Über die Macht von Kameradschaft
Verfasst: Mittwoch 21. Januar 2026, 16:43
Anderthalb Wochenläufe war das Biwak nun her. Anderthalb Wochen wieder in einem weichen Bett, das sich nach drei Monden Gerimor so langsam auch nach Heimat anfühlte. Es war Lioras nicht mehr, als versinke er in der Weichheit der Matratze. Eher war es zu etwas geworden, auf das er sich nach einem langen Dienst im Schnee freute. Blieb abzuwarten, wie lange es noch dauern würde, bis er das Bett auf dem Weg zum Training mit den anderen Gardisten vermissen würde. Denn wie im Biwak besprochen, traf er sich nun jeden Tag mit ihnen bei Rahal, um dafür zu sorgen, dass er den Altersunterschied zwischen den Kameraden und sich aus dem Kopf verlor und begann, sich als gleichwertigen Soldaten zu betrachten. So begannen die Spätschicht-Tage mit Frühsport.
Zunächst ging es im Laufschritt von der Kommandantur raus zum Truppenübungsplatz. Jynela gab sich dabei alle Mühe, Lioras' Ego zu reizen und seinen Kampfgeist zu wecken. Dessen war der Barde sich sicher. Sie musste in den vergangenen Monden beobachtet haben, wie sehr er auf Wettstreit und 'Provokationen' ansprang. Ein Schelm, wer dabei Böses dachte ... Natürlich ließ sie ihn jeden Morgen aufs Neue im wahrsten Sinne des Wortes alt aussehen. Sie war hochgradig trainiert, gehörte zu Rahals Elite. Schneesprints war sie gewohnt. Aber ... und daran klammerte Lioras sich ... Mit jedem Tag, an dem er sich mehr an den Widerstand des Schnees gewöhnte und mit jedem Lauf, bei dem er es wenigstens kurz schaffte, seinen Kopf auszuschalten, wurde der Abstand zwischen Jynela und ihm geringer. Nicht viel. Nicht sofort erkennbar, aber tatsächlich. Er war einen guten halben Kopf größer als sie. Das schlug sich unweigerlich in seiner Schrittlänge aus. Er musste nur lernen, sie sich zu eigen zu machen. Die Kraft seiner Muskeln musste nachziehen, um ausnutzen zu können, was an günstigen Grundvoraussetzungen und Technik bereits vorhanden war. Das würde Zeit brauchen. Mehr als bei zwanzigjährigen Soldaten, aber er hatte nicht vor, jetzt aufzugeben. Dafür hatte zu viel Gefallen an seiner allmählich gesteigerten Leistungsfähigkeit gefunden.

Aufgewärmt vom Lauf ging es dann stets in den Hindernisparcours. Auf dem Boden unter einem Netz hindurchrobben fühlte sich immer noch lächerlich an, aber gut. Dafür lagen ihm das Balancieren und Klettern deutlich mehr. Das erinnerte ihn an seine Kindheit, als sein Vater mit ihm 'heimlich' klettern gegangen war, während seine Mutter der Meinung war, er sollte erstmal 'Wichtigeres' lernen. Ein verstohlenes Grinsen schlich sich hin und wieder auf Lioras' Züge, wenn er so darüber nachdachte. Das waren zudem die Hindernisse, bei denen er kurz durchatmen konnte, bevor sein Endgegner kam.

Der Teil, an dem er sich hoch oben von Seilschlaufe zu Seilschlaufe hangeln musste. Neben Unmengen an Kraft in den Armen brauchte es hier vor allem die Fähigkeit, trotz schwankendem Untergrund seinen Körperschwerpunkt dicht am Seil zu lassen, damit der Kraftaufwand für die Arme nicht noch größer wurde als ohnehin schon. Oh, und er musste spätestens hier wirklich seinen verdammten Kopf ausschalten. Zögern bedeutete, sich länger als nötig halten müssen. Zweifeln bedeutete, im schlimmsten Fall den Griff zur nächsten Schlaufe zu vermasseln und abzustürzen. Eine Erfahrung, die er einmal schmerzlichst hatte machen müssen - und er war nicht scharf darauf, das zu wiederholen. Was ihm in Vorbereitung auf dieses Hindernis half, waren die Klimmzugübungen mit Grundausbilder Melia. Der Kerl war ein Baum von Mann. Breites Kreuz, starke Arme und auch, wenn er sich bescheiden gab, so kam diese Statur garantiert nicht nur von etwas Sense Schwingen und Holzfällen. Er hatte dafür trainiert. Mehrere Jahre, im richtigen Alter - und tat es bis heute noch. Die Klimmzüge waren jedes Mal aufs Neue eine Zerreißprobe für Lioras' Ego, weil Melia ihn scheinbar mühelos abhängte. Sowohl in Wiederholungen als auch in der Geschwindigkeit der Ausführungen. Wenn er wollte, könnte er vermutlich sogar einarmig mit dem Barden mithalten. Aber so viel Rücksicht besaß er dann offenbar doch, das nicht zu tun.

