" Sie stand auf.
Vielleicht hatte sie nicht damit gerechnet an diesem Abend auf Sarog zu treffen und vielleicht hatte sie auch keinerlei Ahnung, was er letztendlich im Schilde führen würde, aber eines ließ sie erschrecken: Warum war sie immer so kalt zu all ihren liebsten Menekanern, wenn sie sich zuvor noch mit Sarog getroffen hatte?
Zurück auf Menek'Ur.
Schnell waren all ihre Gedanken an den unheimlichen, undurchsichtigen Magier verschwunden. Ihr Herz wurde voller Wärme durchflutet und ihr Geist erblühte um ein Neues. Vielleicht schweiften ihre Gedanken ab und an von dem ab, was sie eigentlich dachte und sie fragte sich, was Sarog in diesem Moment wohl machen würde.
Und sie dachte an Kemail. Warum war er auf dem Festland so komisch zu ihr gewesen? War er womöglich eifersüchtig auf Sarog, weil Aalina sich gut mit ihm verstand? Sie wusste es nicht, aber es lag ihr am Herzen es herauszufinden.
Verfasst: Donnerstag 8. Februar 2007, 21:40
von Aalina Yazir
Das Rad des Schicksals
Langsam aber sicher hatte sich um Aalina alles gelegt. Sie hatte sich selbst wieder gefangen, ihr Leben auf die Reihe bekommen. Zwar lebte sie abgeschieden von allen anderen, ließ kaum noch Kontakt mit anderen Menekanern zu, vereinzelt sah sie hier und da jemanden und sprach oberflächlich mit ihnen. Sie liebte ihre Ruhe, ihre Einsamkeit. Gut, vielleicht war lieben das falsche Wort, aber sie hatte sich daran gewöhnt.
Langsam war es auch wieder an der Zeit an ihre Kinder zu denken. Ihr ungeborenes Kind, welches sie in sich trug und auch an Jafaar. Lange genug war er weg von ihr. Sie wusste zwar, dass sich ihre Mutter bestens um ihren kleinen Sohn kümmern würde, aber Aalinas Sehnsucht nach ihrem eigen Fleisch und Blut war viel zu groß, als das sie es noch länger hätte aushalten können. Wie lange hatte sie ihn nun nicht mehr gesehen? Wochen? Monate? Das war egal. Sie würde ihrer Mutter einen Brief zukommen lassen, dass sie alles zur Abreise vorbereiten sollte.
Sie ging zur Tür und öffnete, nahm die Briefe entgegen, die jeden Tag von einem Boten überbracht wurden. Die meisten waren eh für Raakin. Nur einer war für sie, in der Handschrift ihrer Mutter. Sie war froh von ihr zu hören, bestimmt würde sie ihr schreiben, wie gut es allen ging. Hastig öffnete sie den Brief.
Aalina, mein Kind.
Ich hoffe, es geht dir gut. Gerne würde ich dich nun in meine Arme schließen und drücken. Mein Brief ist von großer Eile. Ich hätte dir diese schlimme Nachricht gerne selbst überbracht, doch ist die Reise für mich zu anstrengend.
Mit Bedauern und tiefster Trauer muss ich dir vom Verlust eines weiteren Familienmitgliedes erzählen. Ich weiß, dass es dich wie ein Schlag ins Gesicht treffen wird, deine Welt, die du dir aufgebaut hast, wird erneut einstürzen, aber dennoch wünsche ich dir all die Kraft, die Eluive dir noch geben kann in deiner Trauer. Jafaar hat sein Essen, als er hier war verweigert. Selbst als wir ihn zwingen wollten, übergab er sich und spuckte das Essen wieder aus. Wir konnten nichts tun, er starb die letzte Nacht in meinen Armen. Immer wieder sagte er: "Sagt Mah, dass ich sie lieb hab!"
Sein Wunsch, seine Zwillingsschwester wiederzusehen war wohl zu groß. Aalina, mein Schatz, ich weiß, es ist schwer für dich, aber ich weiss, du bist stark. Du wirst es überstehen, du weisst, dass er ohne seine Schwester nicht sein konnte. Es war sein eigener Wille.
Halte bitte durch, Kind. Du bist hier jederzeit Willkommen.
Deine dich liebende Mutter, Yasemeen Masari
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Aalina schluckte. Sie konnte nicht weinen, sie konnte einfach nicht. Sie nahm das nächste Glas und warf es gegen die Wand, gefolgt von dem nächsten und dem nächsten und dem nächsten. Bis etwa alle Gläser an der Wand gelandet und in Splittern auf den Boden gefallen waren. Sie war wütend. Wie sehr wollte Eluive sie noch strafen? Wie oft wollte sie Aalina noch auf die Probe stellen? Sie hatte keine Kraft mehr.
Aalina schwieg. Und das nicht nur für diesen einen Moment. Ihre Stimme blieb weg, sie konnte nicht mehr sprechen. Sie hatte ihren Willen verloren, ihre Kraft, ihre Lebensenergie. Und über ihre Lippen trat kein Wort mehr, wie eine Barriere.
Einzig allein Raakin schaffte es, an sie heranzutreten und ihr Worte zu entlocken.