An Frühschicht-Tagen wiederum traf er sich nach Dienstschluss mit Soiradur. Der war alles, nur keine Lerche. Zum Frühsport müsste man ihn vermutlich zwingen. Aber dank des Schichtdienstes bot sich ja auch immer wieder eine günstige Gelegenheit, um später am Tag noch zu üben. Dabei war es dann seltener der Parcours als Gesamtes, sondern vor allem viel Laufen als Ausdauertraining und waffenloser Nahkampf. Es galt, den jungen Lioras, der sich in den Tavernen und Kneipen Shevanors vor keiner Schlägerei gedrückt hat, wieder zum Leben zu erwecken. Wenigstens in Gedanken. Die alten Reflexe wie das Schützen des Kopfs und etwaige Ausfallschritte wieder zu reaktivieren. Ohne einen Befehl des Hauptmanns im Nacken waren Soiradurs Attacken etwas humaner, nicht jedoch lasch. Er nahm das ernst und forderte Lioras mehrfach dazu auf, auch mal zurückzuschlagen. Eine Sache, die tatsächlich noch schwerer fiel, als das bloße Abblocken von Angriffen. Die beiden einigten sich darauf, dass es für die Zukunft nicht schaden konnte, wenn der Barde seine Hemmungen dahingehend etwas ablegen könnte. Wer wusste schon, was noch auf die beiden zukommen würde und was sie gegebenenfalls einmal tun müssten, um Schlimmeres zu verhindern? Lieber jetzt schon mal an den Gedanken 'gewöhnen', als es im Nachhinein zu müssen und dann zu bereuen, dass man sich mit dieser Option nie beschäftigt hat. Im besten Fall war es einfach nur eine zehrende Gehorsams- und Kampfübung, nach der es der Barde in aller Regel nur noch gerade so heim schaffte, sich mit einer Katzenwäsche im Zuber wusch und dann scheintot ins Bett umfiel. Er konnte es kaum erwarten, dass sein Körper sich an diese Strapazen gewöhnte ...

Zunächst ging es im Laufschritt von der Kommandantur raus zum Truppenübungsplatz. Jynela gab sich dabei alle Mühe, Lioras' Ego zu reizen und seinen Kampfgeist zu wecken. Dessen war der Barde sich sicher. Sie musste in den vergangenen Monden beobachtet haben, wie sehr er auf Wettstreit und 'Provokationen' ansprang. Ein Schelm, wer dabei Böses dachte ... Natürlich ließ sie ihn jeden Morgen aufs Neue im wahrsten Sinne des Wortes alt aussehen. Sie war hochgradig trainiert, gehörte zu Rahals Elite. Schneesprints war sie gewohnt. Aber ... und daran klammerte Lioras sich ... Mit jedem Tag, an dem er sich mehr an den Widerstand des Schnees gewöhnte und mit jedem Lauf, bei dem er es wenigstens kurz schaffte, seinen Kopf auszuschalten, wurde der Abstand zwischen Jynela und ihm geringer. Nicht viel. Nicht sofort erkennbar, aber tatsächlich. Er war einen guten halben Kopf größer als sie. Das schlug sich unweigerlich in seiner Schrittlänge aus. Er musste nur lernen, sie sich zu eigen zu machen. Die Kraft seiner Muskeln musste nachziehen, um ausnutzen zu können, was an günstigen Grundvoraussetzungen und Technik bereits vorhanden war. Das würde Zeit brauchen. Mehr als bei zwanzigjährigen Soldaten, aber er hatte nicht vor, jetzt aufzugeben. Dafür hatte zu viel Gefallen an seiner allmählich gesteigerten Leistungsfähigkeit gefunden.

Aufgewärmt vom Lauf ging es dann stets in den Hindernisparcours. Auf dem Boden unter einem Netz hindurchrobben fühlte sich immer noch lächerlich an, aber gut. Dafür lagen ihm das Balancieren und Klettern deutlich mehr. Das erinnerte ihn an seine Kindheit, als sein Vater mit ihm 'heimlich' klettern gegangen war, während seine Mutter der Meinung war, er sollte erstmal 'Wichtigeres' lernen. Ein verstohlenes Grinsen schlich sich hin und wieder auf Lioras' Züge, wenn er so darüber nachdachte. Das waren zudem die Hindernisse, bei denen er kurz durchatmen konnte, bevor sein Endgegner kam.

Der Teil, an dem er sich hoch oben von Seilschlaufe zu Seilschlaufe hangeln musste. Neben Unmengen an Kraft in den Armen brauchte es hier vor allem die Fähigkeit, trotz schwankendem Untergrund seinen Körperschwerpunkt dicht am Seil zu lassen, damit der Kraftaufwand für die Arme nicht noch größer wurde als ohnehin schon. Oh, und er musste spätestens hier wirklich seinen verdammten Kopf ausschalten. Zögern bedeutete, sich länger als nötig halten müssen. Zweifeln bedeutete, im schlimmsten Fall den Griff zur nächsten Schlaufe zu vermasseln und abzustürzen. Eine Erfahrung, die er einmal schmerzlichst hatte machen müssen - und er war nicht scharf darauf, das zu wiederholen. Was ihm in Vorbereitung auf dieses Hindernis half, waren die Klimmzugübungen mit Grundausbilder Melia. Der Kerl war ein Baum von Mann. Breites Kreuz, starke Arme und auch, wenn er sich bescheiden gab, so kam diese Statur garantiert nicht nur von etwas Sense Schwingen und Holzfällen. Er hatte dafür trainiert. Mehrere Jahre, im richtigen Alter - und tat es bis heute noch. Die Klimmzüge waren jedes Mal aufs Neue eine Zerreißprobe für Lioras' Ego, weil Melia ihn scheinbar mühelos abhängte. Sowohl in Wiederholungen als auch in der Geschwindigkeit der Ausführungen. Wenn er wollte, könnte er vermutlich sogar einarmig mit dem Barden mithalten. Aber so viel Rücksicht besaß er dann offenbar doch, das nicht zu tun.

An Frühschicht-Tagen wiederum traf er sich nach Dienstschluss mit Soiradur. Der war alles, nur keine Lerche. Zum Frühsport müsste man ihn vermutlich zwingen. Aber dank des Schichtdienstes bot sich ja auch immer wieder eine günstige Gelegenheit, um später am Tag noch zu üben. Dabei war es dann seltener der Parcours als Gesamtes, sondern vor allem viel Laufen als Ausdauertraining und waffenloser Nahkampf. Es galt, den jungen Lioras, der sich in den Tavernen und Kneipen Shevanors vor keiner Schlägerei gedrückt hat, wieder zum Leben zu erwecken. Wenigstens in Gedanken. Die alten Reflexe wie das Schützen des Kopfs und etwaige Ausfallschritte wieder zu reaktivieren. Ohne einen Befehl des Hauptmanns im Nacken waren Soiradurs Attacken etwas humaner, nicht jedoch lasch. Er nahm das ernst und forderte Lioras mehrfach dazu auf, auch mal zurückzuschlagen. Eine Sache, die tatsächlich noch schwerer fiel, als das bloße Abblocken von Angriffen. Die beiden einigten sich darauf, dass es für die Zukunft nicht schaden konnte, wenn der Barde seine Hemmungen dahingehend etwas ablegen könnte. Wer wusste schon, was noch auf die beiden zukommen würde und was sie gegebenenfalls einmal tun müssten, um Schlimmeres zu verhindern? Lieber jetzt schon mal an den Gedanken 'gewöhnen', als es im Nachhinein zu müssen und dann zu bereuen, dass man sich mit dieser Option nie beschäftigt hat. Im besten Fall war es einfach nur eine zehrende Gehorsams- und Kampfübung, nach der es der Barde in aller Regel nur noch gerade so heim schaffte, sich mit einer Katzenwäsche im Zuber wusch und dann scheintot ins Bett umfiel. Er konnte es kaum erwarten, dass sein Körper sich an diese Strapazen gewöhnte ...
